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Solvency II: Kombiniertes Rechenmodell erfüllt EU-Pflichten und ermöglicht internes Risikomanagement

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[01.05.2011] Trotz nahender Solvency-II-Einführung verhalten sich derzeit viele Versicherer abwartend und begnügen sich mit Kritik am neuen Regelwerk. Dabei riskieren sie nicht nur eine verspätete IT-Implementierung, sondern übersehen auch das Nutzenpotenzial für das Unternehmen jenseits der aufsichtsrechtlichen Pflichten. Dabei bietet eine integrierte, zweigleisige IT-Lösung die Chance, sowohl die Aufsicht zufrieden zu stellen als auch einen echten Mehrwert für das Unternehmen zu erzeugen. Im folgenden Zeigen die Autoren einen erprobten Weg, um mit einer dualen IT-Architektur die Solvency-Einführung vorzubereiten.

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Solvency II: Kombiniertes Rechenmodell erfüllt EU-Pflichten und ermöglicht internes Risikomanagement

  1. 1. Solvency IIThomas Lengfeld*/ Dr. Hubert Sterner**Solvency-II: Kombiniertes Rechenmodell erfülltEU-Pflichten und ermöglicht internes Risikomanagement und Risikodaten sind für beide Mo- Trotz nahender Solvency-II-Einführung verhalten sich derzeit viele Versi- dellansätze gleichermaßen zu eru- cherer abwartend und begnügen sich mit Kritik am neuen Regelwerk. Da- ieren. bei riskieren sie nicht nur eine verspätete IT-Implementierung, sondern übersehen auch das Nutzenpotenzial für das Unternehmen jenseits der Nach wie vor liebäugeln viele Versi- aufsichtsrechtlichen Pflichten. Dabei bietet eine integrierte, zweigleisige cherer mit dem Standardmodell, weil IT-Lösung die Chance, sowohl die Aufsicht zufrieden zu stellen als auch sie sich damit einen geringeren IT- einen echten Mehrwert für das Unternehmen zu erzeugen. Im folgenden Aufwand und einfachere Bewälti- Zeigen die Autoren einen erprobten Weg, um mit einer dualen IT-Archi- gung ihrer Aufsichtspflichten erhof- tektur die Solvency-Einführung vorzubereiten. fen. Doch diese Haltung ist zu hinter- fragen. Warum beispielsweise sollteAb Januar 2013 wird es ernst mit meintlich risikofreie Staatsanlei- ein Unternehmen sich mit der Stan-der viel diskutierten Solvency-II- hen. Katastrophenrisiken, die opti- dard-Berechnung des Solvenzkapi-Compliance, doch noch verhalten mierte Rückversicherung und die tals aus reiner Pflichterfüllungsich Teile der Versicherungsbranche Modellierung der Überschussbetei- begnügen, wenn sich gleichzeitig un-erstaunlich zurückhaltend. Als letz- ligung fänden keine adäquate ternehmensinterne Optimierungspo-ter wichtiger Schritt galt die Auswir- Berücksichtigung. Zudem sei das tenziale eröffnen? Fraglich ist auch,kungsstudie QIS5 (Quantitative Standardmodell als Benchmark für ob sich Versicherer bei der künftigenImpact Study), mit der die EU-Kom- Optimierungspotenziale ungeeig- Kapitalanlagen- und Zeichnungsstra-mission den Unternehmen Gele- net. Für Unmut sorgt zudem der zu tegie vom Standard abhängig ma-genheit bot, die Solvenzkapitalan- große Reporting-Aufwand. chen sollen.forderungen zu testen und Er-fahrungen zurückzuspielen. Die Er- So berechtigt einige Kritikpunkte Aus Sicht der Prozess- und Reporting-gebnisse dieses sogenanten Stan- auch sind, so sehr empfiehlt sich - Verantwortlichen stellt sich die Frage,dardmodells konnten die Versiche- nicht zuletzt aufgrund der ablaufen- ob es mit einem Standardmodellrungsunternehmen mit einem eige- den Frist – eine konstruktive Vorberei- überhaupt möglich ist, das verpflich-nen, internen Modell vergleichen. tung auf eine Solvency-II-Lösung. So tende Own Risk and Solvency Assess-Doch statt der erwarteten konstruk- gelingt es, einerseits die rechtzeitige ment (ORSA), ein internes Kontroll-tiven Vorschläge hagelt es derzeit Umsetzung sicherstellen, auf der an- system oder ein operatives Limitsys-vorwiegend Kritik. deren Seite eröffnen sich bei richtiger tem zu unterstützen. Es kristallisiert Vorgehensweise Mehrwerte im Risi- sich zunehmend heraus, dass dasStandardmodell verschleiert komanagement und bei der wertori- aufsichtsrechtliche Reporting und in-tatsächliche Risikosituation entierten Steuerung des Unterneh- terne Berichte zu Großteilen eine un- mens. ternehmensspezifische ModellierungZu den vielen ins Feld geführten Ge- verlangen.genargumenten gehört zum einen,dass das EU-Standardmodell zu Kombiniertes Modell unterstützt Unternehmen, die die angeführtenkomplex und nicht risikogerecht sei. wertorientierte Unternehmens- Punkte adressiert haben, sind in Sa-Die Risikominderung durch Rückver- steuerung chen Solvency II-Umsetzungspro-sicherung und Überschussbeteili- jekt bereits auf einem guten Weg.gung finde zu wenig Beachtung. Zu- Der zu empfehlende Lösungsansatz Versicherer, die hingegen nochdem bedrohe das Standardmodell greift die sich bietende aufsichts- nicht aktiv wurden, sollten dasmit den Risikofaktoren für das Mark- rechtliche Möglichkeit auf, mit einem Thema Solvency-Compliance sotrisiko und risikofreie Zinskurve das einzigen, kombinierten Modell so- schnell wie möglich angehen. ImGeschäftsmodell der Lebensversi- wohl den Standardansatz als auch ei- Zentrum sollte dabei das Risikoma-cherer. ne interne Risikoberechnung zu ver- nagement stehen - als treibende einen. Das zweigleisige Modell setzt Kraft für die nachhaltige Wertsteue-Die pauschal hohen Standard- dabei auf ein gemeinsames Daten- rung im Unternehmen.Worst-Case-Szenarien für Aktien modell auf, da für das interne Modellund Immobilien machten Invest- nur wenig mehr Daten als für das **Aktuar (DAV) metafinanz GmbHments unattraktiv und führten zu Standardmodell benötigt werden. ** Head of Business Consulting Insurance, me-Portfolioumschichtungen in ver- Viele Bilanz-, Plan-, Asset-, Schaden- tafinanz GmbH232 Zeitschrift für Versicherungswesen 7/2011
  2. 2. Solvency IIDer in der Grafik dargestellte Lö-sungsansatz zeigt einen einfachen,pragmatischen und mit geringemMehraufwand implementierbarenLösungsweg. Auf diese Weise lässtsich ein Risikokapitalmodell auf derBasis einer integrierten IT-Architekturmit einheitlichem Datenmanagementund umfassenden Reporting- undSteuerungsmöglichkeiten schaffen.Dieses Vorgehen hat sich bereits inSolvency II-Projekten bewährt.Lösungsbeispiel: Partialmodellfür versicherungstechnischeRisiken Nicht-LebenIm Folgendem wird in einer Praxisrech- Abbildung 1: Illustration einer IT-Landschaft, die beide Rechenmodelle aufnung gezeigt, wie ein paralleler Betrieb einer gemeinsamen Datenbasis und sinnvollen BI-Lösungen zugleich inte-von internem und Standardmodell griertfunktioniert und wie sich die Vorteile ei-nes internen Modells darstellen. Das hend, benötigt man im internen 3. Die Abbildung der nicht-proportio-folgende Beispiel beschränkt sich auf Modell durch Anwendung unter- nalen Rückversicherungsverträgedas versicherungstechnische Risiko nehmensspezifischer Abhängigkei- im PODRA zeigt enorme Auswir-Nicht-Leben eines Komposit-Versicher- ten ein geringeres Solvenzkapital. kung, das interne SCR verringerters, der in den Geschäftsfeldern Kraft, Nach den ersten drei Stufen ist das sich drastisch bevor die ModelleSachversicherung und Unfall aktiv ist. Musterunternehmen komplett mo- mit der proportionalen Rückversi-Die Ergebnisse lassen sich auf Lebens- delliert. cherung vervollständigt werden.oder Krankenversicherungsrisiken undweitere Risikokategorien übertragen. 2. Die internen Modellierungsansätze Fazit: Das interne (PODRA-)ModellPrämien-, Reserve- und Katastro- von PODRA werden mittels von berechnet ein deutlich geringeresphenrisiko werden sowohl mit dem historischen Daten abgeleiteten Solvenzkapital als das Standardmo-Standardmodell basierend auf QIS Basis-, Großschaden- und Kosten- dell.5 sowie auch mit der Kalibrierung verteilungsfunktionen aktiviert.PODRA in PillarOne.RiskAnalytics Das Kalibrierungsbeispiel zeigtberechnet. Bei PillarOne.RiskAnaly- 2. Das Cat-Risiko – per Proxy im Stan- (Abb. 2, S. 234), dass die unterneh-tics handelt es sich um ein Open- dardmodell und Event-basiert in mensspezifischen AbhängigkeitenSource-Programm, das von Aktua- PODRA wird integriert. Das PO- eines internen Modells dabei hel-ren entwickelt und in einer Commu- DRA-SCR steigt nun deutlich an ge- fen, die Diversifikationseffekte zwi-nity permanent ausgebaut und genüber der QIS 5-Proxylösung. schen einzelnen Geschäftsberei-verbessert wird. Die Berechnung chen und Produkten zu realisieren.des SCR erfolgt in folgenden auf- Die nicht-proportionale Rück-versi-einander aufbauenden Kalibrie- „Warum sollte ein Un- cherung und die exakte Berechnung des Katastrophenrisikos im inter-rungsschritten: ternehmen sich mit der nen Modell liefern einen entschei-1. Brutto-Modellierung des Prämien- Standard-Berechnung denden Beitrag zur Ermittlung der und Reserverisikos erst getrennt objektiven Risikosituation, wäh- für die Geschäftsfelder Kraft Haft des Solvenzkapitals be- rend das Standardmodell hier und Kasko, Sach und Unfall, dann gnügen, wenn über ei- große Schwächen aufweist. zusammen erst pro Geschäftsfeld und zuletzt für die komplette Unter- nen neuen, innovativen Eine realitätsnahe Modellierung nehmung ohne Cat-Risiko und oh- Ansatz ohne nenens- mit unternehmensinternen Para- ne Rückversicherungseinfluss. metern führt nicht zwangsläufig zu werte Mehrkosten un- einem niedrigeren Eigenmittelbe-1. Von einem exakt gleichen Aus- ternehmensinterne Op- darf. Eine derartige, aber in der gangsniveau für das Solvency Ca- Branche gängige Motivation, die pital Requirement (SCR) im PO- timierungspotenziale Kosten der Modelleinführung durch DRA- und QIS 5-Modell ausge- eröffnet werden?“ gezieltes Ersetzen bestimmter Zeitschrift für Versicherungswesen 7/2011 233
  3. 3. Solvency IIStandardmodellkomponenten unddamit das SCR zu „tunen“ wird von ,den Aufsichtsbehörden als „CherryPicking“ energisch bestraft werdenund ist aus Risikomanagementge-sichtspunkten fragwürdig.Die Zeit drängt, dochdie Branche zögertObwohl die Umsetzungsfrist für Sol-vency II langsam aber sicher abläuft,warten viele Versicherer noch ab. Alsgängige Begründungen dienen dienoch ausstehende Finalisierung desStandardmodells und der EIOPA-Guidelines. Kleinere und mittlere Versi- Abbildung 2: Kalibrierungsschritte zum Vergleich beider Modelle: Vor allemcherer hoffen darüber hinaus auf Ver- die Berücksichtigung der nicht-proportionalen Rückversicherungsverträgeeinfachungen durch das Proportiona- (Säule 6) wirkt sich drastisch senkend auf das Solvenzkapital aus.litätsprinzip und Übergangsfristen.Die aktuelle EU-Rahmenrichtlinielässt nur eine Interpretation zu: Nur Versicherern zur Erkenntnis pro un- dem das Kombi-Modell, die Da-jene Unternehmen befinden sich auf ternehmensspezifischer Risikomes- teninfrastruktur und die BI-Lösun-der sicheren Seite, die zweigleisig sung und -steuerung führen. Ob für gen für Transparenz und Reportingfahren und frühzeitig sowohl ein in- den geforderten Nachweis der Sol- implementiert werden. Außerdemternes als auch ein Standardmodell vabilität tatsächlich das (partiell) in- ermöglicht es die effiziente Nutzungvorhalten. Das obige Beispiel zeigt terne Modell zum Zuge kommt, der internen personellen Kapazitä-dabei anschaulich, dass zwei paralle- spielt eine untergeordnete Rolle. ten in IT, Aktuariat, Risiko- und Kapi-le Modelle nicht die Kosten für Be- Nur in diesem Fall verlangt die Auf- talmanagement.trieb, Wartung und vor allem Datenhal- sicht eine aufwendige Zertifizie-tung und -management in die Höhe rung. Ein internes Modell, das Die Risikotragfähigkeit kann im Rah-treiben müssen. gleichzeitig die Standardformel be- men des Own Risk and Solvency As- dient, erweist sich als idealer Kom- sessment (ORSA) und einer Risikoü-Fazit promiss, um den Zertifizierungs- berwachung mittels operativ steuer- prozess hinauszuzögern. Auf diese barer Limite leicht belegt werden. SoDie dargelegten Vorzüge eines in- Weise benötigt das Unternehmen wird die notwendige Voraussetzungternen Modells werden bei vielen nur ein IT-Umsetzungsprojekt, bei für die risiko- und wertorientierte Steuerung des Unternehmens mit Nachweis des Use Test geschaffen und maximale Immunität gegen auf- sichtsrechtliche Interventionen er- reicht. Versicherungsunternehmen sollten konsequent an Ihrer eigenen Vor- stellung von Risikomanagement und wertorientierter Steuerung ar- beiten und sich nicht vom Solvency- II-Einfürungsprozess irritieren las- sen. So wird die Organisation fit für den künftigen Wettbewerb. Und kei- nesfalls muss dabei die Solvency II- Compliance als Zumu- tung für die Organi- sation wahrgenom- men werden.234 Zeitschrift für Versicherungswesen 7/2011

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