Healthcare in Bavaria
           www.invest-in-bavaria.de
Invest in Bavaria –
Die Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern



      Rundumservice aus einer Hand
        Invest in Bavaria ist die Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern. Seit 1999 unterstützt Invest in Bavaria
        Unternehmen aus dem In- und Ausland dabei, einen Standort in Bayern aufzubauen oder zu erweitern. Invest
        in Bavaria stellt individuell Informationen zusammen, hilft, den optimalen Standort in Bayern zu finden, und
        vermittelt die Kontakte, die für die Projektrealisierung benötigt werden: zu Behörden und Verbänden ebenso
        wie zu wichtigen Netzwerken vor Ort. Der Service von Invest in Bavaria ist kostenfrei, alle Anfragen werden
        selbstverständlich vertraulich behandelt. Die Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern ist in jeder Phase des
        Investitionsvorhabens ein verlässlicher und kompetenter Partner.

      Planung und Vorbereitung
        Je fundierter Informationen zu möglichen Standorten sind, desto sicherer und effizienter lässt sich eine
        Investitionsentscheidung treffen. Invest in Bavaria stellt am Standort Bayern interessierten Unternehmen
        vergleichende und verlässliche Informationen zum Markt- und Geschäftsumfeld, über Branchen- und Techno-
        logienetzwerke oder über Förder- sowie Finanzierungsinstrumente zur Verfügung.

      Standortwahl
        Nach den Wünschen und Bedürfnissen des Investors werden gemeinsam projektbezogene Standortkriterien ent-
        wickelt. Gemäß diesem Anforderungsprofil identifiziert Invest in Bavaria geeignete Gewerbeflächen und
        -immobilien, erarbeitet daraus konkrete Standortvorschläge und organisiert Besichtigungen vor Ort.

      Standortrealisierung
        Ist die Standortentscheidung getroffen, sorgt Invest in Bavaria dafür, dass die Unternehmen vor Ort von den rich-
        tigen Partnern unterstützt werden. Invest in Bavaria recherchiert Fördermöglichkeiten, vermittelt Kontakte zu
        geeigneten Förderinstitutionen und – auf Wunsch – zu möglichen Finanzierungspartnern. Auch bei steuerlichen,
        rechtlichen und verwaltungstechnischen Fragen kümmert sich Invest in Bavaria um eine unkomplizierte und
        reibungslose Koordination mit den projektrelevanten Behörden, den regionalen Wirtschaftsförderern oder
        spezialisierten Dienstleistungsanbietern.

      Standortentwicklung
        Auch nach der Ansiedlung ist Invest in Bavaria weiterhin für interessierte Unternehmen da. Informationen
        zur bayerischen Wirtschaftsförderung wie dem Messebeteiligungsprogramm über die Auskunft zu nützlichen
        Unternehmensdatenbanken und Branchennetzwerken bis hin zur Kontaktvermittlung zu ausländischen Com-
        munities sind Beispiele für das breite Serviceangebot von Invest in Bavaria. Auch bei einem Erweiterungsvor-
        haben steht Invest in Bavaria mit Rat, Tat und guten Kontakten zur Seite.
Vorwort




Martin Zeil                           Der Life-Sciences-Bereich baut wie kein zweiter auf den Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts
Bayerischer Staatsminister            auf und ist hochinnovativ. Wertschöpfung und nachhaltiges Wachstum lassen sich nur durch Innova-
für Wirtschaft, Infrastruktur,
Verkehr und Technologie               tionen erzielen. Bayern ist hier bestens aufgestellt. Mit Weltunternehmen wie Siemens, GE, Novartis,
Stellvertretender Ministerpräsident   Roche, aber insbesondere auch dank der forschungsorientierten engagierten kleinen und mittelstän-
                                      dischen Unternehmen ist der Freistaat ein Healthcare-Standort, der europaweit seinesgleichen sucht.

                                      Wo Innovation entstehen soll, muss Forschungsnähe gegeben sein. Bayern bietet hier beste Bedingun-
                                      gen: Mit 13 Max-Planck-Instituten, drei Helmholtz-Zentren und acht Fraunhofer-Instituten gelingt eine
                                      enge Vernetzung von Forschung und praktischer Anwendung. Elf Universitäten und 17 Hochschulen für
                                      angewandte Wissenschaften schaffen ein Klima für die direkte unternehmerische Umsetzung neues-
                                      ter Forschungsergebnisse und bringen hochqualifizierte Fachkräfte für die bayerischen Unternehmen
                                      hervor.

                                      Von diesem lebendigen Klima der Innovation profitieren auch die Bürger: Die flächendeckende Ver-
                                      sorgung mit über 400 Kliniken und 300 Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen garantiert die
                                      Teilhabe aller am medizinischen Fortschritt.

                                      Die komplexe Healthcare-Branche ist in allen Segmenten eng miteinander vernetzt und nimmt in der
                                      Technologiepolitik des Freistaats Bayern eine herausragende Rolle ein. Insbesondere durch die ge-
                                      zielte Bündelung unterschiedlicher Partner aus verschiedensten Bereichen ist es Bayern bereits 2006
                                      gelungen, eine effiziente Clusterpolitik auf den Weg zu bringen. Hiervon profitieren besonders die
                                      Hightech-Unternehmen am Standort, da die Verbindung und der Austausch zwischen Wissenschaft
                                      und Wirtschaft erheblich erleichtert und beschleunigt werden. Durch gezielte Rahmenvorgaben wur-
                                      den beispielsweise in den Bereichen Normung und Gesetzgebung einheitliche Standards etabliert.
                                      Diese tragen wesentlich dazu bei, zielgerichtet forschen zu können, um im weltweiten Vergleich auch
                                      weiterhin einen Spitzenplatz in diesem Segment einzunehmen.

                                      Um Investoren Zugang zu diesem herausragenden Potenzial zu verschaffen, stehen Repräsentanten
                                      des Freistaats Bayern in mehr als 20 Metropolen der Welt als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie ar-
                                      beiten eng zusammen mit Invest in Bavaria, der bayerischen Ansiedlungsagentur. Invest in Bavaria un-
                                      terstützt Investoren umfassend, vertraulich und kostenfrei. Vom ersten Gespräch über die Standortsu-
                                      che bis hin zu Spatenstich und dauerhafter Nachbetreuung steht das Team der Ansiedlungsagentur
                                      mit ihren Länder- und Branchenexperten Unternehmen zur Verfügung.

                                      Diese Broschüre bildet die starke Position Bayerns im Life-Sciences-Bereich ab und macht deutlich,
                                      warum der Freistaat ein großartiger Ort für Ansiedlungen und Innovation ist. Sie gibt einen Überblick,
                                      mit welchen herausragenden Unternehmen aus den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik und
                                      Pharma Sie als Investor in Kontakt kommen können und welche Erfolgsgeschichten hinter den Men-
                                      schen und Produkten „Made in Bavaria“ stecken!

                                      Martin Zeil
                                      Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
                                      Stellvertretender Ministerpräsident
                                                                                                                                                    Invest in Bavaria
                                                                                                                                               03
                                                                                                                                                3
Inhalt
                              Vorwort
                         03   Martin Zeil
                              Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
                              Stellvertretender Ministerpräsident


                         Standort Bayern
                              Bayern – Standort für Biotechnologie und Medizintechnik
                         06   Ein Überblick

                              „2015 soll der Tech-Campus in Betrieb gehen“
                         07   Interview mit Dr. Thomas Diefenthal, Geschäftsführer, BioPark Regensburg GmbH

                              „Unser Standort ist ganz wesentlich von seinen Hochschulen geprägt“
                         08   Interview mit Dirk Jung, COO, Betriebsgesellschaft IGZ BioMed/ZmK mbH

                              „Bayern ist ein führendes Medtech-Land“
                         10   Interview mit Professor Dr. Michael Nerlich, Vorstandsvorsitzender, Forum MedTech Pharma e.V.

                              „Synergien zwischen Medikamentenentwicklung und Medizintechnik
                         12   sind besonders wertvoll“
                              Interview mit Professor Dr. Horst Domdey, BioM, und
                              Professor Dr.-Ing. Erich R. Reinhardt, Medical Valley EMN e.V.

                              Forschungsexzellenz in bayerischer Biotechnologie und Medizintechnik
                         13   Aus akademisch-wirtschaftlicher Kooperation entstehen im Freistaat wegweisende Konzepte

                              Der Clou von Erlangen
                         15   Test direkt in der Klinik

                              Pharma- und Medizintechnik-Konzerne in Bayern
                         16   Überblick, Trends und Entwicklungen


                         Biotech in Bayern
                              „Die Bereitschaft Unternehmen zu gründen, verbreitet sich wie ein Virus“
                         18   Interview mit Professor Dr. Axel Ullrich, Direktor Forschungsgruppe Molekularbiologie,
                              Max-Planck-Institut für Biochemie

                              Fit für die Medizin der Zukunft
                         19   Schwerpunkt „personalisierte Medizin“ in München

                              Land der Biotech-Pioniere
                         20   Innovation in Bayern kommt von kleinen und mittleren Unternehmen




Invest in Bavaria
                    04
„Das IZB wird weiter wachsen“
21     Interview mit Dr. Peter Hanns Zobel, Geschäftsführer, IZB GmbH

       „Wichtig ist, dass Geschäftsmodelle skalierbar sind“
24     Interview mit Helmut Jeggle, Athos Service GmbH,
       und Michael Motschmann, MIG Verwaltungs AG

       „Seit 1998 flossen etwa 2 Mrd. EUR in den Ausbau des Standorts“
25     Interview mit Claus Haberda, Werkleiter, Roche Penzberg

       „Die Übernahme von Micromet war die bedeutendste Investition von Amgen
26     außerhalb der USA“
       Interview mit Richard Paulson, Geschäftsführer, Amgen GmbH in Deutschland


Medtech in Bayern
       „Ein Gewinn für beide Seiten, Wirtschaft und universitäre Forschung“
27     Interview mit Professor Dr. Willi A. Kalender, Direktor Institut für Medizinische Physik,
       Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

       Schrittmacher für die Gesundheit
28     Kleine und mittlere Unternehmen treiben Fortschritt in der Medizintechnik voran

       „Der Standort kann sich mit internationalen Spitzenzentren messen“
29     Interview mit Dr. Peter Terhart, Vorstand, S-Refit AG

       Die Gesundheitsversorgung von morgen
31     Vier Beispiele aus dem Medical Valley EMN

       „Bayerns Universitätskliniken sind absolute Weltklasse“
32     Interview mit Michael Sigmund, Leiter Communications, Siemens Healthcare

       Erfolg mit Augenlasertechnologie
33     Wavelight GmbH: Synergiepotenziale im Alcon-Konzernverbund




Impressum                                            Design und Realisierung
Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft,        GoingPublic Media AG
Infrastruktur, Verkehr und Technologie               Hofmannstraße 7a
Invest in Bavaria                                    81379 München
Prinzregentenstraße 28
80538 München                                        Tel.: +49 89 2000339-0
                                                     Fax: +49 89 2000339-39
Tel.: +49 89 2162-2642
Fax: +49 89 2162-2803                                Projektleitung
                                                     Markus Hofelich, Martin Bellof
www.invest-in-bavaria.de
                                                     Gestaltung
                                                     Holger Aderhold


                                                                                                        Invest in Bavaria
                                                                                                   05
Standort Bayern



                         Bayern – Standort für Biotechnologie
                         und Medizintechnik
                         Ein Überblick


                         Bayern ist im Ausland in erster Linie für seine                     Medtech-Standorts Bayern investiert. Mit Erfolg.
                         touristischen Highlights bekannt: das Schloss                       Bayern darf sich heute zu den drei Top-Standorten
                         Neuschwanstein als meistbesuchte deutsche                           für Biotechnologie in Europa zählen. Auf nationa-
                         Attraktion, genauso wie das Panorama der baye-                      ler Ebene ist der Freistaat führend. National und
                         rischen Alpen mit dem höchsten Berg Deutsch-                        international führend ist auch Medizintechnik aus
                         lands, der Zugspitze. Bayern steht zudem für                        Bayern. Von den Branchen Biotech und biopharma-
                         kulinarischen Genuss und Lebensgefühl, Bier-                        zeutische Industrie hängen 25.000 Arbeitsplätze
                         gärten, deftiges Essen und gutes Bier. So auch                      ab, von der Medizintechnik alleine im Spitzen-
                         auf dem Oktoberfest, dem größten Volksfest                          cluster Medical Valley Europäische Metropol-
                         der Welt. Die einzigartige Mischung aus land-                       region Nürnberg über 45.000. Neben der großen
                         schaftlicher Vielfalt, Kultur und kulinarischem                     Zahl kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU)
                         Genuss zieht Jahr für Jahr mit mehr als 25 Mil-                     haben sich auch global agierende Healthcare-
                         lionen Besuchern deutschlandweit die meisten                        Großkonzerne für den Standort Bayern entschie-
                         Touristen an. Bayern ist aber auch ein boomen-                      den. Roche Diagnostics betreibt in Penzberg auf
                         der Wirtschaftsstandort und Hightech-Region.                        über 350.000 m² eine der weltweit größten bio-
                         Zahlreiche globale Player, unter anderem sieben                     pharmazeutischen Forschungs- und Produktions-
                         der 30 DAX-Konzerne, haben ihren Stammsitz in                       stätten. Siemens Sektor Healthcare, Weltmarkt-
                         Bayern. BMW, Audi, Siemens, adidas sind nur                         führer im Bereich der bildgebenden Diagnostik,
                         wenige Beispiele für die Vielzahl der bayerischen                   hat seinen Hauptsitz in Erlangen.
                         Unternehmen von Weltgeltung. Und Bayern ist
                         Innovationsstandort. Der Dieselmotor wurde in                       Wachstumsfeld bayerische Biotechnologie
                         Bayern genauso entwickelt wie das MP3-Format                        In den letzten 15 Jahren haben sich in Bayern
                         oder Fußballschuhe mit Schraubstollen. Auch im                      fünf Biotech-Cluster gebildet. In den Bio-Regio-
                         Bereich Life Science ist der Freistaat national                     nen Würzburg, Regensburg und München liegt
                         und international führend.                                          der Fokus auf Biotechnologie mit Healthcare-
                                                                                             Bezug. Die beiden anderen, Freising-Weihen-
                         Investitionen in Hightech zahlen sich aus                           stephan und Straubing, sind stärker auf grüne
                         800 Mio. EUR – diese Summe hat der Freistaat                        bzw. weiße Biotechnologie spezialisiert. Um
                         Bayern bisher in den Aufbau des Biotech- und                        regionale Besonderheiten und Stärken optimal


                     Dedizierte Biotech- und Medtech-Gründerzentren in Bayern
                     Quelle: eigene Recherche


                     Bio-Region                                  Gründerzentrum                                   Mietfläche                Mieter   Mitarbeiter

                     München                                     IZB Martinsried/Freising                          23.000 m²                 > 60       700

                     Regensburg                                  BioPark Regensburg                                18.000 m²                 > 30       550

                     Franken                                     IGZ Würzburg                                        5.000 m²                > 20       300

                     Nürnberg/Erlangen                           Medical Valley Center                               5.000 m²                > 30       200
                     Mitarbeiter: Anzahl der Mitarbeiter der Mieter im jeweiligen Gründungszentrum
Invest in Bavaria
                    06
Standort Bayern




                           nutzen und fördern zu können, haben sich eigen-      die BioM Biotech Cluster Development GmbH seit
                           ständige Netzwerkorganisationen entwickelt,          2006 alle Biotech-Aktivitäten Bayerns.
                           die für das Management der Cluster zuständig
                           sind: Die BioM Biotech Cluster Development           Metropolregion München – Vorreiter in der
                           GmbH verwaltet die Metropolregion München            Biotechnologie
                           sowie den daran angrenzenden Standort Frei-          Gründerzentren sind ein besonderer Baustein jedes
                           sing-Weihenstephan, die BioPark Regensburg           regionalen Clusters. Sie stellen Biotech-Start-ups die
                           GmbH managt die Region Regensburg und die            für Unternehmenswachstum benötigte Infrastruk-
                           IGZ Bio-Med/ZmK vertritt die Region Würzburg.        tur zur Verfügung, insbesondere Labor- und Büro-
                           Aufgabe ist die Entwicklung und Vermarktung          räume. Im 1995 gegründeten Innovations- und Grün-
                           des jeweiligen Standorts im Sinne der dort           dungszentrum Biotechnologie (IZB) Martinsried und
                           ansässigen Gründer, Unternehmen und Wissen-          seit 2007 dem zweiten Standort Freising-Weihen-
                           schaftler sowie eine Vernetzung von Unterneh-        stephan haben einige große Namen der deut-
                           men, Hochschulen, Forschungseinrichtungen,           schen Biotech-Industrie ihren Ursprung: Morphosys,
                           Universitätskliniken, Kammern und Verbänden,         Micromet (heute Amgen Research GmbH) und auch
                           Kapitalgebern, Förderinstitutionen, Beratern         Corimmun wurden hier gegründet. Der Standort
                           und sonstigen Akteuren des Clusters. Über            München zeichnet sich besonders durch die Nähe
                           Clustergrenzen hinweg koordiniert und vernetzt       zu erstklassiger Grundlagenforschung aus. In der




„2015 soll der Tech-Campus in Betrieb gehen“
Interview mit Dr. Thomas Diefenthal, Geschäftsführer, BioPark Regensburg GmbH


Was zeichnet die BioRegio Regensburg als              kennen sich aufgrund der räumlichen Nähe
Teil des Clusters Biotech Bavaria aus?                beteiligte Entscheider häufig persönlich. Ideen
Unter dem Motto „Klein, aber fein“ wurde 1999         können dann zügig in Projekte umgesetzt wer-
ein Zentrum für Biotechnologie auf dem Regens-        den. Zuerst entstanden Projekte mit Firmen der
burger Uni-Campus geschaffen. Durch das               Lebenswissenschaften, also Pharma, Analytik,
Prinzip der „kurzen Wege“ gelang es im Osten          Diagnostik und Medizintechnik. Es folgten
Bayerns, Gründer, die mittelständische Industrie      weitere Bereiche, wie z.B. die Sensorik. Seit
und ansiedlungswillige externe Firmen anzu-           Automatisierung in allen Bereichen eines Bio-
sprechen. Von der Einbindung dieses Netzwerks         tech-Labors oder der verarbeitenden Industrie –
in den Cluster Biotech Bavaria profitieren beide      z.B. Lebensmittel – boomt, expandiert auch diese
                                                                                                              Dr. Thomas Diefenthal ist Ge-
Seiten. Der Spitzencluster in München vernetzt        Branche. Solche Firmen sind aufgrund der ver-           schäftsführer der BioPark Re-
sich mit innovativen Firmen der äußeren Regionen      gleichsweise kurzen Entwicklungszeiten bereits          gensburg GmbH. Darüber hi-
                                                                                                              naus koordiniert er den Bio-
des Freistaates, gleichzeitig erhalten diese Firmen   heute erfolgreich am Markt.
                                                                                                              technologiecluster BioRegio
Zugang zu den umfangreichen Serviceleistungen                                                                 Regensburg und ist stellver-
und Informationen der Landesinitiativen.              Wie stellen Sie sich den Standort Regens-               tretender Sprecher des Ar-
                                                                                                              beitskreises der deutschen
                                                      burg in zehn Jahren vor?
                                                                                                              Bio-Regionen.
In Regensburg findet man viele interdiszip-           Der 2015 in Betrieb genommene, benachbarte
linäre Projekte. Wie kam es dazu?                     Tech-Campus wird eine Vielzahl von Unterneh-
Die Basis dafür bildet Regensburgs konsequente        men beherbergen, die mit ihrer Gründung im
und innovative Wirtschaftsförderung. Außerdem         BioPark Regensburg gestartet sind.
                                                                                                                                                   Invest in Bavaria

                                                                                                                                              07
Standort Bayern




                     bayerischen Landeshauptstadt sitzen drei bio-                  im Rahmen der zweiten Runde des Spitzencluster-
                     logisch-medizinische Max-Planck-Institute für                  Wettbewerbs als eines von fünf Spitzenclustern
                     Biochemie, Neurobiologie und Psychiatrie, ein                  ausgezeichnet. Vision des Spitzenclusters ist es,
                     Helmholtz Zentrum (Deutsches Forschungszen-                    diesen als internationale Exzellenz- und Mo-
                     trum für Umwelt und Gesundheit), die Fraunhofer-               dellregion für personalisierte und zielgerichtete
                     Zentrale, das Genzentrum München, das seit 1984                Therapien zu etablieren. Dazu stehen über einen
                     wissenschaftlich und organisatorisch eine Vor-                 Zeitraum von fünf Jahren Mittel in Höhe von knapp
                     reiterrolle in der deutschen Forschungslandschaft              100 Mio. EUR zur Verfügung, wovon etwa die
                     spielt, die beiden Hochschulen Weihenstephan-                  Hälfte von beteiligten Unternehmen beigesteuert
                     Triesdorf und München sowie zwei der besten                    wird. Das Management übernimmt die BioM Bio-
                     Universitäten Deutschlands, die Technische Uni-                tech Cluster Development GmbH.
                     versität München und die Ludwig-Maximilians-
                     Universität. Zudem gibt es zwei Universitätsklini-             Regensburg –
                     ken (Klinikum der Universität München, Klinikum                Interdisziplinäre Zusammenarbeit
                     rechts der Isar) sowie 60 weitere Krankenhäuser                Die BioPark Regensburg GmbH ist nicht nur für
                     in München und Umgebung.                                       das Clustermanagement verantwortlich, sondern
                                                                                    betreibt auch ein gleichnamiges Gründerzentrum
                     m4 – Spitzencluster der                                        auf dem Campus der Universität Regensburg.
                     personalisierten Medizin                                       Ansässig im BioPark sind primär Unternehmen
                     2010 hat das Bundesministerium für Bildung und                 der Bereiche Biotechnologie und Medizintechnik
                     Forschung das Münchner Konsortium „m4 – Perso-                 sowie damit verbundene Dienstleister. Zudem
                     nalisierte Medizin und zielgerichtete Therapien“               sitzen acht außeruniversitäre Forschungsinstitute




                     „Unser Standort ist ganz wesentlich
                     von seinen Hochschulen geprägt“
                     Interview mit Dirk Jung, COO, Betriebsgesellschaft IGZ BioMed/ZmK mbH

                                                           Können Sie die BioMed Region Würzburg                zusätzlich an der Schnittstelle Bioinformatik.
                                                           kurz vorstellen?                                     Mittlerweile haben wir das IGZ thematisch um
                                                           Wir sind ein Standort, der ganz wesentlich von       angrenzende Wissensgebiete erweitert. So kön-
                                                           seinen Hochschulen geprägt ist. Viele unserer        nen wir auch hoch qualifizierten Nischenanbie-
                                                           Mieter kommen aus der Universität oder der           tern in der medizintechnischen Dienstleistung
                                                           Hochschule für angewandte Wissenschaften.            optimale Startvoraussetzungen bieten.
                                                           Der Wandel in der Förderkultur hat dazu geführt,
                                                           dass Ausgründungen heute aus eher kleinen            Wie intensiv ist die Zusammenarbeit mit
                                                           Gründergruppen bestehen, die vergleichsweise         anderen Cluster-Regionen?
                         Dirk Jung ist COO der Betriebs-
                                                           lange an der Hochschule bleiben. Eine sehr frühe     Für uns sind „Existenzgründung aus den eige-
                             gesellschaft IGZ BioMed/      Einflussnahme durch Risikokapitalgeber wird so       nen Reihen“ und „Bestandspflege“ wichtige
                          ZmK mbH. Darüber hinaus ist      gemindert. Auch das Uniklinikum ist für unsere       Schlagworte. Dazu ist eine lokale und überre-
                         er stellvertretender Geschäfts-
                         leiter von Congress-Tourismus-
                                                           Life-Science-Landschaft bedeutsam. Wir hoffen,       gionale Vernetzung jedoch absolut notwendig,
                         Wirtschaft der Stadt Würzburg.    demnächst erste Ausgründungen aus der Klinik         das zeigt sich in regem Austausch der einzelnen
                                                           beheimaten zu können.                                Bioregionen untereinander wie auch in Koope-
                                                                                                                ration auf interdisziplinärer Ebene. Im Moment
                                                           Welche Branchen sind im IGZ vertreten?               versuchen wir verstärkt, den Kontakt zwischen
                                                           Das IGZ war von Anfang an thematisch in zwei         Ausgründern, etablierten Unternehmen und
                                                           bzw. drei Bereiche aufgeteilt: einerseits Biotech-   Hochschulen herzustellen. Wir hoffen so, auf
                                                           nologie und Biomedizin, andererseits Informa-        Fragen der Wirtschaft Lösungen aus der Wis-
                                                           tions- und Kommunikationstechnologie, und            senschaft zu erhalten.
Invest in Bavaria
                    08
Standort Bayern




bzw. Projektgruppen im BioPark, darunter zwei                                    Unternehmen (KMU). Das sind gut 30 Prozent aller
Fraunhofer Projektgruppen (Diagnose und Therapie                                 deutschen Biotech-KMU. Besonderen Fokus legen
von Tumor-, Stoffwechsel- und Alterskrankheiten                                  diese Unternehmen auf die Entwicklung neuer
sowie Sensormaterialien). Das belegt die Nähe                                    Therapeutika und Diagnostika. Ihre „Medika-
zu außeruniversitären Forschungseinheiten.                                       mentenkandidaten“ werden in über 80 klinischen
Außerdem hat sich in der Region Regensburg                                       Studien weltweit getestet. Für stetigen Nachschub
eine Reihe von Forschungsnetzwerken gebildet.                                    sorgen über 100 Kandidaten in Präklinik und For-
Jüngstes Beispiel ist das Zentrum für Interventio-                               schung.
nelle Immunologie, das vorhandene medizinische
und wissenschaftliche Exzellenz auf dem Gebiet                                   Medical Valley – Spitzencluster
der Immuntherapie und Transplantationsmedizin                                    für Medizintechnik
in Ostbayern bündelt.                                                            Spricht man über deutsche Medizintechnik, kommt
                                                                                 man am Medical Valley Europäische Metropol-
Würzburg – Kompetenzzentrum                                                      region Nürnberg (EMN) nicht vorbei. Das Medical
für Biomedizin                                                                   Valley EMN ist die führende Medizintechnikregion
Das Innovations- und Gründungszentrum (IGZ)                                      Deutschlands. Wie m4 in München wurde es 2010
Würzburg, das größte Gründungszentrum Nord-                                      vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
bayerns, beherbergt Unternehmen der Bereiche                                     als nationales Spitzencluster ausgezeichnet. Es
Life Science und IT. Es befindet sich in unmittelba-                             zeichnet sich durch eine hohe Konzentration an
rer Nähe zur Universität und Fachhochschule der                                  Kompetenzträgern im Bereich der Medizintechnik
Stadt sowie zahlreichen Forschungseinrichtungen.                                 aus. Rund 500 Unternehmen sind im Medical Valley
Für Unternehmen der Branchen Biotechnologie                                      tätig, darunter zahlreiche Global Player und viele
und Medizintechnik ist vor allem die Nähe zum                                    Marktführer. Das Medical Valley Center ist das
renommierten Fachgebiet Biomedizin der Univer-                                   Gründungszentrum des Clusters. In unmittelbarer
sität sowie zum Uniklinikum von Bedeutung. Nicht                                 Umgebung befinden sich mehr als 70 Institute mit
zuletzt deshalb ist Würzburg als Kompetenzzentrum                                medizintechnischem Schwerpunkt an Universität
für Biomedizin anerkannt.                                                        (Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg)
                                                                                 und Hochschulen für Angewandte Wissenschaf-
Starke Ausgangssituation für                                                     ten, über 20 außeruniversitäre Forschungsein-
Bayerns Biotech-KMU                                                              richtungen mit engem Bezug zur Medizintechnik
Die Bedeutung des Standorts Bayern für Biotech-                                  (darunter Fraunhofer- und Max-Planck-Institute)
nologie wird im nationalen Vergleich besonders                                   sowie mehr als 65 Krankenhäuser. Die außerge-
deutlich. Mehr als die Hälfte der über 320 in Bayern                             wöhnliche Dichte an Partnern bietet, zusammen
ansässigen Unternehmen im Bereich Biotechnolo-                                   mit der internationalen Markt- und Wettbewerbs-
gie und Pharma sind kleine und mittelständische                                  position Einzelner, optimale Voraussetzungen für


Mitarbeiterzahlen von Biotech-KMU                                                           Anzahl bayerischer Biotech-KMU nach
in Bayern seit 2006                                                                         Arbeitsgebiet
Quelle: Bavarian Biotech Report 2011/12, BioM Biotech Cluster Development GmbH              Quelle: Bavarian Biotech Report 2011/12, BioM Biotech Cluster Development GmbH


                                                                                                                               13

                                                                                                                               8%
                                                                                                             19
                                                                                                                                                                    65
                                        %                         4.016                                              11%
                                 2,5                                                                                                                      39%
                               +3
                                                     3.793
                                         3.715

                             3.460                                                                                25%
                                                                                                           42
                3.290
                                                                                                                                               10%
                                                                                                                                    7%
    3.030                                                                                                                                           16
                                                                                                                                    11

                                                                                                   Therapeutika und Diagnostika                   Agro, Nahrung, Umwelt
                                                                                                   Bioinformatik                                  Geräte und Reagenzien
     2006        2007        2008         2009        2010        2011                             DNA- und Protein-Analytik                      Präklinische Dienstleistungen
                                                                                                                                                                                       Invest in Bavaria
                                                                                                                                                                                  09
Standort Bayern



                     „Bayern ist ein führendes Medtech-Land“
                     Interview mit Professor Dr. Michael Nerlich, Vorstandsvorsitzender,
                     Forum MedTech Pharma e.V.

                         Welche Rolle spielt das Netzwerk Forum               zinischen Erzeugnisse Deutschlands hergestellt.
                         MedTech Pharma für die Gesundheits-                  Bei der Betrachtung des Gesamtumsatzes in
                         branche in Bayern?                                   der Medizintechnik nimmt Bayern unter den
                         Als größtes Netzwerk seiner Art in Europa ist das    Bundesländern den ersten, bei der Beschäftig-
                         Forum MedTech Pharma eine Plattform für über-        tenzahl den zweiten Platz ein. Bayern kann mit
                         regionale und internationale Vernetzung. Mit         gutem Recht als führendes Medizintechnik-
                         regionalen Netzwerken und Clustern wie dem           Land bezeichnet werden.
                         Medical Valley EMN oder dem Biotech Cluster
                         in München bestehen enge Verbindungen. De-           Welche Trends sind in der Medizintechnik
                         ren regional fokussiertes Engagement wird durch      zu beobachten?
                                                                                                                                    Professor Dr. Michael Nerlich
                         die überregionalen Netzwerk-Aktivitäten per-         Im Bereich der Technologie sind der weitrei-          ist Leiter der Abteilung für
                         fekt ergänzt. Als nationales und internationales     chende Einzug der Informationstechnologie,            Unfallchirurgie am Universi-
                         Bindeglied sorgt der Verein für die umfassende       der Trend zu Geräten für ambulante oder so-           tätsklinikum Regensburg und
                                                                                                                                    Vorstandsvorsitzender des
                         Berücksichtigung aller Phasen der Wertschöp-         gar häusliche Versorgung oder auch die zu-            Forum MedTech Pharma e.V.
                         fungskette – von Forschung und Entwicklung           nehmende Verschmelzung der Bereiche Me-
                         über Produktion, Zuliefernetzwerke, klinische        dizintechnik, Biotechnologie und Pharmazie
                         Erprobung und Anwendung bis zur internatio-          beispielsweise in Form von Kombinationspro-
                         nalen Vermarktung. Außerdem werden Schnitt-          dukten wichtige aktuelle Entwicklungen. Noch
                         stellen zwischen den Disziplinen Medizintech-        stärker als mit technologischen Herausforde-
                         nik, Biotechnologie und Pharmazie geschaffen.        rungen befasst sich die Branche mit der aus
                                                                              der demographischen Entwicklung resultieren-
                         Welche Bedeutung hat Bayern für die                  den Notwendigkeit, bei Innovationen insbeson-
                         Medizintechnik in Deutschland?                       dere auf Effizienz zu achten, und mit der Frage
                         In Bayern werden 30 Prozent aller Medizintechnik-    der Kostenerstattung für Produkte und Dienst-
                         Produkte und sogar 60 Prozent aller elektromedi-     leistungen.




                                                   den Transfer von Ideen in Produkte und Dienst-        dern wie Frankreich oder Italien. Vor allem der
                                                   leistungen. Das Medical Valley wird von einem         Mittelstand spielt in der Medizintechnik Bayerns
                                                   gleichnamigen Verein entwickelt, koordiniert und      eine besondere Rolle. Der Großteil der hier an-
                                                   vermarktet. Erfolgsrezept des Clusters ist der enge   sässigen Unternehmen sind KMU. Betriebe mit
                                                   Dialog zwischen hochspezialisierten Forschungs-       weniger als 50 Mitarbeitern machen dabei sogar
                                                   einrichtungen, international etablierten Markt-       mehr als die Hälfte aller Medizintechnik-Unter-
                                                   führern und heranwachsenden sowie mittelstän-         nehmen aus.
                                                   dischen Unternehmen. Im Medical Valley EMN
                                                   sitzt zudem das Forum MedTech Pharma, das größte      Fazit
                                                   deutsche Netzwerk der deutschen Gesundheits-          Die Zukunftsaussichten für den Healthcare-Standort
                                                   wirtschaft (über 620 Mitglieder aus 14 Ländern).      Bayern sind durchweg positiv. Starke Grundlagen-
                                                   Der Verein bietet den Akteuren der Branche viel-      forschung, optimale Infrastruktur, ein hoher Grad
                                                   fältige Möglichkeiten einer nationalen und in-        an Vernetzung untereinander sowie der Wille zur
                                                   ternationalen Vernetzung.                             aktiven Zusammenarbeit sind verantwortlich für
                                                                                                         die positiven Impulse, die aus Bayern kommen.
                                                   Starker Mittelstand im Bereich                        Biotechnologie und Medizintechnik sind wichtige
                                                   Medizintechnik                                        Säulen der bayerischen und gesamtdeutschen
                                                   Wie stark die bayerische Medizintechnik ist, wird     Wirtschaft und sollen es auch in Zukunft bleiben.
                                                   bei genauerer Betrachtung der Umsätze deutlich.       Das zeigen Bund und Freistaat durch kontinuier-
                                                   Von den 22 Mrd. EUR Umsatz der deutschen Medi-        liche Investitionen in diesen Branchen.
                                                   zintechnikindustrie fallen 7 Mrd. EUR auf Bayern,
                                                   ein knappes Drittel. Damit liegt Bayern vor Län-                                            Martin Bellof
Invest in Bavaria
                    10
Standort Bayern




Bio-Regionen mit Healthcare-Bezug in Bayern
Quelle: eigene Darstellung




                             Europa                                                  Deutschland




                                                    Bayern




                                      Würzburg

                                                  Erlangen
                                                 Nürnberg



                                                                    Regensburg




                                                             München Freising-
                                                                     Weihenstephan




                                                                                                        Invest in Bavaria
                                                                                                   11
Standort Bayern



                         „Synergien zwischen Medikamenten-
                         entwicklung und Medizintechnik sind
                         besonders wertvoll“
                         Interview mit Professor Dr. Horst Domdey, BioM, und
                         Professor Dr.-Ing. Erich R. Reinhardt, Medical Valley EMN


                                                            Herr Professor Domdey, welchen Stellen-               Wo sehen Sie das Medical Valley EMN in
                                                            wert nimmt der Münchner Biotech-Cluster               zehn Jahren?
                                                            in Deutschland ein und wie unterscheidet              Reinhardt: Bis 2022 werden viele Innovationen
                                                            er sich von anderen Standorten?                       aus dem Medical Valley EMN gezeigt haben, dass
                                                            Domdey: Im Bereich der Medikamentenentwicklung        sie einen nachhaltigen Beitrag zur Effizienz und
                                                            ist der Munich Biotech Cluster m4 zweifelsfrei der    Effektivität der Gesundheitsversorgung leisten.
                                                            erfolgreichste Biotechnologiestandort in Deutsch-     Erste Abschätzungen bei einigen Spitzencluster-
                                                            land. Wir sind stolz darauf, dass bereits vier hier   projekten zeigen, dass alleine in Deutschland pro
                                                            entwickelte Medikamente den Patienten zugute          Jahr 7,5 Mrd. EUR eingespart werden können –
                            Professor Dr. Horst Domdey      kommen. Mit über 300 Life-Science-Unternehmen         ohne Qualitätsverlust. Durch Struktur- und Prozes-
                           ist Geschäftsführer der BioM     und gut 130 kleinen und mittelgroßen Biotechnolo-     sinnovationen entwickelt sich das Medical Valley
                           Biotech Cluster Development      gie-Unternehmen zählen wir auch zu den europä-        EMN zudem zu einer Modellregion für optimale
                         GmbH und Sprecher des baye-
                         rischen Biotechnologie Clusters.   ischen Spitzenreitern. Was München auszeichnet        Gesundheitsversorgung mit internationalem Refe-
                                                            und sowohl Innovation als auch Translation fördert,   renzcharakter.
                                                            ist die enge Verzahnung der exzellenten Wissen-
                                                            schaft mit der Biotech-Industrie.                     Im Programm m4 – Personalisierte Medizin
                                                                                                                  planen Sie künftig stärker mit dem Medical
                                                            Herr Professor Reinhardt, was ist der                 Valley zusammenzuarbeiten. Welche Vor-
                                                            USP des Medical Valley EMN im Ver-                    teile sehen Sie darin?
                                                            gleich zu anderen Medtech-Clustern in                 Domdey: Ich bin überzeugt, dass sich durch das
                                                            Deutschland?                                          Zusammenspiel von präziser Diagnostik und zielge-
                                                            Reinhardt: Im Medical Valley EMN entwickeln           richteter Therapie eine bessere und kosteneffekti-
                                                            Global Player wie Siemens und viele KMU inno-         vere Gesundheitsversorgung erreichen lässt. Syner-
                                                            vative Medizintechnik. Bereits in der Frühphase       gien zwischen Medikamentenentwicklung und
                                                            des Innovationsprozesses arbeiten sie eng mit         Medizintechnik sind besonders wertvoll, um inno-
                             Professor Dr.-Ing. Erich R.
                              Reinhardt ist geschäfts-      Partnern aus Wissenschaft und Gesundheitsver-         vative Konzepte in die klinische Praxis zu übertragen.
                               führender Vorstand des       sorgung zusammen. So entsteht eine nachhaltige
                              Medical Valley EMN e.V.       Problemlösungskompetenz, die verbunden mit der        Wie realistisch ist es, dass beide Regionen
                                                            Technologiekompetenz der Partner die Innovations-     gemeinsam zum führenden europäischen
                                                            stärke des Medical Valley auszeichnet.                Spitzencluster der personalisierten Medizin
                                                                                                                  in Europa aufsteigen?
                                                            Was ist Ihre Vision für den Biotech-Standort          Reinhardt: Personalisierte Medizin ist weltweit
                                                            München in zehn Jahren?                               ein Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt,
                                                            Domdey: München hat sich der Medikamentenent-         denn das Wissen um die Wirkung von Medika-
                                                            wicklung, speziell dem Zukunftstrend der perso-       menten ermöglicht eine zielgenauere und indivi-
                                                            nalisierten Medizin verschrieben und verbessert       duelle Behandlung. Für die Entwicklung der hier-
                                                            zielgerichtet die entsprechenden Rahmenbedin-         für nötigen Technologien ist eine enge Zusam-
                                                            gungen, wie z.B. durch eine Biobank-Infrastruktur.    menarbeit zwischen Medizintechnik und Pharma
                                                            Neben der gut gefüllten Medikamenten-Pipeline         unabdingbar. Wenn die beiden stärksten Stand-
                                                            bietet München einzigartige Technologieplattfor-      orte in Bayern in diesem Bereich ihre Kompeten-
                                                            men. Gerade durch die großen internationalen          zen bündeln, bestehen die besten Voraussetzun-
                                                            Partner von Firmen wie Morphosys, Wilex, 4SC,         gen, einen europaweit führenden Spitzencluster
                                                            Pieris oder Proteros ist die Wahrnehmung im           im Bereich der personalisierten Medizin zu formen.
                                                            Ausland sehr gut und wird sich noch weiter ver-
                                                            bessern.                                                            Das Interview führte Markus Hofelich.
Invest in Bavaria
                    12
Standort Bayern



Forschungsexzellenz in bayerischer
Biotechnologie und Medizintechnik
Aus akademisch-wirtschaftlicher Kooperation
entstehen im Freistaat wegweisende Konzepte

                                       Zahlreiche Institute in bayerischen Universitäten                   Interdisziplinäre Ansätze prägen die Szene
                                       und anderen Einrichtungen befassen sich mit                         Feinfühliges Operieren mit Robotersystemen ist
                                       der Medizin- und Biotechnologie. Im Rahmen der                      nicht mehr nur Zukunftsmusik. Am Institut für
                                       Exzellenzinitiative ist die herausragende Stellung                  Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrums
                                       bayerischer Hochschulen untermauert worden, das                     für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen
                                       Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) führt                        sind Leichtbau-Roboterarme entwickelt worden, die
                                       mehrere bayerische Fakultäten in der Spitzen-                       ein Arzt aus der Ferne steuern kann. Ein anderes
                                       gruppe seiner Forschungsrankings. Viel Hilfe-                       DLR-Institut – für Physik der Atmosphäre – befasst
                                       stellung wird inzwischen für klinische Studien                      sich mit der Hautkrebsvorsorge per Satellit. Inter-
                                       angeboten, um die Hürden zu überwinden. Als                         disziplinäre Ansätze wie diese prägen längst die
                                       wegweisend gelten Aktivitäten für die „perso-                       Forschung auch in der Medizin- und der Biotech-
                                       nalisierte Medizin“, so etliche akademische                         nologie. Das „Münchner Zentrum für Gesundheits-
                                       Kooperationen.                                                      wissenschaften“ (MC-Health) der Ludwig-Maxi-
                                                                                                           milians-Universität (LMU) verfolgt ebenso einen
                                                                                                           fächerübergreifenden Ansatz wie das Helmholtz
                                                                                                           Zentrum München, das europaweit führende
                                                                                                           Forschungszentrum für „Environmental Health“.
                                                                                                           Als Standort der biomedizinischen Grundlagen-
                                                                                                           forschung und ihrer klinischen Anwendung ist
                                                                                                           München international anerkannt. Eine zentrale
                                                                                                           Rolle spielen die LMU und die Technische Univer-
                                                                                                           sität München (TUM). An deren zentralem Insti-
                                                                                                           tut für Medizintechnik (IMETUM) werden die
                                                                                                           Disziplinen verschränkt, Spezialitäten reichen vom
                                                                                                           „Innovationszentrum Medizinische Elektronik“ bis
                                                                                                           zum „Heinz Nixdorf-Lehrstuhl für Medizinische
                                                                                                           Elektronik“. Die Max-Planck-Gesellschaft unter-
                                                                                                           hält in München eine ihrer größten biologisch-
                                                                                                           medizinischen Forschungskonzentrationen mit
                                                                                                           den Instituten für Biochemie, Neurobiologie und
                                                                                                           Psychiatrie. Ein Beispiel für die enge Vernetzung ist
                                                                                                           der Exzellenzcluster Center for Integrated Protein
                                                                                                           Science Munich (CIPSM). An der Universität
                                                                                                           Würzburg gilt das Interdisziplinäre Zentrum für
                                                                                                           klinische Forschung (IZKF) als internes Forschungs-
                                                                                                           förderinstrument. Die Friedrich-Alexander-Univer-
                                                                                                           sität Erlangen-Nürnberg unterhält ein Zentrum für
                                                                                                           medizinische Physik und Technik, an der Universi-
                                                                                                           tät Regensburg ist ein telemedizinisches Zentrum
                                                                                                           aufgebaut worden. Die Fraunhofer-Gesellschaft
                                                                                                           bearbeitet medizintechnische Fragestellungen an
                                                                                                           mehreren Standorten, so in Erlangen (Bildverar-
                                                                                                           beitung), Fürth (Röntgentechnologie) und Regens-
Zwei Standorte der facettenreichen bayerischen Forschungslandschaft für Medizin- und Biotechnologie: die
Technische Universität München (o.) und die Universität Augsburg                                           burg (Tumor- und Stoffwechselerkrankungen).
Fotos: © Helmholtz-Zentrum München/TUM, Universität Augsburg                                               Medizintechnische Projekte gibt es ebenso an der
                                                                                                                                                                    Invest in Bavaria
                                                                                                                                                               13
Standort Bayern




                         Universität der Bundeswehr München, von der           Studien zu beachten
                         Sensorik bei Armprothesen bis zur Computersi-         ist, wird von Entwick-
                         mulation zur Einspritzung von Knochenzement.          lern oft unterschätzt.
                         An der Universität Passau befasst sich die Fakul-     „Zunächst sind sie erst
                         tät für Informatik und Mathematik mit digitaler       mal geschockt“, bestä-
                         Bildverarbeitung für Computertomografen, die          tigt Dr. Bernd Gebhardt,
                         Universität Augsburg hat sich mit einer juristi-      der Leiter des Centers
                         schen Forschungsstelle für Medizinprodukterecht       for clinical studies (CCS)
                         einen Namen gemacht. Am Zentrum für Weiter-           an der Friedrich-Alexan-
                         bildung und Wissenstransfer (ZWW) der Univer-         der-Universität Erlan-
                         sität können hierfür Weiterbildungszertifikate        gen-Nürnberg: Aber er
                         erworben werden – einzigartig in Deutschland.         hilft den Klinikern bei
                                                                               den komplexen organi-
                         Klinische Studien an etlichen Standorten              satorischen, betriebs-
                         Innovationshürden in der Medizintechnik be-           wirtschaftlichen und
                         schäftigen die Fachwelt nicht erst, seit die          rechtlichen Aufgaben.
                         VDI/VDE Innovation und Technik GmbH mit               Derartige Unterstüt-         In etwa 40 Forschungsprojekten kollaborieren interdisziplinäre akade-
                         einer Studie den Finger in die Wunde gelegt           zung zieht nun Kreise.                                 mische Forschung und industrielle Partner.
                                                                                                                                          Fotos: © BVMed-Bilderpool, Fraunhofer IBMT
                         hat. Beratung und Betreuung bei klinischen Stu-
                         dien gewinnen inzwischen an Bedeutung. Für            Strategiekonzept für personalisierte Medizin
                         solche Studien gibt es etliche Anlaufstellen – vor    Für die „personalisierte Medizin“, die mit indivi-
                         allem, aber nicht nur an den Universitätskliniken     dueller Orientierung einen tiefgreifenden Wandel
                         in München, Erlangen, Regensburg und Würz-            der Medizin und eine neue Dimension der Medi-
                         burg oder dem Deutschen Herzzentrum in Mün-           kamentenentwicklung einleiten dürfte, werden
                         chen. Der Koordination dient ein „Bayerisches         in Bayern wichtige Forschungsgrundlagen erar-
                         Netzwerk für Klinische Studien“ (BayernNetz)          beitet. Das gilt etwa für die Arbeiten von Pro-
                         mit einer Geschäftsstelle am Klinikum rechts          fessor Florian Holsboer am Max-Planck-Institut
                         der Isar in München. Gerade kleineren Unter-          für Psychiatrie in München bei Depressionen,
                         nehmen sollen so klinische Studien erleichtert        von Prof. Axel Ullrich, heute Direktor am Max-
                         werden. Auch Zentren für klinische Studien            Planck-Institut für Biochemie, bei der Entwick-
                         werden an mehreren Universitäten betrieben.           lung von Herceptin, das jahrelang als einziges
                         Die LMU beteiligt sich laufend an klinischen und      personalisiertes Krebsmedikament galt, oder
                         epidemiologischen Studien, sowohl in einzelnen        von Prof. Matthias Mann am Max-Planck-Ins-
                         Kliniken als auch in Einrichtungen wie dem „Clini-    titut für Biochemie in Martinsried bei München
                         cal Study Center“ (CSCLMU), dem „Koordinations-       bei innovativen Technologien für Proteine. Zu
                         zentrum chirurgische Studien“ (KCS) oder dem          dem Strategiekonzept „m4 – Personalisierte
                         Comprehensive Cancer Center (CCCLMU). Klini-          Medizin und zielgerichtete Therapien“ haben
                         sche Studien sind auch am Tumorzentrum Mün-           sich im Großraum München Biotechnologie-
                         chen (TZM) möglich. Auch an der Fakultät für          und Pharma-Unternehmen, Kliniken und wis-
                         Medizin der TU München wird der Translation von       senschaftliche Institute mit der Clustermanage-
                         Ergebnissen aus Grundlagenforschung und prä-          mentgesellschaft BioM zusammengeschlossen.
                         klinischen Studien in die klinische Praxis viel Be-   In etwa 40 Forschungsprojekten werden die
                         deutung beigemessen, so am Standort Klinikum          Arbeiten von interdisziplinärer akademischer
                         rechts der Isar. Eine Zusammenarbeit mit indus-       Forschung und industriellen, meist mittelstän-
                         triellen Partnern pflegt ebenso das Helmholtz         dischen Partnern zusammengeführt. Die zustän-
                         Zentrum München. Möglich sind klinische Studien       dige BioM Biotech Cluster Development GmbH
                         auch an anderen bayerischen Einrichtungen, so         arbeitet eng mit Partnern an Universitäten und
                         etwa den Asklepios Fachkliniken München-Gau-          anderen Forschungseinrichtungen sowie Dienst-
                         ting – vor allem in der thorakalen Onkologie und      leistern zusammen.
                         in der interventionellen Bronchologie – oder am
                         Städtischen Klinikum München. Was bei klinischen                                        Dr. Lorenz Goslich
Invest in Bavaria
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Standort Bayern



Der Clou von Erlangen
Test direkt in der Klinik


                                          Vor einem Berg von Problemen stehen kleine und          struktur damit für externe Partner genutzt werden
                                          mittlere Unternehmen oft, wenn es um den Test           kann. Das Test- und Anwendungszentrum ist di-
                                          neuer medizintechnischer Lösungen und Geräte            rekt in Räumen des Universitätsklinikums ansäs-
                                          geht: Was muss beachtet werden, was ist zu              sig. Zusammen mit dem medizinischen Personal
                                          dokumentieren, wie erhält man die Zulassung?            werden die Neuheiten dem Test im klinischen
                                          In Erlangen gibt es Hilfe, den Berg zu überwinden:      Alltag unterzogen – und im Fall des Falles wer-
                                          bei „Metean“.                                           den Probleme sofort entdeckt. Die Erkenntnisse
                                                                                                  werden dann unmittelbar an die jeweiligen Un-
                                          Alles inbegriffen – von der Idee bis zur                ternehmen weitergeleitet. Für schnelles Anwen-
                                          Vermarktung                                             der-Feedback ist damit gesorgt, so dass nicht un-
                                          Das medizintechnische Test- und Anwendungs-             nötig Zeit vergeht und entsprechende Konse-
                                          zentrum „Metean“ des Fraunhofer-Instituts für           quenzen gezogen werden können. Besonders
                                          integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen ist ein       kleinen und mittleren Unternehmen glaubt man
                                          Schlüsselprojekt innerhalb des Fraunhofer-Inno-         bei Metean dabei helfen zu können, Innovations-
                                          vationsclusters „Personal Health“, das unterschied-     hürden zu überwinden und einen Weg durch die
                                          liche Kompetenzen innerhalb der Fraunhofer-Ge-          gesetzlichen, regulatorischen, ökonomischen und
                                          sellschaft bündelt. Als Vision gilt die Prävention      technischen Vorschriften mit ihren vielen Rand-
                                          von Krankheiten durch medizinische Fernbetreu-          bedingungen zu finden.
                                          ung. Wichtigster Arbeitsschwerpunkt von Metean
                                          sind Projekte zur Versorgungsforschung. In Ko-          Ganz persönlich: Der Trainingsanzug leitet
                                          operation mit Kliniken, Universitätsinstituten,         seinen Nutzer an
                                          Krankenkassen und Unternehmen werden klini-             Im Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen
                                          sche Studien bearbeitet. Im Vordergrund stehen          beschäftigt sich die Abteilung Bildverarbeitung
                                          dabei Verbesserungen durch den Einsatz tele-            und Medizintechnik (BMT) vor allem mit medizi-
                                          medizinischer Systeme und Dienstleistungen –            nischer Bildverarbeitung, medizinischer Sensorik,
                                          sowohl beim Übergang von stationärer zu ambu-           medizinischer Kommunikation und Biosignalver-
                                          lanter Behandlung und Betreuung als auch bei            arbeitung. Bei Metean ist das Produkt „Hemacam“
                                          der Versorgungsqualität. Die Experten bei Metean        entwickelt worden, eine computerassistierte
                                                                     haben den Anspruch,          Mikroskopie für die Hämatologie. Als beispiel-
                                                                     die gesamte Kette des        haft für die intensiven Arbeiten am Thema per-
                                                                     Innovations- und Ent-        sonalisierte Medizin gilt ein sogenannter Fit-
                                                                     wicklungsprozesses ab-       nessbegleiter, ein Teilprojekt des Bayerischen
                                                                     zudecken, von der Idee       Forschungsstiftungsverbundes „FitForAge“. Es
                                                                     über Machbarkeitsana-        handelt sich um einen intelligenten Trainings-
                                                                     lysen, Tests und Validie-    anzug, der ein individuelles Gesundheits- und
                                                                     rungen bis zur Zertifizie-   Fitnessprogramm bereitstellt, die gemessenen
                                                                     rung und Zulassung –         Daten auswertet, dem Nutzer Rückmeldungen
                                                                     und nicht zuletzt zur        zu seinen Aktivitäten gibt und ihn damit bei
                                                                     schnellen Vermarktung.       Gymnastik- oder Reha-Übungen anleitet – ganz
                                                                                                  persönlich sozusagen. Eingesetzt wird dieser
                                                                     Für schnelles                Anzug bisher vor allem in Bewegungsprogram-
                                                                     Anwender-Feedback            men für Senioren oder Reha-Patienten. Künftig
                                                                     wird gesorgt                 soll er aber auch jungen Menschen angeboten
                                                                     Der Clou bei Metean ist      werden, so etwa für Spiele oder virtuelle Wett-
                                                                     eine enge Einbindung         kämpfe.
Campus der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg         ins Universitätsklinikum
Foto: © Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg            Erlangen, dessen Infra-                                     Dr. Lorenz Goslich
                                                                                                                                                            Invest in Bavaria
                                                                                                                                                       15
Standort Bayern



                         Pharma- und Medizintechnik-Konzerne
                         in Bayern
                         Überblick, Trends und Entwicklungen

                         Vertreter sowohl der Pharma- als auch der Me-        Hervorragende Forschungsinfrastruktur
                         dizintechnikbranche gelten als Unternehmen           und exzellent ausgebildetes Personal
                         mit überdurchschnittlichem Engagement in             Während der Entwicklung neuer Wirkstoffe und
                         Forschung und Entwicklung. Mit Forschungs-           Therapeutika ist deren Erprobung am Menschen
                         ausgaben jenseits von 10 Prozent des Unterneh-       im Rahmen klinischer Studien ein zentrales Ins-
                         mensumsatzes gelten beide als Innovations- und       trument. Hier profitieren bayerische Unternehmen
                         Wirtschaftsmotoren zugleich. In Bayern sind          von der hervorragenden Forschungs-Infrastruktur
                         neben zahlreichen kleinen und mittelständischen      und exzellent ausgebildetem Personal in einem
                         Unternehmen auch Global Player wie zum Bei-          gut ausgebauten Netzwerk stationärer und am-
                         spiel Siemens Healthcare, Roche Diagnostics,         bulanter medizinischer Versorgungseinrichtungen.
                         GE Healthcare, Novartis Pharma, Fresenius Me-        In den vergangenen Jahren hat insbesondere die
                         dical Care oder GlaxoSmithKline mit Forschungs-      Zahl in Deutschland durchgeführter Zulassungs-
                         und Produktionsstandorten vertreten.                 studien in den frühen Phasen I und II wieder deut-
                                                                              lich zugenommen. Global Player wie Novartis
                         Ein attraktiver Standort für Global Player           Pharma mit knapp 1.800 Mitarbeitern am Stand-
                         In der Arzneimittelentwicklung hat Deutschland       ort Nürnberg haben Deutschland, mit aktuell rund
                         seine Rolle als „Apotheke der Welt“ bereits vor      180 laufenden Studien, zum wichtigsten klinischen
                         vielen Jahren abgegeben. Zahlreiche sogenannte       Forschungsstandort nach den USA ausgebaut.
                         Big Pharmas haben sowohl ihre Forschungs- und        Ähnliches gilt für die deutschen Tochterunterneh-
                         Entwicklungsstandorte als auch ihre Produktion       men internationaler Pharmariesen wie Glaxo-
                         ins Ausland verlagert. Anders verhält es sich aber   SmithKline, MSD und Daiichi Sankyo, die ihre
                         im Bereich der zukunftsträchtigen, biotechnolo-      Hauptsitze jeweils im Großraum München un-
                         gisch hergestellten Arzneimittel. Hier hat sich      terhalten. Über reine Vertriebsniederlassungen
                         Deutschland als größter Produktionsstandort in       hinaus wurde in den vergangenen Jahren ver-
                         Europa etabliert und liegt weltweit auf Rang 2,      stärkt in den Ausbau des klinischen Forschungs-
                         nach den USA. Verantwortlich dafür sind u.a.         standorts investiert.
                         Unternehmen wie Roche Diagnostics, das mit
                         kontinuierlichen Investitionen seinen bayerischen    Medizintechnik aus Bayern: Spitzenstel-
                         Standort Penzberg zum größten biotechnologi-         lung bei elektromedizinischen Geräten
                         schen Forschungs-, Entwicklungs- und Produk-         In der Medizintechnik deckt Bayern etwa 30 Pro-
                         tionszentrum des Roche-Konzerns innerhalb von        zent der gesamten medizintechnischen Produk-
                         Europa mit über 4.500 Mitarbeitern ausgebaut         tion Deutschlands ab. Dabei nimmt die elektro-
                         hat. Roche hat sich, gewissermaßen als Pionier,      medizinische Geräteproduktion mit einem Anteil
                         der personalisierten Medizin als Kernelement         von über 60 Prozent eine Spitzenstellung ein. Ver-
                         seiner Geschäftsstrategie verschrieben. Gene-        antwortlich dafür ist, neben einer Vielzahl kleiner
                         rell setzt das Konzept der personalisierten Me-      und mittelständischer Unternehmen, einer der
                         dizin eine Charakterisierung des Patienten auf-      weltweit größten Anbieter im Gesundheitswe-
                         grund sogenannter Biomarker voraus, die des-         sen, Siemens Healthcare mit Forschungs-, Ent-
                         sen Zuordnung zu einer Patientengruppe ermög-        wicklungs- und Produktionsstandorten in der
                         licht, für die eine maßgeschneiderte Therapie        Metropolregion Nürnberg. Der Konzern mit welt-
                         zur Verfügung steht. Bei der dafür notwendigen       weit über 50.000 Mitarbeitern ist ein Spezialist
                         Co-Entwicklung von Diagnostik und Therapie           auf den verschiedenen Gebieten der Bildgebung
                         profitiert Roche in Bayern vom weltweit einzigen     und Weltmarktführer im Bereich Magnetresonanz-
                         Standort des Konzerns, an dem Forschung, Ent-        tomografie (MRT). Neben der Computertomogra-
                         wicklung und Produktion der beiden Geschäfts-        fie (CT) hat sich die MRT als wichtigstes bildge-
                         bereiche Pharma und Diagnostik vereint werden.       bendes Verfahren etabliert und ermöglicht insbe-
Invest in Bavaria
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Standort Bayern




                                                                                                  eine Verbesserung des Patientenmanagements
                                                                                                  bei Früherkennung, Diagnose und Therapie und
                                                                                                  eine damit verbundene Kostensenkung im Ge-
                                                                                                  sundheitswesen.

                                                                                                  Effizienz und Integration: Zukunft der
                                                                                                  Gesundheitsversorgung
                                                                                                  Integration in der Gesundheitsversorgung ist
                                                                                                  auch die Strategie von Fresenius, dem weltweit
                                                                                                  führenden Anbieter von Produkten und Dienst-
                                                                                                  leistungen für Menschen mit chronischem Nie-
                                                                                                  renversagen. Mehr als jede zweite Dialysema-
                                                                                                  schine weltweit wurde am bayerischen Fresenius-
                                                                                                  Standort Schweinfurt entwickelt und gefertigt.
                                                                                                  Basierend auf diesem Geschäftsfeld hat sich
                                                                                                  Fresenius in den vergangenen Jahren weitere
                                                                                                  Unternehmensbereiche erschlossen und vereint
                                                                                                  heute nicht nur die Entwicklung und Produktion
                                                                                                  von Medizinprodukten und Arzneimitteln, son-
                                                                                                  dern auch die Patientenversorgung mit eigenen
                                                                                                  Krankenhäusern und Spezialkliniken in einem
                                                                                                  integrierten Gesundheitskonzern. Auf dem Weg,
                                                                                                  die bestmögliche Gesundheitsversorgung im Rah-
Der Pharma- und Medizintechnik-Standort Bayern ist im globalen Umfeld hervorragend aufgestellt.
Fotos: © Archiv, Ioana Drutu
                                                                                                  men begrenzter Budgets zu ermöglichen, erweist
                                                                                                  sich die zunehmende Integration verschiedener
                                    sondere die Darstellung von Weichteilgewebe                   Bereiche aus Medizintechnik und Pharma, Diag-
                                    wie Gehirn oder innere Organe. Aktuell gewinnt                nostik und Therapie als gemeinsame Strategie
                                    die MRT in der Hybridbildgebung, als Kombi-                   insbesondere der großen Konzerne. Eine wichti-
                                    nation aus MRT und der Positronen-Emissions-                  ge Rolle spielt dabei auch die Kooperation mit
                                    Tomografie (PET), zunehmend an Bedeutung.                     verschiedenen Lösungsanbietern aus dem Be-
                                    Durch die simultane Messung von Morphologie                   reich moderner Kommunikationstechnologie.
                                    und Funktion auf der einen und Metabolismus
                                    auf der anderen Seite sind erhebliche Fortschritte            Fazit
                                    bei der klinischen Diagnostik möglich, ebenso bei             Der Pharma- und Medizintechnik-Standort Bayern
                                    der Entwicklung neuer Biomarker in der persona-               ist im globalen Umfeld hervorragend aufgestellt
                                    lisierten Medizin. Auch hier sind extreme tech-               und hat umfangreiches Potenzial, diese interna-
                                    nische Anstrengungen nötig, um PET-Detektoren                 tionale Spitzenstellung zu festigen und weiter
                                    innerhalb starker Magnetfelder einsetzbar zu                  auszubauen. Dementsprechend schätzt eine
                                    machen. Neben der kontinuierlichen Weiter-                    große Mehrheit der Unternehmen die Zukunfts-
                                    entwicklung ihrer diagnostischer Systeme und                  aussichten positiv ein – basierend auf Chancen
                                    Geräte verfolgt Siemens Healthcare mit der                    durch neue Märkte, demografische Entwicklung,
                                    Zusammenführung von Patientendaten aus                        hohen Innovationsgrad und den ausgezeichneten
                                    bildgebenden und labordiagnostischen Verfahren                Ruf von Gesundheitsprodukten „Made in Bavaria“.
                                    über hauseigene IT-Systeme eine langfristige
                                    Zukunftsstrategie. Als Ergebnis erhofft man sich                                                  Ilja Hagen
                                                                                                                                                         Invest in Bavaria
                                                                                                                                                    17
Biotech in Bayern



                         „Die Bereitschaft Unternehmen zu
                         gründen, verbreitet sich wie ein Virus“
                         Interview mit Prof. Dr. Axel Ullrich, Direktor Forschungsgruppe Molekularbiologie,
                         Max-Planck-Institut für Biochemie (MPIB)


                                                                Herr Professor Ullrich, können Sie das MPIB                     und war entscheidend an der Etablierung mo-
                                                                mit seinen Forschungsschwerpunkten kurz                         lekularbiologischer Methoden beteiligt. Und
                                                                vorstellen?                                                     vermutlich hat auch meine Vergangenheit
                                                                Wir sind Teil einer der erfolgreichsten Forschungs-             beim ersten Biotech-Unternehmen der Welt,
                                                                organisationen Deutschlands, der Max-Planck-                    Genentech, geholfen. Ich denke, dass mir
                                                                Gesellschaft. Bei uns tragen derzeit acht Abtei-                dadurch eine gewisse Vorbildfunktion zuge-
                                                                lungen und über 30 Forschungsgruppen zu den                     sprochen wurde, die andere inspiriert hat.
                                                                neuesten Erkenntnissen in den Bereichen Bioche-                 Übrigens hat die Max-Planck-Gesellschaft
                                                                mie, Zellbiologie, Strukturbiologie, Biophysik und              auch das Gelände, auf dem das Innovations-
                                                                Molekularwissenschaft bei. Die klassischen For-                 und Gründungszentrum Martinsried steht,
                               Prof. Dr. Axel Ullrich ist
                         Direktor der Forschungsgruppe          schungsbereiche unseres Instituts entwickeln                    zur Verfügung gestellt.
                          Molekularbiologie am MPIB             sich dabei zunehmend in Richtung Struktur- und
                         und Biotechnologie-Entrepre-           Systembiologie, Genetik und neue Bildgebungs-                   Sie haben in Martinsried drei Unterneh-
                               neur der ersten Stunde.
                                                                methoden – auch die Bioinformatik spielt eine                   men mitgegründet, unter anderem auch
                                                                große Rolle. Die biomedizinische Grundlagen-                    die Kinaxo GmbH, die kürzlich an Evotec
                                                                forschung ist ein weiterer wichtiger Aspekt, denn               verkauft wurde. Wie würden Sie das
                                                                Störungen der zellulären Signalübertragung oder                 Gründungsumfeld in Bayern bewerten?
                                                                fehlerhafte Proteinstrukturen können Krankheiten                Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass
                                                                wie zum Beispiel Krebs, Diabetes oder Alzheimer                 sich unter Wissenschaftlern die Bereitschaft
                                                                zur Folge haben. Somit hilft die Arbeit unserer                 zu Unternehmensgründungen wie ein Virus
                                                                Wissenschaftler auch, die Entstehung dieser                     verbreitet. Das ist unglaublich spannend zu
                                                                Krankheiten besser zu verstehen, und bildet eine                beobachten. Großen Anteil daran hat Prof. Dom-
                                                                                       Basis für neue Therapie-                 dey, der für den Raum München und Bayern als
                                                                                       strategien.                              Promotor und Katalysator agiert. Das Umfeld für
                                                                                                                                Unternehmensgründungen ist sehr gut. Akademi-
                                                                                                  Welchen Stellenwert           sche und außeruniversitäre Forschungseinrich-
                                                                                                  hat das MPIB für die          tungen, Gründerzentren und Universitätskliniken
                                                                                                  deutsche Biotechnolo-         befinden sich in unmittelbarer Nähe zueinander
                                                                                                  giebranche?                   und stehen in regelmäßigem Kontakt. Ich selbst
                                                                                                  Ich denke einen bedeu-        habe auch vor Kurzem wieder ein Unternehmen
                                                                                                  tenden. Einige Köpfe des      mitgegründet und denke zudem über ein weiteres
                                                                                                  MPIB waren zentral an der     Engagement nach.
                                                                                                  Entstehung der Branche
                                                                                                  beteiligt. Prof. Peter Hof-   Sie sind durch Ihre beruflichen Aktivitäten
                                                                                                  schneider zum Beispiel        häufig im Ausland unterwegs. Welche
                                                                                                  war schon in den siebziger    Stärken des Standorts Bayern sehen Sie
                                                                                                  Jahren auf europäischer       im internationalen Vergleich?
                                                                                                  Ebene einer der ersten        Eine der großen Stärken des Wirtschaftsstand-
                                                                                                  Gründer im Bereich Bio-       orts Bayern ist die politische Unterstützung.
                                                                                                  technologie. Prof. Horst      Wenn Akteure aus Politik wirtschaftliches Po-
                                                                                                  Domdey, der wesentlich        tenzial erkennen, arbeiten sie konsequent daran,
                                                                                                  am Aufbau des Biotechno-      dieses Potenzial auch auszuschöpfen. Mich per-
                                                                                                  logie-Standorts Bayern        sönlich hat deshalb nicht überrascht, dass die
                                                                                                  beteiligt war und heute       deutsche Biotechnologie gerade in Bayern ge-
                                                                                                  die BioM Biotech Cluster      startet ist.
                              Die Max-Planck-Institute für Biochemie und Neurobiologie
                                             haben ihren Sitz in München/Martinsried.             Development GmbH leitet,
                                                     Fotos: © Max-Planck-Institut für Biochemie   hatte ein Labor am MPIB                    Das Interview führte Martin Bellof.
Invest in Bavaria
                    18
Biotech in Bayern



Fit für die Medizin der Zukunft
Schwerpunkt „personalisierte Medizin“
in München

                                     Dem gewaltigen medizinischen Fortschritt zum                              geforderten hohen Wirksamkeits- und Sicher-
                                     Trotz ist die Wirksamkeit vieler Medikamente                              heitshürden überhaupt realisieren.
                                     stark begrenzt. Selbst bei den gängigsten Medi-
                                     kamenten, z.B. gegen Bluthochdruck, bleibt die                            Impulsgeber für die ganze Region
                                     gewünschte Wirkung bei mehr als einem Drittel                             Im Münchner Spitzencluster m4 arbeiten mehr als
                                     der Patienten aus. Der Grund hierfür liegt in den                         100 Biotech-Unternehmen und akademische Grup-
                                     unterschiedlichen biologischen Krankheitsursachen                         pen an 40 vom BMBF geförderten Forschungs- und
                                     und in der Vielfalt der medizinisch relevanten Ver-                       Entwicklungsprojekten. „Die Projekte haben sich als
                                     anlagungen und Lebensumstände jedes Menschen.                             Impulsgeber für die ganze Region herausgestellt
                                     Diese vielfältigen individuellen Faktoren entschei-                       und schärfen Münchens Profil als Top-Standort für
                                     den darüber, ob ein Medikament anschlägt, über-                           innovative Medikamentenentwicklung“, freut sich
                                     haupt keine Wirkung zeigt – oder sogar nur uner-                          Prof. Domdey. „Zusätzlich werden mit übergreifen-
                                     wünschte Nebenwirkungen auslöst.                                          den Infrastrukturprojekten die Rahmenbedingun-
                                                                                                               gen verbessert.“
                                             Münchner Spitzencluster m4
                                             Der Münchner Spitzencluster m4 hat es sich zur                    m4 Biobank Alliance
                                             Aufgabe gemacht, mit Hilfe der personalisierten                   Um neue Biomarker zu entdecken und ihre medizi-
                                             Medizin wirksamere und sichere Medikamente                        nische Relevanz statistisch nachzuweisen, werden
                                             für schwerwiegende Krankheiten wie Krebs, Herz-                   menschliche Bioproben benötigt, insbesondere Ge-
                                             Kreislauf- oder Autoimmunerkrankungen zu ent-                     webe, z.B. Tumorbiopsien, die mit den klinischen Da-
                                             wickeln. Die personalisierte Medizin verfolgt die                 ten des anonymen Spenders verknüpft sind. In der
                                             Strategie, dass durch eine tiefergehende moleku-                  m4 Biobank Alliance haben sich die Technische Uni-
                                             lare Diagnostik schon vor der Medikamentengabe                    versität, die Ludwig-Maximilians-Universität und das
                                             herausgefunden wird, für welchen Patienten wel-                   Helmholtz Zentrum München zusammengeschlos-
                                             cher Wirkstoff am besten geeignet ist. Mit einem                  sen, um ihre Biobank-Ressourcen effektiver zu nutzen.
                                             Begleitdiagnostikum, das sogenannte Biomar-                       Wissenschaftler sowie die forschende Pharma- und
                                             ker testet, werden die Patienten in bestimmte                     Biotechindustrie profitieren von den gemeinsamen
                                             Krankheits-Untergruppen eingeteilt („stratifiziert“).             Qualitätsstandards und einem zentralen Zugang.
                                             Jede Gruppe wird dann mit einer spezifischen
                                                                                  Therapie behandelt, so-      m4 Trial Service Center
Funktionsprinzip                                                                  fern diese verfügbar ist:    Biomarker bieten neue Herausforderungen, aber
personalisierte Medizin                                                           Derzeit stehen in Deutsch-   auch neue Chancen bei der Durchführung klinischer
Quelle: m – Personalized Medicine in Munich, Bio Biotech Cluster Development GmbH
       4                               M
                                                                                  land erst 26 „personali-     Studien: Einerseits wird die Studie komplexer,
                                                                                  sierte“ Therapieoptionen     andererseits können Biomarker bei der Stratifi-
                                                                                  zur Verfügung, davon der     zierung von Patienten helfen und somit Aussagen
                                                                                  Großteil in der Onkologie.   zulassen, welche Patientengruppen besonders
                                                                                  „Doch der Trend in der in-   von einer Therapie profitieren. Das Design solcher
             Biomarker-basierte Diagnostik                                        ternationalen Pharmain-      Biomarker-getriebenen klinischen Studien steht
                                                                                  dustrie geht klar in Rich-   im Fokus des m4 Trial Service Centers. Hier erhal-
                                                                                  tung Personalisierung“,      ten Unternehmen Beratung und Expertise bei Fra-
                                                                                  sagt Professor Domdey,       gestellungen rund um das Thema Biomarker – vom
                                                                                  Sprecher des Spitzen-        Studiendesign bis zur Zulassung. Mit diesen und
                  Personalisierte Medizin                                         clusters m4. Nur mit         weiteren Projekten, z.B. zur Weiterbildung und
                                                                                  einer genau definierten      zum Technologietransfer, wird der Standort Mün-
                                                                                  Patientengruppe ließen       chen fit gemacht für die Medizin der Zukunft.
                                                                                  sich die heutzutage von
                                                                                  den Zulassungsbehörden                 Dr. Georg Kääb und Dr. Almut Graebsch
                                                                                                                                                                        Invest in Bavaria
                                                                                                                                                                   19
Biotech in Bayern



                         Land der Biotech-Pioniere
                         Innovation in Bayern kommt von kleinen und
                         mittleren Unternehmen

                         Bayern hat sich dank einer Vielzahl kleiner und     Für diese Entwicklung gibt es gute Gründe. Einer
                         mittlerer Unternehmen in einem von Gründer-         davon ist die exzellente wissenschaftliche Infra-
                         geist geprägten Umfeld zu einem herausragen-        struktur mit ihren renommierten Forschungsins-
                         den Standort für die Biotechnologie in Deutsch-     tituten und Hochschulen. Die Universitäten in
                         land entwickelt.                                    München, Regensburg und Würzburg gehören
                                                                             dazu ebenso wie die Max-Planck-Institute und
                         Exzellente Innovationskultur                        das Helmholtz Zentrum München. Der intensive
                         Kreativität wird in Bayern groß geschrieben.        Austausch zwischen Wissenschaft und Unterneh-
                         Seit mehr als zwei Jahrzehnten treiben junge        men, den das bayerische Wirtschaftsministerium
                         innovative Unternehmen – häufig entstanden          fördert und zu dem nicht zuletzt auch die Nieder-
                         als Ausgründungen wissenschaftlicher Einrich-       lassungen namhafter Pharmakonzerne ein Gutteil
                         tungen – vor allem im Bereich der roten Biotech-    beitragen, wird vorangetrieben durch regionale
                         nologie eine Entwicklung voran, die sich in         Cluster und landesweite Netzwerke. Die daraus
                         beeindruckenden Zahlen manifestiert. Die insge-     resultierende Innovationskultur hat Bayern nicht
                         samt 166 Unternehmen stehen heute für mehr als      nur zur Keimzelle, sondern auch zu einem Motor
                         30 Prozent aller kleinen und mittleren Biotech-     der Biotechnologie in Deutschland gemacht. Das
                         Unternehmen in Deutschland und sie ziehen           belegen die mehr als 80 in die klinische Erpro-
                         immer wieder auch die Aufmerksamkeit von            bung fortgeschrittenen Therapiekandidaten und
                         Investoren auf sich. So ist im Jahr 2011 fast die   eine Fülle präklinischer Studien. Die vielen klei-
                         Hälfte des bundesweit für die Biotechnologie        nen und mittleren Unternehmen sind aber auch
                         bereitgestellten Venture Capitals nach Bayern       zunehmend in der Lage, Geld zu verdienen. In der
                         geflossen. Im gleichen Jahr war das Bundes-         Zeit von 2008 bis 2011 haben sie ihre Umsätze um
                         land die einzige Region, in der sich internatio-    30 Prozent auf über 510 Mio. EUR gesteigert, wäh-
                         nale Firmen des Sektors neu angesiedelt haben.      rend gleichzeitig die Zahl der Beschäftigten von



                     Die Produkt-Pipelines von 4SC, Antisense Pharma, Morphosys und Wilex
                     Quelle: eigene Recherche




                          Klinische Phase III


                          Klinische Phase II


                           Klinische Phase I


                         Präklinische Phase


                                  Forschung

                                                0       5            10           15           20               25         30

                                                     4SC              Antisense Pharma              Morphosys           Wilex


Invest in Bavaria
                    20
Biotech in Bayern




                           rund 3.400 auf über 4.000 Mitarbeiter gewach-        weit bedeutendsten Pharmaunternehmen hat
                           sen ist. Einnahmen aus Partnerschaften und Li-       Morphosys eine mehr als 70 Medikamenten-
                           zenzverträgen mit großen Pharma- und Biotech-        kandidaten umfassende Pipeline aufgebaut –
                           Konzernen tragen zur Umsatzgenerierung eben-         unter anderem zur Behandlung von Krebs,
                           so bei wie Erlöse aus der Bereitstellung von Know-   Rheumatoider Arthritis und Alzheimer. Die
                           how und Serviceleistungen auf Basis der eigen-       Partnerschaften und die Vermarktung der fir-
                           ständig entwickelten Technologieplattformen.         meneigenen Technologien ermöglichen es
                                                                                heute, die eigenen Forschungsaktivitäten voll-
                           Auch kommerziell erfolgreich                         ständig selbst zu finanzieren und stabile opera-
                           Eines der Flaggschiffe des Standorts ist der vor     tive Gewinne zu erzielen. Ein wichtiges Funda-
                           zwei Jahrzehnten gegründete Antikörper-Spe-          ment für diese Entwicklung ist die über Jahre
                           zialist Morphosys AG in München. Dem Unter-          hinweg aufgebaute Humane Kombinatorische
                           nehmen gelang 1999 als erster deutscher Bio-         Antikörperbibliothek (HuCAL). Als eines der vie-
                           tech-Firma der Sprung an die Börse. Es verfügt       len Highlights in der Firmengeschichte meldete
                           über führende Technologien, die sowohl für           Morphosys im Frühjahr 2012 die erstmalige Wei-
                           Forschungszwecke wie auch in der Diagnostik          terentwicklung eines HuCAL-Antikörpers zur
                           und bei der Herstellung von Medikamenten zum         Behandlung von Alzheimer-Patienten in eine
                           Einsatz kommen. Über Allianzen mit den welt-         zulassungsrelevante Studie.




„Das IZB wird weiter wachsen“
Interview mit Dr. Peter Hanns Zobel, Geschäftsführer, IZB GmbH


Herr Dr. Zobel, können Sie kurz das IZB              Welche Erfolgsgeschichten haben ihren
vorstellen?                                          Ursprung im IZB?
Das IZB wurde bereits 1995 ins Leben gerufen. Ziel   Seit Gründung haben ca. 50 Unternehmen das
ist es, Gründern von Biotechnologie-Start-ups die    IZB verlassen. Die meisten sind noch heute er-
benötigte Gebäudeinfrastruktur zu liefern. Dazu      folgreich. In diesen Tagen stechen zwei Unter-
bieten wir Labor- und Büroräume zu flexiblen         nehmen mit Ursprung in Martinsried besonders
Mietverträgen an. Seit seiner Gründung ist das       hervor. Einerseits Micromet, die von Amgen für
IZB stark gewachsen. Auf einer Gesamtfläche          1,2 Mrd. USD übernommen wurde, und anderer-
von mehr als 23.000 m² an den Standorten Mar-        seits Corimmun, für die Johnson & Johnson, ein
tinsried und Freising-Weihenstephan beherbergen      amerikanischer Pharmariese, 100 Mio. USD
                                                                                                           Dr. Peter Hanns Zobel ist
wir derzeit knapp 60 Unternehmen. Über die In-       bezahlt hat. Bei Erreichung entsprechender            Geschäftsführer des Innova-
frastruktur hinaus vermitteln wir auch Kontakte      Meilensteine kann sich diese Summe sogar              tions- und Gründerzentrums
unseres weitläufigen Netzwerks an Wissenschaft-      mehr als verdoppeln.                                  Biotechnologie (IZB) Martins-
                                                                                                           ried und Freising.
lern, Unternehmern und Geldgebern und enga-
gieren uns für unsere Mieter bei Messen und          Wo stellen Sie sich das IZB in zehn
Veranstaltungen.                                     Jahren vor?
                                                     Bis 2022 wird unser Campus weiter wachsen und
Wann verlassen Ihre Mieter das IZB?                  sich zum besten Biotech-Standort Europas ent-
In der Regel planen wir mit einem Zeitraum           wickeln. Der dann erfolgte U-Bahn-Anschluss
von ca. fünf bis sieben Jahren. Dann haben die       sowie ein Boardinghouse verbessern die Infra-
Unternehmen meist eine Größe erreicht, die den       struktur unseres Campus weiter. Der „Faculty
Rahmen des IZB sprengen würde. Da auf dem            Club“ in unserem Boardinghouse intensiviert
gewerblichen Immobilienmarkt jedoch                  den Austausch im Campus-Netzwerk und macht
Laborflächen dünn gesät sind, beherbergen wir        ihn noch fruchtbarer. Außerdem rechne ich fest
im Einzelfall Unternehmen auch darüber               damit, dass es bis dahin auch den ersten Bio-
hinaus.                                              tech-Blockbuster aus Martinsried geben wird.
                                                                                                                                                Invest in Bavaria
                                                                                                                                           21
Biotech in Bayern




                         Wachstumsorientierte Strategien
                         Auch viele andere Gründer der ersten Stunde
                         haben ihre Geschäftsmodelle im Laufe der Jahre
                         erweitert und zukunftsträchtige Wachstumsstra-
                         tegien entwickelt. Die im Bereich der Erkennung
                         und gezielten Behandlung verschiedener Krebs-
                         arten forschende Wilex AG etwa, die aus einer
                         klinischen Forschergruppe an der TU München
                         hervorgegangen ist, erzielt heute ebenfalls bereits
                         steigende Millionenumsätze. Zu den am wei-
                         testen fortgeschrittenen Kandidaten des Pro-
                         duktportfolios gehört mit Redactane ein bildge-
                         bendes Diagnostikum, mit dem sich gutartige
                         von bösartigen Nierentumoren besser unter-
                         scheiden lassen. Wilex hat sein Leistungsspek-                                                                       Die Gründung von Morphosys liegt nun schon zwei Jahrzehnte zurück.
                                                                                                                                             Heute zählt der Antikörper-Spezialist zu den Flaggschiffen der Branche.
                         trum aber auch gezielt durch Zukäufe erweitert
                                                                                                                                                                                                Foto: © Morphosys AG
                         und bietet Dienstleistungen rund um die präkli-
                         nische Auftragsforschung an. Ein Großteil der
                         bereits erzielten Umsätze stammt aus US-Li-                                   risikos bei gleichzeitiger Nutzung von Synergien
                         zenzvereinbarungen für den auf die Verhinde-                                  realisieren lässt. Eines dieser Unternehmen ist
                         rung von Metastasen in der Niere abzielenden                                  die im IZB Martinsried ansässige 4SC AG, die
                         Produktkandidaten Rencarex. Vom Vertrauen                                     eine breite Pipeline für Medikamente zur Behand-
                         der Anleger in das ebenfalls an der Börse no-                                 lung von Krebs- und Autoimmunerkrankungen
                         tierte Unternehmen zeugte erst jüngst wieder                                  geschaffen hat. Darauf aufbauend fließen nun
                         eine erfolgreich durchgeführte Kapitalerhöhung.                               kontinuierlich wachsende Einnahmen. 4SC
                                                                                                       schließt zu diesem Zweck ab einer bestimmten
                         Effiziente Nutzung finanzieller Ressourcen                                    Phase der Medikamentenentwicklung Lizenzver-
                         Bayerische Biotech-Unternehmen machen zudem                                   träge mit Partnern aus der Pharma- und Biotech-
                         immer wieder vor, dass sich über eine Vielzahl von                            industrie, um mit diesen gemeinsam dann die
                         Projekten eine breite Streuung des Entwicklungs-                              finale klinische Phase sowie die Markteinfüh-




                     Die Eigentümerstruktur von 4SC, Antisense Pharma, Morphosys und Wilex
                     Quelle: eigene Recherche


                     Unternehmen                        Auswahl bedeutender Investoren                                                                             Börsennotiert Streubesitz*

                     4SC**                              Santo Holding (48,1 %), FCP (9,91 %), DVCG/VCG (6,13 %),                                                             ja                  24,50 %
                                                        Heidelberg Capital (5,86 %)

                     Antisense Pharma*** MIG Verwaltungs AG, S-Refit, gcf - Global Chance Fund,                                                                            nein                       –
                                         GAF – Global Asset Fund, kfw Mittelstandsbank, Bayern Kapital

                     Morphosys                          Novartis Pharma (ca. 7 %), Astra Zeneca (ca. 5 %)                                                                    ja                  ca. 88 %


                     Wilex                              dievini Hopp Bio Tech Holding (31,16 %), Verwaltungsgesellschaft des                                                 ja                  30,81 %
                                                        Golf Club St. Leon-Rot (12,85 %), UCB (15,71 %), TVM Capital Fonds
                                                        (4,5 %), Merlin Fonds (3,44 %)
                     *Streubesitz nach Definition der Deutschen Börse ** nach Schätzung des Managements *** keine Prozentangaben verfügbar
Invest in Bavaria
                    22
Biotech in Bayern




                                   rung zu bestreiten. Ein Beispiel dafür ist der mit   angestrebten Meilensteine für eine Vielzahl von
                                   dem japanischen Partner Yakult Honsha 2011 ge-       Indikationen schneller zu erreichen. Das verringert
                                   schlossene Lizenzvertrag zur Kommerzialisierung      das unternehmerische Risiko und erhöht gleichzei-
                                   des Krebsmedikaments Resminostat, in dem Erlö-       tig die Chancen auf erfolgreiche Partnerschaften
                                   se aus Vorabzahlungen, Meilensteinzahlungen          und lukrative Lizenzverträge.
                                   und späteren Umsatzbeteiligungen vereinbart
                                   wurden. Über die Tochtergesellschaft 4SC Dis-        Im Visier internationaler Konzerne
                                   covery GmbH vermarktet das Unternehmen zudem         Die Innovationskraft der Biotech-Unternehmen
                                   sein Know-how als Dienstleister für die Phar-        weckt jedoch längst nicht mehr nur das Interesse
                                   maindustrie. Auch 4SC konnte sich über eine          von Kooperationspartnern. Die internationale
                                   Kapitalerhöhung erst kürzlich wieder zusätzliche     Pharmaindustrie ist zunehmend auch bereit, die
                                   Finanzierungsmittel sichern.                         in Bayern gewachsenen Ideen durch den Kauf
                                                                                        ganzer Unternehmen zu erwerben. Ein heraus-
                                   Attraktiv für Risikokapital                          ragendes Beispiel dafür ist die Übernahme der
                                   Mit der Hilfe von Venture Capital und privaten In-   in Martinsried beheimateten Corimmun GmbH
                                   vestoren entwickelt die im Regensburger BioPark      durch die Janssen-Cilag GmbH, ein Tochterunter-
                                   ansässige Antisense Pharma GmbH innovative           nehmen des Pharmariesen Johnson & Johnson.
                                   Medikamente gegen aggressive Tumorerkran-            Obwohl sich die Projekte des erst im Jahr 2006
                                   kungen. Sie setzt dabei auf das immense Poten-       gegründeten Biotech-Start-ups zur Behandlung
                                   zial des Wirkstoffs Trabersen, der das menschli-     von Herzinsuffizienz noch in einer frühen Phase
                                   che Immunsystem bei der Bekämpfung von Tu-           der Erprobung befinden, ließ sich der Pharma-
                                   moren unterstützen und gleichzeitig die Ausbrei-     gigant die vollständige Übernahme im Sommer
                                   tung der Krebszellen hemmen kann. Das im Jahr        2012 nach Medienschätzungen rund 100 Mio. USD
                                   1998 gegründete Unternehmen wurde bereits            kosten. Das ist kein Einzelfall. Bereits vier Jahre
                                   mit dem Deutschen Gründerpreis sowie dem             vorher war der zweitgrößte japanische Pharma-
                                   Bayerischen Innovationspreis ausgezeichnet und       konzern Daiichi Sankyo bereit, für den Kauf der
                                   hat bis heute mehr als 90 Mio. EUR an Venture        U3 Pharma AG ansehnliche 150 Mio. EUR zu
                                   Capital eingesammelt. Für die Risikokapitalgeber     bezahlen. Dem auf die Erforschung von mono-
                                   ist es ein interessantes Investment. Denn Anti-      klonalen Antikörpern spezialisierten Unterneh-
                                   sense Pharma konzentriert sich gezielt auf prä-      men, dessen Gründung auf Forschungsergebnis-
                                   klinische und frühe klinische Studien, um die        sen des Max-Planck-Instituts für Biochemie in
                                                                                        Martinsried basiert, ermöglichte die Übernahme
                                                                                        die Weiterentwicklung aussichtsreicher Krebs-
                                                                                        therapeutika.

                                                                                        Optimistisch in die Zukunft
                                                                                        Das Interesse internationaler Konzerne an
                                                                                        Biotech in Bavaria wirft ein Schlaglicht auf
                                                                                        das, was die vielen kleineren und mittleren
                                                                                        Unternehmen an Kreativität und Umsetzungs-
                                                                                        fähigkeit zu bieten haben. Sie werden mit ihrer
                                                                                        Innovationskraft in einem außergewöhnlichen
                                                                                        Umfeld auch in Zukunft die Aufmerksamkeit
                                                                                        von Investoren aus aller Welt auf sich ziehen.
                                                                                        Jüngstes Beispiel dafür ist die gerade neu
                                                                                        eingerichtete Niederlassung des US-amerika-
                                                                                        nischen Wagniskapitalspezialisten MPM Ca-
                                                                                        pital in München. Der Life-Science-Investor
                                                                                        will von der Isarmetropole aus nach geeigneten
Die aus einer klinischen Forschergruppe an der TU München
                                                                                        Investmentgelegenheiten in Europa Ausschau
hervorgegangene Wilex AG erzielt heute steigende Millionenumsätze.                      halten.
Foto: © Wilex AG
                                                                                                                                                   Invest in Bavaria
                                                                                                                        Norbert Hofmann
                                                                                                                                              23
Biotech in Bayern



                         „Wichtig ist, dass Geschäftsmodelle
                         skalierbar sind“

                         Interview mit Helmut Jeggle, Athos Service GmbH,
                         und Michael Motschmann, MIG Verwaltungs AG

                                                         Die Athos Service GmbH der Hexal-Grün-                gung, der Affiris in Wien, unser Portfolio erwei-
                                                         der Strüngmann und die MIG Fonds zählen               tert. Die Herausforderung für uns ist, dieses
                                                         zu den wichtigsten Risikokapitalgebern in             Portfolio mit den notwendigen Ressourcen und
                                                         der deutschen Biotech-Branche. An wie                 Hilfestellungen optimal zu betreuen. Zuneh-
                                                         vielen Firmen aus dem Life-Sciences-                  mend beschäftigen wir uns bei fortgeschritte-
                                                         Bereich sind Sie derzeit beteiligt, und               nen Projekten der Phase II mit deren Verpartne-
                                                         welche Summe haben Sie bisher inves-                  rung.
                                                         tiert? Wie werden Sie Ihr Engagement                  Motschmann: Weil wir regelmäßig aus neuen
                                                         weiter ausbauen?                                      Fonds investieren, suchen wir ständig neue
                         Michael Motschmann verant-
                                                         Jeggle: Im Moment sind wir an zwölf Life-             Investitionsmöglichkeiten. Diese können aber
                           wortet den Bereich Beteili-   Science-Unternehmen beteiligt und haben in            durchaus aus dem Portfolio eines anderen MIG
                         gungen im Vorstand der MIG      Summe knapp über 700 Mio. EUR investiert              Fonds kommen: Die Unternehmen entwickeln
                                    Verwaltungs AG.
                                                         bzw. zugesagt. Aktuell kümmern wir uns ver-           sich in der Regel schnell weiter. Ein Portfolio-
                                                         stärkt um die Unternehmensentwicklung der             unternehmen eines „alten“ Fonds ist heute
                                                         reiferen Portfoliofirmen und schauen uns nur          möglicherweise ein ganz anderes als zum
                                                         noch opportunistisch nach neuen Beteiligungs-         Zeitpunkt der Erstinvestition, nicht nur im
                                                         möglichkeiten um.                                     Reifegrad, sondern auch im verbleibenden
                                                         Motschmann: Die MIG Fonds haben bislang rund          Risiko, in der Resthaltedauer und natürlich in
                                                         225 Mio. EUR in 18 Life-Sciences-Unternehmen          der Renditeerwartung. Was die zugrunde lie-
                                                         investiert. In unserer Beteiligungspipeline finden    genden Technologien und Branchen betrifft,
                                                         sich immer attraktive Life-Science-Investitionen,     sind wir ziemlich opportunistisch. Wichtig ist,
                                                         die allerdings mit Beteiligungsmöglichkeiten aus      dass die Geschäftsmodelle skalierbar sind,
                                                         anderen Branchen konkurrieren.                        eine im Idealfall globale Dimension haben
                                                                                                               und langfristige Bedürfnisse befriedigen wie
                            Helmut Jeggle betreut die     Welche Investitionsstrategie verfolgen               bei den Themen Gesundheit, Ressourcen und
                             Investitionen im Bereich     Sie? An welchen Unternehmen sind Sie                 Mobilität.
                            Biotech der Athos Service
                             GmbH, der Beteiligungs-      interessiert?
                               gesellschaft der Brüder    Jeggle: Als Family Office denken wir eher in Ge-     Wie bewerten Sie aus Investorensicht
                                         Strüngmann.      nerationen. Somit ist es für uns wichtig, Partner    Bayern als Biotech- und Medtech-
                                                                                   zu identifizieren, die zu   Standort?
                     Beteiligung von Investorentypen an uns passen und bereit                                  Motschmann: Für uns ist der Standort Bayern
                                                                                   sind, mit uns neue          sehr attraktiv, das spiegelt sich auch in unserem
                     Finanzierungsrunden                                           Wege zu gehen.              Portfolio wider. Derzeit sind wir an einigen Unter-
                     Quelle: Ernst & Young, 2012
                                                                                   In den letzten fünf Jah-    nehmen in den beiden Metropolregionen Mün-
                                     Venture Capital
                                       (Deutschland)                               ren haben wir ein an-       chen und Nürnberg-Erlangen beteiligt. Die beiden
                                     Venture Capital
                                                                                   spruchsvolles Portfolio     Clustermanagements leisten dort gute Arbeit,
                                             (Ausland)                             im Bereich der Biotech-     besonders in Bezug auf eine schnelle Integration
                              Corporate-Investoren                                 nologie aufgebaut.          von Start-ups. Das wiederum führt zu regem
                                                                                   Schwerpunkt hierbei         Austausch der Unternehmen untereinander und
                                  Private Investoren                               ist der Bereich der per-    ermöglicht Synergien. Dass in unmittelbarer
                                                                                   sonalisierten Medizin       Nähe der Cluster nicht nur hervorragende Grund-
                                       Family Offices
                                                                                   in der Onkologie. Aber      lagenwissenschaft stattfindet, sondern auch
                                             Fonds für                             auch andere Indikatio-      Großkonzerne ihren Sitz haben, erhöht die At-
                                        Privatanleger
                                                                                   nen wie z.B. zentrales      traktivität des Standorts sicherlich noch einmal
                       Sparkassen und staatliche
                                  Förderinstrumente                                Nervensystem haben          zusätzlich.
                                                                                   wir geprüft und mit un-
                                                 in % 0 10 20 30 40 50 60 70
                                                                                   serer jüngsten Beteili-               Das Interview führte Markus Hofelich.
Invest in Bavaria
                    24
Biotech in Bayern



„Seit 1998 flossen etwa 2 Mrd. EUR
in den Ausbau des Standorts“

Interview mit Claus Haberda, Site Manager, Roche Penzberg


Herr Haberda, wie kam es dazu, dass sich              Wirkstoffen zu verbessern. Das stärkt Penzberg als
Penzberg zum größten Biotech-Zentrum in               „Center of Excellence für Therapeutische Proteine“.
Europa und zu einem der bedeutendsten                 Große Investitionen werden im Roche-Konzern in
Biotech-Standorte der Roche-Gruppe welt-              der Regel aufgrund ihrer Notwendigkeit und zu-
weit entwickeln konnte?                               nächst unabhängig von einem Standort diskutiert.
Die Wiege der industriellen Biotechnologie stand      Penzberg muss sich um diese Investitionen immer
in Tutzing am Starnberger See. Das Unternehmen        neu bewerben und dabei mit hoher Produktivität
Boehringer Mannheim hatte sich dort nach dem          und überragender Innovationskraft überzeugen.
Zweiten Weltkrieg auf die Erforschung und Ent-
wicklung neuer biochemischer Methoden zur             Welche Rolle spielt personalisierte Medizin                     Claus Haberda ist Site Mana-
Diagnose von Krankheiten fokussiert. Ab 1972          heute und künftig für Roche? Welche beson-                      ger bei Roche in Penzberg.
entwickelte sich dieser Unternehmenszweig in          deren Stärken hat Roche und insbesondere
Penzberg weiter. Auf dem ehemaligen Bergwerk-         der Standort Penzberg auf diesem Gebiet?
gelände bot sich die ideale Fläche für den Aufbau     Wir sind davon überzeugt, dass in der personali-
notwendiger Produktionskapazitäten. Seitdem ist       sierten Medizin die Zukunft liegt. Genau aus die-
in den Standort Penzberg ständig investiert wor-      sem Grund ist sie auch ein Kernelement der Roche-
den – in Forschung, Entwicklung und Produktion        Strategie. In Penzberg arbeiten Wissenschaftler
von Medikamenten und Diagnostika. Das Wissen          aus den Bereichen Diagnostik und Pharma Hand
aus der Biochemie führte über die klassische zur      in Hand an neuen Therapien. Dies erzeugt Syner-
modernen Biotechnologie. Allein seit der Über-        gien, die an anderen Roche-Standorten so nicht
nahme durch Roche im Jahr 1998 flossen etwa           zu finden sind.
2 Mrd. EUR in den Ausbau des Standorts, der
heute tatsächlich eines der größten Biotechnolo-      Wie beurteilen Sie generell den
giezentren Europas ist. Ausschlaggebend für den       Biotech- und Pharmastandort
Erfolg sind das Know-how und die Begeisterung         Bayern?
der Mitarbeiter für ihre Arbeit, die Vernetzung der   Der bayerische Staat fördert mit Ini-
beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics       tiativen einerseits die Qualität der
im Sinne der personalisierten Medizin, die Ver-       Ausbildung (MINT-Initiative, Elite-
lässlichkeit bei der Durchführung von Projekten       Universitäten), andererseits aber
und nicht zuletzt die sehr gute Zusammenarbeit        auch die Vernetzung zwischen Wis-
mit Politik und Behörden.                             senschaft und Industrie (Spitzenclus-
                                                      ter, IZB Martinsried, Bayern Innovativ).
Roche baut den Biotech-Standort Penzberg              Die bayerische Politik hat gute Vo-
kontinuierlich weiter aus. 2011 investierte           raussetzungen für Hightech-Unter-
der Schweizer Pharmakonzern 158 Mio. EUR              nehmen geschaffen, so dass sich die
in Erforschung und Entwicklung therapeuti-            Biotech-Branche in Bayern heute auf
scher Proteine. Welche Ziele verfolgen Sie            Weltniveau bewegt. Wir müssen uns
damit? Welche weiteren Investitionen sind             jedoch weiterhin dafür einsetzen, dass
in Penzberg geplant?                                  insbesondere Forschung und Entwick-
Diese Investition ist von großer Bedeutung, da sie    lung in Deutschland attraktiv bleiben.
die Wertschöpfungskette von der frühen Erforschung    Aber auch die für die Pharma-Indus-
über die technische Entwicklung bis hin zur Produk-   trie belastenden Auswirkungen der
tion von biopharmazeutischen Wirkstoffen für den      Gesundheitsreform sollten im Sinne
Markt am Standort Penzberg vervollständigt. Ziel      der Erhaltung von Arbeitsplätzen dis-      Umfangreiche Investitionen durch Roche und die
                                                                                                 von der bayerischen Politik geschaffenen Rahmen-
war es, die Entwicklung der Herstellprozesse für      kutiert werden.                            bedingungen haben in Penzberg einen der größten
Proteinwirkstoffe sowie die Versorgung präklini-                                                 Biotech-Standorte Europas entstehen lassen.
scher und klinischer Studien mit biotechnologischen   Das Interview führte Markus Hofelich.      Foto: © Roche Penzberg
                                                                                                                                                          Invest in Bavaria
                                                                                                                                                     25
Biotech in Bayern



                         „Die Übernahme von Micromet war die
                         bedeutendste Investition von Amgen
                         außerhalb der USA“
                         Interview mit Richard Paulson, Geschäftsführer, Amgen GmbH in Deutschland


                                                            Herr Paulson, Ende Januar hat Amgen die                     neuer biotechnologisch hergestellter Arznei-
                                                            Übernahme von Micromet für 1,16 Mrd. USD                    mittel, die einen Zusatznutzen für Krebspa-
                                                            bekanntgegeben. Was macht das Unter-                        tienten bieten, die heute nur unzureichend bzw.
                                                            nehmen für Sie besonders interessant?                       nicht ursächlich („unmet medical need“) be-
                                                            Für Amgen stand schon immer die Entwicklung                 handelt werden können. Diese Plattform stellt
                                                            neuer innovativer Arzneimittel im Vordergrund.              einen ganz neuen Ansatz in der Behandlung
                                                            Wir haben Micromet – heute Amgen Research                   von Krebs dar. BiTE zielt darauf ab, die eigenen
                                                            (Munich) GmbH – wegen der hohen Qualität                    Abwehrkräfte eines Patienten, also sein Immun-
                                                            ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit ausgezeich-             system, zu mobilisieren und die T-Zellen des
                                 Richard Paulson ist
                                                            neten Wissenschaftlern und Mitarbeitern sowie               Körpers dazu zu bringen, Krebszellen zu er-
                                Geschäftsführer der         aufgrund der viel versprechenden Pipeline an                reichen, zu attackieren und so die Apoptose
                         Amgen GmbH in Deutschland.         Arzneimitteln zur Behandlung von Krebspatien-               (den programmierten Zelltod) der Krebszellen
                                                            ten im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium                und nur der Krebszellen auszulösen. Bei Erfolg
                                                            übernommen. Micromet hat bei der Entwicklung                wird dieser Ansatz zu Arzneimitteln führen, die
                                                            der BiTE (Bispezifischer T-Zell Engager)-Antikör-           sowohl überaus wirksam in der Bekämpfung
                                                            pertechnologie Pionierarbeit geleistet. Wir sind            von Tumoren als auch für den Patienten gut
                                                            überzeugt, dass die BiTE-Technologie zu den                 verträglich sind. Blinatumomab steht beispiel-
                                                            weltweit faszinierendsten Plattformen zählt.                haft für die BiTE-Antikörpertechnologie und
                                                            Durch diese Technologie und die damit gege-                 stellt eine überaus viel versprechende neue
                                                            benen zusätzlichen F&E-Möglichkeiten wird es                Therapie für Patienten mit akuter Lymphoblas-
                                                            uns möglich sein, neue wirksame und sichere                 tenleukämie (ALL) dar, die im Hinblick auf andere
                                                            Arzneimittel für Krebspatienten zu entwickeln.              Behandlungsalternativen austherapiert sind. In
                                                            Mit der Übernahme von Micromet, die bedeu-                  klinischen Studien konnte zudem bei Patienten
                                                            tendste Investition, die Amgen bisher in die-               mit Non-Hodgkin-Lymphom eine Wirkung nach-
                                                                                      sem Bereich außerhalb             gewiesen werden. Wir werden mit unserer be-
                                                                                      der USA getätigt hat,             stehenden Expertise das Blinatumomab-Pro-
                                                                                      intensivieren wir un-             gramm weiter vorantreiben. Weltweit besteht
                                                                                      ser Bestreben, unsere             dadurch die Möglichkeit, Millionen von schwer-
                                                                                      eigene Forschung mit              kranken Patienten zu helfen.
                                                                                      den F&E-Abteilungen
                                                                                      sowie den Wirkstoffen             Welche Bedeutung hat der deutsche
                                                                                      strategischer Partner             Markt generell für Amgen – sowohl als
                                                                                      rund um den Globus zu             Absatzmarkt als auch im Bereich F&E?
                                                                                      ergänzen.                         Deutschland ist für Amgen ein bedeutender
                                                                                                                        Standort. Wir sind außerhalb der USA der
                                                                                                Welche Potenziale       einzige Standort von Amgen mit eigenen for-
                                                                                                sehen Sie speziell      schenden Einrichtungen, in Regensburg und
                                                                                                in der neuen BiTE-      München. Die Übernahme von Micromet
                                                                                                Technologie von         zeigt unsere Wertschätzung der Qualität wis-
                                                                                                Micromet für            senschaftlicher und klinischer Entwicklung
                                                                                                Amgen?                  sowie das F&E-Potenzial in Deutschland. In
                                                                                                Die BiTE-Technologie    Deutschland laufen aktuell annähernd 100
                                                                                                bietet unserer Mei-     Studien in den verschiedensten Indikations-
                                                                                                nung nach eine neue     bereichen.
                           Deutschland ist für Amgen der einzige Standort außerhalb der USA
                         mit eigenen Forschungseinrichtungen – in Regensburg und München.       Plattform für die zu-
                                                              Foto: © Amgen GmbH, Deutschland   künftige Entwicklung             Das Interview führte Markus Hofelich.
Invest in Bavaria
                    26
Medtech in Bayern



„Ein Gewinn für beide Seiten, für
Wirtschaft und universitäre Forschung“

Interview mit Prof. Dr. Willi A. Kalender, Direktor Institut für Medizinische Physik
(IMP), Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg


Herr Professor Kalender, Sie leiten das Insti-       bayerischen Forschungsstiftung, die Förderung
tut für Medizinische Physik seit seiner Grün-        von Forschungsprojekten nur zusagt, wenn sich
dung 1995. Was zeichnet das Institut aus?            auch industrielle Partner engagieren und zur
Das entscheidende Merkmal des IMP ist ver-           Übernahme von mindestens 50 Prozent der Kos-
mutlich die enge Kooperation mit Industriepart-      ten verpflichten. Im Bereich Medizintechnik hat
nern in praktisch allen Forschungsprojekten.         sich das schon lange bewährt und wurde durch
Außerdem sind aus Aktivitäten unseres Insti-         die Etablierung des Medical Valley Clusters mit
tuts Forschungsverbünde auf bayerischer, na-         Förderung des Bundesministeriums für Bildung
tionaler, aber auch europäischer Ebene entstan-      und Forschung (BMBF) noch einmal verstärkt.
den, die mit hohen Summen gefördert werden.          Die Universität ist in sehr vielen der geförderten                                    Prof. Dr. Willi A. Kalender ist
Aus heutiger Sicht war die Entscheidung der          Projekte vertreten, ein Gewinn für beide Seiten,                                      Direktor des Instituts für Me-
Universität Erlangen-Nürnberg, das IMP zu grün-      für Wirtschaft und universitäre Forschung.                                            dizinische Physik der Friedrich-
                                                                                                                                           Alexander-Universität Erlan-
den, auch für mich persönlich ein Glücksfall. Denn                                                                                         gen-Nürnberg sowie Gründer
so konnte ich Forschungsthemen frei wählen,          Sie sind beruflich häufig in den USA un-                                              und Geschäftsführer der CT
jederzeit beliebige Kompetenzpartner ansprechen      terwegs. Welche Stärken des Standorts                                                 Imaging GmbH, Erlangen.

und Kooperationen mit der Industrie starten.         Bayern sehen Sie im internationalen Ver-
                                                     gleich?
Was sind die bahnbrechendsten For-                   Aus meiner Sicht stellt das Ausbildungsniveau
schungsergebnisse Ihres Instituts?                   eine besondere Stärke dar. In Bayern und allge-
Spontan möchte ich die Cardio-CT und Arbeiten        mein in Deutschland ist schon lange ein sehr
zur Dosisreduzierung in der CT nennen. Cardio-       gutes berufs- und praxisorientiertes Bildungs-
CT, also die nichtinvasive Untersuchung des          system etabliert. Das wird in internationalen
Herzens mit Computertomographie, basierte            Vergleichen leider kaum berücksichtigt. In der
auf der Spiral-CT-Technik, die ich noch während      Regel wird der Anteil der Universitätsabsolven-
meiner Zeit bei Siemens entwickelt und auch          ten erfasst, nicht aber die Qualität der Abschlüs-
bereits dort als Möglichkeit zur Herzbildgebung      se. Und auch die berufliche Ausbildung findet
aufgezeigt habe. Zu einer kompletten Implemen-       kaum Berücksichtigung. Unsere Fachkräfte –
tierung und klinischen Erprobung der Methode kam     Techniker, Feinmechaniker, Mechatroniker etc.–
es aber erst im universitären Umfeld in direk-       sind im internationalen Vergleich handwerklich
ter Kooperation mit Kardiologen und Radiologen.      und beruflich hervorragend ausgebildet.
Auch die in den späten 90er Jahren entwickelten
Konzepte zur Dosisreduzierung mit Röhrenstrom-                                Das Interview führte Martin Bellof.
modulation und Dosisautomatik basieren auf
Spiral-CT und wurden an der Universität Erlan-       Entwicklung der eingeworbenen Drittmittel des IMP
gen erstmals eingesetzt. Beide Verfahren sind        Quelle: IMP

inzwischen weltweit im Einsatz. Die Kooperation                  2,5
mit Siemens war in beiden Fällen entscheidend
                                                                            Volumen der eingeworbenen Forschungsmittel
und für alle Beteiligten ein großer Erfolg.                      2,0
                                                                            Beispiele für bedeutende Forschungsprojekte des IMP
                                                      Mio. EUR




Die Universität ist Teil des Medical Valley,                     1,5

in dem auch rund 180 dedizierte Medizin-
                                                                 1,0
technik-Unternehmen angesiedelt sind.                                                                                                        FP 7/Breast CT
                                                                                                                                           (Europäische Union)
Was zeichnet das Zusammenspiel zwi-                                                                                            FP 6/EU Dose
                                                                 0,5                                                        (Europäische Union)
schen Forschung und Wirtschaft aus?                                           FORBILD (Bay.       MEDBILD (Bay.                  orthoMiT            Forschergruppe
Das Klima in Bayern ist in dieser Beziehung schon                 0
                                                                       k.A.
                                                                            Forschungsstiftung) Forschungsstiftung)               (BMBF)              FOR661 (DFG)

lange sehr positiv, auch wegen der Vorgaben der                        1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
                                                                                                                                                                                   Invest in Bavaria
                                                                                                                                                                              27
Medtech in Bayern



                         Schrittmacher für die Gesundheit

                         Kleine und mittlere Unternehmen treiben
                         Fortschritt in der Medizintechnik voran

                         Ob Computertomografen oder hochsensitive               66 Mio. EUR und insgesamt 77 Investments zu
                         Messgeräte, ob Hightech-Implantate oder                den drei Sektoren, die das größte Interesse von
                         Laserapplikationen: Bayern hat in zahlreichen          Venture Capital auf sich zogen.
                         Schlüsseltechnologien der Medizintechnik eine
                         internationale Spitzenposition inne. Es sind vor       Pioniere und Marktführer
                         allem die mehr als 250 kleinen und mittleren           Die Medizintechnik in Bayern hat auch deshalb
                         Unternehmen, die diese Entwicklung immer               einen guten Ruf, weil sie in vielen Bereichen
                         wieder forcieren und die auch die bundesweite          bahnbrechende Erfolge vorweisen kann. Eine
                         Führungsrolle des Standorts untermauern.               dieser renommierten Pionierfirmen ist die Peter
                                                                                Brehm GmbH in Weisendorf. Das Unternehmen
                         Innovative Unternehmen in einem                        entwickelte Mitte der 1980er Jahre gemeinsam
                         exzellenten Umfeld                                     mit der unfallchirurgischen Abteilung der Fried-
                         Bayern steht für fast ein Drittel der medizintech-     rich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
                         nischen Produktion und sogar für über 60 Prozent       eine zementfreie Hüftprothese aus Titan. Noch
                         der elektromedizinischen Geräteproduktion in           im gleichen Jahrzehnt sorgte die Firma mit der
                         Deutschland. Mit ihren Innovationen sind die           künstlichen Nachbildung eines Kniegelenks für
                         Unternehmen bei einer Exportquote von etwa             Furore, und eine Dekade später folgte die erste
                         70 Prozent auch an den Weltmärkten erfolgreich         robotergerechte Hüftprothese. Zu Beginn dieses
                         und mit mehr als 30.000 Beschäftigten gleichzei-       Jahrtausends schließlich hat das Unternehmen mit
                         tig ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Trend zeigt   der klinischen Einführung des Brehm-Präzisions-
                         weiter nach oben. So sind allein im Medical Val-       Knie-Systems eine neue Qualitätsstufe in Sachen
                         ley der Metropolregion Nürnberg seit dem Jahr          Haltbarkeit künstlicher Gelenke geschaffen. Das
                         1998 rund hundert neue Firmen entstanden. Sie          stößt auch international auf Resonanz. Bei den
                         können sich bei ihren Forschungen und Entwick-         Hüft-Revisionsprothesen, die den Austausch ein-
                         lungen auf die Nähe zu über 65 Krankenhäusern,         zelner Teile ermöglichen, gehören die Pioniere aus
                         mehr als 70 Lehrstühlen an Universität und Fach-       Franken längst zu den Marktführern in Europa.
                         hochschulen sowie 20 außeruniversitären For-
                         schungseinrichtungen stützen. Ebenso stehen die        Innovationen im Bereich bildgebender Geräte
                         Universitätskliniken in München, Regensburg            für den Einsatz in hochmodernen Operations-
                         und Würzburg für das wissenschaftliche Poten-          sälen haben in Bayern ebenfalls eine lange
                         zial des Standorts. Nicht minder wichtig sind Ins-     Tradition. Die Ziehm Imaging GmbH in Nürnberg
                         titutionen wie das Deutsche Forschungszentrum          beispielsweise wurde bereits vor 40 Jahren
                         für Luft- und Raumfahrt sowie die Fraunhofer-          gegründet und hat seit-
                         und Max-Planck-Institute. Die Unternehmen pro-         dem die Entwicklung in
                         fitieren bei all dem von branchen- und technolo-       der mobilen Röntgen-
                         gieübergreifenden Kooperationen, die das vom           technologie an vor-
                         bayerischen Wirtschaftsministerium ins Leben           derster Front vorange-
                         gerufene Netzwerk Forum MedTech Pharma ge-             trieben. So haben die
                         zielt fördert. Nicht zuletzt erfreut sich die rege     Franken im Jahr 2006
                         Gründerszene des Sektors eines überdurchschnitt-       mit dem ersten volldigi-
                         lich starken Engagements von Risikokapitalgebern,      talen, mobilen C-Bogen
                         wobei aus öffentlichen Mitteln finanzierte Seed-       regelrecht ein neues
                         Fonds ebenso eine wichtige Rolle spielen wie           Zeitalter der Bildgebung
                         private Investoren. Bundesweite Zahlen bestä-          eingeleitet. Die Ziehm           Human Optics führte 2008 die erste faltbare Kunstiris in den
                                                                                                             Markt ein und verhilft seitdem Menschen mit Augenproblemen zu
                         tigen die Bedeutung der Medizintechnik. Sie            Imaging beflügelt die                                               einer besseren Sehkraft.
                         gehörte im Jahr 2011 mit Kapitalzuflüssen von          eigene Innovationskraft,                                                  Foto: © HumanOptics
Invest in Bavaria
                    28
Medtech in Bayern




                           indem sie jährlich 15 Prozent des Umsatzes in die     Mit seinem Vertriebsnetz in über 40 Ländern kann
                           Forschung und Entwicklung investiert.                 der Optikspezialist künftig sogar von den über-
                                                                                 durchschnittlichen Wachstumschancen in Asien
                           Nachfrage aus aller Welt                              profitieren. Solche Perspektiven machen auch
                           Für Innovationen im Bereich der optischen Medi-       Investoren hellhörig. Im Februar 2012 hat die
                           zintechnik steht die im Jahr 1999 in Erlangen ge-     Schweizer Beteiligungsgesellschaft Medipart AG
                           gründete Human Optics AG. Bereits sieben Jahre        eine Aktienmehrheit erworben.
                           nach dem Start schaffte das anfangs mit Venture
                           Capital finanzierte Unternehmen den Sprung an         Erfolgreiche Dienstleister
                           die Frankfurter Börse. Im Jahr 2008 brachte die       Die bayerische Medizintechnik hat nicht nur ef-
                           Human Optics dann die Fachwelt zum Staunen,           fiziente Netzwerke geknüpft. Es sind auch Dienst-
                           als sie die erste faltbare Kunstiris in den Markt     leister entstanden, die anderen Unternehmen bei
                           einführte und Menschen mit Augenproblemen so          der Entwicklung und Produktion von Innovatio-
                           wieder zu einer besseren Sehkraft verhalf. Das        nen helfen. Einer dieser Anbieter ist die zu Be-
                           Unternehmen produziert zudem Intraokularlinsen,       ginn dieses Jahrtausends gegründete Corscience
                           die bei der Behandlung von Grauem Star zum            GmbH & Co. KG in Erlangen, deren Schwerpunkt
                           Einsatz kommen. Hier liegt das geschätzte Markt-      vor allem in der Entwicklung von Diagnose- und
                           wachstum bei 6 bis 8 Prozent jährlich und die         Therapiegeräten für Herz-Kreislauf-Erkrankun-
                           Linsen gewinnen darüber hinaus zunehmend als          gen liegt. Neben den Dienstleistungen bietet
                           Alternative zu Laserbehandlungen an Bedeutung.        das B2B-Unternehmen fertige Basistechnologien




„Der Standort kann sich mit internationalen
Spitzenzentren messen“
Interview mit Dr. Peter Terhart, Vorstand, S-Refit AG
Herr Dr. Terhart, was macht den Medizin-              lation mit elektrischen Impulsen neue Thera-
technikstandort Bayern so besonders und               pien für neurologische Krankheiten wie Depres-
damit auch für Investoren interessant?                sionen, Schmerzen und Epilepsie. Dafür gibt es
Die historisch gewachsene Infrastruktur in For-       weltweit noch immensen Bedarf. Für den Trend
schung und Heilwesen ist international ebenso         hin zu präventiven Maßnahmen in der Gesund-
beispielhaft wie die Unternehmenslandschaft im        heitsvorsorge steht die in Fürth ansässige Aceos.
Bereich der Medizintechnik. Darüber hinaus hat        Sie hat unter anderem ein neuartiges Messgerät
die Hightech-Offensive des Freistaats einen           für effizientes Ausdauertraining entwickelt.
wichtigen Entwicklungsprozess in Gang gebracht.
Das ist zwar eher ein Marathonlauf als ein Sprint.    Können Sie den Unternehmen über die                   Dr. Peter Terhart leitet als
Schon jetzt aber kann sich der Standort mit inter-    Startphase hinaus helfen?                             Alleinvorstand die S-Refit AG
nationalen Topzentren messen. Dazu haben auch         Bei uns in Bayern, im BioPark Regensburg ebenso       in Regensburg. Er ist zudem
                                                                                                            Vorstandsvorsitzender im
wichtige Reformen im Patentwesen, wie die Grün-       wie im Medical Valley EMN, wird ein Nukleus           Bundesverband Deutscher
dung einer Gesellschaft zur besseren kommer-          geschaffen. Danach müssen die Unternehmen             Kapitalbeteiligungsgesell-
ziellen Verwertung, beigetragen. Das ist der Boden,   irgendwann selbst fliegen. Wenn wir gemeinsam         schaften e.V.

auf dem Spitzenforschung gedeiht, und das zieht       mit der Sparkasse Erlangen über den von ihr ini-
Investoren an.                                        tiierten medTECH Capital Fonds investieren, wol-
                                                      len wir die Unternehmen aber auch für andere
In welchen Bereichen agieren Unterneh-                Investoren attraktiv machen. Und das funktioniert.
men, bei denen S-Refit derzeit investiert ist?        Generell registrieren wir derzeit unter anderem
Eines der interessantesten Beispiele ist die Cerbo-   ein starkes Interesse großer Medtech-Fonds aus
med in Erlangen. Sie entwickelt durch Nervstimu-      der Schweiz an bayerischen Unternehmen.
                                                                                                                                                 Invest in Bavaria
                                                                                                                                            29
Medtech in Bayern




                     Produktfokus ausgewählter bayerischer Medtech-KMU
                     Quelle: eigene Recherche


                     Unternehmen                      Produktfokus                                                                           Gründung

                     Ziehm Imaging GmbH               Mobile Röntgenbildgebung - Fokus auf intraoperativer Bildgebung und innovativer          1972
                                                      Röntgentechnologie

                     Peter Brehm GmbH                 Wirbelsäulen-Implantate, Hüft- und Knieendoprothesen                                     1981

                     CT Imaging GmbH                  Medizinische Bildgebung und Bildverarbeitung - Fokus auf Computertomographiesystemen     1997
                                                      (Mikro-CT)

                     Human Optics AG                  Augenimplantate – Fokus auf Intraokularlinsen, Add-on Linsen und künstlichen Iris        1999

                     Corscience                       Kardiovaskulärer Bereich – Fokus auf Vitalparameter Sensorik, Elektrotherapie,           2001
                     GmbH & Co. KG                    Algorithmik, Funktechnologien in der Medizintechnik, Zulassung und Produktion

                     Cerbomed GmbH                    Neuromodulation – Fokus auf transkutaner Vagusnervstimulation für Patienten mit          2005
                                                      schwer behandelbaren neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen

                     Metrilus GmbH                    Spezialanwendungen für 3D-Kameras – Fokus auf Time-of-Flight (ToF) Kameras               2010


                         sowie die Geräteproduktion im Kundenauftrag            des Businessplan-Wettbewerbs Nordbayern
                         an. Eine der jüngsten Entwicklungen ist ein klei-      honoriert wurde. Das Unternehmen entwickelt
                         ner Sensor, der durch Ankleben auf den Hals            Softwareprodukte zur Echtzeitaufnahme von
                         eines Bewusstlosen binnen weniger Sekunden             3D-Daten für sogenannte Time-of-Flight-Kameras.
                         einen Herz- oder Atemstillstand erkennen und           Diese Technologie ermöglicht unter anderem
                         so schnelle Hinweise für Sofortmaßnahmen               effizientere Atemmessungen oder auch klarere
                         geben kann.                                            Aufnahmen von schlagenden Herzen.

                         Von der Hochschule zum Unternehmensstart               Risikokapital für neue Ideen
                         An zukunftsträchtigen Start-ups mangelt es auch        Zu den Unternehmen, die neben öffentlichen
                         heute nicht. So entwickelt die aus dem Institut        Fördergeldern auch auf einer soliden Finanzie-
                         für Medizinische Physik der Universität Erlangen       rung durch Venture Capital aufbauen können,
                         Nürnberg (IMP) ausgegliederte CT Imaging als           gehört die Cerbomed GmbH in Erlangen. Der
                         Spezialist im Bereich der Computertomografie           im Jahr 2005 gegründeten Firma stand bereits
                         (CT) neuartige Verfahren für die medizinische          frühzeitig eine ganze Reihe von Risikokapital-
                         Bildgebung und Bildverarbeitung. Das Unterneh-         gesellschaften zur Seite, um die Entwicklung
                         men verfügt bereits über acht erteilte sowie elf       einer innovativen Neurostimulationstechnologie
                         veröffentlichte Patente und legt einen Schwer-         zu ermöglichen. Sie zielt darauf ab, Menschen
                         punkt auf hochauflösende CT-Systeme, die               mit neurologischen und psychiatrischen Erkran-
                         von Pharmaunternehmen ebenso nachgefragt               kungen mehr Lebensqualität bei gleichzeitig
                         werden wie von Hochschulen und industriellen           niedrigen Therapiekosten zu ermöglichen. Das
                         Anwendern. Das weltweit erste Dual-Source              Unternehmen hat bereits für mehrere Indikatio-
                         Mikro-CT System beispielsweise wird mit sei-           nen die europäische Zulassung (CE-Zeichen)
                         nen extrem kurzen Scanzeiten bei der in-vivo-          erhalten, darunter im August 2012 für die
                         Kleintierbildgebung in der Forschung genutzt.          Vagusnervstimulation zur Behandlung von chro-
                         Ein dediziertes Mammographie-System wieder-            nischen Schmerzen. Für diese Indikation, die in
                         um ermöglicht es, Tumore in der weiblichen             den Industrieländern zu den am meisten verbrei-
                         Brust frühzeitig zu diagnostizieren. Als Leitprojekt   teten Leiden gehört, erzielen Medikamente bis-
                         im Spitzencluster Medical Valley wird diese            lang nur allzu oft noch nicht die erwünschten
                         Brust-CT durch das Bundesministerium für Bil-          Effekte. Cerbomed steht damit symptomatisch
                         dung und Forschung (BMBF) gefördert. Eben-             für das, was Medizintechnik aus Bayern leisten
                         falls auf Fördergelder des BMBF kann die im            kann: den Menschen helfen und gleichzeitig ein
                         Jahr 2010 aus der Universität Erlangen Nürn-           immenses Marktpotenzial ausschöpfen.
                         berg ausgegründete Metrilus GmbH setzen,
                         die außerdem bereits mit Preisgeld als Sieger                                       Norbert Hofmann
Invest in Bavaria
                    30
Medtech in Bayern



Die Gesundheitsversorgung von morgen
Vier Beispiele aus dem Medical Valley EMN


                                       Im Medical Valley EMN und damit in Bayern               Prognose für Deutschland bis 2050: Die Zahl der
                                       werden in interdisziplinären Forscherteams aus          Demenzkranken wird um 100 Prozent auf 2 Mil-
                                       Wirtschaft und Wissenschaft Lösungen für die            lionen steigen. Im Projekt „Barrierefreie Gesund-
                                       Gesundheitsversorgung von morgen entlang der            heitsassistenz“ entwickeln Partner im Cluster
                                       Leitthemen Bildgebende Diagnostik, Intelligente         telemedizinische Lösungen und Dienstleistungs-
                                       Sensorik, Therapiesysteme und Augenheilkunde            konzepte, die es altersdementen Patienten er-
                                       entwickelt.                                             lauben, länger in der eigenen Wohnung zu leben
                                                                                               und zeitgleich Pfleger und Angehörige zu entlas-
                                       Bildgebende Diagnostik – Forschungs-                    ten. Damit ist es ein erklärtes Ziel des Projekts,
                                       projekt „Brust-Computertomographie“                     die Kosten für diese Patientengruppe, deren
                                       Durchschnittlich jede achte Frau in Europa und          Angehörige und die Krankenkassen deutlich zu
                                       Nordamerika erkrankt im Laufe ihres Lebens an           reduzieren.
                                       Brustkrebs. Für eine erfolgreiche Therapie der
                                       Erkrankung ist eine möglichst frühzeitige Diagnose      Therapiesysteme – Forschungsprojekt
                                       maßgeblich. In den Projekten „Brust-CT/Integrated       „Osteofit 2030“
                                       Breast Care“ werden Konzepte für eine schonende         Bereits im Jahr 2004 sind von den insgesamt 225
                                       und hochsensitive Brustkrebsdiagnostik entwickelt,      Mrd. EUR Gesundheitskosten in Deutschland über
                                       die den Gesamtprozess der Versorgung von Frauen         5 Prozent auf Rheumatoide Arthritis, Arthrose und
                                       mit Brustkrebsrisiko erfassen. Zentrales Element        Osteoporose entfallen (im Vergleich: Krebs 8 Pro-
                                       des Projekts ist der Übergang von der 2D-Mammo-         zent). Im Zuge des demografischen Wandels wer-
                                       graphie zur 3D-Schichtbildgebung, die eine Brust-       den diese Kosten noch weiter steigen. Im Projekt
                                       krebserkrankung noch frühzeitiger bei geringerer        „Osteofit 2030“ werden im Cluster neue Revisions-
                                       Röntgen- und Kontrastmitteldosis erkennen lässt.        und Individualimplantate mit neuartigen, nano-
                                                                                               strukturierten Oberflächen zur Reduktion der Infek-
                                       Intelligente Sensorik – Forschungsprojekt               tionsrate und Beschleunigung des Anwachspro-
                                       „Barrierefreie Gesundheitsassistenz“                    zesses entwickelt. Durch längere Standzeiten der
                                       Demenz wird neben dem Schlaganfall als eine der         Implantate und eine bessere Therapiedurchfüh-
                                       „Epidemien des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Die        rung entstehen erhebliche Einsparpotenziale und
                                                                                               die Lebensqualität der Patienten steigt deutlich.
Bedeutung von Brustkrebsvorsorge – Bildgebende                                                 Augenheilkunde – Forschungsprojekt
Diagnostik unterstützt wesentlich bei der Früherkennung                                        „Low-Cost-Funduskamerasystem“
Quelle: American Cancer Society
                                                                                               In Ländern der Dritten Welt ist der Gesundheits-
                                                                                               zustand vieler Menschen besorgniserregend –
                                  Frühe Diagnose erhöht Überlebensrate
                                  und reduziert Behandlungskosten!
                                                                                               die medizinische Versorgung ist unter anderem
80 %                                                                                 140.000   wegen einer mangelhaften Infrastruktur und der
70 %                                                                                 120.000   hohen Kosten moderner Geräte aber nur bedingt
60 %                                                                                           möglich. Im Medical Valley EMN wird ein preis-
                                                                                     100.000
50 %                                                                                           wertes telemedizinisches Funduskamerasystem
                                                                                     80.000    zur Früherkennung von diabetischer und hyperten-
40 %
                                                                                     60.000    siver Retinopathie sowie Glaukom für Länder der
30 %
                                                                                               Dritten Welt entwickelt. Mit diesem System können
20 %                                                                                 40.000
                                                                                               Gesundheitsorganisationen in Entwicklungsländern
10 %                                                                                 20.000    mit geringer medizinischer Infrastruktur unter an-
 0%                                                                                  0         derem diabetische Erblindungen vermeiden.
          Kein Krebs         Stufe 0     Stufe I   Stufe II   Stufe III   Stufe IV

              Lebenschancen 15 Jahre nach Diagnose              Behandlungskosten (USD)                                         Jörg Trinkwalter
                                                                                                                                                        Invest in Bavaria
                                                                                                                                                   31
Medtech in Bayern



                         „Bayerns Universitätskliniken
                         sind absolute Weltklasse“

                         Interview mit Michael Sigmund, Leiter Communications, Siemens Healthcare



                                                          Herr Sigmund, im Sector Healthcare mit                           heitsbilder, beispielsweise Alzheimer, zu unter-
                                                          Hauptsitz in Erlangen sind die medizintech-                      stützen. Im Bereich Labordiagnostik sind wir 2011
                                                          nischen Aktivitäten der Siemens AG gebün-                        mit Illumina, einem Marktführer im Bereich ge-
                                                          delt. Was ist Ihr USP und wie behaupten                          netische Sequenzierung, eine Partnerschaft ein-
                                                          Sie sich im internationalen Wettbewerb?                          gegangen, um Sequenzierungstechniken der
                                                          Siemens Healthcare ist einer der Weltmarktführer                 nächsten Generation für die schnelle und präzise
                                                          in der Bildgebung. Das haben wir zum einen un-                   Erkennung und Behandlung von Infektionskrank-
                                                          serer starken Innovationskraft zu verdanken und                  heiten weiterzuentwickeln. Zudem haben wir im
                                                          zum anderen unserer langjährigen Expertise in                    Rahmen unserer Sektorinitiative „Agenda 2013“
                            Michael Sigmund ist Leiter
                                                          der Entwicklung von Medizintechnik. So schafft                   festgelegt, unsere Angebotspalette bei Systemen
                         der Kommunikationsabteilung      es Siemens immer wieder, bahnbrechende Tech-                     im mittleren Preissegment zu verbreitern.
                           von Siemens Healthcare. Er     nologien auf den Markt zu bringen, die in der
                          ist zudem Vorstandsmitglied
                          des Medical Valley EMN e.V
                                                          medizinischen Diagnostik neue Möglichkeiten                      Mit welchen Akteuren des Medtech-Clus-
                               und des Forum MedTech      eröffnen – wie beispielsweise unser Biograph                     ters Medical Valley arbeiten Sie intensiv
                                           Pharma e.V.    mMR, das weltweit erste integrierte molekulare                   zusammen?
                                                          MR-Ganzkörpersystem mit simultaner Aufnahme-                     Ein wichtiger und langjähriger Kooperationspart-
                                                          technik. Angesichts des zunehmenden Kosten-                      ner ist das Universitätsklinikum Erlangen. Wir
                                                          drucks in den Gesundheitswesen auf der ganzen                    arbeiten beispielsweise zusammen bei der
                                                          Welt wird es aber auch immer wichtiger, kosten-                  Entwicklung von verschiedenen innovativen
                                                          effiziente und besonders belastbare Lösungen an-                 Diagnostikmöglichkeiten für Brustkrebs; hier ist
                                                          zubieten. Nur so können wir uns im internationa-                 zudem das Fraunhofer-Institut als Projektpartner
                                                          len Wettbewerb positionieren. In diesem Segment                  beteiligt. Wir haben auch exzellente Partnerschaf-
                                                          hat Siemens in den letzten zwei Jahren vom Rönt-                 ten mit einigen KMU aus dem Medical Valley,
                                                          gengerät bis zum Magnetresonanztomographen                       zum Beispiel mit der sepp.med GmbH im Bereich
                                                          viele Systeme entwickelt, die sowohl in Industrie-               Healthcare IT. Außerdem wird eine Reihe von
                                                          als auch Schwellenländern erfolgreich sind.                      weiteren Partnern und mittelständischen Firmen
                                                                                                                           über Unteraufträge eingebunden.
                                                            An welchen bahnbrechenden neuen Tech-
                                                            nologien arbeiten Sie derzeit?                                 Was sind aus Ihrer Sicht generell die Stär-
                                                                                                   Wir arbeiten intensiv   ken des Medtech-Standorts Bayern im
                                                                                                   weiter an der Ent-      internationalen Vergleich?
                                                                                                   wicklung von Techno-    Bayerns Universitätskliniken und auch die nicht-
                                                                                                   logien zur Einsparung   universitären medizinischen Institute sind abso-
                                                                                                   von Strahlendosis –     lute Weltklasse in vielen Disziplinen, die für die
                                                                                                   beispielsweise an       Medizintechnik wichtig sind – zum Beispiel bei
                                                                                                   neuen Rekonstruk-       den minimalinvasiven Verfahren. Ein solches
                                                                                                   tionsalgorithmen für    Umfeld ist enorm wichtig für einen innovativen
                                                                                                   die Computertomo-       Medizintechnikhersteller wie Siemens, denn wir
                                                                                                   graphie. Außerdem       brauchen die klinische Expertise von hochrangi-
                                                                                                   entwickeln wir effi-    gen praktizierenden Medizinern, um die richtigen
                                                                                                   ziente Softwaretools    Technologien zu entwickeln. Im Übrigen profitie-
                                                                                                   für die Bildgebung,     ren wir auch sehr von der guten Ausbildung hier
                                                                                                   um die diagnosti-       in Bayern, die zahlreiche hochqualifizierte Ar-
                                                                                                   schen Prozesse un-      beitskräfte für die Medizintechnik hervorbringt.
                                       In der bildgebenden Diagnostik nimmt Siemens Healthcare
                                                               weltweit eine Spitzenposition ein.
                                                                                                   serer Kunden für
                                                                        Foto: © Siemens Healthcare verschiedene Krank-               Das Interview führte Markus Hofelich.
Invest in Bavaria

                    32
Medtech in Bayern



Erfolg mit Augenlasertechnologie
Wavelight GmbH: Synergiepotenziale im
Alcon-Konzernverbund

                                    Die Region Erlangen steht für ein attraktives und          sowie Forschung und Entwicklung zu realisieren,
                                    erfolgreiches Netzwerk im Bereich Medizintech-             um die Lasersysteme des Erlanger Unternehmens
                                    nologie. Aus diesem Umfeld stammt auch der                 am Markt noch erfolgreicher zu machen. Seit 2009
                                    Augenlaser-Spezialist Wavelight. Elf Jahre nach            ist Wavelight zu 100 Prozent im Besitz der Alcon
                                    der Gründung war er vom US-Konzern Alcon über-             Inc., die ihrerseits 2010 von Nestlé an den Schwei-
                                    nommen worden und spielt heute im Bereich der              zer Pharmakonzern Novartis verkauft wurde.
                                    Refraktivchirurgie eine führende Rolle.
                                                                                               Präzision ist entscheidend
                                    Auf und Ab an der Börse                                    In der Entwicklung und Produktion moderner Diag-
                                    Zu den bemerkenswerten Start-ups der 90er Jahre            nose- und Operationstechnologie zur Korrektur von
                                    in Bayern zählt das Medizintechnik-Unternehmen             Fehlsichtigkeiten gehört Wavelight mit seinen rund
                                    Wavelight. 1996 durch den ehemaligen Vorstands-            230 Mitarbeitern heute zu den führenden Unter-
                                    chef Max Reindl in der Medtech-Hochburg Erlangen           nehmen weltweit. Es geht um die Entwicklung und
                                    ins Leben gerufen, entwickelte sich das Unterneh-          Produktion von innovativen Lasersystemen für die
                                    men zu einem Technologieführer auf dem Gebiet              Augenchirurgie. Kunden sind Kliniken und Augen-
                                    der Refraktivchirurgie. 1999 ging Wavelight an den         ärzte. „Unsere Laser- und Diagnosesysteme ermög-
                                    Neuen Markt. Dessen Schließung führte dann im              lichen eine sehr schonende und zugleich hoch-
                                    Januar 2003 zu einem Wechsel in das Börsenseg-             präzise Korrektur von Fehlsichtigkeit“, erklärt
                                    ment Prime Standard. Auch dem Unternehmen                  Geschäftsführer Martin Reichelt. „In der Refrak-
                                    selbst gelang nicht alles reibungslos. Nach einer          tivchirurgie hat Wavelight eine Plattform zur Ermög-
                                    anfänglich rasant verlaufenden Wachstumsphase              lichung maßgeschneiderter Behandlungen der
                                    und dem Einstieg auch in andere Bereiche der               Patienten geschaffen.“ Seit 2004 fertigt das
                                    Medizintechnik brach der Aktienkurs ein. Wave-             Unternehmen alle Produkte in der damals neu
                                    light konzentrierte sich daraufhin wieder auf sein         erbauten Produktionsstätte in Pressath in der
                                    Kerngeschäft, die refraktive Chirurgie, und ver-           Oberpfalz. „Laserproduktion ist Präzisionsarbeit,
                                    kaufte sämtliche anderen Geschäftsbereiche.                und in Deutschland finden wir die dafür exzel-
                                                                                               lent ausgebildeten Mitarbeiter“, so Reichelt. Und
                                                                 Übernahme durch Alcon         Erlangen als Unternehmenssitz biete die Mög-
                                                                 Im Jahr 2007 sicherte sich    lichkeit zur exzellenten Kooperation mit der dor-
                                                                 das US-amerikanische          tigen Universität sowie ein hervorragendes
                                                                 Unternehmen Alcon Inc.        Netzwerk mit Lieferanten und Dienstleistern
                                                                 nach einem Übernahmean-       aus der Region.
                                                                 gebot an die Aktionäre die
                                                                 Mehrheit an Wavelight.        Großer Eye-care-Etat
                                                                 Alcon war damals eine         Novartis will mit Alcon, in die auch die frühere
                                                                 Tochtergesellschaft des       Ciba Vision mit ihren Kontaktlinsenprodukten in-
                                                                 Schweizer Nestlé-Konzerns     tegriert wurde, das gesamte Spektrum der Augen-
                                                                 und gehört zu den weltweit    heilkunde abdecken und ist mit seinen Produkten
                                                                 größten Produktanbietern      in rund 180 Ländern rund um den Globus präsent.
                                                                 in der Augenheilkunde         In 75 Ländern betreibt der Konzern Niederlassungen
                                                                 (Ophthalmologie). Motivati-   bzw. Vertriebsbüros. Deshalb wird insbesondere
                                                                 on für die Übernahme war,     stark in den Bereich Forschung und Entwicklung in-
                                                                 Synergiepotenziale im Un-     vestiert, mit dem größten Konzernetat auf diesem
                                                                 ternehmensverbund insbe-      Gebiet weltweit: ca. 5 Mrd. USD für fünf Jahre.
Laser- und Diagnosesysteme aus Bayern zählen zur internationa-
len Spitze. Heute ist Wavelight Teil des Novartis-Konzerns.      sondere in den Bereichen
Fotos: © Wavelight GmbH                                          Marketing und Vertrieb                                               Bernd Frank
                                                                                                                                                          Invest in Bavaria
                                                                                                                                                     33
Experten-Statements
                         zum Healthcare-Standort Bayern

                                 Prof. Dr. Axel Ullrich, Direktor Forschungsgruppe Molekularbiologie,
                                 Max-Planck-Institut für Biochemie:

                                    „Eine der großen Stärken des Wirtschaftsstandortes Bayern ist die politische Unterstüt-
                                    zung. Wenn Akteure aus Politik wirtschaftliches Potenzial erkennen, arbeiten sie konse-
                                    quent daran, dieses Potenzial auch auszuschöpfen. Mich persönlich hat deshalb nicht über-
                                    rascht, dass die deutsche Biotechnologie gerade in Bayern gestartet ist.“




                                 Prof. Dr. Willi A. Kalender, Direktor, Institut für Medizinische Physik,
                                 Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg:

                                    „Aus meiner Sicht stellt das Ausbildungsniveau hier eine besondere Stärke dar. In Bayern
                                    und allgemein in Deutschland ist schon lange ein sehr gutes berufs- und praxisorientiertes
                                    Bildungssystem etabliert. Unsere Fachkräfte sind im internationalen Vergleich handwerk-
                                    lich und beruflich hervorragend ausgebildet.“




                                 Richard Paulson, Geschäftsführer,
                                 Amgen GmbH in Deutschland:

                                    „Deutschland ist außerhalb der USA der einzige Standort von Amgen mit eigenen
                                    forschenden Einrichtungen, in Regensburg und München. Die Übernahme von Micromet
                                    zeigt unsere Wertschätzung der Qualität wissenschaftlicher und klinischer Entwicklung
                                    sowie das F&E-Potenzial in Deutschland.“




                                 Michael Sigmund, Leiter Communications,
                                 Siemens Healthcare:

                                    „Bayerns Universitätskliniken und auch die nichtuniversitären medizinischen Institute sind
                                    absolute Weltklasse in vielen Disziplinen, die für die Medizintechnik wichtig sind – zum Bei-
                                    spiel bei den minimalinvasiven Verfahren. Ein solches Umfeld ist enorm wichtig für einen
                                    innovativen Medizintechnikhersteller wie Siemens.“




Invest in Bavaria
                    34
Partner:



www.invest-in-bavaria.de




www.biotech-bayern.de




www.bayern-international.de
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                                                           Invest in Bavaria
                                                       Widenmayerstraße 34
                                                             80538 München

                                                   Tel.: +49 89 24210-7500
                                                   Fax: +49 89 24210-7557
                                         healthcare@invest-in-bavaria.de
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                       Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft,
                              Infrastruktur, Verkehr und Technologie
                                                     Invest in Bavaria
                                               Prinzregentenstraße 28
                                                       80538 München

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                                                        Fax: +49 89 2162-2803


 Invest in Bavaria – Die Ansiedlungsagentur des Bayerischen Staatsministeriums für
Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie und der Bayern International GmbH

                                                           Ausgabe September 2012

Healthcare in bavaria_deutsch

  • 1.
    Healthcare in Bavaria www.invest-in-bavaria.de
  • 2.
    Invest in Bavaria– Die Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern Rundumservice aus einer Hand Invest in Bavaria ist die Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern. Seit 1999 unterstützt Invest in Bavaria Unternehmen aus dem In- und Ausland dabei, einen Standort in Bayern aufzubauen oder zu erweitern. Invest in Bavaria stellt individuell Informationen zusammen, hilft, den optimalen Standort in Bayern zu finden, und vermittelt die Kontakte, die für die Projektrealisierung benötigt werden: zu Behörden und Verbänden ebenso wie zu wichtigen Netzwerken vor Ort. Der Service von Invest in Bavaria ist kostenfrei, alle Anfragen werden selbstverständlich vertraulich behandelt. Die Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern ist in jeder Phase des Investitionsvorhabens ein verlässlicher und kompetenter Partner. Planung und Vorbereitung Je fundierter Informationen zu möglichen Standorten sind, desto sicherer und effizienter lässt sich eine Investitionsentscheidung treffen. Invest in Bavaria stellt am Standort Bayern interessierten Unternehmen vergleichende und verlässliche Informationen zum Markt- und Geschäftsumfeld, über Branchen- und Techno- logienetzwerke oder über Förder- sowie Finanzierungsinstrumente zur Verfügung. Standortwahl Nach den Wünschen und Bedürfnissen des Investors werden gemeinsam projektbezogene Standortkriterien ent- wickelt. Gemäß diesem Anforderungsprofil identifiziert Invest in Bavaria geeignete Gewerbeflächen und -immobilien, erarbeitet daraus konkrete Standortvorschläge und organisiert Besichtigungen vor Ort. Standortrealisierung Ist die Standortentscheidung getroffen, sorgt Invest in Bavaria dafür, dass die Unternehmen vor Ort von den rich- tigen Partnern unterstützt werden. Invest in Bavaria recherchiert Fördermöglichkeiten, vermittelt Kontakte zu geeigneten Förderinstitutionen und – auf Wunsch – zu möglichen Finanzierungspartnern. Auch bei steuerlichen, rechtlichen und verwaltungstechnischen Fragen kümmert sich Invest in Bavaria um eine unkomplizierte und reibungslose Koordination mit den projektrelevanten Behörden, den regionalen Wirtschaftsförderern oder spezialisierten Dienstleistungsanbietern. Standortentwicklung Auch nach der Ansiedlung ist Invest in Bavaria weiterhin für interessierte Unternehmen da. Informationen zur bayerischen Wirtschaftsförderung wie dem Messebeteiligungsprogramm über die Auskunft zu nützlichen Unternehmensdatenbanken und Branchennetzwerken bis hin zur Kontaktvermittlung zu ausländischen Com- munities sind Beispiele für das breite Serviceangebot von Invest in Bavaria. Auch bei einem Erweiterungsvor- haben steht Invest in Bavaria mit Rat, Tat und guten Kontakten zur Seite.
  • 3.
    Vorwort Martin Zeil Der Life-Sciences-Bereich baut wie kein zweiter auf den Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts Bayerischer Staatsminister auf und ist hochinnovativ. Wertschöpfung und nachhaltiges Wachstum lassen sich nur durch Innova- für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie tionen erzielen. Bayern ist hier bestens aufgestellt. Mit Weltunternehmen wie Siemens, GE, Novartis, Stellvertretender Ministerpräsident Roche, aber insbesondere auch dank der forschungsorientierten engagierten kleinen und mittelstän- dischen Unternehmen ist der Freistaat ein Healthcare-Standort, der europaweit seinesgleichen sucht. Wo Innovation entstehen soll, muss Forschungsnähe gegeben sein. Bayern bietet hier beste Bedingun- gen: Mit 13 Max-Planck-Instituten, drei Helmholtz-Zentren und acht Fraunhofer-Instituten gelingt eine enge Vernetzung von Forschung und praktischer Anwendung. Elf Universitäten und 17 Hochschulen für angewandte Wissenschaften schaffen ein Klima für die direkte unternehmerische Umsetzung neues- ter Forschungsergebnisse und bringen hochqualifizierte Fachkräfte für die bayerischen Unternehmen hervor. Von diesem lebendigen Klima der Innovation profitieren auch die Bürger: Die flächendeckende Ver- sorgung mit über 400 Kliniken und 300 Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen garantiert die Teilhabe aller am medizinischen Fortschritt. Die komplexe Healthcare-Branche ist in allen Segmenten eng miteinander vernetzt und nimmt in der Technologiepolitik des Freistaats Bayern eine herausragende Rolle ein. Insbesondere durch die ge- zielte Bündelung unterschiedlicher Partner aus verschiedensten Bereichen ist es Bayern bereits 2006 gelungen, eine effiziente Clusterpolitik auf den Weg zu bringen. Hiervon profitieren besonders die Hightech-Unternehmen am Standort, da die Verbindung und der Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft erheblich erleichtert und beschleunigt werden. Durch gezielte Rahmenvorgaben wur- den beispielsweise in den Bereichen Normung und Gesetzgebung einheitliche Standards etabliert. Diese tragen wesentlich dazu bei, zielgerichtet forschen zu können, um im weltweiten Vergleich auch weiterhin einen Spitzenplatz in diesem Segment einzunehmen. Um Investoren Zugang zu diesem herausragenden Potenzial zu verschaffen, stehen Repräsentanten des Freistaats Bayern in mehr als 20 Metropolen der Welt als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie ar- beiten eng zusammen mit Invest in Bavaria, der bayerischen Ansiedlungsagentur. Invest in Bavaria un- terstützt Investoren umfassend, vertraulich und kostenfrei. Vom ersten Gespräch über die Standortsu- che bis hin zu Spatenstich und dauerhafter Nachbetreuung steht das Team der Ansiedlungsagentur mit ihren Länder- und Branchenexperten Unternehmen zur Verfügung. Diese Broschüre bildet die starke Position Bayerns im Life-Sciences-Bereich ab und macht deutlich, warum der Freistaat ein großartiger Ort für Ansiedlungen und Innovation ist. Sie gibt einen Überblick, mit welchen herausragenden Unternehmen aus den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik und Pharma Sie als Investor in Kontakt kommen können und welche Erfolgsgeschichten hinter den Men- schen und Produkten „Made in Bavaria“ stecken! Martin Zeil Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie Stellvertretender Ministerpräsident Invest in Bavaria 03 3
  • 4.
    Inhalt Vorwort 03 Martin Zeil Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie Stellvertretender Ministerpräsident Standort Bayern Bayern – Standort für Biotechnologie und Medizintechnik 06 Ein Überblick „2015 soll der Tech-Campus in Betrieb gehen“ 07 Interview mit Dr. Thomas Diefenthal, Geschäftsführer, BioPark Regensburg GmbH „Unser Standort ist ganz wesentlich von seinen Hochschulen geprägt“ 08 Interview mit Dirk Jung, COO, Betriebsgesellschaft IGZ BioMed/ZmK mbH „Bayern ist ein führendes Medtech-Land“ 10 Interview mit Professor Dr. Michael Nerlich, Vorstandsvorsitzender, Forum MedTech Pharma e.V. „Synergien zwischen Medikamentenentwicklung und Medizintechnik 12 sind besonders wertvoll“ Interview mit Professor Dr. Horst Domdey, BioM, und Professor Dr.-Ing. Erich R. Reinhardt, Medical Valley EMN e.V. Forschungsexzellenz in bayerischer Biotechnologie und Medizintechnik 13 Aus akademisch-wirtschaftlicher Kooperation entstehen im Freistaat wegweisende Konzepte Der Clou von Erlangen 15 Test direkt in der Klinik Pharma- und Medizintechnik-Konzerne in Bayern 16 Überblick, Trends und Entwicklungen Biotech in Bayern „Die Bereitschaft Unternehmen zu gründen, verbreitet sich wie ein Virus“ 18 Interview mit Professor Dr. Axel Ullrich, Direktor Forschungsgruppe Molekularbiologie, Max-Planck-Institut für Biochemie Fit für die Medizin der Zukunft 19 Schwerpunkt „personalisierte Medizin“ in München Land der Biotech-Pioniere 20 Innovation in Bayern kommt von kleinen und mittleren Unternehmen Invest in Bavaria 04
  • 5.
    „Das IZB wirdweiter wachsen“ 21 Interview mit Dr. Peter Hanns Zobel, Geschäftsführer, IZB GmbH „Wichtig ist, dass Geschäftsmodelle skalierbar sind“ 24 Interview mit Helmut Jeggle, Athos Service GmbH, und Michael Motschmann, MIG Verwaltungs AG „Seit 1998 flossen etwa 2 Mrd. EUR in den Ausbau des Standorts“ 25 Interview mit Claus Haberda, Werkleiter, Roche Penzberg „Die Übernahme von Micromet war die bedeutendste Investition von Amgen 26 außerhalb der USA“ Interview mit Richard Paulson, Geschäftsführer, Amgen GmbH in Deutschland Medtech in Bayern „Ein Gewinn für beide Seiten, Wirtschaft und universitäre Forschung“ 27 Interview mit Professor Dr. Willi A. Kalender, Direktor Institut für Medizinische Physik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Schrittmacher für die Gesundheit 28 Kleine und mittlere Unternehmen treiben Fortschritt in der Medizintechnik voran „Der Standort kann sich mit internationalen Spitzenzentren messen“ 29 Interview mit Dr. Peter Terhart, Vorstand, S-Refit AG Die Gesundheitsversorgung von morgen 31 Vier Beispiele aus dem Medical Valley EMN „Bayerns Universitätskliniken sind absolute Weltklasse“ 32 Interview mit Michael Sigmund, Leiter Communications, Siemens Healthcare Erfolg mit Augenlasertechnologie 33 Wavelight GmbH: Synergiepotenziale im Alcon-Konzernverbund Impressum Design und Realisierung Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, GoingPublic Media AG Infrastruktur, Verkehr und Technologie Hofmannstraße 7a Invest in Bavaria 81379 München Prinzregentenstraße 28 80538 München Tel.: +49 89 2000339-0 Fax: +49 89 2000339-39 Tel.: +49 89 2162-2642 Fax: +49 89 2162-2803 Projektleitung Markus Hofelich, Martin Bellof www.invest-in-bavaria.de Gestaltung Holger Aderhold Invest in Bavaria 05
  • 6.
    Standort Bayern Bayern – Standort für Biotechnologie und Medizintechnik Ein Überblick Bayern ist im Ausland in erster Linie für seine Medtech-Standorts Bayern investiert. Mit Erfolg. touristischen Highlights bekannt: das Schloss Bayern darf sich heute zu den drei Top-Standorten Neuschwanstein als meistbesuchte deutsche für Biotechnologie in Europa zählen. Auf nationa- Attraktion, genauso wie das Panorama der baye- ler Ebene ist der Freistaat führend. National und rischen Alpen mit dem höchsten Berg Deutsch- international führend ist auch Medizintechnik aus lands, der Zugspitze. Bayern steht zudem für Bayern. Von den Branchen Biotech und biopharma- kulinarischen Genuss und Lebensgefühl, Bier- zeutische Industrie hängen 25.000 Arbeitsplätze gärten, deftiges Essen und gutes Bier. So auch ab, von der Medizintechnik alleine im Spitzen- auf dem Oktoberfest, dem größten Volksfest cluster Medical Valley Europäische Metropol- der Welt. Die einzigartige Mischung aus land- region Nürnberg über 45.000. Neben der großen schaftlicher Vielfalt, Kultur und kulinarischem Zahl kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) Genuss zieht Jahr für Jahr mit mehr als 25 Mil- haben sich auch global agierende Healthcare- lionen Besuchern deutschlandweit die meisten Großkonzerne für den Standort Bayern entschie- Touristen an. Bayern ist aber auch ein boomen- den. Roche Diagnostics betreibt in Penzberg auf der Wirtschaftsstandort und Hightech-Region. über 350.000 m² eine der weltweit größten bio- Zahlreiche globale Player, unter anderem sieben pharmazeutischen Forschungs- und Produktions- der 30 DAX-Konzerne, haben ihren Stammsitz in stätten. Siemens Sektor Healthcare, Weltmarkt- Bayern. BMW, Audi, Siemens, adidas sind nur führer im Bereich der bildgebenden Diagnostik, wenige Beispiele für die Vielzahl der bayerischen hat seinen Hauptsitz in Erlangen. Unternehmen von Weltgeltung. Und Bayern ist Innovationsstandort. Der Dieselmotor wurde in Wachstumsfeld bayerische Biotechnologie Bayern genauso entwickelt wie das MP3-Format In den letzten 15 Jahren haben sich in Bayern oder Fußballschuhe mit Schraubstollen. Auch im fünf Biotech-Cluster gebildet. In den Bio-Regio- Bereich Life Science ist der Freistaat national nen Würzburg, Regensburg und München liegt und international führend. der Fokus auf Biotechnologie mit Healthcare- Bezug. Die beiden anderen, Freising-Weihen- Investitionen in Hightech zahlen sich aus stephan und Straubing, sind stärker auf grüne 800 Mio. EUR – diese Summe hat der Freistaat bzw. weiße Biotechnologie spezialisiert. Um Bayern bisher in den Aufbau des Biotech- und regionale Besonderheiten und Stärken optimal Dedizierte Biotech- und Medtech-Gründerzentren in Bayern Quelle: eigene Recherche Bio-Region Gründerzentrum Mietfläche Mieter Mitarbeiter München IZB Martinsried/Freising 23.000 m² > 60 700 Regensburg BioPark Regensburg 18.000 m² > 30 550 Franken IGZ Würzburg 5.000 m² > 20 300 Nürnberg/Erlangen Medical Valley Center 5.000 m² > 30 200 Mitarbeiter: Anzahl der Mitarbeiter der Mieter im jeweiligen Gründungszentrum Invest in Bavaria 06
  • 7.
    Standort Bayern nutzen und fördern zu können, haben sich eigen- die BioM Biotech Cluster Development GmbH seit ständige Netzwerkorganisationen entwickelt, 2006 alle Biotech-Aktivitäten Bayerns. die für das Management der Cluster zuständig sind: Die BioM Biotech Cluster Development Metropolregion München – Vorreiter in der GmbH verwaltet die Metropolregion München Biotechnologie sowie den daran angrenzenden Standort Frei- Gründerzentren sind ein besonderer Baustein jedes sing-Weihenstephan, die BioPark Regensburg regionalen Clusters. Sie stellen Biotech-Start-ups die GmbH managt die Region Regensburg und die für Unternehmenswachstum benötigte Infrastruk- IGZ Bio-Med/ZmK vertritt die Region Würzburg. tur zur Verfügung, insbesondere Labor- und Büro- Aufgabe ist die Entwicklung und Vermarktung räume. Im 1995 gegründeten Innovations- und Grün- des jeweiligen Standorts im Sinne der dort dungszentrum Biotechnologie (IZB) Martinsried und ansässigen Gründer, Unternehmen und Wissen- seit 2007 dem zweiten Standort Freising-Weihen- schaftler sowie eine Vernetzung von Unterneh- stephan haben einige große Namen der deut- men, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, schen Biotech-Industrie ihren Ursprung: Morphosys, Universitätskliniken, Kammern und Verbänden, Micromet (heute Amgen Research GmbH) und auch Kapitalgebern, Förderinstitutionen, Beratern Corimmun wurden hier gegründet. Der Standort und sonstigen Akteuren des Clusters. Über München zeichnet sich besonders durch die Nähe Clustergrenzen hinweg koordiniert und vernetzt zu erstklassiger Grundlagenforschung aus. In der „2015 soll der Tech-Campus in Betrieb gehen“ Interview mit Dr. Thomas Diefenthal, Geschäftsführer, BioPark Regensburg GmbH Was zeichnet die BioRegio Regensburg als kennen sich aufgrund der räumlichen Nähe Teil des Clusters Biotech Bavaria aus? beteiligte Entscheider häufig persönlich. Ideen Unter dem Motto „Klein, aber fein“ wurde 1999 können dann zügig in Projekte umgesetzt wer- ein Zentrum für Biotechnologie auf dem Regens- den. Zuerst entstanden Projekte mit Firmen der burger Uni-Campus geschaffen. Durch das Lebenswissenschaften, also Pharma, Analytik, Prinzip der „kurzen Wege“ gelang es im Osten Diagnostik und Medizintechnik. Es folgten Bayerns, Gründer, die mittelständische Industrie weitere Bereiche, wie z.B. die Sensorik. Seit und ansiedlungswillige externe Firmen anzu- Automatisierung in allen Bereichen eines Bio- sprechen. Von der Einbindung dieses Netzwerks tech-Labors oder der verarbeitenden Industrie – in den Cluster Biotech Bavaria profitieren beide z.B. Lebensmittel – boomt, expandiert auch diese Dr. Thomas Diefenthal ist Ge- Seiten. Der Spitzencluster in München vernetzt Branche. Solche Firmen sind aufgrund der ver- schäftsführer der BioPark Re- sich mit innovativen Firmen der äußeren Regionen gleichsweise kurzen Entwicklungszeiten bereits gensburg GmbH. Darüber hi- naus koordiniert er den Bio- des Freistaates, gleichzeitig erhalten diese Firmen heute erfolgreich am Markt. technologiecluster BioRegio Zugang zu den umfangreichen Serviceleistungen Regensburg und ist stellver- und Informationen der Landesinitiativen. Wie stellen Sie sich den Standort Regens- tretender Sprecher des Ar- beitskreises der deutschen burg in zehn Jahren vor? Bio-Regionen. In Regensburg findet man viele interdiszip- Der 2015 in Betrieb genommene, benachbarte linäre Projekte. Wie kam es dazu? Tech-Campus wird eine Vielzahl von Unterneh- Die Basis dafür bildet Regensburgs konsequente men beherbergen, die mit ihrer Gründung im und innovative Wirtschaftsförderung. Außerdem BioPark Regensburg gestartet sind. Invest in Bavaria 07
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    Standort Bayern bayerischen Landeshauptstadt sitzen drei bio- im Rahmen der zweiten Runde des Spitzencluster- logisch-medizinische Max-Planck-Institute für Wettbewerbs als eines von fünf Spitzenclustern Biochemie, Neurobiologie und Psychiatrie, ein ausgezeichnet. Vision des Spitzenclusters ist es, Helmholtz Zentrum (Deutsches Forschungszen- diesen als internationale Exzellenz- und Mo- trum für Umwelt und Gesundheit), die Fraunhofer- dellregion für personalisierte und zielgerichtete Zentrale, das Genzentrum München, das seit 1984 Therapien zu etablieren. Dazu stehen über einen wissenschaftlich und organisatorisch eine Vor- Zeitraum von fünf Jahren Mittel in Höhe von knapp reiterrolle in der deutschen Forschungslandschaft 100 Mio. EUR zur Verfügung, wovon etwa die spielt, die beiden Hochschulen Weihenstephan- Hälfte von beteiligten Unternehmen beigesteuert Triesdorf und München sowie zwei der besten wird. Das Management übernimmt die BioM Bio- Universitäten Deutschlands, die Technische Uni- tech Cluster Development GmbH. versität München und die Ludwig-Maximilians- Universität. Zudem gibt es zwei Universitätsklini- Regensburg – ken (Klinikum der Universität München, Klinikum Interdisziplinäre Zusammenarbeit rechts der Isar) sowie 60 weitere Krankenhäuser Die BioPark Regensburg GmbH ist nicht nur für in München und Umgebung. das Clustermanagement verantwortlich, sondern betreibt auch ein gleichnamiges Gründerzentrum m4 – Spitzencluster der auf dem Campus der Universität Regensburg. personalisierten Medizin Ansässig im BioPark sind primär Unternehmen 2010 hat das Bundesministerium für Bildung und der Bereiche Biotechnologie und Medizintechnik Forschung das Münchner Konsortium „m4 – Perso- sowie damit verbundene Dienstleister. Zudem nalisierte Medizin und zielgerichtete Therapien“ sitzen acht außeruniversitäre Forschungsinstitute „Unser Standort ist ganz wesentlich von seinen Hochschulen geprägt“ Interview mit Dirk Jung, COO, Betriebsgesellschaft IGZ BioMed/ZmK mbH Können Sie die BioMed Region Würzburg zusätzlich an der Schnittstelle Bioinformatik. kurz vorstellen? Mittlerweile haben wir das IGZ thematisch um Wir sind ein Standort, der ganz wesentlich von angrenzende Wissensgebiete erweitert. So kön- seinen Hochschulen geprägt ist. Viele unserer nen wir auch hoch qualifizierten Nischenanbie- Mieter kommen aus der Universität oder der tern in der medizintechnischen Dienstleistung Hochschule für angewandte Wissenschaften. optimale Startvoraussetzungen bieten. Der Wandel in der Förderkultur hat dazu geführt, dass Ausgründungen heute aus eher kleinen Wie intensiv ist die Zusammenarbeit mit Gründergruppen bestehen, die vergleichsweise anderen Cluster-Regionen? Dirk Jung ist COO der Betriebs- lange an der Hochschule bleiben. Eine sehr frühe Für uns sind „Existenzgründung aus den eige- gesellschaft IGZ BioMed/ Einflussnahme durch Risikokapitalgeber wird so nen Reihen“ und „Bestandspflege“ wichtige ZmK mbH. Darüber hinaus ist gemindert. Auch das Uniklinikum ist für unsere Schlagworte. Dazu ist eine lokale und überre- er stellvertretender Geschäfts- leiter von Congress-Tourismus- Life-Science-Landschaft bedeutsam. Wir hoffen, gionale Vernetzung jedoch absolut notwendig, Wirtschaft der Stadt Würzburg. demnächst erste Ausgründungen aus der Klinik das zeigt sich in regem Austausch der einzelnen beheimaten zu können. Bioregionen untereinander wie auch in Koope- ration auf interdisziplinärer Ebene. Im Moment Welche Branchen sind im IGZ vertreten? versuchen wir verstärkt, den Kontakt zwischen Das IGZ war von Anfang an thematisch in zwei Ausgründern, etablierten Unternehmen und bzw. drei Bereiche aufgeteilt: einerseits Biotech- Hochschulen herzustellen. Wir hoffen so, auf nologie und Biomedizin, andererseits Informa- Fragen der Wirtschaft Lösungen aus der Wis- tions- und Kommunikationstechnologie, und senschaft zu erhalten. Invest in Bavaria 08
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    Standort Bayern bzw. Projektgruppenim BioPark, darunter zwei Unternehmen (KMU). Das sind gut 30 Prozent aller Fraunhofer Projektgruppen (Diagnose und Therapie deutschen Biotech-KMU. Besonderen Fokus legen von Tumor-, Stoffwechsel- und Alterskrankheiten diese Unternehmen auf die Entwicklung neuer sowie Sensormaterialien). Das belegt die Nähe Therapeutika und Diagnostika. Ihre „Medika- zu außeruniversitären Forschungseinheiten. mentenkandidaten“ werden in über 80 klinischen Außerdem hat sich in der Region Regensburg Studien weltweit getestet. Für stetigen Nachschub eine Reihe von Forschungsnetzwerken gebildet. sorgen über 100 Kandidaten in Präklinik und For- Jüngstes Beispiel ist das Zentrum für Interventio- schung. nelle Immunologie, das vorhandene medizinische und wissenschaftliche Exzellenz auf dem Gebiet Medical Valley – Spitzencluster der Immuntherapie und Transplantationsmedizin für Medizintechnik in Ostbayern bündelt. Spricht man über deutsche Medizintechnik, kommt man am Medical Valley Europäische Metropol- Würzburg – Kompetenzzentrum region Nürnberg (EMN) nicht vorbei. Das Medical für Biomedizin Valley EMN ist die führende Medizintechnikregion Das Innovations- und Gründungszentrum (IGZ) Deutschlands. Wie m4 in München wurde es 2010 Würzburg, das größte Gründungszentrum Nord- vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bayerns, beherbergt Unternehmen der Bereiche als nationales Spitzencluster ausgezeichnet. Es Life Science und IT. Es befindet sich in unmittelba- zeichnet sich durch eine hohe Konzentration an rer Nähe zur Universität und Fachhochschule der Kompetenzträgern im Bereich der Medizintechnik Stadt sowie zahlreichen Forschungseinrichtungen. aus. Rund 500 Unternehmen sind im Medical Valley Für Unternehmen der Branchen Biotechnologie tätig, darunter zahlreiche Global Player und viele und Medizintechnik ist vor allem die Nähe zum Marktführer. Das Medical Valley Center ist das renommierten Fachgebiet Biomedizin der Univer- Gründungszentrum des Clusters. In unmittelbarer sität sowie zum Uniklinikum von Bedeutung. Nicht Umgebung befinden sich mehr als 70 Institute mit zuletzt deshalb ist Würzburg als Kompetenzzentrum medizintechnischem Schwerpunkt an Universität für Biomedizin anerkannt. (Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg) und Hochschulen für Angewandte Wissenschaf- Starke Ausgangssituation für ten, über 20 außeruniversitäre Forschungsein- Bayerns Biotech-KMU richtungen mit engem Bezug zur Medizintechnik Die Bedeutung des Standorts Bayern für Biotech- (darunter Fraunhofer- und Max-Planck-Institute) nologie wird im nationalen Vergleich besonders sowie mehr als 65 Krankenhäuser. Die außerge- deutlich. Mehr als die Hälfte der über 320 in Bayern wöhnliche Dichte an Partnern bietet, zusammen ansässigen Unternehmen im Bereich Biotechnolo- mit der internationalen Markt- und Wettbewerbs- gie und Pharma sind kleine und mittelständische position Einzelner, optimale Voraussetzungen für Mitarbeiterzahlen von Biotech-KMU Anzahl bayerischer Biotech-KMU nach in Bayern seit 2006 Arbeitsgebiet Quelle: Bavarian Biotech Report 2011/12, BioM Biotech Cluster Development GmbH Quelle: Bavarian Biotech Report 2011/12, BioM Biotech Cluster Development GmbH 13 8% 19 65 % 4.016 11% 2,5 39% +3 3.793 3.715 3.460 25% 42 3.290 10% 7% 3.030 16 11 Therapeutika und Diagnostika Agro, Nahrung, Umwelt Bioinformatik Geräte und Reagenzien 2006 2007 2008 2009 2010 2011 DNA- und Protein-Analytik Präklinische Dienstleistungen Invest in Bavaria 09
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    Standort Bayern „Bayern ist ein führendes Medtech-Land“ Interview mit Professor Dr. Michael Nerlich, Vorstandsvorsitzender, Forum MedTech Pharma e.V. Welche Rolle spielt das Netzwerk Forum zinischen Erzeugnisse Deutschlands hergestellt. MedTech Pharma für die Gesundheits- Bei der Betrachtung des Gesamtumsatzes in branche in Bayern? der Medizintechnik nimmt Bayern unter den Als größtes Netzwerk seiner Art in Europa ist das Bundesländern den ersten, bei der Beschäftig- Forum MedTech Pharma eine Plattform für über- tenzahl den zweiten Platz ein. Bayern kann mit regionale und internationale Vernetzung. Mit gutem Recht als führendes Medizintechnik- regionalen Netzwerken und Clustern wie dem Land bezeichnet werden. Medical Valley EMN oder dem Biotech Cluster in München bestehen enge Verbindungen. De- Welche Trends sind in der Medizintechnik ren regional fokussiertes Engagement wird durch zu beobachten? Professor Dr. Michael Nerlich die überregionalen Netzwerk-Aktivitäten per- Im Bereich der Technologie sind der weitrei- ist Leiter der Abteilung für fekt ergänzt. Als nationales und internationales chende Einzug der Informationstechnologie, Unfallchirurgie am Universi- Bindeglied sorgt der Verein für die umfassende der Trend zu Geräten für ambulante oder so- tätsklinikum Regensburg und Vorstandsvorsitzender des Berücksichtigung aller Phasen der Wertschöp- gar häusliche Versorgung oder auch die zu- Forum MedTech Pharma e.V. fungskette – von Forschung und Entwicklung nehmende Verschmelzung der Bereiche Me- über Produktion, Zuliefernetzwerke, klinische dizintechnik, Biotechnologie und Pharmazie Erprobung und Anwendung bis zur internatio- beispielsweise in Form von Kombinationspro- nalen Vermarktung. Außerdem werden Schnitt- dukten wichtige aktuelle Entwicklungen. Noch stellen zwischen den Disziplinen Medizintech- stärker als mit technologischen Herausforde- nik, Biotechnologie und Pharmazie geschaffen. rungen befasst sich die Branche mit der aus der demographischen Entwicklung resultieren- Welche Bedeutung hat Bayern für die den Notwendigkeit, bei Innovationen insbeson- Medizintechnik in Deutschland? dere auf Effizienz zu achten, und mit der Frage In Bayern werden 30 Prozent aller Medizintechnik- der Kostenerstattung für Produkte und Dienst- Produkte und sogar 60 Prozent aller elektromedi- leistungen. den Transfer von Ideen in Produkte und Dienst- dern wie Frankreich oder Italien. Vor allem der leistungen. Das Medical Valley wird von einem Mittelstand spielt in der Medizintechnik Bayerns gleichnamigen Verein entwickelt, koordiniert und eine besondere Rolle. Der Großteil der hier an- vermarktet. Erfolgsrezept des Clusters ist der enge sässigen Unternehmen sind KMU. Betriebe mit Dialog zwischen hochspezialisierten Forschungs- weniger als 50 Mitarbeitern machen dabei sogar einrichtungen, international etablierten Markt- mehr als die Hälfte aller Medizintechnik-Unter- führern und heranwachsenden sowie mittelstän- nehmen aus. dischen Unternehmen. Im Medical Valley EMN sitzt zudem das Forum MedTech Pharma, das größte Fazit deutsche Netzwerk der deutschen Gesundheits- Die Zukunftsaussichten für den Healthcare-Standort wirtschaft (über 620 Mitglieder aus 14 Ländern). Bayern sind durchweg positiv. Starke Grundlagen- Der Verein bietet den Akteuren der Branche viel- forschung, optimale Infrastruktur, ein hoher Grad fältige Möglichkeiten einer nationalen und in- an Vernetzung untereinander sowie der Wille zur ternationalen Vernetzung. aktiven Zusammenarbeit sind verantwortlich für die positiven Impulse, die aus Bayern kommen. Starker Mittelstand im Bereich Biotechnologie und Medizintechnik sind wichtige Medizintechnik Säulen der bayerischen und gesamtdeutschen Wie stark die bayerische Medizintechnik ist, wird Wirtschaft und sollen es auch in Zukunft bleiben. bei genauerer Betrachtung der Umsätze deutlich. Das zeigen Bund und Freistaat durch kontinuier- Von den 22 Mrd. EUR Umsatz der deutschen Medi- liche Investitionen in diesen Branchen. zintechnikindustrie fallen 7 Mrd. EUR auf Bayern, ein knappes Drittel. Damit liegt Bayern vor Län- Martin Bellof Invest in Bavaria 10
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    Standort Bayern Bio-Regionen mitHealthcare-Bezug in Bayern Quelle: eigene Darstellung Europa Deutschland Bayern Würzburg Erlangen Nürnberg Regensburg München Freising- Weihenstephan Invest in Bavaria 11
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    Standort Bayern „Synergien zwischen Medikamenten- entwicklung und Medizintechnik sind besonders wertvoll“ Interview mit Professor Dr. Horst Domdey, BioM, und Professor Dr.-Ing. Erich R. Reinhardt, Medical Valley EMN Herr Professor Domdey, welchen Stellen- Wo sehen Sie das Medical Valley EMN in wert nimmt der Münchner Biotech-Cluster zehn Jahren? in Deutschland ein und wie unterscheidet Reinhardt: Bis 2022 werden viele Innovationen er sich von anderen Standorten? aus dem Medical Valley EMN gezeigt haben, dass Domdey: Im Bereich der Medikamentenentwicklung sie einen nachhaltigen Beitrag zur Effizienz und ist der Munich Biotech Cluster m4 zweifelsfrei der Effektivität der Gesundheitsversorgung leisten. erfolgreichste Biotechnologiestandort in Deutsch- Erste Abschätzungen bei einigen Spitzencluster- land. Wir sind stolz darauf, dass bereits vier hier projekten zeigen, dass alleine in Deutschland pro entwickelte Medikamente den Patienten zugute Jahr 7,5 Mrd. EUR eingespart werden können – Professor Dr. Horst Domdey kommen. Mit über 300 Life-Science-Unternehmen ohne Qualitätsverlust. Durch Struktur- und Prozes- ist Geschäftsführer der BioM und gut 130 kleinen und mittelgroßen Biotechnolo- sinnovationen entwickelt sich das Medical Valley Biotech Cluster Development gie-Unternehmen zählen wir auch zu den europä- EMN zudem zu einer Modellregion für optimale GmbH und Sprecher des baye- rischen Biotechnologie Clusters. ischen Spitzenreitern. Was München auszeichnet Gesundheitsversorgung mit internationalem Refe- und sowohl Innovation als auch Translation fördert, renzcharakter. ist die enge Verzahnung der exzellenten Wissen- schaft mit der Biotech-Industrie. Im Programm m4 – Personalisierte Medizin planen Sie künftig stärker mit dem Medical Herr Professor Reinhardt, was ist der Valley zusammenzuarbeiten. Welche Vor- USP des Medical Valley EMN im Ver- teile sehen Sie darin? gleich zu anderen Medtech-Clustern in Domdey: Ich bin überzeugt, dass sich durch das Deutschland? Zusammenspiel von präziser Diagnostik und zielge- Reinhardt: Im Medical Valley EMN entwickeln richteter Therapie eine bessere und kosteneffekti- Global Player wie Siemens und viele KMU inno- vere Gesundheitsversorgung erreichen lässt. Syner- vative Medizintechnik. Bereits in der Frühphase gien zwischen Medikamentenentwicklung und des Innovationsprozesses arbeiten sie eng mit Medizintechnik sind besonders wertvoll, um inno- Professor Dr.-Ing. Erich R. Reinhardt ist geschäfts- Partnern aus Wissenschaft und Gesundheitsver- vative Konzepte in die klinische Praxis zu übertragen. führender Vorstand des sorgung zusammen. So entsteht eine nachhaltige Medical Valley EMN e.V. Problemlösungskompetenz, die verbunden mit der Wie realistisch ist es, dass beide Regionen Technologiekompetenz der Partner die Innovations- gemeinsam zum führenden europäischen stärke des Medical Valley auszeichnet. Spitzencluster der personalisierten Medizin in Europa aufsteigen? Was ist Ihre Vision für den Biotech-Standort Reinhardt: Personalisierte Medizin ist weltweit München in zehn Jahren? ein Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt, Domdey: München hat sich der Medikamentenent- denn das Wissen um die Wirkung von Medika- wicklung, speziell dem Zukunftstrend der perso- menten ermöglicht eine zielgenauere und indivi- nalisierten Medizin verschrieben und verbessert duelle Behandlung. Für die Entwicklung der hier- zielgerichtet die entsprechenden Rahmenbedin- für nötigen Technologien ist eine enge Zusam- gungen, wie z.B. durch eine Biobank-Infrastruktur. menarbeit zwischen Medizintechnik und Pharma Neben der gut gefüllten Medikamenten-Pipeline unabdingbar. Wenn die beiden stärksten Stand- bietet München einzigartige Technologieplattfor- orte in Bayern in diesem Bereich ihre Kompeten- men. Gerade durch die großen internationalen zen bündeln, bestehen die besten Voraussetzun- Partner von Firmen wie Morphosys, Wilex, 4SC, gen, einen europaweit führenden Spitzencluster Pieris oder Proteros ist die Wahrnehmung im im Bereich der personalisierten Medizin zu formen. Ausland sehr gut und wird sich noch weiter ver- bessern. Das Interview führte Markus Hofelich. Invest in Bavaria 12
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    Standort Bayern Forschungsexzellenz inbayerischer Biotechnologie und Medizintechnik Aus akademisch-wirtschaftlicher Kooperation entstehen im Freistaat wegweisende Konzepte Zahlreiche Institute in bayerischen Universitäten Interdisziplinäre Ansätze prägen die Szene und anderen Einrichtungen befassen sich mit Feinfühliges Operieren mit Robotersystemen ist der Medizin- und Biotechnologie. Im Rahmen der nicht mehr nur Zukunftsmusik. Am Institut für Exzellenzinitiative ist die herausragende Stellung Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrums bayerischer Hochschulen untermauert worden, das für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) führt sind Leichtbau-Roboterarme entwickelt worden, die mehrere bayerische Fakultäten in der Spitzen- ein Arzt aus der Ferne steuern kann. Ein anderes gruppe seiner Forschungsrankings. Viel Hilfe- DLR-Institut – für Physik der Atmosphäre – befasst stellung wird inzwischen für klinische Studien sich mit der Hautkrebsvorsorge per Satellit. Inter- angeboten, um die Hürden zu überwinden. Als disziplinäre Ansätze wie diese prägen längst die wegweisend gelten Aktivitäten für die „perso- Forschung auch in der Medizin- und der Biotech- nalisierte Medizin“, so etliche akademische nologie. Das „Münchner Zentrum für Gesundheits- Kooperationen. wissenschaften“ (MC-Health) der Ludwig-Maxi- milians-Universität (LMU) verfolgt ebenso einen fächerübergreifenden Ansatz wie das Helmholtz Zentrum München, das europaweit führende Forschungszentrum für „Environmental Health“. Als Standort der biomedizinischen Grundlagen- forschung und ihrer klinischen Anwendung ist München international anerkannt. Eine zentrale Rolle spielen die LMU und die Technische Univer- sität München (TUM). An deren zentralem Insti- tut für Medizintechnik (IMETUM) werden die Disziplinen verschränkt, Spezialitäten reichen vom „Innovationszentrum Medizinische Elektronik“ bis zum „Heinz Nixdorf-Lehrstuhl für Medizinische Elektronik“. Die Max-Planck-Gesellschaft unter- hält in München eine ihrer größten biologisch- medizinischen Forschungskonzentrationen mit den Instituten für Biochemie, Neurobiologie und Psychiatrie. Ein Beispiel für die enge Vernetzung ist der Exzellenzcluster Center for Integrated Protein Science Munich (CIPSM). An der Universität Würzburg gilt das Interdisziplinäre Zentrum für klinische Forschung (IZKF) als internes Forschungs- förderinstrument. Die Friedrich-Alexander-Univer- sität Erlangen-Nürnberg unterhält ein Zentrum für medizinische Physik und Technik, an der Universi- tät Regensburg ist ein telemedizinisches Zentrum aufgebaut worden. Die Fraunhofer-Gesellschaft bearbeitet medizintechnische Fragestellungen an mehreren Standorten, so in Erlangen (Bildverar- beitung), Fürth (Röntgentechnologie) und Regens- Zwei Standorte der facettenreichen bayerischen Forschungslandschaft für Medizin- und Biotechnologie: die Technische Universität München (o.) und die Universität Augsburg burg (Tumor- und Stoffwechselerkrankungen). Fotos: © Helmholtz-Zentrum München/TUM, Universität Augsburg Medizintechnische Projekte gibt es ebenso an der Invest in Bavaria 13
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    Standort Bayern Universität der Bundeswehr München, von der Studien zu beachten Sensorik bei Armprothesen bis zur Computersi- ist, wird von Entwick- mulation zur Einspritzung von Knochenzement. lern oft unterschätzt. An der Universität Passau befasst sich die Fakul- „Zunächst sind sie erst tät für Informatik und Mathematik mit digitaler mal geschockt“, bestä- Bildverarbeitung für Computertomografen, die tigt Dr. Bernd Gebhardt, Universität Augsburg hat sich mit einer juristi- der Leiter des Centers schen Forschungsstelle für Medizinprodukterecht for clinical studies (CCS) einen Namen gemacht. Am Zentrum für Weiter- an der Friedrich-Alexan- bildung und Wissenstransfer (ZWW) der Univer- der-Universität Erlan- sität können hierfür Weiterbildungszertifikate gen-Nürnberg: Aber er erworben werden – einzigartig in Deutschland. hilft den Klinikern bei den komplexen organi- Klinische Studien an etlichen Standorten satorischen, betriebs- Innovationshürden in der Medizintechnik be- wirtschaftlichen und schäftigen die Fachwelt nicht erst, seit die rechtlichen Aufgaben. VDI/VDE Innovation und Technik GmbH mit Derartige Unterstüt- In etwa 40 Forschungsprojekten kollaborieren interdisziplinäre akade- einer Studie den Finger in die Wunde gelegt zung zieht nun Kreise. mische Forschung und industrielle Partner. Fotos: © BVMed-Bilderpool, Fraunhofer IBMT hat. Beratung und Betreuung bei klinischen Stu- dien gewinnen inzwischen an Bedeutung. Für Strategiekonzept für personalisierte Medizin solche Studien gibt es etliche Anlaufstellen – vor Für die „personalisierte Medizin“, die mit indivi- allem, aber nicht nur an den Universitätskliniken dueller Orientierung einen tiefgreifenden Wandel in München, Erlangen, Regensburg und Würz- der Medizin und eine neue Dimension der Medi- burg oder dem Deutschen Herzzentrum in Mün- kamentenentwicklung einleiten dürfte, werden chen. Der Koordination dient ein „Bayerisches in Bayern wichtige Forschungsgrundlagen erar- Netzwerk für Klinische Studien“ (BayernNetz) beitet. Das gilt etwa für die Arbeiten von Pro- mit einer Geschäftsstelle am Klinikum rechts fessor Florian Holsboer am Max-Planck-Institut der Isar in München. Gerade kleineren Unter- für Psychiatrie in München bei Depressionen, nehmen sollen so klinische Studien erleichtert von Prof. Axel Ullrich, heute Direktor am Max- werden. Auch Zentren für klinische Studien Planck-Institut für Biochemie, bei der Entwick- werden an mehreren Universitäten betrieben. lung von Herceptin, das jahrelang als einziges Die LMU beteiligt sich laufend an klinischen und personalisiertes Krebsmedikament galt, oder epidemiologischen Studien, sowohl in einzelnen von Prof. Matthias Mann am Max-Planck-Ins- Kliniken als auch in Einrichtungen wie dem „Clini- titut für Biochemie in Martinsried bei München cal Study Center“ (CSCLMU), dem „Koordinations- bei innovativen Technologien für Proteine. Zu zentrum chirurgische Studien“ (KCS) oder dem dem Strategiekonzept „m4 – Personalisierte Comprehensive Cancer Center (CCCLMU). Klini- Medizin und zielgerichtete Therapien“ haben sche Studien sind auch am Tumorzentrum Mün- sich im Großraum München Biotechnologie- chen (TZM) möglich. Auch an der Fakultät für und Pharma-Unternehmen, Kliniken und wis- Medizin der TU München wird der Translation von senschaftliche Institute mit der Clustermanage- Ergebnissen aus Grundlagenforschung und prä- mentgesellschaft BioM zusammengeschlossen. klinischen Studien in die klinische Praxis viel Be- In etwa 40 Forschungsprojekten werden die deutung beigemessen, so am Standort Klinikum Arbeiten von interdisziplinärer akademischer rechts der Isar. Eine Zusammenarbeit mit indus- Forschung und industriellen, meist mittelstän- triellen Partnern pflegt ebenso das Helmholtz dischen Partnern zusammengeführt. Die zustän- Zentrum München. Möglich sind klinische Studien dige BioM Biotech Cluster Development GmbH auch an anderen bayerischen Einrichtungen, so arbeitet eng mit Partnern an Universitäten und etwa den Asklepios Fachkliniken München-Gau- anderen Forschungseinrichtungen sowie Dienst- ting – vor allem in der thorakalen Onkologie und leistern zusammen. in der interventionellen Bronchologie – oder am Städtischen Klinikum München. Was bei klinischen Dr. Lorenz Goslich Invest in Bavaria 14
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    Standort Bayern Der Clouvon Erlangen Test direkt in der Klinik Vor einem Berg von Problemen stehen kleine und struktur damit für externe Partner genutzt werden mittlere Unternehmen oft, wenn es um den Test kann. Das Test- und Anwendungszentrum ist di- neuer medizintechnischer Lösungen und Geräte rekt in Räumen des Universitätsklinikums ansäs- geht: Was muss beachtet werden, was ist zu sig. Zusammen mit dem medizinischen Personal dokumentieren, wie erhält man die Zulassung? werden die Neuheiten dem Test im klinischen In Erlangen gibt es Hilfe, den Berg zu überwinden: Alltag unterzogen – und im Fall des Falles wer- bei „Metean“. den Probleme sofort entdeckt. Die Erkenntnisse werden dann unmittelbar an die jeweiligen Un- Alles inbegriffen – von der Idee bis zur ternehmen weitergeleitet. Für schnelles Anwen- Vermarktung der-Feedback ist damit gesorgt, so dass nicht un- Das medizintechnische Test- und Anwendungs- nötig Zeit vergeht und entsprechende Konse- zentrum „Metean“ des Fraunhofer-Instituts für quenzen gezogen werden können. Besonders integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen ist ein kleinen und mittleren Unternehmen glaubt man Schlüsselprojekt innerhalb des Fraunhofer-Inno- bei Metean dabei helfen zu können, Innovations- vationsclusters „Personal Health“, das unterschied- hürden zu überwinden und einen Weg durch die liche Kompetenzen innerhalb der Fraunhofer-Ge- gesetzlichen, regulatorischen, ökonomischen und sellschaft bündelt. Als Vision gilt die Prävention technischen Vorschriften mit ihren vielen Rand- von Krankheiten durch medizinische Fernbetreu- bedingungen zu finden. ung. Wichtigster Arbeitsschwerpunkt von Metean sind Projekte zur Versorgungsforschung. In Ko- Ganz persönlich: Der Trainingsanzug leitet operation mit Kliniken, Universitätsinstituten, seinen Nutzer an Krankenkassen und Unternehmen werden klini- Im Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen sche Studien bearbeitet. Im Vordergrund stehen beschäftigt sich die Abteilung Bildverarbeitung dabei Verbesserungen durch den Einsatz tele- und Medizintechnik (BMT) vor allem mit medizi- medizinischer Systeme und Dienstleistungen – nischer Bildverarbeitung, medizinischer Sensorik, sowohl beim Übergang von stationärer zu ambu- medizinischer Kommunikation und Biosignalver- lanter Behandlung und Betreuung als auch bei arbeitung. Bei Metean ist das Produkt „Hemacam“ der Versorgungsqualität. Die Experten bei Metean entwickelt worden, eine computerassistierte haben den Anspruch, Mikroskopie für die Hämatologie. Als beispiel- die gesamte Kette des haft für die intensiven Arbeiten am Thema per- Innovations- und Ent- sonalisierte Medizin gilt ein sogenannter Fit- wicklungsprozesses ab- nessbegleiter, ein Teilprojekt des Bayerischen zudecken, von der Idee Forschungsstiftungsverbundes „FitForAge“. Es über Machbarkeitsana- handelt sich um einen intelligenten Trainings- lysen, Tests und Validie- anzug, der ein individuelles Gesundheits- und rungen bis zur Zertifizie- Fitnessprogramm bereitstellt, die gemessenen rung und Zulassung – Daten auswertet, dem Nutzer Rückmeldungen und nicht zuletzt zur zu seinen Aktivitäten gibt und ihn damit bei schnellen Vermarktung. Gymnastik- oder Reha-Übungen anleitet – ganz persönlich sozusagen. Eingesetzt wird dieser Für schnelles Anzug bisher vor allem in Bewegungsprogram- Anwender-Feedback men für Senioren oder Reha-Patienten. Künftig wird gesorgt soll er aber auch jungen Menschen angeboten Der Clou bei Metean ist werden, so etwa für Spiele oder virtuelle Wett- eine enge Einbindung kämpfe. Campus der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ins Universitätsklinikum Foto: © Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Erlangen, dessen Infra- Dr. Lorenz Goslich Invest in Bavaria 15
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    Standort Bayern Pharma- und Medizintechnik-Konzerne in Bayern Überblick, Trends und Entwicklungen Vertreter sowohl der Pharma- als auch der Me- Hervorragende Forschungsinfrastruktur dizintechnikbranche gelten als Unternehmen und exzellent ausgebildetes Personal mit überdurchschnittlichem Engagement in Während der Entwicklung neuer Wirkstoffe und Forschung und Entwicklung. Mit Forschungs- Therapeutika ist deren Erprobung am Menschen ausgaben jenseits von 10 Prozent des Unterneh- im Rahmen klinischer Studien ein zentrales Ins- mensumsatzes gelten beide als Innovations- und trument. Hier profitieren bayerische Unternehmen Wirtschaftsmotoren zugleich. In Bayern sind von der hervorragenden Forschungs-Infrastruktur neben zahlreichen kleinen und mittelständischen und exzellent ausgebildetem Personal in einem Unternehmen auch Global Player wie zum Bei- gut ausgebauten Netzwerk stationärer und am- spiel Siemens Healthcare, Roche Diagnostics, bulanter medizinischer Versorgungseinrichtungen. GE Healthcare, Novartis Pharma, Fresenius Me- In den vergangenen Jahren hat insbesondere die dical Care oder GlaxoSmithKline mit Forschungs- Zahl in Deutschland durchgeführter Zulassungs- und Produktionsstandorten vertreten. studien in den frühen Phasen I und II wieder deut- lich zugenommen. Global Player wie Novartis Ein attraktiver Standort für Global Player Pharma mit knapp 1.800 Mitarbeitern am Stand- In der Arzneimittelentwicklung hat Deutschland ort Nürnberg haben Deutschland, mit aktuell rund seine Rolle als „Apotheke der Welt“ bereits vor 180 laufenden Studien, zum wichtigsten klinischen vielen Jahren abgegeben. Zahlreiche sogenannte Forschungsstandort nach den USA ausgebaut. Big Pharmas haben sowohl ihre Forschungs- und Ähnliches gilt für die deutschen Tochterunterneh- Entwicklungsstandorte als auch ihre Produktion men internationaler Pharmariesen wie Glaxo- ins Ausland verlagert. Anders verhält es sich aber SmithKline, MSD und Daiichi Sankyo, die ihre im Bereich der zukunftsträchtigen, biotechnolo- Hauptsitze jeweils im Großraum München un- gisch hergestellten Arzneimittel. Hier hat sich terhalten. Über reine Vertriebsniederlassungen Deutschland als größter Produktionsstandort in hinaus wurde in den vergangenen Jahren ver- Europa etabliert und liegt weltweit auf Rang 2, stärkt in den Ausbau des klinischen Forschungs- nach den USA. Verantwortlich dafür sind u.a. standorts investiert. Unternehmen wie Roche Diagnostics, das mit kontinuierlichen Investitionen seinen bayerischen Medizintechnik aus Bayern: Spitzenstel- Standort Penzberg zum größten biotechnologi- lung bei elektromedizinischen Geräten schen Forschungs-, Entwicklungs- und Produk- In der Medizintechnik deckt Bayern etwa 30 Pro- tionszentrum des Roche-Konzerns innerhalb von zent der gesamten medizintechnischen Produk- Europa mit über 4.500 Mitarbeitern ausgebaut tion Deutschlands ab. Dabei nimmt die elektro- hat. Roche hat sich, gewissermaßen als Pionier, medizinische Geräteproduktion mit einem Anteil der personalisierten Medizin als Kernelement von über 60 Prozent eine Spitzenstellung ein. Ver- seiner Geschäftsstrategie verschrieben. Gene- antwortlich dafür ist, neben einer Vielzahl kleiner rell setzt das Konzept der personalisierten Me- und mittelständischer Unternehmen, einer der dizin eine Charakterisierung des Patienten auf- weltweit größten Anbieter im Gesundheitswe- grund sogenannter Biomarker voraus, die des- sen, Siemens Healthcare mit Forschungs-, Ent- sen Zuordnung zu einer Patientengruppe ermög- wicklungs- und Produktionsstandorten in der licht, für die eine maßgeschneiderte Therapie Metropolregion Nürnberg. Der Konzern mit welt- zur Verfügung steht. Bei der dafür notwendigen weit über 50.000 Mitarbeitern ist ein Spezialist Co-Entwicklung von Diagnostik und Therapie auf den verschiedenen Gebieten der Bildgebung profitiert Roche in Bayern vom weltweit einzigen und Weltmarktführer im Bereich Magnetresonanz- Standort des Konzerns, an dem Forschung, Ent- tomografie (MRT). Neben der Computertomogra- wicklung und Produktion der beiden Geschäfts- fie (CT) hat sich die MRT als wichtigstes bildge- bereiche Pharma und Diagnostik vereint werden. bendes Verfahren etabliert und ermöglicht insbe- Invest in Bavaria 16
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    Standort Bayern eine Verbesserung des Patientenmanagements bei Früherkennung, Diagnose und Therapie und eine damit verbundene Kostensenkung im Ge- sundheitswesen. Effizienz und Integration: Zukunft der Gesundheitsversorgung Integration in der Gesundheitsversorgung ist auch die Strategie von Fresenius, dem weltweit führenden Anbieter von Produkten und Dienst- leistungen für Menschen mit chronischem Nie- renversagen. Mehr als jede zweite Dialysema- schine weltweit wurde am bayerischen Fresenius- Standort Schweinfurt entwickelt und gefertigt. Basierend auf diesem Geschäftsfeld hat sich Fresenius in den vergangenen Jahren weitere Unternehmensbereiche erschlossen und vereint heute nicht nur die Entwicklung und Produktion von Medizinprodukten und Arzneimitteln, son- dern auch die Patientenversorgung mit eigenen Krankenhäusern und Spezialkliniken in einem integrierten Gesundheitskonzern. Auf dem Weg, die bestmögliche Gesundheitsversorgung im Rah- Der Pharma- und Medizintechnik-Standort Bayern ist im globalen Umfeld hervorragend aufgestellt. Fotos: © Archiv, Ioana Drutu men begrenzter Budgets zu ermöglichen, erweist sich die zunehmende Integration verschiedener sondere die Darstellung von Weichteilgewebe Bereiche aus Medizintechnik und Pharma, Diag- wie Gehirn oder innere Organe. Aktuell gewinnt nostik und Therapie als gemeinsame Strategie die MRT in der Hybridbildgebung, als Kombi- insbesondere der großen Konzerne. Eine wichti- nation aus MRT und der Positronen-Emissions- ge Rolle spielt dabei auch die Kooperation mit Tomografie (PET), zunehmend an Bedeutung. verschiedenen Lösungsanbietern aus dem Be- Durch die simultane Messung von Morphologie reich moderner Kommunikationstechnologie. und Funktion auf der einen und Metabolismus auf der anderen Seite sind erhebliche Fortschritte Fazit bei der klinischen Diagnostik möglich, ebenso bei Der Pharma- und Medizintechnik-Standort Bayern der Entwicklung neuer Biomarker in der persona- ist im globalen Umfeld hervorragend aufgestellt lisierten Medizin. Auch hier sind extreme tech- und hat umfangreiches Potenzial, diese interna- nische Anstrengungen nötig, um PET-Detektoren tionale Spitzenstellung zu festigen und weiter innerhalb starker Magnetfelder einsetzbar zu auszubauen. Dementsprechend schätzt eine machen. Neben der kontinuierlichen Weiter- große Mehrheit der Unternehmen die Zukunfts- entwicklung ihrer diagnostischer Systeme und aussichten positiv ein – basierend auf Chancen Geräte verfolgt Siemens Healthcare mit der durch neue Märkte, demografische Entwicklung, Zusammenführung von Patientendaten aus hohen Innovationsgrad und den ausgezeichneten bildgebenden und labordiagnostischen Verfahren Ruf von Gesundheitsprodukten „Made in Bavaria“. über hauseigene IT-Systeme eine langfristige Zukunftsstrategie. Als Ergebnis erhofft man sich Ilja Hagen Invest in Bavaria 17
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    Biotech in Bayern „Die Bereitschaft Unternehmen zu gründen, verbreitet sich wie ein Virus“ Interview mit Prof. Dr. Axel Ullrich, Direktor Forschungsgruppe Molekularbiologie, Max-Planck-Institut für Biochemie (MPIB) Herr Professor Ullrich, können Sie das MPIB und war entscheidend an der Etablierung mo- mit seinen Forschungsschwerpunkten kurz lekularbiologischer Methoden beteiligt. Und vorstellen? vermutlich hat auch meine Vergangenheit Wir sind Teil einer der erfolgreichsten Forschungs- beim ersten Biotech-Unternehmen der Welt, organisationen Deutschlands, der Max-Planck- Genentech, geholfen. Ich denke, dass mir Gesellschaft. Bei uns tragen derzeit acht Abtei- dadurch eine gewisse Vorbildfunktion zuge- lungen und über 30 Forschungsgruppen zu den sprochen wurde, die andere inspiriert hat. neuesten Erkenntnissen in den Bereichen Bioche- Übrigens hat die Max-Planck-Gesellschaft mie, Zellbiologie, Strukturbiologie, Biophysik und auch das Gelände, auf dem das Innovations- Molekularwissenschaft bei. Die klassischen For- und Gründungszentrum Martinsried steht, Prof. Dr. Axel Ullrich ist Direktor der Forschungsgruppe schungsbereiche unseres Instituts entwickeln zur Verfügung gestellt. Molekularbiologie am MPIB sich dabei zunehmend in Richtung Struktur- und und Biotechnologie-Entrepre- Systembiologie, Genetik und neue Bildgebungs- Sie haben in Martinsried drei Unterneh- neur der ersten Stunde. methoden – auch die Bioinformatik spielt eine men mitgegründet, unter anderem auch große Rolle. Die biomedizinische Grundlagen- die Kinaxo GmbH, die kürzlich an Evotec forschung ist ein weiterer wichtiger Aspekt, denn verkauft wurde. Wie würden Sie das Störungen der zellulären Signalübertragung oder Gründungsumfeld in Bayern bewerten? fehlerhafte Proteinstrukturen können Krankheiten Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass wie zum Beispiel Krebs, Diabetes oder Alzheimer sich unter Wissenschaftlern die Bereitschaft zur Folge haben. Somit hilft die Arbeit unserer zu Unternehmensgründungen wie ein Virus Wissenschaftler auch, die Entstehung dieser verbreitet. Das ist unglaublich spannend zu Krankheiten besser zu verstehen, und bildet eine beobachten. Großen Anteil daran hat Prof. Dom- Basis für neue Therapie- dey, der für den Raum München und Bayern als strategien. Promotor und Katalysator agiert. Das Umfeld für Unternehmensgründungen ist sehr gut. Akademi- Welchen Stellenwert sche und außeruniversitäre Forschungseinrich- hat das MPIB für die tungen, Gründerzentren und Universitätskliniken deutsche Biotechnolo- befinden sich in unmittelbarer Nähe zueinander giebranche? und stehen in regelmäßigem Kontakt. Ich selbst Ich denke einen bedeu- habe auch vor Kurzem wieder ein Unternehmen tenden. Einige Köpfe des mitgegründet und denke zudem über ein weiteres MPIB waren zentral an der Engagement nach. Entstehung der Branche beteiligt. Prof. Peter Hof- Sie sind durch Ihre beruflichen Aktivitäten schneider zum Beispiel häufig im Ausland unterwegs. Welche war schon in den siebziger Stärken des Standorts Bayern sehen Sie Jahren auf europäischer im internationalen Vergleich? Ebene einer der ersten Eine der großen Stärken des Wirtschaftsstand- Gründer im Bereich Bio- orts Bayern ist die politische Unterstützung. technologie. Prof. Horst Wenn Akteure aus Politik wirtschaftliches Po- Domdey, der wesentlich tenzial erkennen, arbeiten sie konsequent daran, am Aufbau des Biotechno- dieses Potenzial auch auszuschöpfen. Mich per- logie-Standorts Bayern sönlich hat deshalb nicht überrascht, dass die beteiligt war und heute deutsche Biotechnologie gerade in Bayern ge- die BioM Biotech Cluster startet ist. Die Max-Planck-Institute für Biochemie und Neurobiologie haben ihren Sitz in München/Martinsried. Development GmbH leitet, Fotos: © Max-Planck-Institut für Biochemie hatte ein Labor am MPIB Das Interview führte Martin Bellof. Invest in Bavaria 18
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    Biotech in Bayern Fitfür die Medizin der Zukunft Schwerpunkt „personalisierte Medizin“ in München Dem gewaltigen medizinischen Fortschritt zum geforderten hohen Wirksamkeits- und Sicher- Trotz ist die Wirksamkeit vieler Medikamente heitshürden überhaupt realisieren. stark begrenzt. Selbst bei den gängigsten Medi- kamenten, z.B. gegen Bluthochdruck, bleibt die Impulsgeber für die ganze Region gewünschte Wirkung bei mehr als einem Drittel Im Münchner Spitzencluster m4 arbeiten mehr als der Patienten aus. Der Grund hierfür liegt in den 100 Biotech-Unternehmen und akademische Grup- unterschiedlichen biologischen Krankheitsursachen pen an 40 vom BMBF geförderten Forschungs- und und in der Vielfalt der medizinisch relevanten Ver- Entwicklungsprojekten. „Die Projekte haben sich als anlagungen und Lebensumstände jedes Menschen. Impulsgeber für die ganze Region herausgestellt Diese vielfältigen individuellen Faktoren entschei- und schärfen Münchens Profil als Top-Standort für den darüber, ob ein Medikament anschlägt, über- innovative Medikamentenentwicklung“, freut sich haupt keine Wirkung zeigt – oder sogar nur uner- Prof. Domdey. „Zusätzlich werden mit übergreifen- wünschte Nebenwirkungen auslöst. den Infrastrukturprojekten die Rahmenbedingun- gen verbessert.“ Münchner Spitzencluster m4 Der Münchner Spitzencluster m4 hat es sich zur m4 Biobank Alliance Aufgabe gemacht, mit Hilfe der personalisierten Um neue Biomarker zu entdecken und ihre medizi- Medizin wirksamere und sichere Medikamente nische Relevanz statistisch nachzuweisen, werden für schwerwiegende Krankheiten wie Krebs, Herz- menschliche Bioproben benötigt, insbesondere Ge- Kreislauf- oder Autoimmunerkrankungen zu ent- webe, z.B. Tumorbiopsien, die mit den klinischen Da- wickeln. Die personalisierte Medizin verfolgt die ten des anonymen Spenders verknüpft sind. In der Strategie, dass durch eine tiefergehende moleku- m4 Biobank Alliance haben sich die Technische Uni- lare Diagnostik schon vor der Medikamentengabe versität, die Ludwig-Maximilians-Universität und das herausgefunden wird, für welchen Patienten wel- Helmholtz Zentrum München zusammengeschlos- cher Wirkstoff am besten geeignet ist. Mit einem sen, um ihre Biobank-Ressourcen effektiver zu nutzen. Begleitdiagnostikum, das sogenannte Biomar- Wissenschaftler sowie die forschende Pharma- und ker testet, werden die Patienten in bestimmte Biotechindustrie profitieren von den gemeinsamen Krankheits-Untergruppen eingeteilt („stratifiziert“). Qualitätsstandards und einem zentralen Zugang. Jede Gruppe wird dann mit einer spezifischen Therapie behandelt, so- m4 Trial Service Center Funktionsprinzip fern diese verfügbar ist: Biomarker bieten neue Herausforderungen, aber personalisierte Medizin Derzeit stehen in Deutsch- auch neue Chancen bei der Durchführung klinischer Quelle: m – Personalized Medicine in Munich, Bio Biotech Cluster Development GmbH 4 M land erst 26 „personali- Studien: Einerseits wird die Studie komplexer, sierte“ Therapieoptionen andererseits können Biomarker bei der Stratifi- zur Verfügung, davon der zierung von Patienten helfen und somit Aussagen Großteil in der Onkologie. zulassen, welche Patientengruppen besonders „Doch der Trend in der in- von einer Therapie profitieren. Das Design solcher Biomarker-basierte Diagnostik ternationalen Pharmain- Biomarker-getriebenen klinischen Studien steht dustrie geht klar in Rich- im Fokus des m4 Trial Service Centers. Hier erhal- tung Personalisierung“, ten Unternehmen Beratung und Expertise bei Fra- sagt Professor Domdey, gestellungen rund um das Thema Biomarker – vom Sprecher des Spitzen- Studiendesign bis zur Zulassung. Mit diesen und Personalisierte Medizin clusters m4. Nur mit weiteren Projekten, z.B. zur Weiterbildung und einer genau definierten zum Technologietransfer, wird der Standort Mün- Patientengruppe ließen chen fit gemacht für die Medizin der Zukunft. sich die heutzutage von den Zulassungsbehörden Dr. Georg Kääb und Dr. Almut Graebsch Invest in Bavaria 19
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    Biotech in Bayern Land der Biotech-Pioniere Innovation in Bayern kommt von kleinen und mittleren Unternehmen Bayern hat sich dank einer Vielzahl kleiner und Für diese Entwicklung gibt es gute Gründe. Einer mittlerer Unternehmen in einem von Gründer- davon ist die exzellente wissenschaftliche Infra- geist geprägten Umfeld zu einem herausragen- struktur mit ihren renommierten Forschungsins- den Standort für die Biotechnologie in Deutsch- tituten und Hochschulen. Die Universitäten in land entwickelt. München, Regensburg und Würzburg gehören dazu ebenso wie die Max-Planck-Institute und Exzellente Innovationskultur das Helmholtz Zentrum München. Der intensive Kreativität wird in Bayern groß geschrieben. Austausch zwischen Wissenschaft und Unterneh- Seit mehr als zwei Jahrzehnten treiben junge men, den das bayerische Wirtschaftsministerium innovative Unternehmen – häufig entstanden fördert und zu dem nicht zuletzt auch die Nieder- als Ausgründungen wissenschaftlicher Einrich- lassungen namhafter Pharmakonzerne ein Gutteil tungen – vor allem im Bereich der roten Biotech- beitragen, wird vorangetrieben durch regionale nologie eine Entwicklung voran, die sich in Cluster und landesweite Netzwerke. Die daraus beeindruckenden Zahlen manifestiert. Die insge- resultierende Innovationskultur hat Bayern nicht samt 166 Unternehmen stehen heute für mehr als nur zur Keimzelle, sondern auch zu einem Motor 30 Prozent aller kleinen und mittleren Biotech- der Biotechnologie in Deutschland gemacht. Das Unternehmen in Deutschland und sie ziehen belegen die mehr als 80 in die klinische Erpro- immer wieder auch die Aufmerksamkeit von bung fortgeschrittenen Therapiekandidaten und Investoren auf sich. So ist im Jahr 2011 fast die eine Fülle präklinischer Studien. Die vielen klei- Hälfte des bundesweit für die Biotechnologie nen und mittleren Unternehmen sind aber auch bereitgestellten Venture Capitals nach Bayern zunehmend in der Lage, Geld zu verdienen. In der geflossen. Im gleichen Jahr war das Bundes- Zeit von 2008 bis 2011 haben sie ihre Umsätze um land die einzige Region, in der sich internatio- 30 Prozent auf über 510 Mio. EUR gesteigert, wäh- nale Firmen des Sektors neu angesiedelt haben. rend gleichzeitig die Zahl der Beschäftigten von Die Produkt-Pipelines von 4SC, Antisense Pharma, Morphosys und Wilex Quelle: eigene Recherche Klinische Phase III Klinische Phase II Klinische Phase I Präklinische Phase Forschung 0 5 10 15 20 25 30 4SC Antisense Pharma Morphosys Wilex Invest in Bavaria 20
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    Biotech in Bayern rund 3.400 auf über 4.000 Mitarbeiter gewach- weit bedeutendsten Pharmaunternehmen hat sen ist. Einnahmen aus Partnerschaften und Li- Morphosys eine mehr als 70 Medikamenten- zenzverträgen mit großen Pharma- und Biotech- kandidaten umfassende Pipeline aufgebaut – Konzernen tragen zur Umsatzgenerierung eben- unter anderem zur Behandlung von Krebs, so bei wie Erlöse aus der Bereitstellung von Know- Rheumatoider Arthritis und Alzheimer. Die how und Serviceleistungen auf Basis der eigen- Partnerschaften und die Vermarktung der fir- ständig entwickelten Technologieplattformen. meneigenen Technologien ermöglichen es heute, die eigenen Forschungsaktivitäten voll- Auch kommerziell erfolgreich ständig selbst zu finanzieren und stabile opera- Eines der Flaggschiffe des Standorts ist der vor tive Gewinne zu erzielen. Ein wichtiges Funda- zwei Jahrzehnten gegründete Antikörper-Spe- ment für diese Entwicklung ist die über Jahre zialist Morphosys AG in München. Dem Unter- hinweg aufgebaute Humane Kombinatorische nehmen gelang 1999 als erster deutscher Bio- Antikörperbibliothek (HuCAL). Als eines der vie- tech-Firma der Sprung an die Börse. Es verfügt len Highlights in der Firmengeschichte meldete über führende Technologien, die sowohl für Morphosys im Frühjahr 2012 die erstmalige Wei- Forschungszwecke wie auch in der Diagnostik terentwicklung eines HuCAL-Antikörpers zur und bei der Herstellung von Medikamenten zum Behandlung von Alzheimer-Patienten in eine Einsatz kommen. Über Allianzen mit den welt- zulassungsrelevante Studie. „Das IZB wird weiter wachsen“ Interview mit Dr. Peter Hanns Zobel, Geschäftsführer, IZB GmbH Herr Dr. Zobel, können Sie kurz das IZB Welche Erfolgsgeschichten haben ihren vorstellen? Ursprung im IZB? Das IZB wurde bereits 1995 ins Leben gerufen. Ziel Seit Gründung haben ca. 50 Unternehmen das ist es, Gründern von Biotechnologie-Start-ups die IZB verlassen. Die meisten sind noch heute er- benötigte Gebäudeinfrastruktur zu liefern. Dazu folgreich. In diesen Tagen stechen zwei Unter- bieten wir Labor- und Büroräume zu flexiblen nehmen mit Ursprung in Martinsried besonders Mietverträgen an. Seit seiner Gründung ist das hervor. Einerseits Micromet, die von Amgen für IZB stark gewachsen. Auf einer Gesamtfläche 1,2 Mrd. USD übernommen wurde, und anderer- von mehr als 23.000 m² an den Standorten Mar- seits Corimmun, für die Johnson & Johnson, ein tinsried und Freising-Weihenstephan beherbergen amerikanischer Pharmariese, 100 Mio. USD Dr. Peter Hanns Zobel ist wir derzeit knapp 60 Unternehmen. Über die In- bezahlt hat. Bei Erreichung entsprechender Geschäftsführer des Innova- frastruktur hinaus vermitteln wir auch Kontakte Meilensteine kann sich diese Summe sogar tions- und Gründerzentrums unseres weitläufigen Netzwerks an Wissenschaft- mehr als verdoppeln. Biotechnologie (IZB) Martins- ried und Freising. lern, Unternehmern und Geldgebern und enga- gieren uns für unsere Mieter bei Messen und Wo stellen Sie sich das IZB in zehn Veranstaltungen. Jahren vor? Bis 2022 wird unser Campus weiter wachsen und Wann verlassen Ihre Mieter das IZB? sich zum besten Biotech-Standort Europas ent- In der Regel planen wir mit einem Zeitraum wickeln. Der dann erfolgte U-Bahn-Anschluss von ca. fünf bis sieben Jahren. Dann haben die sowie ein Boardinghouse verbessern die Infra- Unternehmen meist eine Größe erreicht, die den struktur unseres Campus weiter. Der „Faculty Rahmen des IZB sprengen würde. Da auf dem Club“ in unserem Boardinghouse intensiviert gewerblichen Immobilienmarkt jedoch den Austausch im Campus-Netzwerk und macht Laborflächen dünn gesät sind, beherbergen wir ihn noch fruchtbarer. Außerdem rechne ich fest im Einzelfall Unternehmen auch darüber damit, dass es bis dahin auch den ersten Bio- hinaus. tech-Blockbuster aus Martinsried geben wird. Invest in Bavaria 21
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    Biotech in Bayern Wachstumsorientierte Strategien Auch viele andere Gründer der ersten Stunde haben ihre Geschäftsmodelle im Laufe der Jahre erweitert und zukunftsträchtige Wachstumsstra- tegien entwickelt. Die im Bereich der Erkennung und gezielten Behandlung verschiedener Krebs- arten forschende Wilex AG etwa, die aus einer klinischen Forschergruppe an der TU München hervorgegangen ist, erzielt heute ebenfalls bereits steigende Millionenumsätze. Zu den am wei- testen fortgeschrittenen Kandidaten des Pro- duktportfolios gehört mit Redactane ein bildge- bendes Diagnostikum, mit dem sich gutartige von bösartigen Nierentumoren besser unter- scheiden lassen. Wilex hat sein Leistungsspek- Die Gründung von Morphosys liegt nun schon zwei Jahrzehnte zurück. Heute zählt der Antikörper-Spezialist zu den Flaggschiffen der Branche. trum aber auch gezielt durch Zukäufe erweitert Foto: © Morphosys AG und bietet Dienstleistungen rund um die präkli- nische Auftragsforschung an. Ein Großteil der bereits erzielten Umsätze stammt aus US-Li- risikos bei gleichzeitiger Nutzung von Synergien zenzvereinbarungen für den auf die Verhinde- realisieren lässt. Eines dieser Unternehmen ist rung von Metastasen in der Niere abzielenden die im IZB Martinsried ansässige 4SC AG, die Produktkandidaten Rencarex. Vom Vertrauen eine breite Pipeline für Medikamente zur Behand- der Anleger in das ebenfalls an der Börse no- lung von Krebs- und Autoimmunerkrankungen tierte Unternehmen zeugte erst jüngst wieder geschaffen hat. Darauf aufbauend fließen nun eine erfolgreich durchgeführte Kapitalerhöhung. kontinuierlich wachsende Einnahmen. 4SC schließt zu diesem Zweck ab einer bestimmten Effiziente Nutzung finanzieller Ressourcen Phase der Medikamentenentwicklung Lizenzver- Bayerische Biotech-Unternehmen machen zudem träge mit Partnern aus der Pharma- und Biotech- immer wieder vor, dass sich über eine Vielzahl von industrie, um mit diesen gemeinsam dann die Projekten eine breite Streuung des Entwicklungs- finale klinische Phase sowie die Markteinfüh- Die Eigentümerstruktur von 4SC, Antisense Pharma, Morphosys und Wilex Quelle: eigene Recherche Unternehmen Auswahl bedeutender Investoren Börsennotiert Streubesitz* 4SC** Santo Holding (48,1 %), FCP (9,91 %), DVCG/VCG (6,13 %), ja 24,50 % Heidelberg Capital (5,86 %) Antisense Pharma*** MIG Verwaltungs AG, S-Refit, gcf - Global Chance Fund, nein – GAF – Global Asset Fund, kfw Mittelstandsbank, Bayern Kapital Morphosys Novartis Pharma (ca. 7 %), Astra Zeneca (ca. 5 %) ja ca. 88 % Wilex dievini Hopp Bio Tech Holding (31,16 %), Verwaltungsgesellschaft des ja 30,81 % Golf Club St. Leon-Rot (12,85 %), UCB (15,71 %), TVM Capital Fonds (4,5 %), Merlin Fonds (3,44 %) *Streubesitz nach Definition der Deutschen Börse ** nach Schätzung des Managements *** keine Prozentangaben verfügbar Invest in Bavaria 22
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    Biotech in Bayern rung zu bestreiten. Ein Beispiel dafür ist der mit angestrebten Meilensteine für eine Vielzahl von dem japanischen Partner Yakult Honsha 2011 ge- Indikationen schneller zu erreichen. Das verringert schlossene Lizenzvertrag zur Kommerzialisierung das unternehmerische Risiko und erhöht gleichzei- des Krebsmedikaments Resminostat, in dem Erlö- tig die Chancen auf erfolgreiche Partnerschaften se aus Vorabzahlungen, Meilensteinzahlungen und lukrative Lizenzverträge. und späteren Umsatzbeteiligungen vereinbart wurden. Über die Tochtergesellschaft 4SC Dis- Im Visier internationaler Konzerne covery GmbH vermarktet das Unternehmen zudem Die Innovationskraft der Biotech-Unternehmen sein Know-how als Dienstleister für die Phar- weckt jedoch längst nicht mehr nur das Interesse maindustrie. Auch 4SC konnte sich über eine von Kooperationspartnern. Die internationale Kapitalerhöhung erst kürzlich wieder zusätzliche Pharmaindustrie ist zunehmend auch bereit, die Finanzierungsmittel sichern. in Bayern gewachsenen Ideen durch den Kauf ganzer Unternehmen zu erwerben. Ein heraus- Attraktiv für Risikokapital ragendes Beispiel dafür ist die Übernahme der Mit der Hilfe von Venture Capital und privaten In- in Martinsried beheimateten Corimmun GmbH vestoren entwickelt die im Regensburger BioPark durch die Janssen-Cilag GmbH, ein Tochterunter- ansässige Antisense Pharma GmbH innovative nehmen des Pharmariesen Johnson & Johnson. Medikamente gegen aggressive Tumorerkran- Obwohl sich die Projekte des erst im Jahr 2006 kungen. Sie setzt dabei auf das immense Poten- gegründeten Biotech-Start-ups zur Behandlung zial des Wirkstoffs Trabersen, der das menschli- von Herzinsuffizienz noch in einer frühen Phase che Immunsystem bei der Bekämpfung von Tu- der Erprobung befinden, ließ sich der Pharma- moren unterstützen und gleichzeitig die Ausbrei- gigant die vollständige Übernahme im Sommer tung der Krebszellen hemmen kann. Das im Jahr 2012 nach Medienschätzungen rund 100 Mio. USD 1998 gegründete Unternehmen wurde bereits kosten. Das ist kein Einzelfall. Bereits vier Jahre mit dem Deutschen Gründerpreis sowie dem vorher war der zweitgrößte japanische Pharma- Bayerischen Innovationspreis ausgezeichnet und konzern Daiichi Sankyo bereit, für den Kauf der hat bis heute mehr als 90 Mio. EUR an Venture U3 Pharma AG ansehnliche 150 Mio. EUR zu Capital eingesammelt. Für die Risikokapitalgeber bezahlen. Dem auf die Erforschung von mono- ist es ein interessantes Investment. Denn Anti- klonalen Antikörpern spezialisierten Unterneh- sense Pharma konzentriert sich gezielt auf prä- men, dessen Gründung auf Forschungsergebnis- klinische und frühe klinische Studien, um die sen des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Martinsried basiert, ermöglichte die Übernahme die Weiterentwicklung aussichtsreicher Krebs- therapeutika. Optimistisch in die Zukunft Das Interesse internationaler Konzerne an Biotech in Bavaria wirft ein Schlaglicht auf das, was die vielen kleineren und mittleren Unternehmen an Kreativität und Umsetzungs- fähigkeit zu bieten haben. Sie werden mit ihrer Innovationskraft in einem außergewöhnlichen Umfeld auch in Zukunft die Aufmerksamkeit von Investoren aus aller Welt auf sich ziehen. Jüngstes Beispiel dafür ist die gerade neu eingerichtete Niederlassung des US-amerika- nischen Wagniskapitalspezialisten MPM Ca- pital in München. Der Life-Science-Investor will von der Isarmetropole aus nach geeigneten Die aus einer klinischen Forschergruppe an der TU München Investmentgelegenheiten in Europa Ausschau hervorgegangene Wilex AG erzielt heute steigende Millionenumsätze. halten. Foto: © Wilex AG Invest in Bavaria Norbert Hofmann 23
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    Biotech in Bayern „Wichtig ist, dass Geschäftsmodelle skalierbar sind“ Interview mit Helmut Jeggle, Athos Service GmbH, und Michael Motschmann, MIG Verwaltungs AG Die Athos Service GmbH der Hexal-Grün- gung, der Affiris in Wien, unser Portfolio erwei- der Strüngmann und die MIG Fonds zählen tert. Die Herausforderung für uns ist, dieses zu den wichtigsten Risikokapitalgebern in Portfolio mit den notwendigen Ressourcen und der deutschen Biotech-Branche. An wie Hilfestellungen optimal zu betreuen. Zuneh- vielen Firmen aus dem Life-Sciences- mend beschäftigen wir uns bei fortgeschritte- Bereich sind Sie derzeit beteiligt, und nen Projekten der Phase II mit deren Verpartne- welche Summe haben Sie bisher inves- rung. tiert? Wie werden Sie Ihr Engagement Motschmann: Weil wir regelmäßig aus neuen weiter ausbauen? Fonds investieren, suchen wir ständig neue Michael Motschmann verant- Jeggle: Im Moment sind wir an zwölf Life- Investitionsmöglichkeiten. Diese können aber wortet den Bereich Beteili- Science-Unternehmen beteiligt und haben in durchaus aus dem Portfolio eines anderen MIG gungen im Vorstand der MIG Summe knapp über 700 Mio. EUR investiert Fonds kommen: Die Unternehmen entwickeln Verwaltungs AG. bzw. zugesagt. Aktuell kümmern wir uns ver- sich in der Regel schnell weiter. Ein Portfolio- stärkt um die Unternehmensentwicklung der unternehmen eines „alten“ Fonds ist heute reiferen Portfoliofirmen und schauen uns nur möglicherweise ein ganz anderes als zum noch opportunistisch nach neuen Beteiligungs- Zeitpunkt der Erstinvestition, nicht nur im möglichkeiten um. Reifegrad, sondern auch im verbleibenden Motschmann: Die MIG Fonds haben bislang rund Risiko, in der Resthaltedauer und natürlich in 225 Mio. EUR in 18 Life-Sciences-Unternehmen der Renditeerwartung. Was die zugrunde lie- investiert. In unserer Beteiligungspipeline finden genden Technologien und Branchen betrifft, sich immer attraktive Life-Science-Investitionen, sind wir ziemlich opportunistisch. Wichtig ist, die allerdings mit Beteiligungsmöglichkeiten aus dass die Geschäftsmodelle skalierbar sind, anderen Branchen konkurrieren. eine im Idealfall globale Dimension haben und langfristige Bedürfnisse befriedigen wie Helmut Jeggle betreut die Welche Investitionsstrategie verfolgen bei den Themen Gesundheit, Ressourcen und Investitionen im Bereich Sie? An welchen Unternehmen sind Sie Mobilität. Biotech der Athos Service GmbH, der Beteiligungs- interessiert? gesellschaft der Brüder Jeggle: Als Family Office denken wir eher in Ge- Wie bewerten Sie aus Investorensicht Strüngmann. nerationen. Somit ist es für uns wichtig, Partner Bayern als Biotech- und Medtech- zu identifizieren, die zu Standort? Beteiligung von Investorentypen an uns passen und bereit Motschmann: Für uns ist der Standort Bayern sind, mit uns neue sehr attraktiv, das spiegelt sich auch in unserem Finanzierungsrunden Wege zu gehen. Portfolio wider. Derzeit sind wir an einigen Unter- Quelle: Ernst & Young, 2012 In den letzten fünf Jah- nehmen in den beiden Metropolregionen Mün- Venture Capital (Deutschland) ren haben wir ein an- chen und Nürnberg-Erlangen beteiligt. Die beiden Venture Capital spruchsvolles Portfolio Clustermanagements leisten dort gute Arbeit, (Ausland) im Bereich der Biotech- besonders in Bezug auf eine schnelle Integration Corporate-Investoren nologie aufgebaut. von Start-ups. Das wiederum führt zu regem Schwerpunkt hierbei Austausch der Unternehmen untereinander und Private Investoren ist der Bereich der per- ermöglicht Synergien. Dass in unmittelbarer sonalisierten Medizin Nähe der Cluster nicht nur hervorragende Grund- Family Offices in der Onkologie. Aber lagenwissenschaft stattfindet, sondern auch Fonds für auch andere Indikatio- Großkonzerne ihren Sitz haben, erhöht die At- Privatanleger nen wie z.B. zentrales traktivität des Standorts sicherlich noch einmal Sparkassen und staatliche Förderinstrumente Nervensystem haben zusätzlich. wir geprüft und mit un- in % 0 10 20 30 40 50 60 70 serer jüngsten Beteili- Das Interview führte Markus Hofelich. Invest in Bavaria 24
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    Biotech in Bayern „Seit1998 flossen etwa 2 Mrd. EUR in den Ausbau des Standorts“ Interview mit Claus Haberda, Site Manager, Roche Penzberg Herr Haberda, wie kam es dazu, dass sich Wirkstoffen zu verbessern. Das stärkt Penzberg als Penzberg zum größten Biotech-Zentrum in „Center of Excellence für Therapeutische Proteine“. Europa und zu einem der bedeutendsten Große Investitionen werden im Roche-Konzern in Biotech-Standorte der Roche-Gruppe welt- der Regel aufgrund ihrer Notwendigkeit und zu- weit entwickeln konnte? nächst unabhängig von einem Standort diskutiert. Die Wiege der industriellen Biotechnologie stand Penzberg muss sich um diese Investitionen immer in Tutzing am Starnberger See. Das Unternehmen neu bewerben und dabei mit hoher Produktivität Boehringer Mannheim hatte sich dort nach dem und überragender Innovationskraft überzeugen. Zweiten Weltkrieg auf die Erforschung und Ent- wicklung neuer biochemischer Methoden zur Welche Rolle spielt personalisierte Medizin Claus Haberda ist Site Mana- Diagnose von Krankheiten fokussiert. Ab 1972 heute und künftig für Roche? Welche beson- ger bei Roche in Penzberg. entwickelte sich dieser Unternehmenszweig in deren Stärken hat Roche und insbesondere Penzberg weiter. Auf dem ehemaligen Bergwerk- der Standort Penzberg auf diesem Gebiet? gelände bot sich die ideale Fläche für den Aufbau Wir sind davon überzeugt, dass in der personali- notwendiger Produktionskapazitäten. Seitdem ist sierten Medizin die Zukunft liegt. Genau aus die- in den Standort Penzberg ständig investiert wor- sem Grund ist sie auch ein Kernelement der Roche- den – in Forschung, Entwicklung und Produktion Strategie. In Penzberg arbeiten Wissenschaftler von Medikamenten und Diagnostika. Das Wissen aus den Bereichen Diagnostik und Pharma Hand aus der Biochemie führte über die klassische zur in Hand an neuen Therapien. Dies erzeugt Syner- modernen Biotechnologie. Allein seit der Über- gien, die an anderen Roche-Standorten so nicht nahme durch Roche im Jahr 1998 flossen etwa zu finden sind. 2 Mrd. EUR in den Ausbau des Standorts, der heute tatsächlich eines der größten Biotechnolo- Wie beurteilen Sie generell den giezentren Europas ist. Ausschlaggebend für den Biotech- und Pharmastandort Erfolg sind das Know-how und die Begeisterung Bayern? der Mitarbeiter für ihre Arbeit, die Vernetzung der Der bayerische Staat fördert mit Ini- beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics tiativen einerseits die Qualität der im Sinne der personalisierten Medizin, die Ver- Ausbildung (MINT-Initiative, Elite- lässlichkeit bei der Durchführung von Projekten Universitäten), andererseits aber und nicht zuletzt die sehr gute Zusammenarbeit auch die Vernetzung zwischen Wis- mit Politik und Behörden. senschaft und Industrie (Spitzenclus- ter, IZB Martinsried, Bayern Innovativ). Roche baut den Biotech-Standort Penzberg Die bayerische Politik hat gute Vo- kontinuierlich weiter aus. 2011 investierte raussetzungen für Hightech-Unter- der Schweizer Pharmakonzern 158 Mio. EUR nehmen geschaffen, so dass sich die in Erforschung und Entwicklung therapeuti- Biotech-Branche in Bayern heute auf scher Proteine. Welche Ziele verfolgen Sie Weltniveau bewegt. Wir müssen uns damit? Welche weiteren Investitionen sind jedoch weiterhin dafür einsetzen, dass in Penzberg geplant? insbesondere Forschung und Entwick- Diese Investition ist von großer Bedeutung, da sie lung in Deutschland attraktiv bleiben. die Wertschöpfungskette von der frühen Erforschung Aber auch die für die Pharma-Indus- über die technische Entwicklung bis hin zur Produk- trie belastenden Auswirkungen der tion von biopharmazeutischen Wirkstoffen für den Gesundheitsreform sollten im Sinne Markt am Standort Penzberg vervollständigt. Ziel der Erhaltung von Arbeitsplätzen dis- Umfangreiche Investitionen durch Roche und die von der bayerischen Politik geschaffenen Rahmen- war es, die Entwicklung der Herstellprozesse für kutiert werden. bedingungen haben in Penzberg einen der größten Proteinwirkstoffe sowie die Versorgung präklini- Biotech-Standorte Europas entstehen lassen. scher und klinischer Studien mit biotechnologischen Das Interview führte Markus Hofelich. Foto: © Roche Penzberg Invest in Bavaria 25
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    Biotech in Bayern „Die Übernahme von Micromet war die bedeutendste Investition von Amgen außerhalb der USA“ Interview mit Richard Paulson, Geschäftsführer, Amgen GmbH in Deutschland Herr Paulson, Ende Januar hat Amgen die neuer biotechnologisch hergestellter Arznei- Übernahme von Micromet für 1,16 Mrd. USD mittel, die einen Zusatznutzen für Krebspa- bekanntgegeben. Was macht das Unter- tienten bieten, die heute nur unzureichend bzw. nehmen für Sie besonders interessant? nicht ursächlich („unmet medical need“) be- Für Amgen stand schon immer die Entwicklung handelt werden können. Diese Plattform stellt neuer innovativer Arzneimittel im Vordergrund. einen ganz neuen Ansatz in der Behandlung Wir haben Micromet – heute Amgen Research von Krebs dar. BiTE zielt darauf ab, die eigenen (Munich) GmbH – wegen der hohen Qualität Abwehrkräfte eines Patienten, also sein Immun- ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit ausgezeich- system, zu mobilisieren und die T-Zellen des Richard Paulson ist neten Wissenschaftlern und Mitarbeitern sowie Körpers dazu zu bringen, Krebszellen zu er- Geschäftsführer der aufgrund der viel versprechenden Pipeline an reichen, zu attackieren und so die Apoptose Amgen GmbH in Deutschland. Arzneimitteln zur Behandlung von Krebspatien- (den programmierten Zelltod) der Krebszellen ten im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium und nur der Krebszellen auszulösen. Bei Erfolg übernommen. Micromet hat bei der Entwicklung wird dieser Ansatz zu Arzneimitteln führen, die der BiTE (Bispezifischer T-Zell Engager)-Antikör- sowohl überaus wirksam in der Bekämpfung pertechnologie Pionierarbeit geleistet. Wir sind von Tumoren als auch für den Patienten gut überzeugt, dass die BiTE-Technologie zu den verträglich sind. Blinatumomab steht beispiel- weltweit faszinierendsten Plattformen zählt. haft für die BiTE-Antikörpertechnologie und Durch diese Technologie und die damit gege- stellt eine überaus viel versprechende neue benen zusätzlichen F&E-Möglichkeiten wird es Therapie für Patienten mit akuter Lymphoblas- uns möglich sein, neue wirksame und sichere tenleukämie (ALL) dar, die im Hinblick auf andere Arzneimittel für Krebspatienten zu entwickeln. Behandlungsalternativen austherapiert sind. In Mit der Übernahme von Micromet, die bedeu- klinischen Studien konnte zudem bei Patienten tendste Investition, die Amgen bisher in die- mit Non-Hodgkin-Lymphom eine Wirkung nach- sem Bereich außerhalb gewiesen werden. Wir werden mit unserer be- der USA getätigt hat, stehenden Expertise das Blinatumomab-Pro- intensivieren wir un- gramm weiter vorantreiben. Weltweit besteht ser Bestreben, unsere dadurch die Möglichkeit, Millionen von schwer- eigene Forschung mit kranken Patienten zu helfen. den F&E-Abteilungen sowie den Wirkstoffen Welche Bedeutung hat der deutsche strategischer Partner Markt generell für Amgen – sowohl als rund um den Globus zu Absatzmarkt als auch im Bereich F&E? ergänzen. Deutschland ist für Amgen ein bedeutender Standort. Wir sind außerhalb der USA der Welche Potenziale einzige Standort von Amgen mit eigenen for- sehen Sie speziell schenden Einrichtungen, in Regensburg und in der neuen BiTE- München. Die Übernahme von Micromet Technologie von zeigt unsere Wertschätzung der Qualität wis- Micromet für senschaftlicher und klinischer Entwicklung Amgen? sowie das F&E-Potenzial in Deutschland. In Die BiTE-Technologie Deutschland laufen aktuell annähernd 100 bietet unserer Mei- Studien in den verschiedensten Indikations- nung nach eine neue bereichen. Deutschland ist für Amgen der einzige Standort außerhalb der USA mit eigenen Forschungseinrichtungen – in Regensburg und München. Plattform für die zu- Foto: © Amgen GmbH, Deutschland künftige Entwicklung Das Interview führte Markus Hofelich. Invest in Bavaria 26
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    Medtech in Bayern „EinGewinn für beide Seiten, für Wirtschaft und universitäre Forschung“ Interview mit Prof. Dr. Willi A. Kalender, Direktor Institut für Medizinische Physik (IMP), Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Herr Professor Kalender, Sie leiten das Insti- bayerischen Forschungsstiftung, die Förderung tut für Medizinische Physik seit seiner Grün- von Forschungsprojekten nur zusagt, wenn sich dung 1995. Was zeichnet das Institut aus? auch industrielle Partner engagieren und zur Das entscheidende Merkmal des IMP ist ver- Übernahme von mindestens 50 Prozent der Kos- mutlich die enge Kooperation mit Industriepart- ten verpflichten. Im Bereich Medizintechnik hat nern in praktisch allen Forschungsprojekten. sich das schon lange bewährt und wurde durch Außerdem sind aus Aktivitäten unseres Insti- die Etablierung des Medical Valley Clusters mit tuts Forschungsverbünde auf bayerischer, na- Förderung des Bundesministeriums für Bildung tionaler, aber auch europäischer Ebene entstan- und Forschung (BMBF) noch einmal verstärkt. den, die mit hohen Summen gefördert werden. Die Universität ist in sehr vielen der geförderten Prof. Dr. Willi A. Kalender ist Aus heutiger Sicht war die Entscheidung der Projekte vertreten, ein Gewinn für beide Seiten, Direktor des Instituts für Me- Universität Erlangen-Nürnberg, das IMP zu grün- für Wirtschaft und universitäre Forschung. dizinische Physik der Friedrich- Alexander-Universität Erlan- den, auch für mich persönlich ein Glücksfall. Denn gen-Nürnberg sowie Gründer so konnte ich Forschungsthemen frei wählen, Sie sind beruflich häufig in den USA un- und Geschäftsführer der CT jederzeit beliebige Kompetenzpartner ansprechen terwegs. Welche Stärken des Standorts Imaging GmbH, Erlangen. und Kooperationen mit der Industrie starten. Bayern sehen Sie im internationalen Ver- gleich? Was sind die bahnbrechendsten For- Aus meiner Sicht stellt das Ausbildungsniveau schungsergebnisse Ihres Instituts? eine besondere Stärke dar. In Bayern und allge- Spontan möchte ich die Cardio-CT und Arbeiten mein in Deutschland ist schon lange ein sehr zur Dosisreduzierung in der CT nennen. Cardio- gutes berufs- und praxisorientiertes Bildungs- CT, also die nichtinvasive Untersuchung des system etabliert. Das wird in internationalen Herzens mit Computertomographie, basierte Vergleichen leider kaum berücksichtigt. In der auf der Spiral-CT-Technik, die ich noch während Regel wird der Anteil der Universitätsabsolven- meiner Zeit bei Siemens entwickelt und auch ten erfasst, nicht aber die Qualität der Abschlüs- bereits dort als Möglichkeit zur Herzbildgebung se. Und auch die berufliche Ausbildung findet aufgezeigt habe. Zu einer kompletten Implemen- kaum Berücksichtigung. Unsere Fachkräfte – tierung und klinischen Erprobung der Methode kam Techniker, Feinmechaniker, Mechatroniker etc.– es aber erst im universitären Umfeld in direk- sind im internationalen Vergleich handwerklich ter Kooperation mit Kardiologen und Radiologen. und beruflich hervorragend ausgebildet. Auch die in den späten 90er Jahren entwickelten Konzepte zur Dosisreduzierung mit Röhrenstrom- Das Interview führte Martin Bellof. modulation und Dosisautomatik basieren auf Spiral-CT und wurden an der Universität Erlan- Entwicklung der eingeworbenen Drittmittel des IMP gen erstmals eingesetzt. Beide Verfahren sind Quelle: IMP inzwischen weltweit im Einsatz. Die Kooperation 2,5 mit Siemens war in beiden Fällen entscheidend Volumen der eingeworbenen Forschungsmittel und für alle Beteiligten ein großer Erfolg. 2,0 Beispiele für bedeutende Forschungsprojekte des IMP Mio. EUR Die Universität ist Teil des Medical Valley, 1,5 in dem auch rund 180 dedizierte Medizin- 1,0 technik-Unternehmen angesiedelt sind. FP 7/Breast CT (Europäische Union) Was zeichnet das Zusammenspiel zwi- FP 6/EU Dose 0,5 (Europäische Union) schen Forschung und Wirtschaft aus? FORBILD (Bay. MEDBILD (Bay. orthoMiT Forschergruppe Das Klima in Bayern ist in dieser Beziehung schon 0 k.A. Forschungsstiftung) Forschungsstiftung) (BMBF) FOR661 (DFG) lange sehr positiv, auch wegen der Vorgaben der 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Invest in Bavaria 27
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    Medtech in Bayern Schrittmacher für die Gesundheit Kleine und mittlere Unternehmen treiben Fortschritt in der Medizintechnik voran Ob Computertomografen oder hochsensitive 66 Mio. EUR und insgesamt 77 Investments zu Messgeräte, ob Hightech-Implantate oder den drei Sektoren, die das größte Interesse von Laserapplikationen: Bayern hat in zahlreichen Venture Capital auf sich zogen. Schlüsseltechnologien der Medizintechnik eine internationale Spitzenposition inne. Es sind vor Pioniere und Marktführer allem die mehr als 250 kleinen und mittleren Die Medizintechnik in Bayern hat auch deshalb Unternehmen, die diese Entwicklung immer einen guten Ruf, weil sie in vielen Bereichen wieder forcieren und die auch die bundesweite bahnbrechende Erfolge vorweisen kann. Eine Führungsrolle des Standorts untermauern. dieser renommierten Pionierfirmen ist die Peter Brehm GmbH in Weisendorf. Das Unternehmen Innovative Unternehmen in einem entwickelte Mitte der 1980er Jahre gemeinsam exzellenten Umfeld mit der unfallchirurgischen Abteilung der Fried- Bayern steht für fast ein Drittel der medizintech- rich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg nischen Produktion und sogar für über 60 Prozent eine zementfreie Hüftprothese aus Titan. Noch der elektromedizinischen Geräteproduktion in im gleichen Jahrzehnt sorgte die Firma mit der Deutschland. Mit ihren Innovationen sind die künstlichen Nachbildung eines Kniegelenks für Unternehmen bei einer Exportquote von etwa Furore, und eine Dekade später folgte die erste 70 Prozent auch an den Weltmärkten erfolgreich robotergerechte Hüftprothese. Zu Beginn dieses und mit mehr als 30.000 Beschäftigten gleichzei- Jahrtausends schließlich hat das Unternehmen mit tig ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Trend zeigt der klinischen Einführung des Brehm-Präzisions- weiter nach oben. So sind allein im Medical Val- Knie-Systems eine neue Qualitätsstufe in Sachen ley der Metropolregion Nürnberg seit dem Jahr Haltbarkeit künstlicher Gelenke geschaffen. Das 1998 rund hundert neue Firmen entstanden. Sie stößt auch international auf Resonanz. Bei den können sich bei ihren Forschungen und Entwick- Hüft-Revisionsprothesen, die den Austausch ein- lungen auf die Nähe zu über 65 Krankenhäusern, zelner Teile ermöglichen, gehören die Pioniere aus mehr als 70 Lehrstühlen an Universität und Fach- Franken längst zu den Marktführern in Europa. hochschulen sowie 20 außeruniversitären For- schungseinrichtungen stützen. Ebenso stehen die Innovationen im Bereich bildgebender Geräte Universitätskliniken in München, Regensburg für den Einsatz in hochmodernen Operations- und Würzburg für das wissenschaftliche Poten- sälen haben in Bayern ebenfalls eine lange zial des Standorts. Nicht minder wichtig sind Ins- Tradition. Die Ziehm Imaging GmbH in Nürnberg titutionen wie das Deutsche Forschungszentrum beispielsweise wurde bereits vor 40 Jahren für Luft- und Raumfahrt sowie die Fraunhofer- gegründet und hat seit- und Max-Planck-Institute. Die Unternehmen pro- dem die Entwicklung in fitieren bei all dem von branchen- und technolo- der mobilen Röntgen- gieübergreifenden Kooperationen, die das vom technologie an vor- bayerischen Wirtschaftsministerium ins Leben derster Front vorange- gerufene Netzwerk Forum MedTech Pharma ge- trieben. So haben die zielt fördert. Nicht zuletzt erfreut sich die rege Franken im Jahr 2006 Gründerszene des Sektors eines überdurchschnitt- mit dem ersten volldigi- lich starken Engagements von Risikokapitalgebern, talen, mobilen C-Bogen wobei aus öffentlichen Mitteln finanzierte Seed- regelrecht ein neues Fonds ebenso eine wichtige Rolle spielen wie Zeitalter der Bildgebung private Investoren. Bundesweite Zahlen bestä- eingeleitet. Die Ziehm Human Optics führte 2008 die erste faltbare Kunstiris in den Markt ein und verhilft seitdem Menschen mit Augenproblemen zu tigen die Bedeutung der Medizintechnik. Sie Imaging beflügelt die einer besseren Sehkraft. gehörte im Jahr 2011 mit Kapitalzuflüssen von eigene Innovationskraft, Foto: © HumanOptics Invest in Bavaria 28
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    Medtech in Bayern indem sie jährlich 15 Prozent des Umsatzes in die Mit seinem Vertriebsnetz in über 40 Ländern kann Forschung und Entwicklung investiert. der Optikspezialist künftig sogar von den über- durchschnittlichen Wachstumschancen in Asien Nachfrage aus aller Welt profitieren. Solche Perspektiven machen auch Für Innovationen im Bereich der optischen Medi- Investoren hellhörig. Im Februar 2012 hat die zintechnik steht die im Jahr 1999 in Erlangen ge- Schweizer Beteiligungsgesellschaft Medipart AG gründete Human Optics AG. Bereits sieben Jahre eine Aktienmehrheit erworben. nach dem Start schaffte das anfangs mit Venture Capital finanzierte Unternehmen den Sprung an Erfolgreiche Dienstleister die Frankfurter Börse. Im Jahr 2008 brachte die Die bayerische Medizintechnik hat nicht nur ef- Human Optics dann die Fachwelt zum Staunen, fiziente Netzwerke geknüpft. Es sind auch Dienst- als sie die erste faltbare Kunstiris in den Markt leister entstanden, die anderen Unternehmen bei einführte und Menschen mit Augenproblemen so der Entwicklung und Produktion von Innovatio- wieder zu einer besseren Sehkraft verhalf. Das nen helfen. Einer dieser Anbieter ist die zu Be- Unternehmen produziert zudem Intraokularlinsen, ginn dieses Jahrtausends gegründete Corscience die bei der Behandlung von Grauem Star zum GmbH & Co. KG in Erlangen, deren Schwerpunkt Einsatz kommen. Hier liegt das geschätzte Markt- vor allem in der Entwicklung von Diagnose- und wachstum bei 6 bis 8 Prozent jährlich und die Therapiegeräten für Herz-Kreislauf-Erkrankun- Linsen gewinnen darüber hinaus zunehmend als gen liegt. Neben den Dienstleistungen bietet Alternative zu Laserbehandlungen an Bedeutung. das B2B-Unternehmen fertige Basistechnologien „Der Standort kann sich mit internationalen Spitzenzentren messen“ Interview mit Dr. Peter Terhart, Vorstand, S-Refit AG Herr Dr. Terhart, was macht den Medizin- lation mit elektrischen Impulsen neue Thera- technikstandort Bayern so besonders und pien für neurologische Krankheiten wie Depres- damit auch für Investoren interessant? sionen, Schmerzen und Epilepsie. Dafür gibt es Die historisch gewachsene Infrastruktur in For- weltweit noch immensen Bedarf. Für den Trend schung und Heilwesen ist international ebenso hin zu präventiven Maßnahmen in der Gesund- beispielhaft wie die Unternehmenslandschaft im heitsvorsorge steht die in Fürth ansässige Aceos. Bereich der Medizintechnik. Darüber hinaus hat Sie hat unter anderem ein neuartiges Messgerät die Hightech-Offensive des Freistaats einen für effizientes Ausdauertraining entwickelt. wichtigen Entwicklungsprozess in Gang gebracht. Das ist zwar eher ein Marathonlauf als ein Sprint. Können Sie den Unternehmen über die Dr. Peter Terhart leitet als Schon jetzt aber kann sich der Standort mit inter- Startphase hinaus helfen? Alleinvorstand die S-Refit AG nationalen Topzentren messen. Dazu haben auch Bei uns in Bayern, im BioPark Regensburg ebenso in Regensburg. Er ist zudem Vorstandsvorsitzender im wichtige Reformen im Patentwesen, wie die Grün- wie im Medical Valley EMN, wird ein Nukleus Bundesverband Deutscher dung einer Gesellschaft zur besseren kommer- geschaffen. Danach müssen die Unternehmen Kapitalbeteiligungsgesell- ziellen Verwertung, beigetragen. Das ist der Boden, irgendwann selbst fliegen. Wenn wir gemeinsam schaften e.V. auf dem Spitzenforschung gedeiht, und das zieht mit der Sparkasse Erlangen über den von ihr ini- Investoren an. tiierten medTECH Capital Fonds investieren, wol- len wir die Unternehmen aber auch für andere In welchen Bereichen agieren Unterneh- Investoren attraktiv machen. Und das funktioniert. men, bei denen S-Refit derzeit investiert ist? Generell registrieren wir derzeit unter anderem Eines der interessantesten Beispiele ist die Cerbo- ein starkes Interesse großer Medtech-Fonds aus med in Erlangen. Sie entwickelt durch Nervstimu- der Schweiz an bayerischen Unternehmen. Invest in Bavaria 29
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    Medtech in Bayern Produktfokus ausgewählter bayerischer Medtech-KMU Quelle: eigene Recherche Unternehmen Produktfokus Gründung Ziehm Imaging GmbH Mobile Röntgenbildgebung - Fokus auf intraoperativer Bildgebung und innovativer 1972 Röntgentechnologie Peter Brehm GmbH Wirbelsäulen-Implantate, Hüft- und Knieendoprothesen 1981 CT Imaging GmbH Medizinische Bildgebung und Bildverarbeitung - Fokus auf Computertomographiesystemen 1997 (Mikro-CT) Human Optics AG Augenimplantate – Fokus auf Intraokularlinsen, Add-on Linsen und künstlichen Iris 1999 Corscience Kardiovaskulärer Bereich – Fokus auf Vitalparameter Sensorik, Elektrotherapie, 2001 GmbH & Co. KG Algorithmik, Funktechnologien in der Medizintechnik, Zulassung und Produktion Cerbomed GmbH Neuromodulation – Fokus auf transkutaner Vagusnervstimulation für Patienten mit 2005 schwer behandelbaren neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen Metrilus GmbH Spezialanwendungen für 3D-Kameras – Fokus auf Time-of-Flight (ToF) Kameras 2010 sowie die Geräteproduktion im Kundenauftrag des Businessplan-Wettbewerbs Nordbayern an. Eine der jüngsten Entwicklungen ist ein klei- honoriert wurde. Das Unternehmen entwickelt ner Sensor, der durch Ankleben auf den Hals Softwareprodukte zur Echtzeitaufnahme von eines Bewusstlosen binnen weniger Sekunden 3D-Daten für sogenannte Time-of-Flight-Kameras. einen Herz- oder Atemstillstand erkennen und Diese Technologie ermöglicht unter anderem so schnelle Hinweise für Sofortmaßnahmen effizientere Atemmessungen oder auch klarere geben kann. Aufnahmen von schlagenden Herzen. Von der Hochschule zum Unternehmensstart Risikokapital für neue Ideen An zukunftsträchtigen Start-ups mangelt es auch Zu den Unternehmen, die neben öffentlichen heute nicht. So entwickelt die aus dem Institut Fördergeldern auch auf einer soliden Finanzie- für Medizinische Physik der Universität Erlangen rung durch Venture Capital aufbauen können, Nürnberg (IMP) ausgegliederte CT Imaging als gehört die Cerbomed GmbH in Erlangen. Der Spezialist im Bereich der Computertomografie im Jahr 2005 gegründeten Firma stand bereits (CT) neuartige Verfahren für die medizinische frühzeitig eine ganze Reihe von Risikokapital- Bildgebung und Bildverarbeitung. Das Unterneh- gesellschaften zur Seite, um die Entwicklung men verfügt bereits über acht erteilte sowie elf einer innovativen Neurostimulationstechnologie veröffentlichte Patente und legt einen Schwer- zu ermöglichen. Sie zielt darauf ab, Menschen punkt auf hochauflösende CT-Systeme, die mit neurologischen und psychiatrischen Erkran- von Pharmaunternehmen ebenso nachgefragt kungen mehr Lebensqualität bei gleichzeitig werden wie von Hochschulen und industriellen niedrigen Therapiekosten zu ermöglichen. Das Anwendern. Das weltweit erste Dual-Source Unternehmen hat bereits für mehrere Indikatio- Mikro-CT System beispielsweise wird mit sei- nen die europäische Zulassung (CE-Zeichen) nen extrem kurzen Scanzeiten bei der in-vivo- erhalten, darunter im August 2012 für die Kleintierbildgebung in der Forschung genutzt. Vagusnervstimulation zur Behandlung von chro- Ein dediziertes Mammographie-System wieder- nischen Schmerzen. Für diese Indikation, die in um ermöglicht es, Tumore in der weiblichen den Industrieländern zu den am meisten verbrei- Brust frühzeitig zu diagnostizieren. Als Leitprojekt teten Leiden gehört, erzielen Medikamente bis- im Spitzencluster Medical Valley wird diese lang nur allzu oft noch nicht die erwünschten Brust-CT durch das Bundesministerium für Bil- Effekte. Cerbomed steht damit symptomatisch dung und Forschung (BMBF) gefördert. Eben- für das, was Medizintechnik aus Bayern leisten falls auf Fördergelder des BMBF kann die im kann: den Menschen helfen und gleichzeitig ein Jahr 2010 aus der Universität Erlangen Nürn- immenses Marktpotenzial ausschöpfen. berg ausgegründete Metrilus GmbH setzen, die außerdem bereits mit Preisgeld als Sieger Norbert Hofmann Invest in Bavaria 30
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    Medtech in Bayern DieGesundheitsversorgung von morgen Vier Beispiele aus dem Medical Valley EMN Im Medical Valley EMN und damit in Bayern Prognose für Deutschland bis 2050: Die Zahl der werden in interdisziplinären Forscherteams aus Demenzkranken wird um 100 Prozent auf 2 Mil- Wirtschaft und Wissenschaft Lösungen für die lionen steigen. Im Projekt „Barrierefreie Gesund- Gesundheitsversorgung von morgen entlang der heitsassistenz“ entwickeln Partner im Cluster Leitthemen Bildgebende Diagnostik, Intelligente telemedizinische Lösungen und Dienstleistungs- Sensorik, Therapiesysteme und Augenheilkunde konzepte, die es altersdementen Patienten er- entwickelt. lauben, länger in der eigenen Wohnung zu leben und zeitgleich Pfleger und Angehörige zu entlas- Bildgebende Diagnostik – Forschungs- ten. Damit ist es ein erklärtes Ziel des Projekts, projekt „Brust-Computertomographie“ die Kosten für diese Patientengruppe, deren Durchschnittlich jede achte Frau in Europa und Angehörige und die Krankenkassen deutlich zu Nordamerika erkrankt im Laufe ihres Lebens an reduzieren. Brustkrebs. Für eine erfolgreiche Therapie der Erkrankung ist eine möglichst frühzeitige Diagnose Therapiesysteme – Forschungsprojekt maßgeblich. In den Projekten „Brust-CT/Integrated „Osteofit 2030“ Breast Care“ werden Konzepte für eine schonende Bereits im Jahr 2004 sind von den insgesamt 225 und hochsensitive Brustkrebsdiagnostik entwickelt, Mrd. EUR Gesundheitskosten in Deutschland über die den Gesamtprozess der Versorgung von Frauen 5 Prozent auf Rheumatoide Arthritis, Arthrose und mit Brustkrebsrisiko erfassen. Zentrales Element Osteoporose entfallen (im Vergleich: Krebs 8 Pro- des Projekts ist der Übergang von der 2D-Mammo- zent). Im Zuge des demografischen Wandels wer- graphie zur 3D-Schichtbildgebung, die eine Brust- den diese Kosten noch weiter steigen. Im Projekt krebserkrankung noch frühzeitiger bei geringerer „Osteofit 2030“ werden im Cluster neue Revisions- Röntgen- und Kontrastmitteldosis erkennen lässt. und Individualimplantate mit neuartigen, nano- strukturierten Oberflächen zur Reduktion der Infek- Intelligente Sensorik – Forschungsprojekt tionsrate und Beschleunigung des Anwachspro- „Barrierefreie Gesundheitsassistenz“ zesses entwickelt. Durch längere Standzeiten der Demenz wird neben dem Schlaganfall als eine der Implantate und eine bessere Therapiedurchfüh- „Epidemien des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Die rung entstehen erhebliche Einsparpotenziale und die Lebensqualität der Patienten steigt deutlich. Bedeutung von Brustkrebsvorsorge – Bildgebende Augenheilkunde – Forschungsprojekt Diagnostik unterstützt wesentlich bei der Früherkennung „Low-Cost-Funduskamerasystem“ Quelle: American Cancer Society In Ländern der Dritten Welt ist der Gesundheits- zustand vieler Menschen besorgniserregend – Frühe Diagnose erhöht Überlebensrate und reduziert Behandlungskosten! die medizinische Versorgung ist unter anderem 80 % 140.000 wegen einer mangelhaften Infrastruktur und der 70 % 120.000 hohen Kosten moderner Geräte aber nur bedingt 60 % möglich. Im Medical Valley EMN wird ein preis- 100.000 50 % wertes telemedizinisches Funduskamerasystem 80.000 zur Früherkennung von diabetischer und hyperten- 40 % 60.000 siver Retinopathie sowie Glaukom für Länder der 30 % Dritten Welt entwickelt. Mit diesem System können 20 % 40.000 Gesundheitsorganisationen in Entwicklungsländern 10 % 20.000 mit geringer medizinischer Infrastruktur unter an- 0% 0 derem diabetische Erblindungen vermeiden. Kein Krebs Stufe 0 Stufe I Stufe II Stufe III Stufe IV Lebenschancen 15 Jahre nach Diagnose Behandlungskosten (USD) Jörg Trinkwalter Invest in Bavaria 31
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    Medtech in Bayern „Bayerns Universitätskliniken sind absolute Weltklasse“ Interview mit Michael Sigmund, Leiter Communications, Siemens Healthcare Herr Sigmund, im Sector Healthcare mit heitsbilder, beispielsweise Alzheimer, zu unter- Hauptsitz in Erlangen sind die medizintech- stützen. Im Bereich Labordiagnostik sind wir 2011 nischen Aktivitäten der Siemens AG gebün- mit Illumina, einem Marktführer im Bereich ge- delt. Was ist Ihr USP und wie behaupten netische Sequenzierung, eine Partnerschaft ein- Sie sich im internationalen Wettbewerb? gegangen, um Sequenzierungstechniken der Siemens Healthcare ist einer der Weltmarktführer nächsten Generation für die schnelle und präzise in der Bildgebung. Das haben wir zum einen un- Erkennung und Behandlung von Infektionskrank- serer starken Innovationskraft zu verdanken und heiten weiterzuentwickeln. Zudem haben wir im zum anderen unserer langjährigen Expertise in Rahmen unserer Sektorinitiative „Agenda 2013“ Michael Sigmund ist Leiter der Entwicklung von Medizintechnik. So schafft festgelegt, unsere Angebotspalette bei Systemen der Kommunikationsabteilung es Siemens immer wieder, bahnbrechende Tech- im mittleren Preissegment zu verbreitern. von Siemens Healthcare. Er nologien auf den Markt zu bringen, die in der ist zudem Vorstandsmitglied des Medical Valley EMN e.V medizinischen Diagnostik neue Möglichkeiten Mit welchen Akteuren des Medtech-Clus- und des Forum MedTech eröffnen – wie beispielsweise unser Biograph ters Medical Valley arbeiten Sie intensiv Pharma e.V. mMR, das weltweit erste integrierte molekulare zusammen? MR-Ganzkörpersystem mit simultaner Aufnahme- Ein wichtiger und langjähriger Kooperationspart- technik. Angesichts des zunehmenden Kosten- ner ist das Universitätsklinikum Erlangen. Wir drucks in den Gesundheitswesen auf der ganzen arbeiten beispielsweise zusammen bei der Welt wird es aber auch immer wichtiger, kosten- Entwicklung von verschiedenen innovativen effiziente und besonders belastbare Lösungen an- Diagnostikmöglichkeiten für Brustkrebs; hier ist zubieten. Nur so können wir uns im internationa- zudem das Fraunhofer-Institut als Projektpartner len Wettbewerb positionieren. In diesem Segment beteiligt. Wir haben auch exzellente Partnerschaf- hat Siemens in den letzten zwei Jahren vom Rönt- ten mit einigen KMU aus dem Medical Valley, gengerät bis zum Magnetresonanztomographen zum Beispiel mit der sepp.med GmbH im Bereich viele Systeme entwickelt, die sowohl in Industrie- Healthcare IT. Außerdem wird eine Reihe von als auch Schwellenländern erfolgreich sind. weiteren Partnern und mittelständischen Firmen über Unteraufträge eingebunden. An welchen bahnbrechenden neuen Tech- nologien arbeiten Sie derzeit? Was sind aus Ihrer Sicht generell die Stär- Wir arbeiten intensiv ken des Medtech-Standorts Bayern im weiter an der Ent- internationalen Vergleich? wicklung von Techno- Bayerns Universitätskliniken und auch die nicht- logien zur Einsparung universitären medizinischen Institute sind abso- von Strahlendosis – lute Weltklasse in vielen Disziplinen, die für die beispielsweise an Medizintechnik wichtig sind – zum Beispiel bei neuen Rekonstruk- den minimalinvasiven Verfahren. Ein solches tionsalgorithmen für Umfeld ist enorm wichtig für einen innovativen die Computertomo- Medizintechnikhersteller wie Siemens, denn wir graphie. Außerdem brauchen die klinische Expertise von hochrangi- entwickeln wir effi- gen praktizierenden Medizinern, um die richtigen ziente Softwaretools Technologien zu entwickeln. Im Übrigen profitie- für die Bildgebung, ren wir auch sehr von der guten Ausbildung hier um die diagnosti- in Bayern, die zahlreiche hochqualifizierte Ar- schen Prozesse un- beitskräfte für die Medizintechnik hervorbringt. In der bildgebenden Diagnostik nimmt Siemens Healthcare weltweit eine Spitzenposition ein. serer Kunden für Foto: © Siemens Healthcare verschiedene Krank- Das Interview führte Markus Hofelich. Invest in Bavaria 32
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    Medtech in Bayern Erfolgmit Augenlasertechnologie Wavelight GmbH: Synergiepotenziale im Alcon-Konzernverbund Die Region Erlangen steht für ein attraktives und sowie Forschung und Entwicklung zu realisieren, erfolgreiches Netzwerk im Bereich Medizintech- um die Lasersysteme des Erlanger Unternehmens nologie. Aus diesem Umfeld stammt auch der am Markt noch erfolgreicher zu machen. Seit 2009 Augenlaser-Spezialist Wavelight. Elf Jahre nach ist Wavelight zu 100 Prozent im Besitz der Alcon der Gründung war er vom US-Konzern Alcon über- Inc., die ihrerseits 2010 von Nestlé an den Schwei- nommen worden und spielt heute im Bereich der zer Pharmakonzern Novartis verkauft wurde. Refraktivchirurgie eine führende Rolle. Präzision ist entscheidend Auf und Ab an der Börse In der Entwicklung und Produktion moderner Diag- Zu den bemerkenswerten Start-ups der 90er Jahre nose- und Operationstechnologie zur Korrektur von in Bayern zählt das Medizintechnik-Unternehmen Fehlsichtigkeiten gehört Wavelight mit seinen rund Wavelight. 1996 durch den ehemaligen Vorstands- 230 Mitarbeitern heute zu den führenden Unter- chef Max Reindl in der Medtech-Hochburg Erlangen nehmen weltweit. Es geht um die Entwicklung und ins Leben gerufen, entwickelte sich das Unterneh- Produktion von innovativen Lasersystemen für die men zu einem Technologieführer auf dem Gebiet Augenchirurgie. Kunden sind Kliniken und Augen- der Refraktivchirurgie. 1999 ging Wavelight an den ärzte. „Unsere Laser- und Diagnosesysteme ermög- Neuen Markt. Dessen Schließung führte dann im lichen eine sehr schonende und zugleich hoch- Januar 2003 zu einem Wechsel in das Börsenseg- präzise Korrektur von Fehlsichtigkeit“, erklärt ment Prime Standard. Auch dem Unternehmen Geschäftsführer Martin Reichelt. „In der Refrak- selbst gelang nicht alles reibungslos. Nach einer tivchirurgie hat Wavelight eine Plattform zur Ermög- anfänglich rasant verlaufenden Wachstumsphase lichung maßgeschneiderter Behandlungen der und dem Einstieg auch in andere Bereiche der Patienten geschaffen.“ Seit 2004 fertigt das Medizintechnik brach der Aktienkurs ein. Wave- Unternehmen alle Produkte in der damals neu light konzentrierte sich daraufhin wieder auf sein erbauten Produktionsstätte in Pressath in der Kerngeschäft, die refraktive Chirurgie, und ver- Oberpfalz. „Laserproduktion ist Präzisionsarbeit, kaufte sämtliche anderen Geschäftsbereiche. und in Deutschland finden wir die dafür exzel- lent ausgebildeten Mitarbeiter“, so Reichelt. Und Übernahme durch Alcon Erlangen als Unternehmenssitz biete die Mög- Im Jahr 2007 sicherte sich lichkeit zur exzellenten Kooperation mit der dor- das US-amerikanische tigen Universität sowie ein hervorragendes Unternehmen Alcon Inc. Netzwerk mit Lieferanten und Dienstleistern nach einem Übernahmean- aus der Region. gebot an die Aktionäre die Mehrheit an Wavelight. Großer Eye-care-Etat Alcon war damals eine Novartis will mit Alcon, in die auch die frühere Tochtergesellschaft des Ciba Vision mit ihren Kontaktlinsenprodukten in- Schweizer Nestlé-Konzerns tegriert wurde, das gesamte Spektrum der Augen- und gehört zu den weltweit heilkunde abdecken und ist mit seinen Produkten größten Produktanbietern in rund 180 Ländern rund um den Globus präsent. in der Augenheilkunde In 75 Ländern betreibt der Konzern Niederlassungen (Ophthalmologie). Motivati- bzw. Vertriebsbüros. Deshalb wird insbesondere on für die Übernahme war, stark in den Bereich Forschung und Entwicklung in- Synergiepotenziale im Un- vestiert, mit dem größten Konzernetat auf diesem ternehmensverbund insbe- Gebiet weltweit: ca. 5 Mrd. USD für fünf Jahre. Laser- und Diagnosesysteme aus Bayern zählen zur internationa- len Spitze. Heute ist Wavelight Teil des Novartis-Konzerns. sondere in den Bereichen Fotos: © Wavelight GmbH Marketing und Vertrieb Bernd Frank Invest in Bavaria 33
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    Experten-Statements zum Healthcare-Standort Bayern Prof. Dr. Axel Ullrich, Direktor Forschungsgruppe Molekularbiologie, Max-Planck-Institut für Biochemie: „Eine der großen Stärken des Wirtschaftsstandortes Bayern ist die politische Unterstüt- zung. Wenn Akteure aus Politik wirtschaftliches Potenzial erkennen, arbeiten sie konse- quent daran, dieses Potenzial auch auszuschöpfen. Mich persönlich hat deshalb nicht über- rascht, dass die deutsche Biotechnologie gerade in Bayern gestartet ist.“ Prof. Dr. Willi A. Kalender, Direktor, Institut für Medizinische Physik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg: „Aus meiner Sicht stellt das Ausbildungsniveau hier eine besondere Stärke dar. In Bayern und allgemein in Deutschland ist schon lange ein sehr gutes berufs- und praxisorientiertes Bildungssystem etabliert. Unsere Fachkräfte sind im internationalen Vergleich handwerk- lich und beruflich hervorragend ausgebildet.“ Richard Paulson, Geschäftsführer, Amgen GmbH in Deutschland: „Deutschland ist außerhalb der USA der einzige Standort von Amgen mit eigenen forschenden Einrichtungen, in Regensburg und München. Die Übernahme von Micromet zeigt unsere Wertschätzung der Qualität wissenschaftlicher und klinischer Entwicklung sowie das F&E-Potenzial in Deutschland.“ Michael Sigmund, Leiter Communications, Siemens Healthcare: „Bayerns Universitätskliniken und auch die nichtuniversitären medizinischen Institute sind absolute Weltklasse in vielen Disziplinen, die für die Medizintechnik wichtig sind – zum Bei- spiel bei den minimalinvasiven Verfahren. Ein solches Umfeld ist enorm wichtig für einen innovativen Medizintechnikhersteller wie Siemens.“ Invest in Bavaria 34
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    Ihr Kontakt fürIhr maßgeschneidertes Servicepaket: Invest in Bavaria Widenmayerstraße 34 80538 München Tel.: +49 89 24210-7500 Fax: +49 89 24210-7557 healthcare@invest-in-bavaria.de www.invest-in-bavaria.de Oder finden Sie auf unserer Homepage eine bayerische Auslandsrepräsentanz in Ihrer Nähe! Herausgeber Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie Invest in Bavaria Prinzregentenstraße 28 80538 München Tel.: +49 89 2162-2642 Fax: +49 89 2162-2803 Invest in Bavaria – Die Ansiedlungsagentur des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie und der Bayern International GmbH Ausgabe September 2012