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Greenpeace Magazin_TEAM_April 2014 Issue

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Greenpeace Magazin_TEAM_April 2014 Issue

  1. 1. 1 Um ihren scheuen Forschungsobjekten auf die Spur zu kommen, haben Biologen ein weltweites Netz aus Fotofallen installiert. Die Überwachung der Tiere dient ihrem Schutz – und liefert unterhaltsame Einblicke   von Susanne Tappe Ertappt GreenpeaceMagazin3.15Foto:CourtesyoftheTEAMNetwork 7170
  2. 2. 1_ Jaguar, Manú-Nationalpark in Peru Die große Raubkatze war ursprünglich auch im Süden der USA verbreitet  2_ Giraffe, Kenia Südlich der Sahara bevölkert das höchste Landlebewesen der Erde die Savannen 3_ Nasenbären, Costa Rica Weibchen und Jungtiere streifen gern in Gruppen von bis zu 20 Tieren umher  4_ Goldfasan, China Im alten China war er das Machtsymbol der Kaiserin  5_ Gelbrückenducker, Republik Kongo Über die Lebensweise der Art ist noch sehr wenig bekannt  6_ Wildschweine, China Weibchen verteidigen ihre Frischlinge energisch – auch gegen Menschen  7_ Südlicher Schweinsaffe, Malaysia Namensgeber des Makaken ist sein kurzer Ringelschwanz  8_ Eichhörnchen, Peru Der wissenschaftliche Name „Sciurus“ setzt sich aus „skia“ (Schatten) und „oura“ (Schwanz) zusammen  9_ Kragenbär, China Im Süden seines Verbreitungsgebietes hält er keine Winterruhe  10_ Westlicher Gorilla, Republik Kongo Die Menschenaffen sind sogenannte Knöchelgänger 6 97 10 4 5 8 2 3 GreenpeaceMagazin3.15 Fotos:SmithsonianWild(5);Courtesyof theTEAMNetwork(4) 72 73
  3. 3. GreenpeaceMagazin3.15Fotos:SmithsonianWild(3);CourtesyoftheTEAMNetwork(4) 11_ Schimpanse, Republik Kongo Ein halbes Jahr lang klammert sich das Junge wie auf dem Foto im Fell der Mutter fest  12_ Pinselohrschwein, Kamerun Es ist nachtaktiv, den Tag verbringt es in einer selbstge­ grabenen Mulde  13_ Blutfasan, China Die Haut um die Augen nimmt bei den Männchen in der Paarungszeit eine leuchtend rote Farbe an  14_ Spießhirsch, Peru Statt eines verzweigten Geweihs trägt das Männchen nur zwei kleine Spieße  15_ Afrikanische Elefanten, Republik Kongo Anders als beim Asiatischen Elefanten besitzen auch die Weibchen Stoßzähne und werden dafür gejagt  16_ Große Pandas, China Trotz eines landesweiten Schutz- und Zuchtprogramms gibt es nur noch rund 2000 Tiere  17_ Prachtadler, Ecuador Wenn er sich aufregt, stellt er den Scheitel auf 15 16 13 14 17 11 12 ie Arbeit im Regenwald kann rich­tig ätzend sein“, sagt die For­scherin Patricia Alvarez. „Du wirst von Skorpionen ge­ sto­­chen, bis auf die Haut nass ge­reg­net und abends musst du fest­stel­len, dass Ameisen dein Zelt erobert haben“, erzählt sie. „Manches Mal ha­ be ich geflucht: ,Ich hasse den Dschungel, irgend­ jemand sollte ihn abfackeln und betonieren!’ Aber dann siehst du plötzlich diesen kleinen Affen im Baum und weißt wieder, wofür du das alles machst.“ Die 39-jährige Biologin erforscht Flora und Fauna im Manú-Nationalpark in Peru. Ein mühsamer Job. Ihr Arbeitsplatz liegt zwei Tagesreisen von jeder Zi­ vilisation entfernt und ihr Alltag besteht vor allem darin, Bäume und Lianen zu vermessen, ihr Wachs­ tum zu dokumentieren und daraus Rückschlüsse zu ziehen – etwa auf den Einfluss des Klimawandels. Tiere begegnen ihr dabei eher zufällig. Aussagen über ihren Bestand zu treffen, ist schwierig. Schon lange setzen Biologen auf Fotofallen, um mehr über ihre scheuen Forschungsobjekte zu erfah­ ren. Per Bewegungsmelder lösen die Tiere die Ka­me­ ras selbst aus. Während sie sich unbeobachtet füh­ len, werden sie ohne Blitz abgelichtet – beim Fres­sen, im Streit mit Artgenossen, bei der Paarung. „Dank der Fotofallen weiß ich, dass eine Menge Jagua­re im Manú-Nationalpark leben und Fischotter tief in den Wald wandern, wo ich sie nie vermutet hätte.“ Manche Tiere hören offenbar das leise Klicken des Auslösers und suchen nach dem Ursprung. So ent­ stehen witzige Selbstporträts aus nächster Nähe. „Ab und zu schlägt schon mal eine Raubkatze ihre Kral­ len in die Kamera“, erzählt Alvarez. „Wirklich gefähr­ lich werden der Technik aber viel kleinere Tiere: Ter­ miten zerfressen mir ein Gehäuse pro Saison.“ Die Schnappschüsse beantworten der Wis­sen­ schaft­lerin viele Fragen: Welche Tiere gibt es in ih­ rem Forschungsgebiet? Sehen sie gesund aus, gut ge­ nährt? Wie viele gibt es von jeder Art, sind Jungtiere da­runter? „Um globalen Phänomenen wie dem D 74 75
  4. 4. GreenpeaceMagazin3.15Foto:BenjaminDrummond/TEAMNetwork Infografik:CarstenRaffel hen. Warum diese großen Dimensionen? „Die Zeit drängt“, sagt TEAM-Geschäftsführer Jorge Ahumada. „Alle zwei Sekunden wird eine Waldfläche von der Größe eines Fußballfeldes abgeholzt. Die tropischen Regenwälder verschwinden rasant und damit ein für den ganzen Planeten wichtiges Ökosystem, über das wir noch viel zu wenig wissen.“ Den Wettlauf mit der Zeit wollen die Wissen­ schaft­ler mithilfe neuester Technik gewinnen. Per au­to­matischer Computeranalyse werden alle Daten aus­gewertet und für die verschiedenen Arten, das Forschungsgebiet, das Land, den Kontinent und die Welt je ein sogenannter „Wildlife Picture Index“ er­rechnet. Ist die Zahl kleiner als eins, ist das ein schlech­tes Zeichen, ist sie größer, ist die Entwick­ lung positiv. Außerdem wird angezeigt, wie groß der Einfluss des Klimas, der Anwesenheit von Men­ schen und des Waldverlustes ist. Eine erste Auswertung der Bilder belegt, was Bio­­logen schon lange vermutet hatten, aber bislang nicht beweisen konnten: Je kleiner der Lebensraum, umso geringer ist die Vielfalt der darin lebenden Tierarten. Schutzgebiete sollten also eine gewisse Größe haben und nicht durch Siedlungen oder Holz­ wirtschaft zergliedert werden. „Wir präsentieren un­ sere Erkenntnisse den Parkmanagern vor Ort, aber auch Entscheidern auf der weltpolitischen Bühne und versuchen, sie zum Handeln gegen Lebens­ raumverlust und Klimawandel zu bewegen“, sagt Jorge Ahumada. Dafür durchkämmt Patricia Alvarez auf der Su­ che nach den Kameras wochenlang das Unterholz des peruanischen Urwaldes, sichtet mehrere zehn­ tausend Fotos und speist sie in die Datenbank ein. „Wenn ich die Speicherkarten einsammle und die Dateien auf meinem Laptop öffne, ist das jedes Mal ein bisschen wie Weihnachten. Dafür schlage ich mich gerne durch den Dschungel!“ teamnetwork.org Büro im Dschungel: Wenn die Internet- verbindung mal wieder zu langsam ist, brennt Patricia Alvarez die Fotos auf DVD und schickt sie per Post Die versteckten Kameras von TEAM Klimawandel auf den Grund zu gehen, reicht das aber noch nicht. Dafür braucht es möglichst viele vergleichbare Daten aus allen Teilen der Welt.“ Deswegen haben sich vier US-amerikanische For­ schungs- und Artenschutzorganisationen im „Tropi­ cal Ecology Assessment and Monitoring Network“, kurz TEAM, zusammengeschlossen. In Kooperation mit lokalen Organisationen erstellen sie seit 2008 ein „Facebook“ des tropischen Regenwaldes. Die Bilder, Wetter- und Vegetationsdaten aus Lateinamerika, Af­rika und Asien sind über das Internet für jeden zugänglich. Drei Millionen Dollar stellen die Organi­ sa­tionen und Spender dafür jährlich zur Verfügung. Entstanden ist so das größte Netzwerk von Foto­ fallen weltweit: An 17 Orten in 16 Ländern wurden je 60 Kameras installiert – alle zwei Quadratkilome­ ter eine. Sie haben bereits mehr als zwei Millionen Bilder gemacht, und das, obwohl die wetterfühlige Technik jährlich nur einen Monat während der Tro­ ckenzeit zum Einsatz kommt. Bis 2020 sollen an 50 ver­schiedenen Orten in den Tropen „Blitzer“ ste­ Vulkan Barva, Costa Rica Soberanía-Nationalpark, Panama Yasuní-Nationalpark, Ecuador Yanachaga-Chemillén-Nationalpark, Peru Manú-Nationalpark, Peru Zentral-Suriname-Naturschutzgebiet, Suriname Caxiuanã-Naturschutzgebiet, Brasilien Manaus, Brasilien Korup-Nationalpark, Kamerun Nouabalé-Ndoki-Nationalpark, Republik Kongo Bwindi-Impenetrable-Nationalpark, Uganda Vulkan-Nationalpark, Ruanda Udzungwa-Mountains-Nationalpark, Tansania Ranomafana-Nationalpark, Madagaskar Pasoh-Schutzgebiet, Malaysia Bukit-Barisan-Selatan-Nationalpark, Indonesien Nam-Kading-Naturschutzgebiet, Laos 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 76

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