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Mutter & Baby
Beschwerden & Erkrankungen
Sexualgesundheit
Das reifere Alter
Gesundheit & Fitness
2006
Berufsverband
der Frauenärzte e.V.
In Zusammenarbeit mit dem
2006
31972_GerWB_Cover1.indd 131972_GerWB_Cover1.indd 1 25/5/06 11:26:0725/5/06 11:26:07
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 5
Sehr verehrte liebe Patientin,
das Informationsbedürfnis unserer Patientinnen hat in den letzten Jahrzehnten
deutlich zugenommen, was für Frauenärzte und -ärztinnen eine Herausforderung
in der Beratung und Betreuung bedeutet. Mit dieser Broschüre halten Sie eine
Sammlung von Artikeln zum Thema Frauengesundheit in der Hand, die in
Umfang und Inhalt in Deutschland einmalig ist. Nicht nur die häufigsten
Krankheiten, sondern auch Ratschläge zur Gesundheitsförderung und
Ernährung werden kurz, übersichtlich und leicht verständlich beschrieben.
Die Broschüre soll Ihr Verständnis um das Funktionieren und das Wohlempfinden
Ihres Körpers erweitern und Sie bei Beschwerden vorab über mögliche Ursachen
informieren. Sie soll auch einen Einblick in die Zusammenhänge ermöglichen,
die sich hinter einer medizinischen Diagnose verbergen.
Ihre Frauenärztin bzw. Ihr Frauenarzt ist Mitglied einer der größten
ärztlichen Berufsverbände in Deutschland, der sich für den Erhalt Ihrer
hochqualifizierten Versorgung und alle – auch nichtmedizinischen – Belange
der Frauen einsetzt. Beratung, Betreuung und Behandlung erfolgen stets
nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das trifft auf alle
Kompetenzbereiche zu, von der Familienplanung, Schwangeren- und
Krankenbetreuung bis hin zu gesunder Ernährung oder Sexualberatung.
Liebe Patientin, selbst ein Lehrbuch kann niemals vollständig sein.
Deshalb wenden Sie sich mit all Ihren Sorgen immer vertrauensvoll an
Ihren Frauenarzt. Er ist stets für Sie da und bereit, Ihnen fachkundig und
unverzüglich zu helfen.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen dieses schönen Heftchens und
verbleibe für die Kollegen im Berufsverband der Frauenärzte
Ihr
Dr. med. Christian Albring
Präsident des BVF e.V.
Willkommen
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Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit6
Liebe Leserin,
die vorliegende Broschüre ist ein einzigartiges Projekt, das in
Zusammenarbeit zwischen dem Berufsverband der Frauenärzte e.V.
und Boston Hannah International entstanden ist. Es hat in seiner
Erstellung viel Spaß gemacht und wir sind stolz darauf, dass wir
renommierte Frauenärzte und erfahrene Medizinjournalisten dafür
als Autoren gewinnen konnten. Wir haben uns um eine ausgewogene
Mischung bemüht, die Frauen in allen Lebensphasen praktische
Orientierungshilfen bieten soll.
Hauptanliegen der Broschüre ist es, Informationsdefizite auszugleichen
und Sie auf den Besuch bei Ihrem Frauenarzt besser vorzubereiten.
Sicherlich haben Sie in allen Lebensphasen viele Fragen zu Ihrer
Gesundheit. Schwangerschaft ist meistens mit positiven Gefühlen
besetzt und hat grundsätzlich nichts mit Krankheit zu tun, aber Sie
und Ihr Frauenarzt wollen dem Kind die bestmögliche Chance zu
einem gesunden Start ins Leben geben. Anders ist es, wenn Ihr Körper
deutliche Zeichen einer Krankheit zeigt. Hier erfahren Sie, wie die
Diagnose gestellt wird und was für Behandlungsmöglichkeiten Ihr
Frauenarzt Ihnen vorschlagen kann. Oft sind es zum Glück nur kleinere
Beschwerden, mit denen Sie aber keinesfalls leben müssen.
Während Sie im Wartezimmer sitzen, können Sie sich die Zeit damit
verkürzen, den einen oder anderen für Sie relevanten Artikel zu lesen;
dann können Sie gezielter Fragen stellen, wenn Sie Ihren Frauenarzt
oder Ihre Frauenärztin konsultieren.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre!
Ihre
Sabine Wolff-Counihan
Chefredakteurin
PS: Helfen Sie uns dabei, die nächste Ausgabe noch besser zu gestalten.
Über Lob, Kritik und Anregungen würden wir uns freuen – schicken Sie
uns einfach eine E-Mail an: feedback@bostonhannah.com
Editorial
Boston Hannah International
Verleger & CEO Kevin Harrington
Redaktionsleitung Charles Ford
Chefredaktion Sabine Wolff-Counihan
Redaktion &
Übersetzungen Bettina Mundt
Kapiteleinleitungen von Ulrike Orthen
Koordination Meike Albrecht
Design Silke Spingies
Illustrationen Conny Jude
Verlagsmanagement Earl Ayers
Produktion Joanna Harrington
Anzeigenproduktion Lucy Smith
Wellbeing – Das Journal für Frauengesundheit
wird in Zusammenarbeit mit dem
BERUFSVERBAND DER FRAUENÄRZTE (BVF)
e.V. veröffentlicht.
BERUFSVERBAND DER FRAUENÄRZTE e. V.
Pettenkoferstraße 35
D-80336 München
Tel: +49 (0)89 24 44 66-0
Fax: +49 (0)89 24 44 66-100
E-Mail: bvf@bvf.de
Wellbeing 2006 wird von
Boston Hannah International
veröffentlicht.
BOSTON HANNAH INTERNATIONAL
21–25 Bruges Place, Randolph Street
London NW1 0TF
United Kingdom
Tel: + 44 (0)20 7870 9000
Fax: + 44 (0)20 7870 9095
E-Mail: wellbeing@bostonhannah.com
© Boston Hannah International, 2006.
Alle Rechte vorbehalten. Abdruck, auch
auszugsweise, nur mit schriftlicher
Genehmigung des Verlages.
Die Beiträge in dieser Publikation geben
ausschließlich die Meinung und die
Ansichten des jeweiligen Autors wieder
und repräsentieren nicht unbedingt die
Ansichten, Richtlinien oder Empfehlungen
des BVF. Die Publikation erhebt keinen
Anspruch auf Vollständigkeit. Alle Infor-
mationen wurden sorgfältig recherchiert
und geprüft. Für dennoch auftretende
Fehler bzw. für die Aktualität und Voll-
ständigkeit der Beiträge übernehmen
weder der Verlag noch der BVF keine
Gewähr oder Haftung. Bei Fragen sollten
Leserinnen ihren Frauenarzt konsultieren.
Druck: Druckerei Winkowski, Pila
Media Sales by B Hannah Limited,
Tel: +44 (0)20 7870 9000
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64
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Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 9
Inhalt
Willkommen ............................................. 5
Grußwort des Präsidenten
Editorial, Impressum ................................. 6
Mutter & Baby 1
Einleitung ................................................13
Schritt für Schritt durch
die Schwangerschaft................................ 15
Vorsorge und Betreuung im Überblick.
Von Dr. med. H. M. Thauer
Spezialuntersuchungen in
der Schwangerschaft ...............................22
Möglichkeiten der vorgeburtlichen
Diagnostik. Von Dr. med. H. M. Thauer
ABC der Schwangerschaftsbeschwerden .. 26
Ursachen, Symptome, Mittel zur Besserung.
Von Dr. med. H. M. Thauer
Gestationsdiabetes .................................. 30
Was Sie über Schwangerschaftsdiabetes
wissen sollten. Von Ulrike Orthen
Es werden Zwillinge ................................ 32
Besonderheiten der Mehrlingsschwanger-
schaft. Von Prof. Dr. Bernd Klausch
Besser rauchfrei und nüchtern! ............... 33
Gute Gründe für Schwangere, auf Drogen
zu verzichten. Von Elke Linda Buchholz
Schöne Umstände .................................... 34
Schönheitspflege für Schwangere.
Von Dr. med. Brigitte Holzgreve
Schwangerenernährung .......................... 39
Informationen und Tipps für eine
ausgewogene Kost. Von Dipl.-Med.
Ulrich Freitag und Dr. med. Heiner Müller
Worauf sollten Schwangere bei
ihrer Ernährung achten? ......................... 44
Was gesund ist und was schadet.
Von Dipl. oec. troph. Birgitta Tummel
Jetzt ist es passiert .................................. 46
Schwanger als Teenager. Von Ulrike Orthen
Schwanger über 40 ................................. 48
Bei Schwangeren über 40 ist besondere
Vorsorge geboten. Von Monika Preuk
Fit durch die Schwangerschaft ................ 49
Sport tut Schwangeren gut – aber es gibt
einiges zu beachten. Von Ulrike Orthen
Wehen: Startschuss für die Geburt .......... 50
Wissenswertes über Wehen.
Von Prof. Dr. Bernd Klausch
Künstliche Weheneinleitung und
natürliche Alternativen ........................... 53
Ursachen und Formen der Weheneinleitung.
Von Prof. Dr. Eckhard Koepcke
Schmerz lass nach ................................... 56
Schmerzerleichterung unter der Geburt.
Von Dr. med. Brigitte Holzgreve
Die natürliche Entbindung ...................... 58
Vorteile und Risiken natürlichen Gebärens.
Von Prof. Dr. Eckhard Koepcke
Der Kaiserschnitt .................................... 59
Indikationen, Vorgehen, Risiken.
Von Prof. Dr. Bernd Klausch
Gute Chancen für Frühchen ..................... 61
Wenn Babys nicht warten können.
Von Elke Linda Buchholz
Fehlgeburt – wenn gute Hoffnung
plötzlich zerbricht ...................................62
Körperliche und psychische Aspekte.
Von Dr. med. Brigitte Holzgreve
Geht es meinem Baby gut? ..................... 64
Die Erstuntersuchung (U1).
Von Prof. Dr. Bernd Klausch
Der Baby-Blues ........................................ 67
Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.
Von Prof. Dr. Bernd Klausch
Stillen – der beste Start ins Leben ........... 71
Informationen rund ums Stillen.
Von Dr. Jürgen Schumann
Stillen – und was dann? ...........................76
Die Umstellung auf feste Babykost.
Von Dr. Skadi Springer
Schlaf, Kindchen, schlaf … .......................77
Wie Sie Ihrem Kind helfen, besser
zu schlafen. Von Elke Linda Buchholz
Von Anfang an aktiv ................................78
Babys Entwicklung im ersten Lebensjahr.
Von Elke Linda Buchholz
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82
90
117
99
143
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit10
Inhalt
Gesundheit & Fitness 2
Einleitung ................................................81
Essen Sie sich gesund ...............................82
Ernährungstipps für verschiedene
Lebensphasen. Von Sabine Wolff-Counihan
Vitamine und Mineralien .........................88
Warum sie für unsere Gesundheit uner-
lässlich sind. Von Sabine Wolff-Counihan
Sport und Bewegung ...............................90
Ein Wegweiser durch die Vielfalt der
Angebote. Von Rosemary Conley
Schutzimpfungen .................................... 92
Eine Präventionsmaßnahme, die Leben
rettet. Von Dr. med. Michael Wojcinski
Beschwerden & Erkrankungen 3
Einleitung ................................................94
Im Wechselbad der Hormone .................. 96
PMS. Von Prof. Dr. Shaughn O‘Brian
Menstruationsbeschwerden .................... 99
Zur Behandlung starker und schmerzhafter
Regelblutung. Von Dr. Peter Bowen-Simpkins
Ausfluss, Juckreiz, Brennen .................... 101
Scheideninfektionen: Symptome und
Therapie. Von PD Dr. med. Andreas Clad
Blasenentzündung .................................102
Tipps zur Vorbeugung und Behandlung.
Von Dr. Suzy Elneil
Endometriose – weit verbreitet
und oft unentdeckt ............................... 104
Medikamentöse und operative
Behandlungswege. Von Dr. Jane Mears
Unterleibskrebs ..................................... 106
Entstehung, Auftreten, Prognose.
Von Prof. Dr. Bernd Klausch
Zwischen Bangen und Hoffnung ............109
Ursachen und Behandlungsformen von
Unfruchtbarkeit. Von Dr. Werner Harlfinger
Hilfe bei Blasenschwäche .......................113
Harninkontinenz ist gut therapierbar.
Von Dr. Philip Smith
Brustkrebs ............................................. 117
Behandlungswege und Heilungschancen.
Von Prof. Dr. Bernd Gerber
Sicher fühlen ......................................... 121
Brustkrebsvorsorge und Selbstuntersuchung.
Von Dipl.-Med. Ulrich Freitag
Hysterektomie und Alternativen ........... 122
Ein Überblick über verschiedene Verfahren.
Von Prof. Dr. Johannes Bitzer
Sexualgesundheit 4
Einleitung .............................................. 125
Verhütungsmethoden im Überblick ....... 126
Von der Pille bis zur Kalendermethode.
Von Dr. Werner Harlfinger
Traurig und befreit zugleich .................. 130
Der Schwangerschaftsabbruch löst oft eine
innere Krise aus. Von Hilke Schicketanz
Riskante Abenteuer ............................... 131
Sexualkrankheiten – wie Sie sich und andere
schützen können. Von Dr. Jo Evans
Sexualprobleme – es gibt eine Lösung ... 133
Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren
Frauenarzt. Von Prof. Dr. James Drife
Das reifere Alter 5
Einleitung .............................................. 137
Menopause und Postmenopause ............139
Die hormonelle Umstellung in der
Lebensmitte. Von Dr. med. H. M. Thauer
Hormonersatztherapie:
Was sind die Möglichkeiten?.................. 141
Vorteile der Hormontherapie.
Von Dr. med. H. M. Thauer
Hormonersatztherapie ...........................143
Risiken und Nebenwirkungen – was ist
wirklich dran? Von Dr. med. H. M. Thauer
Volkskrankheit Osteoporose ..................145
Risikofaktoren, Vorbeugung, Therapie.
Von PD Dr. med. Peyman Hadji
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Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 13
1Mutter
& Baby
Wer schwanger wird, weiß nur eines
sicher: Jetzt wird alles anders. Die Fragen
überschlagen sich. Was kann ich tun, damit
das Baby im Bauch gesund heranwächst?
Welche Geburtsmethode eignet sich für mich
am besten? Und was passiert, wenn das Baby
da ist? Jede Mutter ist bemüht, ihrem Kind
einen guten Start ins Leben zu geben. Die
Frage ist nur: Wie mache ich’s richtig?
Im folgenden Kapitel möchten wir Sie
durch die verschiedenen Phasen des
Mutterwerdens begleiten. Sie werden lesen,
wie sich Ihr Körper in der Schwangerschaft
verändert und was die pränatale Vorsorge
alles umfasst. Und Sie erhalten vielfältige
Informationen zu weiteren wichtigen
Themen wie Schwangerschaftsbeschwerden,
Risikoschwangerschaften und Gefahren bei
Drogenkonsum in der Schwangerschaft.
Während der Schwangerschaft ist Ihr Körper
starken Belastungen ausgesetzt und braucht
besondere Pflege. Wir zeigen Ihnen, wie Sie
mit Hilfe von gesunder Ernährung, Fitness
und der richtigen Schönheitspflege zum
eigenen Wohlbefinden und gleichzeitig zur
gesunden Entwicklung Ihres Babys beitragen.
Wer die Wahl hat, hat auch die Qual.
Die Vielzahl an Geburtsmethoden und
Möglichkeiten der Schmerzlinderung
können verwirren und viele Frauen haben
verständlicherweise Angst, wenn der
Geburtstermin näher rückt. Die Erfahrung
zeigt, dass bei gut vorbereiteten und
informierten Schwangeren die Geburten
einfacher und schneller verlaufen.
Und schließlich ist es so weit: Das Kind ist auf
der Welt und möchte gefüttert und versorgt
werden. Besonders, wenn Sie zum ersten
Mal Mutter geworden sind, können diese
Anforderungen mit Stress verbunden sein.
Unsere Artikel über die Erstuntersuchung des
Babys, das Stillen, den „Baby-Blues“ und ein
Beitrag mit Tipps, wie das Baby besser schlafen
lernt, helfen Ihnen, die erste turbulente Zeit
besser zu bewältigen.
Wissen schafft Sicherheit und Selbstvertrauen.
Unsere Beiträge sollen Ihnen Informationen
und Orientierungshilfe bieten, um mit Hilfe
der Frauenärztin oder des Frauenarztes Ihres
Vertrauens die Basis für ein glückliches Leben
mit Ihrem Kind zu schaffen. ■
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Fragen bei der
Erstuntersuchung
• Abstand der Monatsblutungen
vor der Schwangerschaft?
• Erster Tag der letzten Periode?
• Frühere Schwangerschaften?
Probleme? Komplikationen?
• Frühere Operationen?
• Frühere Bluttransfusion?
• Kinderkrankheiten und andere
bisherige Krankheiten?
• Vererbbare Erkrankungen in
Ihrer Familie bzw. der Ihres
Partners?
• Bluthochdruck oder Zucker-
krankheit in Ihren Familien?
• Thrombose-Erkrankungen?
• Raucherin?
• Alkohol- oder Drogenkonsum?
• Regelmäßige Medikamenten-
einnahme oder Medikamenten-
einnahme in letzter Zeit?
• Beruflicher oder privater Stress?
„Mal sehen, was passiert“ ...
Nachdem Sie die Pille abgesetzt haben,
schwanken Sie zwischen freudiger Er-
wartung und kribbeliger Ungewissheit.
Das Ausbleiben der Regelblutung
und ein bleibendes Spannungsgefühl
in der Brust erhärten den Verdacht,
dass „es geklappt hat“. Und weil der
Schwangerschaftstest aus der Apotheke
nicht absolut sicher ist, schafft die Un-
tersuchung des Frauenarztes Klarheit:
„Ja, Sie sind schwanger!“ Ein Wechsel-
bad der Gefühle: Von euphorischer
Freude bis zu sorgenvoller Nachdenk-
lichkeit spannt sich die Palette Ihrer
Emotionen. Das ist ganz normal.
Was muss der Frauenarzt
von mir wissen?
Bei der ersten Untersuchung wird der
Arzt viel über Ihre Lebens- und Ge-
sundheitsgeschichte wissen wollen.
Dies dient dazu, eventuelle Problem-
oder Risikopunkte von Anfang an zu
erkennen und Nachteile für Sie und
Ihr Baby auszuschließen.
Wann kommt mein
Baby zur Welt?
Ihr Frauenarzt berechnet den Entbin-
dungstermin anhand des ersten Tages
der letzten Periode:
Schritt für Schritt durch
die Schwangerschaft
„Herzlichen Glückwunsch, Sie
bekommen ein Baby!“ Mit einem
strahlenden Lächeln nehmen Sie die
gute Nachricht Ihres Arztes entgegen.
Tausend Fragen gehen Ihnen jetzt
durch den Kopf. Keine Angst: Ihr
Frauenarzt führt Sie Schritt für Schritt
durch diese aufregende Zeit Ihres
Lebens. Von Dr. med. H. M. Thauer
Im Rahmen der Schwanger-
schaftsvorsorge sind drei
routinemäßige Ultraschall-
untersuchungen vorgesehen.
ist die tatsächliche Schwangerschafts-
dauer 267 Tage, also zwei Wochen
weniger. Die Berechnung nach der
letzten Periode ist allgemein üblich,
so dass Sie sich in Ihrem persönlichen
„Babyfahrplan“ danach richten sollten.
Was tut sich in
meinem Körper?
Die hormonelle Umstellung und An-
passungen des mütterlichen Kreislaufs
an die Schwangerschaft machen den
meisten werdenden Müttern etwas zu
schaffen. Es ist wichtig zu wissen, dass
diese Veränderungen völlig normal
sind und im Allgemeinen nach der
Schwangerschaft wieder vollständig
verschwinden. Also: Keine Bange,
wenn Ihre Brust an Größe zunimmt, Sie
bestimmte Speisen nicht mehr mögen
oder plötzlich Heißhunger auf Sachen
haben, die Sie sonst gar nicht so gerne
mochten. Fragen Sie Ihren Frauenarzt,
wenn Ihnen etwas unklar ist, damit Sie
sich keine unnötigen Sorgen machen.
Mögliche Begleiterscheinungen,
die sich nach der Schwangerschaft
wieder zurückbilden, sind weiterhin:
Dunklerwerden der Haut an Brust-
warze, Warzenhof, äußerem
Genitale, an der Mittellinie des
Unterbauches (Linea nigra) und
Errechneter Geburtstermin =
erster Tag der letzten Regelblutung
+ 9 Monate und 7 Tage
Die Schwangerschaft dauert somit
280 Tage oder 40 Wochen. Biologisch,
d.h. ab dem Zeitpunkt der Befruchtung,
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 15
Schwangerschaftsvorsorge Mutter & Baby
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Wann?
Das macht der
Frauenarzt Was ist das genau?
4.–8.
SSW • Vaginale Untersuchung
• Bestimmung von
Gewicht/Blutdruck
• Urinuntersuchung
auf Zucker, Eiweiß,
Entzündungen
• Blutgruppen-/
Rhesusfaktorbestimmung
• Antikörpersuchtest
• Rötelntest
• Lues-Suchtest
• HIV-Test
• Hämoglobinbestimmung
• Chlamydien-Abstrich
• Erstellung/Aushändigung
des Mutterpasses
Tastuntersuchung zur Überprüfung
des Muttermundes und des Standes
der Gebärmutter
Wiegen, Blutdruckmessung am Arm
Urinprobe
Blutuntersuchung
Ausschluss von für das Baby schädlichen
Abwehrstoffen im Blut der Mutter
Prüfung auf ausreichenden Abwehr-
schutz gegen Röteln im Blut der Mutter
Ausschluss der sexuell übertragbaren
Krankheit Lues durch Blutuntersuchung
Ausschluss einer Infektion mit dem
AIDS-Virus durch Blutuntersuchung.
Nur auf Wunsch der Patientin oder
bei Vorliegen eines Risikos.
Einverständnis erforderlich
Bestimmung des Eisenwertes durch
Blutuntersuchung
Abstrich von Scheide/Gebärmutterhals
zum Ausschluss einer für das Baby
schädlichen Infektion
Blaues Untersuchungsheft
9.–12.
SSW • Vaginale Untersuchung
• Bestimmung von
Gewicht/Blutdruck
• Urinuntersuchung
auf Zucker, Eiweiß,
Entzündungen
• Hämoglobinbestimmung
• Ultraschall „Screening I“
siehe oben
siehe oben
siehe oben
siehe oben
1. Ultraschalluntersuchung
Erstuntersuchung, Feststellung der Schwangerschaft
Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung
Ihr Arzt empfiehlt
Mutterschaftsvorsorge bei Ihrem
Frauenarzt. Sicherheit, kompetente
Betreuung und seriöse Informa-
tion aus einer qualifizierten Hand.
Ihr Frauenarzt freut sich auf Sie!
Ihr „Babyfahrplan“
Damit Sie sich mit dem Ablauf Ihrer Mutterschaftsvorsorge vertraut
machen können, finden Sie hier die wesentlichen Stationen der Vorsorge
im Rahmen der gesetzlichen Mutterschaftsrichtlinien:
gelegentlich auch im Gesicht
(Chloasma gravidarum) durch
die vermehrte Produktion von
Hautpigmentstoffen
Haarveränderungen: eventuell
Dünnerwerden des Kopfhaares,
gelegentlich auch vermehrt dunkle
Haare im Gesicht
Hilfe, ich will nicht
dick werden!
Der Frauenarzt achtet darauf, dass
idealerweise die Gewichtszunahme
während der Schwangerschaft sieben
bis zwölf Kilogramm beträgt. Auch
hier keine Angst: Der überwiegende
Teil ist ausschließlich Wasser! Wenn
Ihre Gewichtszunahme nicht weit
über zwölf Kilogramm liegt, haben
Sie nach der Entbindung Ihr altes
Gewicht schnell wieder.
Schmetterlinge im Bauch
Zwischen der 16. und 20. Schwanger-
schaftswoche verspüren Sie zum ersten
Mal die Bewegungen Ihres Babys! In
dieser Zeit spielt der Nachwuchs be-
reits mit der Nabelschnur und stemmt
sich kräftig gegen die Gebärmutter-
wand. Strampeltraining in Mammas
Bauch – groß und stark werden will ja
gelernt sein!
Ist mit dem Baby alles okay?
Die Gefühlswelt der werdenden Mutter
ist eine Mischung aus Vorfreude, ge-
paart mit Ängsten und Zweifeln. Be-
sonders intensiv beschäftigt sie die
Frage, ob mit dem Baby „alles in Ord-
nung“ ist. Diese Ängste sind völlig
normal. Sprechen Sie darüber mit
Ihrem Partner und Ihrem Frauenarzt.
Seriöse Aufklärung hilft Ängste abzu-
bauen und so gewinnen Sie auch Ver-
trauen in sich selbst und Ihren Körper.
Schwangerschaftsvorsorge
– optimale Sicherheit für
Mutter und Kind
Von der Feststellung der Schwanger-
schaft bis zur Entbindung stehen Ihnen
Ihr Frauenarzt und sein Team als kom-
petenter Partner mit Rat und Tat zur
Seite. Dort kann die gesamte Schwan-
gerschaft optimal betreut werden – aus
einer Hand, mit hohem Sachverstand
und menschlicher Zuwendung.
Schon bei der Erstuntersuchung
wird Ihr Frauenarzt die einzelnen
Schritte der Mutterschaftsvorsorge mit
Ihnen besprechen, damit Sie wissen,
welche Untersuchungen zu welchem
Zeitpunkt durchgeführt werden.
Mutter & Baby Schwangerschaftsvorsorge
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit16
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Wann? Das macht der Frauenarzt Was ist das genau?
14.–16.
SSW
Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung
• Vaginale Untersuchung
• Bestimmung von Gewicht/Blutdruck
• Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß,
Entzündungen
• Hämoglobinbestimmung
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 16
19.–22.
SSW
Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung
• Vaginale Untersuchung
• Bestimmung von Gewicht/Blutdruck
• Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß,
Entzündungen
• Hämoglobinbestimmung
• Ultraschall „Screening II“
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 16
2. Ultraschalluntersuchung
22.–24.
SSW
Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung
• Vaginale Untersuchung
• Bestimmung von Gewicht/Blutdruck
• Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß,
Entzündungen
• Hämoglobinbestimmung
• Antikörpersuchtest
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 16
Blutuntersuchung zum
Ausschluss von für
das Baby schädlichen
Abwehrstoffen im Blut
der Mutter
26.–28.
SSW
Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung
• Vaginale Untersuchung
• Bestimmung von Gewicht/Blutdruck
• Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß,
Entzündungen
• Hämoglobinbestimmung
• CTG
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 16
„Wehenschreiber“
(=CardioTokoGraphie):
Prüfung der kindlichen
Herztöne; Prüfung
der Gebärmutter auf
Wehentätigkeit
28.–30.
SSW
• Anti-D-Prophylaxe bei Rhesusfaktor
negativen werdenden Müttern
Gabe einer Spritze
zur Verhinderung
einer für das Baby
und insbesondere die
nachfolgende Schwanger-
schaft schädlichen
Abwehrstoffbildung im
Blut der Mutter
29.–32.
SSW
Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung
• Vaginale Untersuchung
• Bestimmung von Gewicht/Blutdruck
• Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß,
Entzündungen
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 16
Nicht vergessen!
Fragen Sie Ihren Frauenarzt
nach zusätzlichen Ultra-
schalluntersuchungen in
der Schwangerschaft.
Beobachten Sie, wie Ihr Baby
heranwächst und sehen
Sie im 3D-Ultraschall, ob
es Ihnen oder dem Papa
ähnlicher sieht!
Was kann man mit
Ultraschall alles feststellen?
Nach den Mutterschaftsrichtlinien sind
in der Schwangerschaft drei „Ultraschall-
Screenings“ vorge-
sehen. Mit Hilfe der
Ultraschalldiagnostik
kann eine Vielzahl
von Fehlbildungen
oder Erkrankungen
des Kindes erkannt
und vor allem aus-
geschlossen wer-
den. Andererseits
muss jedoch da-
rauf hingewiesen
werden, dass auch bei moderner
apparativer Ausstattung, größter
Sorgfalt und umfassenden Erfahrungen
des Untersuchers nicht alle Fehlbil-
dungen oder Erkrankungen erkannt
werden können.
Die vorgegebenen Untersuchungs-
programme im Rahmen der gesetz-
lichen Mutterschaftsvorsorge, vor allem
der Ultraschall zwischen der 19. und
22. SSW, sind zwar auf das Erkennen
von Anomalien und Fehlbildungen aus-
gerichtet, aber letzten Endes aufgrund
des vorgegebenen Zeitrahmens doch
wieder orientierender Art und dürfen
somit nicht als Fehlbildungsdiagnostik
missverstanden werden. Gerne gibt
Ihnen Ihr Frauenarzt weitere Informa-
tionen zu den Möglichkeiten und
Grenzen der Ultraschalldiagnostik.
Wie steht’s mit häufigeren
Ultraschalluntersuchungen?
Selbstverständlich können Sie auf
Wunsch jederzeit zusätzliche Ultra-
schalluntersuchungen durchführen
lassen, um Ihr Baby in seiner Entwick-
lung noch intensiver zu beobachten.
Fragen Sie Ihren Frauenarzt auch nach
der Möglichkeit eines 3D/4D-Ultra-
schalls, bei dem fotorealistische be-
wegte Bilder Ihres Kindes im Mutterleib
und im späteren Verlauf der Schwanger-
schaft auch die individuellen Gesichts-
züge Ihres Babys zu sehen sind.
Weiterhin können Sie Ihren Arzt
auch bei einer risikofreien Schwanger-
schaft und unauffälligen Screenings
auf die Durchführung eines Ultraschalls
Mutter & Baby Schwangerschaftsvorsorge
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit18
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Wann? Das macht der Frauenarzt? Was ist das genau?
32.–35.
SSW
Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung
• Vaginale Untersuchung
• Bestimmung von Gewicht/Blutdruck
• Urinuntersuchung auf Zucker,
Eiweiß, Entzündungen
• Hämoglobinbestimmung
• CTG
• HBs-Ag
Tastuntersuchung durch
den Arzt zur Überprüfung
des Muttermundes, des
Standes der Gebärmutter
und der Lage des Kindes
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 18
Ausschluss der für das
Baby schädlichen infekti-
ösen Leberentzündung
Hepatitis B bei der Mutter
durch Untersuchung des
mütterlichen Blutes
34.–37.
SSW
Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung
• Vaginale Untersuchung
• Bestimmung von Gewicht/Blutdruck
• Urinuntersuchung auf Zucker,
Eiweiß, Entzündungen
• Hämoglobinbestimmung
• CTG
siehe oben
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 18
40.
SSW
Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung
• Vaginale Untersuchung
• Bestimmung von Gewicht/Blutdruck
• Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß,
Entzündungen
• Hämoglobinbestimmung
• CTG
siehe oben
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 16
siehe S. 18
Wussten Sie
schon, dass …
es sich bei dem
größten Teil der Ge-
wichtszunahme in der
Schwangerschaft um
Wasser handelt? Also
keine Angst, nach der
Geburt können Sie Ihr
altes Gewicht schnell
wieder erreichen!
zum gezielten Fehlbildungsausschluss
ansprechen, der auf Wunsch durchge-
führt werden kann.
Kann ich für die Geburt
vorher „üben“?
Gut informiert ist alles leichter. Ihr
Frauenarzt wird Sie bereits während
der Schwangerschaft mit dem Ablauf
der Geburt vertraut machen. Geburts-
vorbereitungskurse helfen zusätzlich,
der Geburt durch das Erlernen von
Atem- und Entspannungstechniken
positiv entgegenzusehen.
Geburt im Kreißsaal
Die Zeiten übertechnisierter Kreißsäle
sind längst vorbei. Wohlfühl-Ambiente
Mutter & Baby Schwangerschaftsvorsorge
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit20
ist der heutige Standard und fördert
den natürlichen Geburtsverlauf.
Schnuppern Sie doch vorher einmal
in die in Frage kommenden
Entbindungskliniken
hinein und lassen Sie
„Ihren Bauch entschei-
den“. Gutes Gefühl?
Da sind Sie richtig!
Die Klinikentbindung
bedeutet optimale
Sicherheit für Mutter
und Kind: Alles was ge-
braucht wird, um auch
Problemsituationen zu
beherrschen, ist vor-
handen, ohne dass Sie
im Normalfall davon
etwas mitbekommen. Kuschelatmos-
phäre plus hohe Sicherheit – für den
Fall der Fälle.
Einige Frauen wünschen sich eine
Geburt zu Hause. Wir Frauenärzte
haben dabei Bedenken, da auch ein
völlig normaler Schwangerschafts-
verlauf keine Garantie für eine kom-
plikationslose Entbindung ist.
„Schatz, es ist so weit ...“
Die Wehen werden regelmäßig und
möglicherweise zeigt ein Blut- oder
Schleimabgang, dass der Muttermund
sich zu öffnen beginnt. Jetzt sollten
Sie in die Klinik gehen. Ebenso, wenn
Fruchtwasser abgeht, auch wenn die
Wehen noch nicht begonnen haben.
Im gemütlichen Wehenzimmer
verbringen Sie und Ihr Partner bzw.
Ihre Begleitperson im Wechsel mit
Spaziergängen die Zeit bis zur voll-
ständigen Öffnung des Muttermundes.
Gut überwacht und in Sicherheit.
Sicher haben Sie schon seit länge-
rem genaue Vorstellungen, wie Ihre
Geburt verlaufen soll, haben sich
Gedanken zu Ihrer individuellen Ge-
burtsposition oder auch zur Wasser-
geburt gemacht. Trotz aller Planung:
Bleiben Sie offen für den Rat Ihrer
Geburtshelfer. Herzlich gerne werden
Ihre Wünsche in die Tat umgesetzt,
aber eine Geburt ist letztlich nicht bis
ins Detail genau planbar. Vertrauen
Sie Arzt und Hebamme.
Hallo Baby!
Endlich liegt das Baby auf Ihrem Bauch.
Erleichterung, Liebe, Freude und Stolz
beherrschen den Augenblick. Genießen
Sie diesen Moment und
heißen Sie den Neuan-
kömmling gebührend
willkommen. Ein
schöner Start in ein
neues Leben! ■
Dr. med. H. M. Thauer
ist Facharzt für Frauen-
heilkunde und Geburts-
hilfe. Nach langjähriger
Tätigkeit als Oberarzt
in Offenbach leitet er
seit 1996 eine Gemein-
schaftspraxis in
Dietzenbach.
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Nicht vergessen!
Es besteht prinzipiell eine
sehr hohe Wahrschein-
lichkeit, dass Ihr Kind
gesund ist. Die vorgeburt-
liche Diagnostik kann
helfen, gezielt nach
Störungen zu suchen und
sie auszuschließen.
Was bedeutet eigentlich
„vorgeburtliche Diagnostik“?
Unter vorgeburtlicher Diagnostik
(Pränataldiagnostik) versteht man alle
Maßnahmen, die dazu dienen, körper-
liche Behinderungen Ihres Babys, die
mit einer Einschränkung der Lebens-
qualität einhergehen und Erkrankun-
gen, die durch eine Veränderung der
Erbgutträger (Chromosomen) ausge-
löst werden, auszuschließen.
Chancen und Grenzen
Dank umfassender Vorsorge verlaufen
heute die meisten Schwangerschaften
in Deutschland problemlos. Dennoch
sind längst nicht alle Krankheiten,
Störungen und Behinderungen fest-
stellbar. Eine Garantie für ein gesundes
Kind kann es leider nicht geben. Es
ist aber gut zu wissen, dass prinzipiell
eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit be-
steht, dass Ihr Kind gesund ist.
Wenn Ihr Arzt zu einer Spezialunter-
suchung rät oder Sie selbst eine dieser
Untersuchungen aus Sicherheitsgründen
wünschen, werden Sie vor der Durch-
führung ausführlich beraten. Nehmen
Sie sich vor allem auch Zeit, um mit
Ihrem Partner zu besprechen, wie Sie
im seltenen, aber nicht unmöglichen
Fall eines krankhaften Befundes ent-
scheiden werden. Diese Entscheidung
kann Ihnen leider niemand abnehmen.
Sprechen Sie mit Ihrem
Frauenarzt oder Ihrer
Frauenärztin über die
Möglichkeiten vorgeburt-
licher Diagnostik.
Spezialunter-
suchungen in der
Schwangerschaft
Kein Thema beschäftigt Sie in Ihrer Schwangerschaft
intensiver als die Frage, ob mit Ihrem Kind wirklich alles in
Ordnung ist. Wurde alles genauestens untersucht? Oder
sollte noch irgendetwas zusätzlich nachgesehen werden?
Von Dr. med. H. M. Thauer
Untersuchung Was wird da gemacht? Wann?
AFP-Bestimmung Blutuntersuchung bei der
Mutter
14.–20. SSW
Triple-Test Blutuntersuchung bei der
Mutter
14.–20. SSW
Ersttrimester-
Screening
Blutuntersuchung bei der
Mutter + Ultraschall
12.–14. SSW
Amniocentese Entnahme von Fruchtwasser in der Regel 16. SSW
Chorionzotten-
biopsie
Entnahme von
Mutterkuchengewebe
meist ab der 11. SSW
Welche Untersuchungen sind das?
Zur vorgeburtlichen Diagnostik gehören neben dem Ultraschall unter
anderem folgende Untersuchungsverfahren:
Blutuntersuchungen: AFP-
Bestimmung und Triple-Test
Mutter und Kind sind eine enge biolo-
gische Einheit und Substanzen, die in
der Schwangerschaft vom Baby selbst
oder dem Mutterkuchen (Plazenta)
gebildet werden, finden sich im Blut
der Mutter wieder und können zur Be-
urteilung der Gesundheit des Babys
herangezogen werden.
Das Alpha-Fetoprotein (AFP) ist
ein Eiweißstoff, der in der Schwanger-
schaft auf kindlicher Seite gebildet
wird. Ein erhöhter Wert im mütter-
lichen Blut gibt einen Hinweis auf das
mögliche Vorliegen einer krankhaften
Störung von Wirbelsäule (Spina bifida,
umgangsprachlich: „offener Rücken“),
Gehirn und Rückenmark (Neuralrohr-
defekt) des Babys.
Beim Triple-Test (lateinisch tri =
drei) werden drei Hormone im Blut
der Mutter bestimmt und eine
Mutter & Baby Spezialuntersuchungen
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit22
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Wussten Sie
schon, dass …
die Empfindlichkeit
des Ersttrimester-
Screenings so hoch ist,
dass rund 90 Prozent
der Schwanger-
schaften, bei denen
ein Down-Syndrom
vorliegt, im ersten
Schwangerschafts-
drittel als auffällig
erkannt werden?
Ihr Arzt empfiehlt
Lassen Sie sich vor der Durch-
führung einer vorgeburtlichen
Diagnostik ausführlich von Ihrem
Frauenarzt beraten, um die damit
verbundenen Chancen, aber auch
die Grenzen genau zu erfahren.
Wahrscheinlichkeits-
berechnung für eine
Erbgutstörung des
Babys, insbesondere
des so genannten
Down-Syndroms (Triso-
mie 21) durchgeführt.
Bei erhöhter Wahrschein-
lichkeit kann eine weiter-
führende Diagnostik
empfohlen werden.
Der Triple-Test kommt heute
nur noch selten zur Anwendung,
da das nachfolgend erläuterte Erst-
trimester-Screening eine höhere
Empfindlichkeit für die Suche nach
Erbgutstörungen aufweist.
Ersttrimester-Screening
(kombinierte Nacken-
transparenzmessung)
Das Ersttrimester-Screening, auch
Nackentransparenzmessung genannt,
ist ein Suchtest, der ebenfalls dazu
dient, Schwangere mit einer statis-
tisch erhöhten Wahrscheinlichkeit
für eine Erbgutstörung des Babys
zu identifizieren.
Durch eine Ultraschallfeindiagnos-
tik wird die so genannte Nackentrans-
parenz gemessen, ein unter der Haut
liegender Flüssigkeitsfilm im Nacken-
bereich des Babys, der normalerweise
ein bis zwei Millimeter beträgt.
Zusätzlich werden zwei Eiweiß-
stoffe im mütterlichen Blut bestimmt
und die Ergebnisse unter Berücksich-
tigung des mütterlichen Alters und
weiterer vorgeschicht-
licher Angaben zu
einer individuellen
Risikoberechnung
(Wahrscheinlichkeits-
angabe) zusammen-
gefasst.
Beim Ersttrimester-
Screening werden
rund 90 Prozent der
Schwangerschaften,
bei denen ein Down-Syndrom vorliegt,
im ersten Schwangerschaftsdrittel als
auffällig erkannt, was die hohe Emp-
findlichkeit dieser Methode belegt.
Amniocentese
(Fruchtwasserentnahme)
Unter Amniocentese versteht man
die Entnahme von Fruchtwasser mit
einer dünnen, sterilen Nadel (im
Durchmesser weniger als ein Milli-
meter) durch die Bauchdecke. Die
Durchführung erfolgt meist in der
16. SSW, wenn 150 bis 200 ml Frucht-
wasser vorhanden sind und unter
Ultraschallkontrolle des Babys pro-
blemlos zehn bis 20 ml entnommen
werden können.
Die Entnahme dient zur Unter-
suchung der im Fruchtwasser befind-
lichen kindlichen Zellen, meist zum
Ausschluss von Störungen des Erbguts
bei Risikokonstellationen sowie fort-
geschrittenem Alter der Mutter und
auch des Vaters.
Die sich im genetischen Labor an-
schließende Fruchtwasseruntersuchung
kann Störungen der Erbgutträger, der
Chromosomen herausfinden, man
spricht daher auch von der Chromo-
somenanalyse. Wie bereits erwähnt,
ist das Down-Syndrom die häufigste
Störung, nach der gesucht wird. Auch
Hinweise auf Stoffwechselstörungen
und eine Störung der Wirbelsäule, des
Gehirns und Rückenmarks können
entdeckt werden.
Die Auswertung dauert wegen der
Anzüchtung der kindlichen Zellen rund
zwei Wochen. Sie können die Warte-
zeit jedoch verkürzen, wenn Sie Ihren
Frauenarzt um die Durchführung eines
Schnelltests („FISH-Test“) bitten,
dessen Ergebnis als Zwischenbefund
bereits nach 24 bis 48 Stunden vor-
liegt und Auskunft über die Anzahl der
Chromosomen gibt.
Ihr Frauenarzt hat Ihnen eine Amnio-
centese empfohlen? Haben Sie keine
Angst! Die Nadel ist so dünn, dass man
sie fast nicht spürt. Eine Betäubung ist
nicht nötig. Beim geübten Untersucher
sind Komplikationen äußerst unwahr-
scheinlich, insbesondere Verletzungen
des Babys sind sehr selten. Schonen Sie
sich danach für einen Tag und freuen
Sie sich, wenn Ihr Arzt Ihnen den un-
auffälligen Befund mitteilt!
Chorionzottenbiopsie
Unter Chorionzottenbiopsie wird die
Entnahme von Gewebe des Mutter-
kuchens zu diagnostischen Zwecken
verstanden. Die Gründe für die Durch-
führung sind im Wesentlichen identisch
mit denen der oben erläuterten Frucht-
wasseruntersuchung. Das Mutter-
kuchengewebe enthält die gleichen
Zellen wie das Kind, somit können
kindliche Störungen durch die Unter-
suchung des Gewebes erkannt werden.
Wichtigster Unterschied zur Frucht-
wasserentnahme ist allerdings, dass die
Chorionzottenbiopsie bereits wesentlich
früher, heutzutage meist ab der elften
SSW, durchgeführt werden kann. Wenn
also die Ergebnisse möglichst frühzeitig
in der Schwangerschaft vorliegen sollen,
ist die Chorionzottenbiopsie die richtige
Untersuchungsmethode.
Es gibt verschiedene Techniken
zur Durchführung, sowohl durch die
Bauchdecke, als auch durch den Ge-
bärmutterhalskanal. Direkte Verlet-
zungen des Babys sind auch hierbei
äußerst selten. Ultraschall sei Dank!
Gut informiert ist
halb gewonnen!
Fragen Sie Ihren Frauenarzt zu allen
Themen der vorgeburtlichen Dia-
gnostik und machen Sie sich schlau.
So können Sie Ihre Schwangerschaft
angstfrei genießen! ■
Dr. med. H. M. Thauer ist Facharzt
für Frauenheilkunde und Geburts-
hilfe. Nach langjähriger Tätigkeit
als Oberarzt in Offenbach leitet er
seit 1996 eine Gemeinschaftspraxis
in Dietzenbach.
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 23
Spezialuntersuchungen Mutter & Baby
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Nicht vergessen!
Gegen Verstopfung
hilft reichliches Trinken,
ballaststoffreiche
Ernährung und bei
hartnäckigen Fällen
Backpflaumen, Feigen
und Rhabarber!
Anämie
Stellen Sie sich vor, Sie haben
Ihrer Familie zum Mittagessen
eine Gemüsesuppe zubereitet
und Ihr Kind bringt unverhofft
aus der Schule noch drei Freunde
zum Essen mit. Was tun, wenn
sonst nichts mehr im Haus ist?
Klar, bevor es nicht reicht,
kommt noch schnell etwas Wasser
in den Topf, damit alle etwas ab-
bekommen, auch wenn es dann ein
bisschen „dünner“ schmeckt. Damit
aber alle satt werden, müssten Sie
schon etwas mehr Gemüse kochen.
In der Schwangerschaft spielt sich
im Körper der Frau etwas ganz Ähn-
liches ab. Der flüssige Anteil des
Blutes, das so genannte Blutplasma,
vermehrt sich im Durchschnitt um
etwa die Hälfte! Der Anteil der festen
Blutbestandteile – vor allem die roten
Blutkörperchen – nimmt aber nicht
in gleichem Maße zu, so dass ein
Verdünnungseffekt entsteht.
Das führt dazu, dass die Konzen-
tration der roten Blutkörperchen als
eisenhaltige Sauerstofftransporteure
Mit dem Bauch wächst
auch die Mehrbelastung
für den Körper.
ABC der
Schwangerschafts-
beschwerden
Die Schwangerschaft ist für die
meisten Frauen eine aufregende
und schöne Zeit. Die Umstellung
des Körpers bringt leider gelegentlich
unangenehme Begleiterscheinungen
mit sich, die normalerweise aber
kein Grund zur Besorgnis sind.
Von Dr. med. H. M. Thauer
abnimmt, was sich in Müdigkeit und
Blässe äußern kann. Man spricht dann
von einer Anämie oder Blutarmut. Das
ist keine Krankheit, sondern nur auf den
Verdünnungseffekt zurückzuführen.
Und genau wie die Mutter im
obigen Suppen-Beispiel dann doch
noch etwas mehr Gemüse kochen
muss, damit alle satt werden, wird
Ihnen Ihr Frauenarzt die Zugabe von
Eisen empfehlen, damit sich die Zahl
der Sauerstoffträger in Ihrem Blut
wieder erhöht und der Verdünnungs-
effekt ausgeglichen wird.
Also: Schwangerschafts-„Anämie“
ist keine Krankheit, in Grenzen völlig
normal und kann durch Eisengabe
ausgeglichen werden. Problem gelöst.
Depressionen und
Stimmungsschwankungen
Unterschiedliche Stimmungen von
Niedergeschlagensein und Traurigkeit
bis hin zu absoluten Hochgefühlen
sind während der Schwangerschaft
häufig und völlig normal. Die hor-
monelle Umstellung, unterbewusste
Sorge um Ihr Baby und ein Über-
schwang an Vorfreude machen diese
seelische Achterbahn aus.
Lassen Sie diese Gefühle ruhig
zu, aber lassen Sie sich von ihnen
möglichst nicht allzu sehr über-
wältigen. Sprechen Sie mit Ihrem
Partner darüber und fragen Sie
ruhig Ihren Arzt um Rat. Er steht
Ihnen gerne bei.
Mutter & Baby Schwangerschaftsbeschwerden
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit26
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Wussten Sie
schon, dass …
sich der flüssige Anteil
des Blutes im Durch-
schnitt während der
Schwangerschaft um
etwa die Hälfte
vermehrt?
Häufiges Wasserlassen
„Oh mein Gott, ich muss schon wieder
auf die Toilette ...!“ Welche werdende
Mutter kennt das nicht, dass jedes
Tässchen Tee seinen Tribut fordert.
Manche Frauen spüren schon im ersten
Drittel der Schwangerschaft, dass das
Baby „auf die Blase drückt“, aber spä-
testens im weiteren Verlauf ist das ein
häufiges, oftmals lästiges Phänomen.
Nehmen Sie es mit Humor: So lange
keine brennenden Beschwerden dabei
auftreten, ist dies eine völlig normale
Sache in der Schwangerschaft.
Hartwerden des Bauches
Wie Sie wissen, handelt
es sich bei der Gebär-
mutterwand um Mus-
kulatur, die sich, wie
jeder andere Muskel
auch, zusammenziehen
und verhärten kann.
Was beim Fitness-
training im Sportstudio
toll ist, weil es eine gute
Figur macht, ist in der
Schwangerschaft an der Gebärmutter
eher lästig, aber in gewissen Grenzen
völlig normal und ungefährlich.
Ihr Frauenarzt spricht hier von
„Kontraktionen“, was wörtlich über-
setzt so viel heißt wie „Zusammen-
ziehungen“. Die Muskulatur der
Gebärmutter zieht sich zusammen
und ähnlich dem Bizeps eines Body-
builders wird die Muskulatur „hart“.
Und da die Gebärmutter dicht unter
Ihrer Bauchdecke liegt, kann die Ver-
härtung als „Hartwerden des Bauches“
gespürt werden.
Manche Frauen spüren das bereits
ab dem 4. Monat, andere erst deutlich
später. Meist tritt es völlig unvermittelt
auf, verschwindet aber auch genauso
wieder. Bei körperlicher oder seelischer
Belastung, Stress usw. kommt es aller-
dings häufiger vor, manchmal verbun-
den mit einem ziehenden Gefühl im
Unterleib. Entspannung und Ruhe hel-
fen, dass es nachlässt. Auch Magnesium-
einnahmen helfen, die Muskulatur
zu entspannen.
Berichten Sie das Hartwerden des
Bauches und ziehende Unterbauch-
beschwerden auf jeden Fall Ihrem
Frauenarzt. Im Zweifel kann mit Hilfe
des Wehenschreibers
festgestellt werden,
ob es sich schon um
echte Wehen handelt,
denn die wären ja
vor der 37. Woche zu
früh. Das Baby soll ja
noch in Mamas Bauch
bleiben ...
Kopfschmerzen
Gelegentliche Kopfschmerzen ver-
schwinden meist schnell wieder, wenn
Sie etwas trinken und Ihr Körper wie-
der mehr Flüssigkeit zur Verfügung
hat. Manchmal ist auch ein niedriger
Bluteisenwert oder ein niedriger Blut-
druck schuld daran. Sprechen Sie mit
Ihrem Frauenarzt, damit herausge-
funden wird, was dahinter steckt.
Krampfadern
Wie bereits erwähnt, vermehrt sich
während der Schwangerschaft das
Blutvolumen etwa um die Hälfte.
Klar, dass diese vermehrte Blutmenge
auch irgendwie durch den Körper
transportiert werden muss. Das über-
fordert manchmal dann doch selbst
die fleißigste Beinvene. Sie dehnt sich
aus und ist dann als blaue Linie unter
der Haut zu erkennen – als Krampf-
ader. Wenn Krampfadern stärker
werden, müssen evtl. Stützstrümpfe
getragen werden.
Beugen Sie also vor: Wadengym-
nastik, Bewegung der Beine und
die gute alte Kneippkur halten Ihre
Venen fit. Noch ein Tipp: Wo Sie
können, sollten Sie die Beine hoch-
legen. Das geht auch mal im Büro
unter dem Schreibtisch und vor
allem zu Hause.
Kreislaufprobleme
Halten Sie Ihren Kreislauf fit, auch
in der Schwangerschaft. Bewegen
Sie sich an der frischen Luft und
helfen Sie Ihrem Kreislauf bei Bedarf
mit „Kneipp’schen Anwendungen“
auf die Sprünge. Wechselduschen
wirken Wunder! Und das Trinken
nicht vergessen!
Rückenschmerzen
Ein Kreuz mit dem Kreuz ... Fast jede
Schwangere kann ein (Klage-)Lied
davon singen. Rückengymnastik und
Yoga helfen hier bestens. Und fordern
Sie den werdenden Herrn Papa, wenn
er es nicht sowieso gerne von sich aus
anbietet: Lassen Sie sich den Rücken
massieren – das ist herrlich entspan-
nend. Manchmal haben Beschwerden
auch so ihr Gutes ...
Stimmungsschwankungen
während der Schwanger-
schaft sind völlig normal.
Legen Sie öfters mal
die Beine hoch.
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 27
Schwangerschaftsbeschwerden Mutter & Baby
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Ihr Arzt empfiehlt
Teilen Sie häufigeres Hartwerden
des Bauches Ihrem Frauenarzt mit,
damit mit dem Wehenschreiber
eine zu frühe Wehentätigkeit aus-
geschlossen werden kann. Ihr
Baby soll pünktlich kommen,
nicht überpünktlich ...
„Bei übermäßiger
oder lang anhaltender
Übelkeit sprechen
Sie unbedingt Ihren
Frauenarzt an.“
Schlafstörungen
Hundemüde und Sie können doch
kein Auge zumachen? Entspannen
Sie sich vor dem Einschlafen und
nehmen Sie nur Ihren Partner mit
in Ihr Schlafzimmer, nicht aber die
Probleme des Tages.
Wenn der Babybauch richtig schön
rund wird, muss man bei der Wahl
der Schlafposition schon etwas kre-
ativ werden. Meist ist die Seitenlage
am besten und wenn noch ein Kissen
das oben liegende Knie abstützt, steht
einer angenehmen Nachtruhe nichts
mehr im Wege.
Sodbrennen
Sodbrennen nennt man dieses unan-
genehm brennende Gefühl, das durch
den Rückfluss von Magensäure in die
Speiseröhre verursacht wird und hinter
dem Brustbein hochsteigt. Vermeiden
Sie stark gebratene oder gegrillte Spei-
sen. Alkohol, Kaffee und Zigaretten –
weitere Verursacher von Sodbrennen
– kommen in der Schwangerschaft ja
ohnehin nicht in Frage.
Das Trinken von Milch hilft, das Sod-
brennen zu verringern. Wenn es in der
fortgeschrittenen Schwangerschaft zu-
nimmt, weil das Baby auch auf Ihren
Magen drückt, fragen Sie Ihren Frauen-
arzt – er kann Ihnen etwas verordnen.
Übelkeit
Die (morgendliche) Übelkeit ist eine
typische Erscheinung am Anfang der
Schwangerschaft, die – hormonell
verursacht – in aller Regel um die
16. Schwangerschaftswoche ganz
von selbst wieder verschwindet.
Gute Tipps gegen die Übelkeit sind:
vor dem Aufstehen etwas essen
und trinken
reichlich Vitamine und Mineral-
stoffe zu sich nehmen
mehrere kleine Mahlzeiten über
den Tag verteilen
und: Lassen Sie den Kaffee weg!
Bei übermäßiger oder lang anhalten-
der Übelkeit sprechen Sie unbedingt
Ihren Frauenarzt an. Er kann Ihnen da-
bei helfen, dass dieses leidige Thema
ein Ende findet!
Verstopfung
Ihr Darm reagiert auf die Schwanger-
schaftshormone mit einem „Bummel-
Streik“: Darmträgheit und Verstopfung
sind die Folge. Aber auch hier lässt
sich etwas tun:
viel trinken (zwei bis drei Liter/Tag:
Tee, Wasser, verdünnte Fruchtsäfte)
ballaststoffreiche Ernährung (viel
Obst und Gemüse)
und für den Fall der Verstopfung:
Backpflaumen, Feigen und Rhabar-
ber fördern die Verdauung.
Bitte keine Abführmittel aus der Apo-
theke einnehmen – die können in der
Schwangerschaft schädlich sein.
Wadenkrämpfe
Erinnern Sie sich noch an die Erklärun-
gen zum Hartwerden des Bauches?
Genau wie die Gebärmuttermuskulatur
sich zusammenziehen kann, kann das
auch die Wadenmuskulatur. Wenn der
Muskel gar nicht mehr locker lassen
will, spricht man von einem Krampf.
Sie kennen das vielleicht vom Sport
oder aus dem Schwimmbad, wenn
man sich mal überanstrengt hat. In
der Schwangerschaft kommen Waden-
krämpfe leider häufiger vor. Vielfach
wird Ihnen Ihr Frauenarzt in diesem
Fall die Einnahme von Magnesium
empfehlen, das den Verkrampfungen
der Muskulatur entgegenwirkt.
Und da das Magnesium den ganzen
Körper erreicht, schlägt man gleich
zwei Fliegen mit einer Klappe: Vorbei
ist’s mit den Wadenkrämpfen und
das Hartwerden des Bauches lässt
ebenfalls nach.
Zum Schluss
Lassen Sie sich von den kleinen,
manchmal auch größeren Wehweh-
chen nicht den Spaß an der Schwanger-
schaft verderben. Für alles gibt es
eine Lösung. Vieles weiß Ihre Mutter,
Ihre beste Freundin oder Sie finden es
in den Informationen, die Ihr Frauen-
arzt Ihnen zu Beginn der Schwanger-
schaft mitgegeben hat. Oder fragen
Sie ganz einfach Ihren Frauenarzt –
er ist Ihr Begleiter und Ansprech-
partner während dieser wichtigen
Zeit Ihres Lebens.
Außerdem: Wenn Sie am Ende
das kleine Bündel endlich in Händen
halten, vergessen Sie alle Schwanger-
schaftsbeschwerden ganz schnell! ■
Dr. med. H. M. Thauer ist Facharzt
für Frauenheilkunde und Geburts-
hilfe. Nach langjähriger Tätigkeit
als Oberarzt in Offenbach leitet er
seit 1996 eine Gemeinschaftspraxis
in Dietzenbach.
Mutter & Baby Schwangerschaftsbeschwerden
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit28
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Ernährungsempfehlungen bei Gestationsdiabetes
In ihrer 22. Schwangerschafts-
woche begann Bianca, sich unwohl
zu fühlen. „Ich hatte ständig Durst,
mir war häufig schwindelig und ich
fühlte mich müde. Außerdem hatte
ich den Eindruck, dass das Wachstum
meines Bauchs aus dem Ruder gerät.
Er war im Vergleich zu meinen schwan-
geren Freundinnen auffallend größer.“
Bianca suchte Rat bei einer befreun-
deten Frauenärztin, die Gestations-
diabetes diagnostizierte.
Biancas Fall ist selten. Bei den meis-
ten Betroffenen gibt es keine äußeren
Anzeichen der Erkrankung. Folge: Ge-
stationsdiabetes wird meist erst durch
Suchtests entdeckt oder durch Folge-
erscheinungen wie einer starken Zu-
nahme der Fruchtwassermenge oder
einem abnormalen Größenwachstum
des Kindes auffällig. Daher wird heute
jeder Schwangeren zwischen der
24. und 28. Schwangerschaftswoche
ein Test beim Frauenarzt empfohlen.
Gestationsdiabetes
Häufige Begleiterkrankung in der Schwangerschaft
Zwischen zwei bis zwölf Prozent aller Schwangeren entwickeln einen Gestations-
diabetes, der in fast allen Fällen nach der Geburt wieder verschwindet. Tests bei
Ihrem Frauenarzt bringen Klarheit und bei Früherkennung können gesundheitliche
Risiken für Mutter und Kind minimiert werden. Von Ulrike Orthen
Wen kann es treffen?
Ein Gestationsdiabetes ist eine Kohlen-
hydrat-Stoffwechselstörung, die erst-
mals in einer Schwangerschaft auftritt
– meistens im letzten Drittel. Gestations-
diabetes hat nichts mit einem vor der
Schwangerschaft bestehenden Diabe-
tes zu tun und kann jede Schwangere
treffen. Anfälliger sind Frauen, die schon
zu Beginn der Schwangerschaft über-
gewichtig waren. Weitere Risikofakto-
ren sind während der Schwangerschaft
wiederholt nachgewiesener Zucker im
Urin, ein früherer Gestationsdiabetes,
ein besonders hohes Geburtsgewicht
eines früheren Kindes, ein in der Familie
bestehender Diabetes mellitus Typ 2
oder wenn das eigene Geburtsge-
wicht höher als 4000 Gramm war.
Wie entsteht
Gestationsdiabetes?
Während der Schwangerschaft werden
Hormone gebildet, die blutzucker-
erhöhend wirken und sicherstellen,
dass den Zellen vermehrt Energie in
Form von Glukose bereitgestellt wird.
Gleichzeitig muss die Bauchspeichel-
drüse vermehrt das Blutzucker senkende
Hormon Insulin produzieren, was dafür
sorgt, dass Glukose in die Zellen gelangt
und die Blutzuckerkonzentration im
Blut absinkt. Kann die Schwangere den
erhöhten Bedarf nicht durch eine ver-
stärkte Insulinfreisetzung ausgleichen,
entwickelt sich der Gestationsdiabetes.
Folgen für Mutter und Kind
Unbehandelt kann der Gestationsdia-
betes gefährliche Folgen haben – in
erster Linie für das ungeborene Kind.
Bei erhöhtem Blutzuckerspiegel der
Mutter gelangt Glukose über Plazenta
und Nabelschnur in den kindlichen
Kreislauf und regt die Insulinproduk-
tion an. Der erhöhte Insulin- und
Zuckerspiegel führt beim Kind zu
starker Größen- und Gewichtszunahme
(Makrosomie) und ist mit einer Reife-
störung verbunden. Besonders die
Lungen entwickeln sich verzögert.
Die „Riesenbabys“ zeigen häufig die
Symptome eines frühgeborenen Kin-
des, wie etwa Atemstörungen. Sie
sind trotz ihres Gewichtes lebens-
schwach und bedürfen nach
der Geburt intensiver
medizinischer
• kohlenhydratreiche Mahlzeiten mit hohem Ballaststoffanteil, was die
Verdauung verlangsamt und den Anstieg des Blutzuckers nach den
Mahlzeiten in Grenzen hält
• fünf bis sechs kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt (aus demselben
Grund wie oben)
• Zurückhaltung bei zuckerhaltigen Nahrungsmitteln, da sie zu schnellem
Blutzuckeranstieg führen (das betrifft auch Fruchtsäfte)
• Zurückhaltung bei fetthaltigen Nahrungsmitteln, um starkes Überge-
wicht zu vermeiden (sonst kann es zu Geburtskomplikationen kommen)
• ansonsten dieselben Regeln, die generell eine gesunde Ernährung
während der Schwangerschaft gewährleisten
Mutter & Baby Gestationsdiabetes
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Ein erhöhtes Risiko für Gestationsdiabetes
besteht, wenn ...
• Übergewicht zu Beginn der Schwangerschaft besteht.
• bereits ein Diabetes mellitus Typ 2 in der engeren Familie besteht.
• während der Schwangerschaft wiederholt Zucker im Urin
nachgewiesen wurde.
• schon einmal ein Gestationsdiabetes bestand.
• bei vorangegangenen Geburten ein besonders großes Kind
(Gewicht über 4000 g) geboren wurde.
• das eigene Geburtsgewicht höher als 4000 Gramm war.
Unbehandelt kann der
Gestationsdiabetes
schwere Folgen haben
– besonders für das Kind.
Betreuung. Bei der Geburt wiegen die
Babys meist mehr als 4000 Gramm,
was zu Geburtskomplikationen führen
kann. Häufig muss ein Kaiserschnitt
durchgeführt werden.
Bei der Schwangeren selbst kann
der Gestationsdiabetes zu Bluthoch-
druck und zu Harnwegs- und Nieren-
beckenentzündungen führen.
Wie wird Gestationsdiabetes
festgestellt?
Zwischen der 24. und 28. SSW sollte
ein Suchtest, auch Screening genannt,
beim Frauenarzt vorgenommen werden.
Bei diesem Test erhält die seit zehn
Stunden nüchterne Schwangere nach
der ersten Blutabnahme 75 g Trauben-
zucker in 250 bis 300 ml Wasser gelöst
oder ein dieser Glukosemenge ent-
sprechendes Zuckergemisch. Nach
jeweils 60 und 120 Minuten wird der
Schwangeren Blut abgenommen und
der Blutzucker bestimmt. Fallen zwei
Werte pathologisch aus, handelt es sich
um Gestationsdiabetes. Ist nur ein Wert
auffallend, spricht man von einer
Glukoseintoleranz, die aber wie
Gestationsdiabetes behandelt wird.
Was kann getan werden?
Ziel der Behandlung ist es, die Blut-
zuckerwerte vor und nach dem Essen
zu normalisieren. Der Blutzucker sollte
nüchtern unter 90 mg/dl und etwa
zwei Stunden nach dem Essen unter
120 mg/dl liegen. Um dies zu er-
reichen, genügt es bei den meisten
Schwangeren mit Gestationsdiabetes,
auf die richtige Ernährung zu achten.
Zunächst ist es nötig, eine fettarme
und ballaststoffreiche Diät einzuhalten.
Dabei eignen sich besonders Nahrungs-
mittel, die reich an komplexen Kohlen-
hydraten sind, zum Beispiel Kartoffeln,
Reis und Nudeln. Statt der klassischen
drei Mahlzeiten empfiehlt es sich, bis
zu sechs oder sieben kleinere Mahl-
zeiten auf den Tag verteilt zu sich zu
nehmen. Das reduziert die Belastungen
des Zuckerstoffwechsels. Um eine in-
dividuell richtige und ausgewogene
Ernährung und eventuell notwendige
weitere Therapie zu gewährleisten,
sollten, wenn möglich, ein Diätberater
und auf jeden Fall ein Diabetologe zu
Rate gezogen werden.
Übergewichtige Frauen sollten
unbedingt auf ihr Gewicht achten
und möglichst wenig zunehmen, da
Geburtskomplikationen bei starkem
Übergewicht häufiger auftreten. Eine
tägliche Energiemenge von 1500 bis
1800 Kalorien ist empfehlenswert.
Bei etwa 15 Prozent der Betroffenen
ist zusätzlich zur richtigen Ernährung
eine Insulinbehandlung erforderlich.
Dabei reichen oft kleine Mengen
eines schnell wirkenden Insulins vor
den Hauptmahlzeiten. Manchmal
wird zusätzlich vor dem Schlafen-
gehen und eventuell morgens ein
lange wirkendes Insulin gespritzt, das
den nahrungsunabhängigen Insulin-
bedarf abdeckt.
Neben Beratung und medizinischer
Hilfe durch den Frauenarzt können
auch die Betroffenen selber durch
gesunde Ernährung und körperliche
Bewegung zu einem positiven Therapie-
verlauf beitragen. Durch regelmäßige
Blutzuckerkontrollen kann die Stoff-
wechseleinstellung optimiert werden,
außerdem geben sie frühzeitig Aus-
kunft darüber, ob eine Insulintherapie
notwendig ist. Daher sollten die
Betroffenen lernen, ihren Blutzucker-
gehalt selbst zu bestimmen und diese
Werte protokollieren.
Ärztliche Untersuchungen in regel-
mäßigen Abständen sind wichtig. Bei
den meisten Frauen mit Gestations-
diabetes normalisieren sich die Blut-
zuckerwerte nach der Entbindung
sofort wieder, trotzdem haben sie
nach Beendigung der Schwanger-
schaft ein erhöhtes Diabetesrisiko,
besonders im Alter. Aus diesem Grund
sind Nachfolgeuntersuchungen im
Abstand von einem Jahr, vor allem in
Hinblick auf eine weitere Schwanger-
schaft, zu empfehlen. ■
Ulrike Orthen ist freie Journalistin
mit dem Spezialgebiet Schwanger-
schaft und Kindesentwicklung.
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Gestationsdiabetes Mutter & Baby
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Wussten Sie
schon, dass …
in Nigeria jede
6. Geburt eine
Zwillingsgeburt ist?
•
in Japan nur jede
200. Geburt eine
Zwillingsgeburt ist?
•
in Europa eine
Häufigkeitsabnahme
von Zwillingsgeburten
von Norden nach
Süden nachgewiesen
werden kann?
•
der Anteil an zwei-
eiigen Zwillingen in
Finnland besonders
hoch ist?
•
in Deutschland etwa
eine Million Zwillings-
paare leben?
Durch die frühe Teilung eines
Embryos entstehen zwischen
dem 5. und 9. Tag nach der Be-
fruchtung eineiige Zwillinge, die
immer gleichgeschlechtlich sind
und identische Erbanlagen haben.
Kein Wunder, dass sie sich zum Ver-
wechseln ähnlich sehen. Findet die
Teilung zwischen dem 15. und 17. Tag
nach der Befruchtung statt, kann sie
nicht mehr vollständig erfolgen und es
entstehen verbundene Zwillinge, auch
„siamesische Zwillinge“ genannt.
Zweieiige Zwillinge dagegen ent-
stehen durch die Befruchtung zwei
verschiedener Eizellen. Sie können
ungleich- oder gleichgeschlechtlich
sein, sind aber immer
genetisch verschieden.
Die Wahrscheinlichkeit,
zweieiige Zwillinge zu
bekommen steigt mit
dem mütterlichen Alter
bis etwa 39 Jahre, da-
nach sinkt sie wieder.
Sie sinkt auch in Zeiten
der Mangelernährung.
Höhergradige
Mehrlinge („Super-
twins“) können durch
die Befruchtung einer,
zweier oder mehrerer
Eizellen oder durch
die Teilung einer oder
mehrerer befruchteter
Eizellen entstehen.
Auf etwa 85 Ge-
burten kommt eine
Zwillingsgeburt. Das
Vorkommen von zwei-
eiigen Zwillingen wird
Es werden Zwillinge
In Europa entfällt etwa auf jede 85. Geburt eine
Zwillingsgeburt. Durch Hormonbehandlungen bei
Fruchtbarkeitsproblemen ist die Tendenz steigend.
Von Prof. Dr. Bernd Klausch
Zwillinge – doppeltes
Glück, aber auch eine
deutliche Mehrbelastung
oft durch eine familiäre Neigung be-
günstigt, wobei das Vorkommen in
der Familie der Mutter entscheidender
ist als das in der Familie des Vaters.
Die Chance, Drillinge zu bekommen,
ist weitaus geringer.
Besonderheiten der
Mehrlingsschwangerschaft
Die physiologischen Veränderungen
und Belastungen des mütterlichen
Organismus sind bei einer Mehrlings-
schwangerschaft ausgeprägter als bei
einer Einlingsschwangerschaft. Das
zirkulierende mütterliche Blutvolumen
und der Bedarf an Eisen, Folsäure und
Kalzium sind gegenüber der Einlings-
schwangerschaft auf
etwa das Doppelte
erhöht. Die mütter-
liche Gewichtszu-
nahme ist ebenfalls
ausgeprägter. In der
Spätschwangerschaft
bedingen die größe-
ren Ausmaße der
Gebärmutter und ihr
Platzbedarf im Bauch-
raum oft mechanische
Funktionsstörungen
der Därme und insbe-
sondere der Lungen-
funktion durch den
Zwerchfellhochstand.
Durch das doppelte
Volumen der Gebär-
mutter kommt es
zu einer erheblichen
Mehrbelastung des
Verschlussmechanis-
mus derselben im
Bereich des Muttermundes und durch
die vermehrte Dehnung der Uterus-
muskulatur gehäuft zum vorzeitigen
Auftreten von Wehen.
Durch die genannten Faktoren
ist die Mehrlingsschwangerschaft als
Risikoschwangerschaft einzustufen
und muss demzufolge intensiv über-
wacht werden.
Geburtsleitung bei
Mehrlingen
Eine Mehrlingsgeburt, die mit sich
unter der Geburt entwickelnden Kom-
plikationen einhergehen kann, stellt
hohe Anforderungen an die Fähig-
keiten des Entbindungsteams und
sollte deshalb in einer Frauenklinik der
Maximalversorgung mit angeschlos-
sener Kinderklinik erfolgen.
Die Beendigung der Zwillings-
schwangerschaft wird heute allge-
mein in der 37./38. vollendeten
Schwangerschaftswoche angestrebt.
Das zu wählende Entbindungsver-
fahren ist dabei abhängig vom Ge-
wicht der Zwillinge sowie der Lage
derselben, insbesondere von der des
vorangehenden Zwillings.
Damit Ihre Wünsche und Vorstel-
lungen bei der Wahl des Entbindungs-
verfahrens Berücksichtigung finden und
dem geburtshilflichen Team rechtzeitig
bekannt sind, sollten Sie frühzeitig mit
der Klinik Kontakt aufnehmen, in der
Sie auch entbinden möchten. ■
Prof. Dr. Bernd Klausch ist
ehemaliger Chefarzt der Abteilung
für Gynäkologie und Geburtshilfe
und Ärztlicher Direktor der
Asklepios Klinik in Parchim. Seit
Anfang 2006 ist er im Ruhestand.
Mutter & Baby Zwillinge
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Wussten Sie
schon, dass …
… Alkoholkonsum
in der Schwanger-
schaft eine der häu-
figsten Ursachen von
Fehlbildungen bei
Kindern ist?
•
… das Risiko für den
Plötzlichen Kindstod
um das Siebenfache
steigt, wenn die Mutter
mehr als 20 Zigaretten
am Tag raucht?
Ein Gläschen Rotwein zum Essen
ist für viele ein Stück Lebens-
qualität. Dass man in der Schwanger-
schaft besser darauf verzichten sollte,
ist mittlerweile bekannt. Doch trotz
bester Vorsätze gelingt es nur zwei von
zehn Schwangeren, völlig auf Alkohol
zu verzichten. Die Übrigen plagen sich
monatelang mit einem schlechten
Gewissen und Sorgen um die Gesund-
heit ihres Kindes – besonders, wenn
sie in den ersten Wochen einen feucht-
fröhlichen Abend gefeiert haben, ohne
zu wissen, dass sie schwanger waren.
Wie wirkt Alkohol auf
das Ungeborene?
Alkohol wird über den Magen der
Mutter rasch ins Blut aufgenommen
und gelangt über die Plazenta unge-
hemmt in den Körper des Kindes. In
der Frühphase der Schwangerschaft
ist der Aufbau des kindlichen Organis-
mus besonders störungsanfällig. Kommt
es in dieser Zeit zu erhöhtem Alkohol-
konsum, ist das Risiko einer Fehlgeburt
größer. Nimmt die werdende Mutter
im späteren Verlauf der Schwanger-
schaft regelmäßig größere Mengen
Alkohol zu sich, so werden die kind-
lichen Zellen und Organe oft irrepa-
rabel geschädigt. Im schlimmsten Fall
kommt es zum so genannten Fetalen
Alkoholsyndrom. Diese Babys – meist
Kinder von Alkoholikerinnen – leiden
Besser rauchfrei
und nüchtern!
Genussmittel in der Schwangerschaft
Das Ungeborene ist äußerst empfindlich gegenüber
Giftstoffen, die über die Nabelschnur in seinen Körper
gelangen. Auf Nikotin, Alkohol und andere Drogen
sollte während der Schwangerschaft lieber verzichtet
werden. Von Elke Linda Buchholz
unter Fehlbildungen der inneren
Organe, etwa Herzfehlern, sind klein
und untergewichtig, haben einen auf-
fallend kleinen Kopf und eine einge-
schränkte Intelligenz. Später fallen sie
durch Sprachstörungen, Hyperaktivität
oder Defizite im Sozialverhalten auf.
Der Grad der Schädigung kann sehr
unterschiedlich sein. Wissenschaftler
weisen darauf hin, dass bereits der
regelmäßige Genuss von zwei Gläsern
Bier oder einem Viertel Wein die kind-
liche Intelligenz beeinträchtigen kann.
Das Ungeborene raucht mit
Für Raucherinnen ist eine Schwanger-
schaft eine gute Gelegenheit, dem
lästigen Glimmstängel Ade zu sagen.
Viele verspüren schon in den ersten
Wochen einen regelrechten Wider-
willen gegen Rauch und andere starke
Gerüche. Nutzen Sie die Gelegenheit,
Ihre Lebensgewohnheiten zu ändern!
Das gilt übrigens ebenso für den Part-
ner, denn auch Passivrauchen schadet
dem Ungeborenen.
Nikotin wirkt auf das zentrale Nerven-
system. Die Blutgefäße verengen sich,
die Plazenta wird schlechter durch-
blutet und das Ungeborene mit weniger
Sauerstoff und Nährstoffen versorgt,
es kommt häufiger zu Plazenta-Ablö-
sungen und zu Früh- und Fehlgeburten.
Mediziner haben festgestellt, dass
Raucherbabys wesentlich häufiger an
Asthma, Allergien, Leukämie erkranken.
Und sie sind stärker vom Plötzlichen
Kindstod betroffen.
Harte Drogen, weiche Drogen
Wer Drogenprobleme hat, sollte nicht
zögern, ärztliche Hilfe in Anspruch zu
nehmen. Denn harte Drogen wie
Kokain, Crack oder Heroin stellen ein
erhebliches Gesundheitsrisiko für das
Baby im Mutterleib dar. Aber auch
gewohnheitsmäßig eingenommene
Medikamente wie Schlaftabletten,
Schmerzmittel oder Amphetamine
sind nicht unbedingt harmlos.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber!
Ein gutes Gewissen ist ein
sanftes Ruhekissen
Der Verzicht auf die gewohnte Zigarette
oder das Gläschen Prosecco fällt vielen
Schwangeren nicht leicht. Aber nicht
nur das Kind profitiert davon. Eine ver-
antwortungsbewusste Lebensweise gibt
Ihnen das gute Gefühl, für sich und Ihr
ungeborenes Baby das Beste zu tun. ■
Elke Linda Buchholz arbeitet als
freie Journalistin in Berlin, u.a. als
Mitarbeiterin einer Zeitschrift für
Schwangere und junge Mütter.
Rauchen
schadet dem
Ungeborenen.
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Drogen & Schwangerschaft Mutter & Baby
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Achtung!
Verboten sind bei Kinderwunsch
und in der Frühschwangerschaft
die rezeptpflichtigen synthetischen
Vitamin-A-Säuren, die Retinoide
(Tretinoin bzw. Isotretinoin), egal
ob in Creme- oder Tablettenform.
Sie werden zur Therapie einer sehr
schweren Akne eingesetzt.
Gesichtspflege
Hormone machen die schwangere
Haut praller und besser durchblutet,
kleine Fältchen fallen weniger auf.
Allerdings kann trockene Haut auch
fettiger werden, weil die Talgdrüsen
ihre Aktivität erhöhen. Eine Neigung
zu Akne kann sich dadurch verschlim-
mern – meist jedoch nur vorüber-
gehend in den ersten drei Monaten.
Passen Sie Ihre Hautpflege der
Situation an. Aber Vorsicht mit neuen
Pflegeprodukten: Schwangere reagieren
leichter mit einer Allergie. Kaufen Sie
zunächst die kleinste Größe. Spezielle
Akne-Cremes, die austrocknende
Wirkstoffe und oft ein Antibiotikum
enthalten, dürfen Sie auch in der
Schwangerschaft benutzen. Selbst
Hautcremes mit Vitamin A (Retinol)
sind erlaubt, da eine Überdosierung
bei rein äußerlicher Anwendung aus-
geschlossen ist.
Make-up
Kosmetikprodukte werden
so gründlich geprüft, dass
Sie unbesorgt alles ver-
wenden können, was Sie
schöner macht. Sogar ein
neues Permanent Make-
up ist erlaubt, voraus-
gesetzt es wird in einem
guten Kosmetikstudio
durchgeführt.
Die so genannte „Schwanger-
schaftsmaske” (Chloasma) zeigt sich
im vierten oder fünften Monat in Form
von unregelmäßigen Pigmentierungen
im Gesicht. Eine gut deckende Grun-
dierung macht sie fast unsichtbar.
Auf keinen Fall sollten Sie eine Bleich-
creme verwenden.
Immer wieder hört man, dass die
Inhaltsstoffe von Lippenstiften schäd-
lich seien. Dafür gibt es jedoch keine
wissenschaftlichen Beweise.
Wenn Sie gelegentlich an Fieber-
bläschen (Lippenherpes) leiden:
Eine Aciclovir-haltige Lippensalbe
(Zovirax®) schadet Ihrem Baby nicht.
Schön durch die
Schwangerschaft:
Die richtige Pflege
macht‘s!
Schöne Umstände
Schwangere strahlen bekanntlich von innen her
– trotzdem brauchen Sie die äußere Schönheit nicht
zu vernachlässigen. Vor allem in den letzten Monaten
tut Ihnen ein kleines Verwöhnprogramm gut! Aber
was ist nützlich? Und was könnte dem Baby schaden?
Von Dr. med. Brigitte Holzgreve
Mutter & Baby Schönheit und Pflege
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„Tägliches Eincremen
mit mildem Mandelöl,
Jojobaöl oder Vitamin-E-
reichem Weizenkeimöl
kann helfen, die Haut
elastisch zu halten.“
Körperpflege
Juckreiz
Wenn Sie unter lästigem Schwanger-
schafts-Juckreiz leiden, cremen Sie
sich mit einer Urea-haltigen Haut-
creme ein. Schuld am Juckreiz sind
nicht nur die Hormone, sondern auch
die Überdehnung der trockenen Haut.
Zudem wird sie in den Hautfalten
durch die vermehrte Schweißbildung
gereizt. Bequeme Kleidung, Pfeffer-
minztee, ein Badezusatz mit Meersalz,
Kieselerde, Natron oder Kleie, sanftes
Abreiben mit einem in Apfelessig ge-
tränkten Waschlappen und Schwim-
men lindern den Juckreiz. Vermeiden
Sie Bürstenmassagen.
Schwangerschaftsstreifen
Schwangerschaftshormone lockern
das Bindegewebe, vor allem im Bauch-
bereich. Dabei können die elastischen
Fasern in der Haut reißen und narben-
ähnliche Dehnungsstreifen hinterlassen.
Am stärksten gefährdet sind Frauen
mit heller und zarter Haut, einer meist
erblich bedingten Bindegewebs-
schwäche, Übergewicht und zu wenig
Bewegung. Sind die Streifen einmal
da, lassen sie sich auch mit viel Auf-
wand nicht wieder zum Verschwinden
bringen. Deshalb lohnt sich die Vor-
beugung: Zahlreiche spezielle Produkte
sind auf dem Markt, aber tägliches
Eincremen mit mildem Mandelöl,
Jojobaöl oder Vitamin-E-reichem
Weizenkeimöl kann schon helfen, die
Haut elastisch zu halten. Viele Haut-
ärzte meinen sogar, dass eine durch-
blutungsfördernde Zupfmassage die
größte Wirkung habe. Danach kalt
duschen – das strafft zusätzlich.
Enthaarung
Die meisten Schwangeren bemerken
eine stärkere Körper- und Gesichtsbe-
haarung. Enthaarungsschaum oder
-creme darf grundsätzlich, sogar in
der Bikinizone, verwendet werden.
Auch Epilieren und Heißwachsbehand-
lungen sind unschädlich für Ihr Baby.
Nagelpflege
Wissenschaftliche Studien haben ge-
zeigt, dass der häufige Umgang mit
organischen Lösungsmitteln (z.B. in
Nagellackentfernern) schädlich ist und
zu Fehlgeburten und kindlichen Fehl-
bildungen führen kann. Im Rahmen
der üblichen Nagelkosmetik ist Ihr
Baby jedoch sicher nicht gefährdet.
Weil die Nägel schneller wachsen
und deshalb brüchiger sind, sollten
sie nicht zu häufig mit Nagellackent-
ferner strapaziert werden.
Beim Befestigen und Aushärten
von künstlichen Fingernägeln (Nagel-
modellage) können unvorhersehbare
Allergien ausgelöst werden. In der
Schwangerschaft ist daher von Nagel-
modellage vorsichtshalber abzuraten.
Vermehrtes Schwitzen
Kaum eine Schwangere, die in der
Spätschwangerschaft nicht zu Schweiß-
ausbrüchen neigt, denn der Stoff-
wechsel arbeitet auf Hochtouren.
Abgesehen von lockerer Kleidung aus
Naturmaterialien hilft da ein gutes Deo
und häufiges, lauwarmes Duschen.
Abkühlung bringt auch ein kalter
Wasserguss über die Unterarme. Wenn
Sie nachts mit brennenden Füßen auf-
wachen, stellen Sie sich einen Eimer
mit kaltem Wasser neben das Bett.
Vermeiden sollten Sie scharfe Ge-
würze, Knoblauch, rohe Zwiebeln,
Kaffee, Tee und Alkohol. Trinken Sie
viel, um die verlorene Flüssigkeit
zu ersetzen. Lauwarmer Apfelsaft,
Salbei- oder Melissentee verringern
die Schweißproduktion.
Piercings
Ein Bauchnabel-Piercing sollte in der
Schwangerschaft nicht neu gestochen
werden. Der Schmuck kann entfernt
oder durch ein biegsames Plastik-
teil ersetzt werden. Ältere Piercings
(über ein Jahr) kann man belassen,
muss aber sorgfältig auf Entzündungs-
zeichen achten. Cremen Sie dort dop-
pelt gut ein, damit die Haut besonders
elastisch bleibt! Beim Ultraschall stört
das Bauchnabel-Piercing übrigens
normalerweise nicht.
Ein Brustwarzen-Piercing wird oft
sehr unangenehm. Viele Schwangere
entfernen deshalb den Schmuck schon
früh. Stillen ist oft schwierig, weil Milch-
kanäle verletzt worden sind. Erst drei
Monate nach dem Abstillen darf der
Schmuck wieder eingesetzt werden.
Piercings im Genitalbereich können
bei der Geburt stören und zu Verlet-
zungen führen. Ihr Frauenarzt bzw.
Ihre Frauenärztin werden Ihnen sagen,
ob eine Entfernung nötig ist.
Tätowierungen an Schwangeren
werden von seriösen Studios abgelehnt.
Der damit verbundene Stress ist für
Mutter und Kind ungünstig, zumal es
zu überraschenden allergischen Reakti-
onen kommen kann. Schon vorhandene
Tattoos sind unproblematisch.
Haarpflege
Gegen fettigeres Haar hilft nur häufiges
Haarewaschen. Benutzen Sie ein mildes
Shampoo und lassen Sie Ihr Haar mög-
lichst an der Luft trocknen oder auf
niedrigster Föhnstufe, denn heiße Luft
stimuliert die Talgdrüsen.
In der Schwangerschaft verbessert
sich die Haarstruktur und es fallen
weniger Haare aus. Aber in den letzten
Wochen vor und besonders nach der
Geburt setzt meist ein massiver Haar-
ausfall ein. Dagegen können die in
Apotheken rezeptfrei verkäuflichen
Dehnungsstreifen:
Vorbeugung lohnt sich.
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Schönheit und Pflege Mutter & Baby
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Gesundes Bräunen
Wie wäre es – als Alternative zu
Sonne und Solarium – mit einer
Selbstbräunungscreme? Sie bewirkt
eine vorübergehende chemische
Färbung der obersten Hautschich-
ten, und dieser Vorgang ist in der
Schwangerschaft selbst bei häufiger
Anwendung unbedenklich.
Vermeiden Sie ...
Produkte zur Stärkung von Haaren
und Nägeln helfen, deren natürliche
Wirkstoffe Ihrem Baby nicht schaden.
Immer wieder wird gefragt, ob sich
Schwangere die Haare färben lassen
dürfen. Zwar können alle Chemikalien
durch die Kopfhaut der Mutter ein-
dringen, aber dies geschieht in so
geringen Konzentrationen, dass eine
Gefährdung des Ungeborenen bisher
nicht nachgewiesen werden konnte.
Wenn gefärbte Haare oder Strähnchen
zu Ihrer Persönlichkeit gehören, gibt es
nur einen Grund, als werdende Mutter
darauf zu verzichten: Das Ergebnis
kann ungewohnt ausfallen, vor allem
im Rotbereich. Dasselbe gilt übrigens
auch für Dauerwellenflüssigkeit, auf
die Ihre Haare in der Schwangerschaft
ganz anders reagieren können.
Sonnenschutz
Schädliche UV-Strahlung wird nahezu
vollständig vom mütterlichen Bauch-
gewebe absorbiert. Zu lange sollte das
Sonnenbad trotzdem nicht dauern:
Eine Erhöhung der Körperkerntempe-
ratur in den ersten Schwangerschafts-
wochen auf über 38°C und über längere
Zeit (z.B. bei hohem Fieber) ist mit
angeborenen Fehlbildungen in Ver-
bindung gebracht worden.
Denken Sie aber auch an sich selbst.
Ihre eigene Haut ist in der Sonne nicht
nur krebsgefährdet, sondern kann in der
Schwangerschaft auch unregelmäßiger
bräunen. Gehen Sie deshalb so wenig
wie möglich in die direkte Sonne und
verwenden Sie eine Tagescreme mit ei-
nem Lichtschutzfaktor von mindestens
15. Das gilt auch für die künstliche
Sonne im Solarium. Zudem ist auf der
Sonnenbank die Rückenlage wegen
Kreislaufproblemen zu vermeiden.
Baden und Wellness
Wenn Ihre Schwangerschaft unkom-
pliziert verläuft, dürfen Sie ein Vollbad
nehmen so oft Sie mögen. Warmes
Wasser kann zwar echte Wehen ver-
stärken, aber kaum geburtsaktive
Wehen auslösen. Unechte Wehen, die
so genannten Vorwehen, werden durch
die Entspannung im warmen Wasser
sogar abgeschwächt. Empfehlenswert
ist eine Temperatur von etwa 38°C –
eher niedriger, wenn Sie zu Krampf-
adern neigen. Benutzen Sie einen rück-
fettenden Badezusatz für die oft sehr
trockene schwangere Haut. Ein paar
Tropfen Aromaöl wirken entspannend.
Öffentliche Schwimmbäder brau-
chen Sie keineswegs zu meiden, denn
die Wasserqualität wird dort ständig
überprüft.
Saunieren ist in einer unkomplizier-
ten Schwangerschaft durchaus erlaubt.
Es stärkt das Immunsystem und regt
den Kreislauf an, was Schwangeren
bei der Ausschwemmung von Wasser-
einlagerungen helfen kann. Die Körper-
kerntemperatur erhöht sich durch das
starke Schwitzen nur geringfügig.
Ungeübte Sauna-Besucherinnen sollten
aber Dauer und Temperatur etwas
reduzieren. Richten Sie sich immer
sehr langsam aus dem Liegen auf.
Wichtig ist zudem eine ausreichende
Flüssigkeitszufuhr. Vor Ansteckung mit
Pilzen oder anderen Keimen brauchen
Sie in der trockenen Hitze der Sauna-
Kammer keine Angst zu haben, denn
die Keime können dort nicht überleben.
Was für die Sauna gilt, trifft auch
auf Dampfbäder zu. Wer daran ge-
wöhnt ist, darf ruhig weitermachen.
Aber Vorsicht: Dampfbäder sind zwar
in der Regel nur ca. 45°C heiß, aber
wegen der hohen Luftfeuchtigkeit be-
lastet das den Kreislauf noch mehr als
die trockene Hitze in der Sauna.
Massage hat viele wohltuende
Effekte auf Schwangere, denn sie
löst Verspannungen und fördert die
Durchblutung und somit den Lymph-
abfluss. Es spricht auch nichts gegen
spezielle Massagetechniken wie Aku-
pressur, Shiatsu oder Fußreflexzonen-
therapie. Nur die flache Bauchlage
sollten Sie vermeiden; die Knie-Ellen-
bogenlage ist bequemer! ■
Dr. med. Brigitte Holzgreve ist
Fachärztin für Humangenetik,
Chefredakteurin der Internetseite
www.swissmom.ch und Autorin
des Bestsellers „300 Fragen zur
Schwangerschaft“. Sie lebt in Basel.
Massage hat viele
positive Effekte und hilft
bei Verspannungen und
Rückenschmerzen.
• Scheidenspülungen – sie zerstören das natürliche Milieu im Genitalbereich.
• Badezusätze aus Lorbeer, Majoran, Muskat, Nelken, Rosmarin, Thymian,
Wacholder, Zedernholz, Zimt – sie können Wehen auslösen.
• Bäder, wenn Sie alleine im Haus sind und die länger als 15 Minuten
dauern. Das Ein- und Aussteigen kann durch das veränderte Körper-
gefühl gefährlich werden.
• zu heißes Badewasser – es belastet den Kreislauf zu sehr.
• Sauna- oder Dampfbadbesuche, wenn Schwindel oder Übelkeit auftreten.
• Baden im Whirlpool – das Wasser wird dort nicht häufig ausgetauscht
und Schwangere reagieren sehr schnell mit vaginalen Infektionen, die
eine Frühgeburt begünstigen können.
• Thermal- und Solebäder – warme Luft, warmes Wasser und Bewegung
führen leicht zu Kreislaufproblemen.
Mutter & Baby Schönheit und Pflege
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Genussgifte wie Zigaretten und
Alkohol sind für Schwangere tabu.
Nutzen Sie die Schwangerschaft als
Chance, falsche Gewohnheiten abzu-
legen. Schwangerschaftsbedingte Ver-
änderungen in Ihrem Geruchs- und
Geschmacksempfinden können bei
diesem Schritt helfen. Alkoholkonsum
in der Schwangerschaft kann schwer-
wiegende Folgen für Ihr Kind haben.
Grenzwerte für die schädigende Wir-
kung gibt es nicht, deshalb ist der
völlige Verzicht auf Alkohol die beste
Entscheidung. Halten Sie sich auch
mit dem Genuss von Kaffee und Tee
zurück. Mehr als zwei Tassen Kaffee
pro Tag können das Frühgeburtsrisiko
erhöhen. Durch täglich fünf Tassen
Kaffee wird es sogar verdoppelt. Auch
der Koffeingehalt einzelner Nahrungs-
mittel wie Tee, Cola und Schokolade
sollte beachtet werden.
Achten Sie grundsätzlich auf aus-
gewogene, gemischte Kost. Extreme
Diäten (z.B. Trennkost) sind gefähr-
lich für Sie und Ihr Kind. Zum Abneh-
men ist die Schwangerschaft einfach
nicht die richtige Zeit. Fasten ist vor
allem im ersten und dritten Trimes-
ter gefährlich. Eine Gefährdung des
Kindes resultiert nicht nur aus einer
möglichen Dehydration (Flüssigkeits-
mangel), sondern vor allem auch aus
einem akuten Glukosemangel.
Eine vegetarische Ernährung ist
auch während der Schwangerschaft
möglich. Jedoch sollten in diesem
Falle Milch, Milchprodukte und Eier
feste Nahrungsbestandteile sein. Wer
kein Fleisch zu sich nimmt, dem man-
gelt es möglicherweise an Eiweiß,
Eisen und bestimmten B-Vitaminen.
Schwangerenernährung
Endlich ist es so weit, der Urin-Teststreifen macht es zur Gewissheit:
Sie sind schwanger! Es kribbelt im Bauch und plötzlich ist alles anders.
Im Fokus steht jetzt das Kind und das soll es in Muttis Bauch gut haben.
Von Dipl.-Med. Ulrich Freitag und Dr. med. Heiner Müller
Essen für zwei?
Mit Bezug auf Ihren Energiebedarf
lautet die Antwort zunächst: nein.
Am Anfang kommt die Schwangere
mit ihrer ganz normalen Ernährung
aus. Eine Steigerung der täglichen
Kalorienmenge um 200 bis 300 Kalo-
rien sollte erst nach dem ersten Tri-
mester erfolgen. Der Kalorienbedarf
einer Schwangeren steigt nämlich von
ca. 2100 kcal pro Tag zu Schwanger-
schaftsbeginn auf ca. 2400 kcal in der
zweiten Schwangerschaftshälfte. Diese
Steigerung ist nicht dramatisch, denn
bereits mit einem Früchtemüsli oder
einem Knäckebrot und einem Apfel ist
der Mehrbedarf gedeckt.
Im schwan-
geren Bauch ist
weniger Platz.
Wegen des
resultierenden
Völlegefühls sind
mehrere kleine
Mahlzeiten am
Tag vorteilhafter
als wenige große.
Eiweiße (ca.
zehn Prozent), Fette
(30 bis 35 Prozent) und
Kohlenhydrate (55 bis
60 Prozent) stellen die
Grundbausteine unserer
Energieversorgung dar.
Das Verhältnis der Haupt-
nährstoffe ändert sich während
der Schwangerschaft nicht. Un-
ter den hiesigen Bedingungen
droht diesbezüglich selten eine
Unterversorgung. Auch wenn
Ihr Bedarf an Eiweiß im Laufe
der Schwangerschaft ansteigt,
wird bei einer normalen Ernährung
kein Mangel entstehen.
Fette werden häufig eher zu viel auf-
genommen. Wegen ihrer besonderen
Bedeutung für die fetale Entwicklung
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 39
Schwangerenernährung Mutter & Baby
Mit einer ausgewogenen,
gemischten Kost ist Ihr
Baby gut versorgt.
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Ausgangsgewicht (BMI) Gewichtszunahme
niedrig (< 19,8) 12,5 bis 18,0 kg
mittel (19,8 bis 26,0) 11,5 bis 16,0 kg
hoch (26,0 bis 29,0) 7,0 bis 11,5 kg
sehr hoch (> 29,0) < 6,0 kg
Empfehlungen zur Gewichtszunahme während
der Schwangerschaft
BMI =
Gewicht (kg)
Körpergröße (m²)
Die Gewichtszunahme
während der Schwanger-
schaft fällt individuell
sehr unterschiedlich aus.
„Wegen einer möglichen
Übertragung von Listerien
sollten Sie Rohmilch und
Rohmilchprodukte in der
Schwangerschaft meiden.“
sind hier die langkettigen, mehrfach
ungesättigten Fettsäuren (LCP) jedoch
besonders wertvoll. Eine ausreichende
Versorgung können Sie z.B. durch den
regelmäßigen Verzehr von fettem See-
fisch und Wild oder durch Nahrungs-
ergänzungspräparate sicherstellen.
Sie sollten bevorzugt komplexe
Kohlenhydrate, also nicht zucker-,
sondern stärkehaltige Lebensmittel zu
sich nehmen. Hierzu gehören Brot,
Getreideprodukte, Hülsenfrüchte,
Kartoffeln und einige Gemüsesorten.
Vollkornprodukte stellen die Versor-
gung mit Ballaststoffen sicher; emp-
fohlen werden mindestens 30 g
Ballaststoffe pro Tag. Als Zwischen-
mahlzeit eignen sich zum Beispiel
Früchteriegel ohne Zuckerzusatz.
Ihr Flüssigkeitsbedarf erhöht sich
von täglich 1,5 auf etwa 2,0 Liter pro
Tag. Starkes Schwitzen erhöht die not-
wendige Trinkmenge natürlich weiter.
Gut geeignet sind Mineralwasser,
ungesüßte Kräuter- und Früchte-
tees sowie ggf. mit Wasser ver-
dünnte Gemüse- und Fruchtsäfte
oder mit speziellen Nährstoffen
angereicherte Getränke.
Welche Gewichts-
zunahme ist normal?
Die „normale“ Gewichtszunahme
ist großen individuellen Schwankungen
unterworfen. Während im Durchschnitt
zehn bis zwölf Kilogramm an Mehrge-
wicht resultieren, können es im Einzel-
fall auch zwischen sechs und 20 kg
sein. Normalerweise geht man von
drei bis vier Kilogramm für das Baby
und ca. sieben bis zwölf für das feta-
le Unterstützungssystem aus (Plazenta,
Fruchtwasser, erhöhtes Blutvolumen,
Körperflüssigkeit, Fettreserven und
Brustgewebe). Gelegentlich erfolgt im
ersten Trimenon eine geringe Gewichts-
zunahme; sie pendelt sich dann zwi-
schen dem vierten und achten Monat
auf etwa 0,5 bis 1 kg pro Woche ein;
im letzten Monat ist sie dann wieder
minimal oder endet ganz. Es ist wich-
tig, für sich festzustellen, ob man nicht
durch Unter- oder Übergewicht bereits
in einer Risikogruppe steckt. Die emp-
fohlene Gewichtszunahme ergibt sich
aus dem Body Mass Index vor der
Schwangerschaft (siehe Tabelle).
Ihr Frauenarzt erstellt Ihnen gerne
eine genaue Prognose über die bei
Ihnen zu erwartende Gewichtszunahme
in der Schwangerschaft.
Gefährdung durch
Nahrungsmittel?
Wegen der möglichen Übertragung
von Infektionen und einer eingeschränk-
ten Anwendbarkeit wirksamer Anti-
biotika in der Schwangerschaft sollten
Sie auf bestimmte Lebensmittel ver-
zichten. Wegen einer möglichen
Übertragung von Listerien sollten Sie
Rohmilch und Rohmilchprodukte in
der Schwangerschaft meiden. Rohe
Fischgerichte (z.B. Sushi) streichen Sie
ebenfalls besser von Ihrem Speiseplan.
Toxoplasmose-Erreger werden vor-
wiegend durch Katzenkot übertragen
und über die Nahrung aufgenommen.
Gefährdet sind Frauen, die in der
Schwangerschaft erstmals erkran-
ken. Wird dies nicht erkannt und
behandelt, resultieren möglicher-
weise schwere kindliche Schäden.
Ihr Frauenarzt kann testen, ob
Sie gegenüber Toxoplasmose
Immunschutz besitzen. Ist das
nicht der Fall, sollten Sie das Rei-
nigen der Katzentoilette während
der Schwangerschaft lieber jemand
anderem überlassen.
Auch bei der Nahrungszubereitung
und -aufnahme sind bestimmte allge-
meine Vorsichtsmaßnahmen zu be-
achten. Über den Verzehr von rohem
Fleisch (z.B. Tartar oder Mett), aber
auch über pflanzliche Lebensmittel
(z.B. Blattsalat, Beeren), welche mit
Katzenkot kontaminiert wurden, kön-
nen Sie an Toxoplasmose erkranken.
Vor jedem Essen sollten Sie deshalb
insbesondere nach dem Umgang mit
rohem Fleisch oder nach dem Kontakt
mit Katzen unbedingt die Hände mit
warmem Wasser und Seife gründlich
reinigen. Pflanzliche Lebensmittel, die
nicht erhitzt werden, sollten gründlich
gewaschen bzw. geschält werden.
Einige Fischarten stehen am Ende
der Nahrungskette und reichern
deshalb überdurchschnittlich viele
Mutter & Baby Schwangerenernährung
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit40
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Der
Flüssigkeits-
bedarf
ist in der
Schwanger-
schaft größer.
Schadstoffe (z.B. Methylquecksilber
und Dioxine) an. Haifisch, Seeteufel,
Schwertfisch, Bonito, Hecht, Rochen
und Tunfisch sollten Sie in der Schwan-
gerschaft nicht regelmäßig verzehren.
Vorsicht ist auch bei Vitamin-A-
reichen Lebensmitteln angebracht,
da bei Überdosierung Schädigungen
des Föten nicht auszuschließen sind.
Aus diesem Grund wird empfohlen,
im ersten Schwangerschaftsdrittel
keine Leber zu essen und sie auch
später eher selten zu konsumieren.
Bei der Auswahl der Speisen für
Schwangere sollte auch auf Nahrungs-
mittel mit hohem Allergiepotenzial
verzichtet werden, wie z.B. Kiwi-Früchte.
Jedes Kind ein Zahn?
Diese alte Volksweisheit stimmt zum
Glück heute nicht mehr, obwohl der
erhöhte Östrogenspiegel während der
Schwangerschaft vermehrt zu Mund-
schleimhautenzündungen und Karies
führen kann. Man hat aber erkannt,
dass entsprechende Mundhygiene
und Ernährung diesen Problemen
entgegensteuern können.
Kalzium ist ein wesentliches Mine-
ral für den Knochenstoffwechsel und
die Festigung von Zähnen. Während
der Schwangerschaft muss die werdende
Mutter ihrem Kind 25 bis 30 g Kalzium
für den Knochenaufbau zur Verfügung
stellen. Am Ende der Schwangerschaft
ist der Kalzium-Umsatz um 50 bis
200 Prozent erhöht. Der Mehrbedarf
an Kalzium kann durch Milch und
Milchprodukte ausgeglichen werden.
Bereits ein halber Liter Milch, zwei
Scheiben Käse und ein Becher Joghurt
sind ausreichend, um Ihren Tages-
bedarf an Kalzium zu decken. Bei Un-
verträglichkeit (z.B. Laktoseintoleranz)
befragen Sie Ihren Frauenarzt bezüglich
der Einnahme von Kalziumpräparaten.
Als Kariesprophylaxe ist auch Fluor
wichtig. Wenn Sie in einer Gegend
wohnen, in der das Trinkwasser fluori-
diert ist, brauchen Sie sich keine Sorgen
zu machen. Ansonsten ersetzen Sie
normales mit fluoridiertem Kochsalz
oder diskutieren Sie die zusätzliche Ein-
nahme von Fluortabletten mit Ihrem
Frauenarzt. Er wird Ihnen vielleicht
auch die Einnahme von Vitamin C
empfehlen, falls es in Ihrer Ernährung
zu kurz kommt. Dieses Vitamin trägt
zur Kräftigung des Zahnfleischs und zur
Vernichtung von Kariesbakterien bei.
Studien haben gezeigt, dass die
optimale Zufuhr einiger Mikronähr-
stoffe, wie z.B. von Folsäure, Jod,
Eisen und B-Vitaminen nicht bei
allen Schwangeren gewährleistet ist.
Der Bedarf an Folsäure (Vitamin B9)
erhöht sich während der Schwanger-
schaft um etwa 50 Prozent von 400 µg
auf 600 µg pro Tag. Lebensmittel
mit hohem Folsäure-Gehalt sind z.B.
Weizenkeime, Sojabohnen, Tomaten,
dunkelgrünes Gemüse (z.B. Spinat,
Brokkoli), Obst und Vollkornprodukte.
Nach den Ergebnissen des BabyCare-
Programms gelingt es praktisch keiner
Schwangeren, die empfohlene Menge
von täglich 600 µg Folsäure über die
Ernährung zu sich zu nehmen: 70 Pro-
zent der Teilnehmerinnen lagen unter
der Hälfte des geforderten Wertes.
Für die mütterliche Blutbildung
wirkt Folsäure zusammen mit Vitamin
B12 (Cobalamin). Dieses ist in tierischen
Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch, Ge-
flügel, Milch, Ei und Käse enthalten.
Verwenden Sie jodiertes Speisesalz
und damit hergestellte Produkte und
essen Sie ein- bis zweimal Seefisch pro
Woche, um Ihre Versorgung mit Jod zu
erhöhen. Schwangeren wird dennoch
eine ergänzende Zufuhr von 100 bis
200 µg Jod pro Tag empfohlen, da der
erhöhte Jodbedarf in der Schwanger-
schaft auch bei einer ausgewogenen
Ernährung mit Jodsalz kaum gedeckt
werden kann.
Für eine optimale Versorgung mit
Eisen sollten wenigstens dreimal in
der Woche mageres Fleisch und Wurst
verzehrt werden. Dies ist wichtig, denn
eine ausreichende Versorgung mit Eisen
aus pflanzlichen Quellen wie Vollkorn-
produkten, Haferflocken, Spinat und
Möhren ist schwieriger. Vitamin C
erleichtert die Aufnahme von Eisen,
deshalb ist es ratsam, zum Essen einen
Vitamin-C-reichen Fruchtsaft zu trinken.
Kaffee, Schwarzer Tee, Milch- und Soja-
produkte sowie Hülsenfrüchte wirken
sich ungünstig auf die Eisenaufnahme
aus. Der Bedarf an Eisen steigt vor allem
in den letzten drei bis sechs Schwanger-
schaftsmonaten. Ihre Eisenversorgung
wird im Rahmen der Vorsorgeunter-
suchung überprüft. Bei Vorliegen eines
Eisenmangels empfiehlt Ihr Frauenarzt
ein geeignetes Präparat.
Neben der Zufuhr wichtiger
Mikronährstoffe ist es oft hilfreich,
die körpereigenen Funktionen in der
Schwangerschaft zu unterstützen, z.B.
auch durch die Nahrungsergänzung
mit Probiotika. Damit sind bestimmte
lebende Bakterienstämme gemeint,
die sich über eine Verbesserung der
Aufnahmevorgänge im Darm positiv
auswirken können.
Die Möglichkeiten einer gesunden
Ernährung für Mutter und Kind sind
vielfältig, solange auf eine ausgewo-
gene Kost geachtet wird. Bei konkreten
Fragestellungen wenden Sie sich bitte
an Ihren Frauenarzt. ■
Dipl.-Med. Ulrich Freitag ist nieder-
gelassener Frauenarzt in Wismar.
Praxisschwerpunkte sind die
konventionelle und biologische
onkologische Therapie sowie
Ernährungsmedizin.
Priv.-Doz. Dr. med. Heiner Müller
ist niedergelassener Frauenarzt in
Rostock. Praxisschwerpunkte sind
Reproduktionsmedizin, Pränatal-
diagnostik und Operationen.
Mutter & Baby Schwangerenernährung
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit42
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Eine ausgewogene Ernährung
der Schwangeren ermöglicht
das gesunde Wachstum des
Fetus, der Plazenta sowie der
mütterlichen Körpergewebe
und -flüssigkeiten. Dafür benötigt
die Frau zusätzliche Energie, vor allem
aber eine optimale Versorgung mit
Vitaminen und Mineralstoffen. Empfeh-
lenswert ist deshalb eine Ernährungs-
weise, die reich ist an frischem Obst,
Gemüse, Vollkorn-Getreideprodukten
und genügend tierische Lebensmittel
wie Milch, Milchprodukte, mageres
Fleisch, Eier und Fisch einbezieht. Zur
Vermeidung von Lebensmittelinfek-
tionen sollten Schwangere dabei in
besonderem Maße auf Lebensmittel-
hygiene achten und einzelne Lebens-
mittel meiden.
Die Schwangerschaft bringt viele
Veränderungen mit sich. Am auffälligs-
ten ist die Gewichtszunahme, bedingt
durch das Wachstum des Fetus und
der Plazenta sowie die Vermehrung
von Körpergewebe und -flüssigkeiten.
Für eine gesunde Gewichtszunahme
während der Schwangerschaft existie-
ren lediglich grobe Richtwerte. Für
eine normalgewichtige Frau ist eine
„Der zusätzliche Bedarf
der Schwangeren an
Kalzium lässt sich mit
50 g Milchprodukten
pro Tag und der
Mehrbedarf an Eisen
durch Fleisch und
eisenreiche Gemüse
decken.“
Worauf sollten
Schwangere bei
ihrer Ernährung
achten?
Zunahme von elf bis 16 Kilo aus-
reichend. Sehr schlanke Frauen oder
Mütter von Mehrlingen können bis
zu 20 Kilo zunehmen, während über-
gewichtige Frauen mit einer Zunahme
von zehn Kilo auskommen. Das ab-
solute Gewicht ist dabei weniger
entscheidend als eine kontinuierliche
Zunahme, die ab der 13. Woche
regelmäßig ca. 300 bis 500 g pro
Woche betragen sollte.
Der Körper braucht während der
gesamten Schwangerschaft insgesamt
ca. 71.700 kcal zusätzlich. Dies ent-
spricht ca. 255 kcal pro Tag. Diese
Energiemenge ist zum Beispiel in
einem Käsebrot oder 0,4 Liter Voll-
milch enthalten. Schwangere können
ihren Mehrbedarf an Vitaminen und
Mineralstoffen mit einer ausgewoge-
nen Mischkost daher leicht decken.
Nur bei zwei Nährstoffen lässt sich
dies meist nicht erreichen: bei Folsäure
(Zufuhrempfehlung: 600 Mikrogramm/
Tag) und bei Jod (230 Mikrogramm/
Tag). Beide Nährstoffe sollten nach
Absprache mit dem Arzt in Tabletten-
form ergänzt werden. Dunkle Gemüse-
sorten, Vollkornprodukte und Fleisch
tragen darüber hinaus zur Folsäure-
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit44
Mutter & Baby Schwangerenernährung
31972_GerWB_p044-045.indd 4431972_GerWB_p044-045.indd 44 23/5/06 17:53:1023/5/06 17:53:10
versorgung bei. Jod ist vor allem in
Seefisch und in Milchprodukten ent-
halten, aber auch jodiertes Speisesalz
und alle daraus hergestellten Lebens-
mittel, wie Wurst, Käse oder Brot, lie-
fern einen Beitrag zur Bedarfsdeckung.
Der zusätzliche Bedarf der Schwan-
geren an Kalzium lässt sich mit 50 g
Milchprodukten pro Tag und der
Mehrbedarf an Eisen durch Fleisch
und eisenreiche Gemüse decken.
Vor dem Verzehr von Leber werden
Schwangere häufig noch gewarnt.
Leber ist reich an Vitamin A, das zu
Beginn der Schwangerschaft zu Miss-
bildungen beim Kind führen kann.
Nach dem 3. Monat ist der gelegent-
liche Verzehr von Leber jedoch sogar
empfehlenswert, da sie eine hervor-
ragende Quelle für Eisen, Vitamin D,
Vitamin B2 und Folsäure ist.
Der erhöhte Nährstoffbedarf in
der Schwangerschaft ist durch eine
rein pflanzliche (vegane) Ernährung
nicht zu decken. Insbesondere bei
Vitamin B12, Kalzium und Eisen
besteht die Gefahr einer Unterversor-
gung. Eine vegetarische Ernährung,
die Milch, Milchprodukte und Eier
einschließt, erfordert eine gezielte
Auswahl der Lebensmittel, um den
Nährstoffansprüchen von Mutter und
Kind gerecht zu werden.
Genussmittel beeinträchtigen die
geistige und körperliche Entwicklung
des Kindes. So führt der regelmäßige
Konsum von vier bis fünf alkoholischen
Getränken täglich erwiesenermaßen
zu schweren Missbildungen beim
Kind, während der Effekt von einem
gelegentlichen Glas Wein oder Bier
noch nicht abschließend geklärt ist.
Meist wird daher zu einem absoluten
Alkoholverzicht in der Schwanger-
schaft geraten.
Große Mengen an koffeinhaltigen
Getränken können die Pulsfrequenz
des Embryos fast verdoppeln und
so das Herz belasten. Hier ist des-
halb allenfalls ein mäßiger Konsum
empfehlenswert: Meist sind zwei bis
drei Tassen Kaffee oder vier Tassen
Schwarzer Tee über den Tag verteilt
kein Problem.
Manche Lebensmittel sind ein ide-
aler Nährboden für krankmachende
Bakterien und Parasiten, die
für Gesunde zwar meist harmlos
sind, den Embryo aber schädigen
können. Um eine Infektion mit Liste-
rien, Toxoplasmen oder Salmonellen
auszuschließen, sollten Schwangere
vorsorglich auf folgende Lebensmittel
verzichten:
rohes Fleisch wie Tatar oder Mett,
roher Schinken, streichfähige Roh-
wurst wie Teewurst oder Mettwurst
rohe Eier in selbst bereiteten Ma-
yonnaisen und Süßspeisen, wie
Tiramisu, weich gekochte Früh-
stückseier
roher sowie geräucherter Fisch,
Muscheln und Meeresfrüchte
Rohmilch und daraus hergestellte
Produkte wie z.B. Rohmilchkäse
(Ausnahme: gereifter Hartkäse wie
Allgäuer Emmentaler)
Käserinde generell
Weichkäse mit Rotschmiere,
Sauermilchkäse
alle rohen Lebensmittel, an deren
hygienischer Zubereitung Zweifel
bestehen. ■
Dipl. oec. troph. Birgitta Tummel
ist Ernährungswissenschaftlerin.
Ein Service der CMA.
Während der Schwangerschaft ist
nicht nur ein erhöhter Nährstoffbedarf
zu berücksichtigen. Zur Vermeidung
von Infektionen sollten Schwangere
bestimmte Lebensmittel vorsorglich
von ihrem Speiseplan streichen.
Von Dipl. oec. troph. Birgitta Tummel
Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 45
©CMA
Schwangerennährung Mutter & Baby
31972_GerWB_p044-045.indd 4531972_GerWB_p044-045.indd 45 23/5/06 17:53:2723/5/06 17:53:27
Wellbeing: Journal für Frauengesundheit
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Wellbeing: Journal für Frauengesundheit

  • 1. Mutter & Baby Beschwerden & Erkrankungen Sexualgesundheit Das reifere Alter Gesundheit & Fitness 2006 Berufsverband der Frauenärzte e.V. In Zusammenarbeit mit dem 2006 31972_GerWB_Cover1.indd 131972_GerWB_Cover1.indd 1 25/5/06 11:26:0725/5/06 11:26:07
  • 2. Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 5 Sehr verehrte liebe Patientin, das Informationsbedürfnis unserer Patientinnen hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen, was für Frauenärzte und -ärztinnen eine Herausforderung in der Beratung und Betreuung bedeutet. Mit dieser Broschüre halten Sie eine Sammlung von Artikeln zum Thema Frauengesundheit in der Hand, die in Umfang und Inhalt in Deutschland einmalig ist. Nicht nur die häufigsten Krankheiten, sondern auch Ratschläge zur Gesundheitsförderung und Ernährung werden kurz, übersichtlich und leicht verständlich beschrieben. Die Broschüre soll Ihr Verständnis um das Funktionieren und das Wohlempfinden Ihres Körpers erweitern und Sie bei Beschwerden vorab über mögliche Ursachen informieren. Sie soll auch einen Einblick in die Zusammenhänge ermöglichen, die sich hinter einer medizinischen Diagnose verbergen. Ihre Frauenärztin bzw. Ihr Frauenarzt ist Mitglied einer der größten ärztlichen Berufsverbände in Deutschland, der sich für den Erhalt Ihrer hochqualifizierten Versorgung und alle – auch nichtmedizinischen – Belange der Frauen einsetzt. Beratung, Betreuung und Behandlung erfolgen stets nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das trifft auf alle Kompetenzbereiche zu, von der Familienplanung, Schwangeren- und Krankenbetreuung bis hin zu gesunder Ernährung oder Sexualberatung. Liebe Patientin, selbst ein Lehrbuch kann niemals vollständig sein. Deshalb wenden Sie sich mit all Ihren Sorgen immer vertrauensvoll an Ihren Frauenarzt. Er ist stets für Sie da und bereit, Ihnen fachkundig und unverzüglich zu helfen. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen dieses schönen Heftchens und verbleibe für die Kollegen im Berufsverband der Frauenärzte Ihr Dr. med. Christian Albring Präsident des BVF e.V. Willkommen 31972_GerWB_p005.indd 531972_GerWB_p005.indd 5 24/5/06 14:24:5924/5/06 14:24:59
  • 3. Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit6 Liebe Leserin, die vorliegende Broschüre ist ein einzigartiges Projekt, das in Zusammenarbeit zwischen dem Berufsverband der Frauenärzte e.V. und Boston Hannah International entstanden ist. Es hat in seiner Erstellung viel Spaß gemacht und wir sind stolz darauf, dass wir renommierte Frauenärzte und erfahrene Medizinjournalisten dafür als Autoren gewinnen konnten. Wir haben uns um eine ausgewogene Mischung bemüht, die Frauen in allen Lebensphasen praktische Orientierungshilfen bieten soll. Hauptanliegen der Broschüre ist es, Informationsdefizite auszugleichen und Sie auf den Besuch bei Ihrem Frauenarzt besser vorzubereiten. Sicherlich haben Sie in allen Lebensphasen viele Fragen zu Ihrer Gesundheit. Schwangerschaft ist meistens mit positiven Gefühlen besetzt und hat grundsätzlich nichts mit Krankheit zu tun, aber Sie und Ihr Frauenarzt wollen dem Kind die bestmögliche Chance zu einem gesunden Start ins Leben geben. Anders ist es, wenn Ihr Körper deutliche Zeichen einer Krankheit zeigt. Hier erfahren Sie, wie die Diagnose gestellt wird und was für Behandlungsmöglichkeiten Ihr Frauenarzt Ihnen vorschlagen kann. Oft sind es zum Glück nur kleinere Beschwerden, mit denen Sie aber keinesfalls leben müssen. Während Sie im Wartezimmer sitzen, können Sie sich die Zeit damit verkürzen, den einen oder anderen für Sie relevanten Artikel zu lesen; dann können Sie gezielter Fragen stellen, wenn Sie Ihren Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin konsultieren. Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Sabine Wolff-Counihan Chefredakteurin PS: Helfen Sie uns dabei, die nächste Ausgabe noch besser zu gestalten. Über Lob, Kritik und Anregungen würden wir uns freuen – schicken Sie uns einfach eine E-Mail an: feedback@bostonhannah.com Editorial Boston Hannah International Verleger & CEO Kevin Harrington Redaktionsleitung Charles Ford Chefredaktion Sabine Wolff-Counihan Redaktion & Übersetzungen Bettina Mundt Kapiteleinleitungen von Ulrike Orthen Koordination Meike Albrecht Design Silke Spingies Illustrationen Conny Jude Verlagsmanagement Earl Ayers Produktion Joanna Harrington Anzeigenproduktion Lucy Smith Wellbeing – Das Journal für Frauengesundheit wird in Zusammenarbeit mit dem BERUFSVERBAND DER FRAUENÄRZTE (BVF) e.V. veröffentlicht. BERUFSVERBAND DER FRAUENÄRZTE e. V. Pettenkoferstraße 35 D-80336 München Tel: +49 (0)89 24 44 66-0 Fax: +49 (0)89 24 44 66-100 E-Mail: bvf@bvf.de Wellbeing 2006 wird von Boston Hannah International veröffentlicht. BOSTON HANNAH INTERNATIONAL 21–25 Bruges Place, Randolph Street London NW1 0TF United Kingdom Tel: + 44 (0)20 7870 9000 Fax: + 44 (0)20 7870 9095 E-Mail: wellbeing@bostonhannah.com © Boston Hannah International, 2006. Alle Rechte vorbehalten. Abdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages. Die Beiträge in dieser Publikation geben ausschließlich die Meinung und die Ansichten des jeweiligen Autors wieder und repräsentieren nicht unbedingt die Ansichten, Richtlinien oder Empfehlungen des BVF. Die Publikation erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Alle Infor- mationen wurden sorgfältig recherchiert und geprüft. Für dennoch auftretende Fehler bzw. für die Aktualität und Voll- ständigkeit der Beiträge übernehmen weder der Verlag noch der BVF keine Gewähr oder Haftung. Bei Fragen sollten Leserinnen ihren Frauenarzt konsultieren. Druck: Druckerei Winkowski, Pila Media Sales by B Hannah Limited, Tel: +44 (0)20 7870 9000 31972_GerWB_p006.indd 631972_GerWB_p006.indd 6 24/5/06 14:36:3024/5/06 14:36:30
  • 4. 64 71 26 34 78 Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 9 Inhalt Willkommen ............................................. 5 Grußwort des Präsidenten Editorial, Impressum ................................. 6 Mutter & Baby 1 Einleitung ................................................13 Schritt für Schritt durch die Schwangerschaft................................ 15 Vorsorge und Betreuung im Überblick. Von Dr. med. H. M. Thauer Spezialuntersuchungen in der Schwangerschaft ...............................22 Möglichkeiten der vorgeburtlichen Diagnostik. Von Dr. med. H. M. Thauer ABC der Schwangerschaftsbeschwerden .. 26 Ursachen, Symptome, Mittel zur Besserung. Von Dr. med. H. M. Thauer Gestationsdiabetes .................................. 30 Was Sie über Schwangerschaftsdiabetes wissen sollten. Von Ulrike Orthen Es werden Zwillinge ................................ 32 Besonderheiten der Mehrlingsschwanger- schaft. Von Prof. Dr. Bernd Klausch Besser rauchfrei und nüchtern! ............... 33 Gute Gründe für Schwangere, auf Drogen zu verzichten. Von Elke Linda Buchholz Schöne Umstände .................................... 34 Schönheitspflege für Schwangere. Von Dr. med. Brigitte Holzgreve Schwangerenernährung .......................... 39 Informationen und Tipps für eine ausgewogene Kost. Von Dipl.-Med. Ulrich Freitag und Dr. med. Heiner Müller Worauf sollten Schwangere bei ihrer Ernährung achten? ......................... 44 Was gesund ist und was schadet. Von Dipl. oec. troph. Birgitta Tummel Jetzt ist es passiert .................................. 46 Schwanger als Teenager. Von Ulrike Orthen Schwanger über 40 ................................. 48 Bei Schwangeren über 40 ist besondere Vorsorge geboten. Von Monika Preuk Fit durch die Schwangerschaft ................ 49 Sport tut Schwangeren gut – aber es gibt einiges zu beachten. Von Ulrike Orthen Wehen: Startschuss für die Geburt .......... 50 Wissenswertes über Wehen. Von Prof. Dr. Bernd Klausch Künstliche Weheneinleitung und natürliche Alternativen ........................... 53 Ursachen und Formen der Weheneinleitung. Von Prof. Dr. Eckhard Koepcke Schmerz lass nach ................................... 56 Schmerzerleichterung unter der Geburt. Von Dr. med. Brigitte Holzgreve Die natürliche Entbindung ...................... 58 Vorteile und Risiken natürlichen Gebärens. Von Prof. Dr. Eckhard Koepcke Der Kaiserschnitt .................................... 59 Indikationen, Vorgehen, Risiken. Von Prof. Dr. Bernd Klausch Gute Chancen für Frühchen ..................... 61 Wenn Babys nicht warten können. Von Elke Linda Buchholz Fehlgeburt – wenn gute Hoffnung plötzlich zerbricht ...................................62 Körperliche und psychische Aspekte. Von Dr. med. Brigitte Holzgreve Geht es meinem Baby gut? ..................... 64 Die Erstuntersuchung (U1). Von Prof. Dr. Bernd Klausch Der Baby-Blues ........................................ 67 Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Von Prof. Dr. Bernd Klausch Stillen – der beste Start ins Leben ........... 71 Informationen rund ums Stillen. Von Dr. Jürgen Schumann Stillen – und was dann? ...........................76 Die Umstellung auf feste Babykost. Von Dr. Skadi Springer Schlaf, Kindchen, schlaf … .......................77 Wie Sie Ihrem Kind helfen, besser zu schlafen. Von Elke Linda Buchholz Von Anfang an aktiv ................................78 Babys Entwicklung im ersten Lebensjahr. Von Elke Linda Buchholz 31972_GerWB_p009-010.indd 931972_GerWB_p009-010.indd 9 24/5/06 14:45:0124/5/06 14:45:01
  • 5. 82 90 117 99 143 Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit10 Inhalt Gesundheit & Fitness 2 Einleitung ................................................81 Essen Sie sich gesund ...............................82 Ernährungstipps für verschiedene Lebensphasen. Von Sabine Wolff-Counihan Vitamine und Mineralien .........................88 Warum sie für unsere Gesundheit uner- lässlich sind. Von Sabine Wolff-Counihan Sport und Bewegung ...............................90 Ein Wegweiser durch die Vielfalt der Angebote. Von Rosemary Conley Schutzimpfungen .................................... 92 Eine Präventionsmaßnahme, die Leben rettet. Von Dr. med. Michael Wojcinski Beschwerden & Erkrankungen 3 Einleitung ................................................94 Im Wechselbad der Hormone .................. 96 PMS. Von Prof. Dr. Shaughn O‘Brian Menstruationsbeschwerden .................... 99 Zur Behandlung starker und schmerzhafter Regelblutung. Von Dr. Peter Bowen-Simpkins Ausfluss, Juckreiz, Brennen .................... 101 Scheideninfektionen: Symptome und Therapie. Von PD Dr. med. Andreas Clad Blasenentzündung .................................102 Tipps zur Vorbeugung und Behandlung. Von Dr. Suzy Elneil Endometriose – weit verbreitet und oft unentdeckt ............................... 104 Medikamentöse und operative Behandlungswege. Von Dr. Jane Mears Unterleibskrebs ..................................... 106 Entstehung, Auftreten, Prognose. Von Prof. Dr. Bernd Klausch Zwischen Bangen und Hoffnung ............109 Ursachen und Behandlungsformen von Unfruchtbarkeit. Von Dr. Werner Harlfinger Hilfe bei Blasenschwäche .......................113 Harninkontinenz ist gut therapierbar. Von Dr. Philip Smith Brustkrebs ............................................. 117 Behandlungswege und Heilungschancen. Von Prof. Dr. Bernd Gerber Sicher fühlen ......................................... 121 Brustkrebsvorsorge und Selbstuntersuchung. Von Dipl.-Med. Ulrich Freitag Hysterektomie und Alternativen ........... 122 Ein Überblick über verschiedene Verfahren. Von Prof. Dr. Johannes Bitzer Sexualgesundheit 4 Einleitung .............................................. 125 Verhütungsmethoden im Überblick ....... 126 Von der Pille bis zur Kalendermethode. Von Dr. Werner Harlfinger Traurig und befreit zugleich .................. 130 Der Schwangerschaftsabbruch löst oft eine innere Krise aus. Von Hilke Schicketanz Riskante Abenteuer ............................... 131 Sexualkrankheiten – wie Sie sich und andere schützen können. Von Dr. Jo Evans Sexualprobleme – es gibt eine Lösung ... 133 Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Frauenarzt. Von Prof. Dr. James Drife Das reifere Alter 5 Einleitung .............................................. 137 Menopause und Postmenopause ............139 Die hormonelle Umstellung in der Lebensmitte. Von Dr. med. H. M. Thauer Hormonersatztherapie: Was sind die Möglichkeiten?.................. 141 Vorteile der Hormontherapie. Von Dr. med. H. M. Thauer Hormonersatztherapie ...........................143 Risiken und Nebenwirkungen – was ist wirklich dran? Von Dr. med. H. M. Thauer Volkskrankheit Osteoporose ..................145 Risikofaktoren, Vorbeugung, Therapie. Von PD Dr. med. Peyman Hadji 31972_GerWB_p009-010.indd 1031972_GerWB_p009-010.indd 10 24/5/06 17:56:2124/5/06 17:56:21
  • 6. Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 13 1Mutter & Baby Wer schwanger wird, weiß nur eines sicher: Jetzt wird alles anders. Die Fragen überschlagen sich. Was kann ich tun, damit das Baby im Bauch gesund heranwächst? Welche Geburtsmethode eignet sich für mich am besten? Und was passiert, wenn das Baby da ist? Jede Mutter ist bemüht, ihrem Kind einen guten Start ins Leben zu geben. Die Frage ist nur: Wie mache ich’s richtig? Im folgenden Kapitel möchten wir Sie durch die verschiedenen Phasen des Mutterwerdens begleiten. Sie werden lesen, wie sich Ihr Körper in der Schwangerschaft verändert und was die pränatale Vorsorge alles umfasst. Und Sie erhalten vielfältige Informationen zu weiteren wichtigen Themen wie Schwangerschaftsbeschwerden, Risikoschwangerschaften und Gefahren bei Drogenkonsum in der Schwangerschaft. Während der Schwangerschaft ist Ihr Körper starken Belastungen ausgesetzt und braucht besondere Pflege. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Hilfe von gesunder Ernährung, Fitness und der richtigen Schönheitspflege zum eigenen Wohlbefinden und gleichzeitig zur gesunden Entwicklung Ihres Babys beitragen. Wer die Wahl hat, hat auch die Qual. Die Vielzahl an Geburtsmethoden und Möglichkeiten der Schmerzlinderung können verwirren und viele Frauen haben verständlicherweise Angst, wenn der Geburtstermin näher rückt. Die Erfahrung zeigt, dass bei gut vorbereiteten und informierten Schwangeren die Geburten einfacher und schneller verlaufen. Und schließlich ist es so weit: Das Kind ist auf der Welt und möchte gefüttert und versorgt werden. Besonders, wenn Sie zum ersten Mal Mutter geworden sind, können diese Anforderungen mit Stress verbunden sein. Unsere Artikel über die Erstuntersuchung des Babys, das Stillen, den „Baby-Blues“ und ein Beitrag mit Tipps, wie das Baby besser schlafen lernt, helfen Ihnen, die erste turbulente Zeit besser zu bewältigen. Wissen schafft Sicherheit und Selbstvertrauen. Unsere Beiträge sollen Ihnen Informationen und Orientierungshilfe bieten, um mit Hilfe der Frauenärztin oder des Frauenarztes Ihres Vertrauens die Basis für ein glückliches Leben mit Ihrem Kind zu schaffen. ■ 31972_GerWB_p013_1.0.indd 1331972_GerWB_p013_1.0.indd 13 19/5/06 09:29:1919/5/06 09:29:19
  • 7. Fragen bei der Erstuntersuchung • Abstand der Monatsblutungen vor der Schwangerschaft? • Erster Tag der letzten Periode? • Frühere Schwangerschaften? Probleme? Komplikationen? • Frühere Operationen? • Frühere Bluttransfusion? • Kinderkrankheiten und andere bisherige Krankheiten? • Vererbbare Erkrankungen in Ihrer Familie bzw. der Ihres Partners? • Bluthochdruck oder Zucker- krankheit in Ihren Familien? • Thrombose-Erkrankungen? • Raucherin? • Alkohol- oder Drogenkonsum? • Regelmäßige Medikamenten- einnahme oder Medikamenten- einnahme in letzter Zeit? • Beruflicher oder privater Stress? „Mal sehen, was passiert“ ... Nachdem Sie die Pille abgesetzt haben, schwanken Sie zwischen freudiger Er- wartung und kribbeliger Ungewissheit. Das Ausbleiben der Regelblutung und ein bleibendes Spannungsgefühl in der Brust erhärten den Verdacht, dass „es geklappt hat“. Und weil der Schwangerschaftstest aus der Apotheke nicht absolut sicher ist, schafft die Un- tersuchung des Frauenarztes Klarheit: „Ja, Sie sind schwanger!“ Ein Wechsel- bad der Gefühle: Von euphorischer Freude bis zu sorgenvoller Nachdenk- lichkeit spannt sich die Palette Ihrer Emotionen. Das ist ganz normal. Was muss der Frauenarzt von mir wissen? Bei der ersten Untersuchung wird der Arzt viel über Ihre Lebens- und Ge- sundheitsgeschichte wissen wollen. Dies dient dazu, eventuelle Problem- oder Risikopunkte von Anfang an zu erkennen und Nachteile für Sie und Ihr Baby auszuschließen. Wann kommt mein Baby zur Welt? Ihr Frauenarzt berechnet den Entbin- dungstermin anhand des ersten Tages der letzten Periode: Schritt für Schritt durch die Schwangerschaft „Herzlichen Glückwunsch, Sie bekommen ein Baby!“ Mit einem strahlenden Lächeln nehmen Sie die gute Nachricht Ihres Arztes entgegen. Tausend Fragen gehen Ihnen jetzt durch den Kopf. Keine Angst: Ihr Frauenarzt führt Sie Schritt für Schritt durch diese aufregende Zeit Ihres Lebens. Von Dr. med. H. M. Thauer Im Rahmen der Schwanger- schaftsvorsorge sind drei routinemäßige Ultraschall- untersuchungen vorgesehen. ist die tatsächliche Schwangerschafts- dauer 267 Tage, also zwei Wochen weniger. Die Berechnung nach der letzten Periode ist allgemein üblich, so dass Sie sich in Ihrem persönlichen „Babyfahrplan“ danach richten sollten. Was tut sich in meinem Körper? Die hormonelle Umstellung und An- passungen des mütterlichen Kreislaufs an die Schwangerschaft machen den meisten werdenden Müttern etwas zu schaffen. Es ist wichtig zu wissen, dass diese Veränderungen völlig normal sind und im Allgemeinen nach der Schwangerschaft wieder vollständig verschwinden. Also: Keine Bange, wenn Ihre Brust an Größe zunimmt, Sie bestimmte Speisen nicht mehr mögen oder plötzlich Heißhunger auf Sachen haben, die Sie sonst gar nicht so gerne mochten. Fragen Sie Ihren Frauenarzt, wenn Ihnen etwas unklar ist, damit Sie sich keine unnötigen Sorgen machen. Mögliche Begleiterscheinungen, die sich nach der Schwangerschaft wieder zurückbilden, sind weiterhin: Dunklerwerden der Haut an Brust- warze, Warzenhof, äußerem Genitale, an der Mittellinie des Unterbauches (Linea nigra) und Errechneter Geburtstermin = erster Tag der letzten Regelblutung + 9 Monate und 7 Tage Die Schwangerschaft dauert somit 280 Tage oder 40 Wochen. Biologisch, d.h. ab dem Zeitpunkt der Befruchtung, Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 15 Schwangerschaftsvorsorge Mutter & Baby 31972_GerWB_p015-020_1.1.indd 1531972_GerWB_p015-020_1.1.indd 15 23/5/06 10:51:1023/5/06 10:51:10
  • 8. Wann? Das macht der Frauenarzt Was ist das genau? 4.–8. SSW • Vaginale Untersuchung • Bestimmung von Gewicht/Blutdruck • Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß, Entzündungen • Blutgruppen-/ Rhesusfaktorbestimmung • Antikörpersuchtest • Rötelntest • Lues-Suchtest • HIV-Test • Hämoglobinbestimmung • Chlamydien-Abstrich • Erstellung/Aushändigung des Mutterpasses Tastuntersuchung zur Überprüfung des Muttermundes und des Standes der Gebärmutter Wiegen, Blutdruckmessung am Arm Urinprobe Blutuntersuchung Ausschluss von für das Baby schädlichen Abwehrstoffen im Blut der Mutter Prüfung auf ausreichenden Abwehr- schutz gegen Röteln im Blut der Mutter Ausschluss der sexuell übertragbaren Krankheit Lues durch Blutuntersuchung Ausschluss einer Infektion mit dem AIDS-Virus durch Blutuntersuchung. Nur auf Wunsch der Patientin oder bei Vorliegen eines Risikos. Einverständnis erforderlich Bestimmung des Eisenwertes durch Blutuntersuchung Abstrich von Scheide/Gebärmutterhals zum Ausschluss einer für das Baby schädlichen Infektion Blaues Untersuchungsheft 9.–12. SSW • Vaginale Untersuchung • Bestimmung von Gewicht/Blutdruck • Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß, Entzündungen • Hämoglobinbestimmung • Ultraschall „Screening I“ siehe oben siehe oben siehe oben siehe oben 1. Ultraschalluntersuchung Erstuntersuchung, Feststellung der Schwangerschaft Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung Ihr Arzt empfiehlt Mutterschaftsvorsorge bei Ihrem Frauenarzt. Sicherheit, kompetente Betreuung und seriöse Informa- tion aus einer qualifizierten Hand. Ihr Frauenarzt freut sich auf Sie! Ihr „Babyfahrplan“ Damit Sie sich mit dem Ablauf Ihrer Mutterschaftsvorsorge vertraut machen können, finden Sie hier die wesentlichen Stationen der Vorsorge im Rahmen der gesetzlichen Mutterschaftsrichtlinien: gelegentlich auch im Gesicht (Chloasma gravidarum) durch die vermehrte Produktion von Hautpigmentstoffen Haarveränderungen: eventuell Dünnerwerden des Kopfhaares, gelegentlich auch vermehrt dunkle Haare im Gesicht Hilfe, ich will nicht dick werden! Der Frauenarzt achtet darauf, dass idealerweise die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft sieben bis zwölf Kilogramm beträgt. Auch hier keine Angst: Der überwiegende Teil ist ausschließlich Wasser! Wenn Ihre Gewichtszunahme nicht weit über zwölf Kilogramm liegt, haben Sie nach der Entbindung Ihr altes Gewicht schnell wieder. Schmetterlinge im Bauch Zwischen der 16. und 20. Schwanger- schaftswoche verspüren Sie zum ersten Mal die Bewegungen Ihres Babys! In dieser Zeit spielt der Nachwuchs be- reits mit der Nabelschnur und stemmt sich kräftig gegen die Gebärmutter- wand. Strampeltraining in Mammas Bauch – groß und stark werden will ja gelernt sein! Ist mit dem Baby alles okay? Die Gefühlswelt der werdenden Mutter ist eine Mischung aus Vorfreude, ge- paart mit Ängsten und Zweifeln. Be- sonders intensiv beschäftigt sie die Frage, ob mit dem Baby „alles in Ord- nung“ ist. Diese Ängste sind völlig normal. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Partner und Ihrem Frauenarzt. Seriöse Aufklärung hilft Ängste abzu- bauen und so gewinnen Sie auch Ver- trauen in sich selbst und Ihren Körper. Schwangerschaftsvorsorge – optimale Sicherheit für Mutter und Kind Von der Feststellung der Schwanger- schaft bis zur Entbindung stehen Ihnen Ihr Frauenarzt und sein Team als kom- petenter Partner mit Rat und Tat zur Seite. Dort kann die gesamte Schwan- gerschaft optimal betreut werden – aus einer Hand, mit hohem Sachverstand und menschlicher Zuwendung. Schon bei der Erstuntersuchung wird Ihr Frauenarzt die einzelnen Schritte der Mutterschaftsvorsorge mit Ihnen besprechen, damit Sie wissen, welche Untersuchungen zu welchem Zeitpunkt durchgeführt werden. Mutter & Baby Schwangerschaftsvorsorge Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit16 31972_GerWB_p015-020_1.1.indd 1631972_GerWB_p015-020_1.1.indd 16 24/5/06 14:26:1624/5/06 14:26:16
  • 9. Wann? Das macht der Frauenarzt Was ist das genau? 14.–16. SSW Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung • Vaginale Untersuchung • Bestimmung von Gewicht/Blutdruck • Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß, Entzündungen • Hämoglobinbestimmung siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 16 19.–22. SSW Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung • Vaginale Untersuchung • Bestimmung von Gewicht/Blutdruck • Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß, Entzündungen • Hämoglobinbestimmung • Ultraschall „Screening II“ siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 16 2. Ultraschalluntersuchung 22.–24. SSW Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung • Vaginale Untersuchung • Bestimmung von Gewicht/Blutdruck • Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß, Entzündungen • Hämoglobinbestimmung • Antikörpersuchtest siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 16 Blutuntersuchung zum Ausschluss von für das Baby schädlichen Abwehrstoffen im Blut der Mutter 26.–28. SSW Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung • Vaginale Untersuchung • Bestimmung von Gewicht/Blutdruck • Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß, Entzündungen • Hämoglobinbestimmung • CTG siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 16 „Wehenschreiber“ (=CardioTokoGraphie): Prüfung der kindlichen Herztöne; Prüfung der Gebärmutter auf Wehentätigkeit 28.–30. SSW • Anti-D-Prophylaxe bei Rhesusfaktor negativen werdenden Müttern Gabe einer Spritze zur Verhinderung einer für das Baby und insbesondere die nachfolgende Schwanger- schaft schädlichen Abwehrstoffbildung im Blut der Mutter 29.–32. SSW Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung • Vaginale Untersuchung • Bestimmung von Gewicht/Blutdruck • Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß, Entzündungen siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 16 Nicht vergessen! Fragen Sie Ihren Frauenarzt nach zusätzlichen Ultra- schalluntersuchungen in der Schwangerschaft. Beobachten Sie, wie Ihr Baby heranwächst und sehen Sie im 3D-Ultraschall, ob es Ihnen oder dem Papa ähnlicher sieht! Was kann man mit Ultraschall alles feststellen? Nach den Mutterschaftsrichtlinien sind in der Schwangerschaft drei „Ultraschall- Screenings“ vorge- sehen. Mit Hilfe der Ultraschalldiagnostik kann eine Vielzahl von Fehlbildungen oder Erkrankungen des Kindes erkannt und vor allem aus- geschlossen wer- den. Andererseits muss jedoch da- rauf hingewiesen werden, dass auch bei moderner apparativer Ausstattung, größter Sorgfalt und umfassenden Erfahrungen des Untersuchers nicht alle Fehlbil- dungen oder Erkrankungen erkannt werden können. Die vorgegebenen Untersuchungs- programme im Rahmen der gesetz- lichen Mutterschaftsvorsorge, vor allem der Ultraschall zwischen der 19. und 22. SSW, sind zwar auf das Erkennen von Anomalien und Fehlbildungen aus- gerichtet, aber letzten Endes aufgrund des vorgegebenen Zeitrahmens doch wieder orientierender Art und dürfen somit nicht als Fehlbildungsdiagnostik missverstanden werden. Gerne gibt Ihnen Ihr Frauenarzt weitere Informa- tionen zu den Möglichkeiten und Grenzen der Ultraschalldiagnostik. Wie steht’s mit häufigeren Ultraschalluntersuchungen? Selbstverständlich können Sie auf Wunsch jederzeit zusätzliche Ultra- schalluntersuchungen durchführen lassen, um Ihr Baby in seiner Entwick- lung noch intensiver zu beobachten. Fragen Sie Ihren Frauenarzt auch nach der Möglichkeit eines 3D/4D-Ultra- schalls, bei dem fotorealistische be- wegte Bilder Ihres Kindes im Mutterleib und im späteren Verlauf der Schwanger- schaft auch die individuellen Gesichts- züge Ihres Babys zu sehen sind. Weiterhin können Sie Ihren Arzt auch bei einer risikofreien Schwanger- schaft und unauffälligen Screenings auf die Durchführung eines Ultraschalls Mutter & Baby Schwangerschaftsvorsorge Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit18 31972_GerWB_p015-020_1.1.indd 1831972_GerWB_p015-020_1.1.indd 18 25/5/06 11:01:3125/5/06 11:01:31
  • 10. Wann? Das macht der Frauenarzt? Was ist das genau? 32.–35. SSW Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung • Vaginale Untersuchung • Bestimmung von Gewicht/Blutdruck • Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß, Entzündungen • Hämoglobinbestimmung • CTG • HBs-Ag Tastuntersuchung durch den Arzt zur Überprüfung des Muttermundes, des Standes der Gebärmutter und der Lage des Kindes siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 18 Ausschluss der für das Baby schädlichen infekti- ösen Leberentzündung Hepatitis B bei der Mutter durch Untersuchung des mütterlichen Blutes 34.–37. SSW Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung • Vaginale Untersuchung • Bestimmung von Gewicht/Blutdruck • Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß, Entzündungen • Hämoglobinbestimmung • CTG siehe oben siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 18 40. SSW Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung • Vaginale Untersuchung • Bestimmung von Gewicht/Blutdruck • Urinuntersuchung auf Zucker, Eiweiß, Entzündungen • Hämoglobinbestimmung • CTG siehe oben siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 16 siehe S. 18 Wussten Sie schon, dass … es sich bei dem größten Teil der Ge- wichtszunahme in der Schwangerschaft um Wasser handelt? Also keine Angst, nach der Geburt können Sie Ihr altes Gewicht schnell wieder erreichen! zum gezielten Fehlbildungsausschluss ansprechen, der auf Wunsch durchge- führt werden kann. Kann ich für die Geburt vorher „üben“? Gut informiert ist alles leichter. Ihr Frauenarzt wird Sie bereits während der Schwangerschaft mit dem Ablauf der Geburt vertraut machen. Geburts- vorbereitungskurse helfen zusätzlich, der Geburt durch das Erlernen von Atem- und Entspannungstechniken positiv entgegenzusehen. Geburt im Kreißsaal Die Zeiten übertechnisierter Kreißsäle sind längst vorbei. Wohlfühl-Ambiente Mutter & Baby Schwangerschaftsvorsorge Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit20 ist der heutige Standard und fördert den natürlichen Geburtsverlauf. Schnuppern Sie doch vorher einmal in die in Frage kommenden Entbindungskliniken hinein und lassen Sie „Ihren Bauch entschei- den“. Gutes Gefühl? Da sind Sie richtig! Die Klinikentbindung bedeutet optimale Sicherheit für Mutter und Kind: Alles was ge- braucht wird, um auch Problemsituationen zu beherrschen, ist vor- handen, ohne dass Sie im Normalfall davon etwas mitbekommen. Kuschelatmos- phäre plus hohe Sicherheit – für den Fall der Fälle. Einige Frauen wünschen sich eine Geburt zu Hause. Wir Frauenärzte haben dabei Bedenken, da auch ein völlig normaler Schwangerschafts- verlauf keine Garantie für eine kom- plikationslose Entbindung ist. „Schatz, es ist so weit ...“ Die Wehen werden regelmäßig und möglicherweise zeigt ein Blut- oder Schleimabgang, dass der Muttermund sich zu öffnen beginnt. Jetzt sollten Sie in die Klinik gehen. Ebenso, wenn Fruchtwasser abgeht, auch wenn die Wehen noch nicht begonnen haben. Im gemütlichen Wehenzimmer verbringen Sie und Ihr Partner bzw. Ihre Begleitperson im Wechsel mit Spaziergängen die Zeit bis zur voll- ständigen Öffnung des Muttermundes. Gut überwacht und in Sicherheit. Sicher haben Sie schon seit länge- rem genaue Vorstellungen, wie Ihre Geburt verlaufen soll, haben sich Gedanken zu Ihrer individuellen Ge- burtsposition oder auch zur Wasser- geburt gemacht. Trotz aller Planung: Bleiben Sie offen für den Rat Ihrer Geburtshelfer. Herzlich gerne werden Ihre Wünsche in die Tat umgesetzt, aber eine Geburt ist letztlich nicht bis ins Detail genau planbar. Vertrauen Sie Arzt und Hebamme. Hallo Baby! Endlich liegt das Baby auf Ihrem Bauch. Erleichterung, Liebe, Freude und Stolz beherrschen den Augenblick. Genießen Sie diesen Moment und heißen Sie den Neuan- kömmling gebührend willkommen. Ein schöner Start in ein neues Leben! ■ Dr. med. H. M. Thauer ist Facharzt für Frauen- heilkunde und Geburts- hilfe. Nach langjähriger Tätigkeit als Oberarzt in Offenbach leitet er seit 1996 eine Gemein- schaftspraxis in Dietzenbach. 31972_GerWB_p015-020_1.1.indd 2031972_GerWB_p015-020_1.1.indd 20 23/5/06 10:53:4523/5/06 10:53:45
  • 11. Nicht vergessen! Es besteht prinzipiell eine sehr hohe Wahrschein- lichkeit, dass Ihr Kind gesund ist. Die vorgeburt- liche Diagnostik kann helfen, gezielt nach Störungen zu suchen und sie auszuschließen. Was bedeutet eigentlich „vorgeburtliche Diagnostik“? Unter vorgeburtlicher Diagnostik (Pränataldiagnostik) versteht man alle Maßnahmen, die dazu dienen, körper- liche Behinderungen Ihres Babys, die mit einer Einschränkung der Lebens- qualität einhergehen und Erkrankun- gen, die durch eine Veränderung der Erbgutträger (Chromosomen) ausge- löst werden, auszuschließen. Chancen und Grenzen Dank umfassender Vorsorge verlaufen heute die meisten Schwangerschaften in Deutschland problemlos. Dennoch sind längst nicht alle Krankheiten, Störungen und Behinderungen fest- stellbar. Eine Garantie für ein gesundes Kind kann es leider nicht geben. Es ist aber gut zu wissen, dass prinzipiell eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit be- steht, dass Ihr Kind gesund ist. Wenn Ihr Arzt zu einer Spezialunter- suchung rät oder Sie selbst eine dieser Untersuchungen aus Sicherheitsgründen wünschen, werden Sie vor der Durch- führung ausführlich beraten. Nehmen Sie sich vor allem auch Zeit, um mit Ihrem Partner zu besprechen, wie Sie im seltenen, aber nicht unmöglichen Fall eines krankhaften Befundes ent- scheiden werden. Diese Entscheidung kann Ihnen leider niemand abnehmen. Sprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin über die Möglichkeiten vorgeburt- licher Diagnostik. Spezialunter- suchungen in der Schwangerschaft Kein Thema beschäftigt Sie in Ihrer Schwangerschaft intensiver als die Frage, ob mit Ihrem Kind wirklich alles in Ordnung ist. Wurde alles genauestens untersucht? Oder sollte noch irgendetwas zusätzlich nachgesehen werden? Von Dr. med. H. M. Thauer Untersuchung Was wird da gemacht? Wann? AFP-Bestimmung Blutuntersuchung bei der Mutter 14.–20. SSW Triple-Test Blutuntersuchung bei der Mutter 14.–20. SSW Ersttrimester- Screening Blutuntersuchung bei der Mutter + Ultraschall 12.–14. SSW Amniocentese Entnahme von Fruchtwasser in der Regel 16. SSW Chorionzotten- biopsie Entnahme von Mutterkuchengewebe meist ab der 11. SSW Welche Untersuchungen sind das? Zur vorgeburtlichen Diagnostik gehören neben dem Ultraschall unter anderem folgende Untersuchungsverfahren: Blutuntersuchungen: AFP- Bestimmung und Triple-Test Mutter und Kind sind eine enge biolo- gische Einheit und Substanzen, die in der Schwangerschaft vom Baby selbst oder dem Mutterkuchen (Plazenta) gebildet werden, finden sich im Blut der Mutter wieder und können zur Be- urteilung der Gesundheit des Babys herangezogen werden. Das Alpha-Fetoprotein (AFP) ist ein Eiweißstoff, der in der Schwanger- schaft auf kindlicher Seite gebildet wird. Ein erhöhter Wert im mütter- lichen Blut gibt einen Hinweis auf das mögliche Vorliegen einer krankhaften Störung von Wirbelsäule (Spina bifida, umgangsprachlich: „offener Rücken“), Gehirn und Rückenmark (Neuralrohr- defekt) des Babys. Beim Triple-Test (lateinisch tri = drei) werden drei Hormone im Blut der Mutter bestimmt und eine Mutter & Baby Spezialuntersuchungen Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit22 31972_GerWB_p022-023_1.2.indd 2231972_GerWB_p022-023_1.2.indd 22 19/5/06 16:22:5619/5/06 16:22:56
  • 12. Wussten Sie schon, dass … die Empfindlichkeit des Ersttrimester- Screenings so hoch ist, dass rund 90 Prozent der Schwanger- schaften, bei denen ein Down-Syndrom vorliegt, im ersten Schwangerschafts- drittel als auffällig erkannt werden? Ihr Arzt empfiehlt Lassen Sie sich vor der Durch- führung einer vorgeburtlichen Diagnostik ausführlich von Ihrem Frauenarzt beraten, um die damit verbundenen Chancen, aber auch die Grenzen genau zu erfahren. Wahrscheinlichkeits- berechnung für eine Erbgutstörung des Babys, insbesondere des so genannten Down-Syndroms (Triso- mie 21) durchgeführt. Bei erhöhter Wahrschein- lichkeit kann eine weiter- führende Diagnostik empfohlen werden. Der Triple-Test kommt heute nur noch selten zur Anwendung, da das nachfolgend erläuterte Erst- trimester-Screening eine höhere Empfindlichkeit für die Suche nach Erbgutstörungen aufweist. Ersttrimester-Screening (kombinierte Nacken- transparenzmessung) Das Ersttrimester-Screening, auch Nackentransparenzmessung genannt, ist ein Suchtest, der ebenfalls dazu dient, Schwangere mit einer statis- tisch erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine Erbgutstörung des Babys zu identifizieren. Durch eine Ultraschallfeindiagnos- tik wird die so genannte Nackentrans- parenz gemessen, ein unter der Haut liegender Flüssigkeitsfilm im Nacken- bereich des Babys, der normalerweise ein bis zwei Millimeter beträgt. Zusätzlich werden zwei Eiweiß- stoffe im mütterlichen Blut bestimmt und die Ergebnisse unter Berücksich- tigung des mütterlichen Alters und weiterer vorgeschicht- licher Angaben zu einer individuellen Risikoberechnung (Wahrscheinlichkeits- angabe) zusammen- gefasst. Beim Ersttrimester- Screening werden rund 90 Prozent der Schwangerschaften, bei denen ein Down-Syndrom vorliegt, im ersten Schwangerschaftsdrittel als auffällig erkannt, was die hohe Emp- findlichkeit dieser Methode belegt. Amniocentese (Fruchtwasserentnahme) Unter Amniocentese versteht man die Entnahme von Fruchtwasser mit einer dünnen, sterilen Nadel (im Durchmesser weniger als ein Milli- meter) durch die Bauchdecke. Die Durchführung erfolgt meist in der 16. SSW, wenn 150 bis 200 ml Frucht- wasser vorhanden sind und unter Ultraschallkontrolle des Babys pro- blemlos zehn bis 20 ml entnommen werden können. Die Entnahme dient zur Unter- suchung der im Fruchtwasser befind- lichen kindlichen Zellen, meist zum Ausschluss von Störungen des Erbguts bei Risikokonstellationen sowie fort- geschrittenem Alter der Mutter und auch des Vaters. Die sich im genetischen Labor an- schließende Fruchtwasseruntersuchung kann Störungen der Erbgutträger, der Chromosomen herausfinden, man spricht daher auch von der Chromo- somenanalyse. Wie bereits erwähnt, ist das Down-Syndrom die häufigste Störung, nach der gesucht wird. Auch Hinweise auf Stoffwechselstörungen und eine Störung der Wirbelsäule, des Gehirns und Rückenmarks können entdeckt werden. Die Auswertung dauert wegen der Anzüchtung der kindlichen Zellen rund zwei Wochen. Sie können die Warte- zeit jedoch verkürzen, wenn Sie Ihren Frauenarzt um die Durchführung eines Schnelltests („FISH-Test“) bitten, dessen Ergebnis als Zwischenbefund bereits nach 24 bis 48 Stunden vor- liegt und Auskunft über die Anzahl der Chromosomen gibt. Ihr Frauenarzt hat Ihnen eine Amnio- centese empfohlen? Haben Sie keine Angst! Die Nadel ist so dünn, dass man sie fast nicht spürt. Eine Betäubung ist nicht nötig. Beim geübten Untersucher sind Komplikationen äußerst unwahr- scheinlich, insbesondere Verletzungen des Babys sind sehr selten. Schonen Sie sich danach für einen Tag und freuen Sie sich, wenn Ihr Arzt Ihnen den un- auffälligen Befund mitteilt! Chorionzottenbiopsie Unter Chorionzottenbiopsie wird die Entnahme von Gewebe des Mutter- kuchens zu diagnostischen Zwecken verstanden. Die Gründe für die Durch- führung sind im Wesentlichen identisch mit denen der oben erläuterten Frucht- wasseruntersuchung. Das Mutter- kuchengewebe enthält die gleichen Zellen wie das Kind, somit können kindliche Störungen durch die Unter- suchung des Gewebes erkannt werden. Wichtigster Unterschied zur Frucht- wasserentnahme ist allerdings, dass die Chorionzottenbiopsie bereits wesentlich früher, heutzutage meist ab der elften SSW, durchgeführt werden kann. Wenn also die Ergebnisse möglichst frühzeitig in der Schwangerschaft vorliegen sollen, ist die Chorionzottenbiopsie die richtige Untersuchungsmethode. Es gibt verschiedene Techniken zur Durchführung, sowohl durch die Bauchdecke, als auch durch den Ge- bärmutterhalskanal. Direkte Verlet- zungen des Babys sind auch hierbei äußerst selten. Ultraschall sei Dank! Gut informiert ist halb gewonnen! Fragen Sie Ihren Frauenarzt zu allen Themen der vorgeburtlichen Dia- gnostik und machen Sie sich schlau. So können Sie Ihre Schwangerschaft angstfrei genießen! ■ Dr. med. H. M. Thauer ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburts- hilfe. Nach langjähriger Tätigkeit als Oberarzt in Offenbach leitet er seit 1996 eine Gemeinschaftspraxis in Dietzenbach. Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 23 Spezialuntersuchungen Mutter & Baby 31972_GerWB_p022-023_1.2.indd 2331972_GerWB_p022-023_1.2.indd 23 19/5/06 16:20:5019/5/06 16:20:50
  • 13. Nicht vergessen! Gegen Verstopfung hilft reichliches Trinken, ballaststoffreiche Ernährung und bei hartnäckigen Fällen Backpflaumen, Feigen und Rhabarber! Anämie Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihrer Familie zum Mittagessen eine Gemüsesuppe zubereitet und Ihr Kind bringt unverhofft aus der Schule noch drei Freunde zum Essen mit. Was tun, wenn sonst nichts mehr im Haus ist? Klar, bevor es nicht reicht, kommt noch schnell etwas Wasser in den Topf, damit alle etwas ab- bekommen, auch wenn es dann ein bisschen „dünner“ schmeckt. Damit aber alle satt werden, müssten Sie schon etwas mehr Gemüse kochen. In der Schwangerschaft spielt sich im Körper der Frau etwas ganz Ähn- liches ab. Der flüssige Anteil des Blutes, das so genannte Blutplasma, vermehrt sich im Durchschnitt um etwa die Hälfte! Der Anteil der festen Blutbestandteile – vor allem die roten Blutkörperchen – nimmt aber nicht in gleichem Maße zu, so dass ein Verdünnungseffekt entsteht. Das führt dazu, dass die Konzen- tration der roten Blutkörperchen als eisenhaltige Sauerstofftransporteure Mit dem Bauch wächst auch die Mehrbelastung für den Körper. ABC der Schwangerschafts- beschwerden Die Schwangerschaft ist für die meisten Frauen eine aufregende und schöne Zeit. Die Umstellung des Körpers bringt leider gelegentlich unangenehme Begleiterscheinungen mit sich, die normalerweise aber kein Grund zur Besorgnis sind. Von Dr. med. H. M. Thauer abnimmt, was sich in Müdigkeit und Blässe äußern kann. Man spricht dann von einer Anämie oder Blutarmut. Das ist keine Krankheit, sondern nur auf den Verdünnungseffekt zurückzuführen. Und genau wie die Mutter im obigen Suppen-Beispiel dann doch noch etwas mehr Gemüse kochen muss, damit alle satt werden, wird Ihnen Ihr Frauenarzt die Zugabe von Eisen empfehlen, damit sich die Zahl der Sauerstoffträger in Ihrem Blut wieder erhöht und der Verdünnungs- effekt ausgeglichen wird. Also: Schwangerschafts-„Anämie“ ist keine Krankheit, in Grenzen völlig normal und kann durch Eisengabe ausgeglichen werden. Problem gelöst. Depressionen und Stimmungsschwankungen Unterschiedliche Stimmungen von Niedergeschlagensein und Traurigkeit bis hin zu absoluten Hochgefühlen sind während der Schwangerschaft häufig und völlig normal. Die hor- monelle Umstellung, unterbewusste Sorge um Ihr Baby und ein Über- schwang an Vorfreude machen diese seelische Achterbahn aus. Lassen Sie diese Gefühle ruhig zu, aber lassen Sie sich von ihnen möglichst nicht allzu sehr über- wältigen. Sprechen Sie mit Ihrem Partner darüber und fragen Sie ruhig Ihren Arzt um Rat. Er steht Ihnen gerne bei. Mutter & Baby Schwangerschaftsbeschwerden Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit26 31972_GerWB_p026-028_1.3.indd 2631972_GerWB_p026-028_1.3.indd 26 19/5/06 16:26:1019/5/06 16:26:10
  • 14. Wussten Sie schon, dass … sich der flüssige Anteil des Blutes im Durch- schnitt während der Schwangerschaft um etwa die Hälfte vermehrt? Häufiges Wasserlassen „Oh mein Gott, ich muss schon wieder auf die Toilette ...!“ Welche werdende Mutter kennt das nicht, dass jedes Tässchen Tee seinen Tribut fordert. Manche Frauen spüren schon im ersten Drittel der Schwangerschaft, dass das Baby „auf die Blase drückt“, aber spä- testens im weiteren Verlauf ist das ein häufiges, oftmals lästiges Phänomen. Nehmen Sie es mit Humor: So lange keine brennenden Beschwerden dabei auftreten, ist dies eine völlig normale Sache in der Schwangerschaft. Hartwerden des Bauches Wie Sie wissen, handelt es sich bei der Gebär- mutterwand um Mus- kulatur, die sich, wie jeder andere Muskel auch, zusammenziehen und verhärten kann. Was beim Fitness- training im Sportstudio toll ist, weil es eine gute Figur macht, ist in der Schwangerschaft an der Gebärmutter eher lästig, aber in gewissen Grenzen völlig normal und ungefährlich. Ihr Frauenarzt spricht hier von „Kontraktionen“, was wörtlich über- setzt so viel heißt wie „Zusammen- ziehungen“. Die Muskulatur der Gebärmutter zieht sich zusammen und ähnlich dem Bizeps eines Body- builders wird die Muskulatur „hart“. Und da die Gebärmutter dicht unter Ihrer Bauchdecke liegt, kann die Ver- härtung als „Hartwerden des Bauches“ gespürt werden. Manche Frauen spüren das bereits ab dem 4. Monat, andere erst deutlich später. Meist tritt es völlig unvermittelt auf, verschwindet aber auch genauso wieder. Bei körperlicher oder seelischer Belastung, Stress usw. kommt es aller- dings häufiger vor, manchmal verbun- den mit einem ziehenden Gefühl im Unterleib. Entspannung und Ruhe hel- fen, dass es nachlässt. Auch Magnesium- einnahmen helfen, die Muskulatur zu entspannen. Berichten Sie das Hartwerden des Bauches und ziehende Unterbauch- beschwerden auf jeden Fall Ihrem Frauenarzt. Im Zweifel kann mit Hilfe des Wehenschreibers festgestellt werden, ob es sich schon um echte Wehen handelt, denn die wären ja vor der 37. Woche zu früh. Das Baby soll ja noch in Mamas Bauch bleiben ... Kopfschmerzen Gelegentliche Kopfschmerzen ver- schwinden meist schnell wieder, wenn Sie etwas trinken und Ihr Körper wie- der mehr Flüssigkeit zur Verfügung hat. Manchmal ist auch ein niedriger Bluteisenwert oder ein niedriger Blut- druck schuld daran. Sprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt, damit herausge- funden wird, was dahinter steckt. Krampfadern Wie bereits erwähnt, vermehrt sich während der Schwangerschaft das Blutvolumen etwa um die Hälfte. Klar, dass diese vermehrte Blutmenge auch irgendwie durch den Körper transportiert werden muss. Das über- fordert manchmal dann doch selbst die fleißigste Beinvene. Sie dehnt sich aus und ist dann als blaue Linie unter der Haut zu erkennen – als Krampf- ader. Wenn Krampfadern stärker werden, müssen evtl. Stützstrümpfe getragen werden. Beugen Sie also vor: Wadengym- nastik, Bewegung der Beine und die gute alte Kneippkur halten Ihre Venen fit. Noch ein Tipp: Wo Sie können, sollten Sie die Beine hoch- legen. Das geht auch mal im Büro unter dem Schreibtisch und vor allem zu Hause. Kreislaufprobleme Halten Sie Ihren Kreislauf fit, auch in der Schwangerschaft. Bewegen Sie sich an der frischen Luft und helfen Sie Ihrem Kreislauf bei Bedarf mit „Kneipp’schen Anwendungen“ auf die Sprünge. Wechselduschen wirken Wunder! Und das Trinken nicht vergessen! Rückenschmerzen Ein Kreuz mit dem Kreuz ... Fast jede Schwangere kann ein (Klage-)Lied davon singen. Rückengymnastik und Yoga helfen hier bestens. Und fordern Sie den werdenden Herrn Papa, wenn er es nicht sowieso gerne von sich aus anbietet: Lassen Sie sich den Rücken massieren – das ist herrlich entspan- nend. Manchmal haben Beschwerden auch so ihr Gutes ... Stimmungsschwankungen während der Schwanger- schaft sind völlig normal. Legen Sie öfters mal die Beine hoch. Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 27 Schwangerschaftsbeschwerden Mutter & Baby 31972_GerWB_p026-028_1.3.indd 2731972_GerWB_p026-028_1.3.indd 27 19/5/06 16:26:4819/5/06 16:26:48
  • 15. Ihr Arzt empfiehlt Teilen Sie häufigeres Hartwerden des Bauches Ihrem Frauenarzt mit, damit mit dem Wehenschreiber eine zu frühe Wehentätigkeit aus- geschlossen werden kann. Ihr Baby soll pünktlich kommen, nicht überpünktlich ... „Bei übermäßiger oder lang anhaltender Übelkeit sprechen Sie unbedingt Ihren Frauenarzt an.“ Schlafstörungen Hundemüde und Sie können doch kein Auge zumachen? Entspannen Sie sich vor dem Einschlafen und nehmen Sie nur Ihren Partner mit in Ihr Schlafzimmer, nicht aber die Probleme des Tages. Wenn der Babybauch richtig schön rund wird, muss man bei der Wahl der Schlafposition schon etwas kre- ativ werden. Meist ist die Seitenlage am besten und wenn noch ein Kissen das oben liegende Knie abstützt, steht einer angenehmen Nachtruhe nichts mehr im Wege. Sodbrennen Sodbrennen nennt man dieses unan- genehm brennende Gefühl, das durch den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre verursacht wird und hinter dem Brustbein hochsteigt. Vermeiden Sie stark gebratene oder gegrillte Spei- sen. Alkohol, Kaffee und Zigaretten – weitere Verursacher von Sodbrennen – kommen in der Schwangerschaft ja ohnehin nicht in Frage. Das Trinken von Milch hilft, das Sod- brennen zu verringern. Wenn es in der fortgeschrittenen Schwangerschaft zu- nimmt, weil das Baby auch auf Ihren Magen drückt, fragen Sie Ihren Frauen- arzt – er kann Ihnen etwas verordnen. Übelkeit Die (morgendliche) Übelkeit ist eine typische Erscheinung am Anfang der Schwangerschaft, die – hormonell verursacht – in aller Regel um die 16. Schwangerschaftswoche ganz von selbst wieder verschwindet. Gute Tipps gegen die Übelkeit sind: vor dem Aufstehen etwas essen und trinken reichlich Vitamine und Mineral- stoffe zu sich nehmen mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen und: Lassen Sie den Kaffee weg! Bei übermäßiger oder lang anhalten- der Übelkeit sprechen Sie unbedingt Ihren Frauenarzt an. Er kann Ihnen da- bei helfen, dass dieses leidige Thema ein Ende findet! Verstopfung Ihr Darm reagiert auf die Schwanger- schaftshormone mit einem „Bummel- Streik“: Darmträgheit und Verstopfung sind die Folge. Aber auch hier lässt sich etwas tun: viel trinken (zwei bis drei Liter/Tag: Tee, Wasser, verdünnte Fruchtsäfte) ballaststoffreiche Ernährung (viel Obst und Gemüse) und für den Fall der Verstopfung: Backpflaumen, Feigen und Rhabar- ber fördern die Verdauung. Bitte keine Abführmittel aus der Apo- theke einnehmen – die können in der Schwangerschaft schädlich sein. Wadenkrämpfe Erinnern Sie sich noch an die Erklärun- gen zum Hartwerden des Bauches? Genau wie die Gebärmuttermuskulatur sich zusammenziehen kann, kann das auch die Wadenmuskulatur. Wenn der Muskel gar nicht mehr locker lassen will, spricht man von einem Krampf. Sie kennen das vielleicht vom Sport oder aus dem Schwimmbad, wenn man sich mal überanstrengt hat. In der Schwangerschaft kommen Waden- krämpfe leider häufiger vor. Vielfach wird Ihnen Ihr Frauenarzt in diesem Fall die Einnahme von Magnesium empfehlen, das den Verkrampfungen der Muskulatur entgegenwirkt. Und da das Magnesium den ganzen Körper erreicht, schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Vorbei ist’s mit den Wadenkrämpfen und das Hartwerden des Bauches lässt ebenfalls nach. Zum Schluss Lassen Sie sich von den kleinen, manchmal auch größeren Wehweh- chen nicht den Spaß an der Schwanger- schaft verderben. Für alles gibt es eine Lösung. Vieles weiß Ihre Mutter, Ihre beste Freundin oder Sie finden es in den Informationen, die Ihr Frauen- arzt Ihnen zu Beginn der Schwanger- schaft mitgegeben hat. Oder fragen Sie ganz einfach Ihren Frauenarzt – er ist Ihr Begleiter und Ansprech- partner während dieser wichtigen Zeit Ihres Lebens. Außerdem: Wenn Sie am Ende das kleine Bündel endlich in Händen halten, vergessen Sie alle Schwanger- schaftsbeschwerden ganz schnell! ■ Dr. med. H. M. Thauer ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburts- hilfe. Nach langjähriger Tätigkeit als Oberarzt in Offenbach leitet er seit 1996 eine Gemeinschaftspraxis in Dietzenbach. Mutter & Baby Schwangerschaftsbeschwerden Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit28 31972_GerWB_p026-028_1.3.indd 2831972_GerWB_p026-028_1.3.indd 28 19/5/06 16:28:2619/5/06 16:28:26
  • 16. Ernährungsempfehlungen bei Gestationsdiabetes In ihrer 22. Schwangerschafts- woche begann Bianca, sich unwohl zu fühlen. „Ich hatte ständig Durst, mir war häufig schwindelig und ich fühlte mich müde. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass das Wachstum meines Bauchs aus dem Ruder gerät. Er war im Vergleich zu meinen schwan- geren Freundinnen auffallend größer.“ Bianca suchte Rat bei einer befreun- deten Frauenärztin, die Gestations- diabetes diagnostizierte. Biancas Fall ist selten. Bei den meis- ten Betroffenen gibt es keine äußeren Anzeichen der Erkrankung. Folge: Ge- stationsdiabetes wird meist erst durch Suchtests entdeckt oder durch Folge- erscheinungen wie einer starken Zu- nahme der Fruchtwassermenge oder einem abnormalen Größenwachstum des Kindes auffällig. Daher wird heute jeder Schwangeren zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein Test beim Frauenarzt empfohlen. Gestationsdiabetes Häufige Begleiterkrankung in der Schwangerschaft Zwischen zwei bis zwölf Prozent aller Schwangeren entwickeln einen Gestations- diabetes, der in fast allen Fällen nach der Geburt wieder verschwindet. Tests bei Ihrem Frauenarzt bringen Klarheit und bei Früherkennung können gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind minimiert werden. Von Ulrike Orthen Wen kann es treffen? Ein Gestationsdiabetes ist eine Kohlen- hydrat-Stoffwechselstörung, die erst- mals in einer Schwangerschaft auftritt – meistens im letzten Drittel. Gestations- diabetes hat nichts mit einem vor der Schwangerschaft bestehenden Diabe- tes zu tun und kann jede Schwangere treffen. Anfälliger sind Frauen, die schon zu Beginn der Schwangerschaft über- gewichtig waren. Weitere Risikofakto- ren sind während der Schwangerschaft wiederholt nachgewiesener Zucker im Urin, ein früherer Gestationsdiabetes, ein besonders hohes Geburtsgewicht eines früheren Kindes, ein in der Familie bestehender Diabetes mellitus Typ 2 oder wenn das eigene Geburtsge- wicht höher als 4000 Gramm war. Wie entsteht Gestationsdiabetes? Während der Schwangerschaft werden Hormone gebildet, die blutzucker- erhöhend wirken und sicherstellen, dass den Zellen vermehrt Energie in Form von Glukose bereitgestellt wird. Gleichzeitig muss die Bauchspeichel- drüse vermehrt das Blutzucker senkende Hormon Insulin produzieren, was dafür sorgt, dass Glukose in die Zellen gelangt und die Blutzuckerkonzentration im Blut absinkt. Kann die Schwangere den erhöhten Bedarf nicht durch eine ver- stärkte Insulinfreisetzung ausgleichen, entwickelt sich der Gestationsdiabetes. Folgen für Mutter und Kind Unbehandelt kann der Gestationsdia- betes gefährliche Folgen haben – in erster Linie für das ungeborene Kind. Bei erhöhtem Blutzuckerspiegel der Mutter gelangt Glukose über Plazenta und Nabelschnur in den kindlichen Kreislauf und regt die Insulinproduk- tion an. Der erhöhte Insulin- und Zuckerspiegel führt beim Kind zu starker Größen- und Gewichtszunahme (Makrosomie) und ist mit einer Reife- störung verbunden. Besonders die Lungen entwickeln sich verzögert. Die „Riesenbabys“ zeigen häufig die Symptome eines frühgeborenen Kin- des, wie etwa Atemstörungen. Sie sind trotz ihres Gewichtes lebens- schwach und bedürfen nach der Geburt intensiver medizinischer • kohlenhydratreiche Mahlzeiten mit hohem Ballaststoffanteil, was die Verdauung verlangsamt und den Anstieg des Blutzuckers nach den Mahlzeiten in Grenzen hält • fünf bis sechs kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt (aus demselben Grund wie oben) • Zurückhaltung bei zuckerhaltigen Nahrungsmitteln, da sie zu schnellem Blutzuckeranstieg führen (das betrifft auch Fruchtsäfte) • Zurückhaltung bei fetthaltigen Nahrungsmitteln, um starkes Überge- wicht zu vermeiden (sonst kann es zu Geburtskomplikationen kommen) • ansonsten dieselben Regeln, die generell eine gesunde Ernährung während der Schwangerschaft gewährleisten Mutter & Baby Gestationsdiabetes Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit30 31972_GerWB_p030-031_1.4.indd 3031972_GerWB_p030-031_1.4.indd 30 19/5/06 10:22:0019/5/06 10:22:00
  • 17. Ein erhöhtes Risiko für Gestationsdiabetes besteht, wenn ... • Übergewicht zu Beginn der Schwangerschaft besteht. • bereits ein Diabetes mellitus Typ 2 in der engeren Familie besteht. • während der Schwangerschaft wiederholt Zucker im Urin nachgewiesen wurde. • schon einmal ein Gestationsdiabetes bestand. • bei vorangegangenen Geburten ein besonders großes Kind (Gewicht über 4000 g) geboren wurde. • das eigene Geburtsgewicht höher als 4000 Gramm war. Unbehandelt kann der Gestationsdiabetes schwere Folgen haben – besonders für das Kind. Betreuung. Bei der Geburt wiegen die Babys meist mehr als 4000 Gramm, was zu Geburtskomplikationen führen kann. Häufig muss ein Kaiserschnitt durchgeführt werden. Bei der Schwangeren selbst kann der Gestationsdiabetes zu Bluthoch- druck und zu Harnwegs- und Nieren- beckenentzündungen führen. Wie wird Gestationsdiabetes festgestellt? Zwischen der 24. und 28. SSW sollte ein Suchtest, auch Screening genannt, beim Frauenarzt vorgenommen werden. Bei diesem Test erhält die seit zehn Stunden nüchterne Schwangere nach der ersten Blutabnahme 75 g Trauben- zucker in 250 bis 300 ml Wasser gelöst oder ein dieser Glukosemenge ent- sprechendes Zuckergemisch. Nach jeweils 60 und 120 Minuten wird der Schwangeren Blut abgenommen und der Blutzucker bestimmt. Fallen zwei Werte pathologisch aus, handelt es sich um Gestationsdiabetes. Ist nur ein Wert auffallend, spricht man von einer Glukoseintoleranz, die aber wie Gestationsdiabetes behandelt wird. Was kann getan werden? Ziel der Behandlung ist es, die Blut- zuckerwerte vor und nach dem Essen zu normalisieren. Der Blutzucker sollte nüchtern unter 90 mg/dl und etwa zwei Stunden nach dem Essen unter 120 mg/dl liegen. Um dies zu er- reichen, genügt es bei den meisten Schwangeren mit Gestationsdiabetes, auf die richtige Ernährung zu achten. Zunächst ist es nötig, eine fettarme und ballaststoffreiche Diät einzuhalten. Dabei eignen sich besonders Nahrungs- mittel, die reich an komplexen Kohlen- hydraten sind, zum Beispiel Kartoffeln, Reis und Nudeln. Statt der klassischen drei Mahlzeiten empfiehlt es sich, bis zu sechs oder sieben kleinere Mahl- zeiten auf den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Das reduziert die Belastungen des Zuckerstoffwechsels. Um eine in- dividuell richtige und ausgewogene Ernährung und eventuell notwendige weitere Therapie zu gewährleisten, sollten, wenn möglich, ein Diätberater und auf jeden Fall ein Diabetologe zu Rate gezogen werden. Übergewichtige Frauen sollten unbedingt auf ihr Gewicht achten und möglichst wenig zunehmen, da Geburtskomplikationen bei starkem Übergewicht häufiger auftreten. Eine tägliche Energiemenge von 1500 bis 1800 Kalorien ist empfehlenswert. Bei etwa 15 Prozent der Betroffenen ist zusätzlich zur richtigen Ernährung eine Insulinbehandlung erforderlich. Dabei reichen oft kleine Mengen eines schnell wirkenden Insulins vor den Hauptmahlzeiten. Manchmal wird zusätzlich vor dem Schlafen- gehen und eventuell morgens ein lange wirkendes Insulin gespritzt, das den nahrungsunabhängigen Insulin- bedarf abdeckt. Neben Beratung und medizinischer Hilfe durch den Frauenarzt können auch die Betroffenen selber durch gesunde Ernährung und körperliche Bewegung zu einem positiven Therapie- verlauf beitragen. Durch regelmäßige Blutzuckerkontrollen kann die Stoff- wechseleinstellung optimiert werden, außerdem geben sie frühzeitig Aus- kunft darüber, ob eine Insulintherapie notwendig ist. Daher sollten die Betroffenen lernen, ihren Blutzucker- gehalt selbst zu bestimmen und diese Werte protokollieren. Ärztliche Untersuchungen in regel- mäßigen Abständen sind wichtig. Bei den meisten Frauen mit Gestations- diabetes normalisieren sich die Blut- zuckerwerte nach der Entbindung sofort wieder, trotzdem haben sie nach Beendigung der Schwanger- schaft ein erhöhtes Diabetesrisiko, besonders im Alter. Aus diesem Grund sind Nachfolgeuntersuchungen im Abstand von einem Jahr, vor allem in Hinblick auf eine weitere Schwanger- schaft, zu empfehlen. ■ Ulrike Orthen ist freie Journalistin mit dem Spezialgebiet Schwanger- schaft und Kindesentwicklung. Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 31 Gestationsdiabetes Mutter & Baby 31972_GerWB_p030-031_1.4.indd 3131972_GerWB_p030-031_1.4.indd 31 19/5/06 10:22:2719/5/06 10:22:27
  • 18. Wussten Sie schon, dass … in Nigeria jede 6. Geburt eine Zwillingsgeburt ist? • in Japan nur jede 200. Geburt eine Zwillingsgeburt ist? • in Europa eine Häufigkeitsabnahme von Zwillingsgeburten von Norden nach Süden nachgewiesen werden kann? • der Anteil an zwei- eiigen Zwillingen in Finnland besonders hoch ist? • in Deutschland etwa eine Million Zwillings- paare leben? Durch die frühe Teilung eines Embryos entstehen zwischen dem 5. und 9. Tag nach der Be- fruchtung eineiige Zwillinge, die immer gleichgeschlechtlich sind und identische Erbanlagen haben. Kein Wunder, dass sie sich zum Ver- wechseln ähnlich sehen. Findet die Teilung zwischen dem 15. und 17. Tag nach der Befruchtung statt, kann sie nicht mehr vollständig erfolgen und es entstehen verbundene Zwillinge, auch „siamesische Zwillinge“ genannt. Zweieiige Zwillinge dagegen ent- stehen durch die Befruchtung zwei verschiedener Eizellen. Sie können ungleich- oder gleichgeschlechtlich sein, sind aber immer genetisch verschieden. Die Wahrscheinlichkeit, zweieiige Zwillinge zu bekommen steigt mit dem mütterlichen Alter bis etwa 39 Jahre, da- nach sinkt sie wieder. Sie sinkt auch in Zeiten der Mangelernährung. Höhergradige Mehrlinge („Super- twins“) können durch die Befruchtung einer, zweier oder mehrerer Eizellen oder durch die Teilung einer oder mehrerer befruchteter Eizellen entstehen. Auf etwa 85 Ge- burten kommt eine Zwillingsgeburt. Das Vorkommen von zwei- eiigen Zwillingen wird Es werden Zwillinge In Europa entfällt etwa auf jede 85. Geburt eine Zwillingsgeburt. Durch Hormonbehandlungen bei Fruchtbarkeitsproblemen ist die Tendenz steigend. Von Prof. Dr. Bernd Klausch Zwillinge – doppeltes Glück, aber auch eine deutliche Mehrbelastung oft durch eine familiäre Neigung be- günstigt, wobei das Vorkommen in der Familie der Mutter entscheidender ist als das in der Familie des Vaters. Die Chance, Drillinge zu bekommen, ist weitaus geringer. Besonderheiten der Mehrlingsschwangerschaft Die physiologischen Veränderungen und Belastungen des mütterlichen Organismus sind bei einer Mehrlings- schwangerschaft ausgeprägter als bei einer Einlingsschwangerschaft. Das zirkulierende mütterliche Blutvolumen und der Bedarf an Eisen, Folsäure und Kalzium sind gegenüber der Einlings- schwangerschaft auf etwa das Doppelte erhöht. Die mütter- liche Gewichtszu- nahme ist ebenfalls ausgeprägter. In der Spätschwangerschaft bedingen die größe- ren Ausmaße der Gebärmutter und ihr Platzbedarf im Bauch- raum oft mechanische Funktionsstörungen der Därme und insbe- sondere der Lungen- funktion durch den Zwerchfellhochstand. Durch das doppelte Volumen der Gebär- mutter kommt es zu einer erheblichen Mehrbelastung des Verschlussmechanis- mus derselben im Bereich des Muttermundes und durch die vermehrte Dehnung der Uterus- muskulatur gehäuft zum vorzeitigen Auftreten von Wehen. Durch die genannten Faktoren ist die Mehrlingsschwangerschaft als Risikoschwangerschaft einzustufen und muss demzufolge intensiv über- wacht werden. Geburtsleitung bei Mehrlingen Eine Mehrlingsgeburt, die mit sich unter der Geburt entwickelnden Kom- plikationen einhergehen kann, stellt hohe Anforderungen an die Fähig- keiten des Entbindungsteams und sollte deshalb in einer Frauenklinik der Maximalversorgung mit angeschlos- sener Kinderklinik erfolgen. Die Beendigung der Zwillings- schwangerschaft wird heute allge- mein in der 37./38. vollendeten Schwangerschaftswoche angestrebt. Das zu wählende Entbindungsver- fahren ist dabei abhängig vom Ge- wicht der Zwillinge sowie der Lage derselben, insbesondere von der des vorangehenden Zwillings. Damit Ihre Wünsche und Vorstel- lungen bei der Wahl des Entbindungs- verfahrens Berücksichtigung finden und dem geburtshilflichen Team rechtzeitig bekannt sind, sollten Sie frühzeitig mit der Klinik Kontakt aufnehmen, in der Sie auch entbinden möchten. ■ Prof. Dr. Bernd Klausch ist ehemaliger Chefarzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe und Ärztlicher Direktor der Asklepios Klinik in Parchim. Seit Anfang 2006 ist er im Ruhestand. Mutter & Baby Zwillinge Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit32 31972_GerWB_p032_1.5.indd 3231972_GerWB_p032_1.5.indd 32 23/5/06 17:45:1923/5/06 17:45:19
  • 19. Wussten Sie schon, dass … … Alkoholkonsum in der Schwanger- schaft eine der häu- figsten Ursachen von Fehlbildungen bei Kindern ist? • … das Risiko für den Plötzlichen Kindstod um das Siebenfache steigt, wenn die Mutter mehr als 20 Zigaretten am Tag raucht? Ein Gläschen Rotwein zum Essen ist für viele ein Stück Lebens- qualität. Dass man in der Schwanger- schaft besser darauf verzichten sollte, ist mittlerweile bekannt. Doch trotz bester Vorsätze gelingt es nur zwei von zehn Schwangeren, völlig auf Alkohol zu verzichten. Die Übrigen plagen sich monatelang mit einem schlechten Gewissen und Sorgen um die Gesund- heit ihres Kindes – besonders, wenn sie in den ersten Wochen einen feucht- fröhlichen Abend gefeiert haben, ohne zu wissen, dass sie schwanger waren. Wie wirkt Alkohol auf das Ungeborene? Alkohol wird über den Magen der Mutter rasch ins Blut aufgenommen und gelangt über die Plazenta unge- hemmt in den Körper des Kindes. In der Frühphase der Schwangerschaft ist der Aufbau des kindlichen Organis- mus besonders störungsanfällig. Kommt es in dieser Zeit zu erhöhtem Alkohol- konsum, ist das Risiko einer Fehlgeburt größer. Nimmt die werdende Mutter im späteren Verlauf der Schwanger- schaft regelmäßig größere Mengen Alkohol zu sich, so werden die kind- lichen Zellen und Organe oft irrepa- rabel geschädigt. Im schlimmsten Fall kommt es zum so genannten Fetalen Alkoholsyndrom. Diese Babys – meist Kinder von Alkoholikerinnen – leiden Besser rauchfrei und nüchtern! Genussmittel in der Schwangerschaft Das Ungeborene ist äußerst empfindlich gegenüber Giftstoffen, die über die Nabelschnur in seinen Körper gelangen. Auf Nikotin, Alkohol und andere Drogen sollte während der Schwangerschaft lieber verzichtet werden. Von Elke Linda Buchholz unter Fehlbildungen der inneren Organe, etwa Herzfehlern, sind klein und untergewichtig, haben einen auf- fallend kleinen Kopf und eine einge- schränkte Intelligenz. Später fallen sie durch Sprachstörungen, Hyperaktivität oder Defizite im Sozialverhalten auf. Der Grad der Schädigung kann sehr unterschiedlich sein. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass bereits der regelmäßige Genuss von zwei Gläsern Bier oder einem Viertel Wein die kind- liche Intelligenz beeinträchtigen kann. Das Ungeborene raucht mit Für Raucherinnen ist eine Schwanger- schaft eine gute Gelegenheit, dem lästigen Glimmstängel Ade zu sagen. Viele verspüren schon in den ersten Wochen einen regelrechten Wider- willen gegen Rauch und andere starke Gerüche. Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihre Lebensgewohnheiten zu ändern! Das gilt übrigens ebenso für den Part- ner, denn auch Passivrauchen schadet dem Ungeborenen. Nikotin wirkt auf das zentrale Nerven- system. Die Blutgefäße verengen sich, die Plazenta wird schlechter durch- blutet und das Ungeborene mit weniger Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, es kommt häufiger zu Plazenta-Ablö- sungen und zu Früh- und Fehlgeburten. Mediziner haben festgestellt, dass Raucherbabys wesentlich häufiger an Asthma, Allergien, Leukämie erkranken. Und sie sind stärker vom Plötzlichen Kindstod betroffen. Harte Drogen, weiche Drogen Wer Drogenprobleme hat, sollte nicht zögern, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn harte Drogen wie Kokain, Crack oder Heroin stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko für das Baby im Mutterleib dar. Aber auch gewohnheitsmäßig eingenommene Medikamente wie Schlaftabletten, Schmerzmittel oder Amphetamine sind nicht unbedingt harmlos. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber! Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen Der Verzicht auf die gewohnte Zigarette oder das Gläschen Prosecco fällt vielen Schwangeren nicht leicht. Aber nicht nur das Kind profitiert davon. Eine ver- antwortungsbewusste Lebensweise gibt Ihnen das gute Gefühl, für sich und Ihr ungeborenes Baby das Beste zu tun. ■ Elke Linda Buchholz arbeitet als freie Journalistin in Berlin, u.a. als Mitarbeiterin einer Zeitschrift für Schwangere und junge Mütter. Rauchen schadet dem Ungeborenen. Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 33 Drogen & Schwangerschaft Mutter & Baby 31972_GerWB_p033_1.6.indd 3331972_GerWB_p033_1.6.indd 33 19/5/06 10:23:3719/5/06 10:23:37
  • 20. Achtung! Verboten sind bei Kinderwunsch und in der Frühschwangerschaft die rezeptpflichtigen synthetischen Vitamin-A-Säuren, die Retinoide (Tretinoin bzw. Isotretinoin), egal ob in Creme- oder Tablettenform. Sie werden zur Therapie einer sehr schweren Akne eingesetzt. Gesichtspflege Hormone machen die schwangere Haut praller und besser durchblutet, kleine Fältchen fallen weniger auf. Allerdings kann trockene Haut auch fettiger werden, weil die Talgdrüsen ihre Aktivität erhöhen. Eine Neigung zu Akne kann sich dadurch verschlim- mern – meist jedoch nur vorüber- gehend in den ersten drei Monaten. Passen Sie Ihre Hautpflege der Situation an. Aber Vorsicht mit neuen Pflegeprodukten: Schwangere reagieren leichter mit einer Allergie. Kaufen Sie zunächst die kleinste Größe. Spezielle Akne-Cremes, die austrocknende Wirkstoffe und oft ein Antibiotikum enthalten, dürfen Sie auch in der Schwangerschaft benutzen. Selbst Hautcremes mit Vitamin A (Retinol) sind erlaubt, da eine Überdosierung bei rein äußerlicher Anwendung aus- geschlossen ist. Make-up Kosmetikprodukte werden so gründlich geprüft, dass Sie unbesorgt alles ver- wenden können, was Sie schöner macht. Sogar ein neues Permanent Make- up ist erlaubt, voraus- gesetzt es wird in einem guten Kosmetikstudio durchgeführt. Die so genannte „Schwanger- schaftsmaske” (Chloasma) zeigt sich im vierten oder fünften Monat in Form von unregelmäßigen Pigmentierungen im Gesicht. Eine gut deckende Grun- dierung macht sie fast unsichtbar. Auf keinen Fall sollten Sie eine Bleich- creme verwenden. Immer wieder hört man, dass die Inhaltsstoffe von Lippenstiften schäd- lich seien. Dafür gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Beweise. Wenn Sie gelegentlich an Fieber- bläschen (Lippenherpes) leiden: Eine Aciclovir-haltige Lippensalbe (Zovirax®) schadet Ihrem Baby nicht. Schön durch die Schwangerschaft: Die richtige Pflege macht‘s! Schöne Umstände Schwangere strahlen bekanntlich von innen her – trotzdem brauchen Sie die äußere Schönheit nicht zu vernachlässigen. Vor allem in den letzten Monaten tut Ihnen ein kleines Verwöhnprogramm gut! Aber was ist nützlich? Und was könnte dem Baby schaden? Von Dr. med. Brigitte Holzgreve Mutter & Baby Schönheit und Pflege Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit34 31972_GerWB_p034-036_1.7.indd 3431972_GerWB_p034-036_1.7.indd 34 23/5/06 09:59:2323/5/06 09:59:23
  • 21. „Tägliches Eincremen mit mildem Mandelöl, Jojobaöl oder Vitamin-E- reichem Weizenkeimöl kann helfen, die Haut elastisch zu halten.“ Körperpflege Juckreiz Wenn Sie unter lästigem Schwanger- schafts-Juckreiz leiden, cremen Sie sich mit einer Urea-haltigen Haut- creme ein. Schuld am Juckreiz sind nicht nur die Hormone, sondern auch die Überdehnung der trockenen Haut. Zudem wird sie in den Hautfalten durch die vermehrte Schweißbildung gereizt. Bequeme Kleidung, Pfeffer- minztee, ein Badezusatz mit Meersalz, Kieselerde, Natron oder Kleie, sanftes Abreiben mit einem in Apfelessig ge- tränkten Waschlappen und Schwim- men lindern den Juckreiz. Vermeiden Sie Bürstenmassagen. Schwangerschaftsstreifen Schwangerschaftshormone lockern das Bindegewebe, vor allem im Bauch- bereich. Dabei können die elastischen Fasern in der Haut reißen und narben- ähnliche Dehnungsstreifen hinterlassen. Am stärksten gefährdet sind Frauen mit heller und zarter Haut, einer meist erblich bedingten Bindegewebs- schwäche, Übergewicht und zu wenig Bewegung. Sind die Streifen einmal da, lassen sie sich auch mit viel Auf- wand nicht wieder zum Verschwinden bringen. Deshalb lohnt sich die Vor- beugung: Zahlreiche spezielle Produkte sind auf dem Markt, aber tägliches Eincremen mit mildem Mandelöl, Jojobaöl oder Vitamin-E-reichem Weizenkeimöl kann schon helfen, die Haut elastisch zu halten. Viele Haut- ärzte meinen sogar, dass eine durch- blutungsfördernde Zupfmassage die größte Wirkung habe. Danach kalt duschen – das strafft zusätzlich. Enthaarung Die meisten Schwangeren bemerken eine stärkere Körper- und Gesichtsbe- haarung. Enthaarungsschaum oder -creme darf grundsätzlich, sogar in der Bikinizone, verwendet werden. Auch Epilieren und Heißwachsbehand- lungen sind unschädlich für Ihr Baby. Nagelpflege Wissenschaftliche Studien haben ge- zeigt, dass der häufige Umgang mit organischen Lösungsmitteln (z.B. in Nagellackentfernern) schädlich ist und zu Fehlgeburten und kindlichen Fehl- bildungen führen kann. Im Rahmen der üblichen Nagelkosmetik ist Ihr Baby jedoch sicher nicht gefährdet. Weil die Nägel schneller wachsen und deshalb brüchiger sind, sollten sie nicht zu häufig mit Nagellackent- ferner strapaziert werden. Beim Befestigen und Aushärten von künstlichen Fingernägeln (Nagel- modellage) können unvorhersehbare Allergien ausgelöst werden. In der Schwangerschaft ist daher von Nagel- modellage vorsichtshalber abzuraten. Vermehrtes Schwitzen Kaum eine Schwangere, die in der Spätschwangerschaft nicht zu Schweiß- ausbrüchen neigt, denn der Stoff- wechsel arbeitet auf Hochtouren. Abgesehen von lockerer Kleidung aus Naturmaterialien hilft da ein gutes Deo und häufiges, lauwarmes Duschen. Abkühlung bringt auch ein kalter Wasserguss über die Unterarme. Wenn Sie nachts mit brennenden Füßen auf- wachen, stellen Sie sich einen Eimer mit kaltem Wasser neben das Bett. Vermeiden sollten Sie scharfe Ge- würze, Knoblauch, rohe Zwiebeln, Kaffee, Tee und Alkohol. Trinken Sie viel, um die verlorene Flüssigkeit zu ersetzen. Lauwarmer Apfelsaft, Salbei- oder Melissentee verringern die Schweißproduktion. Piercings Ein Bauchnabel-Piercing sollte in der Schwangerschaft nicht neu gestochen werden. Der Schmuck kann entfernt oder durch ein biegsames Plastik- teil ersetzt werden. Ältere Piercings (über ein Jahr) kann man belassen, muss aber sorgfältig auf Entzündungs- zeichen achten. Cremen Sie dort dop- pelt gut ein, damit die Haut besonders elastisch bleibt! Beim Ultraschall stört das Bauchnabel-Piercing übrigens normalerweise nicht. Ein Brustwarzen-Piercing wird oft sehr unangenehm. Viele Schwangere entfernen deshalb den Schmuck schon früh. Stillen ist oft schwierig, weil Milch- kanäle verletzt worden sind. Erst drei Monate nach dem Abstillen darf der Schmuck wieder eingesetzt werden. Piercings im Genitalbereich können bei der Geburt stören und zu Verlet- zungen führen. Ihr Frauenarzt bzw. Ihre Frauenärztin werden Ihnen sagen, ob eine Entfernung nötig ist. Tätowierungen an Schwangeren werden von seriösen Studios abgelehnt. Der damit verbundene Stress ist für Mutter und Kind ungünstig, zumal es zu überraschenden allergischen Reakti- onen kommen kann. Schon vorhandene Tattoos sind unproblematisch. Haarpflege Gegen fettigeres Haar hilft nur häufiges Haarewaschen. Benutzen Sie ein mildes Shampoo und lassen Sie Ihr Haar mög- lichst an der Luft trocknen oder auf niedrigster Föhnstufe, denn heiße Luft stimuliert die Talgdrüsen. In der Schwangerschaft verbessert sich die Haarstruktur und es fallen weniger Haare aus. Aber in den letzten Wochen vor und besonders nach der Geburt setzt meist ein massiver Haar- ausfall ein. Dagegen können die in Apotheken rezeptfrei verkäuflichen Dehnungsstreifen: Vorbeugung lohnt sich. Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 35 Schönheit und Pflege Mutter & Baby 31972_GerWB_p034-036_1.7.indd 3531972_GerWB_p034-036_1.7.indd 35 19/5/06 10:25:0919/5/06 10:25:09
  • 22. Gesundes Bräunen Wie wäre es – als Alternative zu Sonne und Solarium – mit einer Selbstbräunungscreme? Sie bewirkt eine vorübergehende chemische Färbung der obersten Hautschich- ten, und dieser Vorgang ist in der Schwangerschaft selbst bei häufiger Anwendung unbedenklich. Vermeiden Sie ... Produkte zur Stärkung von Haaren und Nägeln helfen, deren natürliche Wirkstoffe Ihrem Baby nicht schaden. Immer wieder wird gefragt, ob sich Schwangere die Haare färben lassen dürfen. Zwar können alle Chemikalien durch die Kopfhaut der Mutter ein- dringen, aber dies geschieht in so geringen Konzentrationen, dass eine Gefährdung des Ungeborenen bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Wenn gefärbte Haare oder Strähnchen zu Ihrer Persönlichkeit gehören, gibt es nur einen Grund, als werdende Mutter darauf zu verzichten: Das Ergebnis kann ungewohnt ausfallen, vor allem im Rotbereich. Dasselbe gilt übrigens auch für Dauerwellenflüssigkeit, auf die Ihre Haare in der Schwangerschaft ganz anders reagieren können. Sonnenschutz Schädliche UV-Strahlung wird nahezu vollständig vom mütterlichen Bauch- gewebe absorbiert. Zu lange sollte das Sonnenbad trotzdem nicht dauern: Eine Erhöhung der Körperkerntempe- ratur in den ersten Schwangerschafts- wochen auf über 38°C und über längere Zeit (z.B. bei hohem Fieber) ist mit angeborenen Fehlbildungen in Ver- bindung gebracht worden. Denken Sie aber auch an sich selbst. Ihre eigene Haut ist in der Sonne nicht nur krebsgefährdet, sondern kann in der Schwangerschaft auch unregelmäßiger bräunen. Gehen Sie deshalb so wenig wie möglich in die direkte Sonne und verwenden Sie eine Tagescreme mit ei- nem Lichtschutzfaktor von mindestens 15. Das gilt auch für die künstliche Sonne im Solarium. Zudem ist auf der Sonnenbank die Rückenlage wegen Kreislaufproblemen zu vermeiden. Baden und Wellness Wenn Ihre Schwangerschaft unkom- pliziert verläuft, dürfen Sie ein Vollbad nehmen so oft Sie mögen. Warmes Wasser kann zwar echte Wehen ver- stärken, aber kaum geburtsaktive Wehen auslösen. Unechte Wehen, die so genannten Vorwehen, werden durch die Entspannung im warmen Wasser sogar abgeschwächt. Empfehlenswert ist eine Temperatur von etwa 38°C – eher niedriger, wenn Sie zu Krampf- adern neigen. Benutzen Sie einen rück- fettenden Badezusatz für die oft sehr trockene schwangere Haut. Ein paar Tropfen Aromaöl wirken entspannend. Öffentliche Schwimmbäder brau- chen Sie keineswegs zu meiden, denn die Wasserqualität wird dort ständig überprüft. Saunieren ist in einer unkomplizier- ten Schwangerschaft durchaus erlaubt. Es stärkt das Immunsystem und regt den Kreislauf an, was Schwangeren bei der Ausschwemmung von Wasser- einlagerungen helfen kann. Die Körper- kerntemperatur erhöht sich durch das starke Schwitzen nur geringfügig. Ungeübte Sauna-Besucherinnen sollten aber Dauer und Temperatur etwas reduzieren. Richten Sie sich immer sehr langsam aus dem Liegen auf. Wichtig ist zudem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Vor Ansteckung mit Pilzen oder anderen Keimen brauchen Sie in der trockenen Hitze der Sauna- Kammer keine Angst zu haben, denn die Keime können dort nicht überleben. Was für die Sauna gilt, trifft auch auf Dampfbäder zu. Wer daran ge- wöhnt ist, darf ruhig weitermachen. Aber Vorsicht: Dampfbäder sind zwar in der Regel nur ca. 45°C heiß, aber wegen der hohen Luftfeuchtigkeit be- lastet das den Kreislauf noch mehr als die trockene Hitze in der Sauna. Massage hat viele wohltuende Effekte auf Schwangere, denn sie löst Verspannungen und fördert die Durchblutung und somit den Lymph- abfluss. Es spricht auch nichts gegen spezielle Massagetechniken wie Aku- pressur, Shiatsu oder Fußreflexzonen- therapie. Nur die flache Bauchlage sollten Sie vermeiden; die Knie-Ellen- bogenlage ist bequemer! ■ Dr. med. Brigitte Holzgreve ist Fachärztin für Humangenetik, Chefredakteurin der Internetseite www.swissmom.ch und Autorin des Bestsellers „300 Fragen zur Schwangerschaft“. Sie lebt in Basel. Massage hat viele positive Effekte und hilft bei Verspannungen und Rückenschmerzen. • Scheidenspülungen – sie zerstören das natürliche Milieu im Genitalbereich. • Badezusätze aus Lorbeer, Majoran, Muskat, Nelken, Rosmarin, Thymian, Wacholder, Zedernholz, Zimt – sie können Wehen auslösen. • Bäder, wenn Sie alleine im Haus sind und die länger als 15 Minuten dauern. Das Ein- und Aussteigen kann durch das veränderte Körper- gefühl gefährlich werden. • zu heißes Badewasser – es belastet den Kreislauf zu sehr. • Sauna- oder Dampfbadbesuche, wenn Schwindel oder Übelkeit auftreten. • Baden im Whirlpool – das Wasser wird dort nicht häufig ausgetauscht und Schwangere reagieren sehr schnell mit vaginalen Infektionen, die eine Frühgeburt begünstigen können. • Thermal- und Solebäder – warme Luft, warmes Wasser und Bewegung führen leicht zu Kreislaufproblemen. Mutter & Baby Schönheit und Pflege Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit36 31972_GerWB_p034-036_1.7.indd 3631972_GerWB_p034-036_1.7.indd 36 19/5/06 10:25:3719/5/06 10:25:37
  • 23. Genussgifte wie Zigaretten und Alkohol sind für Schwangere tabu. Nutzen Sie die Schwangerschaft als Chance, falsche Gewohnheiten abzu- legen. Schwangerschaftsbedingte Ver- änderungen in Ihrem Geruchs- und Geschmacksempfinden können bei diesem Schritt helfen. Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann schwer- wiegende Folgen für Ihr Kind haben. Grenzwerte für die schädigende Wir- kung gibt es nicht, deshalb ist der völlige Verzicht auf Alkohol die beste Entscheidung. Halten Sie sich auch mit dem Genuss von Kaffee und Tee zurück. Mehr als zwei Tassen Kaffee pro Tag können das Frühgeburtsrisiko erhöhen. Durch täglich fünf Tassen Kaffee wird es sogar verdoppelt. Auch der Koffeingehalt einzelner Nahrungs- mittel wie Tee, Cola und Schokolade sollte beachtet werden. Achten Sie grundsätzlich auf aus- gewogene, gemischte Kost. Extreme Diäten (z.B. Trennkost) sind gefähr- lich für Sie und Ihr Kind. Zum Abneh- men ist die Schwangerschaft einfach nicht die richtige Zeit. Fasten ist vor allem im ersten und dritten Trimes- ter gefährlich. Eine Gefährdung des Kindes resultiert nicht nur aus einer möglichen Dehydration (Flüssigkeits- mangel), sondern vor allem auch aus einem akuten Glukosemangel. Eine vegetarische Ernährung ist auch während der Schwangerschaft möglich. Jedoch sollten in diesem Falle Milch, Milchprodukte und Eier feste Nahrungsbestandteile sein. Wer kein Fleisch zu sich nimmt, dem man- gelt es möglicherweise an Eiweiß, Eisen und bestimmten B-Vitaminen. Schwangerenernährung Endlich ist es so weit, der Urin-Teststreifen macht es zur Gewissheit: Sie sind schwanger! Es kribbelt im Bauch und plötzlich ist alles anders. Im Fokus steht jetzt das Kind und das soll es in Muttis Bauch gut haben. Von Dipl.-Med. Ulrich Freitag und Dr. med. Heiner Müller Essen für zwei? Mit Bezug auf Ihren Energiebedarf lautet die Antwort zunächst: nein. Am Anfang kommt die Schwangere mit ihrer ganz normalen Ernährung aus. Eine Steigerung der täglichen Kalorienmenge um 200 bis 300 Kalo- rien sollte erst nach dem ersten Tri- mester erfolgen. Der Kalorienbedarf einer Schwangeren steigt nämlich von ca. 2100 kcal pro Tag zu Schwanger- schaftsbeginn auf ca. 2400 kcal in der zweiten Schwangerschaftshälfte. Diese Steigerung ist nicht dramatisch, denn bereits mit einem Früchtemüsli oder einem Knäckebrot und einem Apfel ist der Mehrbedarf gedeckt. Im schwan- geren Bauch ist weniger Platz. Wegen des resultierenden Völlegefühls sind mehrere kleine Mahlzeiten am Tag vorteilhafter als wenige große. Eiweiße (ca. zehn Prozent), Fette (30 bis 35 Prozent) und Kohlenhydrate (55 bis 60 Prozent) stellen die Grundbausteine unserer Energieversorgung dar. Das Verhältnis der Haupt- nährstoffe ändert sich während der Schwangerschaft nicht. Un- ter den hiesigen Bedingungen droht diesbezüglich selten eine Unterversorgung. Auch wenn Ihr Bedarf an Eiweiß im Laufe der Schwangerschaft ansteigt, wird bei einer normalen Ernährung kein Mangel entstehen. Fette werden häufig eher zu viel auf- genommen. Wegen ihrer besonderen Bedeutung für die fetale Entwicklung Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 39 Schwangerenernährung Mutter & Baby Mit einer ausgewogenen, gemischten Kost ist Ihr Baby gut versorgt. 31972_GerWB_p039-042_1.8.indd 3931972_GerWB_p039-042_1.8.indd 39 23/5/06 11:14:4123/5/06 11:14:41
  • 24. Ausgangsgewicht (BMI) Gewichtszunahme niedrig (< 19,8) 12,5 bis 18,0 kg mittel (19,8 bis 26,0) 11,5 bis 16,0 kg hoch (26,0 bis 29,0) 7,0 bis 11,5 kg sehr hoch (> 29,0) < 6,0 kg Empfehlungen zur Gewichtszunahme während der Schwangerschaft BMI = Gewicht (kg) Körpergröße (m²) Die Gewichtszunahme während der Schwanger- schaft fällt individuell sehr unterschiedlich aus. „Wegen einer möglichen Übertragung von Listerien sollten Sie Rohmilch und Rohmilchprodukte in der Schwangerschaft meiden.“ sind hier die langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren (LCP) jedoch besonders wertvoll. Eine ausreichende Versorgung können Sie z.B. durch den regelmäßigen Verzehr von fettem See- fisch und Wild oder durch Nahrungs- ergänzungspräparate sicherstellen. Sie sollten bevorzugt komplexe Kohlenhydrate, also nicht zucker-, sondern stärkehaltige Lebensmittel zu sich nehmen. Hierzu gehören Brot, Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und einige Gemüsesorten. Vollkornprodukte stellen die Versor- gung mit Ballaststoffen sicher; emp- fohlen werden mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag. Als Zwischen- mahlzeit eignen sich zum Beispiel Früchteriegel ohne Zuckerzusatz. Ihr Flüssigkeitsbedarf erhöht sich von täglich 1,5 auf etwa 2,0 Liter pro Tag. Starkes Schwitzen erhöht die not- wendige Trinkmenge natürlich weiter. Gut geeignet sind Mineralwasser, ungesüßte Kräuter- und Früchte- tees sowie ggf. mit Wasser ver- dünnte Gemüse- und Fruchtsäfte oder mit speziellen Nährstoffen angereicherte Getränke. Welche Gewichts- zunahme ist normal? Die „normale“ Gewichtszunahme ist großen individuellen Schwankungen unterworfen. Während im Durchschnitt zehn bis zwölf Kilogramm an Mehrge- wicht resultieren, können es im Einzel- fall auch zwischen sechs und 20 kg sein. Normalerweise geht man von drei bis vier Kilogramm für das Baby und ca. sieben bis zwölf für das feta- le Unterstützungssystem aus (Plazenta, Fruchtwasser, erhöhtes Blutvolumen, Körperflüssigkeit, Fettreserven und Brustgewebe). Gelegentlich erfolgt im ersten Trimenon eine geringe Gewichts- zunahme; sie pendelt sich dann zwi- schen dem vierten und achten Monat auf etwa 0,5 bis 1 kg pro Woche ein; im letzten Monat ist sie dann wieder minimal oder endet ganz. Es ist wich- tig, für sich festzustellen, ob man nicht durch Unter- oder Übergewicht bereits in einer Risikogruppe steckt. Die emp- fohlene Gewichtszunahme ergibt sich aus dem Body Mass Index vor der Schwangerschaft (siehe Tabelle). Ihr Frauenarzt erstellt Ihnen gerne eine genaue Prognose über die bei Ihnen zu erwartende Gewichtszunahme in der Schwangerschaft. Gefährdung durch Nahrungsmittel? Wegen der möglichen Übertragung von Infektionen und einer eingeschränk- ten Anwendbarkeit wirksamer Anti- biotika in der Schwangerschaft sollten Sie auf bestimmte Lebensmittel ver- zichten. Wegen einer möglichen Übertragung von Listerien sollten Sie Rohmilch und Rohmilchprodukte in der Schwangerschaft meiden. Rohe Fischgerichte (z.B. Sushi) streichen Sie ebenfalls besser von Ihrem Speiseplan. Toxoplasmose-Erreger werden vor- wiegend durch Katzenkot übertragen und über die Nahrung aufgenommen. Gefährdet sind Frauen, die in der Schwangerschaft erstmals erkran- ken. Wird dies nicht erkannt und behandelt, resultieren möglicher- weise schwere kindliche Schäden. Ihr Frauenarzt kann testen, ob Sie gegenüber Toxoplasmose Immunschutz besitzen. Ist das nicht der Fall, sollten Sie das Rei- nigen der Katzentoilette während der Schwangerschaft lieber jemand anderem überlassen. Auch bei der Nahrungszubereitung und -aufnahme sind bestimmte allge- meine Vorsichtsmaßnahmen zu be- achten. Über den Verzehr von rohem Fleisch (z.B. Tartar oder Mett), aber auch über pflanzliche Lebensmittel (z.B. Blattsalat, Beeren), welche mit Katzenkot kontaminiert wurden, kön- nen Sie an Toxoplasmose erkranken. Vor jedem Essen sollten Sie deshalb insbesondere nach dem Umgang mit rohem Fleisch oder nach dem Kontakt mit Katzen unbedingt die Hände mit warmem Wasser und Seife gründlich reinigen. Pflanzliche Lebensmittel, die nicht erhitzt werden, sollten gründlich gewaschen bzw. geschält werden. Einige Fischarten stehen am Ende der Nahrungskette und reichern deshalb überdurchschnittlich viele Mutter & Baby Schwangerenernährung Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit40 31972_GerWB_p039-042_1.8.indd 4031972_GerWB_p039-042_1.8.indd 40 24/5/06 14:27:1424/5/06 14:27:14
  • 25. Der Flüssigkeits- bedarf ist in der Schwanger- schaft größer. Schadstoffe (z.B. Methylquecksilber und Dioxine) an. Haifisch, Seeteufel, Schwertfisch, Bonito, Hecht, Rochen und Tunfisch sollten Sie in der Schwan- gerschaft nicht regelmäßig verzehren. Vorsicht ist auch bei Vitamin-A- reichen Lebensmitteln angebracht, da bei Überdosierung Schädigungen des Föten nicht auszuschließen sind. Aus diesem Grund wird empfohlen, im ersten Schwangerschaftsdrittel keine Leber zu essen und sie auch später eher selten zu konsumieren. Bei der Auswahl der Speisen für Schwangere sollte auch auf Nahrungs- mittel mit hohem Allergiepotenzial verzichtet werden, wie z.B. Kiwi-Früchte. Jedes Kind ein Zahn? Diese alte Volksweisheit stimmt zum Glück heute nicht mehr, obwohl der erhöhte Östrogenspiegel während der Schwangerschaft vermehrt zu Mund- schleimhautenzündungen und Karies führen kann. Man hat aber erkannt, dass entsprechende Mundhygiene und Ernährung diesen Problemen entgegensteuern können. Kalzium ist ein wesentliches Mine- ral für den Knochenstoffwechsel und die Festigung von Zähnen. Während der Schwangerschaft muss die werdende Mutter ihrem Kind 25 bis 30 g Kalzium für den Knochenaufbau zur Verfügung stellen. Am Ende der Schwangerschaft ist der Kalzium-Umsatz um 50 bis 200 Prozent erhöht. Der Mehrbedarf an Kalzium kann durch Milch und Milchprodukte ausgeglichen werden. Bereits ein halber Liter Milch, zwei Scheiben Käse und ein Becher Joghurt sind ausreichend, um Ihren Tages- bedarf an Kalzium zu decken. Bei Un- verträglichkeit (z.B. Laktoseintoleranz) befragen Sie Ihren Frauenarzt bezüglich der Einnahme von Kalziumpräparaten. Als Kariesprophylaxe ist auch Fluor wichtig. Wenn Sie in einer Gegend wohnen, in der das Trinkwasser fluori- diert ist, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Ansonsten ersetzen Sie normales mit fluoridiertem Kochsalz oder diskutieren Sie die zusätzliche Ein- nahme von Fluortabletten mit Ihrem Frauenarzt. Er wird Ihnen vielleicht auch die Einnahme von Vitamin C empfehlen, falls es in Ihrer Ernährung zu kurz kommt. Dieses Vitamin trägt zur Kräftigung des Zahnfleischs und zur Vernichtung von Kariesbakterien bei. Studien haben gezeigt, dass die optimale Zufuhr einiger Mikronähr- stoffe, wie z.B. von Folsäure, Jod, Eisen und B-Vitaminen nicht bei allen Schwangeren gewährleistet ist. Der Bedarf an Folsäure (Vitamin B9) erhöht sich während der Schwanger- schaft um etwa 50 Prozent von 400 µg auf 600 µg pro Tag. Lebensmittel mit hohem Folsäure-Gehalt sind z.B. Weizenkeime, Sojabohnen, Tomaten, dunkelgrünes Gemüse (z.B. Spinat, Brokkoli), Obst und Vollkornprodukte. Nach den Ergebnissen des BabyCare- Programms gelingt es praktisch keiner Schwangeren, die empfohlene Menge von täglich 600 µg Folsäure über die Ernährung zu sich zu nehmen: 70 Pro- zent der Teilnehmerinnen lagen unter der Hälfte des geforderten Wertes. Für die mütterliche Blutbildung wirkt Folsäure zusammen mit Vitamin B12 (Cobalamin). Dieses ist in tierischen Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch, Ge- flügel, Milch, Ei und Käse enthalten. Verwenden Sie jodiertes Speisesalz und damit hergestellte Produkte und essen Sie ein- bis zweimal Seefisch pro Woche, um Ihre Versorgung mit Jod zu erhöhen. Schwangeren wird dennoch eine ergänzende Zufuhr von 100 bis 200 µg Jod pro Tag empfohlen, da der erhöhte Jodbedarf in der Schwanger- schaft auch bei einer ausgewogenen Ernährung mit Jodsalz kaum gedeckt werden kann. Für eine optimale Versorgung mit Eisen sollten wenigstens dreimal in der Woche mageres Fleisch und Wurst verzehrt werden. Dies ist wichtig, denn eine ausreichende Versorgung mit Eisen aus pflanzlichen Quellen wie Vollkorn- produkten, Haferflocken, Spinat und Möhren ist schwieriger. Vitamin C erleichtert die Aufnahme von Eisen, deshalb ist es ratsam, zum Essen einen Vitamin-C-reichen Fruchtsaft zu trinken. Kaffee, Schwarzer Tee, Milch- und Soja- produkte sowie Hülsenfrüchte wirken sich ungünstig auf die Eisenaufnahme aus. Der Bedarf an Eisen steigt vor allem in den letzten drei bis sechs Schwanger- schaftsmonaten. Ihre Eisenversorgung wird im Rahmen der Vorsorgeunter- suchung überprüft. Bei Vorliegen eines Eisenmangels empfiehlt Ihr Frauenarzt ein geeignetes Präparat. Neben der Zufuhr wichtiger Mikronährstoffe ist es oft hilfreich, die körpereigenen Funktionen in der Schwangerschaft zu unterstützen, z.B. auch durch die Nahrungsergänzung mit Probiotika. Damit sind bestimmte lebende Bakterienstämme gemeint, die sich über eine Verbesserung der Aufnahmevorgänge im Darm positiv auswirken können. Die Möglichkeiten einer gesunden Ernährung für Mutter und Kind sind vielfältig, solange auf eine ausgewo- gene Kost geachtet wird. Bei konkreten Fragestellungen wenden Sie sich bitte an Ihren Frauenarzt. ■ Dipl.-Med. Ulrich Freitag ist nieder- gelassener Frauenarzt in Wismar. Praxisschwerpunkte sind die konventionelle und biologische onkologische Therapie sowie Ernährungsmedizin. Priv.-Doz. Dr. med. Heiner Müller ist niedergelassener Frauenarzt in Rostock. Praxisschwerpunkte sind Reproduktionsmedizin, Pränatal- diagnostik und Operationen. Mutter & Baby Schwangerenernährung Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit42 31972_GerWB_p039-042_1.8.indd 4231972_GerWB_p039-042_1.8.indd 42 23/5/06 11:15:2623/5/06 11:15:26
  • 26. Eine ausgewogene Ernährung der Schwangeren ermöglicht das gesunde Wachstum des Fetus, der Plazenta sowie der mütterlichen Körpergewebe und -flüssigkeiten. Dafür benötigt die Frau zusätzliche Energie, vor allem aber eine optimale Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen. Empfeh- lenswert ist deshalb eine Ernährungs- weise, die reich ist an frischem Obst, Gemüse, Vollkorn-Getreideprodukten und genügend tierische Lebensmittel wie Milch, Milchprodukte, mageres Fleisch, Eier und Fisch einbezieht. Zur Vermeidung von Lebensmittelinfek- tionen sollten Schwangere dabei in besonderem Maße auf Lebensmittel- hygiene achten und einzelne Lebens- mittel meiden. Die Schwangerschaft bringt viele Veränderungen mit sich. Am auffälligs- ten ist die Gewichtszunahme, bedingt durch das Wachstum des Fetus und der Plazenta sowie die Vermehrung von Körpergewebe und -flüssigkeiten. Für eine gesunde Gewichtszunahme während der Schwangerschaft existie- ren lediglich grobe Richtwerte. Für eine normalgewichtige Frau ist eine „Der zusätzliche Bedarf der Schwangeren an Kalzium lässt sich mit 50 g Milchprodukten pro Tag und der Mehrbedarf an Eisen durch Fleisch und eisenreiche Gemüse decken.“ Worauf sollten Schwangere bei ihrer Ernährung achten? Zunahme von elf bis 16 Kilo aus- reichend. Sehr schlanke Frauen oder Mütter von Mehrlingen können bis zu 20 Kilo zunehmen, während über- gewichtige Frauen mit einer Zunahme von zehn Kilo auskommen. Das ab- solute Gewicht ist dabei weniger entscheidend als eine kontinuierliche Zunahme, die ab der 13. Woche regelmäßig ca. 300 bis 500 g pro Woche betragen sollte. Der Körper braucht während der gesamten Schwangerschaft insgesamt ca. 71.700 kcal zusätzlich. Dies ent- spricht ca. 255 kcal pro Tag. Diese Energiemenge ist zum Beispiel in einem Käsebrot oder 0,4 Liter Voll- milch enthalten. Schwangere können ihren Mehrbedarf an Vitaminen und Mineralstoffen mit einer ausgewoge- nen Mischkost daher leicht decken. Nur bei zwei Nährstoffen lässt sich dies meist nicht erreichen: bei Folsäure (Zufuhrempfehlung: 600 Mikrogramm/ Tag) und bei Jod (230 Mikrogramm/ Tag). Beide Nährstoffe sollten nach Absprache mit dem Arzt in Tabletten- form ergänzt werden. Dunkle Gemüse- sorten, Vollkornprodukte und Fleisch tragen darüber hinaus zur Folsäure- Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit44 Mutter & Baby Schwangerenernährung 31972_GerWB_p044-045.indd 4431972_GerWB_p044-045.indd 44 23/5/06 17:53:1023/5/06 17:53:10
  • 27. versorgung bei. Jod ist vor allem in Seefisch und in Milchprodukten ent- halten, aber auch jodiertes Speisesalz und alle daraus hergestellten Lebens- mittel, wie Wurst, Käse oder Brot, lie- fern einen Beitrag zur Bedarfsdeckung. Der zusätzliche Bedarf der Schwan- geren an Kalzium lässt sich mit 50 g Milchprodukten pro Tag und der Mehrbedarf an Eisen durch Fleisch und eisenreiche Gemüse decken. Vor dem Verzehr von Leber werden Schwangere häufig noch gewarnt. Leber ist reich an Vitamin A, das zu Beginn der Schwangerschaft zu Miss- bildungen beim Kind führen kann. Nach dem 3. Monat ist der gelegent- liche Verzehr von Leber jedoch sogar empfehlenswert, da sie eine hervor- ragende Quelle für Eisen, Vitamin D, Vitamin B2 und Folsäure ist. Der erhöhte Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft ist durch eine rein pflanzliche (vegane) Ernährung nicht zu decken. Insbesondere bei Vitamin B12, Kalzium und Eisen besteht die Gefahr einer Unterversor- gung. Eine vegetarische Ernährung, die Milch, Milchprodukte und Eier einschließt, erfordert eine gezielte Auswahl der Lebensmittel, um den Nährstoffansprüchen von Mutter und Kind gerecht zu werden. Genussmittel beeinträchtigen die geistige und körperliche Entwicklung des Kindes. So führt der regelmäßige Konsum von vier bis fünf alkoholischen Getränken täglich erwiesenermaßen zu schweren Missbildungen beim Kind, während der Effekt von einem gelegentlichen Glas Wein oder Bier noch nicht abschließend geklärt ist. Meist wird daher zu einem absoluten Alkoholverzicht in der Schwanger- schaft geraten. Große Mengen an koffeinhaltigen Getränken können die Pulsfrequenz des Embryos fast verdoppeln und so das Herz belasten. Hier ist des- halb allenfalls ein mäßiger Konsum empfehlenswert: Meist sind zwei bis drei Tassen Kaffee oder vier Tassen Schwarzer Tee über den Tag verteilt kein Problem. Manche Lebensmittel sind ein ide- aler Nährboden für krankmachende Bakterien und Parasiten, die für Gesunde zwar meist harmlos sind, den Embryo aber schädigen können. Um eine Infektion mit Liste- rien, Toxoplasmen oder Salmonellen auszuschließen, sollten Schwangere vorsorglich auf folgende Lebensmittel verzichten: rohes Fleisch wie Tatar oder Mett, roher Schinken, streichfähige Roh- wurst wie Teewurst oder Mettwurst rohe Eier in selbst bereiteten Ma- yonnaisen und Süßspeisen, wie Tiramisu, weich gekochte Früh- stückseier roher sowie geräucherter Fisch, Muscheln und Meeresfrüchte Rohmilch und daraus hergestellte Produkte wie z.B. Rohmilchkäse (Ausnahme: gereifter Hartkäse wie Allgäuer Emmentaler) Käserinde generell Weichkäse mit Rotschmiere, Sauermilchkäse alle rohen Lebensmittel, an deren hygienischer Zubereitung Zweifel bestehen. ■ Dipl. oec. troph. Birgitta Tummel ist Ernährungswissenschaftlerin. Ein Service der CMA. Während der Schwangerschaft ist nicht nur ein erhöhter Nährstoffbedarf zu berücksichtigen. Zur Vermeidung von Infektionen sollten Schwangere bestimmte Lebensmittel vorsorglich von ihrem Speiseplan streichen. Von Dipl. oec. troph. Birgitta Tummel Wellbeing 2006 / Journal für Frauengesundheit 45 ©CMA Schwangerennährung Mutter & Baby 31972_GerWB_p044-045.indd 4531972_GerWB_p044-045.indd 45 23/5/06 17:53:2723/5/06 17:53:27