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baustellenFachzeitschrift für Hoch-/Tief- und Spezialbau Nr. 04 2013
Ein Ingenieur gibt Gas
Wie Geschäftsführer Willi Tenisch die Meva innert
vier Jahren in der Schweizer Schalungsbranche
etabliert hat.
Hybridbauweise
Wenn Stahl und Holz gemeinsame Wege gehen.
Beton ist wandelbar
Was die richtigen Zusatzmittel und -stoffe bewirken.
Urbanes Bauen
Von den Stadtraumfarben bis zu den Glattparkbauten.
die
diebaustellen_April_13
Roth Gerüste AG, Bolacker 5, 4563 Gerlafingen
Tel 032/674 43 60, www.rothgerueste.ch, info@rothgerueste.ch
BaselWest
... wenn Schönes entsteht
Entgegen seiner Partei und zahlreichen ihm nahestehenden Verbänden vertrat er ein Ja
zum revidierten Raumplanungsgesetz. Jakob Stark, SVP-Regierungsrat des Kantons
Thurgau und Präsident der Baudirektoren-Konferenz über Raum, Planung und Freiheit.
Text und Fotos: Beat Matter (Landschaftsfotos: Thurgau Tourismus)
diebaustellen_April/13
7
diebaustellen_April/13
fokus 07
«Ich will vorwärts kommen»
Willi Tenisch, Geschäftsführer Meva Schalungs-Systeme AG, ist vor vier Jahren angetreten,
um den Schalungsmarkt umzupflügen. Ein Gespräch über Schalung und harte Schalen, Preis-
kampf und Qualität – und um Strategie.
Text und Fotos: Beat Matter
«die baustellen»: Wer ist Willi Tenisch?
Willi Tenisch: Ein zielorientierter Unterneh-
mertyp. Ich gebe Vollgas, will Dinge in Be-
wegung bringen. Ich bin gradlinig und ste-
he mit beiden Füssen auf dem Boden, in
bester Walliser Tradition.
Stur?
Ja, auch die Sturheit steht uns Wallisern
auf die Stirn geschrieben. Das gehört da-
zu. Man kann sich nicht jederzeit und durch
jeden Einwand von einem Vorhaben ab-
bringen lassen.
Dieser Willi Tenisch ist im Internet weit-
gehend inexistent. Man liest nichts von
ihm, man sieht nichts von ihm. Weshalb
verweigern Sie sich dem Web?
Sie haben offenbar nicht so genau ge-
sucht. Es sind zum Beispiel mehrere Pa-
tente auf mich registriert. Auf den Plattfor-
men Facebook und LinkedIn bin ich prä-
sent, wenn auch sehr zurückhaltend.
Grundsätzlich trenne ich das Private und
das Berufliche so gut es geht.
Social Media-Netzwerke wie Facebook
oder LinkedIn gehören für Sie also in
den privaten Bereich. Haben diese neu-
en Kanäle für das Geschäft keine Be-
deutung?
Das Internet ist insgesamt sicher wichtig
für die Firma. Es ist wichtig, präsent zu
sein. Auf meinen Anstoss hin hat der Kon-
zern zum Beispiel eine App lanciert. Es
handelt sich um eine Smartphone-Applika-
tion, mit der unsere Kunden auf der Bau-
stelle verschiedenste Richtwerte rund um
das Thema Schalung abrufen können:
Schalungsdruck, Schalungshöhe, das Be-
tonier-Tempo in Abhängigkeit des Scha-
lungstyps und der Betonmischung.
Wie ist die Resonanz der Kundschaft auf
die Anwendung?
Die App wurde eben erst anlässlich der
Bauma in München freigeschaltet. Insofern
fehlt uns noch die Praxis-Erfahrung. Ich bin
überzeugt, dass die Applikation rege ge-
braucht werden wird. Es ist keine Spiele-
rei, sondern bietet der Kundschaft echten
Mehrwert.
Für Sie auch?
Es ist ein Vorteil, den wir gegenüber unse-
ren Mitbewerbern haben. Die Kunden la-
den die App auf ihre Smartphones, bekom-
men damit eine nützliche Dienstleistung
und sehen dabei jedes Mal unser Logo.
Soll die die Anwendung auch Kommuni-
kation zwischen Ihnen und Ihrer Kund-
schaft ermöglichen?
Zunächst lancieren wir nur den beschrie-
benen Betonrechner. In einer zweiten Pha-
se soll es dann zum Beispiel auch möglich
sein, Bestellungen über die App tätigen zu
können. Wir möchten langsam starten, um
unsere Kunden nicht mit einer zu komple-
xen Applikation zu überfahren.
Die Branche gilt als konservativ, was die
Nutzung von Kommunikationsmitteln
angeht. Innert welcher Frist ist es für Sie
denkbar, dass Sie mit Ihren Kunden
auch via Smartphone-App Geschäfte
abwickeln?
Wenn man das Kommunikationsverhalten
im Bauhauptgewerbe beurteilt, muss man
zwischen Klein- und Grossunternehmen un-
terscheiden. Bei den kleineren Firmen läuft
heute noch vieles über Fax oder Briefpost.
Bei Grossbetrieben läuft die Korrespondenz
weitgehend über E-Mail. Insgesamt kann
man sicher sagen, dass die Branche gerne
mit bewährten Kanälen arbeitet.
Sie müssen Klein- und Grossbetriebe
unterschiedlich betreuen?
Ja, wir betreuen die Kundengruppen sepa-
rat, was Marketing, Kommunikation und so
weiter angeht. Wir versuchen, unsere Kun-
den ganz den entsprechenden Vorlieben
entsprechend anzusprechen. Denn sowohl
Klein- als auch Grossbetriebe sind enorm
wichtig für uns. Deshalb unterscheidet sich
auch nur die Art der Betreuung, nicht aber
deren Qualität.
Der Schalungsbereich zeigte sich in den
vergangenen 30 Jahren überaus innova-
tiv. Wie erleben Sie das?
Der Schalungsbereich ist nach wie vor
sehr innovativ. Es läuft viel auf dem Markt.
Ich bin vor vier Jahren in die Branche und in
das Unternehmen eingestiegen. Bereits in
dieser kurzen Zeit hat sich einiges verän-
dert. Gerade auch der Aspekt der Sicher-
heit – in dem auch mehr und mehr Kontrol-
len erfolgen – treibt hier die Entwicklung
voran.
diebaustellen_April/13
08 fokus
Meva bezeichnet sich selbst als «Impuls-
geber und Innovationsführer» der Scha-
lungsbranche. Wie rechtfertigen Sie
diesen Anspruch in der Praxis?
Mit Systemen, die modular und entspre-
chend flexibel kombiniert und eingesetzt
werden können. An der Bauma, die vor
wenigen Tagen über die Bühne ging, prä-
sentierten wir ein neues Produkt, das alle
Möglichkeiten der Konkurrenzprodukte,
auch der Stahlschalung, abdeckt, dabei
aber zugleich günstiger und besser ist. Es
handelt sich um die Hochleistungsscha-
lung Mammut mit 100 kN/m² Frischbeton-
druckaufnahme und dem modularen Si-
cherheitssystem SecuritBasic, welches al-
len Sicherheitsstandards entspricht. Mo-
dular bedeutet, dass der Bauunternehmer
nach eigenen Vorstellungen die Sicher-
heits-Ausstattung frei kombinieren kann –
bis hin zum rutschfesten Aluminium-Riffel-
blechbelag mit automatisch gesicherter
Durchstiegsluke und integrierter Leiter.
Wir haben vor einigen Jahren mit dem
Patron eines Ihrer grossen Mitbewerber
gesprochen. Er meinte, die Innovation
im Schalungsbereich werde nicht in
demselben Mass weitergehen, wie das
in den letzten Jahrzehnten der Fall war.
Was sagen Sie dazu?
Mit der Ablösung der anfälligen Sperrholz-
schalhaut durch die Meva am Anfang des
Jahrhunderts wurde die letzte grosse
Schwachstelle des Systems Schalung
durch einen Innovationssprung ausge-
merzt. Da haben unsere Wettbewerber tech-
nischen Nachholbedarf. Innovationen kon-
zentrieren sich derzeit auf Arbeitssicherheit
und Betonierqualität. Hier bildet sich ein
kontinuierlicher Verbesserungsprozess ab.
Sie haben einst angekündigt, den Scha-
lungsmarkt aufwühlen zu wollen. Ist das
Ihrer Meinung nach gelungen?
Sie haben es nicht gemerkt? (lacht) Als ich
vor vier Jahren eingestiegen bin, verfolgte
Meva eine seit Jahrzehnten bewährte und
konservative Strategie, mit der sie eine
grosse Vertrauens- und Kundenbasis auf-
gebaut hat. Der Effekt war, dass Meva al-
lerdings nur wenig wahrgenommen wur-
de. Ich hatte den Auftrag, das Potenzial
auszubauen und die Weichen für die
nächste Generation zustellen. Das liegt
mir, denn ich bin ein anderer Typ. Ich gebe
Gas, ich will vorwärts gehen. Als ich die
Geschäftsführung übernehmen durfte,
schob ich deshalb die alte Strategie bei-
seite und setzte das Ziel, mindestens unter
die Top 3 der Schweizer Schalungsbran-
che zu kommen.
Welche Anpassungen haben Sie dafür
vorgenommen?
Wir haben den Kundendienst optimiert
und ausgebaut. Dazu haben wir auch die
Gebiete neu eingeteilt. Weiter haben wir
ins Marketing investiert, haben beispiels-
weise ein CRM (Customer Relationship
Management) installiert, das heute aktiv
läuft und dazu führt, dass die Kundschaft
laufend mit Informationen von uns versorgt
wird. Parallel dazu engagieren wir uns da-
für, bei Grossprojekten und Grossunter-
nehmen verstärkt zum Zuge zu kommen.
Wie sieht das Resultat dieses Aufbaus in
Zahlen aus?
Wir veröffentlichen unsere Geschäftszah-
len nicht. Wir haben unsere Ziele Schritt
für Schritt nach oben entwickelt und mit
einer hohen Kundenzufriedenheit im Rü-
cken auf Wachstum geschaltet.
Wenn man mit Konkurrenten spricht,
scheint Meva nicht eben beliebt zu sein.
Es fällt schon mal das Stichwort «Dis-
counter».
Das Gegenteil ist der Fall. Wir betrachten
uns als Preisführer – sorgen dafür, dass ein
Hochleistungsprodukt und Kompetenz er-
träglich honoriert werden. Unsere Kunden
wissen und schätzen das. Es ist schon vor-
gekommen, dass mir ein Kunde die Offerte
eines Mitbewerbers zeigte und ich sagen
musste: So tief gehe ich nicht. Es gibt eine
klare Grenze, die ich nie unterschreite.
Welchen Stellenwert hat der Kunden-
dienst?
Mit den höchsten. Unsere Kunden wollen
nicht nur ein Produkt. Sie wollen eine kom-
plette Dienstleistung. Die Unternehmen
wünschen sich nicht einfach einen Scha-
lungs-Lieferanten, sondern einen Partner.
Das bieten wir ihnen.
Auf dem Bau herrscht insgesamt ein
enormer Preiskampf. Alles muss immer
günstiger werden. Wie stellt man es an,
trotz dieses Preisdrucks nicht an der
Qualität zu sparen?
Der Preis einer Schalung ist nicht der wich-
tigste Faktor. Vielmehr sind clevere Lösun-
Das internationale Schalungsunternehmen Meva hält die Konkurrenz mit technischen Neuerungen auf Trab.
diebaustellen_April/13
gen gefragt, die dem Kunden Zeitgewinne
auf der Baustelle ermöglichen. Letztlich
zählt auch hier das Gesamtpaket.
Die Meva Schalungs-Systeme AG ist ei-
ne Tochtergesellschaft des international
operierenden Meva-Konzerns mit Sitz in
Deutschland. Wie eng werden Sie kont-
rolliert?
Wir sind eine eigenständige Firma und ich
bekomme vom Konzern sehr viel Spiel-
raum, kann fast machen, was ich will. Das
gilt selbstverständlich, so lang die Zahlen
stimmen.
Wie ist die Beziehung zum Konzern?
Sehr gut und sehr angenehm. Ich spreche
mich häufig mit dem CEO ab. Zum Teil
begleitet er Umsetzungen hier in der
Schweiz recht eng, um sie dann auch in
anderen Ländern implementieren zu kön-
nen.
Sie haben den Strategiewechsel ge-
schildert, den sie vollzogen haben. Wie
hat der Konzern darauf reagiert?
So ein Strategiewechsel passiert ja nicht
von heute auf morgen. Ich habe hier im
Aussendienst angefangen und dadurch
den Markt hautnah kennen gelernt. Daraus
ist schliesslich eine Analyse der Wachs-
tums-Chancen und möglichen Anpassun-
gen entstanden. Gemeinsam mit den not-
wendigen Zahlen habe ich meine Vorstel-
lungen dem Konzern vorgelegt, wo wir die
Umsetzung gemeinsam beschlossen.
Sie haben zuvor bei Sika gearbeitet. Was
hat sie zum Branchenwechsel bewogen?
Das war ein Mix aus verschiedenen Fakto-
ren. Bei Sika war ich am Konzernhauptsitz
tätig, habe weltweit Produkte-Portfolios be-
treut. Ich war entsprechend viel unterwegs.
Das war sehr interessant, wurde aber
schwierig, als für mich die Familiengrün-
dung zum Thema wurde. Daneben spürte
ich immer wieder, dass ein derart grosser
Konzern eine gewisse Trägheit hat. Wenn
Massnahmen eingeleitet werden, dauerte
es jeweils lange, bis Effekte spürbar wur-
den. Das passt eigentlich nicht zu meinem
Naturell. Also machte ich mir Gedanken
über meinen nächsten Karriereschritt. Ich
wollte die Geschäftsführung eines Schwei-
zer Unternehmens übernehmen. Bei Meva
erhielt ich diese Gelegenheit.
Zu Schalungen selbst hatten Sie aber
keinen Bezug?
Nicht direkt. Schalungen sind für mich als
Ingenieur ein interessanter Bereich. Und
Bezug zur Baubranche hatte ich schon
immer. Mein Vater hatte einen Baubetrieb.
Die Produktion des Meva-Konzerns ist
in Deutschland zentralisiert. Diktiert
demnach der Konzern die Palette –
oder werden die Ländergesellschaften
mit einbezogen?
Wir sind sehr offen für Inputs von Kunden-
seite und tragen diese gerne an unser
Mutterhaus heran. Ich habe das Gefühl,
der Konzern hat dafür sehr offene Ohren.
Im geschlossenen Tüftler-Keller etwas zu
skizzieren, zu produzieren und dann mit
der Erwartung grösster Erfolge an die
Ländergesellschaften zu liefern, das funk-
tioniert nicht. Produkte sind bei uns des-
halb immer auch das Resultat von Aus-
tausch. Es ist unter Umständen möglich,
dass wir innerhalb von zwei Wochen ein
Teil produzieren, das der Kunde als Proto-
typ direkt auf der Baustelle ausprobieren
kann.
Wie nahe sind Sie als Geschäftsführer
am Kunden dran?
Sehr nahe. Ich bin häufig auf Baustellen
unterwegs. Die Grosskunden betreue ich
selbst. Ich glaube, es wird geschätzt,
wenn sich ein Chef nicht zu schade ist,
sich selbst an der Front zu zeigen. Ich ha-
be im Auto immer Klamotten dabei, um auf
eine Baustelle zu gehen.
Wird heute im Schalungsbereich eher ge-
kauft oder gemietet?
Im umliegenden Ausland wird zum grösse-
ren Anteil gemietet. In Deutschland liegt das
Miet-Kauf-Verhältnis schätzungsweise bei
70:30. In der Schweiz sehen wir das Ge-
genteil, wobei wir in den letzten Jahren eine
Veränderung feststellen. Die Firmen kaufen
sich eher einen Grundstock und mieten den
Rest hinzu. Bei komplexeren Baustellen se-
hen wir das deutlich: Die Unternehmen mie-
ten lieber, damit sie genau das passende
Material bekommen. Ich würde schon von
einer gewissen Tendenz sprechen. Lag das
10 fokus
Willi Tenisch, Geschäftsführer Meva Schalungs-Systeme AG: «Ich habe im Auto immer Klamotten dabei, um auf eine Baustelle zu gehen.»
diebaustellen_April/13
12 fokus
Miet-Kauf-Verhältnis in der Schweiz vor ein
paar Jahren noch bei 30:70, liegt es heute
bei 40:60. Nach wie vor entspricht der Kauf
aber sehr der Schweizer Mentalität.
Was bevorzugen Sie als Anbieter: Mieten
oder kaufen?
Mieten und anschliessend kaufen.
Welche Umstellungen sind bei Ihnen nö-
tig, wenn sich der Markt eher von Kaufen
zu Mieten verlagert?
In erster Linie müssen wir den Mietpark
anpassen. Unser Vorteil ist: Wir haben ei-
nen europäischen Mietpark, mit sehr vielen
Satelliten-Lagern, auf die alle Ländergesell-
schaften zugreifen können.
Mitte März hat der Baumeisterverband
nach acht Jahren Wachstum erstmals
wieder einen Umsatzrückgang im Bau-
hauptgewerbe verkünden müssen. Wor-
auf stellen Sie sich wirtschaftlich ein?
Das laufende Jahr wird sicher noch sehr
gut. Für das Jahr 2014 rechne ich eher mit
einer Stagnation. Was darüber hinaus
geht, ist reine Mutmassung. Solange die
Zinsen niedrig sind und die Zuwanderung
auf relativ hohem Niveau anhält, rechne ich
nicht mit einem Einbruch. Gleichzeitig mei-
ne ich, wäre es nicht gesund, das derzeiti-
ge Wachstum ewig weiter realisieren zu
wollen. Das hören wir auch von den Bau-
unternehmen. Sie haben wahnsinnig viel
Arbeit.
Wären Sie für einen härteren Verdrän-
gungskampf gewappnet?
Wir sind glücklicherweise noch immer in
einer Position, in der wir fast nur gewinnen
können. Bei anderen Bewerbern ist eher
das Umgekehrte der Fall. Deshalb macht
mir eine leichte Korrektur der Konjunktur
keine Sorgen.
Klassischerweise legt man sich eine Stra-
tegie für die nächsten fünf Jahre zurecht.
Welches grobe konjunkturelle Szenario
liegt Ihrer Strategie zugrunde?
Eine gewisse Stagnation. Aber kein massi-
ver Rückgang.
Sie sind vom allgemeinen Geschäftsgang
der Bauunternehmen abhängig. Aber
auch davon, dass betoniert wird. Wie er-
leben Sie den Wettbewerb der Baumate-
rialien und Konstruktionsweisen?
Ein wichtiger Punkt hierbei sind zum Bei-
spiel die neuen Erdbeben-Normen. Sie füh-
ren dazu, dass heute teilweise bis unters
Dach betoniert wird, wo früher eher gemau-
ert wurde. Das freut uns. Ansonsten tangiert
uns der Wettstreit zwischen Beton, Holz
oder auch Stahl wenig. Der Betonanteil ist in
der Schweiz sehr hoch. Da sehe ich keine
Trendwende.
Welche Bedeutung hat die Vorfertigung
für Sie?
Wir sind mittlerweile häufiger in Kontakt mit
Fertigteil-Werken. Da gibt es gute Zusam-
menarbeiten. Gerade im Deckenbereich
kann ich mir vorstellen, dass der Anteil an
Fertigteilen noch zunehmen wird. Insgesamt
gehe ich aber auch hier nicht von einer radi-
kalen Wende aus.
Was für ein Chef sind Sie?
Ein gradliniger. Ich gebe Ziele vor und lasse
den Mitarbeitenden dann den Freiraum und
übergebe ihnen die notwendige Verantwor-
tung, um die Ziele zu erreichen. Ich überneh-
me eine Kontrollfunktion. Ich bin ein Chef,
der zuhören kann. Ich wünsche mir, dass die
Mitarbeitenden bei Problemen frühzeitig zu
mir kommen und wir gemeinsam Lösungen
suchen können.
Sie erwähnten, dass Sie Grossprojekte
persönlich betreuen. Ein Misstrauensvo-
tum an Ihre Mitarbeitenden?
Nein, gar nicht. Es war meine Idee, dass wir
uns stärker auch in Richtung Grossprojekte
orientieren. Also habe ich den Bereich aufge-
baut und betreue ihn bis heute. Selbstver-
ständlich mache ich das nicht alleine, son-
dern erhalte Unterstützung aus dem Team.
Wenn der Bereich eine gewisse Grösse er-
reicht hat, werden personelle Anpassungen
nötig. Ich werde kein Problem haben, hier
Kompetenzen zu delegieren.
Sie werden also weiter expandieren?
Wir sind in den letzten Jahren schon merklich
gewachsen. Und wenn das Geschäft so gut
weiterläuft, werden wir sicher noch mehr gu-
tes Personal brauchen können.
Es heisst, es sei schwierig, gute Ingenieu-
re für die Schalungsbranche zu begeis-
tern. Worauf führen Sie das zurück?
Vielleicht steht manchen der Stolz im Weg.
Einige halten es wohl für erstrebenswerter,
ganze Gebäude oder ganze Brücken zu
rechnen. Gemessen daran ist die Berech-
nung einer Schalung nur ein Detail, von dem
im vollendeten Zustand eines Objekts kaum
mehr gesprochen wird. Ich hatte Glück. Ich
habe bislang tolle Ingenieure gefunden.
Sie führen das Geschäft, betreuen Gross-
projekte selbst, sagen, Sie seien häufig
draussen auf den Baustellen: Freizeit ha-
ben Sie wohl keine.
Doch. Ich starte sehr früh, bin ab 5 Uhr unter-
wegs. Entsprechend mache ich am Abend
auch mal Schluss. Ich bringe so weit alles gut
unter einen Hut.
Können Sie in der Freizeit an einer Bau-
stelle vorbei laufen, ohne nachzuschauen,
wer die Schalung geliefert hat?
Nein.
Name: Willi Tenisch
Funktion: Geschäftsführer Meva
Schalungs-Systeme AG
Alter: 38
Zivilstand: verheiratet
Kinder: 2
Hobbys: Sport
Werdegang: Aufgewachsen im Binntal,
Berufsausbildung im Wallis, Bauingenieur-
studium in Biel, Wirtschaftsingenieur in
Zürich, Arbeitsaufenthalt in Australien,
mehrjährige Tätigkeit als Bauingenieur, Corporate Product Engineer
bei der Sika AG und seit vier Jahren Geschäftsführer bei der Meva
Schalungs-Systeme AG.
Persönlich

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Fokusinterview

  • 1. baustellenFachzeitschrift für Hoch-/Tief- und Spezialbau Nr. 04 2013 Ein Ingenieur gibt Gas Wie Geschäftsführer Willi Tenisch die Meva innert vier Jahren in der Schweizer Schalungsbranche etabliert hat. Hybridbauweise Wenn Stahl und Holz gemeinsame Wege gehen. Beton ist wandelbar Was die richtigen Zusatzmittel und -stoffe bewirken. Urbanes Bauen Von den Stadtraumfarben bis zu den Glattparkbauten. die diebaustellen_April_13 Roth Gerüste AG, Bolacker 5, 4563 Gerlafingen Tel 032/674 43 60, www.rothgerueste.ch, info@rothgerueste.ch BaselWest ... wenn Schönes entsteht
  • 2. Entgegen seiner Partei und zahlreichen ihm nahestehenden Verbänden vertrat er ein Ja zum revidierten Raumplanungsgesetz. Jakob Stark, SVP-Regierungsrat des Kantons Thurgau und Präsident der Baudirektoren-Konferenz über Raum, Planung und Freiheit. Text und Fotos: Beat Matter (Landschaftsfotos: Thurgau Tourismus) diebaustellen_April/13
  • 3. 7 diebaustellen_April/13 fokus 07 «Ich will vorwärts kommen» Willi Tenisch, Geschäftsführer Meva Schalungs-Systeme AG, ist vor vier Jahren angetreten, um den Schalungsmarkt umzupflügen. Ein Gespräch über Schalung und harte Schalen, Preis- kampf und Qualität – und um Strategie. Text und Fotos: Beat Matter «die baustellen»: Wer ist Willi Tenisch? Willi Tenisch: Ein zielorientierter Unterneh- mertyp. Ich gebe Vollgas, will Dinge in Be- wegung bringen. Ich bin gradlinig und ste- he mit beiden Füssen auf dem Boden, in bester Walliser Tradition. Stur? Ja, auch die Sturheit steht uns Wallisern auf die Stirn geschrieben. Das gehört da- zu. Man kann sich nicht jederzeit und durch jeden Einwand von einem Vorhaben ab- bringen lassen. Dieser Willi Tenisch ist im Internet weit- gehend inexistent. Man liest nichts von ihm, man sieht nichts von ihm. Weshalb verweigern Sie sich dem Web? Sie haben offenbar nicht so genau ge- sucht. Es sind zum Beispiel mehrere Pa- tente auf mich registriert. Auf den Plattfor- men Facebook und LinkedIn bin ich prä- sent, wenn auch sehr zurückhaltend. Grundsätzlich trenne ich das Private und das Berufliche so gut es geht. Social Media-Netzwerke wie Facebook oder LinkedIn gehören für Sie also in den privaten Bereich. Haben diese neu- en Kanäle für das Geschäft keine Be- deutung? Das Internet ist insgesamt sicher wichtig für die Firma. Es ist wichtig, präsent zu sein. Auf meinen Anstoss hin hat der Kon- zern zum Beispiel eine App lanciert. Es handelt sich um eine Smartphone-Applika- tion, mit der unsere Kunden auf der Bau- stelle verschiedenste Richtwerte rund um das Thema Schalung abrufen können: Schalungsdruck, Schalungshöhe, das Be- tonier-Tempo in Abhängigkeit des Scha- lungstyps und der Betonmischung. Wie ist die Resonanz der Kundschaft auf die Anwendung? Die App wurde eben erst anlässlich der Bauma in München freigeschaltet. Insofern fehlt uns noch die Praxis-Erfahrung. Ich bin überzeugt, dass die Applikation rege ge- braucht werden wird. Es ist keine Spiele- rei, sondern bietet der Kundschaft echten Mehrwert. Für Sie auch? Es ist ein Vorteil, den wir gegenüber unse- ren Mitbewerbern haben. Die Kunden la- den die App auf ihre Smartphones, bekom- men damit eine nützliche Dienstleistung und sehen dabei jedes Mal unser Logo. Soll die die Anwendung auch Kommuni- kation zwischen Ihnen und Ihrer Kund- schaft ermöglichen? Zunächst lancieren wir nur den beschrie- benen Betonrechner. In einer zweiten Pha- se soll es dann zum Beispiel auch möglich sein, Bestellungen über die App tätigen zu können. Wir möchten langsam starten, um unsere Kunden nicht mit einer zu komple- xen Applikation zu überfahren. Die Branche gilt als konservativ, was die Nutzung von Kommunikationsmitteln angeht. Innert welcher Frist ist es für Sie denkbar, dass Sie mit Ihren Kunden auch via Smartphone-App Geschäfte abwickeln? Wenn man das Kommunikationsverhalten im Bauhauptgewerbe beurteilt, muss man zwischen Klein- und Grossunternehmen un- terscheiden. Bei den kleineren Firmen läuft heute noch vieles über Fax oder Briefpost. Bei Grossbetrieben läuft die Korrespondenz weitgehend über E-Mail. Insgesamt kann man sicher sagen, dass die Branche gerne mit bewährten Kanälen arbeitet. Sie müssen Klein- und Grossbetriebe unterschiedlich betreuen? Ja, wir betreuen die Kundengruppen sepa- rat, was Marketing, Kommunikation und so weiter angeht. Wir versuchen, unsere Kun- den ganz den entsprechenden Vorlieben entsprechend anzusprechen. Denn sowohl Klein- als auch Grossbetriebe sind enorm wichtig für uns. Deshalb unterscheidet sich auch nur die Art der Betreuung, nicht aber deren Qualität. Der Schalungsbereich zeigte sich in den vergangenen 30 Jahren überaus innova- tiv. Wie erleben Sie das? Der Schalungsbereich ist nach wie vor sehr innovativ. Es läuft viel auf dem Markt. Ich bin vor vier Jahren in die Branche und in das Unternehmen eingestiegen. Bereits in dieser kurzen Zeit hat sich einiges verän- dert. Gerade auch der Aspekt der Sicher- heit – in dem auch mehr und mehr Kontrol- len erfolgen – treibt hier die Entwicklung voran.
  • 4. diebaustellen_April/13 08 fokus Meva bezeichnet sich selbst als «Impuls- geber und Innovationsführer» der Scha- lungsbranche. Wie rechtfertigen Sie diesen Anspruch in der Praxis? Mit Systemen, die modular und entspre- chend flexibel kombiniert und eingesetzt werden können. An der Bauma, die vor wenigen Tagen über die Bühne ging, prä- sentierten wir ein neues Produkt, das alle Möglichkeiten der Konkurrenzprodukte, auch der Stahlschalung, abdeckt, dabei aber zugleich günstiger und besser ist. Es handelt sich um die Hochleistungsscha- lung Mammut mit 100 kN/m² Frischbeton- druckaufnahme und dem modularen Si- cherheitssystem SecuritBasic, welches al- len Sicherheitsstandards entspricht. Mo- dular bedeutet, dass der Bauunternehmer nach eigenen Vorstellungen die Sicher- heits-Ausstattung frei kombinieren kann – bis hin zum rutschfesten Aluminium-Riffel- blechbelag mit automatisch gesicherter Durchstiegsluke und integrierter Leiter. Wir haben vor einigen Jahren mit dem Patron eines Ihrer grossen Mitbewerber gesprochen. Er meinte, die Innovation im Schalungsbereich werde nicht in demselben Mass weitergehen, wie das in den letzten Jahrzehnten der Fall war. Was sagen Sie dazu? Mit der Ablösung der anfälligen Sperrholz- schalhaut durch die Meva am Anfang des Jahrhunderts wurde die letzte grosse Schwachstelle des Systems Schalung durch einen Innovationssprung ausge- merzt. Da haben unsere Wettbewerber tech- nischen Nachholbedarf. Innovationen kon- zentrieren sich derzeit auf Arbeitssicherheit und Betonierqualität. Hier bildet sich ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess ab. Sie haben einst angekündigt, den Scha- lungsmarkt aufwühlen zu wollen. Ist das Ihrer Meinung nach gelungen? Sie haben es nicht gemerkt? (lacht) Als ich vor vier Jahren eingestiegen bin, verfolgte Meva eine seit Jahrzehnten bewährte und konservative Strategie, mit der sie eine grosse Vertrauens- und Kundenbasis auf- gebaut hat. Der Effekt war, dass Meva al- lerdings nur wenig wahrgenommen wur- de. Ich hatte den Auftrag, das Potenzial auszubauen und die Weichen für die nächste Generation zustellen. Das liegt mir, denn ich bin ein anderer Typ. Ich gebe Gas, ich will vorwärts gehen. Als ich die Geschäftsführung übernehmen durfte, schob ich deshalb die alte Strategie bei- seite und setzte das Ziel, mindestens unter die Top 3 der Schweizer Schalungsbran- che zu kommen. Welche Anpassungen haben Sie dafür vorgenommen? Wir haben den Kundendienst optimiert und ausgebaut. Dazu haben wir auch die Gebiete neu eingeteilt. Weiter haben wir ins Marketing investiert, haben beispiels- weise ein CRM (Customer Relationship Management) installiert, das heute aktiv läuft und dazu führt, dass die Kundschaft laufend mit Informationen von uns versorgt wird. Parallel dazu engagieren wir uns da- für, bei Grossprojekten und Grossunter- nehmen verstärkt zum Zuge zu kommen. Wie sieht das Resultat dieses Aufbaus in Zahlen aus? Wir veröffentlichen unsere Geschäftszah- len nicht. Wir haben unsere Ziele Schritt für Schritt nach oben entwickelt und mit einer hohen Kundenzufriedenheit im Rü- cken auf Wachstum geschaltet. Wenn man mit Konkurrenten spricht, scheint Meva nicht eben beliebt zu sein. Es fällt schon mal das Stichwort «Dis- counter». Das Gegenteil ist der Fall. Wir betrachten uns als Preisführer – sorgen dafür, dass ein Hochleistungsprodukt und Kompetenz er- träglich honoriert werden. Unsere Kunden wissen und schätzen das. Es ist schon vor- gekommen, dass mir ein Kunde die Offerte eines Mitbewerbers zeigte und ich sagen musste: So tief gehe ich nicht. Es gibt eine klare Grenze, die ich nie unterschreite. Welchen Stellenwert hat der Kunden- dienst? Mit den höchsten. Unsere Kunden wollen nicht nur ein Produkt. Sie wollen eine kom- plette Dienstleistung. Die Unternehmen wünschen sich nicht einfach einen Scha- lungs-Lieferanten, sondern einen Partner. Das bieten wir ihnen. Auf dem Bau herrscht insgesamt ein enormer Preiskampf. Alles muss immer günstiger werden. Wie stellt man es an, trotz dieses Preisdrucks nicht an der Qualität zu sparen? Der Preis einer Schalung ist nicht der wich- tigste Faktor. Vielmehr sind clevere Lösun- Das internationale Schalungsunternehmen Meva hält die Konkurrenz mit technischen Neuerungen auf Trab.
  • 5. diebaustellen_April/13 gen gefragt, die dem Kunden Zeitgewinne auf der Baustelle ermöglichen. Letztlich zählt auch hier das Gesamtpaket. Die Meva Schalungs-Systeme AG ist ei- ne Tochtergesellschaft des international operierenden Meva-Konzerns mit Sitz in Deutschland. Wie eng werden Sie kont- rolliert? Wir sind eine eigenständige Firma und ich bekomme vom Konzern sehr viel Spiel- raum, kann fast machen, was ich will. Das gilt selbstverständlich, so lang die Zahlen stimmen. Wie ist die Beziehung zum Konzern? Sehr gut und sehr angenehm. Ich spreche mich häufig mit dem CEO ab. Zum Teil begleitet er Umsetzungen hier in der Schweiz recht eng, um sie dann auch in anderen Ländern implementieren zu kön- nen. Sie haben den Strategiewechsel ge- schildert, den sie vollzogen haben. Wie hat der Konzern darauf reagiert? So ein Strategiewechsel passiert ja nicht von heute auf morgen. Ich habe hier im Aussendienst angefangen und dadurch den Markt hautnah kennen gelernt. Daraus ist schliesslich eine Analyse der Wachs- tums-Chancen und möglichen Anpassun- gen entstanden. Gemeinsam mit den not- wendigen Zahlen habe ich meine Vorstel- lungen dem Konzern vorgelegt, wo wir die Umsetzung gemeinsam beschlossen. Sie haben zuvor bei Sika gearbeitet. Was hat sie zum Branchenwechsel bewogen? Das war ein Mix aus verschiedenen Fakto- ren. Bei Sika war ich am Konzernhauptsitz tätig, habe weltweit Produkte-Portfolios be- treut. Ich war entsprechend viel unterwegs. Das war sehr interessant, wurde aber schwierig, als für mich die Familiengrün- dung zum Thema wurde. Daneben spürte ich immer wieder, dass ein derart grosser Konzern eine gewisse Trägheit hat. Wenn Massnahmen eingeleitet werden, dauerte es jeweils lange, bis Effekte spürbar wur- den. Das passt eigentlich nicht zu meinem Naturell. Also machte ich mir Gedanken über meinen nächsten Karriereschritt. Ich wollte die Geschäftsführung eines Schwei- zer Unternehmens übernehmen. Bei Meva erhielt ich diese Gelegenheit. Zu Schalungen selbst hatten Sie aber keinen Bezug? Nicht direkt. Schalungen sind für mich als Ingenieur ein interessanter Bereich. Und Bezug zur Baubranche hatte ich schon immer. Mein Vater hatte einen Baubetrieb. Die Produktion des Meva-Konzerns ist in Deutschland zentralisiert. Diktiert demnach der Konzern die Palette – oder werden die Ländergesellschaften mit einbezogen? Wir sind sehr offen für Inputs von Kunden- seite und tragen diese gerne an unser Mutterhaus heran. Ich habe das Gefühl, der Konzern hat dafür sehr offene Ohren. Im geschlossenen Tüftler-Keller etwas zu skizzieren, zu produzieren und dann mit der Erwartung grösster Erfolge an die Ländergesellschaften zu liefern, das funk- tioniert nicht. Produkte sind bei uns des- halb immer auch das Resultat von Aus- tausch. Es ist unter Umständen möglich, dass wir innerhalb von zwei Wochen ein Teil produzieren, das der Kunde als Proto- typ direkt auf der Baustelle ausprobieren kann. Wie nahe sind Sie als Geschäftsführer am Kunden dran? Sehr nahe. Ich bin häufig auf Baustellen unterwegs. Die Grosskunden betreue ich selbst. Ich glaube, es wird geschätzt, wenn sich ein Chef nicht zu schade ist, sich selbst an der Front zu zeigen. Ich ha- be im Auto immer Klamotten dabei, um auf eine Baustelle zu gehen. Wird heute im Schalungsbereich eher ge- kauft oder gemietet? Im umliegenden Ausland wird zum grösse- ren Anteil gemietet. In Deutschland liegt das Miet-Kauf-Verhältnis schätzungsweise bei 70:30. In der Schweiz sehen wir das Ge- genteil, wobei wir in den letzten Jahren eine Veränderung feststellen. Die Firmen kaufen sich eher einen Grundstock und mieten den Rest hinzu. Bei komplexeren Baustellen se- hen wir das deutlich: Die Unternehmen mie- ten lieber, damit sie genau das passende Material bekommen. Ich würde schon von einer gewissen Tendenz sprechen. Lag das 10 fokus Willi Tenisch, Geschäftsführer Meva Schalungs-Systeme AG: «Ich habe im Auto immer Klamotten dabei, um auf eine Baustelle zu gehen.»
  • 6. diebaustellen_April/13 12 fokus Miet-Kauf-Verhältnis in der Schweiz vor ein paar Jahren noch bei 30:70, liegt es heute bei 40:60. Nach wie vor entspricht der Kauf aber sehr der Schweizer Mentalität. Was bevorzugen Sie als Anbieter: Mieten oder kaufen? Mieten und anschliessend kaufen. Welche Umstellungen sind bei Ihnen nö- tig, wenn sich der Markt eher von Kaufen zu Mieten verlagert? In erster Linie müssen wir den Mietpark anpassen. Unser Vorteil ist: Wir haben ei- nen europäischen Mietpark, mit sehr vielen Satelliten-Lagern, auf die alle Ländergesell- schaften zugreifen können. Mitte März hat der Baumeisterverband nach acht Jahren Wachstum erstmals wieder einen Umsatzrückgang im Bau- hauptgewerbe verkünden müssen. Wor- auf stellen Sie sich wirtschaftlich ein? Das laufende Jahr wird sicher noch sehr gut. Für das Jahr 2014 rechne ich eher mit einer Stagnation. Was darüber hinaus geht, ist reine Mutmassung. Solange die Zinsen niedrig sind und die Zuwanderung auf relativ hohem Niveau anhält, rechne ich nicht mit einem Einbruch. Gleichzeitig mei- ne ich, wäre es nicht gesund, das derzeiti- ge Wachstum ewig weiter realisieren zu wollen. Das hören wir auch von den Bau- unternehmen. Sie haben wahnsinnig viel Arbeit. Wären Sie für einen härteren Verdrän- gungskampf gewappnet? Wir sind glücklicherweise noch immer in einer Position, in der wir fast nur gewinnen können. Bei anderen Bewerbern ist eher das Umgekehrte der Fall. Deshalb macht mir eine leichte Korrektur der Konjunktur keine Sorgen. Klassischerweise legt man sich eine Stra- tegie für die nächsten fünf Jahre zurecht. Welches grobe konjunkturelle Szenario liegt Ihrer Strategie zugrunde? Eine gewisse Stagnation. Aber kein massi- ver Rückgang. Sie sind vom allgemeinen Geschäftsgang der Bauunternehmen abhängig. Aber auch davon, dass betoniert wird. Wie er- leben Sie den Wettbewerb der Baumate- rialien und Konstruktionsweisen? Ein wichtiger Punkt hierbei sind zum Bei- spiel die neuen Erdbeben-Normen. Sie füh- ren dazu, dass heute teilweise bis unters Dach betoniert wird, wo früher eher gemau- ert wurde. Das freut uns. Ansonsten tangiert uns der Wettstreit zwischen Beton, Holz oder auch Stahl wenig. Der Betonanteil ist in der Schweiz sehr hoch. Da sehe ich keine Trendwende. Welche Bedeutung hat die Vorfertigung für Sie? Wir sind mittlerweile häufiger in Kontakt mit Fertigteil-Werken. Da gibt es gute Zusam- menarbeiten. Gerade im Deckenbereich kann ich mir vorstellen, dass der Anteil an Fertigteilen noch zunehmen wird. Insgesamt gehe ich aber auch hier nicht von einer radi- kalen Wende aus. Was für ein Chef sind Sie? Ein gradliniger. Ich gebe Ziele vor und lasse den Mitarbeitenden dann den Freiraum und übergebe ihnen die notwendige Verantwor- tung, um die Ziele zu erreichen. Ich überneh- me eine Kontrollfunktion. Ich bin ein Chef, der zuhören kann. Ich wünsche mir, dass die Mitarbeitenden bei Problemen frühzeitig zu mir kommen und wir gemeinsam Lösungen suchen können. Sie erwähnten, dass Sie Grossprojekte persönlich betreuen. Ein Misstrauensvo- tum an Ihre Mitarbeitenden? Nein, gar nicht. Es war meine Idee, dass wir uns stärker auch in Richtung Grossprojekte orientieren. Also habe ich den Bereich aufge- baut und betreue ihn bis heute. Selbstver- ständlich mache ich das nicht alleine, son- dern erhalte Unterstützung aus dem Team. Wenn der Bereich eine gewisse Grösse er- reicht hat, werden personelle Anpassungen nötig. Ich werde kein Problem haben, hier Kompetenzen zu delegieren. Sie werden also weiter expandieren? Wir sind in den letzten Jahren schon merklich gewachsen. Und wenn das Geschäft so gut weiterläuft, werden wir sicher noch mehr gu- tes Personal brauchen können. Es heisst, es sei schwierig, gute Ingenieu- re für die Schalungsbranche zu begeis- tern. Worauf führen Sie das zurück? Vielleicht steht manchen der Stolz im Weg. Einige halten es wohl für erstrebenswerter, ganze Gebäude oder ganze Brücken zu rechnen. Gemessen daran ist die Berech- nung einer Schalung nur ein Detail, von dem im vollendeten Zustand eines Objekts kaum mehr gesprochen wird. Ich hatte Glück. Ich habe bislang tolle Ingenieure gefunden. Sie führen das Geschäft, betreuen Gross- projekte selbst, sagen, Sie seien häufig draussen auf den Baustellen: Freizeit ha- ben Sie wohl keine. Doch. Ich starte sehr früh, bin ab 5 Uhr unter- wegs. Entsprechend mache ich am Abend auch mal Schluss. Ich bringe so weit alles gut unter einen Hut. Können Sie in der Freizeit an einer Bau- stelle vorbei laufen, ohne nachzuschauen, wer die Schalung geliefert hat? Nein. Name: Willi Tenisch Funktion: Geschäftsführer Meva Schalungs-Systeme AG Alter: 38 Zivilstand: verheiratet Kinder: 2 Hobbys: Sport Werdegang: Aufgewachsen im Binntal, Berufsausbildung im Wallis, Bauingenieur- studium in Biel, Wirtschaftsingenieur in Zürich, Arbeitsaufenthalt in Australien, mehrjährige Tätigkeit als Bauingenieur, Corporate Product Engineer bei der Sika AG und seit vier Jahren Geschäftsführer bei der Meva Schalungs-Systeme AG. Persönlich