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Einleitung• ein Versuch zur Vertiefung vom bisherigen Annäherungsversuch vonGirardsmimetischeTheorieund Buddhismus• eineku...
Einesozialanthropologische LektüredesBuddhismus• Angelehnt an DumontssozialanthropologischesVerständnisvon der Paradoxiede...
Thesacrificial interpretation of world renunciation (Malamoud)• Inspiriert durch diesakrifizielle Interpretation von derWe...
Weltentsagung alsReservoir der Kreativität• Trotz desgenetischen Interessean der Erkenntnisderursprünglich bzw. mythologis...
DieletztesymbolischeEinheit desOpfers• DieGemeinsamkeiten undUnterschiedezwischen denEntsagungstraditionen derWeltreligion...
1.1.2. MimetischesBegehren und BuddhismusalsHeilslehre• Der Buddhismusbesitzt einehoheSensibilität für dieProblematik desB...
StillschweigendeVoraussetzungendesbuddhistischen Denken• Unter dem Titel “StillschweigendeVoraussetzungen” (desbuddhistisc...
DieanthropologischeLektüreund dieyogischeVoraussetzung desbuddhistischen Denken• Conze(ebd., 348) hat die(yogischen)Motive...
Zwei Arten von Buddhismus• In diesem Zusammenhang hat Conzevon “zwei Arten von Buddhismus”gesprochen: Nach ihm hatteesvonA...
Buddhismusals‘Heilslehre’ und ‘reineSoteriologie’• Der BuddhismusalsHeilslehreund reineSoteriologiewar weniger interessier...
DieweltentsagendeHauslosigkeit• DiebuddhistischeBegierdelosigkeit gehört ursprünglich zuder (spezifischen) SachedesWeltent...
Weltentsager alseineganz besondereArt von der Elite• tiefesVerständnisvom “Dialog” zwischen dem hauslosenWeltentsager und ...
Paradoxieder weltgestaltenden Weltentsagung• DiemimetischeLektüre von der Paradoxieder weltgestaltenden Weltentsagungversu...
Der nirvana-suchendeWeltentsager• Girard vertritt nicht die“Entsagung desmimetischen Begehrensselbst”. Er hat imBuddhismus...
DieparadoxeDialektik von Weltordnung undWeltentsagung• Mit der Feststellung des“komplementärenCharakters” zwischen Kasteng...
1.2.3. Weltentsagung alsAnti-Struktur und Reservoir der Kreativität• In den Vorstellungen wieWeltentsagung als“Sicherheits...
Repräsentant festlicher Umkehrung der Werte• Nach Dumont (1976, 320) ist der Weltentsager“Repräsentant dieser Umkehrung de...
Weltentsagung alsReservoir der Kreativität• Dumont hat dieWeltentsagung nicht nur als“Sicherheitsventil” (1980, 279), sond...
1.2.4. DharmadesWeltentsagers• DasDharmader Weltentsagung besteht in der Negation desDharmader Gesellschaft. DieWeltentsag...
1.3.3. Kreuz und Bettelschale• The Cro ss and the Begging Bo wl: Deco nstructing o f theCo smo lo gy o f Vio lence (Freder...
1.4.1. Christus und BodhisattvaDie letzte symbolische Einheit des Opfers• Im Buch The Christ and theBo dhisattva veröffent...
1.5.1. Interkulturelle Mimesis1.5.2. Dekontextualisierung derMeditation1.6. Mimesis, Fest, Umkehrung und Entdifferenzierun...
Entdifferenzierung und Differenzsystem• In dieser Arbeit wird dieEntdifferenzierung und Wertumkehrungnicht im Rahmen der m...
2.1.1. Die mimetische Krise und dermeditativ-yogischeProzess• In seinem Aufsatz Die Interio risierung des Opfers undder Au...
2.1.4. Zwillingschaft (sahaja) und diegewalttätigeEntdifferenzierung• Der endgültigeZweck desYogawird wiederbuddhistische ...
ParadoxaleEinheit allesReligiösen• 2.1.5. VerbaleWettkämpfeund diemimetischeKrise• 2.1.6. DiemimetischeKriseund dieOpferdi...
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Paradoxieder weltentsagung

  1. 1. Paradoxie der weltgestaltenden Weltentsagung imBuddhismusEin Zugang aus der Sicht der mimetischen Theorie R. Girards•Forschungsseminar ChristlicheGesellschaftslehre: Ethik derSchöpfungsverantwortung•Wintersemester 2008/2009•Institut:Institut für SystematischeTheologie•ao.Univ.Prof. Mag.Dr.Guggenberger Wilhelm• Univ.-Prof. Mag.Dr. Palaver Wolfgang•Ilkwaen Chung
  2. 2. Einleitung• ein Versuch zur Vertiefung vom bisherigen Annäherungsversuch vonGirardsmimetischeTheorieund Buddhismus• einekulturtheoretische Lektürevon den gegenseitigenAbhängigkeiten der Mimesis, Differenz, Gewalt und Religion in derGeneseund der Erhaltung der asiatischen bzw. buddhistischenKulturen und Zivilisationen• EineLektüredesBuddhismusausder Sicht der mimetischen Theoriegemäßden drei Grundpfeilern der mimetischen Theorie(1. dasmimetischeBegehren, 2. der Mechanismusder mimetischenVersöhnung alsUrsprung der Kultur und 3. dasChristentum und dieparadoxaleEinheit allesReligiösen)• Grundlagenforschung : Kein Frieden unter den Nationen ohneFrieden unter den Religionen! - Kein Frieden unter den ReligionenohneDialog zwischen den Religionen! - Kein Dialog zwischen denReligionen und Kulturen ohne Grundlagenforschung! (Weltethos).
  3. 3. Einesozialanthropologische LektüredesBuddhismus• Angelehnt an DumontssozialanthropologischesVerständnisvon der Paradoxieder Weltentsagung alsAnti-Strukturund ReservoirderKreativität wird dieparadoxeDialektik zwischen Weltordnung undWeltentsagung im Licht der mimetischen TheorieGirardsbzw. deskulturtheoretischen Verständnissesvon der paradoxen Ordnung desstrukturierend-differenzierenden Mechanismusder mimetischenVersöhnung dargestellt.• DiemimetischeTheoriebesitzt diegroßeBeschreibungs- und Erklärungskraft für dasVerständnisder Paradoxieder buddhistischen Zivilisationen mitweltentsagenden Orientierungen (vgl. Eisenstadt 1984).• Eisenstadt, Shmuel N. 1984. Die Parado xie vo nZivilisatio nen mit außerweltlichen Orientierungen.Überlegungen zu Max Webers Studie über Hinduismusund Buddhismus. In: Max WebersStudieüberHinduismusund Buddhismus. Interpretation und Kritik.Hrsg. von Wolfgang Schluchter.Shurkamp TaschenbuchWissenschaft 473. 333-360.
  4. 4. Thesacrificial interpretation of world renunciation (Malamoud)• Inspiriert durch diesakrifizielle Interpretation von derWeltentsagung (Malamoud1996) und mittelsder Mytheninterpretation Girardsvertritt dieseArbeit den genetischenAnsatz im Verständnisvon den hauptsächlich ursprünglichen und auch mythischenQuellen der Weltentsagung (vgl. “Zur GenesedesBuddhismus”, Bronkhorst 2000b).• DieGenesedesBuddhismusist “im kulturgeschichtlichen Kontext Indiens” ( rama aś ň -Bewegung) zu verstehen.• Malamoud, Charles. Cooking the World : Ritual and Thought in Ancient India.• Mit dem genetischen Tiefenverständnisvom zivilisatorischen TransformierungsprozessistdiemoralistischeHerabwürdigung von den späteren positiven Entwicklungen undPotentialen zu vermeiden.• Im Unterschied zu den nihilistisch-pessimistischen Missverständnissen von derbuddhistischen Weltentsagung bzw. vom Nichtswird dieParadoxieder kreativ-schöpferischen Weltentsagung kulturtheoretisch analysiert.
  5. 5. Weltentsagung alsReservoir der Kreativität• Trotz desgenetischen Interessean der Erkenntnisderursprünglich bzw. mythologischen Quellen ist dasVersöhnungspotential und Friedenspotential desBuddhismusin der Gegenwart (vgl. sozial engagierterBuddhismus) keineswegszu verneinen, sondern imSinneder Paradoxieder weltgestaltenden Weltentsagungzu bejahen und anzuerkennen• Weltentsagung alsReservoir der Kreativität und ihrFriedenspotential• Insbesonderewird daspositivePotential derbuddhistischen Ethik und Weisheit der Entsagung,Loslösung und Desinteressierung im Zeitalter dermimetischen Kriseanerkannt (sieheFriedenspotentialdesBuddhismusim Reich der Eifersucht).• Aufgebaut auf Girardsmimetischer Lektürederindischen Mythologieund Brahmaňas(Girard 2003) undauf der TheseHeestermansvon der Interiorisierungdes Opfers (1997a) wird diemimetische Lektüre vonder paradoxen Dialektik zwischen Weltordnung undWeltentsagung versucht.
  6. 6. DieletztesymbolischeEinheit desOpfers• DieGemeinsamkeiten undUnterschiedezwischen denEntsagungstraditionen derWeltreligionen werden im Sinnevom“UniversaleausanthropologischerSicht” (Dumont 1991, 192) und vonder “letzten symbolischen Einheit desOpfers,” diegesamtereligiöseGeschichteder Menschheitzusammenfasst,(Girard) dargestellt.• Interiorisierung desOpfersbzw.Opferfeuers•
  7. 7. 1.1.2. MimetischesBegehren und BuddhismusalsHeilslehre• Der Buddhismusbesitzt einehoheSensibilität für dieProblematik desBegehrens(vgl.Lefebure1996; 2002).• DiesegroßeSensibilität für dasBegehren kann aber sozialanthropologischdifferenziert werden.• DiebuddhistischeLehrevon der Begierdelosigkeit und “Ethik der Desinteressierung”besitzt daspositiveLeistungspotential im modernen Reich der Eifersucht (vgl. Sloterdijk2002).• Aber trotz desspirituellen, mystischen und ethischen Potentialsder buddhistischenBegierdelosigkeit kann dasdekontextualisierteVerständnisder Begierdelosigkeitsozialanthropologisch nuanciert werden.• Diebuddhistischen Texte“repräsentieren das Denken des Weltentsagers”. DieLiteratur desfrühen indischen Buddhismusspiegelt in erster Liniedie Werte desWeltentsagers wieder. ManchefrühebuddhistischeSchriften spiegeln “Codesdesasketischen Verhaltens” (Olivelle1992, 12).DiebuddhistischeLehrevon der Begierdelosigkeit ist (sozial)anthropologischzuexplizieren.• DiesozialanthropologischeLesart der weltentsagenden Dimension desBuddhismusvermeidet dasnihilistischeoder pessimistischeMissverständnisdesBuddhismus. DiebuddhistischeLeereist nicht mit Nihilismusgleichzusetzen (Dalai Lama1989, 208).• DieLeereim Buddhismuskann alsdiesozialanthropologisch spezifischeGrößedesWeltentsagersnuancierter verstanden werden.
  8. 8. StillschweigendeVoraussetzungendesbuddhistischen Denken• Unter dem Titel “StillschweigendeVoraussetzungen” (desbuddhistischen Denkens) hat Conzedengrundsätzlich weltentsagenden bzw. yogischen Charakter desbuddhistischen Denkensfestgestellt (1988;“yogische Philosophien”, ebd., 18)• BuddhistischeDenker gehen, so Conze, “von einer Reihestillschweigender Voraussetzungen aus, dievonmodernen europäischen Philosophen ausdrücklich abgelehnt werden.” Dieersteist nahezu allem indischen‘wissenschaftlichen’ Denken – im Gegensatz zum europäischen – gemeinsam.• Nach Conzesieht siein den yoga-ErfahrungendasentscheidendeRohmaterial für philosophischeBetrachtung (ebd., 15).• Manche buddhistische P li-Wörtertragen, so Conze, “yogische Bedeutung”:ā “Leider erweist sicheineÜbertragung alsunmöglich, teilsdeswegen, weil manchePāli-Wörter yogischeBedeutung tragen,während siein unseren Sprachen, diefür dieseDingekeinen Wortschatz besitzen, etwas ganzAlltägliches bezeichnen”, so meint Conze(ebd., 105). DieBedeutung jener Begriffe, dieden “besondersgeheiligten Kern der Lehre” betreffen, erschließt sich nach Conze“nur im Zustand religiöser Entrückung”(ebd., 32).• DasbuddhistischeDenken wurdefür einen (weltentsagenden) sa ghaņ entwickelt (ebd., 32-33).PhilosophischeArgumenteund Denkrichtungen stehen“lediglich mit den meditativen Praktiken derMönche” in Zusammenhang (ebd., 40).• DieFormulierung ist offenbar alsMeditationshilfegedacht, nicht alsGrundlageirgendwelcher rationalenSpekulationen (ebd., 46).• Diebuddhistischen Begriffewerden in erster Liniemit “den Augen des yogin” gesehen: Eswird, soConze, alsunumstritteneTatsachehingestellt, welche“den Augen des yo gin” sichtbar wird, sobald er“einen Zustand der Gnosis” erreicht hat, der esihm erlaubt, allem Bedingten gegenüber gleichmütig zubleiben (ebd., 74).
  9. 9. DieanthropologischeLektüreund dieyogischeVoraussetzung desbuddhistischen Denken• Conze(ebd., 348) hat die(yogischen)Motivehinter der M dhyamikaā -Dialektik hervorgehoben:• Zugegeben – einederartigePhilosophiehat dem gesundenMenschenverstand wenig Tröstlicheszu bieten und mussdenDurschnittsmenscheninatemberaubendeVerwirrungstürzen...DieSchwierigkeit ergibt sichdaraus, dasssieihre Ideen nicht ausden Interessen und Problemen desMannes von derStraße ableitet,sondern ausden religiösenErwartungen desjenigen, den wir hierdesKontrasteswegen den »Mann imWald«nennen wollen.
  10. 10. Zwei Arten von Buddhismus• In diesem Zusammenhang hat Conzevon “zwei Arten von Buddhismus”gesprochen: Nach ihm hatteesvonAnfang an “zwei Arten vonBuddhismus” gegeben.• Dawar einmal der “Buddhismus derMönche”, dieüber dievier Wahrheiten,drei Merkmale, “verkehrteSichtweisen”und derartigeThemen “meditierten”und “durch yogischeÜbungen nachmystischer Einswerdung undendgültiger Erlösung” trachteten.• Und dagab esden “Buddhismus derLaien und Könige”, dienach einergünstigeren Wiedergeburt strebten. DieRiten des“Buddhismusder Laien undKönige” kreisten um dieReliquien destath gataā und um st paū -Verehrung(Conze1988, 389).
  11. 11. Buddhismusals‘Heilslehre’ und ‘reineSoteriologie’• Der BuddhismusalsHeilslehreund reineSoteriologiewar weniger interessiert an derordnungsgemäßen Bewahrung der Gesellschaft, alsvielmehr an der ‘Erlösung’(mo k aş ).• Der buddhistischeWeg erscheint als“Heilsweg für Weltentsager”, also für Möncheund Nonnen. Diebuddhistischen Laienanhänger werden nicht explizit in dasSchemaeingeordnet (Schmithausen 2003, 85).• Streng genommen wäreesschwierig, von einer ‘buddhistischen Gesellschaftsordnung’zu sprechen. Der Buddhawolltenicht eineneueOrdnung für dieWelt und dieWeltfolgt ihren eigenen Gesetzen:• “DieLehredesBuddhaist zwar eineLehrefür alleMenschen, aber sieist ihrerursprünglichen Zielsetzung nach keineLehrefür dieGestaltung desLebens in derWelt, sondern eineLehrezur Erlösung, alszur Befreiung aus der Welt. Deshalb wollteder Buddhanicht in dem SinneeineneueOrdnung für dieWelt geben, wieesetwaMuhammad beabsichtigt hat. DieWelt folgt ihren eigenen Gesetzen”, so bemerktBechert (1984b, 9-10).• Der BuddhismusalsweltentsagendeHeilslehreoder reineSoteriologiehatteursprünglich wenig zu tun mit der gesellschaftlichen Ordnung.• Aber paradoxerweisehatteder buddhistischeWeltentsager diekreativebzw.gründende, differenzierendeund strukturierendeRollegespielt. DieParadoxie derWeltordnung dank oderdurch die Weltentsagung kann mimetisch erhellt werden.
  12. 12. DieweltentsagendeHauslosigkeit• DiebuddhistischeBegierdelosigkeit gehört ursprünglich zuder (spezifischen) SachedesWeltentsagersin seinerHauslosigkeit.• “Im Hausvaterleben desProduzierensund Reproduzierenswar dasBegehren nötig, in diesem Rahmen sogarlobenswert.” Begehren gehörte zum gesellschaftlichenLebensplan und derWeltordnung. DasBegehren hielteinen in der Welt, in der Gesellschaft, und garantiertesomitden Fortbestand dieser Gesellschaft (Gombrich 1997, 55-6).• Im Gegensatz zu dem Hausvaterleben kann der buddhistischeWeltentsager “wederproduzieren noch reproduzieren”,denn für ihn ist BegierdeTod (ebd., 57).• Der in Sri Lankageborener SozialanthropologeTambiah hatden spezifisch weltentsagenden Hintergrund derBegierdelosigkeit herausgestellt: DasbuddhistischeBhik usa ghaş ņ untersagteseinen Mitgliedern dieproduktivelandwirtschaftlicheTätigkeit, “jasogar dasKochen ihrereigenen Speisen”. DieArbeit alssolchegenosskeineWertschätzung, und dasbedeutetedievöllig materielleAbhängigkeit der Bhik uş von den Hausbewohnern (Tambiah1984a, 218-9).
  13. 13. Weltentsager alseineganz besondereArt von der Elite• tiefesVerständnisvom “Dialog” zwischen dem hauslosenWeltentsager und der dörflichen Welt desHausvaters(vgl.Dumont 1976, 311-12)• Der theravadisch-buddhistischeBhik uş will seinenMitmenschen keineBotschaft verkünden und hat nicht dieAbsicht, direkt auf diesozialeOrdnung einzuwirken.Dasselbegilt auch für den indischen Weltentsager (Silber1981, 170; vgl. Eisenstadt 1984, 351).• Andersalsin den monotheistischen Religionen hattederWeltentsager als“eineganz besondereArt von der Elite”diekreativeRolleder paradoxen oder dialektischenPositivität gespielt.• In seinem Buch Wo rld Co nquero r and Wo rld Reno uncer[1 ] hat Tambiah (1977) dieparadoxe oderdialektischeVerbundenheit von Weltentsagerund Welterobererherausgestellt.• Deshalb ist diespezifisch buddhistischebzw.weltentsagendeTugend nicht nihilistisch-weltflüchtigmisszuverstehen, sondern diekreativeRolleder paradoxenPositivität kulturtheoretisch zu erkennen undanzuerkennen• [1] AStudy o f Buddhism and Po lity in Thailand against ahisto ricalBackgro und (CambridgeStudiesin SocialAnthropology 15).
  14. 14. Paradoxieder weltgestaltenden Weltentsagung• DiemimetischeLektüre von der Paradoxieder weltgestaltenden Weltentsagungversucht, dieParadoxieund “Widerspruch”in den “sehr spezifischen zivilisatorischenEntwicklungen” auf außerweltlichenbzw. weltentsagenden Prämissen undOrientierungenkulturtheoretisch zuerklären.• DiemimetischeLektüre der Weltentsagunginteressiert sich primär für diegenetischeErklärung der Mechanismen derWeltordnung dank der Weltentsagungsowiefür dieWeltzivilisation“paradoxerweise auf derGrundlageaußerweltlicherOrientierungen”.• Dieser paradoxe, jasogar widersprüchlicheAspekt der Weltordnung aufgrund derWeltentsagung kann ausder Sicht derparadoxen Mechanismen derKulturbegründung in der TheorieGirardsanalysiert werden.
  15. 15. Der nirvana-suchendeWeltentsager• Girard vertritt nicht die“Entsagung desmimetischen Begehrensselbst”. Er hat imBuddhismusdieGefahr der “totalen nirvanischen Entsagung” (reno ncement nirvanesqueto tal) gesehen.• DietotalenirvanischeEntsagung im Buddhismusist aber weniger nihilistischmisszuverstehen, alsvielmehr sozialanthropologisch im Sinneder nirvanischen Weltentsagungdes“nirvāňa-suchenden Entsagers” (Collins1982, 265) zu verstehen.• Denn dasurbuddhistischeNirv aāň bezeichnet den “Zustand der höchstenSelbstverwirklichung desTathāgata” (Dumoulin 1978, 57), d.h. den (weltentsagenden)Endzustand desBuddha.• Nirv aāň ist nicht nihilistisch misszuverstehen, sondern sozialanthropologisch alsdietranszendentaleBeschreibung desEndzustandsdesWeltentsagerszu verstehen.• DieGewaltlosigkeit (Ahi sņ ā) alsdasursprünglich Sondergebot für den Weltentsager lässt sichim Kontext der Interiorisierung der Opfergewalt begreifen. Ahi sņ ā verkündet den Versuch, diesakrifizielleGewalt zu interiorisieren und sich selbst zum Ort desOpferszu machen• Ursprünglich war dieMeditation diespezifischeSachedesWeltentsagers: “DiebuddhistischeMeditation, dievon und für Entsager entwickelt wurde” (Gombrich 1997, 210).
  16. 16. DieparadoxeDialektik von Weltordnung undWeltentsagung• Mit der Feststellung des“komplementärenCharakters” zwischen Kastengesellschaft(Weltordnung) und Weltentsagung hat Dumontweiter gefragt: “Man kann sich sogar fragen, obdasKastensystem unabhängig vom imGegensatz zu ihm stehenden Weltverzicht hätteexistieren und dauern können” (Dumont 1976,226).• Interessant und wichtig ist diefolgendeFeststellung Dumonts: Hierarchie gipfelte inihrem Gegenpol, dem Weltentsager(“Hierarchy culminated in itscontrary, therenouncer!”).• Dieskann alsein wertvoller Hinweisauf dasVerständnisder strukturierend-differenzierendenRolleder Weltentsagung (und desWeltentsagers) für dieWeltordnung angesehenwerden. Paradoxerweisespielt die“Anti-Struktur der Weltentsagung” dieRollederdifferenzierenden Strukturierung und Gründung.• Dieser paradoxeMechanismuskann im SinnedesGründungsmechanismusGirards(1983, 166)erklärt werden. In der menschlichen Kulturkommt dieOrdnung ausäußerster Unordnung(ebd., 40).
  17. 17. 1.2.3. Weltentsagung alsAnti-Struktur und Reservoir der Kreativität• In den Vorstellungen wieWeltentsagung als“Sicherheitsventil” für diebrahmanischeOrdnung (Dumont 1976, 320), “dasenthalteneChaos” (Hardy 1994,553; 526-553) und “Anti-Struktur der Weltentsagung” kann man Filter undUmleitungen der mimetischen Konflikhaftigkeit für dieWeltordnung finden.• Durch dieWeltentsagung kann ein Mensch “in den Augen der Gesellschaft tot sein,dem engmaschigen Netz der Interdependenz entgehen,” und zwar in einem solchenMaß, dass“er vom Leben der Gesellschaft schlechthin abgeschnitten wird” (Dumont1976, 225).• Dumont hat dieFragegestellt, ob dieseKomplementarität zwischen Kasten undWeltentsagungslehrenicht biszu einem gewissen Grad dieKomplementarität vonRein und Unrein ersetzt (ebd., 231). Dieser Frageist weiter nachzugehen. NachShulman (1984, 139) gibt eszwischen dem Weltentsager und dem “Outcast” “inmancher Hinsicht einefrappierendeÄhnlichkeit”.
  18. 18. Repräsentant festlicher Umkehrung der Werte• Nach Dumont (1976, 320) ist der Weltentsager“Repräsentant dieser Umkehrung der Werte” und“Sicherheitsventil” für diebrahmanischeOrdnung:• “Er, mit seiner Verleugnung der Welt, seinerAskese, ist der Repräsentant dieser Umkehrungder Werte, diewir unseigentlich vom Festerwarteten: Wenn man so will, hat diebrahmanischeOrdnung darin ihrSicherheitsventil gefunden, sieberücksichtigtdasTranszendenteund schützt sich auf dieseWeisevor dessen Angriffen. Mit HilfediesesKompromissesherrscht der Brahmaneseelenruhig über dieWelt, wieeineArt einwenig monotoner Immanenz”.• DasFest selbst wird ersetzt durch diespezialisierendeArbeitsteilung. DassakrifizielleFest wird spezialisiert im Weltentsager alsRepräsentant der Umkehrung der Werte.
  19. 19. Weltentsagung alsReservoir der Kreativität• Dumont hat dieWeltentsagung nicht nur als“Sicherheitsventil” (1980, 279), sondernauch als“Reservoir der Kreativität” verstanden.• Er hat den Weltentsager alseine“Triebkraft in der Entwicklung der indischen Religionund Theorie” aufgefasst.• Nach ihm entwickeltesich der Hinduismus, dieReligion der Kasteund desWeltverzichts, indem er dieFrüchteausdem Gedankengut und der Mystik desWeltentsagersintegrierte(in dasBrahmanentum) oder tolerierte(in den Sekten) (ebd.,326-7).• Nicht nur dieGründung und Erhaltung der Sekten, sondern auch diegroßen Ideen, die‘Erfindungen’, gehen auf das“Konto desVerzichtenden”, der in gewisser Hinsicht dasMonopol darauf besaß, allesradikal in Fragezu stellen (ebd., 317).• Nach ihm (1991, 35) war der Weltentsager verantwortlich für allereligiösenErneuerungen.
  20. 20. 1.2.4. DharmadesWeltentsagers• DasDharmader Weltentsagung besteht in der Negation desDharmader Gesellschaft. DieWeltentsagung ist nicht definiertdurch sein eigenesDharma, sondern durch dieNegation desDharmadesLebensin der Welt.• DasDharmadesWeltentsagersbesteht ausVerboten(niv tti straŗ śā ) anstatt Geboten. Weltentsager ist eine“Ausnahme”.• DasnegativistischeDharmadesWeltentsagersscheint mit dem“zivilen Tod desWeltentsagers” zu tun zu haben.• Der Eintritt in den (weltentsagenden) Bodhisattva-Pfad istdurch den Verzicht auf Hausund Familie“negativgekennzeichnet” (Dumoulin 1995, 186).• Deshalb lässt sich die“negativistischePhilosophiedesBuddhismus” (Winternitz 1968c, 431) und “VorliebedesBuddhismusfür dieNegation” (Dumoulin 1976, 131) vordiesem sozialanthropologischen Hintergrund desnegativistischen Dharmader Weltentsagung erklären.
  21. 21. 1.3.3. Kreuz und Bettelschale• The Cro ss and the Begging Bo wl: Deco nstructing o f theCo smo lo gy o f Vio lence (Fredericks1998).• Der Bettelgang ist grundlegend wichtig, und ein TagdesWeltentsagersscheint sich um seinen Bettelgang zudrehen.• DieGabean den Bhik uş wird gleichgesetzt mit demPi asňđ (ReisbällealsOpfergabean den Toten).• DasOpferfeuer brennt im Inneren desWeltentsagers(Brekke1998, 304).• So wurdedieNahrungsaufnahmedesAsketen zu denobligatorischen morgendlichen und abendlichenFeuerritualen erklärt (Michaels1998, 355; Olivelle1992, 134).• Der Spezialist desSakralen spieltedieRolleeiner ArtOpfergefäß(p traā ) und Opferfeuer.• Durch den Bettelgang wird der buddhistischeWeltentsager “ein Dissolver” der kulturellen Kategorienund “ein Brecher der Konventionen”• Durch den Almosengang verletzt der Weltentsager dasGesetz der Reinheit: “A renouncer eatsfood beggedfrom all castes, thusviolating thelawsof purity”(Olivelle1992, 139
  22. 22. 1.4.1. Christus und BodhisattvaDie letzte symbolische Einheit des Opfers• Im Buch The Christ and theBo dhisattva veröffentlichen Aufsatzhat Thurman (1987, 84-5) überBodhisattvas“exzeptionelleErlaubnis,diegrundlegenden Regeln der Moral inbesonderen Fällen von altruistischerMotivation zu brechen,” geschrieben.• Die(initiatorische) Transgression desBodhisattvaslässt sich wenigermoralistisch, alsvielmehr im Sinneder“obligatorischen Transgression vonTabus” seitensdesversöhnendenOpfers(Fleming 2004, 58-9) deuten.
  23. 23. 1.5.1. Interkulturelle Mimesis1.5.2. Dekontextualisierung derMeditation1.6. Mimesis, Fest, Umkehrung und Entdifferenzierung1.6.1. Umkehrung und Entdifferenzierung in Weltentsagung und Tantras• Umkehrung und Entdifferenzierung sind zwei wichtigeBegriffefür dieBezeichnungder mimetischen Krisein der TheorieGirards.• Dieser tantrisch-yogischeProzesskann alsein Entdifferenzierungsprozessaufgefasstwerden. DieyogischeAuflösung in den Hö chsten Yo ga-Tantras lässt sich alseineSimulierung der mimetischen Kriseim yogischen Körper deuten.• DieyogischeZusammenpressung der Kanälemit einer “gewaltsamen Methode” lässtsich alseineArt von gewalttätiger Entdifferenzierung im SinneGirardserklären.• Im Zugeder Interiorisierung desOpfersscheint dasHa tha-Yo gaţ alseine“gewaltsameVereinigung” diegewalttätigeEntdifferenzierung (l´ indifférenciatio n vio lente ) vor demopfersymbolischen Opfertod zu simulieren.• DietransgressiveVereinigung zwischen hohen Kasten und niedrigen Prostituierten istentdifferenzierend und “gewalttätig”
  24. 24. Entdifferenzierung und Differenzsystem• In dieser Arbeit wird dieEntdifferenzierung und Wertumkehrungnicht im Rahmen der moralistischen Problematisierung, sondern inBezug auf dieGeneseder Ordnung und dieDifferenzierung mittelsder Mechanismen der mimetischen Versöhnung analysiert.• DieentdifferenzierendeUmkehrung ist politisch und differenziell,d.h. mit Rücksicht auf den strukturierendenGründungsmechanismus zu lesen. DietantrischeEntdifferenzierung zielt auf dieneueDifferenzierung.• Mit Davild Gordon Whiteund CharlesOrzech hat Urban in seinemBuch Tantra. Sex, Secrecy, Po litics, and Po wer in the Study o fReligio n (2003a) die“wichtigepolitischeRolledesTantrasalseinefundamentaleIdeologie” für dasKönigtum und für dieköniglichenHierarchien in Tibet, Nepal, Chinaund Indiaherausgestellt.• “Die politische Rolle des Tantra in der Staatsgründung und derköniglichen Macht” (ebd., 275) lässt sich im Licht desdifferenzierenden Gründungsmechanismusinterpretieren (vgl. 6.1.DassakraleKönigtum alsUrsprung politischer Macht, Palaver2003).
  25. 25. 2.1.1. Die mimetische Krise und dermeditativ-yogischeProzess• In seinem Aufsatz Die Interio risierung des Opfers undder Aufstieg des Selbst (atman) hat Heesterman(1997a) den Prozessder Interiorisierung festgestellt.Der yogischeKörper wird mit dem “Opferplatz(devayajanam)” identifiziert• DiemimetischeKrisebzw. Furor im yogischenMeditationsritual kann vor dem Hintergrund der“Interiorisierung des Feuers” im Weltentsager alsein “Opferplatz (devayajanam)” (Krick 1977, 107-8)erklärt werden.• Tapasvin (“‘hitzeerfüllte’ Asketen”, Meisig 2003, 72)interiorisiert dasOpferfeuer und wird Opfer.• Der Weltentsager ist Feuer: “Dader Asket selbst dasFeuer ist – tapas ist der gängigeAusdruck sowohl fürHitzeund Feuer alsauch für Askese- , ist Nahrung dieOpfergabe, diedurch seineinnereHitzeverbranntwird”
  26. 26. 2.1.4. Zwillingschaft (sahaja) und diegewalttätigeEntdifferenzierung• Der endgültigeZweck desYogawird wiederbuddhistische Sahaja-Samadhi beschrieben(Gonda1963, 221).• Yab-Yum im tibetischen tantrischen Buddhismus– diemännlich-weiblicheVereinigung im Sinneder “Zwillingseinheit” der Polaritäten (Keilhauer1987, 131) ist ein Beispiel. Y malaā (“Zwillinge”oder “Paare”) bezeichnet diesexuelleBeziehungzwischen ivaŚ and aktiŚ• Der Prozessdessam dhiā wird alsdie“Umkehrung” (reversio n) beschrieben. Die“graduelleEliminierung der Differenzierung”durch dieYoginsist alseineArt technischeReinszenierung der (krisenhaften)Entdifferenzierung anzunehmen
  27. 27. ParadoxaleEinheit allesReligiösen• 2.1.5. VerbaleWettkämpfeund diemimetischeKrise• 2.1.6. DiemimetischeKriseund dieOpferdimension derInitiation• 2.1.7. Kōan alsein Gift gegen Gift: EinemimetischeInterpretation• 2.1.8. EinemimetischeLektürevon Wild FuchsKōan• 2.2.6. DasversöhnendeOpfer alstranszendentalerSignifikant• 2.2.7. Paradoxieder Einheit vonWeltentsager/Welteroberer• 3. Buddhismuszwischen Gewalt und Gewaltlosigkeit• 3.2. Transformationskraft desOpfersund Bodhisattva-Ethik• 3.2.2. Transformationskraft desOpfersund der sozialengagierteBuddhismus• 3.2.3. Friedenspotential desBuddhismusim Reich derEifersucht• Zusammenfassung: ParadoxaleEinheit allesReligiösen

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