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  1. 1. Hintergrundinformationen zum Wildnisbildungsprojekt „Waldscout & Waldranger“KurzfassungWährend einer fünftägigen Projektwoche ‚Waldscout & Waldranger’ sind die Schüler in einerJugendherberge am Rande des Nationalparks untergebracht. Hier bereiten sie sich auf die 24-stündigeWildnisexpedition vor. Anschließend packen sie alles, was sie für den Aufenthalt in der Wildnisbenötigen, zusammen und machen sich in den Nationalpark auf. Die notwendige Ausrüstung – wieRucksack, Schlafsack und Biwakplanen – wird vom Projektbüro zur Verfügung gestellt. Dannverbringen die Schüler 24 Stunden im verwildernden Wald und erkunden die Natur auf vielfältigeWeise. Dabei hilft ihnen ein Kartenspiel, das ihnen verschiedene Zugänge zur Wildnis anbietet. Nachder Rückkehr in die Jugendherberge tauschen die Schüler ihre Wildniserfahrungen in einerReflexionsphase gegenseitig aus. Im Rahmen der Projektwoche werden die Schulklassen vonerfahrenen Wildnispädagogen betreut.Ausführlichere InformationI WildnisbildungDie Bildungsarbeit in deutschen Nationalparks befindet sich zurzeit in einer Umbruchphase. Standbisher vor allem der Aspekt der Akzeptanzförderung im Mittelpunkt von Nationalpark-Bildungszielen,so verschiebt sich der Blickwinkel mehr und mehr hin zur gesellschaftlichen Funktion vonGroßschutzgebieten im Rahmen des Prozesses der Nachhaltigen Entwicklung.Die Wildnis wird nicht mehr nur als Ansammlung von Biotopen, sondern auch als soziales Experimenteiner Gesellschaft verstanden. Verwildernde Landschaften setzen bildungswirksame Kontrastpunkte,die zum Nachdenken über das Verhältnis von Mensch und Natur und einen nachhaltigen Umgang mitden Lebensgrundlagen anregen können.Nationalparks haben im Bezug auf das Thema Wildnis eine herausragende Funktion alsBildungsträger. Nur in dieser deutschen Schutzgebietskategorie ist Wildnisbildung möglich.Im Mittelpunkt des Projektantrages „Waldscout & Waldranger“ steht die „Wildnis jenseits der Wege“.Sie soll zum ersten Mal in einem deutschen Nationalpark, dem Nationalpark Kellerwald-Edersee, mitder Einrichtung von Wildnisinseln mitten im Schutzgebiet erprobt und evaluiert werden.Wildnisbildung beinhaltet sieben konkrete Zielperspektiven zur Förderung derNaturkompetenz:1. Das intensive Erleben von verwildernder, eigensinniger Natur zwischen Harmonie und Chaos, ummehr Naturvertrautheit und ein realistisches Naturverständnis entwickeln zu können2. Das leibliche Erspüren der eigenen empfindlichen und lebendigen Natur des Menschen durch einesorgsame „Bewilderung“3. Das Erleben der Wildnis als Ort der persönlichen Freiheit in einer demokratischen Gesellschaft,Natur als lustvoller Ort
  2. 2. 4. Die Auseinandersetzung mit dem kulturellen Konzept „Wildnis“ als Abgrenzung zur Zivilisation, dasindividuell unterschiedlich erfahrbar ist5. Das Entdecken und Erforschen der Biologischen Vielfalt (Biodiversität) mit ihrer großen Bedeutungfür den Menschen6. Das konkrete Erfahren der Wechselwirkungen von Lebewesen und Mitwelt als Grundlageökologischer Urteilskompetenz7. Das eingehende Nachdenken über Sinnfragen mit dem Blick auf den eigenen Lebensstil und dieBegrenzung eigener materieller AnsprücheII Wildnisbildungs-Projekt „Waldscout & Waldranger“Das von der DBU geförderte Wildnisbildungs-Projekt „Waldscout & Waldranger“ setzt neue Akzente inder Wildnisbildung (siehe oben). Mit der erstmaligen Einrichtung von „Wildnisinseln“ mitten in einemdeutschen Nationalpark sollen Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I und II sowieJugendgruppen und Jugend(hilfe)-Einrichtungen im Rahmen einer 24-stündigen „Expedition in dieWildnis“ zum intensiven Nachdenken über das Verhältnis von Mensch, Natur und Kultur im Rahmendes Diskurses der Nachhaltigen Entwicklung angeregt werden.„Waldscout & Waldranger“ verbindet herausfordernde erlebnispädagogische Lernsituationen mitvielfältigen Methoden der Naturerfahrung, die im Anschluss an die „Wildnis-Expedition“ ausführlichreflektiert werden. Während der Projektwoche können die Jugendlichen unterschiedlicheGestaltungskompetenzen der Bildung für Nachhaltige Entwicklung einüben.Darüber hinaus trägt das „Waldscout & Waldranger“-Projekt auch zur Stärkung der Naturkompetenzder Schülerinnen und Schüler bei. Die Vertrautheit mit und die Kenntnisse über die Natur sindwesentliche Elemente einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Ihre große Bedeutung zeigt sich beiden aktuellen Diskussionen über den enormen Stellenwert der Biodiversität.„Waldscout & Waldranger“ stellt auch geschlechtsspezifische Bildungsszenarien bereit. Schulklassenkönnen in eine Mädchen- und eine Jungengruppe aufgeteilt werden.Die Projekt-Teamer verstehen sich im reformpädagogischen Sinn als partnerschaftliche Begleiter vonLernprozessen und bieten eine durchgängige Betreuung während der gesamten viertägigenProjektwoche an.Die didaktische Umsetzung orientiert sich an der Lerntheorie des pädagogischen Konstruktivismus. Inihrem Mittelpunkt steht ein Kartenspiel, aus dessen Rubrikkarten „Natur“, „Thema“, „Werkzeug“ und„Präsentation“ die Jugendlichen ein eigenes, interdisziplinär ausgerichtetes Wildnisentdecker-Konzeptzusammenstellen können. Sie haben zudem die Möglichkeit, das Kartenspiel um eigene Rubrikkartenzu erweitern.Mit einer biologiedidaktischen Evaluation wird die Wirkung der „Wildnis-Expedition“ auf dieNatureinstellungen der Jugendlichen untersucht. Eine naturschutzfachliche Begleitforschungbefasst sich zudem mit möglichen Belastungen der verwildernden Natur durch die Einrichtung undNutzung der „Wildnisinseln“ mitten im Schutzgebiet.
  3. 3. Mit der Durchführung einer Multiplikatorenschulung für Wildnisbildungs-Fachkräfteanderer Nationalparke soll die Möglichkeit eröffnet werden, das Modellprojekt „Waldscout &Waldranger“ auch in anderen deutschen Wald-Nationalparks zu etablieren.Der Ablaufplan einer ProjektwocheFür eine Projektwoche von „Waldscout & Waldranger“ wurden vier Tage als sinnvoller Zeitrahmenerachtet. Die Wildnisexpedition kann nach folgendem Beispielsmuster ablaufen, bei dem eineJugendherberge als Basisstation fungiert. Der erste Projekttag dient vor allem der Analyse undFörderung der Gruppendynamik, der Sensibilisierung der Sinne und der Überwindung von Ängstenvor dem Leben in der Natur. Am zweiten Projekttag stehen die Auswahl der Forschungs- Szenarien,die Schulung der Methodenkompetenz und der Aufbruch in die Wildnis im Mittelpunkt. Den drittenProjekttag kennzeichnen die Forschungsprojekte und die Rückkehr zur Basisstation. Am vierten Tagwerden die Forschungs-Ergebnisse reflektiert und präsentiert.Gender-Aspekte des BildungsprojektesDa Mädchen in Schülerbefragungen andere Naturzugänge als Jungen bevorzugen und die Naturstärker ästhetisch und sozial-fürsorgend erleben, während Jungen instrumentell-technische undökologisch-erkundende Naturerfahrungen präferieren, ist es sinnvoll, beim „Waldscout &Waldranger“-Projekt auch den Gender-Aspekt zu berücksichtigen. Erfahrungsgemäß übernehmenMädchen, wenn sie in einfachen Naturcamps unter sich sind, auch selbstverständlich eher männlichgeprägte Aufgaben wie Zeltaufbau, Holz hacken, Feuer machen sowie Arbeiten mit Karte undKompass. Auf der anderen Seite sind auch Jungen in geschlechtergetrennten Gruppen schneller bereit,typisch weiblich codierte Aufgaben wie Kochen und Abwasch anzugehen. Erfahrungen beimehrwöchigen Wildnistouren in Nord- und Osteuropa ergaben auch eine höhere Bereitschaft vonJungen, sich in getrennt-geschlechtlichen Gruppen stärker auf ästhetische Naturerlebnisseeinzulassen. Beim Wildnisbildungsprojekt soll es deshalb auch möglich sein, Schulklassen undGruppen im Einvernehmen mit den Jugendlichen nach Geschlechtern aufzutrennen und auf je eigenenWildnisinseln ihre spezifischen Naturerfahrungen sammeln zu lassen. Aus diesem Grund wurden diebeiden Wildnispädagogikstellen mit einer Frau und einem Mann besetzt.Literaturverweis:Trommer, G. 1992: Wildnis – die pädagogische Herausforderung, Deutscher Studien Verlag,Weinheim

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