Deer in the headlights
Informationsüberflutung und wie man
damit umgehen könnte: 3 Thesen




»Alles muß im Überfluß vorhanden sein«
– Tocotronic, Hi Freaks
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Beispiel YouTube

• 2006: 65.000 neue Videos täglich

• 2007: in 1 Minute 6h neues Videomaterial

• 2010: in 1 Minute 24h neues Videomaterial
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Beispiel Tagezeitungen

• 1650: 1 Zeitung mit einer Auflage von stück 200

• 2006: 353 Zeitungen mit einer gesamtauflage von 21,19 Mio. stück
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Informationsüberflutung?



»Die schreckenerregende Vielzahl von Büchern,
die ständig zunimmt, stürzt uns in unheilvolle
Verzweiflung.«

– gottfried Wilhelm leibniz, schriften zur logik, 1680
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These 1


Informationsüberflutung ist kein außergewöhnlicher
status, sondern der zwangsläufige normalfall seit
der Moderne.
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Was und ab wann ist die Informationsgesellschaft?

• um 1920: nobert Wiener und Teilhard de Chardin

•	 Noosphäre: gesellschaft wächst durch Information und Technologie
   zusammen
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Was bedeutet Macht in der Informationsgesellschaft?

• Distribution

• Verwertung

• Aggregation



   Gatekeeping
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Wer verteilte Information?

• Zeitung

• Fernsehen

• radio

• Magazine

• Bücher

• also, personalisiert: Journalisten



   Und heute?
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These 2

Das Internet ist mehr als ein weiteres Medium,
weil es die bisherigen medialen Techniken
nahtlos (?) und mit nur geringen reibungsverlusten
inkorporiert.




(aber: es ist zugleich weder Heilsbringer, noch Versprechen der
Informations-Apokalypse)
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Information ≠ Wissen

•	 informare: eine Form, gestalt, Auskunft geben

• Wissen ist die produktiv gemachte, verarbeitete Menge an
  Informationspartikeln zu einem gegebenen Thema

• Beispiel Wikipedia: generiert Information aus Partikularwissen, der
  nutzer transformiert es zu Wissen

• Wissen ist die Bewältigung von Information
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Was geschieht, wenn wir Information »bewältigen«?

•	 learning	to	cope

• den Code des Informationsangebots durchschauen

• z.B. früher: In welchem Buch einer Zeitung finde ich einen Bericht
  über das gestrige Fußballspiel? Wo steht eine redaktionelle
  einschätzung der aktuellen Kommunalwahl etc.

• heute: Was verrät mir das Design einer seite über ihren Inhalt? Was
  sind wiederkehrende strukturen verschiedener seiten: Favicon
  und rss-symbol, die Zahl neben dem Titel eine Blogeintrages,
  Paginierung …

• Webdesign ist Produktdesign ist Kommunikationsdesign ist
  sTrUKTUr
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Also:

Was bedeutet »Den Wald vor lauter Bäumen nicht
sehen«?

• die struktur nicht sehen

• den Code nicht verstehen
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These 3

es gibt 4 Typen bzw. strategien zur
Informationsbewältigung:

• Vogel-strauß-Taktik

• Deer in the headlights

• Hühner-strategie

• Trüffelschwein-Taktik




(sorry, kein Cat-Content.)
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Vogel-strauß-Taktik

• Medienrezeption verlässt sich obrigkeitshörig und ausschließlich
  auf die traditionellen Player

• authoritätsbetonend

• negiert subjektive Bedürfnisse

• »Kopf in den sand stecken«
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Deer in the headlights

• Versuch der Fülle der Information in nuce gewahr zu werden

• erkennt und verzweifelt ob der Möglichkeiten

• schockstarre

• wird von Informationslawine überrollt
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Hühner-strategie

• Von überall (Informations-)Krumen picken

• verfügt über keine Werkzeuge außerhalb seiner Peer-group und
  szene

• gering strukturiert

• verfügt über keinen Tool-Pool

• nach Belieben –> strategie der Digital	Naives
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(symbolbild)
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Trüffelschwein-Taktik

• Definiert sein Ziel und die ungefähren Informationsquellen im
  Voraus

• ist sich seiner Partikularinteressen bewusst

• akzeptiert Autoritäten, lässt aber neue Player zu

• relevanzmessung durch empfehlung (Kommunikation) mehr als
  durch klassische Werbestrategien

• sucht seine Werkzeuge zu jedem einzelnen Task aus einem im
  Hintergrund stets mitschwimmenden Tool-Pool zusammen

• akzeptiert und heisst Diversifikation der Werkzeuge willkommen

• greift auf adäquaten	Tool-Pool zurück
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Journalistische Tugenden

• werden zur allgemeinen richtschnur bei der
  Informationsbeschaffung

• Quellensicherheit

• skepsis

• recherchevermögen

• grundlegendes Verständnis des Codes

• grundlegendes Verständnis der Dynamik von Information
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soziale netzwerke in der Infosphäre?                               1/2

• Die Kakophonie des lifestreams

• »ein Datenstrom kontextbefreiter Information« (Peter Kruse)

• Kuratieren des eigenen lifestreams

• netzwerke organisieren weniger die Information, sie geben dem
  nutzer (und nutzergruppen) Tools an die Hand, um die Information
  ihnen gemäß zu bündeln.

• »Aus der Musterbildung entsteht Wahrheit« (Peter Kruse)
  ( Pointilismus)
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soziale netzwerke in der Infosphäre?                              2/2

• Myspace als netzwerk zweiter Klasse: Homepages innerhalb eines
  netzwerkgeflechts

• Facebook als netzwerk erste Klasse: Weg von der Homepage, hin
  zum Multi-User-stream

• Was verändert das in der Infosphäre?



 evolution der Empfehlungssyteme:

• 1. generation: Amazon

• 2. generation: lovelyBooks
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nachweise

• Foto Folie 16: Flickr.com, gelöscht

• Foto Folie 18: HamburgerJung, Flickr.com, http://www.flickr.com/photos/
  hamburgerjung/4460649944/

• Foto Folie 19: hddod, Flickr.com, http://www.flickr.com/photos/hddod/536392298/

• Foto Folie 21: das_sabrinchen, Flickr.com, http://www.flickr.com/photos/das_
  sabrinchen/4218300417/

• schrift: grandesign neue serif (unter CC-lizenz)
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Vielen Dank!

     Mehr zu mir:
      http://www.viess.org

     Weiterdiskutieren ab Dienstag auf:
      http://aviess.posterous.com

     Diesen Vortrag online sehen und downloaden:
      http://slideshare.net/aviess/buchcamp




Die Inhalte dieses Vortrages stehen mit Ausnahme der Fotos unter der Creative-Commons-lizenz by-
nc (namensnennung, nicht kommerziell). D.h. sie dürfen die Inhalte weitergeben, verändern und
weiterverarbeiten, solange dies nicht zu kommerziellen Zwecken geschieht und sie mich, Alexander
Vieß, als Urheber des Originalvortrages angeben.
Weitere Informationen zu den Creative Commons entnehmen sie bitte http://de.wikipedia.org/wiki/
Creative_commons oder http://de.creativecommons.org/
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nochmal: 3 Thesen zur Diskussion

• Informationsüberflutung ist kein außergewöhnlicher status,
  sondern der zwangsläufige normalfall seit der Moderne.

• Das Internet ist mehr als ein weiteres Medium, weil es die
  bisherigen medialen Techniken nahtlos (?) und mit nur geringen
  reibungsverlusten inkorporiert.

• es gibt 4 Typen bzw. strategien zur Informationsbewältigung:
  Vogel-strauß-Taktik
  Deer in the headlights
  Hühner-strategie
  Trüffelschwein-Taktik

buchcamp

  • 1.
    Deer in theheadlights Informationsüberflutung und wie man damit umgehen könnte: 3 Thesen »Alles muß im Überfluß vorhanden sein« – Tocotronic, Hi Freaks
  • 2.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 2 Beispiel YouTube • 2006: 65.000 neue Videos täglich • 2007: in 1 Minute 6h neues Videomaterial • 2010: in 1 Minute 24h neues Videomaterial
  • 3.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 3 Beispiel Tagezeitungen • 1650: 1 Zeitung mit einer Auflage von stück 200 • 2006: 353 Zeitungen mit einer gesamtauflage von 21,19 Mio. stück
  • 4.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 4 Informationsüberflutung? »Die schreckenerregende Vielzahl von Büchern, die ständig zunimmt, stürzt uns in unheilvolle Verzweiflung.« – gottfried Wilhelm leibniz, schriften zur logik, 1680
  • 5.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 5 These 1 Informationsüberflutung ist kein außergewöhnlicher status, sondern der zwangsläufige normalfall seit der Moderne.
  • 6.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 6 Was und ab wann ist die Informationsgesellschaft? • um 1920: nobert Wiener und Teilhard de Chardin • Noosphäre: gesellschaft wächst durch Information und Technologie zusammen
  • 7.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 7 Was bedeutet Macht in der Informationsgesellschaft? • Distribution • Verwertung • Aggregation  Gatekeeping
  • 8.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 8 Wer verteilte Information? • Zeitung • Fernsehen • radio • Magazine • Bücher • also, personalisiert: Journalisten  Und heute?
  • 9.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 9 These 2 Das Internet ist mehr als ein weiteres Medium, weil es die bisherigen medialen Techniken nahtlos (?) und mit nur geringen reibungsverlusten inkorporiert. (aber: es ist zugleich weder Heilsbringer, noch Versprechen der Informations-Apokalypse)
  • 10.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 10 Information ≠ Wissen • informare: eine Form, gestalt, Auskunft geben • Wissen ist die produktiv gemachte, verarbeitete Menge an Informationspartikeln zu einem gegebenen Thema • Beispiel Wikipedia: generiert Information aus Partikularwissen, der nutzer transformiert es zu Wissen • Wissen ist die Bewältigung von Information
  • 11.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 11 Was geschieht, wenn wir Information »bewältigen«? • learning to cope • den Code des Informationsangebots durchschauen • z.B. früher: In welchem Buch einer Zeitung finde ich einen Bericht über das gestrige Fußballspiel? Wo steht eine redaktionelle einschätzung der aktuellen Kommunalwahl etc. • heute: Was verrät mir das Design einer seite über ihren Inhalt? Was sind wiederkehrende strukturen verschiedener seiten: Favicon und rss-symbol, die Zahl neben dem Titel eine Blogeintrages, Paginierung … • Webdesign ist Produktdesign ist Kommunikationsdesign ist sTrUKTUr
  • 12.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 12 Also: Was bedeutet »Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen«? • die struktur nicht sehen • den Code nicht verstehen
  • 13.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 13 These 3 es gibt 4 Typen bzw. strategien zur Informationsbewältigung: • Vogel-strauß-Taktik • Deer in the headlights • Hühner-strategie • Trüffelschwein-Taktik (sorry, kein Cat-Content.)
  • 14.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 14
  • 15.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 15 Vogel-strauß-Taktik • Medienrezeption verlässt sich obrigkeitshörig und ausschließlich auf die traditionellen Player • authoritätsbetonend • negiert subjektive Bedürfnisse • »Kopf in den sand stecken«
  • 16.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 16
  • 17.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 17 Deer in the headlights • Versuch der Fülle der Information in nuce gewahr zu werden • erkennt und verzweifelt ob der Möglichkeiten • schockstarre • wird von Informationslawine überrollt
  • 18.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 18
  • 19.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 19
  • 20.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 20 Hühner-strategie • Von überall (Informations-)Krumen picken • verfügt über keine Werkzeuge außerhalb seiner Peer-group und szene • gering strukturiert • verfügt über keinen Tool-Pool • nach Belieben –> strategie der Digital Naives
  • 21.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 21 (symbolbild)
  • 22.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 22 Trüffelschwein-Taktik • Definiert sein Ziel und die ungefähren Informationsquellen im Voraus • ist sich seiner Partikularinteressen bewusst • akzeptiert Autoritäten, lässt aber neue Player zu • relevanzmessung durch empfehlung (Kommunikation) mehr als durch klassische Werbestrategien • sucht seine Werkzeuge zu jedem einzelnen Task aus einem im Hintergrund stets mitschwimmenden Tool-Pool zusammen • akzeptiert und heisst Diversifikation der Werkzeuge willkommen • greift auf adäquaten Tool-Pool zurück
  • 23.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 23 Journalistische Tugenden • werden zur allgemeinen richtschnur bei der Informationsbeschaffung • Quellensicherheit • skepsis • recherchevermögen • grundlegendes Verständnis des Codes • grundlegendes Verständnis der Dynamik von Information
  • 24.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 24 soziale netzwerke in der Infosphäre? 1/2 • Die Kakophonie des lifestreams • »ein Datenstrom kontextbefreiter Information« (Peter Kruse) • Kuratieren des eigenen lifestreams • netzwerke organisieren weniger die Information, sie geben dem nutzer (und nutzergruppen) Tools an die Hand, um die Information ihnen gemäß zu bündeln. • »Aus der Musterbildung entsteht Wahrheit« (Peter Kruse) ( Pointilismus)
  • 25.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 25 soziale netzwerke in der Infosphäre? 2/2 • Myspace als netzwerk zweiter Klasse: Homepages innerhalb eines netzwerkgeflechts • Facebook als netzwerk erste Klasse: Weg von der Homepage, hin zum Multi-User-stream • Was verändert das in der Infosphäre?  evolution der Empfehlungssyteme: • 1. generation: Amazon • 2. generation: lovelyBooks
  • 26.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 26 nachweise • Foto Folie 16: Flickr.com, gelöscht • Foto Folie 18: HamburgerJung, Flickr.com, http://www.flickr.com/photos/ hamburgerjung/4460649944/ • Foto Folie 19: hddod, Flickr.com, http://www.flickr.com/photos/hddod/536392298/ • Foto Folie 21: das_sabrinchen, Flickr.com, http://www.flickr.com/photos/das_ sabrinchen/4218300417/ • schrift: grandesign neue serif (unter CC-lizenz)
  • 27.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 27 Vielen Dank!  Mehr zu mir: http://www.viess.org  Weiterdiskutieren ab Dienstag auf: http://aviess.posterous.com  Diesen Vortrag online sehen und downloaden: http://slideshare.net/aviess/buchcamp Die Inhalte dieses Vortrages stehen mit Ausnahme der Fotos unter der Creative-Commons-lizenz by- nc (namensnennung, nicht kommerziell). D.h. sie dürfen die Inhalte weitergeben, verändern und weiterverarbeiten, solange dies nicht zu kommerziellen Zwecken geschieht und sie mich, Alexander Vieß, als Urheber des Originalvortrages angeben. Weitere Informationen zu den Creative Commons entnehmen sie bitte http://de.wikipedia.org/wiki/ Creative_commons oder http://de.creativecommons.org/
  • 28.
    Deer In THeHe ADlIgHT s 28 nochmal: 3 Thesen zur Diskussion • Informationsüberflutung ist kein außergewöhnlicher status, sondern der zwangsläufige normalfall seit der Moderne. • Das Internet ist mehr als ein weiteres Medium, weil es die bisherigen medialen Techniken nahtlos (?) und mit nur geringen reibungsverlusten inkorporiert. • es gibt 4 Typen bzw. strategien zur Informationsbewältigung: Vogel-strauß-Taktik Deer in the headlights Hühner-strategie Trüffelschwein-Taktik