VKSIMagazin-1_0906

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VKSIMagazin-1_0906

  1. 1. Finden 2.0 Neue Anwendungen aus »Semantic Karlsruhe« Außerdem in diesem Heft: Eclipse Know-how in Karlsruhe Rich Internet Applications mit qooxdoo Interview mit Jens Coldewey: Wo steht die Software-Entwicklung heute Karlsruher Entwicklertag 2009: 22.-26. Juni Das Karlsruher Manifest für Software Engineering Das neue Magazin des Softwareentwicklung aus Karlsruhe Nr. 1 | Juni 2009 Magazin Verein der Karlsruher Software-Ingenieure
  2. 2. Verein Die Region Karlsruhe als Kompetenzzentrum für Software Engineering sichtbar machen: An Hochschulen, Forschungs- einrichtungen und Software-Unternehmen in Karlsruhe und Umgebung sind herausragende Kompetenzen des Software Engineering versammelt. Um die Attraktivität unserer Region für Software-Experten in aller Welt sichtbar zu machen wollen wir: KarlsruherSoftwareEngineeringKnow-howbündeln,sicht-●● bar und zugänglich machen. Software Engineering als Thema stärker in bestehende regi-●● onale IT-Initiativen einbringen. Software-Ingenieure bei ihrer Suche nach interessanten●● Arbeitgebern unterstützen. Kenntnisse und Erfahrungen zusammenführen und ver- breiten, Innovationen beschleunigen: Vernetzen, austau- schen, anregen (lassen) und zusammenarbeiten verbreitert das Know-how und hilft (unter anderem), schneller die passenden Kooperationspartner zu finden. Der VKSI wird mit gezielten Veranstaltungen,KontaktenundInformationendenAustausch erleichternunddasNetzwerkengerknüpfen,vorhandenenAkti- vitäten wollen wir zusätzliche Sichtbarkeit verschaffen: »Sneak Preview« FürunsereMitgliedermachenwirInformationenaufeinerinfor- mellen Ebene und damit schneller zugänglich. Der geschlosse- ne Kreis ermöglicht die »Sneak Preview« auf hohem Niveau. Neuentwicklungenkönnengemeinsamdiskutiertwerden,ohne dass man eine breite Öffentlichkeit fürchten muss. Den Anfang machen Dirk Feuerhelm mit »Neuentwicklungen bei 1&1 DSL- HomeNet« und Ralf Reussner zu »Bachelor- und Masterstudi- engang Informatik am KIT«. VKSI-Academy Der VKSI wird ein Forum für qualitativ hochwertige Angebote zurberuflichenWeiterbildungimSoftwareEngineeringaufbau- en (»Lebenslanges Lernen«). SoftwareEngineeringalsIngenieurdisziplininderöffentlichen Wahrnehmung stärken: Wir alle ­wissen: das Image des Soft- ware-IngenieursentsprichtinkeinsterWeisederRealitätoderist sowiesonichtexistent.WieundwoarbeitenSoftware-Ingenieure? ÜbersetzensieandererLeuteIdeeninSoftwareoderentwickeln sie eigene Ideen? Auch innerhalb unserer Branche existieren heterogeneunddiffuseAnsichten.NichtzuletztistdieBerufsbe- zeichnung Software-Ingenieur in Deutschland nicht geschützt. Der VKSI wird explizit daran arbeiten, das Berufsbild des Soft- ware-Ingenieurs klarer zu umreißen und die Attraktivität des Berufs darzustellen. Nach außen wollen wir die Öffentlichkeit über»SoftwareEngineeringausKarlsruhe«informieren(­Presse, Web, Messen und Kongresse). Den wissenschaftlich-technischen Nachwuchs fördern: Ein Beruf der nicht bekannt ist, kann auch für Jugendliche nicht attraktiv sein. Nachwuchsförderung bedeutet daher zum einen, SchülerinnenundSchülerfürdenBerufdesSoftware-Ingenieurs begeistern. Erfahrungen über gelungene Aktionen für Kinder und Jugendliche werden wir verallgemeinern und die Best Practice unseren Mitgliedern zugänglich machen. In Koopera- tion mit dem CyberForum werden wir uns direkt an die Schulen wenden. Nachwuchsförderung heißt aber auch, Absolventen und Berufsanfänger unterstützen. Absolventen und Berufsanfänger sollten so schnell wie möglich alle Möglichkeiten wahrnehmen können, sich zu informieren, ihre Stärken herauszubilden, den richtigen Arbeitsplatz zu finden. Für Berufsanfänger schaffen wir Foren und Kontakte für den richtigen Einstieg ins Berufsle- ben. Dazu gehört für den VKSI auch, Software-Ingenieuren und dem wissenschaftlich-technischem Nachwuchs aus der Region und aus der ganzen Welt die Software-Region Karlsruhe nahe bringen. Vorhaben des Vereins der Karlsruher Software- Ingenieure e.V. (VKSI) – Geplante Maßnahmen 2 VKSI Magazin Nr. 1 Juni 2009
  3. 3. Editorial Willkommen! Liebe Leserin, lieber Leser, SiehaltenhierdieersteAusgabeunseresneuenVKSI-Magazins in Ihren Händen. Die Qual der Wahl unter den vielen berichtenswerten The- men aus Karlsruhe hat uns bestätigt, wie sinnvoll es war, den Verein der Karlsruher Software-Ingenieure e.V. zu gründen: Karlsruhe ist ein IT-Standort mit profunder Expertise in viel- fältigen Bereichen – am KIT und den anderen Hochschulen, in den Forschungseinrichtungen der öffentlichen Hand, wie dem FZI, und der privaten Wirtschaft, in vielen mittelständischen Software-Unternehmen, bei nationalen und internationalen Marktführern. Unser Ziel als Verein ist es, die herausragenden Karlsruher Potenziale nach außen, aber auch nach innen sicht- bar zu machen. Dieses VKSI-Magazin präsentiert einen kleinen Einblick in das Karlsruher Know-how. Allein der Karlsruher Entwicklertag (er dauert dieses Jahr eine ganze Woche) bietet ein Themenspektrum für mehrere JahrgängeeinesMagazins.»SoftwareMadeinGermany–Stra- tegien für den Entwicklungsstandort Deutschland«, lautet das Programm. Der erste Tag dieser Konferenzwoche, der »VKSI- Day« ist dieses Jahr erstmalig vom VKSI gestaltet und steht unter dem Motto »Eine Region, vernetzt in der Welt: Software Engineering aus Karlsruhe – Software Engineering in Karls­ ruhe«.ParallelzudenKonferenzbeiträgenveranstaltetderPer- sonaldienstleister Etengo eine Lounge »Talk and Coffee« zum Erfahrungsaustausch – sowohl für Freiberufler wie auch für deren Auftraggeber. Nach der Keynote von Jens Coldewey (ein Interview mit ihm lesen Sie auf Seite 10) diskutiert ein Podium zum Thema »Software Engineering heute – Herausforderung an Industrie und Hochschulen«. WeitergehtesindenfolgendenTagenmitdenThemen»Soft- waretechnik, Innovation und Qualität«, »Agile Entwicklung, agiles Management – Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit«. TutorienwidmensichEinführungenundAnleitungenzu»Quali- fikation,AgilitätundTechnologie«.DasvollständigeProgramm finden Sie auf Seite 14. BesondershinweisenwollenwirandieserStelleaufdasKarlsru- herManifest:UnserVereinsziellautet,SoftwareEngineeringals Ingenieurdisziplin in der öffentlichen Wahrnehmung stärken. Daraus entwickelte sich eine fruchtbare Debatte. Als Ergebnis dieser Debatte haben wir das Karlsruher Manifest geschrieben, es ist eine Aufforderung an alle Beteiligten, Software Enginee- ring ernst zu nehmen. Den vollständigen Wortlaut und finden Sie auf Seite 36. Zwei Mal pro Jahr wollen wir in Zukunft mit diesem Magazin einen Spot auf die Karlsruher Softwareentwicklung richten. HiermitladenwirSieein,inZukunftmitindasScheinwerferlicht zutreten:WerdenSieMitgliedimVKSI.ArbeitenSiemit.Einen Aufnahmeantrag finden Sie auf der Rückseite dieses Magazins oder unter www.VKSI.de. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, der (Karlsruher) Softwaretechnik den Glanz zu verleihen, den sie verdient hat. Davon profitieren wir alle. Freundliche Grüße Ihre Dirk Feuerhelm und Ralf Reussner Dr. Dirk Feuerhelm (1&1 Internet AG), Prof. Dr. Ralf Reussner (KIT / FZI) Verein der Karlsruher Software-Ingenieure VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 3
  4. 4. Im Interview: Jens Coldewey Verein Vorhaben des VKSI 2 Editorial Dr. Dirk Feuerhelm, Professor Dr. Ralf Reussner: Willkommen! 3 Trend Webanwendungen Deluxe: Rich Internet Applications mit qooxdoo 6 Interview Jens Coldewey: 40 Jahre Software Engineering – wo stehen wir heute? 10 Termine Karlsruher Entwicklertag 2009: 14 Trend Eclipse: EclipseDay im Juli in Karlsruhe 16 Verein VKSI-Gründungsaufruf: Im Wortlaut 18 Interview Martin Hubschneider: Smart Region Karlsruhe 21 Praxis Formale Inspektionen 22 Standort Karlsruher Initiativen: 25 Verein Warum dieser neue Verein? Eine Frage – zehn Antworten. 26 Trend Finden 2.0: Neue Anwendungen aus »Semantic Karlsruhe« 28 Hochschule Wer studiert in Karlsruhe Informatik und warum? Umfrageergebnisse 34 Interview Initiatoren Matthias Grund und Ralf Reussner: Warum ein Karlsruher Manifest? 35 Dokument Karlsruher Manifest für Software Engineering 36 Impressum 26 Trend: Rich Internet Applications mit qooxdoo Dr. Susann Mathis, kommunikations­ beratung www.comm-coop.de Robert Hartmann, Software-Entwickler, CodeWrights GmbH Redaktion und Gestaltung: 4 VKSI Magazin Nr. 1 Juni 2009 Nr. 1 | Juni 2009Softwareentwicklung aus Karlsruhe Magazin
  5. 5. Inhalt Porträt: Unternehmen geben Ihre Visitenkarte ab. Dokument: Gründungsveranstaltung im FZI porträt 11 Internet AG 38 andrena objects ag 39 AP Automation + Productivity AG 40 BrandMaker GmbH 41 COMSOFT GmbH 42 Etengo (Deutschland) AG 43 FZI - Forschungszentrum Informatik an der Universität Karlsruhe 44 POET AG 45 Seven2one Informationssysteme GmbH 46 Silverstroke AG 47 TPK – Technologiepark Karlsruhe GmbH 48 WIBU-SYSTEMS AG 49 Nachlese Aus der Redaktion 50 Termine IT-Veranstaltungen in Karlsruhe 50 Verein Werden Sie Mitglied im Verein der Karlsruher Software-Ingenieure e.V. 51 Beitrittsformular 52 Timm Reinstorf, Software-Ingenieur, andrena objects ag Jochen Härtel, Härtel Design www.comm-coop.de VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 5
  6. 6. Trend Ajax, Web 2.0 Besonders die Definition des Begriffes »AJAX« im Jahre 2005 und der sich anschließende Hype haben zu einer RenaissanceinderEntwicklungvonWeb- anwendungen geführt. Als technisches Akronym bezeichnete »AJAX« dabei den fundamental andersartigen Datenaus- tauschzwischenBrowserundWebserver, dernunerstmalsohneNeuladenderWeb- seiteerfolgenkonnte.InFormdesHaupt- wortes »Ajax« stand es zunehmend für einemneuartigenTypushochinteraktiver Webanwendungen, welcher den klassi- schenDesktopanwendungenimmerähn- licher wurde. Besonders wenn der soziale AspektzumTragenkommt,bespielsweise durch die gemeinsame Bearbeitung von zentral im Netz gespeicherten Inhalten, werdenWebanwendungenauchgernemit dem Schlagwort »Web 2.0« bezeichnet. RIA Inzwischen hat sich der Begriff »Rich Internet Application«, kurz »RIA«, ein- gebürgert, um moderne, desktopähn- liche Webanwendungen zu benennen. Auf diese kann der Anwender immer und von überall zugreifen, ohne zusätzliche Software installieren zu müssen. Gerade dieser Aspekt macht sie als unterneh- mensweite Intranetlösungen beliebt, ohne dass auf den gewohnten Bedien- komfort verzichtet werden muss. Aber auch Internetdienstleister machen den klassischen Softwarefirmen zunehmend Konkurrenz und veranlassen sie dazu, auch webbasierte Lösungen anzubieten. Neben E-Mail Clients, Chatprogrammen oder CRM-Systemen sind es vor allem Officeanwendungen wie Präsentations-, Tabellenkalkulations-oderTextverarbei- tungsprogramme,diebesondersinletzter Zeit für Aufsehen gesorgt haben. JavaScript Die technischen Konzepte hinter AJAX waren allein nicht ausreichend für den Erfolg dieser neuartigen Anwendungen. UmsichimRIA-UmfeldalsAlternativezu Plugin-Technologien wie Flash oder Sil- verlight zu behaupten, mussten sich die Webbrowser selbst zur adäquaten Lauf- zeitumgebung weiterentwickeln. Längst schonsindsiewesentlichmehralssimple Anzeigeprogramme für HTML-basierte Webseiten. Die modernen Versionen von Internet Explorer, Opera, Firefox, Web- Kit/Safari und neuerdings auch Google Chromebietenteilweise beeindruckende Runtimes für JavaScript-basierte RIAs. Gerade die drei letztgenannten Browser liefernsichaktuelleinKopf-an-Kopf-Ren- nen um die Performance-Krone. Vorbei sinddieZeiten,indenenmanJavaScript- Engines als langsam bezeichnen konnte, jamusste.DieneuestenvirtuellenMaschi- nen (»VMs«) für JavaScript orientieren sich an der Ausführungsgeschwindigkeit von Programmiersprachen wie Java oder C#. Dies wird den Trend zu rein browser- basiertenAnwendungenweiterbeschleu- nigen. Bibliotheken Mit welchen Konzepten und Technolo- gien lassen sich nun solche komplexen RIAs entwickeln? Die besonders im Zuge des AJAX-Hypes zahlreich entstandenen JavaScript Bibliotheken wie Prototype oder jQuery erfreuen sich zwar großer Beliebtheit bei Webentwicklern. Für die speziellen Herausforderungen der RIA- Entwicklung sind sie aber nur begrenzt ausgelegt. Diese Bibliotheken verber- gen in erster Linie die oftmals massiven Unterschiede zwischen Browsern, und auch deren individuelle Implementie- rungsfehler, unter einer komfortablen Abstraktionsschicht. Mit zusätzlichen Funktionalitäten wie dem Auffinden und der Animation von Seitenelementen sind sie hervorragend für die »Dynamisie- rung«herkömmlicherHTML-Dokumente geeignet.DertechnischversierteEntwick- lermusssichjedochweiterhingutmitden grundlegendenWebtechnologienHTML, DOM und CSS auskennen. Widget Sets DerProgrammierervonRIA-Anwendun- gen dagegen möchte bei der Erstellung komplexer Benutzeroberflächen bereits auf einen umfangreichen Satz an grafi- schen Bedienelementen, sogenannter »Widgets«,zurückgreifen.SolcheWidgets stellen GUI-orientierte Frameworks wie ExtJS oder Bindows bereit, die dadurch deutlich umfangreicher sind, als die oben genannten DOM-orientierten JavaScript Bibliotheken.DieWidgetsähnelnweitest- gehend den typischen nativen Desktop- elementen, beispielsweise Menüleisten oder Dialogfenstern. Typisch sind auch Bäume zur Visualisierung hierarchischer Daten, oder scrollbare Tabellen, die auch Webanwendungen deluxe Rich Internet Applications mit qooxdoo Von Andreas Ecker, 11 Internet AG Ein Framework zur Entwicklung moderner Webanwendungen, die mit herkömmlichen Desktopapplikationen konkurrieren, muß viel bieten: eine solide browserübergreifende Basis, reichlich Bausteine für die Gestaltung anspruchsvoller Oberflächen und professionelle Entwicklungswerkzeuge. Alle diese Voraussetzungen bringt qooxdoo (ausgespro- chen: »Kuckst Du!«) mit, welches als Open Source Projekt von der 11 Internet AG in Karlsruhe entwickelt wird. Monitor:KirstyPargeter-Fotolia.com,Montage:JH 6 VKSI Magazin Nr. 1 Juni 2009
  7. 7. mitgroßenStückzahlenlistenartigerEin- träge zurechtkommen. Frameworks AberauchmiteinemumfangreichenWid- get Set und der Möglichkeit dieses noch individuell zu erweitern, fehlt ein weite- res entscheidendes Merkmal eines ech- tenRIA-«Frameworks«:dasTooling.Um komfortabelundprofessionellauchgroße RIA-Anwendungen zu erstellen, bedarf es einer gut ausgestatteten Werkzeugkis- te. Leistungsstarke Entwicklertools, die zudem möglichst gut in das Framework integriert sind, und fortschrittliche Kon- zepte erlauben es dem Programmierer, sich auf die Erstellung des eigentlichen Applikationscodes zu konzentrieren. Typische Aufgaben wie Validierung, Optimierung oder Minimierung des JavaScript-Codes übernimmt dabei das Tooling ebenso wie Unterstützung beim Unit Testing oder der Generierung der API-Dokumentation. Zu diesen Anwen- dungsframeworks lassen sich Dojo, YUI und eben qooxdoo zählen. Client-Server Wie ist qooxdoo nun aufgebaut, um als RIA-Framework die genannten Heraus- forderungenzuadressieren?Dazuwollen wir zunächst die neuartige Rollenvertei- lung von Client und Server beleuchten. »thick client« = »thin server« ImGegensatzzuherkömmlichenWeban- wendungenbefindetsichbeieinerRIA der Großteil der Anwendungslogik auf dem Client. Diese umfangreichen JavaScript- Applikationen werden deshalb häufig auch als »thick client« bezeichnet. Ver- folgt man die Grundidee von Ajax konse- quent, so erhält man eine »Single Page« Anwendung, die gänzlich ohne das Neu- laden von Webdokumenten auskommt. Dadurch bleibt der Zustand der Anwen- dung während der Benutzung erhalten und muß nicht aufwändig gesichert und wiederhergestellt werden. Der Server ist an der Gestaltung der Oberflächenichtmehrunmittelbarbetei- ligt, so wie dies früher noch über meist templatebasierte Lösungen der Fall war. Er kann sich als »thin server« ganz der Aufgabe als Datenlieferant und -empfän- gerwidmen.AuchdiesichereAbwicklung sensibler Businesslogik und die Anbin- dung an die möglicherweise zahlreichen Backendsysteme treten in den Vorder- grund. Kommunikation Die Kommunikation zwischen Client und Server erfolgt weiterhin über HTTP oderdasverschlüsselteHTTPS.Alsreines Frontend-Framework ist qooxdoo dabei an keine spezifische serverseitige Tech- nologieoderProgrammiersprachegebun- den. Neben der Möglichkeit die Kommu- nikation mittels AJAX-Calls selbst zu bewerkstelligen, bietet qooxdoo optional auch Remote Procedure Calls (»RPC«) an, um Funktionen auf dem Server direkt aufzurufen. Dazu stehen passende RPC- Server für Java, PHP, Python und Perl zum Download bereit. UI-Architektur Im folgenden geht es uns weniger um die Client-Server-Kommunikation, sondern vorrangig um diejenigen Bestandteile, Widgets erleichtern die Programmierung und standardisieren das User Interface Die Architektur von qooxdoo , VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 7
  8. 8. Trend welchefürdieErstellungvonAnwendun- gen mit anspruchsvoller Benutzerober- fläche, dem »UI«, relevant sind. Dazu dient die schematische Darstellung der UI-Architektur von qooxdoo: Core Die untersten Schichten in der Architek- tur von qooxdoo schliessen die meisten Funktionalitäten typischer JavaScript Bibliotheken mit ein. Im Gegensatz zu den meisten JavaScript Libraries ist die Unterstützung für die professionelle Softwareentwicklung in qooxdoo sehr ausgeprägt. Neben Konzepten wie aspek- torientierter Programmierung (»AOP«) überzeugen vor allem die Möglichkeiten zur konsequenten Objektorientierung. Diese gehen weit über das hinaus, was JavaScript von Hause aus - zumindest ohne viel Zusatzcode - bietet. Entwick- ler anderer objektorientierter Program- miersprachen wie Java oder C# finden sich erfahrungsgemäß sehr schnell mit den bereits bekannten OO-Konzepten in qooxdoo zurecht. Browser Abstraction Die Erstellung browserübergreifen- der Webanwendungen ist nahezu unvorstellbar ohne eine umfangreiche Abstraktionsschicht, die alle Browser­ unterschiede und -eigenheiten verbirgt. qooxdoo unterstützt alle gängigen Brow- sergleichermaßengut.Übereine einheit- liche Schnittstelle kann mit XML, dem DOM (»Document Object Model«) oder dem BOM (»Browser Object Model«) gearbeitet werden. Die darüberliegenden Schichten enthalten in der Regel keinen browserspezifischen Code mehr. Low-Level Eine Zwischenschicht beinhaltet Funk- tionalität, welche einerseits über die reine Browserabstraktion hinausgeht, anderseits die Grundlage für das GUI Toolkit bildet. Dazu gehört beispielswei- se die Animation von Elementen oder die Internationalisierung (»I18N«), mit wel- cher sich mehrsprachige Anwendungen realisieren lassen. Die Programmierung von grafischen Benutzeroberflächen erfolgtmeistereignisgetrieben.Benutzer­ interaktionen werden z.B. als Maus- oder Tastaturereignisse an die Anwendung weitergereicht. Die Browser unterschei- densichhiererheblich,weshalbauchhier eine Normalisierung stattfindet. Weiter- hin wird das Event-Modul verwendet, um programmatisch eigene Ereignisse, sogenannte »Custom Events«, auszulö- sen. Einzelne Programmteile oder Wid- gets können auf diese Weise Zustandsän- derungen signalisieren, ohne etwas von den Empfängern der Ereignisse wissen zu müssen. GUI Toolkit Quasi unabhängig vom Browser ist das GUI Toolkit implementiert. Über das UI Core bedient es sich hauptsächlich des HTML-Moduls, um seine Widgets zu rea- lisieren. Die Widgets sind der im wahrsten Sinne des Wortes »sichtbarste« Teil von qooxdoo. Sie stellen die grafischen Bau- steinedar,ausdenendieOberflächejeder Anwendung aufgebaut ist. Ihr pixelper- fektesAussehenunddasvonDesktopwid- gets bekannte Verhalten, z.B. bei der Tas- tatursteuerung, ermöglichen den Aufbau auch komplexer Benutzeroberflächen im Browser. Lassen sich die Anforderungen nicht durch die mitgelieferten Widgets abdecken, so können eigene Widgets leicht erstellt und hinzugefügt werden. Interessant ist, dass der eigentliche Widgetcode keinerlei Angaben zum Aus- sehen enthält. Dies wird durch einen browserunabhängigen Mechanismus gelöst, in qooxdoo »Theming« genannt, welcher es ohne Einsatz von CSS-Kennt- nissen ermöglicht, ein Widget nahezu beliebig aussehen zu lassen. Positionierung und Größe der ein- zelnen Widgets werden von mächtigen Layoutmanagern berechnet, ohne dass sich der Entwickler um absolute Anga- ben kümmern muss. Nahezu alle Berech- nungen erfolgen rein mathematisch in JavaScript. Der Browser erhält zum jeweiligen Aktualisieren der Oberfläche die bereits berechneten Werte und kann sodieeigeneRendering-Engineentlasten. Diesbewirktnichtnureinensignifikanten Das qooxdoo-Team. Vorn: Fabian Jakobs, Sebastian Werner (externer Contributor), Andreas Ecker. Hinten: Martin Wittemann, Jonathan Weiß, Thomas Herchenröder, Alex Back. Nicht im Bild: Christian Schmidt, Daniel Wagner »Thank God I won’t have to use HTML and CSS again.« — Mark S. http://qooxdoo.org/quotes , Webanwendungen deluxe – Rich Internet Applications mit qooxdoo 8 VKSI Magazin Nr. 1 Juni 2009
  9. 9. Geschwindigkeitsvorteil,sondernermög- licht auch die Erstellung beliebiger eige- ner Layouts. Die Erstellung einer Benutzerober- fläche erfolgt in qooxdoo mit einer Pro- grammierschnittstelle, die vergleichbar istmitdenenanderernativerGUI Toolkits wie SWT, Swing oder Qt. Der Entwickler einer qooxdoo Anwendung muss weder Kenntnisse in HTML, DOM noch CSS besitzen. Sind bereits Erfahrungen in der objektorientierten (GUI-)Programmie- rung vorhanden, erfolgt der Einstieg in die RIA-Entwicklung mit qooxdoo in der Regel recht leicht. Dies gilt umso mehr als das integrierte Tooling viel Komfort bei der Entwicklung, dem Testen und abschliessendenDeploymentderAnwen- dung bietet. Fazit qooxdoo kann auf eine erfolgreiche Ent- wicklungsgeschichte zurückblicken, die sogar älter als der Begriff »AJAX« ist. Bereits seit Anfang 2005 steht qooxdoo als reines Open Source Projekt zur Ver- fügung. Die Lizenzen erlauben den kos- tenfreien und meist problemlosen Ein- satz sowohl in nichtkommerziellen wie auch kommerziellen Projekten. Die 11 InternetAG stelltalsInitiatiorundHaupt- betreiber die kontinuierliche Weiterent- wicklung des Frameworks sicher, an dem ein Team von festangestellten Entwick- lern maßgeblich beteiligt ist. Auch zahlreiche Kooperationspartner bereicherndasvielfältigeÖkosystem,wel- ches sich um das Framework herum eta- bliert. Neben Firmen auf nationaler wie internationalerEbenezeigtsichauchhier eineStärkederhiesigenTechnologieregi- on: eine besonders enge und erfolgreiche Zusammenarbeit findet mit Karlsruher IT Firmen und Institutionen statt. Her- vorzuheben sind dabei die Hochschule Karlsruhe, die CAS Software AG und die Firma EclipseSource (ehemals Innoop- ract GmbH). Die von letzterer entwickel- te Lösung »Eclipse Rich Ajax Platform (RAP)« erlaubt die rein Java-basierte Erstellung von Webanwendungen, deren Darstellung auf Client-Seite wiederum durch qooxdoo erfolgt. Auch in den typischen Entwickler- kreisen ist qooxdoo beliebt. Durch sei- nen offenen Entwicklungsprozess hat es bereits zahlreiche Mitentwickler und Contributorsgewonnen.DieaktiveBetei- ligung ist beispielsweise über die wikiba- sierte Homepage, das Bugtracking oder die Mailing­liste möglich. Die Weiterent- wicklung des Frameworks erfolgt in zwei öffentlichzugänglichenCoderepositories, wobeieinesderVeröffentlichungundPfle- ge von Contributions gewidmet ist. Der Fortschritt des Frameworks kann somit jederzeit auch auf Codeebene verfolgt werden, und man kann diesen bei Inte- resse aktiv unterstützen. Über das Blog mit wöchentlichen Statusberichten und die voraussichtliche Roadmap kann man sichjederzeitaufdemaktuellenStandhal- ten.DemEinstiegindieRIA-Entwicklung mit qooxdoo steht also nichts im Wege. Referenzen Homepage: http://qooxdoo.org Demos: http://demo.qooxdoo.org Autor Andreas Ecker leitet die Entwicklung von qooxdoobeider11InternetAG inKarls- ruhe.InderWebentwicklungisterbereits seit 1994 tätig. API-Dokumentation zum Button-Widget VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 9
  10. 10. Interview VKSI: Herr Coldewey, vor 40 Jahren, bei der NATO-Konferenz in Garmisch-Partenkirchen wurde der Begriff des »Software Engineering«geformt.WaswarendiedamaligenInhaltedieses Begriffs und wie hat sich dieser seither gewandelt? Jens Coldewey: Die Garmischer Konferenz wurde aus einem Gefühl derKrisegeboren:Manhattedamalsnacheinigenspektakulären Misserfolgen den Eindruck, die Softwareentwicklung sei nicht mehrbeherrschbar.DaherluddieNATO eineReihedamalsfüh- render Experten aus Forschung und Industrie ein, nach einem neuenWegderEntwicklungzusuchen.DerBegriffdesEnginee- ringwardamalsnochstarktayloristischgeprägt:EinTeamhoch- qualifizierter Ingenieure entwarf einen Fertigungsprozess, der von vielen, möglichst billigen Arbeitern dann umgesetzt wurde. In der Idee des Software Engineerings damaliger Prägung ent- sprachendieProgrammiererdenArbeitern,dieihreProgramme in Lochkarten stanzten; die Designs wurden in Form von Fluss- diagrammen und Skizzen von Datenstrukturen zugeliefert. Dieses Bild ist heute überholt. Zum einen haben Compu- ter die Arbeit damaliger Programmierer komplett übernom- men: Die Abstraktionsebene heute üblicher Sprachen wie Java oder C# liegen zum großen Teil oberhalb dessen was damals als Designverstandenwurde,zumindestwennmandiezugehörigen Umgebungen wie J2EE oder .NET betrachtet. Zum anderen hat sichauchdasBilddesIngenieursverändert,vorallemunterdem Einfluss japanischer Ansätze wie Lean Development und Lean Management. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass die Massen- produktionvonAnbeginndiefalscheMetapherfürSoftwareent- wicklung war. Wenn wir von den Ingenieursdisziplinen lernen wollen, müssen wir deren Entwicklungstechniken betrachten, nicht die Produktion. VKSI: Wie hat sich das Software Engineering unter diesen Ein- flüssen verändert? JensColdewey: HeuteverstehenwirSoftwareundderenEntwicklung als komplexe Systeme im Sinne der Chaostheorie mit entspre- chenden Konsequenzen wie iterativen Verfahren und Abkehr von der »lieferbar-frei-Bordsteinkante-Mentalität« früheren Projektmanagements. Allfällige Klagen, Software­entwicklung würde nicht beherrscht, sind zwar immer öffenlichkeitswirk- sam, lassen aber oft eher den Maßstab fraglich erscheinen, als die Entwicklung selbst. Schließlich hat Software unser Leben in denletztenvierzigJahrenmindestenssosehrverändert,wiedie ElektrifizierungvorhundertJahren.Dasleistetmannicht,wenn man sein Metier nicht beherrscht. Erstaunlichsindnichtdiese Änderungenim BegriffdesSoft- ware Engineering, erstaunlich ist für mich eher, mit welcher HartnäckigkeitsichdievierzigJahrealtenKonzeptenochimmer halten.GeradeimdeutschsprachigenRaumhältsichnochimmer dieVorstellung,derWasserfallseidieeinzigprofessionelleMög- lichkeit, Software zu entwickeln, obwohl Experten wie Barry Boehm die Untauglichkeit des Wasserfalls bereits seit 30 Jah- ren eindrucksvoll belegen. Dieses Erstaunen gilt insbesondere, als die Teilnehmer der Garmischer Konferenz lange nicht so einigwaren,wieesunsStudenteninden80erJahrendargestellt wurde: Bereits auf der Konferenz gab es eine starke Bestrebung derIndustrievertreter,denDesignprozessalsiterativeTätigkeit zu definieren. In der öffentlichen und historischen Wahrneh- mung setzte sich jedoch die Sichtweise der Mathematiker wie Edsger Dijkstra durch, den methodisch einfacheren Wasserfall alsoptimalzusehen.DierespekteinflößendenVerdienstegerade Dijkstras in den folgenden Jahren bei den Grundlagen dessen, was wir heute Architektur nennen, taten sicher ihr übriges. 40 Jahre Software Engineering – Interview mit Jens Coldewey 10 VKSI Magazin Nr. 1 Juni 2009
  11. 11. VKSI: Scrum und extreme Programming scheinen die aktuelle Entwicklung zu bestimmen. Insbesondere bei XP drängt sich der Eindruck auf, dass es eine Gegen­reaktion gegen schwer- gewichtige Software Engineering-Prozesse ist. Stehen agile Prozesse im Widerspruch zu Prinzipien des Software Engi- neering? Jens Coldewey: Absolut nicht. Gerade die agilen Verfahren stützen sich sehr intensiv auf wissenschaftliche Erkenntnisse aus ande- ren Disziplinen: neben dem bereits erwähnten Lean Develop- ment aus dem Maschinenbau auch auf die Lehre komplexer Systeme, auf Betriebswirtschaft, Organisationslehre und Grup- penpsychologie, um nur die wichtigsten Einflüsse zu nennen. Dass sowohl XP als auch Scrum in einer sehr gut verdaulichen Verpackungkommen,diedieseEinflüssenichtunbedingtexpli- zit machen, täuscht häufig darüber hinweg, dass sich deren Begründer intensiv mit dem aktuellen Forschungsstand auf diesen Gebieten beschäftigt haben. Zudem ist kein Verfahren mit schnellen Iterationen auf Dauer durchhaltbar, wenn das Team die Grundlagen von Soft- waredesign und –architektur nicht beachtet. Und diese Grund- lagen beziehen sich eben nicht auf den oft propagierten Prozess »planen, bauen, laufen lassen«, sondern auf das Ergebnis, also Entkopplung, Trennung der Konzepte, Testautomatisierung usw. VKSI: Würden Sie soweit gehen zu sagen, dass agiles Vorgehen den Stand der Technik – sagen wir mal in der Steuerung von Entwicklungsprojekten – markiert? Jens Coldewey: Das hängt sehr davon ab, was Sie unter »Stand der Technik«verstehen.Reinstatistischbehauptetderzeiteinknap- pesFünftelderEntwicklungsmannschaftenimdeutschsprachi- genRaum,sie würden agil arbeiten. Je nach Maßstab kannman einen erheblichen Anteil von denen nochmals aussortieren, da sie zwar einzelne Praktiken einsetzen, aber wesentliche Grund- lagen agilen Arbeitens verletzen. Das als »Stand der Kunst« zu bezeichnen wäre sicher vermessen. Andererseits sind agile Verfahren die Variante des Software Engineerings mit der breitesten wissenschaftlichen Basis, die weit über einen rein technologischen Hintergrund hinaus geht. Sie stellen damit sicher die fortschrittlichste Alternative dar. Aberdaskommtnichtganzumsonst:EsgibtnochimmerFragen, beidenenagileVerfahreneherexperimentelleAntwortenanbie- ten. Das gilt sicher nicht für das 08/15-Webprojekt, aber mög- licherweise für Umgebungen wie öffentliche Auftraggeber und embedded Systeme. Es sind Forschungsfragen offen, wie das Refaktorisieren von Datenbanken und über Sprachgrenzen hinweg, und – nicht ganz unwichtig – es gibt offene juristische Fragen beim Ausschreibungs- und Vertragsrecht. Die Entwicklung der letzten zehn Jahre zeigt aber, dass agile Entwicklung aufgrund der technischen und wirtschaftlichen Vorteile immer breiter eingesetzt wird und in fünf oder zehn Jahren wohl sicher Stand der Kunst sein wird. VKSI: Unser Interview hat das Thema »Software Engineering« und wir haben erst mal über Entwicklungs-Prozesse gespro- chen und nicht über Entwicklung oder, nennen wir das Kind beim Namen, über das Programmieren. Was hat Software Engineering mit Programmieren zu tun? Jens Coldewey: Nun, Programmierung und Betrieb sind die beiden einzigen unverzichtbaren Bestandteile in der Wertschöpfungs- kette eines Softwaresystems – ich lasse hier mal pathologische Projekte außen vor, deren politischer Zweck es ist, zu scheitern und deren Kosten man durch den Verzicht auf Programmierer optimieren könnte. Ohne Programmierung gibt es keine Software und auch kei- nenNutzen,sondernnurimmenseKosten.Auchschlägterstbei derProgrammierungdieStundederWahrheit:Dieschlechtesten Architekturen machen nicht die mindesten Probleme auf der virtuellen Powerpoint-Maschine und die best-gemeinten Kon- zepte verpuffen wirkungslos, wenn sie während der Umsetzung konterkariert werden. Anders formuliert: Gute Programmie- rer können durchaus auch erhebliche Defizite in allen anderen Bereichen des Projekts ausgleichen, aber nichts kann den Scha- den abfangen, der durch schlechte Programmierer entsteht. Das steht übrigens in einem grotesken Kontrast zu der Wert- schätzung, die der Programmierung entgegen gebracht wird: JungeSoftwareentwicklerwollenmöglichstschnell»Designer« oder»Architekten«werden,damitsie»nichtmehrprogrammie- ren müssen«. Kennen Sie einen Spitzenmusiker, der möglichst schnell Event-Manager werden will, damit er nicht mehr auf seinemInstrumentspielenmuss?Niemandwürdeeinensolchen Musiker auch nur für eine Geburtstagsparty engagieren! Wo stehen wir heute? , VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 11
  12. 12. Interview 40 Jahre Software Engineering – Wo stehen wir heute? Interview mit Jens Coldewey Auch der noch immer verbreitete Hype des »Offshoring« entspringt dieser mangelnden Wertschätzung: Wer Program- mierung als niedere Tätigkeit ansieht, wird dazu neigen, hier reinnachStundensatzzuvergeben.Werbegriffenhat,dass»die Techies« einen zentralen Beitrag zum Erfolg seines Projekts leisten, wird schnell sehen, dass die effektivste Einsparmaß- nahme darin besteht, hier vor Ort mit möglichst guten Leuten zu arbeiten. GuteProgrammiererhabenvielgemeinsammitgutenHand- werkern: Programmieren setzt sehr viel implizites Wissen vor- aus, das sich nur durch praktische Erfahrung erwerben lässt. Es setzt souveränen Umgang mit einem »Material« voraus, in diesem Fall die Entwicklungsumgebung und Programmier- sprachen. Und es setzt lebenslanges Lernen voraus: Sich in eine Umgebungwie.NET einzuarbeitenbenötigtetwaeinbisandert- halbJahre,bisdahinistdienächsteVersiondraußen,diebessere Lösungen erleichtert. All das sind typische Kennzeichen eines Handwerks. VKSI: Ist Software-Entwicklung also doch keine Ingenieur- Tätigkeit, sondern eher eine handwerkliche? Jens Coldewey: Ich sehe darin kein »entweder oder«, sondern ein »sowohl als auch«. Software Engineering hat sowohl klassische Ingenieurskomponenten, als auch handwerkliche. Die gerade unter Akademikern verbreitete Vorstellung, das Handwerk sei die vor-industrielle Variante der Ingenieurstätigkeit halte ich für einen historischen Irrtum. Ein guter Entwickler muss beide Arbeitsmodi beherrschen und miteinander kombinieren und ebenso fachliche Zusammenhänge verstehen können, wie tech- nische. Und nachdem Softwareentwicklung praktisch immer Teamarbeitist,spieltauchdieTeamfähigkeiteineentscheidende Rolle. Software-Entwicklung ist eine hoch-kreative Tätigkeit, die ebenso unkonventionelles Denken erfordert, wie Mut zum kontrollierten Risiko. Darin ist das Software Engineering übrigens nicht allein, es gibtauchandereDisziplinen,indenenakademischeAusbildung und handwerkliche Fertigkeiten untrennbar miteinander ver- bunden sind. Nehmen Sie die operativen Fächer der Medizin: Chirurgen, Orthopäden oder Gynäkologen müssen sowohl ein umfangreiches theoretisches Wissen besitzen, als auch exzel- lente Handwerker sein. Und niemand käme auf die Idee, fünf Operationssäle von einem Arzt überwachen zu lassen und die »niederenhandwerklichen«TätigkeitdesOperierensangelern- tem Personal zu überlassen, das ausschließlich nach möglichst niedrigem Stundensatz ausgewählt wurde. Wer sich solchen Krankenhäusern ausliefert, braucht sich ebenso wenig über das Ergebnis zu wundern, wie Manager über gescheiterte Projekte, wenn sie Programmierer für notwendige Idioten halten. Ein mir bekannter Informatikprofessor ist stolz darauf, in seinem Leben nicht mehr als 1000 Zeilen Code programmiert zuhaben.SolangesichsolcheEinstellungenhalten,wirdsichan dieser gefährlichen Schieflage nicht viel ändern. VKSI: Sie würden also nicht sagen, dass sich die Software-Ent- wicklung von einem handwerklichen Prozess zu einem inge- nieurtechnischen hin entwickelt, sondern dass schon immer beide Elemente bei der Software-Entwicklung eine Rolle gespielt haben? Jens Coldewey: Ganz klar ja! Dieser Gedanke ist keineswegs neu, er findetsichindenProtokollenderGarmischerKonferenzebenso wieinJerryWeinbergsbahnbrechendemBuch»ThePsychology ofComputerProgramming«von1971oderTomDeMarcosund Tim Listers »Peopleware« von 1985. Es lohnt sich noch heute, diese Bücher zu lesen. VKSI: SiehabeneinrechtkomplexesAnforderungsprofilfürden Software-Ingenieurvonheuteskizziert.Werdenwirdenndie- sen Ansprüchen auch gerecht? Sind wir dafür ausgebildet? Jens Coldewey: Ich fürchte, unsere Ausbildung ist noch viel zu sehr indemtechnokratischenBilddesSoftware-Ingenieursverhaftet, dasvonMathematikernundElektro-Ingenieurengeprägtwurde. Nicht dass dieses Wissen nicht wertvoll wäre, aber eine umfas- sendeAusbildungmüsstenebendenmathematisch-technischen Grundlagenauchdiesozialenund­handwerklichenFähigkeiten und Fertigkeiten ausbilden und trainieren. Studenten müssten guteundschlechteArchitekturenzumBeispielausOpenSource ProjektendiskutierenundauspraktischenBeispielenlernen.Sie müssten lernen, selbst guten Code zu schreiben und fremden Codezubeurteilen,ähnlichwieLyrik-oderKunst-Studentenler- nen,ihreeigenenWerkeunddiederKommilitonenzubeurteilen und daran zu wachsen. In den USA verwenden unter anderem Ralph Johnson und Joseph Bergin solche Techniken mit ihren Studenten seit vielen Jahren mit sehr guten Erfolgen. , 12 VKSI Magazin Nr. 1 Juni 2009
  13. 13. Und die Industrie muss mit Hilfe ihrer Karrierepfade und Fortbildungsprogrammedeutlichmachen,dassProgrammieren keineniedereTätigkeitdarstellt,sondernhochqualifizierteSpe- zialisten fordert, die ebenso Verantwortung für das Unterneh- menübernehmen,wiePilotenVerantwortungfürdasLebenvon Passagieren und Besatzung sowie den Ruf des Unternehmens tragen.Luftfahrtgesellschaftenmachenvor,waseinesolcheVer- antwortung bedeutet, Chirurgen machen vor, was lebenslanges Lernen in einem akademischen Beruf bedeutet. Wir sollten beginnen, die Reife eines Unternehmens daran zu messen, wie sehr es seinen Software-Ingenieuren die Umge- bungbietet,diesiefürexzellenteSoftwarebrauchen,nichtmehr daran, wie sehr es tayloristischen Idealen nacheifert. Extrem erfolgreiche Firmen wie Google zeigen, wie das geht. VKSI: Herr Coldewey, besten Dank für das Gespräch. Das Interview führte Timm Reinstorf, Mitglied im Präsidium des VKSI und Mitglied des Redaktionsteams. Jens Coldewey ist freier Berater für Agile Entwicklung und Organisationen, Senior Consultant der Agile Product and Project Management Practice des Cutter Consortiums und Chefredakteur der Fachzeitschrift OBJEKTspektrum. Über agile Entwicklung schreibt er regelmäßig in seinem Blog blog. coldewey.com. 100% IT-Freelancing und 100% Sicherheit bei nur 10% Vermittlungsprovision Füttern Sie doch mal Ihr eigenes Sparschwein. SMART FREELANCING www.etengo.de Sichern Sie sich die besten und interessantesten IT- Projekte. Profitieren Sie von einer einzigartigen Trans- parenz und Fairness. Wir vermitteln IT-Spezialisten in Projekte und bieten mit nur 10% Vermittlungsprovision einen unschlagbaren Stundensatz. Überwinden Sie jetzt Ihren inneren Schweinehund und informieren Sie sich online über tagesaktuelle Projekte unter www.etengo.de Anzeige VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 13
  14. 14. Termine 22.Juni–VKSI Day »Eine Region, vernetzt in der Welt: Software Engineering aus Karlsruhe – Software Engineering in Karlsruhe« Ort: Silverstroke AG, Ludwig-Erhard-Str. 2, 76275 Ettlingen DerVKSI stelltsichvor.VKSI-MitgliederpräsentierendieVielfalt von Software Engineering in Karlsruhe. Für Freiberufler bietet die IT Freelancing Lounge die Möglichkeit zum Erfahrungs­ austausch und Kennenlernen. Sprecher (vorläufige Liste): Wilhelm Bühler (Bildungsverein Region Karlsruhe), Jens Coldewey (Coldewey Consulting), Dr. Elmar Dorner (SAP), Andreas Ecker (11), Dr. Dirk Feuerhelm (11), Matthias Grund (andrena), Dr. Michael Gunzert (CodeWrights), Jochen Krause (Eclipse Foundation), Heidi Kupke (Silverstroke), Prof. Dr. Andreas Oberweis (Institut AIFB, KIT), Prof. Dr. Ralf Reussner (KIT, FZI, VKSI), Nikolaus Reuter (Etengo), Hans-Peter Schnurr (ontoprise), Dr. Frank Schönthaler (PROMATIS), RA Prof. Dr. Rupert Vogel (Bartsch und Partner, Uni Mannheim) Unbedingt vormerken: Jens Coldeweys Keynote: »Software Engineering heute« Coldewey wird die Praxis der Informatik-Ausbildung kritisch hinterfragen. Im Anschluss Podiumsdiskussion mit Vertre- tern von Hochschulen und Industrie zum Thema. U. a. mit den Fragen: »Ist Software so schlecht wie ihr Ruf – und wenn ja, warum?« » Ignoriert die Industrie den Stand der Technik?« »WirddieInformatik-AusbildungdemStellenwertvonSoftware Engineering gerecht?« Die Teilnahme am VKSI Day ist kostenfrei. Anmeldung erforderlich. Programm im Detail: www.andrena.de/Entwicklertag/2009/Programm/VKSI-Day.html 23.Juni–ConferenceDay »Softwaretechnik, Innovation, Qualität« Ort: IHK, Lammstraße 13-17, 76133 Karlsruhe Eine Reihe bekannter Sprecher erwartet Sie mit Themen von Java Script und Groovy über SOA und Cloud Computing bis zu Agilem Portfoliomanagement. Einen besonderen Schwer- punktbildendievomVKSIpräsentiertenBeiträgeausderRegion Karlsruhe. Sprecher (vorläufige Liste): Steffen Bach (EXXETA), Heiko Barth (compeople), Dr. Joachim Baumann (Cirquent), Christian Binder (Microsoft), Oliver Böhm (agentes), Andy Bosch (Freier Berater), Dr. Oliver Ciupke (Rockwell), Marcel Donges (SOPERA), Jürgen Effenberger (COMSOFT), Leif Frenzel (andrena), Markus Gebhard (SAP), Stefan G. Gfrörer (PRODYNA), Jürgen Groothues (ICW), Markus Knauer (EclipseSource), Joe Krebs (AOL), Dr. Eberhard Kuhn (andrena), Oliver Kühn (Badenia), Johannes Link (Freier Berater), Achim Maier (POET), Mario Meir-Huber (Microsoft), Aydin Mir Mohammadi (­bluehands), Eddi Mönch (ontoprise), Prof. Dr.Khaled Nagi (Universität Alexandria, POET), André Neubauer (Immobilien Scout), Dr. Pierre Parrend (FZI), Thorsten Schenkel (compeople), Alexander Schleif (Badenia), Dr. Christoph Schlenzig (Seven2one), Mathias Schupp (Nero), Harry Sneed (ANECON), Prof. Dr. Walter Tichy (KIT), Daniel Weisser (EXXETA), Oliver Winzenried (WIBU-SYSTEMS) Unbedingt vormerken: Keynote von Prof. Dr. Walter Tichy: »Bereit für die Multicore-Revolution« Prof.Dr.Tichyerläutert,warumwirvoreinerneuenRevolution im Software Engineering stehen und fordert auf, sich dieser Herausforderung zu stellen. Programm im Detail: www.andrena.de/Entwicklertag/2009/Programm/Conference-Day.html Karlsruher Entwicklertag 14 VKSI Magazin Nr. 1 Juni 2009
  15. 15. 24.Juni–AgileDay »Agile Entwicklung, agiles Management – Schlüssel zur Wett- bewerbsfähigkeit « Ort: TPK, Emmy-Noether-Str. 11, 76131 Karlsruhe „Enterprise Agile“ und „Agile 2.0“ sind die Überschriften für 12 spannende Vorträge. Stark vertreten auch hier: Unternehmen und Sprecher aus der Region. Kein Zufall: Schließlich gab es im TPK die ersten Scrum Trainings in deutscher Sprache. Sprecher (vorläufige Liste): Fahd Al-Fatish (andrena), PD Dr. Andreas Boes (ISF), Jens Coldewey (Coldewey Consulting), Heiko Henßler (11), Krischan Keitsch (EnBW), Steffi Krause (GOagile!), Joe Krebs (AOL), Irene Kuhn (BASF), Christiane Kuntz-Mayr (SAP), Dr. Christoph Mathis (ScrumCenter), Peter Maurer (Maurer Treutner), Prof. Dr. Khaled Nagi (Universität Alexandria, POET), Joseph Pelrine (MetaProg), Roman Pichler (Pichler Consulting), Dr. Stephanie Porschen (ISF), Simon Roberts (ScrumCenter), Bernd Schiffer (akquinet), Christian Schmidkonz (SAP), Thomas Starz (IBM), Lars Thomas (Netviewer) Unbedingt vormerken: Podiumsdiskussion »Clash of Cultures – Agilität und herge- brachte Arbeitsmodelle – Beobachtungen aus USA, Europa, Naher Osten und Asien – Unterschiede und Gemeinsamkei- ten!« u. a. mit PD. Dr. Andreas Boes (München), Joe Krebs (New York), Prof. Dr. Khaled Nagi (Alexandria), Christian Schmidkonz (Walldorf), Joseph Pelrine (Basel), Simon Roberts (München) Die Teilnahme an der Podiumsdiskussion ist kostenfrei. Anmeldung erforderlich. Programm im Detail: www.andrena.de/Entwicklertag/2009/Programm/Agile-Day.html 25./26.Juni–TutorialDays »Qualifikation, Agilität, Technologie« Ort: Novotel Karlsruhe City / Technologiepark Karlsruhe JosephPelrinewirdimRahmendesEntwicklertageseinenoffe- nen Scrum Master Zertifizierungskurs halten. Parallel dazu wird ein geschlossener Zertifizierungskurs für ­ProductOwnerstattfinden(InformationenaufAnfragebeiand- rena). JensColdewey,JohannesLinkundBerndSchifferlassen»Agile Praxis erleben«. Eberhard Wolff von SpringSource ermöglicht mit »Spring – EinstiegindasFramework« eine Einführung in Spring von den Machern selbst. Dr. Eberhard Kuhn und Ingo Braun geben mit »Software-Ana- lyse und Qualität« einen Einblick in die Werkzeuge ISIS und Sotograph. Programm im Detail: www.andrena.de/Entwicklertag/2009/Programm/Tutorial-Days.html VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 15
  16. 16. Trend EclipsehatsichindenletztenJahrenzuderEntwicklungsplatt- form entwickelt und damit die IT Welt verändert. Eclipse ist der Inbegriff von erfolgreicher Open Source Software. Natür- lich tut sich auch in der Technologie-Region Karlsruhe eini- ges im Eclipse Bereich. Nach mehreren erfolgreichen Eclipse DemoCampsindenvergangenenJahrenfindetam7.Juli2009 der erste Karlsruher EclipseDay statt. Eclipse Foundation EclipsealsEntwicklungsplattformkennendiemeistenLeute,die in der IT arbeiten. Immer wieder erscheinen in IT-Nachrichten Artikel über Firmen, die einen Beitrag zu Eclipse leisten. Aber werkoordiniertdieseEclipse-Beiträge?Dasgeschiehtdurchdie in Kanada beheimatete Eclipse Foundation. Die gemeinnützige OrganisationhatessichzurAufgabegemacht,dieEclipse-Open Source-Gemeinschaft und ihre Projekte zu steuern. Finanziert wird die Eclipse Foundation durch Mitgliedsbeiträge. UnterdenEclipseFoundationMitgliedernspielendie»Strate- gicMembers«einebesondereRolle.DiesestrategischenMitglie- dernehmenstarkenEinflussaufdieinhaltlicheundprogramma- tischeWeiterentwicklungderEclipsePlatform.Weltweitgibtes aktuell15strategischeMitglieder.EinesdavonistdieKarlsruher EclipseSource (ehemals Innoopract), die ganz in der Nähe des Europaplatzes ihre Büros hat. www.eclipsesource.com Eclipse Foundation in Karlsruhe Neben dem Strategic Member EclipseSource gibt es im Karls- ruher Raum zwei Solution Members der Eclipse Foundation: ­andrena objects ag und CAS Software AG. Dazu kommen wei- tere Anwender und Entwickler. andrena objects ag: Qualitätsmanagement mit ISIS auf der Rich Client Platform (rcp) andrena objects ist ein Entwicklungs- und Beratungshaus, das sich auf die Entwicklung anspruchsvoller Individual-Software spezialisiert hat. andrena hat einen starken Fokus auf Soft- warequalität.AusdiesemGrundhatandrenaISIS entwickelt:ein Qualitätsmanagement-System für Scrum Projekte. ISIS wurde aufBasisderEclipseRichClientPlatform(RCP)entwickelt.Mit ISIS lässtsichderzeitlicheVerlaufvonSoftwareundProzessqua- litätinProjektenmessenundoptimieren.Außerdemunterstützt andrena objects ihre Kunden bei der Entwicklung individueller RCP Applikationen. www.andrena.de/Methoden/ISIS.html CAS Software AG: Internetbasiertes CRM auf der Rich Ajax Platform (RAP) Ein weiteres Karlsruher Solution Member, die CAS Software AG, ist ebenfalls im Technologiepark ansässig. Die CAS ist der deutscheMarktführerfürCRM(CustomerRelationshipManage- ment)LösungenfürdenMittelstand.Ihreneueinternetbasierte CRM Lösung CAS PIA hilft u.a. bei der Organisation von Kun- denkontakten (inkl. Kundenhistorie), bei der Koordination von Terminen, der Zuweisung von Aufgaben und unterstützt aktiv denVertriebsprozess.CAS PIA wurdealsFinalistbeiden»Eclip- seCommunityAwards«aufderEclipseCon2009inSantaClara (USA) ausgezeichnet. www.cas-pia.de ObwohlCAS PIA eineInternetanwendungist,basiertsievoll- ständig auf Eclipse, genauer gesagt auf der Rich Ajax Platform (RAP).RAP isteinEclipseProjekt,dasdieRealisierungkomfor- tabler Web-Anwendungen auf Basis von Eclipse ermöglicht. EclipseSource: Karlsruher »Strategic Member«  Hier schließt sich der Kreis, denn RAP wird sehr stark von der FirmaEclipseSourcevorangetrieben,diesich–neben RAP –an mehreren weiteren Eclipse Projekten beteiligt. Jochen Krause, Geschäftsführer von EclipseSource, ist Projektleiter von RAP. RAP ermöglicht Java-Entwicklern Ajax Anwendungen zu ent- wickeln, ohne dabei die Java-Welt verlassen zu müssen. Der EntwicklerkannmitRAP diegleichenSchnittstellenfürOberflä- chenelementeverwenden,gegendieerauchbeiDesktopAnwen- dungen programmiert. Das geht so weit, dass sich neuerdings sogar der Begriff »Single Sourcing« etabliert hat, was bedeutet, dass RCP Desktop Anwendungen und Internet Anwendung der gleiche Code zugrunde liegt. Intern verwendet RAP das Ajax Framework Qooxdoo, um Oberflächenelemente im Browser anzuzeigen. Qooxdoo ist eine JavaScript Bibliothek, die vom Karlsruher Internet Provider 11 entwickelt wird. Yoxos EclipseSourcehataußerdemnochYoxosentwickelt,einToolmit dem Eclipse Umgebungen für Projektteams verwaltet werden können.YoxoswardiesesJahrFinalistbeidenEclipseCommu- nity Awards. Das EclipseSource Team leitet und beteiligt sich außerdem an mehreren Eclipse Projekten wie g-eclipse, einem FrameworkfürGridundCloudInfrastrukturenoderdeme4Pro- jekt, in dem die Eclipse-Plattform der Zukunft entwickelt wird. www.innoopract.com/de/yoxos-eclipse Automotive und Eclipse Moderne Autos haben immer mehr Elektronik, die dem Auto- fahrer das Leben einfacher und gleichzeitig den Herstellern das Leben immer schwerer macht. Aber zum Glück gibt es ja auch wiederneueSoftwarefürdieHerstellervonAutomotiveAnwen- dungen.AquintosausKarlsruhehatsichaufEntwicklungswerk- zeuge für Automotive Anwendungen spezialisiert. Ein Produkt vonaquintosistPREEvision,dasaufBasisvonEclipseentwickelt Karlsruher Unternehmen setzen auf Eclipse EclipseDay – im Juli in Karlsruhe Von Stefan Schürle, andrena objects ag 16 VKSI Magazin Nr. 1 Juni 2009
  17. 17. Ralph Müller (Eclipse Foundation) erläutert das Projekt. wurde.PREEvisionisteinCASE-Werkzeugzurmodellbasierten EntwicklungundBewertungvonElektrik-/Elektronik-Architek- turenimKraftfahrzeug.MitPREEvisionlassensichArchitektur- Alternativen schnell konzipieren und evaluieren. www.aquintos.de Eclipse an der Universität Karlsruhe und dem Forschungs­ zentrum Informatik (FZI) Auch an der Universität Karlsruhe und dem FZI Forschungs- zentrum Informatik tut sich einiges im Eclipse Bereich. Das FZI hilft Unternehmen ebenso wie öffentlichen Einrichtungen, dieneuestenFortschrittewissenschaftlicherForschungausden Bereichen Informatik, Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaf- teninwirtschaftlichenErfolgumzusetzen.AmFZI undderUni- versitätKarlsruhewurdedasPalladioComponentModel(PCM) zurPerformanceVorhersagevonSoftwaresystemenentwickelt. Das PCM wurde mit dem Eclipse Modeling Framework (EMF) umgesetzt. Zur Modellierung wurde auf Basis von Eclipse RCP eine Modellierungsumgebung entwickelt, die PCM-Bench. Die PCM-Bench ermöglicht Architekten das graphische Erstellen eines PCM Modells und mit Hilfe von Analysemodellen und Simulation die Performance eines Softwaresystems vorherzu- sagen. Neben dem PCM wurde am FZI auch noch Teamweaver mitentwickelt, ein Eclipse Open Source Framework, das es dem Entwicklerermöglicht,schnellInformationeninseinemProjekt- kontext zu finden und bereitzustellen. sdqweb.ipd.uka.de/wiki/Palladio_Component_Model www.teamweaver.org Eclipse Veranstaltungen in Karlsruhe Bei so viel Eclipse Know-how in der Region liegt es nahe, dass auch einige Eclipse Veranstaltungen in Karlsruhe stattfinden. Die Eclipse Foundation hilft ihren Mitgliedern seit Dezember 2007beiderAusrichtungsogenannterEclipseDemoCamps.Ein DemoCampisteinekostenloseAbendveranstaltungmitVorträ- genundLiveDemoszumThemaEclipse.DieFoundationunter- stütztdieDemoCampsfinanziellundstelltdieWikiInfrastruktur für die Organisation bereit. Im Dezember 2007 wurde erstmalig in Karlsruhe ein Eclip- se DemoCamp von EclipseSource organisiert. Schon damals ließ sich an der Zahl von 40 Besuchern ein großes Interesse am ThemaEclipseerkennen.BeimzweitenKarlsruherDemoCamp im Juni 2008, das von EclipseSource und dem FZI ausgerichtet wurde, verdoppelte sich die Besucherzahl auf ca. 80. Beim drit- ten Karlsruher DemoCamp, organisiert von andrena objects, EclipseSource und dem FZI, stieg sie nochmals auf knapp 100 Personen. Damit sind die Karlsruher DemoCamps die weltweit am besten besuchten. Aufgrund des großen Erfolgs der Demo- Camps wird dieses Jahr am 7. Juli im Silverstroke Gebäude in EttlingenaucheinEclipseDayinKarlsruhestattfinden.Weralso die Leute aus der Karlsruher Eclipse Community mal kennen- lernen möchte, sollte einfach mal zu einem Eclipse Demo Camp oder Eclipse Day in Karls­ruhe vorbeikommen. wiki.eclipse.org/EclipseApplicationDeveloperDayKarlsruhe www.silverstroke.com Vielen Dank für die Unterstützung an: Christoph Rathfelder (FZI), Henning Grönda (FZI), Ralph Müller (Eclipse Foundati- on), Susan Iwai (EclipseSource), Sandra Hillmer, Stefan Roeck (CAS). Links: www.eclipse.org http://wiki.eclipse.org/Category:DemoCamps www.eclipse.org/rap · www.eclipse.org/rcp www.eclipse.org/g-eclipse · www.eclipse.org/e4 Autor Stefan Schürle ist Softwareentwickler bei derandrenaobjectsag.NachvielenJahren Programmierung mit Java liegt sein aktu- eller Aufgabenschwerpunkt bei der Erstel- lung von RCP Applikationen. Im Oktober 2008 fand in Karlsruhe bereits das dritte Eclipse DemoCamp mit fast 100 Teilnehmern statt. VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 17
  18. 18. Verein Verein der Karlsruher Software-Ingenieure »WashiergeradeinderForschungunddemTechnologie- transfer geschieht, ist die Fundierung der Softwaretech- nik als Ingenieurdisziplin. Dabei sind wir in einer ähn- lichen Aufbruchphase wie vor 150 Jahren, als sich der MaschinenbaualsDisziplinmitweitreichendenImpulsen für unsere Volkswirtschaft etabliert hat. Heute erleben wir dieselbe Dynamik in ­For­schungs­ein­rich­tungen und bei den Unternehmen.« Softwaretechnik (Software Engineering) ist eine der Kerndis- ziplinenderInformatikundGrundlage(fast)allerInformatik- Anwendungen.EineGrundlageallerdings,dieimVerborgenen liegt und von einer breiteren Öffentlichkeit nur ungenügend verstanden wird. Die Wahrnehmung und Wertschätzung von SoftwaretechnikalseigenständigeDisziplinentsprichtdeshalb nicht ihrer wahren Bedeutung. Obwohl, oder gerade weil, die Innovationsgeschwindigkeit in der Softwaretechnik so groß ist,wirdderStandderTechnikinderpraktischenAnwendung der Software-Entwicklung sehr oft nur ungenügend berück- sichtigt. Deshalb sind eigenständige und fokussierte Aktivitäten not- wendig zur FörderungderöffentlichenWahrnehmungvonSoftwaretech-●● nik als Ingenieurdisziplin, Zusammenführung und Verbreitung von Kenntnissen und●● Erfahrung in Softwaretechnik, Beschleunigung und Verbreitung von Innovationen in der●● Softwaretechnik, Förderung des wissenschaftlich-technischen Nachwuchses.●● In Karlsruhe und der Region sind herausragende Kompeten- zen der Softwaretechnik versammelt: Am KIT und den anderen Hochschulen,indenForschungseinrichtungenderöffentlichen Hand und der privaten Wirtschaft, in vielen mittelständischen Software-Unternehmen, bei nationalen und internationalen Marktführern. DieseKompetenzträgersolleneinePlattformzurAußendarstel- lung und zum Austausch bekommen. Deshalb rufen wir auf zur Gründung des »Verein der Karlsruher Software-Ingenieure e.V.« DieRegioninsgesamt(Wissenschaft,Wirtschaft,Stadt,…)arbei- tetanihrerWahrnehmungalsKompetenz-ClusterfürInforma- tik (»iRegion Karlsruhe«). In diese Bemühungen sehen wir uns eingebunden. Wir unterstützen diese und wollen eine besonde- re Akzentuierung beisteuern. Das CyberForum unterstützt die Gründung unseres Vereins. VKSI Gründungsaufruf Erste Vorstands- und Präsidiumssitzung des VKSI: (v.l.n.r.) Dr. Dirk Feuerhelm, Ralf Schoch, Heidi Kupke Prof. Dr. Ralf Reussner, Uni Karlsruhe, KIT 18 VKSI Magazin Nr. 1 Juni 2009
  19. 19. Ohne dem Gründungsprozess und der Planung vorgreifen zu wollensehenwireineReihevonAufgaben,diederVereinwahr- nehmen könnte und sollte: Karlsruher Softwaretechnik-Know-how zu einem Pool bün-●● deln, sichtbar und zugänglich machen (Portal). Die Öffentlichkeit über »Softwaretechnik aus Karlsruhe«●● informieren (Presse, Web, Messen und Kongresse). Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch und zur Vernet-●● zungbieten.VorhandenenAktivitätenwollenwirzusätzliche Sichtbarkeit verschaffen. Ein Forum für Angebote zur beruflichen Weiterbildung in●● Softwaretechnik aufbauen (»lebenslanges Lernen«). Software-Ingenieure bei Ihrer Suche nach interessanten●● Arbeitgebern unterstützen. Nachwuchsförderung in der Region und für die Region●● betreiben. Die Attraktivität der Region für Software-Experten in aller●● Welt sichtbar machen. Software-Ingenieuren und dem wissenschaftlich-techni-●● schem Nachwuchs aus der Region und aus der ganzen Welt die Software-Region Karlsruhe nahe bringen. Softwaretechnik als Thema stärker in bestehende regionale●● IT-Initiativen einbringen. Erstunterzeichner: Dr. Dirk Feuerhelm (11), Michael Flor (FZI), Matthias Grund (andrena objects), Prof. Dr. Andreas Oberweis (KIT), Prof. Dr. Ralf Reussner (KIT), Dr. Orestis Terzidis (SAP), Prof. August Wegmann (ADI Innovation, HsKA) Teilnehmer der Gründungsveranstaltung im FZI - Forschungszentrum Informatik (v.l.n.r.) Dr. Dirk Feuerhelm, Dr. Christoph Schlenzig, Robert Hartmann, Prof. August Wegmann, Timm Reinstorf, Ralf Schoch, Prof. Dr. Ralf Reussner VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 19
  20. 20. Scrum: Workonthenextlevel. Learn from the Enterprise Experts. andrena objects,ScrumCenter und einige der renommiertesten in Deutschland aktiven Scrum Trainer und Coaches bieten ein breit angelegtes Trainingsangebot von zertifizierten Scrum Kursen an. Certified Scrum Training in Berlin · Dresden · Frankfurt · Karlsruhe · München · Stuttgart Mehr Termine und Orte,das jeweils aktuelle Programm und verfügbare Plätze erfahren Sie bei scrumcenter.com. Ergänzende Angebote zu Coaching und Entwicklung erhalten Sie direkt von andrena objects oder ScrumCenter. 25./26.06. CSM München 29./30.06. CSPO München 06./07.07. CSM Dresden 09./10.07. CSM Berlin 27./28.08. CSM Frankfurt 03./04.09. CSM Berlin 07./08.09. CSPO Berlin 14./15.09. CSM Dresden 17./18.09. CSPO Frankfurt 17./18.09. CSM Karlsruhe 21./22.09. CSM München 23./24.09. CSPO München 12./13.10. CSM Stuttgart 15./16.10. CSPO Köln 26./27.10. CSM München 28./29.10. CSPO München 16./17.11. CSM München 18./19.11. CSPO München 24./25.11. CSM Karlsruhe 24./25.11. CSPO Karlsruhe 30.11./01.12. CSPO Frankfurt 07./08.12. CSM Berlin 10./11.12. CSM Köln 14./15.12. CSM Frankfurt Axel-von-Ambesserstr.7 · D-81371 München Telefon 089 500352-0 · Telefax 089 500352-99 training@scrumcenter.com · www.scrumcenter.com Albert-Nestler-Straße 11 · 76131 Karlsruhe Telefon 0721 6105-122 · Telefax 0721 6105-140 info@andrena.de · www.andrena.de www.scrumcenter.com
  21. 21. Interview Im Rahmen des bundesweiten Spitzencluster-Wettbewerbs, ausgeschrieben durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, bewirbt sich aus der Region Karlsruhe ein Konsortium von Hightech-Firmen, Wissenschaft und Poli- tik um Fördermittel in Höhe von 40 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre. Projektleiter Martin Hubschneider, Geschäftsführer der CAS Software AG erläutert die Chancen für die Region Karlsruhe. VKSI: Worum geht es beim Spitzencluster-Wettbewerb? MH: Der Spitzencluster-Wettbewerb der Bundesregierung soll die leistungsfähigsten Cluster aus Wissenschaft und Wirtschaft ausfindig machen, um sie auf dem Weg in die internationale Spitzengruppe zu unterstützen. Dazu werden Finanzmittel in Höhe von 40 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jah- ren bereitgestellt. Die Wirtschaft wird mindestens die gleiche Summe Eigenmittel in die Projekte investieren. Ziel ist es, die- jenigen regional gebündelten Kompetenzen zu stärken, die das Zeugdazuhaben,indieinternationaleTop-Ligaihrerjeweiligen Branchen aufzusteigen. VKSI: Warum glauben Sie, dass die Region Karlsruhe das Zeug zum Spitzencluster hat? MH: Die Region Karlsruhe bietet mit der Elite-Universität KIT, dem FZI Forschungszentrum Informatik, den Fraunhofer Ins- titutenIITB undISI,demweltweitherausragendenZentrumfür Kunst und Medien (ZKM) und nahezu 4.000 IT-Unternehmen ein einzigartiges, innovationsfreudiges Umfeld. Weltmarktfüh- rerwie11,Bosch,dm-drogeriemarkt,IBM undSAP sindinder iRegion angesiedelt und unterstützen gemeinsam mit über 50 innovativenMittelständlerndieBewerbungzumSpitzencluster. Und auch bei der Organisation haben wir einen Trumpf: Die Antragskoordination übernimmt das CyberForum Karlsruhe, eines der bundesweit größten Netzwerke von Hightech-Unter- nehmen. VKSI: Was ist das Thema der Bewerbung? MH: Der Schwerpunkt des unter dem Arbeitstitel „Smartregion Karlsruhe“ laufenden Antrages liegt auf „Intelligenter Infra- struktur“.AufdemWegzueinervernetztenWeltwilldieRegion KarlsruheeinezentraleRollespielen.VertrauenswürdigeDiens- te für intelligente Infrastrukturen, lautet das Thema. Das bein- haltet zum einen eine IT-Infrastruktur, in der den Bedürfnissen von Konsumenten nach mehr Datenschutz und informationel- ler Selbstbestimmung Rechnung getragen wird. Zum anderen werden wir bessere, auf den einzelnen Bürger zugeschnittene Dienstleistungen bereitstellen. VKSI: Warum lohnt sich der Aufwand, sich am Wettbewerb zu beteiligen? MH: Natürlich sind die Karlsruher IT-Unternehmen auch so erfolgreich. Auch unter den kleinen und mittleren Karlruher IT-Unternehmen gibt es Marktführer, die in ihrer speziellen Branche weltweit einzigartiges leisten. Doch eine Förderung wirkthieralszusätzlicherBeschleuniger.Wirschätzen,dasswir als Spitzencluster in den nächsten zehn Jahren 15.000 zusätzli- che High-Tech Arbeitsplätze in der Region schaffen könnten. VKSI: Warum hat Karlsruhe bei der letzten Bewerbung es zwar unter die zwölf Finalisten, aber nicht zum Sieg geschafft? Und was wird diesmal anders? MH: IndererstenRundewarderAntrag„iRegionKarlsruhecrea- ting the net economy“ als einziges Internet- und IT-Cluster in die Finalrunde eingezogen. Das ist ein großer Erfolg für ein abs- traktes Thema. Und nicht zuletzt durch diesen Erfolg sind nun Unternehmenwie11,SAP,IBM unddasKarlsruherInstitutfür Technologie (KIT) hinzugekommen. Unsere Branche hat aber im Vergleich zu anderen Branchen immer damit zu kämpfen, dass unsere Arbeit nicht fassbar ist. Wir müssen daher diesmal den konkreten Nutzen deutlicher aufzeigen, z.B. wie mit IT der Straßenverkehr weitgehend staufrei organisiert werden kann. Außerdem werden die großen Partner unsere Glaubwürdigkeit unterstützen, weil sie – auch für Nicht-Spezialisten deutlich erkennbar – ihre Marktrelevanz schon nachgewiesen haben. VKSI: Herr Hubschneider, wir drücken die Daumen und danken für das Gespräch. Die Fragen stellte Susann Mathis, Redaktion VKSI-Magazin. Smart Region KarlsruheInterview mit Martin Hubschneider, Vorstandsvorsitzender der CAS Software AG und Projektleiter des Antrages zum Spitzenclusterwettbewerb der Bundesregierung VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 21
  22. 22. Praxis Wiederverwendung von Code1 ObsicheineSoftwareweiterentwickeln,anpassenoderergänzen lässt,hängtstarkvonihremDesignundihrerDokumentationab, d.h. die Wiederverwendung hängt von der Qualität des Codes ab. Ein wichtiger Aspekt bei der Wiederverwendung von Code sind zusätzliche Anforderungen an ein System: Mit steigender FunktionalitätwachsenderDesignaufwandunddienotwendige DokumentationderImplementierungüberproportional.Diesist bedingt durch zunehmende Abhängigkeiten unter den Funkti- onalitäten – und der eingeschränkten Kapazität des Menschen, komplexe System zu überschauen. BetrachtetmandieSoftwarequalitätalsFunktionderZeit,wie esHatleyundPirbhaiinihrerTheoriebeschreiben,ergibtsichein Entwicklungsverlauf wie in Abbildung 1. Softwarequalität wird indiesemSinneüberdieAnzahlderFehlerdefiniert.Dabeigeht mandavonaus,dassdieQualitätsichvorrangigdurchdieFehler auszeichnet. Andere Faktoren, die die Qualität mit bestimmen, haben ebenfalls Auswirkungen auf die Anzahl der Fehler. Dem Lebenszyklus des Produktes auf der Zeitachse wird die Zahl der Fehler gegenüber gestellt. Im ersten Abschnitt des Lebenszyklus, in der Entwicklungsphase, geht man von einer schlechtenSoftwarequalitätaus,damannochamDesignundder Umsetzung arbeitet. Im Laufe dieser Phase verbessert sich die SoftwarequalitätabhängigvomdefiniertenDesign.Darauffolgt dieOperationsphase,inderdasProduktabgenommenwirdund inBetriebgeht.ZudiesemZeitpunkthatdieSoftwarediehöchste Qualität. In der letzten Phase, der Erweiterungsphase, werden Erweiterungen am Produkt entwickelt, die nicht von Anfang an geplant waren. Durch diese Weiterentwicklung verschlechtert sich in der Regel die Softwarequalität. DassFehlergemachtwerdenkannnichtvermiedenwerden.Um dem entgegen zu wirken, muss jeder Softwareentwickler aktiv an der Qualitätsverbesserung arbeiten. Die Firma CodeWrights GmbHsetztformaleInspektionenalsWerkzeugzurkontinuier- lichen Qualitätsverbesserung ein. Einführung in »­Formale ­Inspektion«2 Formale Inspektionen beschreiben einen Ablauf zum Inspizie- ren verschiedener Quellen. Ziel einer formalen Inspektion ist es, Abweichungen oder kritische Stellen gegenüber definier- ten Kriterien in den Quellen zu finden. Diese werden bewertet und gesammelt – es werden jedoch keine konkreten Lösungen gesucht. Bei einer formalen Inspektion gibt es einen Autor, einen Moderator und zwei bis drei Inspekteure. Der Moderator koor- diniert den Ablauf einer formalen Inspektion und verteilt die Quellen, welche vom Autor zur Verfügung gestellt werden, zur Inspektion an die Inspekteure. Für den gesamten Plan aller for- malen Inspektionen wird ein Verantwortlicher bestimmt, der den korrekten Ablauf und die Planung übernimmt.« EineformaleInspektiongliedertsichindiePhasenkBespre- chung, k eigene Inspektion, k gemeinsame Inspektion und k Nacharbeit. Besprechung Zu diesen Treffen wird eine Gruppe von 4–5 Mitarbeitern vom Verantwortlichen für formale Inspektionen eingeladen. Die Besprechung dauert ca. 30 Minuten und während die- ser werden die Rollen auf die beteiligten Mitarbeiter verteilt. Der Autor steht meist vor der Besprechung schon fest, kann aber während des Treffens bestimmt werden. (Dies ist aber erst in fortgeschrittenem Stadium von formalen Inspekti- onen zu empfehlen.) Unter den verbleibenden beteiligten Mitarbeitern wird ein Moderator bestimmt. Der Moderator bestimmt maßgeblich den Verlauf der formalen Inspektion und sollte aus diesem Grund besonders geschult werden. Die restlichen Mitarbeiter erfüllen die Aufgabe der Inspekteure. Im weiteren Verlauf der Besprechung vermittelt der Autor den Inspekteuren einen Überblick über das Projekt. Zum Ende der Besprechung koordiniert der Moderator den Termin für die gemeinsame Inspektion. Vom Moderator werden auch die Quellen und notwendige Hilfsmittel an die Inspekteure ver- teilt. Hilfsmittel können Inspektionslisten sein, die für den bestimmten Typ der Quelle vorbereitet sind oder auch Firmen­ richtlinien. Auch zwei bis drei Ziele sollte der Moderator vor- geben. Kontinuierliche Code-Verbesserung mittels formaler Inspektionen Ein Praxisbericht von Robert Hartmann, CodeWrights GmbH Lebenszyklus einer Software 22 VKSI Magazin Nr. 1 Juni 2009
  23. 23. Eigene Inspektion In dieser Phase inspizieren die Inspekteure die Quellen und sammelnAbweichungenoderkritischeStellen.Dabeiagierensie unabhängig, d.h. jeder Inspekteur muss die Zeit selbst in seinen Projektplan einplanen. Die Dauer der eigenen Inspektion ist je nach Inspekteur unterschiedlich, als Richtwert kann man ca. 1-2 Stunden annehmen. Bei Fragen kann sich der Inspekteur direkt an den Autor oder Moderator wenden. Alle gesammelten Abweichungen oder kritischen Stellen werden dem Moderator übersendet, so dass dieser die Listen für die gemeinsame Ins- pektion aufbereiten kann. Gemeinsame Inspektion Zu der gemeinsamen Inspektion lädt der Moderator ein. Dieser moderiert und protokolliert die Inspektion. Der Autor hat eine passive Rolle und steht den anderen für Fragen zur Verfügung. AlleanderenBeteiligteninspizierendieQuellengemeinsam.Ein Inspekteur geht dabei durch die Quellen und interpretiert die gelesenen Informationen, die anderen Inspekteure folgen auf- merksam. Bei einer kritischen Stelle wird unterbrochen und die Inspekteure stimmen sich ab. D.h. es wird bestimmt, ob es eine kritische Stelle ist. Wenn ja, wird diese vom Moderator aufge- nommen. Dabei ist zu beachten, dass keine konkreten Lösungs- vorschlägeerarbeitetwerden.AlleerfasstenStellenwerdenvom Moderator in die Nacharbeitungsphase eingebracht. Für die gemeinsame Inspektion ist eine Dauer von ca. 1,5h vorgesehen. Nacharbeitung In dieser Phase planen der Projektleiter und der Moderator die Abweichungen und kritischen Stellen in den Projektplan ein. DiesewerdendanngemäßProjektplanvomAutorumgesetztund durch den Moderator überprüft. In dieser Phase kommt es auf das zügige Einplanen der zu bearbeitenden Stellen an. Formale Inspektion als Werkzeug3 In den vorigen Kapiteln wurde die formale Inspektion mit dem Ablauf,denRollenunddenZielenvorgestellt.Wiesetztmanfor- male Inspektionen nun als Werkzeug ein? Und welchen Nutzen hat man davon? Formale Inspektionen werden bei der Firma CodeWrights GmbH zur Sicherung der Softwarequalität genutzt. Man gibt den Softwareentwicklern dieses Werkzeug mit, um ein gemein- sames Verständnis über gute Softwarequalität insbesondere »guten Code« aufzubauen. Die formalen Inspektionen werden von den Softwareentwicklern für Projekte genutzt, die noch in Entwicklung oder schon fertig sind. Durch zeitnahen Einsatz des Werkzeuges können technische Fehlentscheidungen oder schlechte Umsetzungen früh erkannt werden. In den nächsten Unterkapiteln werden die Vorteile der einzelnen Phasen einer formalen Inspektion aufgezeigt. Dabei geht man von einer for- malen Inspektion aus, die einen Softwarecode inspiziert. Vorteile der Besprechung Softwareentwickler aus den unterschiedlichen Projekten kom- men zusammen und informieren sich gegenseitig über parallel laufende Projekte. Dies führt zu einem gemeinsamen Verständ- nis in welche Richtung sich die Firma bewegt und regt zu Syner- gieeffektenauftechnischerEbenean.DerAutorerhältRückmel- dungüberseineLösungsidee.ErpräsentiertseineLösungsideen den anderen Softwareentwicklern, die entscheiden können, ob das Konzept verständlich und griffig ist. Bei diesem Informati- onsaustauscherhaltendieSoftwareentwicklerLösungsideenfür spezifischeProbleme.DiesverbessertdieQualitätderLösungs- ideen, da nicht für jedes Problem eine neue Lösung entwickelt werden muss. Vorteile der eigenen Inspektion WährenddieserPhasesetztsichjederInspekteurmitdemQuell- code auseinander. Bei gutem Quellcode kann der Inspekteur LösungsideenundEntwicklungsmusterübernehmen.Auchder EinsatzvonkomplexenBibliothekenwiedasdotNetFramework kann vermittelt werden. Im umgekehrten Fall, d.h. wenn der Quellcode in einer schlechten Qualität vorliegt, erkennt jeder InspekteurdenNutzenvonQualitätsrichtlinien,diefürdieWart- barkeit und Wiederverwendung bestimmt sind. Vorteile der gemeinsame Inspektion Bei der gemeinsamen Inspektion wird das Wissen von allen beteiligten Softwareentwicklern kumuliert und gefiltert. Beim »Filtern« wird beurteilt, welche Umsetzung verständlich und wartbar ist. Diese Entscheidungen sollten Entwickler für weite- re Entwicklungen beachten. Durch die offene Diskussion lernt man, auch andere Softwareentwickler zu verstehen und andere Blickrichtungen einzunehmen. Vorteile der Nacharbeitung Mit der letzten Phase überarbeitet der Autor den inspizierten Quellcode anhand der Liste der Abweichungen. Die gegebenen Impulse von den anderen Softwareentwicklern sollten von dem AutoraufgenommenundindenFolgeentwicklungenmitberück- sichtigt werden. Rahmenbedingungen für den Einsatz4 Viele Konzepte zur Qualitätsverbesserung gehen vom Manage- ment aus und bieten den Ausführenden wenig Spielraum für , VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 23
  24. 24. Praxis Kontinuierliche Code-Verbesserung mittels formaler Inspek- tionen Änderungen.AuchbeiderFormalenInspektionhandeltessich um ein Konzept, das vom Management gewünscht und einge- führt wurde. Im Gegensatz zu anderen Konzepten besteht aber dieMöglichkeit,denSpielraumdenEntwicklernzuübergeben. Bei der Firma CodeWrights GmbH gibt das Management zwar den Prozess von außen und stimuliert den Qualitätsbegriff, übergibt aber die Umsetzung und gegenseitige Beurteilung in dieHandderEntwickler.InderEntwicklergemeinschaftwerden die Qualitätskriterien diskutiert und definiert. Diese Kriteri- en werden von den Entwicklern gelebt und ständig weiterent­ wickelt. Da das Management bei den Formalen Inspektionen nicht beteiligt ist, wird der erzeugte Quellcode unter den Software­ entwicklern offener beurteilt. Dies fördert das gemeinschaft- liche Verständnis über »guten Quellcode« und erleichtert die Wiederverwendung von diesen Quellen. Fazit5 Formale Inspektionen stellen einen beachtlichen Zeitaufwand dar, der neben der bestehenden Projektarbeit erledigt werden muss. Daher besteht die Gefahr, dass die Formalen Inspekti- onen bei großem Zeitdruck vernachlässigt werden. Hier ist es die Aufgabe des Managements, Rahmenbedingungen wie in Abschnitt 4 zu definieren. Auf der anderen Seite können Formale Inspektionen als Werkzeug für die Qualitätssicherung für wiederverwendbaren Quellcode,wieindenAbschnittenzuvordargestelltwurde,ver- wendetwerden.AufderEntwicklerebenekannsicheingemein- samesVerständnisüber‘gutenQuellcode’entwickeln.Mitdieser Voraussetzung kann die Quellcodepflege im Laufe der Zeit von verschiedenen Mitarbeitern erledigt werden. Auch das Einar- beiten von neuen Mitarbeitern in die Firmenricht­linien ist mit diesem Werkzeug erleichtert. Quellen Hatley, D., Hruschka, P., Pirbhai, I.: Process for system architecture and requirements engineering, S. 15f McConnell,S.:CodeComplete:APracticalGuideofSoftwareCon- struction, 1993 Autor RobertHartmann,Softwareent- wickler bei der Firma Code- Wrights GmbH, wird gerade zum zweiten Mal Vater und ist Mitglied des Redaktionsteams. , Impressum Organ des VKSI – Verein der Karlsruher Software-Ingenieure 1. Jahrgang, Heft 1/2009, Juni 2009 Auflage: 5.000 www.vksi.de ViSdP.: Dr. Dirk Feuerhelm, Prof. Dr. Ralf Reussner, Prof. August Wegmann Herausgeber: VKSI – Verein der Karlsruher Software-Ingenieure e.V., www.vksi.de Vorstand: Dr. Dirk Feuerhelm, Prof. Dr. Ralf Reussner, Prof. August Wegmann Anschrift: Prof. Dr. Ralf Reussner FZI Forschungszentrum Informatik Haid-und-Neu-Straße 10-14 76131 Karlsruhe Redaktion: Robert Hartmann, Timm Reinstorf, Dr. Susann Mathis (Telefon +49 721 38 42 435), redaktion@vksi.de Gestaltung: Jochen Härtel, Härtel Design, München, www.haerteldesign.de Druck: Peschke Druck, München Anzeigen: magazin@vksi.de Erscheinungsweise: 2 Ausgaben pro Jahr Urheberrecht: Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ist eine Verwertung ohne Einwilligung des Verlages unzulässig. Alle Rechte vorbehalten. Gewährleistung: Die Angaben in den Beiträgen erfolgen nach bestem Wissen, aber ohne Gewährleistung. Beiträge: Beiträge sind grundsätzlich willkommen. Bitte sprechen Sie diese mit Dr. Susann Mathis ab. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Abbil- dungen wird keine Haftung übernommen. Verfasser stimmen dem Abdruck zu und versichern, dass die Einsendungen frei von Rechten Drit- ter sind. Namentlich gekennzeichnete Beiträge enthalten die Meinung der Autoren. Nicht gekennzeichnete Beiträge sind Beiträge der Redaktion. Impressum 24 VKSI Magazin Nr. 1 Juni 2009
  25. 25. Standort CyberForume.V. Hightech. Unternehmer. ­Netzwerk. Mit über 700 Mitgliedern ist der gemeinnützige Verein »CyberForum e. V.« eines der größten und erfolgreichsten Hightech.Unternehmer. Netzwerke in Deutschland. Mehr als 8.000 Akteure aus Unternehmen, Hochschul- und For- schungseinrichtungen, Kommunen und Gemeinden der Technolo- gieRegion Karlsruhe partizipieren an diesem innovativen Netzwerk. Hier werden Erfahrung, Ideen und Businesswissen ausgetauscht, diskutiert und umgesetzt. Networking. Events. Services. Das CyberForum initiiert und verstärkt den praxisbezogenen Know- how Transfer zwischen jungen und etablierten Unternehmen. Neben der Hilfe bei Existenzgründungen wird das Networking innovativer Hightech Unternehmen aktiv unterstützt. Mit „catch-the-job“, Special Interest Groups, Paten- und Business Angels-Programmen werden die Mitgliederinteressen bedarfsgerecht aufgegriffen und in Ange- botsform konkretisiert. Das breit gefächerte Veranstaltungs- und Vortragsangebot des Cyber- Forum bringt die Mitglieder in regelmäßigen Abständen zusammen. Neben der Unterstützung durch die Vermittlung wertvoller, praxisna- her Informationen, ist das Networking der Mitglieder untereinander von zentraler Bedeutung. David Hermanns (Geschäftsführer) hermanns@cyberforum.de CyberForum e.V. · Haid-und-Neu-Straße 18 · 76131 Karlsruhe Telefon +49 721 6183-330 · Telefax +49 721 6183-335 www.cyberforum.de GI/ACM-RegionalgruppeKarlsruhe Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) ist die größte Vereinigung von Informatikerinnen und Informatikern im deutschsprachigen Raum. Sie versteht sich als Plattform für Informatikfachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft, Lehre und Öffentlicher Verwaltung und versammelt eine geballte Konzentration an Wissen, Innovation und Visionen. Rund 25.000 persönliche Mitglieder profitieren vom Netz- werk der GI. Die Regionalgruppen der GI werden gemeinschaftlich betrieben mit dem German Chapter of the ACM (Association for Computing Machinery). Sie haben das Ziel, die Mitglieder vor Ort anzusprechen und zu vernetzen. In Karlsruhe bietet sich dies ganz besonders an, denn hier findet man Informatik in all ihren Facetten: hochwertige Informatikausbildung an den Karlsruher Hochschulen, grundlegende und anwendungsnahe Forschung an zahlreichen Forschungseinrich- tungen sowie viele kleine und große IT-Unternehmen. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die GI/ACM-Regionalgruppe Karlsruhe mit fast 1.000 Mitgliedern zu den größten in Deutschland gehört. Sie engagiert sich für den Wissenstransfer und bietet hierzu regelmäßig Vortragsveranstaltungen an. Dr. Daniel Sommer (Sprecher) sommer@aifb.uni-karlsruhe.de GI-Regionalgruppe Karlsruhe c/o Institut AIFB Universität Karlsruhe (TH) · 76128 Karlsruhe www.gi-ev.de/regionalgruppen/karlsruhe ObjektForum Das ObjektForum, 1995 von Matthias Grund (andrena objects) und Thomas Lüdtke (Technologiepark Karlsruhe) aus der Taufe geho- ben, ist mit jährlich über 1000 Besuchern zu einem wichtigen Ort des Austauschs von Informationen, Erfahrungen und Visitenkarten geworden. Seit über 10 Jahren gibt das Forum Orientierungshilfen zu wichtigen Innovationen in der IT. Zu den Referenten gehören Walter Bischof- berger, Angelika Drach, Stéphane Ducasse, Ulrich Eisenecker, Erich Gamma, Ivar Jacobson, Karl Kessler, Michele Lanza, Craig Larman, Johannes Link, Joseph Pelrine, Ken Schwaber, Eric Samson, Michael Stal, Ivo Totev, Ralf Westphal und Michael Willers. Nach nunmehr über zehn Jahren bieten wir Veranstaltungen in ­folgenden Städten an: Karlsruhe, Frankfurt, Stuttgart, München, Hamburg und Berlin. Aktuelle Termine finden Sie immer unter: www.andrena.de/ObjektForum Da unsere Referenten auf eine Vergütung verzichten und auch ihre Spesen selbst tragen, können wir die Veranstaltung kostenfrei anbie- ten, bitten aber um Spenden: Bei Veranstaltungen in Karlsruhe neh- men wir Spenden zugunsten des Sozialpädagogischen Wohnheims Karlsruhe entgegen, in Frankfurt können Sie für die Frankfurter Tafel spenden und in Stuttgart kommen Ihre Spenden dem Projekt A.I.M.E! zugute. www.andrena.de/ObjektForum VereinAngewandteInformatikKarlsruhe Der Verein Angewandte Informatik Karlsruhe e. V. (AIK) ist ein unab- hängiges Dialogforum für den Wissens- und Technologietransfer. Er wurde 1996 von Absolventen und Mitarbeitern des Instituts für Ange- wandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB) der Universität Karlsruhe (TH) gegründet und findet weit darüber hinaus regen Zuspruch aus Wirtschaft und Wissenschaft. Der AIK e. V. för- dert den lebendigen Gedankenaustausch zu Themen der Informatik sowie der Informations- und Kommunikationstechnologien. In halbjährlich stattfindenden Symposien greift der Verein aktuelle Themen der Informatik auf. In fachlicher Diskussion werden die The- men sowohl aus der Sicht der Wissenschaft, als auch aus der Sicht der Wirtschaft betrachtet. Der wirtschaftlich-wissenschaftliche Dialog ist für beide Seiten fruchtbar: Die Wissenschaft bekommt durch die Dis- kussion Impulse aus der Praxis, die sie in praxisgerechte Forschung und Ausbildung umsetzen kann. Für die Wirtschaft stehen Informa- tion und Technologietransfer an erster Stelle. Die engen Kontakte zur Universität bieten zudem die Chance für Projekte, in denen komplexe Entwicklungsaufgaben von Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam angepackt werden. Prof. Dr. York Sure (Vorsitzender) york.sure@gesis.org Verein AIK e. V. c/o Institut AIFB Universität Karlsruhe (TH) · 76128 Karlsruhe www.aik-ev.de · info@aik-ev.de Karlsruher Initiativen VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 25
  26. 26. Verein Warum dieser neue Verein? »Das Besondere am VKSI ist die konsequente Ausrichtung auf Software Engineering aus der Region Karlsruhe. Karlsruhe hat als Region für Software-Ingenieure viel zu bieten. Diese Gruppe muss daher auch speziell angesprochen werden.« — Dr. Dirk Feuerhelm, 11 Internet AG »Sind wir oder sind wir nicht die Softwareregion Deutschlands? Statt darüber zu rätseln, machen wir es lieber wahr. Der VKSI liefert dafür einen wichtigen Baustein.« — Professor August Wegmann, ADI Innovation AG / Hochschule Karlsruhe »Im VKSI kommen Unternehmer, Studierende, Wissenschaftler und Freiberufler zusammen. Unser gemeinsames Interesse ist das Software Engineering. Wir wollen die Software-Ingenieure der Region Karlsruhe vertreten.« — Professor Dr. Andreas Oberweis, KIT / FZI »Die Karlsruher Hochschul­ landschaft ist ein großer Standort­ vorteil für die IT-Region Karlsruhe. Insbesondere gilt das für die Informatiker. Ihnen wollen wir hier eine Heimat geben und das auch von Anfang ihres Studiums an verdeutlichen.« — Professor Dr. Ralf Reussner, KIT / FZI »Gerade für Software-Ingenieure ist Karlsruhe sehr interessant – wir wollen ihnen Informationen und Kontakte gebündelt zur Verfügung stellen und gleichzeitig die Kompetenz nach außen tragen.« — Heidi Kupke, Vorstand, Silverstroke AG »Gerade für Studierende ist es sehr interessant, dass der VKSI dem Software Engineering ein Forum bietet. So haben wir eine weitere Anlaufstelle für den konkreten Einblick in das Berufsleben.« — Benjamin Klatt, Student VKSI Magazin Nr. 1 Juni 200926
  27. 27. »Unsere Gemeinsamkeit ist das Interesse an Software Engineering, ob Unternehmer, Professoren, Freiberufler, Angestellte oder Studierende.« — Robert Hartmann, CodeWrights GmbH »Software-Ingenieure haben unter­ schiedliche Interessen. Manche von uns sind Wissenschaftler, andere sind Unternehmer, noch andere studieren noch - und viele sind als angestellte Software-Entwickler tätig. Das spezielle Netzwerk der Software-Ingenieure ist damit eine wertvolle Ergänzung, auch mal über den eigenen Tellerrand zu schauen.« — Timm Reinstorf, Software-Ingenieur, andrena objects ag »Karlsruhe soll als IT-Hochburg bekannt werden, denn hier gibt es mehr als 3.500 IT-Firmen. Um unsere Stärke zu zeigen, müssen wir gemeinsam auftreten und Leuchttürme errichten. Software Engineering aus Karlsruhe ist so ein Leuchtturm.« — Dr. Christoph Schlenzig, Geschäftsführer, Seven2one GmbH »Die Hightechbranche in Karlsruhe ist sehr differenziert mit vielen einzelnen Spezialisten. Wir wollen die Attraktivität der Region aufzeigen und uns besser vernetzen, d.h. austauschen und voneinander profitieren.« — Ralf Schoch, Freiberuflicher Software-Ingenieur »Der exzellente Ruf der Universität ist nicht zuletzt seiner Informatik- Fakultät geschuldet. Diese Fakultät ist ein wichtiger Grund, warum sich in Karlsruhe und Umgebung eine Vielzahl von Softwareunternehmen angesiedelt hat. Was liegt da näher, als diesem Know-how Pool in einem Verein ein Forum zu bieten?.« — Matthias Grund, Vorstand andrena objects ag VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 27
  28. 28. Trend Was haben ein Freiberuflerportal, Roboterwartung und drei­dimensionaleStadtmodellegemeinsam?DiesePro- jekte beruhen auf semantischen Technologien und wurden in Karlsruherealisiert.»SemanticKarlsruhe«hatindenvergan- genen Jahren wichtige Impulse in Forschung und Anwendung semantischerTechnologienhervorgebracht.Abersindseman- tische Technologien tatsächlich das Mittel erster Wahl, wenn manetwasfindenwill?Wirhabenmitdenjenigengesprochen, die es wissen müssen: BeimsemantischenWebgehtesumabgegrenzteBereiche Für gewöhnlich wird angenommen, dass es zwei konkurrieren- de Visionen für das Internet der Zukunft gibt: das semantische und das Web 2.0. »Doch für diese Konfrontation gibt es keinen Anlass«, sagt Prof. Rudi Studer, »zudem ist es ist ein falscher Ansatz und die Ursache vieler Missverständnisse, dass seman- tischeTechnologieninsbesonderemitSucheassoziiertwerden«. Prof.StuderleitetdasAIFB (InstitutfürAngewandteInformatik und Formale Beschreibungsverfahren an der Universität Karls- ruhe (TH)) welches neben dem FZI, Forschungszentrum Infor- matik, eine der wichtigsten Karlsruher Wissensschmieden zu semantischen Technologien und Anwendungen darstellt. Niemand verfolge zurzeit ernsthaft den Gedanken eines umfassendensemantischenWorldWideWeb,sagtauchRoland Forberger vom Fraunhofer-Institut für Informations- und Datenverarbeitung (IITB): »Es geht immer um abgegrenzte Teilbereiche. Denn bei allen semantischen Projekten stellt sich zuallererst die Frage: Wer bereitet die ganzen Informationen semantisch auf und lohnt sich das?« Warum aber werden mathematisch-statistische und seman- tische Methoden dennoch in der Debatte gegeneinander ausge- spielt? Polemik gehört zu Schlagworten wie die Schnaken zum Baggersee, der semantischen Suche ergeht es da nicht besser. »DiesemantischeSucheistderfeuchteTraumjedesWeb-Inves- tors, vieler Startup-Gründer und absolut jedes Propheten des Internet-Zeitalters«, schreibt zum Beispiel Thomas Knüwer in seinem Weblog »Indiskretion Ehrensache«. Das Schlagwort und sein Missverständnis, entgegnen die Fachleute, sei vor allem von so mancher Marketing-Abteilung mutwillig genutzt. Unter dem Label »semantisch« werde so manches verkauft, was mit semantischen Technologien so gar nichts gemeinsam habe. Mathematisch-statistischeSuchefürdenunbegrenzten Suchraum EinederUrsachenfürkurzsichtigeBewertungenistdieGleichset- zungvon»Suche«mit»Google«.Dabeikanndiemathematisch- statistische Suche viel mehr, als wir es heute vom Werbeunter- nehmengooglekennen.MathiasWalterausderGeschäftsleitung der insiders Wissensbasierte Systeme GmbH warnt davor, bei- des in einen Topf zu werfen und erläutert: »Mathematik kann die Wörter zwar nicht verstehen, aber dennoch kann sie die Relationenberechnen.DamitisteineintelligenteSuchemöglich unddiesegehtweitüberdieklassischeVolltextsuchehinaus,wie wir sie von Google kennen. Durch Ähnlichkeitsanalysen und durch thematische Cluster wird der Inhalt eines Textes oder eines Dokumentes automatisch erkannt.« Deutlich macht er das am Beispiel des Jaguar: Während Google alle Dokumente auflistet,indenendasWortJaguarvorkommt,sowerdenbeider Finden 2.0 Neue Anwendungen aus »Semantic Karlsruhe« von Susann Mathis 28 VKSI Magazin Nr. 1 Juni 2009
  29. 29. intelligenten Suche die Suchergebnisse in thematische Gebiete sortiert.DieintelligenteSuchelegtdiesignifikantenBegriffefest. Und zwar in Abhängigkeit des jeweiligen Dokumentbestandes. Denn: für jeden Dokumentbestand sind eben andere Begriffe signifikant.Siewerdenautomatischerkannt.ImFallvon»Jagu- ar« bietet ein thematisches Clustering nun eine Trefferliste, die Dokumente zu Sportwagen, Raubkatzen oder Panzern bereit- hält. Durch einen Klick bestimmt der Benutzer, was davon für ihn relevant ist. Insiders, inzwischen eine hundertprozentige Tochter der Schufa, hat sich auf die intelligente Suche bei großen Daten- mengen spezialisiert, unabhängig von der Informationsquelle. DatenbeständeeinesUnternehmens,wieFile Server,einDoku- mentenManagementSystemoderdasIntranet,könnenebenso durchsuchtwerdenwieexterneQuellen,beispielsweiseWebsites oder RSS-Feeds. Dabei werden verschiedene Suchverfahren kombiniert: Die strukturierte Suche beispielsweise nutzt die Taxonomie eines Fachbereichs. Die offene Suche kann mithilfe eines bereits vor- handenenTextesodereinerFrageähnlicheDokumentesuchen. LieferteineSuchanfragezuvieleoderzuwenigepassendeDoku- mente, werden weitere zusätzliche Begriffe angeboten, um die Suche sinnvoll zu verfeinern. Außerdem bewertet der Benutzer die Ergebnisse und optimiert so seine zukünftigen Ergebnislis- ten. Angereichert werden die statistischen durch linguistische Verfahren wie zum Beispiel das »Stemming«. Damit werden auch Dokumente gefunden, die einen gesuchten Begriff in ähn- lichen Wortformen enthalten (beispielsweise findet eine Abfra- ge nach »große Häuser« auch »größeres Haus«). Und durch Wortdekomposition werden zusammengesetzte Wörter in ihre Ursprungsworte aufgegliedert. Angewendet werden diese Verfahren z.B. im Under­writing großerVersicherungen.Hiergehtesdarum,rechtzeitigzuerken- nen,obähnlichegroßeVerträgeimKonzernbereitsabgeschlos- sen oder entwickelt wurden. Das spart unnötige Doppelarbeit. Die statistische Suche ist überall dort unverzichtbar, wo der SuchraumnichtbegrenztistundgroßeDatenmengenverarbeitet werden; oder einfacher gesagt: immer dann, wenn man noch nicht weiß, was man finden will. WasistdannSemantik? Die Bedeutung einer Informationsfolge nennt man Semantik. Eine reine Zufallsfolge hat keine Semantik, auch wenn zum Bei- spiel die Zeichenfolge S, U, C, H, E zufällig eine Bedeutung hat. Dasselbe gilt für zwei gemeinsam auftretende Zeichenfolgen. FindetderComputerdieZeichenfolgen18071975undA, C, H, I, M im gleichen Dokument, so heißt das noch lange nicht, dass er zum Geburtstag meines Kollegen gratuliert. Dazu bedarf es des Wissens um die Bedeutung. Wissen kann jedoch nur mit Hilfe von Semantik vermittelt werden.DieHerausforderungbestehtnundarin,Wissenexplizit , Roland Forberger, IITB Mathias Walter, Mitglied der Geschäftsleitung bei insiders ­Wissensbasierte Systeme GmbH Prof. Dr. Rudi Studer, Professor für Angewandte Informatik an der Universität Karlsruhe (TH), ­Vorstandsmitglied am FZI - Forschungs­zentrum Informatik VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 29
  30. 30. Trend Finden 2.0 – Neue Anwendungen aus »Semantic Karlsruhe« maschinenverständlich repräsentieren zu können. Semantic Web bezeichnet die intelligente Anwendung des WWW für das ÜbermittelnundAustauschenvonInhalten,diegleichermaßenfür MaschinenundMenschenverständlichsind.Grundlagenseman- tischerTechnologiensinddabeiMethodenderModellie­rung,der formalen Logik und der Künstlichen Intelligenz. Ein zentraler Nutzen der semantischen Technologie liegt in der »Inferenz«, damitwerdeninderInformatikjeneSchlussfolgerun­genbezeich- net, die von der Maschine automatisiert gezogen werden. Bei semantischen Technologien geht es darum, Daten aus unterschiedlichenQuellenzuintegrierenundzuinterpretieren. DieHauptarbeitstecktindenOntologien:AufdiesenOntologien (Begriffsbildungen)beruhtdieSemantik,siemüssenentwickelt, verwaltet und von den Beteiligten akzeptiert und unterstützt werden. Ob es sich nun um die OntologienfürKrebsforschung, Finanzwesen oder Brückenbau handelt – am Anfang stehen Konzepte, Definitionen und derenBeziehungenzueinander. Die Web-Semantiker nennen diesen ersten Schritt »annotie- ren mit eindeutigen Stichwör- tern«. Semantische Technologi- en erzeugen überall dort einen unmittelbaren Mehrwert, wo sich Inhalte rasch verändern und aus vielen unterschiedli- chen Perspektiven betrachten werden müssen. Mit einem onto- logie-basierten Ansatz können sowohl raum-, als auch zeit- und sachbezogenen Informationen kombiniert werden. SemantischeTechnologieinderAnwendung: Simulationen in der Städteplanung Prof. Peter Henning von der Hochschule Karlsruhe erläutert die Vorteile der semantischen Technologie am Beispiel der geo- metrischer 3D-Stadtmodelle. Als statische Modelle seien diese auf Dauer weder nachhaltig noch bezahlbar, sie müssen Verän- derungendynamischintegrierenkönnen.»Informationenüber die Länge, Breite, Höhe und Fassadentextur eines Gebäudes stellen nur die Spitze des Dateneisbergs für 3D-Stadtmodelle dar. Ebenso notwendig sind darüber hinausgehende semanti- sche Informationen über die Stadtobjekte. Denn ein Mensch kann beispielsweise bei der Betrachtung einer dreidimensiona- len, rein grafischen Stadtszene aufgrund von Erfahrungswissen zwischen Gebäuden, Straßenzügen oder Vegetationsobjekten unterscheiden.FüreineMaschineisteinesolcheDifferenzierung alleineanhandvonGeometriedatenundTexturennichtmöglich. Erst mithilfe einer thematischen Klassifizierung der Objekte im Modell können auch Maschinen die dreidimensionale Geo­ metrie­körper interpretieren.« Sobald aber die Maschine »versteht«, um welche Art von Datenessichjeweilshandelt,sokannsieausdiesenDatenunter- schiedliche Szenarien simulieren und analysieren. Hilfreich ist das bei Stadtplanung, Immobilienmanagement, Umweltana- lysen und Katastrophenmanagement. Zum Beispiel werden mithilfe der Daten wie Firsthöhe, Dachneigung etc. aus Stadt­ plänen dreidimensionale Modelle mithilfe derer Simulationen zuLärmausbreitungodersolareErträgeerstelltwerdenkönnen. »BeiderganzenFrage nachden semantischen Technologien, der semantischen Suche, dem semantischen Netz gibt es viel zuvielGlaubenskrieg.Natürlich wäreesabsurdundvollkommen unbezahlbar,alleDatenimwelt- weitenNetzzuverschlagworten. DaswarauchnichtdieIdeeTim Berners-Lee. Seine Vision sind Verbindungen,dienichtgespei- chert werden, sondern nur bei Bedarf hergestellt werden. Die Aufgabe lautet zu modellieren, stattabzubilden«.TimBerners- Lee,derErfinderdesWWW,hat vor zwanzig Jahren gebeten, alle Dokumente ins Web zu stel- len, heute bittet er, alle Daten ins Web zu stellen. Er nennt das »Linked Data«. Gegenwärtig würden Daten durch Anwen- dungeneingesperrt.DasSemantischeWebdagegenkombiniere Daten aus unterschiedlichen Anwendungen und verbinde sie mit der realen Welt. , Tim Berners-Lee, W3C Director und Erfinder des World Wide Web Prof. Dr. Peter A. Henning, Infor- matikprofessor der Hochschule Karlsruhe Finden Photo©SamOgden 30 VKSI Magazin Nr. 1 Juni 2009
  31. 31. etengo - Personaldienstleister für IT-Freiberufler: DeraufdieVermittlungvonfreiberuflichenIT-Expertenspezia- lisiertePersonaldienstleisterEtengobezeichnetseineDienstleis- tungals»SmartFreelancing«unddazugehörtinsbesondereein intelligenter Abgleich von Angebot und Nachfrage. Ent­wickelt wurde die bei Etengo eingesetzte Technologie in Karlsruhe, gemeinsam mit andrena objects und ontoprise. Hans-Peter Schnurrvonontopriseerläutert:»Bemerkenswertsindvorallem zwei Merkmale: zum einen der Abgleich zwischen Angebot und Nachfrage. Nach der klassischen Methode werden die in einem Profil vorhanden Kenntnisse bzw. Fähigkeiten mit denen aus der Kundenanfrage mittels einer Schlagwortsuche bzw. einer Verknüpfung oder Kombination aus Schlagworten verglichen. DasProblembeginntbeiunterschiedlichenFormulierungen,ein herkömmlicher Anbieter läuft Gefahr, manche Übereinstim- mungüberhauptnichtwahrzunehmen.HatderIT-Spezialistz.B. die Abkürzung »J2EE« für seine Kenntnisse in »Java« genutzt, so wird er auch nur mit der exakten Suche nach »J2EE« als potenziell passend identifiziert. Das sogenannte Matching zwi- schenAngebotundNachfrageerfolgtbeiEtengointelligentund strukturiert durch Nutzung semantischer Technologien. Das System versteht zum Beispiel auch, dass ein Freelancer SQL beherrscht, auch wenn er im Lebenslauf nur seine Arbeit an einer Oracle Datenbank angegeben hat. Das führt direkt zur zweiten Besonderheit: Der Freelancer muss sein oftmals sehr umfangreiches Skill-Profil nicht manuell eingeben. Das System analysiert eigenständig ein vorhandenes Dokument, zum Bei- spieleinenLebenslauf,undmachtdarauseinenVorschlagfürein individuelles Skill-Profil. Und auch diese Analyse funktioniert in der Praxis hervorragend. Nikolaus Reuter, der Vorstands- vorsitzende und Gründer von Etengo, sieht dadurch in seinem neuenServiceeinechtesAlleinstellungsmerkmal:»Keinanderer PersonaldienstleisterkannsoschnellundpräziseeineÜberein- stimmungzwischenAngebotundNachfrageherstellen.Dadurch arbeitet Etengo effizienter als vergleichbare Anbieter. Das hebt dieQualitätderVermittlungundsenktgleichzeitigdieKosten,so dass wir unsere Leistungen sehr günstig anbieten können.« Fraunhofer IITB: Multi-Risk Management und E-Learning »Die Forschungsansätze des Karlsruher Fraunhofer IITB sind breit gestreut«, erläutert Roland Forberger. »Zurzeit arbeiten wir daran, mit semantischen Technologien den Informations- raum besser zu extrahieren. Ein konkreter Anwendungsfall kommt aus dem Bereich der Bildverarbeitung: ein Pixelhau- fen aus einer Satellitenaufnahme kann im Zusammenhang mit anderen Daten belastbare Informationen liefern. Wenn bei der Überwachung eines Gebiets ein solcher Pixelhaufen sich am gleichen Ort befindet, von dem zur Zeit der Aufnahme auch ein Mobilfunkgespräch geführt wurde, so bedeutet das mit hoher Wahrscheinlichkeit,dassdieserPixelhaufendieAufnahmeeines Menschen repräsentiert.« , etengo Website 2.0 VKSI Magazin NR. 1 Juni 2009 31
  32. 32. Rubrik Das Fraunhofer-Institut IITB verantwortet eine Soft- warearchitektur für das Katastrophenmanagement. Mit deren Hilfe können beispielsweise Daten über einen Waldbrand genutzt werden, um das durch den verminderten Baumbestand veränderte Flutrisiko zu untersuchen. In einem weiteren For- schungsprojekt erprobt das IITB neue Formate zur Wissensre- präsentation und überträgt den technologischen Ansatz auf das ZusammenstellenvonTeams.ÜberPersonen-,Kompetenz-,und Projektressourcen-Ontologien suchen sie organisationsüber- greifendnachExpertenmitbestimmtenExpertise-Profilenund berücksichtigen freie Ressourcen. DasFraunhoferIITB inKarlsruhehatzurSchulungvonSatel- litenbildauswerterndasE-LearningsystemCrayons entwickelt. PatestandderWunsch,LehrinhalteeinzelnerSystemeunterein- ander austauschen zu können. Aus vorhandenem Lehrmaterial können neue Kurse baukastenartig zusammengesetzt werden. Dabei ist es natürlich wichtig, dass die auf unterschiedlichen E-Learning-PlattformenerstelltenInhaltezueinanderkompati- bel sind. Aus diesem Grund wurde im Jahre 1999 das »Sharable ContentObjectReferenceModel«(SCORM)entwickelt.SCORM definiert die Struktur und den Aufbau von Lerninhalten und ermöglicht so deren Wiederverwendung auf unterschiedlichen E-Learningsystemen. Die Lernsysteme werden mit Assistenz- systemen gekoppelt, das bringt mehrere Vorteile: zum Einen wirddem–zunehmendschlaueren–BenutzerRechnunggetra- genundihm mehrFreiheitsgrade gegeben.Außerdemkanndas AssistenzsystemdemBenutzerzielgerichtetdieLerninhalteaus dem E-Learningsystem liefern, die ihm für die Erfüllung seiner Aufgabe am hilfreichsten sind – bei genügend Lernalternativen darüber hinaus auch noch in der Form, die dem einzelnen Ler- nenden am ehesten entspricht. Indem sich der Lernpfad dem individuellen Lernverhalten anpasst, steigen Motivation und individueller Erfolg des Lernenden. Roboterwartung mit dem Ratgebersystem Die Servicetechniker der KUKA Roboter GmbH haben bei der Fehlersuche seit einigen Jahren eine Wissensdatenbank in der Tasche. Deren Ratgebersystem stellt Fragen zur Fehlerursache, schlägt Lösungen vor und bietet einen umfassenden Überblick über alle relevanten Informationen. Die Karlsruher ontoprise GmbH hatfürKUKA einsemantischesVerfahrenentwickelt,um komplexe Sachverhalte zu bündeln und die intelligente Suche in verteilten Datenquellen zu ermöglichen. Eine Ontologie ver- knüpft die Informationen aus verschiedenen Quellen. Gibt ein Servicetechniker zum Beispiel die Fehlerbeschreibung »Aus Achse 2 tropft Öl« ein, dann findet das System nicht nur die Dokumentation, Konfiguration und Bauteilbeschreibung des betreffenden Roboters. Darüber hinaus liefert es auch Fehler- und Lösungsbeschreibungen ähnlicher Konfigurationen, die in der Vergangenheit von anderen Servicetechnikern eingetragen wurden. Ebenso »weiß« das System, dass das Bauteil »Achse 2«eineUntergruppedergebogenenAchsenist.Folglichzeigtes auch ähnliche Fehler gebogener Achsen an, die womöglich für die jeweilige Problemlösung relevant sind. Finden , Karlsruher Kooperation: Matthias Grund (andrena objects), Hans-Peter Schnurr (ontoprise/AIFB, Uni Karlsruhe), Nikolaus Reuter (etengo) Crayons: semantische Lernplattform des IITB Finden 2.0 – Neue Anwendungen aus »Semantic Karlsruhe« 32 VKSI Magazin Nr. 1 Juni 2009

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