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Lyric meets Graffiti  Gedichte an die Wand gesprüht Petra Bamberger
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Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger Menschen bei Nacht    Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.  Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht,  und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.  Und machst du nachts deine Stube licht,  um Menschen zu schauen ins Angesicht,  so mußt du bedenken: wem.  Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt, das von ihren Gesichtern träuft,  und haben sie nachts sich zusammengesellt,  so schaust du eine wankende Welt  durcheinandergehäuft.  Auf ihren Stirnen hat gelber Schein  alle Gedanken verdrängt,  in ihren Blicken flackert der Wein,  an ihren Händen hängt  die schwere Gebärde, mit der sie sich  bei ihren Gesprächen verstehn; und dabei sagen sie: Ich und Ich und meinen: Irgendwen.   Rainer Maria Rilke
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger © Amman Verlag / Zürich
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger Stufen Wie jede Blüte welkt und jede Jugend Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern In andre, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, An keinem wie an einer Heimat hängen, Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten. Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen, Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen. Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde Uns neuen Räumen jung entgegensenden, Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden… Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde! Hermann Hesse
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger Junger Novize im Zen-Kloster Ist auch alles Trug und Wahn Und die Wahrheit stets unnennbar, Dennoch blickt der Berg mich an Zackig und genau erkennbar. Hirsch und Rabe, rote Rose, Meeresblau und bunte Welt: Sammle dich - und sie zerfällt Ins Gestalt- und Namenlose. Sammle dich und kehre ein, Lerne schauen, lerne lesen! Sammle dich - und Welt wird Schein. Sammle dich - und Schein wird Wesen. Hermann Hesse
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger Weil Du nicht da bist Weil Du nicht da bist, sitze ich und schreibe all meine Einsamkeit auf dies Papier. Ein Fliederzweig schlägt an die Fensterscheibe. Die Maiennacht ruft laut. Doch nicht nach mir. Weil Du nicht bist, ist der Bäume blühen, der Rosen Duft vergebliches Bemühen, der Nachtigallen Liebesmelodie nur in Musik gesetzte Ironie. Weil Du nicht da bist, flücht' ich mich ins Dunkel. Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an mit grellem Licht und lärmendem Gefunkel, dem ich nicht folgen, nicht entgehen kann. Hier unterm Dach sitz ich beim Lampenschirm; den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt. November singt in mir sein graues Lied. »Weil Du nicht da bist« flüstert es im Zimmer. »Weil Du nicht da bist« rufen Wand und Schränke, verstaubte Noten über dem Klavier. Und wenn ich endlich nicht mehr an Dich denke, die Dinge um mich reden nur von Dir. Weil Du nicht da bist, blättre ich in Briefen und weck' vergilbte Träume, die schon schliefen. Mein Lachen, Liebster, ist Dir nachgereist. Weil Du nicht da bist, ist mein Herz verwaist. Mascha Kaléko
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger Einem Kinde im Dunkel   Gib mir deine kleine Hand. So, nun bist du nicht allein. Kind, du sollst nicht einsam sein mit dem Schatten an der Wand. Fällt der Abend auf die Welt, kühlt die Sonne langsam aus. Schläft die Wolke hinterm Haus, nicken Blümlein auf dem Feld. Sternlein glimmen langsam schon, Wind nach unserm Fenster zielt. Und der Abendengel spielt mit dem blassen Mondballon. Leise, leise rauscht der Baum.... Bäumlein sinkt. Nun ruhst du brav. Segne dich ein guter Schlaf, segne dich ein schöner Traum !   Mascha Kaléko
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger Nach grauen Tagen   Eine einzige Stunde frei sein!  Frei, fern!  Wie Nachtlieder in den Sphären.  Und hoch fliegen über den Tagen  möchte ich  und das Vergessen suchen---  über das dunkle Wasser gehen  nach weißen Rosen,  meiner Seele Flügel geben  und, oh Gott, nichts wissen mehr  von der Bitterkeit langer Nächte,  in denen die Augen groß werden  vor namenloser Not.  Tränen liegen auf meinen Wangen  aus den Nächten des Irrsinns,  des Wahnes schöner Hoffnung,  dem Wunsch, Ketten zu brechen  und Licht zu trinken---  Eine einzige Stunde Licht schauen! Eine einzige Stunde frei sein!   Ingeborg Bachmann
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger Ghetto Gospel  (Refrain)   Those who wish to follow me  (My ghetto gospel)   I welcome with my hands  And the red sun sinks at last into the hills of gold  And peace to this young warrior without the sound of guns   Tupac Shakur
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger Im Nebel    Seltsam, im Nebel zu wandern!  Einsam ist jeder Busch und Stein,  Kein Baum sieht den anderen,  Jeder ist allein. Voll von Freunden war mir die Welt,  Als noch mein Leben Licht war,  Nun, da der Nebel fällt,  Ist keiner mehr sichtbar.    Wahrlich, keiner ist weise,  Der nicht das Dunkle kennt,  Das unentrinnbar und leise  Von allen ihn trennt. Seltsam, im Nebel zu wandern!  Leben ist einsam sein.  Kein Mensch kennt den anderen,  Jeder ist allein. Hermann Hesse
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger Der Panther Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe  so müd geworden, dass er nichts mehr hält.  Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe  und hinter tausend Stäben keine Welt.  Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,  der sich im allerkleinsten Kreise dreht,  ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,  in der betäubt ein großer Wille steht.  Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille  sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,  geht durch der Glieder angespannte Stille -  und hört im Herzen auf zu sein.  Rainer Maria Rilke
Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger Der Falter   Wenn der Falter fliegt, Denkt er dann, Sobald das Licht ihn trifft, An Untergang? Oder fühlt er nur neuen Lebensmut? Durchs Licht Die Liebe Und stürzt sich freudig in die Glut?    Wenn der Falter glüht, Ist er dann Seinem Traum ganz nah Oder ist ihm bang? Verflucht er seine Leidenschaft Und stemmt die Flügel gegens Licht mit allerletzter Kraft?   Wenn der Falter stirbt, Fühlt er dann Seines Herzens letzten Schlag Und weiß er dann Daß dieses Licht ihn mit Unendlichkeit belohnt, Daß mit dem Licht sich sein ganzes Leben gelohnt?    Isabel Tuengerthal

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  • 31. Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger Nach grauen Tagen   Eine einzige Stunde frei sein! Frei, fern! Wie Nachtlieder in den Sphären. Und hoch fliegen über den Tagen möchte ich und das Vergessen suchen--- über das dunkle Wasser gehen nach weißen Rosen, meiner Seele Flügel geben und, oh Gott, nichts wissen mehr von der Bitterkeit langer Nächte, in denen die Augen groß werden vor namenloser Not. Tränen liegen auf meinen Wangen aus den Nächten des Irrsinns, des Wahnes schöner Hoffnung, dem Wunsch, Ketten zu brechen und Licht zu trinken--- Eine einzige Stunde Licht schauen! Eine einzige Stunde frei sein!   Ingeborg Bachmann
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  • 33. Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger Im Nebel   Seltsam, im Nebel zu wandern! Einsam ist jeder Busch und Stein, Kein Baum sieht den anderen, Jeder ist allein. Voll von Freunden war mir die Welt, Als noch mein Leben Licht war, Nun, da der Nebel fällt, Ist keiner mehr sichtbar.   Wahrlich, keiner ist weise, Der nicht das Dunkle kennt, Das unentrinnbar und leise Von allen ihn trennt. Seltsam, im Nebel zu wandern! Leben ist einsam sein. Kein Mensch kennt den anderen, Jeder ist allein. Hermann Hesse
  • 34. Lyric meets Graffiti - Petra Bamberger Der Panther Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht. Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille - und hört im Herzen auf zu sein. Rainer Maria Rilke
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