Perspektiven des gesellschaftlichen Engagements
von Stiftungen im Fußballsport
14. Hamburger Symposium Sport, Ökonomie und...
Allein der Blick auf die Unternehmensperspektive zeigt das breite Spektrum an Perspektiven
und institutionellen Bedingunge...
Die hohe und steigende gesellschaftliche Relevanz des Sports sowie sich wandelnde
Umfeldbedingungen bringen neue Herausfor...
Der theoretische Bezugsrahmen wird gebildet aus Theorien und Wissensbeständen die geeignet
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Sportinstitutionen gestalten selbst einerseits CSR-Aktivitäten, um gezielt gesellschaftliche
Verantwortung zu übernehmen –...
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von CSR im Sport vergleich...
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Die Strukturanalyse zeigt den Anteil der sportbezogenen Stiftungen an der Stiftungslandschaft
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Ab den 1980er-Jahren ist ein deutlicher Anstieg in der Neugründung von Sport-Stiftungen zu
verzeichnen. Im Jahr 2007 wurde...
Die Betrachtung der Stiftungszwecke bzw. Förderschwerpunkte zeigt die hohe Bedeutung des
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Die regionale Verteilung der Sport-Stiftungen zeigt Schwerpunkte der Stiftungsaktivität im
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Fazit und Ausblick
Die Strukturanalyse zeigt die hohe und steigende Bedeutung der sportbezogenen Stiftungslandschaft. Seit...
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 Wirtschaftliche Bedeutung des Sports?
 2.309.815 Einwohner
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Johannes Sauerwein - Perspektiven des gesellschaftlichen Engagements von Stiftungen im Sport

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Vortrag von Johannes Sauerwein (Hochschule Heidelberg) auf dem 14. Hamburger Symposium Sport, Ökonomie und Medien am 05./06. Juni 2014.

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  • In Deutschland hat das bürgerschaftliche Engagement in seiner Bedeutung in den letzten Jahren stetig zugenommen. Nach Angaben von Mihm (2013) existieren 616.154 Organisationen im gemeinnützigen Bereich des sogenannten „Dritten Sektors“, welche sich um die Zivilgesellschaft bemühen. Insbesondere das Stiftungswesen hat in den vergangenen Jahren europaweit eine Renaissance er­­­fahren. In der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts wurden allein mehr als 11.000 der heutzutage vorhandenen 19.551 Stiftungen in Deutschland registriert. Unter anderem wird unter Bezugnahme auf Theorien des Markt- und Staatsversagens als wesentliche Funktion von Stiftungen hervorgehoben, komplementär zu staat­lichen und privatwirtschaftlichen Institutionen, spezielle Nachfragen aufzugreifen bzw. Unterversorgungen zu kompensieren (Anheier & Appel 2004, 8.) Gegenüber ihrer hohen und steigenden gesellschaft­­lichen Relevanz ist die Datenlage zum Engagement von Stiftungen allerdings nach wie vor als defizitär zu bezeichnen. Vor dem Hintergrund des dynamischen Wachstums der Stiftungslandschaft der ver­gangenen Jahre – zwischen 2001 und 2010 wurden pro Jahr durchschnittlich 891 Stiftungen neu gegründet (BDS 2011) – stellt sich nicht zuletzt zunehmend die Frage nach den Perspektiven ihrer inhaltlich-pro­grammatischen Entwicklung.
  • ? Nur „Corporate“? Was ist mit
    Wenn dann: „betrachtet man beispielsweise….“ aus der Unternehmensperspektive … zeigt schon wie groß das Feld CSR ist

    (Corporate Citizenship bzw. Unternehmensbürgerschaft bezeichnet das bürgerschaftliche Engagement in und von Unternehmen, die eine mittel- und langfristige unternehmerische Strategie auf der Basis verantwortungsvollen Handelns verfolgen und sich über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinaus als „guter Bürger“ aktiv für die lokale Zivilgesellschaft oder z. B. für ökologische oder kulturelle Belange engagieren.

    -Corporate Giving = Spenden, bsp. Tafel e.V.
    -Sponsoring = für verschiedene Zwecke
    -Corporate Volunteering = Engagement der Mitarbeiter, bsp. Deutsche Bank GlaxoSmithKline
    -Cause Related Marketing = Zweckgebundenes Marketing: bsp. Krombacher Volvic
    -Social Comissioning = Aufträge an NPOs als Dienstleister oder Zulieferer
    -Community Joint Venture = Gemeinsame Entwicklung von Produkten
    -Social Lobbying = Nutzung von Kontakten und Einfluß von Unternehmen
    -Venture Philantrophy = Investition von Risiko-Kapital in soziale Projekte (HORIZONT e.V.))
  • Auch im und für den Sport spielen Stiftungen eine immer größere Rolle. Neben Kommerzialisierung und Professionalisierung sowie dem zunehmenden Druck auf seine Akteure zu ökonomisch-rationalem Handeln haben die politische Relevanz und die öffentliche Wahrnehmung der sozialen Bedeutung des Sports stark an Bedeutung gewonnen. Einerseits übernimmt der Sport per se gesellschaftliche Verantwortung, andererseits bedient sich die Gesellschaft bzw. Unternehmen des Sports, um gesellschaftliche Verantwortung auszuüben und, im Sinne von CSR Konzepten, kommunikative und letztlich wiederum ökonomische Ziele zu erreichen. Besonders die Rechtsform Stiftung wird genutzt, um gesellschaftliches Engagement mit Sport umzusetzen. Doch ist in der Praxis bisher nicht untersucht, wie groß das gesellschaftliche Engagement durch Stiftungen tatsächlich ist bzw. wie viele Stiftungen in Deutschland existieren, die mit Sport oder explizit den Sport fördern. Allerdings sind Untersuchungen über die deutsche Stiftungslandschaft seit über zwei Jahrzehnten fester Bestandteil der Arbeit des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen e.V. Neben der stetigen Aktualisierung der Datenbasis von Stiftungserrichtungen, -bestand und –dichte, werden auch die Stiftungszwecke erforscht. Der BDS hat zur besseren Übersicht 42 Stiftungszwecke in sieben Hauptzweckgruppen eingeteilt. Jedoch kann diese Untersuchung keinerlei Auskunft darüber geben, wie groß das gesellschaftliche Engagement von Stiftungen mit/von Sport ist. Es bleibt also festzuhalten, dass eine Strukturanalyse der deutschen Stiftungslandschaft von Stiftungen mit/von Sport differenziert auszuarbeiten war. Ziel ist eine Strukturanalyse sowie das Beschreiben und Erklären von Perspektiven des gesellschaftlichen Engagements im Sport.
  • Zur Beantwortung der Forschungsfragen und zur Auseinandersetzung zwischen Stiftungen und deren Programmatik werden verschiedene Theorien und Wissensstände herangezogen, die zusammen ein in sich geschlossenes Konzept ergeben.
    Die Wahl auf den theoretischen Bezugsrahmen mit seinem Fokus auf zukünftige programmatische Ausrichtung der Stiftungen – besonders Umfang und Maßnahmen des Engagements – ermöglicht es, synergetische Effekte zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und dem Sport darzustellen.
  • Die steigende Tendenz, sich mit Stiftungen gesellschaftlich zu engagieren, ist auch in den Institutionen des deutschen Fußballs erkennbar. Immer mehr Mitgliedsverbände des Deutschen Fußball-Bundes, Vereine und Kapitalgesellschaften der beiden Lizenzligen sowie mehr als ein Dutzend aktuelle und ehemalige Nationalspieler sind als Stifter engagiert. Vor diesem Hintergrund kommt es im Oktober dieses Jahres in Jena zum ersten Dialogforum der Fußball-Stiftungen „Fußball stiftet Zukunft“. Die Ausrichtung dieses Kongresses steht exemplarisch für die Relevanz der Thematik.
  • Es zeigte sich, dass die identifizierte Problemstellung in der Literatur bisher noch nicht ausreichend beantwortet wurde, und somit war die Voraussetzung für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung geschaffen. Zu nennen sind hier die Studien „Zwischen Sponsoring und Corporate Social Responsibility: Förderung von Non-Profit Organisationen im Sport“ von Stefan Vater, „Übernahme sozialer Verantwortung im deutschen Profifußball“ von Boris Martin oder auch „Sportförderung in Ballungsräumen / Zur Rolle von Stiftungen in der Sportförderung“ von Dr. Christoph Breuer.

  • 7
  • Die Ergebnisse der Strukturanalyse zeigen, dass sich grundlegend vier Kategorien von Stiftungen mit/von Sport aus dem Gesamttopf der 18.700 Tsd. Stiftungsporträts unterscheiden lassen.
    Relevante Stiftungen: Relevante Stiftungen kennzeichnen alle Stiftungen, die innerhalb der Summe aller ihrer Zwecknennungen auch mit/von Sport fördern. Dieser Analyse liegt eine ungewichtete Betrachtungsweise zugrunde, da viele Stiftungen mehrere Zwecke verfolgen. Ist nur einer dieser Zwecke Sport, oder wird nur einer dieser Zwecke durch den Sport erreicht, wird die jeweilige Stiftung dieser Kategorie zugeordnet. Insgesamt konnten 1.400 relevante Stiftungen identifiziert werden.
    Sport-Stiftungen: Sport-Stiftungen kennzeichnen alle Stiftungen, die entweder a) innerhalb der Summe aller ihrer Zwecknennungen mit/von Sport fördern, b) nur den einzigen Zweck mit/von Sport zu fördern besitzen, c) oder aufgrund der Herkunft des Stiftertypus ausdrücklich dem Sportsektor zuzuordnen sind. Dieser Analyse liegt eine gewichtete Betrachtungsweise zugrunde, da aufgrund der drei oben genannten Kriterien-Maßstäbe die jeweiligen Hauptzwecke analysiert wurden. Ist der Hauptzweck einer Stiftung die Förderung des Sports, oder die Förderung durch den Sport, wird die jeweilige Stiftung dieser Kategorie zugeordnet. Insgesamt konnten 241 Sport-Stiftungen identifiziert werden.
    Fußball-Stiftungen:
    Fußball-Stiftungen kennzeichnen alle Stiftungen, die entweder a) innerhalb der Summe aller ihrer Zwecknennungen mit/von Fußball fördern, b) nur den einzigen Zweck mit/von Fußball zu fördern besitzen, c) oder aufgrund der Herkunft des Stiftertypus ausdrücklich dem Fußballsport zuzuordnen sind. Auch dieser Analyse liegt eine gewichtete Betrachtungsweise zugrunde, da aufgrund der drei oben genannten Kriterien-Maßstäbe der jeweilige Hauptzweck analysiert wurde. Liegt der Hauptzweck einer Stiftung in der Förderung des Fußballs, oder in der Förderung durch den Fußball, wird eine Stiftung dieser Kategorie zugeordnet. Insgesamt konnten 55 Fußball-Stiftungen identifiziert werden.
    Innerhalb der Thesis erfolgte eine detaillierte Analyse der Fußball-Stiftungen in Fußball-externe, Fußball-interne (welche sich im Fußballsport engagieren) und weitere Fußball-interne (welche sich aber nicht im Fußballsport engagieren) Stiftungen.
  • Entwicklung des gesellschaftlichen Engagements mit/von Sport Um zur potenziellen Entwicklung des gesellschaftlichen Engagements von Stiftungen mit/von Sport Aussagen treffen zu können, wurden die jeweiligen Errichtungsangaben der Stiftungen ausgewertet Erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Stiftungen errichtet, die die Kriterien einer Sport-Stiftung erfüllen. Auffällig ist, dass erst ab den 1980er-Jahren ein erheblicher Anstieg in der Neugründung von Sport-Stiftungen zu verzeichnen ist. Ingelhard (1977) hat für diese Zeit erstmals das Bild einer postmateriellen Gesellschaft entwickelt. Auf der Grundlage einer empirischen Untersuchung über den Wertewandel fand er heraus, dass Beruf und Arbeit nicht mehr sinnstiftend und vorrangig für die Lebenswerte der Gesellschaft sind. Er entwarf das Bild einer postmateriellen Gesellschaft, in welcher der Wunsch nach Selbstverwirklichung, Lebensgenuss und Selbstbestimmung als neue Gesellschaftswerte steht (Heinemann, 2007, S. 321). Eine Interpretation der Entwicklung der Stiftungs-Neugründungen, insbesondere des zunehmenden sportlichen Engagements, kann somit getroffen werden. Was nur die Entwicklung der Sport-Stiftungen angeht, so lässt sich tendenziell feststellen, dass bis in das Jahr 2010 ein stetiger Anstieg in der Neugründung zu verzeichnen ist. Im Jahr 2008 konnte mit der Anzahl von 16 Sport-Stiftungen ein absoluter Spitzenwert gemessen werden, was die Neugründung von Sport-Stiftungen betrifft. Wahrscheinlich ist, dass die überwältigenden Eindrücke der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland sich positiv auf die Entwicklung der Sport-Stiftungen ausgewirkt haben.
  • Zwecke der Stiftungen
    Neben dem Vermögen bezeichnet vor allem der Zweck das konstitutive Merkmal einer Stiftung (vgl. BDS, 2011b. S. 34). Eine Gemeinsamkeit nahezu aller Stiftungen trotz Unterschiedlichkeit ihrer Schwerpunktsetzung und Zweckbindung besteht darin, dass ein Bereich gesellschaftlicher Aufgaben gefördert wird, der nach Ansicht des Stifters noch nicht ausreichend gefördert oder anerkannt ist (ebenda). Die Sportförderung und die Förderung mit Sport sind dabei eine tragende Säule des gesellschaftlichen Engagements von Stiftungen. Offensichtlich besitzt der Sport - sowohl aktiv gefördert als auch als Mittel zum Zweck – nicht nur eine hohe Förderungskraft, erzeugt beachtliche Image- und Wertschöpfungseffekte, sondern wird besonders als noch nicht angemessen berücksichtigt empfunden. In der Industrie- und Bürgergesellschaft vollzieht sich aktuell ein Wertewandel, und davon scheint besonders der Sport zu profitieren.
     
    Es ist eine Beobachtung aus der Praxis, dass viele beherrschenden, in der Öffentlichkeit stark diskutierte Themen sich mit einer zeitlichen Verzögerung von mehreren Jahren in Stiftungsgründen und damit Stiftungszwecken wiederfinden (vgl. BDS, 2011b, S. 36). Die traditionell prominenteste deutsche Sportart Fußball nimmt daher wenig verwunderlich eine wichtige Rolle in den Satzungs- und Sitzungszwecken der 241 Sport-Stiftungen ein. Im Folgenden befinden sich die wichtigsten Ergebnisse aus der Analyse der Sport-Stiftungen. Diese Analyse ist ungewichtet erarbeitet, sodass quantitative Ergebnisse Aussagen über alle betroffenen Sportarten liefern:
    In über der Hälfte aller Sport-Stiftungen (61,41%) wird der Sport allgemein gefördert.
    In über ein Fünftel aller Sport-Stiftungen (22,82%) wird der Fußballsport gefördert. Dem Fußballsport kommt somit eine herausragende Stellung zu.
    Der Rudersport wird in über fünf Prozent (6,22%) aller Sport-Stiftungen gefördert – womit dem Rudersport der dritthöchste Wert zugutekommt.
    Der Behindertensport wird in den Sportstiftungen nur marginal gefördert (3,31%).
    Der Sport allgemein umfasst die Förderung des Kinder-, Jugend-, Breiten-, Leistungs-, Spitzen-, Freizeit und Leichtathletiksports sowie Turnvereine und Maßnahmen zur sozialen Integration.

    König Fußball Deutlich ist zu erkennen, dass dem Fußballsport eine herausragende Stellung zukommt. Die Förderung des allg. Sports ist nur knapp dreimal so stark wie die des Fußballsports – ein überraschendes Ergebnis, denn die analysierten Sport-Stiftungen fördern explizit mit/von Sport.

  • Regionale Verteilung des gesellschaftlichen Engagements mit/von Sport Betrachtet man die Entwicklung des gesellschaftlichen Engagements mit/von Sport, so ist die regionale Verteilung der identifizierten Stiftungen höchst unterschiedlich.
    Die Spitzenplätze bei der regionalen Verteilung von Sport-Stiftungen – in absoluten Zahlen – belegen der Süden und der Westen der Republik. Das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen liegt mit 47 Sport-Stiftungen an erster Stelle, dicht gefolgt von Bayern mit 35 sowie Niedersachsen mit 29 Sport-Stiftungen. Rein bezogen auf die Einwohnerzahlen sind in den Bundesländern die Hessen, welche in den absoluten Zahlen den vierten Platz belegen, am stiftungsfreudigsten mit/von Sport. Auf dem fünften Platz liegt das Bundesland Baden-Württemberg mit insgesamt 26 Sport-Stiftungen. In den Bundesländern Hamburg, Berlin, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz existieren relativ geringe Unterschiede in der Anzahl von Sport-Stiftungen.
    Insgesamt beträgt der Anteil der Sport-Stiftungen aus den Neuen Bundesländern (ohne Berlin) nur sieben Prozent (7,02%). Vergleicht man den Anteil der Sport-Stiftungen aus den Neuen Bundesländern seit der Deutschen Wiedervereinigung bzw. seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts, zeigt sich ein sehr ähnliches Ergebnis. Hier liegt der Anteil bei jeweils knapp acht Prozent (7,92% bzw. 8,16%). Betrachtet man die Gesamtzahl aller Stiftungen, werden im Osten Deutschlands immer noch erheblich weniger Stiftungen errichtet als im Westen (BDS, 2011b, S. 23). Die geringe Zahl an der Gesamtzahl aller Stiftungen erklärt sich aus der deutschen Geschichte und aus der wirtschaftlichen Lage.
  • Innerhalb der Befragung nach den Ebenen der Stiftungsaktivitäten wurde zwischen sechs Kategorien unterschieden. Die Auswertung der Nennungen ergibt, dass über ein Viertel aller befragten Stiftungen (25,51%) sich auf der Gemeinde-/Stadtebene und wiederum knapp ein Viertel (23,46%) auf der regionalen Ebene engagieren. Die Stiftungsaktivitäten auf den Ebenen Stadtteilebene (15,30%), nationale Ebene (16,32%) und Gemeinde-/Landesebene (13,26%) sind mit rund 15 Prozent aller Nennungen in etwa gleich stark bewertet. Interessant ist hier zu nennen, dass nur 4,08 Prozent aller Stiftungsaktivitäten auf der europäischen Ebene angesiedelt sind. Die Ergebnisse zeigen, dass das gesellschaftliche Engagement mit/von Sport durch Stiftungen daher besonders auf kommunaler Ebene umgesetzt wird.
    Stadtteilebene, Regionale Ebene, Nationale Ebene, Gemeinde-/Stadtebene, Gemeinde-/Landesebene und Europäische Ebene.
  • Johannes Sauerwein - Perspektiven des gesellschaftlichen Engagements von Stiftungen im Sport

    1. 1. Perspektiven des gesellschaftlichen Engagements von Stiftungen im Fußballsport 14. Hamburger Symposium Sport, Ökonomie und Medien - Sport und Stadtmarketing 05. – 06. Juni 2014 Session 9: MHMK Young Science Award (Raum Rio) Johannes Laurent Sauerwein SRH Hochschule Heidelberg Freitag, 06. Juni 2014
    2. 2. Allein der Blick auf die Unternehmensperspektive zeigt das breite Spektrum an Perspektiven und institutionellen Bedingungen des gesellschaftlichen Engagements Corporate Giving Corporate Foundations Stiftungen Corporate Volunteering Cause Related Marketing Sponsoring Social Comissioning Community Joint Venture Social Lobbying Venture Philanthropy Corporate Citizenship-Mix Quelle: Daberstiel, 2008, o.S.
    3. 3. Die hohe und steigende gesellschaftliche Relevanz des Sports sowie sich wandelnde Umfeldbedingungen bringen neue Herausforderungen mit sich, bergen aber auch Chancen Trends Angespannte öffentliche Kassenlage bei Bund, Ländern und Kommunen sowie Rückgang von staatlichen Subventionen Verstärkte Rechtfertigung der Mittelverwendung für Sport Diskussion über olympische Medaillenzielvereinbarung Fehlende Mittel zur Breiten- und Spitzensportförderung Vermehrtes gesellschaftliches Engagement im Sport AnforderungenandenSport Ausbau der Innenfinanzierung des Sports Stärkere Vermarktung des Sports als CSR-Plattform Politisch-rechtliche Trends im Sport WandelderSportfinanzierung Quelle: Vgl. u.a. Freyer (2011), Keller (2011)
    4. 4. Der theoretische Bezugsrahmen wird gebildet aus Theorien und Wissensbeständen die geeignet sind, den Fortbestand sowie die steigende Bedeutung von Stiftungen in unserer Gesellschaft zu erklären. Diese lassen sich, je nach zu Grunde liegender Perspektive, wie folgt ordnen: 1. Stifterperspektive: Unter der Vielzahl an philanthropischen Aktivitäten hat die Stiftung Vorteile und genießt besondere Vertrauenswürdigkeit (Institution Philanthropie, vgl. Anheier & Appel 2004, Hansman 1987). 3. Staatliche Perspektive: Stiftungen sind in zweifacher Hinsicht nützlich:.. 3. Zivilgesellschaftliche Perspektive: Stiftungen sind als finanziell unabhängige Institutionen die „Spareinlagen“ einer funktionierenden Zivilgesellschaft. Sie helfen bei der Finanzierung innovativer, gegebenenfalls riskanter Projekte, die weder vom Staat noch vom Markt unterstützt würden (Anheier & Appel 2004). 2. Staatliche Perspektive: Stiftungen ergänzen staatliche & marktliche Aktivitäten dort, wo Bedarf herrscht bzw. wo es politisch sinnvoll erscheint (Markt- und Staatsversagen, u.a. Hansman 1987). Sie können zudem vom Staat instrumentalisiert werden (third-Party Government, Salamon 2002; Symbolical Politics, Edelman 1964).
    5. 5. Sportinstitutionen gestalten selbst einerseits CSR-Aktivitäten, um gezielt gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen – andererseits können sie Dritten, in erster Linie Partnern aus der Wirtschaft, als CSR-Plattform dienen : Quelle: Böhm, 2011, o.S. 1. Unternehmerische CSR-Maßnahmen im Sport haben das Ziel, Goodwill in der Gesellschaft zu erreichen und werden als ökonomische Investition verstanden. 6. Positionierung  wie positionieren wir uns im Fachkongressfeld? 3. Unternehmen wollen sich durch CSR im Sport als Förderer der Gesellschaft positionieren und Reputationseffekte erlangen. 4. CSR-Engagements im Sport sollen die Mitarbeiter von Unternehmen motivieren und der Organisation Wettbewerbsvorteile verschaffen. 2. Mit CSR-Projekten im Sport wird angestrebt, die Darstellung von Organisationen in der Öffentlichkeit zu verbessern und so das Image zu stärken. 5. Partnerschaften und die Verbundenheit zu Stakeholdern sollen durch CSR im Sport gesteigert werden.
    6. 6. „Im Gegensatz zur allgemein geführten Diskussion über die Thematik CSR, ist der Forschungsstand von CSR im Sport vergleichsweise gering“ Breitbarth & Harris, 2008, o. S., zitiert nach Boehm, 2011, o. S „Mit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, die der Sport in den letzten Dekaden durchlebt hat, findet die Relevanz von CSR im Sport zunehmend Anerkennung“ Bradish & Cronin, 2009, o. S.; Walter & Kent, 2009, o. S., zitiert nach Boehm, 2011, o. S. „Durch seine soziale Orientierung wird der Sport gleichzeitig als soziale sowie wirtschaftliche Institution anerkannt und kann deshalb optimal als Träger von CSR-Maßnahmen genutzt werden“ Sheth & Babiak, 2009, o. S.; Smith & Westerbeek, 2007, o. S., zitiert nach Boehm, 2011, o. S „Die soziale Kraft des Sports vereint Individuen zu Gemeinschaften und erzeugt gesellschaftlich wichtige Ressourcen wie z.B. soziales Kapital “ Smith & Westerbeek, 2007, o. S., zitiert nach Boehm, 2011, o. S.
    7. 7. Strukturanalyse: Sekundäranalytische Betrachtung aller 18.162 im Bundesverband Deutscher Stiftungen veröffentlichten Stiftungen Standardisierte, quantitative Erhebung (N=102, Rücklauf 27,7 %) Ableitung zentraler Forschungshypothesen und -desiderata als Ausgangspunkte für die weitere Forschung Es wurden, im Sinne einer explorativen Herangehensweise, zwei aufeinander aufbauende Forschungsmethoden angewendet. Die Strukturanalyse dient dabei als Grundlage und bietet die Möglichkeit, verborgene Strukturen zu entdecken
    8. 8. Die Strukturanalyse zeigt den Anteil der sportbezogenen Stiftungen an der Stiftungslandschaft und lässt eine Unterteilung nach Umfang und Inhalt des Engagements im/mit Sport zu Quelle: eigene Darstellung / Strukturanalyse 18.162 1.400 241; 17% 55 ; 4% 8% Strukturanalyse Sport und Stiftungen Die Strukturanalyse macht unsichtbare Strukturen sichtbar Stiftungen insgesamt Stiftungen relevant Stiftungen "Sport" Stiftungen "Fußball" Stiftungen, die im Hauptzweck Sport fördern, sind deutlich jünger (arithm. Mittel: 15,45 Jahre vs. 28,7 Jahre.
    9. 9. Ab den 1980er-Jahren ist ein deutlicher Anstieg in der Neugründung von Sport-Stiftungen zu verzeichnen. Im Jahr 2007 wurden 143 Stiftungen neu gegründet, die sich im Sport engagieren (relevante Stiftungen) 0 20 40 60 80 100 120 140 160 2010 2008 2006 2004 2002 2000 1998 1996 1994 1992 1990 1988 1986 1984 1982 1980 1978 1976 1974 1972 1970 1968 1936 1934 1929 1927 1889 1834 1740 1543 AnzahlNeugründungen Zeitübersicht Quelle: eigene Darstellung / Strukturanalyse Es besteht kein Zusammenhang zwischen Alter der Stiftungen und Anzahl der Stiftungszwecke (tau b 097, n.sg.). Mit zunehmenden Alter nimmt allerdings das Ausmaß an operativer Stiftungstätigkeit zu (.000**).
    10. 10. Die Betrachtung der Stiftungszwecke bzw. Förderschwerpunkte zeigt die hohe Bedeutung des Engagements im/mit Fußball Auswertung der Sport-Stiftungen hinsichtlich des Stiftungszwecks, des Satzungszwecks und des Stifters Sportallg.* Fußballsport Rudersport Behindertens… Reitsport Schwimmsport Wintersport Schießsport Kampfsport Wassersport Schachsport Handballsports Tanzsport Motorsport Sportdidaktik Golfsport Segelsport Basketballsport Luftsport Hockeysport Tennissport Faustballsport Radsport Badmintonsp… Billiardsport Bergsteigers… Volleyballsport 148 55 15 8 8 6 5 5 4 4 3 3 3 2 2 2 2 2 2 2 2 1 1 1 1 1 1 * Umfasst Kinder-, Jugend-, Breiten-, Leistungs-, Spitzen-, Freizeit und Leichtathletiksport, sowie Turnvereine und Maßnahmen zur sozialen Integration. 84% 16% Gesellschaftliches Engagement im Sport Sport total Fußballsport Quelle: eigene Darstellung / Strukturanalyse
    11. 11. Die regionale Verteilung der Sport-Stiftungen zeigt Schwerpunkte der Stiftungsaktivität im Westen bzw. Süden der Bundesrepublik Süden 26 35 Bayern Baden- Württenberg Westen 47 29 28 13 1 Saarland Rheinland-Pfalz Hessen Niedersachsen Nordrhein- Westfalen Osten 13 9 5 2 1 Thüringen Brandenburg Sachsen-Anhalt Sachsen Berlin Norden 18 13 2 0 Mecklenburg- Vorpommern Bremen Schleswig- Holstein Hamburg Quelle: eigene Darstellung / Strukturanalyse
    12. 12. 15% 24% 16% 26% 13% 4% 1% 1% Ebene der Stiftungsaktivitäten² Stadtteileben Regionale Ebene Nationale Ebene Gemeinde-/Stadtebene Gemeinde-/Landesebene Europäische Ebene Übersee Vereinsebene Die Verteilung der Stiftungsaktivitäten zeigt einen deutlichen Schwerpunkt des Engagements auf regionaler bzw. lokaler Ebene ² Gemessen an der Gesamtzahl der jew. Projekte, Fragebogenstudie, n= 71, Mehrfachnennungen. Quelle: eigene Darstellung / Fragebogenstudie
    13. 13. Fazit und Ausblick Die Strukturanalyse zeigt die hohe und steigende Bedeutung der sportbezogenen Stiftungslandschaft. Seit den 1980er Jahren ist ein enormer Anstieg in den Stiftungsneugründungen zu verzeichnen. Eine weitere Analyse ist vor dem Hintergrund des defizitären Forschungsstandes als Desideratum zu bezeichnen. Der Vergleich der Stiftungsaktivitäten nach Sportarten und Förderschwerpunkten zeigt die hohe Bedeutung des Engagements im/mit Fußball. Gerade der Fußball bietet das Potenzial breite Bevölkerungskreise anzusprechen; je mehr unterschiedliche Zielgruppen eine Stiftung erreichen will, desto eher engagiert sie sich im Fußball. Eine weitere Analyse kann helfen, den betroffenen Stiftungen wichtige Hinweise, ihre programmatischen Ausrichtung und Perspektiven der Zielerreichung betreffend, zu geben.
    14. 14. Forschung Forschung  484 Stiftungen  Wirtschaftliche Bedeutung des Sports?  2.309.815 Einwohner  67,5 Mrd. EUR Wertschöpfung  2.700 eingetragene Vereine  850.000 Mitglieder in Sportvereinen Sport stiftet Zukunft - Studie zum Wert des Sports aus volkswirtschaftlicher und sozio-ökonomischer Perspektive für die Metropolregion Rhein-Neckar Sport und Sportvereine sind eine tragende Säule des Gemeinwohls in der Metropolregion Rhein-Neckar. Sport ist aber auch ein Wirtschaftsfaktor. Aktuell liegt für die Metropolregion Rhein-Neckar kein belastbarer und umfassender Datensatz zur wirtschaftlichen Bedeutung des Sports von privaten und öffentlichen Unternehmen, der Vereine und der Länder etc. (primär Kommunen) vor, um die volkswirtschaftlichen und sozio-ökonomischen Effekte des Sports für die Metropolregion Rhein-Neckar abzuschätzen. Ohne einen solchen Datensatz (Gesamterhebung und betriebswirtschaftliche tangible/intangible Kennzahlen sowie deren monetäre Quantifizierung) können die mit/von Sport resultierenden Wertschöpfungsbeiträge nicht ermittelt werden und somit nicht den Standortfaktor der Metropolregion Rhein-Neckar weiter verstärken.

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