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Die deutsche Volksgruppe in Ungarn

K
Kata Szam

Die Deutsche Volksgruppe in Ungarn

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Eine Präsentation von Katalin Szám
04.01.2014
Ein typischer Vielvölkerstaat
Die Entfaltung der deutsch-ungarischen Beziehungen
begann erst im 10. Jahrhundert
3. Im 12. Jahrhundert wurden die ersten planmäßigen
Kolonisation vorgenommen
4. Die drei großen Siedlungsräume in Siebenbürgen
5. Kolonisationswerk in drei großen Etappen
6. Siedlungsgeographische Merkmale
7. Das städtische Deutschtum
8. Mundarten in Ungarn
9. Die Schwaben
10. Das Deutschtum in Ungarn nach dem Zweiten Weltkrieg
1.
2.

2
Ungarn, ein typischer
Vielvölkerstaat, wurde infolge
des Friedensvertrags nach den
ersten Weltkrieg zu einem
beinahe homogenen
Nationalstaat.
• 1910- gehörte nur die Hälfte der Gesamtbevölkerung Ungarns dem ungarischen
Sprachvolk an;
• in Trianon-Ungarn 89,6 %von Staatsbürger zum Ungarischen als Muttersprache;
• zwischen 1946 und 1948 (auf Grund des Potsdamer Abkommens) die Hälfte der
Ungarndeutschen in die spätere BDR, zum Teil in die DDR oder nach Übersee
(USA, Australien…)umgesiedelt;
• im Jahr 1960 in Ungarn verbliebene Deutschen 2,5% der Gesamtbevölkerung.
3
 Planmäßigen Ausbau des ungarischen

Staatsorganismus nach westlichfeudalem, deutsch-slawischem Vorbild;
 Missionären aus dem Westen waren

deutsche, vor allem bairische Geistliche;
 Nach der Heirat des ersten Ungarnkönigs,

Stephans I. mit der bairischen
Königstochter Gisela strömten deutsche
Ritter (zum Teil in der Gefolgschaft der
Königin, zum Teil um die militärischen
und wirtschaftlichen Ansprüche des
neuen Königreichs zu befriedigen),
Beamte, Handwerker, Kaufleute,
Kleriker… die nach einigen Generationen
fast ausnahmslos entdeutscht wurden.
4


Als König Geisa II: vor allem die Einwanderung deutscher Handwerker, Bergleute
und Bauer vorantrieb;



Die geschlossene Siedlungsräume der sogenannten „Sachsen“ in der Zips, in Nordund Südsiebenbürgen (die Siedler kamen aus dem östlichen Mitteldeutschland
und aus dem Rheinland);



„Zipser Bund“(die Gesamtheit der Zipser Siedlungen) unter der politischen
Führung eines „Grafen der Zipser Sachsen“ und das 1312 vom König Karl Robert
herausgegebene „Freythumb“ nannte einige Orte als Städte;



Der andere große Siedlungsraum deutscher Einwanderer der Arpadenzeit war
Siebenbürgen ( im Laufe des 12.Jahrhunderts in mehreren Wellen)- in den
Urkunden „die ersten Flamen“ erwähnt (Flandrenses priores), später die ihnen
folgenden „Sachsen“( aus Nord- oder aus Mitteldeutschland kamen);



Die Herkunft des deutschen Namens Siebenbürgen ist nicht abschließend
geklärt. Vermutungen gehen dahin, ihn auf die sieben von deutschen Siedlern (den
Siebenbürger Sachsen) gegründeten Städte zurückzuführen (Kronstadt,
Schäßburg , Mediasch, Hermannstadt, Mühlbach, Bistritz und
Klausenburg). Die damit verbundenen Stühle (ung. szék, Einheiten der eigenen
Gerichtsbarkeit – jeder Stuhl besaß einen Königsrichter, der alleine dem
ungarischen König unterstellt war) sind möglicherweise Teil der Namensgebung.

5


In Siebenbürgen drei großen Siedlungsräume: im
Norden das sogenannte Nösnerland mit dem
Hauptort Bistritz, im Süden Siedlungsraum um
Hermannstadt, und im Südwesten das
Burzenland mit dem Zentrum Kronstadt;



Die ethnische und politische Entwicklung der
Siebenbürger Sachsen wurde von König Andreas
II. in einem Freibrief (1224) vorgezeichnet;



Verwaltungssystem der „sächsischen
Stühle“(Gerichtsbezirke) einem „Sachsengrafen“
untergeordnet wurden;



1486-„die Sachsenstühle“ wurden zu einer
„Nationsuniversität“(Universitas Saxonum)
zusammengefasst → die Sachsen als eine der drei
anerkannten „Nationen“ (neben Szeklern und
Ungarn) vertrat.

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Die deutsche Volksgruppe in Ungarn

  • 1. Eine Präsentation von Katalin Szám 04.01.2014
  • 2. Ein typischer Vielvölkerstaat Die Entfaltung der deutsch-ungarischen Beziehungen begann erst im 10. Jahrhundert 3. Im 12. Jahrhundert wurden die ersten planmäßigen Kolonisation vorgenommen 4. Die drei großen Siedlungsräume in Siebenbürgen 5. Kolonisationswerk in drei großen Etappen 6. Siedlungsgeographische Merkmale 7. Das städtische Deutschtum 8. Mundarten in Ungarn 9. Die Schwaben 10. Das Deutschtum in Ungarn nach dem Zweiten Weltkrieg 1. 2. 2
  • 3. Ungarn, ein typischer Vielvölkerstaat, wurde infolge des Friedensvertrags nach den ersten Weltkrieg zu einem beinahe homogenen Nationalstaat. • 1910- gehörte nur die Hälfte der Gesamtbevölkerung Ungarns dem ungarischen Sprachvolk an; • in Trianon-Ungarn 89,6 %von Staatsbürger zum Ungarischen als Muttersprache; • zwischen 1946 und 1948 (auf Grund des Potsdamer Abkommens) die Hälfte der Ungarndeutschen in die spätere BDR, zum Teil in die DDR oder nach Übersee (USA, Australien…)umgesiedelt; • im Jahr 1960 in Ungarn verbliebene Deutschen 2,5% der Gesamtbevölkerung. 3
  • 4.  Planmäßigen Ausbau des ungarischen Staatsorganismus nach westlichfeudalem, deutsch-slawischem Vorbild;  Missionären aus dem Westen waren deutsche, vor allem bairische Geistliche;  Nach der Heirat des ersten Ungarnkönigs, Stephans I. mit der bairischen Königstochter Gisela strömten deutsche Ritter (zum Teil in der Gefolgschaft der Königin, zum Teil um die militärischen und wirtschaftlichen Ansprüche des neuen Königreichs zu befriedigen), Beamte, Handwerker, Kaufleute, Kleriker… die nach einigen Generationen fast ausnahmslos entdeutscht wurden. 4
  • 5.  Als König Geisa II: vor allem die Einwanderung deutscher Handwerker, Bergleute und Bauer vorantrieb;  Die geschlossene Siedlungsräume der sogenannten „Sachsen“ in der Zips, in Nordund Südsiebenbürgen (die Siedler kamen aus dem östlichen Mitteldeutschland und aus dem Rheinland);  „Zipser Bund“(die Gesamtheit der Zipser Siedlungen) unter der politischen Führung eines „Grafen der Zipser Sachsen“ und das 1312 vom König Karl Robert herausgegebene „Freythumb“ nannte einige Orte als Städte;  Der andere große Siedlungsraum deutscher Einwanderer der Arpadenzeit war Siebenbürgen ( im Laufe des 12.Jahrhunderts in mehreren Wellen)- in den Urkunden „die ersten Flamen“ erwähnt (Flandrenses priores), später die ihnen folgenden „Sachsen“( aus Nord- oder aus Mitteldeutschland kamen);  Die Herkunft des deutschen Namens Siebenbürgen ist nicht abschließend geklärt. Vermutungen gehen dahin, ihn auf die sieben von deutschen Siedlern (den Siebenbürger Sachsen) gegründeten Städte zurückzuführen (Kronstadt, Schäßburg , Mediasch, Hermannstadt, Mühlbach, Bistritz und Klausenburg). Die damit verbundenen Stühle (ung. szék, Einheiten der eigenen Gerichtsbarkeit – jeder Stuhl besaß einen Königsrichter, der alleine dem ungarischen König unterstellt war) sind möglicherweise Teil der Namensgebung. 5
  • 6.  In Siebenbürgen drei großen Siedlungsräume: im Norden das sogenannte Nösnerland mit dem Hauptort Bistritz, im Süden Siedlungsraum um Hermannstadt, und im Südwesten das Burzenland mit dem Zentrum Kronstadt;  Die ethnische und politische Entwicklung der Siebenbürger Sachsen wurde von König Andreas II. in einem Freibrief (1224) vorgezeichnet;  Verwaltungssystem der „sächsischen Stühle“(Gerichtsbezirke) einem „Sachsengrafen“ untergeordnet wurden;  1486-„die Sachsenstühle“ wurden zu einer „Nationsuniversität“(Universitas Saxonum) zusammengefasst → die Sachsen als eine der drei anerkannten „Nationen“ (neben Szeklern und Ungarn) vertrat. 6
  • 7.  In der Entfaltung des Städtewesens und der Industrie haben die ungarischen Herrscher den deutschen Handwerker und Kaufleuten ein sehr großes Gewicht beigemessen (in vielen Städten, in Ofen und Pest), diese Prozess beschleunigte nach dem Tatareneinfall (1241-1242);  Unterschied zwischen Eroberungspolitik im Norden („Drang nach Osten“) und die Kolonisationspolitik der ungarischen Könige (was auf ein gutes Verhältnis zum Staatsvolk schließen lässt);  Ungarische Kolonisationspolitik: von den eigenen innenpolitischen und wirtschaftlichen Interesse bestimmt, deutsche Kolonist wurde „Gast“(hospes) genannt. 7
  • 8.  Eine wichtige positive Rolle spielte das ungarndeutsche Bürgertum in dem politischen Kampf, den die ungarischen Könige gegen die feudale Oligarchie um die Zentralmacht führten;  Die deutschen Bevölkerungen in Westungarn, entlang der österreichischen Grenze, und die Deutschpilsen im Pilsner Gebirge wurden die Türkenzeit überdauernd angesiedelt;  Nach Vertreibung des Türken eine neue Heimat für einen Großteil der Deutschen;  Nach dem Türkenherrschaft ein bedeutender Teil der Siedlungen Ungarns verwüstet, entvölkert wurde, fruchtbare Felder verwildert wurden→ die wichtigste Voraussetzung für den Wiederaufbau des Landes: möglichst viele Arbeitskräfte (Kolonisten). 8
  • 9.  Auswanderungsfieber wieder hochstieg: seit dem Dreißigjährigen Krieg und nicht zuletzt infolge der zunehmenden feudalen Unterdrückung und das Bauernlegens;  Die lutherische und kalvinische deutsche Bauern hofften bei protestantischen ungarischen Grundherren auf ein besseres Asyl als in deutschen und österreichischen Ländern (die von der Gegenreformation stärker bedrängt waren);  1689 - Befreiung Ofens, die königliche Siedlungsverordnung, die Art und Weise die Bedingungen der Kolonisation festgelegte. Die Leitung der Kolonisation: die Königliche Neusiedlungskommission (Neoacquistica Commissio);  Annahme katholische deutsche Bauern→ würden naturgemäß zur Stütze der Dynastie gegen den habsburgfeindlichen ungarischen „Kurutzenadel“;  Sie waren mit modernen Kenntnissen der Landwirtschaft ausgerüstet. 9
  • 10. Die erste Etappe (1689-1740) ist die Karolinische Kolonisation. Die erste Etappe ist mit dem Namen Karls VI. (als ungarischer König: Karl III.) verbunden. Deutsche Kolonisten kamen:  In die Gespanschaften Transdanubien (Gran, Pest, Weissenburg, Komorn, Raab);  Ins Ungarische „Unterland“ (Saboltsch, Bekesch, in der Großen Tiefebene);  In die Randzone des Nördlichen Mittelgebirges (Hont, Hewesch) und auch in die Batschka, ins Banat. 10
  • 11. Die zweite Etappe der Kolonisation setzte unter Maria Theresia ein, also der Theresianische Kolonisation. Die Privatinitiative der Grundherren wurde in dieser Zeit von den Ansiedlungen der königlichen Kammer immer mehr verdrängt:  Ökonomischer Grund: die königliche Kammer förderte die Kronherrschaften;  Sie konnte die Privatherren mit Begünstigungen für die Siedler (Bauhilfe, mehrjährige Steuerfreiheit…) überbieten;  Das Tempo der Ansiedlung beschleunigte ein neues Patent von Maria Theresia in 1762;  Nach dem Siebenjährigen Krieg strömten mit ihrer Lage unzufriedene bäuerliche Massen aus Elsass-Lothringen, Baden, Luxemburg, und der Pfalz… 11
  • 12. Die dritte Kolonisation hat 1782 das Siedlungspatent Josephs II. eingelegt. Für die wirtschaftliche, soziale, kulturelle und für die sprachlichethnische Entwicklung des ungarndeutschen Volkes war diese Periode entscheidend. Die Kolonistengruppen begannen sich innerhalb der Dorfgemeinschaften im landschaftlichen Rahmen zu größeren ethnischen Einheiten zu konstruieren:  Die Siedler kamen aus der Pfalz, dem Saargebiet, der Frankfurter und Mainzer Gegend, aus Hessen und aus Württemberg;  Sie wurden größtenteils auf Kameralgüter in die Batschka und im Banat, teilweise in anderen Landstrichen (Pest, Gran, Zemplin, Eisenburg, Tolnau, Schomodei) untergebracht. 12
  • 13.  Siedlungsgeographisch ist das Deutschtum in Ungarn stark gegliedert. Charakteristisch sind trotzdem nicht Streusiedlungen, sondern die größeren, mehr oder weniger geschlossenen Siedlungsräumen;  Die Geschlossenheit hat die Mehrheit des Deutschtums bis zur Umsiedlung nach 1945 größtenteils behaupten können. Nach dieser Zeit können wir von kleineren geschlossenen Einheiten reden;  Heute zeigen die meisten Dörfer mit vorhin absoluter deutscher Mehrheit eine Symbiose verschiedener Nationalitäten, sind aber vorwiegend zu ungarischen Mehrheitsdörfer geworden;  Die meisten Ungarndeutschen leben heute in Transdanubien, entlang der Westgrenze, im Ungarischen Mittelgebirge zwischen Donauknie und Plattensee und im Raum Fünfkirchen in kleineren Siedlungen. 13
  • 14. Deutsche Siedlungen sind in Westen:  Im Seewinkel um den Neusiedlersee mit wirtschaftlichem und kulturellem Mittelpunkt Wieselburg/Mosonmagyaróvár;  Südlich von Neusiedlersee liegt Ödenburg/Sopron, eine selbständige Sprachinsel mit kleinere Dörfer ist Güns/Kőszeg;  Im Südwestwinkel des Landes liegen deutsche Dörfer des Raab-Lfnitztals, mit Zentrum Gotthard/Szentgotthárd. 14
  • 15. Im Ungarischen Mittelgebirge:  Mit den Abteilungen Donauwinkel, Pilischgebirge, Ofner Bergland, GereschGeissgebirge, Schildgebirge und Welenzer Gebirge sind einige deutsche Dörfer;  Im Gebirge vorgelagert sind einige Streusiedlungen wie Berzel, Martinsmarkt, Schambeck, Werischwar, Dorog, Zirtz, Totis/Tata, Stuhlweißenburg… 15
  • 16. Im südöstlichen Transdanubien:  Zwischen Donau und Drau mit dem Fünfkirchner Gebirge das Deutschtum, obwohl von Anfang an von anderen Volksgruppen stark durchsetzt, bildet ein bedeutendes Massiv;  Dazu schließt sich zahlreiche landschaftliche Einheiten wie das Wielandgebirge (Villányi hg.), das Branauer Hügelland (Baranyai dombvid.), das Schelliz, die Schomodei, der Scharbruch (Sárköz), und der südliche Wiesengrund (Mezőföld);  Dieses Gebiet nennt man in der ungardeutschen Volkssprache nicht ohne historischen Humor die „Schwäbische Türkei“. 16
  • 17. Im Norden zwischen Donau und Theiss sind mehrere deutsche Siedlungen:  Die einzige deutsche Kolonie des Haidrckenbodens (Hajdúság) wurde Balmazújváros bei Debrezin angelegt;  An der Staatsgrenze im Süden liegen ein paar deutsche Dörfer und südlich von Szegedin, und im Komitat Sathmar sind die bei Ungarn verbliebene Reste des Sathmarschwäbischen;  Die deutsche Dörfer im Tokaier Bergland sind Karlsdorf, Ratka. Im Hewescher Komitat wenige Dörfer entwickelten sich als Streusiedlungen, wie Kompolt und Kaal. 17
  • 18.  Im Mittelalter ließen sich deutsche Handwerker, Kaufleute und Beamte in großer Zahl in den Städten Ungarns nieder, in erster Linie im alten Ofen-Pest und in den Städten Transdanubiens, auch in Erlau, Szegedin, Waitzen…Es ist aber zu Beginn des 20.Jahrhunderts in seiner ungarischen Umgebung völlig aufgegangen.;  Das deutsche Element von Anfang an hauptsächlich Dörfer bewohnte, aber inzwischen eine ganze Reihe wichtiger deutscher Siedlungen zu Städten entwickelten wie Ungarisch-Altenburg und Wiesenburg (Mosonmagyaróvár), Dorog oder Totiser Kolonie (Tatabánya, Ober- und Untergalla);  In den Gegenden, wo sich die Industrie des Landes explosionsartig entwickelt hat, bestimmt eine allseitige Entwicklung und zugleich eine ethnische Umschichtung. (wie bei beiden zahlenmäßig stärksten deutschen Gruppen im Ungarischen Mittelgebirge und in der „Schwäbischen Türkei“ in den letzten fünfzig Jahren). 18
  • 19.  Die Volkssprache bzw. die Mundart gibt den wichtigsten Anhaltspunkt zur Aufdeckung ethnischer Gruppierungen her. →Landschaftgliederung, die Dialektgruppen;  Die deutschen Mundarten Ungarns sind Siedlungsmundarten. Sie sind der ethnischen Verschmelzung ursprünglich verschiedene Dialekte sprechende Siedler im Prozess von Mundartmischung und Ausgleich entstanden. Es ging in zwei Hauptetappen vor: 1. Eine homogene Ortsmundart hat sich innerhalb je einer Dorfgemeinschaft, dank der Integration sehr verschiedener Mundarten, entwickelt. 2. Eine weitere Integration benachbarter Ortsmundarten erfolgt auf Grund eines Ausgleichs der beteiligten Ortsmundarten.  Im Allgemeinen ist das der natürliche Weg zur Entstehung von nationalen Einheitssprachen, wenn die Entwicklung noch eine dritte Stufe durchläuft.  Alle ungarndeutschen Mundarten sind sogenannte Mischungsmundarten. In diesem Sinne dürfen wir von bairischen, fränkischen oder schwäbischen Mundarten in Ungarn sprechen (im Bewusstsein), dass wir mit besonderen ungarländischen Varianten jener Dialekte zu tun haben. (Hugo Moser:“deutschen Neustämmen“)  Westungarische Mundarten weichen von diesem Modell ab (infolge der linearen Ausbreitung von Dialekten der ostösterreichischen Länder). 19
  • 20.  Eine niederösterreichische Abart des Bairisch-Österreichischen, d.h. eine ostdonaubarische (ostmittelbarische) Mundart herrscht in Nordwestungarn;  Ein steirisch-südbairischer Dialektraum ist in Güns/Kőszeg und Umgebung;  Eine Mundart hat sich aus südbairischen und ostmitteldeutschen Elementen im Norden (bei Deutschpilsen) entwickelt,  Die Sendemer Gruppe spricht eine ostfränkische Mundart, die als Übergang zwischen den bairischen und den mitteldeutschen Mundarten steht,  Am Donauknie herrscht eine ziemlich einheitliche rheinfränkischdonaubairische Mischmundart,  Eigenständig sind die voneinander leicht abweichenden Mundarten von Ofen und Pest. Sie haben bis zu Jahrhundertwende die Formen der wienerisch-ostdonaubairischen Verkehrssprache an die umliegenden deutschen Dörfer vermittelt. Von Pest führte aber die mit schwäbischen Elementen durchsetzte bairische Mundart über Dunaharaszti hinüber. Die Vermittlerrolle von Ofen und Pest (zwischen Wien und den Ostmundarten) war dabei um die Jahrhundertwende abgeschlossen: seit der Umvolkung der Hauptstadt strömt auch von Budapest nur ungarisches Sprachgut in die Dörfer der Umgebung. 20
  • 21.  Der Ausgleich zweiter Stufe der Mundarten in Südosttransdanubien und in der Nordbaratschka ging etwas langsamer. Der Grund dafür ist die stärkere konfessionelle Auffächerung der Landschaften. Während es im Ungarischen Mittelgebirge nur in Deutschpilsen neben Katholiken auch lutherische Deutsche gibt, leben in Südungarn nicht selten in einem Dorf katholische, lutherische und kalvinische Deutsche zusammen. Konfessionsunterschiede haben aber viel stärkere Grenzen gezogen als die ethnische Gruppenzugehörigkeit. Der Prozess der Mundartmischung und der Integration musste verlangsamen.  Also in Nordbatschka und Banat werden südrheinfränkische d.h. pfälzische Mundarten gesprochen. Diese „Phälzer Sprooch“ (d.h. Pfälzer Sprache) der Batschka ist eng verwandt mit dem „Pennsilfaanisch“ das in Pennsylvanien in den Vereinigten Staaten den Rang einer Schriftsprache erlangt hat. Die Unterschiede zwischen den beiden Pfälzer „Tochtersprache“ ergeben sich aus ungarisch-südslawischen, und aus englisch-amerikanischen Einflüssen.  Auch moselfränkische Formen kommen vor, die in ganz Ungarn nur noch in Kompolt im Hewescher Komitat belegt sind. „Pennsilfaanisch-Deitsche winschen en glickseeliches Neies Yaahr 2014” 21
  • 22.  Merkwürdig ist es die Tatsache, dass die Schwaben die der ganzen Volksgruppe ihren volkstümlichen Namen geschenkt haben (sváb. „Ungarndeutsche“) innerhalb der Volksgruppe eine verschwindende Minderheit bilden;  Größere Sprachräume bilden aber nur das Ostdonaubairische in Westungarn und im Ungarischen Mittelgebirge, das Rheinfränkische in der „Schwäbischen Türkei“ und in der Batschka, ein schwäbischer Raum ist nur im Komitat Sathmar entstanden;  „Schwaben“ ist der Einheitsname für alle deutschen Siedler der Neuzeit im ganzen Karpatenbecken.→ pars pro toto-Benennung ist keine Seltenheit (franz. Alemannen auf das ganze deutsche Volk erweitert, Wenden bezeichnete alle Slawen…);  Die überwiegende Mehrheit der ersten nachtürkischen Siedler ist tatsächlich aus schwäbischen Landen (auf Donaustraβe in der „Ulmer Schachteln“) gekommen;  Die Ironie: die Schwaben wurden von den Pestseuchen des 18.Jahrhunderts entlang der Donau nach Süden über Ukraine bis nach Transkaukasien weitergezogen. In der Ukraine wurden ihren Nachkommen von den sonstigen deutschen Kolonisten noch in unserem Jahrhundert „Ungarn“ genannt. An ihre Stelle traten im Karpatenbecken fast überall die Baiern und die Franken, auf die der Schwabenname übertragen wurde. (In 18.Jahrhundert ist der Stammesbewusstsein noch nicht so stark.) 22
  • 23.  Schwabenname diente den ungarndeutschen Bauern. Die Begriffe Bauer und Schwabe einander gleichgesetzt wurde.  „Kollektive Bewusstseinsspaltung“ innerhalb der Volksgruppe: im alten feudalen Ungarn war das deutsche Bürgertum sowohl zahlenmäßig zu klein als auch in seiner wirtschaftlichen Macht zu sehr begrenzt. Sein einzig möglicher ökonomisch-politischer und sozialer Partner nicht das ungarndeutsche Bauerntum, sondern der ungarische Landadel. (Interessengemeinschaft- auch für die Sache der ungarischen Freiheit mobilisiert, „Namenmagyarisierung“- Verhaltenswandel)  Ungarndeutsche Bauerntum verlor seine Intelligenz (als sozialer Schicht), weil der ungarndeutsche Bürger eilte seinen eigensten Interesse nach.  Das strebte sich nach Selbstverwirklichung und die Herausbildung einer eigenen Intelligenzschicht bis zur gewaltigen Zeiten. (die deutsche Sprache in der Dorfschulen) 23
  • 24.  Laufe der Zeit war es freilich viel mehr aus politischen als ethnisch-sprachlichen Gründen wichtig, zu bestimmen, wer Deutscher ist und wer nicht;  Die Möglichkeit einer positiven Änderung zeigte sich im Jahre 1919 als mit dem sogenannten VI. Volksgesetz der Räterepublik Ungarn die Grundlagen für eine freie , demokratische Entwicklungen aller Nationalitäten geschaffen wurde. (Der Sieg der Konterrevolution hat diese Möglichkeit aus der Welt für lange Zeit geschafft);  Die größte Katastrophe: der zweite Weltkrieg und danach die Umsiedlungen und Einschränkungen;  Am 20. August 1949 ist in der Verfassung der Ungarischen Volksrepublik auch für die deutsche Volksgruppe die volle Rechtsgleichheit (Recht des Unterrichts in der Muttersprache, das Recht auf die Pflege der eigenen Volkskultur) gesichert;  Heutzutage: ein weites Netz von Grund-, Mittel- und Hochschulen, zahlreiche Laiengruppen, ständige Rundfunksendungen, literarische Schriften, Zeitungen…zeigen alle diese wichtige Faktoren auf die Sprachentwicklung. 24
  • 25. Es ist die Regel für Auswanderer/Siedler: die erste Auswanderergeneration schuftet sich krumm, nur um eine Basis zu schaffen. Die zweite Generation kann darauf aufbauen, aber erst die dritte Generation wird davon profitieren. Sie können sich als "Eingeborene" betrachten. Sollte eigentlich auch heute bei Immigranten funktionieren. 25
  • 26. Das folgende Sprachbeispiel gibt eine alte Ballade auf SiebenbürgischSächsisch und auf Hochdeutsch wieder. Es ist hervorzuheben, dass die einzelnen Wörter sich fast eins zu eins entsprechen, die Schreibweise und damit die Aussprache sich aber erheblich unterscheiden. Siebenbürgisch-Sächsisch Hochdeutsch De Råch (Siweberjesch Ballad) Hië ritt berjuëf, hië ritt berjåff, bäs e se un em Brånnen tråf. Geaden Dåch, geaden Dåch, ir läf Härrn, nea wäll ich met ech riëde gärn! Wat huët ech menj Fra uch Känjd gedon, dåt ir mer se huët nedergeschlon? Wat huët ech dä jang Easchuld gedon, dåt sä nea stiindiut äm Iëren lån? Den enen stauch hië vum Ruëß eruëf diëm åndren schleach e det Hiift em uëf. Dien drätten spålt e wä en Fäsch, der viert lef än den gränen Bäsch. Net ener wul do bläiwe stohn, net ener wul an Åntwert son. Hië ritt dohänne mät fräschem Meat, esi bezuëlt em de Fånden geat. Die Rache (Siebenbürgische Ballade) Er ritt bergab, er ritt bergauf, bis er sie an einem Brunnen traf. Guten Tag, guten Tag, ihr lieben Herrn, nun will ich mit euch reden gern! Was hat euch mein' Frau und Kind getan, dass ihr sie mir habt niedergeschlag'n? Was hat euch die junge Unschuld getan, dass sie nun steintod am Boden lahn? Den einen stach er vom Ross herab, dem andern schlug er das Haupte ab. Den dritten spaltete er wie einen Fisch, der vierte lief in den grünen Busch. Kein einz'ger wollt' dort bleiben stehn, Kein einz'ger wollte Antwort geb'n. Er ritt dahin mit frischem Mut, so bezahlt man seine Feinde gut. 26