Aus der Zukunft lernen                           Andreas Reiter                                                           ...
2    Gäste sind süchtig nach tiefgreifenden Erlebnissen, wir haben es mit Emotions-Junkies zu    tun. Tourismus-Anbieter s...
3    Für den Berg der Zukunft heißt das: die inszenierte Gefahr wird zum Pflichtprogramm der    Tourismus-Dramaturgen, zu ...
Nächste SlideShare
Wird geladen in …5
×

Mag. Andreas Reiter: “Von der Zukunft lernen”

2.097 Aufrufe

Veröffentlicht am

Vortrag zum „Tag der Tourismuswirtschaft“ am 22.03.2011 in St. Johann im Pongau: Mag. Andreas Reiter, Zukunftsforscher, ZTB – Zukunftsbüro “Von der Zukunft lernen”

Weitere Informationen zum Tag der Tourismuswirtschaft 2011 finden Sie im Tourismusblog der Wirtschaftskammer Salzburg: http://www.tourismussalzburg.at/

Veröffentlicht in: Karriere
0 Kommentare
0 Gefällt mir
Statistik
Notizen
  • Als Erste(r) kommentieren

  • Gehören Sie zu den Ersten, denen das gefällt!

Keine Downloads
Aufrufe
Aufrufe insgesamt
2.097
Auf SlideShare
0
Aus Einbettungen
0
Anzahl an Einbettungen
17
Aktionen
Geteilt
0
Downloads
16
Kommentare
0
Gefällt mir
0
Einbettungen 0
Keine Einbettungen

Keine Notizen für die Folie

Mag. Andreas Reiter: “Von der Zukunft lernen”

  1. 1. Aus der Zukunft lernen Andreas Reiter www.ztb-zukunft.comDer Wettbewerbs- und Innovationsdruck im Tourismus nimmt zu. Destinationen undtouristische Unternehmen müssen sich stets erneuern, Trends vorwegnehmen undüberraschende Produkte entwickeln, die die (ungestillten) Sehnsüchte der Kunden treffen.Die Entwicklung touristischer Produkte erfolgt vor dem Hintergrund folgender touristischerTreiber:• Internationalisierung Die Quellmärkte werden auch für alpine Destinationen immer diversifizierter und internationaler. Touristen aus zukunftsträchtigen Quellmärkten wie z.B. Indien, China, aus dem arabischen Raum usf. haben ein anderes kulturelles Werteset mit anderen Freizeit-Präferenzen. Für sie müssen die Berge erst – ihren Werten gemäß - attraktiviert und neu bespielt werden. Interkulturelles Management wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor – bei der Produktgestaltung wie in Human Resources.• Konzentration der Marken Der Wettbewerb der Destinationen entwickelt sich zunehmend zum Wettbewerb der Marken. Klare Profilierung/Differenzierung und stringentes Marken-Management sind für den Erfolg einer Destination unerlässlich. Ganzheitliche Standort-Marken (Vernetzung Tourismus, Wirtschaft etc.) sowie überregionale Dachmarken (z.B. The Alps) sind auf wettbewerbsintensiven Märkten dringend erforderlich.• Digitale Netzwerke In einer digitalen Netzwerkgesellschaft verschiebt sich die Informations- und Gestaltungshoheit zu den Kunden, die Konsumenten sind treibender Teil des Wertschöpfungsnetzes. Lead User gestalten ihren Urlaub zunehmend selbst und akzeptieren immer weniger vorgefertigte Packages. Peer-Marketing in den Communities ist für die Touristiker ebenso entscheidend wie mobile geobasierte Dienste.• Klimawandel & Eco Friendliness Der Tourismus wird – nicht zuletzt wegen Klimaschutz, Ressourcenknappheit und Wertewandel - grüner. Eine ganzheitliche Produkt-Entwicklung rund um die Kern- Themen Natur, Regionale Netzwerke und E-Mobilität sorgt für regionale Differenzierung. Nachhaltiger Tourismus minimiert die Energie-Kosten für touristische Unternehmen ebenso wie er die Genuss- und Moral-Bilanz für die Gäste erhöht.Die Aufmerksamkeits-Ökonomie verstärkt auch im Tourismus die Entwicklung zu Lifestyle-Marken. Eine Champions-League der Alpen-Destinationen teilt sich den Markt der Premium-Kunden auf. Kunden sind loyal gegenüber Themen, aber nicht mehr gegenüberDestinationen. Die strategische Besetzung mit einem Lifestyle-Thema ist daher für denErfolg einer Destination entscheidend. Eine klare Segmentierung in Hot Spots und „HiddenPlaces“ abseits des Mainstreams, in Ballermänner und Natur-Parks zerteilt in Zukunft dietouristische Landschaft. Hier die Masse der Touristen, dort hochwertige Nischenprodukterund um die Kern-Themen Genuss, Empowerment und Inspiration.
  2. 2. 2 Gäste sind süchtig nach tiefgreifenden Erlebnissen, wir haben es mit Emotions-Junkies zu tun. Tourismus-Anbieter sind Glücks-Dealer – und sie müssen die Dosis ihrer Klientel ständig erhöhen. Denn das Glück wird künftig nur noch im Extremen gesucht - dort, wo es ganz laut ist und dort, wo es ganz still ist. Das Bedürfnis nach Kicks nimmt ebenso zu wie seine Negation: die (sinnliche) Inszenierung der Lange-Weile (nicht zu verwechseln mit Langeweile, der Todsünde im Tourismus). Konsumenten sind „Trüffelschweine der Exzellenz“ (Umberto Eco), sie haben hohe Ansprüche und wollen oftmals auch widersprüchliche Attribute verbinden - ihr Leitmotiv ist nicht Entweder-Oder, sondern Sowohl als Auch. Erfolgreiche Tourismus-Angebote sind stille Problemlöser, sie orientieren sich an den Werten der Kunden und nehmen deren latente Sehnsüchte vorweg: Easy Living Wir haben es immer mehr mit Reise erfahrenen und zeitknappen Gästen zu tun. Konsumenten sind Zeit-Rebellen – sie messen die Qualität ihrer Freizeit-Erlebnisse immer stärker an ihrer investierten Zeit. Je weniger freie Zeit wir haben, desto mehr packen wir in sie hinein (maximum emotion in minimum time). Touristiker werden sich künftig noch stärker über individuelle Service-Leistungen positionieren und dabei die Aufenthalts-Exzellenz der Gäste optimieren. Die Tourismuslandschaft der Zukunft wird zur Convenience-Zone, alles muss alles möglichst einfach sein, bequem: die Palette reicht hier von beheizten Skiliften und Rolltreppen zu den Gondeln über Pisten-Kavaliere, von Fast Lines für Premium-Gäste bei der Seilbahnstation bis zur Drive-In-Toilette an der Skipiste. Community Märkte sind Gespräche. Die Gesellschaft wird immer stärker atomisiert, 75 Prozent der Städter in Europa leben heute in 1-2-Personen-Haushalten. Damit wächst der Gemeinschafts-Markt exponentiell. Events und Kultur-Festivals, Sport-Events etc. werden auch deswegen so stark nachgefragt, weil sie gemeinschaftliche Rituale anbieten… Produkte/Dienstleistungen, die Gemeinschaft stiften, treffen auf verstärkte Nachfrage. Eine neue Generation von modernen Performern sucht vermehrt den Kontakt mit Einheimischen sowie ein „Live-like-a-Local“-Gefühl. Sie wollen „Einheimische auf Zeit“ sein und eintauchen in die Alltagswelt vor Ort. Moderne Performer tauschen auch gerne die Anonymität eines Hotels gegen die Privatheit eines Urlaubshauses, einer Hütte aus. Holzhütten und Almdörfer wachsen im Alpenraum aus dem Boden. Dieser Trend zur Privacy wird sich noch verstärken. Soft Kicks Die Alpen sind Spielplatz der Jungen und Ewig Jungen (Forever Young), die sich neu entdecken, ihre Grenzen ausloten bzw. diese überwinden wollen. Der Berg wird künftig stärker als heute als schräge Spielwiese inszeniert – mit Fun-Tools wie der Avalanche- Bubble, einer inszenierten Lawine, in deren Inneren die Touristen zu Tal donnern. Höher, gewaltiger, besser…
  3. 3. 3 Für den Berg der Zukunft heißt das: die inszenierte Gefahr wird zum Pflichtprogramm der Tourismus-Dramaturgen, zu einem zentralen Pfeiler der Angebote. Der Freizeit-Sport in den Bergen wird immer stärker an seinen Extremitäten, an den Polen inszeniert. Einerseits wird er radikaler und härter. Andererseits wird er – und das angesichts der zentralen Zielgruppen Frauen und Best Ager - weicher. Der Weg zum Glück geht schließlich mitten durch die Natur – und hier vor allem beim Wandern. Traditionelle Berg- Aktivitäten werden recycelt, vom Trekking, Nordic Cruising bis hin zum Schneeschuhwandern und Schneeschuhpilgern… Wandern, Gehen als Weg zum Ich, zum Glück ist ein anthropologisches Erbe, das wir immer wieder neu adaptieren und mit Lifestyle- Elementen dramaturgisch aufladen müssen. Was zählt ist nicht Leistung, sondern der Feel- Good-Faktor. Inspiration Der Hunger nach Inspiration wächst. Menschen wollen sich im Urlaub mit allen Sinnen neu entdecken. Kultur-Genuss und Outdoor-Adventure dienen ebenso der Selbstentdeckung wie spirituelle Reisen. Weltweit unternehmen 260 Millionen Gläubige eine Pilgerreise pro Jahr. Freizeit-Angebote müssen nicht nur Fun und Genuss bieten, sondern immer stärker auch Orientierung vermitteln. Wer bin ich, wohin gehe ich? Eine existentielle Frage, auf die Menschen vor allem in ihrer freien Zeit eine Antwort suchen. Narrative Erlebnisräume werden um die Aufmerksamkeit der Gäste buhlen. Inspirierende (Hotel-)Architektur, interaktives Design sowie spannende Erlebnisräume sind gefragt – ob Landart, multisensuelle Bühnenbilder wie Klangpisten etc. In Vorarlberg z.B. stehen hundert mannshohe Eisenfiguren des britische Künstler Antony Gormley wundersam in der Berglandschaft - get inspired! Was kommt, was geht, was bleibt? Fact ist: das rein materielle Steigerungsspiel ist zu Ende, das Betriebssystem der Tourismus-Wirtschaft wird neu konfiguriert. Die neuen Passwörter für die Zukunft heißen: wertorientierte Innovation und nachhaltige Lebensqualität. Neue Trends im Tourismus sowie ein gesellschaftlicher Wertewandel spielen dabei dem hierzulande kleinteiligen und Ressourcen schonenden Tourismus in die Hände. Ging es in den letzten Jahren beim Kampf um Aufmerksamkeit vordergründig um die Inszenierung von Superlativen (höher, schneller, weiter), so positionieren sich nun immer mehr Destinationen mit nachhaltigen Lebensqualitäts-Profilen. Die Erfolgsformel der Zukunft, die morgen die Berge zum Glühen bringt, heißt: Innovation mal Tradition mal Green Lifestyle.

×