Die rechtlichen
Rahmenbedingungen von BYOD

    RA und FA-IT-Recht Stephan Schmidt

   CeBIT Mobile Business Solutions Forum
                 07.03.2013
…damit BYOD nicht zu

Bring Your Own Desaster

            wird.
       © RA Stephan Schmidt 2013   2
Agenda

I. Datenschutzrechtliche Pflichten
II. Nutzungsrechte und Lizenzen
III. Aufbewahrungs- und Herausgabepflichten
IV. Arbeitszeitrechtliche Problematiken
V. Mitbestimmungsrechte
VI. Haftung und Ersatzpflichten

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I.

DATENSCHUTZRECHTLICHE
PFLICHTEN

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Datenschutz I
• BYOD ist Datenauslagerung an eine Privatperson
• Problem: Device des Arbeitnehmers wird zur
  Infrastruktur der verarbeitenden Stelle und muss
  entsprechend überwacht werden
• Private und dienstliche Daten sollten getrennt
  werden (mittels Software), sonst droht
  • die Verletzung des Persönlichkeitsrechts des
    Arbeitnehmers  keine Kontrollmöglichkeiten
  • Verletzung von Geheimhaltungspflichten des Arbeitgebers
    aus Verträgen und 17 UWG


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Datenschutz II
• Trennung möglich durch den Einsatz von Container
  Apps (Sandbox) oder Virtualisierungs-/Remote-
  Lösungen
• Fernsperrung/-überwachung oder Fernlöschung
  kommen nur für den „dienstlichen Teil“ in Betracht
   • es droht Verstoß gegen 32 BDSG und 35 Absatz 3 Nr.
     5 BDSG und bei Löschung privater Daten sogar eine
     Schadensersatzpflicht
   • der „ausführende“ Mitarbeiter wird Strafbarkeitsrisiken
     ausgesetzt ( 206 Absatz 1, 2 Nr. 3 StGB)
   • Einwilligungen des Arbeitnehmers schützen nur
     unzureichend
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Datenschutz III
• Automatische Löschfunktionen (Wipe wird immer
  dann ausgeführt, wenn Device über bestimmten
  Zeitraum nicht am Firmennetzwerk angemeldet war)
  sind immer unzulässig
• Jailbreaking/Rooting muss technisch verhindert
  werden – dies ist auch rechtlich zulässig, obwohl der
  Arbeitnehmer dadurch in der Nutzung des Geräts
  eingeschränkt wird
• „privates“ Cloud-Computing von (auch) dienstlichen
  Daten ist unzulässig
   • Achtung: iCloud sichert auch ein komplettes Backup des
     iPhones
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II.

NUTZUNGSRECHTE UND
LIZENZEN

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Nutzungsrechte
• Geschäftliche Nutzung von Software die auf dem
  Device für den privaten Gebrauch installiert ist, ist
  oft nicht zulässig
   • Arbeitgeber haftet nach 99 UrhG wenn eine App zum
     Vorteil des Unternehmens genutzt wird (z.B.
     Taschenrechner- oder Kalkulations-App)
   • kann besonders problematisch werden, wenn der
     Arbeitnehmer für die Überlassung entschädigt wird
• Arbeitgeber muss sicherstellen dass die genutzte
  Unternehmens-Software ausreichend lizensiert ist
   • Aufspaltungsverbot beachten
   • Sicherstellen, dass private Nutzung erlaubt ist
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III.

AUFBEWAHRUNGS- UND
HERAUSGABEPFLICHTEN

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Herausgabepflichten
• Gesetzliche Aufbewahrungspflichten aus 257
  Absatz 1 HGB und 147 Absatz 1 AO gelten auch
  für mobil erstellte Geschäftsunterlagen
• Arbeitgeber muss sicherstellen, dass „dienstliche“
  Partition regelmäßig synchronisiert/gesichert wird
• Arbeitnehmer sollte darüber hinaus zur
  regelmäßigen manuellen Datensicherung
  verpflichtet werden
• bei Ermittlungen muss Herausgabepflicht des
  Arbeitnehmers bestehen – dafür muss
  angemessene Gegenleistung vereinbart werden
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IV.

ARBEITSZEITRECHTLICHE
PROBLEMATIKEN

         © TCI Rechtsanwälte 2013   12
Arbeitsrecht
• Risiko der Überschreitung der zulässigen Arbeitszeit
  ( 3 ArbZG), da Arbeitnehmer anders als ein rein
  dienstliches Device das private Device nicht
  ausschalten wird
• Risiko insbesondere bei Anordnung der
  Erreichbarkeit durch den Arbeitgeber
• das Lesen von E-Mail genügt um gesetzlich
  vorgeschriebene Ruhezeit zu unterbrechen

• Ordnungswidrigkeit mit bis zu 15.000 € Bußgeld

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V.

MITBESTIMMUNGSRECHTE


        © TCI Rechtsanwälte 2013   14
Mitbestimmungsrecht
• Einführung und mögliche Ausgestaltung von BYOD
  sind regelmäßig mitbestimmungspflichtig ( 87
  Absatz 1 Nr. 1, 2 und 6 BetrVG)
• Bloße Eignung zur Überwachung ist ausreichend
• Mitbestimmungsrecht besteht sowohl für
  verbindliche Weisungen, als auch für unverbindliche
  Aufforderungen (bsp. kein Datenroaming im Ausland
  zu nutzen)
• Empfehlung Betriebsvereinbarung abschließen
• bei BYOD als Betriebsmittelersatz ist aber zwingend
  arbeitsvertragliche Regelung erforderlich
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VI.

HAFTUNG UND
ERSATZPFLICHTEN

        © TCI Rechtsanwälte 2013   16
Haftung u. Ersatzpflichten I
• Arbeitnehmer haftet nur in Ausnahmefällen für
  Schäden, die durch sein Device verursacht werden
• Bei BYOD als Betriebsmittelersatz - Anspruch auf
  Aufwendungsersatz des Arbeitnehmers (übliche
  Leasingkosten, Gesprächskosten, nicht aber
  Grundgebühren)
• Anspruch ist zwar grundsätzlich abdingbar,
  allerdings stellt es wohl eine unangemessene
  Benachteiligung dar, wenn Kostenübernahme
  generell ausgeschlossen wird (klare vertragliche
  Regelung erforderlich)
                   © TCI Rechtsanwälte 2013          17
Haftung u. Ersatzpflichten II
• bei Verlust und Beschädigung „bei Erfüllung
  dienstlicher Tätigkeiten“ besteht Ersatzpflicht des
  Arbeitgebers (Bundesarbeitsgericht: Ersatzpflicht
  selbst bei Mietvertrag)
   • Achtung: die üblichen Betriebshaftpflicht- und IT-
     Versicherungen umfassen BYOD meist nicht
   • Folgeproblem: Was wenn Arbeitnehmer kein neues Gerät
     anschaffen will?




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Fazit
Die Einführung eines BYOD-Konzepts erfordert
• eine Sorgfältige Analyse der wirtschaftlichen und
  technischen Gegebenheiten
• die Umsetzung durch Vereinbarung zwischen
  Arbeitgeber und Arbeitnehmer
• eine transparente Regelung, die auch einer AGB-
  rechtlichen Prüfung standhält
• die Einbeziehung des Betriebsrates
• die Vergütung der Bereitstellung des Gerätes (nicht
  nur Nutzungsentgelt, sondern auch weitere Kosten)
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Die rechtlichen Rahmenbedingungen von BYOD

  • 1.
    Die rechtlichen Rahmenbedingungen vonBYOD RA und FA-IT-Recht Stephan Schmidt CeBIT Mobile Business Solutions Forum 07.03.2013
  • 2.
    …damit BYOD nichtzu Bring Your Own Desaster wird. © RA Stephan Schmidt 2013 2
  • 3.
    Agenda I. Datenschutzrechtliche Pflichten II.Nutzungsrechte und Lizenzen III. Aufbewahrungs- und Herausgabepflichten IV. Arbeitszeitrechtliche Problematiken V. Mitbestimmungsrechte VI. Haftung und Ersatzpflichten © TCI Rechtsanwälte 2013 3
  • 4.
    I. DATENSCHUTZRECHTLICHE PFLICHTEN © TCI Rechtsanwälte 2013 4
  • 5.
    Datenschutz I • BYODist Datenauslagerung an eine Privatperson • Problem: Device des Arbeitnehmers wird zur Infrastruktur der verarbeitenden Stelle und muss entsprechend überwacht werden • Private und dienstliche Daten sollten getrennt werden (mittels Software), sonst droht • die Verletzung des Persönlichkeitsrechts des Arbeitnehmers  keine Kontrollmöglichkeiten • Verletzung von Geheimhaltungspflichten des Arbeitgebers aus Verträgen und 17 UWG © TCI Rechtsanwälte 2013 5
  • 6.
    Datenschutz II • Trennungmöglich durch den Einsatz von Container Apps (Sandbox) oder Virtualisierungs-/Remote- Lösungen • Fernsperrung/-überwachung oder Fernlöschung kommen nur für den „dienstlichen Teil“ in Betracht • es droht Verstoß gegen 32 BDSG und 35 Absatz 3 Nr. 5 BDSG und bei Löschung privater Daten sogar eine Schadensersatzpflicht • der „ausführende“ Mitarbeiter wird Strafbarkeitsrisiken ausgesetzt ( 206 Absatz 1, 2 Nr. 3 StGB) • Einwilligungen des Arbeitnehmers schützen nur unzureichend © TCI Rechtsanwälte 2013 6
  • 7.
    Datenschutz III • AutomatischeLöschfunktionen (Wipe wird immer dann ausgeführt, wenn Device über bestimmten Zeitraum nicht am Firmennetzwerk angemeldet war) sind immer unzulässig • Jailbreaking/Rooting muss technisch verhindert werden – dies ist auch rechtlich zulässig, obwohl der Arbeitnehmer dadurch in der Nutzung des Geräts eingeschränkt wird • „privates“ Cloud-Computing von (auch) dienstlichen Daten ist unzulässig • Achtung: iCloud sichert auch ein komplettes Backup des iPhones © TCI Rechtsanwälte 2013 7
  • 8.
    II. NUTZUNGSRECHTE UND LIZENZEN © TCI Rechtsanwälte 2013 8
  • 9.
    Nutzungsrechte • Geschäftliche Nutzungvon Software die auf dem Device für den privaten Gebrauch installiert ist, ist oft nicht zulässig • Arbeitgeber haftet nach 99 UrhG wenn eine App zum Vorteil des Unternehmens genutzt wird (z.B. Taschenrechner- oder Kalkulations-App) • kann besonders problematisch werden, wenn der Arbeitnehmer für die Überlassung entschädigt wird • Arbeitgeber muss sicherstellen dass die genutzte Unternehmens-Software ausreichend lizensiert ist • Aufspaltungsverbot beachten • Sicherstellen, dass private Nutzung erlaubt ist © TCI Rechtsanwälte 2013 9
  • 10.
    III. AUFBEWAHRUNGS- UND HERAUSGABEPFLICHTEN © TCI Rechtsanwälte 2013 10
  • 11.
    Herausgabepflichten • Gesetzliche Aufbewahrungspflichtenaus 257 Absatz 1 HGB und 147 Absatz 1 AO gelten auch für mobil erstellte Geschäftsunterlagen • Arbeitgeber muss sicherstellen, dass „dienstliche“ Partition regelmäßig synchronisiert/gesichert wird • Arbeitnehmer sollte darüber hinaus zur regelmäßigen manuellen Datensicherung verpflichtet werden • bei Ermittlungen muss Herausgabepflicht des Arbeitnehmers bestehen – dafür muss angemessene Gegenleistung vereinbart werden © TCI Rechtsanwälte 2013 11
  • 12.
    IV. ARBEITSZEITRECHTLICHE PROBLEMATIKEN © TCI Rechtsanwälte 2013 12
  • 13.
    Arbeitsrecht • Risiko derÜberschreitung der zulässigen Arbeitszeit ( 3 ArbZG), da Arbeitnehmer anders als ein rein dienstliches Device das private Device nicht ausschalten wird • Risiko insbesondere bei Anordnung der Erreichbarkeit durch den Arbeitgeber • das Lesen von E-Mail genügt um gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit zu unterbrechen • Ordnungswidrigkeit mit bis zu 15.000 € Bußgeld © TCI Rechtsanwälte 2013 13
  • 14.
    V. MITBESTIMMUNGSRECHTE © TCI Rechtsanwälte 2013 14
  • 15.
    Mitbestimmungsrecht • Einführung undmögliche Ausgestaltung von BYOD sind regelmäßig mitbestimmungspflichtig ( 87 Absatz 1 Nr. 1, 2 und 6 BetrVG) • Bloße Eignung zur Überwachung ist ausreichend • Mitbestimmungsrecht besteht sowohl für verbindliche Weisungen, als auch für unverbindliche Aufforderungen (bsp. kein Datenroaming im Ausland zu nutzen) • Empfehlung Betriebsvereinbarung abschließen • bei BYOD als Betriebsmittelersatz ist aber zwingend arbeitsvertragliche Regelung erforderlich © TCI Rechtsanwälte 2013 15
  • 16.
    VI. HAFTUNG UND ERSATZPFLICHTEN © TCI Rechtsanwälte 2013 16
  • 17.
    Haftung u. ErsatzpflichtenI • Arbeitnehmer haftet nur in Ausnahmefällen für Schäden, die durch sein Device verursacht werden • Bei BYOD als Betriebsmittelersatz - Anspruch auf Aufwendungsersatz des Arbeitnehmers (übliche Leasingkosten, Gesprächskosten, nicht aber Grundgebühren) • Anspruch ist zwar grundsätzlich abdingbar, allerdings stellt es wohl eine unangemessene Benachteiligung dar, wenn Kostenübernahme generell ausgeschlossen wird (klare vertragliche Regelung erforderlich) © TCI Rechtsanwälte 2013 17
  • 18.
    Haftung u. ErsatzpflichtenII • bei Verlust und Beschädigung „bei Erfüllung dienstlicher Tätigkeiten“ besteht Ersatzpflicht des Arbeitgebers (Bundesarbeitsgericht: Ersatzpflicht selbst bei Mietvertrag) • Achtung: die üblichen Betriebshaftpflicht- und IT- Versicherungen umfassen BYOD meist nicht • Folgeproblem: Was wenn Arbeitnehmer kein neues Gerät anschaffen will? © TCI Rechtsanwälte 2013 18
  • 19.
    Fazit Die Einführung einesBYOD-Konzepts erfordert • eine Sorgfältige Analyse der wirtschaftlichen und technischen Gegebenheiten • die Umsetzung durch Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer • eine transparente Regelung, die auch einer AGB- rechtlichen Prüfung standhält • die Einbeziehung des Betriebsrates • die Vergütung der Bereitstellung des Gerätes (nicht nur Nutzungsentgelt, sondern auch weitere Kosten) © TCI Rechtsanwälte 2013 19
  • 20.
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