Möglichkeiten und Grenzen
Künstlicher Intelligenz in
der Hörgeräteversorgung
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
Besserer Begriff: „Erweiterte
Intelligenz“Prof. Dr. Ladan Pooyan-
Weihs
• Begriff „Künstliche Intelligenz“ ist irreführend und weckt falsche
Vorstellungen. Suggeriert potenziellen Kontrollverlust des
Menschen.
• Digital-Ethiker plädieren daher für den Begriff „Erweiterte
Intelligenz“: Menschliches Lernen und Denken wird auf den
Computer übertragen – und durch dessen größere Rechenkapazität
erweitert.
• Weder Golem noch Terminator: Der Mensch definiert die Regeln und
Grenzen, innerhalb derer sich ein KI-Programm bewegt.
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
Mitte des 20. Jhdt: Kinderstube der KI-Forschung
50er und 60er Jahre
Erste KI-Programme
• Dartmouth-Conference 1956 gilt als
Startpunkt der KI-Forschung.
• Wissenschaftler wie John McCarthy, Marvin
Minsky, Claude Shannon und Herbert
Simon prägen den Begriff „Künstliche
Intelligenz“.
• In dieser Zeit entstehen die ersten KI-
Programme, z.B. „Logic Theorist“ oder der
frühe ChatBot „Eliza“.
• Die Programme handelten streng
regelbasiert – auf A folgt B.
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
Mitte des 20. Jhdt: Kinderstube der KI-Forschung
„Perzeptron Modell“:
Erste Theorien für Neuronale
Netze
• In den 1960er Jahren wurden erste
Systeme zur Problemlösung
entwickelt, z.B. das Perzeptron-
Modell.
• Eine Maschine erhält eine Vielzahl an
Variablen als Input – diese werden
gewichtet und summiert.
• Das Ergebnis löst einen Output aus –
die Maschine handelt.
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
70er bis 80er Jahre – der KI-Winter
Öffentliches
Interesse
Staatliche
Investitionen
Nicht tauglich für
Alltagsprobleme
Expertensysteme zu
teuer
Wirtschaftliches
Interesse
Unerfüllte
Erwartungen
zerstören den „Hype“
• Die hohen Erwartungen der 50er und
60er Jahre an KI-Systeme wurden nicht
erfüllt.
• Staatliche und private Investitionen
sowie das öffentliche Interesse gingen
zurück.
• Regelbasierte Wissensverarbeitung
war zwar für Experten in bestimmten
Nischenfeldern hilfreich, z.B. in der
medizinischen Diagnostik.
• Für die Lösung von Alltagsfragen war
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
1990er bis 2000er Jahre – Renaissance der KI-
Forschung
Verbesserte
Rechenleistung
ermöglicht
Renaissance der KI-
Forschung
• Der KI-Winter endete in den 1990er Jahren
dank der großen Verbesserung der
Rechenleistung von Computersystemen.
• Bekannte Ansätze, wie das Perzeptron-
Modell, konnten mit der neuen
Rechenleistung optimiert werden.
• Die Idee, das menschliche Gehirn
nachzuahmen, führte zur Entwicklung erster
neuronaler Netze.
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
90er bis 2000er Jahre – Renaissance der KI-
Forschung
Entscheidungsbäume
als Grundlage für
Maschinelles Lernen
Backpropagation/
Fehlerrückführung
• Eine der verbreitetsten
Lernstrategien für ein künstliches
neuronales Netz ist die
sogenannte Fehlerrückführung.
• Die Maschine soll durch
Rechenoperationen ein
bestimmtes Ziel erreichen.
• Die Abweichung des Ergebnisses
vom gewünschten Ziel wird
ermittelt.
• Anschließend wird der
Entscheidungsbaum zurückverfolgt,
um jene Pfade zu identifizieren, die
zur geringsten Abweichung vom
gewünschten Ergebnis führen.
• Zukünftig wird die Maschine den
Weg wählen, der weniger
fehleranfällig ist – sie hat aus ihren
Fehlern gelernt.
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
21. Jahrhundert: Durchbruch des Maschinellen
Lernens
NextGen
Prozessor
en
Datenverfügbark
eit
Schnelleres und besseres
Training neuronaler
Netzwerke
• 21. Jahrhundert: Leistungsstarke
Computer, verbesserte Algorithmen,
steigende Datenverfügbarkeit.
• Neuronale Netze können schneller
und besser trainiert werden.
• Zahlreiche Erfolge der KI-Forschung,
z.B. der Sieg der KI „Watson“ von
IBM in der Quizshow Jeopardy im
Jahr 2011.
• Erste Tests für autonomes Fahren,
Sprachverarbeitung, Bilderkennung.
Bessere
Algorithmen
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
Künstliche Intelligenz im Jahr 2024
• Im Jahr 2024 wird KI nahezu überall eingesetzt, ob im Krankenhaus,
im Auto, in der Fabrik oder in der EDV.
• Im privaten Bereich ist besonders die generativen KI prägend,
meistens in Form von Sprachassistenten, die Anweisungen der Nutzer
umsetzen.
• Wichtig: Die generative KI ist nicht kreativ (schöpferisch) – ihr Output
ist das Ergebnis einer Analyse aller während des Lernprozesses
eingegebenen Daten.
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
Was ist was? KI, ML, DNN
Künstliche Intelligenz (KI)
• KI ist die Fähigkeit einer Maschine, menschliche Fähigkeiten wie logisches
Denken, Lernen, Planen und Kreativität zu imitieren.
Machine Learning (ML)
• ML ist ein Teilbereich der KI: Hier werden Algorithmen und Modelle
entwickelt, die aus Daten lernen können, ohne speziell dafür
programmiert werden zu müssen.
Deep Neural Network (DNN)
• Ein DNN ist eine spezielle Art von Algorithmen im Bereich des ML.
• Das DNN besteht aus mehreren Schichten, beginnend mit einer
Eingabeschicht, gefolgt von Neuronenschichten, die mathematische
Berechnungen durchführen.
• Auf Basis der Fehlerrückführung durch die einzelnen Schichten identifiziert
der Algorithmus den Pfad des Entscheidungsbaums, der am ehesten dem
gewünschten Ziel entspricht.
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
Was ist was? KI, ML, DNN
Künstliche
Intelligenz
(KI)
Deep
Neural
Network
(DNN)
Machine
Learning
(ML)
Methode von
Teilgebiet von
Erkennen und Sortieren von Informationen aus
Eingabedaten. Basiert auf programmierten Abläufen oder
auf maschinellem Lernen.
Entwicklung von Algorithmen/Modellen
die ohne Programmierung aus Daten
lernen können
Fehlerrückführu
ng in neuronalen
Schichten
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
Es gibt nicht nur “sauber” und “verschmutzt”
… oder nur “laut” und
“leise”
• Klassische Computer arbeiten mit einem
Binärsystem:
1 steht für „an“ oder „wahr“, 0 steht für „aus“ oder
„falsch“.
• Binäre Kategorien reichen für die komplexen
Rechenvorgänge einer KI nicht mehr aus.
• Daher arbeiten neue KI-Modelle mit der
sogenannten „Fuzzy Logic“, also mit unscharfen
Informationen und Kategorien.
• Gerade bei Hörgeräten ist diese Differenzierung
essenziell. Nur so können Geräuschquellen
fließend angepasst, anstatt nur an- oder
ausgeschaltet werden.
Fuzzy Logic im täglichen Gebrauch am Beispiel
der Waschmaschine: Mäßig verschmutzte Wäsche
benötigt etwas weniger Wasser als stärker
verschmutzte Wäsche – es gibt nicht nur die
Zustände „verschmutzt“ oder „sauber“, „viel“ oder
„wenig“.
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
Binäres System vs. Fuzzy Logic
Binäres
System
Beispiel für ein Fuzzy Logic-System
in der Hörgerätetechnik
Leise
Laut
Fast stumm Extrem leise Sehr leise
Ziemlich leise
Leise, aber gut
wahrnehmbar
Moderat leise
Eher leise Mittelmäßig laut
Angenehme
Lautstärke
Eher laut Ziemlich laut
Laut, noch
angenehm
Sehr laut Extrem laut
Maximale
Lautstärke
Wah
r
Falsc
h
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
Anwendungsmöglichkeiten von DNN in
Hörsystemen
• Ein DNN-gestütztes Hörgerät arbeitet wie ein DJ
• Der DJ nutzt sein Mischpult, um mit dem Fader einzelne
Eingänge lauter oder leiser zu stellen und mit dem
Equalizer die Höhen, Mitten und Tiefen eines
Soundtracks zu heben oder zu senken.
• Mittels Fehlerrückführung identifiziert der DJ die beste
Einstellung des Mischpults, um den optimalen Sound
zu gewährleisten.
• Der Unterschied zwischen dem DJ und einem DNN: Das
DNN steuert nicht 50 Knöpfe und Regler, sondern viele
Millionen Einstellungen.
Anwendungsmöglichkeiten von DNN in
Hörsystemen
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
• Der Input (Sprache und Störgeräusche) durchläuft verschiedene neuronale Schichten.
• Zunächst werden Grundfrequenzen, Amplituden und Hüllkurven erkannt
• In den folgenden Schichten werden diese Elemente kombiniert – hier erkennen die
Neuronen Sprachlaute und musikalische Komponenten, aber noch kein ganzes Wort
und keine Melodie.
• In den tiefen Schichten werden nun alle Merkmale kombiniert – so können komplexe
akustische Informationen erkannt werden, z.B. Wörter, Sätze, Melodien,
Sprachintentionen oder Klanglandschaften.
• Nun können wir dem DNN die Anweisung geben, bestimmte akustische
Informationen zu verstärken und andere abzuschwächen.
• Befinden wir uns beispielsweise auf einem Konzert, kann das DNN die Melodien
identifizieren und die entsprechenden Frequenzen stärken. In einer Gesprächssituation
kann das DNN dagegen Störgeräusche identifizieren, z.B. Verkehrslärm oder
Hundebellen, und diese Frequenzen absenken.
• Theoretisch kann das DNN auch bestimmte Stimmen erkennen, z.B. die des Partners
oder Kindes, und diese aktiv verstärken.
Anwendungsmöglichkeiten von DNN in
Hörsystemen
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
Sprache +
Störgeräusc
h
Klare
Sprache
Input
Neuronale
Schicht
Neuronale
Schicht
Neuronale
Schicht
Neuronale
Schicht Output
Deep Neural Network
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
Ein DNN-gestütztes Netzwerk bietet…
• Die Nutzung von DNN in Hörsystemen bietet viele Vorteile.
• Die Tonqualität wird sich spürbar verbessern – auch in lauten
Umgebungen.
• Mit DNN erwarten wir verbesserte Geräuschunterdrückung,
Spracherkennung, individualisierte Hörprofile, Reduzierung von
Verzerrungen und Rückkopplungen.
• Durch die automatische Umgebungserkennung kann das Gerät den
Energieverbrauch selbst regulieren, sodass die Batterielaufzeit
verbessert wird.
• Ebenfalls möglich ist die Sprachverbesserung durch neuronale
Sprachmodelle – z.B. das Verstärken von geflüsterter Sprache.
• Perspektivisch werden Funktionen wie Simultanübersetzung Einzug
halten.
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
Ein DNN-gestütztes Hörsystem bietet…
Längere
Batterielaufz
eit
Bessere
Geräusch-
unterdrückung
Spracherkennu
ng
Neuronale
Sprachmodell
e
Q.O.L-Features:
z.B.
Simultanüber-
setzung
Reduzierung
von
Rückkopplung
en
Reduzierung
von
Verzerrungen
Sprechertrennu
ng
Sprecher-
Erkennung
Emotione
n
erkennen
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
KI-“Revolution”?
• Der KI-Winter der 80er Jahre hat
gezeigt, dass ein „KI-Hype“ auch
abklingen kann, insbesondere wenn
die nächsten Entwicklungsschritte
mehr Daten und schnellere
Computer benötigen, die es noch
nicht gibt.
• Der Begriff der „KI-Revolution“
weckt falsche Vorstellungen – viel
mehr entsprechen die Fortschritte
der KI einer schrittweisen
Evolution, begrenzt durch den
Stand der Technik und die Vorgaben
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
„KI-Modelle wie Chat-GPT
haben einen irren Hype
ausgelöst.
Aber viele Erwartungen und
auch Befürchtungen sind
nicht wahr geworden. Die
Grenzen der Technologie
werden erkennbar.“
KI-“Revolution”?
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörakustik
 Soziale Kompetenz und
Empathie
 Individualisierung
jenseits statistischer
Wahrscheinlichkeiten
 Feinjustierung jenseits
von Modellen
 Anpassung auf sich
verändernde Präferenzen
 Innovativ sein
 Regeln brechen!
Erfordert
den
Menschen
!
Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer
Fazit
• Begriff „Künstliche Intelligenz“ weckt falsche Vorstellungen
und Befürchtungen, führt ggf. zu falschen
Schlussfolgerungen
• Besser: „Erweiterte“ (menschliche) Intelligenz
• Keine Revolution sondern jahrzehntelange technologische
Evolution
• Mehr Vorteile für Nutzer von Hörsystemen, unter anderem
in der Spracherkennung und Störgeräuschunterdrückung
• Die professionelle, individuelle Anpassung eines Hörsystems
durch einen Hörakustiker oder eine Hörakustikerin bleibt
wesentlich für den Hörerfolg.

[BVHI] Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung

  • 1.
    Möglichkeiten und Grenzen KünstlicherIntelligenz in der Hörgeräteversorgung
  • 2.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer Besserer Begriff: „Erweiterte Intelligenz“Prof. Dr. Ladan Pooyan- Weihs • Begriff „Künstliche Intelligenz“ ist irreführend und weckt falsche Vorstellungen. Suggeriert potenziellen Kontrollverlust des Menschen. • Digital-Ethiker plädieren daher für den Begriff „Erweiterte Intelligenz“: Menschliches Lernen und Denken wird auf den Computer übertragen – und durch dessen größere Rechenkapazität erweitert. • Weder Golem noch Terminator: Der Mensch definiert die Regeln und Grenzen, innerhalb derer sich ein KI-Programm bewegt.
  • 3.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer Mitte des 20. Jhdt: Kinderstube der KI-Forschung 50er und 60er Jahre Erste KI-Programme • Dartmouth-Conference 1956 gilt als Startpunkt der KI-Forschung. • Wissenschaftler wie John McCarthy, Marvin Minsky, Claude Shannon und Herbert Simon prägen den Begriff „Künstliche Intelligenz“. • In dieser Zeit entstehen die ersten KI- Programme, z.B. „Logic Theorist“ oder der frühe ChatBot „Eliza“. • Die Programme handelten streng regelbasiert – auf A folgt B.
  • 4.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer Mitte des 20. Jhdt: Kinderstube der KI-Forschung „Perzeptron Modell“: Erste Theorien für Neuronale Netze • In den 1960er Jahren wurden erste Systeme zur Problemlösung entwickelt, z.B. das Perzeptron- Modell. • Eine Maschine erhält eine Vielzahl an Variablen als Input – diese werden gewichtet und summiert. • Das Ergebnis löst einen Output aus – die Maschine handelt.
  • 5.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer 70er bis 80er Jahre – der KI-Winter Öffentliches Interesse Staatliche Investitionen Nicht tauglich für Alltagsprobleme Expertensysteme zu teuer Wirtschaftliches Interesse Unerfüllte Erwartungen zerstören den „Hype“ • Die hohen Erwartungen der 50er und 60er Jahre an KI-Systeme wurden nicht erfüllt. • Staatliche und private Investitionen sowie das öffentliche Interesse gingen zurück. • Regelbasierte Wissensverarbeitung war zwar für Experten in bestimmten Nischenfeldern hilfreich, z.B. in der medizinischen Diagnostik. • Für die Lösung von Alltagsfragen war
  • 6.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer 1990er bis 2000er Jahre – Renaissance der KI- Forschung Verbesserte Rechenleistung ermöglicht Renaissance der KI- Forschung • Der KI-Winter endete in den 1990er Jahren dank der großen Verbesserung der Rechenleistung von Computersystemen. • Bekannte Ansätze, wie das Perzeptron- Modell, konnten mit der neuen Rechenleistung optimiert werden. • Die Idee, das menschliche Gehirn nachzuahmen, führte zur Entwicklung erster neuronaler Netze.
  • 7.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer 90er bis 2000er Jahre – Renaissance der KI- Forschung Entscheidungsbäume als Grundlage für Maschinelles Lernen Backpropagation/ Fehlerrückführung • Eine der verbreitetsten Lernstrategien für ein künstliches neuronales Netz ist die sogenannte Fehlerrückführung. • Die Maschine soll durch Rechenoperationen ein bestimmtes Ziel erreichen. • Die Abweichung des Ergebnisses vom gewünschten Ziel wird ermittelt. • Anschließend wird der Entscheidungsbaum zurückverfolgt, um jene Pfade zu identifizieren, die zur geringsten Abweichung vom gewünschten Ergebnis führen. • Zukünftig wird die Maschine den Weg wählen, der weniger fehleranfällig ist – sie hat aus ihren Fehlern gelernt.
  • 8.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer 21. Jahrhundert: Durchbruch des Maschinellen Lernens NextGen Prozessor en Datenverfügbark eit Schnelleres und besseres Training neuronaler Netzwerke • 21. Jahrhundert: Leistungsstarke Computer, verbesserte Algorithmen, steigende Datenverfügbarkeit. • Neuronale Netze können schneller und besser trainiert werden. • Zahlreiche Erfolge der KI-Forschung, z.B. der Sieg der KI „Watson“ von IBM in der Quizshow Jeopardy im Jahr 2011. • Erste Tests für autonomes Fahren, Sprachverarbeitung, Bilderkennung. Bessere Algorithmen
  • 9.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer Künstliche Intelligenz im Jahr 2024 • Im Jahr 2024 wird KI nahezu überall eingesetzt, ob im Krankenhaus, im Auto, in der Fabrik oder in der EDV. • Im privaten Bereich ist besonders die generativen KI prägend, meistens in Form von Sprachassistenten, die Anweisungen der Nutzer umsetzen. • Wichtig: Die generative KI ist nicht kreativ (schöpferisch) – ihr Output ist das Ergebnis einer Analyse aller während des Lernprozesses eingegebenen Daten.
  • 10.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer Was ist was? KI, ML, DNN Künstliche Intelligenz (KI) • KI ist die Fähigkeit einer Maschine, menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität zu imitieren. Machine Learning (ML) • ML ist ein Teilbereich der KI: Hier werden Algorithmen und Modelle entwickelt, die aus Daten lernen können, ohne speziell dafür programmiert werden zu müssen. Deep Neural Network (DNN) • Ein DNN ist eine spezielle Art von Algorithmen im Bereich des ML. • Das DNN besteht aus mehreren Schichten, beginnend mit einer Eingabeschicht, gefolgt von Neuronenschichten, die mathematische Berechnungen durchführen. • Auf Basis der Fehlerrückführung durch die einzelnen Schichten identifiziert der Algorithmus den Pfad des Entscheidungsbaums, der am ehesten dem gewünschten Ziel entspricht.
  • 11.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer Was ist was? KI, ML, DNN Künstliche Intelligenz (KI) Deep Neural Network (DNN) Machine Learning (ML) Methode von Teilgebiet von Erkennen und Sortieren von Informationen aus Eingabedaten. Basiert auf programmierten Abläufen oder auf maschinellem Lernen. Entwicklung von Algorithmen/Modellen die ohne Programmierung aus Daten lernen können Fehlerrückführu ng in neuronalen Schichten
  • 12.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer Es gibt nicht nur “sauber” und “verschmutzt” … oder nur “laut” und “leise” • Klassische Computer arbeiten mit einem Binärsystem: 1 steht für „an“ oder „wahr“, 0 steht für „aus“ oder „falsch“. • Binäre Kategorien reichen für die komplexen Rechenvorgänge einer KI nicht mehr aus. • Daher arbeiten neue KI-Modelle mit der sogenannten „Fuzzy Logic“, also mit unscharfen Informationen und Kategorien. • Gerade bei Hörgeräten ist diese Differenzierung essenziell. Nur so können Geräuschquellen fließend angepasst, anstatt nur an- oder ausgeschaltet werden. Fuzzy Logic im täglichen Gebrauch am Beispiel der Waschmaschine: Mäßig verschmutzte Wäsche benötigt etwas weniger Wasser als stärker verschmutzte Wäsche – es gibt nicht nur die Zustände „verschmutzt“ oder „sauber“, „viel“ oder „wenig“.
  • 13.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer Binäres System vs. Fuzzy Logic Binäres System Beispiel für ein Fuzzy Logic-System in der Hörgerätetechnik Leise Laut Fast stumm Extrem leise Sehr leise Ziemlich leise Leise, aber gut wahrnehmbar Moderat leise Eher leise Mittelmäßig laut Angenehme Lautstärke Eher laut Ziemlich laut Laut, noch angenehm Sehr laut Extrem laut Maximale Lautstärke Wah r Falsc h
  • 14.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer Anwendungsmöglichkeiten von DNN in Hörsystemen • Ein DNN-gestütztes Hörgerät arbeitet wie ein DJ • Der DJ nutzt sein Mischpult, um mit dem Fader einzelne Eingänge lauter oder leiser zu stellen und mit dem Equalizer die Höhen, Mitten und Tiefen eines Soundtracks zu heben oder zu senken. • Mittels Fehlerrückführung identifiziert der DJ die beste Einstellung des Mischpults, um den optimalen Sound zu gewährleisten. • Der Unterschied zwischen dem DJ und einem DNN: Das DNN steuert nicht 50 Knöpfe und Regler, sondern viele Millionen Einstellungen.
  • 15.
    Anwendungsmöglichkeiten von DNNin Hörsystemen Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer • Der Input (Sprache und Störgeräusche) durchläuft verschiedene neuronale Schichten. • Zunächst werden Grundfrequenzen, Amplituden und Hüllkurven erkannt • In den folgenden Schichten werden diese Elemente kombiniert – hier erkennen die Neuronen Sprachlaute und musikalische Komponenten, aber noch kein ganzes Wort und keine Melodie. • In den tiefen Schichten werden nun alle Merkmale kombiniert – so können komplexe akustische Informationen erkannt werden, z.B. Wörter, Sätze, Melodien, Sprachintentionen oder Klanglandschaften. • Nun können wir dem DNN die Anweisung geben, bestimmte akustische Informationen zu verstärken und andere abzuschwächen. • Befinden wir uns beispielsweise auf einem Konzert, kann das DNN die Melodien identifizieren und die entsprechenden Frequenzen stärken. In einer Gesprächssituation kann das DNN dagegen Störgeräusche identifizieren, z.B. Verkehrslärm oder Hundebellen, und diese Frequenzen absenken. • Theoretisch kann das DNN auch bestimmte Stimmen erkennen, z.B. die des Partners oder Kindes, und diese aktiv verstärken.
  • 16.
    Anwendungsmöglichkeiten von DNNin Hörsystemen Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer Sprache + Störgeräusc h Klare Sprache Input Neuronale Schicht Neuronale Schicht Neuronale Schicht Neuronale Schicht Output Deep Neural Network
  • 17.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer Ein DNN-gestütztes Netzwerk bietet… • Die Nutzung von DNN in Hörsystemen bietet viele Vorteile. • Die Tonqualität wird sich spürbar verbessern – auch in lauten Umgebungen. • Mit DNN erwarten wir verbesserte Geräuschunterdrückung, Spracherkennung, individualisierte Hörprofile, Reduzierung von Verzerrungen und Rückkopplungen. • Durch die automatische Umgebungserkennung kann das Gerät den Energieverbrauch selbst regulieren, sodass die Batterielaufzeit verbessert wird. • Ebenfalls möglich ist die Sprachverbesserung durch neuronale Sprachmodelle – z.B. das Verstärken von geflüsterter Sprache. • Perspektivisch werden Funktionen wie Simultanübersetzung Einzug halten.
  • 18.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer Ein DNN-gestütztes Hörsystem bietet… Längere Batterielaufz eit Bessere Geräusch- unterdrückung Spracherkennu ng Neuronale Sprachmodell e Q.O.L-Features: z.B. Simultanüber- setzung Reduzierung von Rückkopplung en Reduzierung von Verzerrungen Sprechertrennu ng Sprecher- Erkennung Emotione n erkennen
  • 19.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer KI-“Revolution”? • Der KI-Winter der 80er Jahre hat gezeigt, dass ein „KI-Hype“ auch abklingen kann, insbesondere wenn die nächsten Entwicklungsschritte mehr Daten und schnellere Computer benötigen, die es noch nicht gibt. • Der Begriff der „KI-Revolution“ weckt falsche Vorstellungen – viel mehr entsprechen die Fortschritte der KI einer schrittweisen Evolution, begrenzt durch den Stand der Technik und die Vorgaben
  • 20.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer „KI-Modelle wie Chat-GPT haben einen irren Hype ausgelöst. Aber viele Erwartungen und auch Befürchtungen sind nicht wahr geworden. Die Grenzen der Technologie werden erkennbar.“ KI-“Revolution”?
  • 21.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Hörakustik  Soziale Kompetenz und Empathie  Individualisierung jenseits statistischer Wahrscheinlichkeiten  Feinjustierung jenseits von Modellen  Anpassung auf sich verändernde Präferenzen  Innovativ sein  Regeln brechen! Erfordert den Menschen !
  • 22.
    Möglichkeiten und GrenzenKünstlicher Intelligenz in der Hörgeräteversorgung - BVHI - 17.10.2024 - Dr. Stefan Zimmer Fazit • Begriff „Künstliche Intelligenz“ weckt falsche Vorstellungen und Befürchtungen, führt ggf. zu falschen Schlussfolgerungen • Besser: „Erweiterte“ (menschliche) Intelligenz • Keine Revolution sondern jahrzehntelange technologische Evolution • Mehr Vorteile für Nutzer von Hörsystemen, unter anderem in der Spracherkennung und Störgeräuschunterdrückung • Die professionelle, individuelle Anpassung eines Hörsystems durch einen Hörakustiker oder eine Hörakustikerin bleibt wesentlich für den Hörerfolg.