Berlin, 06.12.13

Islamfeindlichkeit in Deutschland
Eine Bestandsaufnahme
Webinar der Friedrich-Ebert-Stiftung, 6.12.2013
Dr. Dietmar Molthagen
Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin
Projektleiter Integration und Teilhabe
2
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Inhalt
1.) Muslimisches Leben in Deutschland
2.) „Der Islam“ – ein Politikum
3.) Daten zu Islamfeindlichkeit in Deutschland
4.) Fallbeispiele: vier islambezogene Debatten
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1.) Muslimisches Leben
in Deutschland
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Quelle:
Religionsmonitor der
BertelsmannStiftung, 2010
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„Islam“ – Sammelbegriff für vielfältiges religiöses Leben
Verschiedene Konfessionen: Sunniten (74%), Schiiten (7%), Sufis,
Ibadit, ...
Aleviten (13%) und Ahmadiyya (2%): oft subsummiert, aber
theologische Sonderfälle
Rund 2450 Gemeinden mit ca. 1700 Imamen, meist in der
Rechtsform des e.V.
Verbände: Ditib, VIKZ, Islamrat, ZMD – Dachverband der
Dachverbände: Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland
(KMD). Weitere Verbände: Aleviten, Bosniaken.
Breit gefächertes kulturelles Leben und soziales Engagement
7
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2.) „Der Islam“ – ein Politikum
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Muslimisches Leben unter Beobachtung
Seit dem 11.9.2001 ist muslimisches Leben eng mit Sicherheitsfragen verknüpft. In Ergebnis beidseitige Belastung des Verhältnisses von muslimischen Gemeinden und deutschem Staat.
2006 Gründung der „Deutschen Islamkonferenz“ durch das BMI:
Einerseits Beginn eines lang erwarteten Dialogprozesses, an
dessen Ende die Integration des Islams in deutsche
Religionsrecht stehen soll, andererseits die ausgrenzende
Konstruktion des zu integrierenden „muslimischen
Subjekts“(Levent Teczan)
Starke mediale Beschäftigung mit dem Islam. Dabei beurteilen
71% der Bevölkerung das in den Medien verbreitete Islambild als
zu negativ (SVR-Monitor 2013)
9
9

Begriffsdebatte – Begriffsverwirrung
Islamfeindlichkeit: Meint die prinzipielle Ablehnung des Islam als
Religion. Ist Arbeitsbegriff der FES und vieler anderer
Muslimfeindlichkeit: Verstärkt den Fokus auf die Diskriminierung
der/des einzelnen Muslim/a
Islamophobie: Meint sprachlich die Furcht vor dem Islam. Der
Begriff löste 2009 eine Debatte aus, als er vom Zentrum für
Antisemitismusforschung im Zusammenhang mit Antisemitismus
eingebracht worden ist.
Antimuslimischer Rassismus: eine Spielart kulturell begründeten
Rassismus‘ im „Zusammenspiel der Kategorien Kultur, Religion,
Ethnizität und Geschlecht“ (Yasemin Shooman)
10
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3.) Daten zu Islamfeindlichkeit
in Deutschland
11
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FES-Studie: „Die Mitte im Umbruch“
Repräsentativbefragung von knapp 2.500 Personen
nach rechtsextremen Einstellungen
(Forschungsreihe seit 2002)
Befragungszeitraum Sommer 2012
Besonderheit der 2012er Studie:
Versuch der Differenzierung
zwischen Islamfeindlichkeit und
Islamkritik, erstmals gesonderte
Erhebung des Migrationshintergrunds
12
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Studie des IKG der Universität Bielefeld
Studie der Universität Bielefeld in acht EUMitgliedsländern (je 1.000 Befragte, repräsentativ)
Zeitraum: Oktober bis Dezember 2008
Die Befragten äußern Zustimmung
oder Ablehnung zu den Aussagen auf
einer 4-stufigen Skala
Von der von der FES publiziert
(http://www.fes-gegenrechtsextremismus.de/inhalte/
studien_Gutachten.php)
17
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„Die Abwertung der Anderen“ – Ergebnisse
18
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Bielefelder Resultate
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Klassische islamfeindliche Stereotype
• Der Islam ist kulturell fremdartig
• Muslime sind intolerant und missachten
Grundrechte (insbesondere der Frauen)
• Muslime benehmen sich im „Gastland“ schlecht
(implizit Verweigerung der Möglichkeit zur
Zugehörigkeit)
• Muslime vermehren sich stärker als andere und
verursachen so eine schleichende Islamisierung
Deutschlands
• Der Islam braucht eine „Reformation“
21
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Klassische islamfeindliche Stereotype
Wichtig für das Wesen als Ressentiment:
-Verallgemeinerung „der Islam“
-Konstruktion eines homogenen Islams
-Annahme der Unveränderlichkeit muslimischen
Lebens seit der Zeit des Propheten
22
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4.) Fallbeispiele: Debatten
über islambezogene Themen
23
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„Der Islam gehört zu Deutschland“
24
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Kopftuch und unterdrückte Frauen

Studie der PH Freiburg in Südbaden 2013:
35% der KMU würden keine Frau mit Kopftuch einstellen. Zum Vergleich: 5% würden
keine/n homosexuelle/n Bewerber/in
einstellen.
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„Parallelgesellschaften“
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Islamfeindlichkeit als Anknüpfungspunkt
der extremen Rechten
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Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit
Dr. Dietmar Molthagen
Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin
Projektleiter Integration und Teilhabe
Hiroshimastr. 17, 10785 Berlin
Tel. 030/ 269 35 7322
Mail: dietmar.molthagen@fes.de

Webinar 2 islamfeindlichkeit

  • 1.
    Berlin, 06.12.13 Islamfeindlichkeit inDeutschland Eine Bestandsaufnahme Webinar der Friedrich-Ebert-Stiftung, 6.12.2013 Dr. Dietmar Molthagen Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin Projektleiter Integration und Teilhabe
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    2 2 Inhalt 1.) Muslimisches Lebenin Deutschland 2.) „Der Islam“ – ein Politikum 3.) Daten zu Islamfeindlichkeit in Deutschland 4.) Fallbeispiele: vier islambezogene Debatten
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    6 6 „Islam“ – Sammelbegrifffür vielfältiges religiöses Leben Verschiedene Konfessionen: Sunniten (74%), Schiiten (7%), Sufis, Ibadit, ... Aleviten (13%) und Ahmadiyya (2%): oft subsummiert, aber theologische Sonderfälle Rund 2450 Gemeinden mit ca. 1700 Imamen, meist in der Rechtsform des e.V. Verbände: Ditib, VIKZ, Islamrat, ZMD – Dachverband der Dachverbände: Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland (KMD). Weitere Verbände: Aleviten, Bosniaken. Breit gefächertes kulturelles Leben und soziales Engagement
  • 7.
    7 7 2.) „Der Islam“– ein Politikum
  • 8.
    8 8 Muslimisches Leben unterBeobachtung Seit dem 11.9.2001 ist muslimisches Leben eng mit Sicherheitsfragen verknüpft. In Ergebnis beidseitige Belastung des Verhältnisses von muslimischen Gemeinden und deutschem Staat. 2006 Gründung der „Deutschen Islamkonferenz“ durch das BMI: Einerseits Beginn eines lang erwarteten Dialogprozesses, an dessen Ende die Integration des Islams in deutsche Religionsrecht stehen soll, andererseits die ausgrenzende Konstruktion des zu integrierenden „muslimischen Subjekts“(Levent Teczan) Starke mediale Beschäftigung mit dem Islam. Dabei beurteilen 71% der Bevölkerung das in den Medien verbreitete Islambild als zu negativ (SVR-Monitor 2013)
  • 9.
    9 9 Begriffsdebatte – Begriffsverwirrung Islamfeindlichkeit:Meint die prinzipielle Ablehnung des Islam als Religion. Ist Arbeitsbegriff der FES und vieler anderer Muslimfeindlichkeit: Verstärkt den Fokus auf die Diskriminierung der/des einzelnen Muslim/a Islamophobie: Meint sprachlich die Furcht vor dem Islam. Der Begriff löste 2009 eine Debatte aus, als er vom Zentrum für Antisemitismusforschung im Zusammenhang mit Antisemitismus eingebracht worden ist. Antimuslimischer Rassismus: eine Spielart kulturell begründeten Rassismus‘ im „Zusammenspiel der Kategorien Kultur, Religion, Ethnizität und Geschlecht“ (Yasemin Shooman)
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    10 10 3.) Daten zuIslamfeindlichkeit in Deutschland
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    11 11 FES-Studie: „Die Mitteim Umbruch“ Repräsentativbefragung von knapp 2.500 Personen nach rechtsextremen Einstellungen (Forschungsreihe seit 2002) Befragungszeitraum Sommer 2012 Besonderheit der 2012er Studie: Versuch der Differenzierung zwischen Islamfeindlichkeit und Islamkritik, erstmals gesonderte Erhebung des Migrationshintergrunds
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    16 16 Studie des IKGder Universität Bielefeld Studie der Universität Bielefeld in acht EUMitgliedsländern (je 1.000 Befragte, repräsentativ) Zeitraum: Oktober bis Dezember 2008 Die Befragten äußern Zustimmung oder Ablehnung zu den Aussagen auf einer 4-stufigen Skala Von der von der FES publiziert (http://www.fes-gegenrechtsextremismus.de/inhalte/ studien_Gutachten.php)
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    17 17 „Die Abwertung derAnderen“ – Ergebnisse
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    20 20 Klassische islamfeindliche Stereotype •Der Islam ist kulturell fremdartig • Muslime sind intolerant und missachten Grundrechte (insbesondere der Frauen) • Muslime benehmen sich im „Gastland“ schlecht (implizit Verweigerung der Möglichkeit zur Zugehörigkeit) • Muslime vermehren sich stärker als andere und verursachen so eine schleichende Islamisierung Deutschlands • Der Islam braucht eine „Reformation“
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    21 21 Klassische islamfeindliche Stereotype Wichtigfür das Wesen als Ressentiment: -Verallgemeinerung „der Islam“ -Konstruktion eines homogenen Islams -Annahme der Unveränderlichkeit muslimischen Lebens seit der Zeit des Propheten
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    23 23 „Der Islam gehörtzu Deutschland“
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    24 24 Kopftuch und unterdrückteFrauen Studie der PH Freiburg in Südbaden 2013: 35% der KMU würden keine Frau mit Kopftuch einstellen. Zum Vergleich: 5% würden keine/n homosexuelle/n Bewerber/in einstellen.
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    27 27 Herzlichen Dank fürdie Aufmerksamkeit Dr. Dietmar Molthagen Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin Projektleiter Integration und Teilhabe Hiroshimastr. 17, 10785 Berlin Tel. 030/ 269 35 7322 Mail: dietmar.molthagen@fes.de