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Kreatives Schreiben 101
Wie man Schreiben in den DaF-Unterricht
            einbetten kann
kreativ – Kreativität
Was versteht ihr unter dem Wort “kreativ”?
• DUDEN: schöpferisch; Ideen habend und diese
   gestalterisch verwirklichend
• Christopher Lorey erklärt: “Wer kreativ ist,
   schöpft aus der Quelle seines Geistes, um
   etwas neues zu erschaffen, das es vorher noch
   nicht gab.”
• Im weiteren Sinne mit “basteln”,
“entdecken”, “ausprobieren” und
“spielen” gleichbedeutend
Kreatives Schreiben
Wie würdet ihr “kreatives Schreiben” definieren?
• Kreatives      Schreiben      =     schriftlich
  festhalten, was aus unseren Gehirn
  unerschöpflich hervorquillt – unsere eigenen
  Ideen, Bilder
Wozu kreatives Schreiben im DaF?
• Die innere Sprache der Lernenden aktivieren und
  zum Einsatz bringen
• Mit Schreibübungen herausfordern so frei wie
  möglich mit der Sprache umzugehen
• Sprachliche Kompetenz erweitern
• Ermöglicht, dass sich alle in der Klasse beteiligen
• Es macht Spaß und motiviert die Lerner
• Fördert Gruppenarbeit
• Führt zu einem lebhaften, interaktiven Unterricht
Was muss man beim kreativen
Schreiben beachten?
• Eine entspannte Atmosphäre kreieren
• Geistig stimulierende Vorbereitungsübungen
  und Schreibmuster vorbereiten
• Gelegenheiten bieten Texte in der Klasse zu
  entwerfen, diskutieren, umschreiben oder neu
  konzipieren
Ein Paar Grundregeln
• Möglichst wenig Korrektur (das Verbessern
  gehört in eine spätere Phase!)
• Konkrete Anleitungen, passende Beispiele und
  genaue Ansage der Zeit
• Vorsicht! Musterbeispiele sollen die Kreativität
  nicht einschränken oder Schreibfreude
  bremsen
• Keine Übungen, die die Lerner überfordern,
  belasten oder zusätzlich frustrieren
Wann kann kreatives Schreiben
eingesetzt werden?
• Schon     ab     der    ersten     Klasse    der
  Grundschule, bzw. wenn die Lerner
  zuversichtlich genug sind selbst zu schreiben
• Übungen für das kreative Schreiben sollen
  dem Alter und den Fähigkeiten der Lerner
  angepasst werden
Kreatives Schreiben – 111 Übungen
4 Aufgabentypen:
a) Erzählendes
b) Dramatisches
c) Lyrisches
d) Journalistisches
a) Aus der Sicht eines Gegenstandes
• Zeit: 15 Minuten
• Arbeitsform: Einzelarbeit
• Material: Stift und Papier
Anweisung: Perspektivenwechsel ist angesagt. Jeder
  soll sich einen Gegenstand aussuchen, der sich in
  seinem Rucksack, Schlaf- oder Badezimmer
  befindet. Verfasst dann eine Erzählung aus der
  Sicht dieses Gegenstandes. Bedenkt dabei, wie er
  beschaffen ist und was dem Gegenstand gefallen
  konnte und was nicht. Wie wird er von dir
  verwendet und wie wurde er vielleicht viel lieber
  benutzt werden? Versetzt euch in den
  Gegenstand und überlegt, was er alles mit euch
  erlebt.
Beispiel: Haarshampoo
Heute hat meine Besitzerin Svenja wieder in die
Vollen gegriffen und eine ganze HandvolI von mir
benutzt. Ich glaube, sie will ihre sonst so fettigen
Haare mit mir richtig weich machen. Sie sollen ihr
wohl geschmeidig durch die Hände gleiten. Oder ist sie
etwa verabredet und will sich für jemanden schön
machen? Sie massiert mich richtig schön in ihre
Haare, mit denen ich mich gut verstehe. Ist ja auch
klar, dass sie mich mögen. Sie brauchen mich! Sie
haben mir verraten, dass Svenja immer ein Shampoo
meiner Qualität und Klasse nimmt. Dazu kann ich nur
sagen: das verstehe ich gut, denn die Fähigkeiten
liegen in meiner Familie. Weil Svenja so treu ist, gebe
ich mich auch gerne für sie her und fiebere dem
Moment entgegen, wenn sie wieder in die Vollen greift
und mich liebevoll massiert.
Neue Wörter
• Zeit: 10 Minuten
• Arbeitsform: Gruppenarbeit (3 Personen pro
   Gruppe)
• Material: Stift und Papier
Anweisung: Bildet zu verschiedenen Themen
Wortfelder, indem ihr das zugehörige Vokabular
sammelt. Dazu können auch Sprüche, Klange
und Assoziationen gehören. Aus diesen
altbekannten Wörtern produziert ihr nun
neue, indem ihr Teile der Wörter miteinander
vertauscht oder Vorsilben vor die Wörter setzt
oder Ähnliches mehr.
Beispiel: “Ostern”
Assoziationen: Ostereier, Kirche, Auferstehung,
Ende der Fastenzeit, Süßigkeiten, Karneval
schon lange vorbei.

Neubildungen: das Nachostern, lass uns ostern,
Kircheneier, Eierkirche, Ostostern,
Süßigkeitenende ...
Sprechende Namen
• Zeit: 15 Minuten
• Arbeitsform: Gruppenarbeit (3 Personen pro Gruppe)
• Material: Stift und Papier
Denkt euch drei bis vier Personen mit sprechenden Namen
aus (z. B. Gert Geizig, Gaby Glück, Fabian Faul, Wendy
Wüterich usw.). Schreibt dann eine kurze dramatische
Szene, in der die Figuren aufeinander treffen und ihrem
jeweiligen Namen gerecht werden. Wenn es euch hilft,
könnt ihr vor dem Schreiben die wichtigsten
Charaktereigenschaften der Figuren stichpunktartig
festhalten. Achtet dann darauf, dass die Personen in
eurem Stück in Übereinstimmung mit diesen Eigenschaften
sprechen und handeln. Wo und wann die Handlung spielt,
bleibt ganz euch überlassen: Im Zeltlager, auf einer
einsamen Insel, zu Besuch in einer fremden Stadt ...
Elfchen
• Zeit: 10 Minuten
• Arbeitsform: Einzelarbeit
• Material: Stift und Papier
Ein Elfchen ist ein Kurzgedicht, das sich aus elf Wörtern
in fünf Versen zusammensetzt. In der ersten Verszeile
steht ein Wort, in der zweiten zwei Wörter, in der dritten
drei, in der vierten vier, und die letzte Zeile besteht wieder
aus einem Wort. Verfasst nun anhand dieser Vorgaben ein
Elfchen.
Ein möglicher Bauplan für ein Elfchen wäre:
1. Zeile: Eine Farbe (1 Wort)
2. Zeile: Etwas, das diese Farbe hat (2 Wörter)
3. Zeile: Dessen genauere Bestimmung (3 Wörter)
4. Zeile: Über mich selbst (mit „ich“ beginnend) (4 Wörter)
5. Zeile: Ein abschließender Gedanke/Einfall (1 Wort)
Beispiele:
                     Weiß
                 Die Wolken
              Sie ziehen vorbei
              Ich zöge gern mit
                   Fernweh

                     Braun
                Die Schokolade
               Es schmeckt mir
             Ich mag Schokolade
                     Gut!!
Jetzt wird gelästert!
• Zeit: 10 Minuten
• Arbeitsform: Einzelarbeit
• Material: Stift und Papier
Im Folgenden werden wir eine Zeitungsnachricht
lesen, die den Leser darüber informiert, dass noch nicht
alle D-Mark-Münzen umgetauscht worden sind. Du
sollst versuchen, das Thema satirisch oder bissig
aufzuarbeiten und eine Glosse darüber zu schreiben.
Mögliche witzige Aspekte, auf die du abzielen
konntest, wären zum Beispiel: „Wie faul sind die
Deutschen?“ oder „Haben wir doch zu viel Geld?“
WAS IST EINE GLOSSE? Unter Glosse versteht man einen
mit spitzer Feder geschriebenen Text, also einen
ironischen, boshaften und kritischen Kurzkommentar zu
einem aktuellen Anlass in einer Zeitung oder Zeitschrift.
Die alte D-Mark klebt im Sparschwein
Berlin - Sind wir Deutschen bloß umtauschfaul
oder schlicht Nostalgiefans? Knapp drei Jahre
nach der Euro-Einführung ist fast die Hälfte (46
Prozent) aller D-Mark-Münzen noch nicht
umgetauscht, sagte Bundesbank-Sprecherin
Gabriele Reitz-Werner der Berliner Zeitung. Dies
entspreche einem Wert von umgerechnet
3,74 Milliarden Euro. Insgesamt flossen 24,5
Milliarden D-Mark-Münzen und 191 Millionen
Banknoten noch nicht an die Bundesbank
zurück. „Wir rechnen mit einer Schwundquote
von 40 % des damaligen Umlaufs“, so Gabriele
Reitz-Werner."
Brainwriting & Co
1. Befreiende              2. Geregelte
   Schreibmethoden             Schreibmethoden
a) Freewriting             a) Journal Schreiben
b) Automatisches           b) Schreibautobiographie
   Schreiben               c) Modelling
c) Meditatives Schreiben   d) Rhetorisches Schreiben
d) Brainwriting & Co       e) Metaphorisches
e) Clustern                    Schreiben
f) Mind-Map-Writing
Brainwriting & Co

1. Ideen         2. Gliedern   3. Schreiben        4. Überarbeiten
sammeln
•Freewriting     •Clustern     •Journalschreiben   •Rhetorisches
                                                   Schreiben
•Automatisches   •Mind-        •Schreibauto-
Schreiben        Mapping       biographie          •Mind-Mapping
•Brainwriting
•Meditatives                   •Rhetorisches       •Metaphorisches
Schreiben                      Schreiben           Schreiben
                               •Metaphorisches
                               Schreiben
Freewriting
=ganz schnelles Schreiben, ohne Schreibkontrolle
Verschiedene Arten: Freewriting ohne Thema, Freewriting zu
ungewöhnlichen Zeiten, Freewriting auf der Suche nach
einem Thema, Freewriting über ein Ereignis, Freewriting
nach einem Cluster usw.
LÜGEN ZUM THEMA “COMPUTER”
Schreibt ganz schnell alle Lügen über den Computer nieder.
Prüft zu Hause, welche Wahrheiten sie über den Computer
wissen.
Automatisches Schreiben

Grundstufe: das Ziel dieser Stufe die Auflösung
gewohnter Schriftordnung (Beispiel: schreibt fünf Zeilen
statt von links nach rechts einmal von rechts nach links)
Mittelstufe: beschäftigt sich mit Hellsehen mit Hilfe des
automatischen Schreibprozesses
Oberstufe: geht weit über den Alltag hinaus –
Kontakte zu höheren geistigen Potenzen aufnehmen
Meditatives Schreiben
• Leichte meditative Techniken: Stillwerden, Tief
   durchatmen,     Visualisieren, Körperentspannung,
   Zeitreise
3 Abschnitte der Aufgaben:
1. Klarheit im Körper
Beispiel: Narben  Zeichnet euren Körper und
   bezeichnet alle Stellen, wo ihr Narben habt.
   Schreibet über jede Narbe einen Satz. Wählt dann
   die Narbe aus, die am wenigsten traumatisch ist,
   und erzählt ihre Geschichte.
2. Aufräumen der Gefühle
3. Erforschung der sinnlichen Wahrnehmungen
Clustern
• Clustering ist ein nichtlineares       Brainstorming-
  Verfahren
• Mit freien Assoziation verwandt
• Resultat = Cluster (dt. Worthaufen)

Aufgabe: Schließt die Augen und lasst euch ein Wort
  einfallen, das ihr in die Mitte eines weißen Blattes
  Papier schreibt.
Zu dem Kernwort werden sich zugleich weitere Einfälle
  einfinden, die sie zu Assoziationsketten ordnen lassen.
Clustern
Beispiel:
Zusammenfassung

• Wieso kreatives Schreiben im DaF-Unterricht?
• Worauf muss man achten?
• Welche sind die Grundregeln?
• 111 Übungen zum kreativen Schreiben
• Brainwriting & Co
Literaturverzeichnis

• Leis, Mario (2006): Kreatives Schreiben – 111 Übungen.
  Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.
• Lorey, Christoph (2000): Kreatives Schreiben im
  ersten Jahr Deutsch als Fremdsprache? Dreizehn
  Fragen und Antworten mit anregenden Aktivitäten.
  In Forum Deutsch, Sommer 2000, 9-16.
• Weder, von Lutz (2011): Brainwriting & Co – Die 11
  effektivsten Methoden des kreativen Schreibens für
  die Schule und das Studium. Schibri-Verlag,
  Uckerland.

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  • 1. Kreatives Schreiben 101 Wie man Schreiben in den DaF-Unterricht einbetten kann
  • 2. kreativ – Kreativität Was versteht ihr unter dem Wort “kreativ”? • DUDEN: schöpferisch; Ideen habend und diese gestalterisch verwirklichend • Christopher Lorey erklärt: “Wer kreativ ist, schöpft aus der Quelle seines Geistes, um etwas neues zu erschaffen, das es vorher noch nicht gab.” • Im weiteren Sinne mit “basteln”, “entdecken”, “ausprobieren” und “spielen” gleichbedeutend
  • 3. Kreatives Schreiben Wie würdet ihr “kreatives Schreiben” definieren? • Kreatives Schreiben = schriftlich festhalten, was aus unseren Gehirn unerschöpflich hervorquillt – unsere eigenen Ideen, Bilder
  • 4. Wozu kreatives Schreiben im DaF? • Die innere Sprache der Lernenden aktivieren und zum Einsatz bringen • Mit Schreibübungen herausfordern so frei wie möglich mit der Sprache umzugehen • Sprachliche Kompetenz erweitern • Ermöglicht, dass sich alle in der Klasse beteiligen • Es macht Spaß und motiviert die Lerner • Fördert Gruppenarbeit • Führt zu einem lebhaften, interaktiven Unterricht
  • 5. Was muss man beim kreativen Schreiben beachten? • Eine entspannte Atmosphäre kreieren • Geistig stimulierende Vorbereitungsübungen und Schreibmuster vorbereiten • Gelegenheiten bieten Texte in der Klasse zu entwerfen, diskutieren, umschreiben oder neu konzipieren
  • 6. Ein Paar Grundregeln • Möglichst wenig Korrektur (das Verbessern gehört in eine spätere Phase!) • Konkrete Anleitungen, passende Beispiele und genaue Ansage der Zeit • Vorsicht! Musterbeispiele sollen die Kreativität nicht einschränken oder Schreibfreude bremsen • Keine Übungen, die die Lerner überfordern, belasten oder zusätzlich frustrieren
  • 7. Wann kann kreatives Schreiben eingesetzt werden? • Schon ab der ersten Klasse der Grundschule, bzw. wenn die Lerner zuversichtlich genug sind selbst zu schreiben • Übungen für das kreative Schreiben sollen dem Alter und den Fähigkeiten der Lerner angepasst werden
  • 8. Kreatives Schreiben – 111 Übungen 4 Aufgabentypen: a) Erzählendes b) Dramatisches c) Lyrisches d) Journalistisches
  • 9. a) Aus der Sicht eines Gegenstandes • Zeit: 15 Minuten • Arbeitsform: Einzelarbeit • Material: Stift und Papier Anweisung: Perspektivenwechsel ist angesagt. Jeder soll sich einen Gegenstand aussuchen, der sich in seinem Rucksack, Schlaf- oder Badezimmer befindet. Verfasst dann eine Erzählung aus der Sicht dieses Gegenstandes. Bedenkt dabei, wie er beschaffen ist und was dem Gegenstand gefallen konnte und was nicht. Wie wird er von dir verwendet und wie wurde er vielleicht viel lieber benutzt werden? Versetzt euch in den Gegenstand und überlegt, was er alles mit euch erlebt.
  • 10. Beispiel: Haarshampoo Heute hat meine Besitzerin Svenja wieder in die Vollen gegriffen und eine ganze HandvolI von mir benutzt. Ich glaube, sie will ihre sonst so fettigen Haare mit mir richtig weich machen. Sie sollen ihr wohl geschmeidig durch die Hände gleiten. Oder ist sie etwa verabredet und will sich für jemanden schön machen? Sie massiert mich richtig schön in ihre Haare, mit denen ich mich gut verstehe. Ist ja auch klar, dass sie mich mögen. Sie brauchen mich! Sie haben mir verraten, dass Svenja immer ein Shampoo meiner Qualität und Klasse nimmt. Dazu kann ich nur sagen: das verstehe ich gut, denn die Fähigkeiten liegen in meiner Familie. Weil Svenja so treu ist, gebe ich mich auch gerne für sie her und fiebere dem Moment entgegen, wenn sie wieder in die Vollen greift und mich liebevoll massiert.
  • 11. Neue Wörter • Zeit: 10 Minuten • Arbeitsform: Gruppenarbeit (3 Personen pro Gruppe) • Material: Stift und Papier Anweisung: Bildet zu verschiedenen Themen Wortfelder, indem ihr das zugehörige Vokabular sammelt. Dazu können auch Sprüche, Klange und Assoziationen gehören. Aus diesen altbekannten Wörtern produziert ihr nun neue, indem ihr Teile der Wörter miteinander vertauscht oder Vorsilben vor die Wörter setzt oder Ähnliches mehr.
  • 12. Beispiel: “Ostern” Assoziationen: Ostereier, Kirche, Auferstehung, Ende der Fastenzeit, Süßigkeiten, Karneval schon lange vorbei. Neubildungen: das Nachostern, lass uns ostern, Kircheneier, Eierkirche, Ostostern, Süßigkeitenende ...
  • 13. Sprechende Namen • Zeit: 15 Minuten • Arbeitsform: Gruppenarbeit (3 Personen pro Gruppe) • Material: Stift und Papier Denkt euch drei bis vier Personen mit sprechenden Namen aus (z. B. Gert Geizig, Gaby Glück, Fabian Faul, Wendy Wüterich usw.). Schreibt dann eine kurze dramatische Szene, in der die Figuren aufeinander treffen und ihrem jeweiligen Namen gerecht werden. Wenn es euch hilft, könnt ihr vor dem Schreiben die wichtigsten Charaktereigenschaften der Figuren stichpunktartig festhalten. Achtet dann darauf, dass die Personen in eurem Stück in Übereinstimmung mit diesen Eigenschaften sprechen und handeln. Wo und wann die Handlung spielt, bleibt ganz euch überlassen: Im Zeltlager, auf einer einsamen Insel, zu Besuch in einer fremden Stadt ...
  • 14. Elfchen • Zeit: 10 Minuten • Arbeitsform: Einzelarbeit • Material: Stift und Papier Ein Elfchen ist ein Kurzgedicht, das sich aus elf Wörtern in fünf Versen zusammensetzt. In der ersten Verszeile steht ein Wort, in der zweiten zwei Wörter, in der dritten drei, in der vierten vier, und die letzte Zeile besteht wieder aus einem Wort. Verfasst nun anhand dieser Vorgaben ein Elfchen. Ein möglicher Bauplan für ein Elfchen wäre: 1. Zeile: Eine Farbe (1 Wort) 2. Zeile: Etwas, das diese Farbe hat (2 Wörter) 3. Zeile: Dessen genauere Bestimmung (3 Wörter) 4. Zeile: Über mich selbst (mit „ich“ beginnend) (4 Wörter) 5. Zeile: Ein abschließender Gedanke/Einfall (1 Wort)
  • 15. Beispiele: Weiß Die Wolken Sie ziehen vorbei Ich zöge gern mit Fernweh Braun Die Schokolade Es schmeckt mir Ich mag Schokolade Gut!!
  • 16. Jetzt wird gelästert! • Zeit: 10 Minuten • Arbeitsform: Einzelarbeit • Material: Stift und Papier Im Folgenden werden wir eine Zeitungsnachricht lesen, die den Leser darüber informiert, dass noch nicht alle D-Mark-Münzen umgetauscht worden sind. Du sollst versuchen, das Thema satirisch oder bissig aufzuarbeiten und eine Glosse darüber zu schreiben. Mögliche witzige Aspekte, auf die du abzielen konntest, wären zum Beispiel: „Wie faul sind die Deutschen?“ oder „Haben wir doch zu viel Geld?“ WAS IST EINE GLOSSE? Unter Glosse versteht man einen mit spitzer Feder geschriebenen Text, also einen ironischen, boshaften und kritischen Kurzkommentar zu einem aktuellen Anlass in einer Zeitung oder Zeitschrift.
  • 17. Die alte D-Mark klebt im Sparschwein Berlin - Sind wir Deutschen bloß umtauschfaul oder schlicht Nostalgiefans? Knapp drei Jahre nach der Euro-Einführung ist fast die Hälfte (46 Prozent) aller D-Mark-Münzen noch nicht umgetauscht, sagte Bundesbank-Sprecherin Gabriele Reitz-Werner der Berliner Zeitung. Dies entspreche einem Wert von umgerechnet 3,74 Milliarden Euro. Insgesamt flossen 24,5 Milliarden D-Mark-Münzen und 191 Millionen Banknoten noch nicht an die Bundesbank zurück. „Wir rechnen mit einer Schwundquote von 40 % des damaligen Umlaufs“, so Gabriele Reitz-Werner."
  • 18. Brainwriting & Co 1. Befreiende 2. Geregelte Schreibmethoden Schreibmethoden a) Freewriting a) Journal Schreiben b) Automatisches b) Schreibautobiographie Schreiben c) Modelling c) Meditatives Schreiben d) Rhetorisches Schreiben d) Brainwriting & Co e) Metaphorisches e) Clustern Schreiben f) Mind-Map-Writing
  • 19. Brainwriting & Co 1. Ideen 2. Gliedern 3. Schreiben 4. Überarbeiten sammeln •Freewriting •Clustern •Journalschreiben •Rhetorisches Schreiben •Automatisches •Mind- •Schreibauto- Schreiben Mapping biographie •Mind-Mapping •Brainwriting •Meditatives •Rhetorisches •Metaphorisches Schreiben Schreiben Schreiben •Metaphorisches Schreiben
  • 20. Freewriting =ganz schnelles Schreiben, ohne Schreibkontrolle Verschiedene Arten: Freewriting ohne Thema, Freewriting zu ungewöhnlichen Zeiten, Freewriting auf der Suche nach einem Thema, Freewriting über ein Ereignis, Freewriting nach einem Cluster usw. LÜGEN ZUM THEMA “COMPUTER” Schreibt ganz schnell alle Lügen über den Computer nieder. Prüft zu Hause, welche Wahrheiten sie über den Computer wissen.
  • 21. Automatisches Schreiben Grundstufe: das Ziel dieser Stufe die Auflösung gewohnter Schriftordnung (Beispiel: schreibt fünf Zeilen statt von links nach rechts einmal von rechts nach links) Mittelstufe: beschäftigt sich mit Hellsehen mit Hilfe des automatischen Schreibprozesses Oberstufe: geht weit über den Alltag hinaus – Kontakte zu höheren geistigen Potenzen aufnehmen
  • 22. Meditatives Schreiben • Leichte meditative Techniken: Stillwerden, Tief durchatmen, Visualisieren, Körperentspannung, Zeitreise 3 Abschnitte der Aufgaben: 1. Klarheit im Körper Beispiel: Narben  Zeichnet euren Körper und bezeichnet alle Stellen, wo ihr Narben habt. Schreibet über jede Narbe einen Satz. Wählt dann die Narbe aus, die am wenigsten traumatisch ist, und erzählt ihre Geschichte. 2. Aufräumen der Gefühle 3. Erforschung der sinnlichen Wahrnehmungen
  • 23. Clustern • Clustering ist ein nichtlineares Brainstorming- Verfahren • Mit freien Assoziation verwandt • Resultat = Cluster (dt. Worthaufen) Aufgabe: Schließt die Augen und lasst euch ein Wort einfallen, das ihr in die Mitte eines weißen Blattes Papier schreibt. Zu dem Kernwort werden sich zugleich weitere Einfälle einfinden, die sie zu Assoziationsketten ordnen lassen.
  • 25. Zusammenfassung • Wieso kreatives Schreiben im DaF-Unterricht? • Worauf muss man achten? • Welche sind die Grundregeln? • 111 Übungen zum kreativen Schreiben • Brainwriting & Co
  • 26. Literaturverzeichnis • Leis, Mario (2006): Kreatives Schreiben – 111 Übungen. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart. • Lorey, Christoph (2000): Kreatives Schreiben im ersten Jahr Deutsch als Fremdsprache? Dreizehn Fragen und Antworten mit anregenden Aktivitäten. In Forum Deutsch, Sommer 2000, 9-16. • Weder, von Lutz (2011): Brainwriting & Co – Die 11 effektivsten Methoden des kreativen Schreibens für die Schule und das Studium. Schibri-Verlag, Uckerland.