Pflegemanagement                                                                                                          ...
Die Abläufe garantieren,                                                                                   dass der Patien...
Pflegemanagementjederzeit nachvollziehbar sind. In seiner                                                   um oft mit Sch...
Nächste SlideShare
Wird geladen in …5
×

Lücken im Medikamentenmanagement geschlossen - K r a n k e n p f l e g e SBK 3/2012

589 Aufrufe

Veröffentlicht am

Lücken im Medikamentenmanagement geschlossen - K r a n k e n p f l e g e SBK 3/2012 · brainguide

Das Luzerner Wohnheim Titlis für erwachsene Menschen mit schwerer Behinderung geht innovative Wege bei der Medikamentenabgabe und erhöht damit die Abgabesicherheit. Alle Medikamente stammen aus derselben vertraglich gebundenen Apotheke und werden direkt ins Wohnheim geliefert. Ein Teil dieser Medikamente wird via einer spezialisierten Firma als verblisterter «Medifilm» bereit gestellt.

Veröffentlicht in: Gesundheit & Medizin
0 Kommentare
0 Gefällt mir
Statistik
Notizen
  • Als Erste(r) kommentieren

  • Gehören Sie zu den Ersten, denen das gefällt!

Keine Downloads
Aufrufe
Aufrufe insgesamt
589
Auf SlideShare
0
Aus Einbettungen
0
Anzahl an Einbettungen
3
Aktionen
Geteilt
0
Downloads
5
Kommentare
0
Gefällt mir
0
Einbettungen 0
Keine Einbettungen

Keine Notizen für die Folie

Lücken im Medikamentenmanagement geschlossen - K r a n k e n p f l e g e SBK 3/2012

  1. 1. Pflegemanagement Fotos: MedifilmModell TitlisLücken im Medikamenten-management geschlossenDas Luzerner Wohnheim Titlis für erwachsene Menschen mit schwerer Behinderung geht innovativeWege bei der Medikamentenabgabe und erhöht damit die Abgabesicherheit. Alle Medikamente stam-men aus derselben vertraglich gebundenen Apotheke und werden direkt ins Wohnheim geliefert. EinTeil dieser Medikamente wird via einer spezialisierten Firma als verblisterter «Medifilm» bereit gestellt. FRIEDEMANN HESSE die Fehlerquote nicht merklich senken. rinnen im Heim erzielen kann. Heute Die Geschäftsleitung beschloss deshalb, stammen alle Medikamente aus einerL A U T einer Jahresauswertung, die das Medikamentenmanagement grund- Quelle und laufen über die Apotheke invom September 2009 bis September legend zu überarbeiten. Um sicherzustel- Luzern, die als fachtechnische Verant-2010 durchgeführt wurde, erhielten len, dass die gesetzlichen Rahmenbedin- wortliche die Prozessabläufe begleitetdie Bewohnerinnen und Bewohner des gungen eingehalten sind, wurde der Kan- und die Qualitätssicherheit prüft.Wohnheims Titlis rund 87 950 ver- tonsapotheker Luzern aktiv in das Projekt Die festen Medikamente (Tabletten,schiedene vom Arzt verordnete Medi- eingebunden. Kapseln, Dragées etc.) werden von derkamentenportionen. Nicht jedem Be- spezialisierten Pharmafirma Medifilm zuwohner werden täglich Medikamente Heim – Arzt – Apotheke einem «Medikamentenfilm» verblistertverabreicht, dennoch sind es im Durch- (vgl. Kasten). Dabei hat sich das Wohn-schnitt pro Tag und Bewohner rund 8,3 Als erstes wurde eine öffentliche Apo- heim Titlis für einen wöchentlichen Lie-rezeptpflichtige Medikamenteneinhei- theke gesucht, die bereit war, als Schnitt- ferrhythmus entschieden. Dieser kannten, aufgeteilt in drei bis vier Portio- stelle zwischen Heim, Ärzten und Her- jedoch jederzeit individuell angepasstnen. Für jede Portion muss rechtlich stellerin der Medikamentenblister mitzu- werden. Bei Bedarf sind Lieferungengesehen der Ablauf von der Verord- arbeiten. In einem Zusammenarbeits- innerhalb 24 Stunden möglich, jedochnung, Bestellung, Lieferung, Lagerung, vertrag mit der See-Apotheke Luzern kommt dies im stationären Betreuungs-Kennzeichnung, Dokumentation, Über- wurden sowohl die rechtlichen Anforde- alltag kaum vor.wachung bis zur Anwendung durch eine rungen als auch die DienstleistungenFachkraft sichergestellt sein, ein enor- festgehalten. In einem nächsten Schritt Medikamentenwagenmer Aufwand, der wertvolle personelle galt es, die behandelnden Ärzte für dasRessourcen bindet. Ausserdem sind die neue System und die vorhandenen Feh- Auf jeder Station befindet sich ein mobi-Fehleranfälligkeit und die Fehlerquote lerquellen im Medikamentenabgabebe- ler Medikamentenwagen, dessen Schub-beim Portionieren in handelsüblichen reich des Wohnheimalltags zu sensibili- laden mit einem elektronischen CodeDosierboxen nachweislich recht hoch sieren. Dies bedeutet eine wesentliche gesichert sind, so dass nur ausgewählteund gefährlich. Veränderung, da unsere Ärzte zum Teil Mitarbeitende Zugriff haben. In den Vor der Einführung des neuen Systems gewohnt sind, weitgehend eigenständig Schubladen gibt es für jeden Bewohnergingen in der gesamten Stiftung bis zu 75 zu handeln und die Medikamente direkt ein Fach, gekennzeichnet mit bewohner-Prozent der freiwillig gemeldeten CIRS- aus der Praxis an die Bewohner abzuge- spezifischer Farbcodierung und Bewoh-Fehler auf das Konto des Medikamenten- ben oder ins Heim zu liefern. Die wich- nerfoto. In diese Fächer kommen die Blis-managements. Trotz institutionalisiertem tige und gute Zusammenarbeit zwischen terverpackungen, dazu separat nochQualitätsmanagementsystem, darauf ba- Heim und Arzt zeigte, dass man durch Flüssigkeiten und Salben, und fertig istsierender Evaluation der Fehlerquellen einen rationelleren Ablauf eine Optimie- die Medikamentenaufbereitung für eineund Verbesserung der Abläufe liess sich rung für die Behandlung der Bewohne- ganze Woche.18 K r a n k e n p f l e g e 3/2012 Soins infirmiers
  2. 2. Die Abläufe garantieren, dass der Patient das richtige Medikament erhält. Foto: Andreas Fix, SSBL Mit dem mobilen Wagen fällt das unfle- Tagen rund um die Uhr anwesend sein. mittelt. Dieser kontrolliert die Dosierun-xible System mit einem fixen, grossen Es ist daher im Alltag unerlässlich, dass gen, überprüft die Verordnung auf Inter-Medikamentenschrank irgendwo in der auch andere Teammitglieder die Medika- aktionen und mögliche Unverträglichkei-Station weg. Die Wegzeiten sind kürzer, mentenversorgung sicherstellen können. ten und macht gegebenenfalls Vorschlägeund das risikobehaftete Herumtragen zu einer kostengünstigeren Therapie. Beivon Dosierboxen auf Tablaren entfällt. Klar definierte Abläufe Fragen nimmt er Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der zuständigenKleineres Lager In guter Zusammenarbeit mit dem Kan- Pflegeperson im Wohnheim. tonsapotheker Luzern wurde der Prozess Der Apotheker übermittelt die bereinig- Das Fazit nach inzwischen rund einem geklärt und entsprechend einer gültigen ten Verordnungen an Medifilm, welcheJahr Erfahrung ist äusserst positiv. Der Bewilligung umgesetzt. Alle Abläufe sind die Blister gemäss den aktuellen RezeptenLagerbestand rezeptpflichtiger Medika- dokumentiert und werden gemäss den noch einmal prüft und dann für jedenmente sank von 358 Einheiten auf 83 vorgegebenen gesetzlichen Rahmenbe- Bewohner individuell herstellt. Die Liefe-Einheiten. Bei den nicht rezeptpflichtigen dingungen von verschiedenen Fachperso- rung erfolgt gesamthaft durch die ApothekeProdukten sank der Bestand um 40 Pro- nen kontrolliert. Der Arzt trägt seine Ver- direkt an die entsprechende Wohngruppe,zent von 121 Einheiten auf 73 Einheiten. ordnung direkt in das neu entwickelte wo die verantwortliche PflegefachpersonDiese Einsparungen wirken sich direkt Medikamentenblatt des jeweiligen Bewoh- den Wareneingang prüft. Somit ist sicher-auf den Arbeitsaufwand aus. ners ein. Anschliessend werden sämtliche gestellt, dass der Prozess und die Doku- Pro Wohngruppe und Monat reduziert Rezepte an den Vertragsapotheker über- mentation der Verordnungen immer undsich die Arbeitszeit für Bereitstellung, La-gerung, Kontrolle und Dokumentation derMedikamente um sechs Stunden. Im Hausbefinden sich nur noch die wöchentlich Medifilmtatsächlich gebrauchten Medikamente. Esbraucht keine aufwändigen Verfalldaten- Einzelportionenkontrollen mehr, bei einer Therapieände-rung bleiben keine Anbruchpackungen mit Namenzurück, die Abrechnung erfolgt entspre- Die spezialisierte Pharmafirma Medi-chend dem Verbrauch. film verpackt die Medikamente gemäss Statt sich stundenlang in einem abge- den aktuellen Rezepten individuell intrennten Raum bei Logistik- und Adminis- einem «Medifilm». Bei dieser speziellentrationsaufgaben aufhalten zu müssen, Art Blister handelt es sich um aneinan-können die dringend benötigten Fachper- dergereihte, transparente Kunststoff- mit dem Namen des Bewohners odersonen nun ihre Zeit dort einsetzen, wo sie beutel. Jeder Medifilm enthält die Medi- der Bewohnerin sowie Inhalt, Abgabe-am wertvollsten ist, bei den Bewohnern. kamentenportionen für einen bestimm- termin und FormerkennungsangabenKommt hinzu, dass in einem Wohnheim ten Bewohner oder eine bestimmte Be- zum Medikament beschriftet. Der In-für geistig behinderte Menschen das Be- wohnerin. Jeder Beutel ist durch eine halt bleibt somit für die Pflegefachper-treuerteam sehr heterogen ist. Zwar gibt Perforation leicht abtrennbar, so dass sonen jederzeit erkennbar. Jeder Be-es für jede Wohngruppe eine Pflegefach- Einzelportion um Einzelportion heraus- wohner hat seine individuell für ihnperson, die für die Medikamente verant- gezogen werden kann. Jede Portion ist erstellte Medifilmbox.wortlich ist. Doch kann diese nicht an 365 K r a n k e n p f l e g e 3/2012 Soins infirmiers 19
  3. 3. Pflegemanagementjederzeit nachvollziehbar sind. In seiner um oft mit Schuld, Scham, Frust, AngstVerantwortung liegt es auch, regelmässig Medikamentenmanagement und dem Gefühl der Unzulänglichkeit be-in jeder Wohngruppe ein Selbstevalua- lastet. Das Ziel einer offenen Fehlerkulturtions-Fachaudit durchzuführen und die- Die 6-R-plus-Regel liegt darin, Fehler zu kommunizieren, soses mit einem Bericht und geeigneten dass alle Beteiligten daraus lernen. EsVerbesserungsmassnahmen abzuschlies- Das Wohnheim Titlis hat die be- geht nicht darum, einen Schuldigen zusen. In Zusammenarbeit mit den Pflege- kannte 5-R-Regel überarbeitet und brandmarken, sondern darum, Sicher-fachpersonen bietet er zudem spezifische wendet im Alltag die neue 6-R-plus- heitslücken im Prozess des Medikamen-Mitarbeitenden-Schulungen in den Wohn- Regel an. Sie dient als eine Art Leit- tenmanagements zu schliessen.gruppen an, die sich auf die Bewohner faden den Mitarbeitenden dazu, alle Das Modell ist auch mit Blick auf dieund deren aktuelle Therapie beziehen. Kontrollkriterien sicher zu beachten: Kosten im Gesundheitssystem interes- Gemäss dem «Sechs mal Vier-Augen- 1. Richtiger Bewohner und richtige sant: In der Vereinbarung des Leistungs-Prinzip» sind alle beteiligten Medikamen- Indikation. katalogs der Krankenkassen sind heutetenspezialisten optimal involviert (sechs 2. Richtiges Medikament und richtiger die Abrechnungen, aber auch die ver-Augen bei der Kontrolle durch Arzt, Apo- Lagerort. traglichen Kostenstabilisierungsbeiträgetheker und Pflegefachperson bei der Ver- 3. Richtige Dosierung und von 2,3% auf allen abgerechneten Posi-ordnung und Diagnosestellung; vier Augen Zubereitung. tionen an die Krankenkassen verankert.bei der Anwendung vor Ort durch zwei 4. Richtige Applikation und Die See-Apotheke ist aufgrund des opti-Mitarbeitende, die eine weitere Kontrolle Anwendung. malen Organisationsgrades des Modellsvornehmen). 5. Richtiger Zeitpunkt und Titlis bereit, den Krankenkassen eine Besonderheiten. Rückvergütung von einem weiteren zu-Befreit von Logistik 6. Richtige Dokumentation und sätzlichen Prozent anzubieten. Kommunikation. Durch das Modell Titlis ist die Institu- Das «plus» bezieht sich auf die richtige Positive Erfahrungention nun vollständig von den reinen Logis- Zusammenarbeit mit den professionel-tikaufgaben entlastet. Die Effizienzsteige- len Partnern des Gesundheitswesens Überzeugt vom neuen System ist auchrung ist deutlich spürbar; die Verwaltung (Arzt, Vertragsapotheke, Mitarbeiten- Pascale Yamamoto, Pflegefachfrau HFkonnte um 60 Prozent verringert werden. de und Pflegefachkräfte). Diese ar- und Verantwortliche für die MedikamenteWie bei jeder Änderung, musste auch die beiten innerhalb der gesetzlichen im Wohnheim Titlis. Sie sagt: «DasLeitung des Wohnheims Titlis am Anfang Rahmenbedingungen und einem klar System mit den Blistern und den kontrol-Überzeugungsarbeit leisten. Wenn seit festgelegten Medikamentenmanage- lierten Abläufen hat uns die ArbeitJahren «bewährte» Abläufe hinterfragt ment auf der neu eingerichteten Kom- enorm erleichtert. Bei der Verordnungwerden, löst dies skeptische Fragen aus. munikationsplattform in den optimier- und Bereitstellung der MedikamenteAndererseits war allen Beteiligten klar, ten Prozessen zusammen. passieren praktisch keine Fehler mehr».dass eine so hohe Fehlerquote bei einer so Am anfälligsten für Fehler sei nach wiegrossen Menge an Medikamenten nicht vor die Abgabe an die Bewohner: «Dochhingenommen werden kann und auf der wöhnen, auch die Fehlerkultur erhielt eine auch hier konnten wir die FehlerquoteBasis des alten Systems offensichtlich kei- zentrale Bedeutung. Das neue Medika- senken, denn durch das durchgehendene messbare Verbesserung zu erreichen mentenmanagement macht die gesamte Kontrollsystem ist bei allen Teammitglie-war. Die grösste Umstellung im Alltag be- Prozesskette transparent, Fehler werden dern das Bewusstsein für die Bedeutungdeutete das Blistersystem in Kombination während der mehrfachen Kontrollen un- der Medikamente stark gestiegen.» Sehrmit der Einführung der neuen «6-R-plus- weigerlich bis hin zur Abgabe aufgedeckt. praktisch sei zudem der fahrbare Me-Regel» (vgl. Kasten) für die Mitarbeiten- Es ist wissenschaftlich belegt, dass ein dikamentenwagen: «Wenn wir für eineden in den Wohngruppen. Sie mussten Grossteil der Fehler im Bereich der Medi- Arbeit Ruhe brauchen, können wir ihn insich nicht nur an geänderte Abläufe ge- kamentenabgabe auftreten und diese vor- ein ruhiges Büro schieben und bei der wiegend auf dem sogenannten «letzten Medikamentenabgabe ist er ebenfalls in Meter», also bei der Abgabe an die Patien- der Nähe.» ten, stattfinden. Hier ein Optimum an Si- Friedemann Hesse ist Leiter des Wohnheims Titlis, cherheit anzustreben, ist zum Wohle von Stiftung für Schwerbehinderte Luzern SSBL, Emmen, Kontakt: friedemann.hesse@ssbl.ch, Patienten und betreuten Personen uner- www.ssbl.ch lässlich. Man darf aber nicht vergessen, dass Fehler auch auf die Mitarbeitenden negative Auswirkungen haben. Sie wollen ja keine Fehler an den ihnen anvertrauten www.sbk-asi.ch Bewohnern machen und fühlen sich dar- › Medikamente › Patientensicherheit › Management20 K r a n k e n p f l e g e 3/2012 Soins infirmiers

×