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1 von 64
Quick and dirty - wie
verändert sich die Sprache im
Internet?

         Michael Bechtel
       Freier Journalist / Texttrainer

                53604 Bad Honnef
               Mülheimer Str. 13A
               Tel. 02224-9016836
Machen wir eine Frage daraus:
Verändert sich die Sprache
im Internet?
Antwort:
Unbedingt – wie sollte sie
nicht?

 Noch jede Medien-Revolution hat
     Mediennutzung verändert

     Zielgruppen umgekrempelt

     neue Ausdrucksformen hervorgebracht

     damit auch Sprache verändert
Beispiel:
Erfindung der Zeitung

 300 Jahre Entwicklung vom klassischen von
 Briefformen / dem klassischen „Leitartikel“ hin zu
 den zeitungstypischen Formen Nachricht / Bericht /
 Reportage usw.

 Eine solche Entwicklung braucht viel Zeit!
1989:
Erfindung des WWW

 Seit knapp 10 Jahren entwickelt sich das Web zum
 Massenkommunikations- und Interaktionsmedium

 Die Medienmacher wissen noch nichts Rechtes damit
 anzufangen
 Wenn‘s denn ein Trost ist:
 die PR-Strategen der Unternehmen auch nicht!
Das sind
prima!
Das ist
     traurig!




Vorspann nicht herausgehoben
Der Einstieg „umreißt“ das
Generalthema, gibt keinen
Überblick über die Teilaspekte
Kein modularer Aufbau,
sondern der typisch
verschachtelte lineare Verlauf
 Daher sind auch keine
internen Links möglich
 Die einzige Zwischenüber-
schrift ist bloßer Schmuck –
verweist auf ein Thema, das 6
Absätze später beginnt!
Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport will Anfang 2009 mit dem Bau der umstrittenen
neuen Landebahn beginnen. Spätestens im Winter 2011 sollen auf der Bahn im Nordwesten
Flugzeuge starten und landen. Das sagte Vorstandschef Wilhelm Bender am Montag bei der
Präsentation der Bilanz für das Jahr 2007. Die weist Wachstum bei Passage und Fracht aus.
Kennzahlen (FR-Infografik)

Die Sorgen der Fraport im Einzelnen:
Richterspruch zur neuen Landbahn und zum Nachflugverbot Anfang 2009
 Riesenflieger erzwingen Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe
Flughafen Hahn macht Fraport sorgen.

Ausbau-Zeitplan ambitioniert
Fraport könnte sofort mit dem Ausbau loslegen. Die Genehmigung des Planfeststellungsbeschlusses liegt
vor. "Aus Respekt vor dem Gericht" aber wolle Fraport die ausstehenden Verfahren vor dem Hessischen
Verwaltungsgerichtshof abwarten, sagte Bender. Danach werde man "keine Zeit mehr verlieren". Der
Ausbau-Zeitplan sei ambitioniert, aber realistisch.

Die vierte Piste war im Dezember genehmigt worden, zahlreiche Kommunen haben aber Klage
eingereicht. Zudem wehren sich mehrere Fluggesellschaften gegen das geplante teilweise
Nachtflugverbot. Fraport erwartet von den Kasseler Richtern bis spätestens Anfang 2009 eine erste
rechtliche Einschätzung.

Airport Frankfurt ein zu eng gewordener Anzug
Zwar hat der Flughafenbetreiber erneut eine Rekordzahl bei den Passagieren erzielt. Dennoch blickt
Bender mit Sorge auf den verschärften Wettbewerb unter den internationalen Drehkreuzen. Die
Heimatbasis Frankfurt verglich er mit einem "zu eng gewordenen Anzug". Derzeit könne Fraport pro
Stunde gut 80 Flugbewegungen einplanen, die Nachfrage liege aber schon heute bei über 100. Nach
Inbetriebnahme der neuen Landebahn könnten 126 Flüge in der Stunde erfolgen.

Dossier: Wächst der Flughafen weiter?
Blütenträume der frühen Jahre:
Die Emanzipation des Lesers

 »Wahrscheinlich wird das Schreiben von
 Hypertexten irgendwann in der Schule gelehrt
 werden, so wie die Schüler heute lernen,
 lineare Aufsätze korrekt zu redigieren.«
 (Jacob Nielsen, 1996)
Blütenträume der frühen Jahre:
Die Emanzipation des Lesers

 „Lesen ist nicht länger ein passiver Vorgang
 der Rezeption, sondern wird zu einem Prozess
 der kreativen Interaktion zwischen Leser,
 Autor und Text.“ (Mike Sandbothe, 1996 )
Blütenträume der frühen Jahre:
Die Emanzipation des Lesers

  „Auch das Schreiben von Texten verändert
  sich. Schreiben wird zu einem Geschehen der
  produktiven Vernetzung assoziativer
  Komplexe.“ (Mike Sandbothe, 1996 )
Blütenträume der frühen Jahre:
Die Emanzipation des Lesers

 Die Vision vom WWW als globalem Hypertext-
 Graswurzelmedium mit ganzheitlich
 revolutionärer Wirkung auf die menschliche
 Kommunikation und menschliches Denken an
 sich ist nicht Wirklichkeit geworden.
Der Untergang des
Abendlandes…

 … lässt auf sich warten:

    immer weniger Zeit fürs Lesen
    Lesekompetenz sinkt

 Kulturpessimismus bringt uns nicht
 weiter!
Hans Magnus Enzensberger:
Der Leser hat immer recht…
 „Der Leser hat […] immer recht, und es kann ihm
 niemand die Freiheit nehmen, von einem Text den
 Gebrauch zu machen, der ihm passt. […] Zu dieser
 Freiheit gehört es, hin- und herzublättern, ganze
 Passagen zu überspringen, Sätze gegen den Strich zu
 lesen, sie misszuverstehen, sie umzumodeln, sie
 fortzuspinnen und auszuschmücken mit allen
 möglichen Assoziationen, Schlüsse aus dem Text zu
 ziehen, von denen der Text nichts weiß, sich über ihn
 zu ärgern, sich über ihn zu freuen, ihn zu vergessen,
 ihn zu plagiieren und das Buch, worin er steht, zu
 einem beliebigen Zeitpunkt in die Ecke zu werfen.“
Gibt es wirklich Ansätze für neue
Sprache?
 Am ehesten in den elektronischen
 Diskussionsforen:
 „ Artikel in den elektronischen Diskussionsforen weisen
 Eigenschaften der konzeptionellen Mündlichkeit in
 einem Maße auf, wie es in der Schriftlichkeit bisher
 noch nicht vorkam…“ (Stefan RABANUS). Außerdem
 sind Dialogstrukturen kennzeichnend….

 Hier könnten sich neue Textformen entwickeln.
 Zukunftsmusik!
Ansonsten die Diagnose – das Internet:
Endlager für miese Texte…
  Guten Hypertext kann man im WWW mit der
  Lupe suchen…
  Es dominiert die „missbräuchliche“ (so sehen
  es die Sprachwissenschaftler) Verwendung
  von Printtexten – gemeint sind alle Texte, die
  nicht oder nur notdürftig für die Verwendung
  in Internet optimiert wurden.
Die Praxis
eTexte statt Hypertext…
 eTexte = elektronisch abgespeicherte
 Texte, denen die entscheidenden
 Merkmale von Hypertext ganz oder
 weitgehend fehlen:
      1.   Entlinearisierung
      2.   Synästhesierung
      3.   Operationalisierung
      4.   Interaktivität
Lesen am Bildschirm
Wo liegen die Probleme?

 1. Lesen am Bildschirm geht
 langsam:
 Durchschnittlich brauchen Leser
 für den gleichen Text zwischen 10
 und 25 % mehr Zeit
Lesen am Bildschirm
Wo liegen die Probleme?
 2. Der Überblick fehlt:
 Am Bildschirm haben wir nur kleine
 Text- und Informationseinheiten im
 Blick.
 Ohne Überblick über das prinzipiell zur
 Verfügung stehende Material ist der
 individuell effektivste Leseweg schwer
 abzuschätzen.
Lesen am Bildschirm
Wo liegen die Probleme?

 3. Scrollen ist unbeliebt:
 Viele User scrollen ungerne –
 manche auch nie. Deshalb haben
 Inhalte unterhalb des physischen
 Bildschirms schlechtere Chancen…
Lesen am Bildschirm
Wo liegen die Probleme?
 4. User sind hektisch:
 Internet-User sind noch sehr viel
 selektiver als Zeitungsleser – sie
 skannen die Inhalte noch
 oberflächlicher, sind fixiert auf
 bestimmte Stichworte…
Lesen am Bildschirm
Wo liegen die Probleme?
 5. Ablenkende Einflüsse:
 Das menschliche Gehirn reagiert sehr
 empfindlich auf Bewegungen, die außerhalb
 des engen Fixationsfeldes liegen. Je mehr
 Bewegungen (sprich: Animationen wie
 blinkende Banner, animierte GIF´s usw.) auf
 einer Bildschirmseite, desto größer die
 Ablenkung.
Lesen am Bildschirm
Wo liegen die Probleme?
 Je mehr Medienkompetenz, desto
 gewandter kann der User sich in
 Online-Angeboten bewegen. Auch
 Vorwissen über den jeweiligen
 Textgegenstand beeinflusst das
 Verständnis.
 Wie wird es damit bei künftigen Leser
 aussehen?
Optimierung von Texten im
Hypertext-Umgebungen:
Wo liegen die Lösungen?

 1. Textökonomie
 = in sinnvollem Maße verknappte
 Texte: sachlich knapp, in jedem
 Fall aber sprachlich knapp.
Optimierung von Texten im
Hypertext-Umgebungen:
Wo liegen die Lösungen?

 2. Sprachliche
 Verständlichkeit
 = in Wortschatz und Grammatik
 der Sprache einer möglichst
 großen Zahl von Usern
 angepasst.
Optimierung von Texten im
Hypertext-Umgebungen:
Wo liegen die Lösungen?

 3. medienadäquate formale
 Struktur
 = kurze, möglichst modular gestaltete
 Abschnitte mit prägnanten, aussage-
 kräftigen (d.h. den Folgetext zusam-
 menfassenden) Überschriften
Optimierung von Texten im
Hypertext-Umgebungen:
Wo liegen die Lösungen?

 4. adäquate grafische
 Gestaltung
 = Textdesign + grafisches Design
Optimierung von Texten im
Hypertext-Umgebungen:
Wo liegen die Lösungen?

 5. Sinnvolle Verklammerung von
 Text mit multimedialen Elementen
 = Fotos, Videosequenzen, Podcasts,
 die medienspezifisch neue
 Dimensionen des Themas eröffnen.
Optimierung von Texten im
Hypertext-Umgebungen:
… ein Stück weit Utopie

 Texte, die alle diese Forderungen
 gleichermaßen verwirklichen, gibt
 es bisher kaum.
Optimierung von Sprache:
Die Regeln sind bekannt
 Ein optimaler Web-Text muss den
 Inhalt so schnell, präzise und leicht wie
 möglich verständlich machen:
 Er muss sich dazu auf zwei Ebenen den
 Anforderungen des Mediums anpassen:
 1. inhaltlich-stilistisch (Mikroebene)
 2. formal-strukturell (Makrobene).
Inhaltlich-stilistische Optimierung:
Einfachheit ist nicht alles
 Für die stilistische Mikroebene relevant:
 a) Lexik ( leicht verständliche Wörter)
 b) Syntax und Grammatik
 c) Propositions- und Argumentdichte
Sensationeller Archiv-Fund: Ältester Mann der Welt
Forschungen von Günter Lipp


Das was Kreisheimatpfleger Günter Lipp am Mittwochvormittag den
angereisten Medienvertretern bei einer Pressekonferenz in Ebern
anzubieten hatte, kann man getrost als Sensation bezeichnen, die
sicherlich weltweit Beachtung finden wird: Lipp ist der archivalische
Nachweis gelungen, dass in Rabelsdorf und Altenstein im östlichen
Landkreis Haßberge im 18. und 19. Jahrhundert ein Mann gelebt hat, der
das biblische Alter von sagenhaften 120 Jahren, elf Monaten und 24
Tagen erreichte.
Inhaltlich-stilistische Optimierung:
Einfachheit ist nicht alles
 Für die stilistische Mikroebene relevant:
 a) Lexik ( leicht verständliche Wörter)
 b) Syntax und Grammatik ( einfache
 Satzstrukturen)
 c) Propositions- und Argumentdichte
Sensationeller Archiv-Fund: Ältester Mann der Welt
Forschungen von Günter Lipp


Das was Kreisheimatpfleger Günter Lipp am Mittwochvormittag den
angereisten Medienvertretern bei einer Pressekonferenz in Ebern
anzubieten hatte, kann man getrost als Sensation bezeichnen, die
sicherlich weltweit Beachtung finden wird: Lipp ist der archivalische
Nachweis gelungen, dass in Rabelsdorf und Altenstein im östlichen
Landkreis Haßberge im 18. und 19. Jahrhundert ein Mann gelebt hat, der
das biblische Alter von sagenhaften 120 Jahren, elf Monaten und 24
Tagen erreichte.
Inhaltlich-stilistische Optimierung:
Einfachheit ist nicht alles
 Für die stilistische Mikroebene relevant:
 a) Lexik ( leicht verständliche Wörter)
 b) Syntax und Grammatik ( einfache
 Satzstrukturen)
 c) Propositions- und Argumentdichte
 (  geringe Informationsdichte)
Sensationeller Archiv-Fund: Ältester Mann der Welt
Forschungen von Günter Lipp


Das was Kreisheimatpfleger Günter Lipp am Mittwochvormittag den
angereisten Medienvertretern bei einer Pressekonferenz in Ebern
anzubieten hatte, kann man getrost als Sensation bezeichnen, die
sicherlich weltweit Beachtung finden wird: Lipp ist der archivalische
Nachweis gelungen, dass in Rabelsdorf und Altenstein im östlichen
Landkreis Haßberge im 18. und 19. Jahrhundert ein Mann gelebt hat, der
das biblische Alter von sagenhaften 120 Jahren, elf Monaten und 24
Tagen erreichte.
Inhaltlich-stilistische Optimierung:
Einfachheit ist nicht alles

 Ein stilistisch-inhaltlich optimierter
 Text müsste ungefähr so
 aussehen:
Sensationeller Archiv-Fund: Ältester Mann der Welt
Forschungen von Günter Lipp


Kreisheimatpfleger Günter Lipp eröffnete am Mittwochvormittag den
Medienvertretern in Ebern eine Sensation: Durch Archivstudien konnte
er nachweisen, dass ein Einwohner von Rabelsdorf und Altenstein im
östlichen Landkreis Haßberge ein biblisches Alter erreichte. Er lebte im
18. und 19. Jahrhundert und wurde fast 121 Jahre alt…



    Das ist stilistisch optimiert – aber noch längst keine guter
    Online-Text!
Formal-strukturelle Optimierung:
Alte journalistische Tugenden
erinnern….
 Für die Strukturebene wichtig:
 a) Zuspitzung des Textes ( Prinzip
 Nachricht)
 b) Klare inhaltliche Gliederung in
 kurzen Absätzen
 c) Strukturierung durch Zwischen-
 Headlines
Formal-strukturelle Optimierung:
Alte journalistische Tugenden
erinnern….
 Für die Strukturebene wichtig:
 a) Zuspitzung des Textes ( Prinzip
 Nachricht)
 b) Klare inhaltliche Gliederung in kurzen
 Absätzen ( Überblick/Durchblick)
 c) Strukturierung durch Zwischen-
 Headlines
Formal-strukturelle Optimierung:
Alte journalistische Tugenden
erinnern….
 Für die Strukturebene wichtig:
 a) Zuspitzung des Textes ( Prinzip
 Nachricht)
 b) Klare inhaltliche Gliederung in kurzen
 Absätzen ( Überblick/Durchblick)
 c) Strukturierung durch ( resümierende)
 Headlines
Formal-strukturelle Optimierung:
Alte journalistische Tugenden
erinnern….

 Dann sähe der Text so oder so
 ähnlich aus:
121 Jahre:
Ältester Mann der Welt war ein Altensteiner
Fast 121 Jahre lebte der älteste Mann der Welt: Der Weber Joseph Brunner wohnte
in Rabelsdorf und in Altenstein im östlichen Landkreis Haßberge. Er lebte im 18.
und 19. Jahrhundert, wie Kreisheimatpfleger Günter Lipp durch Archivstudien
nachweisen konnte. Am Mittwochvormittag verkündete er Pressevertretern in Ebern
die Sensation.

Lebensdaten durch Urkunden gesichert
Joseph Brunner wurde am 26. November 1706 in Trappstadt (Lkr. Rhön-Grabfeld)
geboren. Am 19. November 1827 wurde er beerdigt. Diese Lebensdaten sind durch
Urkunden und Archivalien bewiesen. Er ist mit 120 Jahren, elf Monaten und 24
Tagen – soweit wird heute wissen – der älteste Mann, der je auf der Welt gelebt
hat.

Reif fürs Guinessbuch der Rekorde
Auf die Spur Brunners kam der Heimatpfleger durch eine Bemerkung in einer
handschriftlichen Chronik. Günter Lipp hat seine Erkenntnisse bereits beim
„Guinessbuch der Rekorde“ angemeldet …
Textoptimierung :
Sprache + Struktur
 Ein anderes Beispiel…
Textoptimierung :
     Sprache + Struktur
Rufmord-Kampagne gegen Bürgermeister Mend
Iphofens Bürgermeister wehrt sich gegen anonyme Vorwürfe eines
Flugblatts

Einer Rufmord-Kampagne sieht sich wenige Tage vor der
Kommunalwahl Iphofens Bürgermeister Josef Mend ausgesetzt. Auf
Flugblättern, die in der Nacht zum Montag an zahlreiche Haushalte in
Iphofen verteilt worden sind, vergleicht ein anonymer Verfasser die
zurückliegenden 18 Jahre mit einer Diktatur…
Es geschah im Schutze der Nacht. Viele Iphöfer fanden am Montagvormittag rote
Zettel vor ihrer Tür – eine ganzseitige anonyme „Abrechnung“ mit Bürgermeister
Josef Mend, seiner Verwaltung und den Freien Wählern der Stadt. Der
unbekannte Verfasser, der sich offenkundig gut in Iphofens Kommunalpolitik
auskennt und über Detail- und Insiderwissen verfügt, bezieht in seine
Generalkritik das Landratsamt sowie die örtliche Industrie ein, ohne später im
Text konkret zu werden. Mend werden „Macht- und Profitgier“ sowie die
„Unterdrückung Schwächerer und Andersdenkender“ vorgeworfen. Zudem ist von
Vorteilsannahme und persönlicher Bereicherung die Rede – etwa, dass Mend sich
und Mitarbeiter aus der Verwaltung kostenlos mit Holz und Weihnachtsbäumen
aus dem Stadtwald versorgt habe.
Textoptimierung :
       Sprache + Struktur
Anonyme Vorwürfe gegen Bürgermeister Mend
Iphofens Bürgermeister wehrt sich gegen Aussagen eines Flugblatts

„Machtmissbrauch“ und „persönliche Bereicherung“ – das sind Aussagen eines
anonymen Flugblatts gegen Iphofens Bürgermeister Josef Mend. Der Betroffene
ärgert sich natürlich – so kurz vor der Kommunalwahl. Er bleibt aber gelassen
und weist alle Vorwürfe von sich.
Hat Bürgermeister Josef Mend sich und Mitarbeiter aus der Verwaltung kostenlos mit Holz
und Weihnachtsbäumen aus dem Stadtwald versorgt? Viele Iphöfer fanden am Montagvor-
mittag rote Zettel mit Vorwürfen vor ihrer Tür – eine ganzseitige anonyme „Abrechnung“.
„Ich habe von der Stadt immer meine Rechnung gekriegt: ob ich mir eine Kreissäge aus
dem Bauhof geliehen oder einen Christbaum bekommen habe“, wehrt sich Mend.
Rundumschlag ohne konkret Aussagen
Die Verwaltung und die Freien Wähler der Stadt hat der unbekannte Verfasser auch im
Visier, Landratsamt und örtliche Industrie bekommen ihr Fett ab. Der Verfasser kennt sich
offenbar gut aus in Iphofens Kommunalpolitik; er weiß Details, die nur ein Insider wissen
kann. Trotzdem ist seine Generalkritik nicht wirklich konkret. „Macht- und Profitgier“ und die
„Unterdrückung Schwächerer und Andersdenkender“ – an überprüfbaren Beispielen dafür
fehlt es.
Schlechter politischer Stil
Die Bürger können einschätzen, was von diesen Inhalten zu halten ist, kommentiert Mend.
Die Art und Weise, wie hier versucht werde, politische Stimmung zu machen, bezeichnet
er….
Usability:
Optimieren für leseschwache Nutzer

Swiss Usability Center:
Bessere Lesbarkeit für leseschwache Benutzer
fördert die Usability für alle Benutzer
Usability:
     Optimieren für leseschwache Nutzer
    Swiss Usability Center:
    Bessere Lesbarkeit für leseschwache Benutzer
    fördert die Usability für alle Benutzer
   Die wichtigste Maßnahmen:
   Vereinfachen Sie den Text radikal!
   Verwenden Sie auf der Homepage und auf wichtigen Verteil- und Eingangsseiten
    Text, der für Schüler der 6. Klasse geeignet ist.
   Produzieren Sie ansonsten Text, der für Schüler der 8. Klasse geeignet ist.
   Platzieren Sie die Hauptaussage jeweils ganz oben auf der Seite –alle wichtigen
    Informationen oberhalb der Bildschirmkante – das verringert die Gefahr, dass User
    beim Scrollen den Anschluss verlieren.

http://www.usability.ch/Alertbox/20050314.htm
Usability:
   Optimieren für leseschwache Nutzer
Empirischer Vergleichstest mit einer optimierten
  Gesundheits-Seite:
 Benutzer erhalten mehr korrekte Informationen,
  brauchen weniger Zeit und empfinden die Site als
  besser.
 Leseschwache Benutzer konnten ihre Leistung um
  135% steigern. Sie schneiden mit der überarbeiteten
  Site besser ab als lesestarke Benutzer mit der Original-
  Site.
 Verbesserungen für die leseschwachen Benutzer gingen
  nicht auf Kosten der lesestarken Benutzer. Auch sie
  haben mit der überarbeiteten Site besser abgeschnitten.
  Wer die Fähigkeit hat, komplexe Informationen zu ver-
  stehen, bevorzugt dennoch die einfacheren und direkte-
  ren Gesundheitsinformationen.
?
Schlussbemerkung:
Über Sprache und Textstruktur
hinaus….

Wirklich zu Hypertext werden Artikel erst,
wenn sie
 sich durch (sinnvolle) Links mit ergän-
zenden Informationstexten verbinden
 durch die Verbindung mit (sinnvollen)
multimedialem Erweiterungen einen
Mehrwert liefern.
Schlussbemerkung:
Über Sprache und Textstruktur
hinaus….

Dabei muss Sprache als Text keineswegs
immer die führende Rolle spielen, sondern
kann sehr wohl hinter Bild, Ton und
Bewegtbild-Anteils zurücktreten und eine
dienende Funktion übernehmen.

Stichwort: multimediale
Informationspakete

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Sprache im Internet

  • 1. Quick and dirty - wie verändert sich die Sprache im Internet? Michael Bechtel Freier Journalist / Texttrainer 53604 Bad Honnef Mülheimer Str. 13A Tel. 02224-9016836
  • 2. Machen wir eine Frage daraus: Verändert sich die Sprache im Internet?
  • 3. Antwort: Unbedingt – wie sollte sie nicht? Noch jede Medien-Revolution hat  Mediennutzung verändert  Zielgruppen umgekrempelt  neue Ausdrucksformen hervorgebracht  damit auch Sprache verändert
  • 4. Beispiel: Erfindung der Zeitung 300 Jahre Entwicklung vom klassischen von Briefformen / dem klassischen „Leitartikel“ hin zu den zeitungstypischen Formen Nachricht / Bericht / Reportage usw. Eine solche Entwicklung braucht viel Zeit!
  • 5. 1989: Erfindung des WWW Seit knapp 10 Jahren entwickelt sich das Web zum Massenkommunikations- und Interaktionsmedium Die Medienmacher wissen noch nichts Rechtes damit anzufangen Wenn‘s denn ein Trost ist: die PR-Strategen der Unternehmen auch nicht!
  • 6.
  • 7.
  • 8.
  • 9.
  • 10.
  • 12. Das ist traurig! Vorspann nicht herausgehoben Der Einstieg „umreißt“ das Generalthema, gibt keinen Überblick über die Teilaspekte Kein modularer Aufbau, sondern der typisch verschachtelte lineare Verlauf  Daher sind auch keine internen Links möglich  Die einzige Zwischenüber- schrift ist bloßer Schmuck – verweist auf ein Thema, das 6 Absätze später beginnt!
  • 13. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport will Anfang 2009 mit dem Bau der umstrittenen neuen Landebahn beginnen. Spätestens im Winter 2011 sollen auf der Bahn im Nordwesten Flugzeuge starten und landen. Das sagte Vorstandschef Wilhelm Bender am Montag bei der Präsentation der Bilanz für das Jahr 2007. Die weist Wachstum bei Passage und Fracht aus. Kennzahlen (FR-Infografik) Die Sorgen der Fraport im Einzelnen: Richterspruch zur neuen Landbahn und zum Nachflugverbot Anfang 2009  Riesenflieger erzwingen Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe Flughafen Hahn macht Fraport sorgen. Ausbau-Zeitplan ambitioniert Fraport könnte sofort mit dem Ausbau loslegen. Die Genehmigung des Planfeststellungsbeschlusses liegt vor. "Aus Respekt vor dem Gericht" aber wolle Fraport die ausstehenden Verfahren vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof abwarten, sagte Bender. Danach werde man "keine Zeit mehr verlieren". Der Ausbau-Zeitplan sei ambitioniert, aber realistisch. Die vierte Piste war im Dezember genehmigt worden, zahlreiche Kommunen haben aber Klage eingereicht. Zudem wehren sich mehrere Fluggesellschaften gegen das geplante teilweise Nachtflugverbot. Fraport erwartet von den Kasseler Richtern bis spätestens Anfang 2009 eine erste rechtliche Einschätzung. Airport Frankfurt ein zu eng gewordener Anzug Zwar hat der Flughafenbetreiber erneut eine Rekordzahl bei den Passagieren erzielt. Dennoch blickt Bender mit Sorge auf den verschärften Wettbewerb unter den internationalen Drehkreuzen. Die Heimatbasis Frankfurt verglich er mit einem "zu eng gewordenen Anzug". Derzeit könne Fraport pro Stunde gut 80 Flugbewegungen einplanen, die Nachfrage liege aber schon heute bei über 100. Nach Inbetriebnahme der neuen Landebahn könnten 126 Flüge in der Stunde erfolgen. Dossier: Wächst der Flughafen weiter?
  • 14. Blütenträume der frühen Jahre: Die Emanzipation des Lesers »Wahrscheinlich wird das Schreiben von Hypertexten irgendwann in der Schule gelehrt werden, so wie die Schüler heute lernen, lineare Aufsätze korrekt zu redigieren.« (Jacob Nielsen, 1996)
  • 15. Blütenträume der frühen Jahre: Die Emanzipation des Lesers „Lesen ist nicht länger ein passiver Vorgang der Rezeption, sondern wird zu einem Prozess der kreativen Interaktion zwischen Leser, Autor und Text.“ (Mike Sandbothe, 1996 )
  • 16. Blütenträume der frühen Jahre: Die Emanzipation des Lesers „Auch das Schreiben von Texten verändert sich. Schreiben wird zu einem Geschehen der produktiven Vernetzung assoziativer Komplexe.“ (Mike Sandbothe, 1996 )
  • 17. Blütenträume der frühen Jahre: Die Emanzipation des Lesers Die Vision vom WWW als globalem Hypertext- Graswurzelmedium mit ganzheitlich revolutionärer Wirkung auf die menschliche Kommunikation und menschliches Denken an sich ist nicht Wirklichkeit geworden.
  • 18. Der Untergang des Abendlandes… … lässt auf sich warten:  immer weniger Zeit fürs Lesen  Lesekompetenz sinkt Kulturpessimismus bringt uns nicht weiter!
  • 19. Hans Magnus Enzensberger: Der Leser hat immer recht… „Der Leser hat […] immer recht, und es kann ihm niemand die Freiheit nehmen, von einem Text den Gebrauch zu machen, der ihm passt. […] Zu dieser Freiheit gehört es, hin- und herzublättern, ganze Passagen zu überspringen, Sätze gegen den Strich zu lesen, sie misszuverstehen, sie umzumodeln, sie fortzuspinnen und auszuschmücken mit allen möglichen Assoziationen, Schlüsse aus dem Text zu ziehen, von denen der Text nichts weiß, sich über ihn zu ärgern, sich über ihn zu freuen, ihn zu vergessen, ihn zu plagiieren und das Buch, worin er steht, zu einem beliebigen Zeitpunkt in die Ecke zu werfen.“
  • 20. Gibt es wirklich Ansätze für neue Sprache? Am ehesten in den elektronischen Diskussionsforen: „ Artikel in den elektronischen Diskussionsforen weisen Eigenschaften der konzeptionellen Mündlichkeit in einem Maße auf, wie es in der Schriftlichkeit bisher noch nicht vorkam…“ (Stefan RABANUS). Außerdem sind Dialogstrukturen kennzeichnend…. Hier könnten sich neue Textformen entwickeln. Zukunftsmusik!
  • 21.
  • 22. Ansonsten die Diagnose – das Internet: Endlager für miese Texte… Guten Hypertext kann man im WWW mit der Lupe suchen… Es dominiert die „missbräuchliche“ (so sehen es die Sprachwissenschaftler) Verwendung von Printtexten – gemeint sind alle Texte, die nicht oder nur notdürftig für die Verwendung in Internet optimiert wurden.
  • 23. Die Praxis eTexte statt Hypertext… eTexte = elektronisch abgespeicherte Texte, denen die entscheidenden Merkmale von Hypertext ganz oder weitgehend fehlen: 1. Entlinearisierung 2. Synästhesierung 3. Operationalisierung 4. Interaktivität
  • 24. Lesen am Bildschirm Wo liegen die Probleme? 1. Lesen am Bildschirm geht langsam: Durchschnittlich brauchen Leser für den gleichen Text zwischen 10 und 25 % mehr Zeit
  • 25. Lesen am Bildschirm Wo liegen die Probleme? 2. Der Überblick fehlt: Am Bildschirm haben wir nur kleine Text- und Informationseinheiten im Blick. Ohne Überblick über das prinzipiell zur Verfügung stehende Material ist der individuell effektivste Leseweg schwer abzuschätzen.
  • 26. Lesen am Bildschirm Wo liegen die Probleme? 3. Scrollen ist unbeliebt: Viele User scrollen ungerne – manche auch nie. Deshalb haben Inhalte unterhalb des physischen Bildschirms schlechtere Chancen…
  • 27. Lesen am Bildschirm Wo liegen die Probleme? 4. User sind hektisch: Internet-User sind noch sehr viel selektiver als Zeitungsleser – sie skannen die Inhalte noch oberflächlicher, sind fixiert auf bestimmte Stichworte…
  • 28. Lesen am Bildschirm Wo liegen die Probleme? 5. Ablenkende Einflüsse: Das menschliche Gehirn reagiert sehr empfindlich auf Bewegungen, die außerhalb des engen Fixationsfeldes liegen. Je mehr Bewegungen (sprich: Animationen wie blinkende Banner, animierte GIF´s usw.) auf einer Bildschirmseite, desto größer die Ablenkung.
  • 29. Lesen am Bildschirm Wo liegen die Probleme? Je mehr Medienkompetenz, desto gewandter kann der User sich in Online-Angeboten bewegen. Auch Vorwissen über den jeweiligen Textgegenstand beeinflusst das Verständnis. Wie wird es damit bei künftigen Leser aussehen?
  • 30. Optimierung von Texten im Hypertext-Umgebungen: Wo liegen die Lösungen? 1. Textökonomie = in sinnvollem Maße verknappte Texte: sachlich knapp, in jedem Fall aber sprachlich knapp.
  • 31. Optimierung von Texten im Hypertext-Umgebungen: Wo liegen die Lösungen? 2. Sprachliche Verständlichkeit = in Wortschatz und Grammatik der Sprache einer möglichst großen Zahl von Usern angepasst.
  • 32. Optimierung von Texten im Hypertext-Umgebungen: Wo liegen die Lösungen? 3. medienadäquate formale Struktur = kurze, möglichst modular gestaltete Abschnitte mit prägnanten, aussage- kräftigen (d.h. den Folgetext zusam- menfassenden) Überschriften
  • 33. Optimierung von Texten im Hypertext-Umgebungen: Wo liegen die Lösungen? 4. adäquate grafische Gestaltung = Textdesign + grafisches Design
  • 34. Optimierung von Texten im Hypertext-Umgebungen: Wo liegen die Lösungen? 5. Sinnvolle Verklammerung von Text mit multimedialen Elementen = Fotos, Videosequenzen, Podcasts, die medienspezifisch neue Dimensionen des Themas eröffnen.
  • 35. Optimierung von Texten im Hypertext-Umgebungen: … ein Stück weit Utopie Texte, die alle diese Forderungen gleichermaßen verwirklichen, gibt es bisher kaum.
  • 36. Optimierung von Sprache: Die Regeln sind bekannt Ein optimaler Web-Text muss den Inhalt so schnell, präzise und leicht wie möglich verständlich machen: Er muss sich dazu auf zwei Ebenen den Anforderungen des Mediums anpassen: 1. inhaltlich-stilistisch (Mikroebene) 2. formal-strukturell (Makrobene).
  • 37. Inhaltlich-stilistische Optimierung: Einfachheit ist nicht alles Für die stilistische Mikroebene relevant: a) Lexik ( leicht verständliche Wörter) b) Syntax und Grammatik c) Propositions- und Argumentdichte
  • 38. Sensationeller Archiv-Fund: Ältester Mann der Welt Forschungen von Günter Lipp Das was Kreisheimatpfleger Günter Lipp am Mittwochvormittag den angereisten Medienvertretern bei einer Pressekonferenz in Ebern anzubieten hatte, kann man getrost als Sensation bezeichnen, die sicherlich weltweit Beachtung finden wird: Lipp ist der archivalische Nachweis gelungen, dass in Rabelsdorf und Altenstein im östlichen Landkreis Haßberge im 18. und 19. Jahrhundert ein Mann gelebt hat, der das biblische Alter von sagenhaften 120 Jahren, elf Monaten und 24 Tagen erreichte.
  • 39. Inhaltlich-stilistische Optimierung: Einfachheit ist nicht alles Für die stilistische Mikroebene relevant: a) Lexik ( leicht verständliche Wörter) b) Syntax und Grammatik ( einfache Satzstrukturen) c) Propositions- und Argumentdichte
  • 40. Sensationeller Archiv-Fund: Ältester Mann der Welt Forschungen von Günter Lipp Das was Kreisheimatpfleger Günter Lipp am Mittwochvormittag den angereisten Medienvertretern bei einer Pressekonferenz in Ebern anzubieten hatte, kann man getrost als Sensation bezeichnen, die sicherlich weltweit Beachtung finden wird: Lipp ist der archivalische Nachweis gelungen, dass in Rabelsdorf und Altenstein im östlichen Landkreis Haßberge im 18. und 19. Jahrhundert ein Mann gelebt hat, der das biblische Alter von sagenhaften 120 Jahren, elf Monaten und 24 Tagen erreichte.
  • 41. Inhaltlich-stilistische Optimierung: Einfachheit ist nicht alles Für die stilistische Mikroebene relevant: a) Lexik ( leicht verständliche Wörter) b) Syntax und Grammatik ( einfache Satzstrukturen) c) Propositions- und Argumentdichte (  geringe Informationsdichte)
  • 42. Sensationeller Archiv-Fund: Ältester Mann der Welt Forschungen von Günter Lipp Das was Kreisheimatpfleger Günter Lipp am Mittwochvormittag den angereisten Medienvertretern bei einer Pressekonferenz in Ebern anzubieten hatte, kann man getrost als Sensation bezeichnen, die sicherlich weltweit Beachtung finden wird: Lipp ist der archivalische Nachweis gelungen, dass in Rabelsdorf und Altenstein im östlichen Landkreis Haßberge im 18. und 19. Jahrhundert ein Mann gelebt hat, der das biblische Alter von sagenhaften 120 Jahren, elf Monaten und 24 Tagen erreichte.
  • 43. Inhaltlich-stilistische Optimierung: Einfachheit ist nicht alles Ein stilistisch-inhaltlich optimierter Text müsste ungefähr so aussehen:
  • 44. Sensationeller Archiv-Fund: Ältester Mann der Welt Forschungen von Günter Lipp Kreisheimatpfleger Günter Lipp eröffnete am Mittwochvormittag den Medienvertretern in Ebern eine Sensation: Durch Archivstudien konnte er nachweisen, dass ein Einwohner von Rabelsdorf und Altenstein im östlichen Landkreis Haßberge ein biblisches Alter erreichte. Er lebte im 18. und 19. Jahrhundert und wurde fast 121 Jahre alt… Das ist stilistisch optimiert – aber noch längst keine guter Online-Text!
  • 45. Formal-strukturelle Optimierung: Alte journalistische Tugenden erinnern…. Für die Strukturebene wichtig: a) Zuspitzung des Textes ( Prinzip Nachricht) b) Klare inhaltliche Gliederung in kurzen Absätzen c) Strukturierung durch Zwischen- Headlines
  • 46. Formal-strukturelle Optimierung: Alte journalistische Tugenden erinnern…. Für die Strukturebene wichtig: a) Zuspitzung des Textes ( Prinzip Nachricht) b) Klare inhaltliche Gliederung in kurzen Absätzen ( Überblick/Durchblick) c) Strukturierung durch Zwischen- Headlines
  • 47. Formal-strukturelle Optimierung: Alte journalistische Tugenden erinnern…. Für die Strukturebene wichtig: a) Zuspitzung des Textes ( Prinzip Nachricht) b) Klare inhaltliche Gliederung in kurzen Absätzen ( Überblick/Durchblick) c) Strukturierung durch ( resümierende) Headlines
  • 48. Formal-strukturelle Optimierung: Alte journalistische Tugenden erinnern…. Dann sähe der Text so oder so ähnlich aus:
  • 49. 121 Jahre: Ältester Mann der Welt war ein Altensteiner Fast 121 Jahre lebte der älteste Mann der Welt: Der Weber Joseph Brunner wohnte in Rabelsdorf und in Altenstein im östlichen Landkreis Haßberge. Er lebte im 18. und 19. Jahrhundert, wie Kreisheimatpfleger Günter Lipp durch Archivstudien nachweisen konnte. Am Mittwochvormittag verkündete er Pressevertretern in Ebern die Sensation. Lebensdaten durch Urkunden gesichert Joseph Brunner wurde am 26. November 1706 in Trappstadt (Lkr. Rhön-Grabfeld) geboren. Am 19. November 1827 wurde er beerdigt. Diese Lebensdaten sind durch Urkunden und Archivalien bewiesen. Er ist mit 120 Jahren, elf Monaten und 24 Tagen – soweit wird heute wissen – der älteste Mann, der je auf der Welt gelebt hat. Reif fürs Guinessbuch der Rekorde Auf die Spur Brunners kam der Heimatpfleger durch eine Bemerkung in einer handschriftlichen Chronik. Günter Lipp hat seine Erkenntnisse bereits beim „Guinessbuch der Rekorde“ angemeldet …
  • 50. Textoptimierung : Sprache + Struktur Ein anderes Beispiel…
  • 51. Textoptimierung : Sprache + Struktur Rufmord-Kampagne gegen Bürgermeister Mend Iphofens Bürgermeister wehrt sich gegen anonyme Vorwürfe eines Flugblatts Einer Rufmord-Kampagne sieht sich wenige Tage vor der Kommunalwahl Iphofens Bürgermeister Josef Mend ausgesetzt. Auf Flugblättern, die in der Nacht zum Montag an zahlreiche Haushalte in Iphofen verteilt worden sind, vergleicht ein anonymer Verfasser die zurückliegenden 18 Jahre mit einer Diktatur… Es geschah im Schutze der Nacht. Viele Iphöfer fanden am Montagvormittag rote Zettel vor ihrer Tür – eine ganzseitige anonyme „Abrechnung“ mit Bürgermeister Josef Mend, seiner Verwaltung und den Freien Wählern der Stadt. Der unbekannte Verfasser, der sich offenkundig gut in Iphofens Kommunalpolitik auskennt und über Detail- und Insiderwissen verfügt, bezieht in seine Generalkritik das Landratsamt sowie die örtliche Industrie ein, ohne später im Text konkret zu werden. Mend werden „Macht- und Profitgier“ sowie die „Unterdrückung Schwächerer und Andersdenkender“ vorgeworfen. Zudem ist von Vorteilsannahme und persönlicher Bereicherung die Rede – etwa, dass Mend sich und Mitarbeiter aus der Verwaltung kostenlos mit Holz und Weihnachtsbäumen aus dem Stadtwald versorgt habe.
  • 52. Textoptimierung : Sprache + Struktur Anonyme Vorwürfe gegen Bürgermeister Mend Iphofens Bürgermeister wehrt sich gegen Aussagen eines Flugblatts „Machtmissbrauch“ und „persönliche Bereicherung“ – das sind Aussagen eines anonymen Flugblatts gegen Iphofens Bürgermeister Josef Mend. Der Betroffene ärgert sich natürlich – so kurz vor der Kommunalwahl. Er bleibt aber gelassen und weist alle Vorwürfe von sich. Hat Bürgermeister Josef Mend sich und Mitarbeiter aus der Verwaltung kostenlos mit Holz und Weihnachtsbäumen aus dem Stadtwald versorgt? Viele Iphöfer fanden am Montagvor- mittag rote Zettel mit Vorwürfen vor ihrer Tür – eine ganzseitige anonyme „Abrechnung“. „Ich habe von der Stadt immer meine Rechnung gekriegt: ob ich mir eine Kreissäge aus dem Bauhof geliehen oder einen Christbaum bekommen habe“, wehrt sich Mend. Rundumschlag ohne konkret Aussagen Die Verwaltung und die Freien Wähler der Stadt hat der unbekannte Verfasser auch im Visier, Landratsamt und örtliche Industrie bekommen ihr Fett ab. Der Verfasser kennt sich offenbar gut aus in Iphofens Kommunalpolitik; er weiß Details, die nur ein Insider wissen kann. Trotzdem ist seine Generalkritik nicht wirklich konkret. „Macht- und Profitgier“ und die „Unterdrückung Schwächerer und Andersdenkender“ – an überprüfbaren Beispielen dafür fehlt es. Schlechter politischer Stil Die Bürger können einschätzen, was von diesen Inhalten zu halten ist, kommentiert Mend. Die Art und Weise, wie hier versucht werde, politische Stimmung zu machen, bezeichnet er….
  • 53. Usability: Optimieren für leseschwache Nutzer Swiss Usability Center: Bessere Lesbarkeit für leseschwache Benutzer fördert die Usability für alle Benutzer
  • 54. Usability: Optimieren für leseschwache Nutzer Swiss Usability Center: Bessere Lesbarkeit für leseschwache Benutzer fördert die Usability für alle Benutzer  Die wichtigste Maßnahmen:  Vereinfachen Sie den Text radikal!  Verwenden Sie auf der Homepage und auf wichtigen Verteil- und Eingangsseiten Text, der für Schüler der 6. Klasse geeignet ist.  Produzieren Sie ansonsten Text, der für Schüler der 8. Klasse geeignet ist.  Platzieren Sie die Hauptaussage jeweils ganz oben auf der Seite –alle wichtigen Informationen oberhalb der Bildschirmkante – das verringert die Gefahr, dass User beim Scrollen den Anschluss verlieren. http://www.usability.ch/Alertbox/20050314.htm
  • 55. Usability: Optimieren für leseschwache Nutzer Empirischer Vergleichstest mit einer optimierten Gesundheits-Seite:  Benutzer erhalten mehr korrekte Informationen, brauchen weniger Zeit und empfinden die Site als besser.  Leseschwache Benutzer konnten ihre Leistung um 135% steigern. Sie schneiden mit der überarbeiteten Site besser ab als lesestarke Benutzer mit der Original- Site.  Verbesserungen für die leseschwachen Benutzer gingen nicht auf Kosten der lesestarken Benutzer. Auch sie haben mit der überarbeiteten Site besser abgeschnitten. Wer die Fähigkeit hat, komplexe Informationen zu ver- stehen, bevorzugt dennoch die einfacheren und direkte- ren Gesundheitsinformationen.
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  • 63. Schlussbemerkung: Über Sprache und Textstruktur hinaus…. Wirklich zu Hypertext werden Artikel erst, wenn sie  sich durch (sinnvolle) Links mit ergän- zenden Informationstexten verbinden  durch die Verbindung mit (sinnvollen) multimedialem Erweiterungen einen Mehrwert liefern.
  • 64. Schlussbemerkung: Über Sprache und Textstruktur hinaus…. Dabei muss Sprache als Text keineswegs immer die führende Rolle spielen, sondern kann sehr wohl hinter Bild, Ton und Bewegtbild-Anteils zurücktreten und eine dienende Funktion übernehmen. Stichwort: multimediale Informationspakete