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1
Werkzeug und Kunstwerk des Meistererzählers – Welche Rolle nimmt die
Naturbeschreibung in den Erzählungen Anton Tschechows ein?
Erik Faust
faust.erik@gmail.com
+49 152 51660967
Liebigstraße 19
26871 Papenburg
Niedersachsen, Deutschland
2
1. Inhalt 2
2. Notizen und Vorwort 3
3. Aufsatz 4
a. Einleitung 4
b. Der Student 5
c. Herzchen 6
d. Die Dame mit dem Hündchen 7
e. Schluss 8
4. Bibliographie 11
3
2) Notizen und Vorwort
Die Erzählungen ‚Der Student‘, ‚Herzchen‘ und ‚Die Dame mit dem Hündchen‘ wurden im Laufe des
Aufsatzes im Detail analysiert. Zudem bezieht sich dieser Text auf mehrere andere Kurzgeschichten
Anton Tschechows. Diese sind im Anhang aufgelistet. Die Titel solcher Erzählungen sind kursiv
hervorgehoben. Verweis auf beispielhafte Texte findet sich in den Fußnoten, falls nicht in den Satz
eingegliedert.
4
3) Aufsatz: 1495 Worte
‚Die Frühlingsbriese kann jeden Moment durch einen Blitzschlag zerschnitten werden‘1
Mugaku Songen, Japanischer Mönch (ca. 1250)
‚In großer Höhe freilich
Scheinen Stürme zu gehen.
Sie berühren nur mehr
Unsere Antennen‘2
Berthold Brecht, Deutscher Autor ‚Über das Frühjahr‘ (1928)
Das Motiv der Naturbeschreibung vereint die Weltliteratur - durch Raum und Zeit. Doch rund sechs
Jahrzehnte bevor Berthold Brecht in dem lyrischen Text ‚Über das Frühjahr‘ die abgeschwächte
Wahrnehmung von Naturvorgängen anprangert, wächst Anton Tschechow in der Südrussischen
Hafenstadt Taganrog in Abhängigkeit von eben diesen auf. Da beide seiner Eltern aus Bauernfamilien
stammen, hat der junge Anton keinerlei Zugang zum Luxus der sozioökonomisch stärkeren
Gesellschaftsklassen Russlands. Er erfährt die Urkraft der Russischen Naturgewalt in all seiner Stärke
und wird diesen Abschnitt in seinem Leben später als richtungsweisend bestimmen: ‚ Was die adligen
Schriftsteller von der Natur umsonst bekommen haben, das erkaufen sich die Rasnotschinzen auf
Kosten ihrer Jugend‘3
. Zu diesem Zeitpunkt gilt der gesellschaftskritische Schriftsteller schon als
Meister der Erzählkunst4
, ein Ruf, welchen Tschechow noch heutzutage in der Weltliteratur genießt5
.
Dieses Renommee´ mag dem Autor nicht zuletzt deswegen zufallen, da die zeitlose Thematik der
Mutter Erde eine Vielfältigkeit an Rollen annimmt. So wirkt sie sowohl als Protagonist als auch als
1
Tabata, Kazumi. Secret Tactics: Lessons from the Great Masters of Martial Arts. 1st ed. Vol. 1. Boston: Tuttle
Pub., 2003.
2
Friedl, Gerhard. EinFach Deutsch Unterrichtsmodelle Naturlyrik: Gymnasiale Oberstufe. Paderborn: Schöningh
Verlag Im Westermann Schulbuchverlag, 2014.
3
Smirnov, Johanna Renate. Von Puschkin Bis Sorokin - Zwanzig Russische Autoren Im Porträt. Wien: Böhlau,
2013. 130.
4
Lentes, Jürgen. "Badenweiler Gedenkt Anton Tschechows." Russia Beyond the Headlines. July 17, 2014.
Accessed March 10, 2015.
http://de.rbth.com/lifestyle/2014/07/17/badenweiler_gedenkt_anton_tschechows_30343.html.
5
Scheel, Kurt. "Anton Tschechow: Die Steppe." Die Welt, August 19, 2000.
5
antagonistische Kraft im Leben der Hauptfiguren6
, wird sogleich in schöpferischer Schönheit7
und als
tückische Gefahr8
porträtiert und treibt die Handlung voran9
. Dieser Aufsatz wird ergründen, wie der
‚größte Geist der ganzen Weltliteratur‘10
die berühmt-berüchtigte Russische Landschaft in seine
Erzählungen integriert.
Die Natur tritt im Verlauf der Erzählung ‚Der Student‘ in vier isolierten Instanzen in den
Vordergrund. Schon in den ersten Zeilen wird der Leser mit einer detaillierten Beschreibung gegrüßt.
Vergleichbar mit einem Theaterstück, malt Tschechow mit lebendiger Wortwahl (‚fröhlich‘ z.4; ‚Laut‘
z.3) den Hintergrund der Geschichte. Der Autor legt dem Publikum die Eingangssituation mit einem
Vergleich nahe (‚Als bliese jemand in eine Flasche‘ z.4) und unterstützt das Gefühl der Vitalität durch
mehrere Onomatopöien (‚Drosseln Schlugen‘ z.2, ‚hallte fröhlich‘ z.4). Dies steht jedoch im
Gegensatz zum Eintritt der Kälte, welche durch das zeitliche, absolute Adjektiv ‚plötzlich‘ (z.6)
eingeleitet wird. Die leblose Wortwahl (‚ausgestorben‘ z.9) wird durch eine Hyperbel unterstützt
(‚Nadeln aus Eis‘ z.8). Somit tritt die Landschaft sowohl in belebter Form, als auch als
unergründliches (‚irgendwie düster‘ S.1) Schreckgespenst auf. Tschechow personifiziert diese beiden
Aspekte (‚der Natur selbst sei es unheimlich‘ S.1) wobei der kalte Gesichtspunkt den ersten,
harmonischen Eindruck verdrängt (‚die Ordnung und Harmonie gestört‘ S.1) und diesem Furcht
einflößt.
Kurz darauf tut sich die Elementarkraft als antagonistische Gewalt hervor, indem sie dem Vater des
Studenten zu schaffen macht. Dieser leidet an einem Husten. Das Ausmaß dieser Kraft wird durch das
Partizip ‚sich vor Kälte zusammenkrümmend‘ (S.1) artikuliert.
Zum Dritten stößt jedoch die feindselige Temperatur Ivans‘ Reflektion zur Zeitlosigkeit der
Erzählkunst an (‚in genauso einer kalten Nacht‘ S.2). Der Parallelismus von Gegenwart und Zukunft
6
(Der Student)
7
(Das Glück)
8
(In der Schlucht)
9
(Herzchen)
10
Andrzej Szczypiorski Cechov, Anton Pavlovic, and Peter Urban. "Stimmen." In Flattergeist: Erzählungen 1888-
1892. Zürich: Diogenes-Verlag, 1976.
6
bietet die Lehre von ‚Der Student‘. Ivan erreicht diese Moral nur, da er den Witwen die Geschichte des
Petrus schildert. Somit sind seine naturbegründeten Empfindungen Katalysator für reflektierende
Gedanken. Zum vierten Mal spielen Naturvorgänge im Schluss eine wesentliche Rolle. Das Gefühl der
Hoffnung, mit welchem der nur fünfseitige Text endet, wird Metaphorisch durch die Symbolik eines
Lagerfeuers (‚ruhig leuchtete das Feuer‘ S.4) verbildlicht. Der Kontrast der warmen Flammen
(‚Reisigfeuer brannte heiß‘ S.2) zu dem ‚totenstillen dunklen Garten‘ (S.4) wirkt als Korrelat zu den
emotionalen Empfindungen des Protagonisten.
‚Der Student‘ weist die Vielfältigkeit der Natur in Tschechows Prosatexten auf. Sowohl Freund als
auch Feind, bietet der unberechenbare Winter Grundlage und Hintergrund für eine rührende
Geschichte. Mitleid weckt die Sympathien des Lesers und die Naturbeschreibung zu Beginn beweist
das literarische Können des Schriftstellers.
Schwierigkeiten, wie diese, die dem Studenten sprichwörtlich die Stirn bieten, machen auch Olga
Semenova, oder ‚Herzchen‘ zu schaffen. Der Erzähler versetzt sein Publikum auf die Bühne der
Geschichte, indem er zuerst ein allbekanntes Naturphänomen onomatopoetisch vermittelt
(‚aufdringlich umschwirrten sie die Fliegen‘ S.1). Die Problematik, durch die undankbare Russische
Umgebung erzeugt, wird durch die hyperbolische wörtliche Rede Kukins‘ auf den Punkt gebracht
(‚Das ist zum Aufhängen‘ S.1). Der Leser darf nun eigene Schlussfolgerungen über das Wesen dessen
ziehen. Dieses Engagement weckt zudem die Aufmerksamkeit unsererseits. Der Schriftsteller
antagonisiert zum Teil die naturbasierten Empfindungen, durch die ironische Äußerung des
Unternehmers (‚Soll doch der ganze Park versaufen‘ S.1) und durch Wiederholungen (‚und am dritten
Tag das Gleiche…‘ S.2). Die Allgegenwärtigkeit der Tier- und Pflanzenwelt für
einkommensschwache Russen zeigt Tschechow in einer Symbolik auf. Um Olgas Wesen auf den
Punkt zu bringen, vergleicht er sie mit einer Henne (‚die ebenfalls die ganze Nacht nicht schlafen (…)
wenn kein Hahn im Stall ist‘ S.4). Anstatt eine spezifisch Russische Symbolik anzusprechen, erwähnt
der Autor ein universelles Element der Mutter Erde. Sprachliche Wendungen wie diese machen die
‚Meistererzählungen‘ für ein weltweites Publikum zugänglich. ‚Herzchen‘ lässt zudem den
7
analogischen Wert der Natur als gestaltendes Mittel erkennen. Um Olgas Einsamkeit zu vermitteln,
reduziert der Erzähler ihren Tagesplan zu einem isolierten Naturrythmus (S.9) und korreliert den ‚mit
Unkraut und Brennnesseln bewachsenen‘(S.9) Hof mit dem Zustand ihrer Seele. Letztlich erzeugt die
beiläufige Umgebungsbeschreibung eine Abwechslung von der Primärthematik (‚An einem heißen
Juliabend…‘ S.11). Somit wird eine mögliche Eintönigkeit der Problematik vermieden.
In dieser Kurzgeschichte treibt die bereits erwähnte Naturgewalt die Handlung voran. ‚Herzchen’
verliert durch eine Krankheit nach der anderen ihre Liebschaften, und ist somit gezwungen, sich einem
neuem Menschen zu widmen. Weiterhin formen die gängigen ökologischen Vorgänge einen Kontrast
zu Olgas‘ einzigartigem Wesen und der Erzähler wendet sich zur Abwechslung einem allbekanntem
Motiv zu.
Die Novelle ‚Die Dame mit dem Hündchen‘ ist in mehrerlei Hinsicht einzigartig im Register
Tschechows. Ein in sich abgerundetes Fazit bleibt zwar wie in zahlreichen anderen Kurzgeschichten
aus11 12
, jedoch ist diesmal kein einkommensschwacher Bürger Hauptfigur. Gurov -ein wohlhabender
Moskauer - nimmt ferner die Natur nur beiläufig war. Im Zuge seiner Schilderungen erwähnt er
‚Ausflüge in die Berge‘ (S.3) ohne diese jedoch zu illustrieren. Außerdem zeigt sich, dass ‚Die Dame
mit dem Hündchen‘ mehr Gewicht auf Aspekte des menschlichen Wesen legen wird: Die
Naturbeschreibung zu Beginn bleibt aus. Als sich Gurov jedoch in Anna verliebt, verstärkt sich seine
Empfindsamkeit gegenüber Flora und Fauna, wie in der Synästhesie ‚ein Hauch von dem Duft und der
Feuchtigkeit der Blumen umfing ihn‘ (S.5). Wiedermals sind Naturvorgänge Symptome für
emotionale Entwicklungen. Der auf Seite vier erwähnte Durst (‚In den Zimmern herrschte drückende
Schwüle (…) Den ganzen Tag über empfand man Durst‘ (S.4)) steht anthropomorphisch für Gurovs
Liebeshunger. Das Indefinitpronomen ‚man‘ verallgemeinert den Sinneseindruck und rückt den Leser
in den Mittelpunkt der Erzählung. Während die Zuneigung zwischen beiden Protagonisten wächst,
finden sich in größerer Zahl positiv wertende Adjektive und Adverbien in Bezug auf die Landschaft
(‚märchenhafte Umgebung‘ S.8; ‚schön und großartig‘ S.9). Die nunmehr hyperbolische
11
(‚Das Glück‘)
12
(‚Ein Fall aus der Praxis‘)
8
Ausdruckweise repräsentiert einen Charakterwandel. Klangliche Mittel (‚das eintönig dumpfe Brausen
des Meeres‘ S.8) sowie Alliterationen (‚Zikaden zirpten‘ S.8) begleiten sentimentale Euphemismen
(‚der ewige Schlaf, der uns erwartet‘ S.8). Weiterhin ist die Natur Symbolik für erwiderte Liebe,
unabhängig des kulturellen Hintergrunds (‚ein Wind des Schicksals‘ S.9). Liebe an sich ist ein
persönliches Phänomen, ihre Symbolik regt in einem jeden Menschen jedoch gänzlich persönliche
Reaktionen. Somit komplettiert der Leser die Geschichte mit dem fehlenden subjektiven Element. Als
der mittlerweile liebestolle Mann Anna verliert, spiegelt sich seine Einsamkeit in der kalten, stillen
Umgebung wieder (Wiederholung von ‚weiß‘ S.11; ‚frieren‘ S.11). Die Geliebten scheinen dem Leser
verständlicher, da er/sie selbst zuteilst deren moralischen, inneren Konflikt erzeugt.
Außerdem zeigt sich Russlands Landschaft von seiner schönsten Seite (‚Die alten weißbereiften
Linden und Birkenhaben so ein gutmütiges Aussehen bekommen‘ S.11). Gurov nimmt die zauberhafte
Schönheit war, da er als Mitglied der höheren Gesellschaftsschichten nicht die tödliche Kehrseite des
Winters empfindet. Tschechow äußert somit die Gesellschaftskritik, dass die wohlhabenden Russen
die Naturgewalt bezähmt haben mögen, die ärmeren Schichten dies nichts desto trotz nicht erleben.
Zu guter Letzt dient die ausdrucksvolle Umgebungsschilderung dem Tempo der Kurzgeschichte. Sie
bietet sprichwörtliche ‚Verschnaufpausen‘.
Schon in diesen drei Kurzgeschichten nimmt die Natur eine Vielzahl von Rollen ein. Eingesetzt
sowohl als Freund und Feind, vermittelt Anton Tschechow die Unberechenbarkeit der Russischen
Naturgewalt, besonders des Winters. Dieser ist zwar unheimlich schön13
doch tödlich zugleich14
. In
unserer der Epoche der Moderne rückt vor allem der Naturverlust in dem Mittelpunk des
schriftstellerischen Handwerks15
. Zu seiner eigenen Epoche jedoch, hinterfragte Anton Tschechow die
Kontrolle, welche Homo Sapiens scheinbar über seinen Planeten erlangt hatte. Einmal bei Mutter Erde
13
(‚Die Dame mit dem Hündchen‘)
14
(‚Herzchen‘)
15
Charlotte, Wehrspaun, and Wehrspaun Michael. "Von Der Paradoxie Des Fortschritts Zum Unvermittelten
Leitbild." Wissenschaftszentrum Berlin Für Sozialforschung, Forschungsschwerpunkt Technik - Arbeit - Umwelt,
Forschungsprofessur 1 (2002): 10. Accessed March 5, 2015.
http://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/11286/ssoar-2002-wehrspaun_et_al-
von_der_paradoxie_des_fortschritts.pdf?sequence=1.
9
in Ungnade gefallen, kann keine Figur ihren Auswirkungen entrinnen, wie sich Kukin und Ivans‘
Vater schmerzlich bewusst werden. Zugleich bieten Naturvorgänge die Lebensgrundlage des
Russischen Volkes16
. Das Bildnis, welches Tschechow malt, ist wie folgt: Nicht der Mensch hat sich
die Erde untertan gemacht, er ist ihrer Gnade schutzlos ausgeliefert. Sie ist wunderschön, in einer
uralten, unberechenbaren Art und Weise, und muss respektiert werden.
Von einer erzählerischen Perspektive setzt Anton Tschechow die Naturbeschreibung als literarisches
Werkzeug ein. Zuerst bietet sie einen malerischen Hintergrund für die Handlung. Die oftmals
magische Schilderung der Umgebung misst der erzählten Geschichte eine zusätzliche Gewichtigkeit
zu. Weiterhin erzeugt die durchdachte Beschreibung, in ihrer künstlerischen Bildhaftigkeit und
sprachlichen Komplexität, eine erste Atmosphäre17 18
. In der Erzählkunst heißt es: ‚Eine gute
Geschichte versetzt den Leser in eine andere Welt‘19
. Tschechow nutzt die Naturbeschreibung, dies zu
erreichen. Zum Dritten bieten Naturvorgänge Handlungsgrundlagen in großer Zahl20 21
und sind in der
Konsequenz ein sprichwörtliches Fundament des Geschehens.
Zuletzt schöpft der Erzähler aus den reflektierenden Attributen der Naturbeschreibung. Im Zuge von
‚Die Dame mit dem Hündchen‘ und ‚Der Student‘ sind Naturvorgänge Leitindikatoren für das innere
Wesen eines Protagonisten. Tschechow listet nicht deren Gefühlszustände auf, sondern lässt das
Publikum den Seelenzustand der Figur erarbeiten. Wie bereits erwähnt, fügen wir somit der Fabel das
fehlende subjektive Element hinzu. Dies mag einer der Gründe sein, warum die Texte des ehemaligen
Bauernjungen so universell beliebt sind. Ein jedermann schließt das Meisterwerk Tschechows mit
seiner ganz eigenen Dekoration ab. Eine Eigenart Tschechows, die sich auch auf einer Ebene der
Handlung finden lässt: Bis auf ‚Krankenzimmer Nr. 6‘ findet sich keine Kurzgeschichte, in der
Tschechow selbst sprichwörtlich den letzten Nagel in den Sarg hämmert.
Obwohl das Lebenswerk des Anton Tschechow in Anbetracht der Missstände des kaiserlichen
Russlands verfasst wurde, ist der Schriftsteller noch heutzutage beliebt. Das Motiv des Eskapismus in
16
(‚Das Glück‘)
17
(‚Der Student‘)
18
(‚Die Dame mit dem Hündchen‘)
19
Gruber, Peter. "Die Macht Von Geschichten." Harvard Business Manager Heft 3/2008, March 1, 2008.
20
(‚Herzchen‘)
21
(‚Der Student‘)
10
der modernen Literatur22
trägt ihren Teil zu dieser Popularität bei. In einer grauen, realistischen Welt
empfindet der Leser Sehnsucht nach einer ungebändigten Natur.
22
Bitomsky, Frauke. "Fremde Welten: Fantasy-Romane Boomen - Liber Laetitia." Liber Laetitia. December 12,
2014. Accessed March 10, 2015. http://liber-laetitia.de/blog/fantasy-romane-boomen/.
11
4) Bibliographie:
I) Bücher
Cechov, Anton Pavlovic, and Peter Urban. "Stimmen." In Flattergeist: Erzählungen 1888-1892.
Zürich: Diogenes-Verlag, 1976.
Friedl, Gerhard. EinFach Deutsch Unterrichtsmodelle Naturlyrik: Gymnasiale Oberstufe. Paderborn:
Schöningh Verlag Im Westermann Schulbuchverlag, 2014.
Smirnov, Johanna Renate. Von Puschkin Bis Sorokin - Zwanzig Russische Autoren Im Porträt. Wien:
Böhlau, 2013. 130.
Tabata, Kazumi. Secret Tactics: Lessons from the Great Masters of Martial Arts. 1st ed. Vol. 1.
Boston: Tuttle Pub., 2003.
Tschechow, Anton Pawlowitsch. "Das Glück." In Erzählungen. 2nd ed. Vol. 1. Stuttgart: Reclam,
2013.
Tschechow, Anton Pawlowitsch. "Der Student." In Meistererzählungen. Zürich: Diogenes, 1989.
Tschechow, Anton Pawlowitsch. "Die Dame Mit Dem Hündchen." In Meistererzählungen. Zürich:
Diogenes, 1989.
Tschechow, Anton Pawlowitsch. "Ein Fall Aus Der Praxis." In Erzählungen. 2nd ed. Vol. 1. Stuttgart:
Reclam, 2013.
Tschechow, Anton Pawlowitsch. "Herzchen." In Meistererzählungen. Zürich: Diogenes, 1989.
Tschechow, Anton Pawlowitsch. "In Der Schlucht." In Erzählungen. 2nd ed. Vol. 1. Stuttgart: Reclam,
2013.
II) Andere Quellen
12
Lentes, Jürgen. "Badenweiler Gedenkt Anton Tschechows." Russia Beyond the Headlines. July 17,
2014. Accessed March 10, 2015.
http://de.rbth.com/lifestyle/2014/07/17/badenweiler_gedenkt_anton_tschechows_30343.html.
Bitomsky, Frauke. "Fremde Welten: Fantasy-Romane Boomen - Liber Laetitia." Liber Laetitia.
December 12, 2014. Accessed March 10, 2015. http://liber-laetitia.de/blog/fantasy-romane-boomen/.
Charlotte, Wehrspaun, and Wehrspaun Michael. "Von Der Paradoxie Des Fortschritts Zum
Unvermittelten Leitbild." Wissenschaftszentrum Berlin Für Sozialforschung, Forschungsschwerpunkt
Technik - Arbeit - Umwelt, Forschungsprofessur 1 (2002): 10. Accessed March 5, 2015.
http://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/11286/ssoar-2002-wehrspaun_et_al-
von_der_paradoxie_des_fortschritts.pdf?sequence=1.
Gruber, Peter. "Die Macht Von Geschichten." Harvard Business Manager Heft 3/2008, March 1,
2008.
Scheel, Kurt. "Anton Tschechow: Die Steppe." Die Welt, August 19, 2000.

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  • 2. 2 1. Inhalt 2 2. Notizen und Vorwort 3 3. Aufsatz 4 a. Einleitung 4 b. Der Student 5 c. Herzchen 6 d. Die Dame mit dem Hündchen 7 e. Schluss 8 4. Bibliographie 11
  • 3. 3 2) Notizen und Vorwort Die Erzählungen ‚Der Student‘, ‚Herzchen‘ und ‚Die Dame mit dem Hündchen‘ wurden im Laufe des Aufsatzes im Detail analysiert. Zudem bezieht sich dieser Text auf mehrere andere Kurzgeschichten Anton Tschechows. Diese sind im Anhang aufgelistet. Die Titel solcher Erzählungen sind kursiv hervorgehoben. Verweis auf beispielhafte Texte findet sich in den Fußnoten, falls nicht in den Satz eingegliedert.
  • 4. 4 3) Aufsatz: 1495 Worte ‚Die Frühlingsbriese kann jeden Moment durch einen Blitzschlag zerschnitten werden‘1 Mugaku Songen, Japanischer Mönch (ca. 1250) ‚In großer Höhe freilich Scheinen Stürme zu gehen. Sie berühren nur mehr Unsere Antennen‘2 Berthold Brecht, Deutscher Autor ‚Über das Frühjahr‘ (1928) Das Motiv der Naturbeschreibung vereint die Weltliteratur - durch Raum und Zeit. Doch rund sechs Jahrzehnte bevor Berthold Brecht in dem lyrischen Text ‚Über das Frühjahr‘ die abgeschwächte Wahrnehmung von Naturvorgängen anprangert, wächst Anton Tschechow in der Südrussischen Hafenstadt Taganrog in Abhängigkeit von eben diesen auf. Da beide seiner Eltern aus Bauernfamilien stammen, hat der junge Anton keinerlei Zugang zum Luxus der sozioökonomisch stärkeren Gesellschaftsklassen Russlands. Er erfährt die Urkraft der Russischen Naturgewalt in all seiner Stärke und wird diesen Abschnitt in seinem Leben später als richtungsweisend bestimmen: ‚ Was die adligen Schriftsteller von der Natur umsonst bekommen haben, das erkaufen sich die Rasnotschinzen auf Kosten ihrer Jugend‘3 . Zu diesem Zeitpunkt gilt der gesellschaftskritische Schriftsteller schon als Meister der Erzählkunst4 , ein Ruf, welchen Tschechow noch heutzutage in der Weltliteratur genießt5 . Dieses Renommee´ mag dem Autor nicht zuletzt deswegen zufallen, da die zeitlose Thematik der Mutter Erde eine Vielfältigkeit an Rollen annimmt. So wirkt sie sowohl als Protagonist als auch als 1 Tabata, Kazumi. Secret Tactics: Lessons from the Great Masters of Martial Arts. 1st ed. Vol. 1. Boston: Tuttle Pub., 2003. 2 Friedl, Gerhard. EinFach Deutsch Unterrichtsmodelle Naturlyrik: Gymnasiale Oberstufe. Paderborn: Schöningh Verlag Im Westermann Schulbuchverlag, 2014. 3 Smirnov, Johanna Renate. Von Puschkin Bis Sorokin - Zwanzig Russische Autoren Im Porträt. Wien: Böhlau, 2013. 130. 4 Lentes, Jürgen. "Badenweiler Gedenkt Anton Tschechows." Russia Beyond the Headlines. July 17, 2014. Accessed March 10, 2015. http://de.rbth.com/lifestyle/2014/07/17/badenweiler_gedenkt_anton_tschechows_30343.html. 5 Scheel, Kurt. "Anton Tschechow: Die Steppe." Die Welt, August 19, 2000.
  • 5. 5 antagonistische Kraft im Leben der Hauptfiguren6 , wird sogleich in schöpferischer Schönheit7 und als tückische Gefahr8 porträtiert und treibt die Handlung voran9 . Dieser Aufsatz wird ergründen, wie der ‚größte Geist der ganzen Weltliteratur‘10 die berühmt-berüchtigte Russische Landschaft in seine Erzählungen integriert. Die Natur tritt im Verlauf der Erzählung ‚Der Student‘ in vier isolierten Instanzen in den Vordergrund. Schon in den ersten Zeilen wird der Leser mit einer detaillierten Beschreibung gegrüßt. Vergleichbar mit einem Theaterstück, malt Tschechow mit lebendiger Wortwahl (‚fröhlich‘ z.4; ‚Laut‘ z.3) den Hintergrund der Geschichte. Der Autor legt dem Publikum die Eingangssituation mit einem Vergleich nahe (‚Als bliese jemand in eine Flasche‘ z.4) und unterstützt das Gefühl der Vitalität durch mehrere Onomatopöien (‚Drosseln Schlugen‘ z.2, ‚hallte fröhlich‘ z.4). Dies steht jedoch im Gegensatz zum Eintritt der Kälte, welche durch das zeitliche, absolute Adjektiv ‚plötzlich‘ (z.6) eingeleitet wird. Die leblose Wortwahl (‚ausgestorben‘ z.9) wird durch eine Hyperbel unterstützt (‚Nadeln aus Eis‘ z.8). Somit tritt die Landschaft sowohl in belebter Form, als auch als unergründliches (‚irgendwie düster‘ S.1) Schreckgespenst auf. Tschechow personifiziert diese beiden Aspekte (‚der Natur selbst sei es unheimlich‘ S.1) wobei der kalte Gesichtspunkt den ersten, harmonischen Eindruck verdrängt (‚die Ordnung und Harmonie gestört‘ S.1) und diesem Furcht einflößt. Kurz darauf tut sich die Elementarkraft als antagonistische Gewalt hervor, indem sie dem Vater des Studenten zu schaffen macht. Dieser leidet an einem Husten. Das Ausmaß dieser Kraft wird durch das Partizip ‚sich vor Kälte zusammenkrümmend‘ (S.1) artikuliert. Zum Dritten stößt jedoch die feindselige Temperatur Ivans‘ Reflektion zur Zeitlosigkeit der Erzählkunst an (‚in genauso einer kalten Nacht‘ S.2). Der Parallelismus von Gegenwart und Zukunft 6 (Der Student) 7 (Das Glück) 8 (In der Schlucht) 9 (Herzchen) 10 Andrzej Szczypiorski Cechov, Anton Pavlovic, and Peter Urban. "Stimmen." In Flattergeist: Erzählungen 1888- 1892. Zürich: Diogenes-Verlag, 1976.
  • 6. 6 bietet die Lehre von ‚Der Student‘. Ivan erreicht diese Moral nur, da er den Witwen die Geschichte des Petrus schildert. Somit sind seine naturbegründeten Empfindungen Katalysator für reflektierende Gedanken. Zum vierten Mal spielen Naturvorgänge im Schluss eine wesentliche Rolle. Das Gefühl der Hoffnung, mit welchem der nur fünfseitige Text endet, wird Metaphorisch durch die Symbolik eines Lagerfeuers (‚ruhig leuchtete das Feuer‘ S.4) verbildlicht. Der Kontrast der warmen Flammen (‚Reisigfeuer brannte heiß‘ S.2) zu dem ‚totenstillen dunklen Garten‘ (S.4) wirkt als Korrelat zu den emotionalen Empfindungen des Protagonisten. ‚Der Student‘ weist die Vielfältigkeit der Natur in Tschechows Prosatexten auf. Sowohl Freund als auch Feind, bietet der unberechenbare Winter Grundlage und Hintergrund für eine rührende Geschichte. Mitleid weckt die Sympathien des Lesers und die Naturbeschreibung zu Beginn beweist das literarische Können des Schriftstellers. Schwierigkeiten, wie diese, die dem Studenten sprichwörtlich die Stirn bieten, machen auch Olga Semenova, oder ‚Herzchen‘ zu schaffen. Der Erzähler versetzt sein Publikum auf die Bühne der Geschichte, indem er zuerst ein allbekanntes Naturphänomen onomatopoetisch vermittelt (‚aufdringlich umschwirrten sie die Fliegen‘ S.1). Die Problematik, durch die undankbare Russische Umgebung erzeugt, wird durch die hyperbolische wörtliche Rede Kukins‘ auf den Punkt gebracht (‚Das ist zum Aufhängen‘ S.1). Der Leser darf nun eigene Schlussfolgerungen über das Wesen dessen ziehen. Dieses Engagement weckt zudem die Aufmerksamkeit unsererseits. Der Schriftsteller antagonisiert zum Teil die naturbasierten Empfindungen, durch die ironische Äußerung des Unternehmers (‚Soll doch der ganze Park versaufen‘ S.1) und durch Wiederholungen (‚und am dritten Tag das Gleiche…‘ S.2). Die Allgegenwärtigkeit der Tier- und Pflanzenwelt für einkommensschwache Russen zeigt Tschechow in einer Symbolik auf. Um Olgas Wesen auf den Punkt zu bringen, vergleicht er sie mit einer Henne (‚die ebenfalls die ganze Nacht nicht schlafen (…) wenn kein Hahn im Stall ist‘ S.4). Anstatt eine spezifisch Russische Symbolik anzusprechen, erwähnt der Autor ein universelles Element der Mutter Erde. Sprachliche Wendungen wie diese machen die ‚Meistererzählungen‘ für ein weltweites Publikum zugänglich. ‚Herzchen‘ lässt zudem den
  • 7. 7 analogischen Wert der Natur als gestaltendes Mittel erkennen. Um Olgas Einsamkeit zu vermitteln, reduziert der Erzähler ihren Tagesplan zu einem isolierten Naturrythmus (S.9) und korreliert den ‚mit Unkraut und Brennnesseln bewachsenen‘(S.9) Hof mit dem Zustand ihrer Seele. Letztlich erzeugt die beiläufige Umgebungsbeschreibung eine Abwechslung von der Primärthematik (‚An einem heißen Juliabend…‘ S.11). Somit wird eine mögliche Eintönigkeit der Problematik vermieden. In dieser Kurzgeschichte treibt die bereits erwähnte Naturgewalt die Handlung voran. ‚Herzchen’ verliert durch eine Krankheit nach der anderen ihre Liebschaften, und ist somit gezwungen, sich einem neuem Menschen zu widmen. Weiterhin formen die gängigen ökologischen Vorgänge einen Kontrast zu Olgas‘ einzigartigem Wesen und der Erzähler wendet sich zur Abwechslung einem allbekanntem Motiv zu. Die Novelle ‚Die Dame mit dem Hündchen‘ ist in mehrerlei Hinsicht einzigartig im Register Tschechows. Ein in sich abgerundetes Fazit bleibt zwar wie in zahlreichen anderen Kurzgeschichten aus11 12 , jedoch ist diesmal kein einkommensschwacher Bürger Hauptfigur. Gurov -ein wohlhabender Moskauer - nimmt ferner die Natur nur beiläufig war. Im Zuge seiner Schilderungen erwähnt er ‚Ausflüge in die Berge‘ (S.3) ohne diese jedoch zu illustrieren. Außerdem zeigt sich, dass ‚Die Dame mit dem Hündchen‘ mehr Gewicht auf Aspekte des menschlichen Wesen legen wird: Die Naturbeschreibung zu Beginn bleibt aus. Als sich Gurov jedoch in Anna verliebt, verstärkt sich seine Empfindsamkeit gegenüber Flora und Fauna, wie in der Synästhesie ‚ein Hauch von dem Duft und der Feuchtigkeit der Blumen umfing ihn‘ (S.5). Wiedermals sind Naturvorgänge Symptome für emotionale Entwicklungen. Der auf Seite vier erwähnte Durst (‚In den Zimmern herrschte drückende Schwüle (…) Den ganzen Tag über empfand man Durst‘ (S.4)) steht anthropomorphisch für Gurovs Liebeshunger. Das Indefinitpronomen ‚man‘ verallgemeinert den Sinneseindruck und rückt den Leser in den Mittelpunkt der Erzählung. Während die Zuneigung zwischen beiden Protagonisten wächst, finden sich in größerer Zahl positiv wertende Adjektive und Adverbien in Bezug auf die Landschaft (‚märchenhafte Umgebung‘ S.8; ‚schön und großartig‘ S.9). Die nunmehr hyperbolische 11 (‚Das Glück‘) 12 (‚Ein Fall aus der Praxis‘)
  • 8. 8 Ausdruckweise repräsentiert einen Charakterwandel. Klangliche Mittel (‚das eintönig dumpfe Brausen des Meeres‘ S.8) sowie Alliterationen (‚Zikaden zirpten‘ S.8) begleiten sentimentale Euphemismen (‚der ewige Schlaf, der uns erwartet‘ S.8). Weiterhin ist die Natur Symbolik für erwiderte Liebe, unabhängig des kulturellen Hintergrunds (‚ein Wind des Schicksals‘ S.9). Liebe an sich ist ein persönliches Phänomen, ihre Symbolik regt in einem jeden Menschen jedoch gänzlich persönliche Reaktionen. Somit komplettiert der Leser die Geschichte mit dem fehlenden subjektiven Element. Als der mittlerweile liebestolle Mann Anna verliert, spiegelt sich seine Einsamkeit in der kalten, stillen Umgebung wieder (Wiederholung von ‚weiß‘ S.11; ‚frieren‘ S.11). Die Geliebten scheinen dem Leser verständlicher, da er/sie selbst zuteilst deren moralischen, inneren Konflikt erzeugt. Außerdem zeigt sich Russlands Landschaft von seiner schönsten Seite (‚Die alten weißbereiften Linden und Birkenhaben so ein gutmütiges Aussehen bekommen‘ S.11). Gurov nimmt die zauberhafte Schönheit war, da er als Mitglied der höheren Gesellschaftsschichten nicht die tödliche Kehrseite des Winters empfindet. Tschechow äußert somit die Gesellschaftskritik, dass die wohlhabenden Russen die Naturgewalt bezähmt haben mögen, die ärmeren Schichten dies nichts desto trotz nicht erleben. Zu guter Letzt dient die ausdrucksvolle Umgebungsschilderung dem Tempo der Kurzgeschichte. Sie bietet sprichwörtliche ‚Verschnaufpausen‘. Schon in diesen drei Kurzgeschichten nimmt die Natur eine Vielzahl von Rollen ein. Eingesetzt sowohl als Freund und Feind, vermittelt Anton Tschechow die Unberechenbarkeit der Russischen Naturgewalt, besonders des Winters. Dieser ist zwar unheimlich schön13 doch tödlich zugleich14 . In unserer der Epoche der Moderne rückt vor allem der Naturverlust in dem Mittelpunk des schriftstellerischen Handwerks15 . Zu seiner eigenen Epoche jedoch, hinterfragte Anton Tschechow die Kontrolle, welche Homo Sapiens scheinbar über seinen Planeten erlangt hatte. Einmal bei Mutter Erde 13 (‚Die Dame mit dem Hündchen‘) 14 (‚Herzchen‘) 15 Charlotte, Wehrspaun, and Wehrspaun Michael. "Von Der Paradoxie Des Fortschritts Zum Unvermittelten Leitbild." Wissenschaftszentrum Berlin Für Sozialforschung, Forschungsschwerpunkt Technik - Arbeit - Umwelt, Forschungsprofessur 1 (2002): 10. Accessed March 5, 2015. http://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/11286/ssoar-2002-wehrspaun_et_al- von_der_paradoxie_des_fortschritts.pdf?sequence=1.
  • 9. 9 in Ungnade gefallen, kann keine Figur ihren Auswirkungen entrinnen, wie sich Kukin und Ivans‘ Vater schmerzlich bewusst werden. Zugleich bieten Naturvorgänge die Lebensgrundlage des Russischen Volkes16 . Das Bildnis, welches Tschechow malt, ist wie folgt: Nicht der Mensch hat sich die Erde untertan gemacht, er ist ihrer Gnade schutzlos ausgeliefert. Sie ist wunderschön, in einer uralten, unberechenbaren Art und Weise, und muss respektiert werden. Von einer erzählerischen Perspektive setzt Anton Tschechow die Naturbeschreibung als literarisches Werkzeug ein. Zuerst bietet sie einen malerischen Hintergrund für die Handlung. Die oftmals magische Schilderung der Umgebung misst der erzählten Geschichte eine zusätzliche Gewichtigkeit zu. Weiterhin erzeugt die durchdachte Beschreibung, in ihrer künstlerischen Bildhaftigkeit und sprachlichen Komplexität, eine erste Atmosphäre17 18 . In der Erzählkunst heißt es: ‚Eine gute Geschichte versetzt den Leser in eine andere Welt‘19 . Tschechow nutzt die Naturbeschreibung, dies zu erreichen. Zum Dritten bieten Naturvorgänge Handlungsgrundlagen in großer Zahl20 21 und sind in der Konsequenz ein sprichwörtliches Fundament des Geschehens. Zuletzt schöpft der Erzähler aus den reflektierenden Attributen der Naturbeschreibung. Im Zuge von ‚Die Dame mit dem Hündchen‘ und ‚Der Student‘ sind Naturvorgänge Leitindikatoren für das innere Wesen eines Protagonisten. Tschechow listet nicht deren Gefühlszustände auf, sondern lässt das Publikum den Seelenzustand der Figur erarbeiten. Wie bereits erwähnt, fügen wir somit der Fabel das fehlende subjektive Element hinzu. Dies mag einer der Gründe sein, warum die Texte des ehemaligen Bauernjungen so universell beliebt sind. Ein jedermann schließt das Meisterwerk Tschechows mit seiner ganz eigenen Dekoration ab. Eine Eigenart Tschechows, die sich auch auf einer Ebene der Handlung finden lässt: Bis auf ‚Krankenzimmer Nr. 6‘ findet sich keine Kurzgeschichte, in der Tschechow selbst sprichwörtlich den letzten Nagel in den Sarg hämmert. Obwohl das Lebenswerk des Anton Tschechow in Anbetracht der Missstände des kaiserlichen Russlands verfasst wurde, ist der Schriftsteller noch heutzutage beliebt. Das Motiv des Eskapismus in 16 (‚Das Glück‘) 17 (‚Der Student‘) 18 (‚Die Dame mit dem Hündchen‘) 19 Gruber, Peter. "Die Macht Von Geschichten." Harvard Business Manager Heft 3/2008, March 1, 2008. 20 (‚Herzchen‘) 21 (‚Der Student‘)
  • 10. 10 der modernen Literatur22 trägt ihren Teil zu dieser Popularität bei. In einer grauen, realistischen Welt empfindet der Leser Sehnsucht nach einer ungebändigten Natur. 22 Bitomsky, Frauke. "Fremde Welten: Fantasy-Romane Boomen - Liber Laetitia." Liber Laetitia. December 12, 2014. Accessed March 10, 2015. http://liber-laetitia.de/blog/fantasy-romane-boomen/.
  • 11. 11 4) Bibliographie: I) Bücher Cechov, Anton Pavlovic, and Peter Urban. "Stimmen." In Flattergeist: Erzählungen 1888-1892. Zürich: Diogenes-Verlag, 1976. Friedl, Gerhard. EinFach Deutsch Unterrichtsmodelle Naturlyrik: Gymnasiale Oberstufe. Paderborn: Schöningh Verlag Im Westermann Schulbuchverlag, 2014. Smirnov, Johanna Renate. Von Puschkin Bis Sorokin - Zwanzig Russische Autoren Im Porträt. Wien: Böhlau, 2013. 130. Tabata, Kazumi. Secret Tactics: Lessons from the Great Masters of Martial Arts. 1st ed. Vol. 1. Boston: Tuttle Pub., 2003. Tschechow, Anton Pawlowitsch. "Das Glück." In Erzählungen. 2nd ed. Vol. 1. Stuttgart: Reclam, 2013. Tschechow, Anton Pawlowitsch. "Der Student." In Meistererzählungen. Zürich: Diogenes, 1989. Tschechow, Anton Pawlowitsch. "Die Dame Mit Dem Hündchen." In Meistererzählungen. Zürich: Diogenes, 1989. Tschechow, Anton Pawlowitsch. "Ein Fall Aus Der Praxis." In Erzählungen. 2nd ed. Vol. 1. Stuttgart: Reclam, 2013. Tschechow, Anton Pawlowitsch. "Herzchen." In Meistererzählungen. Zürich: Diogenes, 1989. Tschechow, Anton Pawlowitsch. "In Der Schlucht." In Erzählungen. 2nd ed. Vol. 1. Stuttgart: Reclam, 2013. II) Andere Quellen
  • 12. 12 Lentes, Jürgen. "Badenweiler Gedenkt Anton Tschechows." Russia Beyond the Headlines. July 17, 2014. Accessed March 10, 2015. http://de.rbth.com/lifestyle/2014/07/17/badenweiler_gedenkt_anton_tschechows_30343.html. Bitomsky, Frauke. "Fremde Welten: Fantasy-Romane Boomen - Liber Laetitia." Liber Laetitia. December 12, 2014. Accessed March 10, 2015. http://liber-laetitia.de/blog/fantasy-romane-boomen/. Charlotte, Wehrspaun, and Wehrspaun Michael. "Von Der Paradoxie Des Fortschritts Zum Unvermittelten Leitbild." Wissenschaftszentrum Berlin Für Sozialforschung, Forschungsschwerpunkt Technik - Arbeit - Umwelt, Forschungsprofessur 1 (2002): 10. Accessed March 5, 2015. http://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/11286/ssoar-2002-wehrspaun_et_al- von_der_paradoxie_des_fortschritts.pdf?sequence=1. Gruber, Peter. "Die Macht Von Geschichten." Harvard Business Manager Heft 3/2008, March 1, 2008. Scheel, Kurt. "Anton Tschechow: Die Steppe." Die Welt, August 19, 2000.