Redaktion Working abroad

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  1. 1. Nach zwei Jahren als Expatriate in den USA steht für Robert Schönwetter fest: (Fast) alles ist machbar – wenn die Vorbereitung stimmt. In diesem Zusammenhang stellt der auslandserprobte gebürtige Deutsche seinem Arbeitgeber ein gutes Zeugnis aus. »Professionelle Vorbereitung ist das Wichtigste!« Expatriates Unterwegs 1  OFFICElife  3/08 Seit 2006 Jahren lebt Robert Schönwetter mit seiner Frau Wendy in den USA. Er ist tätig für die US-Niederlassung des Getriebeherstellers Renk, und übernimmt dort die Leitung im Bereich Produktion und Service, zu dem zehn Mitarbeiter zählen. Das Ehepaar Schönwetter wohnt im Bun- desstaat South Carolina im Städtchen Greer, das zum Einzugsgebiet von Greenville gehört – einer typischenSüdstaaten-»Kleinstadt«mitrund50.000 Einwohnern. Aus welchem Grund haben Sie sich entschlossen, in die USA zu gehen? R. Schönwetter: Mein Arbeitgeber hatte schon mehrere Jahre nach einem Nachfolger gesucht, der die Niederlassung in South Carolina in Zukunft als Produktions- und Service Manager leiten soll. Durch meine absolvierten Auslandseinsätze brachte ich die entsprechende Qualifikation mit, ausserdem war ich bereit, mich längerfristig zu verpflichten. Vielleicht werde ich nicht für immer hier bleiben, aber zehn Jahre werden es garantiert werden. Welche anderen Auslandseinsätze haben Sie denn bereits hinter sich gebracht? R. Schönwetter: Ich war für meinen Arbeitgeber unterwegs unter anderem in Norwegen, Eng- land, Irland, Schottland, Spanien, China, Südko- rea, Chile, Kolumbien, Ecuador, Argentinien, auch schon vor meinem jetzigen Engagement in den USA – also mehr oder weniger in der ganzen Welt. Eine gewaltige Liste – ergaben sich diese vielen Auslandseinsätze einfach aus Ihrer Tätigkeit, oder haben Sie sich auch aktiv darum bemüht? R. Schönwetter: Ich habe mich tatsächlich um eine Stelle als Auslandsmonteur beworben, ganz klar mit der Ansage, dass ich grundsätzlich bereit war, überall hin zu gehen, auch in Krisengebiete. Natürlich wurde das in extremen Fällen vorher nochmals besprochen, aber ich lehnte nie einen Einsatz ab. LangwierigerBehördenkram In Europa hat das Thema der Integration ausländischer Arbeitskräfte einen enormen Stellenwert. Wie gut fühlen Sie sich in den USA integriert?Schönwetter in Ecuador: Fussbälle zur Völkerverständigung Redaktion Working abroad.indd 1 08.07.2008 15:14:49
  2. 2. 2  OFFICElife  3/08 Unterwegs destens fünf Jahre in den USA gelebt hat, kann man die Staatsbürgerschaft beantragen. LangfristigePerspektiven Ist die amerikanische Staatsbürgerschaft ein Thema für Sie? Haben Sie mit Europa sozusagen abgeschlossen? R. Schönwetter: Wir haben gerade entschieden, so bald wie möglich ein Haus zu kaufen, also be- reiten wir uns vor, länger hier zu bleiben. Wie lan- ge das genau sein wird, ist schwer zu sagen, aber wir fühlen uns hier sehr wohl, die Firma unterhält die hiesige Niederlassung seit 26 Jahren, und dass wir nicht nur für ein paar Jahre hier leben würden, stand ja von Anfang fest. Und Sie vermissen Europa gar nicht? R. Schönwetter: Natürlich vermisse meine Familie und meine Freunde. Und ich vermisse den Bier- garten am Freitagabend, der mit dem Fahrrad zu erreichen war. Hier geht ohne Auto wortwörtlich gar nichts. Ich habe rund alle drei Monate Besuch aus der alten Heimat, und dass ich mit meiner Frau hierher gekommen bin, hat es auch einfacher ge- macht, nicht all zu viel vermissen zu müssen. Frau Schönwetter, Ihr Mann ging aus Karriere- gründen in die USA – wofür man ja durchaus bereit ist, über Unannehmlichkeiten hinweg zu sehen. Aber wie fühlen Sie sich in dieser Situation? W. Schönwetter: Für mich ist es vor allem unge- wohnt, weil ich immer berufstätig war. Aber es gibt hier recht viele Frauen in der gleichen Situati- on, gerade an Orten, wo grosse europäische Fir- men Niederlassungen haben. Dort gibt es viele Expatriates, und deren Frauen verfügen häufig über kein Arbeitsvisum. Eben für uns existiert hier ein «International Club», hauptsächlich mit Frauen aus Deutschland, Österreich, Frankreich und Itali- en: Wir treffen uns zum Frühstück, gehen wan- dern, organisieren Wohltätigkeitsveranstaltungen. Das hat sich als grossartiger Weg erwiesen, Leute kennen zu lernen. Trotzdem suche ich einen Job, habe aber noch nichts gefunden, was wirklich zu mir passt. Englisch ist Ihre Muttersprache – Sie kommen aber aus Schottland, was jeder hier sofort an Ihrem Akzent erkennen kann. Sind Sie damit mehr oder weniger Ausländerin als Ihr Mann, für den Englisch nicht die Muttersprache ist? R. Schönwetter: Mein Arbeitgeber hat viel dazu beigetragen und den Weg geebnet – aber be- schreiten muss man ihn dann doch selbst. Es dau- ert etwa zwei Jahre, bis man den Behördenkram erledigt hat, um hier überhaupt voll anerkannt zu sein. Man benötigt immer wieder professionelle Beratung, beispielsweise um an eine Sozialversi- cherungsnummer zu kommen – die administrati- ven Hürden sind enorm hoch. Man muss einen Platz zum Wohnen finden, mein Visum musste durch den Arbeitgeber mit Hilfe eines Anwalts bestätigt werden. Wenn die Vorbereitung stimmt, lässt sich das aber durchaus bewältigen. Sie haben die Wohnung angesprochen. Hatte ihr Arbeitgeber hier bereits etwas für Sie organisiert? R. Schönwetter: Den ersten Monat lebten wir in einem Hotel und benutzten einen Mietwagen– beides von meinem Arbeitgeber zur Verfügung gestellt. Bei der Suche nach einer Wohnung wur- den wir von meinen neuen Arbeitskollegen un- terstützt. Ein Eigenheim zu kaufen kam für uns nicht in Frage – dafür wird die Kreditwürdigkeit überprüft, und egal, wie freizügig man in den USA teilweise mit Hypotheken umging: Über uns als Neuankömmlinge gab es einfach keine Daten, und das bedeutet keine Kreditwürdigkeit. Waren Sie schon verheiratet, als Sie in die USA gingen? R. Schönwetter: Ja, und das macht alles wesentlich einfacher. Viele Unterneh- men messen bei unverheirateten Paaren mit anderem Mass: Der Lebenspartner darf, wenn überhaupt, erst nach einer gewissen Probezeit nachkommen. Es geht da ja auch um die Punkte wie Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis… R. Schönwetter: Völlig richtig. Mein Arbeit- geber hat für uns beide ein so genanntes E2-Visum ermöglicht, für mich mit, für Wendy ursprünglich ohne Arbeitserlaub- nis, doch mittlerweile hat auch sie eine er- halten. Das nächste deutsche Konsulat, auf dem wir solche Angelegenheiten erledi- gen können, liegt in Atlanta, also gut 250 Kilometer entfernt. Doch mittlerweile erle- digt mein Arbeitgeber die meisten Aufga- ben, als nächster Schritt ist die Green Card im Gespräch. Wenn man mit dieser min- Kleiner Mann ganz gross: Robert Schönwetter in Südkorea Redaktion Working abroad.indd 2 08.07.2008 15:14:50
  3. 3. Unterwegs 3  OFFICElife  3/08 W. Schönwetter: Auf jeden Fall bleibe ich Auslän- derin, auch wenn die Menschen hier meinen Ak- zent zu mögen scheinen. Herr Schönwetter, die Sprache, so möchte man meinen, ist in Amerika das kleinste Problem: Englisch hat man in der Schule gelernt, ausser- dem hat man oft beruflich damit zu tun… Ist diese Sicherheit trügerisch, oder ist die Sprach- barriere in diesem Fall tatsächlich sehr niedrig? R. Schönwetter: Meine Frau als Schottin hatte an- fangs ebenso wie ich Probleme, sich an den Süd- staaten-Akzent zu gewöhnen. Doch letztendlich sind wir recht schnell damit klar gekommen, auch weil die Menschen hier oft eine sehr einfache Sprache sprechen. Was man aber nicht ausser Acht lassen darf: Im Beruf habe ich natürlich viel mit technischem Englisch zu tun, und da hört der Lernprozess auch heute noch nicht auf. Aber trotzdem muss man vom ersten Tag an mit Kun- den aus allen Staaten der USA sprechen, und da gilt es einfach fit zu sein. AndereMentalität–auchamArbeitsplatz Sie kamen als ausländischer Neuling in einen Betrieb, um dort als Plant Manager die Regie zu übernehmen. Gab es Akzeptanzschwierigkeiten? R. Schönwetter: Zu allem Überfluss bin ich auch noch verhältnismässig jung für diese Aufgabe – zu- mindest gibt im Betrieb ältere Mitarbeiter, die sich vielleichtauchHoffnungenaufdenPostengemacht hatten. Zu Beginn gab es natürlich kleinere Akzep- tanzschwierigkeiten. Doch wenn Sie einem ameri- kanischen Arbeiter gegenüber freundlich auftreten, wird es das erwidern. Respekt spielt hier eine enor- me Rolle. Hinzu kommt: Wir haben in den USA viele ungelernte Arbeiter. Wenn man einen Mechaniker einstellt, darf man von ihm nicht die gleichen Kennt- nisse erwarten wie in Europa. Das bedeutet, dass man oft mit Grundlagen anfangen und diesen Leu- ten wirklich etwas beibringen muss. Wenn sie dann sehen, dass man etwas auf dem Kasten hat, ist das für die Akzeptanz natürlich ideal. DasssichdieAmerikanermitsehrvielRespekt behandeln,fälltjedemEuropäerauf,derschon einmalindenUSAwar.Welcheanderenkulturellen UnterschiedewarenfürSiedieeindrücklichsten? R. Schönwetter: Man spricht Probleme nicht so offen an, sondern umschreibt sie mehr. Vor allem spricht man niemanden in der Gruppe darauf an, sondern man nimmt ihn beiseite, sonst kann es zu wirklich dramatischen Differenzen kommen. Mitarbeiterführung muss also bis zu einem gewissen Grad neu gelernt werden. Waren Sie darauf in diesem Ausmass vorbereitet? R. Schönwetter: Das ist viel learning by doing. Ich habe die Stelle als Plant Manager auch noch nicht voll übernommen: Mein Vorgänger ist noch immer im Betrieb, und von ihm lerne ich viel, auch wenn er uns jetzt bald verlassen und mir die Aufgabe endgültig übertragen wird. Ich besuche auch Se- minare im Bereich Human Ressource Management Seit zwei Jahren als Expatriates in den USA: Robert und Wendy Schönwetter und Leadership, ausserdem hat mich mein Arbeit- geber mit stapelweise Informationsmaterial ver- sorgt, das ich durchzuarbeiten hatte. Dem kommt eine umso grössere Bedeutung zu, wenn man be- denkt, wie schnell man sich hier vor Gericht in Pro- zessen wiederfindet, die inEuropanurungläubiges Kopfschütteln verursachen. Vor allem mit dem Thema Religion muss man lernen umzugehen. Auch im privaten Bereich – so sehr das Thema in der Firma tabu sein mag, so präsent muss es doch im Privatleben sein… R. Schönwetter: South Carolina ist Teil des bible belts, man wird ständig gefragt, welcher Religion man angehört oder zu welcher Kirche man geht – und ob man nicht einmal die Kirche des Fragen- den besuchen möchte. Meine Frau und ich konn- ten uns bisher recht gut raushalten, was die Religi- on angeht. Sonst hat man am Ende keine anderen Hobbys mehr, als zur Kirche zu gehen. Und was geben Sie zukünftigen Expatriates mit auf den Weg, die in die USA kommen? R. Schönwetter: Professionelle Vorbereitung ist das A und O. Mein Arbeitgeber hat hier viel für uns getan, und doch hat es eineinhalb Jahre ge- dauert, bis wir wirklich hier angekommen sind. Wenn man das ohne professionelle Vorbereitung und Unterstützung versucht, ist man zum Schei- tern verurteilt. Wendy und Robert Schönwetter, vielen Dank für Ihre Zeit und diesen Einblick in Ihr Leben! tw ✦ Typische US-»Kleinstadt« mit 50.000 Einwohnern: Greenville in South Carolina Redaktion Working abroad.indd 3 08.07.2008 15:14:53

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