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Buhre, Jakob (2008): Inszenierte Interviews. In: Message, Heft 1, S. 48-...
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Sundermeyer, Olaf (2008): Interview-Autorisierung: Im Kontrollwahn. In:...
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Autorisieren - Kontrollwahn oder berechtigte Absicherung

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Deutsche Journalisten klagen oft über Interviewpartner und andere Quellen, die bei der Autorisierung ihre Aussagen kürzen, glätten oder ganz zurücknehmen. In diesem Vortrag geht es um Geschichte und Gegenwart der Autorisierung von Interviews und Zitaten, den rechtlichen und presseethischen Rahmen, die Situation in anderen Ländern und um Tipps und Strategien, wie Journalisten mit streichwütigen Quellen umgehen können.

Veröffentlicht in: Bildung
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Autorisieren - Kontrollwahn oder berechtigte Absicherung

  1. 1. Seite 1 Dr. Uwe Krüger: Autorisieren Dr. Uwe Krüger Autorisieren Presseworkshop der Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung (:bsz) 4.-5. Oktober 2013 Kontrollwahn oder berechtigte Absicherung Foto:ddp/MichaelKappeler
  2. 2. Seite 2 Dr. Uwe Krüger: Autorisieren „Die Fragen gehören mir, die Antworten Ihnen“: In Deutschland eine übliche Spielregel Interviewpartner Interviewer Vorteile Absicherung gegen Fehler und Missverständnisse Er muss nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, kann spontaner und authentischer sein. Absicherung gegen Fehler und Missverständnisse Interview bekommt Dokument- charakter: Nach Veröffentlichung kann der Partner nicht behaupten, das hätte er so nicht gesagt entspannte Gesprächsatmosphäre Nachteile authentische, spannende Aussagen abseits des Politsprechs können wieder gestrichen werden
  3. 3. Seite 3 Dr. Uwe Krüger: Autorisieren Historische Genese  1949: erste Autorisierung eines Interviews durch Nachrichtenmagazin „U.S. News & World Report“ (Gespräche des Herausgebers David Lawrence mit Eliten)  1958 erhob der SPIEGEL die Autorisierung zum Prinzip des „SPIEGEL- Gesprächs“  Hintergrund: (1) Transfer von gesprochener zu verschriftlichter Sprache ist komplex, Interviews werden sprachlich geglättet und gekürzt, im Vordergrund steht Lesbarkeit, nicht Worttreue (2) durch Autorisierung wird das Interview zum zitierfähigen Dokument der Zeitgeschichte und kann nicht dementiert werden
  4. 4. Seite 4 Dr. Uwe Krüger: Autorisieren Aktueller Zustand  Autorisierungspraxis hat sich eingebürgert, aber:  „Die gute Sache wurde von den Gesprächspartnern pervertiert“ (Arno Weyand vom Deutschen Presserat)  Bascha Mika (taz) nannte Missbrauch der Autorisierungspraxis „Betrug am Anspruch einer freien Presse, Betrug am journalistischen Selbstverständnis, Betrug am Leser“ (2003)
  5. 5. Seite 5 Dr. Uwe Krüger: Autorisieren Rechtlicher und ethischer Rahmen  Urheberrechtlich sind Autorisierungen sinnvoll, da der Interviewpartner Miturheber ist (sofern von Werkcharakter/Schöpfungsakt gesprochen werden kann  Pressekodex des deutschen Presserats, Richtlinie 2.4: „Ein Wortlautinterview ist auf jeden Fall journalistisch korrekt, wenn es das Gesagte richtig wiedergibt.“ (seit 1.1.2007)  Vorher hieß es, „ein Interview ist auf jeden Fall journalistisch korrekt, wenn es vom Interviewten oder dessen Beauftragten autorisiert wurde“, die Veröffentlichung eines nicht autorisierten Interviews war lediglich „unter besonderem Zeitdruck“ korrekt  mit der Änderung wollte der Presserat dem „Autorisierungswahn“ entgegentreten
  6. 6. Seite 6 Dr. Uwe Krüger: Autorisieren In den meisten westlichen Ländern ist Autorisierung unüblich  In USA, Großbritannien, Spanien oder Niederlande weitgehend unbekannt  Autorisierungsländer: Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien  Deutsche Unternehmenschefs wollen fast alle autorisieren. „Aber wenn Sie dann einen Jeffrey Immelt (CEO von General Electric) interviewen und den fragen, ob er das Interview noch mal gegenlesen will, guckt der Sie nur verdutzt an.“ (Handelsblatt-Redakteur Christoph Hardt in Buhre 2008)  Allerdings werden auch in den USA Quellen zunehmend begehrlich: „(…) I observed a growing trend in my own country of government and business leaders demanding to approve quotes in return for interview access“ (Prof. Peter Laufer, University of Oregon, 2013)
  7. 7. Seite 7 Dr. Uwe Krüger: Autorisieren Strategien für Journalisten (I) Vor dem Interview: Klare Bedingungen setzen  Vor Interview dem Partner klarmachen, wozu Autorisierung da ist: Nicht zum Sinn-Verändern und Aussagen-Zurücknehmen, sondern zum Vermeiden von Fehlern und Missverständnissen durch die sprachliche Bearbeitung. Der Partner soll trotz Autorisierung nur das sagen, was er auch veröffentlicht sehen will!  Angemessene Frist setzen und ankündigen: Ist die Frist verstrichen, gilt das Interview als freigegeben. Zwischen Frist und Redaktionsschluss sollte Spielraum zum Nachverhandeln sein. Bei absehbaren Problemen (berüchtigter Interviewpartner) Ersatztext für die Seite bereithalten
  8. 8. Seite 8 Dr. Uwe Krüger: Autorisieren Strategien für Journalisten (II) Bei Vorlage des Interviews: Vorsichtig sein  Den reinen Interviewtext – ohne Überschrift, Vorspann, Bildunterschriften – zur Autorisierung faxen oder als PDF-Datei mailen. „Gemailte Worddokumente sind eine Einladung zum Herumdoktern!“ (Thiele 2009b)  Etwas mehr Text (ca. 10 bis 20 Prozent) als nötig zur Autorisierung geben, das „schafft Manövriermasse“ (Thiele 2009b)
  9. 9. Seite 9 Dr. Uwe Krüger: Autorisieren Strategien für Journalisten (III) Nach dem Streichkonzert: Verhandeln…  Nicht jeden Änderungswunsch hinnehmen (Argumente: „Es ist ein Wortlautinterview“, „Das habe ich auf dem Tonband“, „Das hätten Sie sich vorher überlegen müssen“)  Wenn durch Kürzungen etwas unverständlich wird: Änderungen oder neue Fragen hineinverhandeln  Sie sind den Lesern verpflichtet (Argumente: „Dieses Fremdwort verstehen die Leser nicht“, „Hier steigt der Leser aus“, „Hier ist der Anschluss zur nächsten Frage jetzt unverständlich“, „Nach Ihrer Änderung bleibt meine Frage nun unbeantwortet, daher nochmal die Frage…“)  Wenn das nicht hilft: Mit weiteren Eskalationsstufen drohen, nämlich…
  10. 10. Seite 10 Dr. Uwe Krüger: Autorisieren Strategien für Journalisten (IV) …oder bestrafen  Interview mit Streichungen/Schwärzungen drucken á la taz (Interviews mit Olaf Scholz am 28.11.2003 und Philipp Rösler am 10.9.2013) und Financial Times Deutschland (Interviews mit Edmund Stoiber und Ulla Schmidt am 28.11.2003)  über die Autorisierungs-Allüren des Interviewpartners berichten („Oliver Kahn: Die Angst des Torwarts“ ZEIT vom 12.4.2006, „Protokoll: Der Versuch, Katja Riemann zu interviewen“, WELT vom 4.3.2007)  Nichtveröffentlichung (etwa jedes 10. Spiegel-Gespräch wurde nicht gedruckt, weil es langweilig geworden war, laut Haller 2008)
  11. 11. Seite 11 Dr. Uwe Krüger: Autorisieren Quellen (I) Buhre, Jakob (2008): Inszenierte Interviews. In: Message, Heft 1, S. 48-49 Haller, Michael (2001): Das Interview. Ein Handbuch für Journalisten. 3., überarbeitete Auflage. Konstanz: UVK Haller, Michael (2008): Wer fährt mit wem Schlitten? In: Message, 1, S. 49 Kessler, Lauren (2013): Kessler erwidert Laufer: Journalisten sind Interviewten Autorisierungen schuldig. derStandard.at vom 8. Mai, http://derstandard.at/1363710002150/Kessler-erwidert-Laufer-Journalisten-sind- Interviewten-Autorisierungen-schuldig?_blogGroup=1 Laufer, Peter (2013): Warum man Interview-Autorisierungen ablehnen sollte - eine US-Perspektive. derStandard.at vom 2. Mai, http://derstandard.at/1363709674805/Warum-man-die-Autorisierung-von- Interviews-ablehnen-sollte-US-amerikanische-Perspektive
  12. 12. Seite 12 Dr. Uwe Krüger: Autorisieren Quellen (II) Sundermeyer, Olaf (2008): Interview-Autorisierung: Im Kontrollwahn. In: Journalist, Heft 7, http://www.journalist.de/ratgeber/handwerk-beruf/tipps- fuer-den-berufsalltag/im-kontrollwahn-interview-autorisierung.html Thiele, Christian (2009a): Interviews führen. Konstanz: UVK Thiele, Christian (2009b): Das große Streichkonzert. In: Medium Magazin, Heft 10/11, http://www.mediummagazin.de/archiv/2009-2/10_11/das-grosse- streichkonzert/ Waterstraat, Swantje (2008): Wenn Gefragte zensieren. In: Message, Heft 1, S. 44-45 Waterstraat, Swantje (2007): Die Autorisierung politischer Presseinterviews. Spielregel zwischen Politik und Presse. Saarbrücken: VDM
  13. 13. Seite 13 Dr. Uwe Krüger: Autorisieren Kontakt Dr. Uwe Krüger (Dipl.-Journ.) Universität Leipzig Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft Abteilung Journalistik Burgstr. 21 04109 Leipzig Telefon: 0341/97-35756 Fax: 0341/97-35799 E-Mail: uwe.krueger@uni-leipzig.de

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