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spektiven Kurse der auch in Hongkong kotier-         rungen der Vergangenheit, als die Kommu-
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Wertentwicklung in der Vergangenheit kann           lungssicher. Ausführliche Informationen zu
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Adrenalin-Junkies oder rationale Anleger? – Zum Börsengeschehen in China - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 18

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Chinas Aktienmärkte bieten dem Beobachter derzeit alles was das (Zocker?)-Herz begehrt: raketenhafte Kursexplosionen, dramatische Abstürze, nervenaufreibende intra-day-rever-
sals. Chinas – urbane – Bevölkerung scheint
vom Börsenwahn befallen. Über 100 Millionen Wertpapierdepots sind mittlerweile an den beiden chinesischen Aktienmärkten in Shanghai und Shenzhen eröffnet worden und über diese Depots wird auch eifrig gehandelt: Während an den etablierten Börsen der OECD Staaten das tägliche Handelsvolumen im Promillebereich der Marktkapitalisierung
liegt, werden an den chinesischen Börsen die zehnfachen Volumina umgeschlagen.

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Adrenalin-Junkies oder rationale Anleger? – Zum Börsengeschehen in China - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 18

  1. 1. 12.06.2007 THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 18 „Adrenalin-Junkies oder rationale Anleger? – Zum Börsengeschehen in China“ Prof. Dr. Markus Taube Chinas Aktienmärkte bieten dem Beobachter wenigsten zum Weltmarkt geöffnet worden derzeit alles was das (Zocker?)-Herz begehrt: sind, mit diesem fast gar nicht interagieren raketenhafte Kursexplosionen, dramatische und somit (a) unabhängig vom weltwirtschaft- Abstürze, nervenaufreibende intra-day-rever- lichen Geschehen ein Eigenleben führen und sals. Chinas – urbane – Bevölkerung scheint (b) quasi keine direkte (!) leverage-Wirkung vom Börsenwahn befallen. Über 100 Millio- auf diesen besitzen. Eine spürbare Erschütte- nen Wertpapierdepots sind mittlerweile an rung der OECD-Kapitalmärkte würde erst in- den beiden chinesischen Aktienmärkten in direkt hervorgerufen werden können, wenn Shanghai und Shenzhen eröffnet worden und z.B. aufgrund eines fundamentalen crashs über diese Depots wird auch eifrig gehandelt: die Vermögensposition der urbanen Bevölke- Während an den etablierten Börsen der rung Chinas plötzlich massiv reduziert würde, OECD Staaten das tägliche Handelsvolumen die bereits jetzt ungenügend ausgeprägte im Promillebereich der Marktkapitalisierung Konsumtätigkeit weiter gedrückt und die chi- liegt, werden an den chinesischen Börsen die nesische Konjunktur abstürzen würde. Dieses zehnfachen Volumina umgeschlagen. Szenario erscheint uns derzeit allerdings nicht wahrscheinlich. Die Welt schaut bass erstaunt zu, hat aber in- zwischen gelernt, die Ausschläge der chinesi- Wir können uns also relativ entspannt zurück- schen Börsen nicht auf den Heimatmärkten lehnen und überlegen, was die chinesischen nachzubilden. Stattdessen hat sich mittlerwei- Aktienmärkte denn eigentlich bewegt. Ein le eher eine Voyeursperspektive herausgebil- Blick auf die grundlegenden Parameter er- det, aus der heraus man dem exotischen höht die Verblüffung des OECD-Betrachters Treiben zuschaut, ansonsten aber kaum di- eher noch: rekte Verknüpfungen zum eigenen Geschäft - die in Shanghai und Shenzhen gehandelten sieht. Recht so! Die chinesischen Aktien- Aktien sind keineswegs Schnäppchen, die märkte gehören zu den Elementen der chine- jetzt eingesammelt werden, sondern im Ge- sischen Volkswirtschaft, die bislang noch am genteil massiv überteuert. Zieht man die re-
  2. 2. 2 spektiven Kurse der auch in Hongkong kotier- rungen der Vergangenheit, als die Kommu- ten chinesischen Unternehmen zu Rate, so nistische Partei immer sehr genau darauf ge- ergibt sich der Schluss, dass die Preise in achtet hat, dass im Vorfeld großer parteipoliti- Shanghai und Shenzhen bei dem Doppelten scher Ereignisse oder aber internationale des realen Wertes liegen; Aufmerksamkeit erregender Großereignisse - Aktionärsrechte sind in China schlecht ge- die Aktienmärkte sich positiv entwickelten, schützt; die Corporate Governance der Akti- besteht auch jetzt die feste Überzeugung, engesellschaften unzureichend; Insider-Ge- dass die Partei einen Aktieneinbruch verhin- schäfte eher an der Tagesordnung als geäch- dern und die Bevölkerung bei guter Laune tet. halten will. Tatsächlich stehen die Sterne günstig für ein derartiges Börsenhoroskop: Was also treibt die chinesischen Aktienmärk- te? Nun, zunächst einmal ist festzuhalten, - Premierminister Wen Jiabao hat bereits vor dass eine Anlage auf dem Bankkonto einer Wochen angesichts der schweren Erkran- garantierten Geldvernichtung gleichkommt. kung des mittlerweile verstorbenen Vize-Pre- Mit einer Verzinsung von unter 3% liegt diese miers Huang Ju die oberste Regierungsver- Anlageform noch unter der Inflationsrate. Und antwortung für die Volkswirtschaft und insbe- dann gilt die alte ‚Weisheit’: Es ist rational in sondere auch die Aktienmärkte übernommen. eindeutig überbewertete Märkte zu investie- Es wird nicht erwartet, dass Wen Jiabao ren, wenn man davon überzeugt ist, wieder einen Aktien-Crash zulassen wird, solange er herauszukommen, bevor das Luftschloss in formal verantwortlich zeichnet. sich zusammenbricht – also schneller zu sein als die anderen. Das ist die Standard-Illusion Aber auch andere Großereignisse stehen vor und endet regelmäßig mit Wehklagen. Alter- der Tür, die eine parteipolitische Stützung der nativ ist es aber durchaus rational weiter in Aktienmärkte wahrscheinlich machen könn- diese Märkte zu investieren, wenn die Über- ten: zeugung besteht, dass jenseits der Marktkräf- - der in seiner finalen Vorbereitung stehende te Akteure existieren, die das Interesse und 17. Nationale Parteikongress im Herbst bildet die Macht besitzen, den Markt auf dem über- das politische Großereignis des Jahres höhen Niveau zu halten und massive - die Bevölkerung wird bereits seit Monaten Kurseinbrüche zu verhindern – „Aktienspeku- auf Olympia 2008 in Beijing eingestimmt, eine lation mit Sicherheitsfallschirm“. Veranstaltung mit der sich China weltweit in das beste Licht rücken möchte – und dazu Dieses letztere Argument scheint derzeit tat- passen keine missmutigen, plötzlich verarm- sächlich hinter der Mehrzahl der Aktienenga- ten Kleinanleger gements zu stehen. Basierend auf den Erfah- © 2007 THINK!DESK China Research & Consulting
  3. 3. 3 - die Weltausstellung in Shanghai 2010 ist Alles was die Regierung derzeit tun kann, ist noch etwas entfernt, wird aber bereits jetzt vorsichtig zu versuchen, die Begeisterung für massiv propagandistisch eingesetzt. das Börsengeschehen etwas zu dämpfen, ohne damit gleich einen Ausverkauf anzusto- ßen. Vorsichtige Äußerungen von hochrangi- Glaubt man an den politischen Charakter der gen Regierungsmitgliedern, die darauf hin- chinesischen Aktienmärkte so ergibt sich dar- weisen, dass die Märkte vielleicht etwas aus ein Kaufsignal auf fast allen Bewertungs- überhitzen könnten, gepaart mit Maßnahmen niveaus! Und tatsächlich scheint dies derzeit zur Erhöhung der Transaktionskosten des das grundlegende Sentiment zu sein. Es gibt Aktienhandels wie die Erhöhung der Stempel- gesicherte Informationen, dass inzwischen steuer von 0,1% auf 0,3% des Transaktions- nicht nur Ersparnisse an die Börsen gebracht volumens wie in der letzten Maiwoche ge- werden, sondern auch Kredite aufgenommen schehen, oder aber die Verlagerung der werden, um die Aktienkäufe zu finanzieren – Kauffreude an (billigere!) ausländische Märk- signifikante Volumina davon bei informellen te, wie durch die Erhöhung der von Privatper- (d.h. faktisch illegalen, aber trotzdem offiziell sonen ins Ausland transferierbaren Beträge geduldeten) Kredithäusern, die eine jährliche auf 50.000 US$/Jahr versucht, zielen genau Verzinsung von 20-30% und mehr fordern. darauf ab. Es passt aber auch genauso ins Immer mehr Chinesen spielen derzeit nicht Bild, dass sobald die Märkte Gefahr laufen nur mit ihren eigenen Renten, sondern auch abzustürzen, beschwichtigende Äußerungen mit denen ihrer Kinder! publik gemacht werden. So z.B. durch den ehemaligen Finanzminister Xiang Huaicheng, CATCH-22 der das Bild von den ‚bubbles’ im Bier be- mühte, um zu sagen, dass ‚bubbles’ eigent- Die Regierung steht damit vor einem Dilem- lich ganz gut seien … Kaufen! ma. Umso stärker sich die Bevölkerung mit ihren Aktienspekulationen aus dem Fenster P.S.: lehnt, umso katastrophaler die Auswirkungen Diese Informationen dienen nur Ihrer Infor- eines Börsencrashs auf immer größere Teile mation und der Unterstützung Ihrer selbst- der Bevölkerung werden, desto mehr ist die ständigen Anlageentscheidung. Sie stellen Regierung gezwungen, die Aktienmärkte zu keine konkreten Empfehlungen seitens stützten. Denn eine plötzlich in Armut zurück- THINK!DESK China Research & Consulting geworfene Stadtbevölkerung kann sich in zum Kaufen, Halten oder Verkaufen eines Partei und Regierung niemand leisten. – Es Wertpapiers oder sonstigen Finanzprodukts ergibt sich somit: Noch ein zusätzliches dar und begründen kein vertragliches Bera- Kaufsignal! tungs- oder Auskunftsverhältnis. Aus der © 2007 THINK!DESK China Research & Consulting
  4. 4. 4 Wertentwicklung in der Vergangenheit kann lungssicher. Ausführliche Informationen zu nicht auf zukünftige Erträge geschlossen THINK!DESK China Research & Consulting werden. sowie eine Reihe von kostenlosen Publikatio- nen erhalten Sie auf unserer Website unter www.thinkdesk.de THINK!DESK China Research & Consul- Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen zu unserem aktuellen Standpunkt? ting ist spezialisiert auf die Beratung von Un- Unsere Autoren stehen Ihnen gerne zur ternehmen, die einen Marktzutritt in China Verfügung! planen oder bereits seit vielen Jahren im „Reich der Mitte“ tätig sind und Möglichkeiten für einen Marktausbau suchen. Darüber hin- THINK!DESK aus führt THINK!DESK China Research & China Research & Consulting Consulting im Auftrag Branchen- und Indus- Prof. Dr. Markus Taube triestudien durch, erstellt Prognosen und Sze- narioanalysen zu ökonomischen und politi- 0176 - 21 603 441 schen Trends in China sowie gesamtwirt- taube@thinkdesk.de schaftliche China-Analysen. Das erklärte Ziel von THINK!DESK China Research & Consul- ting ist es, seine Kunden sowohl mit fundier- ter und erprobter Beratung als auch streng praxisorientierter Wissenschaft zu unterstüt- zen. Das deutsche Team von THINK!DESK China Research & Consulting verfügt über 20 Jahre Erfahrung in chinabezogenen Bera- tungs- und Forschungsprojekten. Ein entspre- chend intensiver Zugang besteht u.a. zu chi- nesischen Regierungseinrichtungen, Liefe- ranten von monatsaktuellen Industrie- und Branchendaten sowie Experten vor Ort. In Shanghai verfügen wir über ein erprobtes deutsch-chinesisches Partner-Team. Auch unsere nicht-chinesischen Mitarbeiter spre- chen die Landessprache mitunter verhand- © 2007 THINK!DESK China Research & Consulting

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