SlideShare ist ein Scribd-Unternehmen logo
1 von 37
Aktivierung in der
Studieneingangsphase
Prof. Dr. Clemens Möller
Inverted Classroom Konferenz
27.2.2013
Philipps Universität Marburg
Agenda
2
• Beobachtungen und (mögliche) Gründe
• Schwierigkeiten beim Übergang Schule  Hochschule
• Hohe Durchfallquoten in Mat.-Nat. Grundlagenklausuren
• Inverted Classroom als Methode zur Aktivierung
• Durchführung, konkrete Beispiele
• Stärken / Herausforderungen des Modells
• Inverted Classroom als Wundermittel in der Lehre?
[*** enthält Cliparts aus dem Microsoft Office-Paket]
Beobachtungen
3
Hohe Durchfallquoten in den
Mat-Nat. Grundlagenklausuren
0
5
10
15
20
25
30
35
40
5.0 4.7 4.0 3.7 3.3 3.0 2.7 2.3 2.0 1.7 1.3 1.0
Physik 1, WS 11/12
Defizite in Mat-Nat. Grundlagen sind
wesentlicher Grund für
Studienabbrüche
[***]
Gründe?
4[***]
Erhebliche Anforderungen
an Studienanfänger (1)
5
(1) Neues soziales Umfeld
• Erste eigene Wohnung
 Selber Einkaufen
 Wäsche waschen
 Keine Kontrolle durch Eltern
• Neue Freunde
[***]
Erhebliche Anforderungen
an Studienanfänger (2)
6
Erhebliche Anforderungen
an Studienanfänger (2)
7
(2) Neues Lernumfeld
• Vorlesungen in großen
heterogenen Gruppen
• Keine Hausaufgaben
• Kein regelmässiges "Abfragen" des
Prüfungsstoffes
 keine regelmässige Lernkontrolle
 (oft) kein kontinuierliches Lernen
Erhebliche Anforderungen
an Studienanfänger (3)
8
(3) Ungewohnter Anspruch
• Höherer Abtraktionsgrad
• Anspruch an formale
Denkprozesse
• Häufig verständnisloses
"Auswendiglernen"
[***]
Häufig beobachtetes
Resultat
9
Unsicherheit, Gefühl der
Überforderung
Resignierend-passive Haltung
 Nicht "Ich studiere" sondern
"mit mir geschieht"
Abgabe von Eigenverantwortung
und von Verantwortung für den
Studienerfolg
 hohe (nicht erfüllbare!)
Erwartungshaltung an Dozenten
Passivität und
Akzeptanz des Nicht-
Verstehens
Hohe Nichtbestehens- (oder
"Erkrankungs"-)
Wahrscheinlichkeit in Mat-
Nat Grundlagenfächern
• Idee: Durchbrechen der resignierend-
passiven Grundhaltung
• Methoden:
(1) "Betreutes Selbstlernen" & Offener Lernraum
Aktivierung in der
Studieneingangsphase
10[***]
• Idee: Durchbrechen der resignierend-
passiven Grundhaltung
• Methoden:
(1) "Betreutes Selbstlernen" & Offener Lernraum
(2)
Aktivierung in der
Studieneingangsphase
11
Inverted Classroom
[***]
• Konkreter Einsatz in Physik 1
• Zur Vorbereitung auf jede
Präsenzveranstaltung:
– Materialbereitstellung über ILIAS
– Zwei kurze Videos (je ca. 10 min)
Inverted Classroom in Physik 1
12
Technisches zu Videos:
(1) Screencasts über Laptop mit
Tablet-Funktion (Powerpoint, Windows
Journal, Camtasia)
(2) Vorlesungsmitschnitte an Tafel mit
Webcam + ppt (Camtasia)
http://elearning1.hs-albsig.de/repository.php?ref_id=56460&cmd=view [***]
• Konkreter Einsatz in Physik 1
• Zur Vorbereitung auf jede
Präsenzveranstaltung:
– Materialbereitstellung über ILIAS
– Zwei kurze Videos (je ca. 10 min)
– Zusätzliche Materialien
• Skript
• Verweis auf Online-Resourcen (Wikiversity, andere)
• Verweis auf Quellen und Lehrbücher
• Forum
– Zwei bis vier Verständnisfragen (mit
Musterlösungen)
Inverted Classroom in Physik 1
13[***]
Physik 1
14[***]
Inverted Classroom in Physik 1
15[***]
Bereiten Studierende sich vor?
• Anfangs: Ungewohnte Veranstaltungsform…
– "Wie geht das", "Klappt nicht", "Nicht
gefunden", "Vergessen", …
• Ab ~ dritter Veranstaltung:
– Ansehen der Videos: ~90%
– Beantworten der Fragen: ~60% (Online)
• Teilnahme nimmt zur Mitte des Semesters
ab, zum Ende (Klausuren!) wieder zu
Inverted Classroom in Physik 1
16[***]
In der Präsenzveranstaltung
Beginn mit der Klärung von
Fragen
• Nicht: "Haben Sie Fragen", eher: "Mit
welcher Aufgabe hatten Sie
Schwierigkeiten?" (evtl.: "Was haben Sie
nicht verstanden?")
• Gelegenheit zum Austausch mit
Nachbarn (ca. 2 -3 min)
• Ggf. Wiederholung von
Zusammenhängen, Beantwortung von
Fragen
Inverted Classroom in Physik 1
17[***]
Methoden zur Aktivierung in der Präsenzveranstaltung:
• Multiple Choice / Audience-Feedback
• Eigen- / Kleingruppenarbeit
• Aktives Plenum
Inverted Classroom in Physik 1
18[***]
Verständnisfrage
19
Ein Student drückt mit einer Kraft von 20 N gegen eine Wand; die Wand bewegt sich
dabei nicht. Welche Arbeit verrichtet der Student dabei?
(a) Keine.
(b) Eine unendlich große.
(c) 20 Nm
(d) Die Frage macht so keinen Sinn.
[***]
 Wurde das Video überhaupt angesehen?
Methoden zur Aktivierung in der Präsenzveranstaltung:
Multiple Choice / Audience-Feedback
• Aktivierend
• Gut mit Peer Instruction* kombinierbar
• Überprüfung des Verständnisses
• Sehr gut zum Beginn / Einstieg geeignet
• Auch in klassischen Vorlesungen sehr gut geeignet
• Instantanes Feedback an Vortragenden
Inverted Classroom in Physik 1
20* Eric Mazur, z.B. 2006 [***]
Methoden zur Aktivierung in der Präsenzveranstaltung:
• Multiple Choice / Audience-Feedback
• Eigen- / Kleingruppenarbeit
• Aktives Plenum
Inverted Classroom in Physik 1
21[***]
Beispielaufgabe
22
Ein Auto rollt 100 m einer Gefällstrecke der Steigung 12 % hinunter.
Die Reibungszahl der Rollreibung betrage µF = 0,012 (Vernachlässigen Sie den
Luftwiderstand). Die Masse des Autos beträgt 600 kg. Berechnen Sie die
Endgeschwindigkeit ve des Autos am Ende der Gefällstrecke und den Weg s, den das
Auto auf einer anschließenden horizontalen Strecke noch zurücklegt.
[***]
 Können (zunächst einfache) Konzepte aus dem Video
(Arbeit, Energie) mit anderen (Reibung, schiefe Ebene) in
Zusammenhang gebracht werden?
Verbinden Sie mit möglichst
wenigen geraden Linien, und
ohne den Stift abzusetzen, die
Punkte.
23
Verbinden Sie mit möglichst
wenigen geraden Linien, und
ohne den Stift abzusetzen, die
Punkte.
Sie kennen das schon…?
Die Lösung mit den vier Linien…?
Dann brechen Sie weiter aus
Ihrem Denkrahmen aus…!
Es gibt mindestens eine Lösung
mit drei Linien …
… und mehrere Lösungen mit
einer Linie.
24
Methoden zur Aktivierung in der Präsenzveranstaltung:
Eigen- / Kleingruppenarbeit
• Aktivierend
• Überprüfung des Verständnisses
• Studiengangsbezogene Aufgaben steigern
Motivation
Inverted Classroom in Physik 1
25[***]
Methoden zur Aktivierung in der Präsenzveranstaltung:
• Multiple Choice / Audience-Feedback
• Eigen- / Kleingruppenarbeit
• Aktives Plenum
Inverted Classroom in Physik 1
26
Methoden zur Aktivierung in der Präsenzveranstaltung:
Aktives Plenum*
• Wichtig: Klare Regeln!
 Bewährt: Schriftführer schreibt nur
 Moderator "überwacht" und ruft auf
 Schriftführer, Moderator und Dozent geben keine
inhaltlichen Beiträge
 Inhaltliche Beiträge kommen (fast…) nur aus dem
Plenum, der Dozent sitzt im Rücken des Plenums
• In größeren Gruppen manchmal schwierig
 Anfangshemnisse (wer geht an die Tafel...?) legen sich mit
der Gewöhnung an die Methode
• Aktivierend
• Überprüfung des Verständnisses
Inverted Classroom in Physik 1
27* Christian Spannagel [***]
Evaluation?
1. Subjektiver Eindruck der größeren
Beteiligung bei Studierenden
2. Positives Feedback
3. Klausurergebnisse
a) Etwas geringere Durchfallquote (38%  27%).
 Signifikant? Wiederholbar?
 In Kombination mit "Betreutem Selbstlernen" und
"Offenem Lernraum"!
b) "Erkrankungs"-quote ähnlich hoch (36%) 
4. Lernen Studierende im ICM "tiefer"? Kann
Wissen besser eingesetzt werden?
Inverted Classroom in Physik 1
28[***]
• Idee: Durchbrechen der resignierend-
passiven Grundhaltung
• Methoden:
(1) "Betreutes Selbstlernen" & Offener Lernraum
(2) & Problem-based learning
Aktivierung
29
Inverted Classroom
[***]
• Klassisch
30
Frontale
Wissensvermittlung
in Päsenzphase
Übephase
individuell
Konfrontation mit
"echtem" Problem
• Inverted Classroom
Frontale
Wissensvermittlung
in individueller
Phase
Übung in
Präsenzphase
Konfrontation mit
"echtem" Problem
Inverted Classroom &
Problem-Based Learning
[***]
• Klassisch
31
Inverted2 Classroom
Frontale
Wissensvermittlung
in Päsenzphase
Übephase
individuell
Konfrontation mit
"echtem" Problem
• Shuffled Classroom, ICM & PBL:
Konfrontation mit
"echtem" Problem
Frontale
Wissensvermittlung
in individueller
Phase
Übephase in
Gruppen
• Inverted Classroom
Frontale
Wissensvermittlung
in individueller
Phase
Übung in
Präsenzphase
Konfrontation mit
"echtem" Problem
Inverted Classroom &
Problem-Based Learning
[***]
• Konkreter Einsatz im Modul
Qualitätssicherung in der
biomedizinischen Forschung
(im WS2011/2012)
Inverted Classroom &
Problem-Based Learning
32Möller, 2012: "Etablierung eines Qualitätssicherungssystems in einer virtuellen Firma"
Wundermittel Inverted Classroom?
Die Hattie-Studie
33
Was schadet
Sitzenbleiben
übermäßiges Fernsehen
lange Sommerferien
Was nicht schadet, aber auch nicht hilft
offener Unterricht
jahrgangsübergreifender Unterricht
Web-basiertes Lehren und Lernen
Was nur wenig hilft
geringe Klassengröße
finanzielle Ausstattung
entdeckendes Lernen
Hausaufgaben
John Hattie, z.B. 2003ff. Nach M. Spiewak, "Ich bin superwichtig", in Die Zeit, 3.1.2013
Wundermittel Inverted Classroom?
Die Hattie-Studie
34
Was mehr hilft
regelmäßige Leistungsüberprüfungen
vorschulische Fördermaßnahmen
lehrergeleiteter Unterricht
Zusatzangebote für starke Schüler
Was richtig hilft
Lehrerfeedback
problemlösender Unterricht
fachspezifische Lehrerfortbildung
Programme zur Leseförderung
vertrauensvolles Verhältnis zwischen
Lehrkraft und Schüler
John Hattie, z.B. 2003ff. Nach M. Spiewak, "Ich bin superwichtig", in Die Zeit, 3.1.2013
Take-Home Messages
• ICM ist gut geeignet, um heterogene Lerngruppen (auch
große) zu aktiver Mitarbeit anzuregen
• Durchbrechen einer passiv-resignierenden Grundhaltung
möglich
• Technischer Aufwand von minimal bis extrem
 "Do I need it perfect or do I need it by Tuesday?"
• Verschiedene Arten der Präsenzveranstaltung
 Quiz / Multiple Choice, Teamarbeiten, Aktives Plenum, Problem-Based
Learning, …
• Die Lehrkraft bleibt wichtig!
 ICM muss zur Lehrkraft und zum Auditorium passen bzw.
methodisch angepasst werden
35
Fragen / Diskussionspunkte
• Evaluationsergebnisse (bei mir) nicht eindeutig… Folgerung? Ihre
Erfahrungen? Kann im ICM Erlerntes besser eingesetzt werden?
Andere Prüfungsformen nötig / sinnvoll?
• Ihre Methoden / Erfahrungen mit der technischen Seite? "Perfect
or by Tuesday?"
• Welche Methoden wenden Sie in Präsenzveranstaltungen an? Ihre
Erfahrungen?
• Moodle / ILIAS vs. Youtube / Google Docs / Facebook
• Welche Schwierigkeiten beobachten Sie?
• Ist "Aktivität" quantifizierbar?  EEG*?
36* Eigene Daten. Vgl. z.B. Wild-Wall et al., 2011; Grabner et al., 2012
37
Alfred Sesterhenn
Colleen Dockery
Tobias Häberlein
Christian Gerhards
Jörn Felix Lübben
Daniel Stärk
Danke
clemensmoller.de
Clemens Möller
[*** Diese Präsentation enthält Cliparts aus dem Microsoft Office-Paket]
Diese Arbeit wurde zum Teil von dem Innovations- und Qualitätsfonds des Ministeriums für
Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (Projekt "Aktivierung in der
Studieneingangsphase", Ausschreibung "Willkommen in der Wissenschaft") gefördert

Weitere ähnliche Inhalte

Ähnlich wie Aktivierung durch Inverted Classroom (ICM Marburg 2013)

E-Teaching Szenarien im VZBV
E-Teaching Szenarien im VZBVE-Teaching Szenarien im VZBV
E-Teaching Szenarien im VZBV
Jörg Hafer
 

Ähnlich wie Aktivierung durch Inverted Classroom (ICM Marburg 2013) (10)

Blackboard für Klausurvorbereitung nutzen
Blackboard für Klausurvorbereitung nutzenBlackboard für Klausurvorbereitung nutzen
Blackboard für Klausurvorbereitung nutzen
 
Podium Mathe-Online 2: Folien Anne Rickert
Podium Mathe-Online 2: Folien Anne RickertPodium Mathe-Online 2: Folien Anne Rickert
Podium Mathe-Online 2: Folien Anne Rickert
 
Inverted Classroom, Chancen und Hindernisse
Inverted Classroom, Chancen und HindernisseInverted Classroom, Chancen und Hindernisse
Inverted Classroom, Chancen und Hindernisse
 
Mobile Blended Learning mit Mobler Cards
Mobile Blended Learning mit Mobler CardsMobile Blended Learning mit Mobler Cards
Mobile Blended Learning mit Mobler Cards
 
3_zhsf_resultate_wiki
3_zhsf_resultate_wiki3_zhsf_resultate_wiki
3_zhsf_resultate_wiki
 
Methoden und Werkzeuge zur didaktischen technologiegestützten Umsetzung von ...
Methoden und Werkzeuge zur didaktischen technologiegestützten Umsetzung von ...Methoden und Werkzeuge zur didaktischen technologiegestützten Umsetzung von ...
Methoden und Werkzeuge zur didaktischen technologiegestützten Umsetzung von ...
 
E-Teaching Szenarien im VZBV
E-Teaching Szenarien im VZBVE-Teaching Szenarien im VZBV
E-Teaching Szenarien im VZBV
 
Vorlesungen einmal anders ... (3)
Vorlesungen einmal anders ... (3)Vorlesungen einmal anders ... (3)
Vorlesungen einmal anders ... (3)
 
Didaktische Ansätze und Anwendungen im TEL
Didaktische Ansätze und Anwendungen im TELDidaktische Ansätze und Anwendungen im TEL
Didaktische Ansätze und Anwendungen im TEL
 
Lernen mit und über Wikibooks. Fallstudien zu Entwicklungspotenzialen einer i...
Lernen mit und über Wikibooks. Fallstudien zu Entwicklungspotenzialen einer i...Lernen mit und über Wikibooks. Fallstudien zu Entwicklungspotenzialen einer i...
Lernen mit und über Wikibooks. Fallstudien zu Entwicklungspotenzialen einer i...
 

Aktivierung durch Inverted Classroom (ICM Marburg 2013)

  • 1. Aktivierung in der Studieneingangsphase Prof. Dr. Clemens Möller Inverted Classroom Konferenz 27.2.2013 Philipps Universität Marburg
  • 2. Agenda 2 • Beobachtungen und (mögliche) Gründe • Schwierigkeiten beim Übergang Schule  Hochschule • Hohe Durchfallquoten in Mat.-Nat. Grundlagenklausuren • Inverted Classroom als Methode zur Aktivierung • Durchführung, konkrete Beispiele • Stärken / Herausforderungen des Modells • Inverted Classroom als Wundermittel in der Lehre? [*** enthält Cliparts aus dem Microsoft Office-Paket]
  • 3. Beobachtungen 3 Hohe Durchfallquoten in den Mat-Nat. Grundlagenklausuren 0 5 10 15 20 25 30 35 40 5.0 4.7 4.0 3.7 3.3 3.0 2.7 2.3 2.0 1.7 1.3 1.0 Physik 1, WS 11/12 Defizite in Mat-Nat. Grundlagen sind wesentlicher Grund für Studienabbrüche [***]
  • 5. Erhebliche Anforderungen an Studienanfänger (1) 5 (1) Neues soziales Umfeld • Erste eigene Wohnung  Selber Einkaufen  Wäsche waschen  Keine Kontrolle durch Eltern • Neue Freunde [***]
  • 7. Erhebliche Anforderungen an Studienanfänger (2) 7 (2) Neues Lernumfeld • Vorlesungen in großen heterogenen Gruppen • Keine Hausaufgaben • Kein regelmässiges "Abfragen" des Prüfungsstoffes  keine regelmässige Lernkontrolle  (oft) kein kontinuierliches Lernen
  • 8. Erhebliche Anforderungen an Studienanfänger (3) 8 (3) Ungewohnter Anspruch • Höherer Abtraktionsgrad • Anspruch an formale Denkprozesse • Häufig verständnisloses "Auswendiglernen" [***]
  • 9. Häufig beobachtetes Resultat 9 Unsicherheit, Gefühl der Überforderung Resignierend-passive Haltung  Nicht "Ich studiere" sondern "mit mir geschieht" Abgabe von Eigenverantwortung und von Verantwortung für den Studienerfolg  hohe (nicht erfüllbare!) Erwartungshaltung an Dozenten Passivität und Akzeptanz des Nicht- Verstehens Hohe Nichtbestehens- (oder "Erkrankungs"-) Wahrscheinlichkeit in Mat- Nat Grundlagenfächern
  • 10. • Idee: Durchbrechen der resignierend- passiven Grundhaltung • Methoden: (1) "Betreutes Selbstlernen" & Offener Lernraum Aktivierung in der Studieneingangsphase 10[***]
  • 11. • Idee: Durchbrechen der resignierend- passiven Grundhaltung • Methoden: (1) "Betreutes Selbstlernen" & Offener Lernraum (2) Aktivierung in der Studieneingangsphase 11 Inverted Classroom [***]
  • 12. • Konkreter Einsatz in Physik 1 • Zur Vorbereitung auf jede Präsenzveranstaltung: – Materialbereitstellung über ILIAS – Zwei kurze Videos (je ca. 10 min) Inverted Classroom in Physik 1 12 Technisches zu Videos: (1) Screencasts über Laptop mit Tablet-Funktion (Powerpoint, Windows Journal, Camtasia) (2) Vorlesungsmitschnitte an Tafel mit Webcam + ppt (Camtasia) http://elearning1.hs-albsig.de/repository.php?ref_id=56460&cmd=view [***]
  • 13. • Konkreter Einsatz in Physik 1 • Zur Vorbereitung auf jede Präsenzveranstaltung: – Materialbereitstellung über ILIAS – Zwei kurze Videos (je ca. 10 min) – Zusätzliche Materialien • Skript • Verweis auf Online-Resourcen (Wikiversity, andere) • Verweis auf Quellen und Lehrbücher • Forum – Zwei bis vier Verständnisfragen (mit Musterlösungen) Inverted Classroom in Physik 1 13[***]
  • 15. Inverted Classroom in Physik 1 15[***]
  • 16. Bereiten Studierende sich vor? • Anfangs: Ungewohnte Veranstaltungsform… – "Wie geht das", "Klappt nicht", "Nicht gefunden", "Vergessen", … • Ab ~ dritter Veranstaltung: – Ansehen der Videos: ~90% – Beantworten der Fragen: ~60% (Online) • Teilnahme nimmt zur Mitte des Semesters ab, zum Ende (Klausuren!) wieder zu Inverted Classroom in Physik 1 16[***]
  • 17. In der Präsenzveranstaltung Beginn mit der Klärung von Fragen • Nicht: "Haben Sie Fragen", eher: "Mit welcher Aufgabe hatten Sie Schwierigkeiten?" (evtl.: "Was haben Sie nicht verstanden?") • Gelegenheit zum Austausch mit Nachbarn (ca. 2 -3 min) • Ggf. Wiederholung von Zusammenhängen, Beantwortung von Fragen Inverted Classroom in Physik 1 17[***]
  • 18. Methoden zur Aktivierung in der Präsenzveranstaltung: • Multiple Choice / Audience-Feedback • Eigen- / Kleingruppenarbeit • Aktives Plenum Inverted Classroom in Physik 1 18[***]
  • 19. Verständnisfrage 19 Ein Student drückt mit einer Kraft von 20 N gegen eine Wand; die Wand bewegt sich dabei nicht. Welche Arbeit verrichtet der Student dabei? (a) Keine. (b) Eine unendlich große. (c) 20 Nm (d) Die Frage macht so keinen Sinn. [***]  Wurde das Video überhaupt angesehen?
  • 20. Methoden zur Aktivierung in der Präsenzveranstaltung: Multiple Choice / Audience-Feedback • Aktivierend • Gut mit Peer Instruction* kombinierbar • Überprüfung des Verständnisses • Sehr gut zum Beginn / Einstieg geeignet • Auch in klassischen Vorlesungen sehr gut geeignet • Instantanes Feedback an Vortragenden Inverted Classroom in Physik 1 20* Eric Mazur, z.B. 2006 [***]
  • 21. Methoden zur Aktivierung in der Präsenzveranstaltung: • Multiple Choice / Audience-Feedback • Eigen- / Kleingruppenarbeit • Aktives Plenum Inverted Classroom in Physik 1 21[***]
  • 22. Beispielaufgabe 22 Ein Auto rollt 100 m einer Gefällstrecke der Steigung 12 % hinunter. Die Reibungszahl der Rollreibung betrage µF = 0,012 (Vernachlässigen Sie den Luftwiderstand). Die Masse des Autos beträgt 600 kg. Berechnen Sie die Endgeschwindigkeit ve des Autos am Ende der Gefällstrecke und den Weg s, den das Auto auf einer anschließenden horizontalen Strecke noch zurücklegt. [***]  Können (zunächst einfache) Konzepte aus dem Video (Arbeit, Energie) mit anderen (Reibung, schiefe Ebene) in Zusammenhang gebracht werden?
  • 23. Verbinden Sie mit möglichst wenigen geraden Linien, und ohne den Stift abzusetzen, die Punkte. 23
  • 24. Verbinden Sie mit möglichst wenigen geraden Linien, und ohne den Stift abzusetzen, die Punkte. Sie kennen das schon…? Die Lösung mit den vier Linien…? Dann brechen Sie weiter aus Ihrem Denkrahmen aus…! Es gibt mindestens eine Lösung mit drei Linien … … und mehrere Lösungen mit einer Linie. 24
  • 25. Methoden zur Aktivierung in der Präsenzveranstaltung: Eigen- / Kleingruppenarbeit • Aktivierend • Überprüfung des Verständnisses • Studiengangsbezogene Aufgaben steigern Motivation Inverted Classroom in Physik 1 25[***]
  • 26. Methoden zur Aktivierung in der Präsenzveranstaltung: • Multiple Choice / Audience-Feedback • Eigen- / Kleingruppenarbeit • Aktives Plenum Inverted Classroom in Physik 1 26
  • 27. Methoden zur Aktivierung in der Präsenzveranstaltung: Aktives Plenum* • Wichtig: Klare Regeln!  Bewährt: Schriftführer schreibt nur  Moderator "überwacht" und ruft auf  Schriftführer, Moderator und Dozent geben keine inhaltlichen Beiträge  Inhaltliche Beiträge kommen (fast…) nur aus dem Plenum, der Dozent sitzt im Rücken des Plenums • In größeren Gruppen manchmal schwierig  Anfangshemnisse (wer geht an die Tafel...?) legen sich mit der Gewöhnung an die Methode • Aktivierend • Überprüfung des Verständnisses Inverted Classroom in Physik 1 27* Christian Spannagel [***]
  • 28. Evaluation? 1. Subjektiver Eindruck der größeren Beteiligung bei Studierenden 2. Positives Feedback 3. Klausurergebnisse a) Etwas geringere Durchfallquote (38%  27%).  Signifikant? Wiederholbar?  In Kombination mit "Betreutem Selbstlernen" und "Offenem Lernraum"! b) "Erkrankungs"-quote ähnlich hoch (36%)  4. Lernen Studierende im ICM "tiefer"? Kann Wissen besser eingesetzt werden? Inverted Classroom in Physik 1 28[***]
  • 29. • Idee: Durchbrechen der resignierend- passiven Grundhaltung • Methoden: (1) "Betreutes Selbstlernen" & Offener Lernraum (2) & Problem-based learning Aktivierung 29 Inverted Classroom [***]
  • 30. • Klassisch 30 Frontale Wissensvermittlung in Päsenzphase Übephase individuell Konfrontation mit "echtem" Problem • Inverted Classroom Frontale Wissensvermittlung in individueller Phase Übung in Präsenzphase Konfrontation mit "echtem" Problem Inverted Classroom & Problem-Based Learning [***]
  • 31. • Klassisch 31 Inverted2 Classroom Frontale Wissensvermittlung in Päsenzphase Übephase individuell Konfrontation mit "echtem" Problem • Shuffled Classroom, ICM & PBL: Konfrontation mit "echtem" Problem Frontale Wissensvermittlung in individueller Phase Übephase in Gruppen • Inverted Classroom Frontale Wissensvermittlung in individueller Phase Übung in Präsenzphase Konfrontation mit "echtem" Problem Inverted Classroom & Problem-Based Learning [***]
  • 32. • Konkreter Einsatz im Modul Qualitätssicherung in der biomedizinischen Forschung (im WS2011/2012) Inverted Classroom & Problem-Based Learning 32Möller, 2012: "Etablierung eines Qualitätssicherungssystems in einer virtuellen Firma"
  • 33. Wundermittel Inverted Classroom? Die Hattie-Studie 33 Was schadet Sitzenbleiben übermäßiges Fernsehen lange Sommerferien Was nicht schadet, aber auch nicht hilft offener Unterricht jahrgangsübergreifender Unterricht Web-basiertes Lehren und Lernen Was nur wenig hilft geringe Klassengröße finanzielle Ausstattung entdeckendes Lernen Hausaufgaben John Hattie, z.B. 2003ff. Nach M. Spiewak, "Ich bin superwichtig", in Die Zeit, 3.1.2013
  • 34. Wundermittel Inverted Classroom? Die Hattie-Studie 34 Was mehr hilft regelmäßige Leistungsüberprüfungen vorschulische Fördermaßnahmen lehrergeleiteter Unterricht Zusatzangebote für starke Schüler Was richtig hilft Lehrerfeedback problemlösender Unterricht fachspezifische Lehrerfortbildung Programme zur Leseförderung vertrauensvolles Verhältnis zwischen Lehrkraft und Schüler John Hattie, z.B. 2003ff. Nach M. Spiewak, "Ich bin superwichtig", in Die Zeit, 3.1.2013
  • 35. Take-Home Messages • ICM ist gut geeignet, um heterogene Lerngruppen (auch große) zu aktiver Mitarbeit anzuregen • Durchbrechen einer passiv-resignierenden Grundhaltung möglich • Technischer Aufwand von minimal bis extrem  "Do I need it perfect or do I need it by Tuesday?" • Verschiedene Arten der Präsenzveranstaltung  Quiz / Multiple Choice, Teamarbeiten, Aktives Plenum, Problem-Based Learning, … • Die Lehrkraft bleibt wichtig!  ICM muss zur Lehrkraft und zum Auditorium passen bzw. methodisch angepasst werden 35
  • 36. Fragen / Diskussionspunkte • Evaluationsergebnisse (bei mir) nicht eindeutig… Folgerung? Ihre Erfahrungen? Kann im ICM Erlerntes besser eingesetzt werden? Andere Prüfungsformen nötig / sinnvoll? • Ihre Methoden / Erfahrungen mit der technischen Seite? "Perfect or by Tuesday?" • Welche Methoden wenden Sie in Präsenzveranstaltungen an? Ihre Erfahrungen? • Moodle / ILIAS vs. Youtube / Google Docs / Facebook • Welche Schwierigkeiten beobachten Sie? • Ist "Aktivität" quantifizierbar?  EEG*? 36* Eigene Daten. Vgl. z.B. Wild-Wall et al., 2011; Grabner et al., 2012
  • 37. 37 Alfred Sesterhenn Colleen Dockery Tobias Häberlein Christian Gerhards Jörn Felix Lübben Daniel Stärk Danke clemensmoller.de Clemens Möller [*** Diese Präsentation enthält Cliparts aus dem Microsoft Office-Paket] Diese Arbeit wurde zum Teil von dem Innovations- und Qualitätsfonds des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (Projekt "Aktivierung in der Studieneingangsphase", Ausschreibung "Willkommen in der Wissenschaft") gefördert