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Die deutsche Atomwende in den Medien
 Wurde nach Fukushima anders über Atomenergie berichtet?




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                                                         1
Atom- und regenerative Energie nach Fukushima
1.   Hintergrund und Methode
2.   Themen, Akteure, Positionen
3.   Bewertung von Atomenergie nach Fukushima
4.   Summary




                                           2
Ausgangsfrage
Im März 2011 wird Japan von einem schweren Erdbeben erschüttert, in
dessen Folge es im Kernkraftwerk Fukushima I zu einer Kernschmelze
kommt. Die deutsche Bundesregierung beschließt daraufhin, alle
deutschen Atomkraftwerke bis zum Jahr 2022 abzuschalten.
Erst ein halbes Jahr zuvor hatte sie einer Laufzeitverlängerung für deutsche
Atomkraftwerke zugestimmt.
Wir haben untersucht:
  Wie reagieren die deutschen Medien auf die Atomwende der Kanzlerin?
  Können regenerative Energien publizistisch vom Atomausstieg profitieren?




                                                                               3
Zeitverlauf
28. Oktober 20101
CDU/CSU und FDP beschließen im Bundestag die Verlängerung der Laufzeiten von Atom-
kraftwerken um durchschnittlich 12 Jahre.

11. März 20112,3
Das Atomkraftwerk Fukishima I (Daiichi) wird von einem
Tsunami überflutet, Explosionen auf Kraftwerksgelände,
Austritt von Radioaktivität und Kernschmelze, Evakuierung
Der Bevölkerung im Radius von 20 Kilometern.
15. März 20114
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagiert auf die Debatte in Deutschland: Moratorium
zur vorübergehenden Stilllegung der sieben ältesten Atomkraftwerke.

30. Juni 20115
CDU/CSU, FDP, SPD und Bündnis 90/Die Grünen beschließen im Bundestag: Abschaltung
aller deutschen Atomkraftwerke bis 2022.

                              1: http://www.bundestag.de/dokumente/protokolle/amtlicheprotokolle/
                              2011/ap17117.html. 2: http://www.spiegel.de/flash/flash-25484.html . 3:
                              http://www.tagesschau.de/ausland/fukushima344.html 4: http://www.
                              tagesschau.de/inland/moratorium106.html . 5: http://www.bundestag.de/
                              dokumente/protokolle/amtlicheprotokolle/2011/ap17117.html. 1-5:           4
                              []01.06.2012]. Foto: Dgital Globe (Wikipedia).
Anlage der Studie
  Fallzahl |           Medien               |                               Zeiträume

    1.150                                       9 Wochen Berichterstattung untersucht, jeweils
Meldungen zu                                    3 Wochen zu den Anlässen
 Atom- und                                        a) Bundestagsentscheidung zur Laufzeiten-
regenerativer
 Energie als                                         verlängerung, Herbst 2010
 quantitativ                                      b) Reaktorunglück Fukushima, Frühjahr 2011
und qualitativ                                    c) Bundestagsentscheidung Atomausstieg,
  analysiert                                         Sommer 2011


   Mediensample aus 5 auflagenstarken und einflussreichen Tageszeitungen
   Artikelauswahl: alle Meldungen aus den Ressorts Politik, Wirtschaft und Feuilleton zu
   Atomenergie und regenerativer Energie als Mittel zur Strom- und Wärmegewinnung



                                  1: Rössler, P. (2005). Inhaltsanalyse. Konstanz: UVK, S. 18ff.
                                  2: Früh, W. (2007). Inhaltsanalyse. Konstanz: UVK, S. 27ff.

                                                                                                   5
Atom- und regenerative Energie nach Fukushima
1.   Hintergrund und Methode
2.   Themen, Akteure, Positionen
3.   Bewertung von Atomenergie nach Fukushima
4.   Summary




                                           6
Themen der Berichterstattung
                                                             Anteil Meldungen                   Anteil Meldungen
                      Thema*
                                                             vor GAU (n=177)                    nach GAU (n=728)                   ∆
Politik (Äußerungen von Politikern,
                                                                        32%                                39%                    +7%
Diskussion über Subventionen)
Wirtschaft & Unternehmen
                                                                        20%                                13%                    -7%
(Konzerne, konjunkturelle Lage)
Mensch & Umwelt
                                                                         7%                                 6%                    -1%
(Umweltschäden, Gesundheitsschutz)
Energieversorgung (Energiepreise,
                                                                         6%                                 3%                    -3%
Versorgungssicherheit)
Störfälle & Unfälle                                                      5%                                 4%                    -1%
Protest & Widerstand                                                    20%                                 4%                    -16%
Technologie & Wissenschaft                                               1%                                 2%                    +1%
Ausland (intern. Reaktionen, Atomun-
                                                                         7%                                25%                    +18%
fälle in anderen Ländern außer Japan)
Sonstiges                                                                3%                                 3%                    +/-0%
*Sofern kein andere Thema genannt, wird Artikel Thema „Politik“ zugerechnet. Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen
gerundete Werte, d.h. Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel. Unterschiede über dem zweiten und
dritten Untersuchungszeitraum statistisch signifikant für Themen „Wirtschaft“, „Protest und Widerstand“ und „Ausland“ (nach
Mann-Whitney-U-Test, p ≤ ,05). Ausgeschlossen sind alle Meldungen zum Atomunfall in Japan.
                                                                                                                              7
Themen der Berichterstattung
                                                             Anteil Meldungen                   Anteil Meldungen
                      Thema*
                                                             vor GAU (n=177)                    nach GAU (n=728)                   ∆
Politik (Äußerungen von Politikern,
                                              32%                 39%             +7%
Diskussion über Subventionen)
Wirtschaft & Unternehmen
                                              20%                 13%             -7%
(Konzerne, konjunkturelle Lage)
MenschMeinungsäußerungen von Politikern und Diskussion um Energiesubventionen
          & Umwelt
                                               7%                  6%             -1%
(Umweltschäden,Tageszeitungen auch nach Fukushima mit 40% das wichtigste Thema.
         waren in Gesundheitsschutz)
EnergieversorgungGAU wurde der Umgang mit der Atomenergie in anderen Ländern
         Nach dem (Energiepreise,
                                               6%                  3%             -3%
Versorgungssicherheit) Japan) in jedem 4. Artikel thematisiert.
         (ausgenommen
Störfälle & Berichterstattung über Proteste und Widerstände gegen die Atomenergie -1%
         Die Unfälle                           5%                  4%
        bzw. regenerative Energie ging um 16% zurück.
Protest & Widerstand                         20%                                                            4%                    -16%
Technologie & Wissenschaft                                               1%                                 2%                    +1%
Ausland (intern. Reaktionen, Atomun-
                                                                         7%                                25%                    +18%
fälle in anderen Ländern außer Japan)
Sonstiges                                                                3%                                 3%                    +/-0%
*Sofern kein andere Thema genannt, wird Artikel Thema „Politik“ zugerechnet. Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen
gerundete Werte, d.h. Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel. Unterschiede über dem zweiten und
dritten Untersuchungszeitraum statistisch signifikant für Themen „Wirtschaft“, „Protest und Widerstand“ und „Ausland“ (nach
Mann-Whitney-U-Test, p ≤ ,05). Ausgeschlossen sind alle Meldungen zum Atomunfall in Japan.
                                                                                                                              8
Regenerative Energie profitiert nicht von Debatte
                                     Vor Fukushima
                17%                  (n= 177)
                                                              Anteil der Artikel in % mit…
                                                                  …Akteur Deutschland:
                                                                  regenerative Energie
                                               Nach Fukushima      …Akteur Ausland:
                                               (n = 728)           regenerative Energie
                                                                   …Handlungsempfehlung
       6%                                                          regenerative Energie
12%                               5%                               ausbauen

            1%


                                  Die Erzeuger regenerativer Energien profitieren nicht
      8%                          von der Debatte um den Atomausstieg – ihre Akteure
                                  werden nach Fukushima weniger erwähnt als zuvor;
                                  auch die Handlungsempfehlung „regenerative Energie
                                  ausbauen“ ist weniger zu lesen.
           Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d.h. Prozentzahlen haben
           keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel. Jede Akteurin wurde für jeden Artikel als
           eigene dichotome Variable codiert, Unterschiede zwischen dem ersten gegenüber dem zweiten
           und dritten Untersuchungszeitraum statistisch signifikant für „Akteur Deutschland: regenerative
           Energie“ und „Akteur Ausland: regenerative Energie“ (nach Mann-Whitney-U-Test, p ≤ ,05).        9
           Ausgeschlossen sind alle Meldungen zum Atomunfall in Japan.
FAZ: Atomkritischere Positionen nach Fukushima
                                                            Anteil der Artikel in % mit…
               19%                                              …Nennung von Risiken
Vor Fukushima 6%                                                und Nachteilen von
(n=32)         0%   „Klimaforscher Barry Brook ,Deutschland
                         muss Atomkraftwerke bauen.“
                                                                Atomenergie
               6%                                                …Handlungsempfehlung:
                                                                 „abschalten!“
                                                  47%             …Handlungsempfehlung:
Nach Fukushima        22%                                         Mehr Sicherheit bei
                                                                  Atomenergie
(n=192)          14%                                              …Handlungsempfehlung:
                  15%                                             Atomkraft weiter nutzen
                        0%                           20%                          40%

    FAZ nannte nach Fukushima in 47% ihrer Meldungen Risiken und Nachteile von
    Atomenergie, empfahl in 22% Abschaltung, forderte in 14% mehr Sicherheit.
     Jedoch wird FAZ nicht zum Anti-Atom-Blatt: in 15% der Meldungen ist Forderung zu
     lesen, dass Atomenergie weiter genutzt werden soll.
Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d.h. Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle.
Analyseeinheit: Artikel. Unterschiede zwischen dem ersten gegenüber dem zweiten und dritten Untersuchungszeitraum statistisch
signifikant für „Nennung von Risiken und Nachteilen von Atomenergie“, Handlungsempfehlung „abschalten!“ und Handlungse-
mpfehlung „Mehr Sicherheit bei Atomenergie“ (nach Mann-Whitney-U-Test, p ≤ ,05). Ausgeschlossen sind alle Meldungen zum
Atomunfall in Japan.                                                                                                        10
Bundesregierung: Linke Zeitungen bleiben kritisch
                                                                          Anteil der Artikel mit Bewert-
                                                         32%              ung der Regierung in % …
Vor Fukushima
(n=138)         1%                                                                …überwiegend negativ

               0%                                                                 …ausgeglichen
                                                                                  …überwiegend positiv
               30%
Nach Fukushima
(n=480)           3%                                                         „Schwarz- Gelb legt acht Meiler auf
                                                                           einmal still – dann kommt lange nichts.
                 2%                                                        Halbherzig, klagen Umweltverbände.“

                0%       10%             20%                  30%
   Auch nach Beschluss des Atomausstiegs sind die meisten Wertungen zur Bundes-
  regierung in Artikeln der linken Zeitungen negativ (30%).
   Ausgeglichene und positive Wertungen haben in taz, Frankfurter Rundschau und
   Süddeutscher Zeitung leicht zugenommen.
                               Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d.h.
                               Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel.
                               Ausgeschlossen sind alle Meldungen zum Atomunfall in Japan.
                                                                                                     11
Atom- und regenerative Energie nach Fukushima
1.   Hintergrund und Methode
2.   Themen, Akteure, Positionen
3.   Bewertung von Atomenergie nach Fukushima
4.   Summary




                                           12
Wertung: Nutzen und Risiko von Atomenergie
                           Wertungen in % der Artikel…
                               …Risiken und Nachteile
                               von Atomenergie genannt
                               …Nutzen und Vorteile von

         Vor   40%
                               Atomenergie genannt
                               …keine Wertungen und
                                                                                       31% Nach
53%   Fukushima
       (n= 177)
                               Risiken genannt                                                      Fukushima
                                                                                                                  50%
                                                                                                     (n = 728)


          17%                                                                               19%

 Schilderung von Risiken und Nachteilen ist mit 40% häufigste Wertung bereits vor
 Fukushima, danach nochmalige Steigerung um 10%.
 Anteil von Meldungen, die Nutzen und Vorteile von Atomkraft betonen, nimmt nach
 Fukushima um 2% auf 19% zu.
                             Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d. h. Prozent-
                             zahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel. Unterschied bei
                             „Risiken von Atomenergie“ statistisch signifikant (nach Mann-Whitney-U-Test, p ≤
                             ,05). Ausgeschlossen sind alle Meldungen zum Atomunfall in Japan. Foto: Heinz-
                             Josef Lücking (Wikipedia).                                                      13
Wertung: Größte Risiken durch Atomenergie
                                                                             Meistgenannte Risiken in %

Vor Fukushima
                        15%                                                  der Artikel…
                                                                                  …Umwelt und Gesundheit
(n= 177)                                                                          (z. B. Atommüll)
                 9%                                                              …Sicherheit (z. B. Atom-
                                                                                 unfälle)


Nach Fukushima   11%                                                           „Der deutsche Katastrophenschutz ist
                                                                                einer aktuellen Studie zufolge nicht
(n = 728)                                                                      ausreichend auf ein Atomunglück wie
                                                       31%                       das von Fukushima vorbereitet.“


                0%           10%          20%         30%
  Nach Fukushima wird in jedem 3. Artikel Atomkraft als Gefahr für die Sicherheit
  dargestellt, z. B. aus Angst vor weiteren Atomunfällen wie in Fukushima.
  Umwelt und Gesundheit nur noch an zweiter Position, obwohl auch nach Atomausstieg
  reale Gefahren durch Atommüll und fehlende Lagerstätten existieren.
                              Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d.h.
                              Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel.
                              Differenz Variable „Risiko Atomenergie: Sicherheit“ zwischen dem ersten
                              gegenüber dem zweiten und dritten Untersuchungszeitraum statistisch
                              signifikant (nach Mann-Whitney-U-Test, p ≤ ,05). Ausgeschlossen sind alle   14
                              Meldungen zum Atomunfall in Japan.
Kausalität: Verantwortlich für Atomrisiken
                                                                                       Verantwortlich für Risiken der
           Vor Fukushima                                             11%               Atomenergie in % der Artikel…
           (n= 177)
                             1%                                                            …Regierung
                                                                                              …Naturgewalten
                            5%                                                                …Atomunglück in
           Nach Fukushima
           (n = 728)        10%                                                               Fukushima

                                                                           12%
                            0%               5%                          10%
ten, die      Nach Fukushima war die am häufigsten genannte Ursache von Atomrisiken das
              Atomkraftwerk in Japan selbst, z. B. bedrohe es aufgrund verstrahlter Lebensmittel und
              kontaminierter Schiffe die Gesundheit vieler Menschen.
              Nach Fukushima werden am zweithäufigsten 10% Naturgewalten als verantwortlich für
              Atomrisiken benannt (vorher 1%): Naturgewalt löst damit Regierung als Hauptverant-
              wortlichen ab. Die Gefahr von Terroranschlägen wird in 2% der Meldungen angesprochen.
elze hin                                     Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d.h.
                                             Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel.
                                             Aufgeführt sind nur statistisch signifikante Unterschiede zwischen dem
                                             ersten gegenüber dem zweiten und dritten Untersuchungszeitraum
                                             (nach Mann-Whitney-U-Test, p ≤ ,05). Ausgeschlossen sind alle         15
                                             Meldungen zum Atomunfall in Japan.
Handlungsempfehlungen
                                                                                               Handlungsempfehlung in %
Vor Fukushima
                             2%                                                                der Artikel…
(n= 177)                     1%                                                                    …Atomenergie weiter
                                                                                                   nutzen
                                             16%                                                    …mehr Sicherheit bei
                                                                                                    Atomkraft
                                                                                                   …Atomkraftwerke
Nach Fukushima
                           7%                                                                      abschalten
(n = 728)                  9%
                                                                              32%
                        0%                  10%                 20%                 30%

    Die Forderung „Abschalten!“ findet sich nach Fukushima doppelt so häufig als zuvor.
    Nach Fukushima in 9% der Meldungen Forderung nach mehr Sicherheit, vorher nur 1%.
    Anteil der Empfehlung, Atomenergie weiter zu Nutzen, von 2% auf 7% gestiegen.
    Fukushima polarisiert: nach GAU Anstieg von Pro- und Contra-Empfehlungen
Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d.h. Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle.
Analyseeinheit: Artikel. Differenz Variable „Handlungsempfehlung: Atomenergie weiter nutzen“, „Handlungsempfehlung:
Atomkraftwerke abschalten“, „Handlungsempfehlung: Kontrolle und Sicherheit bei Atomstromkonzernen erhöhen“ Sicherheit“
zwischen dem ersten gegenüber dem zweiten und dritten Untersuchungszeitraum statistisch signifikant (nach Mann-Whitney-U-
Test, p ≤ ,05). Ausgeschlossen sind alle Meldungen zum Atomunfall in Japan.                                               16
Atom- und regenerative Energie nach Fukushima
1.   Hintergrund und Methode
2.   Themen, Akteure, Positionen
3.   Bewertung von Atomenergie nach Fukushima
4.   Summary




                                           17
Fazit (1)
Die deutschen Medien reagieren auf die Atomwende der Kanzlerin mit einer
veränderten Bewertung der Risiken von Atomenergie:
Als größtes Risiko durch Atomkraft werden in jedem 3. Artikel Atomunfälle benannt, 2x
häufiger als in der der Zeit vor Fukushima. Am zweithäufigsten ist von langfristigen
Gefahren für Umwelt und Gesundheit zu lesen, die in jedem 10. Beitrag erwähnt
werden.
 Als Ursache für Risiken der Atomenergie wird am häufigsten Fukushima selbst und am
zweithäufigsten Naturgewalten gesehen. Terroranschläge werden nur in 2% der
Meldungen als Gefahr angesprochen.
Die Handlungsempfehlung „Abschalten!“ ist in jedem 3. Beitrag erwähnt, doppelt so oft,
wie vor Fukushima. die Forderung nach mehr Sicherheit und Kontrolle ist nur in jedem
10. Beitrag zu lesen.
Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung und taz bleiben ihrer
regierungsskeptischen Haltung auch nach Atomausstieg durch die Bundesregierung treu.
Die Haltung der Bild-Zeitung wurde nicht detailliert untersucht, weil von ihr als
Boulevardblatt keine konsistente Position erwartet werden konnte.


                               Die Berichterstattung des Unglücks selbst wird in dieser
                               Studienkurzfassung nicht analysiert.

                                                                                          18
Fazit (2)
 Die Frankfurter Allgemeine Zeitung positioniert sich nach Fukushima atomkritischer als
  zuvor. So war vor Fukushima in nahezu jedem 5. Artikel der Stichprobe von Risiken der
  Atomenergie zu lesen, danach in jedem 2. Beitrag. Allerdings haben auch weiterhin
   atomfreundliche Platz: in 15% der Meldungen ist die Handlungsempfehlung zu lesen,
   Atomkraft solle weiter genutzt werden.
  Die regenerative Energien können vom Atomausstieg publizistisch
  nicht profitieren. Die Handlungsempfehlung „regenerative Energie
  ausbauen“ ist nach Fukushima weniger zu lesen als vorher.
  Die deutschen Akteure der regenerativen Energiebranche werden 12%
  weniger in Meldungen erwähnt.
  Nach Fukushima wird anders über Atomenergie berichtet: Die
  Bewertung von Risiken durch Atomenergie verändert sich bei allen
  untersuchten Medien. Besonders deutlich wird dies bei der FAZ, in der
  nach dem GAU wesentlich häufiger atomkritische Meldungen zu lesen
  sind als davor.




                                                                           19
Berlin, 7. Juni 2012

    Die deutsche Atomwende in den Medien
       Wurde nach Fukushima anders über Atomenergie berichtet?
                                Matthias Galle [galle@blaetterwald.org]

                     Die vollständige Studie unter www.scribd.com/doc/95543158/
       Framing-in-der-Berichterstattung-deutscher-Tageszeitungen-zu-Atomenergie-
und-regenerativer-Energie-vor-und-nach-Fukushima-und-dem-deutschen-Atomaussti

         Oranienburger Str. 27 | 10117 Berlin-Mitte | Germany
               www.blaetterwald.org | info@blaetterwald.org

                                                                  20

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Die deutsche Atomwende in den Medien

  • 1. Die deutsche Atomwende in den Medien Wurde nach Fukushima anders über Atomenergie berichtet? Oranienburger Str. 27 | 10117 Berlin-Mitte | Germany www.blaetterwald.org | info@blaetterwald.org 1
  • 2. Atom- und regenerative Energie nach Fukushima 1. Hintergrund und Methode 2. Themen, Akteure, Positionen 3. Bewertung von Atomenergie nach Fukushima 4. Summary 2
  • 3. Ausgangsfrage Im März 2011 wird Japan von einem schweren Erdbeben erschüttert, in dessen Folge es im Kernkraftwerk Fukushima I zu einer Kernschmelze kommt. Die deutsche Bundesregierung beschließt daraufhin, alle deutschen Atomkraftwerke bis zum Jahr 2022 abzuschalten. Erst ein halbes Jahr zuvor hatte sie einer Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke zugestimmt. Wir haben untersucht: Wie reagieren die deutschen Medien auf die Atomwende der Kanzlerin? Können regenerative Energien publizistisch vom Atomausstieg profitieren? 3
  • 4. Zeitverlauf 28. Oktober 20101 CDU/CSU und FDP beschließen im Bundestag die Verlängerung der Laufzeiten von Atom- kraftwerken um durchschnittlich 12 Jahre. 11. März 20112,3 Das Atomkraftwerk Fukishima I (Daiichi) wird von einem Tsunami überflutet, Explosionen auf Kraftwerksgelände, Austritt von Radioaktivität und Kernschmelze, Evakuierung Der Bevölkerung im Radius von 20 Kilometern. 15. März 20114 Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagiert auf die Debatte in Deutschland: Moratorium zur vorübergehenden Stilllegung der sieben ältesten Atomkraftwerke. 30. Juni 20115 CDU/CSU, FDP, SPD und Bündnis 90/Die Grünen beschließen im Bundestag: Abschaltung aller deutschen Atomkraftwerke bis 2022. 1: http://www.bundestag.de/dokumente/protokolle/amtlicheprotokolle/ 2011/ap17117.html. 2: http://www.spiegel.de/flash/flash-25484.html . 3: http://www.tagesschau.de/ausland/fukushima344.html 4: http://www. tagesschau.de/inland/moratorium106.html . 5: http://www.bundestag.de/ dokumente/protokolle/amtlicheprotokolle/2011/ap17117.html. 1-5: 4 []01.06.2012]. Foto: Dgital Globe (Wikipedia).
  • 5. Anlage der Studie Fallzahl | Medien | Zeiträume 1.150 9 Wochen Berichterstattung untersucht, jeweils Meldungen zu 3 Wochen zu den Anlässen Atom- und a) Bundestagsentscheidung zur Laufzeiten- regenerativer Energie als verlängerung, Herbst 2010 quantitativ b) Reaktorunglück Fukushima, Frühjahr 2011 und qualitativ c) Bundestagsentscheidung Atomausstieg, analysiert Sommer 2011 Mediensample aus 5 auflagenstarken und einflussreichen Tageszeitungen Artikelauswahl: alle Meldungen aus den Ressorts Politik, Wirtschaft und Feuilleton zu Atomenergie und regenerativer Energie als Mittel zur Strom- und Wärmegewinnung 1: Rössler, P. (2005). Inhaltsanalyse. Konstanz: UVK, S. 18ff. 2: Früh, W. (2007). Inhaltsanalyse. Konstanz: UVK, S. 27ff. 5
  • 6. Atom- und regenerative Energie nach Fukushima 1. Hintergrund und Methode 2. Themen, Akteure, Positionen 3. Bewertung von Atomenergie nach Fukushima 4. Summary 6
  • 7. Themen der Berichterstattung Anteil Meldungen Anteil Meldungen Thema* vor GAU (n=177) nach GAU (n=728) ∆ Politik (Äußerungen von Politikern, 32% 39% +7% Diskussion über Subventionen) Wirtschaft & Unternehmen 20% 13% -7% (Konzerne, konjunkturelle Lage) Mensch & Umwelt 7% 6% -1% (Umweltschäden, Gesundheitsschutz) Energieversorgung (Energiepreise, 6% 3% -3% Versorgungssicherheit) Störfälle & Unfälle 5% 4% -1% Protest & Widerstand 20% 4% -16% Technologie & Wissenschaft 1% 2% +1% Ausland (intern. Reaktionen, Atomun- 7% 25% +18% fälle in anderen Ländern außer Japan) Sonstiges 3% 3% +/-0% *Sofern kein andere Thema genannt, wird Artikel Thema „Politik“ zugerechnet. Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d.h. Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel. Unterschiede über dem zweiten und dritten Untersuchungszeitraum statistisch signifikant für Themen „Wirtschaft“, „Protest und Widerstand“ und „Ausland“ (nach Mann-Whitney-U-Test, p ≤ ,05). Ausgeschlossen sind alle Meldungen zum Atomunfall in Japan. 7
  • 8. Themen der Berichterstattung Anteil Meldungen Anteil Meldungen Thema* vor GAU (n=177) nach GAU (n=728) ∆ Politik (Äußerungen von Politikern, 32% 39% +7% Diskussion über Subventionen) Wirtschaft & Unternehmen 20% 13% -7% (Konzerne, konjunkturelle Lage) MenschMeinungsäußerungen von Politikern und Diskussion um Energiesubventionen & Umwelt 7% 6% -1% (Umweltschäden,Tageszeitungen auch nach Fukushima mit 40% das wichtigste Thema. waren in Gesundheitsschutz) EnergieversorgungGAU wurde der Umgang mit der Atomenergie in anderen Ländern Nach dem (Energiepreise, 6% 3% -3% Versorgungssicherheit) Japan) in jedem 4. Artikel thematisiert. (ausgenommen Störfälle & Berichterstattung über Proteste und Widerstände gegen die Atomenergie -1% Die Unfälle 5% 4% bzw. regenerative Energie ging um 16% zurück. Protest & Widerstand 20% 4% -16% Technologie & Wissenschaft 1% 2% +1% Ausland (intern. Reaktionen, Atomun- 7% 25% +18% fälle in anderen Ländern außer Japan) Sonstiges 3% 3% +/-0% *Sofern kein andere Thema genannt, wird Artikel Thema „Politik“ zugerechnet. Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d.h. Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel. Unterschiede über dem zweiten und dritten Untersuchungszeitraum statistisch signifikant für Themen „Wirtschaft“, „Protest und Widerstand“ und „Ausland“ (nach Mann-Whitney-U-Test, p ≤ ,05). Ausgeschlossen sind alle Meldungen zum Atomunfall in Japan. 8
  • 9. Regenerative Energie profitiert nicht von Debatte Vor Fukushima 17% (n= 177) Anteil der Artikel in % mit… …Akteur Deutschland: regenerative Energie Nach Fukushima …Akteur Ausland: (n = 728) regenerative Energie …Handlungsempfehlung 6% regenerative Energie 12% 5% ausbauen 1% Die Erzeuger regenerativer Energien profitieren nicht 8% von der Debatte um den Atomausstieg – ihre Akteure werden nach Fukushima weniger erwähnt als zuvor; auch die Handlungsempfehlung „regenerative Energie ausbauen“ ist weniger zu lesen. Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d.h. Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel. Jede Akteurin wurde für jeden Artikel als eigene dichotome Variable codiert, Unterschiede zwischen dem ersten gegenüber dem zweiten und dritten Untersuchungszeitraum statistisch signifikant für „Akteur Deutschland: regenerative Energie“ und „Akteur Ausland: regenerative Energie“ (nach Mann-Whitney-U-Test, p ≤ ,05). 9 Ausgeschlossen sind alle Meldungen zum Atomunfall in Japan.
  • 10. FAZ: Atomkritischere Positionen nach Fukushima Anteil der Artikel in % mit… 19% …Nennung von Risiken Vor Fukushima 6% und Nachteilen von (n=32) 0% „Klimaforscher Barry Brook ,Deutschland muss Atomkraftwerke bauen.“ Atomenergie 6% …Handlungsempfehlung: „abschalten!“ 47% …Handlungsempfehlung: Nach Fukushima 22% Mehr Sicherheit bei Atomenergie (n=192) 14% …Handlungsempfehlung: 15% Atomkraft weiter nutzen 0% 20% 40% FAZ nannte nach Fukushima in 47% ihrer Meldungen Risiken und Nachteile von Atomenergie, empfahl in 22% Abschaltung, forderte in 14% mehr Sicherheit. Jedoch wird FAZ nicht zum Anti-Atom-Blatt: in 15% der Meldungen ist Forderung zu lesen, dass Atomenergie weiter genutzt werden soll. Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d.h. Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel. Unterschiede zwischen dem ersten gegenüber dem zweiten und dritten Untersuchungszeitraum statistisch signifikant für „Nennung von Risiken und Nachteilen von Atomenergie“, Handlungsempfehlung „abschalten!“ und Handlungse- mpfehlung „Mehr Sicherheit bei Atomenergie“ (nach Mann-Whitney-U-Test, p ≤ ,05). Ausgeschlossen sind alle Meldungen zum Atomunfall in Japan. 10
  • 11. Bundesregierung: Linke Zeitungen bleiben kritisch Anteil der Artikel mit Bewert- 32% ung der Regierung in % … Vor Fukushima (n=138) 1% …überwiegend negativ 0% …ausgeglichen …überwiegend positiv 30% Nach Fukushima (n=480) 3% „Schwarz- Gelb legt acht Meiler auf einmal still – dann kommt lange nichts. 2% Halbherzig, klagen Umweltverbände.“ 0% 10% 20% 30% Auch nach Beschluss des Atomausstiegs sind die meisten Wertungen zur Bundes- regierung in Artikeln der linken Zeitungen negativ (30%). Ausgeglichene und positive Wertungen haben in taz, Frankfurter Rundschau und Süddeutscher Zeitung leicht zugenommen. Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d.h. Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel. Ausgeschlossen sind alle Meldungen zum Atomunfall in Japan. 11
  • 12. Atom- und regenerative Energie nach Fukushima 1. Hintergrund und Methode 2. Themen, Akteure, Positionen 3. Bewertung von Atomenergie nach Fukushima 4. Summary 12
  • 13. Wertung: Nutzen und Risiko von Atomenergie Wertungen in % der Artikel… …Risiken und Nachteile von Atomenergie genannt …Nutzen und Vorteile von Vor 40% Atomenergie genannt …keine Wertungen und 31% Nach 53% Fukushima (n= 177) Risiken genannt Fukushima 50% (n = 728) 17% 19% Schilderung von Risiken und Nachteilen ist mit 40% häufigste Wertung bereits vor Fukushima, danach nochmalige Steigerung um 10%. Anteil von Meldungen, die Nutzen und Vorteile von Atomkraft betonen, nimmt nach Fukushima um 2% auf 19% zu. Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d. h. Prozent- zahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel. Unterschied bei „Risiken von Atomenergie“ statistisch signifikant (nach Mann-Whitney-U-Test, p ≤ ,05). Ausgeschlossen sind alle Meldungen zum Atomunfall in Japan. Foto: Heinz- Josef Lücking (Wikipedia). 13
  • 14. Wertung: Größte Risiken durch Atomenergie Meistgenannte Risiken in % Vor Fukushima 15% der Artikel… …Umwelt und Gesundheit (n= 177) (z. B. Atommüll) 9% …Sicherheit (z. B. Atom- unfälle) Nach Fukushima 11% „Der deutsche Katastrophenschutz ist einer aktuellen Studie zufolge nicht (n = 728) ausreichend auf ein Atomunglück wie 31% das von Fukushima vorbereitet.“ 0% 10% 20% 30% Nach Fukushima wird in jedem 3. Artikel Atomkraft als Gefahr für die Sicherheit dargestellt, z. B. aus Angst vor weiteren Atomunfällen wie in Fukushima. Umwelt und Gesundheit nur noch an zweiter Position, obwohl auch nach Atomausstieg reale Gefahren durch Atommüll und fehlende Lagerstätten existieren. Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d.h. Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel. Differenz Variable „Risiko Atomenergie: Sicherheit“ zwischen dem ersten gegenüber dem zweiten und dritten Untersuchungszeitraum statistisch signifikant (nach Mann-Whitney-U-Test, p ≤ ,05). Ausgeschlossen sind alle 14 Meldungen zum Atomunfall in Japan.
  • 15. Kausalität: Verantwortlich für Atomrisiken Verantwortlich für Risiken der Vor Fukushima 11% Atomenergie in % der Artikel… (n= 177) 1% …Regierung …Naturgewalten 5% …Atomunglück in Nach Fukushima (n = 728) 10% Fukushima 12% 0% 5% 10% ten, die Nach Fukushima war die am häufigsten genannte Ursache von Atomrisiken das Atomkraftwerk in Japan selbst, z. B. bedrohe es aufgrund verstrahlter Lebensmittel und kontaminierter Schiffe die Gesundheit vieler Menschen. Nach Fukushima werden am zweithäufigsten 10% Naturgewalten als verantwortlich für Atomrisiken benannt (vorher 1%): Naturgewalt löst damit Regierung als Hauptverant- wortlichen ab. Die Gefahr von Terroranschlägen wird in 2% der Meldungen angesprochen. elze hin Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d.h. Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel. Aufgeführt sind nur statistisch signifikante Unterschiede zwischen dem ersten gegenüber dem zweiten und dritten Untersuchungszeitraum (nach Mann-Whitney-U-Test, p ≤ ,05). Ausgeschlossen sind alle 15 Meldungen zum Atomunfall in Japan.
  • 16. Handlungsempfehlungen Handlungsempfehlung in % Vor Fukushima 2% der Artikel… (n= 177) 1% …Atomenergie weiter nutzen 16% …mehr Sicherheit bei Atomkraft …Atomkraftwerke Nach Fukushima 7% abschalten (n = 728) 9% 32% 0% 10% 20% 30% Die Forderung „Abschalten!“ findet sich nach Fukushima doppelt so häufig als zuvor. Nach Fukushima in 9% der Meldungen Forderung nach mehr Sicherheit, vorher nur 1%. Anteil der Empfehlung, Atomenergie weiter zu Nutzen, von 2% auf 7% gestiegen. Fukushima polarisiert: nach GAU Anstieg von Pro- und Contra-Empfehlungen Die Angaben sind auf zwei Nachkommastellen gerundete Werte, d.h. Prozentzahlen haben keine Nachkommastelle. Analyseeinheit: Artikel. Differenz Variable „Handlungsempfehlung: Atomenergie weiter nutzen“, „Handlungsempfehlung: Atomkraftwerke abschalten“, „Handlungsempfehlung: Kontrolle und Sicherheit bei Atomstromkonzernen erhöhen“ Sicherheit“ zwischen dem ersten gegenüber dem zweiten und dritten Untersuchungszeitraum statistisch signifikant (nach Mann-Whitney-U- Test, p ≤ ,05). Ausgeschlossen sind alle Meldungen zum Atomunfall in Japan. 16
  • 17. Atom- und regenerative Energie nach Fukushima 1. Hintergrund und Methode 2. Themen, Akteure, Positionen 3. Bewertung von Atomenergie nach Fukushima 4. Summary 17
  • 18. Fazit (1) Die deutschen Medien reagieren auf die Atomwende der Kanzlerin mit einer veränderten Bewertung der Risiken von Atomenergie: Als größtes Risiko durch Atomkraft werden in jedem 3. Artikel Atomunfälle benannt, 2x häufiger als in der der Zeit vor Fukushima. Am zweithäufigsten ist von langfristigen Gefahren für Umwelt und Gesundheit zu lesen, die in jedem 10. Beitrag erwähnt werden. Als Ursache für Risiken der Atomenergie wird am häufigsten Fukushima selbst und am zweithäufigsten Naturgewalten gesehen. Terroranschläge werden nur in 2% der Meldungen als Gefahr angesprochen. Die Handlungsempfehlung „Abschalten!“ ist in jedem 3. Beitrag erwähnt, doppelt so oft, wie vor Fukushima. die Forderung nach mehr Sicherheit und Kontrolle ist nur in jedem 10. Beitrag zu lesen. Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung und taz bleiben ihrer regierungsskeptischen Haltung auch nach Atomausstieg durch die Bundesregierung treu. Die Haltung der Bild-Zeitung wurde nicht detailliert untersucht, weil von ihr als Boulevardblatt keine konsistente Position erwartet werden konnte. Die Berichterstattung des Unglücks selbst wird in dieser Studienkurzfassung nicht analysiert. 18
  • 19. Fazit (2)  Die Frankfurter Allgemeine Zeitung positioniert sich nach Fukushima atomkritischer als zuvor. So war vor Fukushima in nahezu jedem 5. Artikel der Stichprobe von Risiken der Atomenergie zu lesen, danach in jedem 2. Beitrag. Allerdings haben auch weiterhin atomfreundliche Platz: in 15% der Meldungen ist die Handlungsempfehlung zu lesen, Atomkraft solle weiter genutzt werden. Die regenerative Energien können vom Atomausstieg publizistisch nicht profitieren. Die Handlungsempfehlung „regenerative Energie ausbauen“ ist nach Fukushima weniger zu lesen als vorher. Die deutschen Akteure der regenerativen Energiebranche werden 12% weniger in Meldungen erwähnt. Nach Fukushima wird anders über Atomenergie berichtet: Die Bewertung von Risiken durch Atomenergie verändert sich bei allen untersuchten Medien. Besonders deutlich wird dies bei der FAZ, in der nach dem GAU wesentlich häufiger atomkritische Meldungen zu lesen sind als davor. 19
  • 20. Berlin, 7. Juni 2012 Die deutsche Atomwende in den Medien Wurde nach Fukushima anders über Atomenergie berichtet? Matthias Galle [galle@blaetterwald.org] Die vollständige Studie unter www.scribd.com/doc/95543158/ Framing-in-der-Berichterstattung-deutscher-Tageszeitungen-zu-Atomenergie- und-regenerativer-Energie-vor-und-nach-Fukushima-und-dem-deutschen-Atomaussti Oranienburger Str. 27 | 10117 Berlin-Mitte | Germany www.blaetterwald.org | info@blaetterwald.org 20