Taiwan Aktuell #555 15.10.2012

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Präsident Ma zum Nationalfeiertag
Außenhandel wächst wieder
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Taiwan Aktuell #555 15.10.2012

  1. 1. Zweiwöchentliche Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der Chi Republik China Herausgeber: Karl C.Y. Cheng, Chefredakteur: Bo-Sung Hsu Redaktion: Helga Doppler Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland, Büro München - Presseabteilung Sonnenstraße 25, 80331 München, Tel: 089-271 19 58, Fax: 271 32 02 Email:helga.doppler@gmx.net, Internet: www.taiwanembassy.org.de Präsident Ma zum Nationalfeiertag Außenhandel wächst wieder Frauen in der Politik Politik Präsident Ma zum Nationalfeiertag (Auszüge aus dem von der Regierung veröffentlichten Text der Rede des Präsidenten zum 10.10.2012) Heute ist der 101. Nationalfeiertag der Republik China. An diesem Tag sollen wir uns immer an die Mühsal und die Kämpfe unserer Vorfahren erinnern und uns darauf besinnen, weiter fortzufahren in unseren Bemühungen um unser Land. Fast neun Monate sind vergangen seit der Präsidentschaftswahl in diesem Jahr. Während dieser Zeit haben sich enorme politische und wirtschaftliche Veränderungen ereignet, sowohl in Taiwan als auch in der gesamten Welt. Einige politische Entscheidungen unserer Regierung wurden von derNr. 555 15.10.2012 Öffentlichkeit kritisiert. Wir haben diesen kritischen Stimmen sehr genau 21. Jahrgang zugehört. Wir haben unsere Vorgehensweise unter die Lupe genommen und ISSN 0945-618X
  2. 2. 2darüber nachgedacht, was wir verbessern können. Unsere Antwort werden wir in Form vonkonkreten Maßnahmen geben.Die globale wirtschaftliche Situation ist in diesem Jahr nicht weniger ernst als sie es vor vierJahren während des Finanz-Tsunamis war. Erschwerend kommt hinzu, dass die Spannungenim Ost- und Südchinesischen Meer eskaliert sind. Daraus erwachsen besondereHerausforderungen für Taiwan, die wir jedoch nicht fürchten müssen. Ich schlage vier Ansätzevor, die wir zum Wohl unseres Landes alle gemeinsam verfolgen sollten: 1. Reformen bei den Strukturen der Industrie und eine Anhebung der Löhne 2. Beseitigung von Investitionsbarrieren und die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen 3. Verteidigung der Souveränität und der Fischereirechte sowie die Förderung des regionalen Friedens 4. Stärkung der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit bei gleichzeitiger Förderung der Entwicklung in den Beziehungen über die Taiwan-Straße.Obwohl Taiwans Wirtschaft in den letzten Jahren gewachsen ist, haben jedoch viele Menschenerfahren müssen, dass ihre Löhne stagnieren, und darüber sie sind verständlicherweise nichterfreut. Deshalb müssen wir uns im internationalen Wirtschafts- und Handelssystem neupositionieren und unsere Industrien entsprechend umstrukturieren, um ein neue Entwicklungvon Taiwans Wirtschaft herbeizuführen.Wir wollen unsere Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit anderen Ländern ausweiten undso die weltweite Vermarktung von Taiwans Produkten und Dienstleistungen erleichtern. Vorzwei Jahren haben wir das Rahmenabkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECFA)mit Festlandchina, unserem Handelspartner Nummer Eins, abgeschlossen. Im August diesesJahres haben wir dann ein gegenseitiges Abkommen zum Schutz und zur Förderung vonInvestitionen geschlossen, weiter ein Zollkooperationsabkommen und eine Absichtserklärunghinsichtlich der Währungsbeziehungen zwischen beiden Seiten, und die Folgeverhandlungenzu ECFA werden nun mit Nachdruck vorangetrieben.In den letzten Jahren haben sich die Beziehungen mit Japan, unserem zweitgrößtenHandelspartner, kontinuierlich verbessert. In den letzten zwei Jahren ist die Anzahl der Flügezwischen Taiwan und Japan um 45 Prozent gestiegen, während die Zahl der angeflogenenDestinationen sich um 90 Prozent erhöht hat. Seit Taiwan und Japan das BilateraleInvestionsabkommen im letzten Jahr geschlossen haben, sind die Investitionen Japans inunserem Land um 26 Prozent angestiegen. Damit ist Japan in diesem Jahr der wichtigsteausländische Investor in Taiwan.Anfang September haben die USA, unser drittgrößter Handelspartner, zugestimmt, dieVerhandlungen mit Taiwan unter dem bilateralen Handels- und Investitionsrahmenabkommenwieder aufzunehmen, und wir werden uns weiter darum bemühen, günstige Bedingungen fürTaiwans Teilnahme an der Trans-Pazifik Partnerschaft zu schaffen. Außerdem haben dieVereinigten Staaten am 02. Oktober 2012 angekündigt, dass Taiwan in das Visa Waiver TAIWAN AKTUELL Nr. 555 15.10.12
  3. 3. 3Programm aufgenommen wird. Bemerkenswert daran ist, dass Taiwan unter den 37teilnehmenden Ländern das einzige ist, dass keine diplomatischen Beziehungen mit den USAunterhält. Das zeigt wiederum auch das hohe Maß an Vertrauen, dass die USA in die Bürgerder Republik China und ihre Regierung setzt. Diese vertrauensbildende Maßnahme wird zueiner Vertiefung der Beziehungen zwischen den Menschen hier und dort beitragen und diebilateralen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen stärken.Ein weiteres Thema über das sich die Menschen in Taiwan Gedanken machen ist dieBeschäftigungslage. Wir müssen ein besseres Geschäftsumfeld kreieren, um dazu beizutragen,dass in Taiwan mehr Arbeitsplätze geschaffen werden.Kürzlich wurde Taiwan in einer internationalen Studie auf Platz 4 eingestuft hinsichtlich seinesInvestitionsklimas im globalen Vergleich. Doch unsere Regierung wird sich weiter bemühenInvestitionshürden abzubauen und wir werden für einen besseren Ausgleich hinsichtlich derInfrastruktur der verschiedenen Regionen in Taiwan sorgen.Auch der Tourismus bietet gute Möglichkeiten mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Es wird erwartet,dass die Anzahl der ausländischen Besucher dieses Jahr die 7-Millionen-Marke überschreitenwird. Öffentlicher wie privater Sektor müssen hart daran arbeiten, den ausländischen Gästenherausragende Qualität und Dienstleistungen zu bieten. Es sind mehr Investitionen nötig, umunser Ziel von 10 Millionen ausländischer Besucher im Jahr 2016 zu erreichen.Neben Großprojekten muss die Regierung noch vieles in Angriff nehmen. Es muss ein nochbesseres Investitionsklima geschaffen werden durch weitere Deregulierungsmaßnahmen. Wasich jedoch in diesem Zusammenhang deutlich bekräftigen möchte, ist, dass wir bei derAufhebung von Restriktionen für ausländische Investitionen in Taiwans Industrien immer daraufbedacht sein werden, die nationale Sicherheit und die nationalen Interessen zu wahren und zuschützen. In Zukunft wird liberale Wirtschaftspolitik die Regel sein und Barrieren die Ausnahme.Wir müssen Kontrollen des Arbeitsmarktes aufheben, um mit den modernen Trendsmitzuhalten, jedoch immer unter der Voraussetzung, dass eine gesunde Balance zwischenInvestitionsanreizen und dem Schutz des heimischen Arbeitsmarktes besteht.Wir müssen unsere Souveränität und unsere Fischereirechte verteidigen und den Frieden in derRegion weiter fördern. Die Situation in den Gewässern um die Diaoyutai Inseln hat weltweitAufmerksamkeit erregt. Ob aus der Perspektive von Geschichte oder Geographie oderinternationalem Recht betrachtet, die Diaoyutai Inseln waren immer ein Teil des Gebietes derRepublik China und gehören zu den Inseln Taiwans. Die Gewässer um die Diaoyutais sind seitJahrhunderten die traditionellen Fischgründe der Fischer Taiwans. Die Patrouillenboote derRegierung werden weiterhin unsere Fischer schützen und unsere Territorialgewässer in diesemGebiet verteidigen. Die Republik China hat immer Frieden gesucht und großes Gewicht auf dieguten Beziehungen mit anderen Ländern gelegt. Als Antwort auf die Auseinandersetzungen umdie Diaoyutai Inseln habe ich am 05. August die Friedensinitiative im Ostchinesischen Meergestartet, um mich dafür einzusetzen, dass alle Beteiligten den Streit beilegen und in einenDialog eintreten. Die Republik China will als Friedensstifter in der internationalen Gemeinschaftaufzutreten und wird sich für Frieden und Stabilität in Ostasien einsetzen. TAIWAN AKTUELL Nr. 555 15.10.12
  4. 4. 4Rechtsstaatlichkeit ist ein wesentliches Element der demokratischen Staatsführung und einesaubere, kompetente Regierung ist wesentlicher Bestandteil der Rechtssicherheit. Deshalbhabe ich, seit ich das Amt des Präsidenten angetreten habe, immer wieder an die Beamtenappelliert “Integrität zu zeigen, Ergebnisse zu erzielen und Leidenschaft für die Sache zuentwickeln“. Und ich habe geschworen eine saubere und kompetente Regierung zu führen.Die demokratischen Errungenschaften der Republik China hier in Taiwan haben dieAufmerksamkeit der gesamten chinesisch sprechenden Welt erregt. Taiwan hat bewiesen, dassDemokratie sich im Rahmen der chinesischen Kultur verwurzeln und Früchte tragen kann.Deshalb bin ich überzeugt, dass mehr in den Beziehungen zwischen Taiwan und dem Festlandliegt als nur vergleichbare Wirtschaftsformen und kulturelle Bande. Ich glaube, dass wir in einenDialog über Demokratie und Rechtstaatlichkeit eintreten können.In der Zeit von etwas mehr als vier Jahren hat unsere Regierung 18 Abkommen geschlossenund zwei Konsenspunkte mit dem Festland erreicht. Diese Entwicklung wird den Menschen inTaiwan substantielle Vorteile bringen. Die Regierung wird sich weiter bemühen dieInteraktionen über die Taiwan-Straße auszuweiten auf der Basis des Konsens von 1992, derbesagt, jede Seite erkennt die Existenz von “Ein China“ an, vorbehaltlich der eigenenInterpretation, was es bedeutet. Wir drängen darauf, dass beide Seiten auf dem Territorium desjeweils anderen Büros einrichten, um den Bedürfnissen von Geschäftsleuten, Studenten undder allgemeinen Öffentlichkeit gerecht zu werden.Es gibt viele Begebenheiten in der 100-jährigen Geschichte der Republik China, die uns mitStolz erfüllen. Unsere Vorväter haben uns die Nation vermacht und wir sind verpflichtetsicherzustellen, dass die Nation weiter besteht. Das Rad der Geschichte kann sich nur immerweiter drehen. Die Tage und Jahre, die vor uns liegen, bieten unendlich vielen Möglichkeiten.Es ist mein fester Glaube, dass die Republik China eine glänzende Zukunft hat. Mögen wirzusammen unseren Weg gehen, auf welche Schwierigkeiten wir auch immer stoßen werdenund in Einigkeit für Taiwan kämpfen.Lasst uns zusammen ausrufen:Lang lebe die Republik China!Lang lebe die Demokratie in Taiwan!Danke! WirtschaftAußenhandel wächst wiederVor dem Hintergrund der schnell wachsenden aufstrebenden Märkte in Asien hat derAußenhandel Taiwans im September 2012 ein Volumen von 50,26 Milliarden US$(umgerechnet ca. 39 Milliarden Euro) erreicht, dies hat das Finanzministerium am Montag, den08. Oktober 2012, bekannt gegeben. TAIWAN AKTUELL Nr. 555 15.10.12
  5. 5. 5Die jüngsten Statistiken des Ministeriums belegen, dass Taiwans Exporte im Jahresvergleichum 10,4 Prozent auf 27,17 Milliarden US$ (umgerechnet ca. 21,12 Milliarden Euro)angewachsen sind. Die Importe sind langsam um 1,3 Prozent auf 23,09 Milliarden US$ (ca.17,94 Milliarden Euro) geklettert. Der Nettohandelsüberschuss stieg um 125,4 Prozent auf 4,08Milliarden US$ (umgerechnet ca. 3,17 Milliarden Euro) an.Generaldirektor Yeh von der Abteilung für Statistik des Finanzministeriums, fügte hinzu, dassder Export im September gegenüber dem Vormonat August bereits um zehn Prozent zulegenkonnte. Dies ist innerhalb der letzten vierzehn Monate der höchste Wert gewesen und hat einhalbes Jahr des Rückgangs beendet.“Das ermutigende Ergebnis lässt sich vornehmlich auf die kräftige Nachfrage nachFlachbildschirmen, Elektronik und Produkten auf Petroleumbasis aus Taiwan zurückführen. Alldiese Erzeugnisse haben im betreffenden Zeitraum ein Wachstum im zweistelligen Bereich zuverzeichnen,“ erklärte Yeh.Besonders Elektronik und Produkte auf Petroleumbasis waren mit einem Zuwachs von 10,5respektive satten 140 Prozent die erfolgreichsten Bereiche mit historischen Höchstständen von7,75 Milliarden US$ und 2,38 Milliarden US$ (ca. 6,01 und 1,84 Milliarden Euro), erläuterteGeneraldirektor Yeh.Das wichtigstes Zielgebiet für Exporte aus Taiwan bleibt nach wie vor Festlandchinaeinschließlich Hongkong. Von Taiwans Exporten gehen 39,9 Prozent dorthin mit einerGesamtsumme von 10,84 Milliarden US$, das entspricht 8,41 Milliarden Euro und ist einZuwachs von sechs Prozent.“An zweiter Stelle mit 20 Prozent des Exportumfangs stehen die sechs wichtigstenHandelspartner Taiwans in der Vereinigung südostasiatischer Staaten. Die Lieferungen an siesind um 41,4 Prozent auf eine Rekordsumme von 5,42 Milliarden US$ (ca. 4,2 Milliarden Euro)angewachsen,“ verkündete Yeh und fügte hinzu, dass die USA an dritter Stelle folgten mit 10,7des Exportumfangs, respektive 9,2 Milliarden US$, ca. 7,14 Milliarden Euro.Auch die Exporte nach Japan sind um 27,9 Prozent kräftig gewachsen. Nur bei Lieferungennach Europa musste Taiwan Einbußen von 10,5 Prozent respektive 2,27 Milliarden US$, also1,76 Milliarden Euro, hinnehmen.Während der ersten neun Monate des Jahresvergleichszeitraums hatten die Exporte Taiwansnoch um 3,9 Prozent auf ein Gesamtvolumen von 223,6 Milliarden US$ (ca. 173,5 MilliardenEuro) nachgelassen. Auch die Importe verzeichneten noch ein Negativwachstum von fünfProzent auf 204 Milliarden US$, also 158 Milliarden Euro. Der Außenhandelsüberschuss warum neun Prozent auf 19,56 Milliarden US$ angewachsen, in Euro 15,18 Milliarden.Die Einfuhren von Investitionsgütern und Rohmaterialien, die 90 Prozent der Importe Taiwansausmachen, blieben relativ stabil. Konsumgüter wie Kleinwagen und Mobiltelefone konnteneinen starken Zuwachs verzeichnen und trugen dazu bei, die monatlichen Zahlen in der Spur zuhalten. TAIWAN AKTUELL Nr. 555 15.10.12
  6. 6. 6Nachdem das Einkaufsgeschäfts zum Jahresende nun unmittelbar bevorsteht, erwartet Yeh,dass der Export weiter wachsen wird. Gleichzeitig warnte er aber davor, dass die Verhältnissein Europa und den USA noch unklar seien.Nach Schätzungen der Generaldirektion für Budget, Rechnungswesen und Statistik werden dieAusfuhren Taiwans im vierten Quartal nochmals um 4,45 Prozent zulegen können. Damit werdeder Exportrückgang auf das komplette Jahr 2012 betrachtet nur noch 1,72 Prozent betragen.(taito) GesellschaftFrauen in der PolitikIn Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter und Partizipation von Frauen in der Politikmuss Taiwan den Vergleich mit der Situation in der internationalen Gemeinschaft nichtscheuen, sondern das Land kann stolz darauf sein, mit seinen Erfolgen in dieser Hinsicht inAsien eine Vorreiterrolle einzunehmen. In Taiwans Parlament haben die Frauen bei derSitzverteilung einen Anteil von 31 Prozent, im Deutschen Bundestag sind knapp 33 Prozent derAbgeordneten weiblich, in Großbritannien sind es 20 Prozent, in den USA 17 Prozent. ImVergleich mit Asien sind z. B. in Singapur 24 Prozent Frauen im Parlament, in Südkorea sind es14 Prozent und in Japan 12 Prozent.Betrachtet man die Strukturen der Geschlechterverteilung bei den verschiedenen Wahlen derletzten Jahre in Taiwan ergibt sich folgendes Bild: Bei der Parlamentswahl 2012 lag der Anteilder Frauen bei 33,6 Prozent, bei den Wahlen zu den Stadtregierungen in den Großstädten mitbesonderem Status im Jahr 2010 lag ihr Anteil bei 34,1 Prozent und bei den letztenLandratswahlen kamen die Frauen auf 27,4 Prozent.Der Aufstieg von Frauen in die Machtzentren der Politik war auch in Taiwan ein sehr langsamerProzess. Vor dem Jahr 2000 waren es nur ein paar wenige Frauen, die auf Ministerebeneagierten. Erst als die Demokratisch Progressive Partei im Jahr 2000 an die Macht kam, beganneine neue Ära der Gleichberechtigung in der Politik mit der Ernennung von Annette Lu zurVizepräsidentin.Li Ming-juinn, Direktor des Forschungsinstituts Taiwan Brain Trust weist daraufhin, dass in fastallen Ländern der Welt der Eintritt von Frauen in die aktive Politik überhaupt erst in den 1950erJahren begann, und dass in der Regel der Weg der Frauen dorthin in den entwickelten Ländernsich von dem in Entwicklungsländern stark unterschied. So waren weibliche politischeFührungspersonen in Lateinamerika und Südostasien alle Nachfolgerinnen von männlichenVerwandten oder Ehemännern, was nicht bedeuten soll, dass es ihnen an Mut undVerantwortungsbewusstsein mangelte. Außerdem mussten sie oft unter repressivenBedingungen ihrer politischen Arbeit nachgehen. Im Gegensatz zu diesen Politikerinnen TAIWAN AKTUELL Nr. 555 15.10.12
  7. 7. 7spielten Herkunft und verwandtschaftliche Beziehungen in Europa und Nordamerika bei derWahl oder Berufung von Frauen in politische Ämter keine Rolle. Sie wurden aufgrund ihrerbesonderen Fähigkeiten und ihrer Fachkompetenz gewählt oder sind berufen worden.Die Erfolgsquote von Frauen in der Politik in Taiwan ist untrennbar verbunden mit derFrauenbewegung und der aktiven Unterstützung von Akademikerinnen der gesellschaftlichenReformbewegung. Fan Yun, Dozentin an der National Taiwan University erklärt dazu, dieFrauenbewegung habe eine Menge Energie und Arbeit darauf verwendet, gesellschaftlicheStrukturen aufzubrechen, die verantwortlich waren für das Ungleichgewicht der Geschlechter.Außer die Parteien genau zu beobachten, ob sie ihre Versprechen einhielten mehr Frauen indie Politik zu bringen, haben die Aktivisten der Bewegung erfolgreich dafür gesorgt, dassFrauen von Reformen im Wahlsystem profitieren.Obwohl oberflächlich betrachtet Frauen jeden Zugang zur aktiven Beteiligung an der Politikhaben, gibt es für diejenigen, die eine Karriere in der Politik anstreben, nach wie vor eine ganzeReihe von Hindernissen. Fun Yun ist der Meinung, dass die Gesellschaft immer noch dieFähigkeiten von Frauen nicht bestätige und respektiere. Wenn ein Mann eine hohe Positionbekleidet, hinterfragen die Menschen selten seine Qualifikation, wenn jedoch Frauen inMachtpositionen sind, werden sie skeptisch betrachtet und müssen sich ständig neu beweisen.So wurde zum Beispiel gesagt: “Jemand der einen Rock trägt wird niemals ein guterOberbefehlshaber werden“ (damit wurde im Wahlkampf auf den Oberfehl über die Streitkräfte,den der Präsident innehat, angespielt).Taiwans Gesellschaft hatte schon immer moralische Vorurteile gegenüber Frauen in der Politiksowie einen starken Hang zum Voyeurismus, was viele Frauen davon abhält, in die Politik zugehen. Yang Tsui, Professorin an der Dong Hwa University sagt, es gebe ein gespaltenesVerhältnis in der Gesellschaft in Fragen von Geschlecht und Macht. Männer, die gezielt eineMachtposition anstreben, würden für die Zurschaustellung von Männlichkeit und Stärkebewundert, aber eine Frau, die Ambitionen auf eine Machtstellung zeigt, werde oft unbewusstals jemand angesehen, der “die hässliche Seite seines Charakters zeigt“ oder gar verteufelt.Dann sind Frauen in der Politik noch mit nahezu unüberwindbaren Hindernissen konfrontiert,auch wenn die Frage nach der Gleichberechtigung in Partnerschaft und Familie diskutiert wird.Hinter jedem großen Mann steht eine starke Frau, heißt es. Aber wenn eine Frau in die Politikgeht, erwartet sie nicht, dass ein Mann ihr den Rücken stärkt – es reicht ihr, dass der Mann sienicht auf ihrem Weg behindert.Ellen Huang, die seit den frühen 1980er Jahren in der Politik aktiv ist, spricht ein anderesThema an: “Es ist rückständig, Politikerinnen aufzufordern sich “zu erklären“ oder gar “sichdafür zu entschuldigen“, dass sie unverheiratet sind. Wenn es auch nur im Entferntesten sosein sollte, dass Ehelosigkeit den Interessen der Öffentlichkeit zuwiderlaufe, so müssten dochalle staatlichen Einrichtungen, spezielle Abteilungen für Heiratsvermittlung unterhalten undwenn das so nicht zutrifft, dann haltet den Mund!“ In einer modernen Gesellschaft ist es einefreie Entscheidung, Single zu bleiben, nicht eine Frage von richtig oder falsch. “Einer Politikerinermöglicht die Option unverheiratet zu bleiben, sich mehr für ihre öffentlichen Aufgabeneinzusetzen.“ TAIWAN AKTUELL Nr. 555 15.10.12
  8. 8. 8Frauen und Politik, so besagt es ein Vergleich, sind wie Gewehre und Rosen. Bei dieserMetapher mögen die Frauen recht entwaffnet aussehen, aber mit Intelligenz und Flexibilitäthaben sie erfolgreich eine ganze Reihe von Festungen in der Geschichte der Politikeingenommen. In Zukunft sollten Frauen und Männer gleichberechtigt zusammen regieren undDemokratie und Gleichberechtigung sollten nicht mehr nur Worte sein, sondern Teil deralltäglichen Politik und ihrer Umsetzung in der Regierung.(eB)VeranstaltungskalenderLesung von Chen Kohuain chinesischer und deutscher Sprache aus seinem GedichtbandIch und IchSchirmherrschaft und GesprächsleitungKarl C. Y. Cheng, Generaldirektor der Taipeh Vertretung in MünchenGelegenheit zum Gespräch mit dem Autor und den ÜbersetzernDer Autor freut sich auf Fragen des Publikumsam Freitag, den 19. Oktober 2012 ab 17:30Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland, Büro MünchenSonnenstraße 25/IV80331 MünchenEintritt frei – für Erfrischungen ist gesorgtAnmeldung erwünscht bei der Taipeh Vertretung (s. Impressum)Chen Kohua wurde 1961 in Hualien im Osten Taiwans geboren. Er absolvierte einMedizinstudium in Taipeh. Heute ist Chen Oberarzt in der Augenabteilung des Veteran GeneralHospitals in Taipeh. Der Gedichtband mit 33 Kapiteln offenbart die intensive Selbstbeobachtungdes Autors sowie sein langjähriges Studium buddhistischer Schriften. Er zeigt gesellschaftlicheund politische Missstände auf, offenbart seine Sehnsucht nach Heimat und Jugend. Insgesamtlegt er seine Reflexionen zu Körper, Lust und Sexualität in sehr offener tabuloser Weise dar.Chen hat über 30 Bücher veröffentlicht, seine Leidenschaft gehört jedoch nicht nur der Literatur,sondern auch der Musik, Malerei und Fotographie. Lassen Sie sich inspirieren und tauchen Siein diese interessante Welt der Poesie ein!Telefon 089/2711958 oder 089/ 512679-0E-mail: taipehvertretung.muenchen@gmail.com oder helga.doppler@gmx.netAbkürzungen:(cp) = China Post (cna) = Central News Agency (tn) = Taiwan News (tt) = Taipei Times(ten) = Taiwan Economic News (taito) = Taiwan Today (rti) = Radio Taiwan International(fotai) = Focus Taiwan (eB) = eigener Bericht TAIWAN AKTUELL Nr. 555 15.10.12

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