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  1. 1. Geowissenschaftler in der Informationstechnik Von Dipl.-Geol. Dr. mont. Sebastian A. Nicol, Wien An dieser Stelle möchte ich über mein Berufsfeld berichten, in dem ich derzeit als Geowissenschaftler arbeite. Ich möchte dabei dem Leser vor Augen führen, wie ich mich, ausgehend von einem Geologiestudium, zur heutigen beruflichen Tätigkeit hinentwickelt habe. Den Bericht gliedere ich in folgende Punkte: Art der Tätigkeit Beschreibung des Studien- und Berufsweges Erforderliche Qualifikationen Kritische Würdigung der Hochschulausbildung Berufsspezifische Informationen Schlußfolgerungen und Ausblick 1. Art der Tätigkeit Ich arbeite als SAP-Consultant im Informationstechnik-(IT)Bereich. SAP ist eine betriebswirtschaftliche Standardsoftware eines bekannten deutschen Softwareherstellers, die im wesentlichen alle Unternehmensprozesse abbilden kann. Es geht vornehmlich um projekthaftes Arbeiten, entweder kundenorientiert oder intern für die eigene Firma. Die Arbeiten umfassen folgendes Spektrum, das sich an einem SAP-Vorgehensmodell orientiert: Istaufnahme und Analyse betriebswirtschaftlicher Prozesse, Erstellen eines Sollkonzeptes und DV-technischen Lastenheftes, damit einhergehend betriebswirtschaftliche Beratung, Konfigurieren der Standardsoftware, Durchführen von Funktions- und Akzeptanztests, Planung, Vorbereitung und Abhalten von Schulungen, Betreuung bis kurz nach dem Produktivstart. Parallel zum Projektablauf: Projektplanung, Projektmanagement, Projektcontrolling inhaltlich, hinsichtlich Ressourceneinsatz und Kosten. Akquisitionsarbeiten bei externen Kunden: Kundenmarketing, Kundenanforderungen erheben, Angebote erstellen, Bepreisung, Vertragsverhandlungen mit dem Kunden, ggf. Subunternehmer bewerten und einkaufen. 2. Beschreibung des Studien- und Berufsweges Wie bin ich nun in dieses Berufsfeld hineingekommen? Ich habe den Studiengang Geologie/Paläontologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in 13 Semestern von 1979 - 1986 absolviert. Ein Semester habe ich auf eigene Faust als Gasthörer an der Universität Wien verbracht. Außerdem arbeitete ich mehrere Jahre hintereinander je zwei Monate in den Ferien für ein Erdölunternehmen in Österreich, vornehmlich in der geologischen Kartierung. Meine Diplomarbeit war paläontologisch orientiert und beschäftigte sich mit Mikrofaziesuntersuchungen von triassischen Karbonaten. Nach der Diplomprüfung 1986 und den Bewerbungen am Arbeitsmarkt kam das böse Erwachen. Mir wurde in ca. sechs Monaten sehr deutlich vor Augen geführt, daß ich mit meinen bisher als Diplom-Geologe erworbenenen „skills“ am Arbeitsmarkt keine großen Chancen hatte! Die Erfolgsquote in Bezug auf Vorstellungsgespräche war deprimierend. Deshalb entschied ich mich für die Promotion, um die Zeit bis zum erhofften Berufsantritt zu überbrücken und weitere, am Arbeitsmarkt gefragtere Fähigkeiten zu erwerben. Unter diesem Aspekt entschloß ich mich, ein geophysikalisches Thema zu bearbeiten, das ich aufgrund von geknüpften Verbindungen zu dem Erdölunternehmen auf Werkvertragsbasis für das und im Unternehmen bearbeiten konnte. Offiziell lief die Dissertation über die Montanuniversität Leoben. Thematisch ging es um die Interpretation von bohrlochgeophysikalischen Messungen an Bohrungen im kalkalpinen Untergrund des Wiener Beckens.
  2. 2. Die nächsten zwei Jahre ab Herbst 1986 beschäftigte ich mich an der Montanuniversität Leoben mit Angewandter Geophysik, Tiefbohrtechnik, Industriegeologie, numerischer Mathematik, Programmierkursen in Fortran und C, Informatik, Betriebswirtschaft, Technischer Chemie und Bergbautechnik in Vorlesungen und Übungen. Durch dieses intensive Ausbildungsprogramm lernte ich zu programmieren und kam durch meine Arbeiten relativ schnell und tief in die kommerzielle EDV, wie sie von großen Unternehmen als Unterstützung ihrer Unternehmensprozesse genutzt wird. Neben dem tiefen Vordringen in die wissenschaftliche Materie meines Themas war ein weiterer Effekt zu verstehen, wie z.B. ein Erdölunternehmen funktioniert. D. h. das Verständnis, wie es von Marktbedingungen beeinflußt wird und jegliche betriebliche Aktivität, ausgeübt oder geplant, immer unter dem Gesichtspunkt Kosten/Erlöse bzw. letztlich Gewinn/Verlust steht, wuchs beträchtlich. Im Mai 1989 war die Dissertation fertiggestellt und der spannende Teil (abgesehen vom noch ausstehenden Rigorosum) waren die Bewerbungsaktivitäten und deren Erfolgsaussichten. Die Samstagslektüre der großen deutschen, österreichischen, französischen, englischen und US- amerikanischen Zeitungen und deren Stellenangebote zeigte mir, daß sich mein Bewerbungsspektrum aufgrund der am Arbeitsmarkt gefragten "skills" wesentlich erweitert hatte. Die Erfolgsquote (Anzahl der Bewerbungen zu Einladungen zu Vorstellungsgesprächen) betrug ca. 2 : 1, wobei ich mich nicht ausschließlich für Positionen als Geologe/Geophysiker im Erdölbereich bewarb. Als Ergebnis der Bewerbungsaktivitäten entschied ich mich letztlich, zu einer Unternehmensberatung zu gehen. Später wechselte ich in den Bankenbereich, in dem ich eine Controllingtätigkeit im DV-Umfeld ausübte und als Fachanwender mit SAP arbeitete. Diese Schiene baute ich in weiterer Folge aus, indem ich als interner Projektleiter eine SAP- Implementierung leitete und seit zwei Jahren meine jetzige Tätigkeit ausübe. 3. Erforderliche Qualifikationen Dieses Kapitel möchte ich gliedern in kritische Qualifikationen, das sind jene, die aus meiner Sicht im Berufsleben absolut notwendig sind, und teilweise auch erst im Beruf erworben werden. Diese umfassen in meiner Terminologie jene, die im Rahmen der Dissertation ausgebaut wurden, und die Grundqualifikationen jene des Diplomstudiums Geologie/Paläontologie. Kritische Qualifikationen sind: kunden-/marktorientiertes Denken und Handeln betriebswirtschaftliches Denken, Controlling = Steuerung von Kosten/Erlösen projektorientiertes Arbeiten teamorientierte Kommunikation und Information SAP-Know How (Anwendungskenntnisse, Konfiguration, Implementierung) Internet-Recherchen Arbeiten mit PC-Software insbesondere für Präsentationen, Datenbanken, Projektplanung, Textverarbeitung und Tabellenkalkulation DV-technisches Verständnis für hostgestützte Applikationen prozeßorientiertes Arbeiten Verständnis für ISO 9000 ff. Normen soziale Kompetenz, Persönlichkeitsbildung Arbeiten in multinationaler Umgebung mit Kollegen aus anderen Kulturen Nötige Zusatzqualifikationen sind: analytisches und konzeptuelles Arbeiten teamorientiertes, interdisziplinäres und projekthaftes Arbeiten numerische Verfahren und Informatik eigenständiges Programmieren Informationsbeschaffung, Zusammenführung und Auswertung nach vielfältigen Kriterien Als Grundqualifikationen werden vorausgesetzt:
  3. 3. breite naturwissenschaftliche Basisausbildung analytische Meßverfahren und deren Interpretation Kreativität bei Darstellungsverfahren räumliches Denken, Denken in langfristigen Zeiträumen selbständiges und zielorientiertes Arbeiten 4. Kritische Würdigung der Hochschulausbildung Meine persönliche Berufserfahrung der letzten acht Jahre ist die, daß die Grundqualifikationen des Grundstudiums eine unerläßliche und wichtige Basis für den beruflichen Einstieg darstellen, auch in ein fachfremdes Berufsfeld. Die technisch orientierten Zusatzqualifikationen haben mir sicher den Weg in das IT-Umfeld erleichtert. Rückblickend orte ich, bezogen auf meinen Weg, die größten Defizite in folgenden Bereichen: Das Know how, sich selbst zu verkaufen, das Verständnis für betriebswirtschaftliche Grundzusammenhänge und das Erwerben von DV-technischen Grundkenntnissen blieben weitgehend der Eigeninitiative überlassen. Meiner Ansicht nach sind diese Grundfertigkeiten für einen Berufseinstieg sehr wichtig und erhöhen die Chancen. Dieser Trend zur Ausbildung von Absolventen mit "skills", die am Arbeitsmarkt verlangt werden, hat sich mittlerweise in vielen Studiengängen, auch bei den Geowissenschaften, durchgesetzt. 5. Berufsspezifische Informationen Der IT-Bereich gehört zu den innovativsten Sektoren überhaupt, und in ihm gibt es sehr viele Arbeitsmöglichkeiten. Die Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten sind sehr gut! Geowissenschaftler im IT-Sektor sind meiner Erfahrung nach gar nicht so selten, oft aus verschiedenen Motivationen heraus. Genaue Zahlen vermag ich nicht anzugeben. Für Jobinformationen seien die Homepages aller wichtigen IT-Unternehmen empfohlen bzw. der Rat, im Internet mit Suchmaschinen zu recherchieren und sich gleich elektronisch über das Web zu bewerben. 6. Schlußfolgerungen und Ausblick Die Bereitschaft und letztlich die Entscheidung, fachfremd zu arbeiten, hat sich langsam in dem Maße entwickelt, in dem ich über den geowissenschaftlichen „Tellerrand“ geschaut habe. Wesentlich getrieben war es natürlich auch durch die Situation am Arbeitsmarkt und die Schwierigkeiten, eine Anstellung im originär geowissenschaftlichen Bereich zu bekommen. Umgekehrt gesehen, verbaut man sich auch nichts, weil die erworbenen Zusatzqualifikationen den (Arbeits-)Marktwert ganz wesentlich erhöhen. Ein weiteres Faktum ist, daß die Unternehmensorganisation und die Anforderungen sich teilweise rasant verändern, d.h. daß man ständig gezwungen ist, sich neue Fertigkeiten anzueignen. Das lebenslange Lernen im Beruf ist absolut notwendig (und macht die Tätigkeit auch interessant), wenn man weiterhin am Arbeitsmarkt reüssieren will und bei ungünstigen wirtschaftlichen Bedingungen größere Schwierigkeiten vermeiden möchte. Abschließend der Hinweis, daß ich für weitergehende Informationen und Fragen gerne zur Verfügung stehe; auch Sonderdrucke zu den von mir bearbeiteten geowissenschaftlichen Themen sind bei mir zu bekommen. Aus: BDG-Mitteilungen Nr. 83 (6/98)

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