P O R T F O L I O
Nicole Höhna
Sommersemester 2012
Sommersemester 2011
Wintersemester 2010|2011
Wintersemester 2011|2012
Gala 2012 | S. 6 - 9
Schloss Türnich | S. 10 - 25
Ansichten und Details | S. 26 - 33
alles neu | S. 36 - 45
Die Seele der Dinge | S. 46 - 53
Störungen | S. 54 - 59
Social Interaction Design | S. 60 - 61
Praktikum | S. 64 -65
Bezirksregierung Köln | S. 66 - 69
Soundscape Cologne | S. 72 - 73
Experimental Haute Couture | S. 74 - 75
Wahrnehmungsmanagement | S. 76 - 77
Inhaltsverzeichnis
Sommersemester 2010
Sommersemester 2009
Wintersemester 2008 |2009
Wintersemester 2009|2010
Vorlesung SI | S. 80 - 87
New Talents 2010 | S. 88 - 89
Wissenschaftliches Arbeiten | S. 90 - 93
Zeichen | S. 94 - 97
Texte für Designtheorie | S. 100 - 104
Vom Produkt zum Prozess | S. 106 - 107
Communicating with Signs | S. 108 - 109
Katastrophen-Design | S. 112 - 113
Toolbox Ökodesign | S. 114 - 115
love me fender | S. 116 - 117
Sweets 2009 | S. 120 - 123
Mit freundlichen Grüßen | S. 124 - 127
Sommersemester
2012Gala 2012 | S. 6 - 9
Schloss Türnich | S. 10 - 25
Ansichten und Details | S. 26 - 33
76
KISD Gala 2012
Die Planung dieses Events begann Anfang Mai 2012. Drei zusam-
menhängende Veranstaltungen galt es zu organisieren. Erstens: den
Galaabend (dieVerleihungderDiplomeunddasentsprechende Ca-
tering und Unterhaltungsprogramm), zweitens: die anschließende
Abschlussparty für die Absolventen und drittens: die dreiwöchige
Ausstellung der Abschlussarbeiten mit begleitendem Programm aus
Vorträgen, Podiumsdiskussionen, sowie Parties zu entsprechenden
Themen im Design Quartier Ehrenfeld.
Wir bildeten zu Beginn verschiedene Gruppen, welche sich den
entsprechenden Events annahmen. Die Kommunikationsgruppe war
fürs Corporate Design, die Erstellung des Jahrbuches und alle weite-
ren kommunikatorischen Mittel(Plakate, Flyer, Website,...) zuständig.
Die Finanz- und Sponsorengruppe kümmerte sich um die finanziellen
Mittel und die Verwaltung der Sponsoren.Es gab weitere Gruppen für
die Gestaltung des Galaabends und des dazugehörigen Programms
(unter anderem: das Professoren-Duell und die Ziehung der Tombola-
Lose), der Abschlussparty,derAusstellungderDiplomarbeiten und
die Dekoration der Veranstaltungsräume. Auch das Catering und die
Tombola wurden in extra Teams vorbereitet.
Wöchentlich fanden Treffen aller Gruppen statt, um jeden Teilneh-
mer über die Vorgänge und Fortschritte im Prozess zu informieren
und gemeinschaftlich über Beschlüsse abzustimmen.
Erwartungsgemäß stressig wurde es, je näher das Event rückte.
Hierbei erweiterten die Gruppenmitglieder ihre Tätigkeitsfelder und
unterstützten sich gegenseitig, wobei jeder Teilnehmer seine orga-
nisatorischen Fähigkeiten auf den Prüfstand stellte.Rückblickend
war es ein gelungener Abend, an den sich die Absolventen und deren
Begleitungen und weitere Gäste hoffentlich gern erinnern werden.
KISD Gala 2012 / Eventorganisation / Sommersemester 2012 /19.04.2012 bis 11.07.2012
Das Rundum-Projekt der KISD: von Catering, Sponsoring,
Raumkonzepten, Corporate Design und Partyorganisation
war alles Eventorganisatorische vertreten.
Impressionen des
Galaabends und
der Ausstellung der
Abschlussarbeiten
im Design Quartier
Ehrenfeld
98
KISD Gala 2012 / Eventorganisation / Sommersemester 2012 / 19.04.2012 bis 11.07.2012
1110
Identität Schloss Türnich / MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012
Identität Schloss Türnich
Das Schloss Türnich in Kerpen-Türnich ist vielseitig,
sowohl in architektonischer, als auch in kultureller
Hinsicht: Überraschungen inbegriffen.
Das Schloss Türnich in Kerpen (in der Nähe von
Köln) ist ein äußerst geschichtsträchtiger Ort. Seine
Ursprünge reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück,
doch seine derzeitige äußere Erscheinung wurde
hauptsächlich in der Mitte des 18. Jahrhunderts
geprägt. Es befindet sich seit dem 19. Jahrhundert
im privaten Besitz der gräflichen Familie von und
zu Hoensbroech.
Die Schlossanlage setzt sich aus verschiedenen
Bereichen zusammen, so gibt es den Aspekt der Ar-
chitektur: das Herrenhaus, die Schlosskapelle und
eine Vorburg mit angeschlossenem Hofcafé; eine
Gartenanlage, welche sich aus barockem Schloss-
garten im französischen Stil, einem Englischen
Landschaftsgarten und einem Waldgebiet zusam-
mensetzt und einen Obstpark, in welchem Obst
und Gemüse nach demeter-Vorgaben angebaut und
auch Saft gekeltert wird.
Durch eine drastische Grundwasserabsenkung
in den Siebzigerjahren, bedingt durch Bergabauar-
beiten geriet das Schloss in einen sehr schlechten
baulichen Zustand: es drohte auseinanderzubre-
chen und die Folgeschäden sind bis heute sichtbar.
Der Erhalt der gesamten Anlage ist ohne staat-
liche finanzielle Unterstützung nicht zu gewähr-
leisten, dementsprechend plant die Familie von
Hoensbroech die Gründung einer Stiftung und ist
auf der Suche nach Investoren.
Schloss Türnich visuell als Ganzes greifbar zu
machen und die vielen Einzelaspekte zu vereinen,
Menschen über den Ort zu informieren und für
die Problematik zu sensibilisieren war Ziel dieses
Projektes. Im Zuge der anstehenden Profanisierung
des Schlosses und somit eines »Zurücktretens«
der gräflichen Familie bezüglich der Belange des
Schlosses war es aus unserer Sicht auch notwendig
dieses Zurückstellen des Privaten in der neuen Cor-
porate Identity zum Ausdruck zu bringen. Das so
geschaffene Erscheinungsbild ist also nicht primär
mit Konnotationen des Adels: also Exklusivität,
Traditionalität und (teilweise eben auch) Eleganz
behaftet, sondern mit Bodenständigkeit, Schlicht-
heit und einer gewissen Zurückhaltung. Es soll
solide, ruhig und stimmig wirken.
Das derzeitige
Erscheinungsbild von
Schloss Türnich wirkt
zusammengewürfelt
und unschlüssig.
1312
Identität Schloss Türnich / MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012
Mehrere Varianten des Wappens
finden Anwendung, wobei die Rück-
sicht auf heraldische Gesichtspunkte
in den Hintergrund tritt.
private
public
unity diversity
narration
experienceheritage
modernity
balance
farm
the Obstpark
with its related
services and
opportunities
hospitality
gastronomical
services and
products for
visitors
Events and renting
opportunities for
individuals  companies
education
services for
educational
facilities and
guided tours
castle
garden
the various gardens,
the Labyrinth and
geomantic stones
Die vier Bereiche, in
welche sich die Akti-
vitäten um Schloss
Türnich aufteilen
lassen
Kernbegriffe,
welche gemeinsam
mit der Familie von
Hoensbroech erar-
beitet wurden
Kernbegriffe rund um Schloss Türnich
Cluster
investors
visitors
educational
kindergardens
culturally interested
schools
enthusiasts
locals
organic food customers
colognians
individuals
companies
weddings
public institutions
private investors
corporations
foundations
internationals
cyclists
families
renters
1514
Identität Schloss Türnich / MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012
Übersicht über die Ziel-
und Dialoggruppen,
welche rund um Schloss
Türnich involviert sind
der sein können
Ziel- und Dialoggruppen
1716
Identität Schloss Türnich / MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012
Im Torbogen des
Eingangsbereiches
befindet sich diese
Ausführung des
Wappens
Herleitung des Logos
Schloss
Türnich
Schloss
Türnich
Der limburgische
Löwe, das Wappen-
tier der Familie von
Hoensbroech und
die Typo stehen im
Vordergrund
Logo in zwei Varianten
½w
h
½ h
½ w
w
Schloss
Türnich
Schloss
Türnich
1918
Identität Schloss Türnich / MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012
Proportionen
Proportionen des
Logos und die Auf-
teilung in Segmente
Geschäftsbrief,
Investorenbroschüre
und Informationsflyer
Printanwendungen
2120
Identität Schloss Türnich / MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012
gleichbleibende
Darstellbarkeit
auf verschiedenen
Geräten
Webauftritt
investor
related
hoensbroech
demeter
alcea
produ
cts
servic
es
Farbschema für die
unterschiedlichen
Tätigkeitsbereiche
Farbschema
2322
Identität Schloss Türnich / MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012
Etikettkonzept für
die Produktpalette
des Obstparkes
Schloss Türnich
Produktpalette
Herrenhaus Kapelle Hofcafé Englischer
Garten
Geomantie
Barock-
garten
Linden-
kathedrale
HofladenLabyrinthObstpark
Orientierung auf Schloss Türnich
Zugänge zum
Schlospark und
öffentliche Wege
auf dem Gelände
Piktogramme für
das Orientierungs-
system
2524
Identität Schloss Türnich / MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012
Geländeplan mit
Informationsflyern
und Infopanel
Rendering der Kaiser idell mit Cinema 4D
2726
Ansichten
und Details
Ansichten und Details / WS / Design for Manufacturing / Sommersemester 2012 /18.04.2012 bis 27.06.2012
In diesem Seminar standen die Wahrnehmung
und Untersuchung von Details an Gebrauchsgegen-
ständen im Fokus. Das Objekt meiner Wahl:
die Scherenlampe 6718 der Firma Kaiser idell.
Das wissenschaftliche Seminar »Ansichten und Details« erstreckte
sich über ein Semester. Hierbei wählte sich jeder Teilnehmer einen
Gegenstand und untersuchte diesen nach Parametern wie Funktion,
Material, Bauteilen und Oberfläche. Es wurde vermessen, zerlegt und
fotografiert. Im Anschluss fertigte jeder Teilnehmer eine technische
Zeichnung an und erstellte wahlweise ein dreidimensionales Modell
des Gegenstandes.
Ich wählte die Scherenlampe Modell 6718 der Firma Kaiser idell.
Konzipiert wurde sie von Christian Dell (*24.02.1893 in Offenbach am
Main; †18.07.1974 in Wiesbaden) welcher unter anderem Meister am
Weimarer Bauhaus war. Ab der Mitte der zwanziger Jahre entwarf er
zahlreiche Beleuchtungskörper für die Lampenfabrik Gebr. Kaiser 
Co in Neheim-Hüsten (Arnsberg). Diese vornehmlich für Arbeitsberei-
che und Werkstätten entwickelten Lampen wurden mit dem Slogan
»Der Arbeit zu Nutz – den Augen zum Schutz« beworben und erfreuen
sich heute wieder großer Beliebtheit in Form von Schreib- und Nacht-
tischlampen, angepriesen von beispielsweise Manufactum, der »fast
literarischen Warenkunde«.
Die mir vorliegende Lampe beeindruckte einerseits durch ihre aus-
gewogene Form und ihr Alter von ungefähr achzig Jahren und mehr
noch durch ihre volle Funktionsfähigkeit. Alle Gelenke sind leichtgän-
gig und stabil und das Objekt weist in seinen Einzelteilen trotz leichter
Rostspuren keine Beschädigungen oder Mängel auf.
Fotostudioaufnahmen der Kaiser idell
2928
Linke Seite:
Aufnahmen aus
dem Fotostudio
Rechte Seite:
Modellierte Lampe
ohne Textur
Seite 23 unten:
Detailrendering der
Verbindung zwischen
Lampenhals und
Schirm
Ansichten und Details / WS / Design for Manufacturing / Sommersemester 2012 /18.04.2012 bis 27.06.2012
Rendering der Kaiser idell mit Cinema 4D
3130
Ansichten und Details / WS / Design for Manufacturing / Sommersemester 2012 /18.04.2012 bis 27.06.2012
Seite 26 oben:
Detailfoto des
Lampenschirms
Seite 26 untewn:
Detailrendering
eines Gelenks
Seite 27:
Rendering des
Lampenschirmes
3332
Ansichten und Details / WS / Design for Manufacturing / Sommersemester 2012 /18.04.2012 bis 27.06.2012
2011|
Wintersemester
alles neu | S. 36 - 45
Die Seele der Dinge | S. 46 - 53
Störungen | S. 54 - 59
Social Interaction Design | S. 60 - 61
|2012
alles neu:
Die Deutsche Akademie
für Sprache und Dichtung
Die Aufgaben der Deutschen Akademie sind vielfältig:
sie vergibt unter anderem den Georg-Büchner-Preis,
veranstaltet Tagungen und veröffentlicht Publikationen.
Hierbei ist es an der Zeit für ein neues Corporate Design.
3736
In diesem langfristigen Projekt war es unser Ziel,
eine neues Corporate Design für die „Die Deutsche
Akademie für Sprache und Dichtung“ zu erarbeiten.
Die Akademie vertritt die Interessen der deutschen
Literatur und Sprache im In- und Ausland. Sie hat
zahlreiche Betätigungsfelder, unter anderem veran-
staltet sie Tagungen, leistet Bildungsarbeit an meh-
reren deutschen Schulen, in dem sie Schüler und
Schriftsteller zusammenführt, vergibt insgesamt
fünf Preise, darunter der bedeutendste Literatur-
preis Deutschlands, der Georg-Büchner-Preis und
veröffentlicht eine Fülle von Publikationen.
Die Akademie möchte mehr öffentliche Wahr-
nehmung und strebt desweiteren an, an jüngeres
Publikum für ihre Vielzahl von Tätigkeiten zu
interessieren, doch gibt es derzeit keinen klaren
grafischen Zusammenhang zwischen ihren unter-
schiedlichen Aktivitäten, all ihre Publikationen
sehen bisher verschieden aus.
Über ein Semesterhinwegbeschäftigten sich
etwa 20 Studierende in jeweils fünf Gruppen mit
unterschiedlichen konzeptuellen Ansätzen mit
einem neues Erscheinungsbild. Im Sommer 2012
entschied sich die Deutsche Akademie für Sprache
und Dichtung intern für den Entwurf meiner Grup-
pe, derzeit arbeiten wir an der Implementierung
und an einem Corporate Design Manual.
D E U T
S C H E
A K A
D E M I E
F Ü R
S P R A
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D I C H
T U N G
Das alte Logo,
welches seit über
fünfzig Jahren
Verwendung
findet
Das neue Logo
für die Deutsche
Akademie für
Sprache und
Dichtung
D A DEUTSCHE AKADEMIE
FÜR SPRACHE UND DICHTUNG
D A DEUTSCHE AKADEMIE
FÜR SPRACHE UND DICHTUNG
D A DEUTSCHE AKADEMIE
FÜR SPRACHE UND DICHTUNG
D A DEUTSCHE AKADEMIE
FÜR SPRACHE UND DICHTUNG
D A DEUTSCHE AKADEMIE
FÜR SPRACHE UND DICHTUNG
D A DEUTSCHE AKADEMIE
FÜR SPRACHE UND DICHTUNG
D A DEUTSCHE AKADEMIE
FÜR SPRACHE UND DICHTUNG
3938
Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung / LP / Typografie und Layout / Wintersemester 2011/12 / 18.10.2011 bis jetzt
In diesem Konzept wird der Ansatz verfolgt, im
Logo selbst mit Sprache und Schrift zu spielen,
wobei gängige Seh- und Lesegewohnheiten provo-
ziert beziehungsweise auf die Probe gestellt werden.
Über eine konsequente Silbentrennung wird der
Name der deutschen Akademie für Sprache und
Dichtung vertikal angeordnet. Die Trennung erfolgt
dabeiüber auffällig farbigeSchrägstriche und nicht
wie gewohnt über Trennstriche.
Dadurch wird ein zeitgemäßes Erscheinungsbild
und Aufmerksamkeit über ein ungewohntes Schrift-
bild erzielt, das den Blick zugleich auf sich zieht
und gewissermaßen zum Innehalten motiviert. Die
Schrägstriche haben einen erhöht konstruierten
Neigungswinkel, zudem hebt sie diegrößereStrich-
stärkeoptischvon den Lettern ab. Auch die kontras-
tierende Farbgebung schließt eine Verwechslung
mit der Schrift weitgehend aus und ermöglicht so
trotz „Störung“ des gewohnten Leseflusses die
schnelle Erfassbarkeit aller relevanten Informati-
onen. Die „Gill Sans light“ wird in Versalien ver-
wendet und sorgt für ein deutliches und zugleich
elegantes Schriftbild, das auch in kleiner Punkt-
größe noch gut lesbar ist.
Durch die Silbentrennung entsteht Rhythmus
und Dynamik. Dieser Rhythmus sowie das Gestal-
tungselement der Schrägstriche lässt sich auf ver-
schiedene Informationen übertragen und verfügt
- auch unabhängig vom Namen der Akademie - über
einen hohen Wiedererkennungswert.
Um sich harmonisch und ebenso gut lesbar in eine
horizontale Logoleiste integrieren zu lassen, wurde
zusätzlich eine zweite Variante des Logos gestaltet,
die jedoch nur für diesen Fall verwendet wird. Der
Rhythmus des Logos lässt sich auf Titel, Veran-
staltungen, Preise oder Funktionsbezeichnungen
übertragen, um eine Kontinuität und Integrität des
Erscheinungsbildes in allen Medien und Formaten
zu gewährleisten. Derzeit nehmen wir aktuell Ände-
rungen aufgrund der Implementierung vor.
Linke Seite:
Freier Farbcode für
die Deutsche Aka-
demie für Sprache
und Dichtung, wobei
schwarz flächig als
Hintergrundfarbe
für Plakate, teilweise
Publikationen,
Einladungen oder
Postkarten dienen
kann.
Rechte Seite:
Buchcover für neue
und ältere Publika-
tionen der Deutschen
Akademie
4140
Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung / LP / Typografie und Layout / Wintersemester 2011/12 / 18.10.2011 bis jetzt
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Alexandraweg 23
D-64287
Darmstadt
Tel.: 49- (0)6151-4092-0
Fax.: 49- (0)6151-4092-99
sekretariat@deutsche-
akademie.de
http://www.deutsche-
akademie.de
Generalsekretär:
Dr. Bernd Busch
Tel.: 49- (0)6151-4092-0
E-Mail: bernd.busch@deut-
scheakademie.de
Assistenz:
Dorothea Martin, M.A.
Tel.: 49- (0)6151-4092-0
E-Mail: dorothea.martin@
deutscheakademie.de
Sehr geehrte Damen und Herren
Darmstadt, den 21. 05. 2012Dr. med. Max Mustermann
Wilhelm-Busch Str. 1018 a
51107 Darmstadt
Germany
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bernd Busch
D E U T
S C H E
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S P R A
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D I C H
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Geschäftsbrief:
In Fließtexten von
Geschäftspapieren
wird die „Gill
Sans light“ in
korrekter Groß- und
Kleinschreibung
verwendet.
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Dr. med. Max Mustermann
Wilhelm-Busch Str. 1018 a
51107 Darmstadt
Germany
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G E N E R A L
S E K R E T Ä R
D R . B E R N D
B U S C H
GLÜCKERT HAUS
ALEXANDRAWEG 23
64287 DARMSTADT
TEL 49 (0) 61 51 40 92 0
B E R N D . B U S C H @
D E U T S C H E A K A D E M I E . D E
4342
Visitenkarte: Rückseite Visitenkarte: Vorderseite
Briefumschlag
Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung / LP / Typografie und Layout / Wintersemester 2011/12 / 18.10.2011 bis jetzt
E I N L A D U N G Z U R H E R B S T T A G U N G
2 9. O K TO B E R B I S 0 1. N O V E M B E R
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2 9. O K TO B E R B I S 0 1. N O V E M B E R
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Plakate zu den
verschiedenen
Preisverlei-
hungen als rein
typografische
Varianten
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2 9. O K TO B E R B I S 0 1. N O V E M B E R
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J O H A N N
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M E R C K
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2 9. O K TO B E R B I S 0 1. N O V E M B E R
I N D A R M S TA D T I M S TA AT S T H E AT E R
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4544
Namensgeber
der Preise
in einem
Anschnitt, in
dem nur die
Mundpartie
(für Sprache
zuständig)
des Gesichts
sichtbar ist
Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung / LP / Typografie und Layout / Wintersemester 2011/12 / 18.10.2011 bis jetzt
Die Frage nach der Seele ist so alt wie die Mensch-
heitsgeschichte selbst und so weitläufig wie es theo-
logisches und philosophisches Erkenntnisstreben
in allen Teilen der Welt nur sein kann. So manch
einer hält die Frage nach der Seele von Menschen
oder gar von Objekten beziehungsweise die Fra-
ge nach dem Verhältnis von Körper und Seele für
metaphysische Spekulation, die jeder empirischen
Grundlage entbehrt. Andere wiederum identifizie-
ren in der Frage nach der Seele ein reines Schein-
problem, welches nur ein weiterer Beleg für unsere
Unfähigkeit sei, die Welt kognitiv und sprachlich
zu fassen. Man könnte also die Frage nach einer
beseelten Welt in den Sphären religiöser oder phi-
losophischer Wahrheitssuche oder in den Tümpeln
sprachlicher Unzulänglichkeiten belassen, würde
nicht an Designerinnen und Designer zuweilen
die Anforderung herangetragen, sie mögen doch –
durch Ihre Gestaltung – den Dingen eine besondere
Magie verleihen, ihnen eine Seele einhauchen. Und
tatsächlich finden sich immer mal wieder Dinge,
welche uns – über ihre Nützlichkeiten und ästhe-
tischen Eigenschaften hinaus – vermuten lassen
sie würden über so etwas wie eine Seele verfügen.
Genügend Grund also um der Frage nach der Seele
nachzuspüren.
So wurde im Wintersemester 2011/2012 durch Pro-
fessor Günter Horntrich eine Projektreihe iniziiert.
In dieser sollte – einem Staffellauf gleich – in na-
hezu allen Lehrgebieten der KISD das Thema »Die
Seele der Dinge« bearbeitet werden.
Die Integration unterschiedlicher lehrgebietlicher
Perspektiven auf die vielfältigen Designthemen ist
eine Besonderheit der Köln International School of
Design und sollte in dieser Projektreihe voll zum
Tragen kommen.
Vor dem Beginn der einzelnen Wochenprojekte
wurden Interviews durchgeführt, um erste Aus-
gangspositionen zu bestimmen. Ein Großteil der
Befragten stimmte darin überein, dass es sich
bei der Seele der Dinge keineswegs um eine we-
senhafte Objekteigenschaft (Ontologie), sondern
vielmehr um Projektionen und Interpretationen der
Nutzerinnen und Nutzer handeln mag. Inwiefern
diese Prozesse durch den Gebrauch oder durch die
gestalterische Antizipation von Nutzungsformen
bestimmt werden, war dann auch eine der zentralen
Fragestellungen für die einzelnen lehrgebietlichen
Projekte.
Hierin wurden dann ganz unterschiedliche Un-
tersuchungsmethoden erprobt und eine Reihe
von Experimenten durchgeführt. Die Bandbreite
reichte von morphologoischen Studien zu zerstör-
ten und deformierten Alltagsgegenstände, über
Experimente mit Schusswaffen und Kuscheltieren,
bis hin zu Interventionen im urbanen Umfeld. Es
wurden fotografische, filmische und typografische
Beiträge und Installationen gestaltet, es wurde
über die Seele der Stadt reflektiert (Prof. Iris Utikal,
Prof. Michael Gais), der Seelengehalt von Objekten
mittels Umfragen evaluiert (Prof. Birgit Mager), der
„Fetischcharakter der Ware“ untersucht (Prof. Dr.
Oliver Baron), die symbolischen Gebrauchsformen
und sozialen Distinktionspotentiale wie Exklusi-
vität und Individualität analysiert (Prof. Wolfgang
Laubersheimer) aber auch humoristische Varianten
waren Gegenstand der vielfältigen Ausarbeitun-
gen, wie die Inszenierung einer Verschwörung der
besselten Dinge gegen die Menschen (Prof. Dr. Uta
Brandes).
Tatsächlich wurde so etwas wie eine Seele der Dinge
nicht gefunden, allerdings traten bei der Suche im-
mer wieder unerwartete Ergebnisse zutage, sodass
oft ein Zusammenhang durch
methodisch ähnliche Ansätze entstand.
Nun muss man letztendlich die Untersuchung der
Frage nach der Seele wieder an ihre herkömmlichen
Disziplinen der Philosophie und der Theologie ab-
geben, und es bei diesem sehr gelungenen Streifzug
belassen.
4746
Die Seele der Dinge / Kurs / Identität und Design / Wintersemester 2011/12 / 23.01.2012 bis 27.01.2012
Die Seele der Dinge (ID)
Resümee einer ungewöhnlichen Kursreihe
Produkte von heute müssen mehr können: Funktion ist selbstver-
ständlich, wichtig wird der Hintergrund. Es geht darum, welche
Geschichten Produkte erzählen, also welche „Seele” ihnen innewohnt/
der Gestaltende ihnen einhaucht. Der Kurs zur Thematik „Die Seele
der Dinge” wird erstmalig als eine Kursreihe, die alle Lehrgebiete
umfasst, abgehalten.
Anhand verschiedener Foki wird jeweils einwöchig eine lehrgebiets-
spezifische Exploration zum einheitlichen Dachthema angeboten.
Die Ergebnisse der Vorwoche dienen dabei als Basis des darauffolgen-
den Kurses. Jede Kursgruppe wechselt in ihrer Zusammensetzung, da
jeder der Kurse frei wählbar ist. Am Ende der Kursreihe entsteht durch
die Verknüpfung aller einzelnen thematischen Auseinandersetzungen
eine Art Patchwork- Konstrukt, das die Seele der Dinge aus unter-
schiedlichen Perspektiven beleuchtet. Der Text auf der linken Seite ist
das Resümee dieser Kursreihe.
4948
Die Seele der Dinge / Kurs / Design Konzepte / Wintersemester 2011/12 / 16.01.2012 bis 20.01.2012
Die Seele der Dinge (DK)
Davon berichtete die New York Times am 11. März
1907. MacDougall baute eine Präzisionswaage:
ein an einem Gestell aufgehängtes Bett, dessen
Gewicht samt Inhalt sich auf fünf Gramm genau
bemessen ließ.
Die erste von sechs Versuchspersonen zeigte im
Moment des Todes einen Gewichtsverlust von 21
Gramm – das Gewicht der Seele. Auch der niederlän-
dische Physiker Dr. Zaalberg van Zelst und auch Dr.
Malta wollte nachgewiesen haben, dass man den
Astralkörper eines Menschen wiegen und damit
physikalisch nachweisen kann. In einigen Versu-
chen in Den Haag wogen sie sterbende Patienten
und ermittelten dabei im Moment des klinischen
Todes einen nicht zu erklärenden Gewichtsverlust
der Personen von 69,5 Gramm. (Quelle: Len Fischer,
Der Versuch, die Seele zu wiegen, Frankfurt 2005, S.
29-35). Auf der Fragestllung basierend, ob die Seele
ein messbares Gewicht hat, entschlossen wir uns
durch die Gewichtsermittlung verschiedener Ob-
jekte die Existenz der Seele zu belegen, beziehungs-
weise zu widerlegen. Wie verändert sich die Natur
des Objekts in Bezug auf Materialität und Ästhetik?
Erlangt das Objekt dadurch eine Seele? Ergibt sich
zwischen den Zuständen eine vierte Dimension?
Zur Beantwortung dieser Fragen entschlossen wir
uns an zehn verschiedenen Objekten (Teddybär,
Spielzeugauto, Kondom, Snickers, Coca Cola, Tasse,
Kochlöffel, Banane, WC Deo und Veranstaltungska-
lender) sieben methodisch angelegte Untersuchun-
gen zur empirischen Gewinnung von Information
durchzuführen, um das Gewicht der Seele des
Objektes zu ermitteln.
Wir untersuchten jedes einzelne Objekt folgen-
dermaßen: durch Verbrennung, Säurebad, Kochen,
Zersägen, Hinunterwerfen, unter Druck setzen und
Einfrieren. Die Ergebnisse wurden in einer Tabelle
festgehalten.DieVersuchsergebnisse stellten wir in
Form einer Matrix aus, welche wir zudem mit den
Gewichtsangaben versahen.
Ist Seele messbar? Duncan MacDougall, ein Arzt aus
Haverhill in Massachusetts, bestimmte in Experimenten
das Gewicht der Seele mit 21 Gramm.
Patina ist 32 Jahre alt, ledig, kinderlos,
lebt in Köln Ehrenfeld, studiert Sozialwis-
senschaft auf Lehramt und schlendert
gerne über den Flohmarkt am Südsta-
dion. Dort hat sie auch ihr rotes Fahrrad
mit Brookssattel gefunden. Sie arbeitet
h¬albtags in einem kleinen Fair-Trade Café
im Belgischen Viertel und raucht Pueblo-
Tabak. Patina kauft den Großteil ihrer
Lebensmittel auf dem Biomarkt um die
Ecke.Ihr ist wichtig, dass Ihre Besitztümer
eine Geschichte haben. Warum macht sie
das? Sie glaubt an die Individualität des
Menschen und an seine Einzigartigkeit.
Patina setzt sich mit geisteswissenschaftli-
chen Texten auseinander, weil sie gerne die
großen Zusammenhänge verstehen möchte.
Für sie ist ihre Kleidung, ihre Wohnung, ihre
Umgebung ein Stück ihrer Geschichte, die
sie gestaltet und in der sie sich wohlfühlt.
Daisy ist 30 Jahre alt, ledig, glücklich al-
leinerziehend und wohnt in einer großen
Altbauwohnung mit altem Parkettboden.
Sie lebt in der Kölner Südstadt weil sie
die kleinen Geschäfte dort mag und fährt
einen SUV-MINI mit Holzapplikationen.
Daisy ist gerade im Stress, weil sie einen
Stand auf der Internationalen Möbelmesse
vorbereiten muss. Sie trinkt Espresso und
geht gerne gut essen. Warum macht sie das?
Sie liebt die schönen Dinge des Lebens, das
Streben nach Perfektion, nach Qualität
ist ihre Leidenschaft und weiß die edlen
Dinge zu schätzen. Sie lehnt es – wenn es
ihren Prinzipien widerspricht – ab, mit dem
Strom zu schwimmen und bildet sich lieber
ihre eigene Meinung.
Luxia ist 34 Jahre alt, verheiratet und hat
zwei Kinder. Sie wohnt in Köln Marienburg
in einem freistehenden Einfamilienhaus
mit großem Garten. Ihre Kinder besuchen
ein renommiertes Internat im Bayerischen
Wald. Luxia gibt das Geld, welches ihr
Ehemann hart erarbeitet, für Statusob-
jekte aus. Sommers fährt sie gerne nach
Monaco oder winters zum Skifahren nach
St. Moritz. Sie fährt einen BMW X5 SUV in
weiß. Sie trifft sich gerne mit ihren Freun-
dinnen im Restaurant Hase und schlendert
danach über die Pfeilstraße. Warum macht
sie das? Für Luxia ist ihre Garderobe und
ihr Umfeld Zeichen dessen, was sie erreicht
hat. Sie weiß, dass sie es sich verdient hat
und stört sich deshalb nicht an Kleinig-
keiten wie astronomischen Preisen. Gefällt
ihr etwas, kauft sie es sich, denn nichts
wäre schlimmer, als könnten die Leute
nicht sehen, wer sie ist.
5150
Die Seele der Dinge / Kurs / Produktionstechnologie / Wintersemester 2011/12 / 09.01.2012 bis 13.01.2012
Die Seele der Dinge (PT)
Es gibt scheinbar Gründe dafür, weshalb sich Menschen gewisse
Dinge zulegen, beziehungsweise sich nur schwerlich davon trennen
können. Warum eigentlich? Das kann unterschiedliche Gründe
haben. Dinge erlangen ihre Besonderheit durch beispielsweise:
Exklusivität (Dinge werden besonders durch ihren Preis und
Marke) Luxia kommuniziert nach außen, dass sie sich teure Dinge
leisten kann und zeigt dies auch gern. Sie möchte Gefühle bei ande-
ren auslösen.
Individualität (Dinge werden besonders durch ihre Geschichte)
Patina ist wichtig, dass sie in Beziehung zu ihren Dingen steht.
Dinge lösen bei ihr selbst Gefühle aus.
Originalität (Dinge werden besonders durch ihren Träger) Dai-
sy muss Projektionsfläche bieten, sie selbst muss „neutral“ sein
(schwarze Kleidung), um beispielsweise Kunden bedienen zu
können.
All diese Dinge können sich gegenseitig beeinflussen. Dies hier
sind Sexpuppen, gekauft bei Mike Hunter am Barbarossaplatz, 19,
95 Euro pro Stück. Ein Ding bleibt ein Ding und auch eine Sexpup-
pe wird nicht beseelt, indem man ihr eine Geschichte gibt.
Während der Präsentation wurden drei verklei-
dete Sexpuppen als die drei Personen Patina,
Daisy und Luxia vorgestellt und folgender Text
wurde vorgetragen:
Die Seele der Dinge / Kurs / Geschlechterverhältnis im Design / Wintersemester 2011/12 / 21.11.2011 bis 25.11.2011
Die Seele der Dinge (GD)
Angenommen alles, Menschen und Dinge, seien beseelt.
Dazu seien die Seelen unsterblich. Folgt man diesen
Annahmen, so führt dies zur Frage:
Was geschieht mit all den Seelen,
wenn das Leben der Träger/innen endet?
Himmel oder Hölle gibt es nicht mehr, sicher aber
ist: Letztlich wird alles irgendwann zu Staub.
Davon ausgehend und die Seelenzuschreibungen
der vorange- gangenen Kurse der Reihe plakativ auf
die Spitze treibend, erarbeiteten wir eine ritual-
hafte Inszenierung, der die Verlesung folgender
Erklärung voranging:
Menschen beseelen die Dinge und die Dinge
haben Seele. Menschen haben eine Seele. Alles hat
Seele. Doch nichts bleibt ewig, alles kommt und
geht, aber die Seele bleibt. Also ist alles, was ist, See-
le. Nichts aber, was ist, bleibt und alles, was ist, wird
Staub und Staub bleibt, ist unsterblich. Auch die
Seele bleibt, sie ist alles, was ist, sie ist unsterblich.
Also ist Seele Staub und Staub ist Seele. Alles aber
ist Seele und folglich gilt:
Alles ist Staub.
Indem wir während der Präsentation den auf
dem Boden liegenden Staub, die verlorenen und ver-
gessenen Seelen, mit Staubsaugern aufsaugten und
5352
in einer rituellen Handlung diesen aufgelesenen
Staub, also all die Seelen, durch hohe Dyson-Ventila-
toren zurück in die Weite des Raumes beförderten,
riefen wir sie so wieder ins Bewusstsein der Men-
schen, animierten im Wortsinne.
Assoziationen zu sakramentalen Handlungen
waren durchaus erwünscht, ebenso die Störung
durch den Staub. Die Projektion von der Seite
beleuchtete den Staub in interessanter Weise und
machte die Flüchtigkeit sichtbar.
5554
Störungen / KP / Geschlechterverhältnis im Design / Wintersemester 2011/12 / 14.11.2011 bis 18.11.2011
Störungen
Der Ansatz
In diesem kurzfristigen Projekt haben wir uns zum Ziel gesetzt
Störungen des Alltags genauer zu untersuchen. Während unserer
Recherche fiel uns auf, dass das Thema Privatsphäre ein weites
Feld bietet, in welchem wir teilweise Beeinträchtigungen ausge-
setzt sind, besonders, wenn es um das eigene Heim geht.
Wer kennt es nicht: Dissens mit den Nachbarn.
Hierbei reichen die Meinungsverschiedenheiten von zu hoher
Lautstärke über unterschiedlich Ansichten zu Verschmutzung bis
hin zu Belästigung verschiedener Art. Sei es in Mietwohnungen,
Apartments, Eigentumshäusern oder anderen Wohnumgebungen:
durch alle sozialen Gefüge hindurch ist nahezu jedem der nachbar-
schaftliche Streit bekannt. Uneinigkeit ist schnell hergestellt, wenn
Ansichten zum Privatleben auseinanderdriften.
Da wir jeweils aus eigenen Erfahrungen schöpfen konnten, hat-
ten wir das Bedürfnis, eine Art »virtuellen Nachbarn« zu erschaf-
fen, der auf verschiedenste Weise aufzeigt, wie man sein Umfeld
belästigt und stört.
Das Innere des
virtuellen Nach-
barn, bestehend
aus Werkzeugen
und technischen
Geräten, welche
Lärm, Schmutz und
weitere Faktoren
nachbarschaftli-
cher Uneinigkeit
5756
Im Baumarkt kauften wir Spanholzplatten, um einen Korpus für
unseren »Nachbarn« zu erschaffen, den wir in meiner Wohnung
unter Geheimhaltung bauten in welchem sich dann die folgenden
Störfaktoren verbargen:
Belästigung und Verschmutzung:
Ein Türspion, durch welchen hindurch man einen aufgebrachten
Nachbarn vor einer Wohnungstür beobachten konnte;
Ein Drucker, welcher unentwegt seltsame Nachrichten druckte,
die Willem vor einiger Zeit von seinem Nachbarn im Rahmen eines
permanenten Nachbarschaftsstreites erhielt;
Eine Nebelmaschine, die Rauch verbreitete und somit an Qualm
von beispielsweise Zigaretten erinnerte; Ein Föhn, der Schmutz
durch die Gegend blies.
Lärm: Eine Tonspur, welche laustark Hundegebell, Geklingel,
Kindergeschrei, korpulierende Menschen und dergleichen verbrei-
tete. Eine in Bild, Ton und Vibration simulierte Waschmaschine.
Die Umsetzung
Störungen / KP / Geschlechterverhältnis im Design / Wintersemester 2011/12 / 14.11.2011 bis 18.11.2011
5958
Geplant war, diese überraschende Vorführung ähnlich einer Cho-
reografie der Störungen am Freitag an der KISD zu präsentieren,
doch während des Transportes unseres “virtuellen Nachbarn” am
Freitagmorgen riss aufgrund des hohen Gewichtes unseres Expona-
tes der Unterboden, genauer die daran befindlich Rollen ab.
Außerstande, diesen weiterzubewegen entschieden wir uns dafür,
die Performance live auf der Straße durchzuführen und diese fil-
misch zu dokumentieren.
Ironischerweise sorgten wir nun bei meinen Nachbarn für Stö-
rung und Belästigung, worauf auch unterschiedliche Reaktionen
folgten. Von neugierigen Blicken bis hin zu sich beschwerenden
älteren Damen war so manches vertreten. Interessant war dabei
zu beobachten, dass Menschen höheren Alters sich weniger dafür
interessierten, sondern sofort skeptisch waren.
Das Resultat
Störungen / KP / Geschlechterverhältnis im Design / Wintersemester 2011/12 / 14.11.2011 bis 18.11.2011
6160
Social Interaction Design / KP / Interface Design / Wintersemester 2011/12 / 07.11.2011 bis 11.11.2011
Social Interaction Design
Das einwöchige Projekt „Social Interaction Design“
wurde von Makoto Hosoya, einem Gastprofessor
der Nihon University in Tokyo, Japan geleitet und
vor Beginn in Köln bereits in Japan mit selbigem
Thema durchgeführt. Angestrebt wurde die Ausei-
nandersetzung mit Gadgets (zu deutsch: raffinierte
technsische Geräte). Im asiatischen Raum, beson-
ders in Japan, ist der Umgang mit Smartphones, Ta-
blet Computern und dergleichen seit Jahren gesell-
schaftlich durch nahezu alle Altersklassen etabliert
und auch in Deutschland nehmen Gadgets, allen vo-
ran das Smartphone, eine wichtige (durchaus auch
in wirtschaftlicher Hinsicht) Rolle ein.
Doch diese Entwicklung zeigt auch eine hohe
Ambivalenz auf: die soziale Interaktion, beispiels-
weise im öffentlichen Raum, ist unnötig geworden.
Wer im Besitz eines Smartphones ist, braucht nie-
manden persönlich nach dem Weg zu fragen, um
an sein Ziel zu gelangen, auch in einer unbekannten
Stadt. Empfehlungen zu Cafés und Restaurants
bietet Google und nicht mehr der einheimische
Passant auf der Straße. Die Qualität und Zufällig-
keit, die das Gespräch mit einer Person bietet, wird
durch die Linearität der Kommunikation zu einem
Gadget hin aufgehoben.
Und hier beginnt unser Lösungsansatz: ein Gad-
get, welches eben jene soziale Interaktion bedingt,
oder nur dann funktioniert, wenn diese stattfindet.
Am Beispiel einer Uhr haben wir verdeutlicht, wie so
etwas funktionieren könnte.
Gadgets, Gadgets, Gadgets
Sommersemester
2011Praktikum | S. 64 -65
Bezirksregierung Köln | S. 66 - 69
6564
Praktikum bei der
BMW GroupMünchen
Sechs Monate bei VB-13, der damaligen
Abteilung für Motorshows und Events
BMW Group München / Praktikum / 09.05.2011 bis 28.10.2011
Nach einem Workshop an der Kölner International School of Design
im Wintersemester 2010/2011, wurde ich von Herrn Joachim Blick-
häuser, dem damaligen Leiter der Abteilung für internationale Mes-
sen und Events zu einem Praktikum bei der BMW Group München
in eben jener Abteilung eingeladen.
Mir wurden Einblicke in die Welt der Messekonzeption und Mes-
seorganisation gewährt, besonders in Bezug auf die NAIAS Detroit
2012 (North American International Auto Show), für welche Muta-
bor für das Standkonzept für BMW entwickelten und Meiré  Meiré
den MINI Messestand konzipierten.
Der Launch des neuen BMW Einsers sowie des MINI Coupés fiel
ebenfalls in den Zeitraum meines Praktikums, sodass ich die selte-
ne Gelegenheit hatte, am entsprechenden PBE (Product and Brand
Experience, vornehmlich eine umfangreiche Händlerveranstaltung)
teilzunehmen.
Im weiteren Verlauf meines Praktikums gestaltete ich gemein-
sam mit der Berliner Agentur KSV den MAS Band (MAS: Modulares
Ausstellungs-System), eine von der Abteilung jährlich herausgege-
bene, dreihundertseitige Broschüre, welche als internes Handbuch
für die Planung von Messen und als Dokumentation der Arbeit der
Abteilung (ehemals) VB-13 diente.
6766
Bezirksregierung Köln / MP / Identität und Design / Sommersemester 2011 / 05.04.2011 bis 19.05.2011
Kommunikationskonzept
für die Bezirksregierung Köln
Ein aufschlussreicher Ausflug in die Welt der Bürokratie
In diesem mittelfristigen Projekt analysierten wir die unterschiedlichen
Kommunikationskanäle der Bezirksregierung Köln und ihre Wirkung
nach außen. Ergebnis dieser Bestrebungen ist ein 86seitiges Konzept-
papier, welches unsere Beobachtungen und Empfehlungen zu Themen
wie Corporate Identity, Printmedien, Bildsprache, Onlineauftritt und
weitere Felder beinhaltet.
Ein Hauptproblem der Bezirksregierung Köln ist die öffentliche
Wahrnehmung. Sie versteht sich selbst als Bündelungsbehörde, in
welcher Kompetenzen zu unterschiedlichsten Themen von Schulthe-
matiken oder Naturschutz bis hin zu Giftmüllentsorgung und der
Bereitstellung geologischer Spezialsoftware vertreten sind, aber auch
als Exekutive – denn schließlich ist es auch die Bezirksregierung Köln,
welche Strafzettel verteilt und Bußgeld fordert.
Im Alltag ihrer Bürger steht der letztere Aspekt im Vordergrund und
selten sind sich die in der Bezirksregierung Köln (als Arbeitstitel liebe-
voll „BezReg“ genannt) wohnenden Menschen dem Leistungsangebot
der Institution bewusst.
Leider haben wir bis heute keine Informationen erhalten, inwiefern
unsere Vorschläge diskutiert oder gar umgesetzt wurden - vielleicht
genau die Reaktion, die man von einer Behörde erwartet.
7
Die Aufgaben der Bezirksregierung Köln sind vielfältig und berühren beinahe
jede Lebenssituation und Fragestellung der über vier Millionen Bürgerinnen
und Bürger, die im Verantwortungsbereich der Bezirksregierung Köln leben,
seien sie nun direkt oder indirekt betroffen. Mehr als eineinhalb Tausend
Menschen arbeiten in der Behörde, die eine enorme Sachkompetenz bündelt
und damit auch äußerst spezifische Fragestellungen zuverlässig bewältigen
kann. Das setzt einen entsprechend hohen kommunikativen Aufwand voraus,
der letztlich in der Herstellung von Rechtssicherheit für alle Betroffenen
mündet und die Übernahme von Verantwortung bedeutet.
Diese Aufgabenvielfalt, Kompetenz und insbesondere die vielfältige
Kommunikation sind schwerlich in ihrer Tiefe und Breite zu durchdringen
und zu fassen. Im Bewusstsein dieser Komplexität versteht sich vorliegendes
Arbeitspapier als ein Beitrag, die Bezirksregierung Köln in ihrer Bestrebung
nach mehr Sichtbarkeit und Positionierung zu unterstützen. Die Ausarbei-
tung gliedert sich in grundlegende Erwägungen, in erste Beobachtungen und
Analysen und mündet in Empfehlungen, die Gegenstand weiterer Erörte-
rungen sein könnten. Eine Zusammenfassung dieser Empfehlungen findet
sich auf Seite 81.
1.
Vorbemerkungen
Vorbemerkungen
Erste Betrachtungen und Analysen
zur Kommunikation der
Bezirksregierung Köln
Arbeitspapier
Stand 26. Mai 2011
Kooperationsprojekt Bezirksregierung Köln – Köln International School of Design
17
nehmende Anforderung. Hierin liegen die kommunikativen Herausforde-
rungen, aber auch die politischen Chancen, welche die Bezirksregierung Köln
nicht nur als reine Exekutive, sondern als kompetente Partnerin im Prozess
der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit wahrnehmbar machen
könnten.
Ein ganz wesentlicher Schlüssel zum Verständnis von Kommunikations-
prozessen ist letztlich die Sprache. Der Umgang mit und die Reflexion über
Sprache ist für eine bewusste und zielgerichtete Kommunikation unerläss-
lich. Erst sprachlich gefasste Kriterien ermöglichen eine Plausibilisierung
einzelner Entscheidungen und eine nachvollziehbare Auseinandersetzung:
Die Sache wird diskutierbar.
Abb.: Die Behörde als System
Dargestellt ist die Behörde als Mittelbehörde
(vertikal). Um ihre behördlichen Operationen in
den Kommunikationen mit der Umwelt plausibel
zu machen, muss sie »aus sich heraustreten«
(horizontal). In den jeweiligen Kommunikationsfeldern
tritt sie in Kontakt mit ihren Umweltsystemen und
bedient sich dabei verschiedener Kanäle.
Kommunale Ebene
Landesebene
Umweltsysteme
System
Behörde
Die Bezirksregierung Köln als Kommunikationen
32
Das Logo der Bezirksregierung
Auch wenn in den »Leitlinien zum Regierungspräsident-Köln-Design« vom
neuen »Behördenlogo« gesprochen wurde, muss an dieser Stelle hervorge-
hoben werden, dass es sich bei der Kombination aus abstrahierter Rheinland-
schaft und Textbalken gerade nicht um das »Behördenlogo« handelt.
Dies existiert bereits, den Leitlinien des Nordrhein-Westfalen-Designs
entsprechend, in der Kombination aus hoheitlichem Landeswappen und dem
links vorangestellten Schriftzug »Bezirksregierung Köln«. Dieses offizielle
Behördenlogo bedeutet die Zugehörigkeit des Trägers zur Exekutive des
Landes Nordrhein-Westfalen und symbolisiert dessen Hoheitsgewalt.
Die Kombination aus abstrahierter Rheinlandschaft und Textbalken soll
der Bezirksregierung zwar zu einem unverwechselbaren eigenen Erschei-
nungsbild verhelfen, jedoch ist es dem Erscheinungsbild des Landes
Nordrhein-Westfalen untergeordnet.
Die Positionierung
Bei Durchsicht vorhandener Faltblätter wird deutlich, dass der heterogene
Einsatz der Grafikelemente nicht nur ein inkonsistentes Erscheinungsbild
zur Folge hat, sondern auch die Informationshierarchie beeinflusst. Auf
den Faltblättern wird das Keyvisual als Hintergrund verwendet, auf welchen
mitunter Bilder positioniert werden. Im unteren Drittel wird es durch
Weißraum beschnitten, der Textbalken liegt oberhalb dieser weißen Kante
und schließt bündig mit den Seiten des Faltblattes ab. Dadurch entsteht
folgender Effekt: Optisch wird der Textbalken zu einer Zeile, der Schriftzug
»Die Regierungspräsidentin« wird zur Überschrift und die eigentlichen
Überschriften, die im Weißraum liegen, werden durch diese grafische Hierar-
chie zu Unterüberschriften.
Die Funktion, die dieser Textbalken vermutlich erfüllen sollte, nämlich
die einer Signatur, kann aufgrund der undefinierten Positionierung nicht
erfüllt werden. Sie scheint je nach Medium zu wechseln oder variiert sogar
innerhalb einer Publikationsform, beispielsweise auf den Vorderseiten der
Faltblätter.
Durch mangelnde Stringenz verliert der Textbalken sein Potenzial als
abschließende Signatur, die neben einer gliedernden Funktion auch auf die
Absenderin – Die Regierungspräsidentin – verweist: Es scheint, als würde
versucht, die inkonsequente Positionierung durch den um so konsequen-
teren Einsatz auf fast allen Printmedien auszugleichen. Dies führt mitunter
zu Anwendungen, die bei genauer Betrachtung verwirrend anmuten können.
Bezirksregierung KölnAbb. rechts:
Das Logo der Bezirksregierung Köln.
Analyse: Das Corporate Design im Einsatz
16
Im Behördenleitbild heißt es dazu: »Aufgabe [sei es], gute Arbeitsergebnisse
zu erzielen. Das erreichen wir durch […] den Austausch von Informationen
nach unten, nach oben und quer […] [und durch] transparentes Handeln.«
Im »Außenverhältnis« erreiche die Behörde ihre Ziele unter anderem indem
sie ihr »Handeln durch eine abgestimmte Darstellung in der Öffentlichkeit«
begleitet.
Im »Innenverhältnis« ist noch von »transparent[em] Handeln« die Rede,
wohingegen im »Außenverhältnis« eine Begleitung des Handelns »durch eine
abgestimmte Darstellung in der Öffentlichkeit« als geeigneter Weg gesehen
wird. Dies deutet darauf hin, dass behördliche Operationen nicht einfach
unvermittelt gegenüber der Umwelt kommunizierbar sind, sondern einer
Übersetzung bedürfen.
Was sind nun Merkmale einer derart handlungsbegleitenden und zu
übersetzenden Kommunikation? Eindeutigkeit ist sicherlich Voraussetzung,
um verstanden zu werden. Eindeutigkeit ist allerdings auch vom Kontext
abhängig, in dem Kommunikation stattfindet. So mag der Inhalt einer
Mitteilung innerhalb der Behörde eine bestimmte Bedeutung haben, in der
Mitteilung an die Umwelt kann die formal identische Mitteilung aber anders
verstanden werden. Bedeutungen sind nicht durch eindeutige Zuordnungen
von Inhalten gegeben, sondern werden im Gebrauch dem jeweiligen Kontext
zugewiesen. Kontext heißt hier Umfeld und Struktur, in welcher die Mitteilung
eingebettet ist.
Beispielsweise kann eine sprachlich gefasste Information im Gespräch, in
gedruckter Form oder als digitaler Text im Internetauftritt verortet sein. Ein
einfaches Bildelement kann einerseits innerhalb einer Struktur als Erläute-
rung fungieren und andererseits durch seine Wiederholung Zusammenhänge
nahelegen, die der Orientierung dienen können.
Jenseits des Kontextes, in welche Informationen notwendigerweise einge-
bettet sind, kommt der empfangenden Seite eine entscheidende Rolle zu.
Von dort fließt immer schon ein Vorverständnis und eine Erwartungshaltung
in die Kommunikation mit ein, welche die Bedeutung der Information mitbe-
stimmt. Kommunikation, auch jene der Bezirksregierung Köln, ist also immer
auch eine kontextabhängige, von Erwartungshaltungen und Vorverständ-
nissen bestimmte soziale Interaktion.
Hier sehen wir schon, dass Kommunikation wesentlich auch jenseits der
Sachebene geschieht. Die einschlägigen Kommunikationsmodelle (beispiels-
weise von Paul Watzlawick, Karl Bühler und Friedemann Schulz von Thun)
legen nahe, dass auch der Beziehungs-, der Selbstoffenbarungs- und der
Appellebene entscheidende Bedeutung zukommt. Diese in der Kommuni-
kation zu berücksichtigen, setzt allerdings ein hohes Maß an Empathie- und
Antizipationsvermögen voraus, welches zwar dem Behördenleitbild der
Bezirksregierung Köln implizit ist, aber in behördlichen Kommunikationen
eher selten operationalisiert zu sein scheint.
Demnach ist bewusste Kommunikation, die nicht nur die Sach- und
Apellebenen, sondern die ebenso relevanten Beziehungs-, und Selbstof-
fenbarungsebenen berücksichtigt, für die Bezirksregierung Köln keines-
wegs Werbeklamauk oder überflüssige Verpackung, sondern eine ernst zu
Die Bezirksregierung Köln als Kommunikationen
30
Das Keyvisual setzt sich aus Farbflächen zusammen und wird in nahezu allen
Medien auf die eine oder andere Art eingesetzt.
Bestimmend hierbei sind drei ovale, sich überschneidende grüne Flächen, die
durch ein blaues, wellenförmiges Farbfeld von links oben nach rechts unten
geteilt werden. Die Flächen ergeben durch die Transparenz der einzelnen
Elemente und Überschneidungen weitere Grün- und Blautöne sowie weiße
Abb. rechts:
Das Keyvisual der Bezirksregierung Köln.
Flächen rechts und links des blauen Bands. Das sogenannte »Farbspiel«
besteht aus acht unterschiedlichen Grün- und Blauschattierungen.
In einem Anschreiben des ehemaligen Regierungspräsidenten Hans Peter
Lindlar zur Einführung des neuen Erscheinungsbildes vom 18.12.2007
heißt es:
»Die bestimmenden Elemente sind unser neues Logo und unsere neue
›Hausfarbe‹. Das grüne Farbspiel verdeutlicht die vielfältige, schöne
Landschaft unseres Regierungsbezirks, die vom blauen Rhein durchflossen
wird. Der graue Balken ist die Brücke, die den Raum über den Fluss hinweg
verbindet und uns zugleich mit dem stilisierten Dom klar als Kölner Behörde
ausweist.«
In den Vorgesprächen zu dieser Analyse wurde betont, dass die zurück-
haltenden Farben bewusst gewählt wurden, um nicht autoritär zu wirken.
Auch sollte eine zu große Nähe zu den Landesfarben sowie den Farben der
Kommunen vermieden werden, um ein unverwechselbares Erscheinungsbild
zu schaffen.
Beobachtungen: Corporate Design
9
1.1.1
Projektziele
Ziel des Kooperationsprojektes zwischen der Bezirksregierung Köln
und der Projektgruppe der Köln International School of Design ist es, die
Außenkommunikation der Bezirksregierung Köln zu analysieren und in ersten
Empfehlungen Optimierungspotenziale aufzuzeigen. Hierbei gilt es, die
behördliche Kommunikation daraufhin zu untersuchen, ob und inwieweit die
Behörde nicht nur als Exekutive, als Bündelungs- und Mittelbehörde entschei-
dend und weisend, sondern auch als kompetente Partnerin in Problemlö-
sungs- und Entscheidungsprozessen gegenüber den betroffenen Umwelt-
systemen darstellbar ist, beziehungsweise wie die bisherigen behördlichen
Anstrengungen hierzu weiter vorangetrieben werden können.
Thematische Schwerpunkte dieser ersten Betrachtungen und Analysen
sind das aktuell angewandte Corporate Design, die Sprach-, Bild-, Print- und
Onlinekommunikation sowie die Inszenierung und Kennzeichnung der Dienst-
gebäude.
1.1.2
Voraussetzungen und Verlauf
Das Projekt wurde seitens der Bezirksregierung Köln durch Herrn Oliver
Moritz und seitens der Köln International School of Design durch die
Professoren Andreas Wrede und Phillipp Heidkamp betreut. Bearbeitetet
wurde das Projekt von fünf Studierenden der Köln International School of
Design: Colin Joy, Andreas Johannes Katona, Anke Riemer, Vitus Schuhwerk
und Tim Zähres. Die Projektlaufzeit betrug sieben Wochen, vom 5. April bis
26. Mai 2011.
Nach ersten Gesprächen, allgemeiner Grundlagenermittlung und Recher-
chen im Vorfeld wurden unterschiedliche Workshops und Interviews durchge-
Projektziele / Voraussetzungen und Verlauf
19
Abb. rechts:
Das Modell der Corporate Identity nach
K. Birkigt/M. Stadler/H. J. Funck, Corporate Identity,
2000, 11. Aufl.
Corporate Behaviour
Corporat
e
Communication
CorporateDes
ign
Corporate
Identity
Corporate Design
Der Begriff Erscheinungsbild (Corporate Design), wird oftmals fälschlicher-
weise im Sinne des Begriffs Corporate Identity verwendet. Dabei ist das
Corporate Design nur eine Facette einer körperschaftlichen Identität. Unter
Corporate Design versteht man den visuellen Auftritt eines Unternehmens,
von dem Logo über die Schrift, Farbgebung und Werbung bis hin zur Archi-
tektur.
Corporate Communication
Unter dem Begriff der Corporate Communication wird die »verbalvisuelle […]
Botschaftsübermittlung« (Birkigt/Stadler/Funck 2000; S. 19) verstanden.
Während generell auch die visuelle Gestaltung und das Verhalten als Bereiche
der Kommunikation angesehen werden, wird der Bereich der Sprache in
diesem Modell noch einmal isoliert betrachtet.
Corporate Communication umfasst Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
aber auch interne und externe Sprachregelungen.
Corporate Behaviour
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Corporate Identity ist das Verhalten,
das Corporate Behaviour. Auch wenn Aussehen und Sprache konsistent auf
das Selbstbild abgestimmt sind, so bestimmt doch auch das Verhalten einer
Körperschaft – vermittelt durch ihre Organe – wie sie von außen wahrge-
nommen wird. Das Handeln und Verhalten muss also den visuell wie auch
sprachlich vermittelten Werten einer Corporate Identity entsprechen.
Corporate Image
Das Corporate Image oder auch Fremdbild ist eine Vorstellung, welche
Außenstehende von einer Körperschaft aufgrund ihrer Erscheinung, ihrer
Artikulation und ihrem Verhalten entwickeln können. Wenn man unter dem
Begriff Corporate Image also versteht, auf welche Art und Weise eine Körper-
schaft wahrgenommen werden kann, so ist es sehr leicht nachvollziehbar,
dass ein Erscheinungsbild/ein Corporate Design alleine nicht ausreichen wird,
Die Bezirksregierung Köln zwischen Selbstbild und Fremdbild
Abb. oben:
Das Faltblatt der Abteilung 7 im Vergleich zum
Faltblatt der Abteilung 5.
Abb. unten:
Die Visitenkarte des Pressesprechers der
Bezirksregierung Köln, Vorder- und Rückseite.
13
1.2.1
Die Bezirksregierung Köln als System
Die Bezirksregierung Köln steht als Behörde zwischen Landesregierung und
Kommunalbehörden. Sie versteht sich »als Bündelungs- und Mittelbehörde«
(s. Behördenleitbild der Bezirksregierung Köln). Durch »Aufsicht, Beratung
und Entscheidung« ist die Behörde »für die Bevölkerung tätig«.
Die Bezirksregierung Köln kann, trotz ihrer vielfältigen Arbeitsbereiche und
Aufgabentiefen, als ein System verstanden werden, welches sich durch
wesentliche Operationen wie beispielsweise Aufsicht, Beratung und Entschei-
dung konstituiert. Hierzu Niklas Luhmann:
»[…] Eine Verwaltung soll hier verstanden werden als ein soziales System
organisierten Handelns. Verglichen mit andersartigen Organisationen,
z.B. Produktionsbetrieben, Schulen, Banken, liegt ihre Besonderheit darin,
dass sie Entscheidungen herstellt, die den Empfänger binden, d.h. von
ihm in seiner Situation als Prämisse eigenen Entscheidens und Handelns
übernommen werden müssen.«
»[…] Fast allen Organisationen ist heute in Spuren, in Einzelrollen, in mehr
oder weniger ausdifferenzierten Teilsystemen eine Verwaltungstätigkeit
beigemischt; sie bindet die jeweiligen Mitglieder der Organisation. Legitima-
tion für bindende Entscheidung gegenüber jedermann hat nur die ›öffent-
liche Verwaltung‹: die Verwaltung des politischen Systems der Gesellschaft.
Sie ist, unter dem hier gewählten Begriff, Verwaltung par excellence – in
jedem Fall das größte und folgenreichste, das wir kennen. […] Systeme – und
darunter soziale Systeme und darunter Verwaltungen – können betrachtet
werden als Einheiten, die sich in einer übermäßig komplexen Umwelt
identifizieren durch Erhaltung einer ausgewählten Ordnung von gerin-
gerer Komplexität. Diese ausgewählte Ordnung kann auch als höherwertig
bezeichnet werden – aber nicht einfach deshalb weil sie geringere Entropie
hat, sondern wenn und soweit sie eine komplexere Welt dem begrenzten
Die Bezirksregierung Köln als System
20
um das Image nachhaltig zu verbessern. Eine ganzheitliche Corporate Identity
und ein entsprechendes Image können nur mittels aller CI-Instrumente, also
Erscheinung (CD), Artikulation (CC) und Verhalten (CB), positiv beeinflusst
werden.
Ein falsches Verständnis von Corporate Identity, eine Reduktion auf eine rein
visuelle Attributierung, führt nur zu Uniformität, zu Zwang und möglicher-
weise zu Subversion. Identität und Identifikation kann aber letztlich nur dort
entstehen, wo der Zwang zur Identifikation, zu Identität, endet. Hiermit sei
Grenze und Herausforderung körperschaftlicher Identität, auch jener der
Bezirksregierung Köln, angedeutet.
Abb.: Corporate Identity und Corporate Image
Das Modell der Corporate Identity erklärt das
Image als eine Art Schattenwurf des Selbstbildes.
Die inneren Werte werden nicht im Einzelnen
sichtbar, es ist das Gesamtbild, das zählt. Nach
K. Birkigt/M. Stadler/H. J. Funck, Corporate Identity,
2000, 11. Aufl.
Corporate
ImageCorporate Behaviour
Corporat
e
Communication
CorporateDes
ign
Corporate
Identity
Die Bezirksregierung Köln zwischen Selbstbild und Fremdbild
35
Abb.:
Presseinformation zu einer Veranstaltung, in deren
Rahmen » […] Fernseheffekte vorgeführt« wurden.
Bezirksregierung Köln
Köln, 11.01.2011Köln, 11.01.2011Köln, 11.01.2011
Seite 1Seite 1Seite 1
PressestellePressestellePressestelle
presse@brk.nrw.depresse@brk.nrw.depresse@brk.nrw.de
Telefon: (0221) 147 – 2163Telefon: (0221) 147 – 2163Telefon: (0221) 147 – 2163
– 2164– 2164– 2164
– 2170– 2170– 2170
Fax: (0221) 147 – 3399Fax: (0221) 147 – 3399Fax: (0221) 147 – 3399
Zeughausstraße 2-10,Zeughausstraße 2-10,Zeughausstraße 2-10,
50667 Köln50667 Köln50667 Köln
www.bezregwww.bezregwww.bezreg-koeln.nrw.de-koeln.nrw.de-koeln.nrw.de
Presseinformation 004/2011
Schall und Rauch bei der Bezirksregierung Köln
Im Rahmen einer Veranstaltung zur Information der Ordnungsbehörden
des Regierungsbezirks Köln wurden am 10. und 11.01.2011 zu Schu-
lungszwecken pyrotechnische Effekte abgebrannt.
Hierbei wurde kontrolliert ein kleines Reihenfeuerwerk gezündet,
Schwarzpulver abgebrannt und pyrotechnische Theater-, Film- und
Fernseheffekte vorgeführt.
Es kam bei dem durch das zuständige Ordnungsamt genehmigte Feu-
erwerk in der Zeit von 12:30 Uhr bis 13:30 Uhr kurzfristig zu Knall- und
Rauchentwicklungen, wie sie vergleichbar mit einem privaten Silvester-
feuerwerk vorkommen.
Die Anlieger der Stammdienststelle der Bezirksregierung Köln (Private
und Firmen) wurden vorab schriftlich informiert und um Verständnis ge-
beten.
Wir hoffen auch bei den drei noch folgenden Terminen (17., 18. und
19.01.2011) auf ihr Verständnis!
60
2.3
Kommunikationskanäle/Medien
Kommunikationkanäle/Medien
70
wahrscheinlich große Industriebetriebe ansprechen soll, sowie das für
Lehrkräfte angebotene Faltblatt »Eine Fortbildung für Kollegien am Berufs-
kolleg«. Teilweise wird, wie im Fall der Publikation »Wissenswertes zur
Ladungssicherung« mit der Unterüberschrift »Für Verlader und Fahrper-
sonal« die angesprochene Zielgruppe konkret genannt.
Printkommunikation mittels Formularen
Für fünf Abteilungen werden auf dem Internetauftritt unter dem Navigations-
punkt Service diverse Formulare und Anträge zum Herunterladen angeboten.
Eine konkrete Zielgruppenansprache gibt es hier – wie auch bei den meisten
Faltblättern – nicht. Zum einen findet man Formulare zur Aus- und Fortbil-
dung für Pädagoginnen und Pädagogen oder zur Approbationserteilung
von Ärztinnen und Ärzten, zum anderen findet man die »Genehmigung zur
Einrichtung eines Internationalen Linienverkehrs« für Busunternehmen.
Abteilung 1 bietet im Gegensatz zu den anderen gelisteten Abteilungen,
keinerlei Formulare an; hier findet sich eine leere Seite ohne die in dieser
Rubrik zu erwartenden Formulare. Gleiches gilt für einzelne Dezernate der
Abteilungen 2, 3 und 4.
Printkommunikation mittels Bekanntmachungen
Unter dem Navigationspunkt Presse findet man auf dem Internetauftritt alle
Pressemeldungen der letzten fünf Jahre als druckbare Dokumente in einem
Archiv. Stellen- und Ausbildungsangebote sowie das Amtsblatt befinden sich
unter dem Navigationspunkt Service.
Die Pressemeldungen stehen auf dem Briefbogen der Bezirksregierung
Köln, der die Anschrift der Pressestelle, das Behördenlogo und das Keyvisual
Beschreibung der Printkommunikation
56
2.2.3.1
Beobachtungen: Bildkommunikation
In der Kommunikation der Bezirksregierung Köln treten Bilder an verschie-
denen Stellen und in unterschiedlichem Umfang auf. Neben dem eher
sparsam bebilderten Internetauftritt, in dem kaum illustrative Abbildungen
zu finden sind, die den Textinhalt auflockern, lässt sich die Verwendung von
Bildmaterial vor allem an den Faltblättern untersuchen.
Auf den Titelseiten der Faltblättern sollen Abbildungen unterstützend und
verdeutlichend wirken. Hier lässt sich noch am ehesten eine Konsistenz in
Größe und Platzierung feststellen. Die Abbildungen werden in der Regel an
den rechten Seitenrand gesetzt und mit einem, in der ursprünglichen Gestal-
tungsdirektive des »RP Design« und im Nordrhein-Westfalen-Design nicht
vorgesehenen, Transparenzverlauf zur Seitenmitte hin versehen.
Im Innenteil der Faltblätter finden sich teilweise Abbildungen, die auch
eine inhaltliche Funktion übernehmen, also klare Aussagen treffen, zum
Beispiel über den korrekten Umgang mit Gefahrgut ( A: richtig, B: falsch ).
Dazu zählen Informationsgrafiken und die Darstellung von Gegenständen,
auf die im Textteil Bezug genommen wird. Eine andere Form der Bildnutzung
liegt im Einsatz als Lückenfüller: Hier werden atmosphärische Abbildungen
ohne konkrete Aussage und inhaltlichen Mehrwert platziert. Die Platzierung
selbst scheint im Innenteil keiner feststehenden Systematik zu folgen.
Gleiches gilt für die Anzahl, Auswahl und Qualität der Abbildungen.
2.2.3.2
Analyse: Bildkommunikation
Ein bewusster Umgang mit dem Thema Bildsprache ist derzeit nicht ersicht-
lich. Bei Auswahl, Qualität und Einsatz von Bildern lässt sich eine große
Heterogenität bis hin zum unbestimmten, beliebig anmutenden Einsatz von
Bildern beobachten.
Dies ist insofern keine Überraschung, als dass die Bildsprache ein zu
Unrecht häufig vernachlässigter Aspekt der Kommunikation ist. Dabei
gehören fotografische Abbildungen – neben der Sprache – zu den aussage-
kräftigsten Grundelementen eines Corporate Design. Fotografien sprechen
emotional an und können das Selbstverständnis der Bezirksregierung Köln
auf einer nonverbalen Kommunikationsebene zum Ausdruck bringen. Dies
gilt gleichermaßen für die Art der Anwendung von Bildern in der Kommunika-
tion, also für Einsatzrahmen, Platzierung und Umfang derselben.
Positive Ansätze, die einen bewussten Umgang mit Bildmaterial aufzeigen,
lassen sich in der Darstellung der Dienststellen auf dem Internetauftritt der
Bezirksregierung Köln finden. So wie hier darauf geachtet wurde, dass die
Bilder hinsichtlich des Wetters selektiert wurden – alle Fotografien zeigen
die Gebäude unter blauem Himmel – kann dies auch auf andere Anwen-
Beobachtungen: Bildkommunikation / Analyse: Bildkommunikation
Abb.:
Nicht alle Bilder transportieren eine klare inhaltliche
Aussage. Die untere Abbildung aus dem Faltblatt
»Schwangerschaft und Arbeit« wirft die Frage auf,
inwiefern hier die Inhaltsebene unterstützt wird.
69
2.3.2
Printkommunikation
Neben den Onlineinhalten kommuniziert die Bezirksregierung Köln auch über
ein breites Angebot an Printprodukten.
2.3.2.1
Betrachtung der Printkommunikation
Der Begriff Printkommunikation impliziert nicht, dass die Dokumente auch
wirklich in gedruckter Form vorliegen müssen. Er schließt vielmehr auch
die für den Druck vorgesehenen Dokumente mit ein, die beispielsweise als
Download bereitgestellt werden. Exemplarisch sollen hier drei unterschied-
liche Elemente der Printkommunikation näher betrachtet werden.
Faltblätter
Ein Teil des in gedruckter Form vorliegenden, öffentlichen Informationsma-
terials der Bezirksregierung Köln besteht in den mehr als 40 Faltblättern. Mit
diesen wird versucht, unterschiedliche Adressaten – von Privatleuten, über
Selbstständige bis hin zur Großindustrie – zu erreichen.
Bei genauer Betrachtung lässt sich unter den Faltblättern eine Hierarchie
mit drei Ebenen erkennen: Auf der obersten Ebene steht das Behördenfalt-
blatt. Es existiert in genau einer Ausführung und beschreibt die Bezirks-
regierung Köln. Es folgen die Abteilungsfaltblätter, welche die Aufgaben
und Bereiche der Abteilungen sowie deren Dezernate darstellen. Darunter
angesiedelt sind die Themenfaltblätter, welche über spezifische Sachthemen
informieren und von einem oder mehreren Dezernaten verfasst und heraus-
gegeben werden.
Als Beispiele wären zu nennen: das Faltblatt »Landkarten verstehen und
richtig nutzen« der GEObasis.nrw, das vermutlich auf den Privatanwender
zielt. Das Faltblatt »Region schützen. Emissionen verringern.«, welches
Printkommunikation / Beschreibung der Printkommunikation
43
2.2.2.1
Beobachtung: Sprache in der Behörde
Das Thema Sprache lässt sich exemplarisch am Internetauftritt der
Bezirksregierung Köln untersuchen. Hier finden sich tausende Dokumente,
welche sich in Art, Umfang und Informationsaufbereitung unterscheiden.
Man findet die Pressemitteilungen, verschiedenste Formulare, die Hausord-
nung, Amtsblätter und Informationen zu den Abteilungen sowie zu sachspe-
zifischen Themen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Faltblättern und
anderen Druckerzeugnissen, die sich der Sprache bedienen und anhand
derer hier die behördliche Sprache in einen ersten Augenschein genommen
wurde. Exemplarisch wurden nur einige Beobachtungen zu den Bereichen
Rechtschreibung, Zeichensetzung, sowie den Umgang mit Daten und Abkür-
zungen zusammengetragen, die für weitere Analysen hilfreich sein könnten:
Rechtschreibung und Zeichensetzung
Bei einer Informationsmenge, wie sie die Bezirksregierung Köln verarbeitet,
ist es nicht verwunderlich, dass sich Rechtschreib- und Zeichensetzungs-
fehler finden lassen. Da viele Dokumente archiviert werden (müssen), finden
sich Texte, die in der alten Rechtschreibung verfasst sind. Die überwiegende
Mehrheit der Rechtschreibfehler sind sogenannte Tippfehler, die sich beim
Maschineschreiben leicht einstellen können.
Die folgenden Beispiele sind als Anstoß für weitergehende Betrachtung zu
verstehen, die weit mehr über die Kommunikation der Behörde aussagen,
als es auf den ersten Blick scheinen mag, wie schon in der Einführung unter
Sprache angeklungen ist und in der folgenden Analyse deutlich wird:
Bei den Druckerzeugnissen wird überwiegend die Schreibweise »eMail«
der empfohlenen Schreibweise »E-Mail« vorgezogen. Dies könnte zunächst
vermuten lassen, dass es eine behördeninterne Vereinbarung über die
Schreibweise gibt. Im Internetauftritt wird dagegen »E-Mail« verwendet. In
den Abteilungsfaltblättern, die im Internetaufritt einsehbar sind, wird mit
Ausnahme des Blattes von Abteilung 5 die E-Mail-Adresse nicht zusätzlich als
solche gekennzeichnet, sondern nur genannt, also »poststelle@brk.nrw.de«.
Beobachtung: Sprache in der Behörde
Gelingende Kommunikation zeichnet sich durch auf allen
Ebenen widerspruchsfreie Signale aus. Jede Nachricht,
welche die Behörde an eine Person oder ein anderes
System sendet, stößt immer auf alle vier Ohren, auch
wenn beim Senden nur eine der Ebenen angesprochen
werden sollte.
So geschehen in der Kommunikation der Bezirks-
regierung immer »Selbstoffenbarung« und immer
»Beziehung«.
Das Arbeitshandbuch »Bürgernahe Verwaltungs-
sprache« (2002) der Bundesstelle für Büroorganisa-
tion und Bürotechnik, das Sprachempfehlungen für
Verwaltungen zusammenfasst, macht insbesondere den
Aspekt der Selbstoffenbarung anschaulich: »Sprache
ist Ausdruck des Denkens!« und »Das Schreiben einer
Behörde wirkt wie eine Visitenkarte der öffentlichen
Verwaltung«.
42
Sender Empfänger
Sachebene
BeziehungSelbstoffenbarung
Apell
Nachricht
Vier-Seiten-Modell der Kommunikation
Folgen wir dem Vier-Seiten-Modell des Psychologen
Friedemann Schulz von Thun, lassen sich vier Ebenen
ausmachen: die schon erwähnte »Sachebene«, die Ebene
der »Selbstoffenbarung«, die »Beziehungsebene« und
jene, auf welcher der »Sender« dem »Empfänger« eine
Handlungsaufforderung vermittelt, die »Apellebene«.
Dieses, auch Vier-Ohren-Modell genannte Modell,
beschreibt die Kommunikation zwischen Menschen;
wir können es jedoch auch zur Analyse bei der Betrach-
tung der Kommunikation der Bezirksregierung Köln als
Körperschaft mit Gesicht und Kommunikationspartnerin
heranziehen.
Sachebene
Teilt die Behörde der Umwelt eine »Nachricht« mit, so
übermittelt sie auf der »Sachebene« Sachverhalte wie
beispielsweise die Zuständigkeitsbereiche einzelner
Dezernate, Angaben über Geschehnisse oder Telefon-
nummern.
Selbstoffenbarung
In jeder Mitteilung geschieht aber auch »Selbstoffenba-
rung«. Der Sender, hier also die Behörde, teilt immer auch
etwas über sich selbst mit, offenbart also sich selbst
gegenüber dem Empfänger. Wenn dies auch unbewusst
geschieht, so wird – im Modell gesprochen – das
»Selbstoffenbarungsohr« des Empfängers immer auf die
Sprecherin rückschließen, in unserem Fall: sich ein Bild
von der Behörde machen.
Wie bereits zuvor festgestellt, kommt sprachlichen
Zeichen im Gebrauch ihre Bedeutung zu. Folglich sind
Kontext und Form immer als bedeutungsentscheidende
Größe zu verstehen.
Beziehungsebene
Dieser Sachverhalt spiegelt sich im Modell durch die
Beschreibung der »Beziehungsebene« wider. Auf dieser
Ebene kommt, willentlich oder unwillentlich, die Bezie-
hung zwischen der Behörde und ihrem Gegenüber zum
Ausdruck, ihre Haltung. Auf dieser Ebene wird erkennbar,
ob und in welcher Form die Beziehung beispielsweise von
Achtung und Anerkennung oder Mangel an Anteilnahme
bestimmt ist. Hier zeigt sich – auf die Behörde bezogen –
wie hoch die Bereitschaft und Kompetenz ist, sich
wirklich auf die Bürgerinnen und Bürger einzulassen.
Im Behördenleitbild soll in verschiedenen Formu-
lierungen der Wille der Beschäftigten zum Ausdruck
gebracht werden, den Bürgerinnen und Bürgern anerken-
nend gegenüberzutreten: Sie wollen »die individuellen
Anliegen [ihrer] Ansprechpartner/innen ernst nehmen
und ihnen gerecht werden, […] Vertrauen und Akzeptanz
stärken, […] hilfsbereit, aufrichtig und höflich […] « sein.
(s. Behördenleitbild)
Apellebene
Auf einer vierten Ebene, der »Apellebene«, werden
Signale gesendet, die in die Handlung des Gegenübers
eingreifen. Hier geschieht Bitten, Auffordern und
Befehlen, etwas zu tun oder zu lassen.
Sprache
64
Nutzer kann durch Überprüfung der Anliegen und Bedürfnisse verbessert
werden. Das Potenzial, das in Ausbau von Reichweite und Interaktionsmög-
lichkeiten der Onlinekommunikation liegt, kann stärker genutzt werden.
Form und Aktualität der Inhalte stärker gewichten
So wie ein Schreibtisch, auf dem sich alte Akten und Schmierzettel
auftürmen, ein Bild beim Betrachter vermittelt, kann auch eine mangelnde
Sorgfalt bei den Inhalten der Onlinepräsenz negativ auf die Nutzer und
Nutzerinnen wirken. Der negative Eindruck, der durch nicht aktualisierte oder
stark veraltete Bereiche und Angebote entsteht, lässt sich durch einfaches
Entfernen oder Ausblenden der betreffenden Links vermeiden. Dies wäre
unter anderem für die ungenutzten RSS-Feeds eine sinnvolle Option.
Die mobile Version des Internetauftritts sollte inhaltlich neu gefasst
werden. Hier ist die Frage zu stellen, in welchem Kontext dieses Angebot
genutzt wird und welche Informationen für die Benutzer und Benutzerinnen
in diesem Kontext von Relevanz sind. Eine vollständige Übertragung der
regulären Seiteninhalte in eine für mobile Lesegeräte optimierte Fassung ist
daher nicht zielführend und würde vermutlich den leistbaren Arbeitsaufwand,
auch in Bezug auf die zukünftige Pflege, übersteigen. Wichtiger sind die
Punkte »Lokalisierung der Bezirksregierung Köln«, »Kontaktmöglichkeiten«
und gegebenenfalls aktuellste Informationen, die aus der regulären Version
aggregiert, also automatisch zusammengeführt werden können, um zusätzli-
chen Arbeitsaufwand zu vermeiden.
Für die einzelnen Bereiche des Internetauftritts sollte gelten, dass Umfang,
Form und Inhalt in Hinblick auf die Außensicht zu gestalten sind. Grundsätz-
lich ist zu beobachten, dass der zu leistende Aufwand für redaktionelle Pflege
und Aktualisierung des Internetauftritts mit den zur Verfügung stehenden
Ressourcen bei der aktuellen Form des Internetauftritts quantitativ nur
schwer zu bewerkstelligen ist. Das bei der qualitativen Aufbereitung der
Inhalte in diesem Kontext nicht die gebotene Sorgfalt eingebracht werden
kann, liegt auf der Hand. Für eine zukünftige Ausrichtung des Internetauf-
tritts empfiehlt sich daher eine Analyse der Inhalte hinsichtlich von Nutzung,
Nutzen und Notwendigkeit.
Verschlankung des Informationsangebotes und Nutzungsevaluation
Ziel der Überarbeitung sollte primär eine Verschlankung des Angebots sein,
ohne dass wesentliche Inhalte dem Rotstift zum Opfer fallen. Um diese
Anpassungen an Struktur und inhaltlicher Ausgestaltung sinnvoll durch-
führen zu können, wird eine vorausgehende Evaluation notwendig sein.
Wichtig ist dabei, dass diese Analyse sich nicht auf quantitative Erhebungen
beschränkt. Die bereits umfassend erfolgende quantitative Auswertung der
Nutzungsstatistiken kann jedoch sinnvoll eingebunden werden, um poten-
zielle Bereiche für eine tiefergehende, qualitative Evaluation zu identifizieren.
Konkret ließe sich so beispielsweise eine Aussage über Umfang und Häufig-
keit der Nutzung für einzelne Themenbereiche und Segmente des Internet-
auftritts machen und in einem zweiten Schritt qualitativ evaluieren worin die
Ursachen für eventuell abweichende Ergebnisse begründet sind. Letzteres
Empfehlungen zum Umgang mit Onlinemedien
76
Auf den topografischen Karten der Plattform tim-online.nrw.de kommen
unter anderem die Bezeichnungen »Verwaltung« und »Museum« vor, auf
der Liegenschaftskarte hingegen lediglich die Bezeichnung »Regierung«.
Auf dem Cityplan Köln von Falk lautet die Bezeichnung ebenfalls kurz
»Regierung«, auf wieder anderen Karten »Regierungspräsidium«.
Die an den Haltestellen der Kölner Verkehrsbetriebe angebrachten
Karten nennen den Gebäudekomplex »Reg.-Präs«, auf dem Umgebungs-
plan findet sich die Bezeichnung »Bezirksregierung« und wer einen Blick
auf den Haltestellenlageplan des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg wirft, liest
»RP Bezirksregierung Köln«. Im offiziellen Innenstadt-Plan der Stadt Köln
findet sich die Bezeichnung »Bezirksregierung«.
Die Zuordnungen von Suchbegriffen und tatsächlicher Position, aber auch
die Bezeichnungen von Orten in analogen und digitalen Karten, sind alles
andere als einheitlich.
Passantenbefragung
Bei einer stichprobenartigen Passantenbefragung in Köln ergab sich
folgendes Bild: Im Stadthaus Deutz, in der Stadtbibliothek und bei Befra-
gung mehrerer Passanten im Innenstadtbereich konnten wir keine hilfrei-
chen Auskünfte und Wegbeschreibungen erhalten, obwohl die Befragten
sich mehrheitlich als Kölner bezeichneten. Die überwiegende Mehrheit
Beobachtungen: Sichtbarkeit und Gebäudekennung
51
mitgedacht, so schwingt hier auch ihre Erfahrung mit. Dieser Claim wird dann
beispielsweise auf den Abteilungsfaltblättern variiert, wobei hier erkennbar
wird, dass die Regeln, mit denen gearbeitet wird, nicht klar gefasst wurden.
Bei den vorliegenden Abteilungsfaltblättern übernimmt Abteilung 7 die Zeilen
fast wörtlich: dort wird »Region« durch »Räumlich« ersetzt. Für Abteilung 1,
Zentrale Dienste, schien der Aspekt der Region nicht zu ihrem Aufgaben-
feld passen. So heißt es dort: »Prozesse organisieren. Innovativ verwalten.«
Abschließend sei noch die Betitelung des Faltblattes der Abteilung 2 genannt,
deren Aussagen weder in eine Reihe mit den anderen Abteilungen zu bringen
sind, noch besonders spezifisch bezüglich ihrer Aufgaben sind: »Ordnung
von A bis Z, Die Abteilung 2 stellt sich vor.«
Während die eingefügte Abbildung zwar auf das Sachgebiet »Gefahrenab-
wehr« verweist – wenn auch nicht in seiner ganzen Breite – so kann sie für
Außenstehende nur schwer zur Kommunikation der Bereiche »Ordnungs-
recht«, »Sozialwesen«, »Verkehr« und »Gesundheit« eingesetzt werden.
Bei dem Versuch die Handlungsschwerpunkte der über dreißig Dezernate
zu fassen, ergaben sich folgende Themenfelder: Hilfe/Förderung, Schutz/
Sicherheit und Ordnung/Beratung. Hierbei ist zu beachten, dass sich diese
Kategorisierung auf die Handlungsfelder der Behörde, nicht auf die existie-
rende, organisatorische Struktur der Behörde bezieht.
Wie schon deutlich wurde, sind durchgehend Kompetenz, Effektivität und
Vielseitigkeit wesensbestimmende Größen der Behörde. Diese drei Größen
liegen, bildlich gesprochen, hinter jeder Außendarstellung der Behörde. Bei
Durchsicht der Textinhalte der Bezirksregierung Köln fällt jedoch auf, dass
versucht wird, behördeninterne Operationen, die durch Zuständigkeiten
und Entscheidungsstrukturen bestimmt sind, sichtbar und »transparent« zu
Abb.:
Die Faltblätter mit denen sich die Behörde
und die Abteilungen vorstellen: Behörde,
Abteilungen 1, 2, und 7 (von links nach rechts).
Analyse: Sprache in Form und als Werkzeug
65
würde sicherlich auch eine nähere Untersuchung der jeweiligen Zielgruppen
mit einschließen.
Orientierung für externe Nutzerinnen und Nutzer verbessern
Ein weiteres Potenzial zur Verbesserung der Onlinekommunikation liegt
im Bereich der Navigation. Wie im vorangegangenen Analyseteil bereits
beschrieben, folgt das Navigationskonzept dem organisatorischen Aufbau
der Behörde, also der internen, hierarchisch gegliederten Struktur. Für
nicht eingeweihte Nutzerinnen und Nutzer wird dadurch der Zugang zum
gewünschten Inhalt erschwert. Dabei bleibt auch die Möglichkeit ungenutzt,
über die Navigation ein schnelles und besseres Verständnis für die Tätigkeits-
felder der Behörde zu vermitteln. Ein Beispiel für die – leider nur partielle –
Umsetzung dieses Ansatzes ist auf dem Internetauftritt der Bezirksregierung
Arnsberg zu finden. Ähnliche Lösungsansätze finden sich auch auf dem Inter-
netauftritt der Bezirksregierung Düsseldorf. In beiden Fällen wird mithilfe von
Dropdown- und Flyout-Navigation ein schnellerer Zugriff auf tieferliegende
Ebenen der Navigation ermöglicht. Über den Aspekt der Benutzerfreund-
lichkeit (Usability) hinausgehend, ist dieses Navigationskonzept auch für das
Vermitteln von Strukturen hilfreich. Man schafft ein leichteres Verständnis
für die Hierarchie der Themenfelder, wie auch für die behördlichen Struk-
turen.
Empfehlungen zum Umgang mit Onlinemedien
Abb.:
Die Bezirksregierungen Arnsberg und Düsseldorf
nutzen für ihre Hauptnavigation(en) das Prinzip
der Dropdown bzw. Flyout Menüs. Diese haben
neben dem erleichterten Zugriff auf tiefer liegende
Menüpunkte den entscheidenden Vorteil, dass sie
auch Information zur Organisationsstruktur der
Behörde und dem Spektrum der Themen vermitteln.
Eventuell unklare Menüpunkte der ersten Ebene
erschließen sich leichter im Kontext der unmittelbar
sichtbaren Unterpunkte.
83
Selbstverständnis herausarbeiten und reflektieren
Voraussetzung für die erfolgreiche Außenkommunikation ist ein reflek-
tiertes Selbstverständnis. Allen Kommunikationsbestrebungen der
Bezirksregierung Köln – in welcher Ausdrucksform auch immer – sollte daher
zunächst ein klares Selbstverständnis zugrunde liegen (siehe auch Behör-
denleitbild). Erst wenn die eigenen Kommunikationsformen und systembe-
dingten Operationen in der gesamten Behörde reflektiert und verstanden
werden, können diese auch für Außenstehende (Umweltsysteme) in gelin-
gende Kommunikation transformiert werden. Aus dem eigenen Selbstver-
ständnis lassen sich Kriterien zur Qualitätsbewertung von Kommunikation
entwickeln, um behördliche Operationen »durch eine abgestimmte Darstel-
lung in der Öffentlichkeit begleiten« zu können.
In diesem Arbeitsprozess gilt es, ein vorhandenes Selbstverständnis der
Behörde zu fassen, was den Dialog mit den Angehörigen der Behörde
notwendig einschließt. Im Behördenleitbild sind wichtige Bedingungen
eines wertvollen Diskurses angelegt. Wesentlich sind hierbei »Aufrichtig-
keit, gegenseitige Wertschätzung und ein verantwortungsvoller Umgang
über alle Ebenen hinweg«. Diese interne Phase der Kommunikation muss
derart moderiert sein, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter als ein
wichtiger Teil des Systems Behörde ernst genommen wird und in einem
geschützten Rahmen Gehör findet. Auch Unbehagen und Kritik muss offen
formuliert werden können.
Jede imagebildende Unternehmung, die nicht das Selbstverständnis
der Menschen als Behördenangehörige ernst nimmt, ist letztlich unnötig
ressourcenzehrend und kann nicht dauerhaft erfolgreich sein.
Selbstverständnis ist jedoch nur Bedingung der Möglichkeit,
verstanden zu werden und lediglich der erste Schritt einer zielgerichteten
Kommunikation.
So ist es beispielsweise im Umgang mit Sprache in der Kommunikation der
Behörde von Bedeutung, die behördeninterne Sprache der Zuständigkeiten
Qualität
geringer
Ressourceneinsatz
Quantität
Zusammenfassung der Empfehlungen
Abb.:
Das Dreieck zeigt die wechselseitige Abhängigkeit der
Parameter, die für die Ziele der behördlichen Kommu-
nikation bestimmend sind.
Dabei gilt es zu beachten, dass jeweils nur zwei
der Parameter zusammengebracht werden können.
Bei gleichbleibendem Ressourceneinsatz bedingt eine
Steigerung der Qualität den Rückgang der Quantität
(und umgekehrt). Eine Steigerung der Qualität bei
gleichbleibender Quantität erfordert also eine Steige-
rung im Bereich des Ressourceneinsatzes.
Die angedeutete Verschiebung des Punktes
entspricht einer Empfehlung für den zukünftigen
Umgang mit der behördlichen Kommunikation.
55
2.2.3
Bild
Bilder sind wie Sprache ein essenzieller Bestandteil von Kommunikation.
Sprache erzeugt Bilder, aber Bilder selbst sind auch maßgebliche Informati-
onsträger. Dieses Bewusstsein ist im Umgang mit Abbildungen wichtig, um
einerseits gezielt Botschaften zu vermitteln und andererseits auch unbeab-
sichtigte Botschaften zu vermeiden. Neben dem Bildinhalt und der Bildstim-
mung, spielen auch die Qualität der Abbildungen und der richtige Umgang
mit selbigen eine Rolle.
Bild
Abb.:
Collage aus den Medienerzeugnissen der
Bezirksregierung Köln. Dort werden Bilder
unterschiedlichen Ursprungs und in variierender
Qualität eingesetzt.
6968
Auszüge aus dem 86seitigen
Kommunikationspapier für
die Bezirksregierung Köln mit
Betrachtungen, Analysen
und Empfehlungen zu ihren
verschiedenen Kommunika-
tionskanälen
Bezirksregierung Köln / MP / Identität und Design / Sommersemester 2011 / 05.04.2011 bis 19.05.2011
2010|
Wintersemester
Soundscape Cologne | S. 72 - 73
Experimental Haute Couture | S. 74 - 75
Wahrnehmungsmanagement | S. 76 - 77
|2011
7372
Soundscape Cologne
Soundscape Cologne / MP / Designtheorie und -geschichte / Wintersemester 2010/11 / 07.12.2010 bis 04.02.2011
Das Wesen einer Stadt wird maßgeblich von vielen verschiedenarti-
gen Komponenten, unter anderem den einzelnen Stadteteilen und
den unterschiedlichen in ihr lebenden Menschen beeinflusst. In
Köln hat jedes Veedel seine eigene Geschichte, seinen eigenen Cha-
rakter, eine eigene Atmosphäre und ein eigenes Umfeld. Die Ein-
zigartigkeit der Stadt wird weder außschließlich von touristischen
Attraktionen oder einem gewissen „Getümmel“ geschafft, sondern
auch von vielen unscheinbaren und unterbewusst vernommenen
Faktoren, wie dem Sound.
Murray Schaeffer, ein kanadischer Komponist und Schriftstel-
ler, schrieb im Jahre 1977 das Buch „The Tuning of the World (The
Soundscape)“ und entwickelte später für die Stadt Toronto eine sol-
che Soundscape. Die Wahrnehmung einer „soundscape“ einer Stadt
ist immer abhängig von der Perspektive des Betrachters.. Ein Tou-
rists nimmt die Stadt ganz anders wahr als ein Einheimischer oder
ein Zugezogener. Es gibt demnach keine einzig gültige soundscape,
da sie immer unterschiedlich wahrgenommen wird. Wir verfolgten
den Ansatz, die Vielseitigkeit der Stadt Köln zu zeigen, die Raum für
eigene Interpretationen lässt und somit alle Beteiligten, wie Bürger,
Touristen, und viele weitere einschließt.
Dementsprechend starteten wir einige detailierte Research-
Trips durch verschiedene Veedel (Südstadt, Chorweiler, Mülheim,
Junkersdorf und Weiden) und zeichneten Klänge natürlichen
Ursprungs auf, sowie Klänge in Einkaufszentren, öffentlichen
Verkehrsmitteln und öffentlichen Plätzen auf. Mit Fortschreiten des
Projektes wurde somit ein kleines Archiv an Klängen geschaffen
und eine entsprechende Kategorisierung dieser Klänge erlaubte
uns, Vergleiche und Rückschlüsse zwischen den Vierteln zu ziehen.
Die Klänge in Verbindung mit ihrer geographischen Lage auf
einer Karte von Köln bietet einen Vorteil gegenüber bestehenden
reinen Sound-Archiven oder Sammlungen. Zusätzlich besteht die
Option, live streams zu verfolgen und Nutzer können die Soundmap
nach Belieben vervollständigen und erweitern.
Eine Landschaft aus Klängen
7574
Experimental
Haute Couture
Darf man eigentlich Pelz tragen?
Wie wird er hergestellt?
Eine deutsch-dänische Kooperation sorgte für Furore
Experimental Haute Couture / KP / Produktionstechnologie / Wintersemester 2010/11 / 22.11.2010 bis 26.11.2010
In diesem Wochenprojekt wurde mit der Firma
Copenhagen Fur kooperiert, einem der größten
Pelzhersteller weltweit. Unter der Leitung von Grit
Seymour, Professorin für Modedesign an der Uni-
versität der Künste Berlin wurden unterschiedliche
Konzepte erarbeitet. Das Projekt begann mit einer
hochinteressanten Diskussion über die Verwen-
dung von Pelz und den daraus resultierenden
ethischen Fragen, vor die sich jeder, der mit Pelz
arbeitet, oder der ihn trägt, gestellt sieht.
Darf man ein Tier töten, um sich damit einzu-
kleiden oder sollten wir dieses atavistische Den-
ken ablegen? Sind Tiere Objekte, können wir nach
Belieben über sie verfügen? Ist das Tragen von Pelz
moralisch verwerflich, das Tragen von Leder jedoch
legitim? Interessanterweise wird beim Thema Le-
der kaum so heftig debattiert, doch wo die bizarren
Gegensätze »flauschig, kuschelig« und »bedrohlich,
todbringend« aufeinandertreffen, bezieht man
schnell Position. Es scheint folglich eine irrationale
Unterscheidung in der Verteilung unseres Mitleids
zu geben.
Pelz ist auch wiederum bei richtiger Pflege ein
sehr beständiges Material, welches über ein Leben
lang halten kann: eine Eigenschaft, die nur wenige
neuartige Textilien bieten. Auch seine isolierenden
Eigenschaften sind fast unübertroffen.
Es fällt auf, dass trotz aller Kontroversen um dieses
Thema noch immer fast jedes große Modelabel auf
echten Pelz setzt, sodass sich dieses Material in
vielen Winterkollektionen wiederfinden lässt, sei es
als Stola, Innenfutter oder ähnliches.
Zeil des Projektes war es, sich mit Pelz in Ver-
bindung zu (Wohn-) Accessiores zu befassen, doch
einen Großteil der finalen Präsentation bean-
spruchten Fragen und Diskussionen rund um das
Themenfeld Pelz, seine Herstellung und Weiterver-
arbeitung, seine Fans und Gegner.
| Stand von Oben |Lösung |
Ein weiteres Mittel zur Schaffung von Orientierung bietet der Blick von o
der Besucher jederzeit nachvollziehen, wo er bereits war und was ihn
was er noch erkunden möchte.
Wahrnehmungsmanagement
Innovative Fahrzeuge, neuartige Exponate und Highlights
auf Ausstellungen, Besucherströme, Aufenthaltsdauer, nur
vier Tage Zeit. Joachim Blickhäuser, damaliger Leiter der
Abteilung Internationale Ausstellungen und Events bei der
BMW Group gab Einblicke in das Messegeschehen.
oben auf den Stand. So kann
n noch interessieren könnte,
7776
Wahrnehmungsmanagement / KP / Ökologie und Design / Wintersemester 2010/11 / 03.11.2010 bis 05.11.2010
In dem einwöchigen Workshop zum Thema Messen
und Ausstellungen in Automobilbereich, mit Fokus
auf die BMW Group, erarbeiteten vier Gruppen ver-
schiedene Konzepte.
Meine Gruppe widmete sich dem Themenfeld
Orientierung und Besucherströme auf (großen)
Messeständen und suchte nach Lösungen, die auf
die intuitive Wahrnehmung der Besucher setzten
und sie anhand unterbewusst wirkender Maßnah-
men, wie dem gezielten und von der Besucherzahl
abhängigen Steuern von Licht und „Dunkelheit“
oder dem Einsatz von speziellen Materialien, wie
beispielsweise Formgedächtnismaterial, steuerten.
Dabei war das Ziel, die Aufenthaltsqualität und
-dauer auf einem Messestand so hoch wie möglich
zu halten und dem Besucher Abwechselung zu bie-
ten in Form von klarer Orientierung durch eine Art
von landmarks (wie sie Highlights darstellen), aber
auch die Option zu bieten, den Stand zu erkunden,
den Entdeckergeist der Besucher zu wecken, sodass
sie man nahezu labyrinthartig und weniger offen-
kundig das Areal begutachten kann.
Anhand dieses Workshops ergab sich für mich
dann einige Monate später mein Praktikum.
Sommersemester
2010Vorlesung SI | S. 80 - 87
New Talents 2010 | S. 88 - 89
Wissenschaftliches Arbeiten | S. 90 - 93
Zeichen | S. 94 - 97
Vorlesung über die
Situationistische Internationale
Im Mai 2010 fragte Prof. Dr. Michael Erlhoff mich, ob ich eine
Vorlesung über die Situationistische Internationale (kurz: SI)
halten würde, da dies in Bezug zum Nebenthema meines
Intermediate Project stand und zeitlich genau in den damaligen
Kontext seiner Vorlesungen passte.
CoBrA
Die Situationistische Internationale (abgekürzt wird
sie im Folgenden mit SI) wurde am 28. Juli 1957 in
Cosio d‘Arroscia von Pinot Gallizio, Piero Simondo,
Elena Verrone, Michéle Bernstein, Guy Debord,
Asger Jorn und Walter Olmo als eine internationale
Vereinigung von linken Intellektuellen und Künst-
lern zur Revolutionierung der Gesellschaft und
Kultur gegründet. Sie umfasste insgesamt mehr als
70 Mitglieder zur Zeit ihres Bestehens. Ihre offiziel-
le Auflösung wurde im April 1972 bekannt gegeben.
Für das Verstehen der Philosophie und Tätigkeit der
SI ist es von Bedeutung, ihre Herkunft in Bezug zur
Gruppe CoBrA , zur Bewegung für ein Imaginäres
Bauhaus und zur Lettristischen Internationale zu
erläutern.
Asger Jorn, (Asger Oluf Jörgensen) 1914 geboren in
Vejrum in Westjütland, studierte Kunst in Paris bei
dem Maler Ferdinand Léger und war Mitglied der
kommunistischen Widerstandsbewegung in Däne-
mark während des 2. Weltkriegs. Danach schloss
er sich der Gruppe revolutionärer Surrealisten an,
welche sich bewusst von Andrè Breton abgrenzten,
nachdem dieser zunehmend seine Abneigung der
Kommunistischen Partei gegenüber verlauten lies.
Nach dem Auseinanderbrechen dieser Gruppe,
wurde er neben Karel Appel, Guillaume Corneille,
Christian Dotremont, Constant Nieuwenhuis und
Joseph Noiret Gründungsmitglied der Künstler-
gruppe CoBrA (Copenhagen, Brüssel, Amsterdam).
Der Name kam durch die Verbindung der Haupt-
personen zustande: Jorn in Kopenhagen, Corneil-
le und Dortemont in Brüssel und Constant und
Appel in Amsterdam. Heftiger, expressionister
Pinselstrich, die Behandlung mythologischer und
folkloristischer Thematiken und das Interesse an
Kunst von Kindern und Geisteskranken, auch „Aus-
senseiterkunst“ genannt, sowie ein allgemeiner
marxistischer Standpunkt waren die Erkennungs-
merkmale der CoBrA. Asger Jorn praktizierte eine
gewollt naive Malerei. Seine geistige Grundposition
war durch die Studien der skandinavischen Ro-
mantiker Swedenborg und Kierkegaard in Bezug
auf Anarchismus und Marxismus gekennzeichnet.
Die CoBrA-Gruppe war so vielfältig, dass es nie zu
einem theoretischen Fundament für ihre Aktivi-
täten reichte. 1951 löste sich die Gruppe aufgrund
persönlicher und politischer Verschiedenheiten auf.
8180
Nach 18 monatiger Krankheit (Tuberkulose), suchte
er Mitglieder für seine neue Kunstbewegung: Die
Internationale Bewegung für ein Imaginistisches
Bauhaus (kurz M.I.B.I.). 1954 wurde die Gruppe in
der Schweiz gegründet. Alte CoBrA Künstler, wie Ap-
pel und Corneille, aber auch neue ital. Künstler, wie
Enrico Baj und Sergio Dangelo der ein Jahr zuvor
gegründeten „arte nucleare“ kamen hinzu.
Dem Schweizer Künstler Max Bill, ehemaliger
Student am Bauhaus, wurde die Aufgabe überrta-
gen, die Hochschule für Gestaltung (kurz HfG) Ulm
aufzubauen als eine Art „neues Bauhaus“. Bill wand-
te sich an Jorn, welcher anfangs begeistert war von
der Idee. Es kam aber schnell zu großen Meinungs-
verschiedenheiten: Bill wollte ein auf Rationalismus
und Funktionalismus ausgerichtetes Bauhaus, Jorn
war für ein Bauhaus, in dem Subjektivität, Experi-
ment, Automatismus und Zufall beachtet werden
sollten. Jorn wollte den Künstler nicht versklavt wis-
sen unter einer primären Ästhetisierung der Tech-
nik, sondern wollte durch das neue Bauhaus die
berechtigte Rolle des Künstlers im Maschinenzeit-
alter finden. Er schlug vor, künstlerische Forschung
genauso zu behandeln wie die Humanwissenschaf-
ten und wollte eine Zusammenarbeit von Künstlern
und Wissenschaftlern fördern.
Als Gegenreaktion auf das technologische Den-
ken von Bill begann Jorn sich auf theoretische Art
mit allgemeiner Ästhetik und Stadtplanung zu be-
fassen, was ihn Constant und der LI näher brachte.
1954 ließ sich Jorn mit Bill auf der Triennale für
Industrielles Design in Mailand auf eine öffentli-
che Debatte über das Thema „Industrielles Design
in der Gesellschaft“ ein. Jorn erklärte, dass das
Bauhaus und Le Corbusier zu ihrer Zeit revolutionär
waren, doch die Unterordnung der Ästhetik unter
die Technologie und die Funktion führe zu Standar-
disierung, Automatisierung und stärker regulierter
Gesellschaft.
Jorn reiste 1955 nach Alba im italienischen Pie-
mont zu Pinot Gallizio, um mit ihm gemeinsam ein
Werkstatt-Laboratorium als Prototyp des imaginis-
tischen Bauhauses in Gallizions Atelier, einem 30
Meter tiefen Raum innerhalb eines im 17. Jahrhun-
derts erbauten Klosters, einzurichten.
Im folgenden Jahr wurde der „Erste Weltkongress
freier Künstler“ in Alba von Jorn und Gallizio or-
ganisiert, zu der Künstler aus ganz Europa kamen.
Wolman vertat die LI, Jorn, Gallizio und Simondo
de Verrone den M.I.B.I. Weitere Künstler und nicht
Mitglieder waren Constant, Baj, Jacques Callone,
Ettore Sottsass jr., Walter Olmo, Franco Garelli,
Sandro Cherchi, Franco Assetto, sowie die tschechi-
schen Künstler Pravoslav Rada und Jan Kotik.
Die erste Beziehung von Jorn und der LI war herge-
stellt, man wollte sich gegenseitig unterstützen. So
wurde Wolman in die Redaktion der Eristica, die
Zeitschrift des M.I.B.I. aufgenommen und Jorn in
das Leitungskommitee der LI.
Guy Debord, wurde am 28.12.1931 in Paris geboren.
Nach Kriegsende 1945, folgte zu Beginn der 1950er
Jahre der wirtschaftliche Aufschwung Frankreichs.
Eine Veränderung im alltäglichen Lebensstils
wurde spürbar, der Massenkonsum wurde voran-
getrieben. Fernsehen hielt Einzug in die privaten
Haushalte, serienmäßig hergestellte Autos wurden
erschwinglich und erste große Wohnanlagen ent-
standen.
Die Surrealisten waren in den 1950ern reiche und
berühmte Künstler geworden, was problematisch
war hinsichtilich ihrer Rolle als Avantgardebewe-
gung und so kam es, dass der an literarischen Aus-
senseitern und Rebellen interessierte Debord seine
Aufmerksamkeit auf eine neue avantgardistische
Gruppierung, die Lettristen, richtete.
Im April 1950 wird die Ostermesse in Notre Dame
von den Lettristen (Berna, Michel Mourre, Ghislain
Desnoyres de Marbiax und Jean Rullier) gestört, in
Form eines als Dominikanermönch verkleideten
Mourre, der eine blasphemische Rede hielt, welche
von Berna geschrieben wurde. Den Teilnehmern
der Aktion war es nur durch „Rettung“ durch die
Vorlesung / Designtheorie und -geschichte / Sommersemester 2010 / gehalten am 23.06.2010
Imaginäres Bauhaus
Die Beziehung von Guy Debord zu den
Lettristen und die Gründung der LI
Polizei gelungen, dem wütenden Mob zu entrinnen
- die Lettristen waren in aller Munde. Während den
Filmfestspielen in Cannes im April 1951 begegnet
Debord den aus Paris stammenden extremistischen
Lettristen, welchen er sich noch im selben Jahr
anschließt.
Isidore Isou (Allitaraion zu Tristan Tzara) (mit wah-
rem Namen Jean-Isidore Goldstein) wurde 1925 in
Botosani im rumänischen Moldawien geboren und
gründete 1946 mit Gabriel Pomerand in Paris die
lettristische Bewegung, welche Worte und Sätze auf
ihre Buchstaben zurückführte, um Gefühle gegen
die Sprache zu erzeugen, (Manifest der lettristi-
schen Dichtung: Introduction á une Nouvelle Póesie
et une Nouvelle Musique, Paris 1947). In sogenann-
ten Hypergraphiken wurde die Zusammenfügung
von Dichtung und Malerei erforscht, ähnlich
dadaistischen und futuristischen Wortcollagen, in
welchen Maurice Lemaitre, ebenfalls Theoretiker
der lettristischen Bewegung, eine Synthese aus
vielen Kommunikationsformen erkannte. Isou
machte in seinem Text „Abhandlung über die Nuk-
learökonomie: der Aufstand der Jugend“ darauf auf-
merksam, dass rebellische Jugendliche sich nicht
ihrer gesellschaftlich untergeordneten Rolle fügen
sollten, er bezeichnete sie als „das neue Proletariat“,
eine Klasse mit revolutionärem Potential, welche „...
nichts zu verlieren habe“.
Im Anschluss an Debords Umzug nach Paris im
Oktober 1951, vorgeblich um an der Sorbonne Jura
zu studieren, kam dieser schnell in Kontakt mit
einer Gruppe Jugendlicher im Pariser Saint-Ger-
main-des Prés, welche das Bürgertum in höchs- tem
Maße ablehnten, Kleinkriminalität verübten und
sich dem Nichtstun hingaben. Debord umschreib
ihr wichtigstes Gebot mit einer Parole an der Rue de
Seine: „Ne travaillez jemais!“ (Arbeitet nie!), worauf
später noch eingegangen wird. Im Juni 1952 hat
Debord genug von Isou und bildet eine neue Gruppe
(die LI) mit Berna, Brau und Wolman.
Debords erster Film „Geheul für Sade“ (Hurle-
ments en faveur de Sade), wird am 30.6.1952 zum
ersten Mal in Armand J. Cauliez „Filmclub der
Avantgarde“ aufgeführt. Es war ein Film, der nicht
nur darauf aus war, Situationen zu zeigen, sondern
sie auch zu erschaffen, in dem die abwertenden Re-
aktionen, Beschimpfungen des Publikums bewusst
erschaffenener Teil dieser Situation sind.
Als die LI am 29.10.1952 eine Pressekonferenz
Charlie Chaplins im Pariser Ritz durch Verteilung
von Flugblättern unterbrach, welche Chaplin be-
leidigen und die ablehnende Haltung der LI seiner
Arbeit und ihm gegenüber aufzeigen sollten, kam es
zum Bruch mit Isidore Isou, da Isou diesen Vorfall
nicht billigte. Persönliche Differenzen von Isou und
Debord, wie zum Beispiel Isous Personenkult, wel-
chen Debord vollkommen ablehnte, waren bereits
zuvor zu Tage getreten.
Nach diesem Bruch kommt es am 7.12.1952 in der
Konferenz von Aubersville zur formellen Gründung
der LI. Dieser gehörten neben Debord, Wolman,
Berna, Mension und Brau auch Michèle Bernstein,
Barbara Rosenthal, Sarah Abouaf, Vali Meyers
(Australierin), Paulette Vielhomme und Elaine Brau
(damals Papai) und weitere an, es bestand eine
lockere Besetzung.
Die LI hat große Pläne, ihr Ziel ist „der bewusste
und kollektive Aufbau einer neuen Zivilisation“.
(Jean-Francois Martos, Paris 1989) Sie wollen nicht
nur die Ästhetik verändern, sondern auch das Ver-
halten der Menschen. Deren Leben und Sehnsüchte
sind von diesem Umsturz nicht trennbar, darum
lehnen sie die traditionelle Politik oder die soziale
Revolution ab. Sie stellen ihre Idee von Glück einem
revolutionären Programm voran.
Die Ideen der Psychogeographie, des Dérive und
des Détournement, welche wichtige Bestandteile in
der Theorie der späteren SI waren, wurden bereits
in der LI durch Ivan Chtcheglovs Schlüsseltext „For-
mular für eine neue Stadt“ entwickelt.
Dérive ist im Deutschen wohl am verständlichs-
ten mit „Umherschweifen“ zu übersetzen. Eine
orientierungslose Bewegung durch die Stadt, ein
absichtliches und forschendes Verirren, das flüch-
tige Durchstreifen verschiedener Umgebungen und
der dabei entstehende Einfluss der Architektur. Ein
solches Umherschweifen konnte Stunden oder auch
Monate dauern und wurde nicht grundlos von den
Lettristen betrieben.
8382
Sie nutzten dérive als Mittel für die Psychogeogra-
phie, eine „Erforschung der unmittelbaren Wirkung
der geographischen Umwelt auf das Gefühlsleben“,
zur Herstellung neuer emotional begründeter Stadt-
pläne, welche eine Konstruktion neuer, utopischer
Umgebungen, wie der Aufhebung einer Teilung der
Freizeit und Arbeitszeit, dienen sollte. Nach Michèle
Bernstein: „Keine neue Lehre der Stadtplanung,
sondern eine Kritik der Stadtplanung.“ Ein „unitä-
ren Urbanismus“, eine ganzheitliche Stadtentwick-
lung wurde angestrebt. Die LI problematisierte auch
als eine der ersten politischen Gruppen die Freizeit.
Ein weiterer Aspekt ist die Theorie des détour-
nement, der Zweckenentfremdung. 1958, als die SI
bereits gegründet ist, findet sich hierzu eine situ-
ationistische Definition:„Zweckentfremdung von
ästhetischen Fertigteilen. Integration aktueller oder
vergangener Kunstproduktionen in eine höhere
Konstruktion des Milieus. In diesem Sinne kann es
weder eine situationistische Kunst, noch eine situa-
tionistische Musik, wohl aber eine situationistische
Anwendung dieser Mittel geben.
In einem ursprünglicheren Sinne ist die Zweck-
entfremdung innerhalb der alten kulturellen
Gebiete eine Propagandamethode, die die Abnut-
zung und den Bedeutungsverlust dieser Gebiete
aufzeigt.“
Potlatch war ab dem 22. Juni 1954 die Zeitschrift der
LI, welche das vorherige Mitteilungsblatt, schlicht
Internationale Lettriste genannt, ablöste. Getippt
von Michèle Bernstein und zeitweise von unter-
schiedlichen Mitgliedern der LI herausgegeben,
wurden von Potlatch in dern ersten Ausgabe noch
50 Exemplare hergestellt, stieg die Auflage schon
im zweiten Heft auf 400 an. Käuflich war es nicht
zu erwerben, es wurde verschenkt. Hier tauchten
auch zum ersten Mal die Begriffe dérive, détour-
nement und Psychogeographie auf. Es beinhaltete
die künstlerischen Werke der LI und revolutionäre
Gesellschaftskritik, sprach sich für antikolonialis-
tische und antiimperialistische Revolten aus und
unterstützte Arbeiterstreiks.
Debord schreibt den Rapport über die Konstruktion
von Situationen und die Organisations- und Akti-
onsbedingungen der Internationalen Situationis-
tischen Tendenz. Der zentrale Begriff „Situation“
hat mit dem Existentialismus von Jean-Paul Sartre
zu tun, doch wo Sartre das Empfinden des Selbst-
bewusstseins der Existenz innerhalb eines gege-
benen Milieus oder einer gegebenen Atmosphäre
beschreibt, fordert Debord eben nicht nur das
passive Hinnehmen, sondern das aktive Schaffen
solcher Situationen. Der Hauptgedanke des Rap-
ports war „die konkrete Konstruktion kurzfristiger
Lebensumgebungen und ihre Umgestaltung in
eine höhere Qualität der Leidenschaft“. Der weitere
Hauptbestandteil des Rapports ist die Kritik der
Rolle der historischen Avantgarden und die Forde-
rung Debords nach neuen Avantgarden mit einem
zusammenhängenden revolutionären Programm
und Methoden der Organisation aus dem revoluti-
onären Untergrund. Nach dieser Feststellung und
der umfangreichen Kritik ihrer Vorgänger fühlte
die SI sich in der Lage, ihren Platz an der Spitze der
Avantgarden einzunehmen.
Die Gründungskonferenz fand am 27. und 28. Juli
1957 in Cosio d‘Arroscia statt, dem Geburtsort des
Künstlers Pierro Simondo statt, in dessen Famili-
enhaus die Delegierten Debord, Bernstein, Gallizio,
Simondo, Verrone, Olmo und Jorn unter- gebracht
wurden. Nur wenige Monate später, im Oktober
1957 wurden Olmo, Simondo und Verrone ausge-
schlossen.
Die erste Nummer der IS mit einer Auflage von
200 Exemplaren und einem goldfarbenen Chromo-
luxumschlag erschien im Juni 1958 mit Debord als
Herausgeber. Ihr Stil blieb in den elf Jahren ihres
Bestehens nahezu gleich. Sie war als Ideenplatt-
form von großer Bedeutung für die IS und enthielt
in ihrer ersten Ausgabe unter anderem den Artikel
„Formular für einen neuen Urbanismus“ von Ivan
Chtcheglov, welcher in den folgenden Jahren auf
Constant und sein New Babylon auswirkte. In An-
betracht der Tatsache, dass Jorn sich zum internati-
onal rennomierten Künslter entwickelte, und stets
Potlach
Die SI 1957 - 1965
Vorlesung / Designtheorie und -geschichte / Sommersemester 2010 / gehalten am 23.06.2010
unter Zeitdruck stand, fand er Zeit für das Engage-
ment in der IS. 1957 arbeitet er mit Debord am Buch
„Fin de Copenhague“, welches aus vorgefundenen
Bildern und Texten besteht, angeblich zufällig beim
Besuch eines Zeitungskiosk gefunden und aufge-
sammelt und im Hintergrund durch Jorns Farb-
tropfen getragen wird. Aus Jorns und Debords Sicht
enthält es einen satirischen Angriff auf die tech-
nologische Konsumgesellschaft. Ein Jahr später
arbeiten Debord und Jorn an den Memoires, einem
in Sandpapier gebundenen Buch über die Früh-
geschichte der LI. Der wohl nachhaltigste Beitrag
Jorns zur SI sind die zwei Serien zweckentfremdeter
Gemälde Jorns, die Modifikationen, in welchen
besonders in der zweiten Ausstellung mit Modifika-
tionen „Nouvelles défigurations“, ein Mädchen im
blassen Kleid, dem Jorn Schurr- und Ziegenbart an-
gemalt hat - eine Verbindung zu Marcel Duchamps
L.H.O.O.Q. ist offensichtlich, wobei das Ausserge-
wöhnliche der herausfordernde Blick des Mädchens
ist, welcher an eine Warnung an alle erinnert, die
glauben, die Avantgarde sei tot. Im April 1963 ver-
ließ Jorn die SI, stand aber weiterhin in Kontakt mit
ihr, um mit Bildern oder Geld auszuhelfen. Er starb
am 1. Mai 1973 vermutlich an Lungenkrebs.
Pinot Gallizio, der ebenfalls Gründungsmitglied der
SI war praktizierte die „industrielle Malerei“. Seine
erste Ausstellung fand in der Turiner Gallerie Noti-
zie 1958 statt. Er bearbeitete lange Leinwandrollen
mit selbst gebauten Malmaschinen und beabsich-
tigte, seine Leinwände als Meterware zu verkaufen.
Es folgten eine weitere Ausstellung in Paris der
Galerie René Drouin und sein Manifest der indus-
triellen Malerei. Am 31. Mai 1960 schloss Debord
Pinot Gallizio und seinen Sohn Melanotte aus der
SI aus, mit der Erklärung, sie hätten zunehmende
Verbindunge zur kommerziellen Kunstwelt. Pinot
Gallizio verstarb plötzlich 1964.
Constant befasste sich während seiner Zeit in
der SI mit dem unitärem Urbanismus und seinem
Projekt „New Babylon“, einem Architekturkonzept,
wobei nicht Funktionalismus im Vordergrund
steht, sondern eine künftige spielerische Gesell-
schaft. Le Corbusiers Architektur galt auch schon
der LI als verhasst. 1959 gründete Constant mit
seinem Freund Armando und den Architekten
Har Oudejans und A. Alberts das Forschungsbüro
für unitären Urbanismus. Nach einem Streit mit
Debord über seinen Umgang mit der Galerie van de
Loo und Oudejans und Albers tritt Constant 1960
aus der SI aus.
Durch die Bekanntschaft mit Jorn kam die deut-
sche Künstlergruppe SPUR, bestehend aus Lothar
Fischer, Heimrad Prem, Helmut Sturm und Hans
Peter Zimmer 1959 zur SI. Sie beschäftigte sich mit
Kitsch und war im besonderen hervorgehoben duch
ihren kollektiven und gemeinsamen Arbeitspro-
zess. Mithilfe von Jorn btrachten sie ihre Zeitschrift
SPUR heraus, anders als die franz. Zeitschrift der SI,
erinnerte ihre äußere Erscheinung an ein chaoti-
sches Sammelalbum. Weitere neue Mitglieder der
SI kamen aus Skandinavien hinzu, wie Jörgen Nash,
der jüngere Bruder von Jorn, sowie Ansgar Elde und
JeppesenVictor Martin. Im September 1960 nahmen
neue Vertreter der deutschen und der skandinavi-
schen Sektion an der vierten Konferenz der SI in
London teil. Hierbei kam eine Debatte zustande, in
wie weit die SI eine politische Bewegung sei.
Die deutsche Sektion brachte ihren Zweifel an den
revolutionären Fähigkeiten des Proletariats hervor
und empfahl die Mobilisierung der Avantgarde-
künstler. Debord kritisierte sie dafür scharf und
die SPUR-Gruppe war bereit, sich der Meinung der
Mehrheit der SI anzuschließen. Diese Debatte war
jedoch noch nicht abgeschlossen. Ein Jahr später,
im August 1961 in Göteborg bei der 5. Konferenz der
SI, der ersten ohne Jorn, verdeutlichte sich der Kon-
flikt. Wieder war es die deutsche Sektion, welche
die Behandlung der Künstler durch die SI- Mehrheit
kritisierte: Gewinnt ein Künstler an Macht in der SI,
wird er rausgeworfen. Diese Verschiedenheiten zur
Auffassung des Status der Kunst führten im Febru-
ar 1962 zum Ausschluss der SPUR-Gruppe und ei-
nen Monat später zum Ausschluss von Jörgen Nash,
Ansgar Elde und Jaqueline de Jong. Diese verfassten
ein Flugblatt, in dem sie ihren Ausschluss anpran-
gerten und verdeutlichten, dass eine Organisation,
8584
1966 - 1968
Die Gesellschaft des Spektakels
welche die Möglichkeit zur Debatte ausschließt,
totalitär sei. Von der skandinavischen Sektion blieb
nur noch JV Martin übrig, welcher mit offiziellem
Segen noch drei Ausgaben der Zeitschrift „Situati-
onisk Revolution“ herausgab und ungewöhnlicher
Weise bis zum Ende der SI 1973 Mitglied blieb.
Die ausgeschlossenen Mitglieder der skandina-
vischen Sektion gründeten die Zweite SI und ließen
sich im schwedischen Örkelljunga auf einem Hof
namens Drakabygget nieder. Ihre bekanntesten
Aktionen waren die Besetzung des schwedischen
Pavillons auf der Bienale 1968 in Venedig und das
Errichten einer „Kunstbarrikade“ vor der Kasseler
Kunsthalle Fridericanum während der docuenta
1972.
Am 14. November 1967 erschien das erste Buch zur
situationistischen Theorie: Die Gesellschaft des
Spektakels von Guy Debord. In 211 Thesen wird auf
die wesentliche Rolle des Spektakels eingeganen,
den unitären Urbanismus und die revolutionäre
Rolle der Arbeiterräte. Es finden sich Einflüsse von
Lukacs, der Hegelschen Philosophie, dem jungen
Marx und dem niederländischen Marxisten Panne-
koek.
Nur zwei Wochen nach der Veröffentlichung von
„Die Gesellschaft des Spektakels“ folgt „Das Hand-
buch zur Lebenskunst für die jungen Generationen“
von Raoul Vaneigem. In einem leidenschaftlichen
Stil verfasst, ist seine Schrift in 25 Kapitel und zwei
Hauptteile gefasst: „Die Perspekive der Macht“ und
„Die Umkehrung der Perspektive“. Der erste Teil
untersucht den Gegenwärtigen Stand der Auflösung
der bestehenden Gesellschaft, der zweite empfiehlt
einige Mittel zur abschließenden Heilung.
Ab 1965 nahm der Einfluss der SI zu (höhere
Auflage von Potlatch) und sie übte internationalen
Einfluss aus, umgekehrt wurde aber auch Einfluss
auf die SI ausgeübt in Form der Unabhängigkeitsbe-
wegung in Algerien. 1960 wurde von Debord, Bern-
stein und anderen Linken aus dem Kulturbereich
die Erklärung über das Recht zum Ungehorsam in
Algerienkrieg unterzeichnet.
Einen weiteren Einfluss übte die Erhebung der
schwarzen Bevölkerung im Viertel von Watts in Los
Angelges auf die SI aus, sie verstanden diese Rebel-
lion nicht als einen Rassenaufruhr, sondern einen
Klassenaufruhr und drückten ihre Unterstützung
1965 durch das Pamphlet Niedergang und Fall der
spektakulären Warenökonomie aus.
In der direkten französischen Umgebung wurden
Studenten um André Schneider, ihrerseits Befür-
worter der SI, am 14. Mai 1966 an der Strasbourger
Universität in die Leitung der AFGES (die Studenten-
vereinigung) gewählt. Sie wollten die Geldmittel der
Vereinigung möglichst sinnvoll verwenden, trafen
sich mit Debord und Mustapha Khayati und mach-
ten folgenden Vorschlag: das Pamphlet wurde von
Khayati geschrieben und von Debord überwacht.
Es folgten Aktionen gegen den Kybernetiker Ab-
raham Moles, darunter das berühmte Plakat über
Die Rückkehr der Kolonne Durruti (humoristische
Darstellung zweier Cowboys, die sich über Verding-
lichung unterhalten).
Dies diente der Werbung für das Pamphlet Kaya-
tis: Über das Elend im Studentenmilieu, betrachtet
unter seinen ökonimischen, politischen, psycholo-
gischen, sexuellen und besonders intellektuellen
Aspekten und über einige Mittel, diesem abzuhel-
fen.
Die Auflage betrug 10.000 Stück und umfasst
unter anderem Aussagen über die Rolle des Stu-
denten im modernen Kapitalismus (meist verach-
tetes Wesen), die Notwendigkeit der Ausweitungen
studentischer Kämpfe (auf die Gesellschaft), die
revolutionäre Organisation in Arbeiterräten und die
Rolle der Poesie der Zukunft. Die Flugschrift wurde
zu Vorlesungsbeginn, am 22.11.1966 an der Uni
Strasburg verbreitet, die Störung des studentischen
Lebens nahm zu und zog das Interesse der Presse-
welt auf sich.
Am 13.12. übertrugen die Universitätsbehörden
dem Gericht die Beaufsichtigung der AFGES. Zu
diesem Zeitpunkt war noch nicht offensichtlich,
Das Handbuch der Lebenskunst
Vorlesung / Designtheorie und -geschichte / Sommersemester 2010 / gehalten am 23.06.2010
dass sich die Bewegung über die Grenzen der Uni
ausbreiten würde. Die nächste Entwicklung zeich-
nete sich an der Universität von Nanterre ab, wo die
Studenten in überfüllten und schäbigen Quartieren
wohnten und veraltete Hausordnungen den Kon-
takt von Männern und Frauen untersagten.
Die Unruhen entwickelten sich, waren es anfangs
noch Streiks und Vorlesungsstörungen, kam es im
Januar 1968 zu Zusammenstößen mit der Polizei.
Eine besonders unerschrockene Studentengruppe
um René Riesel, die Wütenden (enragés) teilte den
Standpunkt der SI und verteilte ihre Schriften und
Flugblätter in der Universtät Nanterre. Am 22. März
1968 besetze eine Gruppe verschiedener Linker
das Verwaltungsgebäude, die enragés verließen die
Versammlung jedoch, da der von ihnen geforderte
Rausschmiss der Stalinisten und Beobachter der
Verwaltung nicht erfolgte. Die enragés erklärten
der Universitätsverwaltung den Krieg, im Gegen-
zug drohte die Universität mit der Relegation der
Gruppe „Bewegung 22. März“ um Riesel, darunter
auch Daniel Cohn- Bendit. Nach den Vorkommnis-
sen an der Uni Nanterre wurde die SI in der Presse
als gefährliche Agitatoren bezeichnet und man war
verwundert über den Einfluss einer kleinen Gruppe
von ca. 40 Personen auf mehrere tausend Studen-
ten. Am 6. Mai 1968 fiel die Entscheidung über
die Relegation von Cohn-Bendit und Riesel. Am 3.
Maifand die UNEF (Nationale Union franz. Studen-
ten) statt und man wollte über Kampfmaßnahmen
gegen die Relegation beraten, es gab eine riesige
Polizeipräsenz. Die Ankunft einiger Faschisten und
Einsatzkommandos zur Aufstandsbekämpfung
schufen eine höchst angespannte Atmosphäre. Die
enragés empfiehlen, sich mit allem möglichen zu
bewaffnen, es folgten Festnahmen, allerorts waren
Studenten auf den Straßen, die die Freilassung
ihrer Kommilitonen forderten, Behörden kündig-
ten Schließung der Sorbonne an, darauf forderten
Hochschul- und Studentenvereinigungen zum
Protest auf. Cohn-Bendit und Riesel erscheinen
vor dem Rat der Uni Paris zu ihrer Anhörung, es
herrschte eine Explosive Mischung aus Polizeikom-
mandos, politischen Aktivisten und Studenten und
die SI verteilte das Flugblatt „Wut im Bauch“.
An diesem Tag kam es zur massiven Ausweitung
der Ausschreitungen, 10.000 Demonstranten vertei-
digten den Platz um Sant-Germain-de-Prés, Autos
umgeworfen als Barrikaden, einige Läden geplun-
dert. Nicht nur Studenten waren beteiligt, sondern
auch Arbeiter, Arbeitslose und Rocker. Mit Pflaster-
steinen und Molow-Cocktails wurde gegen Trä-
nengas und Schlagstöcke angekämpft. Eine Woche
später, am 13.Mai gab es dann die Massendemonst-
ration von 1 Mio. Studenten und Arbeitern.
Nach Ende des Zuges beschlossen einige De-
monstranten, die Sorbonne zu besetzen, darunter
enragés und Situationisten.
In der ersten Generalversammlung der Besetzer
wurde diskutiert über die Perspektive der Bewe-
gung und darüber hinaus - ob sie eine totale soziale
Revolution beinhalten sollte. Die SI nutzte die Ge-
legenheit und machte Propaganda für Arbeiterräte.
Gewissermaßen liegt darin eine Ironie: „Arbeitet
nie!“ kombiniert mir der Forderung der Organisati-
on einer Gesellschaft in Arbeiterräten.
Es folgte die Besetzung der Flugzeugwerke „Sud-
Aviation“ in Nantes und noch am selben Tag die
Besetzung einer der größten Fabriken Frankreichs,
den Renaultwerken.
Das Besetzungskommitee der Sorbonne schuf
eine Flugschrift mit zu verbreitenden Parolen, wie
„Alle Macht den Arbeiterräten“, „Nieder mit der
spektakulären Warengesellschaft“ usw. Dies war
auch gleichzeizig der Moment, an dem die SI an
Einfluss im Besetzungskommitee verlor. Es ent-
fachte ein Streit über die Rolle des Kommitees, was
am 17.Mai den Rückzug der SI und der enragés zur
Folge hatte. Sie gründeten im Keller einer Kunstge-
werbeschule den CMDO - den 40 Personen umfas-
senden Rat zur Aufrechterhaltung der Besetzungen
und verfassten mehrere Flugschriften und Aufrufe.
Sie sahen den Moment gekommen, an dem die
Arbeiter die Revolution selbst weiterführen und aus-
weiten mussten. Entweder würde sie jetzt gelingen,
oder scheitern. Am 24. Mai trat Präsident De Gaulle
im Fernsehen auf, worauf sich die Lage jedoch nicht
Literaturquellen:
• Roberto Ohrt: Phantom Avantgarde: Eine Geschichte der Situationistischen Internationale und der modernen Kunst
• Simon Ford: Die Situationistische Internationale: Eine Gebrauchsanleitung
• Wolfgang Dreßen, Dieter Kunzelmann, Eckhard Siepmann: Nilpferd des höllischen Urwalds. Situationisten, Gruppe Spur, Kommune I
Mai 1968
8786
beruhigte, sondern ein Ansturm auf die Pariser Bör-
se und neue Straßenkämpfe entfacht wurden. Mit
seinem zweiten Fernsehauftritt am 30. Mai wurde
die Rückkehr zur Ordnung eingeleitet. De Gaulle ar-
gumentierte, dass diese junge Generation Rebellie-
render keinen Ersatz für die bisherige Gesellschaft
haben außer Versprechen von Lohnerhöhungen.
Mit dem Beginn der Sommerferien wurden
einige Studentengruppen verboten, sodass die Be-
wegung ohne Führerschaft und gemeinsame Ziele
verblieb. Am 16. Juni kam es zur Rückeroberung der
Sorbonne durch die Polizei und am 15. Juni wurde
die Auflösung des CMDO bekannt gegeben.
Vorlesung / Designtheorie und -geschichte / Sommersemester 2010 / gehalten am 23.06.2010
8988
New Talents 2010
Erstellung audiovisueller Portraits der
Akteure und deren Arbeiten im Kontext der
Veranstaltung „New Talents 2010“.
New Talents 2010 / MP / Audiovisuelle Medien / Sommersemester 2010 / 15.04.2010 bis 21.05.2010w
Im Rahmen der Veranstaltung “New Talents 2010” wurden vom
12. Juni bis 20 Juni 2010 zahlreiche Nachwuchs-Kreative einer
breiten Öffentlichkeit präsentiert. Junge Designer, Künstler und
andere Medien Schaffende zeigten ihre Projekte vielerorts in
Köln, unter anderem im Kölner Rheinhaufen.
Hierfür entwickelten und produzierten wir in einem mittel-
fristigen Projekt audiovisuelle Portraits der Akteure und deren
Arbeiten – diese wurden auf der Site prominent plaziert.
Wissenschaftliches Arbeiten
In diesem Seminar stand das wissenschaftliche Arbeiten
im Vordergrund. Hierzu wurden Diskussionen geführt
und Referate gehalten.
9190
Wissenschaftliches Arbeiten / WS / Geschlechterverhältnis im Design / Sommersemester 2010 / 14.04.2010 bis 12.07.2010
Im Jahre 1977 verfasse Umberto Eco, geboren am 5. Januar 1932 in
Alessandria, Italien und bekannt als Semiotiker, Professor an der Uni-
versität Bologna, Kolumnist, Philosoph, Medienwissenschaftler und
Romanautor, das Buch „Wie man eine wissenschaftliche Abschlußar-
beit schreibt“.
Es ist gedacht als eine Hilfestellung für verzweifelte Studenten,
welche erstmalig eine Abschlussarbeit verfassen. Trotz des nunmehr
hohen Alters des Buches ist es doch sehr aktuell und wird ambivalent
betrachtet. Einerseits gilt es als nützliche Hilfestellung: amüsant zu
lesen und einfach zu verstehen. Andererseits wird die Verwendung von
Schreibmaschinen und die mediale Rückständigkeit (noch in der 13.
Auflage!) sowie der ausschließliche Bezug auf das italienische Hoch-
schulsystem kritisiert.
Schon in der Einleitung wird ersichtlich, dass Eco nicht bestrebt ist,
wissenschaftliches Arbeiten oder gar einen Wissenschaftsbegriff zu
definieren. Mit viel Sympathie für die Studenten erläutert er vielmehr,
wie man schnellstmöglich eine Abschlussarbeit hervorbringt, welche
„...den Doktorvater in einen nicht allzu traurigen Zustand versetzt.“
(S.3) Fast schon ironischer Weise erklärt er dann zusätzlich auf Seite
sechs: „Eine wissenschaftliche Abschlußarbeit ist eine maschinen-
schriftliche Ausarbeitung, deren durchschnittliche Länge zwischen
einhundert und vierhundert Seiten schwankt und in der der Student
ein Problem abhandelt, das aus demjenigen Studienfach stammt, in
dem er den Abschluß erwerben will.“ Im gesamten Hauptteil bezieht
er sich auf Themenfindung, Materialsuche und die Auswertung des
Gefundenen. Ein gutes Drittel nimmt allein die Anleitung über das
Maschinenschreiben ein.
Viele Ratgeber über das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten
beziehen sich noch heute auf Eco - ob hierbei der Erkenntnisgehalt
des Buches oder der weltbekannte Name „Eco“ eine vorrangige Rolle
spielt, sei dahingestellt. In einem Ratgeber wird eine wichtige These
Ecos aufgefasst: „...Der Bekanntheitsgrad ist dabei nicht unbedingt
ausschlaggebend, denn es ist nicht gesagt, dass die besten Gedanken
auch von den bekanntesten Autoren kommen.“
Genau hier liegt der Bezugspunkt eines weiteren Aspektes unseres
Referates: der Wandel innerhalb des wissenschaftlichen Arbeitens
oder des Lehrbuchsystems. Die Erstausgabe Ecos Buches im Jahre
1977 stellt ein „altes Modell“ dar, der Einfluss der Zeit ist unüber-
sehbar. Das Buch gilt aber, da es von einer anerkannten Autorität in
Wissenschaftskreisen: Umberto Eco stammt, daher nicht als irrele-
vant oder nunmehr unbedeutend. Die Entwicklung der Technik ist im
Umberto Eco und „Wie man eine
wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt“
Laufe der Zeit einfach vorangeschritten. Im Jahre 2010 ist eine neue
Generation von Forschern, Wissenschaftlern und denen, die er werden
wollen: Studenten, vorhanden. Diese nutzen völlig neue Präsentations-
und Kommunikationsformen.
War bei Eco in den Siebzigern die Vorstellung von Internet und der
Vereinfachung der Zugänglichkeit von Büchern und Arbeitsmaterial
in diesem heutigen Ausmaße noch nicht bekannt, hat ein Wechsel,
oder eine Transformation stattgefunden. An diesem Punkt nehmen
wir einen weiteren Aspekt hinzu, welcher für diese Veränderung von
großer Bedeutung ist:
In seinem 1967 erschienenen Werk „The Structure of Scientific Revolu-
tions“ stellt er die These auf, Fortschritte in der Wissenschaft vollzö-
gen sich durch revolutionäre Prozesse, nicht durch kontinuierliche
Veränderung. Eine wissenschaftliche Revolution meint den Ablö-
sungsprozess von bestehenden Erklärungsmodellen, an denen und
mit denen die wissenschaftliche Welt bis dahin gearbeitet hat, um
durch andere Modelle ersetzt zu werden. Er nennt dies Paradigmen-
wechsel, wobei der Ausdruck Paradigma „für die ganze Konstellation
von Meinungen, Werten, Methoden usw. [steht], die von den Mitglie-
dern einer gegebenen Gesellschaft geteilt werden.“ (Thomas S. Kuhn:
Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, S. 186)
Als eines von vielen Beispielen aus der Wissenschaftsgeschich-
te führt Kuhn für einen Paradigmenwechsel die Kopernikanische
Wende an: „Sehen wir uns zuerst einen besonders berühmten Fall
von Paradigmawechsel an, das Auftauchen der kopernikanischen
Astronomie. Als ihr Vorläufer, das Ptolemäische System [...] entwickelt
wurde, war es bewundernswert erfolgreich in der Voraussage der
veränderlichen Positionen von Fixsternen und Planeten. Kein anderes
System des Altertums hatte so gut funktioniert. [...] Am Anfang des
sechzehnten Jahrhunderts begann eine wachsende Zahl der besten
Astronomen Europas zu erkennen, daß das astronomische Paradigma
bei Anwendungen auf seine eigenen traditionellen Probleme versagte.
Diese Erkenntnis war die Voraussetzung für die Ablehnung des ptole-
mäischen Paradigmas durch Kopernikus und für dessen Suche nach
einem neuen.“ (S. 80 ff.)
Die Entwicklung hin zum Paradigmenwechsel vollzöge sich von
der Phase der Normalwissenschaft über die der außerordentlichen
Wissenschaft.
„In diesem Essay bedeutet »normale Wissenschaft« eine Forschung,
die fest auf einer oder mehreren wissenschaftlichen Leistungen der
Literaturquellen:
• Umberto Eco: Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt
• Thomas Samuel Kuhn: The Structure of Scientific Revolutions
Die Theorie des Thomas Samuel Kuhn
Thomas S. Kuhn,
geboren 1922 in
Cincinatti, lehrte
als Professor für
Wissenschaftstheo-
rie und Wissen-
schaftsgeschichte
in Princton, Berke-
ley und am MIT. Er
starb 1996 an Krebs
in Massachusetts.
9392
Vergangenheit beruht, Leistungen, die von einer bestimmten wis-
senschaftlichen Gemeinschaft eine Zeitlang als Grundlagen für ihre
weitere Arbeit anerkannt werden. Heute werden solche Leistungen in
wissenschaftlichen Lehrbüchern, für Anfänger und für Fortgeschrit-
tene, im einzelnen geschildert, wenn auch selten in ihrer ursprüng-
lichen Form.“ (S. 25) Für die „normale Wissenschaft“ gilt also, dass
sich viele Einzeluntersuchungen und Aussagen ergänzen und stützen,
bestehende Paradigmen werden anerkannt.
Durch Anfechtungen und Anomalien tritt die Wissenschaft in eine
Phase des Streits von Autoritäten, Lagern und Schulen, bestimmende
Faktoren sind in dieser Phase der „außerordentlichen Wissenschaft“
Macht, Mehrheit und der Generationenwechsel, bis es zum Paradig-
menwechsel kommt.
Mit dieser Sicht und Begrifflichkeit stellen sich Fragen an die Design-
Disziplin:
◊ Finden wir im Design Paradigmen und wo gab es Paradigmenwech-
sel? Gewiss ist hier das Modell Bauhaus oder der Übergang der Moder-
ne in die Postmoderne ein guter Ansatz.
◊ Ist die Entwicklung von der Einzelanfertigung hin zu industriellen
Fertigung ein Paradigmenwechsel?
◊ Ist die Betrachtungsweise von Design als Bereich der Praxis und des
Handwerks hin zu Design als Forschungsgebiet ein Paradigmenwech-
sel?
◊ Eine weitreichende und bleibend spannende Frage ist die, ob und
wenn ja inwieweit der Wissenschaftsbegriff im Design Potential für
einen Paradigmenwechsel innerhalb der anderen Wissenschaften
aufweist.
Bildquellen:
http://www.italymag.co.uk/sites/mainfiles/umberto-eco1.jpg
http://filosofiadacienciaufabc.files.wordpress.com/2011/03/kuhn-110273-050-f968add7.jpg
Was hat das mit Design zu tun?
Wissenschaftliches Arbeiten / WS / Geschlechterverhältnis im Design / Sommersemester 2010 / 14.04.2010 bis 12.07.2010
Zeichen
Ein Referat zur Einführung in die Bildsemiotik
9594
Zeichen / WS / Identität und Design / Sommersemester 2010 / 07.04.2010 bis 14.07.2010
Was sind Bilder?
Bilder finden laut Mitchell zahlreich Verwendung in
verschiedenen Bereichen: in der Kunstgeschichte in
Form von grafischen Bildern, wie Gemälde, Zeich-
nungen, Fotos, Statuen, usw. Auch in der Physik als
optische Bilder, wie Spiegelungen und Prejektio-
nen, sowie auch perzeptuelle Bilder, also Bilder der
Wahrnehmungen und Erscheinugen in Physiologie,
Neurologie, Psychologie, Kunstgeschichte, Physik
und Philosophie. Weitere wären geistige Bilder, wie
Träume, Erinnerungen und Ideen in Psychologie
und Erkenntnistheorie und es gibt sprachliche Bil-
der in der Literaturwissenschaft.
Bildsemiotik versteht Bilder als Zeichensysteme,
sie haben also eine Struktur, unterliegen bestimm-
ten Codes. Diese Codes sind aber anders als Al-
phabete, Zahlensysteme oder Notensysteme. Sie
sind offener als die Entsprechung von Werten und
Zahlen oder Buchstaben und Lauten.
Nach Eco gibt es eine Vielzahl verschiedener
Codes: solche der Wahrnehmung, des Erkennens,
der Übertragung, Tonale Codes, Ikonische Codes,
welche sich wiederum gliedern in Figuren, Zeichen
und Ikonische Aussagen. Des Weiteren gibt es noch
Ikonographische Codes, Codes des Gechmacks und
der Sensibilität, Rhetorische Codes, Stilistische
Codes und Codes des Unbewussten. Bildsysteme
sind vieldeutig: Um sie zu verstehen, ist es wichtig,
diese Veränderlichkeit zu berücksichtigen und sie
auf der anderen Seite doch als geordnete Zeichen-
systeme zu begreifen.
Laut Charles Sanders Pierce gibt es drei Untertei-
lungen des Zeichens zum Objekt in Icon, Index und
Symbol. Beim Icon herrscht eine Analogie zum
Gegenstand vor, beipielhaft in dem Wort „Kuckuck”
oder einem Stadtplan. Das indexikalische Zeichen
hat eine reale, kausale Beziehung zum Gegenstand.
Es ist „Anzeichen” für etwas, so wie Rauch ein An-
zeichen für Feuer ist. Symbole hingegen können nur
verstanden werden, wenn festgelegte Konventionen
zum Verständnis dieser Zeichen vorhanden sind,
wie bei den Symbolen „%” für „Prozent” oder „” für
„und”. Nun sind aber nicht nur die symbolischen
Zeichen an Konventionen gebunden. Indexikalische
Zeichen, die „Anzeichen”, sind ebenfalls an Konven-
tionen gebunden. Ein Beipiel: Ein Tier hinterlässt
Spuren im Schnee oder Sand. Dies kann als Index
erachtet werden, wenn ich mir vorstellen kann,
was für eine Art von Tier die Spuren hinterlassen
hat. Nimmt man aber fiktiver Weise an, dass ein
isoliertes Naturvolk in Zentralafrika Spuren eines
Seelöwen fände, könnte diese Tierspur aufgrund
der Tatsache, dass kein Tier in seiner (des Volkes)
Umgebung solche Spuren hinterlässt, nicht als
Tierspuren gedeutet werden. Also unterliegt unser
Deutungsvermögen den Konventionen, mit denen
wir aufwachsen. Indexikalische Zeichen können
aber auch erlernt werden. Durch die immer wieder-
kehrende Rotfärbung des Himmels beispielsweise
kann man erlernen, dass dies an Anzeichen für
einen Sonnenauf- oder Untergang ist. Schwieriger
wird es bei den ikonsichen Zeichen. Hier geht man
von einer Ähnlichkeitsbeziehung oder Analogie zu
dem aus, was das Zeichen darstellt. Nun besteht
aber das Problem, dass graphische oder fotographi-
sche Zeichen, von denen man ja die größtmögliche
Ähnlichkeit annehmen könnte, aus materieller
Sicht nichts mit dem, was sie darstellen zu tun
haben.
Beispiel hierfür wäre ein Porträt der Queen Eliz-
abeth. Zwar erkennt man, um wen es sich handelt,
oder für wen das ikonische Zeichen steht, aber aus
materieller Sicht hat das Bild nichts mit der Per-
son Queen Elizabeth gemein: im Porträt sind die
Nasenlöcher nur dunkle Farbflächen und nicht
dreidimensional ausgeformt. Die Haut auf dem
Porträt hat keine Poren, wie die Haut der „echten”
Queen, usw. Es bestehen beim Icon also keine Ähn-
Codes
Queen Elizabeth
Wie erkennen wir Zeichen eigentlich?
Sehen oder Kennen?
Wayne Rooney und Nike
Konnotationen der
linguistischen Nachricht
Denotationen der
linguistischen Nachricht
Literaturquellen:
• Umberto Eco: Einführung in die Semiotik
• Thomas Friedrich,Gerhard Schweppenhäuser: Bildsemiotik: Grundlagen und exemplarische Analysen visueller Kommunikation
lichkeiten zum Gegenstand, sondern zum Wahr-
nehmungsmodell des Gegenstandes, hier wird also
kodifiziert. Ein weiteres Beispiel für diese Proble-
matik: Der Umriss eines Pferdes. Eine zusammen-
hängende Linie schwarze Linie, welche der Kontur
des Pferdekörpers folgt ist aber genau genommen
die einzige Eigenschaft, die ein echtes Pferd eben
nicht hat. Daraus schlussfolgert Umberto Eco in
seiner „Einführung in die Semiotik” (S. 197): „Die
ikonischen Zeichen geben einige Bedingungen der
Wahrnehmungen des Gegenstandes wieder, aber
erst nachdem diese auf Grund von Erkennungs-
codes selektioniert und aufgrund von graphischen
Konventionen erläutert worden sind.” Daraus ergibt
sich ein weiterer Aspekt: „Aber die relevanten Züge
müssen kommuniziert werden. Es gibt also einen
ikonischen Code, der die Aquivalenz zwischen
einem bestimmten graphischen Zeichen und einem
relevanten Zug des Erkennungscodes festlegt.“
Auch hierfür lässt sich eine Veranschaulichung
finden: Ein vierjähriges Kind ist in der Lage mit
seinem Körper einen Hubschrauber zu reproduzie-
ren, in dem es sich auf den Boden setzt und Arme
und Beine wie Rotorblätter dreht. Wird es jedoch
aufgefordert, einen Hubschrauber zu malen, dann
kann wird es Kreise und Zacken zeichnen, welche
dann noch verbaler Erklärung bedürfen, weil man
aus dem gemalten Bild nicht die für einen Hub-
schrauber so relevanten Rotorblätter in Verbindung
mit der Achse des Hubschraubers selbst nicht fest-
stellen kann.
Durch diese Feststellung ergibt sich eine neue Fra-
ge: Wenn das ikonische Zeichen also Eigenschaf-
ten des dargestellten Gegenstandes besitzt, sind
es dann jene, die man sieht oder Eigenschaften,
die man kennt? In einer Kinderzeichnung eines
Autoprofils hat das Auto noch vier Räder (Eigen-
schaft, die man kennt) und erst im späteren Alter
entwickelt es sich zu einem Profil mit zwei Rädern
(Eigenschaft, die man sieht).
Anhand von Ecos vierteiliger Gliederung in
• Denotationen („einfache“ Bedeutung) der linguis-
tischen Nachricht
• Konnotationen (Begleitvorstellungen, die kultu-
rell bedingt sind) der linguistischen Nachricht
• Denotationen der ikonischen Nachricht
• Konnotationen der ikonischen Nachricht
sei folgendes Beispiel analysiert.
Zu Beginn der Fussball WM 2006 startete Nike eine
Werbekampagne mit dem englischen Fußballstar
Wayne Rooney. Sie wurde in überregionalen engli-
schen Zeitungen abgedruckt und auf einer riesigen
Leinwand in London am Picadilly Circus präsen-
tiert. Auch durch das Internet wurde sie schnell
verbreitet. Zur Person: Wayne Rooney hat den Ruf
des Machers, eines rücksichtslosen Kämpfers. Er
kommt aus der Unterschicht und kokettiert auch
damit, sich hochgearbeitet zu haben.
Der “Just do it” Slogan unten rechts ist versal in
Serifenschrift gesetzt. Farblich ist es graue Serifen-
schrift auf weißem Hintergrund. Man findet keinen
Punkt als Satzende, sondern den „swoosh“ von Nike
in rot, welcher mit der ikonischen Botschaft korres-
pondiert. Es ist kein Firmenname von Nike vor-
handen, nur der „swoosh” –dieser wird als bekannt
vorausgesetzt– sowie das Wissen, dass “Just do it”
der Werbeslogan von Nike ist.
Der Slogan ist einfach, aber ambivalent: er konno-
tiert Ehrgeiz, Wucht und sportlichen Eifer. „Tu es
einfach“ passt zu Rooneys zielorientiertem Han-
deln als Macher, ebendiese Macher sind angesagt,
auch außerhalb des Sports. Sie sind erfolgreich und
wissen, was sie wollen. Eine gewisse Intellektuel-
lenfeindlichkeit wird durch den Slogan ebenfalls
9796
Bildquelle:
www.football-wallpapers.com/wallpapers/rooney_2_1600x1200.jpg
Hintergründe
Denotationen der
ikonischen Nachricht
Konnotationen der
ikonischen Nachricht
Zeichen / WS / Identität und Design / Sommersemester 2010 / 07.04.2010 bis 14.07.2010
impliziert : „Nicht denken, sondern handeln!“ Folg-
lich sind Denker also Zauderer. Die „Praxis“ wird
dadaurch emporgehoben, während reflektieren als
altmodisch abgetan wird. Nicht nur im Sport, auch
in der Gesellschaft geht es darum, zu Siegen und
Erfolg zu haben, so bildet sich eine Kette: „Fußball
ist Leben, Leben ist überleben, überleben ist Kampf,
unser Kampf ist Fußball”. Der Slogan passt zur mar-
tialischen ikonischen Botschaft, man denkt sofort
an Kampf und aktive Gewalt. Gleichzeitig aber auch
an passive Gewalt, an die Opferrolle. Die Konnotati-
on von Sport als einem lustbetonten, gemeinsamen
Spiel würde nicht zu Rooneys Image passen. Ebenso
wenig, wie alle Zivilisationskonnotationen, welche
nicht (mehr) auf blutige Kämpfe und Auseinander-
setzungen aus sind.
Die Kampagne wurde zu Beginn der WM 2006 ge-
schaltet, als noch unklar war, ob es zu gewalttätigen
Aktionen kommen würde. Könnte diese Kampag-
ne nicht als Aufforderung an Hooligans gesehen
werden, besonders gewalttätig zu agieren? Zwar
ist es nicht zu größeren Gewaltausschreitungen
gekommen, aber es scheint, als hätten die Werber
dazu beigetragen, eine Stimmung der Aggression
mitzukommunizieren.
Der Slogan hat auch eine sehr profane Bedeutungs-
ebene von “Just do it”: Wir produzieren Sportartikel
– kauft sie! Der „swoosh” als Haken, erinnert an
„etwas abhaken”, oder als gut befinden. Kommuni-
ziert wird: man kann alles schaffen, wenn man nur
will. (Der Verweis zur liberalistischen Einstellung
liegt auf der Hand.)
Die Denotationen der ikonischen Nachricht: Zu se-
hen ist ein Foto von Wayne Rooney, welcher rot und
weiß bemalt ist und mit freiem Oberkörper posiert.
Seine Arme sind vom Körper abgespreizt, beide
Hände zu Fäusten geballt. Sein Gesicht ist stark
angespannt, der Mund zum Schreien geöffnet.
Kopf und Körper bilden die Mittelachse des sym-
metrischen Bildaufbaus. Die Oberkante der Arme
liegt fast im Goldenen Schnitt. Der Hintergrund ist
weiß, das Format horizontal.
Die Pose Rooneys in Verbindung mit seiner Körper-
bemalung ist sehr auffällig: Sein Gesichtsausdruck
vermittelt Brutalität, Rohheit, Aktivität, aber auch
Schmerz, Leid und Passivität. Somit steckt er also
voller Täter- und gleichzeitig auch Opferkonnota-
tionen. Man denkt an Kreuzigung: das Kreuz ist
Rooneys Körperstellung, sowie die rote Farbe auf
seinem Oberkörper. Dies kann gedeutet werden als
Täter im Blutrausch, oder aber als Märtyrer, welcher
sich für das Gute opfert. Eine weitere Konnotation
ist die Englandflagge: Rooney wird also zum Nati-
onalsymbol erhöht. Er „opfert” sich für England.
Diese christusähnliche Opferrolle passt aber in
Sachen Versöhnung nicht auf Rooney, denn er steht
ganz deutlich für Kampf. Er leidet für den Sieg und
unterwirft seine Feinde.
Seine Nacktheit vermittelt Wildheit, aber auch
Verletzlichkeit, besonders in Kombination mit dem
roten Kreuz, dass Blut konnotiert. Rooneys Körper
ist somit also gezeichnet. Die weiße Farbe konno-
tiert Schamanismus oder den Ritus: „Asche aufs
Haupt“ (cinis caput spargere). Ob Nationalheld,
Schamane oder Jesus: Rooney wird als Heiliger
präsentiert, er wird in die göttliche Ebene gehoben.
Diese Heiligkeit überträgt sich auch auf die Firma
Nike, welche nichteinmal mehr verweisen muss auf
eine Internetadresse oder eine Schriftmarke, denn
sie ist überall, sowie Gott überall ist und jeder weiß,
wie und wo er sie (die Firma Nike) und ihre Kon-
sumgüter findet.
2009|
Wintersemester
Texte für Designtheorie | S. 100 - 104
Vom Produkt zum Prozess | S. 106 - 107
Communicating with Signs | S. 108 - 109
|2010
Texte für Design-Theorie
In diesem Seminar wurden designtheoretisch
relevante Texte analysiert.
Beispiel: Otl Aicher, die Welt als Entwurf
101100
Texte für Design-Theorie / WS / Designtheorie und -geschichte / Wintersemester 2009/10 / 14.10.2009 bis 10.02.2010
Mitte der 1970er Jahre reist Otl Aicher nach Mos-
kau um Fragen für die Olympischen Spiele mit den
Verantwortlichen zu besprechen. Aicher schlägt vor,
die Pionierbauten des russischen Konstruktivismus
zu renovieren, da der Westen großes Interesse dar-
an hat. Dafür erntet er jedoch großes Unverständ-
nis, obschon Chruschtschow den Zuckerbäckerstil
Stalins als verschwenderisch, pompös und überla-
den kritisierte, blieb man dennoch dem Realismus
und Naturalismus verhaftet und weiterhin blieb die
konstruktivistische Archiketur nahezu versteckt.
Wie war es denn in der Stalinära möglich, diesen
seltsamen Gegensatz herzustellen:
Den aufgeblähten, schwülstigen Zuckerbäckerstil
zu verherrlichen und zur gleichen Zeit die konsturk-
tivistische Architektur, welche sich an Technik und
industrieller Fertigung orientiert hatte, was den
Grundwerten des Sozialismus in Bezug auf Huma-
nisierung der Technik und Industrie nahekam, zu
verbieten? Obwohl Moskau als eine der Metropolen,
neben Berlin und New York, die Entwicklung des
Konstruktivismus massgeblich prägte, waren es
die russischen Architekten selbst, die ihre modern
ausge- richteten Ansätze vergaßen:
(Zitat S.16 und 17: „Was war geschehen? ... dessen
man sich bediente.“)
Die Zeit der russischen Revolution hat die rus-
sische Bevölkerung anscheinend so sehr belastet,
dass der Staat es für sinnvoll hielt, eine Kunst an-
zubieten, welche Gefallen finden würde bei einem
breiten Spektrum der Menschen - eine Kunst des
Prunkes, Goldes, des Glanzes, des Überflusses und
der Übermacht (des Staates). (Zitat S. 18: „Das Volk
braucht, glaubt man, Anbetung.“)
Dieses Verhältnis des Überflusses lässt sich auch
auf die heutige Zeit übertragen, in der Nachkriegs-
zeit, die Studentenbewegung der 1960er Jahre und
die Sozialbewegungen vorüber scheinen und wir in
einer Welt Leben, in der die einzige Sorge der Men-
schen, die Sorge um das Styling und die Schönheit,
die äu- ßere Erscheinung, vorrangig ins alltägliche
Bewusstsein der Menschen tritt.
Als einer der Gründe für diese Auffassung könnte
die Tatsache dienen, dass es, ganz im Gegensatz zur
Kunst, welche zu Zeiten der Naturschönheit, ergo
der Romantik, den Begriff des Kunsthistorikers
erfand, keinen Beruf des Theoretikers und Histori-
kers in Bezug auf Design oder Technik gibt, welcher
die Thematik Design und Technik analytisch be-
gleitet. (1991 wohl gemerkt). (Zitat S.19:„Es erweist
sich ... etwas anderes als Religion.“)
Aicher erklärt hier seinen Ansatz des Design nach
Gebrauch. Design bezieht sich seiner Sicht nach auf
Sachverhalte, welche sich stets ändern und somit
immer einer dynamischen und dem Sachverhalt
entsprechenden und optimal angepassten Gestal-
tung bedürfen.
Anbei: hier wäre interessant den Begriff des non
intentional design zu erläutern. Legt allein der Ge-
stalter den Gebrauch fest?
Er erklärt weiterhin, dass Design heutzutage
(1991) zur angewandten Kunst abgedriftet ist und
sieht in der Postmoderne eine religionsartige My-
thosorientierung (in der Architektur: weg von den
Zielen der Moderne hin zu Erinnerung, Tradition
und geschichtlichen Verweisen). (Zitat S. 19: „Der
Rückfall Mussolinis vom Futurismus in die Archi-
tektur des alten Rom ist der Weg des Mythos...“)
Aicher erläutert weiterführend, dass Design zu
begründen ist, im Gegensatz zum Mythos. Ein
Stuhl, auf dem man nicht sitzen kann ist schlechtes
Design, obschon er als Kunstwerk gelten könnte. Er
spricht sich ganz klar gegen die Vermischung von
Kunst und Design aus und erwähnt an späterer Stel-
le (Zitat S. 23: „Kunst in untauglich ür zweckgerchte-
te Entwurfsarbeit. Sie stört sie nur.“ S. 131:„Kunst ist
wertfrei. Kunst ist sinn- los.“ S. 24:„Kunst ist Syntax
ohne ... von postmoderner Qualität.“)
In zahlreichen Beispielen erläutert Aicher, wie die
fälschliche Vermischung von Kunst und Design in
ihren Ergebnissen nichts weiter bietet als nahezu
unbrauchbare Gegenstände für eine angeblich elitä-
re Gesell- schaftsklasse. Bildhaft wird dies anhand
von dem Eßbesteck von Ferruccio Laviani (1987)
und dem von Aldo Rossi entworfenen Wasserkessel
(1984) beschrieben.
(Zitat S. 116: „Dieser Tage ist wohl das erste Essbe-
steck ... das ist jetzt drin im Gehirn.“)
Aus der Sicht Aichers hat besonders der Staat großes
Interesse daran, Design nicht mit der Lösung men-
schgemachter Probleme, wie der Umweltverseu-
chung (FCKW, Waldsterben, Ozonloch, Giftmüll,...)
zu betreuen, sondern ihm anstelle dessen nur die
Verschnörkelung und das Styling von (nutzlosen)
Produkten mit dem einzigen Ziel der Profitsteige-
rung und erhöhtem Konsum zu überlassen.
Auch in Hinsicht auf das Subventionsprinzip des
Staates für Kultur-, Wissenschafts- und Wirtschafts-
politik sieht Aicher eine enorme Ungerechtigkeit, da
man zwar nicht von Einschränkung durch den Staat
im direkt repressiven Weg sprechen kann, der Staat
jedoch über die Finanzierungsverteilung entschei-
det und somit in der höchsten Position des Lenkens
und Planens ist. (Zitat S. 26: „Der Staat hat ... durch
noch schöneren Konsum.“)
Es werden heute mehr Museen als jemals sonst
gebaut, erklärt Aicher und setzt dies in Bezug auf
die der Postmoderne so willkommenen Verweise
auf Tradition, Historismus, Klassizismus und des
gewollten Bewusstwerdens der Bevölkerung - be-
wusst in der Hinsicht, dass es etwas Höheres, etwas
Unfassbares, gar etwas Symbolhaftes gibt.
Der Begriff des Symbols wird erläutert, als eine
Bezeichnung für alles Irrationale, alles Metaphysi-
sche. Also für alles, das sich dem bloßen Verstän-
dis entzieht und auf eine höhere Idee, jenseits von
Wahrheit verweist. Die Römer begannen, Dinge
symbolträchtig zu beladen, nachdem sie Tempel
und Säulen bei den Griechen abgeschaut hatten,
um sich ein Gefühl der Erhabenheit zu schaffen,
da man sich gern als gebildet gab. Tempel, welche
nach griechischer Betrachtung an religionsrelevan-
ten Orten stehen sollten und sei es mitten im Ge-
birge fanden nun bei den Römern ihren Weg in die
Städte, ans Ende einer zentralen Strasse oder Allee,
um auf die römische Allmacht zu verweisen.
Symbole verwischen nach Aichers Auffassung den
Blick auf die Wahrheit - da alles emporgehoben wer-
den muss und glorifiziert wird, ist es nicht möglich
das Tatsächliche afuzuzeigen.
(Zitat S. 28: „Jeder Herrscher kann bei einem Denk-
mal nur auf einem Pferd sitzen. Es gibt keinen, der
auf einem Esel säße.“) Das Symbol versucht, das
Wirkliche zu tarnen und von Missständen abzuken-
ken:
(Zitat S. 30:„Der Klassenkampf ... einer neoklassizis-
tischen Architektur.“) Er erwähnt, dass die großen
Kon- zerne, Unternehmen, Banken und Verische-
rungsgesellschaften sich opulente Kunstsammlun-
gen zulegen - wiedrum als Symbol für Wohlstand.
(Zitat S. 31: „Religion war einmal ... des nicht Abzu-
bildenden.“)
Symbolik ist an die Stelle der Herrschaft getre-
ten, sie diktiert den Menschen, was man zu kaufen
und zu haben hat. (Zitat S. 33: „Wir kaufen die Dinge
nicht mehr wegen ihres Aussehens, wegen ihrer
Form, wir kaufen sie als Symbol.“)
Hierbei grenzt er jedoch sehr strikt das Zeichen als
Äquivalent zu einem Sachverhalt ab, im Gegensatz
zum glorifizierenden Symbol.
Gegensätzlich dazu tritt die Zerstörung der
Symbole (laut Aicher seit Woodstock - S.33). Da-
bei erläutert Aicher anhand einer Metapher eines
Bühnenaufbaus von Gestänge und Scheinwerfern,
bei denen das Licht nicht mehr symbolträchtiger
Schein ist, sondern technisch erzeugt und man
jede Schraube und jedes Detail sehen darf- nichts
ist versteckt. (Zitat S. 34:„ Seit es den Strahler gibt ...
davongetragen.“)
Laut Aicher stehen wir auf der schwierigsten
Ebende aller Existenzen: wir brauchen nicht mehr
zu arbei- ten, nicht mehr zu denken, nichts mehr zu
machen (im Sinne von herstellen), wir sind frei (S.
35). Jedoch wollen wir uns ein Stück der Selbstbe-
stimmung erhalten und beziehen diese auf unsere
äußere Erscheinung. (Zitat S. 36:„ Die Ästhetik heute
ist der Ausweis, zu welcher Klasse man gehört.“)
Am Beispiel eines Fußballtrainers und dessen Klei-
dung (Sakko, Bügelfaltenhose, Halbschuhe, also
der vollkomme Gegensatz zu den Spielertrikots
und Sportsachen), erläutert Aicher die Ähnlich-
keit zu barocken Perücken, und der Verdammnis
zur Untätigkeit durch diese nahezu funktionslose
Kleidungsart. (Zitat S. 38: „Früher hieß es ... Begrün-
dung erhaben ist.“)
Die erste Moderne stellt für Aicher die Mitte des 19
Jh. dar, als Joseph Paxton seinen Kristallpalast für
die erste Weltausstellung in London 1851errichtete.
Bei dieser Art von Architektur bestimmte das Mate-
103102
rial (hier Glas und Eisenskelettkonstruktionen) die
Form des Baus. Es gab keine übergeordnete Ästhe-
tik, der es zu folgen galt, das Bauen war ingeniös
und somit technisch orientiert und entwickelte
dadurch eine eigene Ästhetik. Es gab jedoch bereits
1824 in Paris reine Eisenkonstruktionen, reine
Ingenieurbauten (S. 43), wie die Markthalle bei
der Madeleine oder der Hungerford Fischmarkt in
London von 1835. Eine Fülle von weiteren weiteren
herausragenden Eisenbauten reiht sich ein in die
Architekturgeschichte der Mitte des 19.Jh.Annäherd
kritiklos wurde der Kristallpalast Paxtons bestaunt
- ganz im Gegensatz zum 1889 für die Weltausstel-
lung erbauten Eiffelturm. Wie war dies möglich?
Denn schließlich schien die Architektur der Eisen-
konstruktion nicht allgemein auf Ablehnung zu sto-
ßen. Die Erklärung ist denkbar einfach: Markt- und
Messehallen, Brücken sowie jedwede weitere Form
von Profangebäuden hatte nichts Kulturelles inne,
sie waren zweckgerichtet und funktional. (Zitat S.
44„Die Kunst und Kultur war im Geistigen ange-
siedelt. Erst durch diese Ablenkung war die Geburt
einer neuen Archtektur möglich.“)
Doch laut verbreiteter Lehrmeinung ist es erst
mit Peter Behrens‘ und Walter Gropius‘ Schaffen
der Beginn der Moderne gegeben. Aicher klärt
dieses Missverständnis auf, indem er erläutert, dass
Behrens und Gropius es waren, welche die Bauprin-
zipien des ingeniösen Bauens in die Welt der Kunst
und Kultur übertragen haben. Rückschrittlicher
Weise stand nun wieder die Kunst, bzw. die Ästhetik
am Anfang des Bauens. Es sind nicht mehr Technik
und Material, welche die Form aus ihrem Gebrauch
entwickeln,sondern die Überordnung des künstle-
rischen Ansatzes. (Zitat S. 49„Ästhetische Werte ...
Winkel zu gelb.“) Es wurde nicht mehr nach Funk-
tion gebaut, sondern nach künstlerischem Ideal.
Kreis, Dreieick und Quadrat, als grundlegende Vor-
gabe der Konstruktion in der Maschinenwelt wur-
den formgebend, auch wenn der Gebrauch darunter
zu leiden hatte. Es gab jedoch auch Architekten,
welche der Arbeiterbewegung nahestanden und so-
ziale, sowie ökonomische und funktionale Aspekte
in den Vor- dergrund stellten, wie zum Beispiel El
Lissitzky (Frankfurter Küche), Mart Stam oder Han-
nes Mayer (Zitat S. 92 „Hannes Mayer musste ... der
gesellschaftlichen Organisation.“)
Den Beginn der dritten Moderne bereitet nach
Aicher das Wohnhaus von Ray und Charles Eames.
Seiner Auffassung nach ist dieses 1949 errichtete,
gebrauchsorientierte Wohnhaus, welches einem
Atlier ähnelt und keinerlei Unterscheidung von
Kultur und Alltag duldet, der Anfang einer durch-
dachten Architektur. Aicher verehrt Eames als
ersten nicht ideologischen Designer der Moderne
und dessen Gestaltungsansatz aus der Ergonomie
heraus für Eames‘ Sessel und Stühle. An späterer
Stelle erwähnt Aicher, dass Ergonomie zum ersten
Ansatz der Gestaltung gehören sollte und wider-
spricht seines vorangegangenen Textes im Sinne
des Taylorismus, welcher die Ergonomie als reine
Profitsteigerung durch Arbeitszeitoptimieurng ver-
steht. Aicher wollte Ergonomie mit Sicherheit nicht
als diese verstanden wissen.
Aicher zeichnet ein Bild des Aufsichtsstaates
(Zitat S. 101:„Noch nie ... Bewohner seiner Straße.“),
prangert Bürokratie an und verweist aber auch auf
die Aufgabe (im Sinne von aufgeben) der persönli-
chen Freiheit um einen Platz im Versorgungsstaat
zu ergattern, der alle Risiken des Lebens absichert.
Er erläutert anhand der Laufbahn eines Lehrlings,
dass dieser bei Beginn seiner Ausblidung bereits
fragen darf, wie der Staat im Krankheitsfall, im
Alter, Urlaub, bei Invalidität oder Arbeitslosigkeit
die volle Versorgung für ihn übernehmen wird. Dies
wiederum bedingt, dass der Staat alle Vorgaben
des Berufes bestimmt: Sicher- heitsbestimmungen,
Arbeitszeit und sogar die Qualität der Ausbildung,
bzw. des Berufes.
Besonders missfällt ihm die Entwicklung der
Architekten von eigenständigen Büros hin zu Beam-
ten, die er als Schergen des Staates bezeichnet und
die er als nahezu unmündlig ansieht, da sie jedwe-
des Risiko des Lebens durch den Staat abgesichert
wissen und das eigenständige Denken ebenso gut
aufgeben können. Er bezieht Architektur auf den
Zustand des Staates und stellt fest, dass es ein gro-
ßes heutiges Ziel scheint, den Funktionalismus zu
überwinden und sich an dem rein symbolträchtigen
und somit von ihm verabscheuten Historismus zu
Texte für Design-Theorie / WS / Designtheorie und -geschichte / Wintersemester 2009/10 / 14.10.2009 bis 10.02.2010
orientieren. Als Beispiel liefert er dafür einen Behör-
denkomplex in Berlin von James Stirling, welcher
in seinen Gebäuden die Grundrisse von einer Burg,
einem Schloss, einer Kirche, einer griechischen Säu-
lenhalle und eines Amphitheaters beherbergt.
(Zitat S. 99:„Die sogenannte ... wenn es Erfolg haben
kann.“) An letzer Stelle setzt Aicher seinen Text„die
welt als entwurf“ und erläutert seinen Eindruck der
Welt. Für ihn ist die Welt weder ein vorgegebener,
statischer Kosmos, so wie die Antike es sie sah,
oder nur als kine- tisches und dynamisches System
wie der Verhaltensforschung auf Grundlagen von
Darwin und Lamarck. Er sieht die Welt als Entwurf
- (Zitat S. 185: „Als Entwurf, das heißt ... sich ihr
fügen.“)
Aicher betrachtet den Menschen als nicht mehr
direkt naturabhängig, der Mensch ist aus der Natur
herausgetreten und muss sich der Verantwortung
stellen, mit der er die Welt entwirf. Er erläutert
weiterhin, dass Kant ein zusätzliches Prinzip
einführte, die Urteilskraft. Diese bezeichnet er als
reflektierend, als ein Prinzip, welches nicht mehr
auf kausalen Schlussfolgerungen beruht. (Zitat S.
189:„Die„reflektierende Urteilskraft“ will nicht die
Ursachen der Dinge erfassen, sondern ihren Zweck,
das, wozu sie gut sind.“) Nicht mehr das Vernunft-
prinzip ist vorherrschend, sondern die Zweckmä-
ßigkeit der Dinge. Als Kriterium für diese stellt Kant
noch nicht den Gebrauch, sondern eine Idee, auf die
hin eine Sache angelegt ist - ihre Finalität. Aicher
verdeutlicht, dass erst im 20.Jh. der Begriff des Ge-
brauchs als einer der zentralen Begriffe der Philoso-
phie erhoben wird. (heute wird er fälschlicher Weise
ersetzt durch „Verbrauch“).
Literaturquelle:
Otl Aicher: die welt als entwurf
Bildquelle:
http://www.ulm.de/sixcms/media.php/123/Otl%20Aicher.jpg
105104
Products towards Processes • Service Design • Prof. Birgit Mager Nicole Höhna, André Sheydin, Géraldine Limbach, Jaco Rygulla
Detergent Service Concept
cts towards Processes • Service Design • Prof. Birgit Mager
a, André Sheydin, Géraldine Limbach, Jaco Rygulla, Ziv Feldman
a, Ziv Feldman
107106
Vom Produkt zum Prozess
Miele ist tradionell ein Hersteller vonhochwertigen Produkten
im Bereich der „weissen Ware“. Jedoch ist das Produkt immer
nur ein Teil der idealen Lösung für den Nutzer - der Prozess ist
von entscheidender Bedeutung. So beim Wäschewaschen.
Vom Produkt zum Prozess / KP / Service Design / Wintersemester 2009/10 / 16.11.2009 bis 20.11.2009
In dem kurzfristigen Projekt „Vom Produkt zum
Prozess“ wurde mit der Firma Miele kooperiert.
Angestrebtes Ziel war ein innovativer Service für das
Unternehmen, welcher eine verstärkte Kundenbin-
dung bieten sollte.
Der Projektwoche war ein umfassendes Re-
searchprogramm des sedes research Forschungs-
zentrum für Service Design vorangegangen. Es
wurden „Waschtagebücher“ von Mielemitarbeitern
geführt, deren Auswertungen maßgeblich in die
Projektarbeit einbezogen wurden.
Die Aufbewahrung der Wäsche und der allge-
meine Umgang der Wäschepflege wurde analysiert
und Personas wurden zusammengestellt. Wir
begannen, unterschiedliche Konzepte zu entwick-
len und unterteilten diese in verschiedene Bereiche,
wie: die Aufbewahrung von Wäsche, Waschmittel,
Interfaces Waschmaschinen, Waschsalons, und den
point of sale.
Meine Projektgruppe befasste sich mit Wasch-
mittel, dem Produkt Waschmaschine an sich und
dem möglichen Interface an der Waschmaschine.
Wir erweiterten die ersten Konzepte in diesem
Themenfeld und entwickelten einen Service, wel-
cher das Waschmittel in größeren Mengen direkt
zum Kunden nach Hause liefert. Die Besonderheit
des Service liegt darin, dass das Interface auf der
Waschmaschine mit einem WLAN- Router verbun-
den ist, und die Maschine somit stets den Kunden
informiert über den derzeitgen Waschgang, wieviel
Waschmittel sich noch in der Maschine befindet
und was die Maschine an Strom und Wasser ver-
braucht. Nach unserem Konzept befindet sich in der
Maschine ein Tank für Waschmittel, welcher nicht
wie üblich bei jeder Wäsche befüllt werden muss. Er
fasst ein größeres Volumen und muss im Vergleich
zur konventionellen Art nur selten (je nach Anzahl
der Waschgänge) wiederaufgefüllt werden. Zusätz-
lich kann man auch den Duft der Wäsche bei Bedarf
individuell zusammenstellen durch ein Ampullen-
system. Die Maschine reguliert den Waschmittel-
und Wasserverbauch durch das Gewicht der in der
Trommel befindlichen Wäsche.
109108
Communicating
with Signs
My generation, my heritage?
Communicating with Signs / KP / Identität und Design / Wintersemester 2009/10 / 19.10.2009 bis 30.10.2009
In dem kurzfristigen Projekt „Communicating with Signs“ wurde
bildliche Zeichensprache thematisiert. Aufgabe war es, eine oder
mehrere Seiten DIN A4 ohne Typografie oder Zahlen in schwarz/weiß
so zu gestaten, dass es einem Außenstehenden möglich ist, die Bot-
schaft dieses Plakates nachzuvollziehen. Die Ergebnisse des Projektes
werden an die australische Partnerhochschule der KISD gefaxt und
von den Studierenden interpretiert- ein Kooperationsprojekt.
Zwei Themen standen jedem Projektteilnehmer zur Wahl: my
generation, my heritage oder how I spend my money during the week.
Ich entschied mich für ersteres und begann mich mit diesen Begriffen
„Generation“ und „Erbe“ auf unterschiedliche Weise auseinander-
zusetzen. Da dieses Thema eine Vielfalt an Interpretationspotential
besitzt, versuchte ich etwas Spezifisches für „meine Generation“
herauszufinden.
Über einige Umwege entschied ich mich, mein „Erbe“ in Form
meines familiären Ursprunges zu visualisieren, doch ganz eindeutig
wurde dies auf australischer Seite nicht interpretiert.
Sommersemester
2009Katastrophen-Design | S. 112 - 113
Toolbox Ökodesign | S. 114 - 115
love me fender | S. 116 - 117
Gegenstand der Präsentation war, im Gegensatz zu
den meisten anderen Vorträgen, weniger die Kom-
munikation um ein bestimmtes Katastrophen-Bild,
sondern vielmehr die Klima-Katastrophe an sich.
Der Grund hierfür ist, dass die Klima-Katastrophe
kein punktuelles Ereignis ist, das in einem Bild ein-
gefangen werden konnte, sondern sich vielmehr über
einen langen Prozess hinzieht.
Katastrophen-Design
113112
Katastrophen-Design / WS / Geschlechterverhältnis im Design / Sommersemester 2009 / 22.04.2009 bis 15.07.2009
Der Ausdruck„Klima-Katastrophe“ kam erst in den
70er Jahren durch verschiedene Ökologie-Bewe-
gungen auf. Das Thema an sich allerdings bestand
schon seit der Industrialisierung. Mit der Globa-
lisierung wuchs auch das Verständnis der Klima-
Katastrophe, da diese nun ganzheitlich betrachtet
werden konnte, und weniger als lokales Problem.
Hier wurde auch das Thema Verantwortlichkeit und
Nachhaltigkeit im Kontext der Umwelt in armen
und reichen Ländern diskutiert. Aus wirtschaftli-
chen Gründen heraus ist es für finanzstärkere Men-
schen einfacher, sich umweltbewusst zu verhalten,
da sie nicht auf bestimmte Ressourcen angewiesen
sind. Um die Klima-Katastrophe zu kontrollieren,
wäre somit ein aufsteigen der Menschen in der
Schicht notwendig.
Da die Klima-Katastrophe kein bereits eingetrete-
nes Ereignis ist, sondern vielmehr ein Zukunftssze-
nario, lassen sich nur grobe Prognosen aufstellen,
deren Glaubwürdigkeit stark umstritten ist. Es gibt
keine klaren Beweise für oder gegen die bevorste-
hende Klima-Katastrophe, da die Aufzeichnungen
über Klimaveränderungen erst recht spät in Relati-
on zur Weltgeschichte begannen. Dieser Umstand
sorgte für rege Diskussionen, was Wissenschaft-
lichkeit bedeutet. Zentrale Frage hierbei war, ob es
sinnvoller ist, ohne Beweise von der These oder der
Antithese auszugehen. Obwohl oder gerade weil die
Katastrophe nicht beweisbar ist, ist sie in unserer
Gesellschaft ständig ein Thema – oder auch eine
Bedrohung.
Ein Punkt, der stark zur Diskussion führte, war
die Manipulation – nicht nur durch Bilder, son-
dern auch durch Statistiken und Diagramme. Ein
fotografisches Beispiel ist der Eisbär auf einer
schmelzenden Eisscholle, der beim Menschen star-
ke, beschützende Emotionen auslöst – allerdings
hierbei unterschlagen wird, dass Eisbären in der
Lage sind, über mehrere Kilometer zu schwimmen.
Ein grafisches Beispiel für Manipulation ist eine
Informationsgrafik, in der die Klimaerwärmung in
einem kurzen Zeitabschnitt dargestellt wird.
Wichtiger Diskussionspunkt war, ob der Mensch die
Klima-Katastrophe verursacht hat. Einige Ethiker
sind der Meinung, dass der Mensch, genau wie alle
anderen Lebensformen, eine Daseinsberechtigung
hat und keine Schuld am Lauf der Welt trägt. Viele
Menschen gehen allerdings davon aus, dass sie die
Klimaveränderungen verursachen – was den Men-
schen als schuldhaft darstellt. Das Bedürfnis des
Menschen nach Kontrolle und Sicherheit könnte
Ursache dafür sein, dass er von der Schuld an der
Katastrophe – und somit der daraus resultierenden
Kontrollierbarkeit – ausgeht. Statistiken stellen
Werte häufig so dar, dass sie einen Normalwert sug-
gerieren. Hier stellte sich allerdings die Frage, ob
es etwas wie einen Normalwert gibt und woran sich
dieser festmachen würde. Dieser Aspekt spiegelt die
Tatsache wider, dass sich der Mensch als Mittel-
punkt versteht und sich die Welt unterordnen will.
Die Klima-Katastrophe Manipulation
Ethik und Egozentrik
Wissenschaftlichkeit
Bildquelle:
http://klimagipfel.greenpeace.de/wp-content/uploads/2009/11/neuer-gletscher.jpg
But here we go again. There are leftovers and
no garbage incineration plant can get rid of
them. Because it is not their fault that there
are toxic left overs, but the fault of those that
created the former products regarding the
need for a fitting into the ordinary system.
At this point the designer comes back into
this story. He or she should be the person that
uses materials that do not turn into toxics
after usage, who is able to convince compa-
nies to work cradle to cradle to gain better
reputation, save money that is normally used
for problematic waste disposal an e.g. sustain-
able customer loyalty. I know that this sounds
utopistic. But it is about designing new
processes instead of dull patches, an ideal of
working as a designer to create a great and
seriously innovative product, not a product
that is less bad than others.
115114
Toolbox Ökodesign
Eine toolbox, einen Werkzeugkasten mit Hilfe-
stellungen zum Thema nachhaltiges Design für
weitere Bereiche des Design zu entwicklen, war
Inhalt dieses kurzfristigen Projektes.
Die Reichweite von nachhaltigem Design zu vergrö-
ßern, es auf unterschiedliche Bereiche der Gestal-
tung hin auszudehnen und dem/ der DesignerIn
eine Hilfestellung geben, wenn nachhaltig gestaltet
werden soll, wurde im kurzfristigen Projekt „tool-
box Ökodesign“ zum Ziel gesetzt.
Zwar gibt es auch heute schon ein großes Ange-
bot an nachhaltig gestalteten Produkten, doch sind
diese oft sehr teuer oder wenig äußerlich anspre-
chend. Um diesem Missstand entgegenzuwirken
und auf spielerische, aber effektive Weise den De-
signer stets an die Aspekte zu erinnern, welche zu
nachhaltiger Gestaltung gehören, befasste ich mich
mit meiner Projektgruppenpartnerin ausführlich
mit dem Thema Nachhaltigkeit.
Dieser Begriff setzt sich wiederum zusammen
aus den Begriffen Ökonomie, Ökologie und soziale
Gerechtigkeit. In Anbetracht der Tatsache, dass fast
kein Produkt absolut nachhaltig gestaltet werden
kann, da die Erfüllung aller Nachhaltigkeitskriteri-
en nicht nur ausschließlich vom Designer, sondern
vom gesamten Unternehmen abhängt, legten wir
unser Hauptaugenmerk auf Produkte des täglichen
Bedarfs. Nahezu jeder hat schon einmal auf einem
Bürostuhl gesessen, sich die Hände gewaschen, sich
Gedanken bei der allmorgentlichen Wahl seiner
Kleidung gemacht.
Doch was sich dahinter alles verbirgt, welche
Produktions- und Recyclingprozesse diese Alltags-
gegenstände hinter und vor sich haben, bevor, oder
nachdem wir sie gebrauchen bleibt uns meistens
verborgen. Woher stammen all die Kunststoffe, Me-
talle und Hölzer dafür? Was wird aus ihnen, wenn
wir „mit einem Produkt fertig sind“? Dies ist den
Produkten kaum oder gar nicht anzusehen. Und so
halten sich Schadstoffe, gesundheitsgefährdende
Chemikalien und giftige Emissionen im Verborge-
nen, welche bei der Produktion und des Recyclings
(wenn es denn stattfindet) entstehen. Um dies
zu ändern und in den Köpfen der Menschen (so-
wohl der Gestalter, aber nicht ausschließlich) ein
Bewusstsein für diese Problematik entstehen zu
lassen, gestalteten wir „shift“. Ob sie in Designma-
gazinen oder wissenschaftlicher Lektüre, vielleicht
aber auch in der Kneipe nebenan oder im Warte-
zimmer der Arztpraxis ausliegen: Interesse sollen
sie wecken.
Von der Vorderseite erweckt diese Kleinserie von
Postkarten einen gewöhnlichen Eindruck - sobald
man jedoch die überstehende Lasche aufreißt, stellt
man fest, dass diese obsoleten Produkte nun bei
aufgeklappter Lasche einer Grabsteininschrift äh-
neln. Auf der Rückseite ist die nachhaltig designte
Alternative zu sehen und weitere Informationen
zum Produkt und dem Thema Nachhaltigkeit wer-
den angeboten. Durch das beidseite, jedoch gegen-
sätzliche Layout soll der Unterschied beider Produk-
te hier zusätzlichverdeutlicht werden.
Im Rahmen des Projektes unternahmen wir eine
Exkursion zur Müllverbrennungsanlage AVG Köln
Niehl, was spannende Ansatzpunkte für „tool- box
Ökodesign“ lieferte.
Toolbox Ökodesign / KP / Ökologie und Design / Sommersemester 2009 / 15.06.2009 bis 26.06.2009
love me fender
Das mittelfrsitige Projekt „love me fender“ war sehr
experimentell ausgerichtet. Es galt, die unterschiedli-
chen Funktionsprizipien von Klang, Harmonie, Reso-
nanz und Stimmfähigkeit im Bezug auf den Bau eines
einfachen Instrumentes anzuwenden.
117116
love me fender / MP / Produktionstechnologie / Sommersemester 2009 / 21.04.2009 bis 28.05.2009
Saiteninstrumente sollten hergestellt werden, wel-
che stimmbar sind und laut genug, um„unplugged“
auch hörbar zu sein. Da Experimentieren mit dem
Baumaterial und dem daraus resultierenden Klang
gefordert wurden, war es unerwünscht, eine Gitarre
oder ähnliche Saiteninstrumente zu kopieren in
einfacher Bauart. Neue Wege der Ton- und Klanger-
zeugung sollten beschritten werden: Man musste
das Prizip verschiedener Saiteninstrumente erst
nachvollziehen können, um danach selbst ein Sai-
teninstrument zu bauen.
Nach der Fertigstellung des/ der Instrumente/s
wurden ebendiese auch innerhalb des Projektzeit-
raumens im Rahmen von Proben bespielt, um am
Ende des Projektes ein experimentelles „Konzert“
aufzuführen.
Recht schnell wurde jedoch deutlich, dass ein sol-
ches Instrument, selbst auf einem simplen Niveau,
schwierig zu konzipieren ist. Die Voraussetzungen:
Stimmbarkeit, deutlich hörbare Lautstärke (also
Resonanz) und die Möglichkeit, verschiedene Töne
zu erzeugen, welche sich in Harmonien zusammen-
fügen sollen. Um all dies zu erfüllen, musste eine
Menge experimentiert werden – mit Material für die
Resonanzkörper und Befestigungssystemen, mit
Saiten, mit Stimmmechanismen, also: Klangerzeu-
gung. Wie würde der optimale Klangkörper ausse-
hen? Welche Stabilität muss er besitzen? Wieviele
Töne werden darauf spielbar sein? Wie funktioniert
Resonanz? Wodurch genau entstehen Töne eigent-
lich? Was bedeutet Harmonie? Ist diese immer
fortwährend gleich, oder gibt es kulturelle Unter-
schiede der Auffassung von Harmonien?
Zu Beginn des Projektes sammelte ich Ideen für
mein Instrument: insgesamt zwölf ganze und halbe
Töne spielen zu können, was ich erreichen wollte,
da dies auch die gängige Tonalität eines Klavie-
res (hierbei in mehrfacher Ausführung aufgrund
der vielen Oktaven) ist und ich das Klavierspielen
beherrsche. Im großen Maße ist auch das Klavier
(und auch der Flügel) ein Saiteninstrument, da die
Tonerzeugung durch das Anschlagen von Saiten mit
filzbezogenen Hämmerchen, welche durch Tasten-
anschlag betätigt werden, hervorgerufen wird.
Durch diesen Ansatz baute ich aus einer Fahr-
radfelge, Bremsleitungsschrauben, Metallsaiten
und einer parabolisch gebogenen Polystyrolscheibe
ein Instrument, welches klanglich enorm einer
Gitarre gleicht.
2008|
Wintersemester
Sweets 2009 | S. 120 - 123
Mit freundlichen Grüßen | S. 124 - 127
|2009
121120
Sweets 2009
Für die Internationale Süßwarenmesse (ISM) wurden
verschiedene Konzepte rund um das Thema „Neue
Darreichungsformen im Süßwarensektor“ im Rahmen
eines Kooperationsprojektes der Kölner International
School of Design und der koelnmesse entwickelt.
Eines davon sind die „sweet sheep“.
Sweets 2009 / MP / Design Konzepte / Wintersemester 2008/09 / 09.12.2008 bis 12.02.2009
In diesem Projekt wurden Süßwaren im Hinblick auf Darreichung,
Verpackung, sowie Konzepte rund um den Bio-Süßwarenmarkt
der Zukunft thematisiert. Die realistische Serienproduktion für
industrielle und weitere kommerzielle Zwecke nach diesem Projekt
waren nicht die Hauptkriterien während der Konzeptgestaltung
der verschiedenen Produkte. Dadurch ergaben sich Freiräume der
Gestaltung der Produkte.
Ziel war es, möglichst realistische Mock-Ups zu erarbeiten, welche
auf der ISM auf einem separaten Stand der Öffentlichkeit präsen-
tiert wurden. Dieser Stand sollte Anregungen bieten, das Thema
Süßwaren aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten, jenseits der
Einschränkungen von Produktionsmöglichkeiten.
Die Idee hinter „sweet sheep“ ist ein spielerischer Umgang beim
Verzehr durch alle Altersstufen. Man beißt in Zuckerwatte gehüll-
ten Weingummischafen den Kopf ab und im Anschluss fließt eine
sirupartige Füllung aus dem kleinen Körper. Ein kleiner Einfluss
von animalischer Handlung im sonst so braven und niedlichen
Süßwaren-Milieu.
123122
Linkes Bild:
Modell auf dem
Messestand
125124
Mit freundlichen Grüßen
Giveaways für die Köln International School of Design!
Mit freundlichen Grüßen / MP / Design Konzepte / Wintersemester 2008/09 /14.10.2008 bis 04.12.2008
In diesem mittelfristigen Projekt war es Ziel, in verschiedenen Gruppen
giveaways für die Köln International School of Design zu konzipieren.
Die drei Kerzen beziehen sich mit ihrer unterschiedlichen Größe auf die
Projekte – kurz-, mittel- und langfristig – an der KISD und sind in einer
Präsentationsbox verpackt. Da Kerzenlicht oft eine sanfte und warme
Atmosphäre schafft, betont es somit auch die warme und familiäre
Atmosphäre an der KISD, welche man unter den Studenten und den
Professoren vorfindet.
Aus einer Vielzahl von Skizzen und Ideen entwickelte sich das Kon-
zept von KISDlight schrittweise: Die erste Idee der Kerze als Symbolik
der Veränderung und Erleuchtung im Rahmen des Semesterthemas
„Timemaschine“ entstand am 30. Oktober 2008 als Skizze einer Kerze,
welche als vollkommen ungenaue Zeitmaschine zu verstehen ist. Die
Aufteilung in drei Kerzen im Zusammenhang mit der Projektlänge bot
sich daher idealerweise an.
127126
Mit freundlichen Grüßen / MP / Design Konzepte / Wintersemester 2008/09 /14.10.2008 bis 04.12.2008
Stand: November 2012

Portfolio Nicole Höhna

  • 1.
    P O RT F O L I O Nicole Höhna
  • 2.
    Sommersemester 2012 Sommersemester 2011 Wintersemester2010|2011 Wintersemester 2011|2012 Gala 2012 | S. 6 - 9 Schloss Türnich | S. 10 - 25 Ansichten und Details | S. 26 - 33 alles neu | S. 36 - 45 Die Seele der Dinge | S. 46 - 53 Störungen | S. 54 - 59 Social Interaction Design | S. 60 - 61 Praktikum | S. 64 -65 Bezirksregierung Köln | S. 66 - 69 Soundscape Cologne | S. 72 - 73 Experimental Haute Couture | S. 74 - 75 Wahrnehmungsmanagement | S. 76 - 77
  • 3.
    Inhaltsverzeichnis Sommersemester 2010 Sommersemester 2009 Wintersemester2008 |2009 Wintersemester 2009|2010 Vorlesung SI | S. 80 - 87 New Talents 2010 | S. 88 - 89 Wissenschaftliches Arbeiten | S. 90 - 93 Zeichen | S. 94 - 97 Texte für Designtheorie | S. 100 - 104 Vom Produkt zum Prozess | S. 106 - 107 Communicating with Signs | S. 108 - 109 Katastrophen-Design | S. 112 - 113 Toolbox Ökodesign | S. 114 - 115 love me fender | S. 116 - 117 Sweets 2009 | S. 120 - 123 Mit freundlichen Grüßen | S. 124 - 127
  • 5.
    Sommersemester 2012Gala 2012 |S. 6 - 9 Schloss Türnich | S. 10 - 25 Ansichten und Details | S. 26 - 33
  • 7.
    76 KISD Gala 2012 DiePlanung dieses Events begann Anfang Mai 2012. Drei zusam- menhängende Veranstaltungen galt es zu organisieren. Erstens: den Galaabend (dieVerleihungderDiplomeunddasentsprechende Ca- tering und Unterhaltungsprogramm), zweitens: die anschließende Abschlussparty für die Absolventen und drittens: die dreiwöchige Ausstellung der Abschlussarbeiten mit begleitendem Programm aus Vorträgen, Podiumsdiskussionen, sowie Parties zu entsprechenden Themen im Design Quartier Ehrenfeld. Wir bildeten zu Beginn verschiedene Gruppen, welche sich den entsprechenden Events annahmen. Die Kommunikationsgruppe war fürs Corporate Design, die Erstellung des Jahrbuches und alle weite- ren kommunikatorischen Mittel(Plakate, Flyer, Website,...) zuständig. Die Finanz- und Sponsorengruppe kümmerte sich um die finanziellen Mittel und die Verwaltung der Sponsoren.Es gab weitere Gruppen für die Gestaltung des Galaabends und des dazugehörigen Programms (unter anderem: das Professoren-Duell und die Ziehung der Tombola- Lose), der Abschlussparty,derAusstellungderDiplomarbeiten und die Dekoration der Veranstaltungsräume. Auch das Catering und die Tombola wurden in extra Teams vorbereitet. Wöchentlich fanden Treffen aller Gruppen statt, um jeden Teilneh- mer über die Vorgänge und Fortschritte im Prozess zu informieren und gemeinschaftlich über Beschlüsse abzustimmen. Erwartungsgemäß stressig wurde es, je näher das Event rückte. Hierbei erweiterten die Gruppenmitglieder ihre Tätigkeitsfelder und unterstützten sich gegenseitig, wobei jeder Teilnehmer seine orga- nisatorischen Fähigkeiten auf den Prüfstand stellte.Rückblickend war es ein gelungener Abend, an den sich die Absolventen und deren Begleitungen und weitere Gäste hoffentlich gern erinnern werden. KISD Gala 2012 / Eventorganisation / Sommersemester 2012 /19.04.2012 bis 11.07.2012 Das Rundum-Projekt der KISD: von Catering, Sponsoring, Raumkonzepten, Corporate Design und Partyorganisation war alles Eventorganisatorische vertreten.
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    Impressionen des Galaabends und derAusstellung der Abschlussarbeiten im Design Quartier Ehrenfeld
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    98 KISD Gala 2012/ Eventorganisation / Sommersemester 2012 / 19.04.2012 bis 11.07.2012
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    1110 Identität Schloss Türnich/ MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012 Identität Schloss Türnich Das Schloss Türnich in Kerpen-Türnich ist vielseitig, sowohl in architektonischer, als auch in kultureller Hinsicht: Überraschungen inbegriffen. Das Schloss Türnich in Kerpen (in der Nähe von Köln) ist ein äußerst geschichtsträchtiger Ort. Seine Ursprünge reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück, doch seine derzeitige äußere Erscheinung wurde hauptsächlich in der Mitte des 18. Jahrhunderts geprägt. Es befindet sich seit dem 19. Jahrhundert im privaten Besitz der gräflichen Familie von und zu Hoensbroech. Die Schlossanlage setzt sich aus verschiedenen Bereichen zusammen, so gibt es den Aspekt der Ar- chitektur: das Herrenhaus, die Schlosskapelle und eine Vorburg mit angeschlossenem Hofcafé; eine Gartenanlage, welche sich aus barockem Schloss- garten im französischen Stil, einem Englischen Landschaftsgarten und einem Waldgebiet zusam- mensetzt und einen Obstpark, in welchem Obst und Gemüse nach demeter-Vorgaben angebaut und auch Saft gekeltert wird. Durch eine drastische Grundwasserabsenkung in den Siebzigerjahren, bedingt durch Bergabauar- beiten geriet das Schloss in einen sehr schlechten baulichen Zustand: es drohte auseinanderzubre- chen und die Folgeschäden sind bis heute sichtbar. Der Erhalt der gesamten Anlage ist ohne staat- liche finanzielle Unterstützung nicht zu gewähr- leisten, dementsprechend plant die Familie von Hoensbroech die Gründung einer Stiftung und ist auf der Suche nach Investoren. Schloss Türnich visuell als Ganzes greifbar zu machen und die vielen Einzelaspekte zu vereinen, Menschen über den Ort zu informieren und für die Problematik zu sensibilisieren war Ziel dieses Projektes. Im Zuge der anstehenden Profanisierung des Schlosses und somit eines »Zurücktretens« der gräflichen Familie bezüglich der Belange des Schlosses war es aus unserer Sicht auch notwendig dieses Zurückstellen des Privaten in der neuen Cor- porate Identity zum Ausdruck zu bringen. Das so geschaffene Erscheinungsbild ist also nicht primär mit Konnotationen des Adels: also Exklusivität, Traditionalität und (teilweise eben auch) Eleganz behaftet, sondern mit Bodenständigkeit, Schlicht- heit und einer gewissen Zurückhaltung. Es soll solide, ruhig und stimmig wirken.
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    Das derzeitige Erscheinungsbild von SchlossTürnich wirkt zusammengewürfelt und unschlüssig.
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    1312 Identität Schloss Türnich/ MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012 Mehrere Varianten des Wappens finden Anwendung, wobei die Rück- sicht auf heraldische Gesichtspunkte in den Hintergrund tritt.
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    private public unity diversity narration experienceheritage modernity balance farm the Obstpark withits related services and opportunities hospitality gastronomical services and products for visitors Events and renting opportunities for individuals companies education services for educational facilities and guided tours castle garden the various gardens, the Labyrinth and geomantic stones Die vier Bereiche, in welche sich die Akti- vitäten um Schloss Türnich aufteilen lassen Kernbegriffe, welche gemeinsam mit der Familie von Hoensbroech erar- beitet wurden Kernbegriffe rund um Schloss Türnich Cluster
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    investors visitors educational kindergardens culturally interested schools enthusiasts locals organic foodcustomers colognians individuals companies weddings public institutions private investors corporations foundations internationals cyclists families renters 1514 Identität Schloss Türnich / MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012 Übersicht über die Ziel- und Dialoggruppen, welche rund um Schloss Türnich involviert sind der sein können Ziel- und Dialoggruppen
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    1716 Identität Schloss Türnich/ MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012 Im Torbogen des Eingangsbereiches befindet sich diese Ausführung des Wappens Herleitung des Logos
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    Schloss Türnich Schloss Türnich Der limburgische Löwe, dasWappen- tier der Familie von Hoensbroech und die Typo stehen im Vordergrund Logo in zwei Varianten
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    ½w h ½ h ½ w w Schloss Türnich Schloss Türnich 1918 IdentitätSchloss Türnich / MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012 Proportionen Proportionen des Logos und die Auf- teilung in Segmente
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    2120 Identität Schloss Türnich/ MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012 gleichbleibende Darstellbarkeit auf verschiedenen Geräten Webauftritt
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    2322 Identität Schloss Türnich/ MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012 Etikettkonzept für die Produktpalette des Obstparkes Schloss Türnich Produktpalette
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    Herrenhaus Kapelle HofcaféEnglischer Garten Geomantie Barock- garten Linden- kathedrale HofladenLabyrinthObstpark Orientierung auf Schloss Türnich Zugänge zum Schlospark und öffentliche Wege auf dem Gelände Piktogramme für das Orientierungs- system
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    2524 Identität Schloss Türnich/ MP / Identität und Design / Sommersemester 2012 / 27.03.2012 bis 25.05.2012 Geländeplan mit Informationsflyern und Infopanel
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    Rendering der Kaiseridell mit Cinema 4D
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    2726 Ansichten und Details Ansichten undDetails / WS / Design for Manufacturing / Sommersemester 2012 /18.04.2012 bis 27.06.2012 In diesem Seminar standen die Wahrnehmung und Untersuchung von Details an Gebrauchsgegen- ständen im Fokus. Das Objekt meiner Wahl: die Scherenlampe 6718 der Firma Kaiser idell. Das wissenschaftliche Seminar »Ansichten und Details« erstreckte sich über ein Semester. Hierbei wählte sich jeder Teilnehmer einen Gegenstand und untersuchte diesen nach Parametern wie Funktion, Material, Bauteilen und Oberfläche. Es wurde vermessen, zerlegt und fotografiert. Im Anschluss fertigte jeder Teilnehmer eine technische Zeichnung an und erstellte wahlweise ein dreidimensionales Modell des Gegenstandes. Ich wählte die Scherenlampe Modell 6718 der Firma Kaiser idell. Konzipiert wurde sie von Christian Dell (*24.02.1893 in Offenbach am Main; †18.07.1974 in Wiesbaden) welcher unter anderem Meister am Weimarer Bauhaus war. Ab der Mitte der zwanziger Jahre entwarf er zahlreiche Beleuchtungskörper für die Lampenfabrik Gebr. Kaiser Co in Neheim-Hüsten (Arnsberg). Diese vornehmlich für Arbeitsberei- che und Werkstätten entwickelten Lampen wurden mit dem Slogan »Der Arbeit zu Nutz – den Augen zum Schutz« beworben und erfreuen sich heute wieder großer Beliebtheit in Form von Schreib- und Nacht- tischlampen, angepriesen von beispielsweise Manufactum, der »fast literarischen Warenkunde«. Die mir vorliegende Lampe beeindruckte einerseits durch ihre aus- gewogene Form und ihr Alter von ungefähr achzig Jahren und mehr noch durch ihre volle Funktionsfähigkeit. Alle Gelenke sind leichtgän- gig und stabil und das Objekt weist in seinen Einzelteilen trotz leichter Rostspuren keine Beschädigungen oder Mängel auf.
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    2928 Linke Seite: Aufnahmen aus demFotostudio Rechte Seite: Modellierte Lampe ohne Textur Seite 23 unten: Detailrendering der Verbindung zwischen Lampenhals und Schirm Ansichten und Details / WS / Design for Manufacturing / Sommersemester 2012 /18.04.2012 bis 27.06.2012
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    Rendering der Kaiseridell mit Cinema 4D
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    3130 Ansichten und Details/ WS / Design for Manufacturing / Sommersemester 2012 /18.04.2012 bis 27.06.2012
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    Seite 26 oben: Detailfotodes Lampenschirms Seite 26 untewn: Detailrendering eines Gelenks Seite 27: Rendering des Lampenschirmes
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    3332 Ansichten und Details/ WS / Design for Manufacturing / Sommersemester 2012 /18.04.2012 bis 27.06.2012
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    Wintersemester alles neu |S. 36 - 45 Die Seele der Dinge | S. 46 - 53 Störungen | S. 54 - 59 Social Interaction Design | S. 60 - 61 |2012
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    alles neu: Die DeutscheAkademie für Sprache und Dichtung Die Aufgaben der Deutschen Akademie sind vielfältig: sie vergibt unter anderem den Georg-Büchner-Preis, veranstaltet Tagungen und veröffentlicht Publikationen. Hierbei ist es an der Zeit für ein neues Corporate Design.
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    3736 In diesem langfristigenProjekt war es unser Ziel, eine neues Corporate Design für die „Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung“ zu erarbeiten. Die Akademie vertritt die Interessen der deutschen Literatur und Sprache im In- und Ausland. Sie hat zahlreiche Betätigungsfelder, unter anderem veran- staltet sie Tagungen, leistet Bildungsarbeit an meh- reren deutschen Schulen, in dem sie Schüler und Schriftsteller zusammenführt, vergibt insgesamt fünf Preise, darunter der bedeutendste Literatur- preis Deutschlands, der Georg-Büchner-Preis und veröffentlicht eine Fülle von Publikationen. Die Akademie möchte mehr öffentliche Wahr- nehmung und strebt desweiteren an, an jüngeres Publikum für ihre Vielzahl von Tätigkeiten zu interessieren, doch gibt es derzeit keinen klaren grafischen Zusammenhang zwischen ihren unter- schiedlichen Aktivitäten, all ihre Publikationen sehen bisher verschieden aus. Über ein Semesterhinwegbeschäftigten sich etwa 20 Studierende in jeweils fünf Gruppen mit unterschiedlichen konzeptuellen Ansätzen mit einem neues Erscheinungsbild. Im Sommer 2012 entschied sich die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung intern für den Entwurf meiner Grup- pe, derzeit arbeiten wir an der Implementierung und an einem Corporate Design Manual.
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    D E UT S C H E A K A D E M I E F Ü R S P R A C H E U N D D I C H T U N G Das alte Logo, welches seit über fünfzig Jahren Verwendung findet Das neue Logo für die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
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    D A DEUTSCHEAKADEMIE FÜR SPRACHE UND DICHTUNG D A DEUTSCHE AKADEMIE FÜR SPRACHE UND DICHTUNG D A DEUTSCHE AKADEMIE FÜR SPRACHE UND DICHTUNG D A DEUTSCHE AKADEMIE FÜR SPRACHE UND DICHTUNG D A DEUTSCHE AKADEMIE FÜR SPRACHE UND DICHTUNG D A DEUTSCHE AKADEMIE FÜR SPRACHE UND DICHTUNG D A DEUTSCHE AKADEMIE FÜR SPRACHE UND DICHTUNG 3938 Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung / LP / Typografie und Layout / Wintersemester 2011/12 / 18.10.2011 bis jetzt In diesem Konzept wird der Ansatz verfolgt, im Logo selbst mit Sprache und Schrift zu spielen, wobei gängige Seh- und Lesegewohnheiten provo- ziert beziehungsweise auf die Probe gestellt werden. Über eine konsequente Silbentrennung wird der Name der deutschen Akademie für Sprache und Dichtung vertikal angeordnet. Die Trennung erfolgt dabeiüber auffällig farbigeSchrägstriche und nicht wie gewohnt über Trennstriche. Dadurch wird ein zeitgemäßes Erscheinungsbild und Aufmerksamkeit über ein ungewohntes Schrift- bild erzielt, das den Blick zugleich auf sich zieht und gewissermaßen zum Innehalten motiviert. Die Schrägstriche haben einen erhöht konstruierten Neigungswinkel, zudem hebt sie diegrößereStrich- stärkeoptischvon den Lettern ab. Auch die kontras- tierende Farbgebung schließt eine Verwechslung mit der Schrift weitgehend aus und ermöglicht so trotz „Störung“ des gewohnten Leseflusses die schnelle Erfassbarkeit aller relevanten Informati- onen. Die „Gill Sans light“ wird in Versalien ver- wendet und sorgt für ein deutliches und zugleich elegantes Schriftbild, das auch in kleiner Punkt- größe noch gut lesbar ist. Durch die Silbentrennung entsteht Rhythmus und Dynamik. Dieser Rhythmus sowie das Gestal- tungselement der Schrägstriche lässt sich auf ver- schiedene Informationen übertragen und verfügt - auch unabhängig vom Namen der Akademie - über einen hohen Wiedererkennungswert. Um sich harmonisch und ebenso gut lesbar in eine horizontale Logoleiste integrieren zu lassen, wurde zusätzlich eine zweite Variante des Logos gestaltet, die jedoch nur für diesen Fall verwendet wird. Der Rhythmus des Logos lässt sich auf Titel, Veran- staltungen, Preise oder Funktionsbezeichnungen übertragen, um eine Kontinuität und Integrität des Erscheinungsbildes in allen Medien und Formaten zu gewährleisten. Derzeit nehmen wir aktuell Ände- rungen aufgrund der Implementierung vor.
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    Linke Seite: Freier Farbcodefür die Deutsche Aka- demie für Sprache und Dichtung, wobei schwarz flächig als Hintergrundfarbe für Plakate, teilweise Publikationen, Einladungen oder Postkarten dienen kann. Rechte Seite: Buchcover für neue und ältere Publika- tionen der Deutschen Akademie
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    4140 Deutsche Akademie fürSprache und Dichtung / LP / Typografie und Layout / Wintersemester 2011/12 / 18.10.2011 bis jetzt
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    Lorem ipsum dolorsit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua.At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet. Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gu- bergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet. Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua.At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet. Duis autem vel eum iriure dolor in hendrerit in vulputate velit esse molestie consequat, vel illum dolore eu feugiat nulla facilisis at vero eros et accumsan et iusto odio dignissim qui blandit praesent luptatum zzril delenit augue duis do- lore te feugait nulla facilisi. Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit, sed diam nonummy nibh euismod tincidunt ut laoreet dolore magna aliquam erat volutpat. Ut wisi enim ad minim veniam, quis nostrud exerci tation ullam- corper suscipit lobortis nisl ut aliquip ex ea commodo consequat. Duis autem vel eum iriure dolor in hendrerit in vulputate velit esse molestie consequat, vel illum dolore eu feugiat nulla facilisis at vero eros et accumsan et iusto odio dignissim qui. Glückert-Haus Alexandraweg 23 D-64287 Darmstadt Tel.: 49- (0)6151-4092-0 Fax.: 49- (0)6151-4092-99 sekretariat@deutsche- akademie.de http://www.deutsche- akademie.de Generalsekretär: Dr. Bernd Busch Tel.: 49- (0)6151-4092-0 E-Mail: bernd.busch@deut- scheakademie.de Assistenz: Dorothea Martin, M.A. Tel.: 49- (0)6151-4092-0 E-Mail: dorothea.martin@ deutscheakademie.de Sehr geehrte Damen und Herren Darmstadt, den 21. 05. 2012Dr. med. Max Mustermann Wilhelm-Busch Str. 1018 a 51107 Darmstadt Germany Mit freundlichen Grüßen Dr. Bernd Busch D E U T S C H E A K A D E M I E F Ü R S P R A C H E U N D D I C H T U N G Geschäftsbrief: In Fließtexten von Geschäftspapieren wird die „Gill Sans light“ in korrekter Groß- und Kleinschreibung verwendet.
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    D E UT S C H E A K A D E M I E F Ü R S P R A C H E U N D D I C H T U N G Dr. med. Max Mustermann Wilhelm-Busch Str. 1018 a 51107 Darmstadt Germany D E U T S C H E A K A D E M I E F Ü R S P R A C H E U N D D I C H T U N G G E N E R A L S E K R E T Ä R D R . B E R N D B U S C H GLÜCKERT HAUS ALEXANDRAWEG 23 64287 DARMSTADT TEL 49 (0) 61 51 40 92 0 B E R N D . B U S C H @ D E U T S C H E A K A D E M I E . D E 4342 Visitenkarte: Rückseite Visitenkarte: Vorderseite Briefumschlag Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung / LP / Typografie und Layout / Wintersemester 2011/12 / 18.10.2011 bis jetzt
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    E I NL A D U N G Z U R H E R B S T T A G U N G 2 9. O K TO B E R B I S 0 1. N O V E M B E R I N D A R M S TA D T I M S TA AT S T H E AT E R P R E I S V E R L E I H U N G S A M S T A G U M 1 6 . 0 0 U H R W W W. D E U T S C H E A K A D E M I E . D E D E U T S C H E A K A D E M I E F Ü R S P R A C H E U N D D I C H T U N G G E O R G B Ü C H N E R P R E I S E I N L A D U N G Z U R H E R B S T T A G U N G 2 9. O K TO B E R B I S 0 1. N O V E M B E R I N D A R M S TA D T I M S TA AT S T H E AT E R P R E I S V E R L E I H U N G S A M S T A G U M 1 6 . 0 0 U H R W W W. D E U T S C H E A K A D E M I E . D E G E O R G B Ü C H N E R P R E I S D E U T S C H E A K A D E M I E F Ü R S P R A C H E U N D D I C H T U N G E I N L A D U N G Z U R H E R B S T T A G U N G 2 9. O K TO B E R B I S 0 1. N O V E M B E R I N D A R M S TA D T I M S TA AT S T H E AT E R P R E I S V E R L E I H U N G S A M S T A G U M 1 6 . 0 0 U H R W W W. D E U T S C H E A K A D E M I E . D E G E O R G B Ü C H N E R P R E I S D E U T S C H E A K A D E M I E F Ü R S P R A C H E U N D D I C H T U N G E I N L A D U N G Z U R H E R B S T T A G U N G 2 9. O K TO B E R B I S 0 1. N O V E M B E R I N D A R M S TA D T I M S TA AT S T H E AT E R P R E I S V E R L E I H U N G S A M S T A G U M 1 6 . 0 0 U H R W W W. D E U T S C H E A K A D E M I E . D E G E O R G B Ü C H N E R P R E I S D E U T S C H E A K A D E M I E F Ü R S P R A C H E U N D D I C H T U N G Plakate zu den verschiedenen Preisverlei- hungen als rein typografische Varianten
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    E I NL A D U N G Z U R H E R B S T T A G U N G 2 9. O K TO B E R B I S 0 1. N O V E M B E R I N D A R M S TA D T I M S TA AT S T H E AT E R P R E I S V E R L E I H U N G S A M S T A G U M 1 6 . 0 0 U H R W W W. D E U T S C H E A K A D E M I E . D E G E O R G B Ü C H N E R P R E I S D E U T S C H E A K A D E M I E F Ü R S P R A C H E U N D D I C H T U N G E I N L A D U N G Z U R H E R B S T TA G U N G 2 9. O K TO B E R B I S 0 1. N O V E M B E R I N D A R M S TA D T I M S TA AT S T H E AT E R P R E I S V E R L E I H U N G S A M S T A G U M 16 . 0 0 U H R W W W. D E U T S C H E A K A D E M I E . D E J O H A N N H E I N R I C H M E R C K P R E I S D E U T S C H E A K A D E M I E F Ü R S P R A C H E U N D D I C H T U N G E I N L A D U N G Z U R H E R B S T TA G U N G 2 9. O K TO B E R B I S 0 1. N O V E M B E R I N D A R M S TA D T I M S TA AT S T H E AT E R P R E I S V E R L E I H U N G S A M S T A G U M 16 . 0 0 U H R W W W. D E U T S C H E A K A D E M I E . D E S I G M U N D F R E U D P R E I S D E U T S C H E A K A D E M I E F Ü R S P R A C H E U N D D I C H T U N G 4544 Namensgeber der Preise in einem Anschnitt, in dem nur die Mundpartie (für Sprache zuständig) des Gesichts sichtbar ist Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung / LP / Typografie und Layout / Wintersemester 2011/12 / 18.10.2011 bis jetzt
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    Die Frage nachder Seele ist so alt wie die Mensch- heitsgeschichte selbst und so weitläufig wie es theo- logisches und philosophisches Erkenntnisstreben in allen Teilen der Welt nur sein kann. So manch einer hält die Frage nach der Seele von Menschen oder gar von Objekten beziehungsweise die Fra- ge nach dem Verhältnis von Körper und Seele für metaphysische Spekulation, die jeder empirischen Grundlage entbehrt. Andere wiederum identifizie- ren in der Frage nach der Seele ein reines Schein- problem, welches nur ein weiterer Beleg für unsere Unfähigkeit sei, die Welt kognitiv und sprachlich zu fassen. Man könnte also die Frage nach einer beseelten Welt in den Sphären religiöser oder phi- losophischer Wahrheitssuche oder in den Tümpeln sprachlicher Unzulänglichkeiten belassen, würde nicht an Designerinnen und Designer zuweilen die Anforderung herangetragen, sie mögen doch – durch Ihre Gestaltung – den Dingen eine besondere Magie verleihen, ihnen eine Seele einhauchen. Und tatsächlich finden sich immer mal wieder Dinge, welche uns – über ihre Nützlichkeiten und ästhe- tischen Eigenschaften hinaus – vermuten lassen sie würden über so etwas wie eine Seele verfügen. Genügend Grund also um der Frage nach der Seele nachzuspüren. So wurde im Wintersemester 2011/2012 durch Pro- fessor Günter Horntrich eine Projektreihe iniziiert. In dieser sollte – einem Staffellauf gleich – in na- hezu allen Lehrgebieten der KISD das Thema »Die Seele der Dinge« bearbeitet werden. Die Integration unterschiedlicher lehrgebietlicher Perspektiven auf die vielfältigen Designthemen ist eine Besonderheit der Köln International School of Design und sollte in dieser Projektreihe voll zum Tragen kommen. Vor dem Beginn der einzelnen Wochenprojekte wurden Interviews durchgeführt, um erste Aus- gangspositionen zu bestimmen. Ein Großteil der Befragten stimmte darin überein, dass es sich bei der Seele der Dinge keineswegs um eine we- senhafte Objekteigenschaft (Ontologie), sondern vielmehr um Projektionen und Interpretationen der Nutzerinnen und Nutzer handeln mag. Inwiefern diese Prozesse durch den Gebrauch oder durch die gestalterische Antizipation von Nutzungsformen bestimmt werden, war dann auch eine der zentralen Fragestellungen für die einzelnen lehrgebietlichen Projekte. Hierin wurden dann ganz unterschiedliche Un- tersuchungsmethoden erprobt und eine Reihe von Experimenten durchgeführt. Die Bandbreite reichte von morphologoischen Studien zu zerstör- ten und deformierten Alltagsgegenstände, über Experimente mit Schusswaffen und Kuscheltieren, bis hin zu Interventionen im urbanen Umfeld. Es wurden fotografische, filmische und typografische Beiträge und Installationen gestaltet, es wurde über die Seele der Stadt reflektiert (Prof. Iris Utikal, Prof. Michael Gais), der Seelengehalt von Objekten mittels Umfragen evaluiert (Prof. Birgit Mager), der „Fetischcharakter der Ware“ untersucht (Prof. Dr. Oliver Baron), die symbolischen Gebrauchsformen und sozialen Distinktionspotentiale wie Exklusi- vität und Individualität analysiert (Prof. Wolfgang Laubersheimer) aber auch humoristische Varianten waren Gegenstand der vielfältigen Ausarbeitun- gen, wie die Inszenierung einer Verschwörung der besselten Dinge gegen die Menschen (Prof. Dr. Uta Brandes). Tatsächlich wurde so etwas wie eine Seele der Dinge nicht gefunden, allerdings traten bei der Suche im- mer wieder unerwartete Ergebnisse zutage, sodass oft ein Zusammenhang durch methodisch ähnliche Ansätze entstand. Nun muss man letztendlich die Untersuchung der Frage nach der Seele wieder an ihre herkömmlichen Disziplinen der Philosophie und der Theologie ab- geben, und es bei diesem sehr gelungenen Streifzug belassen.
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    4746 Die Seele derDinge / Kurs / Identität und Design / Wintersemester 2011/12 / 23.01.2012 bis 27.01.2012 Die Seele der Dinge (ID) Resümee einer ungewöhnlichen Kursreihe Produkte von heute müssen mehr können: Funktion ist selbstver- ständlich, wichtig wird der Hintergrund. Es geht darum, welche Geschichten Produkte erzählen, also welche „Seele” ihnen innewohnt/ der Gestaltende ihnen einhaucht. Der Kurs zur Thematik „Die Seele der Dinge” wird erstmalig als eine Kursreihe, die alle Lehrgebiete umfasst, abgehalten. Anhand verschiedener Foki wird jeweils einwöchig eine lehrgebiets- spezifische Exploration zum einheitlichen Dachthema angeboten. Die Ergebnisse der Vorwoche dienen dabei als Basis des darauffolgen- den Kurses. Jede Kursgruppe wechselt in ihrer Zusammensetzung, da jeder der Kurse frei wählbar ist. Am Ende der Kursreihe entsteht durch die Verknüpfung aller einzelnen thematischen Auseinandersetzungen eine Art Patchwork- Konstrukt, das die Seele der Dinge aus unter- schiedlichen Perspektiven beleuchtet. Der Text auf der linken Seite ist das Resümee dieser Kursreihe.
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    4948 Die Seele derDinge / Kurs / Design Konzepte / Wintersemester 2011/12 / 16.01.2012 bis 20.01.2012 Die Seele der Dinge (DK) Davon berichtete die New York Times am 11. März 1907. MacDougall baute eine Präzisionswaage: ein an einem Gestell aufgehängtes Bett, dessen Gewicht samt Inhalt sich auf fünf Gramm genau bemessen ließ. Die erste von sechs Versuchspersonen zeigte im Moment des Todes einen Gewichtsverlust von 21 Gramm – das Gewicht der Seele. Auch der niederlän- dische Physiker Dr. Zaalberg van Zelst und auch Dr. Malta wollte nachgewiesen haben, dass man den Astralkörper eines Menschen wiegen und damit physikalisch nachweisen kann. In einigen Versu- chen in Den Haag wogen sie sterbende Patienten und ermittelten dabei im Moment des klinischen Todes einen nicht zu erklärenden Gewichtsverlust der Personen von 69,5 Gramm. (Quelle: Len Fischer, Der Versuch, die Seele zu wiegen, Frankfurt 2005, S. 29-35). Auf der Fragestllung basierend, ob die Seele ein messbares Gewicht hat, entschlossen wir uns durch die Gewichtsermittlung verschiedener Ob- jekte die Existenz der Seele zu belegen, beziehungs- weise zu widerlegen. Wie verändert sich die Natur des Objekts in Bezug auf Materialität und Ästhetik? Erlangt das Objekt dadurch eine Seele? Ergibt sich zwischen den Zuständen eine vierte Dimension? Zur Beantwortung dieser Fragen entschlossen wir uns an zehn verschiedenen Objekten (Teddybär, Spielzeugauto, Kondom, Snickers, Coca Cola, Tasse, Kochlöffel, Banane, WC Deo und Veranstaltungska- lender) sieben methodisch angelegte Untersuchun- gen zur empirischen Gewinnung von Information durchzuführen, um das Gewicht der Seele des Objektes zu ermitteln. Wir untersuchten jedes einzelne Objekt folgen- dermaßen: durch Verbrennung, Säurebad, Kochen, Zersägen, Hinunterwerfen, unter Druck setzen und Einfrieren. Die Ergebnisse wurden in einer Tabelle festgehalten.DieVersuchsergebnisse stellten wir in Form einer Matrix aus, welche wir zudem mit den Gewichtsangaben versahen. Ist Seele messbar? Duncan MacDougall, ein Arzt aus Haverhill in Massachusetts, bestimmte in Experimenten das Gewicht der Seele mit 21 Gramm.
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    Patina ist 32Jahre alt, ledig, kinderlos, lebt in Köln Ehrenfeld, studiert Sozialwis- senschaft auf Lehramt und schlendert gerne über den Flohmarkt am Südsta- dion. Dort hat sie auch ihr rotes Fahrrad mit Brookssattel gefunden. Sie arbeitet h¬albtags in einem kleinen Fair-Trade Café im Belgischen Viertel und raucht Pueblo- Tabak. Patina kauft den Großteil ihrer Lebensmittel auf dem Biomarkt um die Ecke.Ihr ist wichtig, dass Ihre Besitztümer eine Geschichte haben. Warum macht sie das? Sie glaubt an die Individualität des Menschen und an seine Einzigartigkeit. Patina setzt sich mit geisteswissenschaftli- chen Texten auseinander, weil sie gerne die großen Zusammenhänge verstehen möchte. Für sie ist ihre Kleidung, ihre Wohnung, ihre Umgebung ein Stück ihrer Geschichte, die sie gestaltet und in der sie sich wohlfühlt. Daisy ist 30 Jahre alt, ledig, glücklich al- leinerziehend und wohnt in einer großen Altbauwohnung mit altem Parkettboden. Sie lebt in der Kölner Südstadt weil sie die kleinen Geschäfte dort mag und fährt einen SUV-MINI mit Holzapplikationen. Daisy ist gerade im Stress, weil sie einen Stand auf der Internationalen Möbelmesse vorbereiten muss. Sie trinkt Espresso und geht gerne gut essen. Warum macht sie das? Sie liebt die schönen Dinge des Lebens, das Streben nach Perfektion, nach Qualität ist ihre Leidenschaft und weiß die edlen Dinge zu schätzen. Sie lehnt es – wenn es ihren Prinzipien widerspricht – ab, mit dem Strom zu schwimmen und bildet sich lieber ihre eigene Meinung. Luxia ist 34 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Sie wohnt in Köln Marienburg in einem freistehenden Einfamilienhaus mit großem Garten. Ihre Kinder besuchen ein renommiertes Internat im Bayerischen Wald. Luxia gibt das Geld, welches ihr Ehemann hart erarbeitet, für Statusob- jekte aus. Sommers fährt sie gerne nach Monaco oder winters zum Skifahren nach St. Moritz. Sie fährt einen BMW X5 SUV in weiß. Sie trifft sich gerne mit ihren Freun- dinnen im Restaurant Hase und schlendert danach über die Pfeilstraße. Warum macht sie das? Für Luxia ist ihre Garderobe und ihr Umfeld Zeichen dessen, was sie erreicht hat. Sie weiß, dass sie es sich verdient hat und stört sich deshalb nicht an Kleinig- keiten wie astronomischen Preisen. Gefällt ihr etwas, kauft sie es sich, denn nichts wäre schlimmer, als könnten die Leute nicht sehen, wer sie ist.
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    5150 Die Seele derDinge / Kurs / Produktionstechnologie / Wintersemester 2011/12 / 09.01.2012 bis 13.01.2012 Die Seele der Dinge (PT) Es gibt scheinbar Gründe dafür, weshalb sich Menschen gewisse Dinge zulegen, beziehungsweise sich nur schwerlich davon trennen können. Warum eigentlich? Das kann unterschiedliche Gründe haben. Dinge erlangen ihre Besonderheit durch beispielsweise: Exklusivität (Dinge werden besonders durch ihren Preis und Marke) Luxia kommuniziert nach außen, dass sie sich teure Dinge leisten kann und zeigt dies auch gern. Sie möchte Gefühle bei ande- ren auslösen. Individualität (Dinge werden besonders durch ihre Geschichte) Patina ist wichtig, dass sie in Beziehung zu ihren Dingen steht. Dinge lösen bei ihr selbst Gefühle aus. Originalität (Dinge werden besonders durch ihren Träger) Dai- sy muss Projektionsfläche bieten, sie selbst muss „neutral“ sein (schwarze Kleidung), um beispielsweise Kunden bedienen zu können. All diese Dinge können sich gegenseitig beeinflussen. Dies hier sind Sexpuppen, gekauft bei Mike Hunter am Barbarossaplatz, 19, 95 Euro pro Stück. Ein Ding bleibt ein Ding und auch eine Sexpup- pe wird nicht beseelt, indem man ihr eine Geschichte gibt. Während der Präsentation wurden drei verklei- dete Sexpuppen als die drei Personen Patina, Daisy und Luxia vorgestellt und folgender Text wurde vorgetragen:
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    Die Seele derDinge / Kurs / Geschlechterverhältnis im Design / Wintersemester 2011/12 / 21.11.2011 bis 25.11.2011 Die Seele der Dinge (GD) Angenommen alles, Menschen und Dinge, seien beseelt. Dazu seien die Seelen unsterblich. Folgt man diesen Annahmen, so führt dies zur Frage: Was geschieht mit all den Seelen, wenn das Leben der Träger/innen endet? Himmel oder Hölle gibt es nicht mehr, sicher aber ist: Letztlich wird alles irgendwann zu Staub. Davon ausgehend und die Seelenzuschreibungen der vorange- gangenen Kurse der Reihe plakativ auf die Spitze treibend, erarbeiteten wir eine ritual- hafte Inszenierung, der die Verlesung folgender Erklärung voranging: Menschen beseelen die Dinge und die Dinge haben Seele. Menschen haben eine Seele. Alles hat Seele. Doch nichts bleibt ewig, alles kommt und geht, aber die Seele bleibt. Also ist alles, was ist, See- le. Nichts aber, was ist, bleibt und alles, was ist, wird Staub und Staub bleibt, ist unsterblich. Auch die Seele bleibt, sie ist alles, was ist, sie ist unsterblich. Also ist Seele Staub und Staub ist Seele. Alles aber ist Seele und folglich gilt: Alles ist Staub. Indem wir während der Präsentation den auf dem Boden liegenden Staub, die verlorenen und ver- gessenen Seelen, mit Staubsaugern aufsaugten und
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    5352 in einer rituellenHandlung diesen aufgelesenen Staub, also all die Seelen, durch hohe Dyson-Ventila- toren zurück in die Weite des Raumes beförderten, riefen wir sie so wieder ins Bewusstsein der Men- schen, animierten im Wortsinne. Assoziationen zu sakramentalen Handlungen waren durchaus erwünscht, ebenso die Störung durch den Staub. Die Projektion von der Seite beleuchtete den Staub in interessanter Weise und machte die Flüchtigkeit sichtbar.
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    5554 Störungen / KP/ Geschlechterverhältnis im Design / Wintersemester 2011/12 / 14.11.2011 bis 18.11.2011 Störungen Der Ansatz In diesem kurzfristigen Projekt haben wir uns zum Ziel gesetzt Störungen des Alltags genauer zu untersuchen. Während unserer Recherche fiel uns auf, dass das Thema Privatsphäre ein weites Feld bietet, in welchem wir teilweise Beeinträchtigungen ausge- setzt sind, besonders, wenn es um das eigene Heim geht. Wer kennt es nicht: Dissens mit den Nachbarn. Hierbei reichen die Meinungsverschiedenheiten von zu hoher Lautstärke über unterschiedlich Ansichten zu Verschmutzung bis hin zu Belästigung verschiedener Art. Sei es in Mietwohnungen, Apartments, Eigentumshäusern oder anderen Wohnumgebungen: durch alle sozialen Gefüge hindurch ist nahezu jedem der nachbar- schaftliche Streit bekannt. Uneinigkeit ist schnell hergestellt, wenn Ansichten zum Privatleben auseinanderdriften. Da wir jeweils aus eigenen Erfahrungen schöpfen konnten, hat- ten wir das Bedürfnis, eine Art »virtuellen Nachbarn« zu erschaf- fen, der auf verschiedenste Weise aufzeigt, wie man sein Umfeld belästigt und stört.
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    Das Innere des virtuellenNach- barn, bestehend aus Werkzeugen und technischen Geräten, welche Lärm, Schmutz und weitere Faktoren nachbarschaftli- cher Uneinigkeit
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    5756 Im Baumarkt kauftenwir Spanholzplatten, um einen Korpus für unseren »Nachbarn« zu erschaffen, den wir in meiner Wohnung unter Geheimhaltung bauten in welchem sich dann die folgenden Störfaktoren verbargen: Belästigung und Verschmutzung: Ein Türspion, durch welchen hindurch man einen aufgebrachten Nachbarn vor einer Wohnungstür beobachten konnte; Ein Drucker, welcher unentwegt seltsame Nachrichten druckte, die Willem vor einiger Zeit von seinem Nachbarn im Rahmen eines permanenten Nachbarschaftsstreites erhielt; Eine Nebelmaschine, die Rauch verbreitete und somit an Qualm von beispielsweise Zigaretten erinnerte; Ein Föhn, der Schmutz durch die Gegend blies. Lärm: Eine Tonspur, welche laustark Hundegebell, Geklingel, Kindergeschrei, korpulierende Menschen und dergleichen verbrei- tete. Eine in Bild, Ton und Vibration simulierte Waschmaschine. Die Umsetzung Störungen / KP / Geschlechterverhältnis im Design / Wintersemester 2011/12 / 14.11.2011 bis 18.11.2011
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    5958 Geplant war, dieseüberraschende Vorführung ähnlich einer Cho- reografie der Störungen am Freitag an der KISD zu präsentieren, doch während des Transportes unseres “virtuellen Nachbarn” am Freitagmorgen riss aufgrund des hohen Gewichtes unseres Expona- tes der Unterboden, genauer die daran befindlich Rollen ab. Außerstande, diesen weiterzubewegen entschieden wir uns dafür, die Performance live auf der Straße durchzuführen und diese fil- misch zu dokumentieren. Ironischerweise sorgten wir nun bei meinen Nachbarn für Stö- rung und Belästigung, worauf auch unterschiedliche Reaktionen folgten. Von neugierigen Blicken bis hin zu sich beschwerenden älteren Damen war so manches vertreten. Interessant war dabei zu beobachten, dass Menschen höheren Alters sich weniger dafür interessierten, sondern sofort skeptisch waren. Das Resultat Störungen / KP / Geschlechterverhältnis im Design / Wintersemester 2011/12 / 14.11.2011 bis 18.11.2011
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    6160 Social Interaction Design/ KP / Interface Design / Wintersemester 2011/12 / 07.11.2011 bis 11.11.2011 Social Interaction Design Das einwöchige Projekt „Social Interaction Design“ wurde von Makoto Hosoya, einem Gastprofessor der Nihon University in Tokyo, Japan geleitet und vor Beginn in Köln bereits in Japan mit selbigem Thema durchgeführt. Angestrebt wurde die Ausei- nandersetzung mit Gadgets (zu deutsch: raffinierte technsische Geräte). Im asiatischen Raum, beson- ders in Japan, ist der Umgang mit Smartphones, Ta- blet Computern und dergleichen seit Jahren gesell- schaftlich durch nahezu alle Altersklassen etabliert und auch in Deutschland nehmen Gadgets, allen vo- ran das Smartphone, eine wichtige (durchaus auch in wirtschaftlicher Hinsicht) Rolle ein. Doch diese Entwicklung zeigt auch eine hohe Ambivalenz auf: die soziale Interaktion, beispiels- weise im öffentlichen Raum, ist unnötig geworden. Wer im Besitz eines Smartphones ist, braucht nie- manden persönlich nach dem Weg zu fragen, um an sein Ziel zu gelangen, auch in einer unbekannten Stadt. Empfehlungen zu Cafés und Restaurants bietet Google und nicht mehr der einheimische Passant auf der Straße. Die Qualität und Zufällig- keit, die das Gespräch mit einer Person bietet, wird durch die Linearität der Kommunikation zu einem Gadget hin aufgehoben. Und hier beginnt unser Lösungsansatz: ein Gad- get, welches eben jene soziale Interaktion bedingt, oder nur dann funktioniert, wenn diese stattfindet. Am Beispiel einer Uhr haben wir verdeutlicht, wie so etwas funktionieren könnte. Gadgets, Gadgets, Gadgets
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    Sommersemester 2011Praktikum | S.64 -65 Bezirksregierung Köln | S. 66 - 69
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    6564 Praktikum bei der BMWGroupMünchen Sechs Monate bei VB-13, der damaligen Abteilung für Motorshows und Events BMW Group München / Praktikum / 09.05.2011 bis 28.10.2011 Nach einem Workshop an der Kölner International School of Design im Wintersemester 2010/2011, wurde ich von Herrn Joachim Blick- häuser, dem damaligen Leiter der Abteilung für internationale Mes- sen und Events zu einem Praktikum bei der BMW Group München in eben jener Abteilung eingeladen. Mir wurden Einblicke in die Welt der Messekonzeption und Mes- seorganisation gewährt, besonders in Bezug auf die NAIAS Detroit 2012 (North American International Auto Show), für welche Muta- bor für das Standkonzept für BMW entwickelten und Meiré Meiré den MINI Messestand konzipierten. Der Launch des neuen BMW Einsers sowie des MINI Coupés fiel ebenfalls in den Zeitraum meines Praktikums, sodass ich die selte- ne Gelegenheit hatte, am entsprechenden PBE (Product and Brand Experience, vornehmlich eine umfangreiche Händlerveranstaltung) teilzunehmen. Im weiteren Verlauf meines Praktikums gestaltete ich gemein- sam mit der Berliner Agentur KSV den MAS Band (MAS: Modulares Ausstellungs-System), eine von der Abteilung jährlich herausgege- bene, dreihundertseitige Broschüre, welche als internes Handbuch für die Planung von Messen und als Dokumentation der Arbeit der Abteilung (ehemals) VB-13 diente.
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    6766 Bezirksregierung Köln /MP / Identität und Design / Sommersemester 2011 / 05.04.2011 bis 19.05.2011 Kommunikationskonzept für die Bezirksregierung Köln Ein aufschlussreicher Ausflug in die Welt der Bürokratie In diesem mittelfristigen Projekt analysierten wir die unterschiedlichen Kommunikationskanäle der Bezirksregierung Köln und ihre Wirkung nach außen. Ergebnis dieser Bestrebungen ist ein 86seitiges Konzept- papier, welches unsere Beobachtungen und Empfehlungen zu Themen wie Corporate Identity, Printmedien, Bildsprache, Onlineauftritt und weitere Felder beinhaltet. Ein Hauptproblem der Bezirksregierung Köln ist die öffentliche Wahrnehmung. Sie versteht sich selbst als Bündelungsbehörde, in welcher Kompetenzen zu unterschiedlichsten Themen von Schulthe- matiken oder Naturschutz bis hin zu Giftmüllentsorgung und der Bereitstellung geologischer Spezialsoftware vertreten sind, aber auch als Exekutive – denn schließlich ist es auch die Bezirksregierung Köln, welche Strafzettel verteilt und Bußgeld fordert. Im Alltag ihrer Bürger steht der letztere Aspekt im Vordergrund und selten sind sich die in der Bezirksregierung Köln (als Arbeitstitel liebe- voll „BezReg“ genannt) wohnenden Menschen dem Leistungsangebot der Institution bewusst. Leider haben wir bis heute keine Informationen erhalten, inwiefern unsere Vorschläge diskutiert oder gar umgesetzt wurden - vielleicht genau die Reaktion, die man von einer Behörde erwartet.
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    7 Die Aufgaben derBezirksregierung Köln sind vielfältig und berühren beinahe jede Lebenssituation und Fragestellung der über vier Millionen Bürgerinnen und Bürger, die im Verantwortungsbereich der Bezirksregierung Köln leben, seien sie nun direkt oder indirekt betroffen. Mehr als eineinhalb Tausend Menschen arbeiten in der Behörde, die eine enorme Sachkompetenz bündelt und damit auch äußerst spezifische Fragestellungen zuverlässig bewältigen kann. Das setzt einen entsprechend hohen kommunikativen Aufwand voraus, der letztlich in der Herstellung von Rechtssicherheit für alle Betroffenen mündet und die Übernahme von Verantwortung bedeutet. Diese Aufgabenvielfalt, Kompetenz und insbesondere die vielfältige Kommunikation sind schwerlich in ihrer Tiefe und Breite zu durchdringen und zu fassen. Im Bewusstsein dieser Komplexität versteht sich vorliegendes Arbeitspapier als ein Beitrag, die Bezirksregierung Köln in ihrer Bestrebung nach mehr Sichtbarkeit und Positionierung zu unterstützen. Die Ausarbei- tung gliedert sich in grundlegende Erwägungen, in erste Beobachtungen und Analysen und mündet in Empfehlungen, die Gegenstand weiterer Erörte- rungen sein könnten. Eine Zusammenfassung dieser Empfehlungen findet sich auf Seite 81. 1. Vorbemerkungen Vorbemerkungen Erste Betrachtungen und Analysen zur Kommunikation der Bezirksregierung Köln Arbeitspapier Stand 26. Mai 2011 Kooperationsprojekt Bezirksregierung Köln – Köln International School of Design 17 nehmende Anforderung. Hierin liegen die kommunikativen Herausforde- rungen, aber auch die politischen Chancen, welche die Bezirksregierung Köln nicht nur als reine Exekutive, sondern als kompetente Partnerin im Prozess der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit wahrnehmbar machen könnten. Ein ganz wesentlicher Schlüssel zum Verständnis von Kommunikations- prozessen ist letztlich die Sprache. Der Umgang mit und die Reflexion über Sprache ist für eine bewusste und zielgerichtete Kommunikation unerläss- lich. Erst sprachlich gefasste Kriterien ermöglichen eine Plausibilisierung einzelner Entscheidungen und eine nachvollziehbare Auseinandersetzung: Die Sache wird diskutierbar. Abb.: Die Behörde als System Dargestellt ist die Behörde als Mittelbehörde (vertikal). Um ihre behördlichen Operationen in den Kommunikationen mit der Umwelt plausibel zu machen, muss sie »aus sich heraustreten« (horizontal). In den jeweiligen Kommunikationsfeldern tritt sie in Kontakt mit ihren Umweltsystemen und bedient sich dabei verschiedener Kanäle. Kommunale Ebene Landesebene Umweltsysteme System Behörde Die Bezirksregierung Köln als Kommunikationen 32 Das Logo der Bezirksregierung Auch wenn in den »Leitlinien zum Regierungspräsident-Köln-Design« vom neuen »Behördenlogo« gesprochen wurde, muss an dieser Stelle hervorge- hoben werden, dass es sich bei der Kombination aus abstrahierter Rheinland- schaft und Textbalken gerade nicht um das »Behördenlogo« handelt. Dies existiert bereits, den Leitlinien des Nordrhein-Westfalen-Designs entsprechend, in der Kombination aus hoheitlichem Landeswappen und dem links vorangestellten Schriftzug »Bezirksregierung Köln«. Dieses offizielle Behördenlogo bedeutet die Zugehörigkeit des Trägers zur Exekutive des Landes Nordrhein-Westfalen und symbolisiert dessen Hoheitsgewalt. Die Kombination aus abstrahierter Rheinlandschaft und Textbalken soll der Bezirksregierung zwar zu einem unverwechselbaren eigenen Erschei- nungsbild verhelfen, jedoch ist es dem Erscheinungsbild des Landes Nordrhein-Westfalen untergeordnet. Die Positionierung Bei Durchsicht vorhandener Faltblätter wird deutlich, dass der heterogene Einsatz der Grafikelemente nicht nur ein inkonsistentes Erscheinungsbild zur Folge hat, sondern auch die Informationshierarchie beeinflusst. Auf den Faltblättern wird das Keyvisual als Hintergrund verwendet, auf welchen mitunter Bilder positioniert werden. Im unteren Drittel wird es durch Weißraum beschnitten, der Textbalken liegt oberhalb dieser weißen Kante und schließt bündig mit den Seiten des Faltblattes ab. Dadurch entsteht folgender Effekt: Optisch wird der Textbalken zu einer Zeile, der Schriftzug »Die Regierungspräsidentin« wird zur Überschrift und die eigentlichen Überschriften, die im Weißraum liegen, werden durch diese grafische Hierar- chie zu Unterüberschriften. Die Funktion, die dieser Textbalken vermutlich erfüllen sollte, nämlich die einer Signatur, kann aufgrund der undefinierten Positionierung nicht erfüllt werden. Sie scheint je nach Medium zu wechseln oder variiert sogar innerhalb einer Publikationsform, beispielsweise auf den Vorderseiten der Faltblätter. Durch mangelnde Stringenz verliert der Textbalken sein Potenzial als abschließende Signatur, die neben einer gliedernden Funktion auch auf die Absenderin – Die Regierungspräsidentin – verweist: Es scheint, als würde versucht, die inkonsequente Positionierung durch den um so konsequen- teren Einsatz auf fast allen Printmedien auszugleichen. Dies führt mitunter zu Anwendungen, die bei genauer Betrachtung verwirrend anmuten können. Bezirksregierung KölnAbb. rechts: Das Logo der Bezirksregierung Köln. Analyse: Das Corporate Design im Einsatz 16 Im Behördenleitbild heißt es dazu: »Aufgabe [sei es], gute Arbeitsergebnisse zu erzielen. Das erreichen wir durch […] den Austausch von Informationen nach unten, nach oben und quer […] [und durch] transparentes Handeln.« Im »Außenverhältnis« erreiche die Behörde ihre Ziele unter anderem indem sie ihr »Handeln durch eine abgestimmte Darstellung in der Öffentlichkeit« begleitet. Im »Innenverhältnis« ist noch von »transparent[em] Handeln« die Rede, wohingegen im »Außenverhältnis« eine Begleitung des Handelns »durch eine abgestimmte Darstellung in der Öffentlichkeit« als geeigneter Weg gesehen wird. Dies deutet darauf hin, dass behördliche Operationen nicht einfach unvermittelt gegenüber der Umwelt kommunizierbar sind, sondern einer Übersetzung bedürfen. Was sind nun Merkmale einer derart handlungsbegleitenden und zu übersetzenden Kommunikation? Eindeutigkeit ist sicherlich Voraussetzung, um verstanden zu werden. Eindeutigkeit ist allerdings auch vom Kontext abhängig, in dem Kommunikation stattfindet. So mag der Inhalt einer Mitteilung innerhalb der Behörde eine bestimmte Bedeutung haben, in der Mitteilung an die Umwelt kann die formal identische Mitteilung aber anders verstanden werden. Bedeutungen sind nicht durch eindeutige Zuordnungen von Inhalten gegeben, sondern werden im Gebrauch dem jeweiligen Kontext zugewiesen. Kontext heißt hier Umfeld und Struktur, in welcher die Mitteilung eingebettet ist. Beispielsweise kann eine sprachlich gefasste Information im Gespräch, in gedruckter Form oder als digitaler Text im Internetauftritt verortet sein. Ein einfaches Bildelement kann einerseits innerhalb einer Struktur als Erläute- rung fungieren und andererseits durch seine Wiederholung Zusammenhänge nahelegen, die der Orientierung dienen können. Jenseits des Kontextes, in welche Informationen notwendigerweise einge- bettet sind, kommt der empfangenden Seite eine entscheidende Rolle zu. Von dort fließt immer schon ein Vorverständnis und eine Erwartungshaltung in die Kommunikation mit ein, welche die Bedeutung der Information mitbe- stimmt. Kommunikation, auch jene der Bezirksregierung Köln, ist also immer auch eine kontextabhängige, von Erwartungshaltungen und Vorverständ- nissen bestimmte soziale Interaktion. Hier sehen wir schon, dass Kommunikation wesentlich auch jenseits der Sachebene geschieht. Die einschlägigen Kommunikationsmodelle (beispiels- weise von Paul Watzlawick, Karl Bühler und Friedemann Schulz von Thun) legen nahe, dass auch der Beziehungs-, der Selbstoffenbarungs- und der Appellebene entscheidende Bedeutung zukommt. Diese in der Kommuni- kation zu berücksichtigen, setzt allerdings ein hohes Maß an Empathie- und Antizipationsvermögen voraus, welches zwar dem Behördenleitbild der Bezirksregierung Köln implizit ist, aber in behördlichen Kommunikationen eher selten operationalisiert zu sein scheint. Demnach ist bewusste Kommunikation, die nicht nur die Sach- und Apellebenen, sondern die ebenso relevanten Beziehungs-, und Selbstof- fenbarungsebenen berücksichtigt, für die Bezirksregierung Köln keines- wegs Werbeklamauk oder überflüssige Verpackung, sondern eine ernst zu Die Bezirksregierung Köln als Kommunikationen 30 Das Keyvisual setzt sich aus Farbflächen zusammen und wird in nahezu allen Medien auf die eine oder andere Art eingesetzt. Bestimmend hierbei sind drei ovale, sich überschneidende grüne Flächen, die durch ein blaues, wellenförmiges Farbfeld von links oben nach rechts unten geteilt werden. Die Flächen ergeben durch die Transparenz der einzelnen Elemente und Überschneidungen weitere Grün- und Blautöne sowie weiße Abb. rechts: Das Keyvisual der Bezirksregierung Köln. Flächen rechts und links des blauen Bands. Das sogenannte »Farbspiel« besteht aus acht unterschiedlichen Grün- und Blauschattierungen. In einem Anschreiben des ehemaligen Regierungspräsidenten Hans Peter Lindlar zur Einführung des neuen Erscheinungsbildes vom 18.12.2007 heißt es: »Die bestimmenden Elemente sind unser neues Logo und unsere neue ›Hausfarbe‹. Das grüne Farbspiel verdeutlicht die vielfältige, schöne Landschaft unseres Regierungsbezirks, die vom blauen Rhein durchflossen wird. Der graue Balken ist die Brücke, die den Raum über den Fluss hinweg verbindet und uns zugleich mit dem stilisierten Dom klar als Kölner Behörde ausweist.« In den Vorgesprächen zu dieser Analyse wurde betont, dass die zurück- haltenden Farben bewusst gewählt wurden, um nicht autoritär zu wirken. Auch sollte eine zu große Nähe zu den Landesfarben sowie den Farben der Kommunen vermieden werden, um ein unverwechselbares Erscheinungsbild zu schaffen. Beobachtungen: Corporate Design 9 1.1.1 Projektziele Ziel des Kooperationsprojektes zwischen der Bezirksregierung Köln und der Projektgruppe der Köln International School of Design ist es, die Außenkommunikation der Bezirksregierung Köln zu analysieren und in ersten Empfehlungen Optimierungspotenziale aufzuzeigen. Hierbei gilt es, die behördliche Kommunikation daraufhin zu untersuchen, ob und inwieweit die Behörde nicht nur als Exekutive, als Bündelungs- und Mittelbehörde entschei- dend und weisend, sondern auch als kompetente Partnerin in Problemlö- sungs- und Entscheidungsprozessen gegenüber den betroffenen Umwelt- systemen darstellbar ist, beziehungsweise wie die bisherigen behördlichen Anstrengungen hierzu weiter vorangetrieben werden können. Thematische Schwerpunkte dieser ersten Betrachtungen und Analysen sind das aktuell angewandte Corporate Design, die Sprach-, Bild-, Print- und Onlinekommunikation sowie die Inszenierung und Kennzeichnung der Dienst- gebäude. 1.1.2 Voraussetzungen und Verlauf Das Projekt wurde seitens der Bezirksregierung Köln durch Herrn Oliver Moritz und seitens der Köln International School of Design durch die Professoren Andreas Wrede und Phillipp Heidkamp betreut. Bearbeitetet wurde das Projekt von fünf Studierenden der Köln International School of Design: Colin Joy, Andreas Johannes Katona, Anke Riemer, Vitus Schuhwerk und Tim Zähres. Die Projektlaufzeit betrug sieben Wochen, vom 5. April bis 26. Mai 2011. Nach ersten Gesprächen, allgemeiner Grundlagenermittlung und Recher- chen im Vorfeld wurden unterschiedliche Workshops und Interviews durchge- Projektziele / Voraussetzungen und Verlauf 19 Abb. rechts: Das Modell der Corporate Identity nach K. Birkigt/M. Stadler/H. J. Funck, Corporate Identity, 2000, 11. Aufl. Corporate Behaviour Corporat e Communication CorporateDes ign Corporate Identity Corporate Design Der Begriff Erscheinungsbild (Corporate Design), wird oftmals fälschlicher- weise im Sinne des Begriffs Corporate Identity verwendet. Dabei ist das Corporate Design nur eine Facette einer körperschaftlichen Identität. Unter Corporate Design versteht man den visuellen Auftritt eines Unternehmens, von dem Logo über die Schrift, Farbgebung und Werbung bis hin zur Archi- tektur. Corporate Communication Unter dem Begriff der Corporate Communication wird die »verbalvisuelle […] Botschaftsübermittlung« (Birkigt/Stadler/Funck 2000; S. 19) verstanden. Während generell auch die visuelle Gestaltung und das Verhalten als Bereiche der Kommunikation angesehen werden, wird der Bereich der Sprache in diesem Modell noch einmal isoliert betrachtet. Corporate Communication umfasst Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, aber auch interne und externe Sprachregelungen. Corporate Behaviour Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Corporate Identity ist das Verhalten, das Corporate Behaviour. Auch wenn Aussehen und Sprache konsistent auf das Selbstbild abgestimmt sind, so bestimmt doch auch das Verhalten einer Körperschaft – vermittelt durch ihre Organe – wie sie von außen wahrge- nommen wird. Das Handeln und Verhalten muss also den visuell wie auch sprachlich vermittelten Werten einer Corporate Identity entsprechen. Corporate Image Das Corporate Image oder auch Fremdbild ist eine Vorstellung, welche Außenstehende von einer Körperschaft aufgrund ihrer Erscheinung, ihrer Artikulation und ihrem Verhalten entwickeln können. Wenn man unter dem Begriff Corporate Image also versteht, auf welche Art und Weise eine Körper- schaft wahrgenommen werden kann, so ist es sehr leicht nachvollziehbar, dass ein Erscheinungsbild/ein Corporate Design alleine nicht ausreichen wird, Die Bezirksregierung Köln zwischen Selbstbild und Fremdbild Abb. oben: Das Faltblatt der Abteilung 7 im Vergleich zum Faltblatt der Abteilung 5. Abb. unten: Die Visitenkarte des Pressesprechers der Bezirksregierung Köln, Vorder- und Rückseite. 13 1.2.1 Die Bezirksregierung Köln als System Die Bezirksregierung Köln steht als Behörde zwischen Landesregierung und Kommunalbehörden. Sie versteht sich »als Bündelungs- und Mittelbehörde« (s. Behördenleitbild der Bezirksregierung Köln). Durch »Aufsicht, Beratung und Entscheidung« ist die Behörde »für die Bevölkerung tätig«. Die Bezirksregierung Köln kann, trotz ihrer vielfältigen Arbeitsbereiche und Aufgabentiefen, als ein System verstanden werden, welches sich durch wesentliche Operationen wie beispielsweise Aufsicht, Beratung und Entschei- dung konstituiert. Hierzu Niklas Luhmann: »[…] Eine Verwaltung soll hier verstanden werden als ein soziales System organisierten Handelns. Verglichen mit andersartigen Organisationen, z.B. Produktionsbetrieben, Schulen, Banken, liegt ihre Besonderheit darin, dass sie Entscheidungen herstellt, die den Empfänger binden, d.h. von ihm in seiner Situation als Prämisse eigenen Entscheidens und Handelns übernommen werden müssen.« »[…] Fast allen Organisationen ist heute in Spuren, in Einzelrollen, in mehr oder weniger ausdifferenzierten Teilsystemen eine Verwaltungstätigkeit beigemischt; sie bindet die jeweiligen Mitglieder der Organisation. Legitima- tion für bindende Entscheidung gegenüber jedermann hat nur die ›öffent- liche Verwaltung‹: die Verwaltung des politischen Systems der Gesellschaft. Sie ist, unter dem hier gewählten Begriff, Verwaltung par excellence – in jedem Fall das größte und folgenreichste, das wir kennen. […] Systeme – und darunter soziale Systeme und darunter Verwaltungen – können betrachtet werden als Einheiten, die sich in einer übermäßig komplexen Umwelt identifizieren durch Erhaltung einer ausgewählten Ordnung von gerin- gerer Komplexität. Diese ausgewählte Ordnung kann auch als höherwertig bezeichnet werden – aber nicht einfach deshalb weil sie geringere Entropie hat, sondern wenn und soweit sie eine komplexere Welt dem begrenzten Die Bezirksregierung Köln als System 20 um das Image nachhaltig zu verbessern. Eine ganzheitliche Corporate Identity und ein entsprechendes Image können nur mittels aller CI-Instrumente, also Erscheinung (CD), Artikulation (CC) und Verhalten (CB), positiv beeinflusst werden. Ein falsches Verständnis von Corporate Identity, eine Reduktion auf eine rein visuelle Attributierung, führt nur zu Uniformität, zu Zwang und möglicher- weise zu Subversion. Identität und Identifikation kann aber letztlich nur dort entstehen, wo der Zwang zur Identifikation, zu Identität, endet. Hiermit sei Grenze und Herausforderung körperschaftlicher Identität, auch jener der Bezirksregierung Köln, angedeutet. Abb.: Corporate Identity und Corporate Image Das Modell der Corporate Identity erklärt das Image als eine Art Schattenwurf des Selbstbildes. Die inneren Werte werden nicht im Einzelnen sichtbar, es ist das Gesamtbild, das zählt. Nach K. Birkigt/M. Stadler/H. J. Funck, Corporate Identity, 2000, 11. Aufl. Corporate ImageCorporate Behaviour Corporat e Communication CorporateDes ign Corporate Identity Die Bezirksregierung Köln zwischen Selbstbild und Fremdbild 35 Abb.: Presseinformation zu einer Veranstaltung, in deren Rahmen » […] Fernseheffekte vorgeführt« wurden. Bezirksregierung Köln Köln, 11.01.2011Köln, 11.01.2011Köln, 11.01.2011 Seite 1Seite 1Seite 1 PressestellePressestellePressestelle presse@brk.nrw.depresse@brk.nrw.depresse@brk.nrw.de Telefon: (0221) 147 – 2163Telefon: (0221) 147 – 2163Telefon: (0221) 147 – 2163 – 2164– 2164– 2164 – 2170– 2170– 2170 Fax: (0221) 147 – 3399Fax: (0221) 147 – 3399Fax: (0221) 147 – 3399 Zeughausstraße 2-10,Zeughausstraße 2-10,Zeughausstraße 2-10, 50667 Köln50667 Köln50667 Köln www.bezregwww.bezregwww.bezreg-koeln.nrw.de-koeln.nrw.de-koeln.nrw.de Presseinformation 004/2011 Schall und Rauch bei der Bezirksregierung Köln Im Rahmen einer Veranstaltung zur Information der Ordnungsbehörden des Regierungsbezirks Köln wurden am 10. und 11.01.2011 zu Schu- lungszwecken pyrotechnische Effekte abgebrannt. Hierbei wurde kontrolliert ein kleines Reihenfeuerwerk gezündet, Schwarzpulver abgebrannt und pyrotechnische Theater-, Film- und Fernseheffekte vorgeführt. Es kam bei dem durch das zuständige Ordnungsamt genehmigte Feu- erwerk in der Zeit von 12:30 Uhr bis 13:30 Uhr kurzfristig zu Knall- und Rauchentwicklungen, wie sie vergleichbar mit einem privaten Silvester- feuerwerk vorkommen. Die Anlieger der Stammdienststelle der Bezirksregierung Köln (Private und Firmen) wurden vorab schriftlich informiert und um Verständnis ge- beten. Wir hoffen auch bei den drei noch folgenden Terminen (17., 18. und 19.01.2011) auf ihr Verständnis!
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    60 2.3 Kommunikationskanäle/Medien Kommunikationkanäle/Medien 70 wahrscheinlich große Industriebetriebeansprechen soll, sowie das für Lehrkräfte angebotene Faltblatt »Eine Fortbildung für Kollegien am Berufs- kolleg«. Teilweise wird, wie im Fall der Publikation »Wissenswertes zur Ladungssicherung« mit der Unterüberschrift »Für Verlader und Fahrper- sonal« die angesprochene Zielgruppe konkret genannt. Printkommunikation mittels Formularen Für fünf Abteilungen werden auf dem Internetauftritt unter dem Navigations- punkt Service diverse Formulare und Anträge zum Herunterladen angeboten. Eine konkrete Zielgruppenansprache gibt es hier – wie auch bei den meisten Faltblättern – nicht. Zum einen findet man Formulare zur Aus- und Fortbil- dung für Pädagoginnen und Pädagogen oder zur Approbationserteilung von Ärztinnen und Ärzten, zum anderen findet man die »Genehmigung zur Einrichtung eines Internationalen Linienverkehrs« für Busunternehmen. Abteilung 1 bietet im Gegensatz zu den anderen gelisteten Abteilungen, keinerlei Formulare an; hier findet sich eine leere Seite ohne die in dieser Rubrik zu erwartenden Formulare. Gleiches gilt für einzelne Dezernate der Abteilungen 2, 3 und 4. Printkommunikation mittels Bekanntmachungen Unter dem Navigationspunkt Presse findet man auf dem Internetauftritt alle Pressemeldungen der letzten fünf Jahre als druckbare Dokumente in einem Archiv. Stellen- und Ausbildungsangebote sowie das Amtsblatt befinden sich unter dem Navigationspunkt Service. Die Pressemeldungen stehen auf dem Briefbogen der Bezirksregierung Köln, der die Anschrift der Pressestelle, das Behördenlogo und das Keyvisual Beschreibung der Printkommunikation 56 2.2.3.1 Beobachtungen: Bildkommunikation In der Kommunikation der Bezirksregierung Köln treten Bilder an verschie- denen Stellen und in unterschiedlichem Umfang auf. Neben dem eher sparsam bebilderten Internetauftritt, in dem kaum illustrative Abbildungen zu finden sind, die den Textinhalt auflockern, lässt sich die Verwendung von Bildmaterial vor allem an den Faltblättern untersuchen. Auf den Titelseiten der Faltblättern sollen Abbildungen unterstützend und verdeutlichend wirken. Hier lässt sich noch am ehesten eine Konsistenz in Größe und Platzierung feststellen. Die Abbildungen werden in der Regel an den rechten Seitenrand gesetzt und mit einem, in der ursprünglichen Gestal- tungsdirektive des »RP Design« und im Nordrhein-Westfalen-Design nicht vorgesehenen, Transparenzverlauf zur Seitenmitte hin versehen. Im Innenteil der Faltblätter finden sich teilweise Abbildungen, die auch eine inhaltliche Funktion übernehmen, also klare Aussagen treffen, zum Beispiel über den korrekten Umgang mit Gefahrgut ( A: richtig, B: falsch ). Dazu zählen Informationsgrafiken und die Darstellung von Gegenständen, auf die im Textteil Bezug genommen wird. Eine andere Form der Bildnutzung liegt im Einsatz als Lückenfüller: Hier werden atmosphärische Abbildungen ohne konkrete Aussage und inhaltlichen Mehrwert platziert. Die Platzierung selbst scheint im Innenteil keiner feststehenden Systematik zu folgen. Gleiches gilt für die Anzahl, Auswahl und Qualität der Abbildungen. 2.2.3.2 Analyse: Bildkommunikation Ein bewusster Umgang mit dem Thema Bildsprache ist derzeit nicht ersicht- lich. Bei Auswahl, Qualität und Einsatz von Bildern lässt sich eine große Heterogenität bis hin zum unbestimmten, beliebig anmutenden Einsatz von Bildern beobachten. Dies ist insofern keine Überraschung, als dass die Bildsprache ein zu Unrecht häufig vernachlässigter Aspekt der Kommunikation ist. Dabei gehören fotografische Abbildungen – neben der Sprache – zu den aussage- kräftigsten Grundelementen eines Corporate Design. Fotografien sprechen emotional an und können das Selbstverständnis der Bezirksregierung Köln auf einer nonverbalen Kommunikationsebene zum Ausdruck bringen. Dies gilt gleichermaßen für die Art der Anwendung von Bildern in der Kommunika- tion, also für Einsatzrahmen, Platzierung und Umfang derselben. Positive Ansätze, die einen bewussten Umgang mit Bildmaterial aufzeigen, lassen sich in der Darstellung der Dienststellen auf dem Internetauftritt der Bezirksregierung Köln finden. So wie hier darauf geachtet wurde, dass die Bilder hinsichtlich des Wetters selektiert wurden – alle Fotografien zeigen die Gebäude unter blauem Himmel – kann dies auch auf andere Anwen- Beobachtungen: Bildkommunikation / Analyse: Bildkommunikation Abb.: Nicht alle Bilder transportieren eine klare inhaltliche Aussage. Die untere Abbildung aus dem Faltblatt »Schwangerschaft und Arbeit« wirft die Frage auf, inwiefern hier die Inhaltsebene unterstützt wird. 69 2.3.2 Printkommunikation Neben den Onlineinhalten kommuniziert die Bezirksregierung Köln auch über ein breites Angebot an Printprodukten. 2.3.2.1 Betrachtung der Printkommunikation Der Begriff Printkommunikation impliziert nicht, dass die Dokumente auch wirklich in gedruckter Form vorliegen müssen. Er schließt vielmehr auch die für den Druck vorgesehenen Dokumente mit ein, die beispielsweise als Download bereitgestellt werden. Exemplarisch sollen hier drei unterschied- liche Elemente der Printkommunikation näher betrachtet werden. Faltblätter Ein Teil des in gedruckter Form vorliegenden, öffentlichen Informationsma- terials der Bezirksregierung Köln besteht in den mehr als 40 Faltblättern. Mit diesen wird versucht, unterschiedliche Adressaten – von Privatleuten, über Selbstständige bis hin zur Großindustrie – zu erreichen. Bei genauer Betrachtung lässt sich unter den Faltblättern eine Hierarchie mit drei Ebenen erkennen: Auf der obersten Ebene steht das Behördenfalt- blatt. Es existiert in genau einer Ausführung und beschreibt die Bezirks- regierung Köln. Es folgen die Abteilungsfaltblätter, welche die Aufgaben und Bereiche der Abteilungen sowie deren Dezernate darstellen. Darunter angesiedelt sind die Themenfaltblätter, welche über spezifische Sachthemen informieren und von einem oder mehreren Dezernaten verfasst und heraus- gegeben werden. Als Beispiele wären zu nennen: das Faltblatt »Landkarten verstehen und richtig nutzen« der GEObasis.nrw, das vermutlich auf den Privatanwender zielt. Das Faltblatt »Region schützen. Emissionen verringern.«, welches Printkommunikation / Beschreibung der Printkommunikation 43 2.2.2.1 Beobachtung: Sprache in der Behörde Das Thema Sprache lässt sich exemplarisch am Internetauftritt der Bezirksregierung Köln untersuchen. Hier finden sich tausende Dokumente, welche sich in Art, Umfang und Informationsaufbereitung unterscheiden. Man findet die Pressemitteilungen, verschiedenste Formulare, die Hausord- nung, Amtsblätter und Informationen zu den Abteilungen sowie zu sachspe- zifischen Themen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Faltblättern und anderen Druckerzeugnissen, die sich der Sprache bedienen und anhand derer hier die behördliche Sprache in einen ersten Augenschein genommen wurde. Exemplarisch wurden nur einige Beobachtungen zu den Bereichen Rechtschreibung, Zeichensetzung, sowie den Umgang mit Daten und Abkür- zungen zusammengetragen, die für weitere Analysen hilfreich sein könnten: Rechtschreibung und Zeichensetzung Bei einer Informationsmenge, wie sie die Bezirksregierung Köln verarbeitet, ist es nicht verwunderlich, dass sich Rechtschreib- und Zeichensetzungs- fehler finden lassen. Da viele Dokumente archiviert werden (müssen), finden sich Texte, die in der alten Rechtschreibung verfasst sind. Die überwiegende Mehrheit der Rechtschreibfehler sind sogenannte Tippfehler, die sich beim Maschineschreiben leicht einstellen können. Die folgenden Beispiele sind als Anstoß für weitergehende Betrachtung zu verstehen, die weit mehr über die Kommunikation der Behörde aussagen, als es auf den ersten Blick scheinen mag, wie schon in der Einführung unter Sprache angeklungen ist und in der folgenden Analyse deutlich wird: Bei den Druckerzeugnissen wird überwiegend die Schreibweise »eMail« der empfohlenen Schreibweise »E-Mail« vorgezogen. Dies könnte zunächst vermuten lassen, dass es eine behördeninterne Vereinbarung über die Schreibweise gibt. Im Internetauftritt wird dagegen »E-Mail« verwendet. In den Abteilungsfaltblättern, die im Internetaufritt einsehbar sind, wird mit Ausnahme des Blattes von Abteilung 5 die E-Mail-Adresse nicht zusätzlich als solche gekennzeichnet, sondern nur genannt, also »poststelle@brk.nrw.de«. Beobachtung: Sprache in der Behörde Gelingende Kommunikation zeichnet sich durch auf allen Ebenen widerspruchsfreie Signale aus. Jede Nachricht, welche die Behörde an eine Person oder ein anderes System sendet, stößt immer auf alle vier Ohren, auch wenn beim Senden nur eine der Ebenen angesprochen werden sollte. So geschehen in der Kommunikation der Bezirks- regierung immer »Selbstoffenbarung« und immer »Beziehung«. Das Arbeitshandbuch »Bürgernahe Verwaltungs- sprache« (2002) der Bundesstelle für Büroorganisa- tion und Bürotechnik, das Sprachempfehlungen für Verwaltungen zusammenfasst, macht insbesondere den Aspekt der Selbstoffenbarung anschaulich: »Sprache ist Ausdruck des Denkens!« und »Das Schreiben einer Behörde wirkt wie eine Visitenkarte der öffentlichen Verwaltung«. 42 Sender Empfänger Sachebene BeziehungSelbstoffenbarung Apell Nachricht Vier-Seiten-Modell der Kommunikation Folgen wir dem Vier-Seiten-Modell des Psychologen Friedemann Schulz von Thun, lassen sich vier Ebenen ausmachen: die schon erwähnte »Sachebene«, die Ebene der »Selbstoffenbarung«, die »Beziehungsebene« und jene, auf welcher der »Sender« dem »Empfänger« eine Handlungsaufforderung vermittelt, die »Apellebene«. Dieses, auch Vier-Ohren-Modell genannte Modell, beschreibt die Kommunikation zwischen Menschen; wir können es jedoch auch zur Analyse bei der Betrach- tung der Kommunikation der Bezirksregierung Köln als Körperschaft mit Gesicht und Kommunikationspartnerin heranziehen. Sachebene Teilt die Behörde der Umwelt eine »Nachricht« mit, so übermittelt sie auf der »Sachebene« Sachverhalte wie beispielsweise die Zuständigkeitsbereiche einzelner Dezernate, Angaben über Geschehnisse oder Telefon- nummern. Selbstoffenbarung In jeder Mitteilung geschieht aber auch »Selbstoffenba- rung«. Der Sender, hier also die Behörde, teilt immer auch etwas über sich selbst mit, offenbart also sich selbst gegenüber dem Empfänger. Wenn dies auch unbewusst geschieht, so wird – im Modell gesprochen – das »Selbstoffenbarungsohr« des Empfängers immer auf die Sprecherin rückschließen, in unserem Fall: sich ein Bild von der Behörde machen. Wie bereits zuvor festgestellt, kommt sprachlichen Zeichen im Gebrauch ihre Bedeutung zu. Folglich sind Kontext und Form immer als bedeutungsentscheidende Größe zu verstehen. Beziehungsebene Dieser Sachverhalt spiegelt sich im Modell durch die Beschreibung der »Beziehungsebene« wider. Auf dieser Ebene kommt, willentlich oder unwillentlich, die Bezie- hung zwischen der Behörde und ihrem Gegenüber zum Ausdruck, ihre Haltung. Auf dieser Ebene wird erkennbar, ob und in welcher Form die Beziehung beispielsweise von Achtung und Anerkennung oder Mangel an Anteilnahme bestimmt ist. Hier zeigt sich – auf die Behörde bezogen – wie hoch die Bereitschaft und Kompetenz ist, sich wirklich auf die Bürgerinnen und Bürger einzulassen. Im Behördenleitbild soll in verschiedenen Formu- lierungen der Wille der Beschäftigten zum Ausdruck gebracht werden, den Bürgerinnen und Bürgern anerken- nend gegenüberzutreten: Sie wollen »die individuellen Anliegen [ihrer] Ansprechpartner/innen ernst nehmen und ihnen gerecht werden, […] Vertrauen und Akzeptanz stärken, […] hilfsbereit, aufrichtig und höflich […] « sein. (s. Behördenleitbild) Apellebene Auf einer vierten Ebene, der »Apellebene«, werden Signale gesendet, die in die Handlung des Gegenübers eingreifen. Hier geschieht Bitten, Auffordern und Befehlen, etwas zu tun oder zu lassen. Sprache 64 Nutzer kann durch Überprüfung der Anliegen und Bedürfnisse verbessert werden. Das Potenzial, das in Ausbau von Reichweite und Interaktionsmög- lichkeiten der Onlinekommunikation liegt, kann stärker genutzt werden. Form und Aktualität der Inhalte stärker gewichten So wie ein Schreibtisch, auf dem sich alte Akten und Schmierzettel auftürmen, ein Bild beim Betrachter vermittelt, kann auch eine mangelnde Sorgfalt bei den Inhalten der Onlinepräsenz negativ auf die Nutzer und Nutzerinnen wirken. Der negative Eindruck, der durch nicht aktualisierte oder stark veraltete Bereiche und Angebote entsteht, lässt sich durch einfaches Entfernen oder Ausblenden der betreffenden Links vermeiden. Dies wäre unter anderem für die ungenutzten RSS-Feeds eine sinnvolle Option. Die mobile Version des Internetauftritts sollte inhaltlich neu gefasst werden. Hier ist die Frage zu stellen, in welchem Kontext dieses Angebot genutzt wird und welche Informationen für die Benutzer und Benutzerinnen in diesem Kontext von Relevanz sind. Eine vollständige Übertragung der regulären Seiteninhalte in eine für mobile Lesegeräte optimierte Fassung ist daher nicht zielführend und würde vermutlich den leistbaren Arbeitsaufwand, auch in Bezug auf die zukünftige Pflege, übersteigen. Wichtiger sind die Punkte »Lokalisierung der Bezirksregierung Köln«, »Kontaktmöglichkeiten« und gegebenenfalls aktuellste Informationen, die aus der regulären Version aggregiert, also automatisch zusammengeführt werden können, um zusätzli- chen Arbeitsaufwand zu vermeiden. Für die einzelnen Bereiche des Internetauftritts sollte gelten, dass Umfang, Form und Inhalt in Hinblick auf die Außensicht zu gestalten sind. Grundsätz- lich ist zu beobachten, dass der zu leistende Aufwand für redaktionelle Pflege und Aktualisierung des Internetauftritts mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen bei der aktuellen Form des Internetauftritts quantitativ nur schwer zu bewerkstelligen ist. Das bei der qualitativen Aufbereitung der Inhalte in diesem Kontext nicht die gebotene Sorgfalt eingebracht werden kann, liegt auf der Hand. Für eine zukünftige Ausrichtung des Internetauf- tritts empfiehlt sich daher eine Analyse der Inhalte hinsichtlich von Nutzung, Nutzen und Notwendigkeit. Verschlankung des Informationsangebotes und Nutzungsevaluation Ziel der Überarbeitung sollte primär eine Verschlankung des Angebots sein, ohne dass wesentliche Inhalte dem Rotstift zum Opfer fallen. Um diese Anpassungen an Struktur und inhaltlicher Ausgestaltung sinnvoll durch- führen zu können, wird eine vorausgehende Evaluation notwendig sein. Wichtig ist dabei, dass diese Analyse sich nicht auf quantitative Erhebungen beschränkt. Die bereits umfassend erfolgende quantitative Auswertung der Nutzungsstatistiken kann jedoch sinnvoll eingebunden werden, um poten- zielle Bereiche für eine tiefergehende, qualitative Evaluation zu identifizieren. Konkret ließe sich so beispielsweise eine Aussage über Umfang und Häufig- keit der Nutzung für einzelne Themenbereiche und Segmente des Internet- auftritts machen und in einem zweiten Schritt qualitativ evaluieren worin die Ursachen für eventuell abweichende Ergebnisse begründet sind. Letzteres Empfehlungen zum Umgang mit Onlinemedien 76 Auf den topografischen Karten der Plattform tim-online.nrw.de kommen unter anderem die Bezeichnungen »Verwaltung« und »Museum« vor, auf der Liegenschaftskarte hingegen lediglich die Bezeichnung »Regierung«. Auf dem Cityplan Köln von Falk lautet die Bezeichnung ebenfalls kurz »Regierung«, auf wieder anderen Karten »Regierungspräsidium«. Die an den Haltestellen der Kölner Verkehrsbetriebe angebrachten Karten nennen den Gebäudekomplex »Reg.-Präs«, auf dem Umgebungs- plan findet sich die Bezeichnung »Bezirksregierung« und wer einen Blick auf den Haltestellenlageplan des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg wirft, liest »RP Bezirksregierung Köln«. Im offiziellen Innenstadt-Plan der Stadt Köln findet sich die Bezeichnung »Bezirksregierung«. Die Zuordnungen von Suchbegriffen und tatsächlicher Position, aber auch die Bezeichnungen von Orten in analogen und digitalen Karten, sind alles andere als einheitlich. Passantenbefragung Bei einer stichprobenartigen Passantenbefragung in Köln ergab sich folgendes Bild: Im Stadthaus Deutz, in der Stadtbibliothek und bei Befra- gung mehrerer Passanten im Innenstadtbereich konnten wir keine hilfrei- chen Auskünfte und Wegbeschreibungen erhalten, obwohl die Befragten sich mehrheitlich als Kölner bezeichneten. Die überwiegende Mehrheit Beobachtungen: Sichtbarkeit und Gebäudekennung 51 mitgedacht, so schwingt hier auch ihre Erfahrung mit. Dieser Claim wird dann beispielsweise auf den Abteilungsfaltblättern variiert, wobei hier erkennbar wird, dass die Regeln, mit denen gearbeitet wird, nicht klar gefasst wurden. Bei den vorliegenden Abteilungsfaltblättern übernimmt Abteilung 7 die Zeilen fast wörtlich: dort wird »Region« durch »Räumlich« ersetzt. Für Abteilung 1, Zentrale Dienste, schien der Aspekt der Region nicht zu ihrem Aufgaben- feld passen. So heißt es dort: »Prozesse organisieren. Innovativ verwalten.« Abschließend sei noch die Betitelung des Faltblattes der Abteilung 2 genannt, deren Aussagen weder in eine Reihe mit den anderen Abteilungen zu bringen sind, noch besonders spezifisch bezüglich ihrer Aufgaben sind: »Ordnung von A bis Z, Die Abteilung 2 stellt sich vor.« Während die eingefügte Abbildung zwar auf das Sachgebiet »Gefahrenab- wehr« verweist – wenn auch nicht in seiner ganzen Breite – so kann sie für Außenstehende nur schwer zur Kommunikation der Bereiche »Ordnungs- recht«, »Sozialwesen«, »Verkehr« und »Gesundheit« eingesetzt werden. Bei dem Versuch die Handlungsschwerpunkte der über dreißig Dezernate zu fassen, ergaben sich folgende Themenfelder: Hilfe/Förderung, Schutz/ Sicherheit und Ordnung/Beratung. Hierbei ist zu beachten, dass sich diese Kategorisierung auf die Handlungsfelder der Behörde, nicht auf die existie- rende, organisatorische Struktur der Behörde bezieht. Wie schon deutlich wurde, sind durchgehend Kompetenz, Effektivität und Vielseitigkeit wesensbestimmende Größen der Behörde. Diese drei Größen liegen, bildlich gesprochen, hinter jeder Außendarstellung der Behörde. Bei Durchsicht der Textinhalte der Bezirksregierung Köln fällt jedoch auf, dass versucht wird, behördeninterne Operationen, die durch Zuständigkeiten und Entscheidungsstrukturen bestimmt sind, sichtbar und »transparent« zu Abb.: Die Faltblätter mit denen sich die Behörde und die Abteilungen vorstellen: Behörde, Abteilungen 1, 2, und 7 (von links nach rechts). Analyse: Sprache in Form und als Werkzeug 65 würde sicherlich auch eine nähere Untersuchung der jeweiligen Zielgruppen mit einschließen. Orientierung für externe Nutzerinnen und Nutzer verbessern Ein weiteres Potenzial zur Verbesserung der Onlinekommunikation liegt im Bereich der Navigation. Wie im vorangegangenen Analyseteil bereits beschrieben, folgt das Navigationskonzept dem organisatorischen Aufbau der Behörde, also der internen, hierarchisch gegliederten Struktur. Für nicht eingeweihte Nutzerinnen und Nutzer wird dadurch der Zugang zum gewünschten Inhalt erschwert. Dabei bleibt auch die Möglichkeit ungenutzt, über die Navigation ein schnelles und besseres Verständnis für die Tätigkeits- felder der Behörde zu vermitteln. Ein Beispiel für die – leider nur partielle – Umsetzung dieses Ansatzes ist auf dem Internetauftritt der Bezirksregierung Arnsberg zu finden. Ähnliche Lösungsansätze finden sich auch auf dem Inter- netauftritt der Bezirksregierung Düsseldorf. In beiden Fällen wird mithilfe von Dropdown- und Flyout-Navigation ein schnellerer Zugriff auf tieferliegende Ebenen der Navigation ermöglicht. Über den Aspekt der Benutzerfreund- lichkeit (Usability) hinausgehend, ist dieses Navigationskonzept auch für das Vermitteln von Strukturen hilfreich. Man schafft ein leichteres Verständnis für die Hierarchie der Themenfelder, wie auch für die behördlichen Struk- turen. Empfehlungen zum Umgang mit Onlinemedien Abb.: Die Bezirksregierungen Arnsberg und Düsseldorf nutzen für ihre Hauptnavigation(en) das Prinzip der Dropdown bzw. Flyout Menüs. Diese haben neben dem erleichterten Zugriff auf tiefer liegende Menüpunkte den entscheidenden Vorteil, dass sie auch Information zur Organisationsstruktur der Behörde und dem Spektrum der Themen vermitteln. Eventuell unklare Menüpunkte der ersten Ebene erschließen sich leichter im Kontext der unmittelbar sichtbaren Unterpunkte. 83 Selbstverständnis herausarbeiten und reflektieren Voraussetzung für die erfolgreiche Außenkommunikation ist ein reflek- tiertes Selbstverständnis. Allen Kommunikationsbestrebungen der Bezirksregierung Köln – in welcher Ausdrucksform auch immer – sollte daher zunächst ein klares Selbstverständnis zugrunde liegen (siehe auch Behör- denleitbild). Erst wenn die eigenen Kommunikationsformen und systembe- dingten Operationen in der gesamten Behörde reflektiert und verstanden werden, können diese auch für Außenstehende (Umweltsysteme) in gelin- gende Kommunikation transformiert werden. Aus dem eigenen Selbstver- ständnis lassen sich Kriterien zur Qualitätsbewertung von Kommunikation entwickeln, um behördliche Operationen »durch eine abgestimmte Darstel- lung in der Öffentlichkeit begleiten« zu können. In diesem Arbeitsprozess gilt es, ein vorhandenes Selbstverständnis der Behörde zu fassen, was den Dialog mit den Angehörigen der Behörde notwendig einschließt. Im Behördenleitbild sind wichtige Bedingungen eines wertvollen Diskurses angelegt. Wesentlich sind hierbei »Aufrichtig- keit, gegenseitige Wertschätzung und ein verantwortungsvoller Umgang über alle Ebenen hinweg«. Diese interne Phase der Kommunikation muss derart moderiert sein, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter als ein wichtiger Teil des Systems Behörde ernst genommen wird und in einem geschützten Rahmen Gehör findet. Auch Unbehagen und Kritik muss offen formuliert werden können. Jede imagebildende Unternehmung, die nicht das Selbstverständnis der Menschen als Behördenangehörige ernst nimmt, ist letztlich unnötig ressourcenzehrend und kann nicht dauerhaft erfolgreich sein. Selbstverständnis ist jedoch nur Bedingung der Möglichkeit, verstanden zu werden und lediglich der erste Schritt einer zielgerichteten Kommunikation. So ist es beispielsweise im Umgang mit Sprache in der Kommunikation der Behörde von Bedeutung, die behördeninterne Sprache der Zuständigkeiten Qualität geringer Ressourceneinsatz Quantität Zusammenfassung der Empfehlungen Abb.: Das Dreieck zeigt die wechselseitige Abhängigkeit der Parameter, die für die Ziele der behördlichen Kommu- nikation bestimmend sind. Dabei gilt es zu beachten, dass jeweils nur zwei der Parameter zusammengebracht werden können. Bei gleichbleibendem Ressourceneinsatz bedingt eine Steigerung der Qualität den Rückgang der Quantität (und umgekehrt). Eine Steigerung der Qualität bei gleichbleibender Quantität erfordert also eine Steige- rung im Bereich des Ressourceneinsatzes. Die angedeutete Verschiebung des Punktes entspricht einer Empfehlung für den zukünftigen Umgang mit der behördlichen Kommunikation. 55 2.2.3 Bild Bilder sind wie Sprache ein essenzieller Bestandteil von Kommunikation. Sprache erzeugt Bilder, aber Bilder selbst sind auch maßgebliche Informati- onsträger. Dieses Bewusstsein ist im Umgang mit Abbildungen wichtig, um einerseits gezielt Botschaften zu vermitteln und andererseits auch unbeab- sichtigte Botschaften zu vermeiden. Neben dem Bildinhalt und der Bildstim- mung, spielen auch die Qualität der Abbildungen und der richtige Umgang mit selbigen eine Rolle. Bild Abb.: Collage aus den Medienerzeugnissen der Bezirksregierung Köln. Dort werden Bilder unterschiedlichen Ursprungs und in variierender Qualität eingesetzt. 6968 Auszüge aus dem 86seitigen Kommunikationspapier für die Bezirksregierung Köln mit Betrachtungen, Analysen und Empfehlungen zu ihren verschiedenen Kommunika- tionskanälen Bezirksregierung Köln / MP / Identität und Design / Sommersemester 2011 / 05.04.2011 bis 19.05.2011
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    Wintersemester Soundscape Cologne |S. 72 - 73 Experimental Haute Couture | S. 74 - 75 Wahrnehmungsmanagement | S. 76 - 77 |2011
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    7372 Soundscape Cologne Soundscape Cologne/ MP / Designtheorie und -geschichte / Wintersemester 2010/11 / 07.12.2010 bis 04.02.2011 Das Wesen einer Stadt wird maßgeblich von vielen verschiedenarti- gen Komponenten, unter anderem den einzelnen Stadteteilen und den unterschiedlichen in ihr lebenden Menschen beeinflusst. In Köln hat jedes Veedel seine eigene Geschichte, seinen eigenen Cha- rakter, eine eigene Atmosphäre und ein eigenes Umfeld. Die Ein- zigartigkeit der Stadt wird weder außschließlich von touristischen Attraktionen oder einem gewissen „Getümmel“ geschafft, sondern auch von vielen unscheinbaren und unterbewusst vernommenen Faktoren, wie dem Sound. Murray Schaeffer, ein kanadischer Komponist und Schriftstel- ler, schrieb im Jahre 1977 das Buch „The Tuning of the World (The Soundscape)“ und entwickelte später für die Stadt Toronto eine sol- che Soundscape. Die Wahrnehmung einer „soundscape“ einer Stadt ist immer abhängig von der Perspektive des Betrachters.. Ein Tou- rists nimmt die Stadt ganz anders wahr als ein Einheimischer oder ein Zugezogener. Es gibt demnach keine einzig gültige soundscape, da sie immer unterschiedlich wahrgenommen wird. Wir verfolgten den Ansatz, die Vielseitigkeit der Stadt Köln zu zeigen, die Raum für eigene Interpretationen lässt und somit alle Beteiligten, wie Bürger, Touristen, und viele weitere einschließt. Dementsprechend starteten wir einige detailierte Research- Trips durch verschiedene Veedel (Südstadt, Chorweiler, Mülheim, Junkersdorf und Weiden) und zeichneten Klänge natürlichen Ursprungs auf, sowie Klänge in Einkaufszentren, öffentlichen Verkehrsmitteln und öffentlichen Plätzen auf. Mit Fortschreiten des Projektes wurde somit ein kleines Archiv an Klängen geschaffen und eine entsprechende Kategorisierung dieser Klänge erlaubte uns, Vergleiche und Rückschlüsse zwischen den Vierteln zu ziehen. Die Klänge in Verbindung mit ihrer geographischen Lage auf einer Karte von Köln bietet einen Vorteil gegenüber bestehenden reinen Sound-Archiven oder Sammlungen. Zusätzlich besteht die Option, live streams zu verfolgen und Nutzer können die Soundmap nach Belieben vervollständigen und erweitern. Eine Landschaft aus Klängen
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    7574 Experimental Haute Couture Darf maneigentlich Pelz tragen? Wie wird er hergestellt? Eine deutsch-dänische Kooperation sorgte für Furore Experimental Haute Couture / KP / Produktionstechnologie / Wintersemester 2010/11 / 22.11.2010 bis 26.11.2010 In diesem Wochenprojekt wurde mit der Firma Copenhagen Fur kooperiert, einem der größten Pelzhersteller weltweit. Unter der Leitung von Grit Seymour, Professorin für Modedesign an der Uni- versität der Künste Berlin wurden unterschiedliche Konzepte erarbeitet. Das Projekt begann mit einer hochinteressanten Diskussion über die Verwen- dung von Pelz und den daraus resultierenden ethischen Fragen, vor die sich jeder, der mit Pelz arbeitet, oder der ihn trägt, gestellt sieht. Darf man ein Tier töten, um sich damit einzu- kleiden oder sollten wir dieses atavistische Den- ken ablegen? Sind Tiere Objekte, können wir nach Belieben über sie verfügen? Ist das Tragen von Pelz moralisch verwerflich, das Tragen von Leder jedoch legitim? Interessanterweise wird beim Thema Le- der kaum so heftig debattiert, doch wo die bizarren Gegensätze »flauschig, kuschelig« und »bedrohlich, todbringend« aufeinandertreffen, bezieht man schnell Position. Es scheint folglich eine irrationale Unterscheidung in der Verteilung unseres Mitleids zu geben. Pelz ist auch wiederum bei richtiger Pflege ein sehr beständiges Material, welches über ein Leben lang halten kann: eine Eigenschaft, die nur wenige neuartige Textilien bieten. Auch seine isolierenden Eigenschaften sind fast unübertroffen. Es fällt auf, dass trotz aller Kontroversen um dieses Thema noch immer fast jedes große Modelabel auf echten Pelz setzt, sodass sich dieses Material in vielen Winterkollektionen wiederfinden lässt, sei es als Stola, Innenfutter oder ähnliches. Zeil des Projektes war es, sich mit Pelz in Ver- bindung zu (Wohn-) Accessiores zu befassen, doch einen Großteil der finalen Präsentation bean- spruchten Fragen und Diskussionen rund um das Themenfeld Pelz, seine Herstellung und Weiterver- arbeitung, seine Fans und Gegner.
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    | Stand vonOben |Lösung | Ein weiteres Mittel zur Schaffung von Orientierung bietet der Blick von o der Besucher jederzeit nachvollziehen, wo er bereits war und was ihn was er noch erkunden möchte. Wahrnehmungsmanagement Innovative Fahrzeuge, neuartige Exponate und Highlights auf Ausstellungen, Besucherströme, Aufenthaltsdauer, nur vier Tage Zeit. Joachim Blickhäuser, damaliger Leiter der Abteilung Internationale Ausstellungen und Events bei der BMW Group gab Einblicke in das Messegeschehen.
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    oben auf denStand. So kann n noch interessieren könnte, 7776 Wahrnehmungsmanagement / KP / Ökologie und Design / Wintersemester 2010/11 / 03.11.2010 bis 05.11.2010 In dem einwöchigen Workshop zum Thema Messen und Ausstellungen in Automobilbereich, mit Fokus auf die BMW Group, erarbeiteten vier Gruppen ver- schiedene Konzepte. Meine Gruppe widmete sich dem Themenfeld Orientierung und Besucherströme auf (großen) Messeständen und suchte nach Lösungen, die auf die intuitive Wahrnehmung der Besucher setzten und sie anhand unterbewusst wirkender Maßnah- men, wie dem gezielten und von der Besucherzahl abhängigen Steuern von Licht und „Dunkelheit“ oder dem Einsatz von speziellen Materialien, wie beispielsweise Formgedächtnismaterial, steuerten. Dabei war das Ziel, die Aufenthaltsqualität und -dauer auf einem Messestand so hoch wie möglich zu halten und dem Besucher Abwechselung zu bie- ten in Form von klarer Orientierung durch eine Art von landmarks (wie sie Highlights darstellen), aber auch die Option zu bieten, den Stand zu erkunden, den Entdeckergeist der Besucher zu wecken, sodass sie man nahezu labyrinthartig und weniger offen- kundig das Areal begutachten kann. Anhand dieses Workshops ergab sich für mich dann einige Monate später mein Praktikum.
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    Sommersemester 2010Vorlesung SI |S. 80 - 87 New Talents 2010 | S. 88 - 89 Wissenschaftliches Arbeiten | S. 90 - 93 Zeichen | S. 94 - 97
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    Vorlesung über die SituationistischeInternationale Im Mai 2010 fragte Prof. Dr. Michael Erlhoff mich, ob ich eine Vorlesung über die Situationistische Internationale (kurz: SI) halten würde, da dies in Bezug zum Nebenthema meines Intermediate Project stand und zeitlich genau in den damaligen Kontext seiner Vorlesungen passte. CoBrA Die Situationistische Internationale (abgekürzt wird sie im Folgenden mit SI) wurde am 28. Juli 1957 in Cosio d‘Arroscia von Pinot Gallizio, Piero Simondo, Elena Verrone, Michéle Bernstein, Guy Debord, Asger Jorn und Walter Olmo als eine internationale Vereinigung von linken Intellektuellen und Künst- lern zur Revolutionierung der Gesellschaft und Kultur gegründet. Sie umfasste insgesamt mehr als 70 Mitglieder zur Zeit ihres Bestehens. Ihre offiziel- le Auflösung wurde im April 1972 bekannt gegeben. Für das Verstehen der Philosophie und Tätigkeit der SI ist es von Bedeutung, ihre Herkunft in Bezug zur Gruppe CoBrA , zur Bewegung für ein Imaginäres Bauhaus und zur Lettristischen Internationale zu erläutern. Asger Jorn, (Asger Oluf Jörgensen) 1914 geboren in Vejrum in Westjütland, studierte Kunst in Paris bei dem Maler Ferdinand Léger und war Mitglied der kommunistischen Widerstandsbewegung in Däne- mark während des 2. Weltkriegs. Danach schloss er sich der Gruppe revolutionärer Surrealisten an, welche sich bewusst von Andrè Breton abgrenzten, nachdem dieser zunehmend seine Abneigung der Kommunistischen Partei gegenüber verlauten lies. Nach dem Auseinanderbrechen dieser Gruppe, wurde er neben Karel Appel, Guillaume Corneille, Christian Dotremont, Constant Nieuwenhuis und Joseph Noiret Gründungsmitglied der Künstler- gruppe CoBrA (Copenhagen, Brüssel, Amsterdam). Der Name kam durch die Verbindung der Haupt- personen zustande: Jorn in Kopenhagen, Corneil- le und Dortemont in Brüssel und Constant und Appel in Amsterdam. Heftiger, expressionister Pinselstrich, die Behandlung mythologischer und folkloristischer Thematiken und das Interesse an Kunst von Kindern und Geisteskranken, auch „Aus- senseiterkunst“ genannt, sowie ein allgemeiner marxistischer Standpunkt waren die Erkennungs- merkmale der CoBrA. Asger Jorn praktizierte eine gewollt naive Malerei. Seine geistige Grundposition war durch die Studien der skandinavischen Ro- mantiker Swedenborg und Kierkegaard in Bezug auf Anarchismus und Marxismus gekennzeichnet. Die CoBrA-Gruppe war so vielfältig, dass es nie zu einem theoretischen Fundament für ihre Aktivi- täten reichte. 1951 löste sich die Gruppe aufgrund persönlicher und politischer Verschiedenheiten auf.
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    8180 Nach 18 monatigerKrankheit (Tuberkulose), suchte er Mitglieder für seine neue Kunstbewegung: Die Internationale Bewegung für ein Imaginistisches Bauhaus (kurz M.I.B.I.). 1954 wurde die Gruppe in der Schweiz gegründet. Alte CoBrA Künstler, wie Ap- pel und Corneille, aber auch neue ital. Künstler, wie Enrico Baj und Sergio Dangelo der ein Jahr zuvor gegründeten „arte nucleare“ kamen hinzu. Dem Schweizer Künstler Max Bill, ehemaliger Student am Bauhaus, wurde die Aufgabe überrta- gen, die Hochschule für Gestaltung (kurz HfG) Ulm aufzubauen als eine Art „neues Bauhaus“. Bill wand- te sich an Jorn, welcher anfangs begeistert war von der Idee. Es kam aber schnell zu großen Meinungs- verschiedenheiten: Bill wollte ein auf Rationalismus und Funktionalismus ausgerichtetes Bauhaus, Jorn war für ein Bauhaus, in dem Subjektivität, Experi- ment, Automatismus und Zufall beachtet werden sollten. Jorn wollte den Künstler nicht versklavt wis- sen unter einer primären Ästhetisierung der Tech- nik, sondern wollte durch das neue Bauhaus die berechtigte Rolle des Künstlers im Maschinenzeit- alter finden. Er schlug vor, künstlerische Forschung genauso zu behandeln wie die Humanwissenschaf- ten und wollte eine Zusammenarbeit von Künstlern und Wissenschaftlern fördern. Als Gegenreaktion auf das technologische Den- ken von Bill begann Jorn sich auf theoretische Art mit allgemeiner Ästhetik und Stadtplanung zu be- fassen, was ihn Constant und der LI näher brachte. 1954 ließ sich Jorn mit Bill auf der Triennale für Industrielles Design in Mailand auf eine öffentli- che Debatte über das Thema „Industrielles Design in der Gesellschaft“ ein. Jorn erklärte, dass das Bauhaus und Le Corbusier zu ihrer Zeit revolutionär waren, doch die Unterordnung der Ästhetik unter die Technologie und die Funktion führe zu Standar- disierung, Automatisierung und stärker regulierter Gesellschaft. Jorn reiste 1955 nach Alba im italienischen Pie- mont zu Pinot Gallizio, um mit ihm gemeinsam ein Werkstatt-Laboratorium als Prototyp des imaginis- tischen Bauhauses in Gallizions Atelier, einem 30 Meter tiefen Raum innerhalb eines im 17. Jahrhun- derts erbauten Klosters, einzurichten. Im folgenden Jahr wurde der „Erste Weltkongress freier Künstler“ in Alba von Jorn und Gallizio or- ganisiert, zu der Künstler aus ganz Europa kamen. Wolman vertat die LI, Jorn, Gallizio und Simondo de Verrone den M.I.B.I. Weitere Künstler und nicht Mitglieder waren Constant, Baj, Jacques Callone, Ettore Sottsass jr., Walter Olmo, Franco Garelli, Sandro Cherchi, Franco Assetto, sowie die tschechi- schen Künstler Pravoslav Rada und Jan Kotik. Die erste Beziehung von Jorn und der LI war herge- stellt, man wollte sich gegenseitig unterstützen. So wurde Wolman in die Redaktion der Eristica, die Zeitschrift des M.I.B.I. aufgenommen und Jorn in das Leitungskommitee der LI. Guy Debord, wurde am 28.12.1931 in Paris geboren. Nach Kriegsende 1945, folgte zu Beginn der 1950er Jahre der wirtschaftliche Aufschwung Frankreichs. Eine Veränderung im alltäglichen Lebensstils wurde spürbar, der Massenkonsum wurde voran- getrieben. Fernsehen hielt Einzug in die privaten Haushalte, serienmäßig hergestellte Autos wurden erschwinglich und erste große Wohnanlagen ent- standen. Die Surrealisten waren in den 1950ern reiche und berühmte Künstler geworden, was problematisch war hinsichtilich ihrer Rolle als Avantgardebewe- gung und so kam es, dass der an literarischen Aus- senseitern und Rebellen interessierte Debord seine Aufmerksamkeit auf eine neue avantgardistische Gruppierung, die Lettristen, richtete. Im April 1950 wird die Ostermesse in Notre Dame von den Lettristen (Berna, Michel Mourre, Ghislain Desnoyres de Marbiax und Jean Rullier) gestört, in Form eines als Dominikanermönch verkleideten Mourre, der eine blasphemische Rede hielt, welche von Berna geschrieben wurde. Den Teilnehmern der Aktion war es nur durch „Rettung“ durch die Vorlesung / Designtheorie und -geschichte / Sommersemester 2010 / gehalten am 23.06.2010 Imaginäres Bauhaus Die Beziehung von Guy Debord zu den Lettristen und die Gründung der LI
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    Polizei gelungen, demwütenden Mob zu entrinnen - die Lettristen waren in aller Munde. Während den Filmfestspielen in Cannes im April 1951 begegnet Debord den aus Paris stammenden extremistischen Lettristen, welchen er sich noch im selben Jahr anschließt. Isidore Isou (Allitaraion zu Tristan Tzara) (mit wah- rem Namen Jean-Isidore Goldstein) wurde 1925 in Botosani im rumänischen Moldawien geboren und gründete 1946 mit Gabriel Pomerand in Paris die lettristische Bewegung, welche Worte und Sätze auf ihre Buchstaben zurückführte, um Gefühle gegen die Sprache zu erzeugen, (Manifest der lettristi- schen Dichtung: Introduction á une Nouvelle Póesie et une Nouvelle Musique, Paris 1947). In sogenann- ten Hypergraphiken wurde die Zusammenfügung von Dichtung und Malerei erforscht, ähnlich dadaistischen und futuristischen Wortcollagen, in welchen Maurice Lemaitre, ebenfalls Theoretiker der lettristischen Bewegung, eine Synthese aus vielen Kommunikationsformen erkannte. Isou machte in seinem Text „Abhandlung über die Nuk- learökonomie: der Aufstand der Jugend“ darauf auf- merksam, dass rebellische Jugendliche sich nicht ihrer gesellschaftlich untergeordneten Rolle fügen sollten, er bezeichnete sie als „das neue Proletariat“, eine Klasse mit revolutionärem Potential, welche „... nichts zu verlieren habe“. Im Anschluss an Debords Umzug nach Paris im Oktober 1951, vorgeblich um an der Sorbonne Jura zu studieren, kam dieser schnell in Kontakt mit einer Gruppe Jugendlicher im Pariser Saint-Ger- main-des Prés, welche das Bürgertum in höchs- tem Maße ablehnten, Kleinkriminalität verübten und sich dem Nichtstun hingaben. Debord umschreib ihr wichtigstes Gebot mit einer Parole an der Rue de Seine: „Ne travaillez jemais!“ (Arbeitet nie!), worauf später noch eingegangen wird. Im Juni 1952 hat Debord genug von Isou und bildet eine neue Gruppe (die LI) mit Berna, Brau und Wolman. Debords erster Film „Geheul für Sade“ (Hurle- ments en faveur de Sade), wird am 30.6.1952 zum ersten Mal in Armand J. Cauliez „Filmclub der Avantgarde“ aufgeführt. Es war ein Film, der nicht nur darauf aus war, Situationen zu zeigen, sondern sie auch zu erschaffen, in dem die abwertenden Re- aktionen, Beschimpfungen des Publikums bewusst erschaffenener Teil dieser Situation sind. Als die LI am 29.10.1952 eine Pressekonferenz Charlie Chaplins im Pariser Ritz durch Verteilung von Flugblättern unterbrach, welche Chaplin be- leidigen und die ablehnende Haltung der LI seiner Arbeit und ihm gegenüber aufzeigen sollten, kam es zum Bruch mit Isidore Isou, da Isou diesen Vorfall nicht billigte. Persönliche Differenzen von Isou und Debord, wie zum Beispiel Isous Personenkult, wel- chen Debord vollkommen ablehnte, waren bereits zuvor zu Tage getreten. Nach diesem Bruch kommt es am 7.12.1952 in der Konferenz von Aubersville zur formellen Gründung der LI. Dieser gehörten neben Debord, Wolman, Berna, Mension und Brau auch Michèle Bernstein, Barbara Rosenthal, Sarah Abouaf, Vali Meyers (Australierin), Paulette Vielhomme und Elaine Brau (damals Papai) und weitere an, es bestand eine lockere Besetzung. Die LI hat große Pläne, ihr Ziel ist „der bewusste und kollektive Aufbau einer neuen Zivilisation“. (Jean-Francois Martos, Paris 1989) Sie wollen nicht nur die Ästhetik verändern, sondern auch das Ver- halten der Menschen. Deren Leben und Sehnsüchte sind von diesem Umsturz nicht trennbar, darum lehnen sie die traditionelle Politik oder die soziale Revolution ab. Sie stellen ihre Idee von Glück einem revolutionären Programm voran. Die Ideen der Psychogeographie, des Dérive und des Détournement, welche wichtige Bestandteile in der Theorie der späteren SI waren, wurden bereits in der LI durch Ivan Chtcheglovs Schlüsseltext „For- mular für eine neue Stadt“ entwickelt. Dérive ist im Deutschen wohl am verständlichs- ten mit „Umherschweifen“ zu übersetzen. Eine orientierungslose Bewegung durch die Stadt, ein absichtliches und forschendes Verirren, das flüch- tige Durchstreifen verschiedener Umgebungen und der dabei entstehende Einfluss der Architektur. Ein solches Umherschweifen konnte Stunden oder auch Monate dauern und wurde nicht grundlos von den Lettristen betrieben.
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    8382 Sie nutzten dériveals Mittel für die Psychogeogra- phie, eine „Erforschung der unmittelbaren Wirkung der geographischen Umwelt auf das Gefühlsleben“, zur Herstellung neuer emotional begründeter Stadt- pläne, welche eine Konstruktion neuer, utopischer Umgebungen, wie der Aufhebung einer Teilung der Freizeit und Arbeitszeit, dienen sollte. Nach Michèle Bernstein: „Keine neue Lehre der Stadtplanung, sondern eine Kritik der Stadtplanung.“ Ein „unitä- ren Urbanismus“, eine ganzheitliche Stadtentwick- lung wurde angestrebt. Die LI problematisierte auch als eine der ersten politischen Gruppen die Freizeit. Ein weiterer Aspekt ist die Theorie des détour- nement, der Zweckenentfremdung. 1958, als die SI bereits gegründet ist, findet sich hierzu eine situ- ationistische Definition:„Zweckentfremdung von ästhetischen Fertigteilen. Integration aktueller oder vergangener Kunstproduktionen in eine höhere Konstruktion des Milieus. In diesem Sinne kann es weder eine situationistische Kunst, noch eine situa- tionistische Musik, wohl aber eine situationistische Anwendung dieser Mittel geben. In einem ursprünglicheren Sinne ist die Zweck- entfremdung innerhalb der alten kulturellen Gebiete eine Propagandamethode, die die Abnut- zung und den Bedeutungsverlust dieser Gebiete aufzeigt.“ Potlatch war ab dem 22. Juni 1954 die Zeitschrift der LI, welche das vorherige Mitteilungsblatt, schlicht Internationale Lettriste genannt, ablöste. Getippt von Michèle Bernstein und zeitweise von unter- schiedlichen Mitgliedern der LI herausgegeben, wurden von Potlatch in dern ersten Ausgabe noch 50 Exemplare hergestellt, stieg die Auflage schon im zweiten Heft auf 400 an. Käuflich war es nicht zu erwerben, es wurde verschenkt. Hier tauchten auch zum ersten Mal die Begriffe dérive, détour- nement und Psychogeographie auf. Es beinhaltete die künstlerischen Werke der LI und revolutionäre Gesellschaftskritik, sprach sich für antikolonialis- tische und antiimperialistische Revolten aus und unterstützte Arbeiterstreiks. Debord schreibt den Rapport über die Konstruktion von Situationen und die Organisations- und Akti- onsbedingungen der Internationalen Situationis- tischen Tendenz. Der zentrale Begriff „Situation“ hat mit dem Existentialismus von Jean-Paul Sartre zu tun, doch wo Sartre das Empfinden des Selbst- bewusstseins der Existenz innerhalb eines gege- benen Milieus oder einer gegebenen Atmosphäre beschreibt, fordert Debord eben nicht nur das passive Hinnehmen, sondern das aktive Schaffen solcher Situationen. Der Hauptgedanke des Rap- ports war „die konkrete Konstruktion kurzfristiger Lebensumgebungen und ihre Umgestaltung in eine höhere Qualität der Leidenschaft“. Der weitere Hauptbestandteil des Rapports ist die Kritik der Rolle der historischen Avantgarden und die Forde- rung Debords nach neuen Avantgarden mit einem zusammenhängenden revolutionären Programm und Methoden der Organisation aus dem revoluti- onären Untergrund. Nach dieser Feststellung und der umfangreichen Kritik ihrer Vorgänger fühlte die SI sich in der Lage, ihren Platz an der Spitze der Avantgarden einzunehmen. Die Gründungskonferenz fand am 27. und 28. Juli 1957 in Cosio d‘Arroscia statt, dem Geburtsort des Künstlers Pierro Simondo statt, in dessen Famili- enhaus die Delegierten Debord, Bernstein, Gallizio, Simondo, Verrone, Olmo und Jorn unter- gebracht wurden. Nur wenige Monate später, im Oktober 1957 wurden Olmo, Simondo und Verrone ausge- schlossen. Die erste Nummer der IS mit einer Auflage von 200 Exemplaren und einem goldfarbenen Chromo- luxumschlag erschien im Juni 1958 mit Debord als Herausgeber. Ihr Stil blieb in den elf Jahren ihres Bestehens nahezu gleich. Sie war als Ideenplatt- form von großer Bedeutung für die IS und enthielt in ihrer ersten Ausgabe unter anderem den Artikel „Formular für einen neuen Urbanismus“ von Ivan Chtcheglov, welcher in den folgenden Jahren auf Constant und sein New Babylon auswirkte. In An- betracht der Tatsache, dass Jorn sich zum internati- onal rennomierten Künslter entwickelte, und stets Potlach Die SI 1957 - 1965 Vorlesung / Designtheorie und -geschichte / Sommersemester 2010 / gehalten am 23.06.2010
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    unter Zeitdruck stand,fand er Zeit für das Engage- ment in der IS. 1957 arbeitet er mit Debord am Buch „Fin de Copenhague“, welches aus vorgefundenen Bildern und Texten besteht, angeblich zufällig beim Besuch eines Zeitungskiosk gefunden und aufge- sammelt und im Hintergrund durch Jorns Farb- tropfen getragen wird. Aus Jorns und Debords Sicht enthält es einen satirischen Angriff auf die tech- nologische Konsumgesellschaft. Ein Jahr später arbeiten Debord und Jorn an den Memoires, einem in Sandpapier gebundenen Buch über die Früh- geschichte der LI. Der wohl nachhaltigste Beitrag Jorns zur SI sind die zwei Serien zweckentfremdeter Gemälde Jorns, die Modifikationen, in welchen besonders in der zweiten Ausstellung mit Modifika- tionen „Nouvelles défigurations“, ein Mädchen im blassen Kleid, dem Jorn Schurr- und Ziegenbart an- gemalt hat - eine Verbindung zu Marcel Duchamps L.H.O.O.Q. ist offensichtlich, wobei das Ausserge- wöhnliche der herausfordernde Blick des Mädchens ist, welcher an eine Warnung an alle erinnert, die glauben, die Avantgarde sei tot. Im April 1963 ver- ließ Jorn die SI, stand aber weiterhin in Kontakt mit ihr, um mit Bildern oder Geld auszuhelfen. Er starb am 1. Mai 1973 vermutlich an Lungenkrebs. Pinot Gallizio, der ebenfalls Gründungsmitglied der SI war praktizierte die „industrielle Malerei“. Seine erste Ausstellung fand in der Turiner Gallerie Noti- zie 1958 statt. Er bearbeitete lange Leinwandrollen mit selbst gebauten Malmaschinen und beabsich- tigte, seine Leinwände als Meterware zu verkaufen. Es folgten eine weitere Ausstellung in Paris der Galerie René Drouin und sein Manifest der indus- triellen Malerei. Am 31. Mai 1960 schloss Debord Pinot Gallizio und seinen Sohn Melanotte aus der SI aus, mit der Erklärung, sie hätten zunehmende Verbindunge zur kommerziellen Kunstwelt. Pinot Gallizio verstarb plötzlich 1964. Constant befasste sich während seiner Zeit in der SI mit dem unitärem Urbanismus und seinem Projekt „New Babylon“, einem Architekturkonzept, wobei nicht Funktionalismus im Vordergrund steht, sondern eine künftige spielerische Gesell- schaft. Le Corbusiers Architektur galt auch schon der LI als verhasst. 1959 gründete Constant mit seinem Freund Armando und den Architekten Har Oudejans und A. Alberts das Forschungsbüro für unitären Urbanismus. Nach einem Streit mit Debord über seinen Umgang mit der Galerie van de Loo und Oudejans und Albers tritt Constant 1960 aus der SI aus. Durch die Bekanntschaft mit Jorn kam die deut- sche Künstlergruppe SPUR, bestehend aus Lothar Fischer, Heimrad Prem, Helmut Sturm und Hans Peter Zimmer 1959 zur SI. Sie beschäftigte sich mit Kitsch und war im besonderen hervorgehoben duch ihren kollektiven und gemeinsamen Arbeitspro- zess. Mithilfe von Jorn btrachten sie ihre Zeitschrift SPUR heraus, anders als die franz. Zeitschrift der SI, erinnerte ihre äußere Erscheinung an ein chaoti- sches Sammelalbum. Weitere neue Mitglieder der SI kamen aus Skandinavien hinzu, wie Jörgen Nash, der jüngere Bruder von Jorn, sowie Ansgar Elde und JeppesenVictor Martin. Im September 1960 nahmen neue Vertreter der deutschen und der skandinavi- schen Sektion an der vierten Konferenz der SI in London teil. Hierbei kam eine Debatte zustande, in wie weit die SI eine politische Bewegung sei. Die deutsche Sektion brachte ihren Zweifel an den revolutionären Fähigkeiten des Proletariats hervor und empfahl die Mobilisierung der Avantgarde- künstler. Debord kritisierte sie dafür scharf und die SPUR-Gruppe war bereit, sich der Meinung der Mehrheit der SI anzuschließen. Diese Debatte war jedoch noch nicht abgeschlossen. Ein Jahr später, im August 1961 in Göteborg bei der 5. Konferenz der SI, der ersten ohne Jorn, verdeutlichte sich der Kon- flikt. Wieder war es die deutsche Sektion, welche die Behandlung der Künstler durch die SI- Mehrheit kritisierte: Gewinnt ein Künstler an Macht in der SI, wird er rausgeworfen. Diese Verschiedenheiten zur Auffassung des Status der Kunst führten im Febru- ar 1962 zum Ausschluss der SPUR-Gruppe und ei- nen Monat später zum Ausschluss von Jörgen Nash, Ansgar Elde und Jaqueline de Jong. Diese verfassten ein Flugblatt, in dem sie ihren Ausschluss anpran- gerten und verdeutlichten, dass eine Organisation,
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    8584 1966 - 1968 DieGesellschaft des Spektakels welche die Möglichkeit zur Debatte ausschließt, totalitär sei. Von der skandinavischen Sektion blieb nur noch JV Martin übrig, welcher mit offiziellem Segen noch drei Ausgaben der Zeitschrift „Situati- onisk Revolution“ herausgab und ungewöhnlicher Weise bis zum Ende der SI 1973 Mitglied blieb. Die ausgeschlossenen Mitglieder der skandina- vischen Sektion gründeten die Zweite SI und ließen sich im schwedischen Örkelljunga auf einem Hof namens Drakabygget nieder. Ihre bekanntesten Aktionen waren die Besetzung des schwedischen Pavillons auf der Bienale 1968 in Venedig und das Errichten einer „Kunstbarrikade“ vor der Kasseler Kunsthalle Fridericanum während der docuenta 1972. Am 14. November 1967 erschien das erste Buch zur situationistischen Theorie: Die Gesellschaft des Spektakels von Guy Debord. In 211 Thesen wird auf die wesentliche Rolle des Spektakels eingeganen, den unitären Urbanismus und die revolutionäre Rolle der Arbeiterräte. Es finden sich Einflüsse von Lukacs, der Hegelschen Philosophie, dem jungen Marx und dem niederländischen Marxisten Panne- koek. Nur zwei Wochen nach der Veröffentlichung von „Die Gesellschaft des Spektakels“ folgt „Das Hand- buch zur Lebenskunst für die jungen Generationen“ von Raoul Vaneigem. In einem leidenschaftlichen Stil verfasst, ist seine Schrift in 25 Kapitel und zwei Hauptteile gefasst: „Die Perspekive der Macht“ und „Die Umkehrung der Perspektive“. Der erste Teil untersucht den Gegenwärtigen Stand der Auflösung der bestehenden Gesellschaft, der zweite empfiehlt einige Mittel zur abschließenden Heilung. Ab 1965 nahm der Einfluss der SI zu (höhere Auflage von Potlatch) und sie übte internationalen Einfluss aus, umgekehrt wurde aber auch Einfluss auf die SI ausgeübt in Form der Unabhängigkeitsbe- wegung in Algerien. 1960 wurde von Debord, Bern- stein und anderen Linken aus dem Kulturbereich die Erklärung über das Recht zum Ungehorsam in Algerienkrieg unterzeichnet. Einen weiteren Einfluss übte die Erhebung der schwarzen Bevölkerung im Viertel von Watts in Los Angelges auf die SI aus, sie verstanden diese Rebel- lion nicht als einen Rassenaufruhr, sondern einen Klassenaufruhr und drückten ihre Unterstützung 1965 durch das Pamphlet Niedergang und Fall der spektakulären Warenökonomie aus. In der direkten französischen Umgebung wurden Studenten um André Schneider, ihrerseits Befür- worter der SI, am 14. Mai 1966 an der Strasbourger Universität in die Leitung der AFGES (die Studenten- vereinigung) gewählt. Sie wollten die Geldmittel der Vereinigung möglichst sinnvoll verwenden, trafen sich mit Debord und Mustapha Khayati und mach- ten folgenden Vorschlag: das Pamphlet wurde von Khayati geschrieben und von Debord überwacht. Es folgten Aktionen gegen den Kybernetiker Ab- raham Moles, darunter das berühmte Plakat über Die Rückkehr der Kolonne Durruti (humoristische Darstellung zweier Cowboys, die sich über Verding- lichung unterhalten). Dies diente der Werbung für das Pamphlet Kaya- tis: Über das Elend im Studentenmilieu, betrachtet unter seinen ökonimischen, politischen, psycholo- gischen, sexuellen und besonders intellektuellen Aspekten und über einige Mittel, diesem abzuhel- fen. Die Auflage betrug 10.000 Stück und umfasst unter anderem Aussagen über die Rolle des Stu- denten im modernen Kapitalismus (meist verach- tetes Wesen), die Notwendigkeit der Ausweitungen studentischer Kämpfe (auf die Gesellschaft), die revolutionäre Organisation in Arbeiterräten und die Rolle der Poesie der Zukunft. Die Flugschrift wurde zu Vorlesungsbeginn, am 22.11.1966 an der Uni Strasburg verbreitet, die Störung des studentischen Lebens nahm zu und zog das Interesse der Presse- welt auf sich. Am 13.12. übertrugen die Universitätsbehörden dem Gericht die Beaufsichtigung der AFGES. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht offensichtlich, Das Handbuch der Lebenskunst Vorlesung / Designtheorie und -geschichte / Sommersemester 2010 / gehalten am 23.06.2010
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    dass sich dieBewegung über die Grenzen der Uni ausbreiten würde. Die nächste Entwicklung zeich- nete sich an der Universität von Nanterre ab, wo die Studenten in überfüllten und schäbigen Quartieren wohnten und veraltete Hausordnungen den Kon- takt von Männern und Frauen untersagten. Die Unruhen entwickelten sich, waren es anfangs noch Streiks und Vorlesungsstörungen, kam es im Januar 1968 zu Zusammenstößen mit der Polizei. Eine besonders unerschrockene Studentengruppe um René Riesel, die Wütenden (enragés) teilte den Standpunkt der SI und verteilte ihre Schriften und Flugblätter in der Universtät Nanterre. Am 22. März 1968 besetze eine Gruppe verschiedener Linker das Verwaltungsgebäude, die enragés verließen die Versammlung jedoch, da der von ihnen geforderte Rausschmiss der Stalinisten und Beobachter der Verwaltung nicht erfolgte. Die enragés erklärten der Universitätsverwaltung den Krieg, im Gegen- zug drohte die Universität mit der Relegation der Gruppe „Bewegung 22. März“ um Riesel, darunter auch Daniel Cohn- Bendit. Nach den Vorkommnis- sen an der Uni Nanterre wurde die SI in der Presse als gefährliche Agitatoren bezeichnet und man war verwundert über den Einfluss einer kleinen Gruppe von ca. 40 Personen auf mehrere tausend Studen- ten. Am 6. Mai 1968 fiel die Entscheidung über die Relegation von Cohn-Bendit und Riesel. Am 3. Maifand die UNEF (Nationale Union franz. Studen- ten) statt und man wollte über Kampfmaßnahmen gegen die Relegation beraten, es gab eine riesige Polizeipräsenz. Die Ankunft einiger Faschisten und Einsatzkommandos zur Aufstandsbekämpfung schufen eine höchst angespannte Atmosphäre. Die enragés empfiehlen, sich mit allem möglichen zu bewaffnen, es folgten Festnahmen, allerorts waren Studenten auf den Straßen, die die Freilassung ihrer Kommilitonen forderten, Behörden kündig- ten Schließung der Sorbonne an, darauf forderten Hochschul- und Studentenvereinigungen zum Protest auf. Cohn-Bendit und Riesel erscheinen vor dem Rat der Uni Paris zu ihrer Anhörung, es herrschte eine Explosive Mischung aus Polizeikom- mandos, politischen Aktivisten und Studenten und die SI verteilte das Flugblatt „Wut im Bauch“. An diesem Tag kam es zur massiven Ausweitung der Ausschreitungen, 10.000 Demonstranten vertei- digten den Platz um Sant-Germain-de-Prés, Autos umgeworfen als Barrikaden, einige Läden geplun- dert. Nicht nur Studenten waren beteiligt, sondern auch Arbeiter, Arbeitslose und Rocker. Mit Pflaster- steinen und Molow-Cocktails wurde gegen Trä- nengas und Schlagstöcke angekämpft. Eine Woche später, am 13.Mai gab es dann die Massendemonst- ration von 1 Mio. Studenten und Arbeitern. Nach Ende des Zuges beschlossen einige De- monstranten, die Sorbonne zu besetzen, darunter enragés und Situationisten. In der ersten Generalversammlung der Besetzer wurde diskutiert über die Perspektive der Bewe- gung und darüber hinaus - ob sie eine totale soziale Revolution beinhalten sollte. Die SI nutzte die Ge- legenheit und machte Propaganda für Arbeiterräte. Gewissermaßen liegt darin eine Ironie: „Arbeitet nie!“ kombiniert mir der Forderung der Organisati- on einer Gesellschaft in Arbeiterräten. Es folgte die Besetzung der Flugzeugwerke „Sud- Aviation“ in Nantes und noch am selben Tag die Besetzung einer der größten Fabriken Frankreichs, den Renaultwerken. Das Besetzungskommitee der Sorbonne schuf eine Flugschrift mit zu verbreitenden Parolen, wie „Alle Macht den Arbeiterräten“, „Nieder mit der spektakulären Warengesellschaft“ usw. Dies war auch gleichzeizig der Moment, an dem die SI an Einfluss im Besetzungskommitee verlor. Es ent- fachte ein Streit über die Rolle des Kommitees, was am 17.Mai den Rückzug der SI und der enragés zur Folge hatte. Sie gründeten im Keller einer Kunstge- werbeschule den CMDO - den 40 Personen umfas- senden Rat zur Aufrechterhaltung der Besetzungen und verfassten mehrere Flugschriften und Aufrufe. Sie sahen den Moment gekommen, an dem die Arbeiter die Revolution selbst weiterführen und aus- weiten mussten. Entweder würde sie jetzt gelingen, oder scheitern. Am 24. Mai trat Präsident De Gaulle im Fernsehen auf, worauf sich die Lage jedoch nicht Literaturquellen: • Roberto Ohrt: Phantom Avantgarde: Eine Geschichte der Situationistischen Internationale und der modernen Kunst • Simon Ford: Die Situationistische Internationale: Eine Gebrauchsanleitung • Wolfgang Dreßen, Dieter Kunzelmann, Eckhard Siepmann: Nilpferd des höllischen Urwalds. Situationisten, Gruppe Spur, Kommune I Mai 1968
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    8786 beruhigte, sondern einAnsturm auf die Pariser Bör- se und neue Straßenkämpfe entfacht wurden. Mit seinem zweiten Fernsehauftritt am 30. Mai wurde die Rückkehr zur Ordnung eingeleitet. De Gaulle ar- gumentierte, dass diese junge Generation Rebellie- render keinen Ersatz für die bisherige Gesellschaft haben außer Versprechen von Lohnerhöhungen. Mit dem Beginn der Sommerferien wurden einige Studentengruppen verboten, sodass die Be- wegung ohne Führerschaft und gemeinsame Ziele verblieb. Am 16. Juni kam es zur Rückeroberung der Sorbonne durch die Polizei und am 15. Juni wurde die Auflösung des CMDO bekannt gegeben. Vorlesung / Designtheorie und -geschichte / Sommersemester 2010 / gehalten am 23.06.2010
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    8988 New Talents 2010 Erstellungaudiovisueller Portraits der Akteure und deren Arbeiten im Kontext der Veranstaltung „New Talents 2010“. New Talents 2010 / MP / Audiovisuelle Medien / Sommersemester 2010 / 15.04.2010 bis 21.05.2010w Im Rahmen der Veranstaltung “New Talents 2010” wurden vom 12. Juni bis 20 Juni 2010 zahlreiche Nachwuchs-Kreative einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Junge Designer, Künstler und andere Medien Schaffende zeigten ihre Projekte vielerorts in Köln, unter anderem im Kölner Rheinhaufen. Hierfür entwickelten und produzierten wir in einem mittel- fristigen Projekt audiovisuelle Portraits der Akteure und deren Arbeiten – diese wurden auf der Site prominent plaziert.
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    Wissenschaftliches Arbeiten In diesemSeminar stand das wissenschaftliche Arbeiten im Vordergrund. Hierzu wurden Diskussionen geführt und Referate gehalten.
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    9190 Wissenschaftliches Arbeiten /WS / Geschlechterverhältnis im Design / Sommersemester 2010 / 14.04.2010 bis 12.07.2010 Im Jahre 1977 verfasse Umberto Eco, geboren am 5. Januar 1932 in Alessandria, Italien und bekannt als Semiotiker, Professor an der Uni- versität Bologna, Kolumnist, Philosoph, Medienwissenschaftler und Romanautor, das Buch „Wie man eine wissenschaftliche Abschlußar- beit schreibt“. Es ist gedacht als eine Hilfestellung für verzweifelte Studenten, welche erstmalig eine Abschlussarbeit verfassen. Trotz des nunmehr hohen Alters des Buches ist es doch sehr aktuell und wird ambivalent betrachtet. Einerseits gilt es als nützliche Hilfestellung: amüsant zu lesen und einfach zu verstehen. Andererseits wird die Verwendung von Schreibmaschinen und die mediale Rückständigkeit (noch in der 13. Auflage!) sowie der ausschließliche Bezug auf das italienische Hoch- schulsystem kritisiert. Schon in der Einleitung wird ersichtlich, dass Eco nicht bestrebt ist, wissenschaftliches Arbeiten oder gar einen Wissenschaftsbegriff zu definieren. Mit viel Sympathie für die Studenten erläutert er vielmehr, wie man schnellstmöglich eine Abschlussarbeit hervorbringt, welche „...den Doktorvater in einen nicht allzu traurigen Zustand versetzt.“ (S.3) Fast schon ironischer Weise erklärt er dann zusätzlich auf Seite sechs: „Eine wissenschaftliche Abschlußarbeit ist eine maschinen- schriftliche Ausarbeitung, deren durchschnittliche Länge zwischen einhundert und vierhundert Seiten schwankt und in der der Student ein Problem abhandelt, das aus demjenigen Studienfach stammt, in dem er den Abschluß erwerben will.“ Im gesamten Hauptteil bezieht er sich auf Themenfindung, Materialsuche und die Auswertung des Gefundenen. Ein gutes Drittel nimmt allein die Anleitung über das Maschinenschreiben ein. Viele Ratgeber über das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten beziehen sich noch heute auf Eco - ob hierbei der Erkenntnisgehalt des Buches oder der weltbekannte Name „Eco“ eine vorrangige Rolle spielt, sei dahingestellt. In einem Ratgeber wird eine wichtige These Ecos aufgefasst: „...Der Bekanntheitsgrad ist dabei nicht unbedingt ausschlaggebend, denn es ist nicht gesagt, dass die besten Gedanken auch von den bekanntesten Autoren kommen.“ Genau hier liegt der Bezugspunkt eines weiteren Aspektes unseres Referates: der Wandel innerhalb des wissenschaftlichen Arbeitens oder des Lehrbuchsystems. Die Erstausgabe Ecos Buches im Jahre 1977 stellt ein „altes Modell“ dar, der Einfluss der Zeit ist unüber- sehbar. Das Buch gilt aber, da es von einer anerkannten Autorität in Wissenschaftskreisen: Umberto Eco stammt, daher nicht als irrele- vant oder nunmehr unbedeutend. Die Entwicklung der Technik ist im Umberto Eco und „Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt“
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    Laufe der Zeiteinfach vorangeschritten. Im Jahre 2010 ist eine neue Generation von Forschern, Wissenschaftlern und denen, die er werden wollen: Studenten, vorhanden. Diese nutzen völlig neue Präsentations- und Kommunikationsformen. War bei Eco in den Siebzigern die Vorstellung von Internet und der Vereinfachung der Zugänglichkeit von Büchern und Arbeitsmaterial in diesem heutigen Ausmaße noch nicht bekannt, hat ein Wechsel, oder eine Transformation stattgefunden. An diesem Punkt nehmen wir einen weiteren Aspekt hinzu, welcher für diese Veränderung von großer Bedeutung ist: In seinem 1967 erschienenen Werk „The Structure of Scientific Revolu- tions“ stellt er die These auf, Fortschritte in der Wissenschaft vollzö- gen sich durch revolutionäre Prozesse, nicht durch kontinuierliche Veränderung. Eine wissenschaftliche Revolution meint den Ablö- sungsprozess von bestehenden Erklärungsmodellen, an denen und mit denen die wissenschaftliche Welt bis dahin gearbeitet hat, um durch andere Modelle ersetzt zu werden. Er nennt dies Paradigmen- wechsel, wobei der Ausdruck Paradigma „für die ganze Konstellation von Meinungen, Werten, Methoden usw. [steht], die von den Mitglie- dern einer gegebenen Gesellschaft geteilt werden.“ (Thomas S. Kuhn: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, S. 186) Als eines von vielen Beispielen aus der Wissenschaftsgeschich- te führt Kuhn für einen Paradigmenwechsel die Kopernikanische Wende an: „Sehen wir uns zuerst einen besonders berühmten Fall von Paradigmawechsel an, das Auftauchen der kopernikanischen Astronomie. Als ihr Vorläufer, das Ptolemäische System [...] entwickelt wurde, war es bewundernswert erfolgreich in der Voraussage der veränderlichen Positionen von Fixsternen und Planeten. Kein anderes System des Altertums hatte so gut funktioniert. [...] Am Anfang des sechzehnten Jahrhunderts begann eine wachsende Zahl der besten Astronomen Europas zu erkennen, daß das astronomische Paradigma bei Anwendungen auf seine eigenen traditionellen Probleme versagte. Diese Erkenntnis war die Voraussetzung für die Ablehnung des ptole- mäischen Paradigmas durch Kopernikus und für dessen Suche nach einem neuen.“ (S. 80 ff.) Die Entwicklung hin zum Paradigmenwechsel vollzöge sich von der Phase der Normalwissenschaft über die der außerordentlichen Wissenschaft. „In diesem Essay bedeutet »normale Wissenschaft« eine Forschung, die fest auf einer oder mehreren wissenschaftlichen Leistungen der Literaturquellen: • Umberto Eco: Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt • Thomas Samuel Kuhn: The Structure of Scientific Revolutions Die Theorie des Thomas Samuel Kuhn Thomas S. Kuhn, geboren 1922 in Cincinatti, lehrte als Professor für Wissenschaftstheo- rie und Wissen- schaftsgeschichte in Princton, Berke- ley und am MIT. Er starb 1996 an Krebs in Massachusetts.
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    9392 Vergangenheit beruht, Leistungen,die von einer bestimmten wis- senschaftlichen Gemeinschaft eine Zeitlang als Grundlagen für ihre weitere Arbeit anerkannt werden. Heute werden solche Leistungen in wissenschaftlichen Lehrbüchern, für Anfänger und für Fortgeschrit- tene, im einzelnen geschildert, wenn auch selten in ihrer ursprüng- lichen Form.“ (S. 25) Für die „normale Wissenschaft“ gilt also, dass sich viele Einzeluntersuchungen und Aussagen ergänzen und stützen, bestehende Paradigmen werden anerkannt. Durch Anfechtungen und Anomalien tritt die Wissenschaft in eine Phase des Streits von Autoritäten, Lagern und Schulen, bestimmende Faktoren sind in dieser Phase der „außerordentlichen Wissenschaft“ Macht, Mehrheit und der Generationenwechsel, bis es zum Paradig- menwechsel kommt. Mit dieser Sicht und Begrifflichkeit stellen sich Fragen an die Design- Disziplin: ◊ Finden wir im Design Paradigmen und wo gab es Paradigmenwech- sel? Gewiss ist hier das Modell Bauhaus oder der Übergang der Moder- ne in die Postmoderne ein guter Ansatz. ◊ Ist die Entwicklung von der Einzelanfertigung hin zu industriellen Fertigung ein Paradigmenwechsel? ◊ Ist die Betrachtungsweise von Design als Bereich der Praxis und des Handwerks hin zu Design als Forschungsgebiet ein Paradigmenwech- sel? ◊ Eine weitreichende und bleibend spannende Frage ist die, ob und wenn ja inwieweit der Wissenschaftsbegriff im Design Potential für einen Paradigmenwechsel innerhalb der anderen Wissenschaften aufweist. Bildquellen: http://www.italymag.co.uk/sites/mainfiles/umberto-eco1.jpg http://filosofiadacienciaufabc.files.wordpress.com/2011/03/kuhn-110273-050-f968add7.jpg Was hat das mit Design zu tun? Wissenschaftliches Arbeiten / WS / Geschlechterverhältnis im Design / Sommersemester 2010 / 14.04.2010 bis 12.07.2010
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    Zeichen Ein Referat zurEinführung in die Bildsemiotik
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    9594 Zeichen / WS/ Identität und Design / Sommersemester 2010 / 07.04.2010 bis 14.07.2010 Was sind Bilder? Bilder finden laut Mitchell zahlreich Verwendung in verschiedenen Bereichen: in der Kunstgeschichte in Form von grafischen Bildern, wie Gemälde, Zeich- nungen, Fotos, Statuen, usw. Auch in der Physik als optische Bilder, wie Spiegelungen und Prejektio- nen, sowie auch perzeptuelle Bilder, also Bilder der Wahrnehmungen und Erscheinugen in Physiologie, Neurologie, Psychologie, Kunstgeschichte, Physik und Philosophie. Weitere wären geistige Bilder, wie Träume, Erinnerungen und Ideen in Psychologie und Erkenntnistheorie und es gibt sprachliche Bil- der in der Literaturwissenschaft. Bildsemiotik versteht Bilder als Zeichensysteme, sie haben also eine Struktur, unterliegen bestimm- ten Codes. Diese Codes sind aber anders als Al- phabete, Zahlensysteme oder Notensysteme. Sie sind offener als die Entsprechung von Werten und Zahlen oder Buchstaben und Lauten. Nach Eco gibt es eine Vielzahl verschiedener Codes: solche der Wahrnehmung, des Erkennens, der Übertragung, Tonale Codes, Ikonische Codes, welche sich wiederum gliedern in Figuren, Zeichen und Ikonische Aussagen. Des Weiteren gibt es noch Ikonographische Codes, Codes des Gechmacks und der Sensibilität, Rhetorische Codes, Stilistische Codes und Codes des Unbewussten. Bildsysteme sind vieldeutig: Um sie zu verstehen, ist es wichtig, diese Veränderlichkeit zu berücksichtigen und sie auf der anderen Seite doch als geordnete Zeichen- systeme zu begreifen. Laut Charles Sanders Pierce gibt es drei Untertei- lungen des Zeichens zum Objekt in Icon, Index und Symbol. Beim Icon herrscht eine Analogie zum Gegenstand vor, beipielhaft in dem Wort „Kuckuck” oder einem Stadtplan. Das indexikalische Zeichen hat eine reale, kausale Beziehung zum Gegenstand. Es ist „Anzeichen” für etwas, so wie Rauch ein An- zeichen für Feuer ist. Symbole hingegen können nur verstanden werden, wenn festgelegte Konventionen zum Verständnis dieser Zeichen vorhanden sind, wie bei den Symbolen „%” für „Prozent” oder „” für „und”. Nun sind aber nicht nur die symbolischen Zeichen an Konventionen gebunden. Indexikalische Zeichen, die „Anzeichen”, sind ebenfalls an Konven- tionen gebunden. Ein Beipiel: Ein Tier hinterlässt Spuren im Schnee oder Sand. Dies kann als Index erachtet werden, wenn ich mir vorstellen kann, was für eine Art von Tier die Spuren hinterlassen hat. Nimmt man aber fiktiver Weise an, dass ein isoliertes Naturvolk in Zentralafrika Spuren eines Seelöwen fände, könnte diese Tierspur aufgrund der Tatsache, dass kein Tier in seiner (des Volkes) Umgebung solche Spuren hinterlässt, nicht als Tierspuren gedeutet werden. Also unterliegt unser Deutungsvermögen den Konventionen, mit denen wir aufwachsen. Indexikalische Zeichen können aber auch erlernt werden. Durch die immer wieder- kehrende Rotfärbung des Himmels beispielsweise kann man erlernen, dass dies an Anzeichen für einen Sonnenauf- oder Untergang ist. Schwieriger wird es bei den ikonsichen Zeichen. Hier geht man von einer Ähnlichkeitsbeziehung oder Analogie zu dem aus, was das Zeichen darstellt. Nun besteht aber das Problem, dass graphische oder fotographi- sche Zeichen, von denen man ja die größtmögliche Ähnlichkeit annehmen könnte, aus materieller Sicht nichts mit dem, was sie darstellen zu tun haben. Beispiel hierfür wäre ein Porträt der Queen Eliz- abeth. Zwar erkennt man, um wen es sich handelt, oder für wen das ikonische Zeichen steht, aber aus materieller Sicht hat das Bild nichts mit der Per- son Queen Elizabeth gemein: im Porträt sind die Nasenlöcher nur dunkle Farbflächen und nicht dreidimensional ausgeformt. Die Haut auf dem Porträt hat keine Poren, wie die Haut der „echten” Queen, usw. Es bestehen beim Icon also keine Ähn- Codes Queen Elizabeth Wie erkennen wir Zeichen eigentlich?
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    Sehen oder Kennen? WayneRooney und Nike Konnotationen der linguistischen Nachricht Denotationen der linguistischen Nachricht Literaturquellen: • Umberto Eco: Einführung in die Semiotik • Thomas Friedrich,Gerhard Schweppenhäuser: Bildsemiotik: Grundlagen und exemplarische Analysen visueller Kommunikation lichkeiten zum Gegenstand, sondern zum Wahr- nehmungsmodell des Gegenstandes, hier wird also kodifiziert. Ein weiteres Beispiel für diese Proble- matik: Der Umriss eines Pferdes. Eine zusammen- hängende Linie schwarze Linie, welche der Kontur des Pferdekörpers folgt ist aber genau genommen die einzige Eigenschaft, die ein echtes Pferd eben nicht hat. Daraus schlussfolgert Umberto Eco in seiner „Einführung in die Semiotik” (S. 197): „Die ikonischen Zeichen geben einige Bedingungen der Wahrnehmungen des Gegenstandes wieder, aber erst nachdem diese auf Grund von Erkennungs- codes selektioniert und aufgrund von graphischen Konventionen erläutert worden sind.” Daraus ergibt sich ein weiterer Aspekt: „Aber die relevanten Züge müssen kommuniziert werden. Es gibt also einen ikonischen Code, der die Aquivalenz zwischen einem bestimmten graphischen Zeichen und einem relevanten Zug des Erkennungscodes festlegt.“ Auch hierfür lässt sich eine Veranschaulichung finden: Ein vierjähriges Kind ist in der Lage mit seinem Körper einen Hubschrauber zu reproduzie- ren, in dem es sich auf den Boden setzt und Arme und Beine wie Rotorblätter dreht. Wird es jedoch aufgefordert, einen Hubschrauber zu malen, dann kann wird es Kreise und Zacken zeichnen, welche dann noch verbaler Erklärung bedürfen, weil man aus dem gemalten Bild nicht die für einen Hub- schrauber so relevanten Rotorblätter in Verbindung mit der Achse des Hubschraubers selbst nicht fest- stellen kann. Durch diese Feststellung ergibt sich eine neue Fra- ge: Wenn das ikonische Zeichen also Eigenschaf- ten des dargestellten Gegenstandes besitzt, sind es dann jene, die man sieht oder Eigenschaften, die man kennt? In einer Kinderzeichnung eines Autoprofils hat das Auto noch vier Räder (Eigen- schaft, die man kennt) und erst im späteren Alter entwickelt es sich zu einem Profil mit zwei Rädern (Eigenschaft, die man sieht). Anhand von Ecos vierteiliger Gliederung in • Denotationen („einfache“ Bedeutung) der linguis- tischen Nachricht • Konnotationen (Begleitvorstellungen, die kultu- rell bedingt sind) der linguistischen Nachricht • Denotationen der ikonischen Nachricht • Konnotationen der ikonischen Nachricht sei folgendes Beispiel analysiert. Zu Beginn der Fussball WM 2006 startete Nike eine Werbekampagne mit dem englischen Fußballstar Wayne Rooney. Sie wurde in überregionalen engli- schen Zeitungen abgedruckt und auf einer riesigen Leinwand in London am Picadilly Circus präsen- tiert. Auch durch das Internet wurde sie schnell verbreitet. Zur Person: Wayne Rooney hat den Ruf des Machers, eines rücksichtslosen Kämpfers. Er kommt aus der Unterschicht und kokettiert auch damit, sich hochgearbeitet zu haben. Der “Just do it” Slogan unten rechts ist versal in Serifenschrift gesetzt. Farblich ist es graue Serifen- schrift auf weißem Hintergrund. Man findet keinen Punkt als Satzende, sondern den „swoosh“ von Nike in rot, welcher mit der ikonischen Botschaft korres- pondiert. Es ist kein Firmenname von Nike vor- handen, nur der „swoosh” –dieser wird als bekannt vorausgesetzt– sowie das Wissen, dass “Just do it” der Werbeslogan von Nike ist. Der Slogan ist einfach, aber ambivalent: er konno- tiert Ehrgeiz, Wucht und sportlichen Eifer. „Tu es einfach“ passt zu Rooneys zielorientiertem Han- deln als Macher, ebendiese Macher sind angesagt, auch außerhalb des Sports. Sie sind erfolgreich und wissen, was sie wollen. Eine gewisse Intellektuel- lenfeindlichkeit wird durch den Slogan ebenfalls
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    9796 Bildquelle: www.football-wallpapers.com/wallpapers/rooney_2_1600x1200.jpg Hintergründe Denotationen der ikonischen Nachricht Konnotationender ikonischen Nachricht Zeichen / WS / Identität und Design / Sommersemester 2010 / 07.04.2010 bis 14.07.2010 impliziert : „Nicht denken, sondern handeln!“ Folg- lich sind Denker also Zauderer. Die „Praxis“ wird dadaurch emporgehoben, während reflektieren als altmodisch abgetan wird. Nicht nur im Sport, auch in der Gesellschaft geht es darum, zu Siegen und Erfolg zu haben, so bildet sich eine Kette: „Fußball ist Leben, Leben ist überleben, überleben ist Kampf, unser Kampf ist Fußball”. Der Slogan passt zur mar- tialischen ikonischen Botschaft, man denkt sofort an Kampf und aktive Gewalt. Gleichzeitig aber auch an passive Gewalt, an die Opferrolle. Die Konnotati- on von Sport als einem lustbetonten, gemeinsamen Spiel würde nicht zu Rooneys Image passen. Ebenso wenig, wie alle Zivilisationskonnotationen, welche nicht (mehr) auf blutige Kämpfe und Auseinander- setzungen aus sind. Die Kampagne wurde zu Beginn der WM 2006 ge- schaltet, als noch unklar war, ob es zu gewalttätigen Aktionen kommen würde. Könnte diese Kampag- ne nicht als Aufforderung an Hooligans gesehen werden, besonders gewalttätig zu agieren? Zwar ist es nicht zu größeren Gewaltausschreitungen gekommen, aber es scheint, als hätten die Werber dazu beigetragen, eine Stimmung der Aggression mitzukommunizieren. Der Slogan hat auch eine sehr profane Bedeutungs- ebene von “Just do it”: Wir produzieren Sportartikel – kauft sie! Der „swoosh” als Haken, erinnert an „etwas abhaken”, oder als gut befinden. Kommuni- ziert wird: man kann alles schaffen, wenn man nur will. (Der Verweis zur liberalistischen Einstellung liegt auf der Hand.) Die Denotationen der ikonischen Nachricht: Zu se- hen ist ein Foto von Wayne Rooney, welcher rot und weiß bemalt ist und mit freiem Oberkörper posiert. Seine Arme sind vom Körper abgespreizt, beide Hände zu Fäusten geballt. Sein Gesicht ist stark angespannt, der Mund zum Schreien geöffnet. Kopf und Körper bilden die Mittelachse des sym- metrischen Bildaufbaus. Die Oberkante der Arme liegt fast im Goldenen Schnitt. Der Hintergrund ist weiß, das Format horizontal. Die Pose Rooneys in Verbindung mit seiner Körper- bemalung ist sehr auffällig: Sein Gesichtsausdruck vermittelt Brutalität, Rohheit, Aktivität, aber auch Schmerz, Leid und Passivität. Somit steckt er also voller Täter- und gleichzeitig auch Opferkonnota- tionen. Man denkt an Kreuzigung: das Kreuz ist Rooneys Körperstellung, sowie die rote Farbe auf seinem Oberkörper. Dies kann gedeutet werden als Täter im Blutrausch, oder aber als Märtyrer, welcher sich für das Gute opfert. Eine weitere Konnotation ist die Englandflagge: Rooney wird also zum Nati- onalsymbol erhöht. Er „opfert” sich für England. Diese christusähnliche Opferrolle passt aber in Sachen Versöhnung nicht auf Rooney, denn er steht ganz deutlich für Kampf. Er leidet für den Sieg und unterwirft seine Feinde. Seine Nacktheit vermittelt Wildheit, aber auch Verletzlichkeit, besonders in Kombination mit dem roten Kreuz, dass Blut konnotiert. Rooneys Körper ist somit also gezeichnet. Die weiße Farbe konno- tiert Schamanismus oder den Ritus: „Asche aufs Haupt“ (cinis caput spargere). Ob Nationalheld, Schamane oder Jesus: Rooney wird als Heiliger präsentiert, er wird in die göttliche Ebene gehoben. Diese Heiligkeit überträgt sich auch auf die Firma Nike, welche nichteinmal mehr verweisen muss auf eine Internetadresse oder eine Schriftmarke, denn sie ist überall, sowie Gott überall ist und jeder weiß, wie und wo er sie (die Firma Nike) und ihre Kon- sumgüter findet.
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    Wintersemester Texte für Designtheorie| S. 100 - 104 Vom Produkt zum Prozess | S. 106 - 107 Communicating with Signs | S. 108 - 109 |2010
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    Texte für Design-Theorie Indiesem Seminar wurden designtheoretisch relevante Texte analysiert. Beispiel: Otl Aicher, die Welt als Entwurf
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    101100 Texte für Design-Theorie/ WS / Designtheorie und -geschichte / Wintersemester 2009/10 / 14.10.2009 bis 10.02.2010 Mitte der 1970er Jahre reist Otl Aicher nach Mos- kau um Fragen für die Olympischen Spiele mit den Verantwortlichen zu besprechen. Aicher schlägt vor, die Pionierbauten des russischen Konstruktivismus zu renovieren, da der Westen großes Interesse dar- an hat. Dafür erntet er jedoch großes Unverständ- nis, obschon Chruschtschow den Zuckerbäckerstil Stalins als verschwenderisch, pompös und überla- den kritisierte, blieb man dennoch dem Realismus und Naturalismus verhaftet und weiterhin blieb die konstruktivistische Archiketur nahezu versteckt. Wie war es denn in der Stalinära möglich, diesen seltsamen Gegensatz herzustellen: Den aufgeblähten, schwülstigen Zuckerbäckerstil zu verherrlichen und zur gleichen Zeit die konsturk- tivistische Architektur, welche sich an Technik und industrieller Fertigung orientiert hatte, was den Grundwerten des Sozialismus in Bezug auf Huma- nisierung der Technik und Industrie nahekam, zu verbieten? Obwohl Moskau als eine der Metropolen, neben Berlin und New York, die Entwicklung des Konstruktivismus massgeblich prägte, waren es die russischen Architekten selbst, die ihre modern ausge- richteten Ansätze vergaßen: (Zitat S.16 und 17: „Was war geschehen? ... dessen man sich bediente.“) Die Zeit der russischen Revolution hat die rus- sische Bevölkerung anscheinend so sehr belastet, dass der Staat es für sinnvoll hielt, eine Kunst an- zubieten, welche Gefallen finden würde bei einem breiten Spektrum der Menschen - eine Kunst des Prunkes, Goldes, des Glanzes, des Überflusses und der Übermacht (des Staates). (Zitat S. 18: „Das Volk braucht, glaubt man, Anbetung.“) Dieses Verhältnis des Überflusses lässt sich auch auf die heutige Zeit übertragen, in der Nachkriegs- zeit, die Studentenbewegung der 1960er Jahre und die Sozialbewegungen vorüber scheinen und wir in einer Welt Leben, in der die einzige Sorge der Men- schen, die Sorge um das Styling und die Schönheit, die äu- ßere Erscheinung, vorrangig ins alltägliche Bewusstsein der Menschen tritt. Als einer der Gründe für diese Auffassung könnte die Tatsache dienen, dass es, ganz im Gegensatz zur Kunst, welche zu Zeiten der Naturschönheit, ergo der Romantik, den Begriff des Kunsthistorikers erfand, keinen Beruf des Theoretikers und Histori- kers in Bezug auf Design oder Technik gibt, welcher die Thematik Design und Technik analytisch be- gleitet. (1991 wohl gemerkt). (Zitat S.19:„Es erweist sich ... etwas anderes als Religion.“) Aicher erklärt hier seinen Ansatz des Design nach Gebrauch. Design bezieht sich seiner Sicht nach auf Sachverhalte, welche sich stets ändern und somit immer einer dynamischen und dem Sachverhalt entsprechenden und optimal angepassten Gestal- tung bedürfen. Anbei: hier wäre interessant den Begriff des non intentional design zu erläutern. Legt allein der Ge- stalter den Gebrauch fest? Er erklärt weiterhin, dass Design heutzutage (1991) zur angewandten Kunst abgedriftet ist und sieht in der Postmoderne eine religionsartige My- thosorientierung (in der Architektur: weg von den Zielen der Moderne hin zu Erinnerung, Tradition und geschichtlichen Verweisen). (Zitat S. 19: „Der Rückfall Mussolinis vom Futurismus in die Archi- tektur des alten Rom ist der Weg des Mythos...“) Aicher erläutert weiterführend, dass Design zu begründen ist, im Gegensatz zum Mythos. Ein Stuhl, auf dem man nicht sitzen kann ist schlechtes Design, obschon er als Kunstwerk gelten könnte. Er spricht sich ganz klar gegen die Vermischung von Kunst und Design aus und erwähnt an späterer Stel- le (Zitat S. 23: „Kunst in untauglich ür zweckgerchte- te Entwurfsarbeit. Sie stört sie nur.“ S. 131:„Kunst ist wertfrei. Kunst ist sinn- los.“ S. 24:„Kunst ist Syntax ohne ... von postmoderner Qualität.“) In zahlreichen Beispielen erläutert Aicher, wie die fälschliche Vermischung von Kunst und Design in ihren Ergebnissen nichts weiter bietet als nahezu unbrauchbare Gegenstände für eine angeblich elitä- re Gesell- schaftsklasse. Bildhaft wird dies anhand von dem Eßbesteck von Ferruccio Laviani (1987) und dem von Aldo Rossi entworfenen Wasserkessel (1984) beschrieben. (Zitat S. 116: „Dieser Tage ist wohl das erste Essbe- steck ... das ist jetzt drin im Gehirn.“) Aus der Sicht Aichers hat besonders der Staat großes Interesse daran, Design nicht mit der Lösung men-
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    schgemachter Probleme, wieder Umweltverseu- chung (FCKW, Waldsterben, Ozonloch, Giftmüll,...) zu betreuen, sondern ihm anstelle dessen nur die Verschnörkelung und das Styling von (nutzlosen) Produkten mit dem einzigen Ziel der Profitsteige- rung und erhöhtem Konsum zu überlassen. Auch in Hinsicht auf das Subventionsprinzip des Staates für Kultur-, Wissenschafts- und Wirtschafts- politik sieht Aicher eine enorme Ungerechtigkeit, da man zwar nicht von Einschränkung durch den Staat im direkt repressiven Weg sprechen kann, der Staat jedoch über die Finanzierungsverteilung entschei- det und somit in der höchsten Position des Lenkens und Planens ist. (Zitat S. 26: „Der Staat hat ... durch noch schöneren Konsum.“) Es werden heute mehr Museen als jemals sonst gebaut, erklärt Aicher und setzt dies in Bezug auf die der Postmoderne so willkommenen Verweise auf Tradition, Historismus, Klassizismus und des gewollten Bewusstwerdens der Bevölkerung - be- wusst in der Hinsicht, dass es etwas Höheres, etwas Unfassbares, gar etwas Symbolhaftes gibt. Der Begriff des Symbols wird erläutert, als eine Bezeichnung für alles Irrationale, alles Metaphysi- sche. Also für alles, das sich dem bloßen Verstän- dis entzieht und auf eine höhere Idee, jenseits von Wahrheit verweist. Die Römer begannen, Dinge symbolträchtig zu beladen, nachdem sie Tempel und Säulen bei den Griechen abgeschaut hatten, um sich ein Gefühl der Erhabenheit zu schaffen, da man sich gern als gebildet gab. Tempel, welche nach griechischer Betrachtung an religionsrelevan- ten Orten stehen sollten und sei es mitten im Ge- birge fanden nun bei den Römern ihren Weg in die Städte, ans Ende einer zentralen Strasse oder Allee, um auf die römische Allmacht zu verweisen. Symbole verwischen nach Aichers Auffassung den Blick auf die Wahrheit - da alles emporgehoben wer- den muss und glorifiziert wird, ist es nicht möglich das Tatsächliche afuzuzeigen. (Zitat S. 28: „Jeder Herrscher kann bei einem Denk- mal nur auf einem Pferd sitzen. Es gibt keinen, der auf einem Esel säße.“) Das Symbol versucht, das Wirkliche zu tarnen und von Missständen abzuken- ken: (Zitat S. 30:„Der Klassenkampf ... einer neoklassizis- tischen Architektur.“) Er erwähnt, dass die großen Kon- zerne, Unternehmen, Banken und Verische- rungsgesellschaften sich opulente Kunstsammlun- gen zulegen - wiedrum als Symbol für Wohlstand. (Zitat S. 31: „Religion war einmal ... des nicht Abzu- bildenden.“) Symbolik ist an die Stelle der Herrschaft getre- ten, sie diktiert den Menschen, was man zu kaufen und zu haben hat. (Zitat S. 33: „Wir kaufen die Dinge nicht mehr wegen ihres Aussehens, wegen ihrer Form, wir kaufen sie als Symbol.“) Hierbei grenzt er jedoch sehr strikt das Zeichen als Äquivalent zu einem Sachverhalt ab, im Gegensatz zum glorifizierenden Symbol. Gegensätzlich dazu tritt die Zerstörung der Symbole (laut Aicher seit Woodstock - S.33). Da- bei erläutert Aicher anhand einer Metapher eines Bühnenaufbaus von Gestänge und Scheinwerfern, bei denen das Licht nicht mehr symbolträchtiger Schein ist, sondern technisch erzeugt und man jede Schraube und jedes Detail sehen darf- nichts ist versteckt. (Zitat S. 34:„ Seit es den Strahler gibt ... davongetragen.“) Laut Aicher stehen wir auf der schwierigsten Ebende aller Existenzen: wir brauchen nicht mehr zu arbei- ten, nicht mehr zu denken, nichts mehr zu machen (im Sinne von herstellen), wir sind frei (S. 35). Jedoch wollen wir uns ein Stück der Selbstbe- stimmung erhalten und beziehen diese auf unsere äußere Erscheinung. (Zitat S. 36:„ Die Ästhetik heute ist der Ausweis, zu welcher Klasse man gehört.“) Am Beispiel eines Fußballtrainers und dessen Klei- dung (Sakko, Bügelfaltenhose, Halbschuhe, also der vollkomme Gegensatz zu den Spielertrikots und Sportsachen), erläutert Aicher die Ähnlich- keit zu barocken Perücken, und der Verdammnis zur Untätigkeit durch diese nahezu funktionslose Kleidungsart. (Zitat S. 38: „Früher hieß es ... Begrün- dung erhaben ist.“) Die erste Moderne stellt für Aicher die Mitte des 19 Jh. dar, als Joseph Paxton seinen Kristallpalast für die erste Weltausstellung in London 1851errichtete. Bei dieser Art von Architektur bestimmte das Mate-
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    103102 rial (hier Glasund Eisenskelettkonstruktionen) die Form des Baus. Es gab keine übergeordnete Ästhe- tik, der es zu folgen galt, das Bauen war ingeniös und somit technisch orientiert und entwickelte dadurch eine eigene Ästhetik. Es gab jedoch bereits 1824 in Paris reine Eisenkonstruktionen, reine Ingenieurbauten (S. 43), wie die Markthalle bei der Madeleine oder der Hungerford Fischmarkt in London von 1835. Eine Fülle von weiteren weiteren herausragenden Eisenbauten reiht sich ein in die Architekturgeschichte der Mitte des 19.Jh.Annäherd kritiklos wurde der Kristallpalast Paxtons bestaunt - ganz im Gegensatz zum 1889 für die Weltausstel- lung erbauten Eiffelturm. Wie war dies möglich? Denn schließlich schien die Architektur der Eisen- konstruktion nicht allgemein auf Ablehnung zu sto- ßen. Die Erklärung ist denkbar einfach: Markt- und Messehallen, Brücken sowie jedwede weitere Form von Profangebäuden hatte nichts Kulturelles inne, sie waren zweckgerichtet und funktional. (Zitat S. 44„Die Kunst und Kultur war im Geistigen ange- siedelt. Erst durch diese Ablenkung war die Geburt einer neuen Archtektur möglich.“) Doch laut verbreiteter Lehrmeinung ist es erst mit Peter Behrens‘ und Walter Gropius‘ Schaffen der Beginn der Moderne gegeben. Aicher klärt dieses Missverständnis auf, indem er erläutert, dass Behrens und Gropius es waren, welche die Bauprin- zipien des ingeniösen Bauens in die Welt der Kunst und Kultur übertragen haben. Rückschrittlicher Weise stand nun wieder die Kunst, bzw. die Ästhetik am Anfang des Bauens. Es sind nicht mehr Technik und Material, welche die Form aus ihrem Gebrauch entwickeln,sondern die Überordnung des künstle- rischen Ansatzes. (Zitat S. 49„Ästhetische Werte ... Winkel zu gelb.“) Es wurde nicht mehr nach Funk- tion gebaut, sondern nach künstlerischem Ideal. Kreis, Dreieick und Quadrat, als grundlegende Vor- gabe der Konstruktion in der Maschinenwelt wur- den formgebend, auch wenn der Gebrauch darunter zu leiden hatte. Es gab jedoch auch Architekten, welche der Arbeiterbewegung nahestanden und so- ziale, sowie ökonomische und funktionale Aspekte in den Vor- dergrund stellten, wie zum Beispiel El Lissitzky (Frankfurter Küche), Mart Stam oder Han- nes Mayer (Zitat S. 92 „Hannes Mayer musste ... der gesellschaftlichen Organisation.“) Den Beginn der dritten Moderne bereitet nach Aicher das Wohnhaus von Ray und Charles Eames. Seiner Auffassung nach ist dieses 1949 errichtete, gebrauchsorientierte Wohnhaus, welches einem Atlier ähnelt und keinerlei Unterscheidung von Kultur und Alltag duldet, der Anfang einer durch- dachten Architektur. Aicher verehrt Eames als ersten nicht ideologischen Designer der Moderne und dessen Gestaltungsansatz aus der Ergonomie heraus für Eames‘ Sessel und Stühle. An späterer Stelle erwähnt Aicher, dass Ergonomie zum ersten Ansatz der Gestaltung gehören sollte und wider- spricht seines vorangegangenen Textes im Sinne des Taylorismus, welcher die Ergonomie als reine Profitsteigerung durch Arbeitszeitoptimieurng ver- steht. Aicher wollte Ergonomie mit Sicherheit nicht als diese verstanden wissen. Aicher zeichnet ein Bild des Aufsichtsstaates (Zitat S. 101:„Noch nie ... Bewohner seiner Straße.“), prangert Bürokratie an und verweist aber auch auf die Aufgabe (im Sinne von aufgeben) der persönli- chen Freiheit um einen Platz im Versorgungsstaat zu ergattern, der alle Risiken des Lebens absichert. Er erläutert anhand der Laufbahn eines Lehrlings, dass dieser bei Beginn seiner Ausblidung bereits fragen darf, wie der Staat im Krankheitsfall, im Alter, Urlaub, bei Invalidität oder Arbeitslosigkeit die volle Versorgung für ihn übernehmen wird. Dies wiederum bedingt, dass der Staat alle Vorgaben des Berufes bestimmt: Sicher- heitsbestimmungen, Arbeitszeit und sogar die Qualität der Ausbildung, bzw. des Berufes. Besonders missfällt ihm die Entwicklung der Architekten von eigenständigen Büros hin zu Beam- ten, die er als Schergen des Staates bezeichnet und die er als nahezu unmündlig ansieht, da sie jedwe- des Risiko des Lebens durch den Staat abgesichert wissen und das eigenständige Denken ebenso gut aufgeben können. Er bezieht Architektur auf den Zustand des Staates und stellt fest, dass es ein gro- ßes heutiges Ziel scheint, den Funktionalismus zu überwinden und sich an dem rein symbolträchtigen und somit von ihm verabscheuten Historismus zu Texte für Design-Theorie / WS / Designtheorie und -geschichte / Wintersemester 2009/10 / 14.10.2009 bis 10.02.2010
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    orientieren. Als Beispielliefert er dafür einen Behör- denkomplex in Berlin von James Stirling, welcher in seinen Gebäuden die Grundrisse von einer Burg, einem Schloss, einer Kirche, einer griechischen Säu- lenhalle und eines Amphitheaters beherbergt. (Zitat S. 99:„Die sogenannte ... wenn es Erfolg haben kann.“) An letzer Stelle setzt Aicher seinen Text„die welt als entwurf“ und erläutert seinen Eindruck der Welt. Für ihn ist die Welt weder ein vorgegebener, statischer Kosmos, so wie die Antike es sie sah, oder nur als kine- tisches und dynamisches System wie der Verhaltensforschung auf Grundlagen von Darwin und Lamarck. Er sieht die Welt als Entwurf - (Zitat S. 185: „Als Entwurf, das heißt ... sich ihr fügen.“) Aicher betrachtet den Menschen als nicht mehr direkt naturabhängig, der Mensch ist aus der Natur herausgetreten und muss sich der Verantwortung stellen, mit der er die Welt entwirf. Er erläutert weiterhin, dass Kant ein zusätzliches Prinzip einführte, die Urteilskraft. Diese bezeichnet er als reflektierend, als ein Prinzip, welches nicht mehr auf kausalen Schlussfolgerungen beruht. (Zitat S. 189:„Die„reflektierende Urteilskraft“ will nicht die Ursachen der Dinge erfassen, sondern ihren Zweck, das, wozu sie gut sind.“) Nicht mehr das Vernunft- prinzip ist vorherrschend, sondern die Zweckmä- ßigkeit der Dinge. Als Kriterium für diese stellt Kant noch nicht den Gebrauch, sondern eine Idee, auf die hin eine Sache angelegt ist - ihre Finalität. Aicher verdeutlicht, dass erst im 20.Jh. der Begriff des Ge- brauchs als einer der zentralen Begriffe der Philoso- phie erhoben wird. (heute wird er fälschlicher Weise ersetzt durch „Verbrauch“). Literaturquelle: Otl Aicher: die welt als entwurf Bildquelle: http://www.ulm.de/sixcms/media.php/123/Otl%20Aicher.jpg
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    Products towards Processes• Service Design • Prof. Birgit Mager Nicole Höhna, André Sheydin, Géraldine Limbach, Jaco Rygulla Detergent Service Concept cts towards Processes • Service Design • Prof. Birgit Mager a, André Sheydin, Géraldine Limbach, Jaco Rygulla, Ziv Feldman
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    a, Ziv Feldman 107106 VomProdukt zum Prozess Miele ist tradionell ein Hersteller vonhochwertigen Produkten im Bereich der „weissen Ware“. Jedoch ist das Produkt immer nur ein Teil der idealen Lösung für den Nutzer - der Prozess ist von entscheidender Bedeutung. So beim Wäschewaschen. Vom Produkt zum Prozess / KP / Service Design / Wintersemester 2009/10 / 16.11.2009 bis 20.11.2009 In dem kurzfristigen Projekt „Vom Produkt zum Prozess“ wurde mit der Firma Miele kooperiert. Angestrebtes Ziel war ein innovativer Service für das Unternehmen, welcher eine verstärkte Kundenbin- dung bieten sollte. Der Projektwoche war ein umfassendes Re- searchprogramm des sedes research Forschungs- zentrum für Service Design vorangegangen. Es wurden „Waschtagebücher“ von Mielemitarbeitern geführt, deren Auswertungen maßgeblich in die Projektarbeit einbezogen wurden. Die Aufbewahrung der Wäsche und der allge- meine Umgang der Wäschepflege wurde analysiert und Personas wurden zusammengestellt. Wir begannen, unterschiedliche Konzepte zu entwick- len und unterteilten diese in verschiedene Bereiche, wie: die Aufbewahrung von Wäsche, Waschmittel, Interfaces Waschmaschinen, Waschsalons, und den point of sale. Meine Projektgruppe befasste sich mit Wasch- mittel, dem Produkt Waschmaschine an sich und dem möglichen Interface an der Waschmaschine. Wir erweiterten die ersten Konzepte in diesem Themenfeld und entwickelten einen Service, wel- cher das Waschmittel in größeren Mengen direkt zum Kunden nach Hause liefert. Die Besonderheit des Service liegt darin, dass das Interface auf der Waschmaschine mit einem WLAN- Router verbun- den ist, und die Maschine somit stets den Kunden informiert über den derzeitgen Waschgang, wieviel Waschmittel sich noch in der Maschine befindet und was die Maschine an Strom und Wasser ver- braucht. Nach unserem Konzept befindet sich in der Maschine ein Tank für Waschmittel, welcher nicht wie üblich bei jeder Wäsche befüllt werden muss. Er fasst ein größeres Volumen und muss im Vergleich zur konventionellen Art nur selten (je nach Anzahl der Waschgänge) wiederaufgefüllt werden. Zusätz- lich kann man auch den Duft der Wäsche bei Bedarf individuell zusammenstellen durch ein Ampullen- system. Die Maschine reguliert den Waschmittel- und Wasserverbauch durch das Gewicht der in der Trommel befindlichen Wäsche.
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    109108 Communicating with Signs My generation,my heritage? Communicating with Signs / KP / Identität und Design / Wintersemester 2009/10 / 19.10.2009 bis 30.10.2009 In dem kurzfristigen Projekt „Communicating with Signs“ wurde bildliche Zeichensprache thematisiert. Aufgabe war es, eine oder mehrere Seiten DIN A4 ohne Typografie oder Zahlen in schwarz/weiß so zu gestaten, dass es einem Außenstehenden möglich ist, die Bot- schaft dieses Plakates nachzuvollziehen. Die Ergebnisse des Projektes werden an die australische Partnerhochschule der KISD gefaxt und von den Studierenden interpretiert- ein Kooperationsprojekt. Zwei Themen standen jedem Projektteilnehmer zur Wahl: my generation, my heritage oder how I spend my money during the week. Ich entschied mich für ersteres und begann mich mit diesen Begriffen „Generation“ und „Erbe“ auf unterschiedliche Weise auseinander- zusetzen. Da dieses Thema eine Vielfalt an Interpretationspotential besitzt, versuchte ich etwas Spezifisches für „meine Generation“ herauszufinden. Über einige Umwege entschied ich mich, mein „Erbe“ in Form meines familiären Ursprunges zu visualisieren, doch ganz eindeutig wurde dies auf australischer Seite nicht interpretiert.
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    Sommersemester 2009Katastrophen-Design | S.112 - 113 Toolbox Ökodesign | S. 114 - 115 love me fender | S. 116 - 117
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    Gegenstand der Präsentationwar, im Gegensatz zu den meisten anderen Vorträgen, weniger die Kom- munikation um ein bestimmtes Katastrophen-Bild, sondern vielmehr die Klima-Katastrophe an sich. Der Grund hierfür ist, dass die Klima-Katastrophe kein punktuelles Ereignis ist, das in einem Bild ein- gefangen werden konnte, sondern sich vielmehr über einen langen Prozess hinzieht. Katastrophen-Design
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    113112 Katastrophen-Design / WS/ Geschlechterverhältnis im Design / Sommersemester 2009 / 22.04.2009 bis 15.07.2009 Der Ausdruck„Klima-Katastrophe“ kam erst in den 70er Jahren durch verschiedene Ökologie-Bewe- gungen auf. Das Thema an sich allerdings bestand schon seit der Industrialisierung. Mit der Globa- lisierung wuchs auch das Verständnis der Klima- Katastrophe, da diese nun ganzheitlich betrachtet werden konnte, und weniger als lokales Problem. Hier wurde auch das Thema Verantwortlichkeit und Nachhaltigkeit im Kontext der Umwelt in armen und reichen Ländern diskutiert. Aus wirtschaftli- chen Gründen heraus ist es für finanzstärkere Men- schen einfacher, sich umweltbewusst zu verhalten, da sie nicht auf bestimmte Ressourcen angewiesen sind. Um die Klima-Katastrophe zu kontrollieren, wäre somit ein aufsteigen der Menschen in der Schicht notwendig. Da die Klima-Katastrophe kein bereits eingetrete- nes Ereignis ist, sondern vielmehr ein Zukunftssze- nario, lassen sich nur grobe Prognosen aufstellen, deren Glaubwürdigkeit stark umstritten ist. Es gibt keine klaren Beweise für oder gegen die bevorste- hende Klima-Katastrophe, da die Aufzeichnungen über Klimaveränderungen erst recht spät in Relati- on zur Weltgeschichte begannen. Dieser Umstand sorgte für rege Diskussionen, was Wissenschaft- lichkeit bedeutet. Zentrale Frage hierbei war, ob es sinnvoller ist, ohne Beweise von der These oder der Antithese auszugehen. Obwohl oder gerade weil die Katastrophe nicht beweisbar ist, ist sie in unserer Gesellschaft ständig ein Thema – oder auch eine Bedrohung. Ein Punkt, der stark zur Diskussion führte, war die Manipulation – nicht nur durch Bilder, son- dern auch durch Statistiken und Diagramme. Ein fotografisches Beispiel ist der Eisbär auf einer schmelzenden Eisscholle, der beim Menschen star- ke, beschützende Emotionen auslöst – allerdings hierbei unterschlagen wird, dass Eisbären in der Lage sind, über mehrere Kilometer zu schwimmen. Ein grafisches Beispiel für Manipulation ist eine Informationsgrafik, in der die Klimaerwärmung in einem kurzen Zeitabschnitt dargestellt wird. Wichtiger Diskussionspunkt war, ob der Mensch die Klima-Katastrophe verursacht hat. Einige Ethiker sind der Meinung, dass der Mensch, genau wie alle anderen Lebensformen, eine Daseinsberechtigung hat und keine Schuld am Lauf der Welt trägt. Viele Menschen gehen allerdings davon aus, dass sie die Klimaveränderungen verursachen – was den Men- schen als schuldhaft darstellt. Das Bedürfnis des Menschen nach Kontrolle und Sicherheit könnte Ursache dafür sein, dass er von der Schuld an der Katastrophe – und somit der daraus resultierenden Kontrollierbarkeit – ausgeht. Statistiken stellen Werte häufig so dar, dass sie einen Normalwert sug- gerieren. Hier stellte sich allerdings die Frage, ob es etwas wie einen Normalwert gibt und woran sich dieser festmachen würde. Dieser Aspekt spiegelt die Tatsache wider, dass sich der Mensch als Mittel- punkt versteht und sich die Welt unterordnen will. Die Klima-Katastrophe Manipulation Ethik und Egozentrik Wissenschaftlichkeit Bildquelle: http://klimagipfel.greenpeace.de/wp-content/uploads/2009/11/neuer-gletscher.jpg
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    But here wego again. There are leftovers and no garbage incineration plant can get rid of them. Because it is not their fault that there are toxic left overs, but the fault of those that created the former products regarding the need for a fitting into the ordinary system. At this point the designer comes back into this story. He or she should be the person that uses materials that do not turn into toxics after usage, who is able to convince compa- nies to work cradle to cradle to gain better reputation, save money that is normally used for problematic waste disposal an e.g. sustain- able customer loyalty. I know that this sounds utopistic. But it is about designing new processes instead of dull patches, an ideal of working as a designer to create a great and seriously innovative product, not a product that is less bad than others.
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    115114 Toolbox Ökodesign Eine toolbox,einen Werkzeugkasten mit Hilfe- stellungen zum Thema nachhaltiges Design für weitere Bereiche des Design zu entwicklen, war Inhalt dieses kurzfristigen Projektes. Die Reichweite von nachhaltigem Design zu vergrö- ßern, es auf unterschiedliche Bereiche der Gestal- tung hin auszudehnen und dem/ der DesignerIn eine Hilfestellung geben, wenn nachhaltig gestaltet werden soll, wurde im kurzfristigen Projekt „tool- box Ökodesign“ zum Ziel gesetzt. Zwar gibt es auch heute schon ein großes Ange- bot an nachhaltig gestalteten Produkten, doch sind diese oft sehr teuer oder wenig äußerlich anspre- chend. Um diesem Missstand entgegenzuwirken und auf spielerische, aber effektive Weise den De- signer stets an die Aspekte zu erinnern, welche zu nachhaltiger Gestaltung gehören, befasste ich mich mit meiner Projektgruppenpartnerin ausführlich mit dem Thema Nachhaltigkeit. Dieser Begriff setzt sich wiederum zusammen aus den Begriffen Ökonomie, Ökologie und soziale Gerechtigkeit. In Anbetracht der Tatsache, dass fast kein Produkt absolut nachhaltig gestaltet werden kann, da die Erfüllung aller Nachhaltigkeitskriteri- en nicht nur ausschließlich vom Designer, sondern vom gesamten Unternehmen abhängt, legten wir unser Hauptaugenmerk auf Produkte des täglichen Bedarfs. Nahezu jeder hat schon einmal auf einem Bürostuhl gesessen, sich die Hände gewaschen, sich Gedanken bei der allmorgentlichen Wahl seiner Kleidung gemacht. Doch was sich dahinter alles verbirgt, welche Produktions- und Recyclingprozesse diese Alltags- gegenstände hinter und vor sich haben, bevor, oder nachdem wir sie gebrauchen bleibt uns meistens verborgen. Woher stammen all die Kunststoffe, Me- talle und Hölzer dafür? Was wird aus ihnen, wenn wir „mit einem Produkt fertig sind“? Dies ist den Produkten kaum oder gar nicht anzusehen. Und so halten sich Schadstoffe, gesundheitsgefährdende Chemikalien und giftige Emissionen im Verborge- nen, welche bei der Produktion und des Recyclings (wenn es denn stattfindet) entstehen. Um dies zu ändern und in den Köpfen der Menschen (so- wohl der Gestalter, aber nicht ausschließlich) ein Bewusstsein für diese Problematik entstehen zu lassen, gestalteten wir „shift“. Ob sie in Designma- gazinen oder wissenschaftlicher Lektüre, vielleicht aber auch in der Kneipe nebenan oder im Warte- zimmer der Arztpraxis ausliegen: Interesse sollen sie wecken. Von der Vorderseite erweckt diese Kleinserie von Postkarten einen gewöhnlichen Eindruck - sobald man jedoch die überstehende Lasche aufreißt, stellt man fest, dass diese obsoleten Produkte nun bei aufgeklappter Lasche einer Grabsteininschrift äh- neln. Auf der Rückseite ist die nachhaltig designte Alternative zu sehen und weitere Informationen zum Produkt und dem Thema Nachhaltigkeit wer- den angeboten. Durch das beidseite, jedoch gegen- sätzliche Layout soll der Unterschied beider Produk- te hier zusätzlichverdeutlicht werden. Im Rahmen des Projektes unternahmen wir eine Exkursion zur Müllverbrennungsanlage AVG Köln Niehl, was spannende Ansatzpunkte für „tool- box Ökodesign“ lieferte. Toolbox Ökodesign / KP / Ökologie und Design / Sommersemester 2009 / 15.06.2009 bis 26.06.2009
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    love me fender Dasmittelfrsitige Projekt „love me fender“ war sehr experimentell ausgerichtet. Es galt, die unterschiedli- chen Funktionsprizipien von Klang, Harmonie, Reso- nanz und Stimmfähigkeit im Bezug auf den Bau eines einfachen Instrumentes anzuwenden.
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    117116 love me fender/ MP / Produktionstechnologie / Sommersemester 2009 / 21.04.2009 bis 28.05.2009 Saiteninstrumente sollten hergestellt werden, wel- che stimmbar sind und laut genug, um„unplugged“ auch hörbar zu sein. Da Experimentieren mit dem Baumaterial und dem daraus resultierenden Klang gefordert wurden, war es unerwünscht, eine Gitarre oder ähnliche Saiteninstrumente zu kopieren in einfacher Bauart. Neue Wege der Ton- und Klanger- zeugung sollten beschritten werden: Man musste das Prizip verschiedener Saiteninstrumente erst nachvollziehen können, um danach selbst ein Sai- teninstrument zu bauen. Nach der Fertigstellung des/ der Instrumente/s wurden ebendiese auch innerhalb des Projektzeit- raumens im Rahmen von Proben bespielt, um am Ende des Projektes ein experimentelles „Konzert“ aufzuführen. Recht schnell wurde jedoch deutlich, dass ein sol- ches Instrument, selbst auf einem simplen Niveau, schwierig zu konzipieren ist. Die Voraussetzungen: Stimmbarkeit, deutlich hörbare Lautstärke (also Resonanz) und die Möglichkeit, verschiedene Töne zu erzeugen, welche sich in Harmonien zusammen- fügen sollen. Um all dies zu erfüllen, musste eine Menge experimentiert werden – mit Material für die Resonanzkörper und Befestigungssystemen, mit Saiten, mit Stimmmechanismen, also: Klangerzeu- gung. Wie würde der optimale Klangkörper ausse- hen? Welche Stabilität muss er besitzen? Wieviele Töne werden darauf spielbar sein? Wie funktioniert Resonanz? Wodurch genau entstehen Töne eigent- lich? Was bedeutet Harmonie? Ist diese immer fortwährend gleich, oder gibt es kulturelle Unter- schiede der Auffassung von Harmonien? Zu Beginn des Projektes sammelte ich Ideen für mein Instrument: insgesamt zwölf ganze und halbe Töne spielen zu können, was ich erreichen wollte, da dies auch die gängige Tonalität eines Klavie- res (hierbei in mehrfacher Ausführung aufgrund der vielen Oktaven) ist und ich das Klavierspielen beherrsche. Im großen Maße ist auch das Klavier (und auch der Flügel) ein Saiteninstrument, da die Tonerzeugung durch das Anschlagen von Saiten mit filzbezogenen Hämmerchen, welche durch Tasten- anschlag betätigt werden, hervorgerufen wird. Durch diesen Ansatz baute ich aus einer Fahr- radfelge, Bremsleitungsschrauben, Metallsaiten und einer parabolisch gebogenen Polystyrolscheibe ein Instrument, welches klanglich enorm einer Gitarre gleicht.
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    Wintersemester Sweets 2009 |S. 120 - 123 Mit freundlichen Grüßen | S. 124 - 127 |2009
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    121120 Sweets 2009 Für dieInternationale Süßwarenmesse (ISM) wurden verschiedene Konzepte rund um das Thema „Neue Darreichungsformen im Süßwarensektor“ im Rahmen eines Kooperationsprojektes der Kölner International School of Design und der koelnmesse entwickelt. Eines davon sind die „sweet sheep“. Sweets 2009 / MP / Design Konzepte / Wintersemester 2008/09 / 09.12.2008 bis 12.02.2009 In diesem Projekt wurden Süßwaren im Hinblick auf Darreichung, Verpackung, sowie Konzepte rund um den Bio-Süßwarenmarkt der Zukunft thematisiert. Die realistische Serienproduktion für industrielle und weitere kommerzielle Zwecke nach diesem Projekt waren nicht die Hauptkriterien während der Konzeptgestaltung der verschiedenen Produkte. Dadurch ergaben sich Freiräume der Gestaltung der Produkte. Ziel war es, möglichst realistische Mock-Ups zu erarbeiten, welche auf der ISM auf einem separaten Stand der Öffentlichkeit präsen- tiert wurden. Dieser Stand sollte Anregungen bieten, das Thema Süßwaren aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten, jenseits der Einschränkungen von Produktionsmöglichkeiten. Die Idee hinter „sweet sheep“ ist ein spielerischer Umgang beim Verzehr durch alle Altersstufen. Man beißt in Zuckerwatte gehüll- ten Weingummischafen den Kopf ab und im Anschluss fließt eine sirupartige Füllung aus dem kleinen Körper. Ein kleiner Einfluss von animalischer Handlung im sonst so braven und niedlichen Süßwaren-Milieu.
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    125124 Mit freundlichen Grüßen Giveawaysfür die Köln International School of Design! Mit freundlichen Grüßen / MP / Design Konzepte / Wintersemester 2008/09 /14.10.2008 bis 04.12.2008 In diesem mittelfristigen Projekt war es Ziel, in verschiedenen Gruppen giveaways für die Köln International School of Design zu konzipieren. Die drei Kerzen beziehen sich mit ihrer unterschiedlichen Größe auf die Projekte – kurz-, mittel- und langfristig – an der KISD und sind in einer Präsentationsbox verpackt. Da Kerzenlicht oft eine sanfte und warme Atmosphäre schafft, betont es somit auch die warme und familiäre Atmosphäre an der KISD, welche man unter den Studenten und den Professoren vorfindet. Aus einer Vielzahl von Skizzen und Ideen entwickelte sich das Kon- zept von KISDlight schrittweise: Die erste Idee der Kerze als Symbolik der Veränderung und Erleuchtung im Rahmen des Semesterthemas „Timemaschine“ entstand am 30. Oktober 2008 als Skizze einer Kerze, welche als vollkommen ungenaue Zeitmaschine zu verstehen ist. Die Aufteilung in drei Kerzen im Zusammenhang mit der Projektlänge bot sich daher idealerweise an.
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    127126 Mit freundlichen Grüßen/ MP / Design Konzepte / Wintersemester 2008/09 /14.10.2008 bis 04.12.2008
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