Anlegen in „Special Situations“
(M&A, Beherrschungsverträge,
Squeeze-out etc.) –
Rechtliche und wirtschaftliche
Hintergründe
Rechtsanwalt Martin Arendts, M.B.L.-HSG
Vortrag vor dem Aktienclub München e.V.
am 30. Januar 2018
Fragestellungen:
• „Special Situations“ als kurzfristige Tradingchance?
• Die Rolle aktivistischer Aktionäre? (Katalysator oder
Verhinderer? „Elliott & Co.“ als Trendgeber?)
• Langfristige Spekulation mit abgesichertem „Netz“ (der vom
Hauptaktionär angebotenen Barabfindung als Mindestbetrag)
• Anlage in Aktien mit „Garantiedividenden“
(Ausgleichszahlungen aus BuG)
Arendts, „Special Situations“, Folie 2
Fragestellungen (Fortsetzung):
• Indirekte Anlage in Special-Situations-Fonds
• Aktiengesellschaften mit Schwerpunkt „Special
Situations“/Spruchverfahren
• Nachbesserungsrechte als (neue) Anlageklasse?
Arendts, „Special Situations“, Folie 3
Hintergrund:
• Rechtsanwalt Martin Arendts: seit mehr als 15 Jahren
Vertretung von Minderheitsaktionären in Spruchverfahren,
Rechtsanwaltskanzlei für Kapitalanlagerecht,
Aufsichtsratsmandate
• Disclaimer:
o Keine Anlageberatung, lediglich Aufzeigen von
Anlagemöglichkeiten mit (unverbindlichen) Beispielen
o Keine Rechtsberatung, nur Übersicht und Einschätzung
Arendts, „Special Situations“, Folie 4
„Lernziele“:
• Bedeutung der rechtlichen Rahmenbedingungen
erkennen: z.B. Übernahmeregelungen (aktuell: Celesio-
Urteil), Ab wann welche Form des Squeeze-outs möglich?
• Kurzer Überblick über die Unternehmensbewertung in
dominierten Situationen
• Übersicht über den Verfahrensablauf eines
Spruchverfahrens, prozessuale Besonderheiten
Arendts, „Special Situations“, Folie 5
Nachbesserungspotentiale bei Spruchverfahren
• Endspiel-Studie 2017 von Solventis:
„Die im Rahmen von Spruchverfahren erzielten Nachbesserungen
(inkl. Nuller) beliefen sich seit unserer letzten Endspiel-Studie auf
33,5 % inklusive Zinsen und damit deutlich oberhalb der Renditen
der letzten Jahre.“
Arendts, „Special Situations“, Folie 6
Nachbesserungspotentiale bei Spruchverfahren
(Fortsetzung)
• Weimann, Spruchverfahren nach Squeeze-out (2015):
o Analyse von mehr als 400 Spruchverfahren zwischen 2002 und
2013
o Gesamtnachzahlungen ca. EUR 600 Mio.
o Anhebung der Barabfindung in 70 % aller erstinstanzlich
beendeten Verfahren, dagegen Prüfer in > 99 % der Fälle:
Kompensation angemessen
Arendts, „Special Situations“, Folie 7
Übersicht
Special
Situations
Über-
nahme
Fusion
Squeeze-
out
Beherr-
schungs-
vertrag
Delisting
8
Übernahme
Delisting
BuG
Squeeze-out
Möglicher „Lebenslauf“ einer AG
bis zum Squeeze-out
9
Rolle von aktivistischen Aktionären und
„Spezialisten“:
• Umbau der AG anstoßen, z.B. Active Ownership bei Stada
(„Die wollen das Thema Corporate Governance und Merger
Value Creation auf den Tisch bringen.“): Corporate
Governance-Mängel als Einstieg (häufig vorgeschoben)
• Höhere Kompensation erkämpfen, z.B. Elliott bei Celesio und
Stada sowie bei Uniper (Börse Online: „Mehr Potential durch
Elliotts Einstieg“, „Elliott kauft und lockt andere Hedgefonds
an“): Spekulation auf Nachgeben des Großaktionärs,
Problem: Sondervorteile (Beispiel: Celesio)
Arendts, „Special Situations“, Folie
10
Rolle von aktivistischen Aktionären und
„Spezialisten“ (Fortsetzung):
• Sonderprüfungsanträge und aktive Begleitung von
Spruchverfahren, z.B. Spruchverfahren zum BuG Kabel
Deutschland
• Ermöglichung von Strukturmaßnahmen durch Weitergabe
eines Aktienpakets
Arendts, „Special Situations“, Folie
11
Übernahmeangebot
• Gleichbehandlung der Aktionäre: Urteil des BGH zur Celesio-
Übernahme (Bestätigung des OLG Ffm), keine Sondervorteile
für aktivistische Aktionäre
• Zeitpunkt der Kontrollerlangung: „Acting in Concert“ bei der
Übernahme der Deutschen Postbank AG durch die Deutsche
Bank bereits 2008/2009? (damit deutliche höherer
Übernahmepreis, ca. EUR 57,-)
12
Übernahme: Außenwirtschaftsrecht
• In Deutschland v.a. Investoren aus China (Kuka, Aixtron,
Biotest u.a.): Außenwirtschaftsgesetz (AWG) und die zu dessen
Umsetzung erlassenen Außenwirtschaftsverordnung (AWV), EU-
Regelungen zu "Dual-Use-Gütern"
• USA: CFIUS Committee on Foreign Investments
o Argument: nationale Sicherheit
o Aixtron-Übernahme gescheitert, aktuell: Freigabe bei Biotest (mit
Auflagen)
13
Delisting
• Ziel meist: Aktie unattraktiv machen, die meisten Fonds müssen
aussteigen, häufig kombiniert mit Übernahme-/
Rückkaufsangebot
• in der Regel aber weiter Handel im Freiverkehr (Hamburg) bzw. im
„Telefonhandel“ (VEH Valora, Schnigge)
• Neuregelung ab 7. September 2015 durch § 39 Abs. 2 BörsG: „Der
Widerruf darf nicht dem Schutz der Anleger widersprechen.“
(zuvor: seit 2002 Macroton-Rechtsprechung als Rechtsfortbildung
bis zur Frosta-Entscheidung 2013)
14
Beherrschungs- und Gewinn-
abführungsvertrag (BuG)
• Schwelle: 75% der Stimmen
• Wahlmöglichkeit der Minderheitsaktionäre zwischen
einmaliger Barabfindung und jährlicher Ausgleichszahlung
(„Garantiedividende“)
• Annahmemöglichkeit bis zwei Monate nach Abschluss des
Spruchverfahrens
15
Squeeze-out
• Aktienrechtlicher Squeeze-out: Schwelle bei 95%
• Verschmelzungsrechtlicher Squeeze-out (im Rahmen einer
konzernrechtlichen Verschmelzung): Schwelle bei 90%
• Übernahmerechtlicher Squeeze-out
• Sonderfall: Finanzmarktrechtlicher Squeeze-out bei der Hypo
Real Estate Holding AG
16
Squeeze-out-Kandidaten
• „Endspielstudie“ der Solventis: „Endspiele haben ein
günstigeres Risikoprofil als Aktieninvestments mit vergleichbarer
Rendite.“ – Spekulation mit „Netz“
• Ausgangslage: geringer Streubesitz, häufig bereits
bestehender BuG
17
Squeeze-
out-
Verlangen
Hauptver-
sammlung
Eintragung
HR
Spruch-
antrag
Ablauf zwischen Squeeze-out-Verlangen
und Spruchantrag
18
Spruchverfahren: Recht & Praxis
Recht
• Gerichtsverfahren:
Verfahren der sog.
freiwilligen Gerichtsbarkeit
(FamFG): „Antragsteller“
und „Antragsgegner“
• Entscheidung durch Richter
• Verfassungsrechtliche
Vorgaben
Wirtschaft
• Unternehmensbewertung, in
der Regel durch
Wirtschaftsprüfer
• Bedeutung des IDW S1
(IDW = privater Verein)
19
Spruchverfahren: Überprüfung der Angemessenheit
der Kompensation
• Gerichtliche Überprüfung von Abfindung bzw. Ausgleich oder
des Umtauschverhältnisses (Zuzahlung)
• Schätzung durch das Gericht: Bandbreite oder einzelner
Wert? Bagatellgrenze?
20
Spruchverfahren: Prozessuale Besonderheiten
• Antragstellung innerhalb von drei Monaten ab
Bekanntmachung der Strukturmaßnahme, § 10 HGB
• Eingangsinstanz: Landgericht, häufig konzentriert für einen
OLG-Bezirk (z.B. LG München I für Südbayern)
• funktional: Kammer für Handelssachen (Vorsitzender Richter
mit zwei Handelsrichtern)
21
Spruchverfahren: Prozessuale Besonderheiten
(Fortsetzung)
• Beschwerde zum OLG: Beschwerdeschrift (von Rechtsanwalt
unterschrieben)
• BGH entscheidet nur bei Vorlagebeschluss durch OLG oder
bei Zulassung der Rechtsbeschwerde
• Reformüberlegung aus Reihen der Großkanzleien: OLG als
Eingangsinstanz
22
Spruchverfahren: Prozessuale Besonderheiten
(Fortsetzung 2)
• Regional z.T. uneinheitliche Rechtsprechung. Wichtige
Gerichte in München, Frankfurt, Stuttgart, Hamburg und Berlin.
• Abhängigkeit von Richter(persönlichkeiten)
• Problem: überlange Verfahrensdauer,
Spruchverfahren kein „verfahrenstechnisches Schnellboot“
23
Rechtsgeprägte Unternehmensbewertung
• Prof. Karami: „Deutungshoheit des IDW“, IDW S1 faktisch als
„privates Gesetz“: Bewertung anhand des
Ertragswertverfahrens (idR CAPM-Tax)
• In der Regel Auftragsgutachten eines Wirtschaftsprüfers
• Plausibilisierung durch gerichtlich bestellten Prüfer (ebenfalls
Wirtschaftsprüfer), vom Hauptaktionär vorgeschlagen (3er-
Liste), vom Hauptaktionär bezahlt, Problem: „Parallelprüfung“
24
Besonderheit: Gemeinsamer Vertreter
• Bestellung eines gemeinsamen Vertreters für die nicht
antragstellenden Minderheitsaktionäre/ausgeschlossenen
Aktionäre, § 6 SpruchG; Kostenerstattung auch bei nicht
erfolgreichem Spruchverfahren
• „Kastrierung“ durch die Stinnes-Entscheidung des BGH: kein
eigenes Beschwerderecht mehr
25
Rechtsgeprägte Unternehmensbewertung
(Fortsetzung)
• Häufig nur Anhörung des Prüfers
• Nur noch selten: Beauftragung eines gerichtlichen
Sachverständigen – partielle oder umfassende Neubewertung
26
Unternehmensbewertung: Parameter
• Ausgangslage: Planungen der Gesellschaft, häufig
modifiziert/“bereinigt“ durch Auftragsgutachter, Problem:
„Anlassplanung“
• In der Regel Detailplanungsphase (3, z.T. 5 Jahre), dann sog.
„Ewige Rente“ (Terminal Value) bei „eingeschwungenem
Zustand“ (steady state)
• Basiszinssatz: Mittelung über drei Monate zum Stichtag
(Hauptversammlung) nach der Svensson-Methode, Quelle u.a.:
http://www.basiszinskurve.de, Auf-/Abrundung?
27
Unternehmensbewertung: Parameter
(Fortsetzung)
• Sog. „Marktrisikoprämie“, erhöht durch FAUB-Empfehlungen
September 2012
• Beta-Faktor, meist durch mehr oder weniger passende Peer-
Group
• Wachstumsabschlag
28
Aktiengesellschaften mit
Schwerpunkt „Special
Situations“/Spruchverfahren
• Beispiele: Scherzer & Co AG,
Shareholder Value Beteiligungen AG,
SCI AG
• In der Regel Ausweis des NAV ohne
Nachbesserungsrechte (daher
Analyse erforderlich)
29
Fonds mit Schwerpunkt „Special
Situations“/Spruchverfahren
• Beispiele: GREIFF „special situations“,
KR Fonds
• Problem: Bewertung der
Nachbesserungsrechte
30
Nachbesserungsrechte als
(neue) Anlageklasse?
- Problem: z.T. sehr langfristige Bindung
bei Spruchverfahren, Bedürfnis nach
Liquidität/Liquidierbarkeit
- Vorteil: hohe Verzinsung bei
Nachbesserung (5% über dem
Basiszinssatz)
- Unsicherheit: Erfolgsquote?,
Abhängigkeit von gerichtlicher
Entscheidung/Rechtsentwicklung
31
Nachbesserungsrechte als Anlageklasse?
Situation in Österreich
• Automatisch eigene WKN
für Nachbesserungsrechte
(damit Handelbarkeit)
• Zahlreiche Kaufangebote
für Nachbesserungsrechte
Situation in Deutschland
• Keine WKN, keine
Handelbarkeit
• Kein funktionierender Markt:
Versuch
nachbesserungsrechte.de
gescheitert
• Historisch: FABERA-Zertifikat
32
Weitere Informationen:
Gesetzliche Regelung:
Veröffentlichungspflicht, § 14 SpruchG,
wird häufig nicht eingehalten.
Blogs: SpruchZ - Spruchverfahren Recht
und Praxis, Spruchverfahren direkt u.a.
Elektronischer Newsletter (pdf):
Spruchverfahren aktuell (SpruchZ)
33

Arendts special situations

  • 1.
    Anlegen in „SpecialSituations“ (M&A, Beherrschungsverträge, Squeeze-out etc.) – Rechtliche und wirtschaftliche Hintergründe Rechtsanwalt Martin Arendts, M.B.L.-HSG Vortrag vor dem Aktienclub München e.V. am 30. Januar 2018
  • 2.
    Fragestellungen: • „Special Situations“als kurzfristige Tradingchance? • Die Rolle aktivistischer Aktionäre? (Katalysator oder Verhinderer? „Elliott & Co.“ als Trendgeber?) • Langfristige Spekulation mit abgesichertem „Netz“ (der vom Hauptaktionär angebotenen Barabfindung als Mindestbetrag) • Anlage in Aktien mit „Garantiedividenden“ (Ausgleichszahlungen aus BuG) Arendts, „Special Situations“, Folie 2
  • 3.
    Fragestellungen (Fortsetzung): • IndirekteAnlage in Special-Situations-Fonds • Aktiengesellschaften mit Schwerpunkt „Special Situations“/Spruchverfahren • Nachbesserungsrechte als (neue) Anlageklasse? Arendts, „Special Situations“, Folie 3
  • 4.
    Hintergrund: • Rechtsanwalt MartinArendts: seit mehr als 15 Jahren Vertretung von Minderheitsaktionären in Spruchverfahren, Rechtsanwaltskanzlei für Kapitalanlagerecht, Aufsichtsratsmandate • Disclaimer: o Keine Anlageberatung, lediglich Aufzeigen von Anlagemöglichkeiten mit (unverbindlichen) Beispielen o Keine Rechtsberatung, nur Übersicht und Einschätzung Arendts, „Special Situations“, Folie 4
  • 5.
    „Lernziele“: • Bedeutung derrechtlichen Rahmenbedingungen erkennen: z.B. Übernahmeregelungen (aktuell: Celesio- Urteil), Ab wann welche Form des Squeeze-outs möglich? • Kurzer Überblick über die Unternehmensbewertung in dominierten Situationen • Übersicht über den Verfahrensablauf eines Spruchverfahrens, prozessuale Besonderheiten Arendts, „Special Situations“, Folie 5
  • 6.
    Nachbesserungspotentiale bei Spruchverfahren •Endspiel-Studie 2017 von Solventis: „Die im Rahmen von Spruchverfahren erzielten Nachbesserungen (inkl. Nuller) beliefen sich seit unserer letzten Endspiel-Studie auf 33,5 % inklusive Zinsen und damit deutlich oberhalb der Renditen der letzten Jahre.“ Arendts, „Special Situations“, Folie 6
  • 7.
    Nachbesserungspotentiale bei Spruchverfahren (Fortsetzung) •Weimann, Spruchverfahren nach Squeeze-out (2015): o Analyse von mehr als 400 Spruchverfahren zwischen 2002 und 2013 o Gesamtnachzahlungen ca. EUR 600 Mio. o Anhebung der Barabfindung in 70 % aller erstinstanzlich beendeten Verfahren, dagegen Prüfer in > 99 % der Fälle: Kompensation angemessen Arendts, „Special Situations“, Folie 7
  • 8.
  • 9.
  • 10.
    Rolle von aktivistischenAktionären und „Spezialisten“: • Umbau der AG anstoßen, z.B. Active Ownership bei Stada („Die wollen das Thema Corporate Governance und Merger Value Creation auf den Tisch bringen.“): Corporate Governance-Mängel als Einstieg (häufig vorgeschoben) • Höhere Kompensation erkämpfen, z.B. Elliott bei Celesio und Stada sowie bei Uniper (Börse Online: „Mehr Potential durch Elliotts Einstieg“, „Elliott kauft und lockt andere Hedgefonds an“): Spekulation auf Nachgeben des Großaktionärs, Problem: Sondervorteile (Beispiel: Celesio) Arendts, „Special Situations“, Folie 10
  • 11.
    Rolle von aktivistischenAktionären und „Spezialisten“ (Fortsetzung): • Sonderprüfungsanträge und aktive Begleitung von Spruchverfahren, z.B. Spruchverfahren zum BuG Kabel Deutschland • Ermöglichung von Strukturmaßnahmen durch Weitergabe eines Aktienpakets Arendts, „Special Situations“, Folie 11
  • 12.
    Übernahmeangebot • Gleichbehandlung derAktionäre: Urteil des BGH zur Celesio- Übernahme (Bestätigung des OLG Ffm), keine Sondervorteile für aktivistische Aktionäre • Zeitpunkt der Kontrollerlangung: „Acting in Concert“ bei der Übernahme der Deutschen Postbank AG durch die Deutsche Bank bereits 2008/2009? (damit deutliche höherer Übernahmepreis, ca. EUR 57,-) 12
  • 13.
    Übernahme: Außenwirtschaftsrecht • InDeutschland v.a. Investoren aus China (Kuka, Aixtron, Biotest u.a.): Außenwirtschaftsgesetz (AWG) und die zu dessen Umsetzung erlassenen Außenwirtschaftsverordnung (AWV), EU- Regelungen zu "Dual-Use-Gütern" • USA: CFIUS Committee on Foreign Investments o Argument: nationale Sicherheit o Aixtron-Übernahme gescheitert, aktuell: Freigabe bei Biotest (mit Auflagen) 13
  • 14.
    Delisting • Ziel meist:Aktie unattraktiv machen, die meisten Fonds müssen aussteigen, häufig kombiniert mit Übernahme-/ Rückkaufsangebot • in der Regel aber weiter Handel im Freiverkehr (Hamburg) bzw. im „Telefonhandel“ (VEH Valora, Schnigge) • Neuregelung ab 7. September 2015 durch § 39 Abs. 2 BörsG: „Der Widerruf darf nicht dem Schutz der Anleger widersprechen.“ (zuvor: seit 2002 Macroton-Rechtsprechung als Rechtsfortbildung bis zur Frosta-Entscheidung 2013) 14
  • 15.
    Beherrschungs- und Gewinn- abführungsvertrag(BuG) • Schwelle: 75% der Stimmen • Wahlmöglichkeit der Minderheitsaktionäre zwischen einmaliger Barabfindung und jährlicher Ausgleichszahlung („Garantiedividende“) • Annahmemöglichkeit bis zwei Monate nach Abschluss des Spruchverfahrens 15
  • 16.
    Squeeze-out • Aktienrechtlicher Squeeze-out:Schwelle bei 95% • Verschmelzungsrechtlicher Squeeze-out (im Rahmen einer konzernrechtlichen Verschmelzung): Schwelle bei 90% • Übernahmerechtlicher Squeeze-out • Sonderfall: Finanzmarktrechtlicher Squeeze-out bei der Hypo Real Estate Holding AG 16
  • 17.
    Squeeze-out-Kandidaten • „Endspielstudie“ derSolventis: „Endspiele haben ein günstigeres Risikoprofil als Aktieninvestments mit vergleichbarer Rendite.“ – Spekulation mit „Netz“ • Ausgangslage: geringer Streubesitz, häufig bereits bestehender BuG 17
  • 18.
  • 19.
    Spruchverfahren: Recht &Praxis Recht • Gerichtsverfahren: Verfahren der sog. freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG): „Antragsteller“ und „Antragsgegner“ • Entscheidung durch Richter • Verfassungsrechtliche Vorgaben Wirtschaft • Unternehmensbewertung, in der Regel durch Wirtschaftsprüfer • Bedeutung des IDW S1 (IDW = privater Verein) 19
  • 20.
    Spruchverfahren: Überprüfung derAngemessenheit der Kompensation • Gerichtliche Überprüfung von Abfindung bzw. Ausgleich oder des Umtauschverhältnisses (Zuzahlung) • Schätzung durch das Gericht: Bandbreite oder einzelner Wert? Bagatellgrenze? 20
  • 21.
    Spruchverfahren: Prozessuale Besonderheiten •Antragstellung innerhalb von drei Monaten ab Bekanntmachung der Strukturmaßnahme, § 10 HGB • Eingangsinstanz: Landgericht, häufig konzentriert für einen OLG-Bezirk (z.B. LG München I für Südbayern) • funktional: Kammer für Handelssachen (Vorsitzender Richter mit zwei Handelsrichtern) 21
  • 22.
    Spruchverfahren: Prozessuale Besonderheiten (Fortsetzung) •Beschwerde zum OLG: Beschwerdeschrift (von Rechtsanwalt unterschrieben) • BGH entscheidet nur bei Vorlagebeschluss durch OLG oder bei Zulassung der Rechtsbeschwerde • Reformüberlegung aus Reihen der Großkanzleien: OLG als Eingangsinstanz 22
  • 23.
    Spruchverfahren: Prozessuale Besonderheiten (Fortsetzung2) • Regional z.T. uneinheitliche Rechtsprechung. Wichtige Gerichte in München, Frankfurt, Stuttgart, Hamburg und Berlin. • Abhängigkeit von Richter(persönlichkeiten) • Problem: überlange Verfahrensdauer, Spruchverfahren kein „verfahrenstechnisches Schnellboot“ 23
  • 24.
    Rechtsgeprägte Unternehmensbewertung • Prof.Karami: „Deutungshoheit des IDW“, IDW S1 faktisch als „privates Gesetz“: Bewertung anhand des Ertragswertverfahrens (idR CAPM-Tax) • In der Regel Auftragsgutachten eines Wirtschaftsprüfers • Plausibilisierung durch gerichtlich bestellten Prüfer (ebenfalls Wirtschaftsprüfer), vom Hauptaktionär vorgeschlagen (3er- Liste), vom Hauptaktionär bezahlt, Problem: „Parallelprüfung“ 24
  • 25.
    Besonderheit: Gemeinsamer Vertreter •Bestellung eines gemeinsamen Vertreters für die nicht antragstellenden Minderheitsaktionäre/ausgeschlossenen Aktionäre, § 6 SpruchG; Kostenerstattung auch bei nicht erfolgreichem Spruchverfahren • „Kastrierung“ durch die Stinnes-Entscheidung des BGH: kein eigenes Beschwerderecht mehr 25
  • 26.
    Rechtsgeprägte Unternehmensbewertung (Fortsetzung) • Häufignur Anhörung des Prüfers • Nur noch selten: Beauftragung eines gerichtlichen Sachverständigen – partielle oder umfassende Neubewertung 26
  • 27.
    Unternehmensbewertung: Parameter • Ausgangslage:Planungen der Gesellschaft, häufig modifiziert/“bereinigt“ durch Auftragsgutachter, Problem: „Anlassplanung“ • In der Regel Detailplanungsphase (3, z.T. 5 Jahre), dann sog. „Ewige Rente“ (Terminal Value) bei „eingeschwungenem Zustand“ (steady state) • Basiszinssatz: Mittelung über drei Monate zum Stichtag (Hauptversammlung) nach der Svensson-Methode, Quelle u.a.: http://www.basiszinskurve.de, Auf-/Abrundung? 27
  • 28.
    Unternehmensbewertung: Parameter (Fortsetzung) • Sog.„Marktrisikoprämie“, erhöht durch FAUB-Empfehlungen September 2012 • Beta-Faktor, meist durch mehr oder weniger passende Peer- Group • Wachstumsabschlag 28
  • 29.
    Aktiengesellschaften mit Schwerpunkt „Special Situations“/Spruchverfahren •Beispiele: Scherzer & Co AG, Shareholder Value Beteiligungen AG, SCI AG • In der Regel Ausweis des NAV ohne Nachbesserungsrechte (daher Analyse erforderlich) 29
  • 30.
    Fonds mit Schwerpunkt„Special Situations“/Spruchverfahren • Beispiele: GREIFF „special situations“, KR Fonds • Problem: Bewertung der Nachbesserungsrechte 30
  • 31.
    Nachbesserungsrechte als (neue) Anlageklasse? -Problem: z.T. sehr langfristige Bindung bei Spruchverfahren, Bedürfnis nach Liquidität/Liquidierbarkeit - Vorteil: hohe Verzinsung bei Nachbesserung (5% über dem Basiszinssatz) - Unsicherheit: Erfolgsquote?, Abhängigkeit von gerichtlicher Entscheidung/Rechtsentwicklung 31
  • 32.
    Nachbesserungsrechte als Anlageklasse? Situationin Österreich • Automatisch eigene WKN für Nachbesserungsrechte (damit Handelbarkeit) • Zahlreiche Kaufangebote für Nachbesserungsrechte Situation in Deutschland • Keine WKN, keine Handelbarkeit • Kein funktionierender Markt: Versuch nachbesserungsrechte.de gescheitert • Historisch: FABERA-Zertifikat 32
  • 33.
    Weitere Informationen: Gesetzliche Regelung: Veröffentlichungspflicht,§ 14 SpruchG, wird häufig nicht eingehalten. Blogs: SpruchZ - Spruchverfahren Recht und Praxis, Spruchverfahren direkt u.a. Elektronischer Newsletter (pdf): Spruchverfahren aktuell (SpruchZ) 33