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Heimschule: Was die Schüler dazu sagen ...

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Wir wollen von Schülern wissen, die zu Hause unterrichtet wurden, welche Erfahrungen sie gemacht haben. Darum veröffentlichen wir hier ein Interview mit einer Schülerin in Deutschland.

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Heimschule: Was die Schüler dazu sagen ...

  1. 1. GuteBot[aft.$om Heimschule: Was die Schüler dazu sagen ... 08/06 Bislang wurde schon vieles über Schulunterricht zu Hause gesagt aus der Sicht von Eltern, Bibel, Behörden und Gesetz. Jetzt wollen wir von Schülern wissen, die zu Hause unterrichtet wurden, welche Erfahrungen sie gemacht haben. Darum veröffentlichen wir hier ein Interview mit einer Schülerin in Deutschland. Wie sah Dein Schulalltag aus? Mein Schulalltag hat sich in den Jahren, die ich zuhause unterrichtet wurde immer wieder verändert. Am Anfang unserer Heimschulzeit war mein großer Bruder in der 6., meine Schwester in der 2. und mein kleiner Bruder in der 1. Klasse, während ich in die 5. kam. Meine Mutter versuchte zunächst, uns jeden Morgen um den Esstisch zu versammeln und alle gleichzeitig zu unterrichten und zu beaufsichtigen. wir hatten einen Stundenplan einzuhalten und uns genau nach bestimmten Schulbüchern zu richten. Doch schon bald merkten meine Eltern, dass dadurch wesentliche Vorteile der Heimschule ungenutzt blieben. Denn ein Kind lernt natürlich deutlich besser, wenn es sich mit einem Fach und Thema solange beschäftigen kann, bis es dieses verstanden hat, und nicht nach 45 Minuten aufhören muss, nur weil das nächste Fach wartet. So gestaltete sich im Folgenden unser Lernen viel freier und mit zunehmendem Alter auch selbstständiger. Ich überlegte mir morgens meine Ziele für den Tag, dann setzte ich mich an meinen Schreibtisch und nahm meine Bücher vor. Hier versuchte ich zuerst, ohne Hilfe etwas zu erarbeiten und nur wenn ich es nicht allein schaffte, fragte ich meine Mutter. Allerdings gab es natürlich auch Fächer die mir schwer fielen, in denen ich ständig Unterstützung benötigte. Deshalb setzte sich mein Vater jeden zweiten Abend mit mir hin, um mir zum Beispiel Mathe zu erklären. Was für Schulbücher und Materialen wurden benutzt? Sehr zu unserem Bedauern gibt es kein deutsches Unterrichtsmaterial das für allein Lernende aufbereitet ist. Deshalb haben wir in Fächern, wo ein logischer Aufbau wichtig ist, ganz reguläre Schulbücher benutzt, aber oft auch Zusatzmaterial hinzugezogen wenn an einem Thema besondere Interesse vorlag. Sonst wurden alle Medien genutzt, die uns zur Verfügung standen. Später habe ich dann auch viel englisches und amerikanisches Material für homeschooler benutzt, weil es für selbstständige Lerner ausgelegt ist und dies deutlich vereinfacht. Hat das Lernen Freude bereitet? Im Allgemeinen hatte ich viel Spaß am Lernen. Besonders auch weil Heimschule es ermöglicht, individuellen Interessen nachzugehen und diese speziell zu fördern. So haben meine Eltern darauf geachtet, dass wir zwar alle eine gute Allgemeinbildung bekommen, aber auch dass jeder den Fächern, die ihm am meisten Spaß machen, viel an Zeit und Aufmerksamkeit widmen darf. Dass unsere Vorlieben nicht immer in schulischen Bereichen lag, ist klar. So entwickelte beispielsweise mein Bruder eine wachsende Leidenschaft für Tiere und Natur. Meine Eltern förderten dies, und waren froh, dass er nicht in die Schule gehen musste, wo solche Neigungen eingeschränkt und Interessen möglichst auf 12 Schulfächer komprimiert werden. Wie siehst Du Homeschooling im Vergleich mit den Gleichaltrigen, die auf die öffenltiche Schule gingen? Ich bin sehr froh, dass ich vorallem meine Zeit als Teenager zuhause verbringen durfte und nicht in die Schule gezwungen wurde. Dies ermöglichte mir eine viel freiere Entfaltung meiner eigenen 1
  2. 2. GuteBot[aft.$om Persönlichkeit und Interessen ohne den Druck der Gleichaltrigen und die Vorschriften der Gesellschaft. Im Nachhinein empfinde ich es auch als großen Vorteil gegenüber Klassenkameraden, dass ich gelernt habe, mich mit Themen selbstständig zu beschäftigen und mir selbst Materialien dazu zu suchen. Das sind Kompetenzen, die heute sehr wichtig, aber in der Schule kaum erlernbar sind. Nicht zuletzt hat das ständige Zusammensein mit der Familie uns vor Entfremdung und Vereinsamung durch die sprunghaften Veränderungen in der Teenagerzeit bewahrt. Viele Gegner beklagen die "mangelhafte Sozialisation". Was kannst Du dazu aus Deiner Perspektive sagen? Wenn man unter "Sozialisation" die Fähigkeit versteht, mit niemandem außer Gleichaltrigen Zeit verbringen und richtig umgehen zu können, haben die Gegner durchaus recht. Denn ich habe in meiner Homeschool-Zeit ständigen Kontakt zu den unterschiedlichsten Altersgruppen gehabt und gelernt, sowohl stundenlang mit kleinen Kindern zu spielen, als auch Erwachsenen respektvoll gegenüberzutreten und sinnvolle Gespräche mit ihnen zu führen. Durch rege Beziehungen und oft auch Zusammenarbeit mit anderen Heimschulfamilien, sowie gleichaltrigen Freunden in der Gemeinde und Umgebung habe ich auch den Draht zu Meinesgleichen nie verloren. Was hat dir am Homeschooling am besten gefallen? Welches Kind findet es nicht am schönsten, wenn es viel Zeit zum Spielen und Herumtoben hat?! Besonders gefallen an Homeschooling hat mir deshalb immer, dass ich durch konzentriertes Lernen oft viel weniger Zeit brauchte, um mir Wissen zu erarbeiten, als meine Klassenkameraden in der Schule. Dadurch blieb mir genug Zeit meinen Hobbys nachzugehen und meine Kindheit zu genießen. Wo gab es beim Homeschooling am ehesten Probleme? Es ist nicht immer nur idyllisch wenn man als Familie viel aufeinandersitzt, als Kind die Eltern zu Lehrern hat und als Mutter gezwungen ist dem eigenen Kind Sachen beizubringen, die sie vielleicht genauso wenig interessieren, wie das Kind, die aber einfach im Lehrplan unumgänglich sind. Und wenn man vier Teenager hat, die mal ihre ganze Aufmerksamkeit brauchen, und mal gar nichts von der Mutter wissen wollen, ist das auch nicht immer leicht für sie. Aber mit viel Kommunikation und gegenseitiger Rücksichtnahme sind solche Probleme doch meistens lösbar. Gab es beim Homeschooling Klassenarbeiten, Klausuren, Noten, Zeugnisse, Ferien, Externenprüfungen? Klassenarbeiten sind für Lehrer gut, die in der Menge ihrer Schüler nicht wissen, wer zugehört und etwas verstanden hat und wer nicht, und sie sind gut für Schüler die gerne ihre Bildung ins Kurzzeitgedächtnis schaufeln. Bei uns gab es allerdings nur eine Lehrerin, die jeden ihrer vier Schüler genau im Blick hatte und Schüler, denen die Zeit gegeben wurde, sich solange mit einem Thema zu beschäftigen, wie sie brauchten um es zu verstehen und aufzufassen. Noten hielten wir für grundsätzlich nicht sinnvoll, weil ein Kind lernen soll so gut es kann und wenn es für ein Fach nicht besonders begabt ist, sich aber total anstrengt und trotz allem eine schlechte Note bekommt wird es deprimiert und hört auf zu lernen. Bei uns kam es darauf an sein Bestes zu geben und wenn man etwas gelernt hatte, ermutigt ins nächste Thema zu starten. In den Ferien haben wir uns meistens nach den staatlichen Terminen gerichtet, da mein Vater Lehrer war und es sich deshalb anbot. Allerdings gab es auch Ausnahmen. Externenprüfungen hat bis jetzt noch keiner von uns gemacht. Mein großer Bruder und ich haben den Realschulabschluss an öffentlichen Schulen absolviert und während er dieses Jahr mit dem Abitur fertig geworden ist, mache ich die 13. Klasse jetzt noch an einer christlichen Privatschule. Meine jüngeren Geschwister sind nach wie vor daheim und es ist noch nicht sicher, welche Laufbahn sie einschlagen werden. 2
  3. 3. GuteBot[aft.$om Welche Auswirkungen hat Homeschooling bei Dir auf Deine Beziehung zu Gott, zu Deinen Eltern, Geschwistern, zur Gemeinde, zur Gesellschaft? Ich glaube, dass ich durch Homeschooling vor vielem Schlechten bewahrt wurde, das meine Beziehung zu Gott und zur Familie belastet hätte. Ich bin froh dass ich während meiner Kindheit so behütet wurde, um heute und später im Kampf, den jeder Christ in dieser Welt führen muss, um so stärker zu sein. Die Beziehung zu meinen Geschwistern hat sich besonders dadurch gefestigt, dass wir auf gegenseitige Hilfe angewiesen waren, weil jeder mal etwas wusste, was der andere von ihm lernen sollte. Durch unser ständiges Zusammensein haben wir die jeweiligen Schwächen, aber auch Stärken des anderen kennen gelernt und sind zu guten Freunden geworden. Die Gemeinde hat das Streben meiner Eltern, uns gottesfürchtig und kompromisslos zu erziehen immer sehr unterstützt und ich hatte selbst als Kind schon viele Möglichkeiten mich in Gemeindearbeit einzubringen weil ich zeitlich so flexibel war. In der Gesellschaft habe ich durch Homeschooling, glaube ich, mehr den Blick für das Individuum bekommen. Jetzt ist nicht die ganz Klasse, in die ich mich integrieren muss - es gibt da einzelne Menschen. Einige, denen ich sicher irgendwie dienen oder von denen ich lernen kann. Jeder einzelne ist wichtig und etwas Besonderes. Wir danken sehr herzlich für dieses Interview. 3

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