HS Wissenssoziologie

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HS Wissenssoziologie an der Universität Würzburg im WS 08/09

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HS Wissenssoziologie

  1. 1. HS „Das Wissen vom Wissen“ Vortrag zum Beginn des HS Spezielle Soziologie „Das Wissen vom Wissen“ Dr. Tina Guenther, Universität Würzburg, den 31.10.08
  2. 2. Gliederung <ul><li>Einführung in die Thematik „Wissen“ </li></ul><ul><li>Wissen, das wir alle haben </li></ul><ul><li>Wissenschaftliches Wissen </li></ul><ul><li>Zeitdiagnose „Wissensgesellschaft“ </li></ul><ul><li>Seminarplan </li></ul>
  3. 3. Einführung in die Thematik <ul><li>Seit der Aufklärung, spätestens jedoch mit der industriellen Revolution wird dem Wissen eine enorme soziale Bedeutung zugeschrieben: Methodisch erzeugtes und wissenschaftlich abgesichertes Wissen als die bedeutendsten Ressourcen für das moderne Leben. </li></ul><ul><li>Wissen ist Schlüssel zu ökonomischem Wohlstand, zu technologischer Entwicklung, zu politischer Macht, zu bürokratischer Herrschaft, zu rationalem Recht und zu weiterem Erkenntnisfortschritt. </li></ul><ul><li>Zunahme der Menge und Verfügbarkeit wissenschaftlichen Wissens. Vermehrung akademischer Disziplinen, Subdisziplinen, wissenschaftlicher Journale, anderer wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Erfordernis der Wissensorganisation. </li></ul>
  4. 4. Einführung in die Thematik <ul><li>Fundamental ist die Unterscheidung zwischen Wissen einerseits und Information, Kommunikation, Medien andererseits. Nur Wissen befähigt einen Akteur zum Handeln, herumliegende Information hingegen nicht. </li></ul><ul><li>Wissen setzt voraus, dass sich ein Akteur Information aktiv aneignet. Man muss Arbeit investieren, um davon Gebrauch machen zu können. </li></ul><ul><li>Deshalb bringen gigantische Mengen von Information im Internet und in Datenbanken nicht nur Erleichterung, sondern verursachen “Arbeit”, aktive Aneignungsarbeit. </li></ul>
  5. 5. Wissen, das wir alle haben <ul><li>Jeder von uns hat einen eigenen Wissensvorrat, aber alle haben teilen auch Wissen gemeinsam. Dieses Wissen gilt als selbstverständlich und unproblematisch. Gewöhnlich müssen wir nicht darüber sprechen. Individuelles Wissen steht in Bezug zum sozialen Wissensvorrat, ist aber nicht damit identisch. </li></ul><ul><li>Soziologische Phänomenologie definiert Lebenswelt Wissensvorrat , der uns handlungsfähig macht. Handlungsfähigkeit bezeichnet Fähigkeit und Bereitschaft eines Akteurs, die gewöhnlichen Probleme des Alltags zu bewältigen (Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten). </li></ul><ul><li>Wissen ist biographisch überformt: Erfahrungshorizont eines Rentners unterscheidet sich von dem einer Schülerin. Aber: Handlungsanforderungen verschieden. </li></ul>
  6. 6. Wissen, das wir alle haben <ul><li>Expertenwissen wird den vom Alltag entfernten Sinnprovinzen zugerechnet: </li></ul><ul><li>Dazu gehört das professionelle Wissen des Mediziners, des Chemikers, des Ingenieurs, des Pädagogen, des Journalisten oder des Juristen. Das professionelle Wissen ist am professionellen Handeln orientiert – es ist auf die Zielsetzung der jeweiligen Profession bezogen. </li></ul><ul><li>Zu den vom Alltag entfernten Sinnprovinzen gehört ebenfalls das wissenschaftliche Wissen, eine andere Variante des Expertenwissens. Es ist auf Wahrheit und Wahrheitsfähigkeit gerichtet. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen im Hinblick auf Wissenschaftsdiskurs relevant sein. </li></ul>
  7. 7. Wissen, das wir alle haben <ul><li>Eine besonders interessante Form des Wissens, die im lebensweltlichen Wissen angesiedelt ist, jedoch im Einzelfall sehr elaboriert sein kann und sehr gern von professionellen Experten verwendet wird, bezieht sich auf die Rahmung . Der Rahmen einer Situation schafft bestimmte Strukturbedingungen für die Akteure. Allerdings kann man eine Situation höchst strategisch gestalten : z.B. ein romantisches Abendessen, ein Bewerbungsgespräch, eine Verhandlung. </li></ul><ul><li>Eng verwandt, aber auf die Durchsetzung von Zielen und Interessen in einer gegebenen Situation gerichtet ist Verhandlungswissen . Wie muss man sich etwa bei Gericht verhalten, um die Ziele und Interessen durchzusetzen? </li></ul><ul><li>Charakteristisch ist Orientierung an Nützlichkeit . </li></ul>
  8. 8. Wissenschaftliches Wissen <ul><li>Von wissenschaftlichem Wissen erwartet man im allgemeinen: </li></ul><ul><li>Systematische Vorgehensweise bei Wissensproduktion. Transparenz im Hinblick auf Vorannahmen, theoretische Zugangsweise und Methodik. Damit soll Nachvollziehbarkeit bzw. Überprüfbarkeit durch andere Wissenschaftler gewährleistet werden. </li></ul><ul><li>Wenn nicht eine falsifikatorische Vorgehensweise, erwartet man zumindest Wahrheits- und Falschheitsfähigkeit der aus einem Forschungsprozess resultierenden Aussagen. </li></ul><ul><li>Universelle Geltung oder – falls diese Zielsetzung Zugeständnisse bei anderen Qualitätsmerkmalen erzwingt - Klarheit über den Geltungsbereich. </li></ul>
  9. 9. Wissenschaftliches Wissen <ul><li>Systematische Einordnung eines neu produzierten Wissens in größere Wissenskontexte (z.B. Bestätigung/Widerspruch) </li></ul><ul><li>Präsentation des wissenschaftlichen Wissens in einer festgelegten Form (z.B. Monografie, Fachzeitschriftenartikel, Buchbeitrag). </li></ul><ul><li>Qualitätssicherung durch Selektionsprozesse mit einem bestimmten, standardisierten Verfahren. Damit soll bestimmt werden, dass nur Wissen von höchster Qualität in den bedeutendsten Erscheinungsformen publiziert wird. </li></ul><ul><li>Wenn neues Wissen den Weg zur Publikation bewältigt hat, ist es der Reputation des Forschers zuträglich; Patente eröffnen Chance auf Realisierung eines ökonomischen Werts. </li></ul>
  10. 10. Wissenschafts-soziologie <ul><li>Suche nach wissenschaftlichem Fortschritt, nach neuer Erkenntnis gilt als selbstverständlich. Wann konkret von Fortschritt zu sprechen ist, ist eine sehr anspruchsvolle Frage und nicht Gegenstand dieses Seminars (vgl. HS „ Empirische Sozialforschung “ und der HS „ Allgemeine Soziologie “). </li></ul><ul><li>Aber andere Fragen gehören dazu: Wie sieht der Weg zu wissenschaftlichen Durchbrüchen im sozialen Sinn aussieht? Welche Kreise befinden über Fortschritt und Qualität der Resultate? Unter welchen sozialen Bedingungen betreiben Wissenschaftler Forschung? Welche Selektionsmechanismen sind wirksam? Welche Milieus kristallisieren sich heraus? </li></ul>
  11. 11. Wissenschafts-soziologie <ul><li>Wie ist zu erklären, dass unterschiedliche Fachrichtungen und Disziplinen im sozialen Raum der Wissenschaften weiter oben (nahe dem Machtpol) oder weiter unten steht? Welche Konsequenzen hat das? Wo ist die Soziologie im Feld der Wissenschaften angesiedelt? </li></ul><ul><li>Welche Strukturmuster des wissenschaftlichen Arbeitens ergeben sich für die Fachrichtungen? – z.B. zwischen den Naturwissenschaften und den Kulturwissenschaften, zu denen auch die Soziologie gezählt wird? Was sind die Besonderheiten der sozialwissenschaftlichen Erkenntnis? </li></ul><ul><li>Wie bestimmt sich die Berufsrolle des Soziologen? </li></ul>
  12. 12. Wissensgesellschaft <ul><li>Ist es gerechtfertigt, die Gegenwartsgesellschaft als Wissensgesellschaft zu charakterisieren? Ist die Gegenwartsgesellschaft mehr als „nur“ eine Informationsgesellschaft, Mediengesellschaft, Kommunikationsgesellschaft, Risikogesellschaft oder einfach als eine kapitalistische Gesellschaft? </li></ul><ul><li>Welche Merkmale definieren die Gegenwartsgesellschaft dann als eine Wissensgesellschaft? Und welches Wissen ist angesprochen? Lebensweltliches Wissen? Expertenwissen? Wissenschaftliches Wissen? Wissen mit Marktwert? </li></ul>
  13. 13. Wissensgesellschaft <ul><li>Von einer Informations gesellschaft spricht man, wenn Information global verfügbar ist, unbegrenzt von A nach B übertragbar ist, sodass Information nicht mehr knapp ist. Technologische Infrastruktur (z.B. Buchdruck, Bibliotheken Datenbanken, Internet) treiben diese Entwicklung voran. </li></ul><ul><li>Von einer Kommunikations gesellschaft spricht man, wenn eine so enorme Vermehrung, Beschleunigung, Verdichtung und Globalisierung von Kommunikation zu beobachten ist, dass eine kritische Schwelle überschritten wird. </li></ul><ul><li>Von einer Mediengesellschaft spricht man, wenn soziale Prozesse im Alltag, im Geschäftsleben oder in der Wissenschaft mediatisiert werden, also medial stattfinden. </li></ul>
  14. 14. Wissensgesellschaft <ul><li>Spezifikum des Wissens in der Wissensgesellschaft </li></ul><ul><li>Wissen muss aktiv erworben werden. Ohne einen aktiven Lernprozess würde man nicht von neuem Wissen sprechen; Wissen erschließt dem Akteur neue, erweiterte Handlungsmöglichkeiten. Machtaspekt bedeutsam. </li></ul><ul><li>Von einer Wissensgesellschaft könnte man sprechen, wenn Wissensproduktion, Wissensdistribution, -organisation, -aneignung und Nutzung von Wissen das soziale Leben fundamental verändert: neue Potenziale/neue Risiken. </li></ul>
  15. 15. Wissensgesellschaft <ul><li>Spezifikum des Wissens in der Wissensgesellschaft </li></ul><ul><li>Wissen muss aktiv erworben werden. Ohne einen aktiven Lernprozess würde man nicht von neuem Wissen sprechen; Wissen erschließt dem Akteur neue, erweiterte Handlungsmöglichkeiten. Machtaspekt bedeutsam. </li></ul><ul><li>Von einer Wissensgesellschaft könnte man sprechen, wenn Wissensproduktion, Wissensdistribution, -organisation, -aneignung und Nutzung von Wissen das soziale Leben fundamental verändert: neue Potenziale/neue Risiken. </li></ul>
  16. 16. Wissensgesellschaft <ul><li>Man könnte auch von einer Wissensgesellschaft sprechen, wenn neue Wissensformen relevant werden – Varianten des Alltagswissens, das professionelle Wissen, das wissenschaftliche Wissen oder auch das Metawissen. </li></ul><ul><li>Und schließlich könnte man von einer Wissensgesellschaft sprechen, Wissensproduktion, Wissensdistribution, -organisation, -aneignung und Nutzung von Wissen fundamental verändern und bisher nicht bekannte Dynamiken entfalten. </li></ul>
  17. 17. Gliederung des Seminars <ul><li>Das Wissen vom Wissen - Einführung [31.10.08] </li></ul><ul><li>Wissen und Wirklichkeit als Produkt sozialer Interaktion [14.11.08] </li></ul><ul><li>Rahmenanalyse als Wissen von der strategischen Rahmung einer Situation [14.11.08] </li></ul><ul><li>Verhandlungswissen und Authentizität bzw. Inszenierung einer Situation [14.11.08] </li></ul><ul><li>Wissenschaftliche Kontinuität oder Revolution? Weber versus Kuhn [05.12.08] </li></ul><ul><li>Insider und Outsider in der Wissenschaft [05.12.08] </li></ul><ul><li>Akademisches Milieu, Eliten und soziale Selektion im akademischen Feld [05.12.08] </li></ul>
  18. 18. Gliederung des Seminars <ul><li>Alles Relativ? Über Subjektivität und Objektivität sozialwissenschaftlicher Erkenntnis [17.12.08] </li></ul><ul><li>Die Besonderheiten der Sozialwissenschaft. [17.12.08] </li></ul><ul><li>Die Berufsrolle des Soziologen - Raushalten oder Einmischen? Weber versus Bourdieu [17.12.08] </li></ul><ul><li>Ist die die Gegenwartsgesellschaft als eine Wissensgesellschaft? Merkmale einer Wissensgesellschaft und Abgrenzung von anderen Zeitdiagnosen [17.01.09] </li></ul><ul><li>Die Ökonomie des Wissens. Ist Wissen Ware und Eigentum? Oder ist Wissen ein Kollektivgut? Streitgespräch [31.01.09] </li></ul><ul><li>Die Politik des Wissens im Lichte der Freiheit der Forschung. Wissenschaftliche Forschung steuern und regulieren oder Freiheit der Forschung und des Forschers? Streitgespräch [31.01.09] </li></ul><ul><li>Schlussbesprechung [31.01.09] </li></ul>
  19. 19. Gliederung des Seminars <ul><li>Das Internet als globale Wissenswelt II – Cyberscience & Online-Forschung [17.12.08] </li></ul><ul><li>Das Internet als globale Wissenswelt III - Wissensproduktion in der Wikipedia. Wikipedia Herausforderung für akademische Disziplinen und Professionen? [17.01.09] </li></ul><ul><li>Das Geschäftsmodell des &quot;Web 2.0&quot; - Die Besonderheiten von Werbung im Internet und die Verflechtung von Providern, Suchmaschinen und Werbung [17.01.09] </li></ul><ul><li>Das Geschäftsmodell des &quot;Web 2.0&quot; - Online-Marktplätze und nicht-marktliche Communities. Verflechtungsstrukturen [31.01.09] </li></ul><ul><li>Die Problematik des Vertrauens im &quot;Web 2.0&quot; [31.01.09] </li></ul>
  20. 20. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Dieser Inhalt ist mit einer Creative Commons Lizenz nach deutschem Recht geschützt. Fragen & Anregungen bitte an Dr. Tina Guenther: mail (at) tguenther (punkt) de

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