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Zu schön um wahr
zu sein?


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Romai
Tagung 7. - 9. September 2011 im L'arc Romainmôtier

Thema: «Zu schön um wahr zu sein?»
5. Forum für Fragen von Kunst und Öffentlichkeit

                              Romai
Eine Zusammenarbeit von L'arc Romainmôtier und Hochschule Luzern –
Design & Kunst

Bericht von Susanne Furrer und Greg Zeder.




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Einleitung
Beim 5. Forum für Fragen von Kunst und Öffentlichkeit vom 7.9. – 9.9. 2011 im L’arc Romainmôtier ging es um die
Bedeutung, die Implikationen und Wahrheiten des Schönen in der Kultur der Gegenwart. Das L’arc, eine Institution
des Migros-Kulturprozent, ist ein Ort transdisziplinärer Reflexion, an welchem sich Kulturschaffende und
Wissenschaftler verschiedener Disziplinen treffen. Einmal im Jahr veranstalten die Hochschule Luzern Design und
Kunst und das L‘arc in Kooperation eine Tagung. Teilnehmende sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
sowie Kunst- und Kulturschaffende aus verschiedenen Sparten.

Über Schönheit könne man - wie über Geschmack - streiten. Weil sie einerseits unmittelbar und emotional wirkt, also
subjektiv ist, andrerseits immer Allgemeingültigkeit anstrebt und somit auch objektive Massstäbe/Normen setzt, ist
Schönheit sowohl beschreibbar wie auch unsäglich. Sie ist, so Kant, das «subjektiv Allgemeine». Was die
Gegenwartskunst angeht lässt sich sagen, dass seit Baudelaire und Courbet (kurz: seit der Ästhetik des Hässlichen),
sicher aber seit der Moderne und der Zäsur durch den Begriff der «entarteten Kunst», das Schöne in der Kunst einem
Tabu unterlag. Wahr konnte für die Avantgarde nur das Unschöne sein. Dennoch gibt es in der zeitgenössischen
Kunst in den letzten Jahrzehnten eine Rückkehr zur Schönheit der Oberfläche und ein neues Interesse an Kitsch,
Mode- und Medienbildern; über den Umweg der Popkultur ist die Frage der Schönheit in Bezug auf den Menschen
wie auf der Ebene der Dinge wieder da.




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Kommt diese neue glänzende Oberflächigkeit des Schönen nochmals in Konflikt mit Wahrheit? Gibt es das
Bekenntnis zur Schönheit ohne Distanz und Ironie? Zum Beispiel in der Religion? Wo liegen die Grenze zu Kitsch,
Dekor, Mode, Pathos oder auch Leere und Langeweile? Was ist die Aufgabe und Faszination des Schönen heute in
der Kunst, evtl. anders als im Design? Was bedeutet Schönheit im interkulturellen Vergleich? Und interessieren sich
weibliche Künstlerinnen noch immer nicht für männliche Schönheit? Wie kommen das Schöne und das Flache in der
Popmusik zusammen? Hier könnte die Bedeutung der Schönheit in der Kunst auch weiterführen zur aktuellen
gesellschaftlichen Dimension von Schönheit und Schönheitszwang: Kann uns Schönheit noch berühren – nach der
Ausstülpung des Beauty-Star-Systems in das Leben von jedermann/-frau und der steigenden Zahl sogenannter
Schönheitsoperationen? Ist Schönheit so einfach?

Konzept und Organisation, 2011:
Silvia Henke
Beat Schläpfer
Veronika Sellier

Im Rahmen dieser Fragestellungen wurde von zwölf Teilnehmenden ein Referat aus ihrem Kerngebiet gehalten.
Neben Persönlichkeiten der Wissenschaft waren auch darstellende und bildende Künstlerinnen und Künstler sowie ein
Vertreter der Popkultur anwesend. Die sorgfältig zusammengestellte Gruppe aus Personen verschiedener
Kultursparten und Altersgruppen verhalf zu einem differenzierten Einblick in die Thematik.

Die Referate sind auf den folgenden Seiten chronologisch in zusammengefasster Form aufgeführt. Die einzelnen
«Summaries» erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie geben lediglich die für die Verfasser dieses in
protokoll-ähnlichem Stil geführten Journals wichtigen Punkte wieder.




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Inhalt
Winfried Menninghaus: Die Schönheit des nackten Affen und die Entstehung der Künste ................................6
Benno Zehnder: Die Schöne Kunst .......................................................................................................................8
Silvia Henke: Schöne Haare und die (r)evolutionäre Kraft der Schönheit .........................................................12
Marie-Louise Nigg: Beschönigen - Die Natur der Kunst, die Kunst des Kitschigen?........................................14
Meret Ernst: Warum verlangen wir von den Dingen schön zu sein? ..................................................................19
Theres Wäckerlin: "Fleiss ist die Wurzel aller Hässlichkeit" (Oscar Wilde)......................................................20
Stijn Ossevoort: In Search For Beauty ................................................................................................................23
Esther Sutter: Rohmaterial – die Schönheit im Blut ...........................................................................................27
Béatrice Jaccard: On Beauty – Jenseits vom Ebenmass .....................................................................................31
Marc Krebs: Pop, Püppchen und Puppen ............................................................................................................33
Alexandra d’Incau: Glitzer und Kitsch – Das Glücksrad..................................................................................366
Johannes Binotto: Schönheit und/als Exzess ......................................................................................................37
Schlusswort .........................................................................................................................................................43
Kurzbiografien der Teilnehmenden ....................................................................................................................44




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Menninghaus:
Winfried Menninghaus:
Die Schönheit des nackten Affen und
die Entstehung der Künste

Winfried Menninghaus zeigt in seinem Vortrag auf, warum die nackte Haut des Menschen als erste Leinwand zu
betrachten ist. Dabei bedient er sich der Theorie Darwins, wonach Lebewesen durch Selektion spezifische Merkmale
bis ins Extreme ausbilden, um sexuell attraktiv zu sein (Ornamentierung – maximal stimulierendes Merkmal). Die
beinah totale Nacktheit des Menschen entspricht dadurch einer komplett sexualisierten Oberfläche des menschlichen
Körpers.

Diese These untermauert Winfried Menninghaus durch ein experimentell erzieltes Resultat: Probanden empfinden
Körper als sexuell attraktiver, je weniger behaart sie sind. Die weithin anerkannte Theorie, wonach die Nacktheit des
Körpers einer rein hygienischen Grundlage entspringt, entkräftet Winfried Menninghaus mit dem Zitat eines weiteren
Experiments. Es zeigt auf, dass Menschen behaarte Tiere grundsätzlich als sauberer empfinden als nackte. Ja sogar,
dass je ähnlicher die Haarlosigkeit von Tieren der Nacktheit des Menschen ist, der Mensch sogar Ekel- oder
Horrorgefühle entwickelt.

Gemäss Winfried Menninghaus ist Ornamentierung grundsätzlich mit Aufwand oder gar Gefahr verbunden: Der Pfau
ist beispielsweise dadurch gefährdet, dass er mit seinen übergrossen Federn nicht fliegen, respektive fliehen kann. Der
Mensch wiederum erfriert im Winter ohne Fell oder verbrennt sich die Haut an der Sonne. Die Evolution hat dieses
Phänomen so weit getrieben, dass der Mensch gezwungen ist, sich mit Kleidung auszustaffieren, um zu überleben.
Und mit der Kleidung kommt die Kultur ins Spiel.



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Winfried Menninghaus unterscheidet zwischen einer «Baseline-Ornamentierung», die die Nacktheit des Menschen
beschreibt und einer «sekundären Ornamentierung». Letztere umfasst die darauf folgende schützende und
schmückende Ausstaffierung wie beispielsweise Körperbemalung, Kleidung, Schmuck oder Piercings. Im Gegensatz
zur «Baseline-Ornamentierung» kann sie sich einer Mode unterwerfen und erhält damit eine kulturelle Bedeutung:
Die Farbe der Leinwand.

Beginnend mit dem Symbol eines nackten Pavianhinterns schafft es Winfried Menninghaus in eindrücklicher Weise
eine Reise durch die Evolution zu führen, die am Ende mit der nackten Haut als künstlerisch-kulturelle Leinwand
endet. Sukzessive enthaart er, sowohl in Bildern als auch symbolisch, den Menschen und bringt dabei den tierischen
Urmenschen Schritt für Schritt in die Gegenwart, wo seine Ornamentierung in der Modewelt ihren Widerhall findet.

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Zusätzliche Informationen

Link: Freie Universität Berlin
http://www.fu-berlin.de/

Buch: «Das Versprechen der Schönheit» (2007) von Winfried Menninghaus
ISBN-10: 3-518-29416-4
EAN: 9783518294161

Du, Ausgabe Dezember 2011: Gespräch mit Arthur Menninghaus und Meret Ernst zum Thema «Zu schön, um wahr
zu sein? »

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Zehnder:
Benno Zehnder: Das Schöne der Kunst
Im Anschluss an die Evolutions-Theorie der Schönheit zeigt der Künstler Benno Zehnder eine autobiografische
Präsentation in audio-visueller Form. Anlässlich seiner vor 50 Jahren erstellten ersten Zeichnung projiziert er eine
Auswahl von mehr als 300 Bildern, welche in einem 6-Sekunden-Intervall aufeinander folgten. Parallel dazu erzählt
er seine Geschichte, welche über die wichtigsten Stationen seiner persönlichen und künstlerischen Entwicklung
Aufschluss gibt.

Biographie: Benno Zehnder erinnert sich an die Kindheit, als ihn ein Zeitungsbild fasziniert und zugleich verändert
hat («Mussolini am Strang»). Die Wirkung von Bildern und sein Interesse an Kunst führten ihn schliesslich an die
Kunstgewerbeschule Luzern. Dort lernte er das Handwerk des Zeichnens. Erst ein London-Aufenthalt führte ihn zur
Malerei. Beeindruckt zeigte er sich damals von der englischen Gesellschaft, welche sich radikal von der Schweizer
Mentalität unterschied. Dies machte sich auch in der Kunst bemerkbar, die Benno Zehnder als viel experimenteller
und bunter wahrnahm als diejenige aus der Heimat. Letztendlich führte ihn sein Lebensweg aber nicht in eine rein
künstlerische Tätigkeit, sondern zu seiner Hauptaufgabe als Direktor der Schule für Kunst und Gestaltung in Luzern,
wobei er der Kunst nebenberuflich immer verbunden blieb. Heute entwirft Benno Zehnder u.a. Farbkonzepte in und
auf Gebäuden und malt jeden Tag ein Bild.

Bilder: Die gezeigte Bildersammlung umfasste sowohl Zeichnungen, surreale Skizzen wie auch expressionistische
Bilder mit zum Teil zufälligen Motiven. Die Fotografien von bemalten Fassaden und Gebäudewänden runden das
Lebenswerk ab. Mehr als 300 Eindrücke in rund 30 Minuten – eine imposante Vorstellung.

Es ist beeindruckend, wie Benno Zehnder mit der Schönheit der Farben das Befinden der Menschen beeinflussen
kann, sei dies durch die Wirkung einer bemalten Fassade oder durch eine Komposition aus Strichen, Farben und
Formen auf der Leinwand. Als Maler glaubt er an die unmittelbare und auch heilsame Wirkung der Schönheit.

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Abb. 1
         9
Abb. 2
         10
Abb. 3
         11
Silvia Henke: Schöne Haare und die (r)evolutionäre Kraft
der Schönheit
Silvia Henke setzt in einem ersten Schritt die Thematik der Schönheit mit der platonischen «Trias» in Szene:
Kalogathia – das Wahre, das Gute, das Schöne. In einem zweiten Schritt führt sie aus, wie diese im Laufe der Zeit
sukzessive demontiert wird.

Gemäss Nietzsche wird das Schöne, das Gute und das Wahre durch die Moderne zerstört. Für Darwin dient die
Schönheit nur der Erhaltung der Rasse durch «Sexual Selection». Freud vermochte nichts wirklich Substantielles
über Schönheit zu sagen, ausser dass wir sie empfinden. Die Schönheit verkommt im Laufe der Zeit sogar zur
Geissel der Menschheit – sie unterwirft Menschen einem permanenten Zweifel und treibt uns bis zur
Schönheitschirurgie. Während in der Vergangenheit die Schönheit gefeiert wurde, muss sie heute hinterfragt
werden.

Trotzdem hat Schönheit eine umstürzende, eine revolutionäre Kraft. Als erstes Beispiel dafür bringt Silvia Henke
die Schöpfungsgeschichte ins Spiel. Eva erliegt der Verlockung durch den Apfel - nicht der offensichtlich
sexuellen Männlichkeit Adams. Sie erliegt dessen Glanz und erkennt so die dahinter verborgene Schönheit. Die
Schönheit ist also eine Funktion der Erkenntnis und führt zum Leben.
Silvia Henke greift sodann mit der mittelalterlichen Schönheitstheorie «Claritas» (Klarheit, Glanz) das Thema des
Glanzes noch einmal auf und stellt damit einen Bezug zur Schöpfungsgeschichte her: Proportion, Symmetrie,
Klarheit.
Mit der evolutionären Entwicklung führt Silvia Henke die Zuhörer mit der These der «revolutionären Konsequenz»
letztendlich in die Zukunft. Anhand eines Filmausschnitts von Jean-Luc Godards «The Old Place» (2000) zeigt sie,
wie der Wunsch nach Sauberkeit (bzw. Glanz) schliesslich zur inneren und äusseren Befreiung führt: Der simple
Akt, sich die Haare zu waschen (ein Symbol der Selbstliebe), führt in Godards «One dollar more» deshalb im
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Wunsch nach Schönheit zur Revolution. Die Sauberkeit steht hier für die Absenz des Chaos. Sauberkeit als
Zeichen für eine positive und zukunftsgerichtete Lebenseinstellung. Silvia Henke sieht hierin die Entwicklung von
der Evolution zur Revolution.




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Marie-
Marie-Louise Nigg: Beschönigen - Die Natur der Kunst, die
             Nigg:
Kunst des Kitschigen?

Marie-Louise Nigg widmet sich in ihrem Vortrag der Reibung zwischen den Definitionen «kitschig» und «schön». Sie
setzt dabei das natürliche Phänomen des Sonnuntergangs als Motiv in Szene, indem sie dieses in zwei Werken
aufgreift.

Ein vorgängiger Exkurs in die Vergangenheit zeigt auf, dass sich das Bild des Schönen im Laufe der Zeit stark
geändert hat. So stellte man sich im 18. Jahrhundert die Antike ohne Farben vor, womit farbige Kunst bis in die
Postmoderne hinein grundsätzlich in Kitschverdacht geraten kann. Hier führt Marie-Louise Nigg an, dass Kitsch nicht
unbedingt gleich zur Antikunst geraten muss, sondern dass wir uns heute in einer Welt von schöner oder kitschiger
resp. kitschig-schöner Kunst bewegen. Kunst darf heute wieder schön sein, die klassische Abgrenzung zur Moderne
wird dadurch aufgebrochen. Dies zeigt sie an der Videoeinspielung «Art must be beautiful» von Marina Abramović
(→ Abb. 4). Eine kritische Auseinandersetzung zum Thema «Schönheit» in der Kunst.

Der heute schmale Grat zwischen den sich reibenden Polen von Schönheit, Kitsch und Kunst birgt die Gefahr, dass
das einzelne Kunstwerk missverstanden wird und das abwertende Prädikat «Kitsch» erhält. Anhand zweier
Kunstwerke zeigt Marie-Louise Nigg diese Abgrenzungsthematik auf:

       Das Fräulein stand am Meere
       Und seufzte lang und bang,
       Es rührte sie so sehre
       Der Sonnenuntergang.


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Heinrich Heine (1797 – 1856) könnte diese Szenerie als mystisches Gefühlserlebnis stehen lassen. Stattdessen bricht
er die Stimmung indem er sich über sentimental-romantische Naturergriffenheit lustig macht:

       Mein Fräulein! Sein Sie munter,
       Das ist ein altes Stück;
       Hier vorne geht sie unter
       Und kehrt von hinten zurück.

Dieser Hinweis auf die Reproduzierbarkeit des Vorgangs (Sonnenuntergang) entzaubert die Szene. Das manipulative
Element des Schönen wird enttarnt. Kitsch ist demnach effektgerichtet, manipulativ und verschleiert.

Olafur Eliassons Werk «The Weather Project» (→ Abb. 5 und 6) integriert den Mechanismus hinter seiner Sonne
bewusst in das Werk und macht den Autor sowie die Reproduzierbarkeit der Szenerie offensichtlich. Die Sonne ist
zweigeteilt und gespiegelt, erzeugt keine Hitze, erscheint in einem offensichtlich künstlichen Raum und geht weder
auf noch unter. Die kitschigen Elemente sind auch hier vorzufinden. So verführt die Installation zur Distanzlosigkeit
des Publikums, wird durch ihre Popularität schon beinah zum Massenkult – sie wird vermarket.

Beide Werke bedienen sich also sowohl der kitschigen Elemente, die stark auf einen Effekt abzielen, als auch einer
entzaubernden Perspektive. Beide entkommen dem Kitsch-Status durch die gleichzeitige Aufdeckung der dahinter
stehenden Mechanik. Echter Kitsch kann diese Metaebene nicht aufweisen.

Die dem Vortrag nachfolgende Diskussion wirft die Frage auf, ob der Effekt wirklich als zentrales Element des
Kitsches gesehen werden kann. Künstlerische Werke zielen seit jeher auf Effekt bzw. Emotion ab. So lockt man
beispielsweise Publikum in die Oper, indem man seine Erwartung an Spannung und Gefühle erfüllt.




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Abb. 4   16
Olafur Eliassons «The Weather Project»
Tate, London (2003)
Ansicht der Sonne aus der Halle.

Abb. 5
                                         17
Olafur Eliassons «The Weather Project»
Tate, London (2003)
Ansicht der Sonne von oben.
Abb. 6
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Meret Ernst: Zur Funktion des Schönen im Design
      Ernst:

Einführende Information zur Präsentation:

Design: Bedeutet meistens Entwurf oder Formgebung. Es ist ein Lehnwort aus dem Englischen, das wiederum aus
dem lateinischen designare = (be)zeichnen abgeleitet ist und in viele Sprachen Eingang gefunden hat.

Kunst: Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig
durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses.

Meret Ernst spricht davon, dass wir täglich von Dingen umgeben sind, deren Schönheit wir entweder übersehen oder
einfach nicht beachten. Denn grundsätzlich soll ein Gegenstand eine Funktion haben. Erst mit der Industrialisierung
(«Rationalisierung») und der damit einhergehenden maschinellen Produktion von Dingen oder Gegenständen wurde
dem ästhetischen Aspekt mehr Gewicht beigemessen. Sowohl die Form als auch die Funktion wurden fortan bewusst
gewählt. Es entstand ein Designerobjekt.

Seither herrscht ein reger Disput zwischen den Schwesterndisziplinen Kunst und Design: Ist Design ein rein
marketingtechnisches Hilfsmittel, das den Umsatz beim Verkauf von Objekten fördern soll? Muss überhaupt davon
ausgegangen werden, dass man das Schöne an Dingen voraussetzt? Was passiert, wenn (Produkte-)Designer die
Ästhetik in den Vordergrund stellen und die Funktion vernachlässigen? Entsteht dann Kunst? Ganz und gar nicht:
Meret Ernst führt aus, dass diese Design-Richtung uns zu Critical Design führt. In dieser Sparte ist bei der Gestaltung
eines Gegenstandes der Designer der Autor.




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Wäckerlin:         ist
Theres Wäckerlin: «Fleiss ist die Wurzel aller Hässlichkeit»
(Oscar Wilde)
Theres Wäckerlin interpretiert anhand ihrer Werke unter den Stichworten «Raum», «Material», «Sprache»,
«Einfachheit» und «Reduziertheit», «Tabu» und «Fleiss» die Aussage von Oscar Wilde.

Alltägliche und schmucklose Räume werden durch Ergänzung profaner Alltagselemente zu lichten, ästhetischen und
irisierenden Räumen. Aus Mehl gestaltete grosse, kubische Elemente laden zum Ausruhen ein (→ Seite 21). Das
Werk ist hier eine kunstvoll gestaltete Oberfläche, die in der Tiefe nicht hält, was sie äusserlich darstellt. Theres
Wäckerlin zeigt auf, dass die Oberfläche den Eingang zu den tiefer liegenden Schichten darstellt. Die Oberfläche birgt
das Risiko, missverstanden zu werden.

Die Definition von «Schönheit in der Kunst» stellen Theres Wäckerlin und Agatha Zobrist als Künstlerinnen-Team
auf eine persönliche Stufe und erhalten so eine erweiterte Begrifflichkeit: Für sie ist «schön» was «harmonisch»,
«ausgewogen», «spannungsvoll», «rauh» oder sogar «hässlich» ist. Das «Schöne» zeigt hier das «Gelungene».
Schönheit liegt also im Sinne des Betrachters bzw. des Sprechenden. Schönheit ist dem Trend und der Mode
unterworfen, was die stetige Anpassung des Begriffes bedingt.

«Fleiss ist die Wurzel aller Hässlichkeit», sagte einst Oscar Wilde. Theres Wäckerlin greift diese Aussage auf, wobei
sie hier gleichzeitig widerlegt und bestätigt. Zeugen ihre Werke doch oft von grossem Fleiss, sind trotzdem schön und
nicht ganz frei von Spannung, von rauen und sogar hässlichen Elementen.
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Zusätzliche Informationen
Link: http://www.zobristwaeckerlin.ch

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Abb. 7
         21
Abb. 8
         22
Stijn Ossevoort: In Search For Beauty

Der holländische Designer Stijn Ossevoort stellt anlässlich der Tagung eine Auswahl seiner Projekte aus den letzten
10 Jahren vor. Seiner Meinung nach entsteht Schönheit aus der Wechselwirkung eines Objektes im Spannungsfeld
von Zeit, Gegensätzen (Kontrast) und der daraus resultierenden Erkenntnis. Als Beispiel dafür zeigt er uns einige
Bilder aus seiner Heimatstadt: Die Stadt Eindhoven hat in den Fünfzigerjahren zur Errichtung eines Bürokomplexes
kurzerhand eine Kirche abgerissen. Im Nachhinein betrachtet scheint es fast unfassbar, dass ein Gotteshaus aus
ästhetischen Gründen einer Arbeitsstätte weichen musste, in der damaligen Auffassung, eine modernes
Geschäftsgebäude würde das Stadtbild aufwerten. Heute ist das erwähnte Gebäude nur noch ein Schatten seiner
selbst. Dieses Beispiel zeigt die Komponente «Zeit» im Zusammenhang mit Schönheit («Beauty») auf.
Nachfolgenden werden drei der Arbeiten von Ossevoort genauer erläutert:

Message in the Bottle (2000)
Bei «Message in the Bottle» handelt es sich um einen Anrufbeantworter, der die Sprachnachrichten nicht auf einem
Magnetband konserviert, sondern in kleinen Flaschen. Diese Fläschchen kann der Empfänger der Nachricht
herausnehmen, ins Regal stellen und anhören, wenn er Lust dazu hat. Diese Arbeit zeigt, dass ein Anrufbeantworter
nicht nur eine schwarze Box mit Knöpfen sein muss, oder gar nur Speicherplatz auf einem Server einer beliebigen
Telefon-Gesellschaft. Auch ein Anrufbeantworter kann ein schönes Objekt sein (→ Abb. 9).

Compass Coat (2002)
Ausgehend von der Geschichte eines jungen Mannes, der sich davor fürchtete, sich allein in einem dunklen Wald zu
verirren, entwickelte Ossevoort den Kompass-Mantel. Auf dem Mantel brachte er LEDs in Blumen resp.
Pflanzenformen an. Die LED’s verknüpfte er mit einer eigens entwickelten, intelligenten Steuerung, die erkennt, in
welchem Winkel zum Nordpol die Person steht. Die Steuerung schaltet nur diejenigen LEDs ein, welche in Richtung
Nordpol zeigen. Mit diesem Mantel würde der junge Mann den Weg aus dem Wald finden (→ Abb. 10).

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Archaeology of the Future (2004)
Bei diesem Projekt handelt es sich um ein Buch, das keine Worte enthält. Erst wenn man dem Buch eine Frage stellt,
leuchtet auf dem Umschlag ein Wort auf. Ossevoort produzierte also ein Buch, das nicht die Vergangenheit
konserviert, sondern die Zukunft voraus sagt. Schlussendlich bleibt hier noch zu erwähnen, dass Ossevoort nicht
lediglich das Endprodukt als solches für «schön» empfindet. Auch die Entwicklung der Schaltpläne und die
Ausarbeitung der Ideen, ausgehend von einer Geschichte, empfindet er als «schön».

Die Schönheit in den Arbeiten Ossevoorts kommt grundsätzlich dadurch zustande, dass er den Dingen erzählerische
Funktion gibt, sie in Bezug bringt zu den Menschen und ihre „Nutzung“ der Dinge.




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Abb. 9
         25
Abb. 10   26
Esther Sutter: Rohmaterial –
die Schönheit im Blut

Esther Sutter zeigt uns, wie der klassische (Spitzen-)Tanz den Rahmen des klassischen Balletts vorgibt. Als
Protagonistinnen dafür nennt Esther Sutter zwei Tänzerinnen: Marie Taglioni, deren Namen mit den Ursprüngen des
Spitzentanzes in Verbindung gebracht wird. Sie vermochte das Elfenhafte, Schwerelose und Nicht-Greifbare
einzigartig umzusetzen und Véronique Doisneau als Vertreterin der jüngsten Generation des klassischen Tanzes. Ein
eindrücklicher Filmausschnitt aus der Opéra de Paris zeigt –Véronique Doisneau als Frau, deren Persönlichkeit den
Tanz ganz ausfüllt (→ Abb. 11). So nimmt der Raum, in dem sie über persönliche Dinge spricht, ebenso viel Platz ein
wie ihre tänzerische Darbietung. Ohne Musik, schmucklos – reduziert auf ihren Körper, ihren Ausdruck und ihre
Persönlichkeit. Sogar die Musik singt sie selbst.

Innerhalb dieses Kreises des klassischen Tanzes entstand ab den 30er-Jahren eine neue Tanz-Bewegung mit dem
«Modern Dance». Genannt wird hier von Esther Sutter die Merce Cunningham Dance Company sowie die
Choreografin Martha Graham als erste «Begründerin». Sie verweist hier auch ausdrücklich auf die «Release Technik»
im Tanz. Aus dem «Modern Dance» geht der «Post Modern Dance» mit der «Judson Dance Bewegung» in den 60er-
und 70er-Jahren hervor. Pina Bausch die das Deutsche Tanztheater prägte und Xavier Le Roy, der Choreograph der
als Molekularbiologe aus der Wissenschaftswelt Einflüsse in seinen Tanz mitbrachte, werden ebenfalls erwähnt.




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Pina Bausch umschrieb die Anforderungen des modernen Tanzes treffend mit den Worten: «Mich interessiert nicht,
wie sie sich bewegen. Mich interessiert, was sie bewegt.» Sie zielt auf eine Tanztechnik, die innen wie auch aussen
auf Improvisation beruht. Aussen mittels einer «cleanen» Choreographie – also dem Verzicht auf alles
Ausschmückende, Übertriebene und Überflüssige. Von Innen durch die Umsetzung der Gefühle im Ausdruck der
Bewegung. Die Tänzer werden zu Choreographen und bestimmen die Bewegung – nicht umgekehrt.

Die «Release Technik» als «eine Verschmelzung der Inhalte mit der Ästhetik»: Die Tänzer und Tänzerinnen sind
keine vorbereiteten, sondern bereite, situative Körper, die sich an eine bewegliche, offene Choreographie halten und
deren Mitgestalter sind. Esther Sutter zeigt dies am Beispiel von Xavier Le Roy. Trotz der grossen Konzentration des
Tänzers und Eingeschränktheit der Choreographie ist keine Vorstellung gleich wie die vorhergehende. Das Gefühl des
Tänzers gestaltet den Tanz.




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Abb. 11   29
Abb. 12   30
Béatrice Jaccard: On Beauty –
Jenseits vom Ebenmass
Auf die Eingangsfrage, was Schönheit sei, antwortet Béatrice Jaccard: «Ein ‹schöner› Ballettänzer, resp. eine ‹schöne›
Ballettänzerin kann die Ballettlinie perfekt ausführen. Es braucht einen bestimmten Körperbau, beispielweise die
richtige Hüftrotation, lange Beine und dehnbare Bänder.» Schönheit kann inszeniert und zerstört werden – eine
manipulierbare Empfindung. Béatrice Jaccard zeigt dies am Beispiel dreier Filmausschnitte der Compagnie Drift (→
Seite 31):

Werk 1: «On Beauty», ein Stück von Tänzern mit und ohne Behinderung, zeigt, dass gezielt inszenierte Schönheit
eingesetzt werden kann, um einer Szene «Gewicht, Wichtigkeit, Status und Würde» zu verleihen. Der Tanz der
attraktiven Tänzerin im Rollstuhl wirkt sinnlich, gefühl- und liebevoll, wunderschön und zerbrechlich. Die
vermeintlich schwache Frau wird im Laufe des Stückes ihren Partner umbringen. Diese gegensätzlichen Elemente
(Gebrechlichkeit und Aggression, Schönheit und Behinderung) wirken dabei bestürzend.

Werk 2: «Au bleu Cochon» demonstriert, dass eine alltägliche Handlung mittels choreographischer Mittel und
Repetition so weit überhöht werden kann, dass sie in einer «absurden Ästhetik» endet.

Werk 3: «Machines à sons» zeigt, wie Kitsch produziert werden kann: durch das Herausnehmen von Spannung,
Lichtregie, Musik.

Spannung, Choreographie und Attraktivität sind hier also nur drei von unzähligen Stilmitteln, um Schönheit jenseits
von Kitsch zu inszenieren. Gibt es also objektive und klar bestimmbare Schönheit oder ist sie eine Frage des
Vorurteils, der Inszenierung bzw. der Anforderung? Béatrice Jaccard zeigt im Gespräch auf, dass es möglich ist, die
klassisch bestimmten Schönheitselemente aufzubrechen, und wie sie dadurch persönlich zu einer neuen, eigenen
«Schönheit» fand.
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Abb. 13   32
Krebs:
Marc Krebs: Pop, Püppchen und Puppen
Pop: Der Basler Musikjournalist Marc Krebs zeigt uns eine «multimediale Chaos-Präsentation» quer durch die
Popgeschichte der letzten drei Dekaden, eine Hommage an Musikvideos – von MTV bis YouTube. Den Fokus legt er
dabei auf die Popmusik, da dieser Stil seit jeher als Transportmittel von Botschaften und Emotionen dient.

Krebs zeigt mit einer Auswahl von Musikvideos den Wandel der Mode und der Musik auf. Erzeugten die Bands der
Achtziger-Jahre ein «Wir-Gefühl» (z.B. «We Are The World»), so singen Britney Spears, Christina Aguilera und Co.
Jahre später über sich und ihre Probleme, Wünsche, Gefühle (Bsp. «Oops! I did it again»). Auch interessant: Waren in
den Achtziger-Jahren hauptsächlich männliche Bands in den Charts, so sind es heute vor allem weibliche Solo-
Künstlerinnen. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass sich das Pop-Business durch die Digitalisierung
individualisiert hat – von MTV zu YouTube eben.

Püppchen: Der Glanz, die Schönheit, der Kitsch des Pops haben auch eine Schattenseite: Unzählige Beispiele zeigen,
dass Fans ihren Stars den Rücken zudrehen, sobald diese ihren Glanz verlieren – sei dies durch Drogen- oder
Tablettensucht oder den Zerfall der (jugendlichen) Schönheit. Das Gegenteil bewies Susan Boyle. Die schottische
Sängerin wurde in einer Talentshow entdeckt. Die rührende Geschichte machte sie vom «hässlichen Entlein» zum
Popstar – allerdings für nicht sehr lange.

Die Ästhetik der Popvideos ist über die Jahre so weit gegangen, dass Frauen («Püppchen») zu Accessoires degradiert
wurden. Interessant ist dabei aber auch, dass andere Künstlerinnen wie z.B. Pink oder Steffe La Cheffe genau diese
Thematik in ihren Songs aufgreifen und dadurch nicht nur erfolgreich sind, sondern auch ernst genommen werden. In
dieselbe Kerbe schlägt Stefanie Germanotta a.k.a. Lady Gaga, welche laut Krebs mit ihrem an David Bowie
angelehnten androgynen Stil eine Ausnahmeerscheinung im aktuellen Popgeschehen darstellt.


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Puppen: Zum Ende der Präsentation leitet Krebs das Thema zu den Puppen über: Als Beispiel nennt er hier die
Gruppe Kraftwerk, deren Mitglieder entweder ohne Gesichtsmimik auf der Bühne stehen oder sogar Roboter statt sich
selbst auf die Bühne stellen. Der grösste Hit von Kraftwerk hiess übrigens «Das Modell». Der Song, bei dem es um
ein Supermodel geht, bildet gleichzeitig den Schluss des Referats. Die anschliessende Fragerunde mündet schliesslich
in der Präsentation von weiteren, originellen Music-Clips.

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Zusätzliche Informationen

Quote: Pop music is about «fuck me» – Rock music is about «fuck you»!
(Chrissie Hynde, The Pretenders)

Links:
Video: OK Go – White Knuckles
http://www.youtube.com/watch?v=nHlJODYBLKs
Video: Air – Harder, Better, Faster, Stronger (Finger Style)
http://www.myspace.com/video/arienne-hj-rdis/daft-punk-finger-stylee/11834875
Video: Aha – Take On Me (Offical Video)
http://www.youtube.com/watch?v=djV11Xbc914

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Abb. 14




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Alexandra
Alexandra d’Incau: Glitzer und Kitsch –
Das Glücksrad
Die Künstlerin Alexandra D’Incau stellt das Thema «die Kluft zwischen der zauberhaften Schönheit von
Erinnerungen und profaner Realität» ins Zentrum. Sie lässt dafür in ihrem vorgestellten Werk die Show Glücksrad als
Symbol für die idealisierte Schönheit einer pseudo-perfekten Kindheit wieder aufleben. Die Installation in St.
Michaelshof in Littau (Luzern) bildete den Abschluss ihrer Ausbildung als «Master of Art in public spheres».

Im Laufe des Prozesses – angefangen bei der Idee, über die Erstellung der Elemente, der Ausstellung bis hin zur
Zerstörung des Werkes und sogar darüber hinaus – gelangt sie zur folgenden Erkenntnis: Der Versuch, das
Glamouröse der kindlichen Erinnerung in die Realität der Erwachsenen zu retten, muss zwangsläufig scheitern. Das
Werk aus dem «ewigen Material» Styropor wirkt in dieser auf Realismus reduzierten Welt verloren: «Es kann keine
Verzauberung in einem entzauberten Raum stattfinden.»

Erst die ungewollte Zerstörung des Werkes bringt am Ende doch noch unerwartete Schönheit an den Tag. Alexandra
D’Incau erkennt, dass die Kraft des Werkes in der Auseinandersetzung oder gar der Aufarbeitung des eigentlich
emotionalen Inhalts der Thematik besteht: Durch das Erwachsenwerden und den damit verbundenen Verlust
der kindlich-idealisierten Glitzerwelt beim Eintritt in die Realität. Indem ihr Werk demontiert wurde, greift der
Trümmerhaufen diesen Zusammenbruch wieder auf. «Kunst muss wahr sein, bevor sie schön ist.»




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Abb. 15
          37
Abb. 16   38
Johannes Binotto: Schönheit
und/als Exzess

In der letzten Präsentation dieser Tagung erläutert der Autor und Filmkritiker Johannes Binotto die Schönheit des
Films aus seiner Perspektive – respektive aus der Sicht von Busby Berkeley. Die Präsentation trägt denn auch den
Untertitel «Busby Berkeley und das schrecklich Schöne im Filmmusical». Um den Ausdruck und die Schönheit des
Films richtig einordnen zu können, weist uns Johannes Binotto auf das Paradox der in Bildern «eingefangenen»
Schönheit hin: Ein Bild (Foto) sei leidglich eine Momentaufnahme, in diesem sei auch immer der Tod eingeschlossen,
und zwar weil das festgehaltene Objekt ja lediglich zum Zeitpunkt der Herstellung real ist. Ein Film sei demnach ein
Zustand «zwischen Leben und Tod».

Deutlich wird diese These, als Johannes Binotto Filmausschnitte aus der Zeit des klassischen Hollywood (Dreissiger-
bis Fünfziger-Jahre) zeigt. Neu war damals, dass mit der Kamera Perspektiven festgehalten wurden, welche das
Publikum im Vergleich zu Theater oder Musical zuvor nicht sehen konnte. Als Beispiel zeigt Johannes Binotto
Ausschnitte aus «Footlight Parade» (1933), «Dames» (1934) oder «Gold Diggers of 1935» (1935) von Busby
Berkeley. Die Kamera war nun die Solistin. Die Film-Szenen uferten oft in fast schon militärisch choreografierte
Tanzszenen aus. Diese übertrieben schönen Bilder passten zur damaligen Zeit (Depression): Die Filme verzauberten
das damals «arme Volk».




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In seinem Werk «The Analysis of Beauty» von 1735 behauptete der englische Philosoph und Künstler William
Hogarth, geschwungene Formen seien besonders geeignet, um den Effekt des Schönen zu erzeugen. Die
geschwungene Linie (siehe Deckblatt des erwähnten Buches) war mithin die Schönheit in ihrer reinsten Form. Es
scheint, als ob Berkeley genau diesen Gedanken verfolgte und zugleich dessen absolute Monstrosität zeigte. In seinen
Aufnahmen aus der Vogelperspektive vermengen sich die einzelnen Leiber der Showgirls tatsächlich zu einer
Schlangenlinie. Doch machen diese Ansichten zugleich klar: im exzessiven Streben nach Idealität kippt das Schöne
unversehens in sein unheimliches Gegenteil, ins Abstossende, Beängstigende und Tödliche.

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Zusätzliche Informationen

Film: Footlight Parade (USA, 1933, Warner Brothers, Regie: Lloyd Bacon + Busby Berkeley)
http://www.youtube.com/watch?v=6I3yAeyDsVQ

Film: Dames (USA, 1934, Warner Brothers, Regie: Ray Enright + Busby Berkeley)
http://www.youtube.com/watch?v=OA52-IbB98o

Film: Gold Diggers of 1935 (USA, 1935, Warner Brothers, Regie: Busby Berkeley)
http://www.youtube.com/watch?v=1gGVryQDvv4

Buch: The Analysis of Beauty (William Hogarth, 1753)
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2010/1217/pdf/Davis_Fontes52.pdf

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Abb. 17   41
Abb. 18   42
Schlusswort

Zu schön um wahr zu sein? Eine Frage, eine These? Der Begriff «Schönheit» wurde sowohl aus dem Blickwinkel der
Wissenschaft als auch der Perspektive der bildenden und darstellenden Kunst betrachtet. Schönheit steht immer im
Vergleich oder Gegensatz. Schönheit geht mit Faszination und Bewunderung einher, kann aber auch rasch in Kitsch
umkippen, sie ist dem evolutionären Wandel unterworfen, kann als Symbol für Revolution dienen oder auch zum
Zwang werden. Schönheit ist relativ, sowohl für den individuellen Betrachter in einem einzigen Moment, aber auch
für die Gesellschaft Jahrhunderte vor oder nach diesem Moment. Schönheit ist immer evident für den, der sie
empfindet, aber abstrakt und komplex, wenn man sie beweisen und diskutieren lässt. Auffällig war auch, dass ein
Kanon darüber, was schön sei, in den einzelnen Sparten zu fehlen scheint. Das Schöne scheint sich ohne Kanon
fortzusetzen: in Musik, Tanz, Kunst und Design.

Im Verlauf der Tagung wurden kaum Antworten zur Frage der Schönheit gegeben – dafür viele neue Fragen
aufgeworfen. Das vielfältige Thema und der geschichtsträchtige Ort haben dafür gesorgt, dass alle Teilnehmenden,
durch unzählige interessante Gedanken für neue Arbeiten und Projekte inspiriert wurden.




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Teilnehmenden
Kurzbiografien der Teilnehmenden
Johannes Binotto, Dr. des., ist wissenschaftlicher Assistent am Englischen Seminar der Universiät Zürich und freier
Autor. Er schreibt regelmässig für die Neue Zürcher Zeitung und die Zeitschrift «Filmbulletin» und lehrt
kontinuierlich zu «Film & Psychoanalyse» am Zürcher Lacan-Seminar oder der Psychiatrischen Universitätsklinik
Zürich (Burghölzli). Zu den jüngsten Publikationen zählen ein Buchbeitrag zum Mafioso als Hysteriker, sowie
verschiedene Aufsätze zu den Schnittstellen von Psychoanalyse, Architekturtheorie, Literatur und Film. Johannes
Binotto hat mit einer Studie zum Freudschen Unheimlichen und dessen Räumlichkeit in Kunst, Literatur und Film
dissertiert.
Meret Ernst, Dr. phil., wurde 1966 geboren. Nach dem Studium der Kunstgeschichte, Filmwissenschaft und
Publizistik an der Universität Zürich arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Ausstellungskuratorin am
Museum für Gestaltung Zürich. 1999 bis 2002 folgte Konzeption und Umsetzung der Ausstellung «Strangers in
Paradise» für die Migros an der Expo.02 in Biel zusammen mit Christoph Stratenwerth, Projektleiter, und Michel
Schaltenbrand, Szenografie. Seit 1996 schreibt Meret Ernst über Design, visuelle Kommunikation, Kino, Kunst und
übernahm Lehraufträge am Seminar für Filmwissenschaft der Uni Zürich, an der HGK Zürich, der Schule für
Gestaltung Bern und Biel und seit 2003 an Fachhochschulen (ZHdK, FHNW, HSLU). Seit 2003 leitet sie die
Redaktion für Kultur und Design bei der Zeitschrift Hochparterre. Sie ist seit 2005 Vorstandsmitglied der Swiss
Design Association SDA, seit 2007 Stiftungsrätin Stapferhaus Lenzburg. Meret Ernst ist als Design-Expertin in
zahlreichen Jurys vertreten.
Alexandra d’Incau: geboren 1980 in Winterthur. Ich lebe und arbeite seit 12 Jahren in Zürich. Nach meinem
Fotografie-Studium an der Zadek 2006 arbeitete ich während zweier Jahre als Projektleitern in einer Multimedia-
Agentur. 2011 Abschluss des Master of Art in fine arts, Schwerpunkt art teaching, an der Hochschule Luzern. Seit
September 2011 Assistentin desselben Studienganges. In meiner künstlerischen Arbeit bewege ich mich zwischen
digitaler high end und rudimentärer do it yourself Optik. im Moment beschäftige ich mich mit der Kluft zwischen der
zauberhaften Schönheit von Erinnerungen / Vorstellungen und profaner Realität.
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Susanne Furrer, geboren und aufgewachsen in Zürich, arbeitet an der Universität Luzern im Bereich
Öffentlichkeitsarbeit. Als Studentin für Kulturmanagement MAS an der Fachhochschule Design & Kunst in Luzern
ist sie Teilnehmerin am Symposium für das Protokoll.

Béatrice Jaccard: Choreographin/Tänzerin; künstl. Ko-Leiterin der Cie Drift. Drift hat bis jetzt 34 Bühnenstücke,
Performances und Installationen herausgebracht und in 31 Ländern gezeigt. Choreographie und Opernregieaufträge an
Stadttheatern Freiburg/Heidelberg, Detmold, Luzerner Theater. Werkstattbeitrag (1990) und Ehrengabe (2002) der
Stadt Zürich sowie Schweizer Choreographiepreis (2007).

Marc Krebs (*1974) studierte einige Semester Französisch und Geschichte an der Uni Basel, ehe er 1996 in den
Musikjournalismus einstieg. Zunächst als Freelancer für Printmedien (u.a. «Tages-Anzeiger», «Du», «Die Zeit»),
dann als Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins «Music Scene» und TV-Moderator/Redaktor der
Jugendkultursendung «Kompressor». In den letzten sieben Jahren arbeitete er als Kulturredaktor bei der «Basler
Zeitung». 2009 erschien sein erstes Buch, «POP Basel – Musik und Subkultur» (Christoph Merian Verlag).

Wilfried Menninghaus (* 1952) dessen akademische Karriere einst mit einer Immatrikulation in Informatik startete,
forscht heute am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der FU Berlin.
Zahlreiche Gastprofessuren u.a. in Yale, Berkeley und Princeton haben ihm das amerikanische College-System nahe
gebracht. Darin fällen die Studenten noch keine abschließende Studienentscheidung, sondern besuchen Seminare
sowohl in den «Humanities» als auch in den «Sciences». Interdisziplinäre Forschung betreibt Menninghaus an
vorderster Front. Er ist Sprecher des Exzellenzclusters «Languages of Emotion» an der Freien Universität Berlin, wo
Wissenschaftler aus mehr als 20 Disziplinen – von der Tanzforschung bis zur kognitiven Neurowissenschaft – die
Zusammenhänge von Sprache und Emotion ergründen. Zahlreiche Publikationen, u.a. «Das Versprechen der
Schönheit» (2003), «Ekel» (2002), «Wozu Kunst» (2011), alle im Suhrkamp Verlag.




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Marie-Louise Nigg (*1966) studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Komparatistik. Bis 2001 freiberufliche
Kunstkritikerin bei verschiedenen Schweizer Tageszeitungen. Professorin für Kunst- und Kulturgeschichte an der
Hochschule Luzern Design & Kunst; Schwerpunkte kulturwissenschaftlicher Lehr- und Forschungstätigkeit: Fragen
der Aufmerksamkeit, der Fremd- und Raumwahrnehmung sowie der Interdisziplinarität und Transkulturalität.
Aktuell: Promotionsstudium bei Dr. Thomas Macho an der Humboldt Universität zu Berlin zum Thema Gehen und
Raumproduktion in Literatur und Kunst.

Stijn Ossevoort erwarb ein Master Ingenieursdiplom (MSc) an der Delft University of Technology und ein Master
Diplom Product Design (MA) am Royal College of Arts in London. Er arbeitete als Designer unter anderem in den
Agenturen Design Workshop, Ottawa (Kanada) und Indes BV, Hengelo (Niederlande) sowie bei Philips Design,
Eindhoven (Niederlande). Zusammen mit Ron Arad, London (UK) entstanden verschiedene
Ausstellungsinstallationen. Zuletzt war er als Design Innovation Manager bei Roca Sanitario SA in Barcelona tätig.
Im Sommer 2009 wechselte er an die Hochschule Luzern – Design & Kunst, wo er eine Forschungsdozentur in
Product Design am Institut Design innehat.

Esther Sutter Straub, geboren 1948 in der Schweiz, ist freie Fachjournalistin für Kultur und Tanz für Printmedien
und bei Radio DRS 2. Sie ist als Beauftragte für Kommunikation in der Suisse Romande sowie als Verfasserin der
Programmtexte langjährige Mitarbeiterin des internationalen Tanzfestival Steps des Migros-Kulturprozent. Esther
Sutter Straub war während 12 Jahren Stiftungsrätin und Expertin für Tanz und internationalen Austausch der
Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia. Als Tänzerin war sie Mitglied der der Sparte Ballett/Tanz am Theater Basel
und an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Neben ihrer journalistischen Arbeit führt Esther Sutter heute das
Studio für Tanz und Taiji in Basel (www.tanzundtaiji.ch)




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Theres Waeckerlin geboren 1965 in Basel, lebt in Zürich. 1985 machte sie in Aarau die Eidgenössische Matura.
1986 bis 1991 Studium an der damaligen Schule für Gestaltung in Zürich. Seit 1992 arbeitet sie unter dem Namen
Zobrist/Waeckerlin gemeinsam mit Agatha Zobrist als Künstlerin. Das Duo ist vor allem im Bereich der
ortspezifischen Installation tätig, daneben entstehen aber auch Plastiken, Objekte und immer wieder Performances
Kontinuierlich werden ihre Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Internationale
Symposien führten sie nach Litauen, Estland, Tschechien und Rumänien. Zobrist/Waeckerlin haben für ihr Schaffen
verschiedene Preise und Stipendien bekommen und lebten in längeren Atelieraufenthalten in Vilnius, Paris, Kairo und
Berlin. Einige ihrer Werke sind in öffentlichen und privaten Sammlungen zu finden und als Kunst am Bau permanent
zu sehen. Beide sind Gründungsmitglieder der Performance- und Künstlerinnengruppe mit. Theres Waeckerlin ist seit
2002 Dozentin für Kunst an der HSLU, Abteilung Kunst & Vermittlung und arbeitet verschiedentlich in
Kommissionen und Jurys.

Greg Zeder (*1978) arbeitet als DJ und Label Manager von Little Jig Records. Mitarbeit an einem Betriebskonzept
für das Kulturhaus Südpol Luzern (Ersatz für die BOA). Mitglied im Organisationskomitee des Luzerner Fest. Zurzeit
Ausbildung im MAS Kulturmanagement Praxis (HSLU Design & Kunst in Luzern)

Benno Zehnder, 1960 – 1964 Kunstgewerbeschule Luzern; 1964 – 1970 London Freischaffender Gestalter und
Maler¸ Didaktische Ausstellungsgestaltungen für Design Centre, Swiss Center, Royal Academy, (alle in London)¸
1970 - 1973 Leiter Post Graduate Course (MA) in Film-Animation am City of Birmingham Polytechnic¸ 1973 – 1981
in Corsham / Wilts. GB Head of Department of Visual Comunication (BAhons) an der Bath Academy of Art,
Corsham/ Wilts; 1981 – 1997 Direktor der Schule für Gestaltung/ Höheren Schule für Gestaltung Luzern; Seit 1997
Dozent an der Hochschule für Kunst und Gestaltung Luzern (bis 2006); Atelier für Farbkonzepte und Malerei.
Künstlerische Tätigkeit seit 1965: Ausstellungen u.a. Burleighfield House Oxford. City Art Gallery Bristol.GB.
Festival Gallery Bath.GB. Serpentine Gallery London. Kunstverein Olten. Kunstmuseum Olten. Gemeindegalerie
Wettingen. Gersag Zentrum Emmen.LU. Galerie Partikel.Luzern. MAZ Horw.LU. Galerie im Trudelhaus Baden.
Gallerie Mäder Basel. Galerie im Amtshimmel. Baden. Das DING. Luzern.


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Silvia Henke, Prof. Dr., (*1962), Kulturwissenschaftlerin, Leitung Abteilung Theorie und Dozentin für Kulturtheorie
an der Hochschule für Kunst und Gestaltung in Luzern. Studium der Germanistik und Romanistik in Basel und
Hamburg, Lehrbeauftragte für neuere deutsche Literaturwissenschaft Universität Basel. Promotion zu Drama und
Dramentheorie Anf. 20. Jhd., freie Publizistin. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte: Kunst und Wissenschaft, Kunst und
Religion, Kunst und Psychoanalyse, weibliche Pornographie, Genderfragen. Publikationen (zuletzt): «Das Imaginäre
ist Schwindel erregend», in: Simon Zumsteg et al. (Hrsg.), Archipele des Imaginären, Zürich/Wien/New York: Ed.
Voldemer 2008., Verlust der Unverkennbarkeit. Handschrift und Crossover in den Künsten (mit Beat Schläpfer und
Veronika Sellier), Luzern: interact 2008; Frauen und Männer auf der Kunstlaufbahn (mit Katrin Borer und Brigitte
Dätwyler), Luzern:interact 2009, «Und er sah, dass es gut war» – Zur Frage der Qualität in der Kultur der Gegenwart
(mit Beat Schläpfer und Veronika Sellier), Luzern: interact 2010, «Die Möglichkeit eines Zeichens», Annemarie
Schwarzenbachs Beitrag zur Untersuchung von Kultur in: Mirella Carbone (HRG.), Annemarie Schwarzenbach,
Werk, Wirkung, Kontext, Bielefeld: Aisthesis 2010

Beat Schläpfer Lic. phil.I (*1952), Leitung MAS Kulturmanagement Praxis an der HSLU – Design&Kunst Luzern.
Er ist Germanist und Historiker. Sein Büro «Kulturelle Konzepte» in Zürich organisiert Ausstellungen und Symposien
zu kulturpolitischen und zeitgeschichtlichen Fragen und berät Organisationen im Kulturbereich.
Ausstellungen (Auswahl) «Fluchtpunkt Zürich - Schauplätze der Selbstbehauptung und des Ueberlebens 1933 - 1945»
(1987 ff.) «Swiss, made. Die Schweiz im Austausch mit der Welt» (1998 ff.) Symposien (Auswahl ab 2000):
Scheitern als Erfolg. Ittinger Gespräche anlässlich des 25. Jahrestages des Bestehens der Stiftung Kartause Ittingen
(2002); Le saut sur le nozoN. Über die Grenzen: Chancen und Möglichkeiten kultureller Kontakte in der Schweiz
(2004); Sorgen im Verkehrsparadies - Herausforderungen an die Freizeit- und EinkaufsMobilität (2005), All the
world’s on stage –Kulturelle Vielfalt in Zeiten der Globalisierung (2007) Forum für Fragen von Kunst und
Öffentlichkeit (zusammen mit Silvia Henke und Veronika Sellier) ab 2007. Publikationen (Auswahl) Schauspiel in
der Schweiz. Theater und Publikum in fünf Jahrhunderten (1999), «Aufzeichnungen zu Canetti». In: Werner Morlang
(Hrsg.), Canetti in Zürich, Erinnerungen und Gespräche, Zürich (Nagel und Kimche), 2005, Geschenktes Leben. Prof.
Dr. Ruedi Lüthys Initiative gegen die Aids-Epidemie in Simbabwe». Werd Verlag, 2006.


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Veronika Sellier Dr. phil, (*1950), Studium der Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften in München und Paris.
Übersetzungen aus dem Französischen. Tätigkeit als Dramaturgin in Frankreich, Deutschland und der Schweiz.
Redaktionelle Mitarbeit am Hessischen Rundfunk. Seit 1996 Leiterin des L’arc, einer Institution des Migros-
Kulturprozent. Lehraufträge u.a. an der ETH Zürich, Hochschule der Künste Bern, Hochschule Luzern Design &
Kunst, Kulturmanagement. Diverse Veröffentlichungen: Zuletzt: Hrsg. Stückwerk 4, Dramatiker/Innen in der
Deutschschweiz. Theater der Zeit, Berlin 2005; «La belle voisine- Dramatiker in der Westschweiz» In: Sonderfall
Schweiz, Hrsg Walser/Engelhart. Theater der Zeit, Berlin 2006; Herausgeberin und Mitautorin (mit Silvia Henke und
Beat Schläpfer): Verlust der Unverkennbarkeit. – Handschrift und Crossover in den Künsten. ORGAN 1 -
Schriftenreihe der Hochschule Luzern Design & Kunst. Luzern 2008; Herausgeberin und Mitautorin (mit Silvia
Henke und Beat Schläpfer) von «Und er sah, dass es gut war….» Zur Frage der Qualität in der Kultur. - ORGAN 4 –
ebd. 2010.




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«Zu schön um wahr zu sein?»

  • 1. Zu schön um wahr zu sein? Scan and load. It’s an eDoc. Optimized for iPad. 1
  • 2. Romai Tagung 7. - 9. September 2011 im L'arc Romainmôtier Thema: «Zu schön um wahr zu sein?» 5. Forum für Fragen von Kunst und Öffentlichkeit Romai Eine Zusammenarbeit von L'arc Romainmôtier und Hochschule Luzern – Design & Kunst Bericht von Susanne Furrer und Greg Zeder. 2
  • 3. Einleitung Beim 5. Forum für Fragen von Kunst und Öffentlichkeit vom 7.9. – 9.9. 2011 im L’arc Romainmôtier ging es um die Bedeutung, die Implikationen und Wahrheiten des Schönen in der Kultur der Gegenwart. Das L’arc, eine Institution des Migros-Kulturprozent, ist ein Ort transdisziplinärer Reflexion, an welchem sich Kulturschaffende und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen treffen. Einmal im Jahr veranstalten die Hochschule Luzern Design und Kunst und das L‘arc in Kooperation eine Tagung. Teilnehmende sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Kunst- und Kulturschaffende aus verschiedenen Sparten. Über Schönheit könne man - wie über Geschmack - streiten. Weil sie einerseits unmittelbar und emotional wirkt, also subjektiv ist, andrerseits immer Allgemeingültigkeit anstrebt und somit auch objektive Massstäbe/Normen setzt, ist Schönheit sowohl beschreibbar wie auch unsäglich. Sie ist, so Kant, das «subjektiv Allgemeine». Was die Gegenwartskunst angeht lässt sich sagen, dass seit Baudelaire und Courbet (kurz: seit der Ästhetik des Hässlichen), sicher aber seit der Moderne und der Zäsur durch den Begriff der «entarteten Kunst», das Schöne in der Kunst einem Tabu unterlag. Wahr konnte für die Avantgarde nur das Unschöne sein. Dennoch gibt es in der zeitgenössischen Kunst in den letzten Jahrzehnten eine Rückkehr zur Schönheit der Oberfläche und ein neues Interesse an Kitsch, Mode- und Medienbildern; über den Umweg der Popkultur ist die Frage der Schönheit in Bezug auf den Menschen wie auf der Ebene der Dinge wieder da. 3
  • 4. Kommt diese neue glänzende Oberflächigkeit des Schönen nochmals in Konflikt mit Wahrheit? Gibt es das Bekenntnis zur Schönheit ohne Distanz und Ironie? Zum Beispiel in der Religion? Wo liegen die Grenze zu Kitsch, Dekor, Mode, Pathos oder auch Leere und Langeweile? Was ist die Aufgabe und Faszination des Schönen heute in der Kunst, evtl. anders als im Design? Was bedeutet Schönheit im interkulturellen Vergleich? Und interessieren sich weibliche Künstlerinnen noch immer nicht für männliche Schönheit? Wie kommen das Schöne und das Flache in der Popmusik zusammen? Hier könnte die Bedeutung der Schönheit in der Kunst auch weiterführen zur aktuellen gesellschaftlichen Dimension von Schönheit und Schönheitszwang: Kann uns Schönheit noch berühren – nach der Ausstülpung des Beauty-Star-Systems in das Leben von jedermann/-frau und der steigenden Zahl sogenannter Schönheitsoperationen? Ist Schönheit so einfach? Konzept und Organisation, 2011: Silvia Henke Beat Schläpfer Veronika Sellier Im Rahmen dieser Fragestellungen wurde von zwölf Teilnehmenden ein Referat aus ihrem Kerngebiet gehalten. Neben Persönlichkeiten der Wissenschaft waren auch darstellende und bildende Künstlerinnen und Künstler sowie ein Vertreter der Popkultur anwesend. Die sorgfältig zusammengestellte Gruppe aus Personen verschiedener Kultursparten und Altersgruppen verhalf zu einem differenzierten Einblick in die Thematik. Die Referate sind auf den folgenden Seiten chronologisch in zusammengefasster Form aufgeführt. Die einzelnen «Summaries» erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie geben lediglich die für die Verfasser dieses in protokoll-ähnlichem Stil geführten Journals wichtigen Punkte wieder. 4
  • 5. Inhalt Winfried Menninghaus: Die Schönheit des nackten Affen und die Entstehung der Künste ................................6 Benno Zehnder: Die Schöne Kunst .......................................................................................................................8 Silvia Henke: Schöne Haare und die (r)evolutionäre Kraft der Schönheit .........................................................12 Marie-Louise Nigg: Beschönigen - Die Natur der Kunst, die Kunst des Kitschigen?........................................14 Meret Ernst: Warum verlangen wir von den Dingen schön zu sein? ..................................................................19 Theres Wäckerlin: "Fleiss ist die Wurzel aller Hässlichkeit" (Oscar Wilde)......................................................20 Stijn Ossevoort: In Search For Beauty ................................................................................................................23 Esther Sutter: Rohmaterial – die Schönheit im Blut ...........................................................................................27 Béatrice Jaccard: On Beauty – Jenseits vom Ebenmass .....................................................................................31 Marc Krebs: Pop, Püppchen und Puppen ............................................................................................................33 Alexandra d’Incau: Glitzer und Kitsch – Das Glücksrad..................................................................................366 Johannes Binotto: Schönheit und/als Exzess ......................................................................................................37 Schlusswort .........................................................................................................................................................43 Kurzbiografien der Teilnehmenden ....................................................................................................................44 5
  • 6. Menninghaus: Winfried Menninghaus: Die Schönheit des nackten Affen und die Entstehung der Künste Winfried Menninghaus zeigt in seinem Vortrag auf, warum die nackte Haut des Menschen als erste Leinwand zu betrachten ist. Dabei bedient er sich der Theorie Darwins, wonach Lebewesen durch Selektion spezifische Merkmale bis ins Extreme ausbilden, um sexuell attraktiv zu sein (Ornamentierung – maximal stimulierendes Merkmal). Die beinah totale Nacktheit des Menschen entspricht dadurch einer komplett sexualisierten Oberfläche des menschlichen Körpers. Diese These untermauert Winfried Menninghaus durch ein experimentell erzieltes Resultat: Probanden empfinden Körper als sexuell attraktiver, je weniger behaart sie sind. Die weithin anerkannte Theorie, wonach die Nacktheit des Körpers einer rein hygienischen Grundlage entspringt, entkräftet Winfried Menninghaus mit dem Zitat eines weiteren Experiments. Es zeigt auf, dass Menschen behaarte Tiere grundsätzlich als sauberer empfinden als nackte. Ja sogar, dass je ähnlicher die Haarlosigkeit von Tieren der Nacktheit des Menschen ist, der Mensch sogar Ekel- oder Horrorgefühle entwickelt. Gemäss Winfried Menninghaus ist Ornamentierung grundsätzlich mit Aufwand oder gar Gefahr verbunden: Der Pfau ist beispielsweise dadurch gefährdet, dass er mit seinen übergrossen Federn nicht fliegen, respektive fliehen kann. Der Mensch wiederum erfriert im Winter ohne Fell oder verbrennt sich die Haut an der Sonne. Die Evolution hat dieses Phänomen so weit getrieben, dass der Mensch gezwungen ist, sich mit Kleidung auszustaffieren, um zu überleben. Und mit der Kleidung kommt die Kultur ins Spiel. 6
  • 7. Winfried Menninghaus unterscheidet zwischen einer «Baseline-Ornamentierung», die die Nacktheit des Menschen beschreibt und einer «sekundären Ornamentierung». Letztere umfasst die darauf folgende schützende und schmückende Ausstaffierung wie beispielsweise Körperbemalung, Kleidung, Schmuck oder Piercings. Im Gegensatz zur «Baseline-Ornamentierung» kann sie sich einer Mode unterwerfen und erhält damit eine kulturelle Bedeutung: Die Farbe der Leinwand. Beginnend mit dem Symbol eines nackten Pavianhinterns schafft es Winfried Menninghaus in eindrücklicher Weise eine Reise durch die Evolution zu führen, die am Ende mit der nackten Haut als künstlerisch-kulturelle Leinwand endet. Sukzessive enthaart er, sowohl in Bildern als auch symbolisch, den Menschen und bringt dabei den tierischen Urmenschen Schritt für Schritt in die Gegenwart, wo seine Ornamentierung in der Modewelt ihren Widerhall findet. ........................................................................................................................................................................................... Zusätzliche Informationen Link: Freie Universität Berlin http://www.fu-berlin.de/ Buch: «Das Versprechen der Schönheit» (2007) von Winfried Menninghaus ISBN-10: 3-518-29416-4 EAN: 9783518294161 Du, Ausgabe Dezember 2011: Gespräch mit Arthur Menninghaus und Meret Ernst zum Thema «Zu schön, um wahr zu sein? » ........................................................................................................................................................................................... 7
  • 8. Zehnder: Benno Zehnder: Das Schöne der Kunst Im Anschluss an die Evolutions-Theorie der Schönheit zeigt der Künstler Benno Zehnder eine autobiografische Präsentation in audio-visueller Form. Anlässlich seiner vor 50 Jahren erstellten ersten Zeichnung projiziert er eine Auswahl von mehr als 300 Bildern, welche in einem 6-Sekunden-Intervall aufeinander folgten. Parallel dazu erzählt er seine Geschichte, welche über die wichtigsten Stationen seiner persönlichen und künstlerischen Entwicklung Aufschluss gibt. Biographie: Benno Zehnder erinnert sich an die Kindheit, als ihn ein Zeitungsbild fasziniert und zugleich verändert hat («Mussolini am Strang»). Die Wirkung von Bildern und sein Interesse an Kunst führten ihn schliesslich an die Kunstgewerbeschule Luzern. Dort lernte er das Handwerk des Zeichnens. Erst ein London-Aufenthalt führte ihn zur Malerei. Beeindruckt zeigte er sich damals von der englischen Gesellschaft, welche sich radikal von der Schweizer Mentalität unterschied. Dies machte sich auch in der Kunst bemerkbar, die Benno Zehnder als viel experimenteller und bunter wahrnahm als diejenige aus der Heimat. Letztendlich führte ihn sein Lebensweg aber nicht in eine rein künstlerische Tätigkeit, sondern zu seiner Hauptaufgabe als Direktor der Schule für Kunst und Gestaltung in Luzern, wobei er der Kunst nebenberuflich immer verbunden blieb. Heute entwirft Benno Zehnder u.a. Farbkonzepte in und auf Gebäuden und malt jeden Tag ein Bild. Bilder: Die gezeigte Bildersammlung umfasste sowohl Zeichnungen, surreale Skizzen wie auch expressionistische Bilder mit zum Teil zufälligen Motiven. Die Fotografien von bemalten Fassaden und Gebäudewänden runden das Lebenswerk ab. Mehr als 300 Eindrücke in rund 30 Minuten – eine imposante Vorstellung. Es ist beeindruckend, wie Benno Zehnder mit der Schönheit der Farben das Befinden der Menschen beeinflussen kann, sei dies durch die Wirkung einer bemalten Fassade oder durch eine Komposition aus Strichen, Farben und Formen auf der Leinwand. Als Maler glaubt er an die unmittelbare und auch heilsame Wirkung der Schönheit. 8
  • 9. Abb. 1 9
  • 10. Abb. 2 10
  • 11. Abb. 3 11
  • 12. Silvia Henke: Schöne Haare und die (r)evolutionäre Kraft der Schönheit Silvia Henke setzt in einem ersten Schritt die Thematik der Schönheit mit der platonischen «Trias» in Szene: Kalogathia – das Wahre, das Gute, das Schöne. In einem zweiten Schritt führt sie aus, wie diese im Laufe der Zeit sukzessive demontiert wird. Gemäss Nietzsche wird das Schöne, das Gute und das Wahre durch die Moderne zerstört. Für Darwin dient die Schönheit nur der Erhaltung der Rasse durch «Sexual Selection». Freud vermochte nichts wirklich Substantielles über Schönheit zu sagen, ausser dass wir sie empfinden. Die Schönheit verkommt im Laufe der Zeit sogar zur Geissel der Menschheit – sie unterwirft Menschen einem permanenten Zweifel und treibt uns bis zur Schönheitschirurgie. Während in der Vergangenheit die Schönheit gefeiert wurde, muss sie heute hinterfragt werden. Trotzdem hat Schönheit eine umstürzende, eine revolutionäre Kraft. Als erstes Beispiel dafür bringt Silvia Henke die Schöpfungsgeschichte ins Spiel. Eva erliegt der Verlockung durch den Apfel - nicht der offensichtlich sexuellen Männlichkeit Adams. Sie erliegt dessen Glanz und erkennt so die dahinter verborgene Schönheit. Die Schönheit ist also eine Funktion der Erkenntnis und führt zum Leben. Silvia Henke greift sodann mit der mittelalterlichen Schönheitstheorie «Claritas» (Klarheit, Glanz) das Thema des Glanzes noch einmal auf und stellt damit einen Bezug zur Schöpfungsgeschichte her: Proportion, Symmetrie, Klarheit. Mit der evolutionären Entwicklung führt Silvia Henke die Zuhörer mit der These der «revolutionären Konsequenz» letztendlich in die Zukunft. Anhand eines Filmausschnitts von Jean-Luc Godards «The Old Place» (2000) zeigt sie, wie der Wunsch nach Sauberkeit (bzw. Glanz) schliesslich zur inneren und äusseren Befreiung führt: Der simple Akt, sich die Haare zu waschen (ein Symbol der Selbstliebe), führt in Godards «One dollar more» deshalb im 12
  • 13. Wunsch nach Schönheit zur Revolution. Die Sauberkeit steht hier für die Absenz des Chaos. Sauberkeit als Zeichen für eine positive und zukunftsgerichtete Lebenseinstellung. Silvia Henke sieht hierin die Entwicklung von der Evolution zur Revolution. 13
  • 14. Marie- Marie-Louise Nigg: Beschönigen - Die Natur der Kunst, die Nigg: Kunst des Kitschigen? Marie-Louise Nigg widmet sich in ihrem Vortrag der Reibung zwischen den Definitionen «kitschig» und «schön». Sie setzt dabei das natürliche Phänomen des Sonnuntergangs als Motiv in Szene, indem sie dieses in zwei Werken aufgreift. Ein vorgängiger Exkurs in die Vergangenheit zeigt auf, dass sich das Bild des Schönen im Laufe der Zeit stark geändert hat. So stellte man sich im 18. Jahrhundert die Antike ohne Farben vor, womit farbige Kunst bis in die Postmoderne hinein grundsätzlich in Kitschverdacht geraten kann. Hier führt Marie-Louise Nigg an, dass Kitsch nicht unbedingt gleich zur Antikunst geraten muss, sondern dass wir uns heute in einer Welt von schöner oder kitschiger resp. kitschig-schöner Kunst bewegen. Kunst darf heute wieder schön sein, die klassische Abgrenzung zur Moderne wird dadurch aufgebrochen. Dies zeigt sie an der Videoeinspielung «Art must be beautiful» von Marina Abramović (→ Abb. 4). Eine kritische Auseinandersetzung zum Thema «Schönheit» in der Kunst. Der heute schmale Grat zwischen den sich reibenden Polen von Schönheit, Kitsch und Kunst birgt die Gefahr, dass das einzelne Kunstwerk missverstanden wird und das abwertende Prädikat «Kitsch» erhält. Anhand zweier Kunstwerke zeigt Marie-Louise Nigg diese Abgrenzungsthematik auf: Das Fräulein stand am Meere Und seufzte lang und bang, Es rührte sie so sehre Der Sonnenuntergang. 14
  • 15. Heinrich Heine (1797 – 1856) könnte diese Szenerie als mystisches Gefühlserlebnis stehen lassen. Stattdessen bricht er die Stimmung indem er sich über sentimental-romantische Naturergriffenheit lustig macht: Mein Fräulein! Sein Sie munter, Das ist ein altes Stück; Hier vorne geht sie unter Und kehrt von hinten zurück. Dieser Hinweis auf die Reproduzierbarkeit des Vorgangs (Sonnenuntergang) entzaubert die Szene. Das manipulative Element des Schönen wird enttarnt. Kitsch ist demnach effektgerichtet, manipulativ und verschleiert. Olafur Eliassons Werk «The Weather Project» (→ Abb. 5 und 6) integriert den Mechanismus hinter seiner Sonne bewusst in das Werk und macht den Autor sowie die Reproduzierbarkeit der Szenerie offensichtlich. Die Sonne ist zweigeteilt und gespiegelt, erzeugt keine Hitze, erscheint in einem offensichtlich künstlichen Raum und geht weder auf noch unter. Die kitschigen Elemente sind auch hier vorzufinden. So verführt die Installation zur Distanzlosigkeit des Publikums, wird durch ihre Popularität schon beinah zum Massenkult – sie wird vermarket. Beide Werke bedienen sich also sowohl der kitschigen Elemente, die stark auf einen Effekt abzielen, als auch einer entzaubernden Perspektive. Beide entkommen dem Kitsch-Status durch die gleichzeitige Aufdeckung der dahinter stehenden Mechanik. Echter Kitsch kann diese Metaebene nicht aufweisen. Die dem Vortrag nachfolgende Diskussion wirft die Frage auf, ob der Effekt wirklich als zentrales Element des Kitsches gesehen werden kann. Künstlerische Werke zielen seit jeher auf Effekt bzw. Emotion ab. So lockt man beispielsweise Publikum in die Oper, indem man seine Erwartung an Spannung und Gefühle erfüllt. 15
  • 16. Abb. 4 16
  • 17. Olafur Eliassons «The Weather Project» Tate, London (2003) Ansicht der Sonne aus der Halle. Abb. 5 17
  • 18. Olafur Eliassons «The Weather Project» Tate, London (2003) Ansicht der Sonne von oben. Abb. 6 18
  • 19. Meret Ernst: Zur Funktion des Schönen im Design Ernst: Einführende Information zur Präsentation: Design: Bedeutet meistens Entwurf oder Formgebung. Es ist ein Lehnwort aus dem Englischen, das wiederum aus dem lateinischen designare = (be)zeichnen abgeleitet ist und in viele Sprachen Eingang gefunden hat. Kunst: Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Meret Ernst spricht davon, dass wir täglich von Dingen umgeben sind, deren Schönheit wir entweder übersehen oder einfach nicht beachten. Denn grundsätzlich soll ein Gegenstand eine Funktion haben. Erst mit der Industrialisierung («Rationalisierung») und der damit einhergehenden maschinellen Produktion von Dingen oder Gegenständen wurde dem ästhetischen Aspekt mehr Gewicht beigemessen. Sowohl die Form als auch die Funktion wurden fortan bewusst gewählt. Es entstand ein Designerobjekt. Seither herrscht ein reger Disput zwischen den Schwesterndisziplinen Kunst und Design: Ist Design ein rein marketingtechnisches Hilfsmittel, das den Umsatz beim Verkauf von Objekten fördern soll? Muss überhaupt davon ausgegangen werden, dass man das Schöne an Dingen voraussetzt? Was passiert, wenn (Produkte-)Designer die Ästhetik in den Vordergrund stellen und die Funktion vernachlässigen? Entsteht dann Kunst? Ganz und gar nicht: Meret Ernst führt aus, dass diese Design-Richtung uns zu Critical Design führt. In dieser Sparte ist bei der Gestaltung eines Gegenstandes der Designer der Autor. 19
  • 20. Wäckerlin: ist Theres Wäckerlin: «Fleiss ist die Wurzel aller Hässlichkeit» (Oscar Wilde) Theres Wäckerlin interpretiert anhand ihrer Werke unter den Stichworten «Raum», «Material», «Sprache», «Einfachheit» und «Reduziertheit», «Tabu» und «Fleiss» die Aussage von Oscar Wilde. Alltägliche und schmucklose Räume werden durch Ergänzung profaner Alltagselemente zu lichten, ästhetischen und irisierenden Räumen. Aus Mehl gestaltete grosse, kubische Elemente laden zum Ausruhen ein (→ Seite 21). Das Werk ist hier eine kunstvoll gestaltete Oberfläche, die in der Tiefe nicht hält, was sie äusserlich darstellt. Theres Wäckerlin zeigt auf, dass die Oberfläche den Eingang zu den tiefer liegenden Schichten darstellt. Die Oberfläche birgt das Risiko, missverstanden zu werden. Die Definition von «Schönheit in der Kunst» stellen Theres Wäckerlin und Agatha Zobrist als Künstlerinnen-Team auf eine persönliche Stufe und erhalten so eine erweiterte Begrifflichkeit: Für sie ist «schön» was «harmonisch», «ausgewogen», «spannungsvoll», «rauh» oder sogar «hässlich» ist. Das «Schöne» zeigt hier das «Gelungene». Schönheit liegt also im Sinne des Betrachters bzw. des Sprechenden. Schönheit ist dem Trend und der Mode unterworfen, was die stetige Anpassung des Begriffes bedingt. «Fleiss ist die Wurzel aller Hässlichkeit», sagte einst Oscar Wilde. Theres Wäckerlin greift diese Aussage auf, wobei sie hier gleichzeitig widerlegt und bestätigt. Zeugen ihre Werke doch oft von grossem Fleiss, sind trotzdem schön und nicht ganz frei von Spannung, von rauen und sogar hässlichen Elementen. ...................................................................................................................................................................................... Zusätzliche Informationen Link: http://www.zobristwaeckerlin.ch 20
  • 21. Abb. 7 21
  • 22. Abb. 8 22
  • 23. Stijn Ossevoort: In Search For Beauty Der holländische Designer Stijn Ossevoort stellt anlässlich der Tagung eine Auswahl seiner Projekte aus den letzten 10 Jahren vor. Seiner Meinung nach entsteht Schönheit aus der Wechselwirkung eines Objektes im Spannungsfeld von Zeit, Gegensätzen (Kontrast) und der daraus resultierenden Erkenntnis. Als Beispiel dafür zeigt er uns einige Bilder aus seiner Heimatstadt: Die Stadt Eindhoven hat in den Fünfzigerjahren zur Errichtung eines Bürokomplexes kurzerhand eine Kirche abgerissen. Im Nachhinein betrachtet scheint es fast unfassbar, dass ein Gotteshaus aus ästhetischen Gründen einer Arbeitsstätte weichen musste, in der damaligen Auffassung, eine modernes Geschäftsgebäude würde das Stadtbild aufwerten. Heute ist das erwähnte Gebäude nur noch ein Schatten seiner selbst. Dieses Beispiel zeigt die Komponente «Zeit» im Zusammenhang mit Schönheit («Beauty») auf. Nachfolgenden werden drei der Arbeiten von Ossevoort genauer erläutert: Message in the Bottle (2000) Bei «Message in the Bottle» handelt es sich um einen Anrufbeantworter, der die Sprachnachrichten nicht auf einem Magnetband konserviert, sondern in kleinen Flaschen. Diese Fläschchen kann der Empfänger der Nachricht herausnehmen, ins Regal stellen und anhören, wenn er Lust dazu hat. Diese Arbeit zeigt, dass ein Anrufbeantworter nicht nur eine schwarze Box mit Knöpfen sein muss, oder gar nur Speicherplatz auf einem Server einer beliebigen Telefon-Gesellschaft. Auch ein Anrufbeantworter kann ein schönes Objekt sein (→ Abb. 9). Compass Coat (2002) Ausgehend von der Geschichte eines jungen Mannes, der sich davor fürchtete, sich allein in einem dunklen Wald zu verirren, entwickelte Ossevoort den Kompass-Mantel. Auf dem Mantel brachte er LEDs in Blumen resp. Pflanzenformen an. Die LED’s verknüpfte er mit einer eigens entwickelten, intelligenten Steuerung, die erkennt, in welchem Winkel zum Nordpol die Person steht. Die Steuerung schaltet nur diejenigen LEDs ein, welche in Richtung Nordpol zeigen. Mit diesem Mantel würde der junge Mann den Weg aus dem Wald finden (→ Abb. 10). 23
  • 24. Archaeology of the Future (2004) Bei diesem Projekt handelt es sich um ein Buch, das keine Worte enthält. Erst wenn man dem Buch eine Frage stellt, leuchtet auf dem Umschlag ein Wort auf. Ossevoort produzierte also ein Buch, das nicht die Vergangenheit konserviert, sondern die Zukunft voraus sagt. Schlussendlich bleibt hier noch zu erwähnen, dass Ossevoort nicht lediglich das Endprodukt als solches für «schön» empfindet. Auch die Entwicklung der Schaltpläne und die Ausarbeitung der Ideen, ausgehend von einer Geschichte, empfindet er als «schön». Die Schönheit in den Arbeiten Ossevoorts kommt grundsätzlich dadurch zustande, dass er den Dingen erzählerische Funktion gibt, sie in Bezug bringt zu den Menschen und ihre „Nutzung“ der Dinge. 24
  • 25. Abb. 9 25
  • 26. Abb. 10 26
  • 27. Esther Sutter: Rohmaterial – die Schönheit im Blut Esther Sutter zeigt uns, wie der klassische (Spitzen-)Tanz den Rahmen des klassischen Balletts vorgibt. Als Protagonistinnen dafür nennt Esther Sutter zwei Tänzerinnen: Marie Taglioni, deren Namen mit den Ursprüngen des Spitzentanzes in Verbindung gebracht wird. Sie vermochte das Elfenhafte, Schwerelose und Nicht-Greifbare einzigartig umzusetzen und Véronique Doisneau als Vertreterin der jüngsten Generation des klassischen Tanzes. Ein eindrücklicher Filmausschnitt aus der Opéra de Paris zeigt –Véronique Doisneau als Frau, deren Persönlichkeit den Tanz ganz ausfüllt (→ Abb. 11). So nimmt der Raum, in dem sie über persönliche Dinge spricht, ebenso viel Platz ein wie ihre tänzerische Darbietung. Ohne Musik, schmucklos – reduziert auf ihren Körper, ihren Ausdruck und ihre Persönlichkeit. Sogar die Musik singt sie selbst. Innerhalb dieses Kreises des klassischen Tanzes entstand ab den 30er-Jahren eine neue Tanz-Bewegung mit dem «Modern Dance». Genannt wird hier von Esther Sutter die Merce Cunningham Dance Company sowie die Choreografin Martha Graham als erste «Begründerin». Sie verweist hier auch ausdrücklich auf die «Release Technik» im Tanz. Aus dem «Modern Dance» geht der «Post Modern Dance» mit der «Judson Dance Bewegung» in den 60er- und 70er-Jahren hervor. Pina Bausch die das Deutsche Tanztheater prägte und Xavier Le Roy, der Choreograph der als Molekularbiologe aus der Wissenschaftswelt Einflüsse in seinen Tanz mitbrachte, werden ebenfalls erwähnt. 27
  • 28. Pina Bausch umschrieb die Anforderungen des modernen Tanzes treffend mit den Worten: «Mich interessiert nicht, wie sie sich bewegen. Mich interessiert, was sie bewegt.» Sie zielt auf eine Tanztechnik, die innen wie auch aussen auf Improvisation beruht. Aussen mittels einer «cleanen» Choreographie – also dem Verzicht auf alles Ausschmückende, Übertriebene und Überflüssige. Von Innen durch die Umsetzung der Gefühle im Ausdruck der Bewegung. Die Tänzer werden zu Choreographen und bestimmen die Bewegung – nicht umgekehrt. Die «Release Technik» als «eine Verschmelzung der Inhalte mit der Ästhetik»: Die Tänzer und Tänzerinnen sind keine vorbereiteten, sondern bereite, situative Körper, die sich an eine bewegliche, offene Choreographie halten und deren Mitgestalter sind. Esther Sutter zeigt dies am Beispiel von Xavier Le Roy. Trotz der grossen Konzentration des Tänzers und Eingeschränktheit der Choreographie ist keine Vorstellung gleich wie die vorhergehende. Das Gefühl des Tänzers gestaltet den Tanz. 28
  • 29. Abb. 11 29
  • 30. Abb. 12 30
  • 31. Béatrice Jaccard: On Beauty – Jenseits vom Ebenmass Auf die Eingangsfrage, was Schönheit sei, antwortet Béatrice Jaccard: «Ein ‹schöner› Ballettänzer, resp. eine ‹schöne› Ballettänzerin kann die Ballettlinie perfekt ausführen. Es braucht einen bestimmten Körperbau, beispielweise die richtige Hüftrotation, lange Beine und dehnbare Bänder.» Schönheit kann inszeniert und zerstört werden – eine manipulierbare Empfindung. Béatrice Jaccard zeigt dies am Beispiel dreier Filmausschnitte der Compagnie Drift (→ Seite 31): Werk 1: «On Beauty», ein Stück von Tänzern mit und ohne Behinderung, zeigt, dass gezielt inszenierte Schönheit eingesetzt werden kann, um einer Szene «Gewicht, Wichtigkeit, Status und Würde» zu verleihen. Der Tanz der attraktiven Tänzerin im Rollstuhl wirkt sinnlich, gefühl- und liebevoll, wunderschön und zerbrechlich. Die vermeintlich schwache Frau wird im Laufe des Stückes ihren Partner umbringen. Diese gegensätzlichen Elemente (Gebrechlichkeit und Aggression, Schönheit und Behinderung) wirken dabei bestürzend. Werk 2: «Au bleu Cochon» demonstriert, dass eine alltägliche Handlung mittels choreographischer Mittel und Repetition so weit überhöht werden kann, dass sie in einer «absurden Ästhetik» endet. Werk 3: «Machines à sons» zeigt, wie Kitsch produziert werden kann: durch das Herausnehmen von Spannung, Lichtregie, Musik. Spannung, Choreographie und Attraktivität sind hier also nur drei von unzähligen Stilmitteln, um Schönheit jenseits von Kitsch zu inszenieren. Gibt es also objektive und klar bestimmbare Schönheit oder ist sie eine Frage des Vorurteils, der Inszenierung bzw. der Anforderung? Béatrice Jaccard zeigt im Gespräch auf, dass es möglich ist, die klassisch bestimmten Schönheitselemente aufzubrechen, und wie sie dadurch persönlich zu einer neuen, eigenen «Schönheit» fand. 31
  • 32. Abb. 13 32
  • 33. Krebs: Marc Krebs: Pop, Püppchen und Puppen Pop: Der Basler Musikjournalist Marc Krebs zeigt uns eine «multimediale Chaos-Präsentation» quer durch die Popgeschichte der letzten drei Dekaden, eine Hommage an Musikvideos – von MTV bis YouTube. Den Fokus legt er dabei auf die Popmusik, da dieser Stil seit jeher als Transportmittel von Botschaften und Emotionen dient. Krebs zeigt mit einer Auswahl von Musikvideos den Wandel der Mode und der Musik auf. Erzeugten die Bands der Achtziger-Jahre ein «Wir-Gefühl» (z.B. «We Are The World»), so singen Britney Spears, Christina Aguilera und Co. Jahre später über sich und ihre Probleme, Wünsche, Gefühle (Bsp. «Oops! I did it again»). Auch interessant: Waren in den Achtziger-Jahren hauptsächlich männliche Bands in den Charts, so sind es heute vor allem weibliche Solo- Künstlerinnen. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass sich das Pop-Business durch die Digitalisierung individualisiert hat – von MTV zu YouTube eben. Püppchen: Der Glanz, die Schönheit, der Kitsch des Pops haben auch eine Schattenseite: Unzählige Beispiele zeigen, dass Fans ihren Stars den Rücken zudrehen, sobald diese ihren Glanz verlieren – sei dies durch Drogen- oder Tablettensucht oder den Zerfall der (jugendlichen) Schönheit. Das Gegenteil bewies Susan Boyle. Die schottische Sängerin wurde in einer Talentshow entdeckt. Die rührende Geschichte machte sie vom «hässlichen Entlein» zum Popstar – allerdings für nicht sehr lange. Die Ästhetik der Popvideos ist über die Jahre so weit gegangen, dass Frauen («Püppchen») zu Accessoires degradiert wurden. Interessant ist dabei aber auch, dass andere Künstlerinnen wie z.B. Pink oder Steffe La Cheffe genau diese Thematik in ihren Songs aufgreifen und dadurch nicht nur erfolgreich sind, sondern auch ernst genommen werden. In dieselbe Kerbe schlägt Stefanie Germanotta a.k.a. Lady Gaga, welche laut Krebs mit ihrem an David Bowie angelehnten androgynen Stil eine Ausnahmeerscheinung im aktuellen Popgeschehen darstellt. 33
  • 34. Puppen: Zum Ende der Präsentation leitet Krebs das Thema zu den Puppen über: Als Beispiel nennt er hier die Gruppe Kraftwerk, deren Mitglieder entweder ohne Gesichtsmimik auf der Bühne stehen oder sogar Roboter statt sich selbst auf die Bühne stellen. Der grösste Hit von Kraftwerk hiess übrigens «Das Modell». Der Song, bei dem es um ein Supermodel geht, bildet gleichzeitig den Schluss des Referats. Die anschliessende Fragerunde mündet schliesslich in der Präsentation von weiteren, originellen Music-Clips. ...................................................................................................................................................................................... Zusätzliche Informationen Quote: Pop music is about «fuck me» – Rock music is about «fuck you»! (Chrissie Hynde, The Pretenders) Links: Video: OK Go – White Knuckles http://www.youtube.com/watch?v=nHlJODYBLKs Video: Air – Harder, Better, Faster, Stronger (Finger Style) http://www.myspace.com/video/arienne-hj-rdis/daft-punk-finger-stylee/11834875 Video: Aha – Take On Me (Offical Video) http://www.youtube.com/watch?v=djV11Xbc914 ...................................................................................................................................................................................... 34
  • 35. Abb. 14 35
  • 36. Alexandra Alexandra d’Incau: Glitzer und Kitsch – Das Glücksrad Die Künstlerin Alexandra D’Incau stellt das Thema «die Kluft zwischen der zauberhaften Schönheit von Erinnerungen und profaner Realität» ins Zentrum. Sie lässt dafür in ihrem vorgestellten Werk die Show Glücksrad als Symbol für die idealisierte Schönheit einer pseudo-perfekten Kindheit wieder aufleben. Die Installation in St. Michaelshof in Littau (Luzern) bildete den Abschluss ihrer Ausbildung als «Master of Art in public spheres». Im Laufe des Prozesses – angefangen bei der Idee, über die Erstellung der Elemente, der Ausstellung bis hin zur Zerstörung des Werkes und sogar darüber hinaus – gelangt sie zur folgenden Erkenntnis: Der Versuch, das Glamouröse der kindlichen Erinnerung in die Realität der Erwachsenen zu retten, muss zwangsläufig scheitern. Das Werk aus dem «ewigen Material» Styropor wirkt in dieser auf Realismus reduzierten Welt verloren: «Es kann keine Verzauberung in einem entzauberten Raum stattfinden.» Erst die ungewollte Zerstörung des Werkes bringt am Ende doch noch unerwartete Schönheit an den Tag. Alexandra D’Incau erkennt, dass die Kraft des Werkes in der Auseinandersetzung oder gar der Aufarbeitung des eigentlich emotionalen Inhalts der Thematik besteht: Durch das Erwachsenwerden und den damit verbundenen Verlust der kindlich-idealisierten Glitzerwelt beim Eintritt in die Realität. Indem ihr Werk demontiert wurde, greift der Trümmerhaufen diesen Zusammenbruch wieder auf. «Kunst muss wahr sein, bevor sie schön ist.» 36
  • 37. Abb. 15 37
  • 38. Abb. 16 38
  • 39. Johannes Binotto: Schönheit und/als Exzess In der letzten Präsentation dieser Tagung erläutert der Autor und Filmkritiker Johannes Binotto die Schönheit des Films aus seiner Perspektive – respektive aus der Sicht von Busby Berkeley. Die Präsentation trägt denn auch den Untertitel «Busby Berkeley und das schrecklich Schöne im Filmmusical». Um den Ausdruck und die Schönheit des Films richtig einordnen zu können, weist uns Johannes Binotto auf das Paradox der in Bildern «eingefangenen» Schönheit hin: Ein Bild (Foto) sei leidglich eine Momentaufnahme, in diesem sei auch immer der Tod eingeschlossen, und zwar weil das festgehaltene Objekt ja lediglich zum Zeitpunkt der Herstellung real ist. Ein Film sei demnach ein Zustand «zwischen Leben und Tod». Deutlich wird diese These, als Johannes Binotto Filmausschnitte aus der Zeit des klassischen Hollywood (Dreissiger- bis Fünfziger-Jahre) zeigt. Neu war damals, dass mit der Kamera Perspektiven festgehalten wurden, welche das Publikum im Vergleich zu Theater oder Musical zuvor nicht sehen konnte. Als Beispiel zeigt Johannes Binotto Ausschnitte aus «Footlight Parade» (1933), «Dames» (1934) oder «Gold Diggers of 1935» (1935) von Busby Berkeley. Die Kamera war nun die Solistin. Die Film-Szenen uferten oft in fast schon militärisch choreografierte Tanzszenen aus. Diese übertrieben schönen Bilder passten zur damaligen Zeit (Depression): Die Filme verzauberten das damals «arme Volk». 39
  • 40. In seinem Werk «The Analysis of Beauty» von 1735 behauptete der englische Philosoph und Künstler William Hogarth, geschwungene Formen seien besonders geeignet, um den Effekt des Schönen zu erzeugen. Die geschwungene Linie (siehe Deckblatt des erwähnten Buches) war mithin die Schönheit in ihrer reinsten Form. Es scheint, als ob Berkeley genau diesen Gedanken verfolgte und zugleich dessen absolute Monstrosität zeigte. In seinen Aufnahmen aus der Vogelperspektive vermengen sich die einzelnen Leiber der Showgirls tatsächlich zu einer Schlangenlinie. Doch machen diese Ansichten zugleich klar: im exzessiven Streben nach Idealität kippt das Schöne unversehens in sein unheimliches Gegenteil, ins Abstossende, Beängstigende und Tödliche. ........................................................................................................................................................................................... Zusätzliche Informationen Film: Footlight Parade (USA, 1933, Warner Brothers, Regie: Lloyd Bacon + Busby Berkeley) http://www.youtube.com/watch?v=6I3yAeyDsVQ Film: Dames (USA, 1934, Warner Brothers, Regie: Ray Enright + Busby Berkeley) http://www.youtube.com/watch?v=OA52-IbB98o Film: Gold Diggers of 1935 (USA, 1935, Warner Brothers, Regie: Busby Berkeley) http://www.youtube.com/watch?v=1gGVryQDvv4 Buch: The Analysis of Beauty (William Hogarth, 1753) http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2010/1217/pdf/Davis_Fontes52.pdf ........................................................................................................................................................................................... 40
  • 41. Abb. 17 41
  • 42. Abb. 18 42
  • 43. Schlusswort Zu schön um wahr zu sein? Eine Frage, eine These? Der Begriff «Schönheit» wurde sowohl aus dem Blickwinkel der Wissenschaft als auch der Perspektive der bildenden und darstellenden Kunst betrachtet. Schönheit steht immer im Vergleich oder Gegensatz. Schönheit geht mit Faszination und Bewunderung einher, kann aber auch rasch in Kitsch umkippen, sie ist dem evolutionären Wandel unterworfen, kann als Symbol für Revolution dienen oder auch zum Zwang werden. Schönheit ist relativ, sowohl für den individuellen Betrachter in einem einzigen Moment, aber auch für die Gesellschaft Jahrhunderte vor oder nach diesem Moment. Schönheit ist immer evident für den, der sie empfindet, aber abstrakt und komplex, wenn man sie beweisen und diskutieren lässt. Auffällig war auch, dass ein Kanon darüber, was schön sei, in den einzelnen Sparten zu fehlen scheint. Das Schöne scheint sich ohne Kanon fortzusetzen: in Musik, Tanz, Kunst und Design. Im Verlauf der Tagung wurden kaum Antworten zur Frage der Schönheit gegeben – dafür viele neue Fragen aufgeworfen. Das vielfältige Thema und der geschichtsträchtige Ort haben dafür gesorgt, dass alle Teilnehmenden, durch unzählige interessante Gedanken für neue Arbeiten und Projekte inspiriert wurden. 43
  • 44. Teilnehmenden Kurzbiografien der Teilnehmenden Johannes Binotto, Dr. des., ist wissenschaftlicher Assistent am Englischen Seminar der Universiät Zürich und freier Autor. Er schreibt regelmässig für die Neue Zürcher Zeitung und die Zeitschrift «Filmbulletin» und lehrt kontinuierlich zu «Film & Psychoanalyse» am Zürcher Lacan-Seminar oder der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (Burghölzli). Zu den jüngsten Publikationen zählen ein Buchbeitrag zum Mafioso als Hysteriker, sowie verschiedene Aufsätze zu den Schnittstellen von Psychoanalyse, Architekturtheorie, Literatur und Film. Johannes Binotto hat mit einer Studie zum Freudschen Unheimlichen und dessen Räumlichkeit in Kunst, Literatur und Film dissertiert. Meret Ernst, Dr. phil., wurde 1966 geboren. Nach dem Studium der Kunstgeschichte, Filmwissenschaft und Publizistik an der Universität Zürich arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Ausstellungskuratorin am Museum für Gestaltung Zürich. 1999 bis 2002 folgte Konzeption und Umsetzung der Ausstellung «Strangers in Paradise» für die Migros an der Expo.02 in Biel zusammen mit Christoph Stratenwerth, Projektleiter, und Michel Schaltenbrand, Szenografie. Seit 1996 schreibt Meret Ernst über Design, visuelle Kommunikation, Kino, Kunst und übernahm Lehraufträge am Seminar für Filmwissenschaft der Uni Zürich, an der HGK Zürich, der Schule für Gestaltung Bern und Biel und seit 2003 an Fachhochschulen (ZHdK, FHNW, HSLU). Seit 2003 leitet sie die Redaktion für Kultur und Design bei der Zeitschrift Hochparterre. Sie ist seit 2005 Vorstandsmitglied der Swiss Design Association SDA, seit 2007 Stiftungsrätin Stapferhaus Lenzburg. Meret Ernst ist als Design-Expertin in zahlreichen Jurys vertreten. Alexandra d’Incau: geboren 1980 in Winterthur. Ich lebe und arbeite seit 12 Jahren in Zürich. Nach meinem Fotografie-Studium an der Zadek 2006 arbeitete ich während zweier Jahre als Projektleitern in einer Multimedia- Agentur. 2011 Abschluss des Master of Art in fine arts, Schwerpunkt art teaching, an der Hochschule Luzern. Seit September 2011 Assistentin desselben Studienganges. In meiner künstlerischen Arbeit bewege ich mich zwischen digitaler high end und rudimentärer do it yourself Optik. im Moment beschäftige ich mich mit der Kluft zwischen der zauberhaften Schönheit von Erinnerungen / Vorstellungen und profaner Realität. 44
  • 45. Susanne Furrer, geboren und aufgewachsen in Zürich, arbeitet an der Universität Luzern im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Als Studentin für Kulturmanagement MAS an der Fachhochschule Design & Kunst in Luzern ist sie Teilnehmerin am Symposium für das Protokoll. Béatrice Jaccard: Choreographin/Tänzerin; künstl. Ko-Leiterin der Cie Drift. Drift hat bis jetzt 34 Bühnenstücke, Performances und Installationen herausgebracht und in 31 Ländern gezeigt. Choreographie und Opernregieaufträge an Stadttheatern Freiburg/Heidelberg, Detmold, Luzerner Theater. Werkstattbeitrag (1990) und Ehrengabe (2002) der Stadt Zürich sowie Schweizer Choreographiepreis (2007). Marc Krebs (*1974) studierte einige Semester Französisch und Geschichte an der Uni Basel, ehe er 1996 in den Musikjournalismus einstieg. Zunächst als Freelancer für Printmedien (u.a. «Tages-Anzeiger», «Du», «Die Zeit»), dann als Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins «Music Scene» und TV-Moderator/Redaktor der Jugendkultursendung «Kompressor». In den letzten sieben Jahren arbeitete er als Kulturredaktor bei der «Basler Zeitung». 2009 erschien sein erstes Buch, «POP Basel – Musik und Subkultur» (Christoph Merian Verlag). Wilfried Menninghaus (* 1952) dessen akademische Karriere einst mit einer Immatrikulation in Informatik startete, forscht heute am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der FU Berlin. Zahlreiche Gastprofessuren u.a. in Yale, Berkeley und Princeton haben ihm das amerikanische College-System nahe gebracht. Darin fällen die Studenten noch keine abschließende Studienentscheidung, sondern besuchen Seminare sowohl in den «Humanities» als auch in den «Sciences». Interdisziplinäre Forschung betreibt Menninghaus an vorderster Front. Er ist Sprecher des Exzellenzclusters «Languages of Emotion» an der Freien Universität Berlin, wo Wissenschaftler aus mehr als 20 Disziplinen – von der Tanzforschung bis zur kognitiven Neurowissenschaft – die Zusammenhänge von Sprache und Emotion ergründen. Zahlreiche Publikationen, u.a. «Das Versprechen der Schönheit» (2003), «Ekel» (2002), «Wozu Kunst» (2011), alle im Suhrkamp Verlag. 45
  • 46. Marie-Louise Nigg (*1966) studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Komparatistik. Bis 2001 freiberufliche Kunstkritikerin bei verschiedenen Schweizer Tageszeitungen. Professorin für Kunst- und Kulturgeschichte an der Hochschule Luzern Design & Kunst; Schwerpunkte kulturwissenschaftlicher Lehr- und Forschungstätigkeit: Fragen der Aufmerksamkeit, der Fremd- und Raumwahrnehmung sowie der Interdisziplinarität und Transkulturalität. Aktuell: Promotionsstudium bei Dr. Thomas Macho an der Humboldt Universität zu Berlin zum Thema Gehen und Raumproduktion in Literatur und Kunst. Stijn Ossevoort erwarb ein Master Ingenieursdiplom (MSc) an der Delft University of Technology und ein Master Diplom Product Design (MA) am Royal College of Arts in London. Er arbeitete als Designer unter anderem in den Agenturen Design Workshop, Ottawa (Kanada) und Indes BV, Hengelo (Niederlande) sowie bei Philips Design, Eindhoven (Niederlande). Zusammen mit Ron Arad, London (UK) entstanden verschiedene Ausstellungsinstallationen. Zuletzt war er als Design Innovation Manager bei Roca Sanitario SA in Barcelona tätig. Im Sommer 2009 wechselte er an die Hochschule Luzern – Design & Kunst, wo er eine Forschungsdozentur in Product Design am Institut Design innehat. Esther Sutter Straub, geboren 1948 in der Schweiz, ist freie Fachjournalistin für Kultur und Tanz für Printmedien und bei Radio DRS 2. Sie ist als Beauftragte für Kommunikation in der Suisse Romande sowie als Verfasserin der Programmtexte langjährige Mitarbeiterin des internationalen Tanzfestival Steps des Migros-Kulturprozent. Esther Sutter Straub war während 12 Jahren Stiftungsrätin und Expertin für Tanz und internationalen Austausch der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia. Als Tänzerin war sie Mitglied der der Sparte Ballett/Tanz am Theater Basel und an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Neben ihrer journalistischen Arbeit führt Esther Sutter heute das Studio für Tanz und Taiji in Basel (www.tanzundtaiji.ch) 46
  • 47. Theres Waeckerlin geboren 1965 in Basel, lebt in Zürich. 1985 machte sie in Aarau die Eidgenössische Matura. 1986 bis 1991 Studium an der damaligen Schule für Gestaltung in Zürich. Seit 1992 arbeitet sie unter dem Namen Zobrist/Waeckerlin gemeinsam mit Agatha Zobrist als Künstlerin. Das Duo ist vor allem im Bereich der ortspezifischen Installation tätig, daneben entstehen aber auch Plastiken, Objekte und immer wieder Performances Kontinuierlich werden ihre Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Internationale Symposien führten sie nach Litauen, Estland, Tschechien und Rumänien. Zobrist/Waeckerlin haben für ihr Schaffen verschiedene Preise und Stipendien bekommen und lebten in längeren Atelieraufenthalten in Vilnius, Paris, Kairo und Berlin. Einige ihrer Werke sind in öffentlichen und privaten Sammlungen zu finden und als Kunst am Bau permanent zu sehen. Beide sind Gründungsmitglieder der Performance- und Künstlerinnengruppe mit. Theres Waeckerlin ist seit 2002 Dozentin für Kunst an der HSLU, Abteilung Kunst & Vermittlung und arbeitet verschiedentlich in Kommissionen und Jurys. Greg Zeder (*1978) arbeitet als DJ und Label Manager von Little Jig Records. Mitarbeit an einem Betriebskonzept für das Kulturhaus Südpol Luzern (Ersatz für die BOA). Mitglied im Organisationskomitee des Luzerner Fest. Zurzeit Ausbildung im MAS Kulturmanagement Praxis (HSLU Design & Kunst in Luzern) Benno Zehnder, 1960 – 1964 Kunstgewerbeschule Luzern; 1964 – 1970 London Freischaffender Gestalter und Maler¸ Didaktische Ausstellungsgestaltungen für Design Centre, Swiss Center, Royal Academy, (alle in London)¸ 1970 - 1973 Leiter Post Graduate Course (MA) in Film-Animation am City of Birmingham Polytechnic¸ 1973 – 1981 in Corsham / Wilts. GB Head of Department of Visual Comunication (BAhons) an der Bath Academy of Art, Corsham/ Wilts; 1981 – 1997 Direktor der Schule für Gestaltung/ Höheren Schule für Gestaltung Luzern; Seit 1997 Dozent an der Hochschule für Kunst und Gestaltung Luzern (bis 2006); Atelier für Farbkonzepte und Malerei. Künstlerische Tätigkeit seit 1965: Ausstellungen u.a. Burleighfield House Oxford. City Art Gallery Bristol.GB. Festival Gallery Bath.GB. Serpentine Gallery London. Kunstverein Olten. Kunstmuseum Olten. Gemeindegalerie Wettingen. Gersag Zentrum Emmen.LU. Galerie Partikel.Luzern. MAZ Horw.LU. Galerie im Trudelhaus Baden. Gallerie Mäder Basel. Galerie im Amtshimmel. Baden. Das DING. Luzern. 47
  • 48. Silvia Henke, Prof. Dr., (*1962), Kulturwissenschaftlerin, Leitung Abteilung Theorie und Dozentin für Kulturtheorie an der Hochschule für Kunst und Gestaltung in Luzern. Studium der Germanistik und Romanistik in Basel und Hamburg, Lehrbeauftragte für neuere deutsche Literaturwissenschaft Universität Basel. Promotion zu Drama und Dramentheorie Anf. 20. Jhd., freie Publizistin. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte: Kunst und Wissenschaft, Kunst und Religion, Kunst und Psychoanalyse, weibliche Pornographie, Genderfragen. Publikationen (zuletzt): «Das Imaginäre ist Schwindel erregend», in: Simon Zumsteg et al. (Hrsg.), Archipele des Imaginären, Zürich/Wien/New York: Ed. Voldemer 2008., Verlust der Unverkennbarkeit. Handschrift und Crossover in den Künsten (mit Beat Schläpfer und Veronika Sellier), Luzern: interact 2008; Frauen und Männer auf der Kunstlaufbahn (mit Katrin Borer und Brigitte Dätwyler), Luzern:interact 2009, «Und er sah, dass es gut war» – Zur Frage der Qualität in der Kultur der Gegenwart (mit Beat Schläpfer und Veronika Sellier), Luzern: interact 2010, «Die Möglichkeit eines Zeichens», Annemarie Schwarzenbachs Beitrag zur Untersuchung von Kultur in: Mirella Carbone (HRG.), Annemarie Schwarzenbach, Werk, Wirkung, Kontext, Bielefeld: Aisthesis 2010 Beat Schläpfer Lic. phil.I (*1952), Leitung MAS Kulturmanagement Praxis an der HSLU – Design&Kunst Luzern. Er ist Germanist und Historiker. Sein Büro «Kulturelle Konzepte» in Zürich organisiert Ausstellungen und Symposien zu kulturpolitischen und zeitgeschichtlichen Fragen und berät Organisationen im Kulturbereich. Ausstellungen (Auswahl) «Fluchtpunkt Zürich - Schauplätze der Selbstbehauptung und des Ueberlebens 1933 - 1945» (1987 ff.) «Swiss, made. Die Schweiz im Austausch mit der Welt» (1998 ff.) Symposien (Auswahl ab 2000): Scheitern als Erfolg. Ittinger Gespräche anlässlich des 25. Jahrestages des Bestehens der Stiftung Kartause Ittingen (2002); Le saut sur le nozoN. Über die Grenzen: Chancen und Möglichkeiten kultureller Kontakte in der Schweiz (2004); Sorgen im Verkehrsparadies - Herausforderungen an die Freizeit- und EinkaufsMobilität (2005), All the world’s on stage –Kulturelle Vielfalt in Zeiten der Globalisierung (2007) Forum für Fragen von Kunst und Öffentlichkeit (zusammen mit Silvia Henke und Veronika Sellier) ab 2007. Publikationen (Auswahl) Schauspiel in der Schweiz. Theater und Publikum in fünf Jahrhunderten (1999), «Aufzeichnungen zu Canetti». In: Werner Morlang (Hrsg.), Canetti in Zürich, Erinnerungen und Gespräche, Zürich (Nagel und Kimche), 2005, Geschenktes Leben. Prof. Dr. Ruedi Lüthys Initiative gegen die Aids-Epidemie in Simbabwe». Werd Verlag, 2006. 48
  • 49. Veronika Sellier Dr. phil, (*1950), Studium der Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften in München und Paris. Übersetzungen aus dem Französischen. Tätigkeit als Dramaturgin in Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Redaktionelle Mitarbeit am Hessischen Rundfunk. Seit 1996 Leiterin des L’arc, einer Institution des Migros- Kulturprozent. Lehraufträge u.a. an der ETH Zürich, Hochschule der Künste Bern, Hochschule Luzern Design & Kunst, Kulturmanagement. Diverse Veröffentlichungen: Zuletzt: Hrsg. Stückwerk 4, Dramatiker/Innen in der Deutschschweiz. Theater der Zeit, Berlin 2005; «La belle voisine- Dramatiker in der Westschweiz» In: Sonderfall Schweiz, Hrsg Walser/Engelhart. Theater der Zeit, Berlin 2006; Herausgeberin und Mitautorin (mit Silvia Henke und Beat Schläpfer): Verlust der Unverkennbarkeit. – Handschrift und Crossover in den Künsten. ORGAN 1 - Schriftenreihe der Hochschule Luzern Design & Kunst. Luzern 2008; Herausgeberin und Mitautorin (mit Silvia Henke und Beat Schläpfer) von «Und er sah, dass es gut war….» Zur Frage der Qualität in der Kultur. - ORGAN 4 – ebd. 2010. 49