Die Bedeutung der Lohnpolitik   für das makroökonomische     Gleichgewicht in Europa              BSA Lecture – Workshopve...
Vorbild Deutschland?                                            Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in                     ...
Der Preismechanismus in der Marktwirtschaft      Preis                                            Angebot                 ...
Gesamtwirtschaftliches Denken in      Bezug auf den Arbeitsmarkt I            Preis            Lohn                       ...
Investitionen schaffen Beschäftigung                                                         Beschäftigung1) und Investiti...
Wie schafft man Investitionen? I• Lohnsenkung bzw. Lohnzurückhaltung  erhöht die Gewinne,• weil die Produktionskosten sink...
Wie schafft man Investitionen? II• Lohnsteigerungen stärken die Kaufkraft  und erhöhen so die Nachfrage.• Das steigert die...
Wer hat recht?•Löhne sind beides: Kosten und Einkommen.•Kompromiss =                 Goldene Lohnregel:Nominaler Stundenlo...
• Warum beinhaltet die goldene Lohnregel  die Zielinflationsrate?
Im Wettbewerb bestimmen Kosten                                   die Preise                                               ...
Ist die goldene Lohnregel mitMarktwirtschaft vereinbar oder Utopie? • Wettbewerb = „jeder gegen jeden“? • Marktwirtschaft ...
Die goldene Lohnregel ist             Voraussetzungfür eine funktionierende Marktwirtschaft!• Unterbietet jeder jeden, kon...
Was passiert beim Unterschreiten     der goldenen Lohnregel? Iwenn        ∆ Nominallöhne < ∆ Produktivität +              ...
Deutschland unter der Zielrate                                                            Preisentwicklung1) in der EWU   ...
Folge der geringeren Inflation• Außenhandelsvorteile• bei eigenständiger Währung: irgendwann  Aufwertung (aber carry trade...
Handelsungleichgewichte innerhalb der               EWU                                                       Handelsungle...
Was passiert beim Unterschreiten    der goldenen Lohnregel? IIaußerdem        ∆ Reallöhne < ∆ ProduktivitätAuslastungsprob...
Konjunkturlokomotive Deutschland?                                                       Wachstum1) in Europa              ...
Der Preis der Lohnzurückhaltung                                                     Inlands1)- und Auslandsnachfrage2)    ...
Produktivität gehört in die Lohneinkommen                                   Konsumwachstum in Deutschland und Frankreich  ...
Produktivität wächst langsamer                                 Entwicklung der Produktivität1) in Deutschland             ...
Deutsche Lohnzurückhaltung                             produziert Euro-Krise                                     Lohnstück...
Wiederangleichung der Wettbewerbsfähigkeit der                EWU-Staaten                                                 ...
Aber das deutsche Wachstum wird doch       inzwischen von der Binnenwirtschaft                   getragen?!Unterscheidung:...
„Aber wir können doch nicht   a) unproduktiver werden oder   b) mehr Inflation zulassen,damit es den Krisenländern wiederb...
Produktivität ≠ Wettbewerbsfähigkeit• Bsp. Wettrennen• Langfristig muss jedes Land entsprechend seiner  Produktivität kons...
Inflation und Marktwirtschaft• Auf die Dosis kommt es an!• Nur wenn sich Geld permanent leicht  entwertet, besteht ein Anr...
Wen schädigen 2%-3% Inflation?• Arbeitnehmer? nein, wenn goldene  Lohnregel eingehalten wird• Rentner? nein, wenn Renten d...
Gibt es ein Recht auf Zinsen? I• Geld bekommt nicht von allein Junge, auch  nicht bei der Bank.• Zinsen (Geldvermehrung) m...
Gibt es ein Recht auf Zinsen? II• Sparer können froh sein, wenn mit ihren  Ersparnissen etwas Produktives angefangen  wird...
Was muss kurzfristig geschehen     zur Lösung der Eurokrise? I• Bis zur Wiederherstellung der  Wettbewerbsfähigkeit der Kr...
Was muss kurzfristig geschehen     zur Lösung der Eurokrise? II• strikte Regulierung der Finanzmärkte• Dogma der effizient...
Warum ist die Lösung der Euro-Krise        unwahrscheinlich?• ganzes wirtschaftswissenschaftliches und  wirtschaftspolitis...
Monetarismus I (primitive Variante)                                   Geldmenge                       Geldpolitik         ...
Monetarismus II (elaborierte Variante)monetäre Sphäre                                      Geldmenge                      ...
Volkswirtschaft                                  Anti-Monetarismus                Ziel und Instrument passen nicht direkt ...
Sinnvolle Abstimmung von Geld- und Lohnpolitik                                  e                                    Zins ...
Haben wir noch Zeit und Lust?• Dann können wir noch diskutieren überIdeologie des StaatsversagensWachstum in einer endlich...
Vorurteile gegen den Staat• Staatsschulden sind Krisenursache• Staatsschulden sind generell schlecht• Staatsschulden belas...
Die Marktwirtschaft ist ein in sich        instabiles System IDenn es ist einzelwirtschaftlich rational, dem aktuellen  Tr...
Die Marktwirtschaft ist ein in sich       instabiles System II-> Diese Einsicht ist die zentrale Grundlage jeder  rational...
Wachstum in einer begrenzten Welt? I• Der Staat kann durch Ordnungspolitik  bestimmen, unter welchen Bedingungen was  prod...
Wachstum in einer begrenzten Welt? II• Es gibt zwei Ressourcen auf der Welt, die  unbegrenzt sind, solange es Menschen gib...
An allem Unfug, der passiert,sind nicht etwa nur die schuld,           die ihn tun,       sondern auch die,   die ihn nich...
Nächste SlideShare
Wird geladen in …5
×

Lohnpolitik und Makro-Ungleichgewichte in Europa

3.303 Aufrufe

Veröffentlicht am

Veröffentlicht in: Bildung
0 Kommentare
0 Gefällt mir
Statistik
Notizen
  • Als Erste(r) kommentieren

  • Gehören Sie zu den Ersten, denen das gefällt!

Keine Downloads
Aufrufe
Aufrufe insgesamt
3.303
Auf SlideShare
0
Aus Einbettungen
0
Anzahl an Einbettungen
257
Aktionen
Geteilt
0
Downloads
9
Kommentare
0
Gefällt mir
0
Einbettungen 0
Keine Einbettungen

Keine Notizen für die Folie

Lohnpolitik und Makro-Ungleichgewichte in Europa

  1. 1. Die Bedeutung der Lohnpolitik für das makroökonomische Gleichgewicht in Europa BSA Lecture – Workshopveranstaltet von der Sektion 8 der SPÖ Alsergrund und dem BSA BSA-Generalsekretariat Landesgerichtsstraße 16, 1010 Wien Freitag, 22.6.2012 mit Friederike Spiecker www.fspiecker.de
  2. 2. Vorbild Deutschland? Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in Deutschland 38 12 Arbeitslosenquote 37 10abhängig Beschäftigte in Arbeitslosenquote in % Millionen Personen 36 8 35 6 34 4 abhängig Beschäftigte 33 2 32 0 91 93 95 97 99 01 03 05 07 09 11 13 19 19 19 19 19 20 20 20 20 20 20 20 Jahre Quelle: AMECO Datenbank, Stand: November 2011.
  3. 3. Der Preismechanismus in der Marktwirtschaft Preis Angebot Überschussangebot drückt den Preis Gleich- gewichts- preis Nachfrage Überschussnachfrage lässt den Preis steigen Menge
  4. 4. Gesamtwirtschaftliches Denken in Bezug auf den Arbeitsmarkt I Preis Lohn Angebot der Arbeitskräfte Überschussangebot drückt den Preis Arbeitslosigkeit „Gleich- Gleich-gewichts- gewichts- preis lohn“ Nachfrage der Unternehmen Überschussnachfrage Arbeitskräftemangel lässt den Preis steigen Menge Arbeitsstunden
  5. 5. Investitionen schaffen Beschäftigung Beschäftigung1) und Investitionen2) in Deutschland3) 6 30 InvestitionenVeränderungsrate geg. Vorjahr in vH Veränderungsrate geg. Vorjahr in vH 4 20 2 10 0 0 -2 -10 -4 -20 Beschäftigung -6 -30 1960 1962 1964 1966 1968 1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 Jahre 1) 2) Jährliche Veränderungsrate der abhängig Beschäftigten (ab 1971 in Vollzeitäquivalenten), linke Skala. Jährliche Veränderungsrate der realen Ausrüstungsinvestitionen, rechte Skala. 3) Bis 1990 Westdeutschland, ab 1991 Deutschland. Quelle: AMECO Datenbank (Stand: November 2011), Statistisches Bundesamt.
  6. 6. Wie schafft man Investitionen? I• Lohnsenkung bzw. Lohnzurückhaltung erhöht die Gewinne,• weil die Produktionskosten sinken bzw. langsamer steigen.• Das erhöht die Investitionsbereitschaft und damit die Investitionen.• Dann nimmt die Beschäftigung zu. Gewinntheorie der Löhne
  7. 7. Wie schafft man Investitionen? II• Lohnsteigerungen stärken die Kaufkraft und erhöhen so die Nachfrage.• Das steigert die Kapazitätsauslastung.• Das erhöht die Investitionsbereitschaft und damit die Investitionen.• Dann nimmt die Beschäftigung zu. Kaufkrafttheorie der Löhne
  8. 8. Wer hat recht?•Löhne sind beides: Kosten und Einkommen.•Kompromiss = Goldene Lohnregel:Nominaler Stundenlohn muss im Durchschnittsteigen wiedie durchschnittliche reale Stundenproduktivitätplus Zielinflationsrate der Zentralbank.-> Reallohn steigt wie Produktivität.
  9. 9. • Warum beinhaltet die goldene Lohnregel die Zielinflationsrate?
  10. 10. Im Wettbewerb bestimmen Kosten die Preise EWU: Lohnstückkosten bestimmen Preise 20 Lohnstückkosten2)jährliche Veränderungsrate in vH 15 Preise1) 10 5 0 Zielrate der EZB von 2% -5 1960 1962 1964 1966 1968 1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 Jahre 1) 2) Deflator des Bruttoinlandsprodukts. Bruttoeinkommen in ECU bzw. Euro aus unselbständiger Arbeit je Beschäftigten dividiert durch reales Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen. Quelle: AMECO Datenbank (Stand: Mai 2012); Werte für 2012 Prognose der EU-Kommission; eigene Berechnungen.
  11. 11. Ist die goldene Lohnregel mitMarktwirtschaft vereinbar oder Utopie? • Wettbewerb = „jeder gegen jeden“? • Marktwirtschaft = Gesetz des Stärkeren? = einzelwirtschaftliches Denken: Unterbietung der Konkurrenz lohnt sich für jeden einzelnen kurzfristig
  12. 12. Die goldene Lohnregel ist Voraussetzungfür eine funktionierende Marktwirtschaft!• Unterbietet jeder jeden, konkurrieren sich alle auf Dauer in Grund und Boden.• Das „law of one price“ (Gesetz des einheitlichen Preises) sorgt für fairen Wettbewerb.-> Die Marktwirtschaft braucht eine Instanz, die das „law of one price“ im Interesse der Gesamtwirtschaft durchsetzt.
  13. 13. Was passiert beim Unterschreiten der goldenen Lohnregel? Iwenn ∆ Nominallöhne < ∆ Produktivität + Zielinflationsratedann ∆ Lohnstückkosten < Zielinflationsrateund dann tatsächliche Inflationsrate < Zielinflationsrate
  14. 14. Deutschland unter der Zielrate Preisentwicklung1) in der EWU 135 Inflationsziel 130 der EZB4) 125 EWU3Preisindex 1999 = 100 EWU ohne 120 ) Deutschland2 ) 115 110 105 Deutschland 100 95 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Jahre 1) Deflator des Bruttoinlandsprodukts, 1999 = 100 . 2) 11 EWU-Länder, gewichtet mit realem BIP. 3) 12 EWU-Länder. 4) Preisanstieg von 2%. Quelle: AMECO Datenbank (Stand: November 2011), eigene Berechnungen.
  15. 15. Folge der geringeren Inflation• Außenhandelsvorteile• bei eigenständiger Währung: irgendwann Aufwertung (aber carry trade!)-> G20: Weltwährungssystem• bei Gemeinschaftswährung: Verschuldungsproblem der Währungspartnerländer
  16. 16. Handelsungleichgewichte innerhalb der EWU Handelsungleichgewichte1) in der EWU 8 Einführung Deutschland 6 des Euro 4 Salden in vH des BIP 2 Österreich 0 Frankreich -2 Südeuropa2) -4 -6 Spanien -8 -10 91 92 93 94 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 19 19 19 19 19 19 19 19 19 20 20 20 20 20 20 20 20 20 20 20 20 20 Jahre 1) Saldo der Leistungsbilanz in Prozent des Bruttoinlandsprodukts; negative Werte: Defizit. 2) Griechenland, Italien, Spanien, Portugal. Quelle: AMECO Datenbank (Stand: Mai 2012); Werte 2012: Prognose der EU-Kommission; eigene Berechnungen.
  17. 17. Was passiert beim Unterschreiten der goldenen Lohnregel? IIaußerdem ∆ Reallöhne < ∆ ProduktivitätAuslastungsproblem: Binnennachfrage lahmtInvestitionen auf Dauer geringer als bei guter Binnenkonjunktur: Produktivitätsentwicklung lahmt
  18. 18. Konjunkturlokomotive Deutschland? Wachstum1) in Europa 125 Frankreich 120 Südeuropa2)Index 1999 = 100 115 110 Deutschland 105 100 95 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Jahre 1) 2) Reales Bruttoinlandsprodukt, Index 1999 = 100. Italien, Griechenland, Portugal, Spanien. Quelle: AMECO Datenbank, Stand: November 2011; 2012 Schätzung der Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr
  19. 19. Der Preis der Lohnzurückhaltung Inlands1)- und Auslandsnachfrage2) in Frankreich und Deutschland 200 180 deutsche ExporteIndex 2000 = 100 160 französische Exporte 140 französische Binnennachfrage 120 100 deutsche Binnennachfrage 80 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Jahre 1) Index des realen Konsums und der realen Investitionen 2000=100. 2) Index des realen Exports 2000 = 100. Quelle: AMECO Datenbank (Stand: November 2011), eigene Berechnungen.
  20. 20. Produktivität gehört in die Lohneinkommen Konsumwachstum in Deutschland und Frankreich Was ist bei vernünftiger Lohnpolitik möglich? 125 120 Index 2000 = 100 115 Frankreich 2) fiktiv 1) 110 2) Deutschland tatsächlich 105 100 95 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Jahre 1) Fiktiver Index des realen Konsums berechnet anhand folgender Annahme: Realer Konsum wächst mit der durchschnittlichen Veränderungsrate der gesamtwirtschaftlichen Stundenproduktivität der Jahre 2000 bis 2007. 2) Realer Konsum (in Preisen von 2005), Index 2000 = 100. Quellen: AMECO Datenbank (Stand: November 2011), eigene Berechnungen.
  21. 21. Produktivität wächst langsamer Entwicklung der Produktivität1) in Deutschland 150 1970 bis 1980 140 Index Basisjahr = 100 130 1980 bis 1990 120 1991 bis 2000 110 2000 bis 2010 100 90 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Jahre 1) Reales Bruttoinlandsprodukt je geleistete Erwerbstätigenstunde. Quelle: AMECO Datenbank, Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen.
  22. 22. Deutsche Lohnzurückhaltung produziert Euro-Krise Lohnstückkosten-Entwicklung1) in der EWU 140 135 Spanien 130 Inflationsziel der Südeuropa2)Index 1999 = 100 125 3) EZB 120 115 Frankreich Österreich 110 105 100 Deutschland 95 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Jahre 1) 2) 3) Index der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten 1999 = 100. Griechenland, Italien, Portugal, Spanien. 2% Preisanstieg. Quelle: AMECO Datenbank (Stand: Mai 2012), eigene Berechnungen; Werte für 2012 Prognose der EU-Kommission.
  23. 23. Wiederangleichung der Wettbewerbsfähigkeit der EWU-Staaten 1) Vorschlag zur Lohnstückkostenentwicklung in der EWU zur Lösung der Euro-Krise 160 + 1% (= Nominallöhne zwischen 150 +1% und 2,5%) 140 Index 1999 = 100 Frankreich 130 2) Südeuropa + 1,3% (= Nominallöhne 120 ca. + 2,5%) Österreich 110 + 3% (= Nominallöhne ca. +4,5 %) + 2% (= Nominallöhne ca. +3,5 %) 100 Deutschland fiktive Entwicklung 90 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 Jahre 1) Index der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten 1999 = 100, ab 2012 fiktiv für Deutschland +3%, für Südeuropa +1%, für Frankreich +1,3%, für Österreich +2% 2) jährlich. Griechenland, Portugal, Spanien und Italien. Quelle: AMECO Datenbank, Werte für 2012 Prognose der EU-Kommission, Stand: Mai 2012; eigene Berechnungen.
  24. 24. Aber das deutsche Wachstum wird doch inzwischen von der Binnenwirtschaft getragen?!Unterscheidung:• absoluter Nettoexportwert (z.B. 130 Mrd. €)• Veränderung dieses Wertes (z.B. sinkt um 10 Mrd. €)• Erst wenn Nettoexporte = 0, häuft das Ausland keine neuen Schulden gegenüber Deutschland mehr an.• Erst wenn Nettoexporte < 0, werden Schulden vom Ausland zurückgezahlt.
  25. 25. „Aber wir können doch nicht a) unproduktiver werden oder b) mehr Inflation zulassen,damit es den Krisenländern wiederbesser geht, denn ... 1. geht es uns dann schlechter und 2. hilft denen das nicht.“ ???
  26. 26. Produktivität ≠ Wettbewerbsfähigkeit• Bsp. Wettrennen• Langfristig muss jedes Land entsprechend seiner Produktivität konsumieren• = den eigenen Verhältnissen entsprechend leben (weder darüber noch darunter)• Ein Land kann für seine Zukunft nicht sparen, sondern nur investieren.• Jedes Land kann beliebig produktiv sein.• Kein Land kann beliebig wettbewerbsfähig sein.
  27. 27. Inflation und Marktwirtschaft• Auf die Dosis kommt es an!• Nur wenn sich Geld permanent leicht entwertet, besteht ein Anreiz für Sachinvestitionen statt für‘s Geldhorten („Sparstrumpf unter‘m Kopfkissen“ = Nachfrageausfall).-> Ohne leichte, möglichst gleichbleibende Geldentwertung (z.B. 2% - 3%) funktioniert eine Marktwirtschaft auf Dauer nicht.-> EZB: Zielrate von knapp unter 2%
  28. 28. Wen schädigen 2%-3% Inflation?• Arbeitnehmer? nein, wenn goldene Lohnregel eingehalten wird• Rentner? nein, wenn Renten der Lohnentwicklung folgen• Sozialhilfeempfänger? nein, wenn Berechnung des Existenzminimums (Heizkostenzuschuss, Wohngeld...) zeitnah an Inflation angepasst wird• Sparer? kommt auf Nominalzins an
  29. 29. Gibt es ein Recht auf Zinsen? I• Geld bekommt nicht von allein Junge, auch nicht bei der Bank.• Zinsen (Geldvermehrung) muss reales Wachstum (Gütervermehrung) gegenüberstehen, sonst steckt nur heiße Luft oder Umverteilung hinter ihnen.• Sparer sparen aus Eigeninteresse (Vorsorge), nicht aus Hilfsbereitschaft (Konsumverzicht) für die Finanzierung von Investitionen.
  30. 30. Gibt es ein Recht auf Zinsen? II• Sparer können froh sein, wenn mit ihren Ersparnissen etwas Produktives angefangen wird, so dass sie nach „Parken“ ihres Geldes etwas zurück bekommen, meist sogar mehr.• Ersparnisse reduzieren Nachfrage.• Die Finanzierung von Investitionen setzt keine Ersparnis voraus, weil Kreditschöpfung immer möglich ist. (keine Robinson-Crusoe-Wirtschaft)
  31. 31. Was muss kurzfristig geschehen zur Lösung der Eurokrise? I• Bis zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer muss ihre Zahlungsfähigkeit gewährleistet werden (durch EZB, Eurobonds, Rettungsschirme...)• ohne die Volkswirtschaften durch drastische Sparauflagen und „Strukturreformen“ wie in Deutschland in die Deflation und damit tiefer in die Rezession zu führen.
  32. 32. Was muss kurzfristig geschehen zur Lösung der Eurokrise? II• strikte Regulierung der Finanzmärkte• Dogma der effizienten Kapitalmärkte hinfällig -> freier Kapitalfluss schädlich, Deregulierung war falsch• denn: Finanzmärkte funktionieren anders als alle übrigen Märkte, weil auf ihnen Akteure mit nahezu identischen Informationen sehr schnell agieren.• einzelwirtschaftlich rationales Herdenverhalten-> „Schiff mit Schlagseite“: verzerrte Preise schädigen Realwirtschaft
  33. 33. Warum ist die Lösung der Euro-Krise unwahrscheinlich?• ganzes wirtschaftswissenschaftliches und wirtschaftspolitisches Gedankengebäude steht vor dem Zusammenbruch• prominentes Beispiel 1: Monetarismus prominentes Beispiel 2: Ideologie des Staatsversagens
  34. 34. Monetarismus I (primitive Variante) Geldmenge Geldpolitik Finanzmarkt Preisentwicklung /Finanzwirtschaft / Inflation„Geldschleier“Realwirtschaft Beschäftigung Lohnpolitik Arbeitsmarkt Löhne F. Spiecker
  35. 35. Monetarismus II (elaborierte Variante)monetäre Sphäre Geldmenge Geldpolitik Finanzmarkt Preisentwicklung / Preise? Inflationrealwirtschaftliche Sphäre Lohneinkommen Produktion Zinseinkommen Beschäfti- gung Lohnpolitik Arbeitsmarkt Gütermarkt Kapitalmarkt vereinbart Löhne Arbeitsstunden Maschinen F. Spiecker
  36. 36. Volkswirtschaft Anti-Monetarismus Ziel und Instrument passen nicht direkt zusammen. -> Geld- und Lohnpolitik sind wechselseitig aufeinander angewiesen. ab Geldpolitik t W a ßs irk M un l/ g e Zi Zinssatz Preisentwicklung Wachstum Produktivität = Lohnstückkostenentwicklung Beschäftigung W Löhne b irk s ta un aß g /M l ie Lohnpolitik Z F. Spiecker
  37. 37. Sinnvolle Abstimmung von Geld- und Lohnpolitik e Zins at Geldpolitik s atz sr tion Finanzmarkt fla ↓ in Vollbeschäftigungsziel Kapitalmarkt rn Zielinflationsrate 2% e KPreisentwicklung Sachinvestitionen= Lohnstückkostenentwicklung ng gu t itä fti tiv hä Lö uk sc hn od Be e Pr Lohnpolitik F. Spiecker
  38. 38. Haben wir noch Zeit und Lust?• Dann können wir noch diskutieren überIdeologie des StaatsversagensWachstum in einer endlichen Welt
  39. 39. Vorurteile gegen den Staat• Staatsschulden sind Krisenursache• Staatsschulden sind generell schlecht• Staatsschulden belasten die Zukunft unserer Kinder und Enkel „Ein Staat, der sich nicht verschuldet, verspielt entweder die Zukunft nachfolgender Generationen oder mutet seiner gegenwärtigen Bevölkerung zu viel zu.“• Staat ist schlechter Unternehmer -> Privatisierung• Staat ist schlechter Banker (vgl. Landesbanken) -> Privatbanken
  40. 40. Die Marktwirtschaft ist ein in sich instabiles System IDenn es ist einzelwirtschaftlich rational, dem aktuellen Trend zu folgen.• Aufschaukeln von Aufwärtsbewegungen (Zentralbank kann Inflation durch Zinsen stoppen)• Aufschaukeln von Abwärtsbewegungen (Zentralbank kann Deflation nicht beliebig stoppen, vgl. Japan)In Konjunkturabschwüngen: Binnen-Nachfrage fällt schneller als Kapazitäten -> es gibt keine im System der Märkte eingebaute Stabilisierung-> „Stabilisierungs-Anker“ Auslandsnachfrage oder Staat
  41. 41. Die Marktwirtschaft ist ein in sich instabiles System II-> Diese Einsicht ist die zentrale Grundlage jeder rationalen Wirtschaftspolitik.-> In Wissenschaft und Politik wird überwiegend das Gegenteil geglaubt.-> Wirtschaftspolitik lehnt Aufgabe der gesamtwirtschaftlichen Steuerung ab („Sozialismus“, „Planwirtschaft“), versteht sich bestenfalls als Moderator der Interessen einzelner Gesellschaftsgruppen, oft sogar nur noch als Handlanger von Lobbyisten.
  42. 42. Wachstum in einer begrenzten Welt? I• Der Staat kann durch Ordnungspolitik bestimmen, unter welchen Bedingungen was produziert werden darf.• „One man one vote“ muss stärker sein als „one Euro one vote“ (Primat der Politik).• Wer nicht weiß, wovon er heute und morgen überleben soll, der interessiert sich nicht für die Lebensbedingungen von übermorgen.
  43. 43. Wachstum in einer begrenzten Welt? II• Es gibt zwei Ressourcen auf der Welt, die unbegrenzt sind, solange es Menschen gibt:• Ideen: es kommt darauf an, den guten davon zum Durchbruch zu verhelfen durch sinnvolle gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen• Dummheit: es kommt darauf an, sie immer wieder durch „Aufklärung“ einzudämmen
  44. 44. An allem Unfug, der passiert,sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern. Erich Kästner 1933

×