DAS KONZEPT DER SOZIALEN    NACHHALTIGKEIT IN POLITIK UND    WIRTSCHAFT IM EUROPÄISCHEN                  VERGLEICHBachelor...
Inhaltsverzeichnis1. Einleitung                                                                    32. Vom Begriff der Nac...
4. Nachhaltigkeitsstrategien nationaler Regierungen und der EU                 354.1 Die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie...
1. Einleitung„Visionen brauchen Fahrpläne.“ (Ernst Bloch)Der Begriff der Nachhaltigkeit ist seit Anfang der 1990er Jahre i...
möchte ich vorwiegend im Bereich des unternehmerischen Handelns ansiedeln unddie politische Ebene in der nationalen und eu...
Anschließend werde ich den definierten Bereich der Sozialen Nachhaltigkeit auf diegesellschaftliche Sphäre der Wirtschaft ...
2. Vom Begriff der Nachhaltigkeit zum Konzept der sozialen NachhaltigkeitDieses Kapitel soll die Grundlage für das Verstän...
2.1 Historische Entwicklung und Definition der Nachhaltigkeit2.1.1 Der Begriff der Nachhaltigkeit in der mittelalterlichen...
gesamt lässt sich demnach im 19. Jahrhundert eine Erweiterung des Nachhaltigkeits-konzeptes um ökologische Aspekte erkenne...
(soziale und volkswirtschaftliche Kosten) die vom verursachenden Unternehmen kal-kulierten Kosten (betriebliche und privat...
2.1.3 „Die Grenzen des Wachstums“- Bericht des Club of Rome zur Lage derMenschheit (1972)Im Jahr 1972 erreichte das Konzep...
2.1.4 „Unsere Gemeinsame Zukunft“- Der Brundtland Bericht der Weltkommis-sion für Umwelt und Entwicklung (1987)Eine der wi...
lung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zuriskieren, daß künftige Generationen ihre eigen...
wicklung institutionalisiert werden. Andererseits hat sich in Rio de Janeiro erstmalsgezeigt, dass sich eine Vielzahl von ...
unter den Bezeichnungen Rio+5 und Rio+10 statt. Themen waren der Stand der Um-setzungserfolge beziehungsweise Misserfolge,...
wirtschaftlichen Akteuren auf diese Weise in ihre Handlungskonzepte integriert wer-den.322.2.1 Die Ökologische EbeneDie ök...
Zum anderen hat sich auf wissenschaftlicher Ebene, genauer in den Wirtschaftswis-senschaften, eine Fachrichtung herausgebi...
2.2.3 Die Soziale EbeneDie soziale Ebene des Nachhaltigkeitskonzeptes wurde in der Vergangenheit in derwissenschaftlichen ...
keiten) und die Entwicklungs- und Funktionsfähigkeit der Gesellschaft (Bildungs- undInformationsangebote, Vielfalt soziale...
2.2.4 ZusammenfassungIm Rückblick auf dieses Kapitel können wir festhalten, dass der Begriff der Nachhal-tigkeit äußerst s...
3. Soziale Nachhaltigkeit in Unternehmen3.1 Die Verantwortung der UnternehmenIm vorherigen Kapitel habe ich mich mit der h...
Somit ergibt sich aus Sicht der Öffentlichkeit und der Gesellschaft mit dem Bild auto-matisch auch eine Verantwortung von ...
wenden können. Auf dieser Basis kommt den Unternehmen auch eine Hauptaufgabebei der Umsetzung des Konzepts der Nachhaltigk...
wird: In innerbetriebliches Humankapital und überbetriebliches gesellschaftliches Ka-pital. 51Diese beiden Kernbereiche sp...
Die letzte Dimension stellen die Beziehungen zum globalen Umfeld dar: Die Bezie-hungen beinhalten globale Problemfelder wi...
Tätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern (Akteure aus demgesellschaftlichen Umfeld der Unternehmen) zu...
Im Rahmen der gerade beschriebenen Debatte hat es von vielen verschiedenen Sei-ten Überlegungen dazu gegeben, wie Unterneh...
Auf der Basis der Ergebnisse dieses Konsultationsprozesses veröffentlichte die Eu-ropäische Kommission im Sommer 2002 eine...
•   CSR und Entwicklung. 68Im Juni 2004 wurde der Abschlussbericht des Forums bei der Europäischen Kom-mission vorgelegt.I...
innerhalb des eigenen Betriebes und speziell beim Umgang mit externen Zulieferernmenschen- und arbeitsrechtliche Standards...
Andererseits verpflichten sich die Unternehmen jedoch gegenüber den VereintenNationen, in Abständen von ein bis zwei Jahre...
keinem wirklichen Macht- oder Druckmittel den übrigen gesellschaftlichen Akteurengegenüber ausgestattet.Bevor ich mich nun...
- Kostenersparnisse durch den effizienteren Einsatz von Ressourcen- Kommerzielle Vorteile ( bevorzugter Status bei Liefera...
Konzepte zur Operationalisierung von Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene häufigzu unkonkret formuliert sind und somit nic...
lichen Bezug zu sozialer Nachhaltigkeit untersuchen, um sie anschließend mit aus-gewählten Unternehmensleitlinien zu vergl...
4. Nachhaltigkeitsstrategien nationaler Regierungen und der EUIn diesem Kapitel widme ich mich den Nachhaltigkeitsstrategi...
In den Bereich der Lebensqualität reichen die Problemfelder Gesundheit84, Kriminali-tätsbekämpfung85 und Wirtschaftswachst...
Das unternehmerische Handeln bezüglich der sozialen Dimension wird in der Strate-gie der Bundesregierung lediglich in drei...
Das Konzept der Sozialen Nachhaltigkeit in Politik und Wirtschaft im europäischen Vergleich
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Das Konzept der Sozialen Nachhaltigkeit in Politik und Wirtschaft im europäischen Vergleich

  1. 1. DAS KONZEPT DER SOZIALEN NACHHALTIGKEIT IN POLITIK UND WIRTSCHAFT IM EUROPÄISCHEN VERGLEICHBachelor`s Thesis im Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück Vorgelegt am: 15.03.2005 Von: Björn Instinsky Aus: Georgsmarienhütte
  2. 2. Inhaltsverzeichnis1. Einleitung 32. Vom Begriff der Nachhaltigkeit zum Konzept der sozialen Nachhaltigkeit 62.1 Historische Entwicklung und Definition der Nachhaltigkeit 72.1.1 Der Begriff der Nachhaltigkeit in der mittelalterlichen Forstwirtschaft 72.1.2 Von der ökologischen zur ökonomischen Nachhaltigkeit und dem Ansatz der Sozialen Kosten 82.1.3 Die Grenzen des Wachstums“ – Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit (1972) 102.1.4 „Unsere Gemeinsame Zukunft“ – Der Brundtland Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (1987) 112.1.5 Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung – Rio de Janeiro (1992) 122.1.6 Die aktuelle Nachhaltigkeitsdebatte 132.2 Das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung 142.2.3 Die Ökologische Ebene 152.2.4 Die Ökonomische Ebene 162.2.5 Die Soziale Ebene 172.2.6 Zusammenfassung 193. Soziale Nachhaltigkeit in Unternehmen 203.1 Die Verantwortung der Unternehmen 203.2 Die Soziale Nachhaltigkeit als Unternehmensstrategie 223.3 Konzepte zur unternehmerischen Umsetzung 243.4 Vorteile der Sozialen Nachhaltigkeit im Unternehmen 313.5 Operationalisierungsschwierigkeiten bei der Umsetzung 33 1
  3. 3. 4. Nachhaltigkeitsstrategien nationaler Regierungen und der EU 354.1 Die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie 454.2 Die britische Nachhaltigkeitsstrategie 484.3 Die französische Nachhaltigkeitsstrategie 404.4 Die Nachhaltigkeitsstrategie der EU unter dem Aspekt der sozialen Dimension 425. Nachhaltigkeitsberichterstattung 475.1 Grundlagen der Nachhaltigkeitsberichterstattung 475.2 Nachhaltigkeitsberichterstattung – Kontrolle durch die Zivilgesellschaft 505.3 Grundprinzipien einer glaubwürdigen Nachhaltigkeitsberichterstattung 515.4 Gesellschaftliche und soziale Leistungsindikatoren 546. Vergleichende Analyse von Nachhaltigkeitsberichten 566.1 Der Nachhaltigkeitsbericht der Deutschen Telekom 576.2 Der Nachhaltigkeitsbericht der British Telecom 596.3 Der Nachhaltigkeitsbericht der France Telecom 616.4 Zusammenfassung 637. Schlussbetrachtung 64Abkürzungsverzeichnis 68Literaturverzeichnis 69Anhang 75Erklärung nach der Prüfungsordnung 87 2
  4. 4. 1. Einleitung„Visionen brauchen Fahrpläne.“ (Ernst Bloch)Der Begriff der Nachhaltigkeit ist seit Anfang der 1990er Jahre immer mehr zu einemModewort mit inflationärer Verwendung geworden. In fast allen gesellschaftlichenBereichen wird er angewandt, wenn es darum geht einen bestimmten Typ von Zu-kunftsbewusstsein zu erzeugen. So findet er seine Verwendung neben seinem klas-sisch ökologischen Zusammenhang (Umweltbewusstsein) auch in Bereichen wie derPolitik, ein Beispiel hierfür ist der Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenformel1, und inder Tourismusbranche, in die die Thematik Nachhaltigkeit unter dem Stichwort sanf-ter Tourismus Eingang gefunden hat.2Bis heute gibt es jedoch noch keine verbindlichen Richtlinien für eine nationale odereine einheitliche europäische Nachhaltigkeitspolitik. Zumeist sind mit dem ThemaNachhaltigkeit Leitlinien, Empfehlungen oder auch freiwillige Selbstverpflichtungenvon Seiten der Politik und der Wirtschaft verbunden. An verbindlichen, gesetzlichverankerten Vorgaben und Richtlinien fehlt es zumeist. Mein Ansatz stellt nun dieFrage, wie die Richtlinien der Nachhaltigkeitspolitik innerhalb der Politik aufgebautsind und ob die Wirtschaft eigene Leitlinien erarbeitet oder die der Politik unreflektiertübernimmt?Um es im Sinne von Ernst Bloch zu sagen, und damit das einleitende Zitat aufzugrei-fen, kann man ohne normierte und formalisierte Fahrpläne keine Visionen in die Re-alität umsetzen.Ich möchte dazu in der nachfolgenden Arbeit den Begriff der Nachhaltigkeit nicht, wieso oft üblich, in seinem ökologischen Kontext (Umweltbewusstsein) betrachten, son-dern ihn in einen sozialen Kontext stellen.Bei den Betrachtungen zur sozialen Nachhaltigkeit bleibt allerdings zu beachten,dass die Debatte um Nachhaltigkeit, besonders in den letzten Jahren, von der ökolo-gisch motivierten Politik und der Diskussion um umweltverträgliches Handeln beein-flusst wird. Somit überschneiden sich viele Aspekte der ökologischen Nachhaltigkeitmit der sozialen Nachhaltigkeit, so dass die Übergänge oftmals fließend sind.Um den Kontext der sozialen Nachhaltigkeit näher beleuchten zu können, werde ichseine Bedeutung in Wirtschaft und Politik untersuchen. Die wirtschaftliche Ebene1 Vgl. dazu: Lienemann, Insa: Was ist eigentlich der Nachhaltigkeitsfaktor? In: Brand eins.Wirtschaftsmagazin. 6.Jahrgang, Heft 08, August 2004, Hamburg 2004, S. 144 f.2 Vgl. dazu: Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit: Nachhaltigkeit im österreichischenTourismus. Grundlagen und Bestandsaufnahme – Kurzfassung. Wien, 2000 3
  5. 5. möchte ich vorwiegend im Bereich des unternehmerischen Handelns ansiedeln unddie politische Ebene in der nationalen und europäischen Nachhaltigkeitspolitik undihren Richtlinien fassen.Warum ich die gesellschaftlichen Bereiche Politik und Wirtschaft als die entscheiden-den Akteure bei der Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzeptes heranziehe, lässt sichanhand des folgenden Sachverhaltes verdeutlichen:Die politischen und wirtschaftlichen Akteure sind in Zeiten der Globalisierung und dendamit verbundenen, immer stärker ausgeprägten Marktmechanismen (Waren-, Da-ten- und Finanzverkehr) entscheidende Gestalter von Gesellschaft. Sie haben dieMöglichkeiten und die Verantwortung, die Idee des nachhaltigen Handelns in ein ver-bindliches, normatives Leitbild zu wandeln.Besonders die Rolle der Unternehmen hat in dieser Hinsicht seit Mitte der 1990erJahre an Bedeutung gewonnen. Gegenwärtig wird das wirtschaftliche Handeln derUnternehmen von einer Vielzahl sich ständig ändernder Komponenten bestimmt. DieAuswirkungen des eigenen Handelns auf Mensch und Natur zeigen sich den Unter-nehmen immer deutlicher; entscheidend sind hierbei Aspekte der Multinationalitätvon Unternehmen und der Zuwachs an politischem Einfluss (Teilhabe an politischenGremien). Vor diesem Hintergrund haben Unternehmen sowohl die Möglichkeit,Handeln zu diktieren und Meinungen zu lenken, als auch die Verantwortung, dies ineiner dem Gemeinwohl dienlichen Weise zu tun.Die Bekenntnisse der Unternehmen, sich dieser Verantwortung zu stellen und dieunternehmenseigenen Leitlinien daran auszurichten, sind einleuchtend. Offen bleibtjedoch die Frage, ob das Konzept der sozialen Nachhaltigkeit unter Beachtung dereinzigartigen Struktur eines jeden Unternehmens und seines Umfeldes ausreichendreflektiert und in die Unternehmensstrategie internalisiert wird.Meine Arbeit gliedert sich dahingehend in zwei Teilbereiche: Im ersten Teil werde ichmich dem Thema der Sozialen Nachhaltigkeit zunächst auf der geschichtlichenGrundlage des Begriffes der Nachhaltigkeit nähern, indem ich die historische Ent-wicklung anhand diverser Einflussfaktoren (Publikationen, Debatten und wissen-schaftliche Forschung) betrachte und daran anschließend die Inhalte der aktuellenNachhaltigkeitsdebatte darlege. Die wesentliche theoretische Grundlage stellt hierbeider im Jahre 1987 von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission) veröffentlichte Bericht „Our Common Future“ dar. Im nächsten Schrittwerde ich auf der Grundlage des Nachhaltigkeitsbegriffes den sozialen Aspekt derNachhaltigkeit herausarbeiten. Dazu ziehe ich das Drei-Säulen-Modell der nachhalti-gen Entwicklung als das grundlegende Modell zur konzeptionellen Ausgestaltung derNachhaltigkeit heran. 4
  6. 6. Anschließend werde ich den definierten Bereich der Sozialen Nachhaltigkeit auf diegesellschaftliche Sphäre der Wirtschaft beziehen, wobei mein Hauptaugenmerk aufdem wirtschaftlichen Handeln der Unternehmen liegt (Kapitel 3). Mein Interesse giltdabei einerseits dem Triple-Bottom-Line-Ansatz des englischen Wirtschaftswissen-schaftlers John Elkington, der das Modell der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte aufdie Unternehmensebene übertragen hat. Andererseits verschiedenen Strategiekon-zepten und Programmen, die mithilfe von Leitlinien und Handlungsindikatoren dieIntegration der nachhaltigen Entwicklung in das Unternehmensmanagement fördernsollen. Dazu gehören der Corporate Social Responsibility-Ansatz, der Global Com-pact und die Global Reporting Initiative.Der zweite Teil meiner Arbeit besteht aus einem Vergleich, den ich in zwei Schrittendurchführen möchte. Grundlage für den Vergleich sollen die beiden im Folgendenformulierten Fragestellungen bilden: • Inwiefern gehen die nationale und die europäische Nachhaltigkeitspoli- tik auf den Aspekt der Sozialen Nachhaltigkeit ein? Wo wird das Thema in veröffentlichten Leitlinien behandelt? • Wie lassen sich die Unternehmensleitlinien in Hinblick auf Soziale Nachhaltigkeit verstehen? Werden die Richtlinien der Politik (sowohl der nationalen als auch der internationalen) unreflektiert übernommen? O- der findet im Unternehmen eine aktive Auseinandersetzung mit dem Thema der Sozialen Nachhaltigkeit statt und werden die Leitlinien den jeweiligen, speziellen Anforderungen der Unternehmen gerecht?Die Beantwortung dieser beiden Fragestellungen werde ich, wie oben schon er-wähnt, in zwei Vergleichsschritten angehen: Zum einen werde ich die Nachhaltig-keitsstrategien der deutschen, britischen und französischen Regierungen sowie dieNachhaltigkeitsstrategie der Europäischen Union auf Basis der Fragestellungen mit-einander vergleichen (Kapitel 4). Zum anderen erfolgt eine Gegenüberstellung derNachhaltigkeitsberichte der drei Unternehmen Deutsche Telekom, British Telecomund France Telecom vor dem Hintergrund der formulierten Fragen (Kapitel 5 und 6).Die Untersuchung der Nachhaltigkeitsberichte wird von zwei Indikatorenkatalogender Global Reporting Initiative zur Erhebung von sozial-gesellschaftlichen Faktoreneines Nachhaltigkeitsberichtes gestützt. Die Untersuchungsergebnisse in vollständi-ger Form sind im Anhang dieser Arbeit einzusehen. 5
  7. 7. 2. Vom Begriff der Nachhaltigkeit zum Konzept der sozialen NachhaltigkeitDieses Kapitel soll die Grundlage für das Verständnis des Konzeptes der sozialenNachhaltigkeit liefern, um ausgehend von dieser Basis die zugehörigen Leitlinien die-ses Konzeptes in Politik und Wirtschaft näher betrachten zu können. Die aus demenglischen stammende Wendung „sustainable development – in der Kurzform sustai-nability “ - Ursprung des deutschen Nachhaltigkeitsbegriffes - ist im deutschenSprachraum nicht eindeutig mit „Nachhaltiger Entwicklung“ zu übersetzen.In der einschlägigen Literatur gibt es eine Vielzahl von Übersetzungsvarianten desgenannten Begriffs. Diese Übersetzungen liefern hierbei unterschiedliche Assoziatio-nen. So liefert der Begriff „dauerhaft umweltgerecht“ einen begrenzten Blickwinkel aufeine ökologische Dimension, wohingegen die Übersetzung „zukunftsfähig“ einensehr breiten Blickwinkel anlegt und darüber hinaus den Aspekt der Gerechtigkeit zwi-schen den Generationen betont3.Es zeigt sich jedoch, dass sich trotz der unterschiedlichen Bedeutungsinhalte für dieÜbersetzungen von sustainability in der deutschen Fachliteratur der Begriff Nachhal-tige Entwicklung durchgesetzt hat und auch in meiner Arbeit mit dem Begriff sustai-nable development gleichgesetzt wird.Ein weiteres Problem bei der Annäherung an den Begriff der Nachhaltigen Entwick-lung besteht in der oftmals kritisierten Kombination von Gegensätzlichem. Der Begriffder Nachhaltigkeit betont sowohl Aspekte des Fortschritts als auch Aspekte der Be-grenzung: „Es wird eine Spannung aufgebaut zwischen Erhalt und Dynamisie-rung, zwischen Natur und Gesellschaft, zwischen Wachstum und Entwick-lung“.4Dieser Sachverhalt zeigt, wie schwierig und wie umfassend der Begriff der Nachhal-tigkeit zu fassen ist und wie wichtig es ist, ihn in seinem Umfang und seinem Blick-winkel genau einzugrenzen und zu beschränken. Eine genaue Eingrenzung desBlickwinkels des Begriffes Nachhaltigkeit, der grundlegend für meine Arbeit ist, möch-te ich im nachfolgenden Kapitel vornehmen.3 Vgl.: Diefenbacher, Hans: Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Zum Verhältnis von Ethik undÖkonomie. Darmstadt, 2001, S. 274 Abgedruckt bei: Heins, Bernd: Soziale Nachhaltigkeit. Berlin 1998, S. 12 6
  8. 8. 2.1 Historische Entwicklung und Definition der Nachhaltigkeit2.1.1 Der Begriff der Nachhaltigkeit in der mittelalterlichen ForstwirtschaftZum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde der Begriff der Nachhaltigkeit in der mittel- 5alterlichen Forstwirtschaft. Nachhaltigkeit war in diesem Zusammenhang ein Kon-zept der Forstwirtschaft, das auf eine langfristige Nutzung des Waldes in Bezug aufphysische und monetäre Holzerträge abzielte.Das Konzept forstwirtschaftlicher Nachhaltigkeit beinhaltete zwei Dimensionen.Zum einen die Dimension der dynamischen Nachhaltigkeit: Hier lag das Hauptau-genmerk auf dem Erhalt bestimmter Merkmale, die die wirtschaftlichen Leistungendes Waldes darstellen. Dies bezog sich hauptsächlich auf den Erhalt von Qualität undQuantität der Holzerträge. Zum anderen lässt sich die statische Nachhaltigkeit nen-nen. Diese beinhaltete das Aufrechterhalten des gleichgewichtigen Zustandes desWaldes, also den Erhalt von Waldflächen und Holzvorräten.Auf der Basis dieser beiden Dimensionen bildet der Begriff der Nachhaltigkeit eineder Grundlagen für die Herausbildung einer eigenständigen Forstwissenschaft undder Realisierung großer Wiederaufforstungsprogramme nach den teilweise großflä-chigen Waldzerstörungen durch Rodungen im Mittelalter und im DreißigjährigenKrieg.Dieses Konzept entwickelte sich bereits im 16. Jahrhundert in den Waldgebieten vie-ler deutscher Reichsstädte und wurde systematisch seit Mitte des 18. Jahrhunderts ineinigen deutschen Territorialstaaten, wie beispielsweise in Preußen, betrieben. DasKonzept wurde aufgrund seiner damaligen Fortschrittlichkeit im Verlauf des 19. Jahr-hunderts in vielen weiteren Staaten, so auch in Großbritannien und in den USA an-gewandt und an die dortigen Verhältnisse angepasst. Die Begrifflichkeit des Nachhal-tigen Ertrages wurde als Folge dieser Entwicklung in den englischen Sprachgebrauchmit der Übersetzung sustained yield übernommen.6Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde schließlich in Deutschland das eigentlich imbetriebswirtschaftlichen Bereich angesiedelte Konzept der Nachhaltigkeit sukzessivum weitere Aspekte, wie beispielsweise die ökologischen und ästhetischen Faktorendes Waldgebietes, erweitert, so dass dieses Konzept bald alle positiven Dispositio-nen eines Waldes unter wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten einbezog. Ins-5 Vgl.: Nutzinger, Hans G./ Radke, Volker: Das Konzept der nachhaltigen Wirtschaftsweise.Historische, theoretische und politische Aspekte, S. 14. In: Nutzinger, Hans G. NachhaltigeWirtschaftsweise. Konzepte, Bedingungen, Ansatzpunkte. Marburg, 19956 Vgl.: Ebd., S. 15 7
  9. 9. gesamt lässt sich demnach im 19. Jahrhundert eine Erweiterung des Nachhaltigkeits-konzeptes um ökologische Aspekte erkennen. 72.1.2 Von der ökologischen zur ökonomischen Nachhaltigkeit und dem Ansatzder Sozialen KostenIm weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts hielten Ansätze des Nachhaltigkeitskonzep-tes Einzug in die Theorien bekannter Ökonomen und somit in die wirtschaftswissen-schaftliche Diskussion. Als beispielhaft hierfür gelten Ansätze von Karl Marx undJohn Stuart Mill. Beide fassten das Konzept der Nachhaltigkeit mit dem Problem derWachstumsbegrenzung. John Stuart Mill schrieb zu diesem Sachverhalt in seinen„Principles“ (1848): „… so hoffe ich von ganzem Herzen, dass man schon vielfrüher, als die Notwendigkeit dazu treibt mit einem stationären Zustand sichzufrieden gibt.“ 8Karl Marx formulierte in seinem Werk „Das Kapital“ (1894) in ähnlicher Weise:„Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaf-ten zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihreBesitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als boni patres familias den nachfol-genden Generationen verbessert zu hinterlassen.“ 9Die nicht nur von Marx und Mill thematisierte Notwendigkeit des Naturerhalts tauchtin der Folgezeit in vielen wirtschaftswissenschaftlichen Betrachtungen auf und erhältsomit einen beachtlichen Stellenwert in der fachwissenschaftlichen Literatur.Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wird die wirtschaftswissenschaftliche Diskussionum den Aspekt der „Sozialen Kosten“ erweitert. Im Jahr 1950 bringt der Ökonom KarlWilliam Kapp in seinem Werk „Soziale Kosten der Marktwirtschaft“ den erwähntenAnsatz in die Wirtschaftswissenschaften ein. Dabei sind Soziale Kosten „…alle di-rekten und indirekten Verluste, die Drittpersonen oder die Allgemeinheit alsFolge einer uneingeschränkten wirtschaftlichen Tätigkeit zu tragen haben. DieSozialkosten können in einer Schädigung der menschlichen Gesundheit, in derVernichtung oder Verminderung von Eigentumswerten und in der vorzeitigenErschöpfung von Naturschätzen zum Ausdruck kommen.“´10Diesen Ansatz bezieht Kapp auch auf die ökologische Sphäre von unternehmeri-schem Handeln. Hierbei übersteigen im Falle negativer externer Effekte – zum Bei-spiel Schadstoffemissionen bei der Produktion von Gütern - die gesamten Kosten7 Vgl.: Ebd., S. 168 Abgedruckt bei: Soetbeer, A.: John Stuart Mill´ s gesammelte Werke. Autorisierte Überset-zung unter Redaktion von Th. Gomperz. Band 1. Leipzig, 1869, S. 62 f.9 Abgedruckt bei: Marx, Karl: Das Kapital Band 3.In: MEW, Band 25. Hamburg, 1894 S.78410 Abgedruckt bei: Kapp, Karl William: Soziale Kosten der Marktwirtschaft: Das klassischeWerk der Umwelt-Ökonomie. Frankfurt a. M. , 1979, S.10 8
  10. 10. (soziale und volkswirtschaftliche Kosten) die vom verursachenden Unternehmen kal-kulierten Kosten (betriebliche und private Kosten). Die Ursache für diesen Sachver-halt liegt meist darin begründet, dass die Unternehmen den Faktor der Umweltnut-zung in ihre Unternehmensrechnung nicht oder nur unzureichend mit einbeziehen.11In den 1970er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts dringen Umweltproblematikenund Umweltkatastrophen12 vermehrt in das Bewusstsein der Bevölkerung (Chemieun-fall in Seveso, Atomunfälle in Harrisburgh und Sellafield).Der Treibhauseffekt und diedamit verbundene Zerstörung der Ozonschicht und weitere Umweltprobleme werdenerstmals ernsthaft diskutiert. Die Überlegungen zu Wachstumsgrenzen und der öko-logischen Nachhaltigkeit erlangen zunehmend Einfluss in allen Bereichen des gesell-schaftlichen Diskurses.Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Nachhaltigkeitsdiskussion in den 1970er Jah-ren ist die Aufnahme des Gedankens des Naturerhalts in wirtschaftliche Messgrößen:Als Beispiel kann die Sozialproduktrechnung genannt werden. Die klassische Be-rechnung des Bruttosozialproduktes wertete bis dato die Verschlechterung des Na-turzustandes durch wirtschaftliche Produktionsprozesse als fiktiven Wertzuwachs undnicht als Wertverlust. Mit den Ansätzen von amerikanischen und japanischen Wirt-schaftswissenschaftlern, das klassische Konzept des Bruttosozialproduktes umMessgrößen zu erweitern, die den Wertverlust durch die sozialen Kosten der ökologi-schen Zerstörung mit einberechnen (als Beispiele hierfür gelten der Net EconomicWelfare und Net National Welfare), wurde in den 1970er Jahren der Versuch unter-nommen, nicht nur wirtschaftspolitische Belange in den Messgrößen zu beachten,sondern auch dem Anspruch der Berücksichtigung von ökologischen und sozialenBelangen Rechnung zu tragen.1311 Vgl.: Ebd., S.5112 Vgl.: Hauff, Volker (Hrsg.): Unsere Gemeinsame Zukunft. Der Brundtland-Bericht derWeltkommission für Umwelt und Entwicklung. Greven, 1987, S. XII13 Vgl.: Nutzinger/Radke: Das Konzept der Nachhaltigen Wirtschaftsweise. S. 19 f. 9
  11. 11. 2.1.3 „Die Grenzen des Wachstums“- Bericht des Club of Rome zur Lage derMenschheit (1972)Im Jahr 1972 erreichte das Konzept der Nachhaltigkeit, wenn auch unter der Formu-lierung „Grenzen des Wachstums“, erstmals eine breitere Öffentlichkeit. Mit dem 14gleichnamigen Bericht veröffentlichte der Think Tank Club of Rome eine Publikati-on zur krisenhaften Entwicklung des weltweiten Wachstums und den damit verbun-denen schwerwiegenden Schädigungen des ökologischen Systems Erde. Dazu wer-den die aus der Sicht der Autoren auslösenden Faktoren eingehend untersucht, wiezum Beispiel der Verbrauch nicht erneuerbarer natürlicher Ressourcen15, die Bevöl-kerungsexplosion in den so genannten Entwicklungsländern16 sowie der technischeFortschritt in der Produktionsweise der Industriestaaten.17Die These der Autoren lautet, dass es kein unbegrenztes Wachstum auf dem Plane-ten Erde geben kann, da dieser natürliche Grenzen besitzt, die vom Menschen ein-gehalten werden müssen, wenn die Erde nicht dauerhaft geschädigt werden soll. DerSchutz des Planeten ist nach Ansicht der Autoren somit nur durch ein NachhaltigesWachstum, das die natürlichen Grenzen wahrt, zu erreichen.18Im Verlauf des Berichtes werden auch erstmals Handlungsleitlinien zum Konzept derNachhaltigkeit in schriftlicher Form festgehalten. Die Handlungsempfehlungen sindeingebettet in den Ansatz der „freiwilligen Wachstumsbeschränkungen “ und beinhal-ten die Stabilisierung der Bevölkerung durch Gleichsetzung der Sterbe- und Gebur-tenziffer und die Stabilisierung des (Industrie-) Kapitals durch die Gleichsetzung vonKapitalabnutzung und Investitionen.1914 Der Club of Rome wurde 1968 in Rom gegründet und vereint 100 Personen aus allen 5Kontinenten. Sie kommen aus unterschiedlichen Kulturen, wissenschaftlichen Disziplinenund Berufen. Ihnen gemeinsam ist die Sorge um die Zukunft der Menschheit, die sich vielfäl-tigen existenziellen Herausforderungen gegenübersieht. Gleichzeitig sind sie aber auch derÜberzeugung, dass die Zukunft nicht ein für allemal vorausbestimmt ist und dass jederMensch zu deren Verbesserung beitragen kann. Der Club of Rome versteht sich als ein un-abhängiger, weltweit agierender Katalysator für Veränderungen. (Quelle:www.clubofrome.de)15 Vgl.: Meadows, Dennis/ Meadows Donella/ Zahn, Erich/ Milling, Peter.: Die Grenzen desWachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. 1. Auflage. Reinbeck beiHamburg, 1973, S. 45 ff.16 Vgl.: Ebd., S. 26 ff.17 Vgl.: Ebd., S. 116 ff.18 Vgl.: Ebd., S. 1719 Vgl.: Ebd., S. 143 ff. 10
  12. 12. 2.1.4 „Unsere Gemeinsame Zukunft“- Der Brundtland Bericht der Weltkommis-sion für Umwelt und Entwicklung (1987)Eine der wichtigsten Veröffentlichungen und in ihr inbegriffen eine der meistgenutztenDefinitionen des Nachhaltigkeitsbegriffes lieferte der Abschlussbericht der Weltkom-mission für Umwelt und Entwicklung mit dem Titel „Unsere Gemeinsame Zukunft“aus dem Jahr 1987. Unter dem Vorsitz der damaligen norwegischen Ministerpräsi-dentin Gro Harlem Brundtland wurde im Jahre 1983 durch die Generalversammlungder Vereinten Nationen die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung eingerichtet,die sich mit langfristigen Umweltstrategien beschäftigen und der Frage nachgehensollte, wie eine dauerhafte Entwicklung zu erreichen sei.20Das Gremium bestand aus unabhängigen Politikern verschiedenster Fachrichtungen(zum Beispiel Umwelt, Wirtschaft und Soziales), Kabinettsministern der jeweiligenLänder sowie aus Wirtschaftsfachleuten. Es wurde bei der Zusammensetzung desGremiums genauestens darauf geachtet, dass eine möglichst große Anzahl von Ver-tretern der Entwicklungsländer miteinbezogen wurden, da der Schwerpunkt der Arbeitder Weltkommission für Umwelt und Entwicklung auf der Fortentwicklung der so ge-nannten Entwicklungsländer liegen sollte.Die Arbeitsgruppe verfasste im Jahr 1987 seinen ersten und meist beachteten Berichtmit dem Titel „Unsere Gemeinsame Zukunft“. Diesem Bericht wird die Thesezugrunde gelegt, dass die Unfähigkeit des Menschen, sein Handeln und Wirken denökologischen Gegebenheiten unterzuordnen, grundlegende Auswirkungen auf dieglobalen Wirkungszusammenhänge hat.21Von dieser These ausgehend werden Handlungsempfehlungen erarbeitet, bei denendas kulturelle und geistige Erbe der Menschheit mit den wirtschaftlichen Interessenund der Einhaltung überlebenssichernder Sachzwänge verbunden werden sollen.Die Handlungsempfehlungen beziehen sich auf die Bereiche Bevölkerung undmenschliche Ressourcen, Sicherung der Nahrungsmittelversorgung, Artenvielfalt undÖkosysteme, Energie und Industrie.Aus den Handlungsempfehlungen baut sich ein klares Bild der Nachhaltigen Entwick-lung auf, die in diesem Bericht als Dauerhafte Entwicklung bezeichnet wird. Ihre Defi-nition ist eine der gängigsten in der öffentlichen Diskussion und soll daher auch dieGrundlage für die Definition von Nachhaltigkeit in meiner Arbeit darstellen.Im Brundtlandt-Bericht (nach der Vorsitzenden Gro Harlem Brundtland oftmals sobezeichnet) heißt es zu Dauerhafter Entwicklung wie folgt: „…Dauerhafte Entwick-20 Vgl.: Hauff, Volker, 1987, S. XIX21 Vgl.: Ebd., S. 1 11
  13. 13. lung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zuriskieren, daß künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigenkönnen. “ 22Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung, das in diesem Bericht erarbeitet wird,soll in Kapitel 2.2 noch näher erläutert werden und zusammen mit der soeben vorge-stellten Definition von Nachhaltigkeit die theoretische Grundlage für die weiterführen-den Betrachtungen zum Konzept der Sozialen Nachhaltigkeit in Wirtschaftsunter-nehmen bilden.2.1.5 Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung – Rio deJaneiro (1992)Ein weiterer Meilenstein bezüglich des Konzeptes einer Nachhaltigen Entwicklung,stellt die im Jahr 1992 von den Vereinten Nationen in Rio de Janeiro einberufeneKonferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) dar. Auf der Basis des dargestelltenNachhaltigkeitsleitbildes der 1970er und 1980er Jahre wurden auf der Konferenzmehrere Dokumente für maßgebliche Handlungsfelder von Umwelt und Entwicklungverfasst und auch von den meisten Ländern ratifiziert. Von besonderer Wichtigkeit fürdie Entwicklung der Nachhaltigkeitsdebatte sind die beiden auf der Rio-Konferenzverabschiedeten Grundlagendokumente Rio-Deklaration und Agenda 21. Die RioDeklaration befasst sich mit ökologischen und entwicklungspolitischen Grundsätzen,wie beispielsweise der Armutsbekämpfung, der Bevölkerungspolitik und der Aner-kennung der Industrieländer als Hauptverursacher der Umweltschäden.23Im Mittelpunkt der Konferenz jedoch steht eines der wichtigsten Grundsatzdokumenteder Nachhaltigkeitsdebatte bis zu diesem Zeitpunkt: „Die Agenda 21- das Aktions-programm für das 21. Jahrhundert“. In dieser Schrift „…werden umwelt- undentwicklungspolitische Handlungsanweisungen für Regierungen, Verwaltun-gen, Städte und Gemeinden gegeben“.24Das Aktionsprogramm wurde von allen 170 Teilnehmerstaaten der Rio-Konferenzunterzeichnet und ratifiziert. Innerhalb der Länder wurden die Leitlinien der Agenda21 an Regional- und Lokalverwaltungen übertragen, mit der Aufgabe, das Konzeptder Nachhaltigen Entwicklung in die lokalen Handlungsfelder aufzunehmen und um-zusetzen.Der Erfolg der Rio-Konferenz lässt sich zusätzlich in vielerlei Hinsicht benennen.Einerseits konnte zum ersten Mal ein gemeinsames Konzept von Nachhaltiger Ent-22 Abgedruckt bei: Ebd., S. 4623 Vgl.: Kreibich, Rolf: Nachhaltige Entwicklung. Leitbild für die Zukunft von Wirtschaft undGesellschaft. Weinheim/ Basel, S. 35 f.24 Abgedruckt bei: Wollny, Volrad: Nachhaltige Entwicklung. Sustainable Development. Einekleine Einführung in ein komplexes Thema. Darmstadt, 1999, S. 13 12
  14. 14. wicklung institutionalisiert werden. Andererseits hat sich in Rio de Janeiro erstmalsgezeigt, dass sich eine Vielzahl von Non Governmental Organisations (NGO´s) fürdie Idee einer nachhaltigen Handlungsweise einsetzen. Des Weiteren beteiligte sicherstmals eine Vielzahl von großen und wichtigen Unternehmen an der Diskussion umNachhaltigkeit.Erwähnenswert, auch im Hinblick auf spätere Kapitel dieser Arbeit, ist der Aspekt,dass bei den Vorbereitungen zu der Konferenz ein unternehmerisches Nachhaltig- 25keitskonzept mit dem Titel „Business Charter for Sustainable Development“ imRahmen einer Management-Konferenz erarbeitet und von mehr als einhundert Un-ternehmen weltweit unterzeichnet wurde. Zusätzlich wurde der Business Council forSustainable Development26 gegründet.272.1.6 Die aktuelle NachhaltigkeitsdebatteIm Rahmen des Rio-Folgeprozesses kam es zur Durchführung einer Reihe vonKonferenzen und zur Gründung von Gremien, die in den Jahren nach der Rio-Konferenz zur Gewährleistung der Umsetzung der Handlungsanweisungen in denbeiden Dokumenten Rio-Deklaration und Agenda21 dienen sollten.So wurde beispielsweise im Jahr 1994 die Kommission für Nachhaltige Entwicklung(Commission on Sustainable Development-CSD) gegründet.28 Ihre Hauptaufgabenlagen in der Überprüfung und Abstimmung des Umsetzungsprozesses der Ergebnis-se und den damit verbundenen Zielformulierungen der Rio-Konferenz und der Erar-beitung weiterer Konzepte zur Realisierung einer nachhaltigen Entwicklung. Der ersteVorsitzende war der damalige deutsche Bundesumweltminister Klaus Töpfer. DieSitzungen fanden in jährlichem Abstand statt.In den Jahren 1997 und 2002 fand jeweils eine Sondersitzung der UN-Generalversammlung und ein Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung (Johannesburg)25 Um die Wirtschaft in ihrem Bemühen um umweltgerechtes Verhalten weltweit zu unter-stützen, hat die Internationale Handelskammer (ICC) bei der 2.Weltindustriekonferenz fürUmweltmanagement (WICEM II) im Jahre 1991 in Rotterdam die Business Charter forSustainable Develoment eingeführt. Sie enthält 16 Grundsätze des Umweltmanagements,das für die Wirtschaft wichtiger Bestandteil jeder langfristig tragfähigen Entwicklung ist. Inmehr als 20 Sprachen übersetzt wird sie derzeit von 2150 Unternehmen und Verbänden in55 Ländern unterstützt. (Quelle: www.icc-deutschland.de/icc/frame/publik/t5.html)26 Der World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) ist ein Zusam-menschluss von 175 international tätigen Unternehmen mit dem Ziel, Wirtschaftswachstumund Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Dabei initiiert das WBCSD eigene Projekte, diediesem Ziel zum Durchbruch verhelfen sollen, beispielsweise Hilfestellungen zur Ermittlungder Ökoeffizienz in den Unternehmen. (Quelle: http://www.wbcsd.ch)27 Vgl.: Matten, Dirk/ Wagner, Gerd Rainer: Konzeptionelle Fundierung und Perspektiven desSustainable Development-Leitbildes. In: Steinmann, Horst/ Wagner Gerd Rainer (Hrsg.): Um-welt und Wirtschaftsethik. Stuttgart, 1998, S.56 ff.28 Vgl.: Mathieu, Petra: Unternehmen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise.Theoretische Grundlagen- Praxisbeispiele aus Deutschland- Orientierungshilfen. Wiesbaden,2002, S. 19 13
  15. 15. unter den Bezeichnungen Rio+5 und Rio+10 statt. Themen waren der Stand der Um-setzungserfolge beziehungsweise Misserfolge, die Erneuerung der Versprechen derLänder zu einer Verfolgung der Nachhaltigkeitsziele und auch die Formulierung neuerZiele. Diese neuen Nachhaltigkeitsziele, die auf der Rio+5 Konferenz verabschiedetwurden, beinhalteten das Erzielen deutlich messbarer Fortschritte bei der Umsetzungder Rio-Richtlinien und in der Erarbeitung jeweils nationaler Nachhaltigkeitsstrate-gien.292.2 Das Konzept einer Nachhaltigen EntwicklungAn dieser Stelle möchte ich noch einmal genauer auf die konzeptionelle Ausgestal-tung der Nachhaltigen Entwicklung eingehen.In dem Maße, wie es Unklarheiten über die begriffliche Definition der Nachhaltigkeitgibt, existieren auch bei der inhaltlichen Ausfüllung des Konzeptes der Nachhaltigkeitviele verschiedene Ansätze, die diverse Sichtweisen und Auffassungen zur Grundla-ge haben. Da eine Aufzählung der verschiedenen inhaltlichen Varianten den Rahmendieser Arbeit sprengen würde, beschränke ich mich ausschließlich auf den Ansatz,der in meiner Arbeit die Grundlage für das Konzept der Nachhaltigkeit darstellen soll.Das Modell lässt sich wie folgt bezeichnen: „Nachhaltigkeit als Integration von Öko-nomie, Ökologie und Sozialem“.30Dieses Modell geht von der Annahme aus, dass Nachhaltigkeit als Leitbild die Ver-knüpfung der ursprünglich als getrennt geltenden gesellschaftlichen Sphären der Ö-kologie, Ökonomie und dem Sozialen anstrebt. Klassisch wird es auch als das Drei- 31Säulen-Modell der Nachhaltigkeit bezeichnet, bei dem die drei Säulen Ökologie,Ökonomie und Soziales nebeneinander ohne jegliche Wertung in Bedeutung undAkzeptanz für die Nachhaltigkeitsdebatte existieren und sich in Teilbereichen inhaltli-che Überschneidungen und Interdependenzen zwischen den Säulen ergeben.Aufgrund unterschiedlicher Bewertungen der Bedeutung der Säulen durch unter-schiedliche Interessensgruppen (Parteien, Verbände, Nicht-Regierungs-Organisationen) ergeben sich Zielkonflikte innerhalb der Umsetzung des Nachhaltig-keitskonzeptes. Da die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit jedoch in einem hohenMaße voneinander abhängig sind und sich zum Teil überlagern, kann eine einseitigeLösung der Nachhaltigkeitsproblematik ausschließlich über eine der drei Dimensio-nen nicht erfolgreich sein. Ökonomie, Ökologie und Soziales müssen im Nachhaltig-keitskonzept gleichberechtigt nebeneinander stehen und von den politischen und29 Vgl.: Ebd., S. 19-2030 Meister, Hans-Peter/ Feindt, Peter Henning/ Tscheulin, Jochen/ Lehmann, Sonja: : Bau-steine für ein zukunftsfähiges Deutschland: Diskursprojekt von VCI und IG Chemie-Papier-Keramik/IFOK, Institut für Organisationskommunikation. Wiesbaden, 1997, S. 35 f.31 Vgl.: Mathieu: Unternehmen auf dem Weg zu einer Nachhaltigen Wirtschaftsweise, S. 25 14
  16. 16. wirtschaftlichen Akteuren auf diese Weise in ihre Handlungskonzepte integriert wer-den.322.2.1 Die Ökologische EbeneDie ökologische Dimension ist sicherlich die meist beachtete in der Diskussion umNachhaltige Entwicklung und oftmals wird ihr auch die Vorreiterrolle in dem Konzeptzugeschrieben. 33Der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen definiert die ökologische Nachhal-tigkeit wie folgt: „… die Einhaltung von ökologischen Mindeststandards für denlangfristigen Schutz der abiotischen und biotischen Ressourcen sowie die Si- 34cherung der Funktionstüchtigkeit der Umweltsysteme.“Man kann die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit in zwei Bereiche einteilen,die ich hier kurz umreißen möchte. Zum einen haben sich im Prozess der Nachhaltig-keitsdiskussion Managementregeln herausgebildet, mit denen notwendige Verhal-tensweisen zu den wichtigsten Elementen der ökologischen Nachhaltigkeit, der Res-sourcenschonung und Ressourcenstreckung präzisiert werden.Kernpunkte dieser Managementregeln sind beispielsweise:- Die Verbrauchsrate regenerativer Ressourcen soll deren Regenerationsrate nichtübersteigen.- Nicht-regenerative natürliche Ressourcen sollen nur in dem Maße genutzt werden,indem sie physisch oder funktionell gleichwertig entweder durch regenerative Res-sourcen oder durch höhere Produktivität regenerativer oder nicht-regenerativer Res-sourcen ersetzt werden können.- Stoffeinträge in die Umwelt dürfen ihre Kompensationskraft und Angleichungsfähig-keit nicht übersteigen. 35Zu den genannten Handlungsempfehlungen kommen noch eine ganze Reihe weite-rer Empfehlungen hinzu, die in ihrer Gesamtheit ein Zielkorsett vorgeben, das eineallgemeine Akzeptanz in allen gesellschaftlichen Bereichen erfährt. Kritik wird jedochhäufig geübt aufgrund der Umsetzungsschwierigkeiten.32 Vgl.: Ebd., S. 35 f.33 Der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen (SRU) ist ein wissenschaftliches Bera-tungsgremium der Bundesregierung. Der Rat hat die Aufgabe, die Umweltsituation und dieUmweltpolitik in Deutschland bewertend zu analysieren und Fehlentwicklungen aufzuzeigen.Alle zwei Jahre wird der Bundesregierung ein Gutachten zu den Untersuchungen des SRUvorgelegt. (Quelle: http://www.umweltrat.de)34 Mathieu: Unternehmen auf dem Weg zu einer Nachhaltigen Wirtschaftsweise, S.2635 Vgl.: Hillenbrand, Bernhard/ Löbbe, Klaus/ Clausen Hartmut/ Dehio Jochen/ Halstrick-Schwenk, Marianne/ von Loeffelholz, Hans Dietrich/ Moos, Waike/ Storchmann, Karl-Heinz:Nachhaltige Entwicklung in Deutschland. Ausgewählte Problemfelder und Lösungsansätze.Essen, 2000, S. 33 f. 15
  17. 17. Zum anderen hat sich auf wissenschaftlicher Ebene, genauer in den Wirtschaftswis-senschaften, eine Fachrichtung herausgebildet, die sich unter dem Titel ÖkologischeÖkonomie mit der Erarbeitung von Operationalisierungskonzepten für Nachhaltigkeitbeschäftigt. Sie versucht die Interdependenzen zwischen dem ökologischen und demökonomischen System zu analysieren, wobei der Begriff der Interdependenz den An-spruch dieser Fachrichtung widerspiegeln soll, beide Systeme als voneinander ab-hängig und nicht als voneinander getrennt zu betrachten.362.2.2 Die Ökonomische EbeneDie Grundlage der ökonomischen Dimension der Nachhaltigkeit geht von der Über-zeugung aus, dass unter der Beachtung der ökologischen Gegebenheiten gewirt-schaftet und damit die menschlichen Bedürfnisse befriedigt werden. Dabei stehennicht die ökologischen Grenzen im Vordergrund, sondern die Fragestellung, wie undmit welchen Mitteln die gesellschaftlichen Bedürfnisse unter Annahme der Rohstoff-knappheit zu befriedigen sind. Es geht also nicht um das Ende des Wirtschaftswachs-tums, sondern um die Reflexion von Konsumenten und Produzenten einer Wirtschaftüber die Wege der Bedürfnisbefriedigung.Auf Unternehmerseite wird also die Auseinandersetzung sowohl mit wirtschaftlichenals auch mit weiteren gesellschaftlichen und sozialen Faktoren vorausgesetzt. DieseAuseinandersetzung mit sozialen Faktoren zeigt sich beispielsweise in dem unterPunkt 2.1.2 bereits erwähnten Ansatz der Erweiterung der eigentlich wirtschaftlichenMessgröße des Bruttosozialproduktes um soziale und ökologische Faktoren.Somit lässt sich eine Entwicklung erkennen, bei der neben den quantitativen Kriterien(Wirtschaftswachstum) auch qualitative Kriterien (Lebensstandard) Eingang in wirt-schaftliche Kalkulationen finden.Als weitere Überlegungen gelten unter anderem faire weltwirtschaftliche Rahmenbe-dingungen, Ausgleich extremer Einkommens- und Vermögensunterschiede und dieNachhaltige Entwicklung von Sach-, Human- und Wissenskapital.3736 Vgl.: Ebd., S. 35ff.37 Vgl.: Ebd., S. 31 ff. sowie Mathieu: Unternehmen auf dem Weg zu einer NachhaltigenWirtschaftsweise, S.29 ff. 16
  18. 18. 2.2.3 Die Soziale EbeneDie soziale Ebene des Nachhaltigkeitskonzeptes wurde in der Vergangenheit in derwissenschaftlichen und auch in der öffentlichen Diskussion kaum oder nur unzurei-chend beachtet. Dies kann auf der einen Seite der Vorreiterrolle der ökonomischenund vor allem der ökologischen Ebene zugeschrieben werden, auf der anderen Seiteerwähnen die Kritiker auch oftmals die problematische empirische Überprüfbarkeitvon sozialen Faktoren der Nachhaltigkeit. Diese Überprüfbarkeit ist bei den Faktorender beiden anderen Ebenen eher gegeben (zum Beispiel das Bruttosozialproduktoder die CO2-Werte in der Luft).38Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit ist ein Ansatz, der sich mit der Verbesse-rung der Lebensbedingungen und Lebensstandards innerhalb und zwischen unter-schiedlich entwickelten Ländern auseinandersetzt.Der Hauptaspekt sozialer Nachhaltigkeit bezieht sich auf die Auflösung sozialer Prob-lemfelder innerhalb von Volkswirtschaften.Ich werde diese Problemfelder im Folgenden nur kurz umreißen, da die entscheiden-den Ansätze in den Folgekapiteln herausgearbeitet werden. 39Nach Heins bezieht sich soziale Nachhaltigkeit auf die Schlagwörter Soziale Ak-zeptanz, Soziale Schutz- und Gestaltungsziele sowie Gerechtigkeit und Sozialver-träglichkeit.Unter dem Problemfeld der sozialen Akzeptanz versteht Heins den Rückhalt in derBevölkerung für Maßnahmen, die im Rahmen Nachhaltiger Entwicklung von Politikund Wirtschaft ergriffen werden müssen.40 Ohne diesen Rückhalt in der Bevölkerungist die Umsetzung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise nicht realisierbar, da dienachhaltige Wirtschaftsweise durchaus mit Faktoren wie beispielsweiseWohlstandsminderung verbunden ist. Es muss in der Bevölkerung eine Reflexionüber die Notwendigkeit und Akzeptanz von Handlungen und Verhaltensweisen be-züglich einer nachhaltigen Wirtschaftsweise stattfinden.Die sozialen Schutz- und Gestaltungsziele sind Bewertungskriterien und Indikatorendafür, inwieweit in einer Gesellschaft soziale Sicherungssysteme und Entwicklungs-potentiale ausgestaltet sind. Sie beinhalten die Sicherung der Gesundheit (Grundbe-dürfnisbefriedigung, materielle Grundsicherung, gesellschaftliche Anerkennung undQualität der Arbeit), die Sicherung sozialer Stabilität (Verteilungsgerechtigkeit, Chan-cengleichheit, Versorgungssicherheit, Friedenssicherung und Partizipationsmöglich-38 Vgl.: Ebd., S. 3639 Vgl.: Heins: Soziale Nachhaltigkeit, S. 25 ff.40 Vgl.: Ebd., S. 25 17
  19. 19. keiten) und die Entwicklungs- und Funktionsfähigkeit der Gesellschaft (Bildungs- undInformationsangebote, Vielfalt sozialer Strukturen, sozialer Zusammenhalt und kultu-relle Vielfalt).41 Die Ausgestaltung sozialer Sicherheitssysteme innerhalb einer Ge-sellschaft ist eine der wichtigsten Faktoren der sozialen Dimension von Nachhaltig-keit.Die Begriffe Gerechtigkeit und Sozialverträglichkeit sind nach Heins die entscheiden-den Elemente einer Sustainable Society (nachhaltige Gesellschaft). Unter Gerech-tigkeit wird in diesem Zusammenhang die Verteilungsgerechtigkeit von Wohlstand inder Welt verstanden, die aber herausgelöst von seiner materiellen Basis zusätzlichüber immaterielle Komponenten wie beispielsweise Lebensqualität (in kultureller, so-zialer und psychischer Dimension) definiert wird. Das Problemfeld erschließt sichhierbei über die Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit sowie unter der inter- alsauch der intragenerativen Handlungsebene.42Der Begriff der Sozialverträglichkeit, der in vielen gesellschaftlichen Bereichen ange-wendet wird (beispielsweise in der Raumordnungsplanung oder in der Unterneh-menspolitik), stellt im eigentlichen Sinne ein Verfahren dar, bei dem sich das Handelngesellschaftlicher Akteure sich so ausgestaltet, dass anderen Akteuren dabei keinNachteil entsteht.Das Problemfeld der Sozialverträglichkeit bezieht sich nach Heins dahingehend aufdie bestehenden normativen Werte einer Gesellschaft in Bezug auf die Bewertungeiner Handlung oder Entwicklung als sozialverträglich oder eben sozial- unverträg-lich.43Man kann somit feststellen, dass sich die soziale Dimension der Nachhaltigkeit aufdie auslösenden Faktoren sozialer Problemfelder wie Lebensbedingungen, Arbeits-bedingungen und Soziale Sicherung beziehen und sich damit beschäftigt, mit wel-chen Handlungsformen die sozialen Problemfelder so ausgeglichen werden können,dass alle Gesellschaftsmitglieder über die gleichen Chancen zu ihrer Existenzsiche-rung verfügen.41 Vgl.: Ebd., S. 2642 Vgl.: Ebd., S. 2843 Vgl.: Ebd., S. 30 18
  20. 20. 2.2.4 ZusammenfassungIm Rückblick auf dieses Kapitel können wir festhalten, dass der Begriff der Nachhal-tigkeit äußerst schwierig zu fassen ist. Seine inflationäre Verwendung in Literatur undöffentlichem Diskurs hat zu unterschiedlichen Definitionen und Assoziationen vonNachhaltigkeit geführt.Der Begriff der Nachhaltigkeit hat sich von seinem ersten Auftreten in der Forstwirt-schaft des 19. Jahrhunderts bis in das 21. Jahrhundert zu einem Konzept entwickelt,das sich von einem rein betriebswirtschaftlichem Konzept zu einem Leitbild für dieSicherung von Bedürfnissen gegenwärtiger Generationen, unter Berücksichtigungnatürlicher Wachstumsgrenzen und zukünftiger Generationen, stufenweise heraus-gebildet hat.Bei diesem Konzept wird sowohl der explosionsartigen demographischen Entwick-lung als auch der technischen Entwicklung der Weltgesellschaft in den vergangenen100 Jahren, die das Fortbestehen des ökologischen Systems Erde bedrohen, Rech-nung getragen. Als Meilensteine auf dem Weg der Nachhaltigkeit zu einem gesell-schaftlich akzeptierten Leitbild menschlichen Handelns können zum einen der BerichtGrenzen des Wachstums des Club of Rome von 1972 sowie der „Brundtland-Bericht“: Unsere gemeinsame Zukunft von 1987 und zum anderen die Weltkonfe-renz für Umwelt und Entwicklung von 1992 in Rio de Janeiro bezeichnet werden.Diese haben dazu beigetragen, die konzeptionelle Idee der Nachhaltigkeit mit Inhaltzu füllen und gesellschaftsfähig zu machen.Als eine der bekanntesten inhaltlichen Grundlagen der Konzeption der NachhaltigenEntwicklung kann das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit bezeichnet werden. Beidiesem Modell werden die Handlungsfelder aus den gesellschaftlichen TeilbereichenÖkologie, Ökonomie und Soziales auf gleichberechtigter Ebene als maßgebendeKriterien für die Umsetzung Nachhaltiger Entwicklung akzeptiert und in die konzepti-onellen Leitlinien von Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit übernommen. 19
  21. 21. 3. Soziale Nachhaltigkeit in Unternehmen3.1 Die Verantwortung der UnternehmenIm vorherigen Kapitel habe ich mich mit der historischen Entwicklung des Begriffesder Nachhaltigkeit beschäftigt und versucht, die konzeptionelle Ausgestaltung desPrinzips der Nachhaltigen Entwicklung zu veranschaulichen. In diesem Zusammen-hang habe ich das Modell der drei Säulen der Nachhaltigkeit mit den DimensionenÖkonomie, Ökologie und Soziales als grundlegend für das Konzept der NachhaltigenEntwicklung vorausgesetzt. Im Folgenden möchte ich mich nun auf die Darstellungder sozialen Dimension konzentrieren, ohne dabei zu vergessen, dass eine Gleich-gewichtung aller drei Säulen existiert. Sicherlich werde ich in meinen Ausführungendes Öfteren auf die beiden Dimensionen Ökonomie und Ökologie zurückgreifen,dennoch steht die soziale Nachhaltigkeit im Vordergrund meiner Betrachtungen.Ich habe in der Einleitung bereits erwähnt, dass der Fokus meiner Arbeit auf der Be-trachtung der unternehmerischen Ebene von sozialer Nachhaltigkeit liegen soll unddie politische Ebene als Voraussetzung für eine wirtschaftliche Umsetzung des Kon-zepts gilt. Dabei stellt sich natürlich die Frage, warum der Unternehmensebene eineStellung bei der Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzeptes zugeschrieben wird, dieüber der politischen Ebene zu liegen scheint.Es ist somit von Wichtigkeit, diesen Sachverhalt im Vorfeld zu klären, um davon aus-gehend näher in die Thematik eindringen zu können.Warum der Operationalisierung von Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene eineBedeutung zukommt, die in einigen Dimensionen größer ist als die der politischenEbene, lässt sich anhand einiger Aspekte verdeutlichen, die ich nur kurz anschneidenwerde.Zum einen wird in der Öffentlichkeit zunehmend das Bild von Unternehmen gezeich-net, dass sie zu den Hauptverursachern der Problemfelder macht, die mit dem Theo-rem der Nachhaltigen Entwicklung gelöst beziehungsweise angegangen werden sol-len. Unternehmen gelten mit ihren Produktionsweisen beispielsweise als die ent-scheidenden Faktoren der Umweltverschmutzung und -übernutzung (Schadstoff-emissionen, Ressourcenverbrauch), fördernde Instanzen sozialer Problemfelder (Ar-beitsbedingungen, Lebens- und Sozialstandards) und als Mitverursacher ökonomi-scher Krisen (allein am kurzfristigen Unternehmensgewinn ausgerichtetes Handeln).4444 Vgl.: Dyllick, Thomas: Konzeptionelle Grundlagen unternehmerischer Nachhaltigkeit. In:Gudrun/ Schwarz, Michael: Handbuch Nachhaltige Entwicklung. Wie ist nachhaltiges Wirt-schaften machbar? Opladen, 2003, S. 236 20
  22. 22. Somit ergibt sich aus Sicht der Öffentlichkeit und der Gesellschaft mit dem Bild auto-matisch auch eine Verantwortung von Unternehmen bei der Lösung dieser Problem-felder.Zusätzlich kommt den Unternehmen gegenwärtig ein Aufgabenfeld zu, das die Un-ternehmen aufgrund ihrer sich ständig verändernden Organisationsstruktur bestensausfüllen können. Unternehmen müssen in Zeiten der Globalisierung in der Lagesein, sich den fast täglich ändernden Gegebenheiten ihrer Umwelt anzupassen. Wo-bei Umwelt in diesem Kontext als das gesellschaftliche Umfeld der Unternehmen, dasAktionäre, Politik, Konkurrenten, Kunden und weitere Akteure beinhaltet, zu verste-hen ist.45 Diese Beziehungen zwischen Unternehmen und übrigen gesellschaftlichenAkteuren ist ein Spannungsfeld unterschiedlichster Interessen. In diesem müssensich die Unternehmen immer wieder neu positionieren und versuchen, die Interessen-lagen aller gesellschaftlichen Akteure mit den eigenen zu verbinden, wenn sie aufDauer am Markt aussichtsreich positioniert sein wollen.46Aufgrund dieser Fähigkeit sind Unternehmen, und vor allem multinational agierendeUnternehmen, in der Lage, über Ländergrenzen hinweg Bedingungen politischer alsauch wirtschaftlicher und sozialer Natur entweder selbst zu schaffen oder zu steuern,die ihnen ein perfektes Wirtschaften ermöglichen. Sie haben somit auf der einen Sei-te gesellschaftliche Ordnungsmöglichkeiten, diese ergeben aber auf der anderen Sei-te auch eine gesellschaftliche Ordnungsverantwortung der Unternehmen.47 Genau indiesem Aspekt ergeben sich für Unternehmen deutlich mehr Einfluss- und Gestal-tungsmöglichkeiten in gesellschaftlichen Sphären, als die Politiken einzelner nationa-ler Staaten besitzen. Gerade im Hinblick auf die abnehmenden Steuerungsmöglich-keiten des politischen Systems im Zuge der Globalisierung erstarken gleichzeitig dieanderen gesellschaftlichen Akteure wie Nicht-Regierungs-Organisationen oder großeUnternehmen, denen eine zunehmend politische Rolle zuwächst. Vor diesem Hinter-grund kommt den Unternehmen damit auch eine Verantwortung zu, diese Möglichkei-ten nicht ausschließlich für die Eigeninteressen zu nutzen sondern darüber hinaus imSinne des Allgemeinwohls zu handeln.48Die beiden genannten Aspekte des Verursachens gesellschaftlicher Problemlagendurch Unternehmen und die wachsende Steuerungskapazität des wirtschaftlichenund politischen Systems ergeben somit eine Verantwortung, die die Unternehmengegenüber den übrigen gesellschaftlichen Akteuren innehaben und nicht einfach ab-45 Vgl.: Hunziker, Rolf: Die soziale Verantwortung der Unternehmung. Auseinandersetzungmit einem Schlagwort. Bern/ Stuttgart, 1980, S. 11 ff.46 Vgl.: Ebd., S. 1347 Vgl.: Homann, Karl: Gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen. Philosophie, ge-sellschaftstheoretische und ökonomische Überlegungen.Wittenberg-Zentrum für GlobaleEthik. Diskussionspapier Nr. 04-6. Wittenberg, 2004, S. 2 ff.48 Vgl.: Ebd., S.3 21
  23. 23. wenden können. Auf dieser Basis kommt den Unternehmen auch eine Hauptaufgabebei der Umsetzung des Konzepts der Nachhaltigkeit zu, die ich nachfolgend am Bei-spiel der sozialen Nachhaltigkeit beleuchten möchte.3.2 Die Soziale Nachhaltigkeit als UnternehmensstrategieEs stellt sich an dieser Stelle nun die Frage, wie soziale Nachhaltigkeit auf der Unter-nehmensebene definiert wird, was sie beinhaltet und welche Anforderungen dabei andie Unternehmen gestellt werden.Wenn man sich dem Konzept der Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene nähernmöchte, kann man dies auf unterschiedliche Herangehensweisen tun. Es gibt in derFachliteratur diverse Theorien, die versuchen, Nachhaltigkeit in das Unternehmens-management zu internalisieren. 49Ich möchte in meiner Arbeit das Triple-Bottom-Line-Konzept als Grundlage heran-ziehen. Es handelt sich hierbei um ein Modell des englischen Wirtschaftswissen-schaftler John Elkington. Die Basis zu dieser Art der Operationalisierung des Nach-haltigkeitsleitbildes in Unternehmen liegt in der Annahme, dass Unternehmen multi-funktionale Wertschöpfungsketten darstellen. Wenn das Konzept der Nachhaltigkeitauf diese Annahme bezogen wird, so bedeutet dies die Anforderung an die Unter-nehmen, Wertschöpfung bei gleichzeitigem Kapitalerhalt zu betreiben. Bei dem Beg-riff des Kapitals auf Unternehmensebene wird nicht nur das ökonomische, sondernauch das ökologische und soziale Kapital unterschieden.50 Der Ansatz der drei Säu-len der Nachhaltigkeit wird demnach auf die Unternehmensebene, mit der Annahmevon drei zu unterscheidenden Kapitalformen, übertragen.Das ökologische und ökonomische Kapital werde ich nicht weiter betrachten, den-noch setze ich die Auseinandersetzung mit ihnen als grundlegend für die Umsetzungdes Nachhaltigkeitskonzeptes voraus.Ich wende mich nun dem Sozialen Kapital auf Unternehmensebene zu. Die sozialeDimension des Nachhaltigkeitskonzeptes bezieht sich im Unternehmen also auf dasSoziale Kapital. Zugrunde liegt die Überlegung, die sozialen Leistungen innerhalb desUnternehmens und auch außerhalb (in der Beziehung zwischen Unternehmen undseiner Umwelt) zu verbessern. Dies macht eine Übernahme der sozialen Aspekte indie Managementsysteme der Unternehmen unumgänglich.Bezüglich der Übernahme sozialer Aspekte in Managementsysteme möchte ich einenAnsatz aufgreifen, bei dem die soziale Dimension in zwei Kernbereiche aufgeteilt49 Vgl.: Elkington, John: The chrysalis economy. How citizen CEO´s and corporations canfuse values and value creation. Oxford, 2001, S. VIII f.50 Vgl.: Thomas Loew/ Ankele, Kathrin/ Braun, Sabine/ Clausen, Jens: Bedeutung der inter-nationalen CSR-Diskussion für Nachhaltigkeit und die sich daraus ergebenden Anforderun-gen an Unternehmen mit Fokus Berichterstattung. Berlin/ Münster, 2004, S. 66 22
  24. 24. wird: In innerbetriebliches Humankapital und überbetriebliches gesellschaftliches Ka-pital. 51Diese beiden Kernbereiche spiegeln ein Handlungsfeld für Unternehmen, innerhalbdes Betriebs und zu ihrer Umwelt, wider. Die Ausrichtung dieses Modells reicht alsoüber die Grenzen des Unternehmens hinweg. Die Entscheidungsträger in den Unter-nehmen sollen versuchen, bei ihren Entscheidungen nicht nur eine Verbesserung desinnerbetrieblichen Humankapitals anzustreben, sondern auch unmittelbar auf Men-schen und Institutionen in ihrer regionalen, nationalen und globalen Umwelt positiveinzuwirken. Das innerbetriebliche Humankapital beinhaltet dabei beispielsweise dieMitarbeitermotivation und -fähigkeiten sowie die Loyalität von Geschäftspartnern. Dasüberbetriebliche soziale Kapital setzt sich demgegenüber aus Aspekten der Qualitätund Leistungsfähigkeit kultureller Institutionen, dem Gesundheitssystem und demBildungs- und Ausbildungssystem auf regionaler und internationaler Ebene zusam-men.52Um genauer aufzeigen zu können, wie sich das Handlungsfeld der Unternehmen inder sozialen Dimension nachhaltiger Entwicklung darstellt, möchte ich die beidenbeschriebenen Kernpunkte weiter konkretisieren.Das interne Handlungsfeld bezieht sich auf das interne soziale Kapital eines Unter-nehmens, das sich in der Qualität der internen Mitarbeiterbeziehungen widerspiegelt.Gemeint sind damit sowohl die Beziehungen der Mitarbeiter untereinander als auchdie Beziehungen zwischen Mitarbeiter und Unternehmen. Als Beispiele hierfür geltenFragen der Beschäftigung, Entlohnung, Arbeitsplatzsicherheit, Ausbildung, Diversitätund Chancengleichheit. In diesem Bereich wirken aber auch die schon genanntenAspekte der Mitarbeitermotivation und Unternehmensloyalität.Das externe Handlungsfeld bezieht sich demnach auf das externe soziale Kapital undbeinhaltet drei zu unterscheidende Dimensionen:Die Beziehungen zum lokalen Umfeld: Sie betreffen die Auswirkungen der Unter-nehmenstätigkeit auf die dem Unternehmen unmittelbar nahe stehende Akteure, wieNachbarn, Behörden und das Gemeinwesen.Die Beziehungen zum nationalen Umfeld: Damit sind die gesellschaftlichen und poli-tischen Akteursgruppen, die von Aspekten wie Wettbewerbsbeschränkungen oderpolitischer Einflussnahme betroffen sind, gemeint.51 Bieker, Thomas/ Dyllick, Thomas/ Gminder, Carl Ulrich/ Hockerts, Kai: Management un-ternehmerischer Nachhaltigkeit mit einer Sustainability Balanced Scorecard – Forschungs-methodische Grundlagen und erste Konzepte. Institut für Wirtschaft und Ökologie - Universi-tät St. Gallen. Diskussionsbeitrag Nr. 94. St. Gallen, 2001, S. 16 ff.52 Vgl.: Ebd., S. 16 23
  25. 25. Die letzte Dimension stellen die Beziehungen zum globalen Umfeld dar: Die Bezie-hungen beinhalten globale Problemfelder wie beispielsweise Hunger, Armut und derSchutz der Menschrechte. 53Wenn wir die Umsetzung der sozialen Dimension der Nachhaltigkeit als Manage-mentstrategie definieren, dann können wir zusammenfassend sagen, sie beinhaltetdie Zielsetzung der Förderung des innerbetrieblichen Humankapitals in Form vonMitarbeitermotivation und Loyalität dem Unternehmen gegenüber sowie die Förde-rung des überbetrieblichen Kapitals, das die Optimierung des Sozialkapitals und derStandortqualität der Unternehmen thematisiert.3.3 Konzepte zur unternehmerischen UmsetzungIm vorangegangenen Kapitel habe ich berichtet, wie sich das Konzept der sozialenNachhaltigkeit auf Unternehmensebene ausgestaltet und welche Handlungsfeldersich für die Unternehmen im Rahmen des Konzeptes ergeben. In diesem Kapitelmöchte ich nun in kurzer Form die gängigsten Modelle vorstellen, die in den letztenJahren sowohl auf Unternehmensebene als auch in der wissenschaftlichen For-schung bezüglich der Diskussion um die Umsetzung sozialer Nachhaltigkeitsleitlinienentwickelt wurden.Es handelt sich um Managementregeln, die Leitprinzipen für ein sozial nachhaltigesWirtschaften aufstellen und den Unternehmen somit als Anknüpfungspunkte und Leit-fäden dienen sollen, wie sie das Konzept sozialer Nachhaltigkeit auf das eigene Un-ternehmen sinnvoll anwenden können.Die Modelle, die ich im Folgenden beschreiben werde, beziehen sich zu einemGrossteil auf die Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzeptes im Allgemeinen; sie bein-halten also alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit. Ich werde mich bei den einzel-nen Modellen aber auf die Aspekte beziehen, die die soziale Dimension betrachten.Vorab kann festgehalten werden, dass praktisch keine Projekte existieren, die diesoziale Nachhaltigkeit gesondert betrachten, sie steht immer im Zusammenhang mitder ökologischen und der ökonomischen Dimension der Nachhaltigkeit.Oftmals wird die Umsetzung Sozialer Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene mit derDebatte um die Soziale Verantwortung von Unternehmen gleichgesetzt.Das mit dem englischen Begriff „Corporate Social Responsibility“ (CSR) bezeichneteKonzept definiert die EU-Kommission als „ ein Konzept, das den Unternehmen alsGrundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre53 Vgl.: Bieker, Thomas/ Bilharz Michael/ Gminder, Carl Ulrich (Hrsg.): Die Soziale Dimensionunternehmerischer Nachhaltigkeit. Institut für Wirtschaft und Ökologie-Universität St. Gallen.Diskussionsbeitrag Nr. 102. St. Gallen, 2002, S. 10 24
  26. 26. Tätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern (Akteure aus demgesellschaftlichen Umfeld der Unternehmen) zu integrieren.“54 Es geht also darum,durch freiwillige Leistungen im Umwelt- und Sozialbereich Beiträge zur Verbesserungder Lebensqualität zu leisten und damit zu einer nachhaltigen Entwicklung der Ge-sellschaft beizutragen.Den Ursprung der CSR-Debatte bildeten in den sechziger Jahren des vergangenenJahrhunderts mehrere Gerichtsverfahren um Preisabsprachen bei Elektrokonzernenin den USA.55 Es traten erstmals Diskussionen darüber auf, ob und wie Unternehmenihrer Verantwortung gegenüber ihrer gesellschaftlichen Umwelt nachkommen. In derFolgezeit kam die Diskussion auch in Europa auf und wurde dort seit Mitte der neun-ziger Jahre zu einem entscheidenden Thema in der Wirtschaftswelt. Angeheizt wurde 56die Diskussion sicherlich durch den Zusammenbruch des New-Economy-BoomsEnde der neunziger Jahre und den damit verbundenen Unternehmenspleiten undEntlassungen in diversen Wirtschaftsbranchen, aber auch durch Verhaltensweisenvon Unternehmen, die in der Öffentlichkeit starke Kritik an der Unternehmensführungzur Folge hatte. Als Beispiel hierfür kann die Shell AG genannt werden. „Die ShellAG wollte die ausrangierte Ölplattform Brent Spar in der Nordsee versenken.Insbesondere der massive Protest von Greenpeace und daraufhin der öffentli-chen Meinung hinderte Shell an dem Vorhaben. Mittlerweile ist der Fall abge-schlossen und eine breit besetzte Kommission hat die Verwendung der BrentSpar als Hafenanlage beschlossen.“57 Somit gerieten immer öfter Entscheidungenund Maßnahmen der Unternehmensführung großer Konzerne in die Diskussion.Wiederholt wurde die Frage nach der Verantwortung des unternehmerischen Han-delns gegenüber des gesellschaftlichen und natürlichen Umfeldes gestellt. Unter-nehmen müssen sich aktuell folglich der Situation stellen, dass sie ihr Handeln da-hingehend kontrollieren müssen um nicht im Nachhinein mit massiven Protesten undGewinneinbußen durch Protest- und Boykotaktionen unzufriedener Kundengruppenkonfrontiert zu werden (zum Beispiel der Boykott von Shell-Tankstellen durch dieVerbraucher im Fall Brent Spar).5854 Vgl.: Europäische Kommisssion: Mitteilung der Kommission betreffend die soziale Verant-wortung der Unternehmen: Ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung, KOM(2002) 347, Lu-xemburg 2002, S.355 Vgl.: Hodges, Luther: Geschäft und Moral. Die soziale Verantwortung des Unternehmers.Wiesbaden, 1966, S. 18 ff.56 Vgl.: Bieker, Thomas/ Bilharz Michael/ Gminder, Carl Ulrich (Hrsg.): Die Soziale Dimensi-on unternehmerischer Nachhaltigkeit, S. 4 f.57 Abgedruckt bei: König, Mathias: Unternehmerische Verantwortung und der Fall Brent Spar– eine diskursethische Perspektive. In: Jonas, Hans: Zukunftsverantwortung in der Markt-wirtschaft. Münster [u.a.], 2000, S. 39058 Vgl.: Ebd., S. 391 25
  27. 27. Im Rahmen der gerade beschriebenen Debatte hat es von vielen verschiedenen Sei-ten Überlegungen dazu gegeben, wie Unternehmen ihr Handeln so ausrichten kön-nen, dass sie sich nicht in Spannungsverhältnisse zu ihren Stakeholdergruppen be-geben und ihrer Verpflichtung zu sozialer Verantwortung diesen Gruppen gegenübernachkommen und auch wie dieses zu überprüfen ist.Es hat sich eine Vielzahl von Möglichkeiten herausgebildet. Die populärste liegt si-cherlich in der Erstellung allgemeiner Verhaltenskodizes (Codes of Conduct), die vonUnternehmerseite als Selbstverpflichtung oder als Leitlinien der Politik erarbeitet wer-den. 59In Europa ist das von der EU 1996 ins Leben gerufene Projekt CSR-Europe zunennen. CSR Europe ist ein Unternehmensnetzwerk, das die Aufgabe hat, die CSR-Idee den Unternehmen in Europa näher zu bringen und in ihrem strategischen Han-deln zu verankern. Im Jahr 2002 veröffentlichte CSR Europe eine Checkliste mit Leis-tungsindikatoren, anhand derer Unternehmen ihr Handeln in allen drei Nachhaltig-keitsdimensionen überprüfen und messen können. Allerdings muss einschränkendgesagt werden, dass diese Indikatoren ohne weitere Angaben zu ihrer Auswahl undihrer Umsetzung formuliert sind.60Zudem hat sich die Europäische Union das Thema CSR auf die Fahne geschrieben,da sozial verantwortliches Handeln der Unternehmen, einer der entscheidenden Fak-toren werden kann, der zur Realisierung eines der Hauptanliegen der EuropäischenUnion, den europäischen Wirtschaftsraum zum „wettbewerbsfähigsten und dyna-mischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen“61 beitragen könn-te. In Folge dieses Prozesses hat die Europäische Kommission im Jahr 2001 ein 62Grünbuch zum Thema CSR veröffentlicht. In dieser Publikation wird das KonzeptCorporate Social Responsibility für Unternehmen vorgestellt und die Frage nach demUmgang mit dieser Thematik auf EU-Ebene aufgeworfen. Mit diesem Buch verbanddie Europäische Kommission einen Konsultationsprozess, bei dem relevante Akteure,dazu zählen Behörden auf allen Ebenen, Klein-, Mittel- und Multinationale Unterneh-men sowie Sozialpartner, dazu aufgefordert wurden, Vorschläge zu unterbreiten, wiedie Förderung der sozialen Verantwortung der Unternehmen aufgebaut werden könn-te. 6359 Vgl.: Hierzu und für weitere Informationen: www.cseurope.org.60 Vgl.: CSR-Europe: Corporate Social Responsibility (CSR) kommunizieren: Transparenz,Berichterstattung, Rechenschaft, 2002, S. 6 f.61 Vgl.: Europäische Kommission: Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verant-wortung der Unternehmen-Grünbuch. KOM (2001) 366, Luxemburg (2001b), S. 462 Ebd.63 Vgl.: Europäische Kommission: Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verant-wortung der Unternehmen-Grünbuch S. 25 26
  28. 28. Auf der Basis der Ergebnisse dieses Konsultationsprozesses veröffentlichte die Eu-ropäische Kommission im Sommer 2002 eine offizielle Mitteilung „über die soziale 64Verantwortung der Unternehmen, die im Dezember desselben Jahres durch eineResolution weiter gestärkt wurde. Die Mitteilung lässt sich in zwei entscheidendeKernbereiche aufteilen. Zum einen in die Ergebnisse der Konsultation aus dem Vor-jahr und zum anderen in die auf den Ergebnissen basierende Erklärung zur Strategieeiner europäischen CSR-Förderung.Als Ergebnis des Konsultationsprozesses versteht die Kommission eine breite Akzep-tanz der Notwendigkeit einer gesamtgesellschaftlichen CSR-Debatte und die allge-meine Zustimmung der befragten Akteure, sich an Gemeinschaftsmaßnahmen zurCSR-Förderung zu beteiligen. Dennoch wird gerade von Seiten der Unternehmen derAspekt der Freiwilligkeit des CSR-Modells betont.65Auf Basis dieser Ergebnisse formulierte die Kommission in der Mitteilung eine Strate-gie zur CSR-Förderung, deren Kernpunkte sich wie folgt darstellen: Die Berichtsver-fahren und die Instrumente des CSR-Verfahren sind zu vereinheitlichen, um einenGrad der Vergleichbarkeit zu schaffen.66 Um Akzeptanz und Glaubwürdigkeit in derGesellschaft zu schaffen, müssen die Kriterien des CSR-Verfahren auf breiter Ebeneanerkannt werden; dazu schlägt die Kommission vor, ein European Multi-StakeholderForum (EMS-Forum CSR) ins Leben zu rufen.67Das European Multistakeholder Forum CSR (EMS-Forum CSR) wurde dann im Ok-tober 2002 gegründet und führte Unternehmer und andere Akteure wie Gewerkschaf-ten, NGOs, Investoren und Verbraucher zusammen. Die Aufgabe des Forums be-stand darin, sich in Gesprächen am Runden Tisch auszutauschen. Die vier großenThemenbereiche, die dort behandelt wurden, sind folgende: • Vertiefung des Wissens über die soziale Verantwortung der Unterneh- men (CSR) und Erleichterung des Austausches von Erfahrungen und vorbildlichen Verfahren. • Aspekte, die kleine und mittlere Unternehmen (KMU) betreffen, ein- schließlich der Möglichkeiten, das Konzept der sozialen Verantwortung den KMU vertraut zu machen. • Vielfalt, Konvergenz und Transparenz von CSR-Praktiken und – Instrumenten.64 Europäische Kommisssion: Mitteilung der Kommission betreffend die soziale Verantwor-tung der Unternehmen.65 Vgl.: Ebd., S. 466 Vgl.: Ebd., S. 967 Vgl.: Ebd., S. 19 27
  29. 29. • CSR und Entwicklung. 68Im Juni 2004 wurde der Abschlussbericht des Forums bei der Europäischen Kom-mission vorgelegt.In diesem Bericht werden Fallstudien von Unternehmen analysiert, die CSR anwen-den und in den Fallstudien über die Erfahrungen bei der Umsetzung von CSR berich-ten. In den einzelnen Treffen am Runden Tisch wurden solche Fallstudien diskutiertund über ihre Ergebnisse beraten.Eine der Kernaussagen des Berichtes von Unternehmensseite zeigt, dass sie sichdeutlich besseren Zugang zu Informationen und bessere Unterstützung von Seitender Politik bezüglich der Managementkonzepte und Kriterien zur Anwendung vonCSR wünschen.69Das EMS-Forum bekräftigt in dem Bericht die Absicht, dass sie in Zusammenarbeitmit der Europäischen Kommission, basierend auf den Ergebnissen der Arbeitstätig-keit des Forums, in naher Zukunft eine neue Mitteilung zu CSR veröffentlichen wol-len. Das Forum strebt einen Dialogprozess mit der Europäischen Kommission, Un-ternehmen und Stakeholdern an, um Informationen zu Entwicklungen, Trends undInnovationen im Bereich CSR zusammenzutragen.70Auch auf internationaler Ebene wurden Initiativen ins Leben gerufen, die die Umset-zung von Nachhaltigkeitskonzepten auf Unternehmensebene fördern sollten. AusSicht des Konzeptes der Sozialen Nachhaltigkeit sind zwei Projekte von besondererBedeutung, die ich an dieser Stelle ebenfalls kurz vorstellen möchte.Zum einen der Global Compact, der im Jahr 1999 vom damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan ins Leben gerufen wurde und ein globalen Pakt zwischenden Vereinten Nationen und der Privatwirtschaft darstellt,71 bei dem die gegenseitigeUnterstützung festgeschriebener Leitlinien in Bezug auf Menschenrechte, Arbeits-rechte und Umweltstandards beschlossen wurde. Grundlage hierfür bildeten Kernleit-linien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der Rio-Konferenz von 1992 unddem Kopenhagener Weltsozialgipfel von 1995.72Für das Konzept der sozialen Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene ist das GlobalCompact-Projekt von nicht unerheblicher Bedeutung, da teilnehmende Unternehmen,68 Abgedruckt bei: European Multistakeholder Forum on CSR: Final results & recommenda-tions. Final Report. 2004, S. 369 Vgl.: European Multistakeholder Forum on CSR: Final results & recommendations, S. 1470 Vgl.: Ebd. S. 1871 Vgl.: United Nations: Corporate Citizenship in the world economy. The Global Compact.human Rights, labour, environment, anti-corruption. Global Compact Office, United Nations,2004, S. 272 Vgl.: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen: UN Basis Informationen. GlobalerPakt, Wirtschaftswelt und die Vereinten Nationen, 2002 28
  30. 30. innerhalb des eigenen Betriebes und speziell beim Umgang mit externen Zulieferernmenschen- und arbeitsrechtliche Standards überprüfen können.Der Pakt beinhaltet 10 Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsbedin-gungen, Umwelt und Korruptionsbekämpfung:Menschenrechte 1. Die Wirtschaft soll den Schutz der international verkündeten Menschen- rechte unterstützen und achten und 2. Sicherstellen, dass sie sich nicht an Menschenrechtsverletzungen betei- ligt.Arbeitsbedingungen 3. Die Wirtschaft sollte die Vereinigungs- und Tariffreiheit wahren sowie ferner für 4. die Beseitigung aller Formen der Zuwanderungs- und Pflichtarbeit, 5. die tatsächliche Abschaffung der Kinderarbeit und 6. die Beseitigung der Diskriminierung und Beschäftigung und Beruf ein- treten.Umwelt 7. Die Wirtschaft sollte umsichtig mit ökologischen Herausforderungen umgehen, 8. Initiativen zur Förderung eines verantwortlichen Umgangs mit der Um- welt durchführen und 9. sich für die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technolo- gie einsetzen.Korruptionsbekämpfung 10. Selbstverpflichtung, Korruption in allen Formen, einschließlich Erpres- sung und Bestechlichkeit zu begegnen. 73Derzeit beteiligen sich 31 Deutsche Unternehmen am Globalen Pakt (Stand: 9/2004),so beispielsweise Bayer, Daimler-Chrysler und die Deutsche Telekom, um die be-kanntesten von ihnen zu nennen.74Das Prinzip des Globalen Paktes besteht einerseits in einer freiwilligen Selbstver-pflichtung der Unternehmen, die genannten Kriterien bei ihrem unternehmerischenHandeln zu beachten: Der Global Compact besitzt somit keinerlei rechtliche Grundla-ge und kann die Unternehmen zu keiner Einhaltung verpflichten.73 Abgedruckt bei: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:Global Compact. Ein weltumspannender Pakt. VN-Initiative zu verantwortungsvoller Unter-nehmensführung, 200474 Vgl.: Ebd. 29
  31. 31. Andererseits verpflichten sich die Unternehmen jedoch gegenüber den VereintenNationen, in Abständen von ein bis zwei Jahren, in ihren unternehmenseigenen CSR-oder Nachhaltigkeitsberichten über die von Ihnen ergriffenen, konkreten Maßnahmenzur Umsetzung und Einhaltung der zehn Prinzipien zu berichten.Das zweite weltweit agierende Projekt zur Umsetzung und zum Umgang mit sozialenNachhaltigkeitsleitlinien, das ich näher beleuchten möchte, ist die Global ReportingInitiative (GRI). Diese Initiative existiert bereits seit dem Jahr 1997 und wurde unterder Federführung der U.S. Nicht-Regierungsorganisation Coalition for Environmental-ly Responsible Economics (CERES) und dem Umweltprogramm der Vereinten Natio-nen (UNEP) gegründet. Die Aufgabe der GRI besteht darin, die Qualität und An-wendbarkeit von Nachhaltigkeitsberichterstattungen zu modifizieren und zu stei-gern.75Auch bei diesem Projekt sind Akteure aus allen gesellschaftlichen Gruppen vertretenund arbeiten an einer weltweiten Akzeptanz von Berichterstattungsprinzipien. Bishermündete die Arbeit der Initiative in zwei Leitfäden zur GRI Nachhaltigkeitsberichter-stattung (2000 und 2002), in denen Ansätze zur Anwendung und inhaltlichen Ausges-taltung eines einheitlichen GRI Nachhaltigkeitsberichtverfahren aufgeführt sind. Inden vergangenen Jahren haben sich immer mehr Unternehmen der Initiative ange-schlossen und verfassen ihre Nachhaltigkeitsberichte nach dem GRI-Standard.Zusammenfassend kann gesagt werden, dass von Seiten aller gesellschaftlicherAkteure Konzepte, Modelle und Projekte initiiert worden sind, um den Ansatz derNachhaltigkeit auf Unternehmensebene zu realisieren. Einige dieser Modelle bezie-hen sich direkt auf die Soziale Nachhaltigkeit (hier sei noch einmal das Beispiel CSRangeführt) und einige beinhalten sie neben den beiden weiteren Dimensionen derNachhaltigkeit (Global Compact und GRI). Die Bedeutung dieser Projekte und auchder Regierungsinitiativen (Europäische Union) gewinnen in dem Maße an Bedeutung,indem die Diskussion um die soziale Verantwortung der Unternehmen ein wichtigeresThema in der Gesellschaft wird. Auffallend ist dennoch, dass alle genannten Modellekeinen gesetzlichen oder institutionell verankerten Anspruch genießen, sondern aufder Freiwilligkeit der Unternehmen basieren. Dies birgt das Risiko, dass Unterneh-men ihr freiwilliges Engagement bezüglich ihrer sozialen Verantwortung nur ausbau-en, wenn auch die wirtschaftlichen Vorraussetzungen stimmen und im Gegenzug dasEngagement zurückfahren, sobald wirtschaftliche Krisenzeiten eintreten. Zudem kön-nen Unternehmen nicht zur Umsetzung der Leitlinien gezwungen oder bei ihrer Nicht-Einhaltung sanktioniert werden. Die Wirtschaft sieht sich also in diesem Punkt mit75 Vgl.: Global Reporting Initative. Sustainability Reporting Guidelines 2002. Deutsche Über-setzung. Lüneburg: Centre for Sustainability Management, 2002, S. 1 30
  32. 32. keinem wirklichen Macht- oder Druckmittel den übrigen gesellschaftlichen Akteurengegenüber ausgestattet.Bevor ich mich nun mit den nationalen Strategien zur sozialen Nachhaltigkeit einge-hend beschäftige, möchte ich die Vorteile und Probleme auf Unternehmensseite beider Umsetzung der oben angesprochenen Leitlinien und Handlungsanforderungenskizzieren.3.4 Vorteile der Sozialen Nachhaltigkeit im UnternehmenUnternehmen, die den Ansatz der sozialen Nachhaltigkeit in ihrer Managementstra-tegie aufgreifen, tun dies sicherlich nicht allein vor dem Hintergrund des öffentlichenDrucks und der daraus resultierenden Erwartungshaltung bezüglich der gesellschaft-lichen Verantwortung der Unternehmen.Da Unternehmen meist allein auf die Gewinnmaximierung ihrer Produktionsleistungfixiert sind, verbindet sich ihre Motivation zu einem Großteil auch damit, einen geld-werten Nutzen zu erzielen.Dennoch muss beachtet werden, dass Unternehmen, die neben rein ökonomischenauch ökologische und soziale Aspekte beachten und operationalisieren, kurzfristigerhöhte Kosten einkalkulieren müssen. So entstehen neue Kostenfaktoren, die bei-spielsweise für die Kontrolle von Zuliefererbetrieben in Bezug auf die Einhaltung so-zialer Standards aufgewendet werden müssen.In welchen Kategorien sich diese Vorteile bei der Umsetzung der sozialen Dimensionder Nachhaltigkeit zeigen können, haben diverse Institutionen mittels Befragungen inUnternehmen zum Thema CSR zu erheben versucht. Ich möchte im Folgenden kurzdie Ergebnisse einer von CSR-Europe initiierten Befragung darlegen, die bei Unter-nehmen durchgeführt wurden, die das CSR-Modell erfolgreich anwenden.Die Kernaussage aller Unternehmen lautet, dass es zu einem „profitablen, nachhalti-gen Wachstum und menschlichem Fortschritt bei der Einführung von Corporate Soci-al Responsibility im täglichen wirtschaftlichen Handeln komme“.76Unterstützt wird diese Aussage von einer Aufzählung von positiven Resultaten inner-halb der Unternehmen bei der Einführung von CSR als Managementstrategie, sobeispielsweise:- Verstärkte positive Kundenakzeptanz des Unternehmens- Bessere Beziehungen mit der direkten Unternehmensumwelt (Nachbarn, Kom-munen, regionale Behörden)- Gesteigerte Identifizierung mit dem Unternehmen durch die Mitarbeiter- Gesteigerte Mitarbeitermotivation76 Vgl.: CSR Europe: Your reasons to choose social responsibility, 2003 31
  33. 33. - Kostenersparnisse durch den effizienteren Einsatz von Ressourcen- Kommerzielle Vorteile ( bevorzugter Status bei Lieferanten etc.)- Imagegewinn für das Unternehmen und positive Beziehungen zu den Me-dien.77Im Jahr 2002 führten das Forschungsinstitut Mardsen und Mohan im Auftrag vonCSR Europe eine Studie bei 500 europaweit angesiedelten Unternehmen durch, diesich innerhalb und außerhalb des eigenen Unternehmens sehr stark sozial engagie-ren.78 Das interessante Fazit dieser Studie ist, dass die überwältigende Mehrheit derbefragten Unternehmen (94%) aussagte, dass die gesellschaftliche Verantwortungs-übernahme mit einem nachweislich positiven Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolgdes Unternehmens einherging.79Schon anhand dieser beiden Beispiele zeigt sich, dass sich für die Unternehmennicht nur aus der Sicht der gesellschaftlichen Verpflichtung heraus sozial verantwort-liches Handeln positiv auszahlt, sondern dass es auch aus der Sicht der Gewinnma-ximierung und des wirtschaftlichen Handelns heraus als äußerst effektiv angesehenwerden kann.Vor diesem Hintergrund stellt man sich natürlich die Frage, warum es bei dem aufge-zählten Nutzen nicht zu einer breiten Umsetzung des Modells auf Unternehmensebe-ne kommt.Die Begründung liegt in einer Vielzahl von Operationalisierungsschwierigkeiten, diees bei der Umsetzung des Konzepts auf Unternehmensebene gibt. Auf diesen Aspektmöchte ich im folgenden Kapitel genauer eingehen.3.5 Operationalisierungsschwierigkeiten bei der UmsetzungIch werde im Folgenden die von Unternehmensseite meist genannten Kriterien darle-gen, um aufzuzeigen, welche Überlegungen die Unternehmensleitung oftmals dazubewegen, das Konzept der Nachhaltigkeit nicht mit der gebotenen Ernsthaftigkeitanzugehen. Die Problempunkte lassen sich in zwei Bereichen verorten: Zum einentreten sie extern der Unternehmen auf, anhand der Leitlinien und Kriterien, die dieRegierungen und die Europäische Kommission zur Umsetzung von Nachhaltigkeitaufgestellt haben, und zum anderen in den internen Strukturen von Unternehmen.Zuerst möchte ich die externen Problemfelder anführen.Wenn Unternehmensleitungen zu der Umsetzung von Nachhaltigkeitskonzepten be-fragt werden, ist einer der am häufigsten genannten Punkte, dass die Modelle und77 Abgedruckt bei: Ebd.78 Vgl.: CSR Europe : I whistle all the way to work and all the way home, research on 500business best practices (Part 1-3), 1999, Part 179 Vgl.: Ebd., Part 3 32
  34. 34. Konzepte zur Operationalisierung von Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene häufigzu unkonkret formuliert sind und somit nicht als Handlungsempfehlung geeignet sindoder aber, dass sie zu sehr auf die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit be-schränkt sind und der soziale Aspekt oftmals nicht erwähnt oder nur umrissen wird.Die Umsetzung des Leitbildes der Nachhaltigkeit auf der Managementebene scheitertoft am Fehlen geeigneter Mittel sowie Indikatoren zur Entscheidungsfindung undRealisierung der erarbeiteten Zielsetzungen, insbesondere die soziale Dimensionbetreffend.Ich möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass sich die Problematik der Umsetzungvon Nachhaltigkeit nur auf unternehmensexterne Kritikpunkte zurückführen lässt. Stu-dien zeigen Problempunkte auf Unternehmensseite, die zu den Operationalisie-rungsschwierigkeiten des Konzeptes der Nachhaltigkeit beitragen. Innerhalb der Un-ternehmen treten oftmals folgende Problemfelder bei der Umsetzung auf:Ein ausschlaggebender Aspekt sind die Kosten, die die Umsetzung des Nachhaltig-keitskonzeptes verursacht und somit eine kurzfristige Verminderung der Rendite be-deutet. Unternehmen sehen hierin oftmals ein Spannungsverhältnis zwischen denInteressen der eigenen Shareholder (Eigentümer, Anteilseigner) und dem weiterengesellschaftlichen Umfeld der Unternehmung.Zusätzlich haben diverse Erhebungen dargelegt, dass nur in wenigen Unternehmenmit dem Begriff der Nachhaltigkeit gearbeitet wird und der Begriff bei einer Vielzahlvon Unternehmen gänzlich unbekannt ist. Wenn sich Unternehmen mit dieser The-matik intensiv beschäftigen, sind dies zumeist multinationale oder nationale Groß-konzerne, die einer großen Zahl von gesellschaftlichen Akteuren verpflichtet sind.Die Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte der Unternehmen verwenden den Begriffder Nachhaltigkeit oftmals ohne ihn genau zu beleuchten oder zu reflektieren. Es fehltzumeist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Konzept der Nachhaltigkeit.80Genau an diesem Punkt stellt sich für mich folgende Frage, die ich im zweiten Teilmeiner Arbeit bearbeiten und klären möchte:Inwiefern lassen sich unternehmensexterne Problempunkte, die zumeist in den politi-schen Richtlinien begründet liegen, in Kombination mit unternehmensinternen Prob-lempunkten für eine unzulänglich stattfindende Umsetzung des Konzeptes der sozia-len Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene rechtfertigen?An dieser Stelle möchte ich noch einmal meine Ausgangsfragestellung in Erinnerungrufen (siehe Einleitung), um im Weiteren der Beantwortung dieser nachzugehen. Zudiesem Zweck werde ich in den folgenden Kapiteln zunächst die Nachhaltigkeitsleitli-nien der internationalen Politik und ausgewählter nationaler Politiken auf ihren inhalt-80 Vgl.: Mathieu: Unternehmen auf dem Weg zu einer Nachhaltigen Wirtschaftsweise S. 44 f. 33
  35. 35. lichen Bezug zu sozialer Nachhaltigkeit untersuchen, um sie anschließend mit aus-gewählten Unternehmensleitlinien zu vergleichen. 34
  36. 36. 4. Nachhaltigkeitsstrategien nationaler Regierungen und der EUIn diesem Kapitel widme ich mich den Nachhaltigkeitsstrategien nationaler Regierun-gen und der Strategie der Europäischen Kommission in Bezug auf die soziale Di-mension der Nachhaltigkeit und ihrer Umsetzung auf Unternehmensebene. Die Fra-gestellung lautet, wie konkret die Strategien auf die soziale Dimension der Nachhal-tigkeit eingehen und ob sie Handlungsleitlinien und Indikatoren für Unternehmen be-nennen, auf welche Art und Weise sie den Aspekt der sozialen Nachhaltigkeit in ihrunternehmerisches Handeln integrieren und wie von Seiten der übrigen gesellschaft-lichen Akteure eine Kontrolle dieser Integration gewährleistet werden kann.Zur näheren Betrachtung habe ich mich mit den Nachhaltigkeitsstrategien der deut-schen, britischen und französischen Regierung beschäftigt, da die später zu verglei-chenden Unternehmen (Kapitel 6) in diesen drei Ländern angesiedelt sind. Somit isteine Vergleichbarkeit hinsichtlich unterschiedlicher, national bedingter Rahmenbe-dingungen für die Operationalisierung der Nachhaltigkeit gegeben.4.1 Die deutsche NachhaltigkeitspolitikDie deutsche Bundesregierung veröffentlichte im April 2002 mit den „Perspektiven 81für Deutschland. Unsere Strategie für eine nachhaltige Entwicklung“ ein Stra-tegiepapier für die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung in der BundesrepublikDeutschland.In dem Bericht benennt die Bundesregierung vier Koordinaten, die für die Umsetzungdes Nachhaltigkeitsleitbildes ausschlaggebend sind. Die Koordinaten sind folgende:Generationengerechtigkeit, sozialer Zusammenhalt, Lebensqualität und internationa-le Verantwortung.In den genannten vier Bereichen werden in dem Strategiepapier 21 Indikatoren undZiele formuliert, die auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung umzusetzenbeziehungsweise zu erreichen sind. Im Folgenden werde ich anhand der vier Koordi-naten die wichtigsten Indikatoren der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie benennen.Der Bereich der Generationengerechtigkeit ist laut Bundesregierung zum Großteil inder ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit verortet, wobei auch ökonomische 82Faktoren, wie beispielsweise der Abbau von Staatsverschuldung und die Verbes- 83serung von Investitionsbedingungen dazu gezählt werden.81 Bundesregierung: Perspektiven für Deutschland. Unsere Strategie für eine nachhaltigeEntwicklung, Berlin April 2002.82 Vgl.: Ebd., S. 10383 Vgl.: Ebd., S. 92 35
  37. 37. In den Bereich der Lebensqualität reichen die Problemfelder Gesundheit84, Kriminali-tätsbekämpfung85 und Wirtschaftswachstum86 hinein.Unter der Koordinate des sozialen Zusammenhaltes definiert die Bundesregierung indem vorgelegten Bericht Ziele wie beispielsweise die Steigerung der Beschäftigungs- 87 88zahlen , die Familienförderung und die Gleichberechtigung von Männern und 89Frauen sowie die Integration ausländischer Mitbürger.90Abschließend beinhaltet der Aspekt der internationalen Verantwortung die Zielset-zung der internationalen Marktöffnung91 sowie die Erhöhung der öffentlichen Entwick-lungshilfen.92Die beschriebenen 21 Zielindikatoren der Bundesregierung ergeben in Kombination 93mit den zehn formulierten Managementregeln der Nachhaltigkeit einen umfassen-den Rahmen dafür vor, wie eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland zu errei-chen ist und in welcher Form sich die einzelnen gesellschaftlichen Akteure (Bürger,Wirtschaft, Wissenschaft, Verbände, Kirchen und andere) daran beteiligen sollen undkönnen.Insgesamt kann dennoch kritisch festgehalten werden, dass das Strategiepapier eherIdeen und Ansätze beinhaltet, die sehr allgemein beschrieben werden, jedoch kaumquantitative Ziele oder konkrete Maßnahmen formuliert.An dieser Stelle möchte ich darauf eingehen, in welcher Form die Bundesregierungin ihrem Bericht die soziale Dimension der Nachhaltigkeit einbringt und ob diese mitHandlungsleitlinien für Unternehmen verbunden ist oder ob im negativen Fall keineVerbindung zwischen der sozialen Dimension der Nachhaltigkeit und unternehmeri-schem Handeln besteht.Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit findet in dem Nachhaltigkeitskonzept derBundesregierung unter der schon genannten Koordinate Sozialer ZusammenhaltBeachtung. Demnach setzt die Bundesregierung das Konzept der sozialen Nachhal-tigkeit mit der Realisierung folgender Ziele gleich: Angestrebt wird die Sanierung unddie Reform der sozialen Sicherungssysteme, die Steigerung des Beschäftigungsni-veaus, die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Förderung vonGleichberechtigung in der Gesellschaft sowie die Integration ausländischer Mitbürger.84 Vgl.: Ebd., S. 2285 Vgl.: Ebd., S. 2686 Vgl.: Ebd., S. 11087 Vgl.: Ebd., S. 12188 Vgl.: Ebd., S. 12389 Vgl.: Ebd., S. 12590 Vgl.: Ebd., S. 12791 Vgl.: Ebd., S. 12992 Vgl.: Ebd., S. 13093 Vgl.: Ebd., S. 50 ff. 36
  38. 38. Das unternehmerische Handeln bezüglich der sozialen Dimension wird in der Strate-gie der Bundesregierung lediglich in drei Aspekten deutlich angesprochen - bezüglichder Steigerung des Beschäftigungsniveaus, bei der Vereinbarkeit von Familie undBeruf und dem Aspekt der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Aber auch hiergilt: Es gibt keine klaren Handlungsrichtlinien für Unternehmen, wie sie die sozialeDimension bei der Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzeptes in ihrem Unternehmenoperationalisieren können.Etwas konkreter wird die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung erst mit demim Jahr 2004 veröffentlichen Fortschrittsbericht zu den „Perspektiven fürDeutschland“.94 In diesem Bericht wird einerseits eine Bilanz bezüglich der erstenbeiden Jahre des Nachhaltigkeitskonzeptes gezogen, andererseits wird die Strategieanhand dieser Ergebnisse in diversen Punkten überarbeitet und ergänzt.Unter anderem widmet sich die Bundesregierung in einem Kapitel auch der aktuellenDebatte um die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen.95In diesem Kapitel hebt die Bundesregierung die Wichtigkeit der Aufnahme von ökolo-gischen und sozialen Belangen in privatwirtschaftliche Managementkonzepte hervorund betont überdies die Anregung an die Industrie, die Codes of Conduct besser zuimplementieren. Dennoch mangelt es auch an dieser Stelle an einer konkreten For-mulierung der Codes of Conduct von Seiten der Bundesregierung.96 Man beruft sichim Folgenden vielmehr auf die „OECD-Leitsätze für multinationale Unterneh-men“97, auf den Global Compact mit seinen Leitlinien und die „...Aktivitäten imRahmen der europäischen Strategie für die gesellschaftliche Verantwortung 98von Unternehmen“ (Grünbuch der Europäischen Kommission, Multistakeholder-Forum).Es lässt sich also feststellen, dass es der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregie-rung an konkreten Formulierungen von Handlungsleitlinien mangelt, die die Unter-nehmen bei der Umsetzung der sozialen Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb integrie-ren können. Die deutschen Unternehmen, so lässt sich vermuten, sind daher ge-zwungen, sich an den internationalen Strategien und Instrumenten der EuropäischenUnion und den Vereinten Nationen zu orientieren.94 Bundesregierung: Fortschrittsbericht 2004. Perspektiven für Deutschland. Unsere Strate-gie für eine nachhaltige Entwicklung, Berlin, Juni 200495 Vgl.: Ebd., S. 139 ff.96 Vgl.: Ebd., S. 14197 Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen stellen gemeinsame Empfehlungender Regierungen der OECD-Länder wie auch einiger Nicht-Mitgliedsländer für ein verantwor-tungsvolles und dem geltenden Recht entsprechendes unternehmerisches Verhalten beiAuslandsinvestitionen, besonders in Entwicklungsländern, dar. (Quelle: Merkblatt, OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen)98 Abgedruckt bei: Ebd., S. 141 37

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