Matthias Heinrich, Heinrich Riethmüller, Matthias Ulmer

2025 - Eine schöne neue Welt?
Szenarien für die Buchbranche
der Zukunft
Buchtage Berlin 2011
Branche
    Szenarien für die Buchbranche der Zukunft

    1. Alle gedruckte Medien verlieren an Bedeutung. Der Rückgang bei Buch,
       Zeitschrift und Zeitung liegt bezogen auf Vertriebserlöse jeweils bei
       über 25%.
    2. Der stärkste Rückgang bei den Vertriebswegen für Bücher betrifft den
       stationären Buchhandel (-31%).
    3. Die institutionellen Aggregatoren können mit einem geringen Wachstum
       rechnen.
    4. Die Umsatzrückgänge im Bereich gedrucktes Buch werden durch
       Umsatzwachstum im Bereich Paid-Content ausgeglichen.
    5. Die Content-Anbieter bei Paid Content sind nur bedingt identisch mit den
       Buchverlagen. Neue Anbieter nehmen alten Verlagen Marktanteile ab.




2                                   01.07.2011
Verlage
    Szenarien für die Buchbranche der Zukunft

    6. Die Warengruppen 1-5 halten sich bei gedruckten Medien relativ gut, die
        Fachbuchwarengruppen und die Bildungsmedien verlieren erheblich an
        Bedeutung.
    7. Klassische Absatzorganisationen müssen auf die neue Markt- und
        Produktstruktur Rücksicht nehmen.
    8. Die Fokussierung auf den Sortimentsbuchhandel werden viele Verlage
        reduzieren müssen.
    9. Konditionenmodelle müssen stärker nach Effizienz- und
        Rentabilitätskriterien geprüft werden.
    10. Die Entwicklung elektronischer Angebote im Bereich Bildungs- und
        Fachmedien muss vorangetrieben werden.
    11. Verlage müssen Know How zu Konzeption, Produktion und Vermarktung
        von multimedialem Paid-Content aufbauen.



3                                  01.07.2011
Sortiment
    Szenarien für die Buchbranche der Zukunft

    12. Der Sortimentsbuchhandel muss die durch Umsatzrückgang frei
        werdenden Flächen durch neue Produkte auffüllen.
    13. Der Sortimentsbuchhandel muss neue Flächenkonzepte entwickeln.
    14. Das Rechnungsgeschäft und die zugehörigen Deckungsbeiträge werden bei
        den meisten Sortimentsbuchhändlern verschwinden.
    15. Das Schulbuchgeschäft und die zugehörigen Deckungsbeiträge werden bei
        den meisten Buchhändlern verschwinden. Das Volumen wird zurückgehen
        und sich auf spezialisierte Händler konzentrieren, die Print und Elektronik
        parallel anbieten können.
    16. Das Fachbuch im allgemeinen Sortiment, die Fachbuchhandlung und die
        Campus- Buchhandlung werden größtenteils verschwinden.
    17. Das Lehrbuchvolumen wird radikal zurück gehen.
    18. Die Kundengruppe der Studenten geht den Fachbuchhandlungen als
        Käufer auch des allgemeinen Buchsortiments verloren.


4                                    01.07.2011
Zwischenbuchhandel
    Szenarien für die Buchbranche der Zukunft

    19. Der Zwischenbuchhandel muss mit einem stark rückläufigen Volumen
        rechnen.
    20. Die Konzentration im Zwischenbuchhandel verschärft sich von der
        Kostenseite, durch einen Rückgang der Buchhandlungen und durch
        Konzentration auf Verlagsseite zusätzlich.
    21. Die Konzentration auf Verlags- und Buchhandelsseite kann auch zur
        Kostenentlastung beim Bücherwagen durch weniger Fahrstrecken und
        höhere Bündelung führen.
    22. Die Flächenauslastung im Lager des Zwischenbuchhandels muss durch
        neue Produktgruppen verbessert werden.
    23. Die Auslieferungsgebühren entwickeln sich je nach
        Umsatzprovisionsmodell oder nach Prozesskostenmodell deutlich
        unterschiedlich.



5                                 01.07.2011
Verband
    Szenarien für die Buchbranche der Zukunft

    24. Die Beitragseinnahmen aus allen Sparten sinken durch den Rückgang des
        Marktvolumens.
    25. Die Beitragseinnahmen aller Sparten sinken durch Mitgliederschwund
        durch Konzentration.
    26. Die Auswirkung der Beitragsstaffel (Deckelung, Progression) im Bezug auf
        diese Entwicklung muss geprüft werden.
    27. Die Umsatzverschiebung aus gedruckten Medien auf elektronische Paid-
        Content Angebote zwingt den Börsenverein zur Entscheidung, ob er den
        verbliebenen Buchmarkt repräsentiert oder auch die neuen Marktakteure
        als echte Mitglieder betrachtet.
    28. Die Mission des Börsenvereins (Prinzip Buch) muss neu und verständlich
        formuliert werden.




6                                   01.07.2011
Lobbyarbeit
    Szenarien für die Buchbranche der Zukunft

    29. Die Lobbyarbeit für die Sicherung des Urheberrechts bei elektronischen
        Produkten gewinnt zusätzlich an Bedeutung.
    30. Die Lobbyarbeit für die Preisbindung bei elektronischen Produkten
        gewinnt zusätzlich an Bedeutung.
    31. Die Lobbyarbeit für die reduzierte Mehrwertsteuer bei elektronischen
        Produkten gewinnt zusätzlich an Bedeutung.
    32. Die Lobbyarbeit muss die Dramatik der Veränderungen im Bereich der
        Bildungsmedien für die Politik transparent machen.




7                                   01.07.2011
Messe
    Szenarien für die Buchbranche der Zukunft

    33. Die Buchmessen werden mit einem rückläufigen Flächenbedarf der Verlage
        rechnen müssen.
    34. Die Buchmessen werden mit rückläufigen Ausstellerzahlen bei den Verlagen
        rechnen müssen.
    35. Die Buchmessen werden mit rückläufigen Besucherzahlen aus dem Sortiment
        rechnen müssen.
    36. Die Leipziger Buchmesse kann sich als Messe für das gedruckte Buch
        profilieren und so Rückgänge in Wachstum umkehren.
    37. Die Frankfurter Buchmesse muss die an den klassischen Buchmarkt
        angrenzenden Akteure noch stärker in den Blick nehmen.
    38. Die Mischung von Angeboten in der Hallenbelegung muss überdacht werden.
    39. Standkonzepte der Verlage müssen die problematische Darstellung
        elektronischer Medien (Vorbild Gamesconvention) und den erhöhten
        Beratungsbedarf der Händler berücksichtigen.


8                                  01.07.2011
Börsenblatt
    Szenarien für die Buchbranche der Zukunft

    40.Die Zahl der Börsenblatt-Bezieher in den Sparten Verlag und Buchhandel
        wird um rund ein Viertel zurückgehen.
    41. Die Zahl der Börsenblattanzeigen und deren Bedeutung werden
        zurückgehen.
    42. Das Börsenblatt muss neue Produktinformationsmöglichkeiten für
        komplexe Paid-Content-Angebote entwickeln.
    43. Das Börsenblatt muss ein crossmediales Fachinformationskonzept
        entwickeln.
    44.Das Börsenblatt muss seine Themen im Bereich Paid Content deutlich
        ausweiten.
    45. Das Börsenblatt muss die Zielgruppe der Leser auf Paid Content verbreiten
        und ausrichten.




9                                   01.07.2011
Mediacampus
     Szenarien für die Buchbranche der Zukunft

     46.Die Ausbildung am Mediacampus muss die Verschiebung der
         Umsatzschwerpunkte und die neuen Anforderungen berücksichtigen.
     47. Die Bedarfsplanung am Mediacampus muss sich auf den erwarteten
         Rückgang der Unternehmenszahlen bei Buchhandlung und Verlag
         einstellen.
     48.Die Bedarfsplanung am Mediacampus muss sich auf die veränderten
         Ausbildungsgänge einstellen.
     49.Der Mediacampus muss die neuen Marktakteure im Bereich Paid Content
         ins Blickfeld nehmen und ein Aus- und Fortbildungsangebot prüfen. Das
         muss sowohl Buchhandelswissen für E-Content-Händler als auch E-
         Content-Wissen für Buchhändler umfassen.
     50.Der Mediacampus muss insbesondere Konzeption, Technik und Verkauf
         von elektronischen Bildungsmedien (Schule und Studium) ins Blickfeld
         nehmen.


10                                  01.07.2011
VLB/Libreka
     Szenarien für die Buchbranche der Zukunft

     51. Die vermutete Marktentwicklung kommt dem Geschäftsmodell von Libreka
         entgegen.
     52. Die Abnehmer des VLB von Handelsseite gehen zurück, die Finanzierung
         muss ganz auf die Verlagsseite verlagert werden.
     53. Die Titelzahl und der Bedarf an Orientierungsmedien steigen und
         unterstreichen die Bedeutung des VLB.
     54. Die Bedeutung von Metadaten steigt.
     55. Ein übergreifendes Verzeichnis zum Nachweis und zur Bereitstellung von
         Mediadaten für Bücher, E-Books, Apps, E-Papers und anderen Paid-
         Content-Angeboten wird dringend benötigt.




11                                  01.07.2011
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#55thesen



Buchtage Berlin 2011

2025 – schöne neue Welt? Szenarien für die Buchbranche der Zukunft! 55 Thesen

  • 1.
    Matthias Heinrich, HeinrichRiethmüller, Matthias Ulmer 2025 - Eine schöne neue Welt? Szenarien für die Buchbranche der Zukunft Buchtage Berlin 2011
  • 2.
    Branche Szenarien für die Buchbranche der Zukunft 1. Alle gedruckte Medien verlieren an Bedeutung. Der Rückgang bei Buch, Zeitschrift und Zeitung liegt bezogen auf Vertriebserlöse jeweils bei über 25%. 2. Der stärkste Rückgang bei den Vertriebswegen für Bücher betrifft den stationären Buchhandel (-31%). 3. Die institutionellen Aggregatoren können mit einem geringen Wachstum rechnen. 4. Die Umsatzrückgänge im Bereich gedrucktes Buch werden durch Umsatzwachstum im Bereich Paid-Content ausgeglichen. 5. Die Content-Anbieter bei Paid Content sind nur bedingt identisch mit den Buchverlagen. Neue Anbieter nehmen alten Verlagen Marktanteile ab. 2 01.07.2011
  • 3.
    Verlage Szenarien für die Buchbranche der Zukunft 6. Die Warengruppen 1-5 halten sich bei gedruckten Medien relativ gut, die Fachbuchwarengruppen und die Bildungsmedien verlieren erheblich an Bedeutung. 7. Klassische Absatzorganisationen müssen auf die neue Markt- und Produktstruktur Rücksicht nehmen. 8. Die Fokussierung auf den Sortimentsbuchhandel werden viele Verlage reduzieren müssen. 9. Konditionenmodelle müssen stärker nach Effizienz- und Rentabilitätskriterien geprüft werden. 10. Die Entwicklung elektronischer Angebote im Bereich Bildungs- und Fachmedien muss vorangetrieben werden. 11. Verlage müssen Know How zu Konzeption, Produktion und Vermarktung von multimedialem Paid-Content aufbauen. 3 01.07.2011
  • 4.
    Sortiment Szenarien für die Buchbranche der Zukunft 12. Der Sortimentsbuchhandel muss die durch Umsatzrückgang frei werdenden Flächen durch neue Produkte auffüllen. 13. Der Sortimentsbuchhandel muss neue Flächenkonzepte entwickeln. 14. Das Rechnungsgeschäft und die zugehörigen Deckungsbeiträge werden bei den meisten Sortimentsbuchhändlern verschwinden. 15. Das Schulbuchgeschäft und die zugehörigen Deckungsbeiträge werden bei den meisten Buchhändlern verschwinden. Das Volumen wird zurückgehen und sich auf spezialisierte Händler konzentrieren, die Print und Elektronik parallel anbieten können. 16. Das Fachbuch im allgemeinen Sortiment, die Fachbuchhandlung und die Campus- Buchhandlung werden größtenteils verschwinden. 17. Das Lehrbuchvolumen wird radikal zurück gehen. 18. Die Kundengruppe der Studenten geht den Fachbuchhandlungen als Käufer auch des allgemeinen Buchsortiments verloren. 4 01.07.2011
  • 5.
    Zwischenbuchhandel Szenarien für die Buchbranche der Zukunft 19. Der Zwischenbuchhandel muss mit einem stark rückläufigen Volumen rechnen. 20. Die Konzentration im Zwischenbuchhandel verschärft sich von der Kostenseite, durch einen Rückgang der Buchhandlungen und durch Konzentration auf Verlagsseite zusätzlich. 21. Die Konzentration auf Verlags- und Buchhandelsseite kann auch zur Kostenentlastung beim Bücherwagen durch weniger Fahrstrecken und höhere Bündelung führen. 22. Die Flächenauslastung im Lager des Zwischenbuchhandels muss durch neue Produktgruppen verbessert werden. 23. Die Auslieferungsgebühren entwickeln sich je nach Umsatzprovisionsmodell oder nach Prozesskostenmodell deutlich unterschiedlich. 5 01.07.2011
  • 6.
    Verband Szenarien für die Buchbranche der Zukunft 24. Die Beitragseinnahmen aus allen Sparten sinken durch den Rückgang des Marktvolumens. 25. Die Beitragseinnahmen aller Sparten sinken durch Mitgliederschwund durch Konzentration. 26. Die Auswirkung der Beitragsstaffel (Deckelung, Progression) im Bezug auf diese Entwicklung muss geprüft werden. 27. Die Umsatzverschiebung aus gedruckten Medien auf elektronische Paid- Content Angebote zwingt den Börsenverein zur Entscheidung, ob er den verbliebenen Buchmarkt repräsentiert oder auch die neuen Marktakteure als echte Mitglieder betrachtet. 28. Die Mission des Börsenvereins (Prinzip Buch) muss neu und verständlich formuliert werden. 6 01.07.2011
  • 7.
    Lobbyarbeit Szenarien für die Buchbranche der Zukunft 29. Die Lobbyarbeit für die Sicherung des Urheberrechts bei elektronischen Produkten gewinnt zusätzlich an Bedeutung. 30. Die Lobbyarbeit für die Preisbindung bei elektronischen Produkten gewinnt zusätzlich an Bedeutung. 31. Die Lobbyarbeit für die reduzierte Mehrwertsteuer bei elektronischen Produkten gewinnt zusätzlich an Bedeutung. 32. Die Lobbyarbeit muss die Dramatik der Veränderungen im Bereich der Bildungsmedien für die Politik transparent machen. 7 01.07.2011
  • 8.
    Messe Szenarien für die Buchbranche der Zukunft 33. Die Buchmessen werden mit einem rückläufigen Flächenbedarf der Verlage rechnen müssen. 34. Die Buchmessen werden mit rückläufigen Ausstellerzahlen bei den Verlagen rechnen müssen. 35. Die Buchmessen werden mit rückläufigen Besucherzahlen aus dem Sortiment rechnen müssen. 36. Die Leipziger Buchmesse kann sich als Messe für das gedruckte Buch profilieren und so Rückgänge in Wachstum umkehren. 37. Die Frankfurter Buchmesse muss die an den klassischen Buchmarkt angrenzenden Akteure noch stärker in den Blick nehmen. 38. Die Mischung von Angeboten in der Hallenbelegung muss überdacht werden. 39. Standkonzepte der Verlage müssen die problematische Darstellung elektronischer Medien (Vorbild Gamesconvention) und den erhöhten Beratungsbedarf der Händler berücksichtigen. 8 01.07.2011
  • 9.
    Börsenblatt Szenarien für die Buchbranche der Zukunft 40.Die Zahl der Börsenblatt-Bezieher in den Sparten Verlag und Buchhandel wird um rund ein Viertel zurückgehen. 41. Die Zahl der Börsenblattanzeigen und deren Bedeutung werden zurückgehen. 42. Das Börsenblatt muss neue Produktinformationsmöglichkeiten für komplexe Paid-Content-Angebote entwickeln. 43. Das Börsenblatt muss ein crossmediales Fachinformationskonzept entwickeln. 44.Das Börsenblatt muss seine Themen im Bereich Paid Content deutlich ausweiten. 45. Das Börsenblatt muss die Zielgruppe der Leser auf Paid Content verbreiten und ausrichten. 9 01.07.2011
  • 10.
    Mediacampus Szenarien für die Buchbranche der Zukunft 46.Die Ausbildung am Mediacampus muss die Verschiebung der Umsatzschwerpunkte und die neuen Anforderungen berücksichtigen. 47. Die Bedarfsplanung am Mediacampus muss sich auf den erwarteten Rückgang der Unternehmenszahlen bei Buchhandlung und Verlag einstellen. 48.Die Bedarfsplanung am Mediacampus muss sich auf die veränderten Ausbildungsgänge einstellen. 49.Der Mediacampus muss die neuen Marktakteure im Bereich Paid Content ins Blickfeld nehmen und ein Aus- und Fortbildungsangebot prüfen. Das muss sowohl Buchhandelswissen für E-Content-Händler als auch E- Content-Wissen für Buchhändler umfassen. 50.Der Mediacampus muss insbesondere Konzeption, Technik und Verkauf von elektronischen Bildungsmedien (Schule und Studium) ins Blickfeld nehmen. 10 01.07.2011
  • 11.
    VLB/Libreka Szenarien für die Buchbranche der Zukunft 51. Die vermutete Marktentwicklung kommt dem Geschäftsmodell von Libreka entgegen. 52. Die Abnehmer des VLB von Handelsseite gehen zurück, die Finanzierung muss ganz auf die Verlagsseite verlagert werden. 53. Die Titelzahl und der Bedarf an Orientierungsmedien steigen und unterstreichen die Bedeutung des VLB. 54. Die Bedeutung von Metadaten steigt. 55. Ein übergreifendes Verzeichnis zum Nachweis und zur Bereitstellung von Mediadaten für Bücher, E-Books, Apps, E-Papers und anderen Paid- Content-Angeboten wird dringend benötigt. 11 01.07.2011
  • 12.
    Vielen Dank fürIhre Aufmerksamkeit. #55thesen Buchtage Berlin 2011