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Jahresbericht 2010
Inhalt    1
          2
              Editorial
              Bestandsentwicklung
          4   Projekt NS-Raubgut
          5   Informationsdienste
          6   Hamburg University Press
          8   Service
         10   Gebäude und Einrichtung
         11   Bibliothekssystem Universität Hamburg
         12   Landesbibliothek
         14   Hamburger Adressbücher im Netz
         16   Sondersammlungen
         19   Linga-Bibliothek der Freien und Hansestadt Hamburg
         20   Bundesweite Literaturversorgung – Sondersammelgebiete
         22   Öffentlichkeitsarbeit
         24   Statistik
         25   Mitarbeit in Gremien
         26   Referenten und Fachreferate
         27   Veröffentlichungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
         28   Lehrveranstaltungen, Vorträge und Kongressbeiträge
         30   Die SUB und ihre Bestände in der Fachliteratur
         32   Ausstellungen, Tagungen, Veranstaltungen
         34   Aus- und Fortbildung
         34   Organisation und Struktur
         36   Danksagung

         Jahresbericht der
         Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky

         Anschrift:    Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg
         Telefon:      (040) 428 38 - 22 33
         Telefax:      (040) 428 38 - 33 52
         E-Mail:       auskunft@sub.uni-hamburg.de
         Internet:     www.sub.uni-hamburg.de

         Erschienen im Juni 2011
         Redaktion: Marlene Grau
         Fotos:       Staats- und Universitätsbibliothek
         Druck:       Staats- und Universitätsbibliothek
         Gestaltung: Philip Bartkowiak
Foto: Michael Heitmann


Liebe Leserinnen und Leser,

2010 hat die Staats- und Universitätsbibliothek einen großen Schritt   2010 ging die neue Website der Staats- und Universitätsbiblio-
hin zur digitalen Landesbibliothek machen können. Von den viel         thek an den Start. Sie dient nun nicht mehr – wie viele Jahre all-
gefragten Hamburger und Altonaer Adressbüchern wurden alle             seits auch im Bibliothekswesen üblich – der Unternehmensprä-
Jahrgänge bis 1903 im Netz veröffentlicht, dazu ein Querschnitt        sentation. Vielmehr ist es so, dass wir die Homepage als Einstieg
aller in Hamburg und den früheren Vorstädten publizierten Adress-      in die Bibliotheksbenutzung sehen, bei der es nur weniger Klicks
und Fernsprechbücher des Jahres 1926. Dieses digitale Angebot          bedarf, um die gewünschte Information(squelle) zu erreichen.
wird kontinuierlich bis zur Mitte der 1970er Jahre vervollständigt.    Dementsprechend findet man auf der neuen Website der „Stabi“
Man kann in den Adressbüchern nicht nur blättern, sondern auch         bereits beim Start die wichtigsten Nutzungsziele: Recherche, Ser-
gezielt und komfortabel suchen: alphabetisch nach Personen,            vice, Bibliotheken und das Blog.
Straßen und Branchen sowie thematisch nach den reichhaltigen           Unsere Website verbindet die sozialen Netzwerke (Weblog,
beschreibenden Teilen der Adressbücher, nach Verkehrsinforma-          Twitter und Facebook) und die wissenschaftliche Gemeinschaft
tionen und Werbung. Weitere elektronische Angebote kommen              mit den Angeboten der Bibliothek. Gleichzeitig leitet sie unser
hinzu: die digitalisierten historischen Karten und die Netzausgabe     Publikum hin zur Staatsbibliothek als einen realen, gern be-
der Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte. Mehr          suchten Ort. Für den Bereich „Social Media“ hat die Bibliothek
noch: Digitale Adressbücher, Karten, Portraits, Bücher und Zeit-       2010 eine zusätzliche Stelle eingerichtet, damit die Kommunika-
schriften zu Hamburg-Themen werden künftig eingehen in ein             tion im Netz mit unseren Nutzern professionell erledigt werden
Internetportal, in dem alle digitalen Quellen zur hamburgischen        kann. Die wertschätzenden Rückmeldungen sind enorm. Wir
Geschichte und Landeskunde versammelt und gemeinsam durch-             sprechen damit auch neue Kundengruppen an, die wir auf her-
suchbar gemacht werden. Wir haben es HamburgWissen Digital             kömmlichen Informationswegen nicht erreichen würden.
genannt. Das Projekt hat Ende 2010 begonnen. Die Staats- und
Universitätsbibliothek führt es zusammen mit zahlreichen Koope-        2010 wurde auch der erste große Gruppenarbeitsraum durch
rationspartnern des öffentlichen und privaten Sektors – allen voran    Umwidmung eines Lesesaals eröffnet. Obwohl die Besuche und
mit dem Staatsarchiv – durch.                                          Nutzungen im Netz ständig steigen und die Neun–Millionen-
                                                                       Grenze im Jahr längst überschritten haben, können wir auch
2010 konnte das Hamburger Pflichtexemplargesetz, welches im            über vermehrte reale Besuche in der Bibliothek berichten.
Übrigen zu den ältesten in Deutschland gehört (1696), um die Ab-       Neben der Ausleihe von Medien und dem stillen Studieren in den
lieferungspflicht von Netzpublikationen erweitert werden. So           Lesesälen ist der Bedarf an Plätzen für gemeinsame Arbeit in
stellt die Staats- und Universitätsbibliothek sicher, dass unab-       Gruppen und für das „laute“ Lernen und Kommunizieren, ein-
hängig von der Veröffentlichungsform das in der Freien und             hergehend mit einer hohen Verweildauer in der Bibliothek, wei-
Hansestadt verlegte geistige Schaffen weiterhin annähernd voll-        ter angewachsen. Die räumlichen Voraussetzungen aus den
ständig künftigen Generationen überliefert werden kann. Die Ge-        1970er Jahren entsprachen dieser Veränderung im Nutzerverhal-
setzesänderung war dringend geboten, denn zunehmend erschei-           ten schon lange nicht mehr. Ein Schwerpunkt der Bibliotheks-
nen insbesondere wissenschaftliche Journale und Monographien           entwicklung wird deshalb in den nächsten Jahren die Moderni-
in digitalen Publikationsformen, ohne zugleich in gedruckter           sierung und weitere räumliche Umgestaltung der Staats- und
Form vertrieben zu werden. Es drohte ein Wissensverlust, den           Universitätsbibliothek zum lebendigen Lern- und Arbeitsort Bi-
die Hamburgische Bürgerschaft mit dieser Novelle umsichtig ab-         bliothek, zum „Marktplatz der Universität“ mit noch großzügige-
gewendet hat. Hamburg ist damit das dritte Bundesland, das             ren Öffnungszeiten sein.
eine gesetzliche Ablieferung von Netzpublikationen vorsieht.




                                                                       Prof. Dr. Gabriele Beger
                                                                       Dirktorin der Bibliothek
Bestandsentwicklung
„Ihre Leistungsqualität ist Ergebnis einer sorgfältigen Balance von Medienbeschaffung, Erschließung und Service“ – so lautet ein
zentraler Satz im Leitbild der Staats- und Universitätsbibliothek. Am Anfang der bibliothekarischen Verwertungskette steht die
Auswahl und Beschaffung mit den Zielen, den aktuellen Bedarf an neuester Literatur- und Informationsversorgung zu decken und dem
Interesse künftiger Forschung gerecht zu werden, ohne dabei Pflege und Ausbau der historischen und landesbibliothekarischen
Bestände aus dem Blick zu verlieren. Erwerbungsmittel müssen deshalb regelhaft, verlässlich und ausreichend zur Verfügung stehen.

2010 war für den Bestandsaufbau zweifelsohne ein erfolgreiches     Für E-Medien wurden 2010 25% des Erwerbungsetats eingesetzt,
Jahr, was die verfügbaren Mittel, die Medienzahl und deren Viel-   insgesamt 944.000 Euro. Diese Summe verteilt sich zu 47% auf E-
falt betrifft. 3.705.000 Euro hat die SUB für den Medienerwerb     Zeitschriften, zu 34% auf Datenbanken und zu 19% auf E-Books.
ausgegeben - eine beachtliche Summe, von der lediglich 48%
aus dem verlässlichen, aber seit Jahren in der Gesamtsumme un-
veränderten Wirtschaftsplan der Freien und Hansestadt Hamburg      E-Medien SUB HH 2010
stammen. 52% der Mittel kamen 2010 aus anderen Quellen, die        nach Typ

weder in ihrer Ergiebigkeit noch Verlässlichkeit gesichert sind.
Die Sondersammelgebiete, die zu 75% von der Deutschen For-                                                            E-Zeitschriften 47%
schungsgemeinschaft (DFG) und zu 25% aus Eigenmitteln finan-                                                           Datenbanken 34%
ziert werden, machten 2010 ca. 13% des Erwerbungsetats aus.                                                                 E-Books 19%
Studiengebühren, die die Bibliothek auch 2010 für den Erwerb
von Studienliteratur in gedruckter und elektronischer Form ein-
gesetzt hat, nehmen den beachtlichen Anteil von 12% am Ge-         Ein Blick auf die Herkunft der Mittel verdeutlicht, dass der regulär
samtbudget ein. Den aktuellen Etat ergänzte die SUB aus selbst     zugewiesene Anteil aus dem Wirtschaftsplan der FHH nicht aus-
erwirtschafteten Mitteln um zusätzliche 18%, mit denen sie ge-     reichen würde, um das Angebot zu halten, geschweige denn zu
zielt das E-Medienangebot und den Ausbau der historischen und      erweitern. 41% der eingesetzten Mittel sind Studiengebühren,
landeskundlichen Sammlungen unterstützte.                          8% zentrale Mittel, die die Universität der SUB zum gemeinsa-
                                                                   men Erwerb von E-Medien zur Verfügung stellt. Etwa die Hälfte
Auch 2010 waren weit über die Hälfte der verfügbaren Mittel ge-    der Mittel sind Eigenmittel der SUB. Enthalten ist hier eine ein-
bunden, d. h. sie mussten für Abonnements eingesetzt werden.       malige Unterstützung, die die Bibliothek 2010 aus Rückstellun-
Längst gehen diese laufenden Kosten über die Abonnements           gen zur Aufrechterhaltung des elektronischen Angebots aufge-
von gedruckten Zeitschriften und Serien hinaus und betreffen       wendet hat.
auch Lizenzen für die Aktualisierung und Bereitstellung elektro-
nischer Medien. 2010 waren allein 42% des Erwerbungsetats er-      E-Medien SUB HH 2010
forderlich, um die laufenden Zeitschriftenabonnements unab-        Herkunft der Mittel

hängig von ihrer Erscheinungsform zu finanzieren. 12% entfielen                                                       Eigenmittel     51%
auf den Bezug von sogenannten e-only-Zeitschriften, 30% auf                                                           Studien-
Zeitschriften, die gedruckt und immer häufiger parallel auch                                                          gebühren        41%
elektronisch publiziert werden. Die Entscheidung, ob eine Zeit-                                                       Universität,
                                                                                                                      Zentralmittel   8%
schrift gedruckt und elektronisch oder nur elektronisch angebo-
ten wird, kann nicht pauschal getroffen werden, sondern hängt
von unterschiedlichsten Faktoren ab. Die SUB und die Fachbe-       Eine Verschiebung des Mitteleinsatzes zu Lasten der gedruckten
reiche der Universität sind im regen Austausch darüber, welche     Medien hat 2010 nicht stattgefunden. 75% des Etats wurden weiter-
Lösung die jeweils beste oder am besten akzeptierte im Biblio-     hin für Gedrucktes ausgegeben. Der Zugang mit ca. 61.000 Bänden
thekssystem ist.                                                   ist konstant geblieben. Allein die Lehrbuchsammlung konnte einen




2 Jahresbericht 2010
Zuwachs von 3.170 Bänden verzeichnen. Auch hier haben die               Ob Lexika, Periodika oder Bibliographien, das Angebot konnte
Studiengebühren ihren konsequenten Einsatz gefunden; jedes              auch 2010 durch neue Online-Publikationen ergänzt werden. Die
aus Studiengebühren finanzierte Buch wird mit einem Aufkleber           digitalisierte Ausgabe des wöchentlich seit 1842 erschienenen
gekennzeichnet. In der Lehrbuchsammlung und im Lesesaal gibt            englischen Magazins „Illustrated London News“, welches das
es Hinweise auf elektronische Ausgaben bzw. elektronische Lehr-         Bild von Politik und Politikern insbesondere der Leser des 19.
bücher. Der Vorteil des Volltextzugriffs auf aktuelle oder aktuali-     Jahrhunderts maßgeblich prägte und erst 2003 sein Erscheinen
sierte Zeitschriften, Datenbanken, Nachschlagewerke liegt auf der       eingestellt hat, bietet über 260.000 durchsuchbare Volltextseiten
Hand und ist aus dem Studienalltag kaum noch wegzudenken. E-            und mehr als 1,5 Millionen Farbbilder.
Books bereichern die Lehrbuchsammlung, bestimmen aber nicht
das Bild. Das gedruckte Lehrbuch ist gewünscht und damit weiter-
hin notwendig. Die Entscheidung, ob ein Print- oder elektronisches
Exemplar gekauft wird, richtet sich nach Kriterien wie Nachfrage,
Nutzung, Nutzbarkeit, Nützlichkeit und Kosten. Die SUB gehörte
2010 zu den Bibliotheken in Deutschland, die sich am nachfrage-
bezogenen Finanzierungsmodell des UTB-studi-e-book-Angebots
(ca. 500 Titel aller Fachgebiete) beteiligte und maßgeblich mit-
gewirkt hat, die Zugriffsmöglichkeiten zu verbessern. Mit dem
gezielten Einzelkauf von E-Books aller Fachgebiete ebenso wie mit
dem erneuten Kauf der deutschen Springer-E-Book-Pakete mit
ca. 11.000 Titeln ergänzte die Bibliothek das Angebot an Studien-
literatur mit Augenmaß und Qualitätsbewusstsein.
Darüber hinaus werden aus Nationallizenzen finanzierte E-Book-
Pakete, lizenzfreie und in Datenbanken enthaltene E-Book-Samm-
lungen angeboten, insgesamt 500.000 Titel.

                                                                        Das internationale Ortsverzeichnis, „Columbia Gazetteer of the
E-Books im Campuskatalog                                                World“, steht nun als Onlineversion der gleichnamigen gedruckten
( Januar 2011)                                     National-            Enzyklopädie zur Verfügung und enthält geographische Daten,
                                                   Lizenzen     73%
                                                   Disser-
                                                                        Beschreibungen, Eigenschaften von über 165.000 Ortsnamen in
                                                   tationen     17%     der Welt. Die Datenbanken „Germanistik Online“, „Romanische
                                                   Kostenpflichtig      Bibliographie Online“ und „Linguistic Bibliography Online“ ge-
                                                   lizensierte     7%
                                                                        hören zum unverzichtbaren bibliographischen Rüstzeug und bieten
                                                   Freie Internet-
                                                   dokumente       3%   in der Onlineausgabe erhebliche Recherchevorteile.

Im Vorjahr waren insgesamt nur 23.100 E-Books und 80.000 elek-          Bedarfsorientierte Bestandsentwicklung bedeutete auch 2010,
tronische Dissertationen im Katalog nachgewiesen. Diese Situati-        Ausgewogenheit zwischen dem gedruckten Angebot vor Ort und
on hat sich 2010 deutlich verändert: 384.000 neue Titelaufnahmen        der elektronischen Zugriffsmöglichkeit herzustellen. Im Formular
wurden in den Campuskatalog eingebracht. Es handelt sich dabei          für Erwerbungsvorschläge wird jetzt der Wunsch nach der Lektüre
zum großen Teil um E-Books, die durch die DFG- Nationallizenzen         als E-Book abgefragt und, sofern realisierbar, auch umgesetzt.
angeboten werden. War zuvor ein Zugriff auf diese Titel nur über
einzelne DFG- Nationallizenz-Pakete möglich, sind die einzelnen
E-Books nun über den Campus-Katalog auffindbar.




                                                                                                                   Jahresbericht 2010 3
Projekt NS-Raubgut
Anlässlich der Washingtoner Erklärung von 1998 und der Berliner Erklärung 1999 hat die SUB damit begonnen, nach „NS-verfolgungs-
bedingt entzogenem Kulturgut“ zu suchen. Seit 2005/2006 bemüht sie sich systematisch darum, diese Bestände aufzufinden, zu ver-
zeichnen und zu dokumentieren mit dem Ziel, Erben der ehemaligen Besitzer aufzuspüren und die geraubten Bücher zu restituieren.
Recherchierten zunächst ausschließlich hauseigene Kräfte, unterstützt die Arbeitsstelle für Provenienzforschung unser Projekt seit
September 2009 durch die Finanzierung eines wissenschaftlichen Mitarbeiters.

Inzwischen sind ca. 1000 Bände eindeutig als NS-Raubgut iden-         Die Bücher des in Basel geborenen Feldrabbiners Dr. Heinrich
tifiziert, im Sondermagazin der Bibliothek aufgestellt und nur        Cohn hat die Bibliothek auf Wunsch der in Großbritannien le-
über den Handschriften-Lesesaal nutzbar. Im Publikumskatalog          benden Familie dem Berliner Centrum Judaicum übergeben.
sind sie als NS-Raubgut gekennzeichnet, ihre früheren Besitzer sind
im Katalog vermerkt. Im Jahr 2010 gelangen zwei Restitutionen:

Die Bücher des Frankfurter Rabbiners Dr. Ignatz Bick konnte die
Bibliothek nach umfangreichen Recherchen der in den USA le-
benden Tochter übergeben.

                                                                      Heinrich Cohn wurde 1889 in Basel geboren. Nach seiner Promo-
                                                                      tion 1913 besuchte er das Berliner Rabbinatsseminar, an dem er
                                                                      1914 sein Rabbinerdiplom erlangte. Von 1917 bis 1918 war er als
                                                                      Militärrabbiner der Deutschen Armee an der Westfront in Frank-
                                                                      reich und in Straßburg stationiert. Nach Kriegsende zog er er-
                                                                      neut nach Berlin, wo er bereits seit dem 1. 8. 1917 Rabbiner des
Der Frankfurter Familie Bick war es 1939 gelungen, aus Deutsch-       Synagogenvereins Moabit im Hansabezirk war. Darüberhinaus
land zu fliehen. Die Gestapo hatte ihr gesamtes Hab und Gut           engagierte sich Heinrich Cohn in zahlreichen weiteren Projekten.
nach der Emigration beschlagnahmt und in den Hamburger Frei-          So war er von 1919 – 1935 Leiter der „Israelitischen Union E.V.“
hafen verbracht. 1940 kam ein Teil der Bücher als Geschenk der        und lehrte an verschiedenen Schulen. Nach dem Novemberpro-
Gestapo Hamburg in unsere Bibliothek. Isaac Bick emigrierte zu-       grom emigrierte die Familie 1939 über die Schweiz nach Groß-
sammen mit seiner Frau Mira im Juli 1939 nach London. Dort traf       britannien. Das Umzugsgut, darunter eine Bibliothek mit etwa
sich die Familie vermutlich im Herbst 1939 wieder. Die 14 jährige     10.000 Bänden, wurde in vier so genannten Lifts im Hamburger
Tochter Inge war schon im März zu Verwandten nach Brüssel ge-         Freihafen eingelagert, dort von der Gestapo beschlagnahmt und
schickt worden. Gemeinsam wanderten sie 1940 in die USA aus           später versteigert. Einige wenige Bücher kamen in die Staats-
und begannen in New York ein neues Leben. Nach dem Tod der            bibliothek, der Rest gelangte an die unterschiedlichsten Orte.
Eltern ließ sich die Tochter nördlich von New York in Greenwich       Da es nicht viele Feldrabbiner im 1. Weltkrieg gab, konnte die Bi-
nieder.                                                               bliothek über das Centrum Judaicum, welches an einer Ausstel-
Die Recherche nach der Familie führte uns über das Jüdische Mu-       lung über Feldrabbiner arbeitete, den Kontakt zu einem in Groß-
seum in Frankfurt, ancestry.com, das US Konsulat in Hamburg,          britannien lebenden Sohn hergestellen. Dieser berichtete, dass
das Jewish Center und das Museum of Jewish Heritage in New            bereits andere Bibliotheken der Familie Bücher aus der umfang-
York, das Hauptstaatsarchiv Hessen und den Temple Sholom in           reichen Sammlung seines Vaters zurückgegeben hätten.
Greenwich schließlich zu der Tochter von Isaac Bick, Inge I., der     Im Namen der Familie bat er, die Bücher seines Vaters der „Stif-
wir die Bücher zurückgeben konnten. Sie erinnert sich noch gut        tung Neue Synagoge in Berlin – Centrum Judaicum“ zu überlas-
an das Bibliothekszimmer ihres Vaters in Frankfurt – die uner-        sen. Dieser Bitte ist die SUB gerne nachgekommen.
wartete Rückgabe der sechs Bücher aus dieser Bibliothek war
für sie ein sehr bewegendes Ereignis.                                 Hinter jedem Besitzvermerk in einem Buch steht ein persönliches
Die Bücher wurden an den Rabbiner der jüdischen Gemeinde in           Schicksal, das es aufzuklären gilt. Der Wert der geraubten Bücher
Greenwich gesandt und dort am 11. August 2010 in einer feier-         ist nicht in Geld zu messen. Sie sind möglicherweise die einzigen
lichen Zeremonie an Inge I. übergeben. Neben weiteren Familien-       Erinnerungsstücke für Menschen, die vielleicht wie die Familien
angehörigen nahmen Vertreter der Stadt Greenwich, der Pastor          Bick und Cohn ihr Leben, nicht aber ihr Hab und Gut retten konn-
der christlichen Gemeinde, ein Vertreter des Museum of Jewish         ten. Oft sind es die einzigen Besitztümer, die den Angehörigen
Heritage in New York sowie zahlreiche Mitglieder der jüdischen        von ihren ermordeten Verwandten bleiben.
Gemeinde von Greenwich an der Veranstaltung teil. Unter den           Für uns besteht daher die Verpflichtung fort, weiter in den Be-
zurückgegebenen Büchern war auch eine Sammlung religiöser             ständen der SUB nach NS-Raubgut zu suchen und wenn möglich
Lieder, aus der der Kantor der Synagoge eines vortrug. Örtliche       zu restituieren. Wir handeln dabei im Bewusstsein, dass dieses
Zeitungen und ein Fernsehsender berichteten von dem Ereignis.         Thema Teil der Geschichte unseres Hauses ist.




4 Jahresbericht 2010
Informationsdienste
Blau zu beige – www.Stabi-zieht-um.de

Liebevoll gepflegt, immer wieder up to date gebracht, aber den-
noch ein wenig in die Jahre gekommen: die „blaue“ Website der
SUB, die 10 Jahre lang alle Infos zum Haus, alle elektronischen
Dienste, Katalogzugänge, seit 2004 den Chatbot Stella und seit
2006 das Stabi-Blog beherbergte. Im Oktober war es so weit: Das
SUB-Webteam hat mit neuem Design und dem neuem Content-
Management-System Typo3 die Inhalte der Website in ein neues
virtuelles Haus umgezogen.
Das Hauptanliegen des Webteams: Alles sollte übersichtlicher           Der „Wal“ wird langsam erwachsen – beluga mit mehr Bestands-
werden, weniger Klicks zum gewünschten Dienst war die Devise.          nachweisen und leistungsfähigerer Hardware
So fand der Katalogsuchschlitz seine feste Position auf jeder Seite,
die Darstellung der überregional gehosteten elektronischen Zeit-       beluga, der an der „Stabi“ entwickelte alternative Katalog für die
schriften und Datenbanken des Bibliothekssystems Universität           wissenschaftlichen Bibliotheken in Hamburg, hat 2010 große
Hamburg wurde in ihrem Design in die Website integriert, der Zu-       Schritte zum zukünftigen Leben als „ausgewachsener Wal“ unter-
gang zum Benutzerkonto ist von allen Seiten her direkt möglich.        nommen. So sind jetzt neben der „Stabi“ die Bestände folgender
Eine weitere Neuerung ist der Auftritt der SUB als Landesbiblio-       Bibliotheken in beluga recherchierbar: Fachbibliotheken der Uni-
thek, die im gleichen Design, aber mit viel mehr Platz für ihr gro-    versität Hamburg, Universitätsbibliothek der Technischen Univer-
ßes Portfolio an (elektronischen) Hamburgensien in eine eigene         sität Hamburg-Harburg, Hochschulinformations- und Biblio-
Umgebung gezogen ist.                                                  thekssystem der Hochschule für Angewandte Wissenschaften,
Einzig Stella, die elektronische Informationsassistentin, befindet     Hamburger Lehrerbibliothek, Hochschule für Musik und Theater,
sich noch im Urlaub – nach einer intensiven Fortbildung wird aber      Bibliothek der HafenCity Universität. Lehrenden, Studierenden
auch sie bald wieder auf der Homepage Rede und Antwort stehen.         und dem interessierten Publikum stehen somit in einem einzigen,
                                                                       modernen Suchwerkzeug die Daten von knapp sechs Millionen
                                                                       Werken zur Verfügung.
                                                                       Damit die Recherche in diesem umfassenden Datenbestand von
                                                                       Erfolg gekrönt ist, wurden spezifische Rankingmethoden einge-
                                                                       führt und optimiert, die je nach Art der Suchanfrage angepasste
                                                                       Ergebnislisten liefern. Auf diese Weise werden sowohl Suchen
                                                                       nach konkreten Werken sowie allgemeine, thematische Recher-
                                                                       chen individuell behandelt und die Ergebnisse für den Such-
                                                                       zweck optimiert dargestellt.
                                                                       Bei der Integration der neu hinzugekommenen Datenbestände
                                                                       wurde besonderer Wert darauf gelegt, auch für diese stets aktu-
                                                                       elle Verfügbarkeitsinformationen anzuzeigen. Sowohl im Ergebnis-
                                                                       überblick als auch bei den detaillierten Informationen ist ersicht-
                                                                       lich, ob ein Buch zur Zeit ausleihbar ist.
                                                                       Der Schwerpunkt der Arbeit an beluga besteht zur Zeit in der Kon-
                                                                       solidierung des Systems, um den hohen Anforderungen eines
                                                                       Regelbetriebs dauerhaft gerecht zu werden. So wird beluga künf-
                                                                       tig auf einem wesentlich leistungsfähigeren Server auf die Such-
                                                                       anfragen warten.




                                                                                                                   Jahresbericht 2010 5
Hamburg University Press
Hamburg University Press ist der Verlag der Staats- und Universitätsbibliothek. Er hat das Ziel, den freien Zugang zu wissen-
schaftlichem Wissen aktiv zu fördern. Konsequent sind alle publizierten Werke und Anwendungen frei über das Netz verfügbar
(Open Access). Parallel können die Werke als hochwertige Druckausgaben erworben werden. Darüber hinaus beteiligt sich der
Verlag an innovativen Projekten, um neue Aspekte des wissenschaftlichen elektronischen Publizierens auszuloten.

Hamburgs Geschichte                                                  Weitere Aktivitäten

Ein Fokus lag 2010 auf Publikationen zur jüngeren Geschichte.        Auch dieses Jahr war der Stabi-Verlag wieder gemeinsam mit der
Besonders produktiv zeigte sich die Hamburgische Wissenschaft-       Arbeitsgemeinschaft der Universitätsverlage auf der Frankfurter
liche Stiftung, die sich in drei neuen Bänden ihrer Reihe „Mäzene    Buchmesse vertreten. Der Stand hat sich dort im Bereich von
für Wissenschaft“ weiteren Stifterpersönlichkeiten und Kuratori-     Wissenschaft und Fachinformation etabliert und wächst mit
umsmitgliedern – den Brüdern Vorwerk, Ernst Friedrich Sieveking      jeder Messe. In diesem Jahr präsentierte man sich zum ersten
sowie Albert Ballin – widmete.                                       Mal mit dem Konzept eines „Marktplatzes“.
Der Verein für Hamburgische Geschichte (VHG) begann seine Ko-        Internationales Netzwerken ist ein wesentlicher Faktor: Während
operation mit dem Stabi-Verlag mit einem furiosen Auftakt:           der Messe wurde die Association of European University Presses
Neben einem Werk, das sich mit einem bisher weniger bekannten        (AEUP) gegründet, das neue internationale Open-Access-Projekt
Kapitel der hamburgischen Geschichte – den Hungerunruhen im          OAPEN (Open Access Publishing in European Networks), das vor-
Juni 1919 – befasste, legte der VHG in seiner Reihe „Beiträge zur    wiegend geisteswissenschaftliche Verlage unterstützt, wurde
Geschichte Hamburgs“ ein gewichtiges Opus magnum vor. Die            präsentiert.
Veröffentlichung des zweibändigen Werkes des verstorbenen Au-        Aber nicht nur das „klassische“ Verlagsgeschäft, sondern gerade
tors Uwe Schmidt, „Hamburger Schulen im ,Dritten Reich‘“, kann       auch die nachhaltige Verortung im Bereich des elektronischen
mit Fug und Recht als ein Standardwerk bezeichnet werden.            wissenschaftlichen Publizierens ist die Aufgabe von Hamburg
Ein Festakt mit prominenten Vortragenden zu diesem Anlass war        University Press. Aus diesem Grund war der Verlag bei Konferen-
hervorragend besucht und wurde einhellig begrüßt. Die verstor-       zen und Tagungen, die sich mit Aspekten digitaler Wissenschaft
bene Gattin des Altkanzlers Schmidt, Hannelore „Loki“ Schmidt,       beschäftigten, präsent. Erwähnt seien hier exemplarisch die
hatte eigens zu diesem Anlass einen Brief mit Erinnerungen an        Open-Access-Tage in Göttingen.
ihre Schulzeit in der NS-Zeit verfasst, der von der Direktorin der   Neben der Beobachtung von Entwicklungen und wissenschaft-
„Stabi“ verlesen wurde. Es gab positive Resonanz in der lokalen      lichen Bedarfen ist es ein Anliegen des Verlags, exemplarisch inno-
Presse sowohl zur Veranstaltung im repräsentativen Lichthof wie      vative Publikationsformen mit Vertretern der Wissenschaft zu er-
auch zum für Hamburg wichtigen Thema selbst.                         proben und umzusetzen:




6 Jahresbericht 2010
Sichtbarkeit und Verfügbarkeit
                                                                   von elektronischen Verlagspublikationen

                                                                   Eine zentrale Aufgabe des Verlags liegt in der Präsentation,
                                                                   Sichtbarmachung und Verbreitung gerade auch elektronischer
                                                                   Publikationen. Die Statistik im Bereich elektronischer Publika-
                                                                   tionen am Jahresende zeigt den Mehrwert digitaler Verfügbar-
                                                                   keit: Allein die Download-Zahlen von Dokumenten von, im und
                                                                   über den Verlag publizierten Werken überschritten 2010 um ei-
                                                                   niges die 100.000er-Marke. Die Verlagsaktivitäten haben dabei
                                                                   stets das Ziel, die weltweite Verfügbarkeit von Publikationen
                                                                   noch zu erhöhen. So konnte für den Zeitschriftenserver der GIGA
                                                                   Journal Family 2010 das international anerkannte DINI-Zertifikat
                                                                   erlangt werden, das die Voraussetzung für Vernetzung und bes-
„The Living Handbook of Narratology“ –                             sere Sichtbarkeit in der digitalen akademischen Welt ist. Die Ver-
zukunftsorientiertes wissenschaftliches Publizieren                netzung mit fachrelevanten Portalen wie z. B. SSOAR ( Social
                                                                   Science Open Access Repository ) oder auch die Verfügbarkeit
Im digitalen Zeitalter verändert sich auch die wissenschaftliche   über internationale wissenschaftliche Infrastrukturen wie DRIVER
Kommunikation. Neue Publikationsformen können den Anforde-         ( Digital Repository Infrastructure Vision for European Research )
rungen internationaler Kooperation und Kollaboration mit den       ist dabei ein wichtiger Schritt.
heutigen Arbeitsweisen in angemessener Weise Rechnung tra-         Sichtbarkeit und Verfügbarkeit werden den Verlag weiterhin be-
gen. Mit dem „Living Handbook of Narratology“ wurde eine solch     schäftigen: Für 2011 ist als neues Angebot ein Zeitschriftenserver
zukunftsweisende Publikationsstrategie umgesetzt:                  geplant, der Wissenschaftlern der Universität eine Infrastruktur
Das Interdisziplinäre Centrum für Narratologie der Universität     für nachhaltiges elektronisches Publizieren bieten wird.
Hamburg hat in Kooperation mit dem Stabi-Verlag und dem Wis-
senschaftsverlag de Gruyter ein interaktives narratologisches      Hamburg University Press: http://hup.sub.uni-hamburg.de/
Handbuch entwickelt, das laufend online fortgeschrieben wird. Es   Reihe „Mäzene für Wissenschaft“:
basiert auf Artikeln des 2009 bei de Gruyter gedruckt erschiene-     http://hup.sub.uni-hamburg.de/reihen/mazene-fur-wissenschaft/
nen „Handbook of Narratology“. Umgesetzt wird es mit Wiki-Tech-    Reihe „Beiträge zur Geschichte Hamburgs“:
nologie, die an wissenschaftliche Anforderungen angepasst und        http://hup.sub.uni-hamburg.de/reihen/beitrage-zur-geschichte-hamburgs/
mit elektronischen Mehrwerten angereichert wurde. Die Freischal-   „The Living Handbook of Narratology“:
tung des „Living Handbook“ wurde mit einer Feierstunde im Bei-       http://hup.sub.uni-hamburg.de/handbucherlexika/the-living-handbook-of-narratology/
sein universitärer und internationaler Gäste feierlich begangen.   GIGA Journal Family: http://hup.sub.uni-hamburg.de/giga




                                                                                                                             Jahresbericht 2010 7
Service
Die Bibliothek war an 349 Tagen mit 82 Wochenstunden geöffnet. Davon werden acht Stunden an den Wochenenden aus Studien-
beiträgen finanziert. In dieser Zeit stehen unseren Lesern 812 Arbeitsplätze, darunter 158 Computerarbeitsplätze, zur Verfügung.
Die Auskunft im Informationszentrum ist wochentags ganztägig und am Sonnabend von 10 – 18 Uhr mit bibliothekarischem Fach-
personal besetzt.

15.674 Leserinnen und Leser meldeten sich neu an. Die Zahl der       Informationsdienste
eingetragenen Nutzer stieg auf 50.089, davon sind knapp 20 %
Stadtleser. Die Zahl der jährlichen Besucherinnen und Besucher       2010 wurden an den verschiedenen Auskunftsplätzen des Hauses
blieb auf sehr hohem Niveau konstant bei 1.062.000. Das bedeu-       112.000 persönliche Auskünfte zur Literaturrecherche und all-
tet, dass in jeder Öffnungsminute im Durchschnitt mehr als vier      gemeinen Bibliotheksnutzung, zu den Medienlieferdiensten, zur
Kunden das Haus betreten, um Medien zu entleihen, die elektro-       Nutzung von Datenbanken und anderer E-Medien gegeben.
nischen Möglichkeiten zu nutzen, im Haus zu lernen und zu ar-
beiten oder die kulturellen Angebote der Bibliothek – Ausstellun-    Der Beratungsplatz im Informationszentrum bietet Erstnutzern und
gen oder Veranstaltungen – wahrzunehmen. Der Lesesaal erlebte        Stammkunden an 68 Wochenstunden eine verlässliche Anlauf-
erneut eine Steigerung der Besucherzahlen und erreichte zuwei-       stelle für Fragen zu Online-Katalog und Benutzerkonto, für Recher-
len die Grenze seiner Kapazität. Trotz der zunehmend virtuellen      chetipps und Hinweise auf das WLAN-Angebot oder die Multi-
Angebote ist das gedruckte Buch außerordentlich beliebt. Ein         funktionsgeräte.
leichter Rückgang in der Ausleihe der Bücher um 1,4% auf             E-Mail-Auskünfte nehmen weiterhin zu, daneben beteiligt sich
1.251.836 Medieneinheiten ist der elektronischen Konkurrenz          die Staats- und Universitätsbibliothek am gemeinsamen
von E-Büchern, E-Zeitschriften und anderen digital verfügbaren       Auskunftsdienst „Fragen Sie Hamburger Bibliotheken“.
Medien geschuldet, deren Nutzung überproportional anstieg.           Und wie im Vorjahr unterstützten die Bibliothekare und
                                                                     Bibliothekarinnen der Informationsdienste mit Führungen,
Ausleihzentrum und Magazine                                          Vorträgen und Präsentationen die Angebote der „Teaching
                                                                     Library“ ( siehe Seite 11).
Das Ausleihzentrum wurde von über 211.000 Lesern besucht, die
388.000 aus dem Magazin bestellte Medien abholten und                Im gesamten Haus steht Hamburger Studierenden das WLAN zur
260.000 Medien „vor Ort“ entliehen oder neu verbuchen ließen.        Verfügung. Als Lern- und Arbeitsort konnte das Informationszen-
                                                                     trum seine Attraktivität steigern. Von insgesamt 142 Arbeitsplät-
Eine wichtige Neuerung in der Lehrbuchsammlung trägt der Tat-        zen kann an 76 Plätzen alleine oder in Gruppen gelernt und an
sache Rechnung, dass viele Lehrbücher zusätzlich auch als Online-    28 PCs das Webangebot der „Stabi“ mit all seinen elektroni-
Version zugänglich sind. Am jeweiligen Standort weisen jetzt         schen Ressourcen genutzt werden. Weitere 48 PC-Arbeitsplätze
Aufsteller auf die parallele Online-Ausgabe hin. Für alle Fächer     verfügen über einen Internetzugang mit OpenOffice, davon sind
gibt es Listen der Online-Ausgaben zum Mitnehmen.                    16 PCs zusätzlich mit Microsoft Office ausgestattet. Zwei Multi-
                                                                     funktionsgeräte (Kopierer mit Druckfunktion) runden das Bild
Im Februar begann in der Speicherbibliothek Bergedorf als Reak-      der kurzen Wege ab: unser Angebot ist dort, wo der Benutzer ist.
tion auf gestiegene Bestellzahlen der 5-Tages-Betrieb (vorher
war nur an drei Tagen Personal vor Ort). Damit konnten die Liefer-   Zum Jahresende wurde ein zweiter Infoscreen für aktuelle und
fristen deutlich verkürzt werden.                                    Hintergrundinformationen in der Nähe der Auskunft eingerichtet.
Der Ausbau des 2. Untergeschosses der Speicherbibliothek schritt
zügig voran und wird 2011 abgeschlossen werden. Sie wird künftig
den Namen „Speicherbibliothek Hamburg“ tragen, um ihre Auf-
gabe als Archivbibliothek für ganz Hamburg zu dokumentieren.




8 Jahresbericht 2010
Lesesäle                                                                Medienlieferdienste

2010 standen die Lesesäle im Zeichen der Umbaumaßnahme für              Beim Direktlieferdienst subito der SUB gingen 14% mehr Bestel-
die Einrichtung des Saals 4 für Gruppen (siehe Seite 10). Der           lungen ein als im Vorjahr. Die Bibliothek versandte 11.500 Werke
Lesesaal 3 wurde dabei in seiner Gesamtfläche um ein Drittel            über subito, 19% mehr als 2009. Diese erfreuliche Entwicklung
verschlankt. 8.000 Allgemein- und Personalbibliographien                verlief konträr zum Trend der anderen Lieferbibliotheken in
zogen ins Informationszentrum oder ins Magazin.                         Deutschland, deren Bestellvolumen um 9% zurückging. Sie ver-
                                                                        deutlicht, dass die Kunden die Schnelligkeit und Effizienz des
Die Zahl der Lesesaal-Besucher ist mit 505.000 weiter angestiegen.      subito-Services der SUB ebenso schätzen wie die Qualität ihres
Als neues elektronisches Angebot ist der PC-Pool mit OpenOffice         Medienbestands und ihrer Sondersammlungen und sie daher
ausgestattet worden, und in einem E-Medien-PC kann in den               gezielt als Lieferanten auswählen.
elektronischen Pflichtdokumenten der SUB recherchiert werden.
Der Mikroformen-Leseraum präsentiert sich mit leistungsstarken          Auch die Zahl der Fernleihbestellungen blieb auf hohem Niveau.
Zeutschel-Mikrofilmgeräten in neuer Optik. Für die Besucher, die        Die Bibliothek erwies sich erneut als leistungsstarker Partner im
gern ein Buch der 52 Fachgebiete zuhause studieren möchten,             Leihverkehr. Zwar sank die Nachfrage aus anderen Bibliotheken
hält der Lesesaal einen Hinweis parat: Fast 1.000 Titel, die auch als   um 6%, aber die gebende Fernleihe erfüllte immer noch 40.000
E-Book im Netz genutzt werden können, sind mit einem gelben             Bestellwünsche. Auswärtige Bibliotheken lieferten unseren Be-
Sticker gekennzeichnet. Dies ergänzt das Angebot an 5.100 aus-          nutzern wie im Vorjahr gut 22.000 Werke. Hier kann die gegenüber
leihbaren Werken aus dem Fach Jura und den Naturwissenschaften.         dem Vorjahr erneut leicht gesunkene Zahl weiterhin als Indiz der
Eine inhaltliche Neustrukturierung gibt es bei der Pharmazie. Fand      Qualität der „vor Ort“ vorhandenen Bestände gelten. Bemerkens-
sie bisher ihren Platz beim Fachgebiet Medizin, ist sie jetzt zur       wert ist der starke Anstieg bei internationalen Fernleihbestellungen:
Chemie gewandert.                                                       unsere eigenen Kunden bestellten doppelt so viel Literatur aus
                                                                        dem Ausland wie 2009, und unsere Bibliothek erhielt 14% mehr
                                                                        Auslandsbestellungen.

                                                                        Die Fernleih-Auskunft im Informationszentrum erfreut sich konti-
                                                                        nuierlich wachsender Beliebtheit. Die Kunden werden hier quali-
                                                                        fiziert zu allen Aspekten der Medienlieferdienste beraten und er-
                                                                        halten individuelle Unterstützung bei ihren Recherchen und Be-
                                                                        stellungen. Dank eines optimierten Betriebskonzepts konnten
                                                                        mit 7.000 Auskünften 1.000 mehr als im Vorjahr gegeben werden.




                                                                                                                      Jahresbericht 2010 9
Foto: UHH/Schell
                        Gebäude und Einrichtung
                        Umbau des Lesesaals 3 zu Saal 4 für Gruppen

                        Um den Benutzern einen eigenen Raum für Gruppenarbeit zur
                        Verfügung zu stellen, wurde ein neuer Saal eingerichtet. 330
                        Quadratmeter wurden dafür aus dem Lesesaal 3 im 2. Stock ab-
                        getrennt. Mit einem direkten Zugang über das Haupttreppenhaus
                        sind damit 80 neue Arbeitsplätze für kommunikatives Lernen hin-
                        zugekommen. Im Oktober wurde der neue Saal in Betrieb ge-
                        nommen, dessen Name – Saal 4 für Gruppen – Bezug auf die drei
                        Lesesäle nimmt. Die Benutzer haben den Raum längst mit Be-
                        schlag belegt, er erreicht auch an den Wochenenden nicht selten
                        die Kapazitätsgrenze, was zeigt, dass diese Maßnahme notwen-
                        dig war und die erwünschte Resonanz gefunden hat.




                        Speichermagazin Bergedorf

                        Das Speichermagazin Bergedorf wurde mit finanzieller Unter-
                        stützung aus dem Hamburger Konjunkturprogramm (3,2 Millionen
                        Euro) weiter ausgebaut – auch das zweite Untergeschoss wird ein
                        Büchermagazin beherbegen. 2010 konnte etwa ein Drittel der
                        Fläche mit Bücherregalen ausgestattet werden. Ein Leseraum soll
                        später fünf Leseplätze aufnehmen.




10 Jahresbericht 2010
Foto: Jasmin Marla Dichant
Bibliothekssystem
Universität Hamburg
Eine exzellente Universität braucht exzellente Bibliotheken. Ge-
nauer gesagt: exzellente zentrale und dezentrale Informations-
dienstleister. SUB und Fachbibliotheken haben auf der Basis
eines fachlichen Gutachtens Handlungsfelder herausgearbeitet,
die in den kommenden Jahren gemeinsam angegangen werden
sollen. Im Fokus stehen hier sowohl eine an den Bedürfnissen
der Nutzer orientierte technische Infrastruktur als auch eine
ihren Lebens- und Lerngewohnheiten gerecht werdende Raum-
und Funktionsplanung („Lernort Bibliothek“). Die Zusammen-
führung der sprach- und literaturwissenschaftlichen Bibliothe-
ken im Philturm zu einer leistungsstarken Fachbereichsbiblio-
thek – unter fachlicher Beratung der SUB – ist eine von vielen
aufeinander abgestimmten Maßnahmen innerhalb des Biblio-
thekssystems. Hinzu kommen weitere gemeinsame Vorhaben,
die die SUB als Kompetenzzentrum in vielfältiger Weise durch In-
formation, Kooperation und Koordination begleitet hat. Dazu ge-
hören unter anderem die Bereiche E-Medienversorgung, Infor-
mationskompetenz, Speicherbibliothek, Katalogisierung von
Altbeständen oder auch der Versionswechsel der Bibliotheks-
software für das Lokale Bibliothekssystem (LBS) Hamburg.

Das Beratungs- und Schulungsangebot der Teaching Library

In der Wissensgesellschaft ist die Informationskompetenz eine der
zentralen Schlüsselkompetenzen. Längst gehört die netzbasierte
Literatur- und Informationsrecherche zum wissenschaftlichen und
beruflichen Alltag. Die SUB und die Fachbibliotheken begleiten und
unterstützen insbesondere die Studierenden mit vielfältigen Bera-
tungen und Schulungsveranstaltungen beim Erwerb ihrer Informa-
tionskompetenz. Mit dem Relaunch der Website präsentiert die
„Teaching Library“ an prominenter Stelle das gesamte Schulungs-
und Beratungsangebot der „Stabi“ und der Fachbibliotheken der
Universität. Im Jahr 2010 haben 10.656 Personen 564 Veranstal-
tungen besucht.




                                          Jahresbericht 2010 11
Abb.: „Wallhöhe bei Büschens Monument
                                                                   mit einem Blick auf die Binnen-Alster“




                                                                   Die Pflichtexemplare bildeten auch den Schwerpunkt eines be-
                                                                   sonderen Programms zur Bestandserhaltung: der Massenent-
                                                                   säuerung. 2010 wurden für „Maßnahmen zum Erhalt der gefähr-
                                                                   deten Bestände in wissenschaftlichen Bibliotheken“ 800.000
                                                                   Euro bereitgestellt; hinzu kamen 98.000 Euro Restmittel aus
                                                                   dem Vorjahr. Damit konnten 62.700 Bände entsäuert werden,
                                                                   davon 35.200 Bände aus der SUB. Darunter waren 930 Hambur-
Landesbibliothek                                                   ger Dissertationen und 11.500 Monographien mit Erscheinungs-
                                                                   ort Hamburg (Pflichtexemplare) aus den Jahren 1840 – 1990, die
                                                                   übrigen 22.770 Bände gehören zu den DFG-Sondersammel-
Die Hamburg-Sammlung: Erwerbung, Erschließung und Erhaltung        gebieten der Bibliothek. Als Koordinatorin der Massenentsäuerung
                                                                   für alle wissenschaftlichen Bibliotheken in Hamburg konnte die
Der Bestand an Literatur zur hamburgischen Geschichte und Lan-     SUB dafür sorgen, dass auch andere für die Geschichte der Hanse-
deskunde wurde systematisch ausgebaut. Von den Neuerschei-         stadt wichtige Bestände entsäuert wurden: z.B. Bibliotheks-
nungen wurden 180 im Hamburg-Lesesaal aufgestellt, der als         bestände des früheren Kolonialinstituts (in der Fachbibliothek
Handbibliothek zur Erforschung der Metropolregion mittlerweile     Wirtschaftswissenschaften und im Fachbereich Evangelische
fast 12.000 Bände umfasst. Mit 23 historischen Hamburg-Ansich-     Theologie der Universität), die Bibliothek des Soziologen und
ten und -Karten, darunter sieben Ansichten aus dem Litho-          Nationalökonomen Friedrich Hertz (Sozialwissenschaftliche Bi-
graphischen Institut des Hamburger Zeichners und Verlegers         bliothek der Universität), die Bibliothek der Sielklärversuchsan-
Peter Suhr und eine topographische Karte „zum Gedächtnis der       stalt Eppendorf in der UB der TU Hamburg-Harburg oder die
Belagerungszeit von 1813 und 1814“, konnte die Bibliothek ihre     komplette Hamburger historische Statistik im Statistischen Amt
Sammlung um sehr schöne Hamburgensien erweitern.                   für Hamburg und Schleswig-Holstein – Statistikamt Nord. Ferner
                                                                   gingen Spezialsammlungen der Ärztlichen Zentralbibliothek, der
Einen wichtigen Teil ihrer landeskundlichen Bücher und Zeit-       Fachbibliothek Wirtschaftswissenschaften der Universität, des
schriften erhält die Staatsbibliothek als Pflichtexemplare Ham-    Zentrums für Theaterforschung, der HafenCity-Universität und
burger Verleger, publizierender Institutionen und Behörden.        der Bibliothek des Altonaer Museums zur Entsäuerung. Vorbe-
2009 war die Novelle des Pflichtexemplargesetzes, die dem Ge-      reitet wurde die Fortsetzung der Maßnahmen im Jahr 2011 mit
setz von 1988 die Ablieferung elektronischer Publikationen hin-    Beständen der SUB und fünf weiterer Bibliotheken gemäß Haus-
zugefügt hat, in Kraft getreten. Auf Grund dieses Gesetzes und     haltsentwurf mit einem Finanzvolumen von 800.000 Euro.
der schon ein Jahr älteren Verordnung über die Ablieferung amt-
licher Publikationen konnten 2010 knapp 2.000 elektronisch ver-    Die Staatsbibliothek musste viele ältere beschädigte Pflichtex-
öffentlichte Dokumente auf den Dokumentenserver der Biblio-        emplare der physischen Belastung durch Benutzung entziehen.
thek übernommen werden (2009: 1.445). Um der Ablieferungs-         Die Originale werden dann stabilisiert und in Kartonageboxen
praxis im Detail eine feste Grundlage zu geben, wurde im Herbst    archiviert, und es wird eine Sekundärform (Mikrofilm, Digitalisat)
2010 eine Pflichtstückverordnung erlassen, die mit einem detail-   angefertigt, um die enthaltene Information weiterhin zugänglich
lierten Sammelprofil der Bibliothek korrespondiert. Wunsch zahl-   zu machen. Hamburger Zeitungen und Zeitschriften werden seit
reicher Regionalbibliotheken bzw. Bundesländer, der Deutschen      über 15 Jahren auf diese Weise systematisch gesichert. So hat die
Nationalbibliothek wie auch der Verlegerverbände ist es, die Ab-   Bibliothek 2010 u. a. die älteren Gesetz- und Verordnungsblätter,
lieferung elektronischer Pflichtexemplare auf Bundes- und Län-     historische Zeitschriften und Reihen sowie die Hamburg-Ausga-
derebene arbeitsteilig und effektiv zu organisieren. Hamburg hat   ben der großen Pflichtexemplar-Zeitungen verfilmen lassen. An-
sich in der AG Regionalbibliotheken für eine solche kooperative    gestoßen wurde eine Neuverfilmung der „Hamburger Nachrich-
Lösung eingesetzt und sich als Testpartner angeboten. Hier sind    ten“ und ihres Vorgängers seit 1792, der „Wöchentlichen ge-
2011 praktische Fortschritte zu erhoffen.                          meinnützigen Nachrichten von und für Hamburg“, die das Mikro-
Im Jahr 2010 kamen als „konventionelle“ Pflichtstücke etwa         filmarchiv der deutschsprachigen Presse finanziert; ihr liegen
12.000 Bücher, Zeitschriften- und Zeitungsbände, Karten und        Bestände der Staatsbibliothek und des Staatsarchivs Hamburg
Tonträger in die Bibliothek.                                       zugrunde. Die Filme sollen anschließend digitalisiert werden.




12 Jahresbericht 2010
Alle aktuelle Literatur zu Hamburg oder Hamburger Persönlich-      Ergebnisse publiziert: die Zeitschrift des Vereins für Hamburgi-
keiten wird seit 1992 in der Hamburg-Bibliographie verzeichnet:    sche Geschichte, demnächst ergänzt um das Mitteilungsblatt
Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Karten, Atlanten, Broschüren,    desselben Vereins, später „Hamburgische Geschichts- und Hei-
vor allem die zahlreichen „unselbständig erschienenen“ Werke,      matblätter“; das „Lexikon der hamburgischen Schriftsteller“ von
also Aufsätze aus Zeitschriften, Sammelbänden, Festschriften       Hans Schröder; über 200 historische Karten von Hamburg bis
und Zeitungen. Seit 2009 wird in einem Retro-Projekt die vor       1880. Das Großprojekt „Hamburger Adressbücher“ wurde zu er-
1992 erschienene Hamburg-Literatur systematisch eingearbei-        heblichen Teilen und mit sehr positiver Resonanz im November
tet, um dem letztlich angestrebten integralen Literaturnachweis    2010 ins Netz gestellt ( s. S. 14); weitere Jahrgänge, kleinere
für die gesamte Regionalliteratur näherzukommen. Ausgangs-         Adressbücher der früheren Vorstädte und die Fernsprechbücher
punkt sind dabei die Titel aus der „Bücherkunde zur hamburgi-      werden folgen. Begonnen hat die Digitalisierung der Hamburger
schen Geschichte“ für die Berichtsjahre 1900 – 1991 und einer      Parlamentaria bis 1933; mit diesem Projekt korrespondieren Be-
Kartei für die Zeit vor 1900, hinzu kommt die in der Verbund-      mühungen der Bürgerschaftsdokumentation, die Parlaments-
datenbank vor 1992 aufzufindende Hamburg-Literatur. Insge-         materialien nach 1945 zu digitalisieren; eine Kooperation ist an-
samt weist die Hamburg-Bibliographie online mittlerweile knapp     gebahnt. Außerdem wurden historische und landeskundliche
150.700 Titel nach und bietet 14.800 Kurzbiographien zu Ham-       Hamburger Zeitschriften und die meistgefragten Bücher und
burger Personen. Wird auf diese Weise eine umfassende Daten-       Nachschlagewerke gescannt, dazu die ersten von 1800 Portraits
bank der Hamburger Regionalliteratur erreicht, wertet das den      Hamburger Persönlichkeiten aus dem Druckgraphik-Bestand.
Beitrag der Hansestadt zur Virtuellen Deutschen Landes-            Diese Bildergalerie und die übrigen digitalen Hamburgensien
bibliographie (www.landesbibliographie.de) erheblich auf.          werden 2011 unter der neuen Erschließungs- und Präsentations-
                                                                   software Goobi im Netz veröffentlicht werden. Daneben ist Ende
Der digitale Hamburg-Lesesaal                                      2010 eine umfassende Digitalisierungsstrategie für die Staatsbi-
                                                                   bliothek entwickelt worden, die für den künftigen „digitalen
Das Portal-Projekt HamburgWissen Digital bildet im Bereich Lan-    Lesesaal“ den Hamburg-Aspekt in eine breite Palette wichtiger
desbibliothek einen Fluchtpunkt, auf den die Bibliothek ver-       Sammlungsobjekte integriert.
schiedene Aktivitäten zur Präsentation ihres regionalen Schwer-
punkts perspektivisch ausrichtet. Das Portal soll alle digitalen   Um sich als Landesbibliothek für alle Bürgerinnen und Bürger
Ressourcen zur hamburgischen Geschichte und Landeskunde            noch kompakter zu präsentieren, hat die Staatsbibliothek im Zuge
gleich welcher Datenproduzenten bündeln, in einem attraktiven      ihres Website-Relaunch ( s. S. 23 ) eine eigene Website für ihren
interaktiven Umfeld thematisch geordnet und kommentiert prä-       Bereich Landesbibliothek geschaffen (http://landesbibliothek.
sentieren. In einem weiteren Schritt sollen alle dazu technisch    sub.uni-hamburg.de/home.html).
geeigneten Ressourcen auf einem hohen Standard der Suchma-         Dort sind alle regionbezogenen Serviceangebote der Bibliothek
schinentechnologie gemeinsam durchsuchbar gemacht werden.          und alle Arbeitsbereiche versammelt, die zu Hamburg-Themen
Das Projekt konnte gegen Jahresende 2010 auf den Weg ge-           etwas beitragen. Dies ist das regionale „Gesicht“ der Staats-
bracht werden, die Staatsbibliothek betreibt es mit einer Lauf-    bibliothek, mit dem sie in dem gesamt-hamburgischen Portal
zeit von etwa drei Jahren gemeinsam mit dem Staatsarchiv und       HamburgWissen Digital die Bibliothekssphäre vertreten wird.
einem Dutzend weiterer Hamburger Partnerinstitutionen.

Digitale Eigenbeiträge der Staatsbibliothek für das Portal Ham-
burgWissen Digital sind zunächst die Hamburg-Bibliographie,
die dort mit angebotenen Kurzbiographien, die über 650 nach
Themen sortierten aktuellen Internetquellen zu Hamburger In-
stitutionen („Hamburg im Internet“), die E-Dissertationen mit
Hamburg-Themen und schließlich die Volltexte, die die Biblio-
thek durch eine systematische Retro-Digitalisierung ihrer wich-
tigsten landesgeschichtlichen Bestände bereitstellen wird.
Einige Digitalisierungsprojekte sind bereits abgeschlossen, die




                                                                                                             Jahresbericht 2010 13
Hamburger
Adressbücher im Netz

Das Projekt „Neuverfilmung und Digitalisierung der Hamburger
Adressbücher“ gibt es bereits seit 2006 – jetzt ist mehr als ein
Drittel von rund 550.000 Seiten Adress- und Fernsprechbüchern
aus Hamburg und seinen früheren Vorstädten im Netz. Langer
Atem, technische und inhaltliche Kreativität bei der Gestaltung
des Produkts, viel Datenerfassungsfleiß, bibliothekarische Qua-
litätskontrolle und Korrekturarbeit und ein Team aus verschiede-
nen Abteilungen mussten zusammenkommen, um dieses Pro-
jekt zu einem ersten, viel beachteten Zwischenergebnis zu brin-
gen. Ausgangspunkt und Motivation des Projekts war ein un-
haltbarer Zustand: Adressbücher sind für Privatpersonen und
ForscherInnen verschiedenster Interessenlage eine wichtige
Quelle und als Medium selbst ein begehrtes Forschungsobjekt,
das heißt die Nachfrage ist groß und stetig. Aber die Originale
waren seit langem nicht mehr benutzbar, die in den 70er Jahren
gefertigten Mikrofilme sperrig in der Benutzung und qualitativ
schlecht. Deshalb war die Digitalisierung zuerst ein dringendes
Benutzungsdesiderat – daneben ein Anlass, erhebliche Mehr-
werte zu schaffen durch neue Recherche-Möglichkeiten und Er-
weiterungen des Material-Angebots: Insgesamt sind 980 Bände
in das Projekt eingegangen, die als Originale gar nicht alle in der
Staatsbibliothek vorhanden sind, sondern aus 18 Hamburger
und auswärtigen Bibliotheken und Archiven ausgeliehen wur-
den zur Verfilmung und Digitalisierung.

Gefördert wurde das Projekt durch FamilySearch, Utah, USA,
durch Übernahme der Verfilmung bis zum Erscheinungsjahr 1950
und durch die GEN Gesellschaft für Erbenermittlung mbH, die mit
einem namhaften Betrag die Strukturdatenerfassung und Anpas-
sung der Software unterstützte. Dass die Bibliothek daneben
auch einige Eigenmittel aufwandte, um eine attraktive und durch
die Suchfunktionen qualitativ hochwertige Präsentation zu er-
arbeiten, hat sich gelohnt: die Reaktionen des Publikums – der
Blog-Eintrag zum Adressbuch wurde bisher rund 4000 mal gelesen!
– und das große Medienecho waren einhellig positiv.
„Hamburgum literatum“ hieß der erste Vorläufer des Hamburger         Adressbücher waren dazu da, Personen, Wirtschaftspartner
Adressbuchs im Jahr 1698, eine Liste von Standes- und akade-         oder Produkte zu finden, für Orientierung zu sorgen und natür-
misch gebildeten Personen, noch ohne Adressen. Das „Jetzt be-        lich auch: die Bewohnerschaft mit all ihren Funktionen, Titeln
lebte Hamburg“ von 1712 (fortgesetzt als „Jetzt-lebendes Ham-        und Verdiensten zu repräsentieren. Dazu gehörten über viele
burg“ 1722 – 1725) setzt die Ahnengalerie fort, später der „Al-      Jahrzehnte ganz ungeschützt die Bankverbindung, der Börsen-
manach für Reisende“ des Buchhändlers Johann Nicolaus Carl           standplatz und die Privatadressen von Firmenbesitzern oder An-
Buchenröder von 1782, der Verzeichnisse Hamburger und Alto-          gestellten.
naer Kaufleute, Mediziner und Apotheker brachte, und dann
1784 der Hamburger Kaufmannsalmanach. Er war das direkte             Besonders reich an sozial- und kulturgeschichtlicher Substanz
Vorbild, nach dem der Kaufmann, Buchdrucker und Verleger Jo-         ist stets das Verzeichnis der wichtigsten Gesellschaften, Stiftun-
hann Heinrich Hermann das „Neue hamburgische Addres-Buch             gen, öffentlichen Einrichtungen etc., und es richtete sich von Be-
auf das Jahr 1787“ auf den Markt brachte. Es erschien jährlich bis   ginn an immer auch an den Fremden, der am Hoteltresen das
1966, nur 1814, 1944 – 1946 und 1948 nicht. Bis 1939 verblieb das    Adressbuch in die Hand nahm. 1791 las er dort zur „öffentlichen
Hamburger Adressbuch im Verlag Hermann(’s Erben), bis es 1939        Stadtbibliothek“:
gezwungenermaßen an die Verlagsgruppe Dumrath und Fass-
nacht überging, die parallel auch allgemeine und Branchen-Fern-
sprechbücher publizierte.

Das auf alljährlichen Umfragen beruhende Hamburger Adress-
buch genoss im Deutschen Reich einen exzellenten Ruf wegen
der Reichhaltigkeit und Zuverlässigkeit seiner Informationen.
Die Verzeichnisse der Umgebung, die nach und nach zu erschei-
nen begannen, standen dem kaum nach: Altona hatte seit 1802
ein eigenes Adressbuch, Harburg seit 1856 und früher oder spä-
ter auch Bergedorf, Wandsbek, Wilhelmsburg, Rahlstedt und die
Elbvororte. Überall gab es Personen- und Firmenverzeichnisse,
Straßenverzeichnisse und Branchenteile, daneben stets die Be-
hörden mit allen Beamten und Angestellten und viele interes-
sante beschreibende Teile zu Stiftungen und Vereinen, Wissen-
schaft und Bildung, sozialen Einrichtungen, Kultur und Religion,
dazu seit dem späten 19. Jahrhundert Werbung.
Diese Vielfalt für interessierte NutzerInnen durchschaubar zu
machen und möglichst kurze Suchwege über das schlichte Blättern
hinaus zu schaffen, waren zentrale Ziele des Projekts. Am Ende
wird für jedes Jahr zwischen 1698 und 1975 der komplette Satz an
Adress- und Fernsprechbüchern für Hamburg und die früheren
Vorstädte sowie Cuxhaven und Geesthacht angeboten werden.
Darin sind Suchen in den typischen alphabetischen Teilen (Per-
sonen/Firmen, Straßen, Branchen) möglich, bei Bedarf einge-
schränkt auf einen Teilbereich der Hansestadt. Und es gibt einen
direkten Zugang zu weiteren charakteristischen Teilen: zu Ver-
kehr und Kommunikation (Post, Telefon, Telegraph), zur Werbung
und vor allem zu den amtlichen und sonstigen Institutionen und
zu Sehenswürdigkeiten – all dies kann auf bestimmte Jahre hin
recherchiert werden.




                                                                                                               Jahresbericht 2010 15
Sondersammlungen
In den Sondersammlungen vereinigt die SUB wesentliche Teile ihres historischen, bis in die Gegenwart hinein erweiterten Bestandes.
Mit ihren Spezialitäten, Kostbarkeiten und Unika geben die Sondersammlungen der Bibliothek ein individuelles Profil und bergen
eine Vielzahl von Quellen für die regionale wie nationale Kultur- und Geschichtsforschung. Zahlreiche Ausstellungen und Veran-
staltungen im Hause, in der Stadt und überregional schöpfen aus diesen Beständen, die darüber hinaus weltweit für wissen-
schaftliche Zwecke genutzt werden.

Handschriften                                                       Seltene und Alte Drucke

Eine der wenigen noch erhaltenen Handschriften aus der 1784         Im Jahr 2010 konnten einige besonders wertvolle Stücke für die
versteigerten Bibliothek des Hamburger Doms, die erst 1931 in       verschiedenen Sammlungsbereiche erworben werden. Dazu ge-
den Besitz der SUB gelangte, dann aber zwischen 1945 und 1999       hört das handgeschriebene, mit Wasserfarben illuminierte und
kriegsbedingt verschollen war, ist als Band 4 der Reihe „Publi-     mit eigenen Dichtungen versehene Malerbuch „Der Mann im
kationen der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg“ im         Turm“ des Hamburger Expressionisten und Begründers der
Reichert-Verlag veröffentlicht worden: „Das Hamburger Antipho-      Turm-Presse Karl Lorenz (1888 – 1961). Hierbei handelt es sich
nar ND VI 471. Ein wiederentdecktes Musikdenkmal des 15. Jahr-      um den Entwurf zu dem gleichnamigen, 1930 in der Turm-Presse
hunderts aus dem Hamburger Dom. Einführung, Edition, Fak-           erschienenen Holzschnitt-Bilderbuch. Bereits 2007 konnte die
simile“ (Wiesbaden 2010).                                           SUB das Malerbuch „Die Frau im Turm“ (1924) ankaufen, das
                                                                    vermutlich ebenfalls als Holzschnitt-Bilderbuch erscheinen soll-
                                                                    te, bisher aber nur in Gestalt dieses Entwurfs nachgewiesen ist.
                                                                    Die zahlreichen Pressendrucke des Künstlers werden in der
                                                                    Sammlung „Schönes Buch“ aufbewahrt.




                                                                    Unter den Neuzugängen befindet sich auch einer der berühmtes-
                                                                    ten und illustrationsreichsten deutschen Wiegendrucke: die nach
Die Publikation präsentiert eine im 15. Jahrhundert im Umfeld       ihrem Verfasser, dem Nürnberger Stadtphysikus Hartmann Sche-
des Hamburger Doms entstandene Antiphonar-Handschrift, die          del (1440 – 1514), benannte Schedelsche Weltchronik in einem
zwei sonst nirgendwo überlieferte Offizien zu Ehren Marias und      Exemplar der Ende 1493 erschienenen deutschen Ausgabe. Über
ihrer Mutter, der heiligen Anna, enthält. Texte und Melodien bei-   1.800 Holzschnitte schmücken die biblischen und profanen Ge-
der hier erstmals veröffentlichten Zyklen stammen wahrschein-       schichtsschreibungen sowie die Beschreibungen von Städten
lich von Klerikern des Hamburger Doms. Neben Erläuterungen          und Ländern Europas. Das Exemplar befand sich ursprünglich im
zu beiden Zyklen und zur vielfältigen Entstehungs- und Überlie-     Besitz des Hamburger Gelehrten und Sammlers Michael Richey
ferungsgeschichte des Codex bietet die Publikation eine voll-       (1678 – 1761), der 1715 die „deutschübende Gesellschaft“ mitbe-
ständige Text- und Notenübertragung sowie ein Faksimile der         gründet hatte, die Vorgängerin der heute noch aktiven Patrioti-
Handschrift. Eine CD mit Wiedergabe von Teilen des Marien-Offi-     schen Gesellschaft von 1765. Der Erwerb dieses Bandes aus einer
ziums, aufgeführt vom Leipziger Vokalensemble amarcord an-          amerikanischen Privatsammlung hat somit einen hohen ideellen
lässlich des Festkonzerts zur 530-Jahr-Feier der Bibliothek 2009,   Wert für die Geschichte der Hamburger literarischen Welt und ist
liegt der Veröffentlichung bei.                                     eine große Bereicherung der Inkunabelsammlung der SUB.




16 Jahresbericht 2010
Nachlässe und Autographen

Ergänzend zu dem bereits 1968 von der SUB aus Familienbesitz
erworbenen Nachlass des Schriftstellers Hans Henny Jahnn
(1894 – 1959) konnte im August 2010 mit Unterstützung des
Jahnn-Forschers Dr. Jan Bürger (Marbach) ein noch bei der Toch-
ter Signe Trede-Jahnn in Fredensborg (Dänemark) verbliebener
Teil-Nachlass ihres Vaters übernommen werden.
Er besteht aus Jahnns Handbibliothek, dem Archiv des von Jahnn
gegründeten und geführten Ugrino-Verlags, der besonders mit
Werkausgaben von Barockkomponisten bekannt wurde, und
verschiedenen Dokumenten zur Biographie (Familienpapiere,
Fotos, Erinnerungsstücke, Gemälde). Literarisch besonders be-       Musiksammlung
deutend ist die umfangreiche Familienkorrespondenz, deren
größter Teil 1992/93 an Dr. Uwe Schweikert (Stuttgart) ausge-       Für ihr Brahms-Archiv erwarb die Bibliothek bislang unbekannte
liehen und nun auch wieder mit dem Nachlass vereinigt wurde,        Dokumente aus einem in Familienbesitz verbliebenen Teilnach-
sowie ein annähernd vollständiges Typoskript der ersten beiden      lass des Hamburger Musikers und Brahms-Freundes Theodor
Teile von Jahnns Hauptwerk „Fluß ohne Ufer“.                        Avé-Lallemant (1806–1890). Es handelt sich um ein fragmenta-
                                                                    risch erhaltenes Autograph von Brahms’ 1859 entstandenem
                                                                    „Wechsellied zum Tanze“ (op. 31, Nr. 1 ), ein Vokalquartett, das
                                                                    bisher nur durch den 1864 erschienen Notendruck bekannt ist,
                                                                    sowie zwei eigenhändige Korrekturblätter zu Hamburger Auffüh-
                                                                    rungen von Brahms’ Klavierkonzert op. 15 und seiner Serenade
                                                                    op. 11. Auch an Avé-Lallemant gerichtete Briefe von Johannes
                                                                    Brahms, Clara und Robert Schumann, Joseph Joachim und Peter
                                                                    Tschaikowsky sowie weitere Musikhandschriften und -drucke aus
                                                                    seinem Besitz (darunter ein Exemplar des Erstdruckes von
                                                                    Brahms’ Streichquartetten op. 51) gehören zu der Neuerwerbung.
                                                                    Eine ebenfalls im Teilnachlass enthaltene Abschrift des Allegro-
                                                                    Satzes einer g-Moll-Klaviersonate mit nachträglicher Zuschrei-
                                                                    bung an Clara Wieck (spätere Schumann), deren zugehörige Sätze
                                                                    sich als Abschriften desselben Kopisten in einem anderen Teil-
                                                                    nachlass Avé-Lallemants im Brahms-Institut Lübeck befinden,
Darüber hinaus fanden acht eigenhändige, meist noch unveröf-        konnte Dr. Michael Struck, der Leiter der Forschungsstelle der Jo-
fentlichte Briefe des Dichters Matthias Claudius (1740 – 1815) an   hannes-Brahms-Gesamtausgabe an der Universität Kiel, mit
Familienmitglieder sowie ein weiterer Teilnachlass des spani-       hoher Wahrscheinlichkeit als Werk des Hamburger Komponisten
schen Schriftstellers Guillermo de Torre (1900 – 1971) mit Manu-    und Brahms-Freundes Carl von Holten (1836 – 1912) identifizieren.
skripten, Tagebuchaufzeichnungen, Portraits und Widmungs-           Alle genannten Dokumente sind inzwischen über den Handschrif-
exemplaren Eingang in die Nachlass-Sammlung.                        tenkatalog HANS der SUB Hamburg recherchierbar.




                                                                                                              Jahresbericht 2010 17
Kartensammlung

Die im Jahr 2009 digitalisierten 200 historischen Hamburg-Karten    dem berühmten Renaissance-Städteatlas von Braun und Hogen-
aus der Zeit von 1590 bis 1880 erwiesen sich als großer Erfolg:     berg: „Civitates Orbis Terrarum“.
Ihre Präsentation führte im Jahr 2010 zu rund 82.600 Aufrufen der   Ein weiteres historisches Stück, das in diesem Jahr für die Kollek-
entsprechenden Internetseite und zog rund 100 Reproduktions-        tion angeschafft wurde, ist ein seltener Schulatlas aus dem 18.
aufträge nach sich.                                                 Jahrhundert, herausgegeben im Auftrag der Berliner Akademie der
Neu erworben wurden für die Kartensammlung 21 historische           Wissenschaften von dem begnadeten Mathematiker Leonhard
Ansichten und zwei Karten, darunter Hamburger Ansichten von         Euler: „Geographischer Atlas bestehend in 44 Land-Charten, wo-
Peter Suhr, Wilhelm Heuer und Leo Loeser Wolf, einige pittoreske    rauf alle Theile des Erd-Creyses vorgestellet werden“, Berlin
Trachtenbilder und der sehr seltene Hamburg-Plan von 1588 aus       [1783].




18 Jahresbericht 2010
Linga-Bibliothek
der Freien und Hansestadt Hamburg
Die wissenschaftliche Spezialbibliothek mit wertvollem Altbestand und aktueller Studienliteratur zu Geschichte, Politik, Landes-
kunde, Ethnologie sowie zu Kunst und Kultur Lateinamerikas entstand aus der Büchersammlung des Hamburger Kaufmanns Carlos
R. Linga. Die Linga-Bibliothek befindet sich im Lichthof im Altbau der SUB und verfügt über einen Bestand von mehr als 35.000 Bänden,
der von den Studierenden und Wissenschaftlern der Universität Hamburg und anderen Lateinamerika-Interessierten genutzt wird.

Die „Stiftung der Linga-Bibliothek in der Freien und Hansestadt
Hamburg“ wurde im Jahr 1967 von der Witwe Lingas, Bertha
Probst de Linga, gegründet und fördert seither umfassend die
Linga-Bibliothek. Die jährlichen Erträge aus dem Vermögen wer-
den u. a. zum Ankauf von aktueller Lateinamerika-Literatur und
Antiquaria verwendet. Im Jahr 2010 konnten mit diesen Geldern
zahlreiche Werke aus dem 18. und 19.Jahrhundert erworben wer-
den. Sie ergänzen vor allem den Bereich der Reiseliteratur, der
einen wichtigen Schwerpunkt der Antiquaria-Sammlung der Bi-
bliothek bildet. Das Ehepaar Linga hatte sich stets für den Blick
europäischer Forscher und Reisender auf Lateinamerika interes-
siert und über Jahrzehnte eine bedeutende Kollektion reich illus-
trierter Forschungsberichte, Reisebeschreibungen und Atlanten
zusammengetragen.

                                                                    Die Stiftung der Linga-Bibliothek beteiligte sich auf Einladung des
                                                                    Initiativkreises Hamburger Stiftungen am 3. Hamburger Stiftungs-
                                                                    tag, um die „Schätze“ der Linga-Bibliothek zu zeigen und das
                                                                    Angebot an aktueller Forschungsliteratur in der Stadt bekannter
                                                                    zu machen. Der Stiftungstag fand unter dem Motto „Stiftungen
                                                                    bewegen die Stadt!“ am 5. Juni 2010 in der Handelskammer und
                                                                    im Hamburger Rathaus statt. Die Linga-Stiftung war im Börsen-
                                                                    saal als Teil eines Gemeinschaftsstands vertreten und informierte
                                                                    unter der Überschrift „Hamburger Unternehmer, Mäzene und
                                                                    Wissenschaftsförderer“ die Öffentlichkeit über die Arbeit der
                                                                    Stiftung und der Bibliothek. Im Zentrum der Präsentation stand
                                                                    eine Diashow zur Geschichte des Ehepaars Linga in Mexiko und
                                                                    zur Entstehung ihrer Büchersammlung als Grundstock der späte-
                                                                    ren Linga-Bibliothek.



                                                                    Bereits am Vorabend des Stiftertages fand im großen Festsaal
                                                                    des Rathauses ein Senatsempfang für die Hamburger Stiftungen
 Foto: Otto Danwerth
                                                                    statt.




                                                                                                               Jahresbericht 2010 19
Bundesweite Literaturversorgung –
Sondersammelgebiete
Die SUB Hamburg betreut im System der bundesweiten Literaturversorgung die fünf Sondersammelgebiete (SSG) Spanien/
Portugal, Politik und Friedensforschung, Verwaltungswissenschaften, Indianer- und Eskimosprachen und -kulturen sowie Küsten-
und Hochseefischerei. Dieses System wird gegenwärtig von der DFG umfassend evaluiert. Die SUB beteiligte sich über die Mitarbeit
in Gremien und durch Teilnahme an Befragungen aktiv an diesem Verfahren.

Im Jahr 2010 unterstützte die DFG die Erwerbung für die fünf
Sondersammelgebiete mit rund 580.000 Euro. Damit wird so-
wohl der Kauf gedruckter Literatur gefördert, als auch die Sich-
tung, Auswahl und Aufnahme von frei im Internet verfügbaren        Projekt Akte20.09
elektronischen Medien. Den Nutzern in ganz Deutschland steht       http://projektakte.sub.uni-hamburg.de/
damit nicht nur ein umfassender Buch- und Zeitschriftenbestand
für die Sondersammelgebiete zur Verfügung, sondern auch eine       Im Projekt Akte20.09 wird die von der SUB betriebene Virtuelle
wachsende Zahl von wissenschaftlich relevanten elektronischen      Fachbibliothek Politikwissenschaft (ViFaPol) inhaltlich um die
Dokumenten, auf die ohne Zugangsbeschränkung sofort zugegrif-      Verwaltungs- und Kommunalwissenschaften erweitert und tech-
fen werden kann. Die SUB Hamburg hat im Jahr 2010 insgesamt        nisch auf eine neue Basis gestellt. Partner in diesem von der DFG
rund 2.200 elektronische Medien (Texte und Internetquellen) auf-   geförderten Projekt sind die Senatsbibliothek Berlin, das Deut-
genommen. Sie sind im Campus-Katalog des Bibliothekssystems        sche Institut für Urbanistik Berlin und die Deutsche Hochschule
Universität Hamburg verzeichnet, viele der E-Medien darüber hin-   für Verwaltungswissenschaften Speyer. Ziel ist es, neben politik-
aus auch in den verschiedenen virtuellen Fachbibliotheken, die     wissenschaftlichen nun auch verwaltungs- und kommunal-
die SUB betreibt oder mit Content-Lieferungen unterstützt.         wissenschaftliche Informationen komfortabel über ein Fachpor-
                                                                   tal recherchieren und beschaffen zu können. Um dies zu rea-
                                                                   lisieren, wurden ab Projektstart im Februar 2010 zunächst
                                                                   grundlegende Nutzerstudien durchgeführt. Auf Basis der da-
                                                                   durch gewonnenen Erkenntnisse über das Rechercheverhalten
                                                                   der Zielgruppe wurde das Konzept für die technische Umsetzung
                                                                   des Portals angepasst und Inhalte (Datenbanken, Zeitschriften,
                                                                   Webseiten) zur Einbindung in die Metasuche ausgewählt. Erstes
                                                                   sichtbares Ergebnis ist die Neugestaltung der Nutzeroberfläche
                                                                   des Volltextservers eDoc. ViFaPol, die auch einen Einblick in das
                                                                   für die gesamte ViFa angestrebte Design bietet.
                                                                   http://edoc.vifapol.de/opus/




20 Jahresbericht 2010
Die virtuelle Fachbibliothek cibera wird Mitglied bei Academic      LOTSE Politikwissenschaft
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                                                                    So wie ein Lotse sein Schiff durch die Gewässer leitet und auf
Zwei von der SUB betreute Produkte kamen im Jahr 2010 zu-           Kurs hält, bietet das gleichnamige Tutorial-Portal LOTSE
sammen. Die ViFa Ibero-Amerika/Spanien/Portugal (cibera.de),        (http://lotse.uni-muenster.de) Studierenden und Wissenschaft-
die die SUB Hamburg zusammen mit dem Ibero-Amerikanischen           lern einen gesteuerten Überblick über Informationen zu einzel-
Institut in Berlin betreibt, wurde Mitglied bei Academic Linksha-   nen Fächern und Bibliotheksstandorten. LOTSE begleitet die
re (ALS), einem deutschlandweit aktiven Verbund zur kooperati-      Nutzer bei allen Schritten des wissenschaftlichen Arbeitens und
ven Erschließung von Internetquellen.                               führt zu den benötigten Ressourcen. Das Portal wird von der ULB
                                                                    Münster betrieben, die auch für die Zentralredaktion verant-
Mit dem Linkshare System und der Geschäftsstelle stellt die SUB     wortlich ist. Da alle an LOTSE beteiligten Bibliotheken die fach-
die technische und organisatorische Grundlage für die Erschlie-     lichen und lokalspezifischen Inhalte kooperativ betreuen und
ßungsarbeit in ALS bereit.                                          pflegen, können die Informationen laufend aktualisiert und an
Der von den beteiligten wissenschaftlichen Bibliotheken und         die Bedürfnisse der Nutzer angepasst werden.
Fachinstituten gemeinsam aufgebaute Datenpool sprengte im
Jahr 2010 die Marke von 100.000 Datensätzen, von denen über         Nach dem Recherchekurs Hispanistik hat die SUB in LOTSE nun
93.000 Internetquellen in 17 verschiedenen Fachportalen und         auch ein Tutorial zur Politikwissenschaft zusammengestellt. Wir
virtuellen Fachbibliotheken präsentiert werden. Damit hat das       bieten dort grundlegende Informationen zur Recherche und Hin-
Netzwerk eine in Deutschland einmalige Größe erreicht.              weise auf fachspezifische Ressourcen zur Politikwissenschaft.
http://www.academic-linkshare.de                                    Eingebunden wurde das Tutorial auch in die Virtuelle Fachbiblio-
                                                                    thek ViFaPol.
Dazu trug auch der Import der etwa 8.000 Internetquellen bei,       http://www.vifapol.de/tipps/tutorial/
die in cibera nachgewiesen sind. Die Websites aus und über La-
teinamerika, Spanien und Portugal decken ein vielfältiges The-
menspektrum ab, das von der Anthropologie bis zur Zoologie
reicht. Die Internetquellen sind weiterhin in cibera recherchier-
bar, können jetzt aber auch von anderen ViFas präsentiert wer-
den. So lässt sich nach einem Datenaustausch beispielsweise
eine wirtschaftspolitische Institution in Spanien über den regio-
nalen Zugang cibera finden, aber auch über die thematischen
Portale ViFaPol oder EconBiz.




                                                                                                              Jahresbericht 2010 21
Öffentlichkeitsarbeit
Ausstellungen, Tagungen, Veranstaltungen

Ein Jahr der Konsolidierung! Nach dem Jubiläumsjahr mit sehr        Auch ein großer Teil der Veranstaltungen hatte Hamburg zum
vielen bibliotheksbezogenen Veranstaltungen hatte die „Stabi“       Thema, zumal inzwischen die Vorträge des Vereins für Hambur-
in diesem Jahr einen Hamburg-Schwerpunkt gewählt.                   gische Geschichte in der Bibliothek stattfinden. Ein weiterer
                                                                    Schwerpunkt war die Hamburg beschäftigende Schulreform, in
Drei Ausstellungen drehten sich um Hamburg-Literatur im wei-        deren Zusammenhang der Verein „Schule im Dialog“ etliche In-
testen Sinne: der Hamburger Kinder- und Jugendbuchautorin           formationsveranstaltungen durchführte. Ausreißer des Jahres
Kirsten Boie wurde zum 60. Geburtstag eine Ausstellung und ein      war die Modenschau „Rengé Mezopotamya – Die Farben Meso-
Symposium gewidmet, sie dankte mit einer Lesung. Im Rahmen          potamiens“, die neue Möglichkeiten der Nutzung des Lichthofs
des Kulturfrühlings „Himmel auf Zeit – Die 1920er Jahre in Ham-     in Szene setzte.
burg“ zeigte die „Stabi“ gemeinsam mit der Universität Ham-
burg eine historische „Literatur-Topographie“: „Karger vielleicht   Zwei besondere Publikationen des Stabi-Verlags „Hamburg
als wo anders – Literatur und literarisches Leben in Hamburg        University Press“ wurden vorgestellt, das „Living Handbook of
1919 – 1933“, hauptsächlich mit Büchern aus den eigenen Be-         Narratology“ und das Standardwerk zur Hamburgischen Schul-
ständen. Ein besonders starkes Medienecho erlebte die Ausstel-      geschichte „Hamburger Schulen im ,Dritten Reich‘“, zu dessen
lung über den „Weltverbesserer Kurt Hiller“ zum 125. Geburtstag     Präsentation im Lichthof Hannelore Schmidt noch eigene Erinne-
des Publizisten, Pazifisten und Juristen.                           rungen verlesen ließ.
In zwei Ausstellungen präsentierten Hamburger Buchkünstler
ihre Werke: der Drucker und Grafiker Klaus Raasch seine Bücher,     Ungewöhnlich und von den Studierenden mit Begeisterung aufge-
Grafiken und Objekte und die renommierte Buntpapiererin Gisela      nommen war das Public Viewing der Fußball-Weltmeisterschaft.
Reschke wunderschöne Einband- und Vorsatzpapiere, zu denen          Die Bibliothek zeigte die tagsüber abgehaltenen Spiele im Vortrags-
die Bibliothek historische Beispiele aus den Rara-Beständen bei-    raum, die Aktion wurde zum Blog-Renner bei den Veranstaltungen.
steuerte.
                                                                    Insgesamt fanden in der Bibliothek sieben Ausstellungen, zwei
                                                                    Tagungen und 41 Veranstaltungen statt.
                                                                    Alle Ausstellungen, Tagungen und Veranstaltungen s. S. 32 ff.




22 Jahresbericht 2010
Relaunch der Website                                                  Social Media

Am ersten Oktober startete die Stabi-Website in einer neuen Ver-      Über das zentral in die Website integrierte Weblog kommuniziert
sion. Sie wurde vom Design komplett neu – nämlich im Corporate        die Staatsbibliothek seit 2006 erfolgreich mit den Nutzern. Im
Design der Bibliothek – und inhaltlich anders gestaltet, sie stellt   vergangenen Jahr hat die Bibliothek einen weiteren Schritt zur
die Recherche in den Vordergrund, führt mit einem Mausklick zu        Verankerung von Web 2.0 in die Marketingstrategien des Hauses
den elektronischen Zeitschriften und Datenbanken und macht            gemacht und als eine der ersten Bibliotheken Deutschlands das
mit ihrem neuen „Look and Feel“ und vielen Bildern Lust auf die       Thema Social Media als so bedeutend eingestuft, dass hierfür
Inhalte. Der Relaunch wurde entsprechend in den Social Media          eigens eine Stelle eingerichtet wurde.
beworben und fand viel Aufmerksamkeit. Es gab kaum kritische          Die Kommunikation über die Sozialen Netzwerke nutzt die
Stimmen, was als ein schnelles Einleben unserer Nutzer in ihr         „Stabi“, um sowohl mit den bestehenden Kunden in Kontakt zu
virtuelles Bibliothekszuhause gewertet werden kann.                   treten, als auch um neue Nutzer für die Serviceleistungen der Bi-
                                                                      bliothek zu gewinnen. Dadurch werden die ausleihbaren Buch-
Pressearbeit                                                          und Zeitschriftenbestände, alle elektronischen Serviceleistun-
                                                                      gen und das Veranstaltungsprogramm der Staatsbibliothek auch
Das Referat „Öffentlichkeitsarbeit“ der „Stabi“ betreut nicht nur     weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt gemacht. Über
das Corporate Design der Bibliothek und ist für das Management        das Blog, über Twitter und vor allem über das immer stärker ge-
der Ausstellungen und Veranstaltungen zuständig, sondern wen-         nutzte Soziale Netzwerk Facebook wird laufend über das breite
det sich mit der Pressearbeit an die Print-Medien, den Rundfunk       Angebot des Hauses informiert. Über die Social-Media-Kanäle
und das Fernsehen.                                                    eingehendes Feedback wird genutzt, um das Angebot der Bi-
2010 gab die Bibliothek 13 Pressemitteilungen heraus; 35 Artikel      bliothek zu optimieren. Fragen der Benutzung werden zeitnah
mit bibliotheksbezogenen Inhalten erschienen in der Tages-            geklärt.
presse Hamburgs und der Metropolregion, hier erregten die
frisch digitalisierten Hamburger Adressbücher das größte Aufse-
hen, überregional beachtet wurde v. a. die Kurt-Hiller-Ausstel-
lung. Und zum Jahresschluss freute sich die Bibliothek noch
über einen besonderen Auftritt: Stabi-Schätze verbargen sich
hinter dem zweiten Adventstürchen im NDR-Fernsehen.




                                                                      Ein reger Austausch und steigende Abonnentenzahlen sowohl
                                                                      auf Twitter (Ende 2010: 600 Follower) als auch auf Facebook
                                                                      (Ende 2010: 700 Fans) zeigen, dass wir auf einem richtigen Weg
                                                                      sind. Die Nutzer werden dort abgeholt, wo sie sind, und finden
                                                                      die Dienstleistungen der „Stabi“ sowohl im virtuellen als auch
                                                                      im realen Raum vor, also überall da, wo sie ihre Informationen
                                                                      aufnehmen, verarbeiten und verbreiten.




                                                                                                                Jahresbericht 2010 23
5. Bestand nach Materialien
                                                              Bücher, Zeitschriften, Zeitungen                     3.454.644
                                                              … darunter: Lehrbuchsammlung                            48.115
                                                              … darunter: Inkunabeln                                     249
                                                              … darunter: Rara                                        19.351
                                                              Sonstige Druckwerke                                    101.855
                                                              … darunter: Karten und Pläne                            58.796
                                                              … darunter: Noten                                       27.656
                                                              Sonstige nicht-elektronische Materialien               728.620
                                                              … davon: AV-Medien                                      73.677
Statistik                                                     … davon: Mikromaterialien
                                                              Handschriften und Autographen
                                                                                                                     650.282
                                                                                                                      88.663
                                                              Nachlässe insgesamt                                        561
1. Gebäude / Einrichtung                                      Elektronische Bestände                                 491.488
Bruttofläche ( in qm )                              24.285    … davon: Datenbanken                                     1.293
... davon: Benutzungsbereiche                        8.990    Laufend gehaltene Zeitschriften, Zeitungen               6.863
... davon: Magazinbereiche                          11.805    Laufend gehaltene elektron. Zeitschriften, Zeitungen    51.472
Benutzerarbeitsplätze                                  812
... darunter: Computerarbeitsplätze                    158    6. Benutzung
                                                              Allgemeine Daten
2. Bibliothekspersonal                                        Aktive EntleiherInnen                                  50.089
Bibliothekspersonal lt. Stellenplan                   210,5   … darunter: nicht Hochschulangehörige                  11.465
… davon: genutzt                                       181    Öffnungstage                                              349
… darunter: einfacher und mittlerer Dienst              78    Öffnungsstunden in der Woche                               82
… darunter: gehobener Dienst                            78    Anteil des geschlossenen Magazinbestandes in %             91
… darunter: höherer Dienst                              25    Benutzung am Ort
Personal außerhalb des Stellenplans insgesamt           16    Entleihungen nach physischen Einheiten insgesamt    1.251.836
Personenmonate der Auszubildenden                      137    … darunter: Leihfristverlängerungen                   556.575
Fortbildungstage aller MitarbeiterInnen                581    … darunter: Lehrbuchsammlung                          108.097
                                                              … darunter: SB-Bereich                                152.052
3. Ausgaben und Finanzierung (EUR)                            … darunter: Lesesaal                                   21.462
Ausgaben Erwerbung                                3.705.089   … darunter: Eilbestellungen                               641
… davon: Kauf                                     3.513.341   Vormerkungen                                           61.618
… … darunter: elektronische Medien                  944.263   Erinnerungen und Mahnungen                             90.415
… … darunter: Zeitschriften                       1.086.005   Bibliotheksfachliche Auskünfte                        111.664
… davon: Einband                                    191.674   Von Benutzern erstellte Fotokopien                  1.670.000
Sonstige sächliche Ausgaben                       5.052.018   Persönliche Bibliotheksbesuche                      1.062.307
… darunter: Ausgaben für Bestandserhaltung        1.209.906   … darunter: Besuche der Lesesäle                      505.725
… darunter: gebäudebezogene Ausgaben              1.582.025   … darunter: Besuche des Ausleihzentrums               211.441
Ausgaben für Personal                             9.889.808   Virtuelle Bibliotheksbesuche                        9.610.374
Finanzierung durch Unterhaltsträger              15.949.719   Benutzerschulungen (Stunden/Teilnehmer)             133/4.762
Finanzierung durch Studiengebühren                  500.000   Ausstellungen                                               7
Finanzierung durch Drittmittel                    1.020.363   Kulturelle Veranstaltungen                                 41
Einnahmen                                         1.064.496   Tagungen                                                    2
                                                              Zugriffe auf elektronische Zeitschriftentitel         303.805
4. Zugang                                                     Zugriffe auf Datenbanken                              216.235
Zugang insgesamt – konventionell                    60.896    Auswärtiger Leihverkehr und Lieferdienste
… darunter: Kauf                                    33.467    Erhaltene Bestellungen und Lieferungen insgesamt       91.892
… darunter: Pflicht                                 12.086    … darunter: Lieferungen nach außen                     51.146
… darunter: Sonstiger Zugang, Geschenk, Tausch      15.343    … darunter: Lieferungen von außen                      22.226
Zugang insgesamt elektronisch                      383.965    … darunter: positiv erledigte Direktlieferdienste      11.454




24 Jahresbericht 2010
Stabi Jahresbericht 2010
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Stabi Jahresbericht 2010

  • 2. Inhalt 1 2 Editorial Bestandsentwicklung 4 Projekt NS-Raubgut 5 Informationsdienste 6 Hamburg University Press 8 Service 10 Gebäude und Einrichtung 11 Bibliothekssystem Universität Hamburg 12 Landesbibliothek 14 Hamburger Adressbücher im Netz 16 Sondersammlungen 19 Linga-Bibliothek der Freien und Hansestadt Hamburg 20 Bundesweite Literaturversorgung – Sondersammelgebiete 22 Öffentlichkeitsarbeit 24 Statistik 25 Mitarbeit in Gremien 26 Referenten und Fachreferate 27 Veröffentlichungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 28 Lehrveranstaltungen, Vorträge und Kongressbeiträge 30 Die SUB und ihre Bestände in der Fachliteratur 32 Ausstellungen, Tagungen, Veranstaltungen 34 Aus- und Fortbildung 34 Organisation und Struktur 36 Danksagung Jahresbericht der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky Anschrift: Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg Telefon: (040) 428 38 - 22 33 Telefax: (040) 428 38 - 33 52 E-Mail: auskunft@sub.uni-hamburg.de Internet: www.sub.uni-hamburg.de Erschienen im Juni 2011 Redaktion: Marlene Grau Fotos: Staats- und Universitätsbibliothek Druck: Staats- und Universitätsbibliothek Gestaltung: Philip Bartkowiak
  • 3. Foto: Michael Heitmann Liebe Leserinnen und Leser, 2010 hat die Staats- und Universitätsbibliothek einen großen Schritt 2010 ging die neue Website der Staats- und Universitätsbiblio- hin zur digitalen Landesbibliothek machen können. Von den viel thek an den Start. Sie dient nun nicht mehr – wie viele Jahre all- gefragten Hamburger und Altonaer Adressbüchern wurden alle seits auch im Bibliothekswesen üblich – der Unternehmensprä- Jahrgänge bis 1903 im Netz veröffentlicht, dazu ein Querschnitt sentation. Vielmehr ist es so, dass wir die Homepage als Einstieg aller in Hamburg und den früheren Vorstädten publizierten Adress- in die Bibliotheksbenutzung sehen, bei der es nur weniger Klicks und Fernsprechbücher des Jahres 1926. Dieses digitale Angebot bedarf, um die gewünschte Information(squelle) zu erreichen. wird kontinuierlich bis zur Mitte der 1970er Jahre vervollständigt. Dementsprechend findet man auf der neuen Website der „Stabi“ Man kann in den Adressbüchern nicht nur blättern, sondern auch bereits beim Start die wichtigsten Nutzungsziele: Recherche, Ser- gezielt und komfortabel suchen: alphabetisch nach Personen, vice, Bibliotheken und das Blog. Straßen und Branchen sowie thematisch nach den reichhaltigen Unsere Website verbindet die sozialen Netzwerke (Weblog, beschreibenden Teilen der Adressbücher, nach Verkehrsinforma- Twitter und Facebook) und die wissenschaftliche Gemeinschaft tionen und Werbung. Weitere elektronische Angebote kommen mit den Angeboten der Bibliothek. Gleichzeitig leitet sie unser hinzu: die digitalisierten historischen Karten und die Netzausgabe Publikum hin zur Staatsbibliothek als einen realen, gern be- der Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte. Mehr suchten Ort. Für den Bereich „Social Media“ hat die Bibliothek noch: Digitale Adressbücher, Karten, Portraits, Bücher und Zeit- 2010 eine zusätzliche Stelle eingerichtet, damit die Kommunika- schriften zu Hamburg-Themen werden künftig eingehen in ein tion im Netz mit unseren Nutzern professionell erledigt werden Internetportal, in dem alle digitalen Quellen zur hamburgischen kann. Die wertschätzenden Rückmeldungen sind enorm. Wir Geschichte und Landeskunde versammelt und gemeinsam durch- sprechen damit auch neue Kundengruppen an, die wir auf her- suchbar gemacht werden. Wir haben es HamburgWissen Digital kömmlichen Informationswegen nicht erreichen würden. genannt. Das Projekt hat Ende 2010 begonnen. Die Staats- und Universitätsbibliothek führt es zusammen mit zahlreichen Koope- 2010 wurde auch der erste große Gruppenarbeitsraum durch rationspartnern des öffentlichen und privaten Sektors – allen voran Umwidmung eines Lesesaals eröffnet. Obwohl die Besuche und mit dem Staatsarchiv – durch. Nutzungen im Netz ständig steigen und die Neun–Millionen- Grenze im Jahr längst überschritten haben, können wir auch 2010 konnte das Hamburger Pflichtexemplargesetz, welches im über vermehrte reale Besuche in der Bibliothek berichten. Übrigen zu den ältesten in Deutschland gehört (1696), um die Ab- Neben der Ausleihe von Medien und dem stillen Studieren in den lieferungspflicht von Netzpublikationen erweitert werden. So Lesesälen ist der Bedarf an Plätzen für gemeinsame Arbeit in stellt die Staats- und Universitätsbibliothek sicher, dass unab- Gruppen und für das „laute“ Lernen und Kommunizieren, ein- hängig von der Veröffentlichungsform das in der Freien und hergehend mit einer hohen Verweildauer in der Bibliothek, wei- Hansestadt verlegte geistige Schaffen weiterhin annähernd voll- ter angewachsen. Die räumlichen Voraussetzungen aus den ständig künftigen Generationen überliefert werden kann. Die Ge- 1970er Jahren entsprachen dieser Veränderung im Nutzerverhal- setzesänderung war dringend geboten, denn zunehmend erschei- ten schon lange nicht mehr. Ein Schwerpunkt der Bibliotheks- nen insbesondere wissenschaftliche Journale und Monographien entwicklung wird deshalb in den nächsten Jahren die Moderni- in digitalen Publikationsformen, ohne zugleich in gedruckter sierung und weitere räumliche Umgestaltung der Staats- und Form vertrieben zu werden. Es drohte ein Wissensverlust, den Universitätsbibliothek zum lebendigen Lern- und Arbeitsort Bi- die Hamburgische Bürgerschaft mit dieser Novelle umsichtig ab- bliothek, zum „Marktplatz der Universität“ mit noch großzügige- gewendet hat. Hamburg ist damit das dritte Bundesland, das ren Öffnungszeiten sein. eine gesetzliche Ablieferung von Netzpublikationen vorsieht. Prof. Dr. Gabriele Beger Dirktorin der Bibliothek
  • 4. Bestandsentwicklung „Ihre Leistungsqualität ist Ergebnis einer sorgfältigen Balance von Medienbeschaffung, Erschließung und Service“ – so lautet ein zentraler Satz im Leitbild der Staats- und Universitätsbibliothek. Am Anfang der bibliothekarischen Verwertungskette steht die Auswahl und Beschaffung mit den Zielen, den aktuellen Bedarf an neuester Literatur- und Informationsversorgung zu decken und dem Interesse künftiger Forschung gerecht zu werden, ohne dabei Pflege und Ausbau der historischen und landesbibliothekarischen Bestände aus dem Blick zu verlieren. Erwerbungsmittel müssen deshalb regelhaft, verlässlich und ausreichend zur Verfügung stehen. 2010 war für den Bestandsaufbau zweifelsohne ein erfolgreiches Für E-Medien wurden 2010 25% des Erwerbungsetats eingesetzt, Jahr, was die verfügbaren Mittel, die Medienzahl und deren Viel- insgesamt 944.000 Euro. Diese Summe verteilt sich zu 47% auf E- falt betrifft. 3.705.000 Euro hat die SUB für den Medienerwerb Zeitschriften, zu 34% auf Datenbanken und zu 19% auf E-Books. ausgegeben - eine beachtliche Summe, von der lediglich 48% aus dem verlässlichen, aber seit Jahren in der Gesamtsumme un- veränderten Wirtschaftsplan der Freien und Hansestadt Hamburg E-Medien SUB HH 2010 stammen. 52% der Mittel kamen 2010 aus anderen Quellen, die nach Typ weder in ihrer Ergiebigkeit noch Verlässlichkeit gesichert sind. Die Sondersammelgebiete, die zu 75% von der Deutschen For- E-Zeitschriften 47% schungsgemeinschaft (DFG) und zu 25% aus Eigenmitteln finan- Datenbanken 34% ziert werden, machten 2010 ca. 13% des Erwerbungsetats aus. E-Books 19% Studiengebühren, die die Bibliothek auch 2010 für den Erwerb von Studienliteratur in gedruckter und elektronischer Form ein- gesetzt hat, nehmen den beachtlichen Anteil von 12% am Ge- Ein Blick auf die Herkunft der Mittel verdeutlicht, dass der regulär samtbudget ein. Den aktuellen Etat ergänzte die SUB aus selbst zugewiesene Anteil aus dem Wirtschaftsplan der FHH nicht aus- erwirtschafteten Mitteln um zusätzliche 18%, mit denen sie ge- reichen würde, um das Angebot zu halten, geschweige denn zu zielt das E-Medienangebot und den Ausbau der historischen und erweitern. 41% der eingesetzten Mittel sind Studiengebühren, landeskundlichen Sammlungen unterstützte. 8% zentrale Mittel, die die Universität der SUB zum gemeinsa- men Erwerb von E-Medien zur Verfügung stellt. Etwa die Hälfte Auch 2010 waren weit über die Hälfte der verfügbaren Mittel ge- der Mittel sind Eigenmittel der SUB. Enthalten ist hier eine ein- bunden, d. h. sie mussten für Abonnements eingesetzt werden. malige Unterstützung, die die Bibliothek 2010 aus Rückstellun- Längst gehen diese laufenden Kosten über die Abonnements gen zur Aufrechterhaltung des elektronischen Angebots aufge- von gedruckten Zeitschriften und Serien hinaus und betreffen wendet hat. auch Lizenzen für die Aktualisierung und Bereitstellung elektro- nischer Medien. 2010 waren allein 42% des Erwerbungsetats er- E-Medien SUB HH 2010 forderlich, um die laufenden Zeitschriftenabonnements unab- Herkunft der Mittel hängig von ihrer Erscheinungsform zu finanzieren. 12% entfielen Eigenmittel 51% auf den Bezug von sogenannten e-only-Zeitschriften, 30% auf Studien- Zeitschriften, die gedruckt und immer häufiger parallel auch gebühren 41% elektronisch publiziert werden. Die Entscheidung, ob eine Zeit- Universität, Zentralmittel 8% schrift gedruckt und elektronisch oder nur elektronisch angebo- ten wird, kann nicht pauschal getroffen werden, sondern hängt von unterschiedlichsten Faktoren ab. Die SUB und die Fachbe- Eine Verschiebung des Mitteleinsatzes zu Lasten der gedruckten reiche der Universität sind im regen Austausch darüber, welche Medien hat 2010 nicht stattgefunden. 75% des Etats wurden weiter- Lösung die jeweils beste oder am besten akzeptierte im Biblio- hin für Gedrucktes ausgegeben. Der Zugang mit ca. 61.000 Bänden thekssystem ist. ist konstant geblieben. Allein die Lehrbuchsammlung konnte einen 2 Jahresbericht 2010
  • 5. Zuwachs von 3.170 Bänden verzeichnen. Auch hier haben die Ob Lexika, Periodika oder Bibliographien, das Angebot konnte Studiengebühren ihren konsequenten Einsatz gefunden; jedes auch 2010 durch neue Online-Publikationen ergänzt werden. Die aus Studiengebühren finanzierte Buch wird mit einem Aufkleber digitalisierte Ausgabe des wöchentlich seit 1842 erschienenen gekennzeichnet. In der Lehrbuchsammlung und im Lesesaal gibt englischen Magazins „Illustrated London News“, welches das es Hinweise auf elektronische Ausgaben bzw. elektronische Lehr- Bild von Politik und Politikern insbesondere der Leser des 19. bücher. Der Vorteil des Volltextzugriffs auf aktuelle oder aktuali- Jahrhunderts maßgeblich prägte und erst 2003 sein Erscheinen sierte Zeitschriften, Datenbanken, Nachschlagewerke liegt auf der eingestellt hat, bietet über 260.000 durchsuchbare Volltextseiten Hand und ist aus dem Studienalltag kaum noch wegzudenken. E- und mehr als 1,5 Millionen Farbbilder. Books bereichern die Lehrbuchsammlung, bestimmen aber nicht das Bild. Das gedruckte Lehrbuch ist gewünscht und damit weiter- hin notwendig. Die Entscheidung, ob ein Print- oder elektronisches Exemplar gekauft wird, richtet sich nach Kriterien wie Nachfrage, Nutzung, Nutzbarkeit, Nützlichkeit und Kosten. Die SUB gehörte 2010 zu den Bibliotheken in Deutschland, die sich am nachfrage- bezogenen Finanzierungsmodell des UTB-studi-e-book-Angebots (ca. 500 Titel aller Fachgebiete) beteiligte und maßgeblich mit- gewirkt hat, die Zugriffsmöglichkeiten zu verbessern. Mit dem gezielten Einzelkauf von E-Books aller Fachgebiete ebenso wie mit dem erneuten Kauf der deutschen Springer-E-Book-Pakete mit ca. 11.000 Titeln ergänzte die Bibliothek das Angebot an Studien- literatur mit Augenmaß und Qualitätsbewusstsein. Darüber hinaus werden aus Nationallizenzen finanzierte E-Book- Pakete, lizenzfreie und in Datenbanken enthaltene E-Book-Samm- lungen angeboten, insgesamt 500.000 Titel. Das internationale Ortsverzeichnis, „Columbia Gazetteer of the E-Books im Campuskatalog World“, steht nun als Onlineversion der gleichnamigen gedruckten ( Januar 2011) National- Enzyklopädie zur Verfügung und enthält geographische Daten, Lizenzen 73% Disser- Beschreibungen, Eigenschaften von über 165.000 Ortsnamen in tationen 17% der Welt. Die Datenbanken „Germanistik Online“, „Romanische Kostenpflichtig Bibliographie Online“ und „Linguistic Bibliography Online“ ge- lizensierte 7% hören zum unverzichtbaren bibliographischen Rüstzeug und bieten Freie Internet- dokumente 3% in der Onlineausgabe erhebliche Recherchevorteile. Im Vorjahr waren insgesamt nur 23.100 E-Books und 80.000 elek- Bedarfsorientierte Bestandsentwicklung bedeutete auch 2010, tronische Dissertationen im Katalog nachgewiesen. Diese Situati- Ausgewogenheit zwischen dem gedruckten Angebot vor Ort und on hat sich 2010 deutlich verändert: 384.000 neue Titelaufnahmen der elektronischen Zugriffsmöglichkeit herzustellen. Im Formular wurden in den Campuskatalog eingebracht. Es handelt sich dabei für Erwerbungsvorschläge wird jetzt der Wunsch nach der Lektüre zum großen Teil um E-Books, die durch die DFG- Nationallizenzen als E-Book abgefragt und, sofern realisierbar, auch umgesetzt. angeboten werden. War zuvor ein Zugriff auf diese Titel nur über einzelne DFG- Nationallizenz-Pakete möglich, sind die einzelnen E-Books nun über den Campus-Katalog auffindbar. Jahresbericht 2010 3
  • 6. Projekt NS-Raubgut Anlässlich der Washingtoner Erklärung von 1998 und der Berliner Erklärung 1999 hat die SUB damit begonnen, nach „NS-verfolgungs- bedingt entzogenem Kulturgut“ zu suchen. Seit 2005/2006 bemüht sie sich systematisch darum, diese Bestände aufzufinden, zu ver- zeichnen und zu dokumentieren mit dem Ziel, Erben der ehemaligen Besitzer aufzuspüren und die geraubten Bücher zu restituieren. Recherchierten zunächst ausschließlich hauseigene Kräfte, unterstützt die Arbeitsstelle für Provenienzforschung unser Projekt seit September 2009 durch die Finanzierung eines wissenschaftlichen Mitarbeiters. Inzwischen sind ca. 1000 Bände eindeutig als NS-Raubgut iden- Die Bücher des in Basel geborenen Feldrabbiners Dr. Heinrich tifiziert, im Sondermagazin der Bibliothek aufgestellt und nur Cohn hat die Bibliothek auf Wunsch der in Großbritannien le- über den Handschriften-Lesesaal nutzbar. Im Publikumskatalog benden Familie dem Berliner Centrum Judaicum übergeben. sind sie als NS-Raubgut gekennzeichnet, ihre früheren Besitzer sind im Katalog vermerkt. Im Jahr 2010 gelangen zwei Restitutionen: Die Bücher des Frankfurter Rabbiners Dr. Ignatz Bick konnte die Bibliothek nach umfangreichen Recherchen der in den USA le- benden Tochter übergeben. Heinrich Cohn wurde 1889 in Basel geboren. Nach seiner Promo- tion 1913 besuchte er das Berliner Rabbinatsseminar, an dem er 1914 sein Rabbinerdiplom erlangte. Von 1917 bis 1918 war er als Militärrabbiner der Deutschen Armee an der Westfront in Frank- reich und in Straßburg stationiert. Nach Kriegsende zog er er- neut nach Berlin, wo er bereits seit dem 1. 8. 1917 Rabbiner des Der Frankfurter Familie Bick war es 1939 gelungen, aus Deutsch- Synagogenvereins Moabit im Hansabezirk war. Darüberhinaus land zu fliehen. Die Gestapo hatte ihr gesamtes Hab und Gut engagierte sich Heinrich Cohn in zahlreichen weiteren Projekten. nach der Emigration beschlagnahmt und in den Hamburger Frei- So war er von 1919 – 1935 Leiter der „Israelitischen Union E.V.“ hafen verbracht. 1940 kam ein Teil der Bücher als Geschenk der und lehrte an verschiedenen Schulen. Nach dem Novemberpro- Gestapo Hamburg in unsere Bibliothek. Isaac Bick emigrierte zu- grom emigrierte die Familie 1939 über die Schweiz nach Groß- sammen mit seiner Frau Mira im Juli 1939 nach London. Dort traf britannien. Das Umzugsgut, darunter eine Bibliothek mit etwa sich die Familie vermutlich im Herbst 1939 wieder. Die 14 jährige 10.000 Bänden, wurde in vier so genannten Lifts im Hamburger Tochter Inge war schon im März zu Verwandten nach Brüssel ge- Freihafen eingelagert, dort von der Gestapo beschlagnahmt und schickt worden. Gemeinsam wanderten sie 1940 in die USA aus später versteigert. Einige wenige Bücher kamen in die Staats- und begannen in New York ein neues Leben. Nach dem Tod der bibliothek, der Rest gelangte an die unterschiedlichsten Orte. Eltern ließ sich die Tochter nördlich von New York in Greenwich Da es nicht viele Feldrabbiner im 1. Weltkrieg gab, konnte die Bi- nieder. bliothek über das Centrum Judaicum, welches an einer Ausstel- Die Recherche nach der Familie führte uns über das Jüdische Mu- lung über Feldrabbiner arbeitete, den Kontakt zu einem in Groß- seum in Frankfurt, ancestry.com, das US Konsulat in Hamburg, britannien lebenden Sohn hergestellen. Dieser berichtete, dass das Jewish Center und das Museum of Jewish Heritage in New bereits andere Bibliotheken der Familie Bücher aus der umfang- York, das Hauptstaatsarchiv Hessen und den Temple Sholom in reichen Sammlung seines Vaters zurückgegeben hätten. Greenwich schließlich zu der Tochter von Isaac Bick, Inge I., der Im Namen der Familie bat er, die Bücher seines Vaters der „Stif- wir die Bücher zurückgeben konnten. Sie erinnert sich noch gut tung Neue Synagoge in Berlin – Centrum Judaicum“ zu überlas- an das Bibliothekszimmer ihres Vaters in Frankfurt – die uner- sen. Dieser Bitte ist die SUB gerne nachgekommen. wartete Rückgabe der sechs Bücher aus dieser Bibliothek war für sie ein sehr bewegendes Ereignis. Hinter jedem Besitzvermerk in einem Buch steht ein persönliches Die Bücher wurden an den Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Schicksal, das es aufzuklären gilt. Der Wert der geraubten Bücher Greenwich gesandt und dort am 11. August 2010 in einer feier- ist nicht in Geld zu messen. Sie sind möglicherweise die einzigen lichen Zeremonie an Inge I. übergeben. Neben weiteren Familien- Erinnerungsstücke für Menschen, die vielleicht wie die Familien angehörigen nahmen Vertreter der Stadt Greenwich, der Pastor Bick und Cohn ihr Leben, nicht aber ihr Hab und Gut retten konn- der christlichen Gemeinde, ein Vertreter des Museum of Jewish ten. Oft sind es die einzigen Besitztümer, die den Angehörigen Heritage in New York sowie zahlreiche Mitglieder der jüdischen von ihren ermordeten Verwandten bleiben. Gemeinde von Greenwich an der Veranstaltung teil. Unter den Für uns besteht daher die Verpflichtung fort, weiter in den Be- zurückgegebenen Büchern war auch eine Sammlung religiöser ständen der SUB nach NS-Raubgut zu suchen und wenn möglich Lieder, aus der der Kantor der Synagoge eines vortrug. Örtliche zu restituieren. Wir handeln dabei im Bewusstsein, dass dieses Zeitungen und ein Fernsehsender berichteten von dem Ereignis. Thema Teil der Geschichte unseres Hauses ist. 4 Jahresbericht 2010
  • 7. Informationsdienste Blau zu beige – www.Stabi-zieht-um.de Liebevoll gepflegt, immer wieder up to date gebracht, aber den- noch ein wenig in die Jahre gekommen: die „blaue“ Website der SUB, die 10 Jahre lang alle Infos zum Haus, alle elektronischen Dienste, Katalogzugänge, seit 2004 den Chatbot Stella und seit 2006 das Stabi-Blog beherbergte. Im Oktober war es so weit: Das SUB-Webteam hat mit neuem Design und dem neuem Content- Management-System Typo3 die Inhalte der Website in ein neues virtuelles Haus umgezogen. Das Hauptanliegen des Webteams: Alles sollte übersichtlicher Der „Wal“ wird langsam erwachsen – beluga mit mehr Bestands- werden, weniger Klicks zum gewünschten Dienst war die Devise. nachweisen und leistungsfähigerer Hardware So fand der Katalogsuchschlitz seine feste Position auf jeder Seite, die Darstellung der überregional gehosteten elektronischen Zeit- beluga, der an der „Stabi“ entwickelte alternative Katalog für die schriften und Datenbanken des Bibliothekssystems Universität wissenschaftlichen Bibliotheken in Hamburg, hat 2010 große Hamburg wurde in ihrem Design in die Website integriert, der Zu- Schritte zum zukünftigen Leben als „ausgewachsener Wal“ unter- gang zum Benutzerkonto ist von allen Seiten her direkt möglich. nommen. So sind jetzt neben der „Stabi“ die Bestände folgender Eine weitere Neuerung ist der Auftritt der SUB als Landesbiblio- Bibliotheken in beluga recherchierbar: Fachbibliotheken der Uni- thek, die im gleichen Design, aber mit viel mehr Platz für ihr gro- versität Hamburg, Universitätsbibliothek der Technischen Univer- ßes Portfolio an (elektronischen) Hamburgensien in eine eigene sität Hamburg-Harburg, Hochschulinformations- und Biblio- Umgebung gezogen ist. thekssystem der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Einzig Stella, die elektronische Informationsassistentin, befindet Hamburger Lehrerbibliothek, Hochschule für Musik und Theater, sich noch im Urlaub – nach einer intensiven Fortbildung wird aber Bibliothek der HafenCity Universität. Lehrenden, Studierenden auch sie bald wieder auf der Homepage Rede und Antwort stehen. und dem interessierten Publikum stehen somit in einem einzigen, modernen Suchwerkzeug die Daten von knapp sechs Millionen Werken zur Verfügung. Damit die Recherche in diesem umfassenden Datenbestand von Erfolg gekrönt ist, wurden spezifische Rankingmethoden einge- führt und optimiert, die je nach Art der Suchanfrage angepasste Ergebnislisten liefern. Auf diese Weise werden sowohl Suchen nach konkreten Werken sowie allgemeine, thematische Recher- chen individuell behandelt und die Ergebnisse für den Such- zweck optimiert dargestellt. Bei der Integration der neu hinzugekommenen Datenbestände wurde besonderer Wert darauf gelegt, auch für diese stets aktu- elle Verfügbarkeitsinformationen anzuzeigen. Sowohl im Ergebnis- überblick als auch bei den detaillierten Informationen ist ersicht- lich, ob ein Buch zur Zeit ausleihbar ist. Der Schwerpunkt der Arbeit an beluga besteht zur Zeit in der Kon- solidierung des Systems, um den hohen Anforderungen eines Regelbetriebs dauerhaft gerecht zu werden. So wird beluga künf- tig auf einem wesentlich leistungsfähigeren Server auf die Such- anfragen warten. Jahresbericht 2010 5
  • 8. Hamburg University Press Hamburg University Press ist der Verlag der Staats- und Universitätsbibliothek. Er hat das Ziel, den freien Zugang zu wissen- schaftlichem Wissen aktiv zu fördern. Konsequent sind alle publizierten Werke und Anwendungen frei über das Netz verfügbar (Open Access). Parallel können die Werke als hochwertige Druckausgaben erworben werden. Darüber hinaus beteiligt sich der Verlag an innovativen Projekten, um neue Aspekte des wissenschaftlichen elektronischen Publizierens auszuloten. Hamburgs Geschichte Weitere Aktivitäten Ein Fokus lag 2010 auf Publikationen zur jüngeren Geschichte. Auch dieses Jahr war der Stabi-Verlag wieder gemeinsam mit der Besonders produktiv zeigte sich die Hamburgische Wissenschaft- Arbeitsgemeinschaft der Universitätsverlage auf der Frankfurter liche Stiftung, die sich in drei neuen Bänden ihrer Reihe „Mäzene Buchmesse vertreten. Der Stand hat sich dort im Bereich von für Wissenschaft“ weiteren Stifterpersönlichkeiten und Kuratori- Wissenschaft und Fachinformation etabliert und wächst mit umsmitgliedern – den Brüdern Vorwerk, Ernst Friedrich Sieveking jeder Messe. In diesem Jahr präsentierte man sich zum ersten sowie Albert Ballin – widmete. Mal mit dem Konzept eines „Marktplatzes“. Der Verein für Hamburgische Geschichte (VHG) begann seine Ko- Internationales Netzwerken ist ein wesentlicher Faktor: Während operation mit dem Stabi-Verlag mit einem furiosen Auftakt: der Messe wurde die Association of European University Presses Neben einem Werk, das sich mit einem bisher weniger bekannten (AEUP) gegründet, das neue internationale Open-Access-Projekt Kapitel der hamburgischen Geschichte – den Hungerunruhen im OAPEN (Open Access Publishing in European Networks), das vor- Juni 1919 – befasste, legte der VHG in seiner Reihe „Beiträge zur wiegend geisteswissenschaftliche Verlage unterstützt, wurde Geschichte Hamburgs“ ein gewichtiges Opus magnum vor. Die präsentiert. Veröffentlichung des zweibändigen Werkes des verstorbenen Au- Aber nicht nur das „klassische“ Verlagsgeschäft, sondern gerade tors Uwe Schmidt, „Hamburger Schulen im ,Dritten Reich‘“, kann auch die nachhaltige Verortung im Bereich des elektronischen mit Fug und Recht als ein Standardwerk bezeichnet werden. wissenschaftlichen Publizierens ist die Aufgabe von Hamburg Ein Festakt mit prominenten Vortragenden zu diesem Anlass war University Press. Aus diesem Grund war der Verlag bei Konferen- hervorragend besucht und wurde einhellig begrüßt. Die verstor- zen und Tagungen, die sich mit Aspekten digitaler Wissenschaft bene Gattin des Altkanzlers Schmidt, Hannelore „Loki“ Schmidt, beschäftigten, präsent. Erwähnt seien hier exemplarisch die hatte eigens zu diesem Anlass einen Brief mit Erinnerungen an Open-Access-Tage in Göttingen. ihre Schulzeit in der NS-Zeit verfasst, der von der Direktorin der Neben der Beobachtung von Entwicklungen und wissenschaft- „Stabi“ verlesen wurde. Es gab positive Resonanz in der lokalen lichen Bedarfen ist es ein Anliegen des Verlags, exemplarisch inno- Presse sowohl zur Veranstaltung im repräsentativen Lichthof wie vative Publikationsformen mit Vertretern der Wissenschaft zu er- auch zum für Hamburg wichtigen Thema selbst. proben und umzusetzen: 6 Jahresbericht 2010
  • 9. Sichtbarkeit und Verfügbarkeit von elektronischen Verlagspublikationen Eine zentrale Aufgabe des Verlags liegt in der Präsentation, Sichtbarmachung und Verbreitung gerade auch elektronischer Publikationen. Die Statistik im Bereich elektronischer Publika- tionen am Jahresende zeigt den Mehrwert digitaler Verfügbar- keit: Allein die Download-Zahlen von Dokumenten von, im und über den Verlag publizierten Werken überschritten 2010 um ei- niges die 100.000er-Marke. Die Verlagsaktivitäten haben dabei stets das Ziel, die weltweite Verfügbarkeit von Publikationen noch zu erhöhen. So konnte für den Zeitschriftenserver der GIGA Journal Family 2010 das international anerkannte DINI-Zertifikat erlangt werden, das die Voraussetzung für Vernetzung und bes- „The Living Handbook of Narratology“ – sere Sichtbarkeit in der digitalen akademischen Welt ist. Die Ver- zukunftsorientiertes wissenschaftliches Publizieren netzung mit fachrelevanten Portalen wie z. B. SSOAR ( Social Science Open Access Repository ) oder auch die Verfügbarkeit Im digitalen Zeitalter verändert sich auch die wissenschaftliche über internationale wissenschaftliche Infrastrukturen wie DRIVER Kommunikation. Neue Publikationsformen können den Anforde- ( Digital Repository Infrastructure Vision for European Research ) rungen internationaler Kooperation und Kollaboration mit den ist dabei ein wichtiger Schritt. heutigen Arbeitsweisen in angemessener Weise Rechnung tra- Sichtbarkeit und Verfügbarkeit werden den Verlag weiterhin be- gen. Mit dem „Living Handbook of Narratology“ wurde eine solch schäftigen: Für 2011 ist als neues Angebot ein Zeitschriftenserver zukunftsweisende Publikationsstrategie umgesetzt: geplant, der Wissenschaftlern der Universität eine Infrastruktur Das Interdisziplinäre Centrum für Narratologie der Universität für nachhaltiges elektronisches Publizieren bieten wird. Hamburg hat in Kooperation mit dem Stabi-Verlag und dem Wis- senschaftsverlag de Gruyter ein interaktives narratologisches Hamburg University Press: http://hup.sub.uni-hamburg.de/ Handbuch entwickelt, das laufend online fortgeschrieben wird. Es Reihe „Mäzene für Wissenschaft“: basiert auf Artikeln des 2009 bei de Gruyter gedruckt erschiene- http://hup.sub.uni-hamburg.de/reihen/mazene-fur-wissenschaft/ nen „Handbook of Narratology“. Umgesetzt wird es mit Wiki-Tech- Reihe „Beiträge zur Geschichte Hamburgs“: nologie, die an wissenschaftliche Anforderungen angepasst und http://hup.sub.uni-hamburg.de/reihen/beitrage-zur-geschichte-hamburgs/ mit elektronischen Mehrwerten angereichert wurde. Die Freischal- „The Living Handbook of Narratology“: tung des „Living Handbook“ wurde mit einer Feierstunde im Bei- http://hup.sub.uni-hamburg.de/handbucherlexika/the-living-handbook-of-narratology/ sein universitärer und internationaler Gäste feierlich begangen. GIGA Journal Family: http://hup.sub.uni-hamburg.de/giga Jahresbericht 2010 7
  • 10. Service Die Bibliothek war an 349 Tagen mit 82 Wochenstunden geöffnet. Davon werden acht Stunden an den Wochenenden aus Studien- beiträgen finanziert. In dieser Zeit stehen unseren Lesern 812 Arbeitsplätze, darunter 158 Computerarbeitsplätze, zur Verfügung. Die Auskunft im Informationszentrum ist wochentags ganztägig und am Sonnabend von 10 – 18 Uhr mit bibliothekarischem Fach- personal besetzt. 15.674 Leserinnen und Leser meldeten sich neu an. Die Zahl der Informationsdienste eingetragenen Nutzer stieg auf 50.089, davon sind knapp 20 % Stadtleser. Die Zahl der jährlichen Besucherinnen und Besucher 2010 wurden an den verschiedenen Auskunftsplätzen des Hauses blieb auf sehr hohem Niveau konstant bei 1.062.000. Das bedeu- 112.000 persönliche Auskünfte zur Literaturrecherche und all- tet, dass in jeder Öffnungsminute im Durchschnitt mehr als vier gemeinen Bibliotheksnutzung, zu den Medienlieferdiensten, zur Kunden das Haus betreten, um Medien zu entleihen, die elektro- Nutzung von Datenbanken und anderer E-Medien gegeben. nischen Möglichkeiten zu nutzen, im Haus zu lernen und zu ar- beiten oder die kulturellen Angebote der Bibliothek – Ausstellun- Der Beratungsplatz im Informationszentrum bietet Erstnutzern und gen oder Veranstaltungen – wahrzunehmen. Der Lesesaal erlebte Stammkunden an 68 Wochenstunden eine verlässliche Anlauf- erneut eine Steigerung der Besucherzahlen und erreichte zuwei- stelle für Fragen zu Online-Katalog und Benutzerkonto, für Recher- len die Grenze seiner Kapazität. Trotz der zunehmend virtuellen chetipps und Hinweise auf das WLAN-Angebot oder die Multi- Angebote ist das gedruckte Buch außerordentlich beliebt. Ein funktionsgeräte. leichter Rückgang in der Ausleihe der Bücher um 1,4% auf E-Mail-Auskünfte nehmen weiterhin zu, daneben beteiligt sich 1.251.836 Medieneinheiten ist der elektronischen Konkurrenz die Staats- und Universitätsbibliothek am gemeinsamen von E-Büchern, E-Zeitschriften und anderen digital verfügbaren Auskunftsdienst „Fragen Sie Hamburger Bibliotheken“. Medien geschuldet, deren Nutzung überproportional anstieg. Und wie im Vorjahr unterstützten die Bibliothekare und Bibliothekarinnen der Informationsdienste mit Führungen, Ausleihzentrum und Magazine Vorträgen und Präsentationen die Angebote der „Teaching Library“ ( siehe Seite 11). Das Ausleihzentrum wurde von über 211.000 Lesern besucht, die 388.000 aus dem Magazin bestellte Medien abholten und Im gesamten Haus steht Hamburger Studierenden das WLAN zur 260.000 Medien „vor Ort“ entliehen oder neu verbuchen ließen. Verfügung. Als Lern- und Arbeitsort konnte das Informationszen- trum seine Attraktivität steigern. Von insgesamt 142 Arbeitsplät- Eine wichtige Neuerung in der Lehrbuchsammlung trägt der Tat- zen kann an 76 Plätzen alleine oder in Gruppen gelernt und an sache Rechnung, dass viele Lehrbücher zusätzlich auch als Online- 28 PCs das Webangebot der „Stabi“ mit all seinen elektroni- Version zugänglich sind. Am jeweiligen Standort weisen jetzt schen Ressourcen genutzt werden. Weitere 48 PC-Arbeitsplätze Aufsteller auf die parallele Online-Ausgabe hin. Für alle Fächer verfügen über einen Internetzugang mit OpenOffice, davon sind gibt es Listen der Online-Ausgaben zum Mitnehmen. 16 PCs zusätzlich mit Microsoft Office ausgestattet. Zwei Multi- funktionsgeräte (Kopierer mit Druckfunktion) runden das Bild Im Februar begann in der Speicherbibliothek Bergedorf als Reak- der kurzen Wege ab: unser Angebot ist dort, wo der Benutzer ist. tion auf gestiegene Bestellzahlen der 5-Tages-Betrieb (vorher war nur an drei Tagen Personal vor Ort). Damit konnten die Liefer- Zum Jahresende wurde ein zweiter Infoscreen für aktuelle und fristen deutlich verkürzt werden. Hintergrundinformationen in der Nähe der Auskunft eingerichtet. Der Ausbau des 2. Untergeschosses der Speicherbibliothek schritt zügig voran und wird 2011 abgeschlossen werden. Sie wird künftig den Namen „Speicherbibliothek Hamburg“ tragen, um ihre Auf- gabe als Archivbibliothek für ganz Hamburg zu dokumentieren. 8 Jahresbericht 2010
  • 11. Lesesäle Medienlieferdienste 2010 standen die Lesesäle im Zeichen der Umbaumaßnahme für Beim Direktlieferdienst subito der SUB gingen 14% mehr Bestel- die Einrichtung des Saals 4 für Gruppen (siehe Seite 10). Der lungen ein als im Vorjahr. Die Bibliothek versandte 11.500 Werke Lesesaal 3 wurde dabei in seiner Gesamtfläche um ein Drittel über subito, 19% mehr als 2009. Diese erfreuliche Entwicklung verschlankt. 8.000 Allgemein- und Personalbibliographien verlief konträr zum Trend der anderen Lieferbibliotheken in zogen ins Informationszentrum oder ins Magazin. Deutschland, deren Bestellvolumen um 9% zurückging. Sie ver- deutlicht, dass die Kunden die Schnelligkeit und Effizienz des Die Zahl der Lesesaal-Besucher ist mit 505.000 weiter angestiegen. subito-Services der SUB ebenso schätzen wie die Qualität ihres Als neues elektronisches Angebot ist der PC-Pool mit OpenOffice Medienbestands und ihrer Sondersammlungen und sie daher ausgestattet worden, und in einem E-Medien-PC kann in den gezielt als Lieferanten auswählen. elektronischen Pflichtdokumenten der SUB recherchiert werden. Der Mikroformen-Leseraum präsentiert sich mit leistungsstarken Auch die Zahl der Fernleihbestellungen blieb auf hohem Niveau. Zeutschel-Mikrofilmgeräten in neuer Optik. Für die Besucher, die Die Bibliothek erwies sich erneut als leistungsstarker Partner im gern ein Buch der 52 Fachgebiete zuhause studieren möchten, Leihverkehr. Zwar sank die Nachfrage aus anderen Bibliotheken hält der Lesesaal einen Hinweis parat: Fast 1.000 Titel, die auch als um 6%, aber die gebende Fernleihe erfüllte immer noch 40.000 E-Book im Netz genutzt werden können, sind mit einem gelben Bestellwünsche. Auswärtige Bibliotheken lieferten unseren Be- Sticker gekennzeichnet. Dies ergänzt das Angebot an 5.100 aus- nutzern wie im Vorjahr gut 22.000 Werke. Hier kann die gegenüber leihbaren Werken aus dem Fach Jura und den Naturwissenschaften. dem Vorjahr erneut leicht gesunkene Zahl weiterhin als Indiz der Eine inhaltliche Neustrukturierung gibt es bei der Pharmazie. Fand Qualität der „vor Ort“ vorhandenen Bestände gelten. Bemerkens- sie bisher ihren Platz beim Fachgebiet Medizin, ist sie jetzt zur wert ist der starke Anstieg bei internationalen Fernleihbestellungen: Chemie gewandert. unsere eigenen Kunden bestellten doppelt so viel Literatur aus dem Ausland wie 2009, und unsere Bibliothek erhielt 14% mehr Auslandsbestellungen. Die Fernleih-Auskunft im Informationszentrum erfreut sich konti- nuierlich wachsender Beliebtheit. Die Kunden werden hier quali- fiziert zu allen Aspekten der Medienlieferdienste beraten und er- halten individuelle Unterstützung bei ihren Recherchen und Be- stellungen. Dank eines optimierten Betriebskonzepts konnten mit 7.000 Auskünften 1.000 mehr als im Vorjahr gegeben werden. Jahresbericht 2010 9
  • 12. Foto: UHH/Schell Gebäude und Einrichtung Umbau des Lesesaals 3 zu Saal 4 für Gruppen Um den Benutzern einen eigenen Raum für Gruppenarbeit zur Verfügung zu stellen, wurde ein neuer Saal eingerichtet. 330 Quadratmeter wurden dafür aus dem Lesesaal 3 im 2. Stock ab- getrennt. Mit einem direkten Zugang über das Haupttreppenhaus sind damit 80 neue Arbeitsplätze für kommunikatives Lernen hin- zugekommen. Im Oktober wurde der neue Saal in Betrieb ge- nommen, dessen Name – Saal 4 für Gruppen – Bezug auf die drei Lesesäle nimmt. Die Benutzer haben den Raum längst mit Be- schlag belegt, er erreicht auch an den Wochenenden nicht selten die Kapazitätsgrenze, was zeigt, dass diese Maßnahme notwen- dig war und die erwünschte Resonanz gefunden hat. Speichermagazin Bergedorf Das Speichermagazin Bergedorf wurde mit finanzieller Unter- stützung aus dem Hamburger Konjunkturprogramm (3,2 Millionen Euro) weiter ausgebaut – auch das zweite Untergeschoss wird ein Büchermagazin beherbegen. 2010 konnte etwa ein Drittel der Fläche mit Bücherregalen ausgestattet werden. Ein Leseraum soll später fünf Leseplätze aufnehmen. 10 Jahresbericht 2010
  • 13. Foto: Jasmin Marla Dichant Bibliothekssystem Universität Hamburg Eine exzellente Universität braucht exzellente Bibliotheken. Ge- nauer gesagt: exzellente zentrale und dezentrale Informations- dienstleister. SUB und Fachbibliotheken haben auf der Basis eines fachlichen Gutachtens Handlungsfelder herausgearbeitet, die in den kommenden Jahren gemeinsam angegangen werden sollen. Im Fokus stehen hier sowohl eine an den Bedürfnissen der Nutzer orientierte technische Infrastruktur als auch eine ihren Lebens- und Lerngewohnheiten gerecht werdende Raum- und Funktionsplanung („Lernort Bibliothek“). Die Zusammen- führung der sprach- und literaturwissenschaftlichen Bibliothe- ken im Philturm zu einer leistungsstarken Fachbereichsbiblio- thek – unter fachlicher Beratung der SUB – ist eine von vielen aufeinander abgestimmten Maßnahmen innerhalb des Biblio- thekssystems. Hinzu kommen weitere gemeinsame Vorhaben, die die SUB als Kompetenzzentrum in vielfältiger Weise durch In- formation, Kooperation und Koordination begleitet hat. Dazu ge- hören unter anderem die Bereiche E-Medienversorgung, Infor- mationskompetenz, Speicherbibliothek, Katalogisierung von Altbeständen oder auch der Versionswechsel der Bibliotheks- software für das Lokale Bibliothekssystem (LBS) Hamburg. Das Beratungs- und Schulungsangebot der Teaching Library In der Wissensgesellschaft ist die Informationskompetenz eine der zentralen Schlüsselkompetenzen. Längst gehört die netzbasierte Literatur- und Informationsrecherche zum wissenschaftlichen und beruflichen Alltag. Die SUB und die Fachbibliotheken begleiten und unterstützen insbesondere die Studierenden mit vielfältigen Bera- tungen und Schulungsveranstaltungen beim Erwerb ihrer Informa- tionskompetenz. Mit dem Relaunch der Website präsentiert die „Teaching Library“ an prominenter Stelle das gesamte Schulungs- und Beratungsangebot der „Stabi“ und der Fachbibliotheken der Universität. Im Jahr 2010 haben 10.656 Personen 564 Veranstal- tungen besucht. Jahresbericht 2010 11
  • 14. Abb.: „Wallhöhe bei Büschens Monument mit einem Blick auf die Binnen-Alster“ Die Pflichtexemplare bildeten auch den Schwerpunkt eines be- sonderen Programms zur Bestandserhaltung: der Massenent- säuerung. 2010 wurden für „Maßnahmen zum Erhalt der gefähr- deten Bestände in wissenschaftlichen Bibliotheken“ 800.000 Euro bereitgestellt; hinzu kamen 98.000 Euro Restmittel aus dem Vorjahr. Damit konnten 62.700 Bände entsäuert werden, davon 35.200 Bände aus der SUB. Darunter waren 930 Hambur- Landesbibliothek ger Dissertationen und 11.500 Monographien mit Erscheinungs- ort Hamburg (Pflichtexemplare) aus den Jahren 1840 – 1990, die übrigen 22.770 Bände gehören zu den DFG-Sondersammel- Die Hamburg-Sammlung: Erwerbung, Erschließung und Erhaltung gebieten der Bibliothek. Als Koordinatorin der Massenentsäuerung für alle wissenschaftlichen Bibliotheken in Hamburg konnte die Der Bestand an Literatur zur hamburgischen Geschichte und Lan- SUB dafür sorgen, dass auch andere für die Geschichte der Hanse- deskunde wurde systematisch ausgebaut. Von den Neuerschei- stadt wichtige Bestände entsäuert wurden: z.B. Bibliotheks- nungen wurden 180 im Hamburg-Lesesaal aufgestellt, der als bestände des früheren Kolonialinstituts (in der Fachbibliothek Handbibliothek zur Erforschung der Metropolregion mittlerweile Wirtschaftswissenschaften und im Fachbereich Evangelische fast 12.000 Bände umfasst. Mit 23 historischen Hamburg-Ansich- Theologie der Universität), die Bibliothek des Soziologen und ten und -Karten, darunter sieben Ansichten aus dem Litho- Nationalökonomen Friedrich Hertz (Sozialwissenschaftliche Bi- graphischen Institut des Hamburger Zeichners und Verlegers bliothek der Universität), die Bibliothek der Sielklärversuchsan- Peter Suhr und eine topographische Karte „zum Gedächtnis der stalt Eppendorf in der UB der TU Hamburg-Harburg oder die Belagerungszeit von 1813 und 1814“, konnte die Bibliothek ihre komplette Hamburger historische Statistik im Statistischen Amt Sammlung um sehr schöne Hamburgensien erweitern. für Hamburg und Schleswig-Holstein – Statistikamt Nord. Ferner gingen Spezialsammlungen der Ärztlichen Zentralbibliothek, der Einen wichtigen Teil ihrer landeskundlichen Bücher und Zeit- Fachbibliothek Wirtschaftswissenschaften der Universität, des schriften erhält die Staatsbibliothek als Pflichtexemplare Ham- Zentrums für Theaterforschung, der HafenCity-Universität und burger Verleger, publizierender Institutionen und Behörden. der Bibliothek des Altonaer Museums zur Entsäuerung. Vorbe- 2009 war die Novelle des Pflichtexemplargesetzes, die dem Ge- reitet wurde die Fortsetzung der Maßnahmen im Jahr 2011 mit setz von 1988 die Ablieferung elektronischer Publikationen hin- Beständen der SUB und fünf weiterer Bibliotheken gemäß Haus- zugefügt hat, in Kraft getreten. Auf Grund dieses Gesetzes und haltsentwurf mit einem Finanzvolumen von 800.000 Euro. der schon ein Jahr älteren Verordnung über die Ablieferung amt- licher Publikationen konnten 2010 knapp 2.000 elektronisch ver- Die Staatsbibliothek musste viele ältere beschädigte Pflichtex- öffentlichte Dokumente auf den Dokumentenserver der Biblio- emplare der physischen Belastung durch Benutzung entziehen. thek übernommen werden (2009: 1.445). Um der Ablieferungs- Die Originale werden dann stabilisiert und in Kartonageboxen praxis im Detail eine feste Grundlage zu geben, wurde im Herbst archiviert, und es wird eine Sekundärform (Mikrofilm, Digitalisat) 2010 eine Pflichtstückverordnung erlassen, die mit einem detail- angefertigt, um die enthaltene Information weiterhin zugänglich lierten Sammelprofil der Bibliothek korrespondiert. Wunsch zahl- zu machen. Hamburger Zeitungen und Zeitschriften werden seit reicher Regionalbibliotheken bzw. Bundesländer, der Deutschen über 15 Jahren auf diese Weise systematisch gesichert. So hat die Nationalbibliothek wie auch der Verlegerverbände ist es, die Ab- Bibliothek 2010 u. a. die älteren Gesetz- und Verordnungsblätter, lieferung elektronischer Pflichtexemplare auf Bundes- und Län- historische Zeitschriften und Reihen sowie die Hamburg-Ausga- derebene arbeitsteilig und effektiv zu organisieren. Hamburg hat ben der großen Pflichtexemplar-Zeitungen verfilmen lassen. An- sich in der AG Regionalbibliotheken für eine solche kooperative gestoßen wurde eine Neuverfilmung der „Hamburger Nachrich- Lösung eingesetzt und sich als Testpartner angeboten. Hier sind ten“ und ihres Vorgängers seit 1792, der „Wöchentlichen ge- 2011 praktische Fortschritte zu erhoffen. meinnützigen Nachrichten von und für Hamburg“, die das Mikro- Im Jahr 2010 kamen als „konventionelle“ Pflichtstücke etwa filmarchiv der deutschsprachigen Presse finanziert; ihr liegen 12.000 Bücher, Zeitschriften- und Zeitungsbände, Karten und Bestände der Staatsbibliothek und des Staatsarchivs Hamburg Tonträger in die Bibliothek. zugrunde. Die Filme sollen anschließend digitalisiert werden. 12 Jahresbericht 2010
  • 15. Alle aktuelle Literatur zu Hamburg oder Hamburger Persönlich- Ergebnisse publiziert: die Zeitschrift des Vereins für Hamburgi- keiten wird seit 1992 in der Hamburg-Bibliographie verzeichnet: sche Geschichte, demnächst ergänzt um das Mitteilungsblatt Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Karten, Atlanten, Broschüren, desselben Vereins, später „Hamburgische Geschichts- und Hei- vor allem die zahlreichen „unselbständig erschienenen“ Werke, matblätter“; das „Lexikon der hamburgischen Schriftsteller“ von also Aufsätze aus Zeitschriften, Sammelbänden, Festschriften Hans Schröder; über 200 historische Karten von Hamburg bis und Zeitungen. Seit 2009 wird in einem Retro-Projekt die vor 1880. Das Großprojekt „Hamburger Adressbücher“ wurde zu er- 1992 erschienene Hamburg-Literatur systematisch eingearbei- heblichen Teilen und mit sehr positiver Resonanz im November tet, um dem letztlich angestrebten integralen Literaturnachweis 2010 ins Netz gestellt ( s. S. 14); weitere Jahrgänge, kleinere für die gesamte Regionalliteratur näherzukommen. Ausgangs- Adressbücher der früheren Vorstädte und die Fernsprechbücher punkt sind dabei die Titel aus der „Bücherkunde zur hamburgi- werden folgen. Begonnen hat die Digitalisierung der Hamburger schen Geschichte“ für die Berichtsjahre 1900 – 1991 und einer Parlamentaria bis 1933; mit diesem Projekt korrespondieren Be- Kartei für die Zeit vor 1900, hinzu kommt die in der Verbund- mühungen der Bürgerschaftsdokumentation, die Parlaments- datenbank vor 1992 aufzufindende Hamburg-Literatur. Insge- materialien nach 1945 zu digitalisieren; eine Kooperation ist an- samt weist die Hamburg-Bibliographie online mittlerweile knapp gebahnt. Außerdem wurden historische und landeskundliche 150.700 Titel nach und bietet 14.800 Kurzbiographien zu Ham- Hamburger Zeitschriften und die meistgefragten Bücher und burger Personen. Wird auf diese Weise eine umfassende Daten- Nachschlagewerke gescannt, dazu die ersten von 1800 Portraits bank der Hamburger Regionalliteratur erreicht, wertet das den Hamburger Persönlichkeiten aus dem Druckgraphik-Bestand. Beitrag der Hansestadt zur Virtuellen Deutschen Landes- Diese Bildergalerie und die übrigen digitalen Hamburgensien bibliographie (www.landesbibliographie.de) erheblich auf. werden 2011 unter der neuen Erschließungs- und Präsentations- software Goobi im Netz veröffentlicht werden. Daneben ist Ende Der digitale Hamburg-Lesesaal 2010 eine umfassende Digitalisierungsstrategie für die Staatsbi- bliothek entwickelt worden, die für den künftigen „digitalen Das Portal-Projekt HamburgWissen Digital bildet im Bereich Lan- Lesesaal“ den Hamburg-Aspekt in eine breite Palette wichtiger desbibliothek einen Fluchtpunkt, auf den die Bibliothek ver- Sammlungsobjekte integriert. schiedene Aktivitäten zur Präsentation ihres regionalen Schwer- punkts perspektivisch ausrichtet. Das Portal soll alle digitalen Um sich als Landesbibliothek für alle Bürgerinnen und Bürger Ressourcen zur hamburgischen Geschichte und Landeskunde noch kompakter zu präsentieren, hat die Staatsbibliothek im Zuge gleich welcher Datenproduzenten bündeln, in einem attraktiven ihres Website-Relaunch ( s. S. 23 ) eine eigene Website für ihren interaktiven Umfeld thematisch geordnet und kommentiert prä- Bereich Landesbibliothek geschaffen (http://landesbibliothek. sentieren. In einem weiteren Schritt sollen alle dazu technisch sub.uni-hamburg.de/home.html). geeigneten Ressourcen auf einem hohen Standard der Suchma- Dort sind alle regionbezogenen Serviceangebote der Bibliothek schinentechnologie gemeinsam durchsuchbar gemacht werden. und alle Arbeitsbereiche versammelt, die zu Hamburg-Themen Das Projekt konnte gegen Jahresende 2010 auf den Weg ge- etwas beitragen. Dies ist das regionale „Gesicht“ der Staats- bracht werden, die Staatsbibliothek betreibt es mit einer Lauf- bibliothek, mit dem sie in dem gesamt-hamburgischen Portal zeit von etwa drei Jahren gemeinsam mit dem Staatsarchiv und HamburgWissen Digital die Bibliothekssphäre vertreten wird. einem Dutzend weiterer Hamburger Partnerinstitutionen. Digitale Eigenbeiträge der Staatsbibliothek für das Portal Ham- burgWissen Digital sind zunächst die Hamburg-Bibliographie, die dort mit angebotenen Kurzbiographien, die über 650 nach Themen sortierten aktuellen Internetquellen zu Hamburger In- stitutionen („Hamburg im Internet“), die E-Dissertationen mit Hamburg-Themen und schließlich die Volltexte, die die Biblio- thek durch eine systematische Retro-Digitalisierung ihrer wich- tigsten landesgeschichtlichen Bestände bereitstellen wird. Einige Digitalisierungsprojekte sind bereits abgeschlossen, die Jahresbericht 2010 13
  • 16. Hamburger Adressbücher im Netz Das Projekt „Neuverfilmung und Digitalisierung der Hamburger Adressbücher“ gibt es bereits seit 2006 – jetzt ist mehr als ein Drittel von rund 550.000 Seiten Adress- und Fernsprechbüchern aus Hamburg und seinen früheren Vorstädten im Netz. Langer Atem, technische und inhaltliche Kreativität bei der Gestaltung des Produkts, viel Datenerfassungsfleiß, bibliothekarische Qua- litätskontrolle und Korrekturarbeit und ein Team aus verschiede- nen Abteilungen mussten zusammenkommen, um dieses Pro- jekt zu einem ersten, viel beachteten Zwischenergebnis zu brin- gen. Ausgangspunkt und Motivation des Projekts war ein un- haltbarer Zustand: Adressbücher sind für Privatpersonen und ForscherInnen verschiedenster Interessenlage eine wichtige Quelle und als Medium selbst ein begehrtes Forschungsobjekt, das heißt die Nachfrage ist groß und stetig. Aber die Originale waren seit langem nicht mehr benutzbar, die in den 70er Jahren gefertigten Mikrofilme sperrig in der Benutzung und qualitativ schlecht. Deshalb war die Digitalisierung zuerst ein dringendes Benutzungsdesiderat – daneben ein Anlass, erhebliche Mehr- werte zu schaffen durch neue Recherche-Möglichkeiten und Er- weiterungen des Material-Angebots: Insgesamt sind 980 Bände in das Projekt eingegangen, die als Originale gar nicht alle in der Staatsbibliothek vorhanden sind, sondern aus 18 Hamburger und auswärtigen Bibliotheken und Archiven ausgeliehen wur- den zur Verfilmung und Digitalisierung. Gefördert wurde das Projekt durch FamilySearch, Utah, USA, durch Übernahme der Verfilmung bis zum Erscheinungsjahr 1950 und durch die GEN Gesellschaft für Erbenermittlung mbH, die mit einem namhaften Betrag die Strukturdatenerfassung und Anpas- sung der Software unterstützte. Dass die Bibliothek daneben auch einige Eigenmittel aufwandte, um eine attraktive und durch die Suchfunktionen qualitativ hochwertige Präsentation zu er- arbeiten, hat sich gelohnt: die Reaktionen des Publikums – der Blog-Eintrag zum Adressbuch wurde bisher rund 4000 mal gelesen! – und das große Medienecho waren einhellig positiv.
  • 17. „Hamburgum literatum“ hieß der erste Vorläufer des Hamburger Adressbücher waren dazu da, Personen, Wirtschaftspartner Adressbuchs im Jahr 1698, eine Liste von Standes- und akade- oder Produkte zu finden, für Orientierung zu sorgen und natür- misch gebildeten Personen, noch ohne Adressen. Das „Jetzt be- lich auch: die Bewohnerschaft mit all ihren Funktionen, Titeln lebte Hamburg“ von 1712 (fortgesetzt als „Jetzt-lebendes Ham- und Verdiensten zu repräsentieren. Dazu gehörten über viele burg“ 1722 – 1725) setzt die Ahnengalerie fort, später der „Al- Jahrzehnte ganz ungeschützt die Bankverbindung, der Börsen- manach für Reisende“ des Buchhändlers Johann Nicolaus Carl standplatz und die Privatadressen von Firmenbesitzern oder An- Buchenröder von 1782, der Verzeichnisse Hamburger und Alto- gestellten. naer Kaufleute, Mediziner und Apotheker brachte, und dann 1784 der Hamburger Kaufmannsalmanach. Er war das direkte Besonders reich an sozial- und kulturgeschichtlicher Substanz Vorbild, nach dem der Kaufmann, Buchdrucker und Verleger Jo- ist stets das Verzeichnis der wichtigsten Gesellschaften, Stiftun- hann Heinrich Hermann das „Neue hamburgische Addres-Buch gen, öffentlichen Einrichtungen etc., und es richtete sich von Be- auf das Jahr 1787“ auf den Markt brachte. Es erschien jährlich bis ginn an immer auch an den Fremden, der am Hoteltresen das 1966, nur 1814, 1944 – 1946 und 1948 nicht. Bis 1939 verblieb das Adressbuch in die Hand nahm. 1791 las er dort zur „öffentlichen Hamburger Adressbuch im Verlag Hermann(’s Erben), bis es 1939 Stadtbibliothek“: gezwungenermaßen an die Verlagsgruppe Dumrath und Fass- nacht überging, die parallel auch allgemeine und Branchen-Fern- sprechbücher publizierte. Das auf alljährlichen Umfragen beruhende Hamburger Adress- buch genoss im Deutschen Reich einen exzellenten Ruf wegen der Reichhaltigkeit und Zuverlässigkeit seiner Informationen. Die Verzeichnisse der Umgebung, die nach und nach zu erschei- nen begannen, standen dem kaum nach: Altona hatte seit 1802 ein eigenes Adressbuch, Harburg seit 1856 und früher oder spä- ter auch Bergedorf, Wandsbek, Wilhelmsburg, Rahlstedt und die Elbvororte. Überall gab es Personen- und Firmenverzeichnisse, Straßenverzeichnisse und Branchenteile, daneben stets die Be- hörden mit allen Beamten und Angestellten und viele interes- sante beschreibende Teile zu Stiftungen und Vereinen, Wissen- schaft und Bildung, sozialen Einrichtungen, Kultur und Religion, dazu seit dem späten 19. Jahrhundert Werbung. Diese Vielfalt für interessierte NutzerInnen durchschaubar zu machen und möglichst kurze Suchwege über das schlichte Blättern hinaus zu schaffen, waren zentrale Ziele des Projekts. Am Ende wird für jedes Jahr zwischen 1698 und 1975 der komplette Satz an Adress- und Fernsprechbüchern für Hamburg und die früheren Vorstädte sowie Cuxhaven und Geesthacht angeboten werden. Darin sind Suchen in den typischen alphabetischen Teilen (Per- sonen/Firmen, Straßen, Branchen) möglich, bei Bedarf einge- schränkt auf einen Teilbereich der Hansestadt. Und es gibt einen direkten Zugang zu weiteren charakteristischen Teilen: zu Ver- kehr und Kommunikation (Post, Telefon, Telegraph), zur Werbung und vor allem zu den amtlichen und sonstigen Institutionen und zu Sehenswürdigkeiten – all dies kann auf bestimmte Jahre hin recherchiert werden. Jahresbericht 2010 15
  • 18. Sondersammlungen In den Sondersammlungen vereinigt die SUB wesentliche Teile ihres historischen, bis in die Gegenwart hinein erweiterten Bestandes. Mit ihren Spezialitäten, Kostbarkeiten und Unika geben die Sondersammlungen der Bibliothek ein individuelles Profil und bergen eine Vielzahl von Quellen für die regionale wie nationale Kultur- und Geschichtsforschung. Zahlreiche Ausstellungen und Veran- staltungen im Hause, in der Stadt und überregional schöpfen aus diesen Beständen, die darüber hinaus weltweit für wissen- schaftliche Zwecke genutzt werden. Handschriften Seltene und Alte Drucke Eine der wenigen noch erhaltenen Handschriften aus der 1784 Im Jahr 2010 konnten einige besonders wertvolle Stücke für die versteigerten Bibliothek des Hamburger Doms, die erst 1931 in verschiedenen Sammlungsbereiche erworben werden. Dazu ge- den Besitz der SUB gelangte, dann aber zwischen 1945 und 1999 hört das handgeschriebene, mit Wasserfarben illuminierte und kriegsbedingt verschollen war, ist als Band 4 der Reihe „Publi- mit eigenen Dichtungen versehene Malerbuch „Der Mann im kationen der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg“ im Turm“ des Hamburger Expressionisten und Begründers der Reichert-Verlag veröffentlicht worden: „Das Hamburger Antipho- Turm-Presse Karl Lorenz (1888 – 1961). Hierbei handelt es sich nar ND VI 471. Ein wiederentdecktes Musikdenkmal des 15. Jahr- um den Entwurf zu dem gleichnamigen, 1930 in der Turm-Presse hunderts aus dem Hamburger Dom. Einführung, Edition, Fak- erschienenen Holzschnitt-Bilderbuch. Bereits 2007 konnte die simile“ (Wiesbaden 2010). SUB das Malerbuch „Die Frau im Turm“ (1924) ankaufen, das vermutlich ebenfalls als Holzschnitt-Bilderbuch erscheinen soll- te, bisher aber nur in Gestalt dieses Entwurfs nachgewiesen ist. Die zahlreichen Pressendrucke des Künstlers werden in der Sammlung „Schönes Buch“ aufbewahrt. Unter den Neuzugängen befindet sich auch einer der berühmtes- ten und illustrationsreichsten deutschen Wiegendrucke: die nach Die Publikation präsentiert eine im 15. Jahrhundert im Umfeld ihrem Verfasser, dem Nürnberger Stadtphysikus Hartmann Sche- des Hamburger Doms entstandene Antiphonar-Handschrift, die del (1440 – 1514), benannte Schedelsche Weltchronik in einem zwei sonst nirgendwo überlieferte Offizien zu Ehren Marias und Exemplar der Ende 1493 erschienenen deutschen Ausgabe. Über ihrer Mutter, der heiligen Anna, enthält. Texte und Melodien bei- 1.800 Holzschnitte schmücken die biblischen und profanen Ge- der hier erstmals veröffentlichten Zyklen stammen wahrschein- schichtsschreibungen sowie die Beschreibungen von Städten lich von Klerikern des Hamburger Doms. Neben Erläuterungen und Ländern Europas. Das Exemplar befand sich ursprünglich im zu beiden Zyklen und zur vielfältigen Entstehungs- und Überlie- Besitz des Hamburger Gelehrten und Sammlers Michael Richey ferungsgeschichte des Codex bietet die Publikation eine voll- (1678 – 1761), der 1715 die „deutschübende Gesellschaft“ mitbe- ständige Text- und Notenübertragung sowie ein Faksimile der gründet hatte, die Vorgängerin der heute noch aktiven Patrioti- Handschrift. Eine CD mit Wiedergabe von Teilen des Marien-Offi- schen Gesellschaft von 1765. Der Erwerb dieses Bandes aus einer ziums, aufgeführt vom Leipziger Vokalensemble amarcord an- amerikanischen Privatsammlung hat somit einen hohen ideellen lässlich des Festkonzerts zur 530-Jahr-Feier der Bibliothek 2009, Wert für die Geschichte der Hamburger literarischen Welt und ist liegt der Veröffentlichung bei. eine große Bereicherung der Inkunabelsammlung der SUB. 16 Jahresbericht 2010
  • 19. Nachlässe und Autographen Ergänzend zu dem bereits 1968 von der SUB aus Familienbesitz erworbenen Nachlass des Schriftstellers Hans Henny Jahnn (1894 – 1959) konnte im August 2010 mit Unterstützung des Jahnn-Forschers Dr. Jan Bürger (Marbach) ein noch bei der Toch- ter Signe Trede-Jahnn in Fredensborg (Dänemark) verbliebener Teil-Nachlass ihres Vaters übernommen werden. Er besteht aus Jahnns Handbibliothek, dem Archiv des von Jahnn gegründeten und geführten Ugrino-Verlags, der besonders mit Werkausgaben von Barockkomponisten bekannt wurde, und verschiedenen Dokumenten zur Biographie (Familienpapiere, Fotos, Erinnerungsstücke, Gemälde). Literarisch besonders be- Musiksammlung deutend ist die umfangreiche Familienkorrespondenz, deren größter Teil 1992/93 an Dr. Uwe Schweikert (Stuttgart) ausge- Für ihr Brahms-Archiv erwarb die Bibliothek bislang unbekannte liehen und nun auch wieder mit dem Nachlass vereinigt wurde, Dokumente aus einem in Familienbesitz verbliebenen Teilnach- sowie ein annähernd vollständiges Typoskript der ersten beiden lass des Hamburger Musikers und Brahms-Freundes Theodor Teile von Jahnns Hauptwerk „Fluß ohne Ufer“. Avé-Lallemant (1806–1890). Es handelt sich um ein fragmenta- risch erhaltenes Autograph von Brahms’ 1859 entstandenem „Wechsellied zum Tanze“ (op. 31, Nr. 1 ), ein Vokalquartett, das bisher nur durch den 1864 erschienen Notendruck bekannt ist, sowie zwei eigenhändige Korrekturblätter zu Hamburger Auffüh- rungen von Brahms’ Klavierkonzert op. 15 und seiner Serenade op. 11. Auch an Avé-Lallemant gerichtete Briefe von Johannes Brahms, Clara und Robert Schumann, Joseph Joachim und Peter Tschaikowsky sowie weitere Musikhandschriften und -drucke aus seinem Besitz (darunter ein Exemplar des Erstdruckes von Brahms’ Streichquartetten op. 51) gehören zu der Neuerwerbung. Eine ebenfalls im Teilnachlass enthaltene Abschrift des Allegro- Satzes einer g-Moll-Klaviersonate mit nachträglicher Zuschrei- bung an Clara Wieck (spätere Schumann), deren zugehörige Sätze sich als Abschriften desselben Kopisten in einem anderen Teil- nachlass Avé-Lallemants im Brahms-Institut Lübeck befinden, Darüber hinaus fanden acht eigenhändige, meist noch unveröf- konnte Dr. Michael Struck, der Leiter der Forschungsstelle der Jo- fentlichte Briefe des Dichters Matthias Claudius (1740 – 1815) an hannes-Brahms-Gesamtausgabe an der Universität Kiel, mit Familienmitglieder sowie ein weiterer Teilnachlass des spani- hoher Wahrscheinlichkeit als Werk des Hamburger Komponisten schen Schriftstellers Guillermo de Torre (1900 – 1971) mit Manu- und Brahms-Freundes Carl von Holten (1836 – 1912) identifizieren. skripten, Tagebuchaufzeichnungen, Portraits und Widmungs- Alle genannten Dokumente sind inzwischen über den Handschrif- exemplaren Eingang in die Nachlass-Sammlung. tenkatalog HANS der SUB Hamburg recherchierbar. Jahresbericht 2010 17
  • 20. Kartensammlung Die im Jahr 2009 digitalisierten 200 historischen Hamburg-Karten dem berühmten Renaissance-Städteatlas von Braun und Hogen- aus der Zeit von 1590 bis 1880 erwiesen sich als großer Erfolg: berg: „Civitates Orbis Terrarum“. Ihre Präsentation führte im Jahr 2010 zu rund 82.600 Aufrufen der Ein weiteres historisches Stück, das in diesem Jahr für die Kollek- entsprechenden Internetseite und zog rund 100 Reproduktions- tion angeschafft wurde, ist ein seltener Schulatlas aus dem 18. aufträge nach sich. Jahrhundert, herausgegeben im Auftrag der Berliner Akademie der Neu erworben wurden für die Kartensammlung 21 historische Wissenschaften von dem begnadeten Mathematiker Leonhard Ansichten und zwei Karten, darunter Hamburger Ansichten von Euler: „Geographischer Atlas bestehend in 44 Land-Charten, wo- Peter Suhr, Wilhelm Heuer und Leo Loeser Wolf, einige pittoreske rauf alle Theile des Erd-Creyses vorgestellet werden“, Berlin Trachtenbilder und der sehr seltene Hamburg-Plan von 1588 aus [1783]. 18 Jahresbericht 2010
  • 21. Linga-Bibliothek der Freien und Hansestadt Hamburg Die wissenschaftliche Spezialbibliothek mit wertvollem Altbestand und aktueller Studienliteratur zu Geschichte, Politik, Landes- kunde, Ethnologie sowie zu Kunst und Kultur Lateinamerikas entstand aus der Büchersammlung des Hamburger Kaufmanns Carlos R. Linga. Die Linga-Bibliothek befindet sich im Lichthof im Altbau der SUB und verfügt über einen Bestand von mehr als 35.000 Bänden, der von den Studierenden und Wissenschaftlern der Universität Hamburg und anderen Lateinamerika-Interessierten genutzt wird. Die „Stiftung der Linga-Bibliothek in der Freien und Hansestadt Hamburg“ wurde im Jahr 1967 von der Witwe Lingas, Bertha Probst de Linga, gegründet und fördert seither umfassend die Linga-Bibliothek. Die jährlichen Erträge aus dem Vermögen wer- den u. a. zum Ankauf von aktueller Lateinamerika-Literatur und Antiquaria verwendet. Im Jahr 2010 konnten mit diesen Geldern zahlreiche Werke aus dem 18. und 19.Jahrhundert erworben wer- den. Sie ergänzen vor allem den Bereich der Reiseliteratur, der einen wichtigen Schwerpunkt der Antiquaria-Sammlung der Bi- bliothek bildet. Das Ehepaar Linga hatte sich stets für den Blick europäischer Forscher und Reisender auf Lateinamerika interes- siert und über Jahrzehnte eine bedeutende Kollektion reich illus- trierter Forschungsberichte, Reisebeschreibungen und Atlanten zusammengetragen. Die Stiftung der Linga-Bibliothek beteiligte sich auf Einladung des Initiativkreises Hamburger Stiftungen am 3. Hamburger Stiftungs- tag, um die „Schätze“ der Linga-Bibliothek zu zeigen und das Angebot an aktueller Forschungsliteratur in der Stadt bekannter zu machen. Der Stiftungstag fand unter dem Motto „Stiftungen bewegen die Stadt!“ am 5. Juni 2010 in der Handelskammer und im Hamburger Rathaus statt. Die Linga-Stiftung war im Börsen- saal als Teil eines Gemeinschaftsstands vertreten und informierte unter der Überschrift „Hamburger Unternehmer, Mäzene und Wissenschaftsförderer“ die Öffentlichkeit über die Arbeit der Stiftung und der Bibliothek. Im Zentrum der Präsentation stand eine Diashow zur Geschichte des Ehepaars Linga in Mexiko und zur Entstehung ihrer Büchersammlung als Grundstock der späte- ren Linga-Bibliothek. Bereits am Vorabend des Stiftertages fand im großen Festsaal des Rathauses ein Senatsempfang für die Hamburger Stiftungen Foto: Otto Danwerth statt. Jahresbericht 2010 19
  • 22. Bundesweite Literaturversorgung – Sondersammelgebiete Die SUB Hamburg betreut im System der bundesweiten Literaturversorgung die fünf Sondersammelgebiete (SSG) Spanien/ Portugal, Politik und Friedensforschung, Verwaltungswissenschaften, Indianer- und Eskimosprachen und -kulturen sowie Küsten- und Hochseefischerei. Dieses System wird gegenwärtig von der DFG umfassend evaluiert. Die SUB beteiligte sich über die Mitarbeit in Gremien und durch Teilnahme an Befragungen aktiv an diesem Verfahren. Im Jahr 2010 unterstützte die DFG die Erwerbung für die fünf Sondersammelgebiete mit rund 580.000 Euro. Damit wird so- wohl der Kauf gedruckter Literatur gefördert, als auch die Sich- tung, Auswahl und Aufnahme von frei im Internet verfügbaren Projekt Akte20.09 elektronischen Medien. Den Nutzern in ganz Deutschland steht http://projektakte.sub.uni-hamburg.de/ damit nicht nur ein umfassender Buch- und Zeitschriftenbestand für die Sondersammelgebiete zur Verfügung, sondern auch eine Im Projekt Akte20.09 wird die von der SUB betriebene Virtuelle wachsende Zahl von wissenschaftlich relevanten elektronischen Fachbibliothek Politikwissenschaft (ViFaPol) inhaltlich um die Dokumenten, auf die ohne Zugangsbeschränkung sofort zugegrif- Verwaltungs- und Kommunalwissenschaften erweitert und tech- fen werden kann. Die SUB Hamburg hat im Jahr 2010 insgesamt nisch auf eine neue Basis gestellt. Partner in diesem von der DFG rund 2.200 elektronische Medien (Texte und Internetquellen) auf- geförderten Projekt sind die Senatsbibliothek Berlin, das Deut- genommen. Sie sind im Campus-Katalog des Bibliothekssystems sche Institut für Urbanistik Berlin und die Deutsche Hochschule Universität Hamburg verzeichnet, viele der E-Medien darüber hin- für Verwaltungswissenschaften Speyer. Ziel ist es, neben politik- aus auch in den verschiedenen virtuellen Fachbibliotheken, die wissenschaftlichen nun auch verwaltungs- und kommunal- die SUB betreibt oder mit Content-Lieferungen unterstützt. wissenschaftliche Informationen komfortabel über ein Fachpor- tal recherchieren und beschaffen zu können. Um dies zu rea- lisieren, wurden ab Projektstart im Februar 2010 zunächst grundlegende Nutzerstudien durchgeführt. Auf Basis der da- durch gewonnenen Erkenntnisse über das Rechercheverhalten der Zielgruppe wurde das Konzept für die technische Umsetzung des Portals angepasst und Inhalte (Datenbanken, Zeitschriften, Webseiten) zur Einbindung in die Metasuche ausgewählt. Erstes sichtbares Ergebnis ist die Neugestaltung der Nutzeroberfläche des Volltextservers eDoc. ViFaPol, die auch einen Einblick in das für die gesamte ViFa angestrebte Design bietet. http://edoc.vifapol.de/opus/ 20 Jahresbericht 2010
  • 23. Die virtuelle Fachbibliothek cibera wird Mitglied bei Academic LOTSE Politikwissenschaft LinkShare So wie ein Lotse sein Schiff durch die Gewässer leitet und auf Zwei von der SUB betreute Produkte kamen im Jahr 2010 zu- Kurs hält, bietet das gleichnamige Tutorial-Portal LOTSE sammen. Die ViFa Ibero-Amerika/Spanien/Portugal (cibera.de), (http://lotse.uni-muenster.de) Studierenden und Wissenschaft- die die SUB Hamburg zusammen mit dem Ibero-Amerikanischen lern einen gesteuerten Überblick über Informationen zu einzel- Institut in Berlin betreibt, wurde Mitglied bei Academic Linksha- nen Fächern und Bibliotheksstandorten. LOTSE begleitet die re (ALS), einem deutschlandweit aktiven Verbund zur kooperati- Nutzer bei allen Schritten des wissenschaftlichen Arbeitens und ven Erschließung von Internetquellen. führt zu den benötigten Ressourcen. Das Portal wird von der ULB Münster betrieben, die auch für die Zentralredaktion verant- Mit dem Linkshare System und der Geschäftsstelle stellt die SUB wortlich ist. Da alle an LOTSE beteiligten Bibliotheken die fach- die technische und organisatorische Grundlage für die Erschlie- lichen und lokalspezifischen Inhalte kooperativ betreuen und ßungsarbeit in ALS bereit. pflegen, können die Informationen laufend aktualisiert und an Der von den beteiligten wissenschaftlichen Bibliotheken und die Bedürfnisse der Nutzer angepasst werden. Fachinstituten gemeinsam aufgebaute Datenpool sprengte im Jahr 2010 die Marke von 100.000 Datensätzen, von denen über Nach dem Recherchekurs Hispanistik hat die SUB in LOTSE nun 93.000 Internetquellen in 17 verschiedenen Fachportalen und auch ein Tutorial zur Politikwissenschaft zusammengestellt. Wir virtuellen Fachbibliotheken präsentiert werden. Damit hat das bieten dort grundlegende Informationen zur Recherche und Hin- Netzwerk eine in Deutschland einmalige Größe erreicht. weise auf fachspezifische Ressourcen zur Politikwissenschaft. http://www.academic-linkshare.de Eingebunden wurde das Tutorial auch in die Virtuelle Fachbiblio- thek ViFaPol. Dazu trug auch der Import der etwa 8.000 Internetquellen bei, http://www.vifapol.de/tipps/tutorial/ die in cibera nachgewiesen sind. Die Websites aus und über La- teinamerika, Spanien und Portugal decken ein vielfältiges The- menspektrum ab, das von der Anthropologie bis zur Zoologie reicht. Die Internetquellen sind weiterhin in cibera recherchier- bar, können jetzt aber auch von anderen ViFas präsentiert wer- den. So lässt sich nach einem Datenaustausch beispielsweise eine wirtschaftspolitische Institution in Spanien über den regio- nalen Zugang cibera finden, aber auch über die thematischen Portale ViFaPol oder EconBiz. Jahresbericht 2010 21
  • 24. Öffentlichkeitsarbeit Ausstellungen, Tagungen, Veranstaltungen Ein Jahr der Konsolidierung! Nach dem Jubiläumsjahr mit sehr Auch ein großer Teil der Veranstaltungen hatte Hamburg zum vielen bibliotheksbezogenen Veranstaltungen hatte die „Stabi“ Thema, zumal inzwischen die Vorträge des Vereins für Hambur- in diesem Jahr einen Hamburg-Schwerpunkt gewählt. gische Geschichte in der Bibliothek stattfinden. Ein weiterer Schwerpunkt war die Hamburg beschäftigende Schulreform, in Drei Ausstellungen drehten sich um Hamburg-Literatur im wei- deren Zusammenhang der Verein „Schule im Dialog“ etliche In- testen Sinne: der Hamburger Kinder- und Jugendbuchautorin formationsveranstaltungen durchführte. Ausreißer des Jahres Kirsten Boie wurde zum 60. Geburtstag eine Ausstellung und ein war die Modenschau „Rengé Mezopotamya – Die Farben Meso- Symposium gewidmet, sie dankte mit einer Lesung. Im Rahmen potamiens“, die neue Möglichkeiten der Nutzung des Lichthofs des Kulturfrühlings „Himmel auf Zeit – Die 1920er Jahre in Ham- in Szene setzte. burg“ zeigte die „Stabi“ gemeinsam mit der Universität Ham- burg eine historische „Literatur-Topographie“: „Karger vielleicht Zwei besondere Publikationen des Stabi-Verlags „Hamburg als wo anders – Literatur und literarisches Leben in Hamburg University Press“ wurden vorgestellt, das „Living Handbook of 1919 – 1933“, hauptsächlich mit Büchern aus den eigenen Be- Narratology“ und das Standardwerk zur Hamburgischen Schul- ständen. Ein besonders starkes Medienecho erlebte die Ausstel- geschichte „Hamburger Schulen im ,Dritten Reich‘“, zu dessen lung über den „Weltverbesserer Kurt Hiller“ zum 125. Geburtstag Präsentation im Lichthof Hannelore Schmidt noch eigene Erinne- des Publizisten, Pazifisten und Juristen. rungen verlesen ließ. In zwei Ausstellungen präsentierten Hamburger Buchkünstler ihre Werke: der Drucker und Grafiker Klaus Raasch seine Bücher, Ungewöhnlich und von den Studierenden mit Begeisterung aufge- Grafiken und Objekte und die renommierte Buntpapiererin Gisela nommen war das Public Viewing der Fußball-Weltmeisterschaft. Reschke wunderschöne Einband- und Vorsatzpapiere, zu denen Die Bibliothek zeigte die tagsüber abgehaltenen Spiele im Vortrags- die Bibliothek historische Beispiele aus den Rara-Beständen bei- raum, die Aktion wurde zum Blog-Renner bei den Veranstaltungen. steuerte. Insgesamt fanden in der Bibliothek sieben Ausstellungen, zwei Tagungen und 41 Veranstaltungen statt. Alle Ausstellungen, Tagungen und Veranstaltungen s. S. 32 ff. 22 Jahresbericht 2010
  • 25. Relaunch der Website Social Media Am ersten Oktober startete die Stabi-Website in einer neuen Ver- Über das zentral in die Website integrierte Weblog kommuniziert sion. Sie wurde vom Design komplett neu – nämlich im Corporate die Staatsbibliothek seit 2006 erfolgreich mit den Nutzern. Im Design der Bibliothek – und inhaltlich anders gestaltet, sie stellt vergangenen Jahr hat die Bibliothek einen weiteren Schritt zur die Recherche in den Vordergrund, führt mit einem Mausklick zu Verankerung von Web 2.0 in die Marketingstrategien des Hauses den elektronischen Zeitschriften und Datenbanken und macht gemacht und als eine der ersten Bibliotheken Deutschlands das mit ihrem neuen „Look and Feel“ und vielen Bildern Lust auf die Thema Social Media als so bedeutend eingestuft, dass hierfür Inhalte. Der Relaunch wurde entsprechend in den Social Media eigens eine Stelle eingerichtet wurde. beworben und fand viel Aufmerksamkeit. Es gab kaum kritische Die Kommunikation über die Sozialen Netzwerke nutzt die Stimmen, was als ein schnelles Einleben unserer Nutzer in ihr „Stabi“, um sowohl mit den bestehenden Kunden in Kontakt zu virtuelles Bibliothekszuhause gewertet werden kann. treten, als auch um neue Nutzer für die Serviceleistungen der Bi- bliothek zu gewinnen. Dadurch werden die ausleihbaren Buch- Pressearbeit und Zeitschriftenbestände, alle elektronischen Serviceleistun- gen und das Veranstaltungsprogramm der Staatsbibliothek auch Das Referat „Öffentlichkeitsarbeit“ der „Stabi“ betreut nicht nur weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt gemacht. Über das Corporate Design der Bibliothek und ist für das Management das Blog, über Twitter und vor allem über das immer stärker ge- der Ausstellungen und Veranstaltungen zuständig, sondern wen- nutzte Soziale Netzwerk Facebook wird laufend über das breite det sich mit der Pressearbeit an die Print-Medien, den Rundfunk Angebot des Hauses informiert. Über die Social-Media-Kanäle und das Fernsehen. eingehendes Feedback wird genutzt, um das Angebot der Bi- 2010 gab die Bibliothek 13 Pressemitteilungen heraus; 35 Artikel bliothek zu optimieren. Fragen der Benutzung werden zeitnah mit bibliotheksbezogenen Inhalten erschienen in der Tages- geklärt. presse Hamburgs und der Metropolregion, hier erregten die frisch digitalisierten Hamburger Adressbücher das größte Aufse- hen, überregional beachtet wurde v. a. die Kurt-Hiller-Ausstel- lung. Und zum Jahresschluss freute sich die Bibliothek noch über einen besonderen Auftritt: Stabi-Schätze verbargen sich hinter dem zweiten Adventstürchen im NDR-Fernsehen. Ein reger Austausch und steigende Abonnentenzahlen sowohl auf Twitter (Ende 2010: 600 Follower) als auch auf Facebook (Ende 2010: 700 Fans) zeigen, dass wir auf einem richtigen Weg sind. Die Nutzer werden dort abgeholt, wo sie sind, und finden die Dienstleistungen der „Stabi“ sowohl im virtuellen als auch im realen Raum vor, also überall da, wo sie ihre Informationen aufnehmen, verarbeiten und verbreiten. Jahresbericht 2010 23
  • 26. 5. Bestand nach Materialien Bücher, Zeitschriften, Zeitungen 3.454.644 … darunter: Lehrbuchsammlung 48.115 … darunter: Inkunabeln 249 … darunter: Rara 19.351 Sonstige Druckwerke 101.855 … darunter: Karten und Pläne 58.796 … darunter: Noten 27.656 Sonstige nicht-elektronische Materialien 728.620 … davon: AV-Medien 73.677 Statistik … davon: Mikromaterialien Handschriften und Autographen 650.282 88.663 Nachlässe insgesamt 561 1. Gebäude / Einrichtung Elektronische Bestände 491.488 Bruttofläche ( in qm ) 24.285 … davon: Datenbanken 1.293 ... davon: Benutzungsbereiche 8.990 Laufend gehaltene Zeitschriften, Zeitungen 6.863 ... davon: Magazinbereiche 11.805 Laufend gehaltene elektron. Zeitschriften, Zeitungen 51.472 Benutzerarbeitsplätze 812 ... darunter: Computerarbeitsplätze 158 6. Benutzung Allgemeine Daten 2. Bibliothekspersonal Aktive EntleiherInnen 50.089 Bibliothekspersonal lt. Stellenplan 210,5 … darunter: nicht Hochschulangehörige 11.465 … davon: genutzt 181 Öffnungstage 349 … darunter: einfacher und mittlerer Dienst 78 Öffnungsstunden in der Woche 82 … darunter: gehobener Dienst 78 Anteil des geschlossenen Magazinbestandes in % 91 … darunter: höherer Dienst 25 Benutzung am Ort Personal außerhalb des Stellenplans insgesamt 16 Entleihungen nach physischen Einheiten insgesamt 1.251.836 Personenmonate der Auszubildenden 137 … darunter: Leihfristverlängerungen 556.575 Fortbildungstage aller MitarbeiterInnen 581 … darunter: Lehrbuchsammlung 108.097 … darunter: SB-Bereich 152.052 3. Ausgaben und Finanzierung (EUR) … darunter: Lesesaal 21.462 Ausgaben Erwerbung 3.705.089 … darunter: Eilbestellungen 641 … davon: Kauf 3.513.341 Vormerkungen 61.618 … … darunter: elektronische Medien 944.263 Erinnerungen und Mahnungen 90.415 … … darunter: Zeitschriften 1.086.005 Bibliotheksfachliche Auskünfte 111.664 … davon: Einband 191.674 Von Benutzern erstellte Fotokopien 1.670.000 Sonstige sächliche Ausgaben 5.052.018 Persönliche Bibliotheksbesuche 1.062.307 … darunter: Ausgaben für Bestandserhaltung 1.209.906 … darunter: Besuche der Lesesäle 505.725 … darunter: gebäudebezogene Ausgaben 1.582.025 … darunter: Besuche des Ausleihzentrums 211.441 Ausgaben für Personal 9.889.808 Virtuelle Bibliotheksbesuche 9.610.374 Finanzierung durch Unterhaltsträger 15.949.719 Benutzerschulungen (Stunden/Teilnehmer) 133/4.762 Finanzierung durch Studiengebühren 500.000 Ausstellungen 7 Finanzierung durch Drittmittel 1.020.363 Kulturelle Veranstaltungen 41 Einnahmen 1.064.496 Tagungen 2 Zugriffe auf elektronische Zeitschriftentitel 303.805 4. Zugang Zugriffe auf Datenbanken 216.235 Zugang insgesamt – konventionell 60.896 Auswärtiger Leihverkehr und Lieferdienste … darunter: Kauf 33.467 Erhaltene Bestellungen und Lieferungen insgesamt 91.892 … darunter: Pflicht 12.086 … darunter: Lieferungen nach außen 51.146 … darunter: Sonstiger Zugang, Geschenk, Tausch 15.343 … darunter: Lieferungen von außen 22.226 Zugang insgesamt elektronisch 383.965 … darunter: positiv erledigte Direktlieferdienste 11.454 24 Jahresbericht 2010