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Ausgabe 2_2011, we›move
BAUMASCHINENSYSTEME
1000ste Baggerlader-
Achse aus Pune
BAUMASCHINENSYSTEME
Feuertaufe im ewigen Eis
Liebherr ist Pilotkunde für das neue Getriebe ERGOPOWER LII und rüstet damit seine Dump-Trucks aus.
Einige davon sind gerade in einem wirklich einmaligen Einsatz in 2.500 m Höhe in den Schweizer Alpen
zu finden. Beim Ausbau des Wasserkraftwerkes Linthal werden die Baumaschinen zur Erdbewegung
verwendet. Die eingesetzten ZF-Getriebe meistern die Extrembedingungen mit Bravour.
IM SCHWEIZER Kanton Glarus
wird das Wasserkraftwerk Linthal auf
eine Pumpleistung und eine Turbi-
nenleistung von je 1.000 MW ausge-
baut. Das Kraftwerk Linthal nutzt das
Gefälle zwischen Tierfehd und
Linthal. Nach dem Kraftwerk fließt
das Wasser in das Ausgleichsbecken
Linthal und von dort zurück in die
Linth. Ein neues, unterirdisch ange-
legtes Pumpspeicherwerk soll Wasser
aus dem Limmernsee in den 630 m
höher gelegenen Muttsee zurückpum-
pen und bei Bedarf wieder zur Strom-
produktion nutzen.
Die Pumpspeicherung ist eine be-
währte Methode, um Angebot und
Nachfrage in einem Stromnetz auf
umweltfreundliche und wirtschaftli-
che Art auszugleichen. Im Gegensatz
zu Kernkraft- und Flusskraftwerken
können Speicherkraftwerke die
Stromproduktion sehr schnell an den
wechselnden Bedarf anpassen.
Die eingesetzten Liebherr Dumper
TA230 haben eine Motorleistung von
270 kW und ein maximales Drehmo-
ment von 1.800 Nm. Der Retarder hat
ein maximales Bremsmoment von
1.300 Nm und erlaubt zusammen mit
der Motorbremse ein Gesamtbrems-
moment von bis zu 1.800 Nm. Die
Fahrzeuge haben ein Gesamtgewicht
von 52 Tonnen und transportieren
19 m³ Material bis zu 57 km/h schnell.
Bei dem neu entwickelten hydrodyna-
mischen Lastschaltgetriebe ERGOPO-
WER LII ist dieser Einsatz auf der
Großbaustelle Linthal eine Bestäti-
gung der besonderen Leistungsfähig-
keit und Zuverlässigkeit. Das Getriebe
überträgt eine Motorleistung von bis
zu 400 kW (ca. 540 PS) und ein maxi-
males Eingangsdrehmoment von
2.500 Nm. Es verfügt über acht Vor-
wärts- und vier Rückwärtsgänge, die
Gangwechsel erfolgen ohne Unterbre-
chung der Zugkraft. Dabei zeichnet es
sich durch kleine, gleichmäßige
Gangsprünge und eine große Ge-
samtspreizung aus. Die elektronische
Steuerung sorgt zudem für optimale
Gangwechsel. Ein integrierter Pri-
märretarder bietet sehr gute Brems-
leistungen, die auch bei niedrigen Ge-
schwindigkeiten die Betriebsbremse
vollständig ersetzen können, was Ver-
schleiß verhindert.
Beste Voraussetzungen also, dass die
Getriebe ERGOPOWER LII nicht nur
in Linthal, sondern auf allen Baustel-
len weltweit Maßstäbe setzen.
Im Januar 2010 fiel mit der offizi-
ellen Werkseröffnung der Start-
schuss in Pune (Indien) für den
Anlauf der Montage von Bagger-
lader-Achsen. Seit dieser Zeit
werden in dem neuen ZF Werk
die Typen MT-B 3065 / 3070
montiert. Bereits nach kurzer Zeit
konnte man nun mit der lokalen
Mannschaft die Fertigstellung der
1000sten Achse feiern.
Die nunmehr 40 Mitarbeiter des
Standorts haben seit Januar 2010
kontinuierlich Prozesse verbes-
sert, Mitarbeiter geschult, Liefe-
ranten entwickelt und so stetig
die monatliche Ausbringung stei-
gern können. Die Anlaufphase
mit dem Pilotkunden Telcon (ein
Tata-Hitachi Joint Venture) ist be-
endet und der Serienzustand er-
reicht, so dass nun weitere lokale
Kunden wie AshokLeyland-John
Deere, BEML, ACE und Exporte
der Achsen für Hyundai (Ko-
rea) und Hidromek (Türkei) vor-
bereitet werden können.
Zusätzlich arbeitete das Team in
Indien an der Vorbereitung des
SOPs der WG90/94 Getriebe, die
am Standort Pune montiert und
seit Anfang des Jahres an die
Kunden geliefert werden.
Weit fortgeschritten sind die Pla-
nungen für die Erweiterung der
bestehenden Achsenmontageli-
nie zur Integration
der MT-L 3055 Radladerachse,
die dank eines Pilotauftrages von
JCB India ab dem zweiten Quar-
tal 2011 vom Band laufen wird.
Hauptkriterien für ein erfolgrei-
ches Geschäftsmodell in Indien
sind unter anderem eine schnelle
und intensive Lokalisierung, kom-
biniert mit einem „low-cost-auto-
matisation“ Ansatz bei der Indus-
trialisierung des Werkes, um dem
hohen Preisdruck in Indien ge-
recht zu werden. Die Inbetrieb-
nahme des Werkes in Pune er-
möglicht es ZF, nahe am Kunden
zu sein, eine bessere Flexibilität
durch kürzere Wege sowie redu-
zierte Lieferzeiten bieten und Kos-
ten senken zu können. Die Vorzei-
chen in Indien sind positiv, was
sich auch in einem jährlichen
Wirtschaftswachstum von ca. 9
Prozent widerspiegelt.
Neuer E-Baustein
der ZF Sonder-
antriebstechnik
DER NACHFOLGER für das Steuerge-
rät einer ZF Wandlerschaltkupplung
wurde in rekordverdächtig kurzer Zeit
entwickelt. Nur drei Monate nach Be-
kanntgabe der Abkündigung durch den
Lieferanten, wurde in Zusammenarbeit
mit der Technischen Zentrale (TZ) ein
neues Steuergerät, genannt E-Baustein,
dem Kunden zur Erprobung übergeben.
Mit dem Wissen, wie die elektronische
Steuerung „tickt“, welche Komponenten
aus dem ZF Portfolio zur Verfügung ste-
hen und welche Anforderungen aus dem
Anwendungsfall zu beachten sind, wur-
de interdisziplinär die Entwicklung ge-
startet. Die Freigabe zur Serienfertigung
steht kurz bevor.
ZF Passau
Werkleiter beste
Führungskraft in
Deutschland
DIPL. ING. KLAUS SCHARTNER (48),
Leiter des Produktionswerkes der ZF
Passau im Werk Passau-Grubweg wurde
jetzt vom „Deutschen Institut für Ideen-
und Innovationsmanagement“ mit der
Auszeichnung „beste Führungskraft
2011“, dem ZI-Award, geehrt.
Die Dumper mit dem ZF-ERGOPOWER LII Getriebe wurden mit der Seilbahn zum eisigen Einsatzort auf 2.500 m transportiert.
GOPOWER LII nicht nur
ondern auf allen Baustel-
Maßstäbe setzen.
Ko-
) vor-
nie zur Integration
der MT-L 3055 Radladerachse,
die dank eines Pilotauftrages von
hohen Preisdruck in Indien ge-
recht zu werden. Die Inbetrieb-
nahme des Werkes in Pune er-
AKTUELL
››
9DIVISION I
Ausgabe 2_2011, we›move10 DIVISION I
we›move Herr Coßmann, als Leiter
des Geschäftsfeldes Elektronische Sys-
teme sind Sie nun häufig am Standort
Auerbach / Bayreuth. Haben Sie sich
als ‚Nordlicht‘ schon im Norden Bay-
erns eingelebt?
Uwe Coßmann: Eingelebt wäre auf-
grund der Kürze der Zeit zu viel gesagt.
Aber ich wurde von den Kolleginnen
und Kollegen vor Ort sehr nett empfan-
gen. In den kommenden Monaten werde
ich die Voraussetzungen dafür schaffen,
dass diese Offenheit in allen Ebenen ge-
lebt wird. Es geht darum, die Unterneh-
menskulturen rasch zusammenzubrin-
gen, denn aus den beiden Mannschaften
muss schnell ein Team werden.
Unter dem Dach des Geschäftsfeldes
laufen vier Produktlinien. Wie nah ist
eine Computertastatur am Schaltungs-
system im Automobil?
Uwe Coßmann: Ja, hier liegt eine weite-
re Herausforderung, da wir uns natür-
lich in völlig unterschiedlichen Märkten
bewegen. Doch sehe ich gerade in dieser
Diversifikation eine große Chance für
unser Geschäftsfeld. Ganz klar: Ich
möchte die Entwicklung und das Wachs-
tum in allen vier Produktlinien voran-
BIS ZUR ÜBERNAHME der Cherry
Corporation durch die ZF befand sich
der Hauptsitz des Unternehmens in
Pleasant Prairie, Wisconsin, USA. Heu-
te werden von diesem Standort mit
Vertrieb und Entwicklungsabteilung
das Werk in Juarez, Mexiko, sowie das
Lager im texanischen El Paso geleitet.
Auf 12.540 qm Produktionsfläche ferti-
gen derzeit in Juarez knapp 300 Be-
schäftigte Schalter und Baugruppen
für Kunden aus der Automobilindus-
trie und Elektronikkomponenten für
Industrie- und Hausgeräteanwendun-
gen. Für den größten Kunden Harley
Davidson werden beispielsweise Len-
kerstangen mit Handsteuerung sowie
Kupplungshebel und Bremszylinder
produziert. In den kommenden Mona-
ten sollen die 2009 gestarteten Um-
strukturierungsmaßnahmen fortge-
setzt werden. Hierzu Anton Kempf,
Managing Director der ZF Electronics
Corporation: „Neben der Fertigung
komplexer Elektronik-Bauteile wollen
wir Shifter für den nordamerikani-
schen Markt produzieren. Nachdem
wir uns in den vergangenen Monaten
von einigen ‚Altlasten‘ befreit haben,
steht nun als erster Schritt die
Montage einer hochmoder-
nen Bestückungsanlage
an. Parallel dazu er-
setzen wir unsere al-
ten IT-Systeme durch
SAP LP-1.“
treiben. Für mich gibt es weder eine
‚cash cow‘ noch einen ‚star‘ im Portfolio.
Dann tippen Sie bereits auf einer
CHERRY Tastatur?
Uwe Coßmann: Natürlich. Ich habe im
März auch die CeBIT besucht und an gu-
ten Gesprächen zu anstehenden Projek-
ten teilgenommen. Aber wie gesagt, mir
geht es um alle vier Produktlinien und
ich erwarte auch von den Mitarbeiterin-
nen und Mitarbeitern, dass sie einen
Blick über den eigenen Tellerrand wer-
fen und sich, falls nötig, auf neue Pro-
zessabläufe einlassen.
FRAGEN AN ...
Uwe Coßmann
3333
Aus zwei Mannschaften muss
schnell ein Team werden
Die Neustrukturierung des ZF-Konzerns im Sommer wird zwei
Unternehmen besonders eng miteinander verbinden. Ab Mitte des
Jahres treten die ZF Electronics GmbH und die ZF Lemförder
Schaltungssysteme GmbH gemeinsam als ZF Electronic Systems auf.
Neben der Leitung des Geschäftsfeldes steht Uwe Coßmann damit
auch vor der Herausforderung, die Beschäftigten zweier international
aufgestellter Unternehmen auf einen gemeinsamen Weg zu führen.
Fertigung wichtiger Komponenten
für den Traum auf zwei Rädern
ZF Electronic Systems fertigt Komponenten für Harley Davidson in
Juarez. Umstrukturierung wird erfolgreich fortgesetzt.
ELEKTRONISCHE SYSTEME ELEKTRONISCHE SYSTEME
IN SHENYANG wird auf einer Produk-
tionsfläche von 800 qm mit derzeit 39
Beschäftigten wie in Diepholz die Ein-
heitsschaltung für Fahrzeuge mit Auto-
matik- und Doppelkupplungsgetriebe
gefertigt.
Beliefert werden die Kunden Shanghai-
Volkswagen und FAW-VW in Chang-
chun, welche die Schaltung unter ande-
rem in deren lokal produzierten Fahr-
zeugreihen Lavida, New Bora, Magotan
und Sagitar einsetzen. Die Expansion
ermöglicht es ZF Electronic Systems
nicht nur zusätzliche Fahrzeugreihen
von VW zu bestücken, der Standort ist
auch Ausgangspunkt zur Erschließung
neuer Märkte in China. Nachdem der
Aufbau des neuen Produktionsstandor-
tes von einem Projektteam aus Diepholz
geleitet wurde, werden die Kernfunkti-
onen nun nach und nach mit lokalen
Beschäftigten besetzt. So wird die Pro-
duktion von Kevin Fang geleitet, der mit
weiteren Kollegen vor der Übernahme
seiner Tätigkeit ein umfangreiches Pro-
dukttraining in Diepholz besuchte. Die
ersten Phasen des Projekts ‚Shenyang‘
sind damit erfolgreich abgeschlossen.
Doch die Pläne bleiben weiterhin ambi-
tioniert. So soll die Kapazität ab dem
Sommer dieses Jahres verdoppelt wer-
den. Im Herbst sind am Standort dann
im Dreischichtbetrieb insgesamt 78
Mitarbeiter beschäftigt.
Erfolgreicher Start der Schaltungs-
system-Produktion in China
Erst Ende 2010 eröffnet, läuft die Produktion am Standort Shenyang
im Nordosten von China bereits reibungslos.
Produktionsbereich in Shenyang
Unser Ziel ist es, uns
mit komplexen Elekt-
ronik-Bauteilen für ZF-
Produkte und natürlich
auch für externe Kun-
den zu qualifizieren.“
Anton Kempf, Geschäftsführer
ZF Electronics Corporation
Ausgabe 2_2011, we›move 11DIVISION I
MARINE-ANTRIEBSTECHNIK
ZF Marine expandiert in Zhuhai
LANDMASCHINENSYSTEME
Mit der Entscheidung ihren chinesischen Standort in Zhuhai deutlich zu vergrößern, erreichte die
ZF Marinegruppe einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Ausweitung ihrer Führung auf dem
Gebiet der Marine-Antriebstechnik.
DIE NEUEN Einrichtungen auf dem Ge-
lände von ZF Marine Zhuhai beinhalten
eine neue Gießerei mit hochmoderner
Technologie und geprüften Qualitäts-
prozessen nach ISO 9001 zur Produkti-
on von Bauteilen für Verstellpropeller
bis zu einem Durchmesser von 5,7 m auf
höchstem Qualitätsniveau. Ebenfalls da-
zu gehört eine neue Produktionsstätte
für die Herstellung von Zahnrädern mit
einem maximalen Durchmesser von 1,8
Metern. Diese sind für Getriebe, die am
gleichen Standort montiert und auf Mo-
toren mit einer Abtriebsleistung bis zu
15.000 kW abgestimmt werden.
Außerdem wurde eine 1.500 m² große
Fabrik gebaut, um die komplette An-
triebstechnik zu prüfen, einschließlich
Verstellpropeller, Gelenkwellen, Getrie-
be und aller Zusatzausrüstungen. Ab-
schlusstests der gesamten Ausrüstung
erfolgen gemäß den Prozessen nach
den ZF Konzernrichtlinien sowie den
ISO Zertifizierungsnormen.
Mit den neuen Einrichtungen kann
ZF Marine alle ihre schweren Getriebe
für Anwendungen in Arbeits- und kom-
merziellen Schiffen montieren und ver-
treiben – und zwar nicht nur an Kunden
in China und dem asiatischen Markt,
sondern auch weltweit durch das beste-
hende globale Vertriebs- und Service-
netzwerk.
In der Gießerei und vielen anderen Tei-
len der neuen Gebäude wird bereits voll
oder teilweise gearbeitet. Produktion
und Montage der Propeller sind bereits
in Betrieb, die Montage von Getrieben
startet demnächst.
Die Kapazitätserweiterung am
Werk Zhuhai ist Teil der Stra-
tegie von ZF Marine, Produkti-
on und Vertrieb von Produkten
für Arbeits- und kommerzielle
Schiffe sowohl im wichtigen asi-
atischen Markt als auch weltweit
auszubauen.
Zu diesem Zweck wurde eine komplette
Reihe von schweren Getrieben für alle
Typen und Größen von Arbeitsschiffen
bis zu 15.000 kW Motorleistung entwi-
ckelt. Geprüft wurde am Forschungs-
zentrum ZF Marine in Friedrichshafen,
Deutschland, die Montage erfolgt im
Werk ZF Marine Zhuhai in China.
Im russischen Strelzy nahe Tambov begut-
achteten Regierungsvertreter um Wladimir
Putin technische und landwirtschaftliche
Projekte der Region.
Die in St. Petersburg gegründete
ATM Group stellte ihre Traktoren
und Mähdrescher zur Schau.
Besonderes Interesse galt
dem Traktor Terrion ATM
7400 mit dem ZF Stu-
fenlosgetriebe Eccom 5.0, der zur Agri-
technica 2009 noch als Prototyp vorge-
stellt wurde. Mittels eines in die Armlehne
integrierten Joysticks lässt sich das Getrie-
be sowie der Tempomat be-
quem steuern, so dass
der Standardschlepper
in Vollrahmenbau-
weise durch be-
sondere Hand-
lichkeit glänzen
kann.
Das Modell be-
sticht gerade bei der Bewirtschaftung grö-
ßerer Flächen mit maximaler Produktivität.
Dank ZF-Getriebe Eccom 5.0 und ZF-Mo-
tor-Getriebemanagement erweist sich der
Traktor aus russischer Hand auch bei der
Kraftstoffeinsparung durch reduzierte Mo-
tordrehzahl als absolut effizient. Ein weite-
rer Vorteil der ZF-Technologie ist die kom-
fortable Bedienung. Zahlreiche Automatik-
funktionen entlasten den Fahrer bei
Routinetätigkeiten und sorgen so für ein
optimales Arbeitsergebnis. Die Serienpro-
duktion ist für Mitte 2011 geplant.
Wladimir Putin testet russischen Großtraktor
mit stufenlosem ZF Getriebe
Terrion ATM 7000 zeigt mit über 400 PS alle Vorteile eines Großtraktors mit ZF Stufenlosgetriebe.
STECKBRIEF
ZF MARINE ZHUHAI
ZF Marine Zhuhai Ltd. liegt in der
Nähe der Stadt Zhuhai, im südlichen
Teil der Volksrepublik China. Sie wur-
de 1998 von ZF übernommen und ist
seither ein Teil von ZF Marine.
Zunächst war der Standort eine Gie-
ßerei zur Produktion von Naben und
Blättern für Verstellpropeller, die vom
ZF Marine Forschungs- und Entwick-
lungszentrum in Europa konstruiert
wurden.
Seither ist die Einrichtung stetig ge-
wachsen und enthält jetzt eine Gie-
ßerei, Zahnradfertigung und Mon-
tageeinrichtung zum Montieren von
Verstellpropellern (CPP) sowie der
kompletten Antriebstechnik.
Der Produktions-
standort erstreckt
sich heute über
46.000 m² mit
20.000 m² Gebäu-
defläche und hat
150 Mitarbeiter.
CHINA
Zhuhai
Hong Kong
Shanghai
Peking
››
-
Die Kapazitätserweiterung am
Werk Zhuhai ist Teil der Stra-
tegie von ZF Marine, Produkti-
on und Vertrieb von Produkten
für Arbeits- und kommerzielle
1
Ausgabe 2_2011, we›move12 DIVISION I
NACH ABSCHLUSS der umfangrei-
chen Bauarbeiten wurde die von der
staatlichen Baubehörde vorgeschrie-
bene Bezugsberechtigungsurkunde
(Certificate of Occupancy) für ZF
Wind Power LLC ausgestellt und über-
bracht. Nun steht einer zügigen Pro-
duktionsaufnahme nichts mehr im
Wege und alle Mitarbeiter beteiligen
sich mit Elan und noch mehr Fleiß an
den vielfältigen weiteren Vorbereitun-
gen, die zur Aufnahme der Serienpro-
duktion noch anfallen. In den nächs-
ten Monaten wird das Werk planmä-
ßig mit den erforderlichen Werk- und
Produktionsmaschinen ausgestattet.
Auch die zahlreichen beteiligten
Fachabteilungen wie z.B. Logistik und
Verwaltung koordinieren bereits im
Vorfeld ihr zukünftiges Zusammen-
spiel, um die reibungslose Serienferti-
gung der hochwertigen Windkraftge-
triebe sicher zu stellen.
Während in Gainesville der Aufbau
der Produktionsanlagen auf Hochtou-
ren läuft, wurden am Standort Fried-
richshafen die ersten zwei Prototypen
des Windkraftgetriebes ATLAS I mon-
tiert. Das erste Getriebe ist derzeit auf
dem Nulllast-Prüfstand und wird ge-
mäß DVPR-Vorgaben getestet. Das
zweite Getriebe wurde bereits auf
dem Prüfstand in Dortmund den ers-
ten Tragbildtests unterzogen. Beide
eingesetzten Prüfstände wurden im
Geschäftsfeld Prüfsysteme in Passau
entwickelt, wobei gleichzeitig die be-
nötigte Software der Testprogramme
auf die Spezifikationen des Kunden
konfiguriert und abgestimmt wurde.
Innerhalb der nächsten Wochen wer-
den voraussichtlich fünf weitere Ge-
triebe-Prototypen in Friedrichshafen
montiert, um mit den anschließenden
Tests den gesamten Umfang des sog.
Design-Validierungsplans (DVPR) in
Dortmund und Aarhus (Dänemark)
abzudecken.
Darüber hinaus sind bereits jetzt bei
ZF Services North America in Vernon
Hills alle notwendigen Maßnahmen
eingeleitet worden, um auch die Ab-
läufe zur Erlangung der Servicebereit-
schaft für ATLAS I vorzubereiten und
prozessdefiniert umzusetzen. Im letz-
ten Monat wurde so z. B. probeweise
ein Getriebe inklusive Hauptwelle ei-
ner Turbine vom Typ GE 1.5 MW SLE
instand gesetzt.
Windkraft weltweit im Aufschwung
Im Jahr 2010 hat sich die weltweite Windenergiekapazität auf 194,4 GW erhöht, was
einem Zuwachs um 22,5 Prozent oder 35,8 GW entspricht. Hiervon wurden 5.115 MW
in den USA und 16.500 MW in Asien installiert. Die vergleichsweise schwache Positi-
on der USA, die sogar von einem Rückgang von sieben Prozent im Vergleich zum Vor-
jahr gekennzeichnet war, ist zur Zeit wohl auf einen Mangel an langfristigen Regie-
rungsinitiativen und die niedrigen Strompreise infolge der momentan sehr hohen Ver-
fügbarkeit von Erdgas zurückzuführen.
ZF Wind Power LLC setzt dagegen auf das hohe Potenzial und die Nachhaltigkeit der
regenerativen Energie des On- und Offshore Marktes in den USA, der die aktuelle Ka-
pazität von 2 Prozent auf rund 20 Prozent bis zum Jahr 2030 steigern will.
+35,8 GW 5,1 GW 9,3 GW 16,5 GW
WINDKRAFT-ANTRIEBSTECHNIK
Windkraft auf Kurs
Nach einer Bauzeit von nur 10 Monaten konnte am 29. Januar 2011 am nordamerikanischen ZF
Produktionsstandort Gainesville, Georgia, das Getriebewerk für Windkraftanlagen seiner Bestimmung
übergeben werden.
Fernando Raimundo, Tatumi
Sobue, Lucas Leal und Thiago Silva
(v.l.) mit dem Prototyp der TSA 11 im
Werk Sorocaba, Brasilien
Impressum
Herausgeber
ZF Passau GmbH, D-94030 Passau,
Division Industrietechnik
Verantwortlich
Dr. Michael Paul
Leiter Division Industrietechnik
E-Mail we-move-passau@zf.com
Chefredaktion
Gernot Hein
Redaktion
Richard Wimmer
Telefon +49 (0)851 494-7397
Telefax +49 (0)851 494-907397
Bildnachweis
ZF, Harley Davidson (1), iStockphoto (2)
Design
Graswald + Heiligtag GmbH & Co. KG
Steinbachstraße 60, 94036 Passau
Druck
Hofmann Druck Nürnberg GmbH & Co. KG
Emmericher Straße 10, 90411 Nürnberg
LANDMASCHINEN-
SYSTEME
Neue Lenkachse
ZF-TERRASTEER
TSA 11
Die neue ZF-Lenkachse TSA 11 wird
in Traktoren mit einem Leistungsbe-
reich bis 110 PS eingesetzt. Sie ist ein
wesentlicher Bestandteil der neuen
globalen Achsbaureihe TERRASTEER
und wird am ZF Standort in Sorocaba
(Brasilien) entwickelt und produziert.
Der Prototyp wurde dort im Februar
2011 montiert. Derzeit wird die neue
Achse im Versuch in Passau sowie in
Feldversuchen beim Kunden getestet.
Pilotkunde für diese Baugröße ist
John Deere mit der Traktoren-Baurei-
he 5000 an den Standorten Montene-
gro (Brasilien) und Saltillo (Mexiko).
In einem zweiten Schritt soll die Ach-
se auch am ZF Standort in Stankov
(CZ) produziert werden, um von dort
aus die John Deere Werke in Mann-
heim (D) und Augusta (USA) zu belie-
fern.
Ein Haupteinsatzgebiet dieser robus-
ten Achse ist die Reisplantage. Bei
dieser stark beanspruchenden An-
wendung spielen die hochwertigen
Dichtungen der Achse eine wichtige
Rolle, auf diese wurde daher beson-
deres Augenmerk gelegt.
Die neue Achse vereint alle Vorteile
der bisherigen AS-3000-Baureihe mit
den Vorzügen des modularen Baukas-
tens der TSA-Baureihe. Weitere Merk-
male sind eine Gewichtreduzierung
und verringerte Reibungsverluste, ein
hoher Lenkeinschlag bis zu 57° und
die präzise Lenkgeometrie.
Nach erfolgreicher Testphase soll die
Achse TSA 11 im März 2012 in Seri-
enproduktion gehen.
weltweiter Zuwachs 2010 davon USA davon EU davon Asien
Der neue Produktionsstandort der ZF Wind Power LLC in Gainesville, Georgia, USA

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  • 1. Ausgabe 2_2011, we›move BAUMASCHINENSYSTEME 1000ste Baggerlader- Achse aus Pune BAUMASCHINENSYSTEME Feuertaufe im ewigen Eis Liebherr ist Pilotkunde für das neue Getriebe ERGOPOWER LII und rüstet damit seine Dump-Trucks aus. Einige davon sind gerade in einem wirklich einmaligen Einsatz in 2.500 m Höhe in den Schweizer Alpen zu finden. Beim Ausbau des Wasserkraftwerkes Linthal werden die Baumaschinen zur Erdbewegung verwendet. Die eingesetzten ZF-Getriebe meistern die Extrembedingungen mit Bravour. IM SCHWEIZER Kanton Glarus wird das Wasserkraftwerk Linthal auf eine Pumpleistung und eine Turbi- nenleistung von je 1.000 MW ausge- baut. Das Kraftwerk Linthal nutzt das Gefälle zwischen Tierfehd und Linthal. Nach dem Kraftwerk fließt das Wasser in das Ausgleichsbecken Linthal und von dort zurück in die Linth. Ein neues, unterirdisch ange- legtes Pumpspeicherwerk soll Wasser aus dem Limmernsee in den 630 m höher gelegenen Muttsee zurückpum- pen und bei Bedarf wieder zur Strom- produktion nutzen. Die Pumpspeicherung ist eine be- währte Methode, um Angebot und Nachfrage in einem Stromnetz auf umweltfreundliche und wirtschaftli- che Art auszugleichen. Im Gegensatz zu Kernkraft- und Flusskraftwerken können Speicherkraftwerke die Stromproduktion sehr schnell an den wechselnden Bedarf anpassen. Die eingesetzten Liebherr Dumper TA230 haben eine Motorleistung von 270 kW und ein maximales Drehmo- ment von 1.800 Nm. Der Retarder hat ein maximales Bremsmoment von 1.300 Nm und erlaubt zusammen mit der Motorbremse ein Gesamtbrems- moment von bis zu 1.800 Nm. Die Fahrzeuge haben ein Gesamtgewicht von 52 Tonnen und transportieren 19 m³ Material bis zu 57 km/h schnell. Bei dem neu entwickelten hydrodyna- mischen Lastschaltgetriebe ERGOPO- WER LII ist dieser Einsatz auf der Großbaustelle Linthal eine Bestäti- gung der besonderen Leistungsfähig- keit und Zuverlässigkeit. Das Getriebe überträgt eine Motorleistung von bis zu 400 kW (ca. 540 PS) und ein maxi- males Eingangsdrehmoment von 2.500 Nm. Es verfügt über acht Vor- wärts- und vier Rückwärtsgänge, die Gangwechsel erfolgen ohne Unterbre- chung der Zugkraft. Dabei zeichnet es sich durch kleine, gleichmäßige Gangsprünge und eine große Ge- samtspreizung aus. Die elektronische Steuerung sorgt zudem für optimale Gangwechsel. Ein integrierter Pri- märretarder bietet sehr gute Brems- leistungen, die auch bei niedrigen Ge- schwindigkeiten die Betriebsbremse vollständig ersetzen können, was Ver- schleiß verhindert. Beste Voraussetzungen also, dass die Getriebe ERGOPOWER LII nicht nur in Linthal, sondern auf allen Baustel- len weltweit Maßstäbe setzen. Im Januar 2010 fiel mit der offizi- ellen Werkseröffnung der Start- schuss in Pune (Indien) für den Anlauf der Montage von Bagger- lader-Achsen. Seit dieser Zeit werden in dem neuen ZF Werk die Typen MT-B 3065 / 3070 montiert. Bereits nach kurzer Zeit konnte man nun mit der lokalen Mannschaft die Fertigstellung der 1000sten Achse feiern. Die nunmehr 40 Mitarbeiter des Standorts haben seit Januar 2010 kontinuierlich Prozesse verbes- sert, Mitarbeiter geschult, Liefe- ranten entwickelt und so stetig die monatliche Ausbringung stei- gern können. Die Anlaufphase mit dem Pilotkunden Telcon (ein Tata-Hitachi Joint Venture) ist be- endet und der Serienzustand er- reicht, so dass nun weitere lokale Kunden wie AshokLeyland-John Deere, BEML, ACE und Exporte der Achsen für Hyundai (Ko- rea) und Hidromek (Türkei) vor- bereitet werden können. Zusätzlich arbeitete das Team in Indien an der Vorbereitung des SOPs der WG90/94 Getriebe, die am Standort Pune montiert und seit Anfang des Jahres an die Kunden geliefert werden. Weit fortgeschritten sind die Pla- nungen für die Erweiterung der bestehenden Achsenmontageli- nie zur Integration der MT-L 3055 Radladerachse, die dank eines Pilotauftrages von JCB India ab dem zweiten Quar- tal 2011 vom Band laufen wird. Hauptkriterien für ein erfolgrei- ches Geschäftsmodell in Indien sind unter anderem eine schnelle und intensive Lokalisierung, kom- biniert mit einem „low-cost-auto- matisation“ Ansatz bei der Indus- trialisierung des Werkes, um dem hohen Preisdruck in Indien ge- recht zu werden. Die Inbetrieb- nahme des Werkes in Pune er- möglicht es ZF, nahe am Kunden zu sein, eine bessere Flexibilität durch kürzere Wege sowie redu- zierte Lieferzeiten bieten und Kos- ten senken zu können. Die Vorzei- chen in Indien sind positiv, was sich auch in einem jährlichen Wirtschaftswachstum von ca. 9 Prozent widerspiegelt. Neuer E-Baustein der ZF Sonder- antriebstechnik DER NACHFOLGER für das Steuerge- rät einer ZF Wandlerschaltkupplung wurde in rekordverdächtig kurzer Zeit entwickelt. Nur drei Monate nach Be- kanntgabe der Abkündigung durch den Lieferanten, wurde in Zusammenarbeit mit der Technischen Zentrale (TZ) ein neues Steuergerät, genannt E-Baustein, dem Kunden zur Erprobung übergeben. Mit dem Wissen, wie die elektronische Steuerung „tickt“, welche Komponenten aus dem ZF Portfolio zur Verfügung ste- hen und welche Anforderungen aus dem Anwendungsfall zu beachten sind, wur- de interdisziplinär die Entwicklung ge- startet. Die Freigabe zur Serienfertigung steht kurz bevor. ZF Passau Werkleiter beste Führungskraft in Deutschland DIPL. ING. KLAUS SCHARTNER (48), Leiter des Produktionswerkes der ZF Passau im Werk Passau-Grubweg wurde jetzt vom „Deutschen Institut für Ideen- und Innovationsmanagement“ mit der Auszeichnung „beste Führungskraft 2011“, dem ZI-Award, geehrt. Die Dumper mit dem ZF-ERGOPOWER LII Getriebe wurden mit der Seilbahn zum eisigen Einsatzort auf 2.500 m transportiert. GOPOWER LII nicht nur ondern auf allen Baustel- Maßstäbe setzen. Ko- ) vor- nie zur Integration der MT-L 3055 Radladerachse, die dank eines Pilotauftrages von hohen Preisdruck in Indien ge- recht zu werden. Die Inbetrieb- nahme des Werkes in Pune er- AKTUELL ›› 9DIVISION I
  • 2. Ausgabe 2_2011, we›move10 DIVISION I we›move Herr Coßmann, als Leiter des Geschäftsfeldes Elektronische Sys- teme sind Sie nun häufig am Standort Auerbach / Bayreuth. Haben Sie sich als ‚Nordlicht‘ schon im Norden Bay- erns eingelebt? Uwe Coßmann: Eingelebt wäre auf- grund der Kürze der Zeit zu viel gesagt. Aber ich wurde von den Kolleginnen und Kollegen vor Ort sehr nett empfan- gen. In den kommenden Monaten werde ich die Voraussetzungen dafür schaffen, dass diese Offenheit in allen Ebenen ge- lebt wird. Es geht darum, die Unterneh- menskulturen rasch zusammenzubrin- gen, denn aus den beiden Mannschaften muss schnell ein Team werden. Unter dem Dach des Geschäftsfeldes laufen vier Produktlinien. Wie nah ist eine Computertastatur am Schaltungs- system im Automobil? Uwe Coßmann: Ja, hier liegt eine weite- re Herausforderung, da wir uns natür- lich in völlig unterschiedlichen Märkten bewegen. Doch sehe ich gerade in dieser Diversifikation eine große Chance für unser Geschäftsfeld. Ganz klar: Ich möchte die Entwicklung und das Wachs- tum in allen vier Produktlinien voran- BIS ZUR ÜBERNAHME der Cherry Corporation durch die ZF befand sich der Hauptsitz des Unternehmens in Pleasant Prairie, Wisconsin, USA. Heu- te werden von diesem Standort mit Vertrieb und Entwicklungsabteilung das Werk in Juarez, Mexiko, sowie das Lager im texanischen El Paso geleitet. Auf 12.540 qm Produktionsfläche ferti- gen derzeit in Juarez knapp 300 Be- schäftigte Schalter und Baugruppen für Kunden aus der Automobilindus- trie und Elektronikkomponenten für Industrie- und Hausgeräteanwendun- gen. Für den größten Kunden Harley Davidson werden beispielsweise Len- kerstangen mit Handsteuerung sowie Kupplungshebel und Bremszylinder produziert. In den kommenden Mona- ten sollen die 2009 gestarteten Um- strukturierungsmaßnahmen fortge- setzt werden. Hierzu Anton Kempf, Managing Director der ZF Electronics Corporation: „Neben der Fertigung komplexer Elektronik-Bauteile wollen wir Shifter für den nordamerikani- schen Markt produzieren. Nachdem wir uns in den vergangenen Monaten von einigen ‚Altlasten‘ befreit haben, steht nun als erster Schritt die Montage einer hochmoder- nen Bestückungsanlage an. Parallel dazu er- setzen wir unsere al- ten IT-Systeme durch SAP LP-1.“ treiben. Für mich gibt es weder eine ‚cash cow‘ noch einen ‚star‘ im Portfolio. Dann tippen Sie bereits auf einer CHERRY Tastatur? Uwe Coßmann: Natürlich. Ich habe im März auch die CeBIT besucht und an gu- ten Gesprächen zu anstehenden Projek- ten teilgenommen. Aber wie gesagt, mir geht es um alle vier Produktlinien und ich erwarte auch von den Mitarbeiterin- nen und Mitarbeitern, dass sie einen Blick über den eigenen Tellerrand wer- fen und sich, falls nötig, auf neue Pro- zessabläufe einlassen. FRAGEN AN ... Uwe Coßmann 3333 Aus zwei Mannschaften muss schnell ein Team werden Die Neustrukturierung des ZF-Konzerns im Sommer wird zwei Unternehmen besonders eng miteinander verbinden. Ab Mitte des Jahres treten die ZF Electronics GmbH und die ZF Lemförder Schaltungssysteme GmbH gemeinsam als ZF Electronic Systems auf. Neben der Leitung des Geschäftsfeldes steht Uwe Coßmann damit auch vor der Herausforderung, die Beschäftigten zweier international aufgestellter Unternehmen auf einen gemeinsamen Weg zu führen. Fertigung wichtiger Komponenten für den Traum auf zwei Rädern ZF Electronic Systems fertigt Komponenten für Harley Davidson in Juarez. Umstrukturierung wird erfolgreich fortgesetzt. ELEKTRONISCHE SYSTEME ELEKTRONISCHE SYSTEME IN SHENYANG wird auf einer Produk- tionsfläche von 800 qm mit derzeit 39 Beschäftigten wie in Diepholz die Ein- heitsschaltung für Fahrzeuge mit Auto- matik- und Doppelkupplungsgetriebe gefertigt. Beliefert werden die Kunden Shanghai- Volkswagen und FAW-VW in Chang- chun, welche die Schaltung unter ande- rem in deren lokal produzierten Fahr- zeugreihen Lavida, New Bora, Magotan und Sagitar einsetzen. Die Expansion ermöglicht es ZF Electronic Systems nicht nur zusätzliche Fahrzeugreihen von VW zu bestücken, der Standort ist auch Ausgangspunkt zur Erschließung neuer Märkte in China. Nachdem der Aufbau des neuen Produktionsstandor- tes von einem Projektteam aus Diepholz geleitet wurde, werden die Kernfunkti- onen nun nach und nach mit lokalen Beschäftigten besetzt. So wird die Pro- duktion von Kevin Fang geleitet, der mit weiteren Kollegen vor der Übernahme seiner Tätigkeit ein umfangreiches Pro- dukttraining in Diepholz besuchte. Die ersten Phasen des Projekts ‚Shenyang‘ sind damit erfolgreich abgeschlossen. Doch die Pläne bleiben weiterhin ambi- tioniert. So soll die Kapazität ab dem Sommer dieses Jahres verdoppelt wer- den. Im Herbst sind am Standort dann im Dreischichtbetrieb insgesamt 78 Mitarbeiter beschäftigt. Erfolgreicher Start der Schaltungs- system-Produktion in China Erst Ende 2010 eröffnet, läuft die Produktion am Standort Shenyang im Nordosten von China bereits reibungslos. Produktionsbereich in Shenyang Unser Ziel ist es, uns mit komplexen Elekt- ronik-Bauteilen für ZF- Produkte und natürlich auch für externe Kun- den zu qualifizieren.“ Anton Kempf, Geschäftsführer ZF Electronics Corporation
  • 3. Ausgabe 2_2011, we›move 11DIVISION I MARINE-ANTRIEBSTECHNIK ZF Marine expandiert in Zhuhai LANDMASCHINENSYSTEME Mit der Entscheidung ihren chinesischen Standort in Zhuhai deutlich zu vergrößern, erreichte die ZF Marinegruppe einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Ausweitung ihrer Führung auf dem Gebiet der Marine-Antriebstechnik. DIE NEUEN Einrichtungen auf dem Ge- lände von ZF Marine Zhuhai beinhalten eine neue Gießerei mit hochmoderner Technologie und geprüften Qualitäts- prozessen nach ISO 9001 zur Produkti- on von Bauteilen für Verstellpropeller bis zu einem Durchmesser von 5,7 m auf höchstem Qualitätsniveau. Ebenfalls da- zu gehört eine neue Produktionsstätte für die Herstellung von Zahnrädern mit einem maximalen Durchmesser von 1,8 Metern. Diese sind für Getriebe, die am gleichen Standort montiert und auf Mo- toren mit einer Abtriebsleistung bis zu 15.000 kW abgestimmt werden. Außerdem wurde eine 1.500 m² große Fabrik gebaut, um die komplette An- triebstechnik zu prüfen, einschließlich Verstellpropeller, Gelenkwellen, Getrie- be und aller Zusatzausrüstungen. Ab- schlusstests der gesamten Ausrüstung erfolgen gemäß den Prozessen nach den ZF Konzernrichtlinien sowie den ISO Zertifizierungsnormen. Mit den neuen Einrichtungen kann ZF Marine alle ihre schweren Getriebe für Anwendungen in Arbeits- und kom- merziellen Schiffen montieren und ver- treiben – und zwar nicht nur an Kunden in China und dem asiatischen Markt, sondern auch weltweit durch das beste- hende globale Vertriebs- und Service- netzwerk. In der Gießerei und vielen anderen Tei- len der neuen Gebäude wird bereits voll oder teilweise gearbeitet. Produktion und Montage der Propeller sind bereits in Betrieb, die Montage von Getrieben startet demnächst. Die Kapazitätserweiterung am Werk Zhuhai ist Teil der Stra- tegie von ZF Marine, Produkti- on und Vertrieb von Produkten für Arbeits- und kommerzielle Schiffe sowohl im wichtigen asi- atischen Markt als auch weltweit auszubauen. Zu diesem Zweck wurde eine komplette Reihe von schweren Getrieben für alle Typen und Größen von Arbeitsschiffen bis zu 15.000 kW Motorleistung entwi- ckelt. Geprüft wurde am Forschungs- zentrum ZF Marine in Friedrichshafen, Deutschland, die Montage erfolgt im Werk ZF Marine Zhuhai in China. Im russischen Strelzy nahe Tambov begut- achteten Regierungsvertreter um Wladimir Putin technische und landwirtschaftliche Projekte der Region. Die in St. Petersburg gegründete ATM Group stellte ihre Traktoren und Mähdrescher zur Schau. Besonderes Interesse galt dem Traktor Terrion ATM 7400 mit dem ZF Stu- fenlosgetriebe Eccom 5.0, der zur Agri- technica 2009 noch als Prototyp vorge- stellt wurde. Mittels eines in die Armlehne integrierten Joysticks lässt sich das Getrie- be sowie der Tempomat be- quem steuern, so dass der Standardschlepper in Vollrahmenbau- weise durch be- sondere Hand- lichkeit glänzen kann. Das Modell be- sticht gerade bei der Bewirtschaftung grö- ßerer Flächen mit maximaler Produktivität. Dank ZF-Getriebe Eccom 5.0 und ZF-Mo- tor-Getriebemanagement erweist sich der Traktor aus russischer Hand auch bei der Kraftstoffeinsparung durch reduzierte Mo- tordrehzahl als absolut effizient. Ein weite- rer Vorteil der ZF-Technologie ist die kom- fortable Bedienung. Zahlreiche Automatik- funktionen entlasten den Fahrer bei Routinetätigkeiten und sorgen so für ein optimales Arbeitsergebnis. Die Serienpro- duktion ist für Mitte 2011 geplant. Wladimir Putin testet russischen Großtraktor mit stufenlosem ZF Getriebe Terrion ATM 7000 zeigt mit über 400 PS alle Vorteile eines Großtraktors mit ZF Stufenlosgetriebe. STECKBRIEF ZF MARINE ZHUHAI ZF Marine Zhuhai Ltd. liegt in der Nähe der Stadt Zhuhai, im südlichen Teil der Volksrepublik China. Sie wur- de 1998 von ZF übernommen und ist seither ein Teil von ZF Marine. Zunächst war der Standort eine Gie- ßerei zur Produktion von Naben und Blättern für Verstellpropeller, die vom ZF Marine Forschungs- und Entwick- lungszentrum in Europa konstruiert wurden. Seither ist die Einrichtung stetig ge- wachsen und enthält jetzt eine Gie- ßerei, Zahnradfertigung und Mon- tageeinrichtung zum Montieren von Verstellpropellern (CPP) sowie der kompletten Antriebstechnik. Der Produktions- standort erstreckt sich heute über 46.000 m² mit 20.000 m² Gebäu- defläche und hat 150 Mitarbeiter. CHINA Zhuhai Hong Kong Shanghai Peking ›› - Die Kapazitätserweiterung am Werk Zhuhai ist Teil der Stra- tegie von ZF Marine, Produkti- on und Vertrieb von Produkten für Arbeits- und kommerzielle 1
  • 4. Ausgabe 2_2011, we›move12 DIVISION I NACH ABSCHLUSS der umfangrei- chen Bauarbeiten wurde die von der staatlichen Baubehörde vorgeschrie- bene Bezugsberechtigungsurkunde (Certificate of Occupancy) für ZF Wind Power LLC ausgestellt und über- bracht. Nun steht einer zügigen Pro- duktionsaufnahme nichts mehr im Wege und alle Mitarbeiter beteiligen sich mit Elan und noch mehr Fleiß an den vielfältigen weiteren Vorbereitun- gen, die zur Aufnahme der Serienpro- duktion noch anfallen. In den nächs- ten Monaten wird das Werk planmä- ßig mit den erforderlichen Werk- und Produktionsmaschinen ausgestattet. Auch die zahlreichen beteiligten Fachabteilungen wie z.B. Logistik und Verwaltung koordinieren bereits im Vorfeld ihr zukünftiges Zusammen- spiel, um die reibungslose Serienferti- gung der hochwertigen Windkraftge- triebe sicher zu stellen. Während in Gainesville der Aufbau der Produktionsanlagen auf Hochtou- ren läuft, wurden am Standort Fried- richshafen die ersten zwei Prototypen des Windkraftgetriebes ATLAS I mon- tiert. Das erste Getriebe ist derzeit auf dem Nulllast-Prüfstand und wird ge- mäß DVPR-Vorgaben getestet. Das zweite Getriebe wurde bereits auf dem Prüfstand in Dortmund den ers- ten Tragbildtests unterzogen. Beide eingesetzten Prüfstände wurden im Geschäftsfeld Prüfsysteme in Passau entwickelt, wobei gleichzeitig die be- nötigte Software der Testprogramme auf die Spezifikationen des Kunden konfiguriert und abgestimmt wurde. Innerhalb der nächsten Wochen wer- den voraussichtlich fünf weitere Ge- triebe-Prototypen in Friedrichshafen montiert, um mit den anschließenden Tests den gesamten Umfang des sog. Design-Validierungsplans (DVPR) in Dortmund und Aarhus (Dänemark) abzudecken. Darüber hinaus sind bereits jetzt bei ZF Services North America in Vernon Hills alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet worden, um auch die Ab- läufe zur Erlangung der Servicebereit- schaft für ATLAS I vorzubereiten und prozessdefiniert umzusetzen. Im letz- ten Monat wurde so z. B. probeweise ein Getriebe inklusive Hauptwelle ei- ner Turbine vom Typ GE 1.5 MW SLE instand gesetzt. Windkraft weltweit im Aufschwung Im Jahr 2010 hat sich die weltweite Windenergiekapazität auf 194,4 GW erhöht, was einem Zuwachs um 22,5 Prozent oder 35,8 GW entspricht. Hiervon wurden 5.115 MW in den USA und 16.500 MW in Asien installiert. Die vergleichsweise schwache Positi- on der USA, die sogar von einem Rückgang von sieben Prozent im Vergleich zum Vor- jahr gekennzeichnet war, ist zur Zeit wohl auf einen Mangel an langfristigen Regie- rungsinitiativen und die niedrigen Strompreise infolge der momentan sehr hohen Ver- fügbarkeit von Erdgas zurückzuführen. ZF Wind Power LLC setzt dagegen auf das hohe Potenzial und die Nachhaltigkeit der regenerativen Energie des On- und Offshore Marktes in den USA, der die aktuelle Ka- pazität von 2 Prozent auf rund 20 Prozent bis zum Jahr 2030 steigern will. +35,8 GW 5,1 GW 9,3 GW 16,5 GW WINDKRAFT-ANTRIEBSTECHNIK Windkraft auf Kurs Nach einer Bauzeit von nur 10 Monaten konnte am 29. Januar 2011 am nordamerikanischen ZF Produktionsstandort Gainesville, Georgia, das Getriebewerk für Windkraftanlagen seiner Bestimmung übergeben werden. Fernando Raimundo, Tatumi Sobue, Lucas Leal und Thiago Silva (v.l.) mit dem Prototyp der TSA 11 im Werk Sorocaba, Brasilien Impressum Herausgeber ZF Passau GmbH, D-94030 Passau, Division Industrietechnik Verantwortlich Dr. Michael Paul Leiter Division Industrietechnik E-Mail we-move-passau@zf.com Chefredaktion Gernot Hein Redaktion Richard Wimmer Telefon +49 (0)851 494-7397 Telefax +49 (0)851 494-907397 Bildnachweis ZF, Harley Davidson (1), iStockphoto (2) Design Graswald + Heiligtag GmbH & Co. KG Steinbachstraße 60, 94036 Passau Druck Hofmann Druck Nürnberg GmbH & Co. KG Emmericher Straße 10, 90411 Nürnberg LANDMASCHINEN- SYSTEME Neue Lenkachse ZF-TERRASTEER TSA 11 Die neue ZF-Lenkachse TSA 11 wird in Traktoren mit einem Leistungsbe- reich bis 110 PS eingesetzt. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der neuen globalen Achsbaureihe TERRASTEER und wird am ZF Standort in Sorocaba (Brasilien) entwickelt und produziert. Der Prototyp wurde dort im Februar 2011 montiert. Derzeit wird die neue Achse im Versuch in Passau sowie in Feldversuchen beim Kunden getestet. Pilotkunde für diese Baugröße ist John Deere mit der Traktoren-Baurei- he 5000 an den Standorten Montene- gro (Brasilien) und Saltillo (Mexiko). In einem zweiten Schritt soll die Ach- se auch am ZF Standort in Stankov (CZ) produziert werden, um von dort aus die John Deere Werke in Mann- heim (D) und Augusta (USA) zu belie- fern. Ein Haupteinsatzgebiet dieser robus- ten Achse ist die Reisplantage. Bei dieser stark beanspruchenden An- wendung spielen die hochwertigen Dichtungen der Achse eine wichtige Rolle, auf diese wurde daher beson- deres Augenmerk gelegt. Die neue Achse vereint alle Vorteile der bisherigen AS-3000-Baureihe mit den Vorzügen des modularen Baukas- tens der TSA-Baureihe. Weitere Merk- male sind eine Gewichtreduzierung und verringerte Reibungsverluste, ein hoher Lenkeinschlag bis zu 57° und die präzise Lenkgeometrie. Nach erfolgreicher Testphase soll die Achse TSA 11 im März 2012 in Seri- enproduktion gehen. weltweiter Zuwachs 2010 davon USA davon EU davon Asien Der neue Produktionsstandort der ZF Wind Power LLC in Gainesville, Georgia, USA