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Vergöttert oder gehasst, Mylène Farmer gehört seit über zwei Jahrzehntenzu den unumgänglichen Prominenten Frankreichs. In ...
I. Farmer und Boutonnat    A: Mylène Gauthier und Laurent Boutonnat    Die Geschichte von Mylène Farmer fängt im 1983 an, ...
Drehbuchs              zur      Verfügung:     ein   junges   Mädchen      wird   zur   Psychiatrie/Krankenhaus/Schloss   ...
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II. Die Clips.     A. Das Medium Musikvideo.     In den 80ern war es üblich, um einen Song zu vermarkten, Musikvideos alsU...
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Erzählungen in einem historischen Rahmen einzusetzen, verleiht den Clips einenzusätzlichen          fremden   Charakter.  ...
Die Annahme einer Rolle erfolgt durch die Verfremdung des Körpers. MylèneFarmer tritt nicht nur verkleidet auf, ihr Körper...
Die junge Farmer wirft Blumen auf das Grab auf dem die Kindheitspuppe sitzt. Sieläuft vom Grab weg und schiebt einen Kinde...
kurzsichtigem Blick die Puppe an und wischt ihr das Gesicht. Er hat die Puppegeschaffen, jedoch ist er unfähig zu erkennen...
eine Prozession zur Schauplatz des Kampfes, eine Schlange kriecht, ein Kind findeteine Christstatuette. Farmer ist an der ...
Projektion auf die Darsteller26. Die Zuschauer blicken in Farmers private Welthinein und nehmen sie durch das Schauen als ...
Anhang:  Bibliographie:Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter, in Philosophische Geschlechtertheorien, hrsg. V.Sabi...
Filmographie:Plus Grandir; Fr. 1985, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat und Mylène Farmer, S: ChristineSimonot, T:...
Texte:Maman a tort                           Drei – Die Krankenschwester weint                                       Vier ...
Eins – Mama liegt falschZwei – Liebe ist schön                             Jeux de mains, jeux de fousDrei – die Schwester...
Für die Tränen eines kleinen Mädchens/Um der Tränen eines kleinen Mädchens willen...               Libertine              ...
Wenn Du Dich von meinen Lippen wegreißt/               Contre ta bouche elle veut qu’on la couchemeinen Lippen entziehst, ...
Nichts – sie ist betrübt.                                  Da man (ja) wählen/entscheiden mußIn der Irren Runde weint sie ...
Euch alle muß ich fliehn,                              Mais pourvu quelles soient doucesWenn Ihr Besuche macht;           ...
Lyrische Übersetzung:                                  Je sais bien que je mens                                           ...
Bitte/bete darum, daß Du                             Der Deinen Schemen mich entreißt.Fliehst/Dich abkehrst (aus) meiner V...
Falls jedes Mal wenn man plaudert                         Nicht mehr zu wissen, wozu ich diene/was meines LebensWir uns (w...
Abbildung: 1. Aus dem Story-Board Maman a Tort, 1984. 2. 3. Plus Grandir, 1985.                                           27
4.5.Libertine, 1986.6.7.Tristana, 1987                   28
8.Sans Contrefaçon, 19889.Ainsi soit Je, 1988.10.                         29
11.Pourvu Qu’elles Soient Douces, 1988.12.13.Sans Logique, 1989.                                       30
14.A Quoi Je Sers ?, 1990.                          31
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Mylène Farmer und Laurent Boutonnat erste Analyse: L’intégrale des clips volume I.

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Mylène Farmer und Laurent Boutonnat erste Analyse:
L’intégrale des clips volume I.
Unter der Leitung von Dipl. Kulturpäd. Hedwig Wagner
im Rahmen des Seminars: Gender und Identität in Film und Filmtheorie.

Vergöttert oder gehasst, Mylène Farmer gehört seit über zwei Jahrzehnten
zu den unumgänglichen Prominenten Frankreichs. In Zusammenarbeit mit dem
Komponist und Regisseur Laurent Boutonnat, schrieb sie 6 Alben, veröffentlichte 24
Singles und verkaufte Millionen von Platten. Ihre Texte über Melancholie, Tod,
Selbstmord und Sex faszinieren und stören. Erfolg erreichte sie nicht nur durch die
Musik, sondern auch durch ihre aufwendigen Musikvideos in denen sie in Kostüm mit
zahlreichen Schauspielern und Statisten in prächtigen Kulissen inszeniert wurde.
Skandale, Zensur sowie zahlreiche Auszeichnungen prägen die Karriere von Farmer.
In dieser Arbeit möchte ich die Auftritte von Mylène Farmer in ihren ersten
Musikvideos untersuchen. Wer ist Mylène Farmer? Wie wurde sie trotz ihrer
negativen Einstellungen erfolgreich und wie wurde das Mythos Mylène Farmer
aufgebaut? Welches Bild der Frau und der geschlechtlichen Identität vermittelt sie
durch die Musikfilme dem Publikum und wie wurde sie dabei inszeniert?
Durch Analyse einer Auswahl ihrer Musikvideos und anhand von Kritiktexten der
Gendertheorie werden wir versuchen, diese Frage zu beantworten.

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Mylène Farmer und Laurent Boutonnat erste Analyse: L’intégrale des clips volume I.

  1. 1. Léchevin AntoineMatrikel Nummer 11304Mediengestaltung, 7. SemesterW.S. 2004/05 Mylène Farmer und Laurent Boutonnat erste Analyse: L’intégrale des clips volume I.Unter der Leitung von Dipl. Kulturpäd. Hedwig Wagnerim Rahmen des Seminars: Gender und Identität in Film und Filmtheorie
  2. 2. « De ce paradoxe, Je ne suis complice, Souffrez qu’une autre, En moi se glisse, Car… Sans logique, Je me quitte Aussi bien satanique, Qu’angélique »Sans Logique, Mylène Farmer. 2
  3. 3. Vergöttert oder gehasst, Mylène Farmer gehört seit über zwei Jahrzehntenzu den unumgänglichen Prominenten Frankreichs. In Zusammenarbeit mit demKomponist und Regisseur Laurent Boutonnat, schrieb sie 6 Alben, veröffentlichte 24Singles und verkaufte Millionen von Platten. Ihre Texte über Melancholie, Tod,Selbstmord und Sex faszinieren und stören. Erfolg erreichte sie nicht nur durch dieMusik, sondern auch durch ihre aufwendigen Musikvideos in denen sie in Kostüm mitzahlreichen Schauspielern und Statisten in prächtigen Kulissen inszeniert wurde.Skandale, Zensur sowie zahlreiche Auszeichnungen prägen die Karriere von Farmer. In dieser Arbeit möchte ich die Auftritte von Mylène Farmer in ihren erstenMusikvideos untersuchen. Wer ist Mylène Farmer? Wie wurde sie trotz ihrernegativen Einstellungen erfolgreich und wie wurde das Mythos Mylène Farmeraufgebaut? Welches Bild der Frau und der geschlechtlichen Identität vermittelt siedurch die Musikfilme dem Publikum und wie wurde sie dabei inszeniert? Durch Analyse einer Auswahl ihrer Musikvideos und anhand von Kritiktexten derGendertheorie werden wir versuchen, diese Frage zu beantworten. 3
  4. 4. I. Farmer und Boutonnat A: Mylène Gauthier und Laurent Boutonnat Die Geschichte von Mylène Farmer fängt im 1983 an, als zwei junge Männer,Laurent Boutonnat, Komponist und Jerôme Dahan, ein Casting organisiert haben,um eine Sängerin für ihren neuen Song zu finden: Maman A Tort. Die „psychotischeArt“1 der jungen Mylène Gauthier gefiel den beiden, die sich sofort für diese22jährige Schauspielschülerin entschieden, ohne sie singen gehört zu haben.Laurent Boutonnat hatte bereits in seiner Kindheit Filme gedreht bei dem er allesallein geschafft hatte, vom Drehbuch bis zum Schnitt, Make-up, Bühnenbild undMusik inklusiv. Er lernte Klavier, hatte drei Jahre Theaterunterricht, interessiertesich aber hauptsächlich für das Kino. Mit 17 produzierte er seinen ersten Film: LaBallade de la Féconductrice (1979)2 in dem er Kindesmord, Pädophilie, Inzest ineiner Welt voller religiöser Referenzen inszenierte. Eine weißgeschminkte jungeFrau vernichtet blutig alle aus der Norm geratenen Menschen: Behinderte,Obdachlose, Alte, tötet durch elektrischen Schlag ein Baby in einer Badewanne. Einjunger Pfarrer entmannt einen Ministrant, im Hintergrund barocke und gotischeBilder der Kreuzigung. Der Film lief zwei Wochen in einem Pariser Kino und wurdenicht unter 18 Jahre freigegeben. In harter Weise setzt Laurent Boutonnat dieBilder und Referenzen die er in seinen späteren Arbeiten immer wieder benutzenwird: christliche Religion, Tod und Sexualität, Inszenierung einesmenschenfeindlichen Totalitarismus. Als er an einem neuen Film arbeitete, schrieb er mit einem Freund Maman ATort3 - einen Song über eine verletzte Kindheit: ein Mädchen lehnt ihre Mutter abund verliebt sich in ihre Krankenschwester. Aus gesetzlichem Grunde scheiterte dererste Versuch mit einem 15jährigen Mädchen zu arbeiten. Daraus folgte dieBegegnung mit Mylène Gauthier, die sofort bei dem Projekt einstieg. WegenGeldmangel wurde ein aufwendiges Video nie gedreht, jedoch stehen uns Teile des1 « son côté psychotique » Fernsehinterview von Laurent Boutonnat mit Noël Mamère, 19862 Das Wort « Féconductrice » ist eine Zusammenstellung aus verschiedenen Wörter: Fée (die Fee), féconde (fruchtbar),conductrice (Die Führerin/Fahrerin).3 Siehe Text und Übersetzung, Seite 4
  5. 5. Drehbuchs zur Verfügung: ein junges Mädchen wird zur Psychiatrie/Krankenhaus/Schloss von ihrer Mutter begleitet. Sie begegnet einerKrankenschwester und wird auf einem Rollstuhl gesetzt. Anderes Personal desKrankenhauses sperrt das Mädchen ein, sie wird aber von ihrer Krankenschwesterbefreit und gewaschen4. Die Mutter beobachtet die Szene und schlägt ihre Tochter.Diese schafft zu entfliehen, rennt zu einem Turm und springt ins Leere, währenddie Krankenschwester sie zu retten versucht. Das Video inspiriert sich von demdramatischen Leben der Schauspielerin Frances Farmer, deren Name MylèneGauthier übernehmen wird. Nach einem erfolgreichen Lebenslauf und zahlreichenAuftritten in Hollywoodfilmen und auf der Bühne begann Frances Farmer in den40er Jahren zu trinken und Amphetamine zu schlucken. Darauf schickte ihre Muttersie in diverse Anstalten für Psychischkranken, wo sie, wie sie später selberberichtete, misshandelt und vergewaltigt wurde. Nachdem sie aus der Psychiatriefliehen konnte, verfiel sie wieder der Alkoholsucht. Sie wurde dann mit Insulin undElektroschocktherapie behandelt. Ihr Aufenthalt in Krankenhaus nahm mit einerGehirnoperation ein Ende. Nie wurde es richtig nachgewiesen, es hat sich aberwahrscheinlich um eine Lobotomie gehandelt.Obwohl der Song 1984 in Frankreich ein Sommerhit wurde, steigt Jerôme Dahan ausdem Arbeitsteam aus. Mylène Farmer fängt an ihre eigene Texte und dieDrehbücher für die Videos zu schreiben, während Laurent Boutonnat die Musikkomponiert und zum Regisseur wird. B. Mylène Farmer, vom Anfang an ein Mythos. Der Verfasser einer Webseite über Laurent Boutonnat, Jodel Saint-Marc5, stellteine interessante Theorie vor in der er Mylène Farmer zum puren Instrument derArbeit von Boutonnat reduziert. Er erkennt die künstlerischen Fähigkeiten Farmersund ihre Teilnahme an der Arbeit nicht an und integriert sie lieber als Objekt ineinem großen Kunstwerk dessen Schöpfer Boutonnat ist. Es ist tatsächlich schwierigherauszufinden inwiefern Mylène Farmer an der künstlerischen Arbeit teilnimmt, dadas Duo wenig Interviews gibt und ihre Biographien bestritten wurden. Es stimmt,dass die Texte und Videos Boutonnats mit oder ohne Farmer dieselbenEigenschaften haben, jedoch kann man allein durch ihre Texte die Präsenz derSängerin nicht ablehnen. Der Vorschlag von Jodel Saint-Marc ist für uns in einem4 Siehe Abbildung 1.5 http://jodel.saint-marc.club.fr 5
  6. 6. anderem Sinn relevant. Er versteht Mylène Farmer als Schöpfung LaurentBoutonnats, selbst erklärter Mythos, Göttin und so wurde sie auch derÖffentlichkeit präsentiert, dem Publikum geliefert. C. Farmer, Musik, Texten und Clips : Das farmersche Universum. Ob es richtig als eine kommerzielle Strategie gedacht wurde oder ob es nurein künstlerischer Wunsch war, ist uns aus direkter Quelle nicht bekannt. Einskönnen wir dennoch feststellen: Jenseits ihrer Songs und Musikvideos ist MylèneFarmer mehr als eine Popsängerin, sie ist im Interview und auf der Bühne auchInterpret eines an die Öffentlichkeit freigegebenen Stars, eine multimediale Figur.Alle ihre Charaktere schreiben sich in einem einzigen von Laurent Boutonnat undMylène Farmer geschaffenen Universum ein: einer märchenhaften Welt der Magie,des Todes und der Sexualität mit Mylène Farmer als Hauptdarstellerin. Die Idee eine Rolle für Mylène Gauthier in dem gesamten Werk zu schreibenmusste in den Köpfen von Farmer und Boutonnat erstmal ausreifen. Bis zur zweitenSingle On Est Tous Des Imbéciles und dessen Promotionzeit 1984, redete MylèneFarmer gern im Interview über ihre Kindheit im Kanada, ihre Projekte für dieZukunft und Erwartungen im Leben. Erst mit der dritten Veröffentlichung des DuosPlus Grandir (1985) änderte sie ihren Stil. Zurückhaltend, schüchtern trat sie nunseltener in Radio und Fernsehen auf und wenn sie Interviews gab, redete sie nurandeutungsweise über eine schwierige einsame Kindheit, ihre Angst vor dem Tododer über Sexualität, Themen der Arbeit mit Laurent Boutonnat. In der Boutonnat-Farmer Zusammenarbeit in der Karriere von Mylène Farmerunterscheidet man zwei Zeitabschnitte. Vom Plus Grandir (1985) und das ersteAlbum Cendres De Lune bis zu ihrem ersten Liveauftritt En Concert (1989)arbeiteten die beiden eng zusammen an Musik, Texten und Musikvideos. Ab 1990konzentrierte sich Laurent Boutonnat auf die Vorbereitung eines Langspielfilms undvernachlässigte die Produktion von Musikvideos. Weil Boutonnats Film Giorgino(1994) ein extremer Misserfolg war, entschied er sich, die Musikvideoproduktionaufzugeben und arbeitete von nun an nur an der Musik. Schwerpunkt unsererAnalyse wird auf den ersten Teil gesetzt: Mylène Farmer in Boutonnats Musikvideo1985-1990.66 Siehe DVD « Mylène Farmer, l’intégrale des clips, volume I » 6
  7. 7. II. Die Clips. A. Das Medium Musikvideo. In den 80ern war es üblich, um einen Song zu vermarkten, Musikvideos alsUnterstützung des Audioprodukts zu produzieren. Durch einfache Abbildung desTextes, Choreographien, moderne Videoeffekte oder visuelle Vorstellung derMusiker wurden Musikvideos für das Fernsehen angefertigt, den Erwartungen vonMusikproduzenten, Musikern und des Publikums entsprechend. Nach dem Scheitern des zweiten Songs des Duos und seines Videos (MylèneFarmer in rosa Jacke tanzt vor einem weißen oder schwarzen Hintergrund)entschied sich Boutonnat für den neuen Song Plus Grandir (1985) eine neue Art vonMusikvideo zu drehen. Er stellt seiner neuen Plattenfirma Bedingungen: Es wird aufeinem Cinemascope-Verfahren 35mm-Film im Studio und draußen gedreht. Von nunan kann man bei der Arbeit von Boutonnat nicht mehr von Musikvideo reden: derfranzösische Ausdruck Clip oder musikalischer Kurzfilm wird bevorzugt. DieProduktionen verlangen denselben Aufwand wie Kurzfilme: FinanzielleUnterstützung werden beim externen Produzent gefordert (das Plus GrandirProjekt kostet 330.000 FF d.h. über 50.000€), seine Clips benötigen mehrere TageDreharbeit, zahlreiche Techniker und Statisten. Vorspann, Abspann, additionaleMusik, Dialog und Untertitel lassen die Clips eher dem Kurzfilm ähneln als einemMusikvideo.Als der Clip fertig wurde, lud Boutonnat Filmkritiker und Kinopromis zur Premièrein Pariser Kinos ein. Bevor der Song veröffentlicht wurde, bevor Mylène Farmer aufdie Bühne stieg und vor einem Publikum ihr Song aufführte, wird der Clip selber imKino inszeniert. Plus Grandir ist der erste Clip der auf cinemascope Filmmaterialgedreht wurde und konnte damals nur mit dem Video „Thriller“ von MichaelJackson verglichen werden. Der folgende Clip Libertine (1986) wurde auch zuerstim Kino projiziert und später im Fernsehen ausgestrahlt. Jeder weitere Clip vonMylène Farmer wurde als Event angekündigt und wurde im Gegensatz zu anderen 7
  8. 8. Musikvideos immer in Sondersendungen in Première gezeigt7. Dabei wird für denSong geworben, aber nicht zuletzt auch für den Clip und seine Hauptdarstellerin.Jenseits der Musik und deren Promotionobjekt Musikvideo, schaffte Boutonnateinen neuen medialen Gegenstand, in dem weder der Clip die Musik unterstützt,noch die Musik den Clip. Beide dienen der Figur Mylène Farmer und erfüllen aufauditiver und visueller Ebene die Erwartung des Publikums. B. Die Musik und die Clips von Boutonnat. Die Zusammenarbeit erfolgt meistens nach dem folgenden Verfahren:Boutonnat komponiert die Musik, Farmer schreibt darauf die Texte und späterentwerfen sie den Clip, der den Songs nicht abbildet, sondern mit dem Song zueinem eigenständigen Werk wird. Die Filme erzählen Geschichten, die zwar inZusammenhang mit den Texten gebracht werden können, aber trotzdem ihreigenes Universum enthalten.Das Universum der Clips werden wir in diesem Teil der Arbeit analysieren.Im Vordergrund Mylène Farmer, Hauptdarstellerin und Erzählerin des Songs, wird inkünstlichen Welten inszeniert, die einem anderen Zeitalter (18.Jahrhundert wie inLibertine (1986) und Pourvu Qu’Elles Soient Douces (1988), russische Revolution inTristana (1987)) oder märchenhafte Umgebungen (Sans Contrefaçon (1987), AinsiSoit Je (1988), Sans Logique (1989), A Quoi Je Sers? (1990)) angehören.Externe Aggressionen, Ausschließung, Liebe, Kuss oder Geschlechtsverkehr lösenstabile Situationen auf, die Farmer zum Flucht, Kampf, Mord oder in den Todzwingen.Diese Motive findet man in jedem Clip der Sängerin (Ainsi Soit Je ausgenommen).Bevor wir zur Farmers Rolle und Charakter in den Clips kommen, möchte ich dasUniversum, die geschlossenen, märchenhaften Welten der Clips und ihre Akteurevorstellen.7 Zu Silvester 1988 auf dem französischem Musikkanal M6 für „Sans Contrefaçon“ z.B. In der Tagesschau um 20.00 auf dem ersten französischen Kanal TF1 für „Désenchantée“. 8
  9. 9. C: der Inhalt. Ob er eindeutig Schneewittchens (tristana, 1987)8 oder Pinocchios (SansContrefaçon, 1987)9 Erzählungen übernimmt oder ob er sich einfach dieErzählweise des Märchens borgt: Boutonnat baut seine Kurzfilme immer nachklassischen Märchenkonstruktionsverfahren.1. Das Märchen. Märchen sind auf wiederkehrende Schemen gebaute volkstümliche mündlicheErzählungen. Ein friedlicher glücklicher Startzustand wird durch ein gewaltigesEreignis gestört. Darauf wird der Held oder die Heldin gefordert durch verschiedeneErprobungen ihre Welt wieder in einen stabilen Zustand zu bringen. Neben Magie,feenhaften Charakteren (wie Hexe oder Zwerge), imaginären Tieren, erkennt mansoziale und gesellschaftliche Darstellung und Kritik in den künstlichen Welten derMärchen. Die Heldin im Märchen spielt meistens eine passive Rolle: Jungfrau, zumHeirat gegeben, sie wird von der bösen Stiefmutter gehasst (Schneewittchen) odervon einer Hexe verflucht. Sie wird verwünscht und fällt in tiefen Schlaf. Nur derKuss eines Prinzen kann sie wieder zum Leben bringen.2. Die Welt. In Boutonnats Clips erkennt man viele von diesen Märchenkomponenten. DieFilme fangen alle mit einer Kamerafahrt über eine Landschaft an (außer bei SansContrefaçon). Draußen gedreht, öffnen sich die Musikfilme auf ruhige, fast toteLandschaften: ein Friedhof in Plus Grandir, ein Wald, ein See oder Sumpf inLibertine, Pourvu Qu’Elles soient Douces und A Quoi je sers? Schnee im Tristanaund Ainsi soit je, unfruchtbare Erde bei Sans Logique, was dem stillenAnfangszustand der Märchen entspricht. Bevor wir einen Mensch sehen könnenbetreten Schlangen, Wölfe oder Raben diese Natur als Übergang zur Menschheitund warnen uns vor einer Gefahr.Diese Orte für die Geschichte sind gleichzeitig geschlossen und unbegrenzt wieauch der Strand in Sans Contrefaçon oder die Berge in Tristana. Diese Welten sindnicht nur in ihrer Räumlichkeit definiert sondern auch zeitlich. Die Wahl, die8 Siehe Abbildung 6 und 7.9 Siehe Abbildung 8. 9
  10. 10. Erzählungen in einem historischen Rahmen einzusetzen, verleiht den Clips einenzusätzlichen fremden Charakter. Wir befinden uns von nun an in derfestgeschriebenen Welt der Vergangenheit, in der nichts mehr zu verändern ist.Kaum wird uns die Welt in ihrer unveränderlichen Ewigkeit vorgestellt, tretenMenschen im Bild auf und ein Störfaktor kippt die Situation: Mylène Farmer findetihre eigenes Grab in Plus Grandir. Im Duell tötet Libertine einen Mann und ziehtsich dabei den Hass ihrer Rivalin (Sophie Tellier) zu. Die eifersüchtige Stiefmutter(noch mal Sophie Tellier)10 will die schöne Tristana umbringen lassen. In SansContrefaçon wird der Marionnettenspieler aus seinem Theater rausgeworfen und inSans Logique wird Farmer (als Stier)11 gefordert, mit ihrem Geliebten in einemStierkampf/Duell zu kämpfen.3. Die Gesellschaft. Die Nebenrollen und die Statisten bilden eine einheitliche Menschengruppein die Mylène Farmer nicht gehört. Alle sind gebunden und gehören einembestimmten Gesellschaftskreis an. Die Kirche und ihre Religion wird durch dieNonnen-Zwerge in Plus Grandir und das Publikum des Stierkampfes in Sans Logiquerepräsentiert, die Prostituierten im Bordell von Libertine symbolisieren dieSpaßgesellschaft, die englischen Soldaten die Armee in Pourvu Qu’Elles SoientDouces, die Theaterschauspieler in Sans Contrefaçon die Aristokratie und Arbeiterin Tristana.Mylène Farmer wird dieser instabilen Lage nur durch die Liebe eines Mannes oderdurch Geschlechtsverkehr entfliehen können. Nur, im Gegensatz zu den Märchen,erreicht sie dadurch nicht die reale Welt, wird nicht zum Leben wiedergebracht,sondern stirbt oder verkörpert sogar den Tod selbst.4. Die Heldin: Mylène Farmer. Die Welt in der Mylène Farmer inszeniert wird, ist eine Welt derAusschließung, aus der Mylène Farmer immer vertrieben wird. Der Körper, dieKörperveränderungen oder Aktionen auf den Körper wie Mörder oderGeschlechtsverkehr sind Schlüssel zu anderen Situationen.10 Siehe Abbildung 6.11 Siehe Abbildung 13. 10
  11. 11. Die Annahme einer Rolle erfolgt durch die Verfremdung des Körpers. MylèneFarmer tritt nicht nur verkleidet auf, ihr Körper selbst wird verfremdet. In PlusGrandir singt sie über ihre Angst vom Altwerden12. Der Film öffnet sich auf einemFriedhof, wo Farmer einen alten Babywagen schiebt und ihrem eigenen Grabbegegnet. Darauf sehen wir jene Stufe ihres Lebens im Flashback in einem altendunklen staubigen Haus. Am Mund verletzt, schaut sie in die Kamera, auf dasPublikum. Sie scheint wie vor einem Spiegel ihr eigenes Bild wahrzunehmen.Tollwütig, ergreift sie eine Puppe, Symbol ihrer Kindheit, und ertränkt sie imWasser, bevor sie sich an die heilige Jungfrau Maria wendet, zu Ihr betet, weinend.Im Kampf mit ihrer Kindheit ist Farmer aber selber noch eine Jungfrau und suchtHilfe in der Religion. Die Statue von Maria gibt ihr keine Antwort und keine Hilfe,während ihre Puppe, noch am Leben, zu ihr grinst und sie verspottet.Als in der Nacht, beim Gewitter, Farmer im roten Schlafrock schläft, dringt einmächtiger Mann ins Haus ein und vergewaltigt sie. Die verführerische Farbe ihresKleides deutet schon auf den Geschlechtsverkehr hin. Erst lehnt sie den fremdenMann ab und kämpf gegen ihn, dann schenkt sie ihm einwilligend ihre Lippen. DieMariastatue schaut weg und Zwergnonnen beobachten angeekelt wie der MannFarmer zärtlich küsst. Die Musik an dieser Stelle unterscheidet sich von derAudiofassung, die Wichtigkeit der Szene betonend.13Darauf wird sie von den Nonnen, die Religion und christliche Moral repräsentieren,körperlich bestraft. Dann liegt sie zusammengekrümmt am Boden, die Hände denBauch haltend.14 Nach der Entdeckung der Lust, erlebt sie den psychischen undphysischen Schmerz. Sie erfährt durch körperlichen Schmerz und Extase ihreneigenen Körper, den Körper einer Frau.15 Die Puppe dreht verhöhnend den Kopf zuMylène Farmer, die wütend nach einem Messer greift und einen Arm der Puppeabschneidet. Dies wird Farmer in einen Todestanz treiben, in dem sie immer älterwird. Das Gesicht voller Falten einer Achtzigjährigen schaut sie traurig und müdeaus dem Fenster raus, wo sich ein Friedenstaube, Symbol der Freiheit, niederlässt.12 Plus Grandir Abbildung 2 und 3.13 Wie auch in anderen Clips von Boutonnat, unterscheiden die Songs von ihrer Audiofassung. Er fügt lange Vor- undAbspannmelodien am Anfang und Ende des Songs zu. In der Mitte bleibt der Audiotitel gleich bis auf die Intimszene (siehePlus Grandir, Libertine, Pourvu Qu’elles Soient Douces, Sans Logique)14 Abbildung 2.15 « Zahlreich und « eigensinnig » sind hingegen die Zeugnisse in Literatur und Kunst, wie Frauen ihren Körper alsverstörend, die körperlichen Funktionen, die vom weiblichen Körper erwartet werden, bedrückend empfinden. Der Körpererscheint als Belastung, als ein Stück Außenwelt, ja sogar als Krankheit. »Valie Export, 1992, Seite 10. 11
  12. 12. Die junge Farmer wirft Blumen auf das Grab auf dem die Kindheitspuppe sitzt. Sieläuft vom Grab weg und schiebt einen Kinderwagen. Das letzte Bild zeigt uns wiediese den Kopf zu Kamera dreht und grinst, als ob sie die Zuschauer erinnernmöchte, dass sie auch älter werden.Da auf dem Grab „Mylène Farmer – Plus Grandir“ steht, könnte man denken, dassFarmer um ihre Angst vom Älterwerden und eine mögliche Zukunftsvision trauert.Der Kinderwagen deutet auf eine Mutterschaft, die in der Rückblende seinen Platznicht findet. Was Valie Export über Unica Zürn schrieb, trifft auch auf diesen Clipzu: „Es ist nicht der Körper selbst, sondern dessen Weiblichkeit, die soziale Doktrindes Körpers als Definition der Frau, die Identifizierung des Wesens der Frau mitihren körperlichen Geschlechtsmerkmalen und -funktionen, die den Körper zumHaus der Krankheit macht, zum Ort des Todes.“16 In der Hinsicht von Körper, fremdem Körper, Verwandlung, Leben und Todist der Kurzfilm Sans Contrefaçon hoch interessant. In diesem Lied singt Farmer,dass sie ein Junge ist:« Puisquil faut choisir/ A mots doux je peux le dire/ Sans contrefaçon/ Je suis un garçon/ Et pour un empire/ 17Je ne veux me dévêtir/ Puisque sans contrefaçon/ Je suis un garçon »Der Clip zum Lied inspiriert sich von dem Roman von Carlo Lorenzini Pinocchio, indem eine Marionnette ein echter Junge zu werden versucht. Boutonnat inszeniertin seinem Kurzfilm einen Marionnettenspieler mit seiner Puppe und ihre kurzeBegegnung mit Zirkusleuten18. Er übernimmt die Thematik des Romans und fügt dieFrage der Geschlechtidentität zu. In diesem Clip sind die Blicke derSchauspielgesellschaft auf die Puppe Punkte der Destabilisierung, sie stellen dieBeziehungen zwischen Menschen um und ermöglichen die Verwandlung der Puppe.Der Clip öffnet sich mit Applaus für eine kurzhaarige knabenhafte Puppe mit demGesicht von Mylène Farmer: „ Dis, Maman… pourquoi je suis pas un garçon?“19 sagtsie in Kindersprache. Kurz darauf schmeißen zwei Transvestiten denMarionnettenspieler und seine Puppe aus dem Theater raus, spucken sie an,lachend, und lassen sie im Schlamm liegen. Der Marionnettist schaut mit16 Ibid, Seite 12 und 13.17 Da es gilt, zu wählen, kann ich’s sanft und süß erzählen: Zweifellos bin dann ich ein junger Mann. Selbst fürs Königshauszöge ich mich niemals aus. Denn ganz zweifellos bin dann ich ein junger Mann.18 Siehe Abbildung 8.19 « Sag mal, Mama… wieso bin ich kein Junge? » 12
  13. 13. kurzsichtigem Blick die Puppe an und wischt ihr das Gesicht. Er hat die Puppegeschaffen, jedoch ist er unfähig zu erkennen, wer sie richtig ist. Auf dem Wegerinnert uns eine Vogelscheuche mit ausgestreckten Armen an ein Bild derKreuzigung Christus, Symbol unserer körperbezogenen Kultur20 und ist für denMarionnettenspieler und seine Puppe die Tür zur Gesellschaft und zum Leben. DieZirkusleute, die sie dort treffen, werfen alle misstrauische Blicke, bis auf eineältere Frau, von der Puppe fasziniert, die dem Mann Essen schenkt. Mit der Puppespielend treibt die Truppe mit der Frau Schabernack. Sie will sie schützen, entführtsie und flieht zum Strand außer Sehweite. Die mütterliche Liebe dieser Frau bringtdie Puppe zum Leben. Als der Marionnettenspieler die beiden Frauen wieder sieht,versteht er, dass seine Schöpfung lebt. Wie ein Echo der ersten Szene, hebt derMarionnettenspieler Mylène Farmer, auf den Boden gefallen, auf, wischt ihr dasGesicht und küsst sie. Die Frau beobachtet die Szene und verlässt die beiden mitdem Zirkus. Mylène Farmer, allein am Strand mit ihrem Schöpfer, ohne ihre Mutter,ist wieder zur Puppe geworden. Das Paradox zwischen dem Text und den Bildernlässt viele Wege für verschiedene Interpretation offen: „sans contrefaçon, je suisun garçon“, aber der Junge ist nur eine lebenslose Puppe, der durch dieanerkennenden Blicke zum Leben gerufen werden kann und wird eine lebendigeFrau. Eine andere Art der Verwandlung ist in dem Kurzfilm Sans logique (1989) zufinden, wo Mylène Farmer vor einer Versammlung schwarz gekleideter Leute alsStier zur Kampf gegen ihren Liebhaber, den Torero gefordert wird.Ihre Hände sind im Rücken gebunden, ihr wird ein Haarreif mit Hörnern aus Metallauf den Kopf gesetzt, die Waffe, mit der sie ihren Liebhaber in den Toddurchstechen wird.21 Durch dieses Werkzeug, diese technische Extension, welcheihr zugefügt wird, wird Mylène Farmer zum Tier mit männlichem Charakter. Freudschrieb über die Technologie als Ausdehnung des Körpers, als Kultur22, vom Menschals Prothesengott, der zu Gottähnlichkeit strebt. In diesem musikalischen Kurzfilmsind viele Symbole der christlichen Religion zu erkennen: Das Publikum läuft wie20 „Der Körper ist das Medium des Realen und sozialen, der Kontrolle. Der Körper ist das „Kairos“ des Subjekts.Eben weil der Körper die reale Insertion in die Welt darstellt, die Insertion des Subjekts in Reale, kann derKörper an der Kreuz genagelt werden, sich dem Gesetzt des Vaters, dem Realitätsprinzip unterwerfen.“ In ValieExport, 1992, Seite 7.21 Siehe Abbildung 12 und 13.22 „ die Kultur […] als die ganze Summe der Leistungen und Einrichtungen,…die zwei Zwecken dienen: DemSchutz des Menschen gegen die Natur und die Regelung der Beziehungen der Menschen untereinander“ Zitiertvon Valie Export, 1992, Seite 6. 13
  14. 14. eine Prozession zur Schauplatz des Kampfes, eine Schlange kriecht, ein Kind findeteine Christstatuette. Farmer ist an der Grenze zwischen Kultur und Natur, Tier undMensch. Ihr Körper wirkt wie aufgelöst wenn sie vor dem Todesschlag mit weißenAugen in Wahn gerät. Die Inszenierung des Todes ist auch ein Leitmotiv in den Clips von Boutonnat.Ob sie stirbt, selber tötet oder er selber wird, begegnet die Heldin immer am Endedem Tod. Dieses dient der Mystifizierung der Sängerin. Sie ist in ihrem Körper, inihrer Rolle sterblich, kehrt aber immer zurück. Der letzte Film den wir hieruntersuchen A Quoi Je Sers? schließt die erste Clipreihe. In den Song, nach derVeröffentlichung des zweiten Album geschrieben, singt Farmer einen depressivenText über den Selbstmord. Der entsprechende Schwarzweiß-Clip inszeniert Farmermit einem Reisegepäck im Sumpf, geführt durch den Nebel zwischen Leben und Todvon einem Gondoliere23. Die früheren Darsteller aller Clips treffen sie, begleiten sieim Moor und senken sich mit ihr ins Wasser, in den Tod. Nicht nur Farmer, sondernauch ihre Welt, ihre Feinde, Freunde und Liebhaber verschwinden mit ihr. Es heißtnicht unbedingt, dass die Sängerin damit auch richtig vergeht, im Gegenteil: Esgehört zu der allgemeinen Inszenierung, wie man bei Valie Export lesen kann, das “„Geschlecht das nicht eins ist“ (Luce Irigaray) entzieht sich jeder Definition,Klassifikation, Identifikation.[…] Die weiblichen Inszenierungen der eigenenKörperlichkeit sind Inszenierungen der Auflösung, der Opaktheit, derUnbestimmtheit, der Ambivalenz, der bloßen Virtualität“24. Mit A Quoi Je Sers?endet ein Zeitalter Farmers und Boutonnats Arbeit. D. Die Wahrnehmung Mylène Farmer wird aber nicht nur der Gesellschaft ihrer Filmegegenübergestellt. Über Leinwand oder Fernsehen wird sie einem Publikumvorgestellt. Die Faszination der Zuhörer/Zuschauer für die Sängerin wird durch dievisuellen Erzählungen der Clips unterstützt. Laura Mulvey untersuchte dieStrukturen der Wahrnehmung und der Lust am Schauen im Kino25. Dabei berichtetsie über die Beobachtung, die voyeuristische Fantasien des Zuschauers und ihre23 Siehe Abbildung 14.24 Valie Export, Seite 34.25 Laura Mulvey, 1989. 14
  15. 15. Projektion auf die Darsteller26. Die Zuschauer blicken in Farmers private Welthinein und nehmen sie durch das Schauen als Objekt wahr. Anderseits betont sieden Identifikationsprozess mit dem Bild, durch die Spiegelung der dargestelltenSchauspielerin als ideales Ich auf das Publikum27. Diese zwei Komponenten,Sexualtriebe und Ich-Libido, artikulieren das Begehren, das das Instinktive und dasImaginäre transzendiert. Nach Mulvey kristallisiert die Frau als Bild das Paradox derBedrohung und des Angenehmes.Schlusswort: Die Arbeiten von Mylène Farmer und Laurent Boutonnat bieten viel Materialfür eine Genderanalyse. Fünf Jahren lang lieferten die zwei Künstler Musikfilme,bei den Mylène Farmer ins Zentrum des Werkes gestellt wurde, als Heldin einerMärchenwelt voller Symbole, die unsere eigene Welt spiegelt. Die Clips stellen eineFrau dar, die sich durch ihre Erfahrungen mit den Anderen und die Blicke derGesellschaft verwandelt. Ob es durch die Zeit oder durch Verfremdung des eigenenKörpers kommt, stellt das Bild Farmers seinen Zuschauern eine Identitätsfrage. Sowie die Welt in der sie sich entwickelt undefiniert, unbegrenzt und irreal ist, bleibtsie immer zwischen zwei Ebenen wie Leben und Tod, männlich/weiblich,Täter/Opfer. Sogar die Mediumträger, die uns ihr Bild vermitteln, sind zweiseitig:Popsongs mit tief greifenden Texten und Clips, die eher Filme größereProduktionen ähneln. Nach ihrem dritten Album, entschied sich Boutonnat keine Clips mehr fürFarmer zu drehen. Regisseure wie Luc Besson oder Abel Ferrara drehten für sieMusikvideos und übernahmen manche Eigenschaften der Welt von Farmer, ohnejedoch die Magie des Duos zu gleichen.26 „Ganz eindeutig ist die Position der Zuschauer im Kino die, daß sie ihren eigenen Exhibitionismusunterdrücken und die unterdrückten Wünsche auf den Schauspieler projizieren“ Laura Mulvey, 1989.27 « das Kino verfügt über Faszinationsmuster, die stark genug sind, einen vorübergehenden Verlust des Ego mitdessen gleichzeitiger Verstärkung zu koppeln.“ Laura Mulvey, 1989, Seite 35. 15
  16. 16. Anhang: Bibliographie:Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter, in Philosophische Geschlechtertheorien, hrsg. V.Sabine Doyé, Marion Heinz, Friederike Kuster, Stuttgart, Reclam, 2002.Valie Export, Der Körper, das Reale und das Double, Vortrag im Kunstmuseum Bern, 13. Dezember1987, Bern, Benteli Verlag, 1992.Laura Mulvey, Visuelle Lust und narratives Kino, in Laura Mulvey: Visual and Other Pleasure,Bloomington, Indiana University Press, 1989.Caroline Bee, Mylène Farmer: l’ange blessé, Paris, Librio musique, 2003.Interview von Sophie Tellier: in Platine N.39, März 1997, Seite 19-20.Interview von Jérôme Dahan: in Platine, N.11 - 4 Februar 1994.http://jodel.saint-marc.club.frhttp://www.mylene-farmer.deLewis C. Seifert, Fairy Tales, sexuality and gender in France, 1690-1715 : Nostalgique utopiase,Cambridge, Cambridge University press, 1996 (« Cambridge studies in French », 55), 276 p. parJean-François Perrin Musikographie:Mylène Farmer, Cendres De Lune, (Mylène Farmer/ Laurent Boutonnat/ Jérôme Dahan/ J.C.Déqueant), Polydor, 1986.Mylène Farmer, Ainsi Soit Je…, (Mylène Farmer/Laurent Boutonnat), Polydor, 1988. 16
  17. 17. Filmographie:Plus Grandir; Fr. 1985, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat und Mylène Farmer, S: ChristineSimonot, T: Laurent Boutonnat, D: Mylène Farmer, Véronique Khodja, Rambo Kowalski, Tynou, P:Stephan Sperry, Polygram, Polydor, Tact Production.Libertine; Fr. 1986, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat und Mylène Farmer, S: AgnèsMouchel, T: Laurent Boutonnat, J.C. Déqueant, D: Mylène Farmer (Libertine), Sophie Tellier, GérardNublat, Rambo Kowalski, Tynou, P: Movie Box, Polygram, Polydor.Tristana; Fr. 1987, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat, S: Agnès Mouchel, T: LaurentBoutonnat, D: Mylène Farmer (Tristana), Sophie Tellier (La Tsarine), Vladimir Ivtchenko (Rasoukine),Sacha Prijovic (Le Moine) P: Movie Box, Polygram, Polydor.Pourvu Qu’Elles Soient Douces (Libertine II); Fr. 1988, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnatund Gilles Laurent, S: Agnès Mouchel, T: Laurent Boutonnat, D: Mylène Farmer (Libertine), IanBabilee (Le Capitaine), Sophie Tellier (La Rivale), Sandy Whitelaw (Swift), David Sadler Hall (LePetit Tambour), Chris Ellis (William), P: Toutankhamon, Casa Film.Sans Contrefaçon; Fr. 1987, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat und Mylène Farmer,S:Agnès Mouchel, T: Laurent Boutonnat, D: Frédéric Lagache (Le Marionnettiste), Mylène Farmer,Zouc P: Toutankhamon, Major, Polygram, Polydor.Ainsi Soit Je; Fr. 1988, R: Laurent Boutonnat, D: Mylène Farmer.Sans Logique; Fr. 1989, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat und Gilles Laurent, D: MylèneFarmer P: Toutankhamon, Polygram, Polydor.A Quoi Je Sers?; Fr. 1990, R: Laurent Boutonnat, D: Mylène Farmer P: Toutankhamon, Polygram,Polydor. 17
  18. 18. Texte:Maman a tort Drei – Die Krankenschwester weint Vier – Ich liebe sie (ihn?) Fünf – Es ist mein RechtUn Maman a tort Sechs – Alles zu berührenDeux C’est beau l’amour Sieben – Dort halte ich nicht inneTrois L’infirmière pleure Acht – Ich amüsiere mich/mache mich lustigQuatre Je l’aimeCinq Il est d’mon droit Eins – Obwohl Mama (vielleicht) sagen würdeSix De tout toucher Zwei – Sie wird mich verlieren/vergessenSept J’m’arrête pas là Drei – Die/mit feuchten AugenHuit J’m’amuse Vier – Mir ist schlecht/tut es weh Fünf – Ich sage was ich willUn Quoiqu’ maman dise Sechs – Ich bin unglücklichDeux Elle m’oubliera Sieben – Ich denke (,) nicht (allzu) oftTrois Les yeux mouillés Acht – Und Sie/Ihr?Quatre J’ai malCinq Je dis c’ que j’ veuxSix J’ suis malheureuse Ich mag/liebe das, was man mir verbietetSept J’ pense pas souvent Die unhöflichen Vergnügen/Freuden/SpäßeHuit Et vous? Ich liebe es, wenn sie mich anlächelt Ich liebe die Krankenschwester, MamaJ’aime ce qu’on m’interditLes plaisirs impolis Eins – Ich bin sehr heiter/glücklich/fröhlichJ’aime quand elle me sourit Zwei – Und ich tat gut daranJ’aime l’infirmière maman Drei – Mit Ihnen/Euch darüber zu sprechen Vier – Ich amüsiere mich/mache mich lustigUn J’suis très sereine Fünf – Obwohl Mama (vielleicht) sagen würdeDeux Et j’ai bien fait Sechs – Sie war schönTrois D’vous en parler Sieben – Diese KrankenschwesterQuatre J’m’amuse Acht – Ich liebe sie (ihn?)Cinq Quoiqu’ maman diseSix Elle était belleSept Cette infirmière Eins – Die Krankenschwester singtHuit Je l’aime Zwei – Das löst etwas in mir aus/macht mich an Drei – Wie die LercheUn L’infirmière chante Vier – Ich habe Angst/fürchte michDeux Ça m’fait des choses Fünf – Das Leben ist hartTrois Comme l’alouette Sechs – Für ein LächelnQuatre J’ai peur Sieben – (Dafür/darüber) Weine ich die NachtCinq C’est dur la vie Acht – Und Sie/Ihr?Six Pour un sourireSept J’en pleure la nuit Ich mag/liebe das, was man mir verbietetHuit Et vous? Die unhöflichen Vergnügen/Freuden/Späße Ich liebe es, wenn sie mich anlächeltJ’aime ce qu’on m’interdit Ich liebe die Krankenschwester, MamaLes plaisir impolisJ’aime quand elle me souritJ’aime infirmière maman Eins – Mama hat Unrecht/liegt falsch Zwei – Die Liebe ist schönUn Maman a tort Drei – Die Krankenschwester weintDeux C’est beau l’amour Vier – Ich liebe sieTrois L’infirmière pleure Fünf – Mama hat Unrecht/liegt falschQuatre Je l’aime Sechs – Die Liebe ist schönCinq Maman a tort Sieben – Im Hospital/KrankenhausSix C’est beau l’amour Acht – Mir ist schlecht/tut es weh.Sept À l’hôpital Übersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, FebruarHuit J’ai mal. 1993 Lyrische Übersetzung:Mama hat Unrecht Maman a tortEins – Mama liegt falsch/hat UnrechtZwei – Die Liebe ist schön 18
  19. 19. Eins – Mama liegt falschZwei – Liebe ist schön Jeux de mains, jeux de fousDrei – die Schwester weint C’est pas pour nousVier – lieb sie Suspendue au lit comme une poupéeFünf – es ist mein Recht: Qu’on a désarticuléeSechs – alles berührnSiebn – da stopp ich nicht Petit rien, petit boutAcht – macht Spaß De rien du tout Reviens dans mes images j’ me suis perdue Après... je n’sais plus!Eins – Wenn Ma auch meintZwei – mich zu verliern Plus grandir, j’ veux plus grandirDrei – die Augen feucht Plus grandir pour pas mourir, pas souffrirVier – tut’s weh Plus grandir, j’ veux plus grandirFünf – ich sag ich will Pour les pleurs d’une petite fille...Sechs – bin unglücklichSiebn – Ich denk nicht oftAcht – und Sie? Plus grandir (Nicht) älter/erwachsen werdenIch lieb, was man nicht machtDen unartigen Spaß Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/Ich lieb es, wenn sie lacht Knirps/ kleine Zwinge/ kleine SpitzeIch lieb die Schwester, Ma Von gar nichts/ Macht gar nichts Hat mich ganz drunter und drüber/durcheinander gebracht/Eins – ich bin sehr froh das Unterste zuoberst gekehrt/ meine Kleidung ganzZwei – das tat mir gut sinnlich/Sinn/Gefühl Über- Unterwäsche/OberteilDrei – es auszusprechen Unterteil (Kehrseite)Vier – macht Spaß Nahm seine Beine unter den Arm/Ist Hals über KopfFünf – wenn Ma auch meint geflohen (überfallen)Sechs – sie war so schönSiebn – die KranknschwesterAcht – lieb ich Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/ Knirps/ kleine Zwinge/ kleine SpitzeEins – die Schwester singt Das Leben macht sich darüber lustig/ dem Leben ist esZwei – das macht mich an egalDrei – so lerchengleich In meine(n) ganz aufgeweichten Papier-TüchernVier – hab Angst Meine Küsse sind besudelt/beschmutztFünf – hart ist’s, das LebenSechs – für’n Lächeln nurSiebn – wein ich die NachtAcht – und Sie? (Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden /Ich lieb, was man nicht macht (Ich will darüber hinwegkommen)Den unartigen Spaß (Nicht) älter werden, um nicht zu sterben, nicht zuIch lieb es, wenn sie lacht leidenIch lieb die Schwester, Ma (Nicht) größer werden, ich will (nicht) erwachsen werden Für die Tränen eines kleinen Mädchens/ Um der Tränen eines kleinenEins – Mama liegt falsch Mädchens willenZwei – Liebe ist schönDrei – die Schwester weintVier – lieb sie (Kinder-) Spiele der Hände, Launen derFünf – Mama liegt falsch Unvernünftigen/Narren/Sechs – Liebe ist schön Spiele der Läufer (Schachfigur)Siebn – im Hospital Es ist nicht für unsAcht – tut’s weh Außer Kraft gesetzt/aufgehängt im Bett wie eine Puppe Die man zergliedert/verrenkt/im Gelenk amputiert hatÜbersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/ Knirps/ kleineNovember 1994 Zwinge/ kleine SpitzePlus grandir Von gar nichts/ Macht gar nichts Kommt/Kehrt/Erhole mich wieder in meinen Vorstellungen,Petit rien, petit bout ich bin mir verloren gegangenDe rien du tout Danach... ich weiß nicht mehr!/ Bereit·/ abgesehen von·M’a mise tout sens dessus dessous ich weiß nicht mehr!/ Ich bin nicht mehr daheim·/nichtA pris ses jambes à son cou mehr heimischPetit rien, petit boutLa vie s’en fout (Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden /Dans mes draps de papier tout délavés (Ich will darüber hinwegkommen)Mes baisers sont souillés (Nicht) älter werden, um nicht zu sterben, nicht zu leidenPlus grandir, j’ veux plus grandirPlus grandir pour pas mourir, pas souffrir (Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden /Plus grandir, j’ veux plus grandir (Ich will darüber hinwegkommen)Pour les pleurs d’une petite fille 19
  20. 20. Für die Tränen eines kleinen Mädchens/Um der Tränen eines kleinen Mädchens willen... Libertine Cendre de lune, petite bulle d’écumeÜbersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, März Poussée par le vent je brûle et je m’enrhume1993 Entre mes dunes reposent mes infortunes C’est nue que j’apprends la vertuTextorientierte Übersetzung: Je, je suis libertine*Plus grandir Je suis une catin(Nicht) älter/erwachsen werden Je, je suis si fragile Qu’on me tienne la mainKleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/Knirps/ kleine Zwinge/ kleine Spitze Fendre la lune, baisers d’épine et de plumeVon gar nichts/ Macht gar nichts Bercée par un petit vent je déambuleHat mich ganz drunter und drüber/durcheinander La vie est triste comme un verre de grenadinegebracht/ Aimer c’est pleurer quand on s’inclinedas Unterste zuoberst gekehrt/ meine Kleidung ganzsinnlich/Sinn/Gefühl Über- Unterwäsche/Oberteil Je, je suis libertineUnterteil (Kehrseite) Je suis une catinNahm seine Beine unter den Arm/Ist Hals über Kopf Je, je suis si fragilegeflohen (überfallen) Qu’on me tienne la main Quand sur ton corps je m’endorsKleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/ Knirps/ kleine Je m’évapore, bébé tu dors et moi j’attends l’auroreZwinge/ Quand sur mes lèvres tu t’enlèves, un goût amerkleine Spitze Me rappelle que je suis au cielDas Leben macht sich darüber lustig/ dem Leben ist esegal Cendre de lune, petite bulle d’écumeIn meine(n) ganz aufgeweichten Papier-Tüchern Perdue dans le vent je brûle et je m’enrhumeMeine Küsse sind besudelt/beschmutzt Mon corps a peur, la peau mouillée, j’ai plus d’âme Papa, ils ont violé mon cœur. Je, je suis libertine(Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden / Je suis une catin(Ich will darüber hinwegkommen) Je, je suis si fragile(Nicht) älter werden, um nicht zu sterben, nicht zu Qu’on me tienne la mainleiden(Nicht) größer werden, ich will (nicht) erwachsen werdenFür die Tränen eines kleinen Mädchens/ Um der Träneneines kleinen Textorientierte Übersetzung:Mädchens willen Libertine(Kinder-) Spiele der Hände, Launen derUnvernünftigen/Narren/ Asche des Mondes, kleine Blase der Gischt/desSpiele der Läufer (Schachfigur) Geifers/AbschaumesEs ist nicht für uns Getrieben vom Wind glühe/brenne ich, und ich erkälteAußer Kraft gesetzt/aufgehängt im Bett wie eine Puppe michDie man zergliedert/verrenkt/im Gelenk amputiert hat Zwischen meinen Dünen ruhen (liegen begraben) meine Schicksalsschläge/Leiden/Mißgeschicke Es ist nackt, wie/daß ich die Tugend/Stärke/Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/ Knirps/ kleine Sittsamkeit/Keuschheit lerne/lehreZwinge/kleine SpitzeVon gar nichts/ Macht gar nichts Ich, ich bin Libertine*Kommt/Kehrt/Erhole mich wieder in meinen Ich bin eine Hure/NutteVorstellungen, Ich, ich bin so zerbrechlich/zart/vergänglichich bin mir verloren gegangen Daß man mir die Hand reicht/hältDanach... ich weiß nicht mehr!/ Bereit·/ abgesehen von·ich weiß nicht mehr!/ Ich bin nicht mehr daheim·/nicht Den Mond aufschlitzen/-spalten, Küsse von Stacheln undmehr heimisch von Federn Gewiegt/getröstet durch einen kleinen Wind ziehe ich(Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden / umher(Ich will darüber hinwegkommen) Das Leben ist trüb wie ein Glas(Nicht) älter werden, um nicht zu sterben, nicht zu Granatapfelsaft/Grenadineleiden Lieben, das ist weinen wenn man sich beugt/verneigt/fügt(Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden /(Ich will darüber hinwegkommen) Ich, ich bin LibertineFür die Tränen eines kleinen Mädchens/ Ich bin eine Hure/NutteUm der Tränen eines kleinen Mädchens willen... Ich, ich bin so zerbrechlich/zart/vergänglich Daß man mir die Hand reicht/hält Wenn auf Deinem Körper, ich schlafe einÜbersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, März Ich dampfe ab/verdunste, Baby, Du schläfst,1993 und ich erwarte die Dämmerung 20
  21. 21. Wenn Du Dich von meinen Lippen wegreißt/ Contre ta bouche elle veut qu’on la couchemeinen Lippen entziehst, ein bitterer GeschmackErinnert mich daran, daß ich im Himmel bin Triste elle fait la grimace, Devant sa glace D’un coup du cœur enlace l’ombre qui passeAsche des Mondes (bzw.: Aschermittwoch des Mondes), Et rien jamais n’effacera les traces, lâcheskleine Blase der Gischt/des Geifers/Abschaumes Du sang qui coule des corps qui se cassentVerloren im Wind glühe ich, und ich erkälte michMein Körper hat Angst, die Haut benetzt/ Adieu Tristanaaufgeweicht, ich habe keine Seele mehr / mehr Seele Ton cœur a pris froidPapa, sie haben mein Herz entweiht/ Adieu Tristanageschändet/verletzt/vergewaltigt. Dieu baisse les bras Laissez-la partirIch, ich bin Libertine Laissez-la mourirIch bin eine Hure/Nutte Ne le dites pasIch, ich bin so zerbrechlich/zart/vergänglich Tristana, c’est moi!Daß man mir die Hand reicht/hält Triste sort Tristana Tu sais, crois-moi Trois petits tours, elle s’en vaÜbersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, März La vie comme ça1993 Les plus beaux jours s’achèvent dans la peine, HaineLyrische Übersetzung: Pourquoi faut-il payer de ses veinesLibertine Textorientierte Übersetzung:Asche des Mondes, kleine Blase von SchwärenGetrieben vom Wind brenn ich, mich erkältend TristanaZwischen meinen Dünen ruhn meine SchicksalsschlägeNackt, wie ich die Tugend lerne Traurig/betrübt ist sie bereit zu allem Für nichts, für allesIch, ich bin Libertine* In der Runde der Verrückten weint sie ganzIch geh auf den Strich sanft/süß/leiseZerbrechliche Vitrine Die Liebe tötete die Worte, die sie berühren,Fremde Hand, halt mich Berühren Sie will, daß man sie gegen/an Deinen MundSpalte den Mond, Küsse von Stacheln und Federn bettet/schlafen legtGewiegt von einem kleinen Wind zieh ich umherDas Leben: trüb wie Grenadine-Gläser Traurig/betrübt schneidet sie die Grimasse/zieht sie einLieben ist Sich-Beugen tränenschwer Gesicht Vor ihrem Spiegel/ihrer inneren KälteIch, ich bin Libertine Fesselt/umschlingt ein Herzschlag den Schatten, derIch geh auf den Strich vorüberziehtZerbrechliche Vitrine Und nichts wird jemals die Spuren, die kraftlosen,Fremde Hand, halt mich löschen Des Bluts, das aus den Körpern rinnt/strömt, die gebrechlich/schwach/alt werdenSchlaf auf Deinem Körper einVerdampfe ich, Baby, Du schläfst feinIch wart auf Sonnenschein Adieu TristanaEntziehst Du Dich meinen Lippen, Dein Herz hat sich erkältetSchmeckt es bitter, Adieu TristanaErinnert mich: ich bin im Himmel Gott senkt die Arme Laßt/Lassen Sie sie abreisen/gehen Laßt/Lassen Sie sie sterbenAsche des Mondes, kleine Blase von Schwären Sagt/Sagen Sie es nichtVerloren im Wind brenn ich, mich erkältend Tristana, das bin ich!Mein Körper hat Angst, die Haut gequolln, ohne SeelePapa, sie entweihten mir mein Herz Traurig/betrübt verläßt/geht Tristana Du weißt, glaub mirIch, ich bin Libertine Drei kleine Runden, (schon) geht esIch geh auf den Strich Das Leben einfach soZerbrechliche Vitrine Die schönsten Tage enden im SchmerzFremde Hand, halt mich Haß Warum ist es nötig, für sein Wesen/Glück zu büßen/zu bezahlenÜbersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu,Dezember 1994 Übersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, MärzTristana 1993Triste elle est prête à tout Lyrische Übersetzung:Pour rien, pour toutDans la ronde des fous elle pleure tout doux TristanaL’amour a tué les mots qui la touchent,Touchent 21
  22. 22. Nichts – sie ist betrübt. Da man (ja) wählen/entscheiden mußIn der Irren Runde weint sie süß· In leisen/sanften Worten kann ich es sagenLiebe tötete die Worte, die berühren, "Ohne Fälschung"/unverfälscht/eindeutigRühren, Ich bin ein JungeAn Deinem Mund sollst Du sie nachts spüren. Und für ein Königreich Ich will mich nicht entkleiden Denn "ohne Fälschung"/eindeutigTrist zieht sie die Grimasse Ich bin ein JungeVor dem GlaseAus Eis im Innern hält einen SchattenIhr Herz. Und nichts löscht je die Spuren, fahlen Lachen Ganz allein in meinem (Wand-)SchrankDes Bluts, das strömt aus Körpern der Schwachen Die Augen von Schwärze umschlossen/-geben Sicher/geschützt vor fremden Blicken Ich biete dem Zufall/Glück die Stirn (fordere... heraus)Tristana, Adieu, In dieser Welt die weder Hand noch Fuß hatDein Herz tut Dir weh. ("weder Schwanz noch Kopf")Tristana, Adieu, Handele ich nur nach meinem Kopf/WillenGotts Arm senkt sich jäh. Ein Taschen-/Kopftuch in der "Tiefe der Hose"Laßt sie endlich gehn, Ich bin Ritter von EonEndlich von Euch gehn. Da man (ja) wählen/entscheiden mußAber sagt es nicht: In leisen/sanften Worten kann ich es sagenTristana – bin ich! "Ohne Fälschung"/unverfälscht/eindeutig Ich bin ein JungeTrist geht Tristana,Du weißt: ’s ist wahr. Und für ein KönigreichDrei Runden – sie ist nicht mehr da. Ich will mich nicht entkleidenLeben wie das – Denn "ohne Fälschung"/eindeutigWenn schönste Tage bloß im Schmerz verblassen, Ich bin ein JungeHassen.Warum muß man sich zur Ader lassen? Abwechselnd/der Reihe nach jagt/treibt man mich Mit Eurer Benutzung/Umgang/Besuch Ich dulde es nicht/lasse es nicht zu, daß manÜbersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, Mai Meine Beschlüsse/Entscheidungen bedroht1993 Ich schere mich nicht um das Gerede der Leute Ich bin "Chamäleon"/schillerndSans contrefaçon Nehmt Euch in acht vor meinen Zinnsoldaten Sie sind es, die Euch töten.Puisquil faut choisirA mots doux je peux le dire Da man (ja) wählen/entscheiden mußSans contrefaçon In leisen/sanften Worten kann ich es sagen...Je suis un garçonEt pour un empireJ e ne veux me dévêtir Übersetzung: Peter Marwitz, September 1992Puisque sans contrefaçonJe suis un garçon Lyrische Übersetzung:Tout seul dans mon placard Sans contrefaçonLes yeux cernés de noirA labri des regardsJe défie le hasard Da es gilt, zu wähln,Dans ce monde qui na ni queue ni tète Kann ich’s sanft und süß erzähln:Je nen fais quà sa tète Zweifellos bin dannUn mouchoir au creux du pantalon Ich ein junger Mann.Je suis chevalier DEon Selbst fürs Königshaus Zöge ich mich niemals aus.Puisquil faut choisir Denn ganz zweifellos bin dannA mots doux je peux le dire Ich ein junger MannSans contrefaçonJe suis un garçon Allein in meinem Schrank,Et pour un empire Wo Nacht aufs Auge sank,Je ne veux me dévêtir Geschützt vor fremdem Blick,Puisque sans contrefaçon Biet ich die Stirn dem Glück.Je suis un garçon Sie hat weder Hand noch Fuß, die Welt –Ich tu, was mir gefällt.Tour à tour on me chasse Ein Taschentuch folgt mir auf Schritt und TrittDe vos fréquentations Her von Eon führt mein Ritt.Je nadmets pas quon menaceMes résolutionsJe me fous bien des quen-dira-ton Da es gilt, zu wähln,Je suis caméléon Kann ich’s sanft und süß erzähln:Prenez garde à mes soldats de plomb Zweifellos bin dannCest eux qui vous tueront Ich ein junger Mann.Puisquil faut choisir Selbst fürs KönigshausA mots doux le peux le dire... Zöge ich mich niemals aus. Denn ganz zweifellos bin dannSans contrefaçon Ich ein junger MannOhne Fälschung/unverfälscht 22
  23. 23. Euch alle muß ich fliehn, Mais pourvu quelles soient doucesWenn Ihr Besuche macht; Dun esthète tu nas garde quun "air bête"Niemand darf in Zweifel ziehn, Tout est beau si cest "Vue de dos" ! ...Was ich mir gedacht.Und was schert mich Euer Tratsch denn schon; Pourvu quelles soient doucesIch bin Chamäleon. Vorausgesetzt/wünschte, daß sie weich wärenNehmt Euch in acht vor meinem Zinnsoldat,Denn er plant ein Attentat. Nun/he Kerl/Typ! Dein versteckter/hinterhältiger/schräger BlickDa es gilt, zu wähln, Ist keineswegs nicht lüstern/geilKann ich’s sanft und süß erzähln... Deine Mutter hat Dir zu sehr den Hintern versohlt Dein Geschmack/Vorliebe für die Kehr-/Rückseite Hat rein gar nichts PerversesÜbersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, Mai Und Dein Baby/kleines Kind ist nicht böse/verstimmt1993 Dein KamasutraTextorientierte Übersetzung: Ist gut/mindestens hundert Jahre altPourvu quelles soient douces Mein Gott, wie ist es altmodisch Das NonplusultraPourvu Qu’elles soient douces In dieser Landschaft/GegendEh Mec ! Ist es, beide Seiten zu liebenTon regard obliqueEn rien nest lubrique Deine Majestät/Dein König/Deine WürdeTa maman ta trop fessé Verschiebt/versetzt Dich nie(mals)!Ton goût du revers Ohne Dein kleines Kopfkissen (?)Na rien de pervers Auf ewig/für immer bin ichEt ton bébé nest pas fâché Deine einzige/alleinige Klasse/Schicht/Kategorie Alles ist nur ein zu zahlender PreisTon KamasutraA bien cent ans d’âgeMon Dieu que cest démodé Du "machst"/sagst Ahs und OhsLe nec plus ultra Hinter Deinen Befestigungs-/VerteidigungsanlagenEn ce paysage Wenn/sobald meine kleine HoseCest daimer les deux côtés Aufrecht/stehend und auf dem Rücken Ohne den Mut zu verlierenTa majesté Entblöße/äußere Deine Besessenheit quälendenJamais ne te déplaces ! Gedanken/VorstellungenSans ton petit oreillerA jamais je suis Du versteifst Dich darauf/hast die Stirn, DichTon unique classe über alles lustig zu machenTout nest que prix à payer Aber vorausgesetzt, daß sie sanft/weich sind Von einem Poeten/Dichter "hast Du nichts als denTu fais des Ah! des Oh! Mond im Sinn" ("Du bist ein wenig verrückt")Derrière ton ouvrage Gegenüber meiner Offenheit/meinen Rundungen bist DuQuand mon petit pantalon K.O./hilflosDebout et de dos Du versteifst Dich darauf/hast die Stirn, DichSans perdre courage über alles lustig zu machenDénude tes obsessions Aber vorausgesetzt, daß sie sanft/weich sind Von einem Ästheten hast Du nur ein "tierisches/Tu tentêtes à te foutre de tout dümmliches Aussehen/Art/Erscheinung" bewahrtMais pourvu quelles soient douces Alles ist schön, wenn es "von hinten gesehen" wirdDun poète tu nas que la lune en têteDe mes rondeurs tu es K.O. !Tu tentêtes à te foutre de tout O.K.!Mais pourvu quelles soient douces Prosa oder PoesieDun esthète tu nas gardé quun "air bête"... Alles ist nur ein VorwandTout est beau si cest "Vue de dos" ! Nicht nötig, sich zu entschuldigen Muse/Kunst/Genie oder Anstifterin/Nymphe0K ! Meine kleinen HinterbackenProse ou poésie Hören nicht auf, Dich zu inspirieren/erregenTout nest que prétextePas la peine de texcuser Ich "mache"/sage Ahs und OhsMuse ou égerie Erschöpfe/ermüde mich nie (Ich ermüde/langweile nie)Mes petites fesses Durch Liebe, für die (ich) Feuer und Flamme binNe cessent de tinspirer Ist es nicht (sowieso) unumgänglich, daß Die Jugend vorbei-/vorübergeht/sich abschwächtJe fais des Ah! des Oh! Wozu also sich drängen/überhastet sein?Jamais ne me lassePar amour pour un toquéNe faut-il pas que Du versteifst Dich darauf/hast die Stirn, DichJeunesse se passe über alles lustig zu machenA quoi bon se bousculer ? Aber vorausgesetzt, daß sie sanft/weich sind (wünschte, sie wären sanft/weich)Tu tentêtes à te foutre de toutMais pourvu quelles soient doucesDun poète tu nas que la lune en tête Übersetzung: Peter Marwitz, September 1992De mes rondeurs tu es K.O. !Tu tentêtes à te foutre de tout 23
  24. 24. Lyrische Übersetzung: Je sais bien que je mens Je sais bien que 1ai froid dedansPourvu quelles soient douces Bulle de chagrin Boule dincertitudeKerl! Dein De nos destinsBlick, den Du verteilst, Naît que solitudeIst nicht wenig geil; Tu dis quil faut du tempsMutter hat Dir’n Po vertrimmt. Quaimer nest pas un 1eu denfantDein Spaß am Revers Je sais bien que tu mensIst kein Stück pervers – Mais je suis si seule à présentDein Baby ist auch nicht verstimmt Ainsi soit JeDein Kamasutra Ainsi soit TuHat gut hundert Jahr, Ainsi soit IlMein Gott, aus Omas Zeiten... Ainsi moi jeDas Nonplusultra Prie pour que TuIst hier wie da: Fuis mon exilLiebe einfach beide Seiten. Mais quel espoir Pourrais-je avoir Quand tout est noir ?Die Würde läßt Ainsi soit JeDich sicher nie im Stich! Ainsi soit TuOhne Kissen, das Du preßt, Ainsi soit ma vieBleibe immer ich Tant pis.Deine einz’ge Schicht –Und der Preis dafür steht fest Bulle de chagrin Boule dincertitudeDu stammelst Ahs und Ohs – Deux orphelinsNur aus "Arbeitswut" – Que le temps défigureWenn dann meine kleine Hos’ Je voudrais mon hiverRücklings liegt, von vorn· Mendormir loin de tes chimèresFasse doch den Mut: Tu sais bien que je mensLeg Deine Lüste bloß! Tu sais bien que jai froid dedans Ainsi soit JeDu machst alles lächerlich sogleich, Ainsi soit TuAch, wären sie doch weich... Ainsi soit ilVom Poeten blieb der Kopf Dir voll Planeten, Ainsi moi jeDoch meine Rundung macht Dich stumm! Prie pour que TuDu machst alles lächerlich sogleich Fuis mon exilAch, wären sie doch weich... Niais quel espoirVom Ästheten ging nur’s Tiergesicht nicht flöten Pourrais-je avoirAlles ist schön, dreht man es um! Quand tout est noir ? Ainsi soit JeO.K.! Ainsi soit TuProsa, Poesie· Ainsi soit ma vieAlles Vorwand und Tant pis...Für Entschuldigung kein Grund.Muse, Nymphe – nie Ainsi soit je...*werden meine Hügel So soll ich sein*Aufhörn, Dich stets neu zu beflügeln Blase des Kummers/Leids/GramsIch stammle Ahs und Ohs, Kugel/Ball derNiemals werd ich müde; Ungewißheit/Unbeständigkeit/UnsicherheitLiebend brenn ich lichterloh So viele der Morgen (So sehr Morgen)Die Jugend, Lieber – Daß nichts verheimlicht/verborgen/verschleiert istSie geht vorüber... Ich will/möchte meinen WinterWozu also hetzt Du so? Mich beruhigen/einschlafen fern von Deinen Träumen /Grillen/Hirngespinsten/Trugbildern/SchimärenDu machst alles lächerlich sogleich, Ich weiß (sehr) wohl, daß ich lügeAch, wären sie doch weich... Ich weiß (sehr) wohl, daß ich innerlich/im Innern friere Blase des Kummers/Leids/GramsÜbersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, Mai Kugel/Ball der1993 Ungewißheit/Unbeständigkeit/Unsicherheit (Von) unseren Schicksalen/Geschicken/Bestimmungen Entspringt nur/nichts als EinsamkeitTextorientierte Übersetzung: Du sagst, daß es/er Zeit braucht, Daß Lieben kein Kinderspiel istAinsi soit je...* Ich weiß (sehr) wohl, daß Du lügst Doch ich bin allein/einsam zur Zeit/gegenwärtigBulle de chagrinBoule dincertitude So soll Ich sein*Tant de matins So sollst Du seinQue rien ne dissimule So soll (möge) Er/Es sein / AmenJe veux mon hiver So ich – ichMendormir loin de tes chimères 24
  25. 25. Bitte/bete darum, daß Du Der Deinen Schemen mich entreißt.Fliehst/Dich abkehrst (aus) meiner Verbannung/Exil Du weiß wohl, daß ich lüg –Aber/doch welche Hoffnung Du weißt, wie mich der Frost durchglüht.Könnte ich noch haben / könnte mir bleibenDa/wenn alles schwarz ist? So seie IchSo soll Ich sein So seiest DuSo sollst (mögest) Du sein So seie Es.So soll (möge) mein Leben sein So bitt ich Dich,Desto schlimmer/macht nichts. Verlasse Du Verbannt mich jetzt.Blase des Kummers/Leids/Grams Doch was bleibt mir,Kugel/Ball der Wenn ich mich hierUngewißheit/Unbeständigkeit/Unsicherheit In Nacht verlier?Zwei Waisen So seie IchDie die Zeit entstellt/verändert/verzerrt So seiest Du,Ich würde meinen Winter wollen So sei gelebt –Mich beruhigen/einschlafen fern von Deinen Träumen Wenn’s geht... /Grillen/Hirngespinsten/Trugbildern/SchimärenDu weißt (sehr) wohl, daß ich lügeDu weißt (sehr) wohl, daß ich innerlich friere Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, März 1993So soll (möge) Ich seinSo sollst (mögest) Du sein Sans logiqueSo soll (möge) Er/Es sein / AmenSo ich – ichBitte/bete darum, daß Du Si Dieu nous fait à son imageFliehst/abkehrst (aus) meiner Verbannung/Exil Si c’était sa volontéAber/doch welche Hoffnung Il aurait dû prendre ombrageKönnte ich noch haben / könnte mir bleiben Du malin mal habitéDa/wenn alles schwarz ist? Qui simmisce et se partageSo soll (möge) Ich sein Linnocence immaculéeSo sollst (mögest) Du sein De mon âme denfant sageSo soll (möge) mein Leben sein Je voudrais comprendreDesto schlimmer/macht nichts... De ce paradoxe Je ne suis compliceLyrische Übersetzung: Souffrez quune autre En moi se glisseAinsi soit je... Car sans logique Je me quitteBlase des Grams Aussi bien sataniqueDer Unstetigkeit – Qu’angéliqueDer Morgen kam,Und nichts blieb mehr geheim. Si chaque fois quen bavardagesIch will den Schlaf in Eis, Nous nous laissons dériverDer Deinen Schemen mich entreißt. Je crois bien que d’héritageIch weiß wohl, daß ich lüg – Mon silence est meurtrierIch weiß, wie mich der Frost durchglüht. Vous me découvrez blafarde Fixée à vos yeux si tendres Je pourrais bien par mégardeBlase des Grams Dun ciseau les fendreDer Unstetigkeit –Die Zukunft kamUnd läßt nur Einsamkeit. Textorientierte Übersetzung:Du sagst, es braucht noch vielGeduld, und Lieben ist kein Spiel. Sans logiqueIch weiß wohl, daß Du lügst – Ohne Logik/VernunftDoch ich bin jetzt allein wie nie. Falls Gott uns nach seinem Bild schufSo seie Ich* Falls es sein Wille warSo seiest Du Müßte er Verdacht schöpfen/es übelnehmenSo seie Es. (Gegenüber) dem schlecht gekleideten Teufel/SchurkenSo bitt ich Dich, Der sich einmischt und sich verteilt/geteiltVerlasse Du Die unbefleckte/reine UnschuldVerbannt mich jetzt. Meiner Seele eines artigen/folgsamen KindesDoch was bleibt mir, Möchte ich gerne verstehenWenn ich mich hierIn Nacht verlier? An diesem Paradox(on)So seie Ich Bin ich nicht mitschuldigSo seiest Du, Gestatten Sie/Gestattet, daß eine andereSo sei gelebt – Sich in mich hineinschleicht/-gleitetWenn’s geht. Denn ohne Logik/Vernunft Ich trenne mich/Nehme AbschiedBlase des Grams, Genauso satanisch/teuflischDer Unstetigkeit – Wie engelsgleich/himmlischVerwaistes Paar,Entstellt vom Lauf der Zeit.Ich will den Schlaf in Eis, 25
  26. 26. Falls jedes Mal wenn man plaudert Nicht mehr zu wissen, wozu ich diene/was meines LebensWir uns (willenlos) treiben/mitreißen lassen Sinn istIch glaube sehr wohl dem Zweifellos zu absolut nichtsErbe/Vererbung/Hinterlassenschaft Gegenwärtig/jetzt kann ich verstummen/schweigenMeine Stille/Schweigen ist tödlich/todbringend Wenn alles zu Abscheu/Abneigung/Überdruß/Ekel wird...Ihr entdeckt/entblößt mich fahl/bleichFixiert auf Eure/Ihre so zärtlichen Augen Glühendes Elend, das Fieber/Unruhe hat michIch könnte sie gleichwohl – aus Versehen – überwältigtMit einem Meißel/Dolch aushacken/-stechen Ich lache ohne Lachen, ich lebe, ich tue egal was/irgendetwasÜbersetzung: Peter Marwitz, September 1992 Und ich irre umher Ich habe Angst vor der LeereA quoi je sers Ich blättere (Buch-)Seiten um Aber... leere/inhaltslose Seiten/Blätter. Übersetzung: Peter MarwitzPoussière vivante, je cherche en vain ma voie lactéeDans ma tourmente, je n’ai trouvé qu’un mausoléeEt je divagueJ’ai peur du vide Lyrische Übersetzung:Je tourne des pagesMais... des pages vides A quoi je sers...Poussière errante, je n’ai pas su me diriger Lebendes Elend, wo mag die Milchstraße sein?Chaque heure demande pour qui, pour quoi, se redresser In meinem Kummer fand ich nur nen Totenschrein.Et je divague Irrend durch Weiten,J’ai peur du vide Fürcht ich die Leere.Pourquoi ces larmes Ich wende die Seiten –Dis... à quoi bon vivre... Doch... Seiten der Leere.Mais mon Dieu de quoi j’ai l’airJe sers à rien de tout Irrendes Elend, ich wußt nicht: wie sollt ich gehn.Et qui peut dire dans cet enfer Und jede Stunde fragt, wozu neu aufzustehen.Ce qu’on attend de nous, j’avoue Irrend voll SehnenNe plus savoir à quoi je sers Fürcht ich die LeereSans doute à rien de tout Wozu die Tränen –A présent je peux me taire Sag... wozu gut leben...Si tout devient dégoût... Doch, mein Gott, warum scheint mirPoussière brûlante, la fièvre a eu raison de moi Ich nütze rein zu nichts?Je ris sans rire, je vis, je fais n’importe quoi Wer sagt in dieser Hölle hier,Et je divague Was man von uns verlangt – ich nicht!J’ai peur du vide Ich weiß nicht mehr, wozu ich nütz –Je tourne des pages Ganz zweifellos zu nichts.Mais... des pages vides. Schweigen kann ich jetzt, wenn hier Aus allem Ekel spricht...Textorientierte Übersetzung: Glühendes Elend, Fieber ergriff Besitz von mir.A quoi je sers Ohne zu lachen lach ich, mach ich gleichwas hier.Zu was bin ich nutze/diene ich Irrend durch Weiten Fürcht ich die Leere.Lebendes Elend, ich suche vergeblich meine Milchstraße Ich wende die Seiten –In meinem Kummer/Pein, ich habe nichts als ein Doch... Seiten der Leere.Mausoleum gefundenUnd ich irre umherIch habe Angst vor der Leere Übersetzung (lyrische Version): Michael KuyumcuIch blättere (Buch-)Seiten umAber... leere/inhaltslose Seiten/Blätter Alle Texte sind von Mylène Farmer, außer Maman a tortStreunendes Elend/Staub, ich wußte mich nicht zu führen (Jérôme Dahan) und Libertine (Laurent Boutonnat).Jede Stunde fragt, für wen, für was, sich wiederaufrichtenUnd ich irre umher Quelle: http://www.mylene-farmer.deIch habe Angst vor der LeereWarum diese TränenSag... wozu/woran gut leben...Aber, mein Gott, warum sehe ich so aus/scheine ichZu absolut nichts nutze zu seinUnd wer kann – in dieser Hölle – sagenWas man von uns erwartet, ich gebe zu 26
  27. 27. Abbildung: 1. Aus dem Story-Board Maman a Tort, 1984. 2. 3. Plus Grandir, 1985. 27
  28. 28. 4.5.Libertine, 1986.6.7.Tristana, 1987 28
  29. 29. 8.Sans Contrefaçon, 19889.Ainsi soit Je, 1988.10. 29
  30. 30. 11.Pourvu Qu’elles Soient Douces, 1988.12.13.Sans Logique, 1989. 30
  31. 31. 14.A Quoi Je Sers ?, 1990. 31

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