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Referat im Rahmen des Blockseminars
Qualitative Forschungsmethoden




       Varianten qualitativer
       Interviews



       Martin Wagner,
       Hilger Schneider




                                      1
Varianten qualitativer
Interviews


                         Inhaltsverzeichnis

     1. Einführung
     2. Leitfaden gestütztes Experteninterview
     3. Narratives Interview
     4. Beobachtungsinterview
     5. Zusammenfassung
     6. Gruppenübung
     7. Reflektion
                                                 2
Varianten qualitativer                         1. Einführung
Interviews


                         1. Einführung

     1.1 Begriffsklärung Interview und Abgrenzung
       des wissenschaftlichen Interviews
     1.2 Soziale Situation des Interviews und
       Motivation von Interviewer und Befragtem
     1.3 Auswahl der Interviewpartner
     1.4 Wahrnehmungskanäle
     1.5 Aufzeichnungsmethoden

                                                          3
Varianten qualitativer                                                                                    1. Einführung
Interviews


                    1.1 Begriffserklärung Interview
     Interview
     » „Das Interview stellt eine spezielle Art der Befragung
       dar, bei der die Auskunftsperson durch einen
       Interviewer in Gesprächsform befragt wird.“1
     Abgrenzung des wissenschaftlichen Interviews 2
     » Unterscheidung besteht in der theoriegeleiteten
       Kontrolle der gesamten Befragung
     » Wissenschaftlichkeit beruht auf systematischer
       Zielgerichtetheit und Theorie

                                  1http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/interview/interview.htm,   01.10.2009
                                                                                                                     4
                                  2   Vgl. Atteslander(2000), S. 115ff.
Varianten qualitativer                                            1. Einführung
Interviews


                    1.2 Soziale Situation Interview
     Soziale Situation
     » Menschen die miteinander sprechen
     » Jeweilige Umgebung
     » Erwartungen und Wahrnehmungen beeinflussen das Verhalten und
       die verbale Reaktion
     Motivation von Interviewer und Befragtem
     » Je geringer der Grad der Gemeinsamkeiten, desto selektiver die
       Reaktionen
     » Je mehr eigene Erfahrungen, desto höher der Reaktionsspielraum
     » Je geringer der Grad der Gemeinsamkeiten, desto asymmetrischer
       ist die Motivation der Beteiligten


                              Vgl. Atteslander(2000), S. 117ff.              5
Varianten qualitativer                                                                  1. Einführung
Interviews


                 1.3 Auswahl der Interviewpartner
     » Fragestellungen zur Auswahl
          › Wer verfügt über die relevanten Informationen?
          › Wer ist am ehesten in der Lage, präzise Informationen zu
            geben?
          › Wer ist am ehesten bereit, Informationen zu geben?
          › Wer von den Informanten ist verfügbar?
     » Vom Untersuchungsziel hängt es ab wer die
       Interviewpartner sind
     » Freunde, Verwandte und Bekannte als Interviewpartner
       sind zu vermeiden
     » Je leichter der Zugang, umso schwieriger das Interview

                                Vgl. Gorden (1975) in Gläser/Laudel (2009), S. 117ff.              6
                                Vgl. Holtgrewe (2002), S. 74f.
Varianten qualitativer                                                          1. Einführung
Interviews


                     1.4 Wahrnehmungskanäle (1)
     » Kenntnis des Repräsentationssystems des Gesprächspartners
          › Repräsentationssystem beschreibt Art und Weise des Denkens
          › Hilfreich für Aufbau des Kontaktes
          › Verständnis für Gesprächspartner
          › Kalibrierung der Interviewpartner
     » Sprachgebrauch
             ◊ Durch Schlüsselfragen den Sprachgebrauch differenzieren
             ◊ Qualitativ hochwertige und spezifische Informationen erhalten
             ◊ Klärung der Gedanken für Interviewer und Befragtem
          › Entschlüsseln unbewusster Prozesse und Erfahrungen
               ◊ Ermöglicht aktiven, aufmerksamen und zielgerichteten Einsatz von
                 Sprache



                                    Vgl. Rückerl, Thomas, 1994, S. 202                     7
                                    Vgl. O’Connor, et. al., 1996, S: 46-47
Varianten qualitativer                                                                       1. Einführung
Interviews


                       1.4 Wahrnehmungskanäle (2)
     » Augenmuster
          ›   Ob eine Person Bilder, Klänge oder Gefühle konstruiert bzw. sich an diese erinnert ist an
              der Seitenrichtung des Blickes erkennbar
          ›   Bevorzugter Kommunikationsstil
          ›   Gezielte Übersetzung der Eigenen Gedanken erzeugt effiziente Präsentation der
              Informationen
          ›   In der NLP dienen Augenmuster zur Intervention und Durchführung von
              Veränderungsprozessen
     » Körpersprache
          ›   Bestimmte Körperhaltungen zeigen das gerade verwendete Repräsentationssystem
                ◊ Zuordnung zu den Repräsentationssystemen durch:

                ◊ Atmung – Schulterpartie – Bewegung – Stimmfall
          ›   Mimik und Gestik als Indikatoren


                                         Vgl. Sawizki, Egon R., 1995, S. 74                               8
Varianten qualitativer                                                           1. Einführung
Interviews


                      1.4 Wahrnehmungskanäle (3)

      » Augenmuster
                Zukunftsdenken               Vergangenheitsdenken


                Visuell konstruiert          Visuell erinnert



                 Auditiv                     Auditiv erinnert
                 konstruiert



               Kinästhetisch                 Innerer Dialog
               empfunden



                                         Eigene Darstellung in Anlehnung an Bachmair, 1994
                                                                                             9
Varianten qualitativer                                                   1. Einführung
Interviews


                         1.5 Aufzeichnungsmethoden
     » Zu Beginn des Interviews erfragen, ob eine Aufzeichnung
       möglich ist
     » Tonbandaufzeichnung
          › Geraten im Laufe des Gesprächs ins vergessen
          › Zu Beginn einschalten und dann aus dem Interview
            heraushalten
     » Videoaufzeichnung
          › Gängige Aufzeichnungsmethode von Interviews
          › In der Feldforschung bewährt
               ◊ Möglichkeit der Dokumentation von Emotionen, Handlungsvorgängen,
                 Bildern etc..



                                                                                    10
Varianten qualitativer
Interviews


          2. Leitfaden gestütztes Experteninterview

     2.1 Der Begriff des Experten
     2.2 Charakteristika und Methode der
         Datenerhebung
     2.3 Vorbereitung zur Dateninterpretation
     2.4 Verortung im Forschungsprozess




                                                      11
Varianten qualitativer                                                                    2. Leitfaden gestütztes
Interviews                                                                                     Experteninterview


                         2.1 Der Begriff des Experten
     » Weit gefasste Definition:
         „‘Experte‘ beschreibt die spezifische Rolle des
         Interviewpartners als Quelle von Spezialwissen über
         die zu erforschenden sozialen Sachverhalte.“ –
         Gläser/Laudel (2009), S. 12
     » Differenzierung bei enger gefassten
       Definitionen:
          › Zugehörigkeit zu speziellen Schichten,
          › resultierend aus Ausbildung und Beruf1

                                1   Vgl. hierzu: Liebold/Trinczek(2002), S. 35ff.; Bogner/Menz(2009) , S. 67-   12
                                         70; Gläser/Laudel(2009b), S. 138
Varianten qualitativer                                             2. Leitfaden gestütztes
Interviews                                                              Experteninterview

                  2.2 Charakteristika und Methode der
                          Datenerhebung (1)
     » Rekonstruktion komplexer Wissensbestände
     » „Wirklichkeit“ ist zu interpretieren, die
       durch die Subjekte konstruiert wird

     » Forscher muss sich beim Interview auf das
       kommunikative Regelsystem des Befragten
       einlassen, um seine Wirklichkeit
       rekonstruieren zu können

                            Vgl. Liebold/Trinczek(2002), S. 38f.                       13
                            Vgl. Pfadenhauer(2009), S. 103
Varianten qualitativer                                               2. Leitfaden gestütztes
Interviews                                                                Experteninterview

                  2.2 Charakteristika und Methode der
                          Datenerhebung (2)
     » Interviewer hat Leitfanden, von dem er
       abrücken darf
     » Leitfaden ist das Resultat theoretischer
       Vorüberlegungen
          ›   Keine Geschlossenen Fragen
          ›   Niedriger Detailierungsgrad
          ›   Keine vorformulierten Fragen
          ›   Leitfaden als Gedächtnisstütze

                             Vgl. Liebold/Trinczek(2002), S. 39ff.                       14
                             Vgl. Pfadenhauer(2009), S. 104f.
Varianten qualitativer                                             2. Leitfaden gestütztes
Interviews                                                              Experteninterview

                  2.2 Charakteristika und Methode der
                          Datenerhebung (3)
     » „Zwitter-Rolle“
          › Klar definierte Ausrichtung durch Leitfaden
             Herantasten an exklusives Wissen
          › Keine streng induktive Vorgehensweise
             Modifikation der theoretischen Konzepte
               während des Interviews ist möglich
     » Auch „geschlossene Offenheit“ genannt:
          › Vorüberlegungen strukturieren das Feld
          › Befragte gewichten die Bedeutung des Erzählten
                            Vgl. Liebold/Trinczek(2002), S. 41f.                       15
Varianten qualitativer                                                 2. Leitfaden gestütztes
Interviews                                                                  Experteninterview

                  2.2 Charakteristika und Methode der
                          Datenerhebung (4)
     Die Interviewsituation
     » Offene Gesprächstechnik
     » Gespräch sollte den Regeln der alltäglichen
       Kommunikation des Befragten entsprechen
     » Zumindest in der Anfangsphase
     » Danach situationsadäquater Fragestil
     » Interviewer muss zurückhaltend-interessiert
       agieren

                            Vgl. Liebold/Trinczek(2002), S. 43f.                           16
                            Vgl. auch Gläser/Laudel(2009), S. 172ff.
Varianten qualitativer                                                  2. Leitfaden gestütztes
Interviews                                                                   Experteninterview


          2.3 Vorbereitung zur Dateninterpretation
     » Transkribieren der Aufnahme
          › Alle Informationen neben dem Text die zur Interpretation
            benötigt werden
          › Volltransskripte können fremdvergeben werden

     » Paraphrasieren des Transskriptes
          › Selektion: Wichtige Abschnitte ausführlich
          › Detaillierte Kenntnis des Forschungsinteresses benötigt

     »  Sehr gute Kenntnisse des Interviews, wenn man selbst
         Transkribiert und Paraphrasiert

                               Vgl. Liebold/Trinczek (2002), S. 48ff.                       17
Varianten qualitativer                                               2. Leitfaden gestütztes Experteninterview
Interviews


              2.4 Verortung im Forschungsprozess

     Exploration                                  Systematisierend
     » Erste Orientierung in                      » Gegenstand ist Handlungs-
       unbekanntem/                                 und Erfahrungswissen
       unübersichtlichen Feld                     » Experten sind
     » Schärfung des                                Informationsträger
       Problembewusstseins                        » Experten haben eine
     » Thematische Strukturierung                   Aufklärungsfunktion im
       des Untersuchungsgebiets                     Hinblick auf die
     » Experten als                                 Forschungsfrage
       Informationsträger über                    » Thematische Vergleichbarkeit
       interessierende Zielgruppe                   wird angestrebt
     » Inhaltlicher Schwerpunkt:                  » ausdifferenzierter Leitfanden
       Thematische Sondierung                       benötigt

                            Vgl. Liebold/Trinczek (2002), S. 66-67                                           18
                            Vgl. Bogner/Menz(2009) , S. 64-67
Varianten qualitativer
Interviews


                         3. Narratives Interview

     3.1 Charakteristika
     3.2 Der Erzählstimulus
     3.3 Verlauf eines narrativen Interviews
     3.4 Vorbereitung zur Auswertung




                                                   19
Varianten qualitativer                                          3. Narratives Interview
Interviews


                         3.1 Charakteristika (1)
     » Stehgreiferzählung zur Erschließung des
       Forschungsgebiets
     » Rekonstruktion von außergewöhnlichen/nicht
       alltäglichen Situationen, z.B.:
          › Erfolgs-Stories
          › Tragödien
     » Die sich als Ereigniskette präsentieren lassen
          › Wie alles anfing
          › Wie es sich entwickelte
          › Was daraus geworden ist

                              Vgl. Holtgrewe (2002), S. 71ff.                       20
                              Vgl. Küsters (2006), S. 30
Varianten qualitativer                                          3. Narratives Interview
Interviews


                         3.1 Charakteristika (2)
     Aufgaben des Interviewers
     » Eingangsstimulus
     » Aktives aufmerksames zuhören
     » Erzählung aufrecht erhalten z.B. durch
          › „hmm“ sagen
          › „Und dann?“ fragen
     » Nicht die Erzählebene wechseln (z.B. durch „Warum“-
       Fragen)
     » Keine Wertung abgeben
     » Notieren von Unklarheiten

                              Vgl. Holtgrewe (2002), S. 76ff.                       21
                              Vgl. Küsters (2006),
Varianten qualitativer                                         3. Narratives Interview
Interviews


                         3.2 Der Erzählstimulus
     »   Soll Erzählung generieren
     »   Und auf das Forschungsinteresse zielen
     »   Große Offenheit zur Ausgestaltung geben
     »   Befragte nehmen ihn oft sehr ernst
     »   Beinhaltet zudem:
          › Angaben über den Interviewverlauf
          › Und das Schweigen des Forschers

     »  Wortwahl gut überlegen und frei vortragen können

                              Vgl. Küsters (2006), S. 44ff.                        22
                              Vgl. Holtgrewe (2002), S. 76f.
Varianten qualitativer                                                                                     3. Narratives Interview
 Interviews


                  3.3 Verlauf eines narrativen Interviews (1)
               » Vorgespräch
                   › Vertrauensbasis schaffen
                   › Thematik und Eingangsfrage des Interviews nicht vorwegnehmen
               » Erzählstimulus
               » Aushandlungsphase/Ratifizierung des Stimulus
Aufzeichnung




                   › Aushandlung über das gewünschte Themengebiet bei Zweifeln oder
                     missverständlichen Stimulus
               » Haupterzählung
                   › Interviewer schweigt
                   › Darf „hmm“ sagen, nicken, Blickkontakt angemessen halten
                   › Erzähllücken, thematische und formale Brüche identifizieren
                   › Befragter erzählt!


                                             Vgl. Küsters (2006), S. 54 ff.                                                     23
                                             Vgl. auch Holtgrewe (2002), S. 77f. und Hopf(2003), S. 355f.
Varianten qualitativer                                                                                  3. Narratives Interview
 Interviews


                  3.3 Verlauf eines narrativen Interviews (2)
               » Koda (Beendigung der Haupterzählung durch Befragten)
Aufzeichnung




               » Immanente Nachfrage
                  › Zielen auf Unklarheiten bzw. Lücken der Erzählung
                  › Sollten Erzählgenerierend sein
               » Exmanente Nachfrage
                  › Interviewer kann nach speziellen Themen fragen (Leitfadencharakter)
                  › Kann zur Beschreibung und Argumentation anregen
               » Erhebung soziodemographischer Daten
                  › Z.B. Alter, Bildungsabschluss, Familienstand, etc.
               » Nachgespräch
               » Interviewprotokoll

                                          Vgl. Küsters (2006), S. 60ff.                                                      24
                                          Vgl. auch Holtgrewe (2002), S. 78f. und Hopf(2003), S. 355f.
Varianten qualitativer                                         3. Narratives Interview
Interviews


                 3.4 Vorbereitung zur Auswertung

     » Auswertung erfolgt durch Transkription,
       Anonymisierung und Interpretation
     » Trade-Off zwischen Lesbarkeit und
       Genauigkeit
     » Unfertige Sätze, Pausen, etc. können zu
       aufschlussreichen Erkenntnissen führen



                          Vgl. Holtgrewe (2002), S. 79 f.                          25
                          Vgl. auch Küsters (2006), S. 72ff.
Varianten qualitativer
Interviews


                         4. Beobachtungsinterview

     4.1 Einleitung
     4.2 Datenerhebung
     4.3 Dateninterpretation und Feedback
     4.4 Möglichkeiten und Grenzen der Methode




                                                    26
Varianten qualitativer                                               4. Beobachtungsinterview
Interviews


                                 4.1 Einleitung
     » Besonders geeignet:
          › Wo bestimmte Inhalte nicht beschrieben werden können
               ◊ Untersuchte Personen sich der Abläufe nicht bewusst sind
               ◊ Nicht alle interessierenden Informationen aus der Beobachtung
                 erschließbar sind
     » Beobachtungsinterview
          › Kurze Vorstellung von untersuchender und untersuchter Person
          › Beantwortung eventueller Fragen zur Untersuchung
          › Beobachtungsintervall
      Ziel: personenunabhängige und bedingungsbezogene
      Arbeitsanalyse


                                   Vgl. Kuhlmann (2002), S. 103ff.                        27
Varianten qualitativer                                        4. Beobachtungsinterview
Interviews


                         4.2 Datenerhebung
     Hauptanwendungsgebiet
     » In der Organisationsforschung
     » Zur Arbeitsanalyse – Untersuchung der
       Arbeitssituationen
     Beschreibung von zwei sozialen Ebenen der
       Wirklichkeit
     » Faktische, quasi- objektive
       Bestimmungsmomente der Arbeit
     » Sinnhafte Analyse der Arbeit

                            Vgl. Kuhlmann (2002), S. 106ff.                        28
Varianten qualitativer                                            4. Beobachtungsinterview
Interviews


     4.2 Datenerhebung - Auswahlentscheidungen
     Auswahl des konkreten Untersuchungsfeldes
     » Aufgrund typischer und bestimmter Arbeitssituationen
     » Beobachtung mehrerer konkreter Arbeitsplätze
     Auswahl der Untersuchungspersonen
     » Typische Beschäftigte für den betreffenden Arbeitsplatz
          ›   Qualifikationsniveau
          ›   Arbeitsbiographie
          ›   Karriereverlauf
          ›   Sozialstatistische Merkmale
          ›   Dauer der Betriebszugehörigkeit

                                Vgl. Kuhlmann (2002), S. 108ff.                        29
Varianten qualitativer                                       4. Beobachtungsinterview
Interviews


             4.2 Datenerhebung - Vorgehensweise
     Typische Feldsituation
     Eindringen in Alltagssituationen der Untersuchungspersonen
     » Einverständnis von allen Beteiligten
     » Vertrauen bzw. Vertrauensschutz
     Forschende
     » Bewegen sich frei im Arbeitsbereich
     » Können jederzeit ansprechen, sofern es die Arbeitssituation
        zulässt
     » Gewinnen detaillierte Einblicke


                           Vgl. Kuhlmann (2002), S. 110ff.                        30
Varianten qualitativer                                     4. Beobachtungsinterview
Interviews


      4.2 Datenerhebung – Ziel der Fragetechniken
     » Möglichkeiten abweichender Handlungen und
       Entscheidungen und deren Konsequenzen
     » Die Rahmenbedingungen verschiedener
       Situationen
     » Die Folgewirkungen von Entscheidungen
     » Zusammenhänge zwischen dem Handeln der
       beobachteten Person und anderen Mitarbeitern
     » Zeitliche und inhaltliche Verortung von
       beobachteten Situationen

                         Vgl. Kuhlmann (2002), S. 114ff.                        31
Varianten qualitativer                                          4. Beobachtungsinterview
Interviews

                    4.2 Datenerhebung – Nutzung von
                           Problemsituationen
     Versammlung mehrerer Personen
     » Verständigen sich über ihr Handeln
     » Diskutieren über mögliche Reaktionen
     Problematische Situationen
     » Auftauchende Konflikte
     » Voneinander abweichende Einschätzungen
     » Anbahnende Auseinandersetzungen
     Situationen beobachten
     » Um Kommentierung bitten
     » Nicht selber herbeiführen


                              Vgl. Kuhlmann (2002), S. 116ff.                        32
Varianten qualitativer                                                4. Beobachtungsinterview
Interviews


             4.3 Dateninterpretation und Feedback
     Charakteristisch
     » Datenerhebung und der Dateninterpretation überlappen sich sehr stark
     Dokumentation der Ergebnisse
     » Zeitnahe Dokumentation und Erstellung eines Gesamtbildes
     Dateninterpretation als kollektiver Prozess
     » Sicherstellung der Validität durch Beobachtungsinterview als kollektiver
       Forschungsprozess
     Anschlussfähigkeit als Voraussetzung für Methodenvielfalt
     » Besondere Aussagekraft durch Kombination mit qualitativen Interviews und
       Befragungen
     Feedback
     » Beschäftigen einen Einblick in Analyseschema oder bestimmte Phase geben


                                    Vgl. Kuhlmann (2002), S. 118ff.                        33
Varianten qualitativer                                             4. Beobachtungsinterview
Interviews


       4.4 Möglichkeiten und Grenzen der Methode
     Möglichkeiten
     » Im Kontext kann auf unterschiedliche Untersuchungsstrategien
       eingegangen werden
     » Zur Erschliessung neuer Felder und Fragestellungen
     » Zur Beschreibung komplexer soziale Situationen
     » Hohe situative Flexibilität des Verfahrens
     » Charakter der Feldforschung fördert Vertrautheit der Forschenden
     Grenzen
     » Hoher Aufwand
     » Zeitliche Ressourcen
     » Einsatz eines Forscherteams sinnvoll


                                 Vgl. Kuhlmann (2002), S. 132ff.                        34
Varianten qualitativer
Interviews


                            5. Zusammenfassung
 Leitfadengestütztes          Narratives Interview     Beobachtungsinterview
 Experten Interview
  » Leitfaden als             » Stehgreiferzählung      » Kombination aus
    Gedächtnisstütze /          von                         › mündlicher Befragung
    Strukturierung              Außergewöhnlichem           › teilnehmender
                                                            Beobachtung
  » Offene Fragetechnik       » Eingangsstimulus ist
                                                        » Zur Arbeitsanalyse
  » Anwendung                   wichtig
                                                        » Anwendung
       › Erschliessung        » Zeitliche                   ›Erschliessung neuer
         neuer Felder u.        Rekonstruktion              Felder u. Fragestellungen
         Fragestellungen                                    › Beschreibung kompl.
       › Systematisierung                                   soziale Situationen

                   Die eingesetzte Interviewtechnik ist vom
                    Untersuchungsgegenstand abhängig

                                                                                     35
Varianten qualitativer
Interviews


                         6. Gruppenübung




               "Kaffeehaus"
                Workshop
                                           36
Varianten qualitativer
Interviews


                         7. Reflektion




                                         37
Varianten qualitativer
Interviews


                                    Quellenverzeichnis (1)
     Atteslander (2000): Methoden der empirischen Sozialforschung, 9. neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Berlin
     Bachmair (1994): Beraten will gelernt sein: ein praktisches Lehrbuch für Anfänger und Fortgeschrittene, 5. Aufl.,
          Weinheim
     Bogner/Menz(2009): Das theoriegenerierende Experteninterview, S. 61-98, in: Bogner et. al. (Hrsg.) (2009):
          Experteninterviews – Theorien, Methoden, Anwendungsfelder, Wiesbaden
     Bortz/Döring (2006): Forschungsmethoden und Evaluation – für Human- und Sozialwissenschaftler, 4., überarbeitete
          Auflage, Heidelberg
     Gläser/Laudel (2009): Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse, 3.,überarbeitete Auflage, Wiesbaden
     Gläser/Laudel(2009b): Wenn zwei das Gleiche sagen… Qualitätsunterschiede zwischen Experten, S. 137-158, in: Bogner
          et. al. (Hrsg.)(2009): Experteninterviews – Theorien, Methoden, Anwendungsfelder, Wiesbaden
     Holtgrewe (2002): Narratives Interview, in: Kühl/Strodtholz(2002): Methoden der Organisationsforschung, Reinbeck, S.
          71-102
     Hopf (2003): Qualitative Interviews – Ein Überblick, in: Flick: Qualitative Forschung: Ein Handbuch, Reinbeck, S. 349-360
     Küsters (2006): Narrative Interviews – Grundlagen und Anwendungen, Wiesbaden
     Kuhlmann (2002): Beobachtungsinterview, in: Kühl/Strodtholz(2002): Methoden der Organisationsforschung, Reinbeck,
          S. 103-138
     Liebold/Trinczek (2002): Experteninterview, in: Kühl/Strodtholz(2002): Methoden der Organisationsforschung,
          Reinbeck, S. 33-71




                                                                                                                                 38
Varianten qualitativer
Interviews


                                    Quellenverzeichnis (2)
     Holtgrewe (2002): Narratives Interview, in: Kühl/Strodtholz(2002): Methoden der Organisationsforschung, Reinbeck, S.
          71-102
     Hopf (2003): Qualitative Interviews – Ein Überblick, in: Flick: Qualitative Forschung: Ein Handbuch, Reinbeck, S. 349-360
     Küsters (2006): Narrative Interviews – Grundlagen und Anwendungen, Wiesbaden
     Kuhlmann (2002): Beobachtungsinterview, in: Kühl/Strodtholz(2002): Methoden der Organisationsforschung, Reinbeck,
          S. 103-138
     Liebold/Trinczek (2002): Experteninterview, in: Kühl/Strodtholz(2002): Methoden der Organisationsforschung,
          Reinbeck, S. 33-71
     O’Connor/Seymour (1996): Weiterbildung auf neuem Kurs: NLP für Trainer, Referenten und Dozenten, Freiburg im
          Breisgau
     Pfadenhauer(2009): Auf gleicher Augenhöhe – Das Experteninterview - Ein Gespräch zwischen Experte und Quasi-
          Experte, S. 99-116, in: Bogner et. al. (Hrsg.)(2009): Experteninterviews – Theorien, Methoden, Anwendungsfelder,
          Wiesbaden
     Rückerl (1994): NLP in Stichworten - ein Überblick für Einsteiger und Fortgeschrittene
     Sawizki (1995): NLP für den Alltag: Einführung, Techniken, Übungen, Offenbach 1995
     Trinczek(2009): Wie befrage ich Manager? Methodische und methodologische Aspekte des Experteninterviews als
          qualitativer Methode empirischer Sozialforschung, S. 225-238, in: Bogner et. al. (Hrsg.)(2009): Experteninterviews
          – Theorien, Methoden, Anwendungsfelder, Wiesbaden




                                                                                                                                 39
Varianten qualitativer
Interviews




       Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und Mitarbeit!


                                                           40

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Varianten qualitativer Interviews

  • 1. Referat im Rahmen des Blockseminars Qualitative Forschungsmethoden Varianten qualitativer Interviews Martin Wagner, Hilger Schneider 1
  • 2. Varianten qualitativer Interviews Inhaltsverzeichnis 1. Einführung 2. Leitfaden gestütztes Experteninterview 3. Narratives Interview 4. Beobachtungsinterview 5. Zusammenfassung 6. Gruppenübung 7. Reflektion 2
  • 3. Varianten qualitativer 1. Einführung Interviews 1. Einführung 1.1 Begriffsklärung Interview und Abgrenzung des wissenschaftlichen Interviews 1.2 Soziale Situation des Interviews und Motivation von Interviewer und Befragtem 1.3 Auswahl der Interviewpartner 1.4 Wahrnehmungskanäle 1.5 Aufzeichnungsmethoden 3
  • 4. Varianten qualitativer 1. Einführung Interviews 1.1 Begriffserklärung Interview Interview » „Das Interview stellt eine spezielle Art der Befragung dar, bei der die Auskunftsperson durch einen Interviewer in Gesprächsform befragt wird.“1 Abgrenzung des wissenschaftlichen Interviews 2 » Unterscheidung besteht in der theoriegeleiteten Kontrolle der gesamten Befragung » Wissenschaftlichkeit beruht auf systematischer Zielgerichtetheit und Theorie 1http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/interview/interview.htm, 01.10.2009 4 2 Vgl. Atteslander(2000), S. 115ff.
  • 5. Varianten qualitativer 1. Einführung Interviews 1.2 Soziale Situation Interview Soziale Situation » Menschen die miteinander sprechen » Jeweilige Umgebung » Erwartungen und Wahrnehmungen beeinflussen das Verhalten und die verbale Reaktion Motivation von Interviewer und Befragtem » Je geringer der Grad der Gemeinsamkeiten, desto selektiver die Reaktionen » Je mehr eigene Erfahrungen, desto höher der Reaktionsspielraum » Je geringer der Grad der Gemeinsamkeiten, desto asymmetrischer ist die Motivation der Beteiligten Vgl. Atteslander(2000), S. 117ff. 5
  • 6. Varianten qualitativer 1. Einführung Interviews 1.3 Auswahl der Interviewpartner » Fragestellungen zur Auswahl › Wer verfügt über die relevanten Informationen? › Wer ist am ehesten in der Lage, präzise Informationen zu geben? › Wer ist am ehesten bereit, Informationen zu geben? › Wer von den Informanten ist verfügbar? » Vom Untersuchungsziel hängt es ab wer die Interviewpartner sind » Freunde, Verwandte und Bekannte als Interviewpartner sind zu vermeiden » Je leichter der Zugang, umso schwieriger das Interview Vgl. Gorden (1975) in Gläser/Laudel (2009), S. 117ff. 6 Vgl. Holtgrewe (2002), S. 74f.
  • 7. Varianten qualitativer 1. Einführung Interviews 1.4 Wahrnehmungskanäle (1) » Kenntnis des Repräsentationssystems des Gesprächspartners › Repräsentationssystem beschreibt Art und Weise des Denkens › Hilfreich für Aufbau des Kontaktes › Verständnis für Gesprächspartner › Kalibrierung der Interviewpartner » Sprachgebrauch ◊ Durch Schlüsselfragen den Sprachgebrauch differenzieren ◊ Qualitativ hochwertige und spezifische Informationen erhalten ◊ Klärung der Gedanken für Interviewer und Befragtem › Entschlüsseln unbewusster Prozesse und Erfahrungen ◊ Ermöglicht aktiven, aufmerksamen und zielgerichteten Einsatz von Sprache Vgl. Rückerl, Thomas, 1994, S. 202 7 Vgl. O’Connor, et. al., 1996, S: 46-47
  • 8. Varianten qualitativer 1. Einführung Interviews 1.4 Wahrnehmungskanäle (2) » Augenmuster › Ob eine Person Bilder, Klänge oder Gefühle konstruiert bzw. sich an diese erinnert ist an der Seitenrichtung des Blickes erkennbar › Bevorzugter Kommunikationsstil › Gezielte Übersetzung der Eigenen Gedanken erzeugt effiziente Präsentation der Informationen › In der NLP dienen Augenmuster zur Intervention und Durchführung von Veränderungsprozessen » Körpersprache › Bestimmte Körperhaltungen zeigen das gerade verwendete Repräsentationssystem ◊ Zuordnung zu den Repräsentationssystemen durch: ◊ Atmung – Schulterpartie – Bewegung – Stimmfall › Mimik und Gestik als Indikatoren Vgl. Sawizki, Egon R., 1995, S. 74 8
  • 9. Varianten qualitativer 1. Einführung Interviews 1.4 Wahrnehmungskanäle (3) » Augenmuster Zukunftsdenken Vergangenheitsdenken Visuell konstruiert Visuell erinnert Auditiv Auditiv erinnert konstruiert Kinästhetisch Innerer Dialog empfunden Eigene Darstellung in Anlehnung an Bachmair, 1994 9
  • 10. Varianten qualitativer 1. Einführung Interviews 1.5 Aufzeichnungsmethoden » Zu Beginn des Interviews erfragen, ob eine Aufzeichnung möglich ist » Tonbandaufzeichnung › Geraten im Laufe des Gesprächs ins vergessen › Zu Beginn einschalten und dann aus dem Interview heraushalten » Videoaufzeichnung › Gängige Aufzeichnungsmethode von Interviews › In der Feldforschung bewährt ◊ Möglichkeit der Dokumentation von Emotionen, Handlungsvorgängen, Bildern etc.. 10
  • 11. Varianten qualitativer Interviews 2. Leitfaden gestütztes Experteninterview 2.1 Der Begriff des Experten 2.2 Charakteristika und Methode der Datenerhebung 2.3 Vorbereitung zur Dateninterpretation 2.4 Verortung im Forschungsprozess 11
  • 12. Varianten qualitativer 2. Leitfaden gestütztes Interviews Experteninterview 2.1 Der Begriff des Experten » Weit gefasste Definition: „‘Experte‘ beschreibt die spezifische Rolle des Interviewpartners als Quelle von Spezialwissen über die zu erforschenden sozialen Sachverhalte.“ – Gläser/Laudel (2009), S. 12 » Differenzierung bei enger gefassten Definitionen: › Zugehörigkeit zu speziellen Schichten, › resultierend aus Ausbildung und Beruf1 1 Vgl. hierzu: Liebold/Trinczek(2002), S. 35ff.; Bogner/Menz(2009) , S. 67- 12 70; Gläser/Laudel(2009b), S. 138
  • 13. Varianten qualitativer 2. Leitfaden gestütztes Interviews Experteninterview 2.2 Charakteristika und Methode der Datenerhebung (1) » Rekonstruktion komplexer Wissensbestände » „Wirklichkeit“ ist zu interpretieren, die durch die Subjekte konstruiert wird » Forscher muss sich beim Interview auf das kommunikative Regelsystem des Befragten einlassen, um seine Wirklichkeit rekonstruieren zu können Vgl. Liebold/Trinczek(2002), S. 38f. 13 Vgl. Pfadenhauer(2009), S. 103
  • 14. Varianten qualitativer 2. Leitfaden gestütztes Interviews Experteninterview 2.2 Charakteristika und Methode der Datenerhebung (2) » Interviewer hat Leitfanden, von dem er abrücken darf » Leitfaden ist das Resultat theoretischer Vorüberlegungen › Keine Geschlossenen Fragen › Niedriger Detailierungsgrad › Keine vorformulierten Fragen › Leitfaden als Gedächtnisstütze Vgl. Liebold/Trinczek(2002), S. 39ff. 14 Vgl. Pfadenhauer(2009), S. 104f.
  • 15. Varianten qualitativer 2. Leitfaden gestütztes Interviews Experteninterview 2.2 Charakteristika und Methode der Datenerhebung (3) » „Zwitter-Rolle“ › Klar definierte Ausrichtung durch Leitfaden  Herantasten an exklusives Wissen › Keine streng induktive Vorgehensweise  Modifikation der theoretischen Konzepte während des Interviews ist möglich » Auch „geschlossene Offenheit“ genannt: › Vorüberlegungen strukturieren das Feld › Befragte gewichten die Bedeutung des Erzählten Vgl. Liebold/Trinczek(2002), S. 41f. 15
  • 16. Varianten qualitativer 2. Leitfaden gestütztes Interviews Experteninterview 2.2 Charakteristika und Methode der Datenerhebung (4) Die Interviewsituation » Offene Gesprächstechnik » Gespräch sollte den Regeln der alltäglichen Kommunikation des Befragten entsprechen » Zumindest in der Anfangsphase » Danach situationsadäquater Fragestil » Interviewer muss zurückhaltend-interessiert agieren Vgl. Liebold/Trinczek(2002), S. 43f. 16 Vgl. auch Gläser/Laudel(2009), S. 172ff.
  • 17. Varianten qualitativer 2. Leitfaden gestütztes Interviews Experteninterview 2.3 Vorbereitung zur Dateninterpretation » Transkribieren der Aufnahme › Alle Informationen neben dem Text die zur Interpretation benötigt werden › Volltransskripte können fremdvergeben werden » Paraphrasieren des Transskriptes › Selektion: Wichtige Abschnitte ausführlich › Detaillierte Kenntnis des Forschungsinteresses benötigt »  Sehr gute Kenntnisse des Interviews, wenn man selbst Transkribiert und Paraphrasiert Vgl. Liebold/Trinczek (2002), S. 48ff. 17
  • 18. Varianten qualitativer 2. Leitfaden gestütztes Experteninterview Interviews 2.4 Verortung im Forschungsprozess Exploration Systematisierend » Erste Orientierung in » Gegenstand ist Handlungs- unbekanntem/ und Erfahrungswissen unübersichtlichen Feld » Experten sind » Schärfung des Informationsträger Problembewusstseins » Experten haben eine » Thematische Strukturierung Aufklärungsfunktion im des Untersuchungsgebiets Hinblick auf die » Experten als Forschungsfrage Informationsträger über » Thematische Vergleichbarkeit interessierende Zielgruppe wird angestrebt » Inhaltlicher Schwerpunkt: » ausdifferenzierter Leitfanden Thematische Sondierung benötigt Vgl. Liebold/Trinczek (2002), S. 66-67 18 Vgl. Bogner/Menz(2009) , S. 64-67
  • 19. Varianten qualitativer Interviews 3. Narratives Interview 3.1 Charakteristika 3.2 Der Erzählstimulus 3.3 Verlauf eines narrativen Interviews 3.4 Vorbereitung zur Auswertung 19
  • 20. Varianten qualitativer 3. Narratives Interview Interviews 3.1 Charakteristika (1) » Stehgreiferzählung zur Erschließung des Forschungsgebiets » Rekonstruktion von außergewöhnlichen/nicht alltäglichen Situationen, z.B.: › Erfolgs-Stories › Tragödien » Die sich als Ereigniskette präsentieren lassen › Wie alles anfing › Wie es sich entwickelte › Was daraus geworden ist Vgl. Holtgrewe (2002), S. 71ff. 20 Vgl. Küsters (2006), S. 30
  • 21. Varianten qualitativer 3. Narratives Interview Interviews 3.1 Charakteristika (2) Aufgaben des Interviewers » Eingangsstimulus » Aktives aufmerksames zuhören » Erzählung aufrecht erhalten z.B. durch › „hmm“ sagen › „Und dann?“ fragen » Nicht die Erzählebene wechseln (z.B. durch „Warum“- Fragen) » Keine Wertung abgeben » Notieren von Unklarheiten Vgl. Holtgrewe (2002), S. 76ff. 21 Vgl. Küsters (2006),
  • 22. Varianten qualitativer 3. Narratives Interview Interviews 3.2 Der Erzählstimulus » Soll Erzählung generieren » Und auf das Forschungsinteresse zielen » Große Offenheit zur Ausgestaltung geben » Befragte nehmen ihn oft sehr ernst » Beinhaltet zudem: › Angaben über den Interviewverlauf › Und das Schweigen des Forschers »  Wortwahl gut überlegen und frei vortragen können Vgl. Küsters (2006), S. 44ff. 22 Vgl. Holtgrewe (2002), S. 76f.
  • 23. Varianten qualitativer 3. Narratives Interview Interviews 3.3 Verlauf eines narrativen Interviews (1) » Vorgespräch › Vertrauensbasis schaffen › Thematik und Eingangsfrage des Interviews nicht vorwegnehmen » Erzählstimulus » Aushandlungsphase/Ratifizierung des Stimulus Aufzeichnung › Aushandlung über das gewünschte Themengebiet bei Zweifeln oder missverständlichen Stimulus » Haupterzählung › Interviewer schweigt › Darf „hmm“ sagen, nicken, Blickkontakt angemessen halten › Erzähllücken, thematische und formale Brüche identifizieren › Befragter erzählt! Vgl. Küsters (2006), S. 54 ff. 23 Vgl. auch Holtgrewe (2002), S. 77f. und Hopf(2003), S. 355f.
  • 24. Varianten qualitativer 3. Narratives Interview Interviews 3.3 Verlauf eines narrativen Interviews (2) » Koda (Beendigung der Haupterzählung durch Befragten) Aufzeichnung » Immanente Nachfrage › Zielen auf Unklarheiten bzw. Lücken der Erzählung › Sollten Erzählgenerierend sein » Exmanente Nachfrage › Interviewer kann nach speziellen Themen fragen (Leitfadencharakter) › Kann zur Beschreibung und Argumentation anregen » Erhebung soziodemographischer Daten › Z.B. Alter, Bildungsabschluss, Familienstand, etc. » Nachgespräch » Interviewprotokoll Vgl. Küsters (2006), S. 60ff. 24 Vgl. auch Holtgrewe (2002), S. 78f. und Hopf(2003), S. 355f.
  • 25. Varianten qualitativer 3. Narratives Interview Interviews 3.4 Vorbereitung zur Auswertung » Auswertung erfolgt durch Transkription, Anonymisierung und Interpretation » Trade-Off zwischen Lesbarkeit und Genauigkeit » Unfertige Sätze, Pausen, etc. können zu aufschlussreichen Erkenntnissen führen Vgl. Holtgrewe (2002), S. 79 f. 25 Vgl. auch Küsters (2006), S. 72ff.
  • 26. Varianten qualitativer Interviews 4. Beobachtungsinterview 4.1 Einleitung 4.2 Datenerhebung 4.3 Dateninterpretation und Feedback 4.4 Möglichkeiten und Grenzen der Methode 26
  • 27. Varianten qualitativer 4. Beobachtungsinterview Interviews 4.1 Einleitung » Besonders geeignet: › Wo bestimmte Inhalte nicht beschrieben werden können ◊ Untersuchte Personen sich der Abläufe nicht bewusst sind ◊ Nicht alle interessierenden Informationen aus der Beobachtung erschließbar sind » Beobachtungsinterview › Kurze Vorstellung von untersuchender und untersuchter Person › Beantwortung eventueller Fragen zur Untersuchung › Beobachtungsintervall  Ziel: personenunabhängige und bedingungsbezogene Arbeitsanalyse Vgl. Kuhlmann (2002), S. 103ff. 27
  • 28. Varianten qualitativer 4. Beobachtungsinterview Interviews 4.2 Datenerhebung Hauptanwendungsgebiet » In der Organisationsforschung » Zur Arbeitsanalyse – Untersuchung der Arbeitssituationen Beschreibung von zwei sozialen Ebenen der Wirklichkeit » Faktische, quasi- objektive Bestimmungsmomente der Arbeit » Sinnhafte Analyse der Arbeit Vgl. Kuhlmann (2002), S. 106ff. 28
  • 29. Varianten qualitativer 4. Beobachtungsinterview Interviews 4.2 Datenerhebung - Auswahlentscheidungen Auswahl des konkreten Untersuchungsfeldes » Aufgrund typischer und bestimmter Arbeitssituationen » Beobachtung mehrerer konkreter Arbeitsplätze Auswahl der Untersuchungspersonen » Typische Beschäftigte für den betreffenden Arbeitsplatz › Qualifikationsniveau › Arbeitsbiographie › Karriereverlauf › Sozialstatistische Merkmale › Dauer der Betriebszugehörigkeit Vgl. Kuhlmann (2002), S. 108ff. 29
  • 30. Varianten qualitativer 4. Beobachtungsinterview Interviews 4.2 Datenerhebung - Vorgehensweise Typische Feldsituation Eindringen in Alltagssituationen der Untersuchungspersonen » Einverständnis von allen Beteiligten » Vertrauen bzw. Vertrauensschutz Forschende » Bewegen sich frei im Arbeitsbereich » Können jederzeit ansprechen, sofern es die Arbeitssituation zulässt » Gewinnen detaillierte Einblicke Vgl. Kuhlmann (2002), S. 110ff. 30
  • 31. Varianten qualitativer 4. Beobachtungsinterview Interviews 4.2 Datenerhebung – Ziel der Fragetechniken » Möglichkeiten abweichender Handlungen und Entscheidungen und deren Konsequenzen » Die Rahmenbedingungen verschiedener Situationen » Die Folgewirkungen von Entscheidungen » Zusammenhänge zwischen dem Handeln der beobachteten Person und anderen Mitarbeitern » Zeitliche und inhaltliche Verortung von beobachteten Situationen Vgl. Kuhlmann (2002), S. 114ff. 31
  • 32. Varianten qualitativer 4. Beobachtungsinterview Interviews 4.2 Datenerhebung – Nutzung von Problemsituationen Versammlung mehrerer Personen » Verständigen sich über ihr Handeln » Diskutieren über mögliche Reaktionen Problematische Situationen » Auftauchende Konflikte » Voneinander abweichende Einschätzungen » Anbahnende Auseinandersetzungen Situationen beobachten » Um Kommentierung bitten » Nicht selber herbeiführen Vgl. Kuhlmann (2002), S. 116ff. 32
  • 33. Varianten qualitativer 4. Beobachtungsinterview Interviews 4.3 Dateninterpretation und Feedback Charakteristisch » Datenerhebung und der Dateninterpretation überlappen sich sehr stark Dokumentation der Ergebnisse » Zeitnahe Dokumentation und Erstellung eines Gesamtbildes Dateninterpretation als kollektiver Prozess » Sicherstellung der Validität durch Beobachtungsinterview als kollektiver Forschungsprozess Anschlussfähigkeit als Voraussetzung für Methodenvielfalt » Besondere Aussagekraft durch Kombination mit qualitativen Interviews und Befragungen Feedback » Beschäftigen einen Einblick in Analyseschema oder bestimmte Phase geben Vgl. Kuhlmann (2002), S. 118ff. 33
  • 34. Varianten qualitativer 4. Beobachtungsinterview Interviews 4.4 Möglichkeiten und Grenzen der Methode Möglichkeiten » Im Kontext kann auf unterschiedliche Untersuchungsstrategien eingegangen werden » Zur Erschliessung neuer Felder und Fragestellungen » Zur Beschreibung komplexer soziale Situationen » Hohe situative Flexibilität des Verfahrens » Charakter der Feldforschung fördert Vertrautheit der Forschenden Grenzen » Hoher Aufwand » Zeitliche Ressourcen » Einsatz eines Forscherteams sinnvoll Vgl. Kuhlmann (2002), S. 132ff. 34
  • 35. Varianten qualitativer Interviews 5. Zusammenfassung Leitfadengestütztes Narratives Interview Beobachtungsinterview Experten Interview » Leitfaden als » Stehgreiferzählung » Kombination aus Gedächtnisstütze / von › mündlicher Befragung Strukturierung Außergewöhnlichem › teilnehmender Beobachtung » Offene Fragetechnik » Eingangsstimulus ist » Zur Arbeitsanalyse » Anwendung wichtig » Anwendung › Erschliessung » Zeitliche ›Erschliessung neuer neuer Felder u. Rekonstruktion Felder u. Fragestellungen Fragestellungen › Beschreibung kompl. › Systematisierung soziale Situationen  Die eingesetzte Interviewtechnik ist vom Untersuchungsgegenstand abhängig 35
  • 36. Varianten qualitativer Interviews 6. Gruppenübung "Kaffeehaus" Workshop 36
  • 38. Varianten qualitativer Interviews Quellenverzeichnis (1) Atteslander (2000): Methoden der empirischen Sozialforschung, 9. neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Berlin Bachmair (1994): Beraten will gelernt sein: ein praktisches Lehrbuch für Anfänger und Fortgeschrittene, 5. Aufl., Weinheim Bogner/Menz(2009): Das theoriegenerierende Experteninterview, S. 61-98, in: Bogner et. al. (Hrsg.) (2009): Experteninterviews – Theorien, Methoden, Anwendungsfelder, Wiesbaden Bortz/Döring (2006): Forschungsmethoden und Evaluation – für Human- und Sozialwissenschaftler, 4., überarbeitete Auflage, Heidelberg Gläser/Laudel (2009): Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse, 3.,überarbeitete Auflage, Wiesbaden Gläser/Laudel(2009b): Wenn zwei das Gleiche sagen… Qualitätsunterschiede zwischen Experten, S. 137-158, in: Bogner et. al. (Hrsg.)(2009): Experteninterviews – Theorien, Methoden, Anwendungsfelder, Wiesbaden Holtgrewe (2002): Narratives Interview, in: Kühl/Strodtholz(2002): Methoden der Organisationsforschung, Reinbeck, S. 71-102 Hopf (2003): Qualitative Interviews – Ein Überblick, in: Flick: Qualitative Forschung: Ein Handbuch, Reinbeck, S. 349-360 Küsters (2006): Narrative Interviews – Grundlagen und Anwendungen, Wiesbaden Kuhlmann (2002): Beobachtungsinterview, in: Kühl/Strodtholz(2002): Methoden der Organisationsforschung, Reinbeck, S. 103-138 Liebold/Trinczek (2002): Experteninterview, in: Kühl/Strodtholz(2002): Methoden der Organisationsforschung, Reinbeck, S. 33-71 38
  • 39. Varianten qualitativer Interviews Quellenverzeichnis (2) Holtgrewe (2002): Narratives Interview, in: Kühl/Strodtholz(2002): Methoden der Organisationsforschung, Reinbeck, S. 71-102 Hopf (2003): Qualitative Interviews – Ein Überblick, in: Flick: Qualitative Forschung: Ein Handbuch, Reinbeck, S. 349-360 Küsters (2006): Narrative Interviews – Grundlagen und Anwendungen, Wiesbaden Kuhlmann (2002): Beobachtungsinterview, in: Kühl/Strodtholz(2002): Methoden der Organisationsforschung, Reinbeck, S. 103-138 Liebold/Trinczek (2002): Experteninterview, in: Kühl/Strodtholz(2002): Methoden der Organisationsforschung, Reinbeck, S. 33-71 O’Connor/Seymour (1996): Weiterbildung auf neuem Kurs: NLP für Trainer, Referenten und Dozenten, Freiburg im Breisgau Pfadenhauer(2009): Auf gleicher Augenhöhe – Das Experteninterview - Ein Gespräch zwischen Experte und Quasi- Experte, S. 99-116, in: Bogner et. al. (Hrsg.)(2009): Experteninterviews – Theorien, Methoden, Anwendungsfelder, Wiesbaden Rückerl (1994): NLP in Stichworten - ein Überblick für Einsteiger und Fortgeschrittene Sawizki (1995): NLP für den Alltag: Einführung, Techniken, Übungen, Offenbach 1995 Trinczek(2009): Wie befrage ich Manager? Methodische und methodologische Aspekte des Experteninterviews als qualitativer Methode empirischer Sozialforschung, S. 225-238, in: Bogner et. al. (Hrsg.)(2009): Experteninterviews – Theorien, Methoden, Anwendungsfelder, Wiesbaden 39
  • 40. Varianten qualitativer Interviews Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und Mitarbeit! 40