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Sitzung4

  1. 1. Forschungsfelder der Online-Kommunikation Sitzung 4 Online-Journalismus
  2. 2. Online-Journalismus <ul><li>Ausdehnung kommunikationswissenschaftlicher Fragestellungen der Journalismusforschung auf den Bereich der Online-Nachrichten, ihrer Produzenten und Produktion </li></ul><ul><ul><li>Arbeitsweisen, Prozesse, Arbeitsorganisation (z. B. Nachrichtenwert-Forschung, Redaktionsbeobachtung, Editorial Policies) </li></ul></ul><ul><ul><li>Berufszugang, Ausbildung, Selbstverständnis, (politische) Einstellungen </li></ul></ul><ul><ul><li>Definition und Exekution journalistischer Qualitätskriterien und Zusammenspiel mit PR (z. B. Objektivität, Determination versus Intereffikation, …) </li></ul></ul>
  3. 3. Ausgangsüberlegungen <ul><li>Online-Journalismus könnte anders sein als konventioneller (Print-, TV-, Radio-) Journalismus, weil…? </li></ul>
  4. 4. Ausgangsüberlegungen <ul><li>Online-Journalismus könnte anders sein als konventioneller (Print-, TV-, Radio-) Journalismus, weil… </li></ul><ul><ul><li>… die Erscheinungsintervalle von Online-News anders sind (nämlich eigentlich gar nicht vorhanden) </li></ul></ul><ul><ul><li>… die Finanzierungsmodelle für Online-Journalismus anders sind (nämlich weitgehend ohne Vertriebserlöse auskommen müssen) </li></ul></ul><ul><ul><li>… das Trägermedium Internet anders genutzt wird als andere informierende Trägermedien (z. B. in Bezug auf Interaktivität, Räume, Zeiten, Motive, Aufmerksamkeit) </li></ul></ul><ul><ul><li>… das Internet neue (konkurrierende, alternative) Formen von Nachrichtenkommunikation hervorgebracht hat (z. B. Weblogs) </li></ul></ul>
  5. 5. Ausbildung und Berufserfahrung <ul><li>Online-Journalisten sind im Schnitt jünger als Journalisten anderer Mediengattungen </li></ul><ul><li>Geringerer Anteil an Journalisten mit Volontariat / formalisierter journalistischer Berufsausbildung als bei anderen Gattungen (Neuberger, 2000) </li></ul><ul><li>Wenig explizite Berücksichtigung von Online-Anforderungen in institutioneller Journalisten-Ausbildung (Deuze et al., 2004) </li></ul><ul><li>Novitätseffekt des Online-Mediums? Zeit dürfte Professionalisierung bringen (Quandt, 2003 zeigt z. B. zunehmende spezifische Routinen im Online-Journalismus) </li></ul>
  6. 6. Das Internet als Rahmenfaktor der journalistischen Tätigkeit <ul><li>Modell des journalistischen Arbeitsprozesses (Reinemann, 2003) </li></ul><ul><ul><ul><li>Themensuche </li></ul></ul></ul><ul><ul><ul><li>Themenauswahl </li></ul></ul></ul><ul><ul><ul><li>Recherche </li></ul></ul></ul><ul><ul><ul><li>Produktion </li></ul></ul></ul><ul><ul><ul><li>Kontrolle </li></ul></ul></ul><ul><ul><ul><li>Evaluation </li></ul></ul></ul><ul><li>Das Internet hat potenziell Implikationen für alle Phasen </li></ul>
  7. 7. Redaktionsbeobachtung: Quandt, 2003 <ul><li>Redaktionsbeobachtungen erlauben die (quantitative und qualitative) Untersuchung journalistischer Arbeitsabläufe im sozialen Kontext der Redaktion </li></ul><ul><ul><li>Tätigkeitsschwerpunkte und –profile, </li></ul></ul><ul><ul><li>Kommunikations- und Einflussstrukturen, </li></ul></ul><ul><ul><li>Verläufe im Tagesablauf </li></ul></ul>
  8. 8. Redaktionsbeobachtung: Quandt, 2003 <ul><li>Methode: Arbeitsbeobachtung einzelner Journalist/inn/en in 6 Online-Redaktionen (u. a. Netzeitung, FAZ.net, tagesschau.de, Spiegel Online). Begleitende Dokumentation </li></ul>
  9. 9. Redaktionsbeobachtung: Quandt, 2003 -- Befunde <ul><li>OJ ist genau so „journalistisch“ wie anderer Journalismus auch (im Sinne von Informationsorientierter Textarbeit / Lesen und Schreiben – Multimedia und Technik spielen im Alltag keine Rolle (mehr)) </li></ul><ul><li>Arbeitsweise im OJ ist „kleinteilig“ – viele kurze Handlungsabläufe, bedingt durch hohen Aktualitätsdruck und permanente Weiterarbeit an einzelnen Beiträgen </li></ul>
  10. 10. Redaktionsbeobachtung: Quandt, 2003 -- Befunde <ul><li>OJ besonders stark abhängig von Agentur- und Tickermeldungen – wenig aktiv-eigene Recherche </li></ul><ul><li>Teilweise Legitimation dieser Abhängigkeit gerade durch den hohen Aktualitätsanspruch (z. B. tagesschau.de) </li></ul><ul><li>Medium prägt keinen typischen Tagesablauf vor (kein Redaktionsschluss, kein fixer Sendetermin) </li></ul>
  11. 11. Redaktionsbeobachtung: Quandt, 2003 -- Befunde <ul><li>Art der Beziehung zu Muttermedium beeinflusst Zusammensetzung des Tätigkeitsprofil (bei starker Abhängigkeit mehr content management / Aufbereitung fürs Web, bei netzeitung.de höherer Anteil des autonomen Produzierens) </li></ul><ul><li>Personalmangel zwingt zum Generalismus: Wenig Spezialisierung auf fachjournalistische Themen (z. B. nur Innenpolitik, nur Finanzmärkte) – OJs müssen große Themenbandbreite bearbeiten  Einfallstor für Qualitätsmängel (?) </li></ul>
  12. 12. Zwischenfazit <ul><li>OJs sind keine neue Spezies des Journalismus, aber sie haben mit den objektiven Limitationen des neuen Mediums zu kämpfen, vor allem dem hohen Aktualitätsdruck und der schmalen Ressourcenbasis </li></ul>
  13. 13. Neue Formen des Journalismus im Internet <ul><li>Parallel zur Ausdehnung des konventionell-organisierten Journalismus auf das Internet sind alternative Formen der aktuellen Berichterstattung entstanden </li></ul><ul><li>Weblogs </li></ul><ul><ul><li>Netzbasierte ‚Tagebücher‘, öffentlich einseh- und kommentierbar, erlauben die Publikation vielfältig-individueller Perspektiven auf aktuelle Ereignisse </li></ul></ul><ul><ul><li>Kommentierfunktion schafft Debattenraum, Verlinkungsfunktion schafft systemisches Netz individueller Perspektiven (kritische-Masse-Effekte, Öffentlichkeitseffekte, kollaborative Nachrichtenproduktion  Bloggosphäre) </li></ul></ul>
  14. 14. Weblogs <ul><li>Befürworter der Weblogs argumentieren, </li></ul><ul><ul><li>dass Blogging den Nachrichtenfluss demokratisiert und die Definitionsmacht etablierter Medienorganisationen relativiert </li></ul></ul><ul><ul><li>dass Vielfalt der Meinungen und Standpunkte besser sichtbar wird, öffentliche Meinungsbildung damit demokratietheoretisch besser gelingen wird </li></ul></ul><ul><ul><li>Dass Blogs die einzelnen Bürger und die Communities, die gemeinsam Blogs nutzen, „empowered“, ihrer Stimme mehr Gewicht gegenüber mächtigen politischen, wirtschaftlichen und Medien-Organisationen verschafft („Gatewatching“: Bruns, 2005) </li></ul></ul>
  15. 15. Weblogs <ul><li>Skeptiker argumentieren, </li></ul><ul><ul><li>dass Blogging zu einer unübersehbaren Flut subjektiv gefärbter, unprofessioneller, pseudo-journalistischer Machwerke führt, die mehr zum Chaos als zur Wahrheit beitragen und damit der demokratischen Meinungsbildung einen Bärendienst erweisen </li></ul></ul><ul><ul><li>Der Authentizität des persönlichen Journalismus von unten wird der Mangel jener Qualitätskriterien gegenübergestellt, der professionellen Journalismus auszeichnen soll </li></ul></ul>
  16. 16. Synthese: Blogs von und mit Online-Redaktionen <ul><li>Nachrichtenmedien selbst unterhalten Blogs, um </li></ul><ul><ul><li>der Konkurrenz durch private Blogs etwas entgegenzusetzen, </li></ul></ul><ul><ul><li>den nutzerorientierten Ansatz (kommentieren können, mitreden, Kontakt zwischen Autor/in und Publikum) in die klassische massenkommunikative (unidirektionale) Sicht auf Journalismus zu integrieren </li></ul></ul><ul><ul><li>von kostengünstigem, „authentischen“ user generated content zu profitieren, </li></ul></ul><ul><ul><li>Meinungsbilder, Fallbeispiele und zitierbare Statements einzusammeln </li></ul></ul>
  17. 17. Synthese: Blogs von und mit Online-Redaktionen <ul><li>Leitbild: Public oder Community Journalism: </li></ul><ul><ul><li>Mehr Mitsprachemöglichkeiten für das Publikum, </li></ul></ul><ul><ul><li>Aufbrechen der Unidirektionalität, </li></ul></ul><ul><ul><li>Publizieren für die und mit der Community, </li></ul></ul><ul><ul><li>mehr Transparenz und Meinungsvielfalt in der Berichterstattung herbeiführen, </li></ul></ul><ul><ul><li>die Zielgruppe/Community explizit ernster nehmen, </li></ul></ul><ul><ul><li>das Medium eng mit der Community verbinden (auch unter Marketing-Gesichtspunkten) </li></ul></ul><ul><ul><li>Gegenentwurf zum elitären Expertenjournalismus konventioneller Massenkommunikation </li></ul></ul><ul><li>Dauerproblem: Sicherung journalistischer Qualität nach althergebrachten Maßstäben </li></ul>
  18. 18. Verlust der Mittler-Rolle des institutionellen Journalismus <ul><li>Neben den bottom-up Initiativen alternativen Journalismus‘ (Weblogs) gerät konventioneller Journalismus ebenfalls durch ‚top-down‘ Initiativen mächtiger Institutionen unter Handlungsdruck: </li></ul><ul><li>Das Internet ermöglicht direkten Kontakt zwischen Berichterstattungsobjekten und Publika/Zielgruppen/Bürger/innen </li></ul><ul><ul><li>Z. B. www.bundeskanzlerin.de </li></ul></ul><ul><ul><li>Z. B. Vattenfall-Website </li></ul></ul>
  19. 19. Verlust der Mittler-Rolle des institutionellen Journalismus <ul><li>Damit wird die Verbindungsfunktion journalistisch arbeitender Massenmedien, nämlich die Öffentlichmachung wichtiger Ereignisse, teilweise überflüssig </li></ul><ul><li>Eine Anpassung der Selbstdefinition von Journalismus wird erforderlich </li></ul>
  20. 20. Ausblick <ul><li>Das Internet verursacht Wandlungsdruck für professionellen Journalismus </li></ul><ul><li>OJ muss mit Innovationen von seiten des Publikums (Weblogs, Interaktivität, Dialog) und von seiten der Nachrichtenquellen (direkte Kommunikation an Medien vorbei) umgehen </li></ul><ul><li>These: Rollenbild im Wandel hin zum Public Navigator in der Informationsflut und zum Relevanz-Indikator (Übersicht, Hintergründe und Erklärungen wichtigere Kompetenzen als Tempo und Multimedia-Schnickschnack) </li></ul>

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