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Humboldt-Universität zu Berlin Sommersemester 2006
Philosophische Fakultät III
Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft
Bericht zum
Bibliothekspraktikum
im
Deutschen Musikarchiv Berlin (DMA)
in der Zeit vom 20.02.2006 bis 17.03.2006
Praktikumsbetreuerin: Helga Dietrich
Sebastian Wilke 4.Fachsemester
E-mail: sep.wilke@web.de Hauptfach: Musikwissenschaft
Matrikelnummer: 502487 2. Hauptfach: Bibliothekswissenschaft
Inhaltsverzeichnis
I. Struktur und Funktion der Einrichtung
1. Die Deutsche Bibliothek (DDB) 1
2. Deutsches Musikarchiv (DMA) 1
II. Arbeitsbereiche und ausgeführte Tätigkeiten
1. Einführungen 2
Allgemeines 3
Erwerbung Tonträger 3
IT 3
Verwaltung 4
Benutzung / Öffentlichkeitsarbeit im DMA 4
Problematik Magazin 5
Erwerbung Musikalien 5
Historische Tonträger – Erwerbung und Betreuung 6
Thematik Normdateien 7
Sachgebiet Formalerschließung 8
FE Musikalien 8
FE Tonträger E-Musik / U-Musik 9
FE Historische Tonträger 9
Tonstudio 10
2. Arbeiten in der Handbibliothek 10
III. Einschätzung des Praktikums 11
- 1 -
I. Struktur und Funktion der Einrichtung
1. Die Deutsche Bibliothek (DDB)
Die Deutsche Bibliothek ist die zentrale Archivbibliothek und das nationalbibliografische
Zentrum der Bundesrepublik Deutschland und erfüllt die Funktion einer Nationalbibliothek.
Sie hat die für Deutschland einzigartige Aufgabe, lückenlos alle deutschen und deutschspra-
chigen Publikationen ab 1913 zu sammeln, dauerhaft zu archivieren, umfassend zu dokumen-
tieren und bibliografisch zu verzeichnen sowie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.
Sie entstand 1990 mit der Wiedervereinigung Deutschlands aus den Vorgängereinrichtungen
Deutsche Bücherei Leipzig (gegründet 1912) und Deutsche Bibliothek Frankfurt am Main
(gegründet 1947), zu der seit 1970 das Deutsche Musikarchiv gehört. Der Einigungsvertrag
vom 23. September 1990 erlaubt beiden Häusern, gemeinsam die gesetzlich festgelegten Auf-
gaben fortzuführen.
Archivierung und Benutzung erfolgen an allen Standorten nach denselben Regeln; die Litera-
turbearbeitung geschieht strikt arbeitsteilig. Durch dieses Konzept werden an jedem Standort
eine komplette Sammlung und damit ein guter Benutzerservice angeboten.
Der Gesamtbestand Der Deutschen Bibliothek beläuft sich zurzeit auf rund 22,2 Millionen
Einheiten, davon etwa 13,2 Millionen in der Deutschen Bücherei Leipzig, etwa 7,8 Millionen
in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main und ungefähr 1,2 Millionen im Deutschen
Musikarchiv Berlin.
Dr. Elisabeth Niggemann ist seit 1999 Generaldirektorin Der Deutschen Bibliothek.
2. Deutsches Musikarchiv Berlin (DMA)
Innerhalb der Aufgabenteilung zwischen den drei Standorten Der Deutschen Bibliothek er-
schließt und archiviert das Deutsche Musikarchiv Berlin Musikalien (Noten) und Musikton-
träger. Es ist damit die zentrale Musiksammlung und das nationale Musikinformationszent-
rum der Bundesrepublik Deutschland. Vorläufer war die Deutsche Musik-Phonothek, die von
1961 bis 1969 existierte. Seit seiner Gründung im Jahre 1970 ist das DMA der Deutschen
Bibliothek Frankfurt am Main als Abteilung angegliedert.
- 2 -
Basis der Sammlung sind die Veröffentlichungen, die die deutschen Musikverleger und Ton-
trägerhersteller auf Grund des Gesetzes über die Deutsche Bibliothek an das Deutsche Mu-
sikarchiv Berlin abliefern. Es werden zwei Pflichtexemplare abgeliefert. Eines wird nach der
Bearbeitung durch das DMA zur Archivierung und Benutzung an die Musikalien- und Ton-
trägersammlung der Deutschen Bücherei Leipzig weitergegeben.
Schwerpunkt des Deutschen Musikarchivs ist die gesetzlich definierte Sammlung: Tonträger
ab 1970 und Musikalien ab 1973. Gesammelt werden alle musikalischen Genres. Die histori-
sche Tonträgersammlung geht bis in die Anfänge der Tonträgerproduktion 1877 zurück. Das
Material stammt aus Sammlernachlässen und Ankäufen.
Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte
(GEMA) hat im Juli 2000 das Deutsche Musikarchiv zum Sammlungsort ihrer Noten be-
stimmt. Zugleich ist der Gesamtbestand des GEMA-Archivs von 210.000 Noten dem Deut-
schen Musikarchiv übereignet worden. Mit der Übernahme des Musikinformationszentrums
des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR (MIZ) stehen Tonbän-
der, Noten und Werkkarteien zur Verfügung, die das Musikleben und -schaffen der ehemali-
gen DDR auf dem Gebiet der E-Musik dokumentieren.
Ende 2004 befanden sich im Bestand des Deutschen Musikarchivs Berlin 250.000 Notendru-
cke, 310.000 CDs, 207.000 Langspielplatten, 48.000 Singles und 2.500 Musikvideos. Diese
Bestände können vor Ort benutzt werden.
Sei 1998 leitet Dr. Ingo Kolasa das Deutsche Musikarchiv Berlin.
II. Arbeitsbereiche und ausgeführte Tätigkeiten
1. Einführungen
Im Laufe meines Praktikums lernte ich zusammen mit meiner Mitpraktikantin Frau Julia
Brunner von der Fachhochschule Potsdam (Studiengang Informationswissenschaften / Biblio-
thek) alle wesentlichen Arbeitsbereiche im Deutschen Musikarchiv kennen. Wir begleiteten in
den ersten drei Wochen täglich andere Mitarbeiter, die uns in ihre Tätigkeiten einführten.
- 3 -
Allgemeines
Dr. Ingo Kolasa, der Direktor des Hauses, gab uns eine allgemeine Einführung ins DMA. Da-
bei ging er auf Funktion und Struktur der Einrichtung sowie auf die Geschichte des Gebäudes
und des Grundstücks ein.
Erwerbung Tonträger
Die Tonträger, die durch die Pflichtstückverordnung in doppelter Ausführung ins Deutsche
Musikarchiv gelangen, werden in der Abteilung „Erwerbung Tonträger“ von Frau Dietrich
und zwei Kolleginnen bearbeitet. Das DMA kooperiert mit der PhonoNet GmbH in Hamburg
im Bereich Digitalisierung, was im Erwerbungs- und Erschließungsprozess Konsequenzen
hat: Nach dem Eingang der Tonträger im DMA werden die wichtigsten Daten in der Erwer-
bung in das hauseigene Datenbanksystem, die Basic Suite, eingegeben und die Tonträger mit
einem Barcode versehen. Dieser ist wichtig, um später bei der weiteren Bearbeitung schnell
an den richtigen Datensatz zu kommen. Als nächstes werden die Tonträger nach Hamburg
geschickt, wo PhonoNet sie digitalisiert: Es werden von sämtlichen Tracks mp3-Dateien er-
stellt sowie die Covers eingescannt. PhonoNet sendet die Tonträger mitsamt der Digitalisate
ans DMA zurück und darf seinerseits die Daten behalten – darin besteht die Kooperation;
PhonoNet ist u.a. für die Internetseite www.musicline.de verantwortlich. Im Folgenden kann
die ausführliche Erschließung durch das DMA stattfinden. Diese geschieht mit Hilfe des Da-
tenbanksystems WinIBW. Zwischen der Basic Suite und WinIBW existiert eine Schnittstelle,
so dass die vorhandenen Daten weiterverwendet werden können. Eine solche Schnittstelle
wäre auch zwischen dem DMA und PhonoNet wünschenswert, damit der Datentransfer effek-
tiver erfolgen könnte.
IT
Frau Seiberlich kümmert sich um das Netzwerk innerhalb des DMA. Sie gab uns die Zu-
gangsdaten für die PCs an unseren Arbeitsplätzen, zeigte uns die wichtigsten Programme und
Funktionen und gab uns einen Überblick über die Struktur des hausinternen Netzwerkes. Zur
Veranschaulichung gingen wir in den Serverraum.
Wenn im DMA Probleme bei der Benutzung von Computern oder Computeranwendungen
auftreten, dann wendet man sich an Herrn Hack. Neben der Behebung dieser Probleme ist
seine Aufgabe vor allem die Anwendungsprogrammierung. Eine seiner zentralen Program-
- 4 -
mierarbeiten ist das Benutzungs- und Ausleihsystem (BAS) am DMA, das eine Vielzahl von
Vorgängen unter einer Oberfläche vereint. Weitere Projekte sind ein Bestandskatalog zu den
historischen Abspielgeräten des Hauses sowie der Aufbau einer Datenbank zum GEMA-
Archiv. Dabei sei es nach Angaben von Herrn Hack immer am effektivsten, wenn bei der
Auftragserteilung für eine solche Datenbank ein Pflichtenheft vorliegt. Dieses grenzt den
Rahmen seiner Programmierarbeit möglichst exakt ein, indem es die Anforderungen deutlich
macht.
Verwaltung
Für die Verwaltung im Haus ist Herr Heerer zuständig. Wir sprachen mit ihm u.a. über Be-
triebssicherung, Dienstrecht, Haushaltsplanung, Stellenbesetzung und die Organisation Der
Deutschen Bibliothek. Die Verwaltung wird auf die zwei Häuser in Frankfurt und Leipzig
aufgeteilt: So ist die DB Leipzig z.B. für Dienstreisen zuständig, während sich die DB Frank-
furt um die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter kümmert. Dem DMA fallen als Abteilung
der DB Frankfurt dementsprechend nur wenige Kompetenzen zu. Viele Vorgänge im Perso-
nalwesen, die das DMA betreffen, laufen über Frau Dr. Elisabeth Niggemann und den Ge-
samtpersonalrat in Frankfurt ab.
Herr Heerers Aufgabenbereich im DMA ist der so genannte „Innere Dienst vor Ort“. Als qua-
si „Buchhalter“ des Hauses muss er dafür sorgen, dass von allen benötigten Arbeitsmateria-
lien immer genügend vorrätig ist bzw. rechtzeitig angeschafft wird. Das Spektrum erstreckt
sich von Bleistiften bis zum neuen Computer. Ähnlich verhält es sich mit sämtlichen Diens-
ten, die rund um das Haus anfallen: Dazu gehören beispielsweise die Putzfrau, der Fenster-
putzer, der Botendienst oder der Handwerker. Sobald eine Anschaffung angestrebt wird, müs-
sen per Ausschreibung mehrere Angebote eingeholt werden. – Die Höhe der angestrebten
Ausgaben hat Konsequenzen für die Art der Ausschreibung und die Anzahl der nötigen Be-
werber. Wirtschaftlichkeit zählt hier vor dem Preis. Letztlich entscheidet eine Auftragsverga-
bekommission, die in Frankfurt sitzt, wer den Zuschlag erhält.
Benutzung / Öffentlichkeitsarbeit im DMA
Frau Berr und ihre Kolleginnen aus der Abteilung „Benutzung“ erreichen täglich Anfragen zu
bestimmten Musikstücken und Musikalien. Die Personen, die sich auf der Suche danach ans
DMA wenden, haben entweder schon alle ihre Möglichkeiten ausgeschöpft oder ganz speziel-
le Wünsche. Neben Privatpersonen und Wissenschaftlern treten z.B. auch Radiosender und
- 5 -
das Fernsehen ans DMA heran, wenn diese zu bestimmten Produktionen spezielles Material
benötigen. Die Recherche nach Tonträgern, Musikalien oder bibliografischen Angaben über
diese ist kostenpflichtig und wird über eine Gebührenordnung geregelt. Das DMA stellt auf
Anfrage Umschnitte von Tonträgern her. Dabei gilt jedoch, dass der entsprechende Tonträger
bereits zwei Jahre lang nicht mehr im Handel erhältlich sein darf. Damit soll der Plattenin-
dustrie kein Schaden zugefügt werden. Das Umschneiden wird pro Viertelstunde berechnet.
Je älter das Medium, desto komplizierter ist das Kopieren und umso höher der Preis. Näheres
regelt wiederum die Gebührenordnung.
Bei der Recherche steht den Mitarbeiterinnen ein umfangreicher Suchapparat zur Verfügung.
Zunächst werden am Computer alle verfügbaren online- und offline-Informationsdienste
durchsucht: Suchmaschinen, OPACs, Bibliografien, Handelsverzeichnisse und sonstige Da-
tenbanken im nationalen und internationalen Raum. Alternativ und ergänzend fungieren die
gedruckten Informationsmittel im DMA: Kartenkataloge sowie diverse Nachschlagewerke
und Bibliografien in der internen Handbibliothek. Da die Recherchen kostenpflichtig sind,
werden möglichst alle Suchmittel berücksichtigt.
Problematik Magazin
Herr Adam führte uns durch das Magazin des DMA. Ein Großteil der Bestände lagert im Kel-
ler des Gebäudes, der aus bibliothekarischer Sicht eine Besonderheit darstellt: Er erstreckt
sich nämlich über eine Vielzahl von einzelnen Räumen, die in unregelmäßiger Anordnung
einen großen, zunächst unüberschaubaren Komplex ergeben. Der Grund hierfür liegt in der
Geschichte des Gebäudes: Ehemals als Villa konzipiert, ist es natürlich auch im Keller nicht
an die Anforderungen eines Bibliotheksmagazins angepasst. Doch das Tiefgeschoss hat auch
seine Vorteile: Die Temperaturen sind hier relativ konstant. Die Platzreserven reichen auf
jeden Fall noch bis zum geplanten Umzug des Deutschen Musikarchivs nach Leipzig aus.
Erwerbung Musikalien
Äquivalent zur Erwerbung der Tonträger verfährt die Abteilung „Erwerbung Musikalien“ mit
den Noten, die im DMA eingehen. Auch Frau Gebhardt-Freienstein, die uns einführte, arbei-
tet mit der Basic Suite: Dort gibt sie die ersten Informationen zu den Musikalien ein, bevor
eine ausführliche Titelaufnahme durch die Formalerschließung erfolgt. Das DMA steht mit
etwa 7000 Musikalienverlagen in Kontakt. Eine Kooperation zur PhonoNet GmbH oder einer
ähnlichen Einrichtung besteht nicht, wäre aber durchaus denkbar und sinnvoll.
- 6 -
Wir widmeten uns ausführlicher dem Thema „Mahnungen“. Frau Gebhardt-Freienstein re-
cherchiert regelmäßig im Internet und in Zeitschriften nach Verlagen bzw. ihren Publikatio-
nen und erkundet, ob von diesen Musikalien schon die beiden Pflichtstückexemplare zum
DMA geschickt worden sind. Eine weiterer Weg stellt das Mahnsystem der DB Frankfurt und
der DB Leipzig dar: Dieses ermittelt automatisch ISBN von Musikalien, die das DMA noch
nicht erhalten hat. Fehlt nun eine Musikalie, wird der entsprechende Verlag gemahnt, diese in
zwei Ausführungen dem DMA zukommen zu lassen. Die Verlage agieren unterschiedlich:
Viele kommen der Aufforderung auch ungebeten nach, einige (vor allem kleine Verlage und
Privatpersonen) wissen nichts von der Pflichtstückverordnung und müssen erst informiert
werden und bei nicht wenigen kommt es zu Verzögerungen, weil sie nicht daran denken oder
die Abgabe bewusst ignorieren. In letztgenannten Fällen folgen seitens des DMA weitere
Mahnungen. – Als finales Mittel steht ein Verwaltungszwangsverfahren zur Verfügung, zu
dem es aber in der Regel nicht kommt. Wie Frau Gebhardt-Freienstein sagte, seien persönli-
che Gespräche mit den Verantwortlichen meistens eine gute Möglichkeit, die Verlage zum
Umdenken zu bewegen.
Historische Tonträger – Erwerbung und Betreuung
Die interessanteste Arbeit im DMA hat Herr Schleußner-Schwarz: Er kümmert sich um die
Sammlung der historischen Tonträger. Wir sprachen zunächst über die Geschichte der Ton-
träger von den Anfängen ausgehend. Zur Veranschaulichung gingen wir auch durch die Dau-
erausstellung im Gebäude, die sich mit diesem Thema beschäftigt.
Wenn man die historischen Tonträger – vom Edison-Zylinder bis zur Vinyl-Schallplatte –
untersucht, stellt man fest, dass die Schellackplatte von allen diesen Medien das beständigste
war: 1887 entwickelt, war sie noch bis 1958 der wichtigste Tonträger auf dem Markt. Dem-
entsprechend zentral ist die Schellackplatte auch bei der Beschaffung weiterer historischer
Tonträger für die Sammlung. Herr Schleußner-Schwarz hat pro Jahr einen bestimmten Etat
zur Erwerbung zur Verfügung. Er durchsucht regelmäßig alle wichtigen Auktions- und Fest-
preislisten im deutschen Raum, verhandelt mit Händlern und Sammlern und sichtet aufgelöste
Sammlungen. Bevor die Schellackplatten gekauft werden, erfolgt eine Ankaufsrecherche:
Herr Schleußner-Schwarz prüft nach, ob die Platte sich schon in der Sammlung befindet; zur
Recherche kommen die Deutsche Nationalbibliographie für Historische Tonträger, die Basic
Suite und selbst erstellte Eingangslisten in Frage. Der Gesamtbestand der sich im Umlauf be-
- 7 -
findlichen Schellackplatten ist eine abgeschlossene Sache: Es werden keine weiteren Exemp-
lare mehr produziert. Dennoch ist der Markt ständig in Bewegung und sehr aktiv. Das liegt
daran, dass über genaue Stückzahlen nur schwer bzw. gar nicht geurteilt werden kann. Zum
einen war es früher in Zeiten knapper Kassen gängige Praxis, Platten zu recyclen, mehrere
alte im Tausch gegen eine neue abzugeben, damit aus dem kostbaren Material neue Rohlinge
hergestellt werden konnten. Zum anderen ist davon auszugehen, dass im Laufe der Zeit nicht
wenige Platten kaputtgegangen sind. Aus diesen Gründen lässt sich immer nur über den Preis
einer Schellackplatte spekulieren. Die Händler wissen meistens am ehesten, wie häufig sie ein
Exemplar in der Hand gehalten haben und welcher Seltenheitswert sich daraus ergibt. Ähnli-
che Erfahrungswerte helfen auch Herrn Schleußner-Schwarz weiter, seinen Etat sinnvoll aus-
zugeben.
Das DMA besitzt zwischen 180.000 und 190.000 Schellackplatten. Pro Jahr vergrößert sich
die Sammlung um ungefähr 2000 Exemplare. Der Bestand wird im Magazin aufbewahrt. Das
Material erfordert spezielle Vorkehrungen: Vier Schellackplatten wiegen ca. ein Kilo. Insge-
samt ergibt sich also ein Gewicht der Sammlung von etwa 45 Tonnen. Die Regale sind dem-
entsprechend stabil gebaut und die Räume verfügen über eine zusätzliche Stahlschicht unter
dem Boden, damit die Statik nicht unter dem Gewicht leidet.
Thematik Normdateien
Der Bereich der Normdateien ist Frau Kohn zugeteilt. Im DMA werden mehrere Normdateien
angesetzt: Neben Körperschaften, die die Verlage mit einschließen, und Personen gehören
dazu auch die Einheitssachtitel (EST).
Wir sprachen über die Vorgehensweise und Probleme bei der Ansetzung von Körperschaften
und Personen. Wenn für eine Körperschaft noch keine Normdatei existiert, dann wendet sich
die entsprechende Kollegin aus der Titelaufnahme an Frau Kohn. Der Anfrage liegen meist
schon einige Informationen bei, die in einer ersten groben Recherche ermittelt wurden. Zur
Erstellung des Normdatensatzes recherchiert Frau Kohn nun noch einmal genauer im Internet:
Dabei geht sie den Hinweisen der Titelaufnahme nach, nutzt Suchmaschinen wie Google,
sucht auf offiziellen Seiten der Körperschaft oder in allgemeinen Nachschlagewerken wie
dem All music guide1
.
1
Siehe www.allmusic.com
- 8 -
Muss ein Personennormdatensatz angelegt werden, geschieht dies in erster Linie durch die
Kolleginnen aus der Titelaufnahme. Es gibt hier also keine zentrale Aufnahme wie bei den
Körperschaften. Wenn allerdings eine Transliteration des Namens erforderlich wird oder er
generell sehr kompliziert ist, erledigt auch diesen Vorgang Frau Kohn. Viele Personen tragen
den gleichen Namen. Deshalb werden die Personendatensätze individualisiert: Sie erhalten
zusätzliche Informationen zur bestreffenden Person, um sich von den gleichnamigen Anderen
abzugrenzen. Dabei kann es sich z.B. um Lebensdaten oder ausgeübte Funktionen handeln.
Alternativ zur Individualisierung steht der Personennormdatensatz, der mehrere gleichnamige
Personen ohne weitere Angaben zusammenfasst, universell verwendet wird. Die Regeln für
die alphabetische Katalogisierung (RAK) sehen eine Individualisierung eigentlich nicht vor,
doch es kann damit gerechnet werden, dass dies demnächst in Form einer Ergänzung des Re-
gelwerks geändert wird.
Sachgebiet Formalerschließung (FE)
Das maßgebliche Regelwerk für die formale Erschließung im DMA sind die RAK-Musik,
eine Erweiterung der RAK-WB. Bis 2004 wurde eine Auflage aus dem Jahre 1986 verwendet,
seitdem benutzt man die 2003 aktualisierte Fassung. Frau Kumm, die uns einführte, kritisierte
an den RAK-Musik vor allem, dass sie zu unflexibel seien, um auf neue Entwicklungen im
Tonträgermarkt einzugehen, und dass sie noch zu sehr der Ära des Zettelkataloges verhaftet
seien. Wie die alten Auflagen der RAK-Musik wird auch die aktuelle vom DMA mit einigen
Hauszusätzen verwendet.
FE Musikalien
Die Musikalien gelangen aus der Erwerbung in die Formalerschließung zu Frau Ellermann
und einer Kollegin. Die Titelaufnahmen erscheinen im OPAC des DMA; alle vier Wochen
werden die Neuerscheinungen in der Nationalbibliografie zusammengefasst. Frau Brunner
und ich versuchten uns an jeweils einer Titelaufnahme. Wir überprüften zunächst in der Wi-
nIBW, ob zu allen in den Publikationen auftretenden Werken, Personen, Verlagen und Serien
Normdaten bestehen. Die fehlenden EST-Sätze legten wir selbst an. Dazu war allerdings noch
eine Recherche notwendig: Im Internet und in der Handbibliothek versuchten wir die Anga-
ben der Vorlage zu verifizieren und zusätzliche Informationen zu erhalten. Nachdem wir alle
Details zusammengetragen und die Normdaten angelegt hatten, nahmen wir mit der Hilfe von
Frau Ellermann unsere Musikalien auf (Beispiel für die Titelaufnahme einer Musikalie in Wi-
nIBW: Siehe Anhang 1).
- 9 -
FE Tonträger E-Musik / U-Musik
Genau wie bei der Formalerschließung von Musikalien gehen auch Frau Quast und Frau El-
lermann bei der Titelaufnahme von Tonträgern vor: Wenn Personennormdaten oder Einheits-
sachtitel fehlen, legen sie neue Datensätze an, nachdem sie alle nötigen Informationen im In-
ternet, den internen Datenbanken und in der Handbibliothek zusammengetragen haben.
Die Formalerschließung von sogenannter E(rnster)- und U(nterhaltungs)-Musik unterscheidet
sich jedoch in einigen Punkten. Bei E-Musik ist der EST eine zentrale Kategorie: Er gibt
Auskunft darüber, über welche Gattung von Musik es sich handelt (Bsp.: Beethoven, Ludwig
van : Sinfonien), oder im Falle eines individuellen Einheitssachtitels, wie der Titel des Stü-
ckes lautet (Bsp.: Mozart, Wolfgang Amadeus : Die Zauberflöte). E-Musik ist in der Regel
nicht interpretengebunden, d.h. die Haupteintragung findet unter dem Komponisten statt.
Hingegen ist U-Musik interpretengebunden. Auch fällt bei ihr der Einheitssachtitel weg. Ins-
gesamt lässt sich festhalten, dass die Formalerschließung von E-Musik umfangreichere Re-
cherchen benötigt, während es bei U-Musik manchmal schwieriger ist, an Informationen über
bestimmte Personen zu gelangen, weil nicht immer so ausführliche und umfangreiche Nach-
schlage bestehen wie im Bereich der E-Musik.
Im Anhang befindet sich jeweils ein Beispiel einer Titelaufnahme für E- (Anhang 2) und U-
Musik (Anhang 3).
FE Historische Tonträger
Herr Kelbassa und Frau Hoffmann fertigen Titelaufnahmen der Schellackplatten an, die von
Herrn Schleußner-Schwarz erworben wurden. Dieser Vorgang ist einfacher als bei den einge-
henden CDs und Musikalien: Da keine Regeln für die formale Erschließung von Schellack-
platten bestehen, wird der Inhalt direkt von der Vorlage in die einzelnen Kategorien der Da-
tenbank übernommen. Auch in diesem Fall dient die Basic Suite als Arbeitsmittel. Zunächst
wird überprüft, ob sich in der Sammlung schon ein Exemplar der jeweiligen Aufnahme befin-
det. Ist dies so, wird nur die Anzahl im Datensatz um eins erhöht. – Er werden bis zu zehn
Exemplare von einer Aufnahme gesammelt. Fehlt eine Titelaufnahme, wird sie angelegt.
Eine Besonderheit ergibt sich aus den verwendeten Bestell- und Matrizennummern. In der
Anfangszeit der Schellackplatten stimmten diese beiden Nummern überein, später vergab man
- 10 -
zwei verschiedene. Als die Schellackplatten zweiseitig bespielt wurden, bekam jede Seite eine
jeweils eigene Bestell- und Matrizennummer. Hinzu kommt, dass manchmal dieselbe Auf-
nahme auf der einen mit verschiedenen anderen auf der zweiten Seite kombiniert wurde. Die
Bestell- und Matrizennummer war bei einer Aufnahme immer dieselbe trotz der Kombination
mit verschiedenen anderen. So ergeben sich jetzt mitunter die verschiedensten Verbindungen
von Bestell- und Matrizennummern inklusive der Wiederholungen. Dieser Umstand macht die
ganze Angelegenheit etwas unübersichtlich und erfordert bei der Recherche große Aufmerk-
samkeit.
Tonstudio
Zum Haus gehört auch ein Tonstudio, das von Herrn Räck geleitet wird. Es werden hier
hauptsächlich Übertragungen von Tonträgern auf CD-R für die Benutzer erstellt. Der Service
ist kostenpflichtig.2
Für alle möglichen Tonträger ist die entsprechende Abspieltechnik vor-
handen. Daraus ergeben sich Probleme: Fast jedes Jahr erscheint mindestens ein neues Ton-
trägermedium. Es muss immer die neue dazugehörige Technik gekauft werden, selbst wenn es
sich nur um ein vorübergehendes Medium handelt. Weitere Kosten ergeben sich für die In-
standhaltung älterer Geräte. Zum Teil existieren nur noch wenige Firmen, die Ersatzteile zu
bestimmten Fabrikaten liefern können, manchmal ist selbst dies nicht mehr gegeben.
Eine weiteres Arbeitsfeld sind Wiederveröffentlichungen von alten Aufnahmen auf CD. Es
besteht u.a. eine längere Zusammenarbeit mit dem Label Bear Family Records, das sich auf
Countrymusik und Oldies spezialisiert hat. In der Reihe zeitgenossen ost werden wichtige
Werke von Komponisten aus der ehemaligen DDR, zum größten Teil als Originalaufnahmen
der Uraufführungen vorhanden, wiederveröffentlicht.
2. Arbeiten in der Handbibliothek
Das DMA verfügt über eine Handbibliothek, die den Benutzern öffentlich zugänglich ist. Sie
beinhaltet circa 18.000 Bände, bei denen es sich um einen repräsentativen Querschnitt neuerer
und älterer musikwissenschaftlicher Literatur handelt. Bis vor kurzem war sie nur durch einen
Zettelkatalog erschlossen, aber nicht nachvollziehbar aufgestellt, was eine Benutzung äußerst
erschwerte. Man entschloss sich, den Zettelkatalog retrokonvertieren zu lassen – dies über-
nahm die ungarische Firma Medea. Jetzt, da die Titel alle in der WinIBW verzeichnet sind,
arbeiten mehrere Mitarbeiterinnen aus der Formalerschließung daran, diese Titelaufnahmen
2
Näheres dazu siehe Benutzung / Öffentlichkeitsarbeit im DMA (S. 4)
- 11 -
auf mögliche Fehler zu überprüfen, die Bestände mit Signaturen zu versehen und die Hand-
bibliothek nach und nach geordnet wieder aufzustellen. Bei der Signaturenvergabe und der
Aufstellung dient die Systematik des Musikschrifttums (SMM), die in vielen Musikbibliothe-
ken Verwendung findet und mittlerweile in der dritten Auflage, 1991 vom damaligen Deut-
schen Bibliotheksinstitut (DBI) herausgegeben, besteht. Bislang sind bereits ca. zwei Drittel
der Literatur auf diese Weise bearbeitet worden.
Während unseres Praktikums verbrachten Frau Brunner und ich nachmittags häufig Zeit da-
mit, bei dieser Arbeit zu helfen.
III. Einschätzung des Praktikums
Ich kann viele positive Dinge aus meinem Praktikum mitnehmen:
1. Ich habe im Laufe der vier Wochen in sehr angenehmer Atmosphäre mit dem DMA
eines der drei großen Häuser Der Deutschen Bibliothek und das bedeutendste Mu-
sikarchiv in Deutschland kennen gelernt.
2. Dabei wurden mir sämtliche Arbeitsabläufe innerhalb des Hauses von den entspre-
chenden Mitarbeitern näher gebracht. So habe ich jeweils einen guten Einblick in die
Vorgehensweisen aber auch die auftretenden Probleme der einzelnen Abteilungen be-
kommen und mir ein vielfältiges Bild von den Aktivitäten im DMA machen können.
3. Auch den Umstand, dass ich mit so vielen verschiedenen Menschen Kontakt hatte,
möchte ich positiv hervorheben. Es war sehr interessant, Eindrücke aus der Arbeits-
welt zu sammeln und z.B. über die unterschiedlichen Werdegänge der Mitarbeiter zu
reden.
4. Vor allem während der letzten Woche konnte ich bei der Arbeit in der Handbibliothek
einmal praktische Erfahrungen in einer typischen bibliothekarischen Tätigkeit machen.
5. Das Doppelpraktikum als Organisationsform hat mir gut gefallen.
Als einzige Kritikpunkte möchte ich vermerken, dass es auf Grund der täglich wechselnden
Einführungen einerseits nicht immer möglich war, ein Thema tiefer zu ergründen. In der ers-
ten Phase fehlte außerdem eine größere, übergreifende Aufgabe, wie wir sie zum Ende hin mit
der Handbibliothek bekamen. Doch die positiven Aspekte überwiegen eindeutig. Ich habe das
gesamte Praktikum mit Spaß und großem Interesse verfolgen können.

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Praktikumsbericht Deutsches Musikarchiv

  • 1. Humboldt-Universität zu Berlin Sommersemester 2006 Philosophische Fakultät III Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft Bericht zum Bibliothekspraktikum im Deutschen Musikarchiv Berlin (DMA) in der Zeit vom 20.02.2006 bis 17.03.2006 Praktikumsbetreuerin: Helga Dietrich Sebastian Wilke 4.Fachsemester E-mail: sep.wilke@web.de Hauptfach: Musikwissenschaft Matrikelnummer: 502487 2. Hauptfach: Bibliothekswissenschaft
  • 2. Inhaltsverzeichnis I. Struktur und Funktion der Einrichtung 1. Die Deutsche Bibliothek (DDB) 1 2. Deutsches Musikarchiv (DMA) 1 II. Arbeitsbereiche und ausgeführte Tätigkeiten 1. Einführungen 2 Allgemeines 3 Erwerbung Tonträger 3 IT 3 Verwaltung 4 Benutzung / Öffentlichkeitsarbeit im DMA 4 Problematik Magazin 5 Erwerbung Musikalien 5 Historische Tonträger – Erwerbung und Betreuung 6 Thematik Normdateien 7 Sachgebiet Formalerschließung 8 FE Musikalien 8 FE Tonträger E-Musik / U-Musik 9 FE Historische Tonträger 9 Tonstudio 10 2. Arbeiten in der Handbibliothek 10 III. Einschätzung des Praktikums 11
  • 3. - 1 - I. Struktur und Funktion der Einrichtung 1. Die Deutsche Bibliothek (DDB) Die Deutsche Bibliothek ist die zentrale Archivbibliothek und das nationalbibliografische Zentrum der Bundesrepublik Deutschland und erfüllt die Funktion einer Nationalbibliothek. Sie hat die für Deutschland einzigartige Aufgabe, lückenlos alle deutschen und deutschspra- chigen Publikationen ab 1913 zu sammeln, dauerhaft zu archivieren, umfassend zu dokumen- tieren und bibliografisch zu verzeichnen sowie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Sie entstand 1990 mit der Wiedervereinigung Deutschlands aus den Vorgängereinrichtungen Deutsche Bücherei Leipzig (gegründet 1912) und Deutsche Bibliothek Frankfurt am Main (gegründet 1947), zu der seit 1970 das Deutsche Musikarchiv gehört. Der Einigungsvertrag vom 23. September 1990 erlaubt beiden Häusern, gemeinsam die gesetzlich festgelegten Auf- gaben fortzuführen. Archivierung und Benutzung erfolgen an allen Standorten nach denselben Regeln; die Litera- turbearbeitung geschieht strikt arbeitsteilig. Durch dieses Konzept werden an jedem Standort eine komplette Sammlung und damit ein guter Benutzerservice angeboten. Der Gesamtbestand Der Deutschen Bibliothek beläuft sich zurzeit auf rund 22,2 Millionen Einheiten, davon etwa 13,2 Millionen in der Deutschen Bücherei Leipzig, etwa 7,8 Millionen in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main und ungefähr 1,2 Millionen im Deutschen Musikarchiv Berlin. Dr. Elisabeth Niggemann ist seit 1999 Generaldirektorin Der Deutschen Bibliothek. 2. Deutsches Musikarchiv Berlin (DMA) Innerhalb der Aufgabenteilung zwischen den drei Standorten Der Deutschen Bibliothek er- schließt und archiviert das Deutsche Musikarchiv Berlin Musikalien (Noten) und Musikton- träger. Es ist damit die zentrale Musiksammlung und das nationale Musikinformationszent- rum der Bundesrepublik Deutschland. Vorläufer war die Deutsche Musik-Phonothek, die von 1961 bis 1969 existierte. Seit seiner Gründung im Jahre 1970 ist das DMA der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main als Abteilung angegliedert.
  • 4. - 2 - Basis der Sammlung sind die Veröffentlichungen, die die deutschen Musikverleger und Ton- trägerhersteller auf Grund des Gesetzes über die Deutsche Bibliothek an das Deutsche Mu- sikarchiv Berlin abliefern. Es werden zwei Pflichtexemplare abgeliefert. Eines wird nach der Bearbeitung durch das DMA zur Archivierung und Benutzung an die Musikalien- und Ton- trägersammlung der Deutschen Bücherei Leipzig weitergegeben. Schwerpunkt des Deutschen Musikarchivs ist die gesetzlich definierte Sammlung: Tonträger ab 1970 und Musikalien ab 1973. Gesammelt werden alle musikalischen Genres. Die histori- sche Tonträgersammlung geht bis in die Anfänge der Tonträgerproduktion 1877 zurück. Das Material stammt aus Sammlernachlässen und Ankäufen. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) hat im Juli 2000 das Deutsche Musikarchiv zum Sammlungsort ihrer Noten be- stimmt. Zugleich ist der Gesamtbestand des GEMA-Archivs von 210.000 Noten dem Deut- schen Musikarchiv übereignet worden. Mit der Übernahme des Musikinformationszentrums des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR (MIZ) stehen Tonbän- der, Noten und Werkkarteien zur Verfügung, die das Musikleben und -schaffen der ehemali- gen DDR auf dem Gebiet der E-Musik dokumentieren. Ende 2004 befanden sich im Bestand des Deutschen Musikarchivs Berlin 250.000 Notendru- cke, 310.000 CDs, 207.000 Langspielplatten, 48.000 Singles und 2.500 Musikvideos. Diese Bestände können vor Ort benutzt werden. Sei 1998 leitet Dr. Ingo Kolasa das Deutsche Musikarchiv Berlin. II. Arbeitsbereiche und ausgeführte Tätigkeiten 1. Einführungen Im Laufe meines Praktikums lernte ich zusammen mit meiner Mitpraktikantin Frau Julia Brunner von der Fachhochschule Potsdam (Studiengang Informationswissenschaften / Biblio- thek) alle wesentlichen Arbeitsbereiche im Deutschen Musikarchiv kennen. Wir begleiteten in den ersten drei Wochen täglich andere Mitarbeiter, die uns in ihre Tätigkeiten einführten.
  • 5. - 3 - Allgemeines Dr. Ingo Kolasa, der Direktor des Hauses, gab uns eine allgemeine Einführung ins DMA. Da- bei ging er auf Funktion und Struktur der Einrichtung sowie auf die Geschichte des Gebäudes und des Grundstücks ein. Erwerbung Tonträger Die Tonträger, die durch die Pflichtstückverordnung in doppelter Ausführung ins Deutsche Musikarchiv gelangen, werden in der Abteilung „Erwerbung Tonträger“ von Frau Dietrich und zwei Kolleginnen bearbeitet. Das DMA kooperiert mit der PhonoNet GmbH in Hamburg im Bereich Digitalisierung, was im Erwerbungs- und Erschließungsprozess Konsequenzen hat: Nach dem Eingang der Tonträger im DMA werden die wichtigsten Daten in der Erwer- bung in das hauseigene Datenbanksystem, die Basic Suite, eingegeben und die Tonträger mit einem Barcode versehen. Dieser ist wichtig, um später bei der weiteren Bearbeitung schnell an den richtigen Datensatz zu kommen. Als nächstes werden die Tonträger nach Hamburg geschickt, wo PhonoNet sie digitalisiert: Es werden von sämtlichen Tracks mp3-Dateien er- stellt sowie die Covers eingescannt. PhonoNet sendet die Tonträger mitsamt der Digitalisate ans DMA zurück und darf seinerseits die Daten behalten – darin besteht die Kooperation; PhonoNet ist u.a. für die Internetseite www.musicline.de verantwortlich. Im Folgenden kann die ausführliche Erschließung durch das DMA stattfinden. Diese geschieht mit Hilfe des Da- tenbanksystems WinIBW. Zwischen der Basic Suite und WinIBW existiert eine Schnittstelle, so dass die vorhandenen Daten weiterverwendet werden können. Eine solche Schnittstelle wäre auch zwischen dem DMA und PhonoNet wünschenswert, damit der Datentransfer effek- tiver erfolgen könnte. IT Frau Seiberlich kümmert sich um das Netzwerk innerhalb des DMA. Sie gab uns die Zu- gangsdaten für die PCs an unseren Arbeitsplätzen, zeigte uns die wichtigsten Programme und Funktionen und gab uns einen Überblick über die Struktur des hausinternen Netzwerkes. Zur Veranschaulichung gingen wir in den Serverraum. Wenn im DMA Probleme bei der Benutzung von Computern oder Computeranwendungen auftreten, dann wendet man sich an Herrn Hack. Neben der Behebung dieser Probleme ist seine Aufgabe vor allem die Anwendungsprogrammierung. Eine seiner zentralen Program-
  • 6. - 4 - mierarbeiten ist das Benutzungs- und Ausleihsystem (BAS) am DMA, das eine Vielzahl von Vorgängen unter einer Oberfläche vereint. Weitere Projekte sind ein Bestandskatalog zu den historischen Abspielgeräten des Hauses sowie der Aufbau einer Datenbank zum GEMA- Archiv. Dabei sei es nach Angaben von Herrn Hack immer am effektivsten, wenn bei der Auftragserteilung für eine solche Datenbank ein Pflichtenheft vorliegt. Dieses grenzt den Rahmen seiner Programmierarbeit möglichst exakt ein, indem es die Anforderungen deutlich macht. Verwaltung Für die Verwaltung im Haus ist Herr Heerer zuständig. Wir sprachen mit ihm u.a. über Be- triebssicherung, Dienstrecht, Haushaltsplanung, Stellenbesetzung und die Organisation Der Deutschen Bibliothek. Die Verwaltung wird auf die zwei Häuser in Frankfurt und Leipzig aufgeteilt: So ist die DB Leipzig z.B. für Dienstreisen zuständig, während sich die DB Frank- furt um die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter kümmert. Dem DMA fallen als Abteilung der DB Frankfurt dementsprechend nur wenige Kompetenzen zu. Viele Vorgänge im Perso- nalwesen, die das DMA betreffen, laufen über Frau Dr. Elisabeth Niggemann und den Ge- samtpersonalrat in Frankfurt ab. Herr Heerers Aufgabenbereich im DMA ist der so genannte „Innere Dienst vor Ort“. Als qua- si „Buchhalter“ des Hauses muss er dafür sorgen, dass von allen benötigten Arbeitsmateria- lien immer genügend vorrätig ist bzw. rechtzeitig angeschafft wird. Das Spektrum erstreckt sich von Bleistiften bis zum neuen Computer. Ähnlich verhält es sich mit sämtlichen Diens- ten, die rund um das Haus anfallen: Dazu gehören beispielsweise die Putzfrau, der Fenster- putzer, der Botendienst oder der Handwerker. Sobald eine Anschaffung angestrebt wird, müs- sen per Ausschreibung mehrere Angebote eingeholt werden. – Die Höhe der angestrebten Ausgaben hat Konsequenzen für die Art der Ausschreibung und die Anzahl der nötigen Be- werber. Wirtschaftlichkeit zählt hier vor dem Preis. Letztlich entscheidet eine Auftragsverga- bekommission, die in Frankfurt sitzt, wer den Zuschlag erhält. Benutzung / Öffentlichkeitsarbeit im DMA Frau Berr und ihre Kolleginnen aus der Abteilung „Benutzung“ erreichen täglich Anfragen zu bestimmten Musikstücken und Musikalien. Die Personen, die sich auf der Suche danach ans DMA wenden, haben entweder schon alle ihre Möglichkeiten ausgeschöpft oder ganz speziel- le Wünsche. Neben Privatpersonen und Wissenschaftlern treten z.B. auch Radiosender und
  • 7. - 5 - das Fernsehen ans DMA heran, wenn diese zu bestimmten Produktionen spezielles Material benötigen. Die Recherche nach Tonträgern, Musikalien oder bibliografischen Angaben über diese ist kostenpflichtig und wird über eine Gebührenordnung geregelt. Das DMA stellt auf Anfrage Umschnitte von Tonträgern her. Dabei gilt jedoch, dass der entsprechende Tonträger bereits zwei Jahre lang nicht mehr im Handel erhältlich sein darf. Damit soll der Plattenin- dustrie kein Schaden zugefügt werden. Das Umschneiden wird pro Viertelstunde berechnet. Je älter das Medium, desto komplizierter ist das Kopieren und umso höher der Preis. Näheres regelt wiederum die Gebührenordnung. Bei der Recherche steht den Mitarbeiterinnen ein umfangreicher Suchapparat zur Verfügung. Zunächst werden am Computer alle verfügbaren online- und offline-Informationsdienste durchsucht: Suchmaschinen, OPACs, Bibliografien, Handelsverzeichnisse und sonstige Da- tenbanken im nationalen und internationalen Raum. Alternativ und ergänzend fungieren die gedruckten Informationsmittel im DMA: Kartenkataloge sowie diverse Nachschlagewerke und Bibliografien in der internen Handbibliothek. Da die Recherchen kostenpflichtig sind, werden möglichst alle Suchmittel berücksichtigt. Problematik Magazin Herr Adam führte uns durch das Magazin des DMA. Ein Großteil der Bestände lagert im Kel- ler des Gebäudes, der aus bibliothekarischer Sicht eine Besonderheit darstellt: Er erstreckt sich nämlich über eine Vielzahl von einzelnen Räumen, die in unregelmäßiger Anordnung einen großen, zunächst unüberschaubaren Komplex ergeben. Der Grund hierfür liegt in der Geschichte des Gebäudes: Ehemals als Villa konzipiert, ist es natürlich auch im Keller nicht an die Anforderungen eines Bibliotheksmagazins angepasst. Doch das Tiefgeschoss hat auch seine Vorteile: Die Temperaturen sind hier relativ konstant. Die Platzreserven reichen auf jeden Fall noch bis zum geplanten Umzug des Deutschen Musikarchivs nach Leipzig aus. Erwerbung Musikalien Äquivalent zur Erwerbung der Tonträger verfährt die Abteilung „Erwerbung Musikalien“ mit den Noten, die im DMA eingehen. Auch Frau Gebhardt-Freienstein, die uns einführte, arbei- tet mit der Basic Suite: Dort gibt sie die ersten Informationen zu den Musikalien ein, bevor eine ausführliche Titelaufnahme durch die Formalerschließung erfolgt. Das DMA steht mit etwa 7000 Musikalienverlagen in Kontakt. Eine Kooperation zur PhonoNet GmbH oder einer ähnlichen Einrichtung besteht nicht, wäre aber durchaus denkbar und sinnvoll.
  • 8. - 6 - Wir widmeten uns ausführlicher dem Thema „Mahnungen“. Frau Gebhardt-Freienstein re- cherchiert regelmäßig im Internet und in Zeitschriften nach Verlagen bzw. ihren Publikatio- nen und erkundet, ob von diesen Musikalien schon die beiden Pflichtstückexemplare zum DMA geschickt worden sind. Eine weiterer Weg stellt das Mahnsystem der DB Frankfurt und der DB Leipzig dar: Dieses ermittelt automatisch ISBN von Musikalien, die das DMA noch nicht erhalten hat. Fehlt nun eine Musikalie, wird der entsprechende Verlag gemahnt, diese in zwei Ausführungen dem DMA zukommen zu lassen. Die Verlage agieren unterschiedlich: Viele kommen der Aufforderung auch ungebeten nach, einige (vor allem kleine Verlage und Privatpersonen) wissen nichts von der Pflichtstückverordnung und müssen erst informiert werden und bei nicht wenigen kommt es zu Verzögerungen, weil sie nicht daran denken oder die Abgabe bewusst ignorieren. In letztgenannten Fällen folgen seitens des DMA weitere Mahnungen. – Als finales Mittel steht ein Verwaltungszwangsverfahren zur Verfügung, zu dem es aber in der Regel nicht kommt. Wie Frau Gebhardt-Freienstein sagte, seien persönli- che Gespräche mit den Verantwortlichen meistens eine gute Möglichkeit, die Verlage zum Umdenken zu bewegen. Historische Tonträger – Erwerbung und Betreuung Die interessanteste Arbeit im DMA hat Herr Schleußner-Schwarz: Er kümmert sich um die Sammlung der historischen Tonträger. Wir sprachen zunächst über die Geschichte der Ton- träger von den Anfängen ausgehend. Zur Veranschaulichung gingen wir auch durch die Dau- erausstellung im Gebäude, die sich mit diesem Thema beschäftigt. Wenn man die historischen Tonträger – vom Edison-Zylinder bis zur Vinyl-Schallplatte – untersucht, stellt man fest, dass die Schellackplatte von allen diesen Medien das beständigste war: 1887 entwickelt, war sie noch bis 1958 der wichtigste Tonträger auf dem Markt. Dem- entsprechend zentral ist die Schellackplatte auch bei der Beschaffung weiterer historischer Tonträger für die Sammlung. Herr Schleußner-Schwarz hat pro Jahr einen bestimmten Etat zur Erwerbung zur Verfügung. Er durchsucht regelmäßig alle wichtigen Auktions- und Fest- preislisten im deutschen Raum, verhandelt mit Händlern und Sammlern und sichtet aufgelöste Sammlungen. Bevor die Schellackplatten gekauft werden, erfolgt eine Ankaufsrecherche: Herr Schleußner-Schwarz prüft nach, ob die Platte sich schon in der Sammlung befindet; zur Recherche kommen die Deutsche Nationalbibliographie für Historische Tonträger, die Basic Suite und selbst erstellte Eingangslisten in Frage. Der Gesamtbestand der sich im Umlauf be-
  • 9. - 7 - findlichen Schellackplatten ist eine abgeschlossene Sache: Es werden keine weiteren Exemp- lare mehr produziert. Dennoch ist der Markt ständig in Bewegung und sehr aktiv. Das liegt daran, dass über genaue Stückzahlen nur schwer bzw. gar nicht geurteilt werden kann. Zum einen war es früher in Zeiten knapper Kassen gängige Praxis, Platten zu recyclen, mehrere alte im Tausch gegen eine neue abzugeben, damit aus dem kostbaren Material neue Rohlinge hergestellt werden konnten. Zum anderen ist davon auszugehen, dass im Laufe der Zeit nicht wenige Platten kaputtgegangen sind. Aus diesen Gründen lässt sich immer nur über den Preis einer Schellackplatte spekulieren. Die Händler wissen meistens am ehesten, wie häufig sie ein Exemplar in der Hand gehalten haben und welcher Seltenheitswert sich daraus ergibt. Ähnli- che Erfahrungswerte helfen auch Herrn Schleußner-Schwarz weiter, seinen Etat sinnvoll aus- zugeben. Das DMA besitzt zwischen 180.000 und 190.000 Schellackplatten. Pro Jahr vergrößert sich die Sammlung um ungefähr 2000 Exemplare. Der Bestand wird im Magazin aufbewahrt. Das Material erfordert spezielle Vorkehrungen: Vier Schellackplatten wiegen ca. ein Kilo. Insge- samt ergibt sich also ein Gewicht der Sammlung von etwa 45 Tonnen. Die Regale sind dem- entsprechend stabil gebaut und die Räume verfügen über eine zusätzliche Stahlschicht unter dem Boden, damit die Statik nicht unter dem Gewicht leidet. Thematik Normdateien Der Bereich der Normdateien ist Frau Kohn zugeteilt. Im DMA werden mehrere Normdateien angesetzt: Neben Körperschaften, die die Verlage mit einschließen, und Personen gehören dazu auch die Einheitssachtitel (EST). Wir sprachen über die Vorgehensweise und Probleme bei der Ansetzung von Körperschaften und Personen. Wenn für eine Körperschaft noch keine Normdatei existiert, dann wendet sich die entsprechende Kollegin aus der Titelaufnahme an Frau Kohn. Der Anfrage liegen meist schon einige Informationen bei, die in einer ersten groben Recherche ermittelt wurden. Zur Erstellung des Normdatensatzes recherchiert Frau Kohn nun noch einmal genauer im Internet: Dabei geht sie den Hinweisen der Titelaufnahme nach, nutzt Suchmaschinen wie Google, sucht auf offiziellen Seiten der Körperschaft oder in allgemeinen Nachschlagewerken wie dem All music guide1 . 1 Siehe www.allmusic.com
  • 10. - 8 - Muss ein Personennormdatensatz angelegt werden, geschieht dies in erster Linie durch die Kolleginnen aus der Titelaufnahme. Es gibt hier also keine zentrale Aufnahme wie bei den Körperschaften. Wenn allerdings eine Transliteration des Namens erforderlich wird oder er generell sehr kompliziert ist, erledigt auch diesen Vorgang Frau Kohn. Viele Personen tragen den gleichen Namen. Deshalb werden die Personendatensätze individualisiert: Sie erhalten zusätzliche Informationen zur bestreffenden Person, um sich von den gleichnamigen Anderen abzugrenzen. Dabei kann es sich z.B. um Lebensdaten oder ausgeübte Funktionen handeln. Alternativ zur Individualisierung steht der Personennormdatensatz, der mehrere gleichnamige Personen ohne weitere Angaben zusammenfasst, universell verwendet wird. Die Regeln für die alphabetische Katalogisierung (RAK) sehen eine Individualisierung eigentlich nicht vor, doch es kann damit gerechnet werden, dass dies demnächst in Form einer Ergänzung des Re- gelwerks geändert wird. Sachgebiet Formalerschließung (FE) Das maßgebliche Regelwerk für die formale Erschließung im DMA sind die RAK-Musik, eine Erweiterung der RAK-WB. Bis 2004 wurde eine Auflage aus dem Jahre 1986 verwendet, seitdem benutzt man die 2003 aktualisierte Fassung. Frau Kumm, die uns einführte, kritisierte an den RAK-Musik vor allem, dass sie zu unflexibel seien, um auf neue Entwicklungen im Tonträgermarkt einzugehen, und dass sie noch zu sehr der Ära des Zettelkataloges verhaftet seien. Wie die alten Auflagen der RAK-Musik wird auch die aktuelle vom DMA mit einigen Hauszusätzen verwendet. FE Musikalien Die Musikalien gelangen aus der Erwerbung in die Formalerschließung zu Frau Ellermann und einer Kollegin. Die Titelaufnahmen erscheinen im OPAC des DMA; alle vier Wochen werden die Neuerscheinungen in der Nationalbibliografie zusammengefasst. Frau Brunner und ich versuchten uns an jeweils einer Titelaufnahme. Wir überprüften zunächst in der Wi- nIBW, ob zu allen in den Publikationen auftretenden Werken, Personen, Verlagen und Serien Normdaten bestehen. Die fehlenden EST-Sätze legten wir selbst an. Dazu war allerdings noch eine Recherche notwendig: Im Internet und in der Handbibliothek versuchten wir die Anga- ben der Vorlage zu verifizieren und zusätzliche Informationen zu erhalten. Nachdem wir alle Details zusammengetragen und die Normdaten angelegt hatten, nahmen wir mit der Hilfe von Frau Ellermann unsere Musikalien auf (Beispiel für die Titelaufnahme einer Musikalie in Wi- nIBW: Siehe Anhang 1).
  • 11. - 9 - FE Tonträger E-Musik / U-Musik Genau wie bei der Formalerschließung von Musikalien gehen auch Frau Quast und Frau El- lermann bei der Titelaufnahme von Tonträgern vor: Wenn Personennormdaten oder Einheits- sachtitel fehlen, legen sie neue Datensätze an, nachdem sie alle nötigen Informationen im In- ternet, den internen Datenbanken und in der Handbibliothek zusammengetragen haben. Die Formalerschließung von sogenannter E(rnster)- und U(nterhaltungs)-Musik unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten. Bei E-Musik ist der EST eine zentrale Kategorie: Er gibt Auskunft darüber, über welche Gattung von Musik es sich handelt (Bsp.: Beethoven, Ludwig van : Sinfonien), oder im Falle eines individuellen Einheitssachtitels, wie der Titel des Stü- ckes lautet (Bsp.: Mozart, Wolfgang Amadeus : Die Zauberflöte). E-Musik ist in der Regel nicht interpretengebunden, d.h. die Haupteintragung findet unter dem Komponisten statt. Hingegen ist U-Musik interpretengebunden. Auch fällt bei ihr der Einheitssachtitel weg. Ins- gesamt lässt sich festhalten, dass die Formalerschließung von E-Musik umfangreichere Re- cherchen benötigt, während es bei U-Musik manchmal schwieriger ist, an Informationen über bestimmte Personen zu gelangen, weil nicht immer so ausführliche und umfangreiche Nach- schlage bestehen wie im Bereich der E-Musik. Im Anhang befindet sich jeweils ein Beispiel einer Titelaufnahme für E- (Anhang 2) und U- Musik (Anhang 3). FE Historische Tonträger Herr Kelbassa und Frau Hoffmann fertigen Titelaufnahmen der Schellackplatten an, die von Herrn Schleußner-Schwarz erworben wurden. Dieser Vorgang ist einfacher als bei den einge- henden CDs und Musikalien: Da keine Regeln für die formale Erschließung von Schellack- platten bestehen, wird der Inhalt direkt von der Vorlage in die einzelnen Kategorien der Da- tenbank übernommen. Auch in diesem Fall dient die Basic Suite als Arbeitsmittel. Zunächst wird überprüft, ob sich in der Sammlung schon ein Exemplar der jeweiligen Aufnahme befin- det. Ist dies so, wird nur die Anzahl im Datensatz um eins erhöht. – Er werden bis zu zehn Exemplare von einer Aufnahme gesammelt. Fehlt eine Titelaufnahme, wird sie angelegt. Eine Besonderheit ergibt sich aus den verwendeten Bestell- und Matrizennummern. In der Anfangszeit der Schellackplatten stimmten diese beiden Nummern überein, später vergab man
  • 12. - 10 - zwei verschiedene. Als die Schellackplatten zweiseitig bespielt wurden, bekam jede Seite eine jeweils eigene Bestell- und Matrizennummer. Hinzu kommt, dass manchmal dieselbe Auf- nahme auf der einen mit verschiedenen anderen auf der zweiten Seite kombiniert wurde. Die Bestell- und Matrizennummer war bei einer Aufnahme immer dieselbe trotz der Kombination mit verschiedenen anderen. So ergeben sich jetzt mitunter die verschiedensten Verbindungen von Bestell- und Matrizennummern inklusive der Wiederholungen. Dieser Umstand macht die ganze Angelegenheit etwas unübersichtlich und erfordert bei der Recherche große Aufmerk- samkeit. Tonstudio Zum Haus gehört auch ein Tonstudio, das von Herrn Räck geleitet wird. Es werden hier hauptsächlich Übertragungen von Tonträgern auf CD-R für die Benutzer erstellt. Der Service ist kostenpflichtig.2 Für alle möglichen Tonträger ist die entsprechende Abspieltechnik vor- handen. Daraus ergeben sich Probleme: Fast jedes Jahr erscheint mindestens ein neues Ton- trägermedium. Es muss immer die neue dazugehörige Technik gekauft werden, selbst wenn es sich nur um ein vorübergehendes Medium handelt. Weitere Kosten ergeben sich für die In- standhaltung älterer Geräte. Zum Teil existieren nur noch wenige Firmen, die Ersatzteile zu bestimmten Fabrikaten liefern können, manchmal ist selbst dies nicht mehr gegeben. Eine weiteres Arbeitsfeld sind Wiederveröffentlichungen von alten Aufnahmen auf CD. Es besteht u.a. eine längere Zusammenarbeit mit dem Label Bear Family Records, das sich auf Countrymusik und Oldies spezialisiert hat. In der Reihe zeitgenossen ost werden wichtige Werke von Komponisten aus der ehemaligen DDR, zum größten Teil als Originalaufnahmen der Uraufführungen vorhanden, wiederveröffentlicht. 2. Arbeiten in der Handbibliothek Das DMA verfügt über eine Handbibliothek, die den Benutzern öffentlich zugänglich ist. Sie beinhaltet circa 18.000 Bände, bei denen es sich um einen repräsentativen Querschnitt neuerer und älterer musikwissenschaftlicher Literatur handelt. Bis vor kurzem war sie nur durch einen Zettelkatalog erschlossen, aber nicht nachvollziehbar aufgestellt, was eine Benutzung äußerst erschwerte. Man entschloss sich, den Zettelkatalog retrokonvertieren zu lassen – dies über- nahm die ungarische Firma Medea. Jetzt, da die Titel alle in der WinIBW verzeichnet sind, arbeiten mehrere Mitarbeiterinnen aus der Formalerschließung daran, diese Titelaufnahmen 2 Näheres dazu siehe Benutzung / Öffentlichkeitsarbeit im DMA (S. 4)
  • 13. - 11 - auf mögliche Fehler zu überprüfen, die Bestände mit Signaturen zu versehen und die Hand- bibliothek nach und nach geordnet wieder aufzustellen. Bei der Signaturenvergabe und der Aufstellung dient die Systematik des Musikschrifttums (SMM), die in vielen Musikbibliothe- ken Verwendung findet und mittlerweile in der dritten Auflage, 1991 vom damaligen Deut- schen Bibliotheksinstitut (DBI) herausgegeben, besteht. Bislang sind bereits ca. zwei Drittel der Literatur auf diese Weise bearbeitet worden. Während unseres Praktikums verbrachten Frau Brunner und ich nachmittags häufig Zeit da- mit, bei dieser Arbeit zu helfen. III. Einschätzung des Praktikums Ich kann viele positive Dinge aus meinem Praktikum mitnehmen: 1. Ich habe im Laufe der vier Wochen in sehr angenehmer Atmosphäre mit dem DMA eines der drei großen Häuser Der Deutschen Bibliothek und das bedeutendste Mu- sikarchiv in Deutschland kennen gelernt. 2. Dabei wurden mir sämtliche Arbeitsabläufe innerhalb des Hauses von den entspre- chenden Mitarbeitern näher gebracht. So habe ich jeweils einen guten Einblick in die Vorgehensweisen aber auch die auftretenden Probleme der einzelnen Abteilungen be- kommen und mir ein vielfältiges Bild von den Aktivitäten im DMA machen können. 3. Auch den Umstand, dass ich mit so vielen verschiedenen Menschen Kontakt hatte, möchte ich positiv hervorheben. Es war sehr interessant, Eindrücke aus der Arbeits- welt zu sammeln und z.B. über die unterschiedlichen Werdegänge der Mitarbeiter zu reden. 4. Vor allem während der letzten Woche konnte ich bei der Arbeit in der Handbibliothek einmal praktische Erfahrungen in einer typischen bibliothekarischen Tätigkeit machen. 5. Das Doppelpraktikum als Organisationsform hat mir gut gefallen. Als einzige Kritikpunkte möchte ich vermerken, dass es auf Grund der täglich wechselnden Einführungen einerseits nicht immer möglich war, ein Thema tiefer zu ergründen. In der ers- ten Phase fehlte außerdem eine größere, übergreifende Aufgabe, wie wir sie zum Ende hin mit der Handbibliothek bekamen. Doch die positiven Aspekte überwiegen eindeutig. Ich habe das gesamte Praktikum mit Spaß und großem Interesse verfolgen können.