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Das Kompetenzzentrum für Neue Medien, Salzburg
NewMediaLab – The Next Generation (SNML-TNG)
arbeitet unter der Koordination der Salzburg Research
Forschungsges.m.b.H. daran, digitale Inhalte zu personali­
sieren, für alle auffindbar zu machen und nachhaltig zu
nutzen: Dazu werden Informationen auf der Ebene der
Inhalte (Linked Content), der stukturierten Daten (Linked
Data) und der sozialen Interaktion (Linked People)
verknüpft. Für die dadurch entstehende Form von Inhalten wurde der Begriff „Linked
Media“ gewählt. SNML­TNG ist ein K­Projekt im Rahmen des COMET­Programms
(Competence Centers for Excellent Technologies, www.ffg.at/comet) und wird gefördert
aus Mitteln des BMWFJ, des BMVIT und des Landes Salzburg.
Homepage: www.newmedialab.at
© Salzburg NewMediaLab – The Next Generation Mai 2013
Dieses Buch ist auch gedruckt erhältlich: ISBN 978­3­902448­36­1
Sandra Schön und Georg Güntner:
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA:
Trends, Entwicklungen und Visionen.
Band 6 der Reihe „Linked Media Lab Reports“,
herausgegeben von Christoph Bauer, Georg Güntner und Sebastian Schaffert
Verlag und Herstellung: Salzburg Research, Salzburg
Umschlaggestaltung: Daniela Gnad, Salzburg Research
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation
in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über http://dnb.d­nb.de abrufbar.
Vorwort
Das Kompetenzzentrum für neue Medien wurde beginnend mit dem Jahr 2000 als
Denkfabrik für innovative Konzepte und Lösungen für die österreichische Medien­
und Content­Industrie aufgebaut und bietet seitdem Technologieführern und den
Betreibern fortschrittlicher Internet­Plattformen eine Heimat zur Entwicklung
und Erprobung innovativer Informationssysteme und ­architekturen. Gemeinsam
mit führenden Vertretern der Medien­ und Content­Industrie wurden dabei von
Beginn an konkrete Lösungen entwickelt und erfolgreich umgesetzt.
In der Laufzeit des aktuellen „Salzburg NewMediaLab – The Next Generation“
steht eine Fortentwicklung der Verknüpfung und Verwendung von Linked­Data­
Prinzipien für multimediale Inhalte auf dem Programm. Durch die Nutzung
verfügbarer Wissensquellen und des sozialen Kontextes bietet sich Unternehmen
damit die Chance, ihre Inhalte über verschiedene Anwendungen hinaus zu
verknüpfen und den Kostendruck bei der Entwicklung personalisierter Inhalte zu
reduzieren.
Die Vorreiterrolle bei der Umsetzung des Linked­Media­Konzepts nehmen dabei
unter der Koordination der Salzburg Research Forschungsgesellschaft führende
österreichische Medienunternehmen (ORF, Red Bull Media House, Salzburg AG
und Salzburger Nachrichten, Der Standard) und Softwarehäuser (mediamid,
Semantic Web Company, TECHNODAT) ein. Sie werden wissenschaftlich begleitet
von Forschungseinrichtungen im Bereich der Multimedia­Technologien, des
Semantic Web und der sozialen Medien (Studiengang MultiMediaTechnology der
FH Salzburg, Semantic Technology Institut der Universität Innsbruck, Salzburg
Research).
Die konzeptionellen und technologischen Arbeiten des Salzburg NewMediaLab
umfassen einen Beitrag zur Entwicklung von Unternehmen, die sich des Werts
ihrer Daten bewusst sind, die einen Mehrwert für ihre Geschäftsprozesse darin
sehen, dass isolierte Datenquellen untereinander verknüpft werden, die Daten aus
dem World Wide Web und anderen externen Quellen akzeptieren und annehmen,
die aber auch einen Schritt weiter gehen und ihrerseits Datenquellen für die
Verwendung im Daten­Web zur Verfügung stellen. Diese Herangehensweise
stellt ­ unabhängig von ihrer technischen Realisierung – eine wesentliche Voraus­
setzung für die Entwicklung von „Open Semantic Enterprises“ nach einer Vision
des Analysten und Linked­Data­Experten Michael K. Bergman1
.
Wir hoffen, mit diesem sechsten Band der „Linked Media Lab Reports“ einen
inspirierenden Ausblick in die Zukunft von Linked Media und gleichzeitig auch
Ideen für den Weg zum „Open Semantic Enterprise“ zu geben.
1
Michael K. Bergmann: „Seven Pillars of the Open Semantic Enterprise“ -
http://www.mkbergman.com/859/seven-pillars-of-the-open-semantic-enterprise/
(2013-02-28)
Auch im Namen von Sandra Schön bedanke ich mich dabei herzlich bei allen, die
sich an der Erstellung dieses Reports beteiligt haben, indem sie bei den Live­ oder
Online­Wetten teilgenommen haben, als Jury­Mitglied den weiteren Verlauf der
Wetten beobachten, indem sie in den Workshops Aussagen entwickelt und
Visionen formuliert haben oder indem sie die Zwischenergebnisse später kritisch
kommentierten.
Wir hoffen, unsere Einschätzungen inspirieren auch Ihre Pläne und Arbeiten!
Georg Güntner
www.newmedialab.at
Zentrumsleiter
Mai 2013
Inhaltsverzeichnis
Einleitung und Hintergrund........................................................................... 7
Von Multimedia im Web zu „Linked Media“.............................................7
Das Linked-Media-Konzept: Eine Konkretisierung.................................... 8
Highlight: Apache Marmotta.................................................................. 10
… und wie geht es weiter?......................................................................10
Unser Vorgehen........................................................................................... 13
Zukunft von Technologien...................................................................... 13
Kurzfristige Vorhersagen mit Hilfe von Wetten: „L3T's BET“...................13
Vorbereitung: Formulierung von Wettaussagen ....................................14
Mittelfristige Vorhersagen: Adaptiertes Delphi-Verfahren „L3T's SEE“...17
Ausarbeitung von Visionen.....................................................................19
Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 Monate......................21
Die zwölf Thesen und ihre Bewertung.................................................... 21
Unterschiede zwischen Live- und Online-Wette..................................... 27
Was passiert (wahrscheinlich) wann? ....................................................27
Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf Jahre.....................................29
Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Industrie- und
Technologie-Unternehmen.......................................................... 29
Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Medienunternehmen...30
Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Forschung....................31
Trends und Entwicklungen aus Perspektive von Behörden.....................33
Trends und Entwicklungen aus Perspektive der (End)-Nutzer/innen......34
Zwei Visionen unter der Lupe...................................................................... 37
Das Jahr 2016: Dienstleistungen rund um Apache Marmotta werden
angeboten................................................................................... 37
Das Jahr 2020: Linked-Data-Technologien zur Integration von Enterprise-
Daten mit Webdaten sind etabliert..............................................40
Diskussion.................................................................................................... 43
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
EINLEITUNG UND HINTERGRUND
Von Multimedia im Web zu „Linked Media“
Das Kompetenzzentrum für neue Medien wurde beginnend mit dem Jahr 2000 als
Denkfabrik für innovative Konzepte und Lösungen für die österreichische Medien­
und Content­Industrie aufgebaut und bietet seitdem Technologieführern und den
Betreibern fortschrittlicher Internet­Plattformen eine Heimat zur Entwicklung
und Erprobung innovativer Informationssysteme und ­architekturen. Gemeinsam
mit führenden Vertretern der Medien­ und Content­Industrie wurden dabei von
Beginn an konkrete Lösungen entwickelt und erfolgreich umgesetzt.
Seit der Gründung 2000 haben sich die Fragestellungen des Salzburg NewMedia­
Lab mit der technologischen Entwicklung des Internets stark verändert: Ging es in
der Anfangsphase noch vorwiegend um die Trennung von Inhalt und Layout im
Online­Bereich, so ermöglichten es die ab 2003 aufkommenden Technologien des
Semantic Webs erstmals die Bedeutung von Inhalten auch für Computerpro­
gramme begreifbar zu machen. In dieser Zeit arbeitete das Salzburg NewMedi­
aLab an der Entwicklung intelligenter Inhalte, die sich ihrem jeweiligen Verwen­
dungsbereich automatisch anpassen. Seit dem Jahrtausendwechsel hat die Menge
an textuellen und multimedialen Informationen sowie die Zahl der Verknüp­
fungen zwischen digitalen Inhalten und den mit ihnen interagierenden Personen
im Web enorm zugenommen. Dadurch entstanden weitere neue Anforderungen
und Chancen an die Medien­ und Content­Industrie.
Unter dem Schlagwort „Linked Media“ (verlinkte Medien) tritt das Kompetenz­
zentrum ab 2010 für ein neuartiges Konzept digitaler Informationen ein, das auf
der Verknüpfung von Inhalten, von strukturierten Daten und von Personen bzw.
auf deren Interaktion mit den Inhalten beruht. In unserem ersten Band der Linked
Media Lab Reports, dem Whitepaper zu Linked Media, haben wir folgende Abbil­
dung 1 und Beschreibung erstellt (vgl. Bauer u.a. 2011):
Neben der Vernetzung von Personen und ihrer Aktivitäten (Linked People) und
Verknüpfung von Inhalten (Linked Content) hat sich eine weitere Initiative
gegründet, die sich auf die Verknüpfung von strukturierten Daten – und in dieser
Form auch mit Hintergrundwissen – spezialisiert hat (Linked Data). Für die
dadurch entstehende Form von Inhalten wurde der Begriff „Linked Media“
gewählt.
7
Einleitung und Hintergrund
Das SNML­TNG hat sich in seinem Forschungsprogramm zum Ziel gesetzt, die
vorgestellten technologischen Entwicklungen im Internet, eben der Verknüpfung
von Personen, Inhalten und Daten, in unterschiedlichen Kontexten zu untersu­
chen und deren Potential darin zu demonstrieren. Das Kompetenzzentrum unter­
sucht die genannten Aspekte aus sozio­ökonomischer und technischer Perspek­
tive und stützt sich dabei auf Ergebnisse aus den Forschungsgebieten Social
Computing, Semantic Web und Annotation von Multimediadaten.
Das Linked-Media-Konzept: Eine Konkretisierung
Während der Arbeiten zu Linked Media hat sich eine deutliche Konkretisierung
ergeben. Sprechen die Beteiligen am SNML­TNG heute von „Linked Media“
beziehen sie sich auf Folgendes:
Auf der konzeptionellen Ebene verstehen sie unter dem „Linked­Media­Kon­
zept“ die Erweiterung der Linked­Data­Prinzipien auf multimediale Inhalte bzw.
deren Fragmente.
Dieser Ansatz ist in den Linked-Media-Prinzipien festgehalten2
:
Die erste Zielsetzung der Linked­Media­Prinzipien ist die Erweiterung der Linked­
Data­Prinzipien um Updates nach dem REST­Prinzip. Bislang ist Linked Data nur
lesbar („read­only“) und soll also nun aktualisierbar werden. Diese Erweiterung
2
www.newmedialab.at/LinkedMediaPrinciples (2013-02-28)
8
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
ist dabei vollständig rückwärts­kompatibel, d.h. jeder Linked­Media­Server ist
auch ein Linked­Data­Server.
Die zweite Zielsetzung ist die Erweiterung der Linked­Data­Prinzipien für
jedwede Inhalte mit Hilfe von MIME Mapping bzw. dem Content­Typ „rel“. Bislang
wird bei Linked Data mit dem „GET Request“ zwischen der RDF­Darstellung und
einer von Menschen lesbaren Repräsentation unterschieden, es wird entweder die
URL für die RDF­Repräsentation oder die URL für die lesbare HTML­Version
verwendet. In unserem Ansatz wird das Prinzip erweitert, sodass unterschied­
liche Formate, basierend auf dem MIME­Prinzip, genutzt werden können und
trotzdem weiterhin zwischen Content und Metadaten unterschieden werden
kann. Die wesentliche Idee ist dabei, die Ressourcen­URL auf eine neue Weise zu
schreiben.
Auf der technologischen Ebene gibt es mit dem Linked Media Framework3
(LMF) eine Referenz­Implementierung, die Linked­Media­Prinzipien verwendet.
Das Linked Media Framework ist eine Server­Anwendung, die zentrale Semantic­
Web­Technologien bündelt, um entsprechend fortschrittliche Services anzubieten.
Die Anwendung basiert auf drei Open Source Frameworks:
• Apache Marmotta (siehe den folgenden Abschnitt) stellt die Linked Data
Platform Funtionalitäten bereit.
• Apache Stanbol4
unterstütz die Extraktion und Anreicherung von Inhalten.
• Apache Solr5
stellt die Indizierungskomponente zur Verfügung.
Darüber bietet das Linked Media Framework Komponenten zur Unterstützung
und Umsetzung der semantischen Suche, des Linked Data Cachings, des Reaso­
nings (automatischen Schlußfolgern), der Textklassifizierung, der Versionierung
und einen einfachen SKOS­Editor. Detailinformationen zum Linked Media Frame­
work sind auf der Projekt­Website verfügbar.
Folgende Szenarien lassen sich mit dem Linked­Media­Frameworks derzeit
hervorragend umsetzen:
• Veröffentlichung von Altdaten, beispielsweise Datensätze als CSV, Excel, XML
oder ähnlichem, als Linked Data.
• Semantische Suchen zu den eigenen Daten entwickeln, indem die eigenen
Daten durch Inhalte aus der Linked Data Cloud angereichert werden.
• Analyse und Verknüpfung von Inhalten auf der Basis der Inhalte des Daten­
Webs, seien dies öffentlich im Internet zugänglich oder sei es, dass sie Infor­
mationsquellen innerhalb eines Unternehmens repräsentieren.
Ausführliche Hilfestellungen und die Software finden sich dazu jeweils unter den
in den Fusszeilen angeführten URL auf den Seiten des NewMediaLabs.
3
http://www.newmedialab.at/LMF (2013-02-28)
4
http://stanbol.apache.org/ (2013-02-28)
5
http://lucene.apache.org/solr (2013-02-28)
9
Einleitung und Hintergrund
Auf der Anwendungsebene bedeutet das Linked­Media­Prinzip also Folgendes:
Wir unterstützen semantische Suche in (Multimedia­) Repositories, Multimedia­
annotation und das Linked Data Publishing von Enterprise­Daten (Triplifizierung)
als Ausprägungen eines Enterprise­Information­Integration­Ansatzes, der multi­
mediale (unstrukturierte) Inhalte einschließt.
Durch die Nutzung verfügbarer Wissensquellen und des sozialen Kontextes bietet
sich Unternehmen die Chance, ihre Inhalte über verschiedene Anwendungen
hinaus zu verknüpfen und den Kostendruck bei der Entwicklung personalisierter
Inhalte zu reduzieren.
Highlight: Apache Marmotta
Das Linked Media Framework des Salzburg NewMediaLabs stößt auch bei den
Open­Source­Entwicklern auf große Resonanz. Bald werden Teile daraus unter
dem Namen „Apache Marmotta“ als Teil der Infrastruktur der Apache Software
Foundation fest installiert sein.
Das Ziel von Apache Marmotta ist es, „eine offene Implementierung für eine Lin­
ked­Data­Plattform6
anzubieten, die von Organisationen, die Linked Data veröf­
fentlichen oder Anwendungen zu Linked Data entwickeln möchten, einfach
genutzt, erweitert und angepasst werden kann“ (eig. Übersetzung, Homepage von
Apache Marmotta7
). Das Salzburg NewMediaLab freut sich darüber, dass mit
dieser Übernahme ihrer Entwicklungen in die Apache­Infrastruktur die Qualität
und Innovativität ihrer Arbeit Anerkennung findet.
… und wie geht es weiter?
So wie wir in den letzten Jahren die Linked­Media­Prinzipien und das Linked­Me­
dia­Framework (weiter­) entwickelt haben, sind auch zukünftige Entwicklungen
zu Linked Media zu erwarten.
Wie geht es mit Linked Media weiter? Was wird sich wie entwickeln? Welche
Trends sind wahrnehmbar, welche kurzfristigen Entwicklungen gibt es, welche
Visionen gibt es – und wie könnten sie realisiert werden? Dabei geht es natürlich
nicht allein um technische Fragestellungen, sondern auch um den Kontext: Wie
6
Apache Marmotta setzt die Empfehlung einer Arbeitsgruppe des World Wide Web
Consortums (W3C) um, in der die Eigenschaften einer “Linked Data Platorm” defniert
werden. Die “Linked Data Platorm Working Group” des W3C (http://www.w3.org/
2012/ldp/) defniert die Prinzipien eines Linked Data Servers, der Lese- und Schreib-Ope-
rationen nach den Linked Data Prinzipien ermöglicht. (2013-02-28)
7
http://marmotta.incubator.apache.org/ (2013-02-28)
10
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
entwickeln sich und reagieren Märkte, Unternehmen, die Öffentlichkeit auf die
Entwicklungen zu Linked Media?
Auf solche Fragen zur Zukunft von Linked Media versuchen wir in diesem 6. Band
der Linked Media Lab Reports Antworten zu finden. In der letzten Phase des
SNML­TNG haben wir uns dazu systematisch Gedanken über die zukünftigen
Entwicklungen zu den Konzepten und Technologien von Linked Media gemacht.
Im nächsten Abschnitt möchten wir dazu zunächst die unterschiedlichen
Verfahren vorstellen, die dabei zum Einsatz kamen. In den weiteren Kapiteln
stellen wir dann unsere Ergebnisse und Erwartungen zu den kurz­ und mittelfris­
tigen Entwicklungen vor. Abschließend stellen wir auch zwei Visionen vor, die
sich mit Apache Marmotta und der erfolgreichen Implementierung von Linked­
Media­Prinzipien in Unternehmen beschäftigen.
11
Einleitung und Hintergrund
12
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
UNSER VORGEHEN
Wie geht es weiter? Linked­Media­Technologien unterlagen in den letzten Jahren
einem starkem Wandel, und werden sich absehbar auch zukünftig wandeln. Doch
wie kann man Aussagen darüber erhalten, was zukünftig passiert?
In diesem ersten Abschnitt beschreiben wir das Vorgehen bei unserem Vorhaben,
Aussagen zu zukünftigen Entwicklungen zu erhalten.
Zukunft von Technologien
„Zukunftsforschung“ heißt die junge Disziplin die versucht, auch im Bereich der
Technologien, Aussagen über zukünftige Entwicklungen zu erhalten.
Dazu werden unterschiedliche Verfahren eingesetzt. Bei vielen Methoden der
Zukunftsforschung wird auf das Wissen von Expertinnen und Experten gesetzt.
Ihre Meinungen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen und die Effekte, die durch
den Austausch und durch Aggregation ihrer Aussagen entstehen, werden als
wesentlich dafür erachtet, gute Einschätzungen zukünftiger Entwicklungen zu
erhalten (Schön & Markus 2011). Andere Verfahren verwenden historische, also
bisherige Daten um daraus zukünftige Entwicklungen zu berechnen.
Alle Methoden schließen von aktuellen auf zukünftige Fälle (induktive Schlussfol­
gerungen) und sind daher aus erkenntnistheoretischer Sicht kritisierbar. Ande­
rerseits muss man bedenken, dass man bei eigenen und bei Handlungen von Orga­
nisationen nicht umhin kommt, eine Zukunft vorwegzunehmen. Die Frage ist
daher nicht ob, sondern nur wie man diese Zukunft vorwegnimmt: Intuitiv oder
doch einigermaßen systematisch.
Wir haben uns für letzteres entschieden und stellen im folgenden die unterschied­
lichen Verfahren vor, wie wir zu den Aussagen und Einschätzungen zur Zukunft
von Linked Media gekommen sind.
Kurzfristige Vorhersagen mit Hilfe von Wetten: „L3T's BET“
Um kurzfristige Vorhersagen zu erhalten, haben wir Wetten zu ausgewählten
Aussagen zur Zukunft von Linked Media abgeschlossen. Aus dem Wettverhalten
lassen sich Ableitungen auf mögliche mittelfristige Entwicklungen vornehmen
(für die nächsten 6, 12 bzw. 18 Monate).
Die Beobachtung von Wettverhalten bzw. das Verhalten auf Wettmärkten als eine
Möglichkeit zu betrachten, Aufschlüsse über zukünftige Entwicklungen zu
erhalten, hat eine erstaunlich lange Tradition. Mangels entsprechender Umfrage­
ergebnisse wurden entsprechende Analysen der Quoten und des Wettverhaltens
bei Wettbüros so in den USA schon nach dem Ende des Bürgerkrieges in der
Wahlprognose angewendet, wo sie erfolgreich zur Vorhersage des Ausgangs von
13
Unser Vorgehen
Präsidentschaftswahlen eingesetzt wurde (vgl. Wolfers & Zitzewitz 2004, S. 1­2;
Armstrong & Green 2006, S. 3; Zhao et al. 2008).
Das im Folgenden vorgestellte Verfahren wurde für die Veranstaltung „L3T’s
work8
“, einem Expertentreffen zur Zukunft von Lern­ und Lehrmaterialien, entwi­
ckelt. Das Verfahren „L3T's BET“ (Schön & Ebner 2012, Ebner & Schön 2012)
wurde dabei für das Vorgehen beim SNML angepasst. Da es nicht möglich war, im
Untersuchungszeitraum alle SNML­Expertinnen und ­Experten an einen Ort zu
versammeln, wurde es um eine Online­Wette erweitert.
Ablauf im Überblick
Im Folgenden stellen wir das Vorgehen vor. Eine Übersicht über die zeitlichen
Ablauf gibt die folgende Abbildung:
Abbildung 3: Ablauf der Wetten
Am 30. Oktober 2012 wurden im Rahmen des SNML­Management­Board­Treffens
auf Wettaussagen gesetzt. Aus dem Wettverhalten lassen sich Aussagen über die
Eintreffenswahrscheinlichkeiten ableiten.
Nach jeweils 6, 12 und 18 Monaten wird überprüft, ob die Wettaussagen einge­
troffen sind oder nicht und entsprechend Punkte ausgeschüttet. Ob eine Wettaus­
sage eingetroffen ist, bestimmt dabei eine unabhängige Jury.
Vorbereitung: Formulierung von Wettaussagen
In einem Workshop beim SNML Mitte Oktober 2012 wurden Aussagen formuliert,
zu denen später die Wetten abgegeben werden konnten. Zwölf Aussagen wurden
so gesammelt. Es mussten Aussagen sein, bei denen zukünftig möglichst eindeutig
eine Aussage zu tätigen ist, ob sie eingetreten ist oder nicht. Auch sollten es
8
http://l3t.eu/zukunft/?page_id=519 (2012-10-19)
14
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
Aussagen zu Entwicklungen sein, von denen (eher) anzunehmen ist, dass sie in
den nächsten 18 Monaten eintreffen könnten.
Bei den 12 Wettaussagen werden möglichst unterschiedliche Aspekte im Themen­
feld angesprochen. Keine der Aussagen durfte bereits eingetroffen sein. Teils
wurde in Anmerkungen ergänzt, wie das Eintreffen einer Aussage geprüft werden
soll bzw. welche Kriterien dazu genau erfüllt sein müssen.
Spielregeln: Spielplan, Jetons, Ausschüttung und Gewinne
Am 30. Oktober 2012 wurden die 12 Aussagen vorgestellt und alle anwesenden
SNML­Beteiligten wurden gebeten, ihre Jetons auf das Eintreffen der Ereignisse
(in den nächsten 6 Monaten, 6 bis 12 Monaten, 13 bis 18 Monaten bzw. später
oder nie) zu wetten. Der Spielplan ist aus einem 2 mal 3 Meter großen grünen Filz.
Abbildung 4: Eindrücke vom Setzen (aufgenommen bei L3T’s bet!, http://l3t.eu/zukunft)
Dabei werden auch die Gewinnregeln vorgestellt: Die Expertinnen und Experten
erhalten jeweils 20 Jetons. Sie dürfen folgendermaßen setzen:
• Bei jeder Aussage muss min. einmal gesetzt werden.
• Bei jeder Aussage dürfen bis zu drei Jetons gesetzt werden. Auch auf unter­
schiedliche Felder, z.B. zur „Risikostreuung“.
Die Teilnehmer/innen können ihre Jetons platzieren und auch immer wieder neu
arrangieren. Dabei ist es gewünscht, dass sie sich vom Verhalten der anderen
beeinflussen lassen und sich über die Wetten auszutauschen.
Bestimmung einer Jury
Zum Prinzip von Prognosemärkten gehört es, dass immer klar ist, wie festgelegt
wird, dass ein Ereignis eingetreten ist oder nicht, vor allem wenn keine (100%)
objektiven Aussagen möglich sind, beispielsweise wie zu Aussagen „im Irak
werden bis zum 30.8. Massenvernichtungswaffen gefunden“. Gaspoz und Pigneur
(2008) schlagen daher den Einsatz einer Jury und eine exakte Beschreibung des
Verfahrens vor, auf welcher Grundlage später festgelegt wird, ob das Ereignis
eingetreten ist oder nicht (u.a. Datengrundlage, Expertenjury, Fehlergenauigkeit,
was passiert wenn Daten nicht veröffentlicht werden).
15
Unser Vorgehen
Mitglieder der Jury dürfen natürlich selbst nicht an den Wetten beteiligt sein. An
dieser Stelle einen herzlichen Dank an unsere Jury­Mitglieder:
• Mag. Wernher Behrendt (Salzburg Research)
• Privat­Dozent Dr. Mario Döller (FH Kufstein)
• Prof. Dr. Harald Kosch (Universität Passau)
• Prof. (FH) Dr. Tassilo Pelligrini (FH St. Pölten)
• Dr. Lyndon Nixon (STI International)
Ausschüttung und Gewinnermittlung
Nach 6, 12 und 18 Monaten bespricht sich die Jury um festzulegen, ob die Ereig­
nisse eingetreten sind oder nicht. Im Vorfeld kann die Öffentlichkeit aufgerufen
werden, Hinweise zu sammeln. Darüberhinaus werden durch die Jury zu jede/r
der Aussagen Recherchen (z. B. mit Google) vorgenommen, sofern keine Eviden­
zen vorliegen, dass sie bereits eingetroffen sind. Findet kein Mitglied der Jury
ausreichende Evidenz, gilt die Aussage für diesen Zeitraum als nicht erfüllt.
Die Auswertung ist denkbar einfach: Für jeden richtig gesetzten Jeton gibt es fünf
Punkte für den Teilnehmer. Bei Setzfehlern kommt es zu folgenden Abzügen:
• Wurde auf eine Aussage gar nicht gesetzt, gibt es fünf Punkte Abzug.
• Wurden auf eine Aussage mehr als drei Jetons gesetzt gibt es für jedes darüber
fünf, Punkte Abzug.
Wer die meisten Punkte erhält, hat gewonnen. Die Gewinner mit den meisten
Punkten. Die ersten drei Plätze werden für jeden Zeitabschnitt jeweils bekanntge­
geben, für sie gibt es jeweils einen Pokal zu gewinnen.
Erweiterung: Online-Wette
Als absehbar wurde, dass nur ein Teil der möglichen und interessierten SNML­
Mitarbeiter/innen zum gewünschten Termin für die Live­Wette verfügbar sind
und auch Interesse von außen an den Wetten signalisiert wurde, wurde ergän­
zend eine Online­Wette durchgeführt.
Dabei ergaben sich als Herausforderungen:
• Während bei der Live­Wette ein Austausch und Kommunikation der
Expertinnen und Experten stattfindet und auch deren Wettverhalten
sichtbar ist (und man selbst noch mal umlegen kann) ist dies in einem
Online­Setting nicht realisierbar.
• Zudem ist der spezifische Setzmodus (bis zu drei Jetons je Aussage) nicht
mit den Standardbefragungstools realisierbar.
Wir haben die Online­Wette folglich folgendermaßen modifiziert:
16
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
• Die Teilnehmer/innen sehen das Ergebnis der Live­Wette und können
sich parallel im Web (oder woanders) informieren.
• Man kann sich nur für ein Feld pro Aussage entscheiden.
• Der Wettzeitraum wurde angepasst.
Die Ergebnisse werden entsprechend getrennt ausgewertet, auch werden
getrennt von der Live­Wette Wettkönige gekürt.
Ableitungen von Vorhersagen aus dem Wettverhalten
Aus dem Wettverhalten und der Verteilung der Jetons lassen sich Wahrscheinlich­
keiten für das Eintreffen der Aussagen ableiten. Darüberhinaus ist es auch
möglich, (Un­) Sicherheiten der Beteiligten bei den einzelnen Aussagen festzu­
stellen.
Mittelfristige Vorhersagen: Adaptiertes Delphi-Verfahren „L3T's SEE“
Neben den kurzfristigen Vorhersagen wollten wir auch mittelfristige Vorhersagen
für den Zeitraum von fünf Jahren wagen. Dazu haben wir uns an der Methode der
„Delphi­Studie“ orientiert.
Delphi-Studien
Die Delphi­Methode ist ein mehrstufiges Verfahren, bei dem Expertinnen und
Experten aus unterschiedlichen Disziplinen in moderierten Gruppendiskussionen
zukünftige Trends und Entwicklungen identifizieren (Schön & Markus 2011).
Durch den Austausch der Experten und Zusammenfassung der ersten Runde wird
erwartet, dass sich die Einschätzungen in den weiteren Runden konsolidieren. Die
Delphi­Methode kann auch schriftlich erfolgen, wie es beispielsweise bei einer
Befragung zur Einschätzung der zukünftigen Entwicklungen von Online­Prü­
fungen eingesetzt wurde: Schaffert (2004) hat dazu 48 Expertinnen und Experten
in einer zweistufigen schriftlichen Befragung Aussagen bewerten lassen. Während
es beim ersten Durchgang noch ein weites Spektrum an Aussagen und zukünf­
tigen Entwicklungen gab, ergab sich in der zweiten Runde ein moderateres Bild:
Die Befragten kamen beispielsweise zu dem Ergebnis, dass Online­Prüfungen vor
allem in Branchen in denen Computer als Arbeitsgerät zum Alltag gehören,
zukünftig häufiger eingesetzt werden wird.
Unsere Variante
Auch wenn Delphi­Studien häufig schriftlich oder online durchgeführt werden, ist
es eben auch möglich, das Verfahren in moderierten Gruppendiskussionen und
­arbeiten durchzuführen. Eine Variante wurde bei dem Expertentreffen zur
17
Unser Vorgehen
Zukunft von Lern und Lehrmaterialien erprobt9
und dort als „L3T's SEE“
bezeichnet (Ebner & Schön 2012): Am zweiten Tag der Veranstaltung ging es
darum, mittelfristige Trends zu benennen, die die Zukunft von Lern­ und Lehrma­
terialien beeinflussen werden. Im Austausch und Diskussion mit anderen Exper­
tinnen sollte daher Konsens erzielt werden. Da die Teilnehmer/innen mit dem
Ablauf und den Ergebnissen zufrieden waren, haben wir es auch beim SNML
verwendet.
Methodisch wird dabei kein „allgemeiner Blick“ gewählt, sondern die Perspek­
tiven der beteiligten Akteure – und damit auch Expertinnen und Experten
gewählt. Wir gehen so davon aus (die teils deutlich unterschiedlichen Ergebnisse
aus Sicht der unterschiedlichen Akteure bestätigen das), dass aus Sicht der unter­
schiedlichen Akteure unterschiedliche Trends maßgeblich und wichtig sind. Diese
„Trends“ wurden mit Hilfe unterschiedlicher Poster von allen, die dazu beitragen
wollten, bearbeitet. Ein Wechsel und Diskussionen sind dabei erwünscht: Jede/r
soll sich dort einbringen können, wo sie/er Expertise einbringen konnte. Präsen­
tationen und Diskussionen der Zwischenergebnisse führen zu einem Wissensaus­
tausch und Überarbeitungen der Trends. Neben den „Trends“ sollten auch
Entwicklungen beschrieben werden, die sich daraus ergeben.
Im Anschluss sollte es dann möglichst konkret werden. Die Teilnehmer wurden
daher aufgefordert Thesen zu formulieren, die möglichst eindeutig, konkret und
überprüfbar sind. Angesichts der Vorarbeit fällt das gar nicht schwer. Im
Anschluss wurde mit einem simplen Auswahlverfahren – jeder Teilnehmer bekam
eine gewisse Zahl von Klebepunkten – die wichtigsten Thesen bestimmt, indem
man überall abstimmen konnte, wo man wollte.
Abbildung 5: Plakate beim Delphi­Workshop
9
Siehe http://l3t.eu/zukunft [2012-10-19]
18
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
Besonderheiten dieses Verfahrens im Vergleich zum herkömmlichen Delphi­Ve­
fahren sind, dass es eine Open­Space­Methode ist (jede/r kann wählen, wo er
seine Expertise einbringt und auch wechseln), dass gezielt unterschiedliche
Perspektiven eingenommen werden und dass man dort mitspricht und abstimmt,
wo man auch selbst Expertise hat.
Um neben den vier beteiligten Experten eine breitere Basis von Meinungen, Ideen
und Ansichten zu integrieren wurden deren Einschätzungen und Argumenta­
tionen zur Diskussion vorgestellt. Die ersten Ergebnisse waren nicht „in Stein
gemeißelt“ sondern wurden wiederum einer erweiterten Runde zur Diskussion
gestellt.
Ausarbeitung von Visionen
Schließlich wollen wir uns im Rahmen unserer Arbeit zur Zukunft auch ein wenig
„ausspinnen“: Uns ist klar, dass Prognosen für längere Zeiträume, also ab ca. drei
Jahren, nur noch mit großer Vorsicht anzugehen sind. Trotzdem wollen wir uns
im Detail mit zwei ausgewählten Ideen beschäftigen. Wir formulieren „Visionen“
konkret und machen uns Gedanken, wie es zu ihnen kam. Zunächst wurden dazu
bereits vor dem Workshop zwei Visionen formuliert.
Ansatz: Think Tank und Roadmapping
Im Workshop mit sechs SNML­Experten wurden dann Mitte Februar 2013 in
einem ersten Schritt Anleihen aus dem Verfahren der „Think Tanks“ genommen:
Mit Hilfe eines Plakats sollte genau beschrieben werden was passiert, wenn die
Vision eingetreten ist: Wie reagieren unterschiedliche Personengruppen darauf?
Was ändert sich?
Im zweiten Schritt haben wir das Vorgehen des „Road Mapping“ verwendet: Beim
„Road Mapping“ werden Landkarten beziehungsweise Fahrpläne zukünftiger
Entwicklungen beschrieben und aufgezeichnet. Typischerweise werden dazu
systematisch zentrale Herausforderungen und Möglichkeiten für Aktivitäten
beschrieben und mit Entwicklungszielen und Meilensteinen auf einer Zeitachse
illustriert (Kosow & Gaßner 2008, 65). Dabei wird auch der Rückwärtsblick ein­
gesetzt: Ausgehend von einer in der Zukunft (erwünschten) Entwicklung werden
Meilensteine und das Vorgehen beschrieben, wie man diese erreicht hat und
welche Faktoren dabei entscheidend waren. Mit Hilfe eines Plakats wurde so im
Workshop erarbeitet, welche Hürden und Enabler es auf dem Weg zur Vision gab:
Wir haben also so getan, als ob die Vision bereits eingetroffen ist und einen Blick
zurück gewagt: Wie kam es zur Vision? Was hat die Entwicklung unterstützt, wo
gab es Probleme?
19
Unser Vorgehen
Dokumentation
Die Dokumentation der Ergebnisse erfolgte zum einen durch die ausgearbeiteten
Plakate, zum anderen wurden nach jedem Schritt die Zwischenergebnisse der
Gruppenarbeiten präsentiert. Diese Präsentation wurden aufgenommen und sind
die Grundlage für die spätere erste schriftliche Fassung.
Abbildung 6: Workshop­Doku : Arbeit an den Visionen, Februar 2013
Überarbeitung und Diskussion
Da es sich beim SNML­Kernteam um eine vergleichsweise homogene Experten­
gruppe handelt, wurden die Ergebnisse uns Ausarbeitungen der Visionen schließ­
lich – ebenso wie die Thesen – weiteren Experten vorgelegt und um Kritik,
Kommentare und Widerspruch gebeten.
20
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
KURZFRISTIGE ENTWICKLUNG: DIE NÄCHSTEN 6, 12 UND 18 MONATE
Die zwölf Thesen und ihre Bewertung
Im Rahmen eines Workshops wurden zwölf Aussagen gewählt und formuliert, die
einzelne Aspekte der zukünftigen Entwicklung von Linked Media aufgreifen.
Dabei wurde beachtet, dass es sich dabei um Aussagen zur Medienbranche, zu
Unternehmen, zu technologischen Entwicklungen, zur Nutzersicht, zur Forscher­
sicht und auch zum Thema „Open Government“ handelt. Eine Schwierigkeit lag
darin, die Aussagen so zu formulieren, dass sie möglichst überprüfbar sind.
Entsprechende zusätzliche Angaben wurden so gewählt, dass sie die Bewertbar­
keit der einzelnen Aussagen und damit die Arbeit der Jury unterstützen. Beispiels­
weise wurde schon im Vorfeld festgehalten, wo die je zehn größten Unternehmen
in D­A­CH gelistet sind.
Die einzelnen Aussagen und ihre Bewertungen bei dem gewählten Verfahren,
einer Online­ und einer Live­Wette, werden nun im folgenden vorgestellt.
1. API oder Webservices auf Inhalte und/oder Metadaten von Rundfunkunternehmen
Die erste Wette bezieht sich auf die Verfügbarkeit von so genannten Application
Programming Interfaces (APIs), also Programmier­Schnittstellen oder Webser­
vices. Den Expertinnen und Experten zufolge ist es absehbar, dass innerhalb der
nächsten 18 Monate Rundfunkunternehmen APIs oder Webservices für den
Zugriff auf ihre Inhalte und Metadaten anbieten.
Drei Rundfunkunternehmen im deutschsprachigen Raum bieten eine API oder ein
Webservice zum Zugriff auf Inhalte und/oder Metadaten an.
Einschätzung bei der Live-Wette
Einschätzung bei der Online-Wette
n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,
o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10
2. Second-Screen-Format im Fernsehen
Immer häufiger sitzen Fernsehzuschauer mit ihren elektronischen Geräten, zum
Beispiel dem Smartphone oder einem Tablet­Computer vor dem Fernseher. Es
wird bereits damit experimentiert, die Nutzung dieser Geräte, z. B. in Form von
Tweets, also Kurznachrichten bei Twitter, in Fernsehsendungen einzubauen. Den
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Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 Monate
Experten zufolge ist es wahrscheinlich (70%), dass ein oder mehrere Fernseh­
sender in den nächsten 18 Monaten eigene dezidierte Second­Screen­Formate
entwickeln und anbieten.
Ein Rundfunkunternehmen im deutschsprachigen Raum bietet ein spezielles Format an,
das die Verwendung eines Second Screen integral beinhaltet, d.h. das Format ist ohne
Second Screen nur sehr eingeschränkt nutzbar.
Einschätzung bei der Live-Wette
Einschätzung bei der Online-Wette
n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,
o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10
3. Archivdaten von Medienunternehmen als Linked Data
Ob Medienunternehmen im deutschsprachigen Raum absehbar Archivdaten als
Linked Data veröffentlichen, diese also in einer Form verfügbar machen, die das
Verknüpfen mit anderen Daten vereinfacht, ist Gegenstand der dritten Aussage.
Hier gehen die Experten davon aus, dass sich in den nächsten 18 Monaten wahr­
scheinlich drei Medienunternehmen finden werden, die diesen Service anbieten
(60%). Die Teilnehmer der Online­Wette sind hier skeptischer (50%).
Drei Medienunternehmen im deutschsprachigen Raum publizieren Archivdaten als
Linked Data.
Einschätzung bei der Live-Wette
Einschätzung bei der Online-Wette
n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,
o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10
4. Linked-Data-Prinzipien in großen Unternehmen
Linked­Data­Prinzipien können auch innerhalb eines Unternehmens eingesetzt
werden, um Informationsbestände miteinander zu verknüpfen, also um die Inte­
gration von Unternehmensdaten zu ermöglichen, denn sehr oft ist die Information
in Unternehmen in unterschiedlichen Systemen eingeschlossen („Daten­Silos“).
Die Experten gehen davon aus, dass in den nächsten 18 Monaten wahrscheinlich
mehr als die Hälfte der Unternehmen solche Linked­Data­Prinzipien einsetzt.
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ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
Linked-Data-Prinzipien sind als Technologie für Enterprise Information Integration in
min. 50% der jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum (DE, AT,
CH, siehe Anm.) etabliert, d.h. es gibt mindestens eine Applikation, die Informationen
aus zwei oder mehreren Informationssystemen mit Hilfe der Linked-Data-Prinzipien
integriert.
Einschätzung bei der Live-Wette
Einschätzung bei der Online-Wette
n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,
o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10
5. Unternehmensterminologien
Bei der Erschließung von unternehmensinternen Informationen und Dokumenten
ist die Erstellung einer unternehmenseigenen Terminologie, also eine Sammlung
und Ordnung der unternehmensrelevanten oder auch ­eigenen Fachbegriffe, hilf­
reich. Dass mehr als die Hälfte der größten Unternehmen im deutschsprachigen
Europa innerhalb der nächsten 18 Monate eine solche Terminologie und darauf
basierende Prozesse definiert haben, erscheint den Experten sehr wahrscheinlich
(100%).
In mindestens 50% der jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum
(DE, AT, CH, siehe Anm.) ist eine dokumentierte Unternehmensterminologie und darauf
basierende Prozesse definiert.
Einschätzung bei der Live-Wette
Einschätzung bei der Online-Wett
n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,
o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10
6. Personalisierte Leseempfehlungen bei Tageszeitungen
Die Online­Ausgabe der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ bot schon vor
einigen Jahren Abonnenten und Online­Leser/innen Formen der Personalisierung
an. So war es möglich, Farbe und Schriftgröße der Darstellung zu ändern und zu
speichern (vgl. Wieden­Bischof & Schaffert 2008). Denkbar ist aber heute auch,
dass Abonnenten inhaltliche Leseempfehlungen gegeben werden. Mit großer
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Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 Monate
Wahrscheinlichkeit (97%) wird dies in den nächsten zwölf Monaten für drei
deutschsprachige Tageszeitungen der Fall sein.
Drei deutschsprachige Tageszeitungen geben personalisierte Leseempfehlungen für
Abonnenten.
Einschätzung bei der Live-Wette
Einschätzung bei der Online-Wette
n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,
o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10
7. Interaktivierte Kundenzeitschriften
Die starke Verbreitung von Smartphones und Tablet­Computern ist von einem
Ausbau entsprechender Services begleitet. Beispielsweise können Barcodes von
Produkten, Adressangaben von Visitenkarten oder auch QR­Codes heute von
Smartphones ausgelesen und weiterverarbeitet werden. Eine Interaktivierung
von Kundenzeitschriften ist dabei ein folgerichtiger Schritt. Den Experten zufolge
ist es relativ wahrscheinlich (80%), dass mindestens 50 Prozent aller gedruckten
Kundenzeitschriften in 18 Monaten in dieser Form vorliegen werden.
Mindestens 50 Prozent der gedruckten Kundenzeitschriften im deutschsprachigen Raum
liegen auch in interaktivierter digitaler Form vor.
Einschätzung bei der Live-Wette
Einschätzung bei der Online-Wette
n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,
o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10
8. Publikationen zu „Web Science“
Die Entwicklung von Linked Media interessiert uns auch aus Sicht der Forschung.
Hier scheint „Web Science“ eines der großen verwandten Fachbegriffe, evt. auch
ein Modewort (engl. Buzz word), zu sein. Auch die Experten gehen davon aus,
dass sich die Zahl der Treffer bei Google Scholar zu diesem Suchbegriff relativ
schnell von derzeit knapp 6.000 verdoppeln wird: In spätestens 18 Monaten sollte
dies sicher (100%) der Fall sein.
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ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
Die Zahl der Publikationen zum Thema „Web Science“ (oder anerkannten Synonymen
dafür), die bei Google Scholar registriert sind (Oktober 2012: 5.980 Treffer), verdoppelt
sich.
Einschätzung bei der Live-Wette
Einschätzung bei der Online-Wette
n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,
o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10
9. Open Semantic Enterprises
Michael K. Bergmann hat in einem Weblog­Artikel sieben Grundprinzipien für ein
sogenannten „Open Semantic Enterprise“ aufgestellt und beschrieben. Werden
sich solche Prinzipien durchsetzen? Und in welchem Zeitraum? Etwas kompliziert
wurde die Wettaussage so formuliert, dass mindestens jedes zweite der größten
Unternehmen in D­A­CH mindesten drei der Prinzipien, z. B. Nutzung von Linked­
Data­Technologie oder Open World Mindset umgesetzt hat. Tatsächlich scheint
dies den Experten in den nächsten 18 Monaten relativ wahrscheinlich (79%).
In mindestens 50% jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum (DE,
AT, CH) sind 3 der 7 Grundprinzipen des „Open Semantic Enterprise“ (Graphen-basiertes
Datenmodell, (Open) Linked-Data-Technologien, Adaptive Ontologien, Ontologie-ba-
sierte Anwendungen, Web-orientierte Architektur, Schichtartiger Ansatz, Open World
Mindset – vgl. „Open Semantic Enterprise“, Michael K. Bergman) umgesetzt.
Einschätzung bei der Live-Wette
Einschätzung bei der Online-Wette
n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,
o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10
10. Open-Government-Daten
Immer mehr Behörden veröffentlichen ihre Daten frei („Open Data“ bzw. „Open
Government Data“). Es gibt bereits einige Applikationen, z. B. von politischen
Verbänden, die darauf aufbauend Informationen generieren oder darstellen. Uns
interessierte nun, ob und wann es auch zu einer Nutzung der Open Government
Daten von industrieller Seite kommt. Hier scheint es den Experten sicher (100%)
dass in den nächsten 18 Monaten mindestens drei industrielle Applikationen
25
Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 Monate
bekannt werden, die maßgeblich auf Open­Government­Daten beruhen. Es könnte
auch sein, dass dies schon früher, nämlich in den nächsten 6 Monaten (52%) oder
zwölf Monaten (67%) eintritt
Es liegen Pressemeldungen und Artikel von mindestens fünf industriellen Applikationen
im deutschsprachigen Raum vor, die Open-Government-Daten als integrale Datenquelle
verwenden.
Einschätzung bei der Live-Wette
Einschätzung bei der Online-Wette
n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,
o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10
11. Kommerzielle Lösung für Linked-Media-Technologie
Nicht zuletzt aus eigenem Interesse ist für das Salzburg NewMediaLab die Frage
der Kommerzialisierung der Linked­Media­Technologie interessant. Demnach
erscheint es den Experten sehr wahrscheinlich, dass ein europäisches Unter­
nehmen in den nächsten zwölf Monaten eine kommerzielle Lösung, Beratung und
Support für die Linked­Media­Technologie anbietet (78%).
Ein europäisches Unternehmen bietet kommerzielle Lösungen, Beratung und Support
für die Linked-Media-Technologie und darauf basierende Lösungen an.
Einschätzung bei der Live-Wette
Einschätzung bei der Online-Wette
n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,
o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10
12. Mitarbeiter mit Expertise zu Linked Data
Schließlich interessierte uns auch Auswirkungen auf den Fachkräftemarkt und
Nachfrage von entsprechend qualifizierten Fachpersonal. Wir wollten daher
wissen, wann das erste Mal ein großes deutschsprachiges Unternehmen eine/n
Mitarbeiter/in mit Expertise zu Linked Data sucht. Die Experten sind sich relativ
sicher, dass ein entsprechender Eintrag bei einem Jobportal in den nächsten zwölf
Monaten zu finden ist (76%).
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ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
Ein großes Wirtschaftsunternehmen im deutschsprachigen Europa sucht erstmals eine/n
Mitarbeiter/in mit explizit genannter Expertise zum Thema „Linked Data“.
Einschätzung bei der Live-Wette
Einschätzung bei der Online-Wette
n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,
o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10
Unterschiede zwischen Live- und Online-Wette
Auffallend sind teils deutliche Unterschiede im Wettverhalten der Teil­
nehmer/innen bei der Live­ bzw. der Online­Wette. Dabei ist zu beachten, dass die
Online­Wetten später stattfanden und den Teilnehmer/innen dabei die Ergeb­
nisse der Live­Wette vorlagen: Es sind also keine „unabhängigen Stichproben“,
vielmehr haben die Online­Wettteilnehmer/innen bestimmt auch bewusst
„Gegentrends“ gesetzt, um Aussagen „in die richtige Richtung zu biegen“. Solche
Annahmen und auch weitere Auswertungen zum Wettverhalten müssen jedoch
spätere Auswertungen genauer untersuchen.
Was passiert (wahrscheinlich) wann?
Wenn man davon ausgeht, dass mehr als 50 Prozent bedeutet, dass eine Entwick­
lung eher wahrscheinlich ist, ergibt sich folgende Darstellung. Herangezogen
wurden hierbei die Ergebnisse der Live­Wette.
In den nächsten sechs Monaten (bis 30.4.13) treffen wahrscheinlich keine Aussagen
zu, weil keine der Aussagen mit mehr als 50% Zustimmung bereits in den nächsten
sechs Monaten eintreffen wird.
In den nächsten zwölf Monaten (bis 30.10.13) treffen wahrscheinlich folgende
Aussage zu:
Drei deutschsprachige Tageszeitungen geben personalisierte Leseempfehlungen für
Abonnenten. (97% Wahrscheinlichkeit)
Ein großes Wirtschaftsunternehmen im deutschsprachigen Europa sucht erstmals
eine/n Mitarbeiter/in mit explizit genannter Expertise zum Thema „Linked Data“. (76%
Wahrscheinlichkeit)
Es liegen Pressemeldungen und Artikel von mindestens fünf industriellen Applika-
tionen im deutschsprachigen Raum vor, die Open-Government-Daten als integrale
Datenquelle verwenden. (67% Wahrscheinlichkeit)
27
Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 Monate
Ein europäisches Unternehmen bietet kommerzielle Lösungen, Beratung und Support
für die Linked-Media-Technologie und darauf basierende Lösungen an. (61% Wahr-
scheinlichkeit)
In mindestens 50% der jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen
Raum (DE, AT, CH, siehe Anm.) ist eine dokumentierte Unternehmensterminologie
und darauf basierende Prozesse defniert. (54% Wahrscheinlichkeit)
In den nächsten 18 Monaten (bis 30.4.14) treffen wahrscheinlich folgende Aussagen
zu:
Die Zahl der Publikationen zum Thema „Web Science“ (oder anerkannten Synonymen
dafür), die bei Google Scholar registriert sind (Oktober 2012: 5.980 Treffer), verdop-
pelt sich. (100% Wahrscheinlichkeit)
In mindestens 50% jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum
(DE, AT, CH) sind 3 der 7 Grundprinzipen des „Open Semantic Enterprise“ (Graphen-
basiertes Datenmodell, (Open) Linked-Data-Technologien, Adaptive Ontologien, Onto-
logie-basierte Anwendungen, Web-orientierte Architektur, Schichtartiger Ansatz,
Open World Mindset - vgl. „Open Semantic Enterprise“, Michael K. Bergman) umge-
setzt. (81% Wahrscheinlichkeit)
Mindestens 50 Prozent der gedruckten Kundenzeitschriften im deutschsprachigen
Raum liegen auch in interaktivierter digitaler Form vor. (80% Wahrscheinlichkeit)
Ein Rundfunkunternehmen im deutschsprachigen Raum bietet ein spezielles Format
an, das die Verwendung eines Second Screen integral beinhaltet, d.h. das Format ist
ohne Second Screen nur sehr eingeschränkt nutzbar. (70% Wahrscheinlichkeit)
Drei Rundfunkunternehmen im deutschsprachigen Raum bieten eine API oder ein
Webservice zum Zugriff auf Inhalte und/oder Metadaten an. (67% Wahrscheinlichkeit)
Linked-Data-Prinzipien sind als Technologie für Enterprise Information Integration in
min. 50% der jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum (DE, AT,
CH, siehe Anm.) etabliert, d.h. es gibt mindestens eine Applikation, die Informationen
aus zwei oder mehreren Informationssystemen mit Hilfe der Linked-Data-Prinzipien
integriert. (68% Wahrscheinlichkeit)
Drei Medienunternehmen im deutschsprachigen Raum publizieren Archivdaten als
Linked Data. (60% Wahrscheinlichkeit)
Später oder nie treffen wahrscheinlich keine Aussagen zu: Alle Aussagen werden mit
mehr als 50% Wahrscheinlichkeit in den nächsten 18 Monaten eintreffen.
28
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
MITTELFRISTIGE ENTWICKLUNG: DIE NÄCHSTEN FÜNF JAHRE
In einem Workshop mit Experten wurden die folgenden Ausführungen über die
mittelfristige Entwicklung in den nächsten fünf Jahren erarbeitet. Die Aussagen
beziehen sich dabei auf jenen geografischen Bereich, den die Experten (gut)
kennen, nämlich das deutschsprachige Europa
Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Industrie- und Technolo-
gie-Unternehmen
Als Trends für Industrie­ und Technologie­Unternehmen werden für die nächsten
fünf Jahre folgende als bedeutsam eingeschätzt:
Big Data
Business Intelligence
Open Semantic Enterprise
Vierte industrielle Revolution
Ein Trend für der Industrie­ und Technologie­Unternehmen interessant wird, ist
Big Data. Wie gehen Unternehmen mit dem ständig steigenden Datenvolumen
um? Die wichtigsten Aspekte sind hierbei Data Warehousing und Enterprise Infor­
mation Integration.
Ein zweiter wichtiger Trend ist die zunehmende Bedeutung von Business Intelli-
gence, bei der es auch um Datenintegration geht. Enterprise Dashboards ermögli­
chen zukünftig einen schnellen Blick auf Daten und Informationen im Unter­
nehmen aus dem jeweiligen Handlungskontext heraus.
Der Trend zu „Open Semantic Enterprises“ wird ebenso in fünf Jahren wichtig
sein. Sieben Säulen, werden in diesem Zusammenhang in einem Weblog von Mike
Bergman genannt10
: Das RDF­Daten­Modell, Linked­Data­Technologien, Adaptive
Ontologien, Ontologie­getriebene Anwendungen, eine Web­orientierte Archi­
tektur, ein inkrementelles Schichtenmodell sowie das passende Mindset „Open
World“.
Schließlich ist die vierte industrielle Revolution eine zu erwartende Konse­
quenz aus der Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre (z. B. SPIEGEL ONLINE,
5.10.2012): Die industriellen Unternehmen sollen von Seiten der Regierungen
wieder gestärkt werden. Aus Sicht der Informationstechnologie ist hier z. B. das
„Internet der Dinge“ ein wichtiges zukünftiges Thema.
10
http://www.mkbergman.com/859/seven-pillars-of-the-open-semantic-enterprise/
[2012-10-19]
29
Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf Jahre
Erwartete Entwicklungen für die nächsten fünf Jahren
Technologieunternehmen erlauben durch Enterprise Dashboards eine integrierte Sicht
auf Unternehmensdaten.
Integrierte Unternehmensdaten und -inhalte liegen in einheitlichen Strukturen vor.
Technologieunternehmen bieten semantische Data-Warehouse-Funktionalitäten auf
integrierte Unternehmensdaten an.
Technologieunternehmen folgen den sieben Grundprinzipien von Open Semantic
Enterprises bei der Erstellung ihrer Informationssysteme und als Grundlage ihrer Infor-
mationsmanagementpolitik.
Technologieunternehmen nutzen Sensordaten und Wissensmodelle zur automati-
sierten Prozessoptimierung.
Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Medienunternehmen
Als Trends für Medienunternehmen werden für die nächsten fünf Jahre folgende
als bedeutsam eingeschätzt:
Open Access
Nutzergenerierte Inhalte
Neue Monetarisierungsstrategien
Der Trend „Open Access“ führt zu einem Öffnen der Archive nach außen. Hierbei
unterscheiden die Experten auf der einen Seite die öffentlich­rechtliche Medien­
unternehmen, von denen dies verstärkt verlangt wird, weil sie eben als öffentlich­
rechtliche Einrichtungen einen offenen Zugang erlauben sollen. Auf der anderen
Seite wird auch von privatrechtlichen Medienunternehmen eine Öffnung des
Zugangs erwartet, weil darin Marketingpotentiale gesehen werden (z. B. über
soziale Netzwerke). Bei öffentlich­rechtlichen Einrichtungen ist dieser Prozess
schon weiter fortgeschritten. Trotzdem sind gerade diese Einrichtungen von
einem Perspektivenwechsel betroffen: Heute und noch verstärkt in den nächsten
Jahren sollen die Materialien auch als „kulturelles Erbe“ zur Verfügung gestellt
werden, z.B. auch für Forscher/innen. Vorreiter ist hier das Projekt „Europea­
na.org“11
. Dies stellt jedoch aktuelle Ordnungsprinzipien der Archive in Frage.
Auch die Frage nach den nutzergenerierten Inhalten („user generated content“)
wird an Bedeutung gewinnen: Wie gehen Medienunternehmen damit um, lassen
sie zum Beispiel Medienannotationen durch Nutzer/innen zu? Sind sie dazu
bereit, das Laden von Bildern oder Videos in ihre Plattformen durch externe
Nutzer/innen zuzulassen? Auch die Integration von sozialen Interaktionsmöglich­
11
http://europeana.org (2012-10-19)
30
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
keiten wie Kommentare, Bewertungen und Diskussionen gehört zu diesem
zukünftig wichtigen Thema.
Klassische Printmedienunternehmen haben derzeit und werden auch weiterhin
ein Monetarisierungsproblem haben, zu dessen Überwindung sie neue Geschäfts­
modelle entwickeln und erproben müssen. Die neuen Monetarisierungsstrate-
gien führen unter anderem dazu, dass es für Medienunternehmen wichtig wird,
dass sie lange oder längere Verweilzeiten auf den Web­Plattformen verzeichnen
können (z. B. für Anzeigenkunden). Cross­Media­Publishing und „Connecting
Media“ (d.h. Ansätze zur Verbindung und Verlinkung unterschiedlicher Medienin­
halte) sind weitere Entwicklungen, die zur Bildung von neuen Monetarisierungs­
strategien und Geschäftsmodellen führen werden. Second­Screen­Szenarien, bei
denen Nutzer/innen neben dem Fernsehen mit Mobilgeräten mit dem Fernsehan­
gebot interagieren, sind ein weiterer Teil solcher Szenarien.
Erwartete Entwicklungen für die nächsten fünf Jahren
Medienunternehmen interaktivieren ihre Angebote, z.B. mit Second-Screen-Anwen-
dungen.
Medienunternehmen bieten zusätzliche Services über ihre Inhalte und Archive an, z.B.
für Crossmedia Publishing, Mashups, usw.
Medienunternehmen entwickeln Geschäftsmodelle für ihre Archive.
Nutzergenerierte Inhalte werden neben Premium- bzw. redaktionellen Content zu
einer weiteren Säule des Angebots.
Medienunternehmen erlauben Annotationen durch die Benutzer.
Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Forschung
Als Trends für die Forschung werden für die nächsten fünf Jahre folgende als
bedeutsam eingeschätzt:
Web Science
Big Data (Datenanalyse)
Cross-Media-Analysen
Social-Media-Analysen und Soziale-Netzwerk-Analysen
In der Forschung gibt es vier wesentliche Trends. Im Bezug auf Big Data spielen
v.a. die technologischen Grundlagen eine Rolle, etwa Cloud­Infrastrukturen (Wie
kann ich mir als Unternehmen solche Strukturen aufbauen?) und skalierbare
Architekturen (Wie kann ich meine Software auf solchen Cloud­Infrastrukturen
laufen lassen?). Ein drittes zukünftig wichtiges Thema werden in diesem Bereich
31
Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf Jahre
die Echzeitdaten sein: Viele Daten werden als kontinuierlicher Datenstrom an die
Unternehmen geliefert. Die Analyse muss daher in (nahezu) Echtzeit erfolgen.
Viele Daten werden selbst gar nicht mehr gespeichert, sondern es werden nur die
daraus gewonnenen Analyseergebnisse verwaltet und visualisiert.
Der zweite Trend in der Forschung ist die Cross-Media-Analyse: Viele Medien
sind miteinander verknüpft, aber die bisherigen Analyseverfahren unterliegen
strikt den Mediengrenzen, sind also entweder Audio­ oder Bildanalysen. Zukünf­
tige Verfahren werden unterschiedliche Analyseverfahren kombinieren, um
dadurch eine höhere Genauigkeit und Trefferquote („precision“ und „recall“) der
Verfahren zu erreichen. Halbautomatische Verfahren werden die Menschen
optimal unterstützen, in dem sie die aus kombinierten Analyseansätzen gewon­
nenen Informationen in den menschlichen Handlungskontext einfließen lassen.
Der dritte Trend der Forschung ist „Web Science“: Dieser Begriff umfasst eine
noch junge Wissenschaft, die sich mit den sozialen und technologischen Aspekten,
v.a. auch mit den Abhängigkeiten zwischen den technologischen und nicht­tech­
nologischen Aspekten, des World Wide Webs befasst. Wenn etwa das Ubiquitous
Web, in dem Menschen das Web überall und zu jederzeit verwenden in naher
Zukunft kommt, dann hat dies große Auswirkungen auf die Gesellschaft, die Wirt­
schaft, das allgemeine Leben und die Politik. Damit zusammenhängend ist die
Frage nach den Rechten („Intellectual Property Rights“), sowie Fragen des
Vertrauens und der Kennzeichnung der Herkunft, etwa von offen zugänglichen
Daten („Open Data“). Gegenwärtige Lizensierungsmodelle, z.B. die häufig
genutzen Creative­Commons­Lizenzen schränken die Nutzung für Unternehmen
stark ein bzw. es ist unklar, ob sie möglich ist. Ein weiteres Thema ist hierbei auch
das erwähnte Vertrauen in die Datenquellen („Trust“) und die Kennzeichnung der
Herkunft („Provenance“): Wie kann ich mich auf die Daten verlassen, welchen
Daten kann ich vertrauen, wenn ich sie „irgendwo“ aus dem Netz habe?
Social-Media- und Social-Network-Analysen sind zwar streng betrachtet zwei
verschiedene Dinge, werden aber hier als ein Trend genannt, da sie beide darauf
hinweisen, dass mit den neuen Daten auch andere Analyseverfahren notwendig
sind und (weiter­)entwickelt werden müssen. Social­Media­Analysen versuchen
aus den Inhalten von Social­Media­Plattformen neue Einsichten zu generieren, bei
Social­Network­Analysen ist das soziale Netzwerk Gegenstand der Analysen.
Erwartete Entwicklungen für die nächsten fünf Jahre
Es ist möglich, Daten zu zertifzieren und ein Web of Trust für Daten herzustellen.
Im Bereich der Informationssysteme sind skalierbare Architekturen State-of-the-Art.
Web Science ist ein etabliertes Forschungsthema.
Es gibt verschiedene neue Modelle für Urheberrecht im Web.
32
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
Trends und Entwicklungen aus Perspektive von Behörden
Als Trends für Behörden und Regierungsorganisationen (engl. „government“)
werden für die nächsten fünf Jahre folgende als bedeutsam eingeschätzt:
Open Data
Digitale Behörden („digital government“)
Digitale Partizipation
Zunächst werden immer mehr Behörden ihre Daten als „Open Data“ veröffentli­
chen. Daraus entstehen steigende Anforderungen an die Entwicklungen von Sche­
mata und von Mashup­Applikationen, die mit diesen Daten arbeiten. Vor allem
Regierungsorganisationen werden dabei, so wird erwartet, ihre Daten – auch aus
Transparenzgründen – in großem Umfang zur Verfügung stellen. Dies wird in
allen Bereichen der Fall sein, wo nicht die Privatsphäre von Personen betroffen
ist.
Der Trend „Digitale Behörde“ wird dazu führen, dass der größte Teil der Kon­
taktaufnahme, Information und Kommunikation mit Behörden über das Web
stattfinden wird.
Die digitale Partizipation ist ein wichtiges zukünftiges Demokratiethema: In fünf
Jahren wird sie noch mehr gefordert und auch unterstützt werden. Communi­
ty­Aspekte und ­Themen werden zukünftig eine größere Rolle für die Behörden
spielen: Wie können Bürgerinnen und Bürger sinnvoll mit Hilfe des Web an den
Prozessen mitwirken, welche neuen Verfahren sind sinnvoll?
Erwartete konkrete Entwicklungen für die nächsten fünf Jahren
Interaktionen mit Behörden über das Web sind selbstverständlich.
Die Bevölkerung verwendet öffentliche Daten als Wirtschaftsgut.
Die Unternehmen übernehmen öffentliche Daten und verwenden sie für ihre
Geschäfts- und Entscheidungsprozesse.
Immer mehr große Städte in Österreich stellen immer mehr Daten öffentlich zur
Verfügung.
33
Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf Jahre
Trends und Entwicklungen aus Perspektive der (End)-Nutzer/innen
Als Trends für (End­)Nutzer/innen werden für die nächsten fünf Jahre folgende
als bedeutsam eingeschätzt:
Nutzung mobiler Endgeräte (privat und geschäftlich)
Trust
Post Privacy
Aus Sicht der Nutzer/innen ist der wichtigste Trend, dass alles mobil wird: Die
mobilen Geräte werden bei der privaten, als auch in der geschäftlichen Nutzung
dominieren und stets präsent sein. Es ist also zunächst notwendig, Inhalte und
Daten auch für mobile Endgeräte nutzbar zu machen. Klassische nicht­interaktive
Medien, z. B. Fernsehen oder Zeitungen, werden daher auch zunehmend interakti­
viert, d.h. mit interaktiven Elementen versehen, welche auf den Mobilgeräten zum
Einsatz kommen. Mit zunehmender Verwendung von Tablet­Computern kann
schnell vom bedruckten Blatt auf Webinhalte, z.B. auf die Produktdatenblätter von
den beschriebenen Autos, gewechselt werden. Interaktive Fernsehsendungen
oder auch Multi­Plattform­Nutzungsszenarien, wie z.B. Second­Screen­Szenarien,
sind denkbar.
Ein zweiter wichtiger Trend ist „Trust“ die Vertrauenswürdigkeit von Inhalten
und Daten: Mit dem Anstieg von nutzergenerierten Inhalten und Daten wird es
gerade im Medienbereich immer wichtiger sein, die Herkunft der Inhalte und
Fakten zu kennen („Provenance“). Zukünftige Benutzerschnittstellen müssen
verständlich machen, woher die Inhalte und zugrundeliegende Daten kommen.
Eine wichtige Rolle spielen zukünftig auch Empfehlungen für Inhalte und Daten,
denen ich besonders gerne vertraue, zum Beispiel Kinoempfehlungen von meinen
Freunden. Eng damit verbunden ist auch der Aspekt des Datenschutzes und des
Schutzes der Privatsphäre: Die Experten erwarten, dass sogenannte „Post-Pri-
vacy“­Tendenzen zunehmen werden. Darunter werden – ohne Bewertung –
Tendenzen verstanden, die auf eine zunehmende Auflösung von Privatem und
Privatsphäre zielen: Wenn Geburtsdaten und ­Gewichte von Neugeborenen in
Facebook oder per Tweet veröffentlicht werden, ist es zukünftig schwer, hier noch
sinnvoll begründbaren schützenswerten Datenbestand einzuklagen oder Schutz­
rechte zu definieren.
34
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
Erwartete Entwicklungen für die nächsten fünf Jahre
Nutzer/innen verwenden zunehmend Daten auf mobilen Endgeräten, mit unterschied-
lichen Zielen in unterschiedlichen Handlungskontext.
Nutzer/innen wollen Empfehlungen bei der Nutzung und Konsumierung von Inhalten
(und Daten).
Nutzer/innen wollen über die Verwendung ihrer Daten entscheiden.
Nutzer/innen wollen wissen, woher Inhalte aus verschiedenen Quellen kommen
(„provenance“).
Nutzer/innen setzen interaktive Zeitschriften ein.
35
Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf Jahre
36
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
ZWEI VISIONEN UNTER DER LUPE
Als letzten Schritt bei unseren Überlegungen zur Zukunft des Linked Media
Ansatzes beschäftigten wir uns nicht mit „sehr wahrscheinlichen“ sondern im
Folgenden mit zwei von uns gewünschten und mit angetriebenen Entwicklungen.
Wir formulierten dazu zunächst zwei Visionen. Die erste Vision sieht im Jahr 2016
erste Dienstleistungen rund um eine Open Source Implementierung für eine
Linked Data Plattform, genannt „Apache Marmotta“. Die zweite Vision sieht für
das Jahr 2020, dass Linked Data Technologien zur Integration von Enterprise­
Daten mit Webdaten etabliert sind.
In einem Workshop mit sechs Experten des Salzburg NewMediaLab arbeiteten wir
Mitte Februar 2013 intensiv zu diesen Visionen (vgl. S. 13ff). Im Folgenden
werden die beiden Visionen und ihre Konsequenzen (unter der Annahme, dass sie
eintreffen) dargestellt. Zudem wird gezeigt, wie es zum Eintreten der Vision
kommen kann, welche Hindernisse gesehen werden und welche Ermöglicher.
Das Jahr 2016: Dienstleistungen rund um Apache Marmotta werden ange-
boten
Die erste Vision beschäftigt sich mit einer im Januar 2013 als Inkubationsprojekt
bei der Apache Software Foundation (ASF) gestarteten Referenzimplementierung
für eine Linked­Data­Plattform, die die Bezeichnung „Apache Marmotta“ trägt. Die
Vision lautet:
Im Jahr 2016 ist Apache Marmotta zum Top-Level-Projekt der Apache Software Foun-
dation (ASF) graduiert und stellt eine Referenzimplementierung der W3CLinked-Data-
Platorm bereit. Eine Schar von Early Adopters (StartUps) bietet Tools, Beratungs- und
Entwicklungsdienstleistungen für Apache Marmotta an.
Apache Marmotta haben wir in der Einführung (s. S. 10f) bereits vorgestellt. Nun
wollen wir uns im Sinne einer Roadmap ansehen, was auf dem Weg zur erfolgrei­
chen Adaption passieren könnte.
Eine Situationsbeschreibung
Die meisten von den Experten identifizierten Interessengruppen, die die Entwick­
lung rund um Apache Marmotta verfolgen und mit ihr in Berührung kommen,
reagieren positiv, einige reagieren jedoch mit gemischten Gefühlen oder auch
negativ auf die Etablierung von Apache Marmotta im Jahr 2016.
Zunächst zu den Gruppen, die positiv auf die Entwicklung reagieren:
37
Zwei Visionen unter der Lupe
Die Apache Software Foundation hat wieder ein Produkt entwickelt, das den
Markt in einem gewissen Sektor nachhaltig beeinflusst.
Berater und ähnliche Dienstleiter reagieren ebenso positiv auf das neue Produkt.
Auch die CMS­Anbieter freuen sich über die smarten Alternativen für die Back­
end­Infrastruktur, die die Methoden aus dem Bereich des Semantic Web zur
Verfügung stellt.
In den Unternehmen, in denen Apache Marmotta im Jahr 2016 bereits integriert
wurde, reagieren auch die zuständigen Mitarbeiter positiv, da es ihnen mit der
Apache­Software gelingt, unternehmensübergreifend auf Daten zuzugreifen. Das
Management der Unternehmen, die Apache Marmotta einsetzen, hat so erstmals
einen Überblick über alle Daten in seinem Unternehmen und kann sich auf der
Basis neuer Perspektiven rasch Entscheidungsgrundlagen verschaffen. Auch die
Doktoranden im Unternehmen sind erfreut darüber, wie einfach es nun ist,
anderen ihre Daten zur Verfügung zu stellen bzw. auf andere Daten zuzugreifen.
Eine andere Gruppe im Unternehmen reagiert eher negativ: Der Betriebsrat ist
mit der Entwicklung weniger erfreut, er fragt kritisch nach, wie es mit dem Daten­
schutz und dem Schutz der Privatsphäre aussieht.
Systemintegratoren und -Architekten, die Web­ und Unternehmensdaten auf
herkömmlichen Wege integrieren, reagieren (natürlich) negativ auf die Entwick­
lung und Adaption von Apache Marmotta, weil sie den Markt für Lösungen auf
Basis ihrer proprietären Plattformen durch die neue Open­Source­Plattform
gefährdet sehen.
Der Weg dorthin: Hürden und begünstigende Faktoren
Auf der Seite der begünstigenden Faktoren zeigt sich, dass Marmotta stark von
einer Open­Source­Community getragen wird, in der großer Enthusiasmus
herrscht. Bereits heute gibt es „Early Adopters“, die die Linked Data Plattform
verwenden, (z. B. Message S.R.L. für Enel12
). Wir erwarten, dass Apache Marmotta
im Laufe des Jahres 2014 zum Top­Level­Projekt graduiert und damit die volle
Sichtbarkeit und auch Aufmerksamkeit in der Open­Source­Community hat. Ein
weiterer begünstigender Faktor ist der Open­Data­Trend, der im Bereich der
offenen Daten das vorlebt, was im Bereich der Unternehmensdaten passieren
kann. Ob der „Big­Data­Hype“ eher eine Hürde oder einen begünstigenden Faktor
darstellt, ist nach Einschätzung der Experten nicht ganz eindeutig zu sagen. Der
Hype wird als vorübergehend angenommen und wird sich spätestens ab 2015
wieder legen.
Zu Verzögerungen, im Sinne einer Hürde, könnte es auch bei der Linked Data
Working Group am W3C13
kommen. Aufgrund der finanziellen und personellen
Engpässen in Stiftungen solcher Art, ist hier grundsätzlich von einem Risiko für
12
http://data.enel.com/ (2013-04-30)
13
http://www.w3.org/2012/ldp/charter (2013-04-30)
38
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
mögliche Verzögerungen auszugehen. Ähnliche Probleme könnten auch die
Apache Software Foundation oder Wikimedia betreffen: Open­Source­Projekte
sind in gewissem Umfang immer von der aktuellen Situation und der vergleichs­
weise unstetigen Arbeitslage in den Stiftungen abhängig.
Auch sind die mangelnden Kenntnisse über das Resource Description Framework
(RDF bildet eine technologisch­konzeptionelle Grundlage für Linked Data Platt­
formen) in den IT­Abteilungen eine Hürde für die Verbreitung von Apache
Marmotta. Die Europäische Union hat beispielsweise ein Projekt gestartet, das
dem Informationsmanko in diesem Bereich entgegenwirken soll14
. Eine Hürde
stellt zudem der Widerstand der Anbieter für Lösungen im Bereich Informations­
integration, etwa Anbieter von Enterprise­Bus­Systemen oder die Vertreter der
Common­Object­Request­Broker­Architektur (CORBA), dar, um nur zwei der
konkurrierenden Ansätze für die Integration von Daten und Services zu nennen.
Diese möchten die von ihnen propagierten und in ihrem Bereich etablierten
Ansätze weiterverfolgen. Eine weitere Hürde wird in den „akademischen Linked­
Data­Evangelisten“ gesehen, die sehr stark auf eine formale logische Repräsenta­
tion von Wissensstrukturen in der Linked Data Cloud wert legen, dadurch aber
ihre pragmatische Verbreitung in der Praxis möglicherweise behindern. Schließ­
lich werden auch Datenschützer auf die Barrikaden klettern und darauf
hinweisen, dass nicht alles durchdringbar und durchsuchbar sein darf. Daher ist
es zwingend notwendig, sich auch mit regulativen Prozessen für Datenpools zu
beschäftigen, um hier adäquate Antworten und Lösungen präsentieren zu können.
Allerdings sind derartige Gesetzgebungsprozesse sehr langfristig zu sehen.
Was bringt Apache Marmotta jedoch voran, so dass es bis zum Jahr 2016 so
erfolgreich wird?
Als begünstigender Faktor wird der Leidensdruck der vertikalen Abteilungen in
Unternehmen gesehen, der die Entwicklung und Adaption von Apache Marmotta
voranbringt. „Neueinsteigern“ ist es egal, welcher konzeptionelle Ansatz
verwendet wird, damit sie zu ihren Antworten und Services kommen: Sie wollen,
dass sie auf einfache und nachhaltige Weise auf vernetzte Unternehmensdaten
zugreifen können. Ein weiterer begünstigender Faktor wird in einer öffentlich­
keitswirksamen Nutzung der Linked­Data­Technologien von Unternehmen wie
Google, Facebook, Oracle und Microsoft gesehen. Wenn diese beispielsweise im
Jahr 2015 Start­Ups mit entsprechendem Know­How kaufen, um dies für ihre
Suchmaschine, Datenbanktechnologie oder Betriebssystem­Dienste zu nutzen,
könnte dies Linked­Data­Plattformen und Apache Marmotta wesentlich voran­
bringen. Das Integrationsbudget macht derzeit etwa 60 Prozent der IT­Budgets
aus. Wenn erste Nachweise verfügbar sind, dass die Nutzung von Apache
Marmotta (und ähnlicher Linked Data Plattformen) diese Ausgaben auf –
beispielsweise – 55 Prozent senken, wäre der finanzielle Aspekt und das Einspa­
14
vgl. EUCLID-Projekt: Educational curriculum for the usage of Linked Data – http://euclid-
project.eu/ (2013-04-30)
39
Zwei Visionen unter der Lupe
rungspotenzial ein weiterer wichtiger begünstigender Faktor, um Apache
Marmotta nachhaltig in Unternehmen zu integrieren und zu nutzen.
Das Jahr 2020: Linked-Data-Technologien zur Integration von Enterprise-
Daten mit Webdaten sind etabliert
Die zweite Vision, der wir uns intensiver gewidmet haben, lautet:
Es ist das Jahr 2020: Linked-Data-Technologien haben sich als elementarer Baustein
der Integration von Enterprise-Daten mit Web-Daten etabliert. Führende Datenbank-
hersteller (Oracle, Microsoft, Progress) bieten SPARQL Endpoints zum Zugriff auf ihre
relationalen Daten an. Quer über alle Branchen entwickeln sich zahlreiche Enterprise-
Daten-Pools und Datenservices auf Basis der Linked-Data-Prinzipien.
Eine Situationsbeschreibung
Für 2020 werden unterschiedliche „Datenmärkte“ gesehen.
So lassen sich zunächst solche unterscheiden, die Branchenwissen einschließen,
die also die beispielsweise wissen, welche Autohersteller und Fahrzeugtypen es
gibt und welche Ausstattungen diese haben, sowie solche mit Instanzdaten, also
mit Daten von aktuellen Verkäufern, z.B. auto.de, die dort einen Fahrzeug des
Herstellers Ford des Typs Transit mit dem Baujahr 1985 in einem definierten
aktuellen Zustand um 2.000 Euro verkaufen. Im Bezug auf solche branchenspezifi­
sche Datenpools (Datenservices, Datenmärkte) könnte zukünftig ein Anbieter auf
die Idee kommen, alle Daten über Politiker zu sammeln, also auch Events, die sie
besuchen um dieses Branchenwissen an einen zweiten Anbieter zu verkaufen, der
diese Daten mit den Presseberichten verknüpft und weitergehende Analysen
macht.
Aus der Sicht der Verwendung und Nutzung der Daten unterscheiden wir
Anbieter und Nachfrager: Im Jahr 2020 wird es zum einen Unternehmen und
Organisationen geben, die „Data Outlets“ bereitstellen. Wie das Content Publis­
hing heute, wird es zukünftig einen Markt für „Data Publishing“ geben. Unter­
nehmen stellen Partnern oder auch der Öffentlichkeit ihre Daten zur Verfügung,
beispielsweise Produktkataloge und branchenspezifische Terminologien. Umge­
kehrt nutzen Unternehmen „Data Inlets“, indem sie Daten von außen in ihre
Firma hineinnehmen, beispielsweise von Providern, die Branchenwissen
anbieten.
Ein Enterprise Knowledge Graph wird zukünftig die herkömmlichen Ansätze für
Informationsintegration ersetzen. Bei der Informationsintegration legt man zum
Zeitpunkt ihrer Erstellung genau fest, was man mit der Datenintegration errei­
chen will, also welche Datensätze man zu welchem Zweck und mit welchem
40
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
Ergebnis verknüpfen möchte. Beim Enterprise Knowledge Graph werden die
Daten anwendungsneutral (und damit schemenfrei) miteinander verknüpft und
man kann auch später weitere darauf basierende Services bzw. Analysen
aufsetzen. Man kann also zu jedem späteren Zeitpunkt entscheiden, z.B. wenn sich
neue Probleme oder Fragen ergeben, die vorhandenen Daten auf eine andere
Weise zu nutzen. Der Ansatz gibt also eine größere Flexibilität, auch für damit
verbundene Beratungstätigkeiten.
Welche Gruppen arbeiten nun mit den neuen Entwicklungen?
Zum einen sind das Serviceanbieter, denen es nun auf Basis der Graph­Daten
möglich ist, neue Sichten zu generieren. Wenn beispielsweise das Branchenwissen
über Autos mit den Instanzdaten der Märkte integrierbar wird, lassen sich z.B.
individuelle Empfehlungen für die verfügbaren Fahrzeuge für eine Familie mit
vier Kindern und einem Hund erstellen. Für die Akzeptanz solcher Empfehlungen
ist es wiederum wichtig, dass nachvollziehbar begründet werden kann, warum
dieser Familie z.B. ein Auto mit einem großen Kofferraum empfohlen wird.
Die Gruppe der Datenschützer wird im Jahr 2020 jammern. Die vorgestellte
Vision ist eine volle Etablierung des sogenannten „Web of Data“, erweitert auf das
„Web of Corporate Data“. Das heißt, Unternehmen bieten dort nicht nur Produkte,
sondern auch Daten über Produkte, Mitarbeiter, Services an. Das sind qualitativ
ganz andere Daten, als sie heute in der Open Data Cloud erfasst werden: Dort ist
derzeit v. a. öffentlich zugängliches Wissen verfügbar, z.B. Daten über Orte, kultu­
relle Güter, Denkmäler oder Personen des öffentlichen Interesses. Im Jahr 2020
geht es aber immer mehr um interne (Unternehmens­) Daten, bei denen eine De­
Anonymisierung vergleichsweise einfach möglich ist. Selbst wenn man vorder­
gründig dafür sorgt, dass Wissen über die Personen und ihre Privatsphäre nicht
bekannt wird, besteht oft durch die Verknüpfung der Daten (die „Traversierung
der Enterprise Knowledge Graphs“) die Möglichkeit, dass Einsichten möglich sind,
die von Datenschützern nicht unterstützt werden können. Ein Beispiel dafür ist
etwa die heute schon praktizierte Auswertung des Kaufverhaltens.
Die Kosument/innen, also Kund/innen, nutzen die neuen Services natürlich. Sie
erhalten mehr und maßgeschneiderte Services. Vordergründig profitieren sie
natürlich davon, aber man muss sich auch die Frage stellen, ob sie in diesen
Datenmärkten noch eine Privatsphäre haben.
Die Betreiber von Datenmärkten wollen ihre Datenpools monetarisieren: Sie
verdienen unmittelbar am Branchenwissen und/ oder am faktischen Wissen über
die Datenmärkte. Das Unternehmen Diagnosia Internetservices GmbH etwa stellt
heute schon ein Datenservice für Medikamente und Inhaltsstoffe zur Verfügung.
Die Vision ist also, dass das „Web of Data“ realisiert ist und um ein „Web of Corpo­
rate Data“ erweitert wird.
41
Zwei Visionen unter der Lupe
Der Weg dorthin: Hürden und begünstigende Faktoren
Zum einen gibt es eine Reihe von begünstigenden Faktoren auf dem Weg zur
Vision:
Es gibt bereits Bestrebungen, solche geänderten Dienstleistungen anzubieten, die
nicht so sehr auf den traditionellen Services, sondern auf offenen Daten beruhen.
Wir rechnen damit, dass sich über Ansätze wie schema.org und die Linked­Data­
Prinzipien mächtige graphenbasierte Wissensstrukturen im World Wide Web
entwickeln. Auf dem Weg dorthin sind Technologien wie das Resource Descrip­
tion Framework (RDF), oder Apache Hadoop (verteilte skalierbare Rechner­Archi­
tektur) als Basis für eine weltumspannende Graphendatenbank wichtig und
bringen die Entwicklung voran. Natürlich treibt der Markt für branchenspezifi­
sches Wissen, der unserer Vision zugrunde liegt, bzw. die Nachfrage für entspre­
chende Integrations­ und Auswertungsmöglichkeiten die Entwicklung und den
Einsatz der Linked­Data­Technologien in den nächsten Jahren voran.
Im Jahr 2016/17 werden schließlich Daten­Outlets oder auch Daten­Inlets bis hin
zu den wirklichen Anwendungen und Services angeboten werden.
Doch es gibt auch einige Hürden, die bis dahin überwunden werden:
Da sind zum einen jener Teil der Semantic Web Community, der sich auf die Defi­
nition und Entwicklung komplexer Wissensmodelle (Ontologien) spezialisiert hat.
Die bisherigen Arbeiten und Arbeitsweisen dieser Gruppen und Einrichtungen
werden von diesem neuen Ansatz zumindest in Frage gestellt. Zum anderen sind
da auch die handelnden Personen im Unternehmen, also IT­Verantwortliche, die
auch die aktuelle (traditionelle) Sichtweise teilen und ihre Systeme entsprechend
aufgesetzt haben. IT­Verantwortliche denken stark in den organisatorischen
Einheiten des Unternehmens, also: „hier die Buchhaltung, dort das Personalmana­
gement, und da drüben die Abteilung XY“. Die Ermöglichung und Entwicklung
einer Datenintegration und verbindender Services, ist bei vertikaler Denkweise
schwer voranzutreiben. Effektvolle Mechanismen zum Datenschutz in Form von
Zugriffsbeschränkungen (Was darf veröffentlicht werden? Wer hat Zugriff auf
welche Daten?) ist eine weitere Hürde in der Umsetzung: Genau genommen darf
ja niemand in der Firma beispielsweise Zugriff auf alle Daten haben. Auch der
Manager darf aufgrund der geltenden Gesetze viele Daten nicht personenbezogen
auswerten. Eine weitere Hürde ist die Angst vor einer „gläsernen Firma“: Wer zu
viele Daten nach außen abgibt, kann u.U. durch entsprechende Analysen, und auch
Kombinationen mit anderen Daten Einblicke in Firma gewähren, die man gar
nicht geben möchte oder eventuell als Manager sogar selber gar nicht hat. Steve
Jobs soll so beispielsweise schockiert reagiert haben, als Auswertungen der
Fehlermeldungen über eine neuartige Applikation Einblicke in die Applikation
erlaubten, die die Entwickler selbst vorher nicht hatten15
.
15
vgl. http://donmelton.com/2013/01/03/keeping-safari-a-secret/ (2013-04-30)
42
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
DISKUSSION
Wir haben nun mit Hilfe unterschiedlicher Verfahren kurz­ und mittelfristige
Entwicklungen beschrieben und auch versucht, Wege zum Eintreffen von zwei
von uns gewünschten Visionen darzulegen.
Doch was bedeutet dies nun für die tatsächlichen Entwicklungen? Werden sie
tatsächlich so eintreffen? Umgekehrt stellt sich die Frage: Was passiert, wenn sie
nicht eintreffen? War dann unsere Arbeit wertlos?
Dazu ein paar allgemeine Hinweise zur Debatte um die Qualität der Zukunftsfor­
schung (vgl. Schön & Markus 2011). Zukunftsforschung gehört prinzipiell in eine
Grauzone wissenschaftlicher Verfahren. Ihre Güte zu bewerten und sie kritisch zu
betrachten, ist natürlich notwendig. Gütekriterien wissenschaftlichen Arbeitens
sind unter anderem die Gültigkeit von Aussagen und ihre Korrektheit. Auf den
ersten Blick sind das auch Erwartungen, die man an die Forschung über zukünf­
tige Entwicklungen heranträgt: Man will schließlich verlässlich erfahren, was
zukünftig passiert. Gute Vorhersagen sollten demnach zukünftig auch zutreffen.
Auf dem zweiten Blick wird jedoch deutlich, dass Zukunftsforschung häufig
betrieben wird, um Planungen und Strategien zu beeinflussen, also auch um die
Zukunft aktiv zu beeinflussen und mitzugestalten. In diesem Sinne kann Zukunfts­
forschung auch davor bewahren, falsche Entscheidungen zu treffen. Die Vorher­
sagen treffen dann gerade eben wegen der guten Forschung nicht ein (Grunwald,
2002). Ein Beispiel ist die Forschung zum Klimawandel und den damit verbun­
denen Katastrophenszenarien: Sie sollen eben auf Gefahren hinweisen und
präventive Maßnahmen hervorrufen.
In diesem Sinne könnte diese Arbeit bei einem – wohl übersichtlichen, aber
dennoch einflussreichen – Personenkreis zu Überlegungen oder Entwicklungen
führen, die gerade wegen unserer Diskussionen in den Workshops oder der
Ergebnisdarstellung hier im Band erfolgt. Wollen wir wirklich alles so? Wenn das
eh bald kommt – warum soll ich da mitmachen? Wie können wir vorhersehbaren
Problemen aus den Weg gehen? Wie müssen wir agieren, dass unsere Ideen
Verbreitung finden? An welche Partner müssen wir denken?
So wurde beispielsweise konkret für die Entwicklung der Linked­Media­Techno­
logien die Aussage getroffen:
„(...) Daher ist es zwingend notwendig, sich auch mit regulativen Prozessen für
Datenpools zu beschäftigen, um hier adäquate Antworten und Lösungen präsen­
tieren zu können.“ (s. S. 39).
Zwar war der Aspekt der Notwendigkeit für regulative Prozesse aufgrund der
Datenschutzproblematik in Betrieben allen bekannt, erst im Workshop wurde
jedoch eine klare Handlungsanweisung formuliert und auch die Brisanz einer
solchen Entwicklung für den Erfolg der gewünschten Ziele klar formuliert.
43
Diskussion
Das ist also nur ein Beispiel für weiterführende Überlegungen und Konsequenzen,
die durch die intensiven Beschäftigung im Workshop oder auch mit der Lektüre
der Ergebnisse in Gang gesetzt werden konnten. „Eigentlich“ waren sie auch viel­
leicht allen – oder ein paar – der Beteiligten bekannt, nur wurden sie vorher eben
nicht oder nicht so präzise formuliert. Übrigens kam es im Workshop zu den
Visionen bei der Diskussion darüber, wie die Märkte zu künftig aussehen, auch zu
einer Wortneuschöpfung: Neben Daten­Outlets werden auch „Daten­Inlets“
vorhergesehen. Wenn wir mit diesem Beitrag und der Arbeit daran entsprechende
weitergehende Überlegungen und Entwicklungen sowie auch Wortneuschöp­
fungen für das, was da auf uns zukommt, angeregt haben, ist das auch ein zufrie­
denstellendes Ergebnis.
Nichtdestotrotz ist natürlich das Vorgehen selbst nicht von vorneherein als unan­
tastbar zu betrachten im Sinne von „egal wie und was wir gemacht haben oder
was dabei herauskam, Hauptsache, es ist etwas passiert“. Auch sollte das Ergebnis
selbst durchaus einer Überprüfung durch die realen Entwicklung standhalten
bzw. nicht vollständig davon abweichen. Wir haben und werden also auch
zukünftig, insbesondere bei den Wetten ist dies quasi schon im Konzept einge­
baut, überprüfen, inwieweit unsere Vorhersagen und Einschätzungen zur Zukunft
zutreffend sind. Inwieweit die Qualität durch das Verfahren und den beteiligten
Personen abhängt, wird ebenso in der Rückschau eine Rolle spielen.
Allgemein gibt es Bedenken gegenüber dem typischen methodischen Vorgehen
der Zukunftsforschung, dem Einbinden von Expertinnen und Experten bei der
Forschung zur Zukunft. So haben diese eine persönliche Geschichte, spezifisches
Vorwissen, persönliche Haltungen und auch persönliche Eigenschaften wie
beispielsweise einen ausgeprägten Optimismus oder eben Pessimismus. Damit
beeinflussen sie das Verfahren (z.B. Dominanz im Gespräch) und auch das
Ergebnis (z.B. Kreativität der Ergebnisse). Diesen Argumenten haben wir wenig
entgegenzusetzen. Vielmehr ist uns klar, dass der Auswahl unserer Experten ein
„Bias“ hinterliegt: Wir haben – mit Ausnahme der Online­Wette – ausschließlich
mit Experten aus dem SNML TNG gearbeitet, die Visionen sogar ausschließlich mit
dem Salzburger Entwickler­Kernteam entwickelt. Zwar wurde versucht, korrigie­
rend Stellungnahmen und Kritik einzuholen und zu ergänzen. Es ist zu vermuten –
allerdings müsste das überprüft werden – dass die Einschätzungen anders
ausfallen, bzw. ausgefallen wären, wenn von vorneherein andere mit eingebunden
worden wären – beispielsweise IT­Fachleute aus Medienunternehmen. Es ist aber
auch nicht notwendigerweise so, dass sie dann „exakter“ im Hinblick auf die
Vorhersage sein müssen.
Neben der Diskussion des Vorgehens möchten wir abschließend auch einen
Ausblick auf weitere Unternehmungen geben. So haben wir das Repertoire und
Spielfeld der Zukunftsforschung noch nicht ausgereizt, auch gibt es – insbeson­
dere im Bereich der kurzfristigen Entwicklung von Apache Marmotta – ein
verwandtes Arbeitsfeld, in dem hilfreiche Maßnahmen und Erklärungen genutzt
werden können, nämlich das Feld der Innovationsentwicklung sowie der Theorie
44
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
zur Marktaufnahme von Innovationen. So gibt es eine Reihe von Vorschlägen, die
beschreiben, wie Innovationen und Technologien am Markt aufgenommen
werden. Diese Konzepte helfen z.B. dabei, den aktuellen Stand von Technologien
und Innovationen am Markt einzuschätzen (Rogers, 2003; Moore, 1999).
Nun ist Apache Marmotta oder das Linked Media Framework keine Technologie
für Endkunden, dennoch sind – beispielsweise – aus Rogers' und Moore's Erklä­
rungen Ableitungen möglich, die bei der Weiterentwicklung und Etablierung der
Technologien eben auch hilfreich sein können.
Wir freuen uns auf alle Fälle darauf, in den nächsten Jahren an dieser erfolgsver­
sprechenden Entwicklung mitzuwirken. Vielleicht auch Sie?
45
Diskussion
46
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
LITERATUR UND QUELLEN
• Armstrong, J. Scott & Green, Kesten C. (2006). Demand Forecasting: Evidence-based
Methods. A chapter for the forthcoming book Strategic Marketing Management: A
Business Process Approach, edited by Luit Moutinho and Geoff Southern. URL:
http://marketing.wharton.upenn.edu/ideas/pdf/Armstrong/DemandForcasting.pdf
[2011-08-30]
• Bauer, Christoph; Blumauer, Andreas; Bürger, Tobias; Fernandez, Manuel; Gewald,
Wolfgang; Glachs, Dietmar; Güntner, Georg; Haberl, Gerhard; Kurz, Thomas; Reich,
Siegfried; Schaffert, Sebastian; Schebella, Marius; Schön, Sandra; Siorpaes, Katharina;
Westenthaler, Rupert; Winkler, Markus und Zwischenbrugger &Edgar (Leitung: Sandra
Schön und Georg Güntner) (2011). Linked Media. Ein White-Paper zu den Potentialen
von Linked People, Linked Content und Linked Data in Unternehmen.Band 1 der Reihe
„Linked Media Lab Reports“, herausgegeben von Christoph Bauer, Georg Güntner und
Sebastian Schaffert. Salzburg: Salzburg Research.
• Bergman, Mike (2012). Seven Pillars of the Open Semantic Enterprise. URL:
http://www.mkbergman.com/859/seven-pillars-of-the-open-semantic-enterprise/
[2012-10-19]
• Ebner, Martin & Schön, Sandra (2012). Die Zukunft von Lern- und Lehrmaterialien:
Entwicklungen, Initiativen, Vorhersagen. Band 4 der Reihe “Beiträge zu offenen
Bildungsressourcen”, herausgegeben von Ebner, Martin & Schön, Sandra (Hrsg.) Book
on Demand, Norderstedt bzw. frei zugänglich unter http://o3r.eu
• Gaspoz, Cédric & Pigneur, Yves (2008). A design science approach for developping
prediction markets in a research and development community. Proc. 41th Annual
Hawaii International Conference on System Sciences (HICSS), volume 41. IEEE Computer
Society, January.
• Grunwald, A. (2002). Technikfolgenabschätzung. Eine Ein- führung. Berlin: Edition
Sigma.
• Kosow, H. & Gaßner, R. (2008). Methoden der Zukunfts-und Szenarioanalyse Überblick,
Bewertung und Auswahlkriterien. In: WerkstattBericht Nr. 103, Berlin: Institute for
Futures Studies and Technology Assessment, URL: http://www.izt.de/fleadmin/down-
loads/pdf/IZT_WB103.pd f [2010-12-29].
• Moore, G. A. (2002). Crossing the Chasm: marketing and selling high-tech products to
mainstream customers. New York: Harper Business Essential.
• Rogers, E. M. (2003). Diffusion of Innovations. New York: Free Press.
• Schaffert, Sandra (2004). Einsatz von Online-Prüfungen in der beruflichen Weiterbil-
dung: Gegenwart und Zukunft. Deutsches Institut für Erwachsenenbildung.
URL:http://www.die-bonn.de/esprid/dokumente/doc-2000/schaffert00_01.pdf
47
Diskussion
• Schön, Sandra & Ebner, Martin (2012). Die Zukunft von Lern- und Lehrmaterialien:
Wettergebnisse bei zwölf ausgewählte Thesen zur Entwicklung in den nächsten 18
Monaten. In: bildungsforschung, Jahrgang 9, Ausgabe 1, September 2012, URL:
http://bildungsforschung.org [2013-02-15]
• Schön, Sandra & Markus, Mark (2011). Zukunftsforschung und Innovation – … wissen
was kommt. In: Martin Ebner & Sandra Schön (Hrsg.), Lehrbuch zum Lernen und Lehren
mit Technologien. URL:
http://l3t.tugraz.at/index.php/LehrbuchEbner10/article/view/85 [2013-02-15]
• SPIEGEL ONLINE (2012). Europa plant dritte industrielle Revolution. Beitrag vom
5.10.2012. URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-kommission-will-dritte-
industrielle-revolution-a-859794.html [2012-10-19]
• Wieden-Bischof, Diana & Schaffert, Sandra (2008). Nachrichten 2.0: Eine Analyse inter-
nationaler Nachrichtenangebote im Internet. Norderstedt: Book on Demand GmbH.
• Wolfers, Justin & Zitzewitz, Eric (2004). Prediction Markets. In: Journal of Economic
Perspectives. Stanford Graduate School of Business, 18 2, 107-126.
• Zhao, Sesia J.; Wagner, Christian & Chen, Huaping (2008). Review of prediction market
research: Guidelines for information system research. Pacis 2008 Proceedings, Paper
193. URL: http://aisel.aisnet.org/pacis2008/193/ [2011-09-16]
48
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
LINKED MEDIA LAB REPORTS – DIE NEUE REIHE DES SNML-TNG
Dies ist das sechste Band in der neuen Reihe „Linked Media Lab Reports“ des Salz­
burg NewMediaLab – The Next Generation (herausgegeben von Christoph Bauer,
Georg Güntner und Sebastian Schaffert). In dieser Reihe werden in Deutsch oder
in Englisch Werkstattberichte veröffentlicht, also Beiträge mit eher konzeptio­
nellen Charakter und Anleitungen.
Band 1
Linked Media. Ein White-Paper zu den Potentialen von
Linked People, Linked Content und Linked Data in Unternehmen.
(Salzburg NewMediaLab – The Next Generation)
ISBN 978-3-902448-27-9
Issue 2 (auf Englisch)
Linked Media Interfaces
Graphical User Interfaces for Search and Annotation
(Marius Schebella, Thomas Kurz and Georg Güntner)
ISBN 978-3-902448-29-3
Issue 3 (auf Englisch)
Media Objects in the Web of Linked Data
Publishing Multimedia as Linked Data
(Thomas Kurz)
ISBN 978-3-902448-30-9
Band 4
Smarte Annotationen.
Ein Beitrag zur Evaluation von Empfehlungen für Annotationen.
(Sandra Schön, Thomas Kurz und andere)
ISBN 978-3-902448-31-6
Band 5
Qualitätssicherung bei Annotationen
Soziale und technologische Verfahren in der Medienbranche
(Sandra Schön, Georg Güntner und andere)
ISBN 978-3-902448-32-3
49
Diskussion
SOCIAL MEDIA – DIE PUBLIKATIONSREIHE DES SNML-TNG
In der Reihe „Social Media“ des Salzburg NewMediaLab (herausgegeben von
Georg Güntner und Sebastian Schaffert) sind bisher folgende Bände erschienen:
Band 1
Erfolgreicher Aufbau von Online-Communitys.
Konzepte, Szenarien und Handlungsempfehlungen.
(Sandra Schaffert und Diana Wieden-Bischof)
ISBN 978-3-902448-13-2
Band 2
(Meta-) Informationen von Communitys und Netzwerken.
Entstehung und Nutzungsmöglichkeiten.
(Sandra Schaffert, Julia Eder, Wolf Hilzensauer, Thomas Kurz, Mark Markus, Sebastian
Schaffert, Rupert Westenthaler, Rupert und Diana Wieden-Bischof)
ISBN 978-3-902448-15-6
Band 3
Empfehlungen im Web. Konzepte und Realisierungen.
(Sandra Schaffert, Tobias Bürger, Cornelia Schneider
und Diana Wieden-Bischof)
ISBN 978-3-902448-16-3
Band 4
Reputation und Feedback im Web.
Einsatzgebiete und Beispiele.
(Sandra Schaffert, Georg Güntner, Markus Lassnig und Diana Wieden-Bischof)
ISBN 978-3-902448-17-0
Band 5 – in Kooperation mit evolaris und Salzburg Research
Mobile Gemeinschaften.
Erfolgreiche Beispiele aus den Bereichen Spielen, Lernen und Gesundheit.
(Sandra Schön, Diana Wieden-Bischof, Cornelia Schneider und Martin Schumann)
ISBN 978-3-902448-25-5
50
ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen
51
Diskussion
52

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Zukunft von Linked Media: Trends, Entwicklungen und Visionen

  • 1.
  • 2. Das Kompetenzzentrum für Neue Medien, Salzburg NewMediaLab – The Next Generation (SNML-TNG) arbeitet unter der Koordination der Salzburg Research Forschungsges.m.b.H. daran, digitale Inhalte zu personali­ sieren, für alle auffindbar zu machen und nachhaltig zu nutzen: Dazu werden Informationen auf der Ebene der Inhalte (Linked Content), der stukturierten Daten (Linked Data) und der sozialen Interaktion (Linked People) verknüpft. Für die dadurch entstehende Form von Inhalten wurde der Begriff „Linked Media“ gewählt. SNML­TNG ist ein K­Projekt im Rahmen des COMET­Programms (Competence Centers for Excellent Technologies, www.ffg.at/comet) und wird gefördert aus Mitteln des BMWFJ, des BMVIT und des Landes Salzburg. Homepage: www.newmedialab.at © Salzburg NewMediaLab – The Next Generation Mai 2013 Dieses Buch ist auch gedruckt erhältlich: ISBN 978­3­902448­36­1 Sandra Schön und Georg Güntner: ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen. Band 6 der Reihe „Linked Media Lab Reports“, herausgegeben von Christoph Bauer, Georg Güntner und Sebastian Schaffert Verlag und Herstellung: Salzburg Research, Salzburg Umschlaggestaltung: Daniela Gnad, Salzburg Research Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d­nb.de abrufbar.
  • 3. Vorwort Das Kompetenzzentrum für neue Medien wurde beginnend mit dem Jahr 2000 als Denkfabrik für innovative Konzepte und Lösungen für die österreichische Medien­ und Content­Industrie aufgebaut und bietet seitdem Technologieführern und den Betreibern fortschrittlicher Internet­Plattformen eine Heimat zur Entwicklung und Erprobung innovativer Informationssysteme und ­architekturen. Gemeinsam mit führenden Vertretern der Medien­ und Content­Industrie wurden dabei von Beginn an konkrete Lösungen entwickelt und erfolgreich umgesetzt. In der Laufzeit des aktuellen „Salzburg NewMediaLab – The Next Generation“ steht eine Fortentwicklung der Verknüpfung und Verwendung von Linked­Data­ Prinzipien für multimediale Inhalte auf dem Programm. Durch die Nutzung verfügbarer Wissensquellen und des sozialen Kontextes bietet sich Unternehmen damit die Chance, ihre Inhalte über verschiedene Anwendungen hinaus zu verknüpfen und den Kostendruck bei der Entwicklung personalisierter Inhalte zu reduzieren. Die Vorreiterrolle bei der Umsetzung des Linked­Media­Konzepts nehmen dabei unter der Koordination der Salzburg Research Forschungsgesellschaft führende österreichische Medienunternehmen (ORF, Red Bull Media House, Salzburg AG und Salzburger Nachrichten, Der Standard) und Softwarehäuser (mediamid, Semantic Web Company, TECHNODAT) ein. Sie werden wissenschaftlich begleitet von Forschungseinrichtungen im Bereich der Multimedia­Technologien, des Semantic Web und der sozialen Medien (Studiengang MultiMediaTechnology der FH Salzburg, Semantic Technology Institut der Universität Innsbruck, Salzburg Research). Die konzeptionellen und technologischen Arbeiten des Salzburg NewMediaLab umfassen einen Beitrag zur Entwicklung von Unternehmen, die sich des Werts ihrer Daten bewusst sind, die einen Mehrwert für ihre Geschäftsprozesse darin sehen, dass isolierte Datenquellen untereinander verknüpft werden, die Daten aus dem World Wide Web und anderen externen Quellen akzeptieren und annehmen, die aber auch einen Schritt weiter gehen und ihrerseits Datenquellen für die Verwendung im Daten­Web zur Verfügung stellen. Diese Herangehensweise stellt ­ unabhängig von ihrer technischen Realisierung – eine wesentliche Voraus­ setzung für die Entwicklung von „Open Semantic Enterprises“ nach einer Vision des Analysten und Linked­Data­Experten Michael K. Bergman1 . Wir hoffen, mit diesem sechsten Band der „Linked Media Lab Reports“ einen inspirierenden Ausblick in die Zukunft von Linked Media und gleichzeitig auch Ideen für den Weg zum „Open Semantic Enterprise“ zu geben. 1 Michael K. Bergmann: „Seven Pillars of the Open Semantic Enterprise“ - http://www.mkbergman.com/859/seven-pillars-of-the-open-semantic-enterprise/ (2013-02-28)
  • 4. Auch im Namen von Sandra Schön bedanke ich mich dabei herzlich bei allen, die sich an der Erstellung dieses Reports beteiligt haben, indem sie bei den Live­ oder Online­Wetten teilgenommen haben, als Jury­Mitglied den weiteren Verlauf der Wetten beobachten, indem sie in den Workshops Aussagen entwickelt und Visionen formuliert haben oder indem sie die Zwischenergebnisse später kritisch kommentierten. Wir hoffen, unsere Einschätzungen inspirieren auch Ihre Pläne und Arbeiten! Georg Güntner www.newmedialab.at Zentrumsleiter Mai 2013
  • 5. Inhaltsverzeichnis Einleitung und Hintergrund........................................................................... 7 Von Multimedia im Web zu „Linked Media“.............................................7 Das Linked-Media-Konzept: Eine Konkretisierung.................................... 8 Highlight: Apache Marmotta.................................................................. 10 … und wie geht es weiter?......................................................................10 Unser Vorgehen........................................................................................... 13 Zukunft von Technologien...................................................................... 13 Kurzfristige Vorhersagen mit Hilfe von Wetten: „L3T's BET“...................13 Vorbereitung: Formulierung von Wettaussagen ....................................14 Mittelfristige Vorhersagen: Adaptiertes Delphi-Verfahren „L3T's SEE“...17 Ausarbeitung von Visionen.....................................................................19 Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 Monate......................21 Die zwölf Thesen und ihre Bewertung.................................................... 21 Unterschiede zwischen Live- und Online-Wette..................................... 27 Was passiert (wahrscheinlich) wann? ....................................................27 Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf Jahre.....................................29 Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Industrie- und Technologie-Unternehmen.......................................................... 29 Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Medienunternehmen...30 Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Forschung....................31 Trends und Entwicklungen aus Perspektive von Behörden.....................33 Trends und Entwicklungen aus Perspektive der (End)-Nutzer/innen......34 Zwei Visionen unter der Lupe...................................................................... 37 Das Jahr 2016: Dienstleistungen rund um Apache Marmotta werden angeboten................................................................................... 37 Das Jahr 2020: Linked-Data-Technologien zur Integration von Enterprise- Daten mit Webdaten sind etabliert..............................................40 Diskussion.................................................................................................... 43
  • 6.
  • 7. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen EINLEITUNG UND HINTERGRUND Von Multimedia im Web zu „Linked Media“ Das Kompetenzzentrum für neue Medien wurde beginnend mit dem Jahr 2000 als Denkfabrik für innovative Konzepte und Lösungen für die österreichische Medien­ und Content­Industrie aufgebaut und bietet seitdem Technologieführern und den Betreibern fortschrittlicher Internet­Plattformen eine Heimat zur Entwicklung und Erprobung innovativer Informationssysteme und ­architekturen. Gemeinsam mit führenden Vertretern der Medien­ und Content­Industrie wurden dabei von Beginn an konkrete Lösungen entwickelt und erfolgreich umgesetzt. Seit der Gründung 2000 haben sich die Fragestellungen des Salzburg NewMedia­ Lab mit der technologischen Entwicklung des Internets stark verändert: Ging es in der Anfangsphase noch vorwiegend um die Trennung von Inhalt und Layout im Online­Bereich, so ermöglichten es die ab 2003 aufkommenden Technologien des Semantic Webs erstmals die Bedeutung von Inhalten auch für Computerpro­ gramme begreifbar zu machen. In dieser Zeit arbeitete das Salzburg NewMedi­ aLab an der Entwicklung intelligenter Inhalte, die sich ihrem jeweiligen Verwen­ dungsbereich automatisch anpassen. Seit dem Jahrtausendwechsel hat die Menge an textuellen und multimedialen Informationen sowie die Zahl der Verknüp­ fungen zwischen digitalen Inhalten und den mit ihnen interagierenden Personen im Web enorm zugenommen. Dadurch entstanden weitere neue Anforderungen und Chancen an die Medien­ und Content­Industrie. Unter dem Schlagwort „Linked Media“ (verlinkte Medien) tritt das Kompetenz­ zentrum ab 2010 für ein neuartiges Konzept digitaler Informationen ein, das auf der Verknüpfung von Inhalten, von strukturierten Daten und von Personen bzw. auf deren Interaktion mit den Inhalten beruht. In unserem ersten Band der Linked Media Lab Reports, dem Whitepaper zu Linked Media, haben wir folgende Abbil­ dung 1 und Beschreibung erstellt (vgl. Bauer u.a. 2011): Neben der Vernetzung von Personen und ihrer Aktivitäten (Linked People) und Verknüpfung von Inhalten (Linked Content) hat sich eine weitere Initiative gegründet, die sich auf die Verknüpfung von strukturierten Daten – und in dieser Form auch mit Hintergrundwissen – spezialisiert hat (Linked Data). Für die dadurch entstehende Form von Inhalten wurde der Begriff „Linked Media“ gewählt. 7
  • 8. Einleitung und Hintergrund Das SNML­TNG hat sich in seinem Forschungsprogramm zum Ziel gesetzt, die vorgestellten technologischen Entwicklungen im Internet, eben der Verknüpfung von Personen, Inhalten und Daten, in unterschiedlichen Kontexten zu untersu­ chen und deren Potential darin zu demonstrieren. Das Kompetenzzentrum unter­ sucht die genannten Aspekte aus sozio­ökonomischer und technischer Perspek­ tive und stützt sich dabei auf Ergebnisse aus den Forschungsgebieten Social Computing, Semantic Web und Annotation von Multimediadaten. Das Linked-Media-Konzept: Eine Konkretisierung Während der Arbeiten zu Linked Media hat sich eine deutliche Konkretisierung ergeben. Sprechen die Beteiligen am SNML­TNG heute von „Linked Media“ beziehen sie sich auf Folgendes: Auf der konzeptionellen Ebene verstehen sie unter dem „Linked­Media­Kon­ zept“ die Erweiterung der Linked­Data­Prinzipien auf multimediale Inhalte bzw. deren Fragmente. Dieser Ansatz ist in den Linked-Media-Prinzipien festgehalten2 : Die erste Zielsetzung der Linked­Media­Prinzipien ist die Erweiterung der Linked­ Data­Prinzipien um Updates nach dem REST­Prinzip. Bislang ist Linked Data nur lesbar („read­only“) und soll also nun aktualisierbar werden. Diese Erweiterung 2 www.newmedialab.at/LinkedMediaPrinciples (2013-02-28) 8
  • 9. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen ist dabei vollständig rückwärts­kompatibel, d.h. jeder Linked­Media­Server ist auch ein Linked­Data­Server. Die zweite Zielsetzung ist die Erweiterung der Linked­Data­Prinzipien für jedwede Inhalte mit Hilfe von MIME Mapping bzw. dem Content­Typ „rel“. Bislang wird bei Linked Data mit dem „GET Request“ zwischen der RDF­Darstellung und einer von Menschen lesbaren Repräsentation unterschieden, es wird entweder die URL für die RDF­Repräsentation oder die URL für die lesbare HTML­Version verwendet. In unserem Ansatz wird das Prinzip erweitert, sodass unterschied­ liche Formate, basierend auf dem MIME­Prinzip, genutzt werden können und trotzdem weiterhin zwischen Content und Metadaten unterschieden werden kann. Die wesentliche Idee ist dabei, die Ressourcen­URL auf eine neue Weise zu schreiben. Auf der technologischen Ebene gibt es mit dem Linked Media Framework3 (LMF) eine Referenz­Implementierung, die Linked­Media­Prinzipien verwendet. Das Linked Media Framework ist eine Server­Anwendung, die zentrale Semantic­ Web­Technologien bündelt, um entsprechend fortschrittliche Services anzubieten. Die Anwendung basiert auf drei Open Source Frameworks: • Apache Marmotta (siehe den folgenden Abschnitt) stellt die Linked Data Platform Funtionalitäten bereit. • Apache Stanbol4 unterstütz die Extraktion und Anreicherung von Inhalten. • Apache Solr5 stellt die Indizierungskomponente zur Verfügung. Darüber bietet das Linked Media Framework Komponenten zur Unterstützung und Umsetzung der semantischen Suche, des Linked Data Cachings, des Reaso­ nings (automatischen Schlußfolgern), der Textklassifizierung, der Versionierung und einen einfachen SKOS­Editor. Detailinformationen zum Linked Media Frame­ work sind auf der Projekt­Website verfügbar. Folgende Szenarien lassen sich mit dem Linked­Media­Frameworks derzeit hervorragend umsetzen: • Veröffentlichung von Altdaten, beispielsweise Datensätze als CSV, Excel, XML oder ähnlichem, als Linked Data. • Semantische Suchen zu den eigenen Daten entwickeln, indem die eigenen Daten durch Inhalte aus der Linked Data Cloud angereichert werden. • Analyse und Verknüpfung von Inhalten auf der Basis der Inhalte des Daten­ Webs, seien dies öffentlich im Internet zugänglich oder sei es, dass sie Infor­ mationsquellen innerhalb eines Unternehmens repräsentieren. Ausführliche Hilfestellungen und die Software finden sich dazu jeweils unter den in den Fusszeilen angeführten URL auf den Seiten des NewMediaLabs. 3 http://www.newmedialab.at/LMF (2013-02-28) 4 http://stanbol.apache.org/ (2013-02-28) 5 http://lucene.apache.org/solr (2013-02-28) 9
  • 10. Einleitung und Hintergrund Auf der Anwendungsebene bedeutet das Linked­Media­Prinzip also Folgendes: Wir unterstützen semantische Suche in (Multimedia­) Repositories, Multimedia­ annotation und das Linked Data Publishing von Enterprise­Daten (Triplifizierung) als Ausprägungen eines Enterprise­Information­Integration­Ansatzes, der multi­ mediale (unstrukturierte) Inhalte einschließt. Durch die Nutzung verfügbarer Wissensquellen und des sozialen Kontextes bietet sich Unternehmen die Chance, ihre Inhalte über verschiedene Anwendungen hinaus zu verknüpfen und den Kostendruck bei der Entwicklung personalisierter Inhalte zu reduzieren. Highlight: Apache Marmotta Das Linked Media Framework des Salzburg NewMediaLabs stößt auch bei den Open­Source­Entwicklern auf große Resonanz. Bald werden Teile daraus unter dem Namen „Apache Marmotta“ als Teil der Infrastruktur der Apache Software Foundation fest installiert sein. Das Ziel von Apache Marmotta ist es, „eine offene Implementierung für eine Lin­ ked­Data­Plattform6 anzubieten, die von Organisationen, die Linked Data veröf­ fentlichen oder Anwendungen zu Linked Data entwickeln möchten, einfach genutzt, erweitert und angepasst werden kann“ (eig. Übersetzung, Homepage von Apache Marmotta7 ). Das Salzburg NewMediaLab freut sich darüber, dass mit dieser Übernahme ihrer Entwicklungen in die Apache­Infrastruktur die Qualität und Innovativität ihrer Arbeit Anerkennung findet. … und wie geht es weiter? So wie wir in den letzten Jahren die Linked­Media­Prinzipien und das Linked­Me­ dia­Framework (weiter­) entwickelt haben, sind auch zukünftige Entwicklungen zu Linked Media zu erwarten. Wie geht es mit Linked Media weiter? Was wird sich wie entwickeln? Welche Trends sind wahrnehmbar, welche kurzfristigen Entwicklungen gibt es, welche Visionen gibt es – und wie könnten sie realisiert werden? Dabei geht es natürlich nicht allein um technische Fragestellungen, sondern auch um den Kontext: Wie 6 Apache Marmotta setzt die Empfehlung einer Arbeitsgruppe des World Wide Web Consortums (W3C) um, in der die Eigenschaften einer “Linked Data Platorm” defniert werden. Die “Linked Data Platorm Working Group” des W3C (http://www.w3.org/ 2012/ldp/) defniert die Prinzipien eines Linked Data Servers, der Lese- und Schreib-Ope- rationen nach den Linked Data Prinzipien ermöglicht. (2013-02-28) 7 http://marmotta.incubator.apache.org/ (2013-02-28) 10
  • 11. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen entwickeln sich und reagieren Märkte, Unternehmen, die Öffentlichkeit auf die Entwicklungen zu Linked Media? Auf solche Fragen zur Zukunft von Linked Media versuchen wir in diesem 6. Band der Linked Media Lab Reports Antworten zu finden. In der letzten Phase des SNML­TNG haben wir uns dazu systematisch Gedanken über die zukünftigen Entwicklungen zu den Konzepten und Technologien von Linked Media gemacht. Im nächsten Abschnitt möchten wir dazu zunächst die unterschiedlichen Verfahren vorstellen, die dabei zum Einsatz kamen. In den weiteren Kapiteln stellen wir dann unsere Ergebnisse und Erwartungen zu den kurz­ und mittelfris­ tigen Entwicklungen vor. Abschließend stellen wir auch zwei Visionen vor, die sich mit Apache Marmotta und der erfolgreichen Implementierung von Linked­ Media­Prinzipien in Unternehmen beschäftigen. 11
  • 13. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen UNSER VORGEHEN Wie geht es weiter? Linked­Media­Technologien unterlagen in den letzten Jahren einem starkem Wandel, und werden sich absehbar auch zukünftig wandeln. Doch wie kann man Aussagen darüber erhalten, was zukünftig passiert? In diesem ersten Abschnitt beschreiben wir das Vorgehen bei unserem Vorhaben, Aussagen zu zukünftigen Entwicklungen zu erhalten. Zukunft von Technologien „Zukunftsforschung“ heißt die junge Disziplin die versucht, auch im Bereich der Technologien, Aussagen über zukünftige Entwicklungen zu erhalten. Dazu werden unterschiedliche Verfahren eingesetzt. Bei vielen Methoden der Zukunftsforschung wird auf das Wissen von Expertinnen und Experten gesetzt. Ihre Meinungen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen und die Effekte, die durch den Austausch und durch Aggregation ihrer Aussagen entstehen, werden als wesentlich dafür erachtet, gute Einschätzungen zukünftiger Entwicklungen zu erhalten (Schön & Markus 2011). Andere Verfahren verwenden historische, also bisherige Daten um daraus zukünftige Entwicklungen zu berechnen. Alle Methoden schließen von aktuellen auf zukünftige Fälle (induktive Schlussfol­ gerungen) und sind daher aus erkenntnistheoretischer Sicht kritisierbar. Ande­ rerseits muss man bedenken, dass man bei eigenen und bei Handlungen von Orga­ nisationen nicht umhin kommt, eine Zukunft vorwegzunehmen. Die Frage ist daher nicht ob, sondern nur wie man diese Zukunft vorwegnimmt: Intuitiv oder doch einigermaßen systematisch. Wir haben uns für letzteres entschieden und stellen im folgenden die unterschied­ lichen Verfahren vor, wie wir zu den Aussagen und Einschätzungen zur Zukunft von Linked Media gekommen sind. Kurzfristige Vorhersagen mit Hilfe von Wetten: „L3T's BET“ Um kurzfristige Vorhersagen zu erhalten, haben wir Wetten zu ausgewählten Aussagen zur Zukunft von Linked Media abgeschlossen. Aus dem Wettverhalten lassen sich Ableitungen auf mögliche mittelfristige Entwicklungen vornehmen (für die nächsten 6, 12 bzw. 18 Monate). Die Beobachtung von Wettverhalten bzw. das Verhalten auf Wettmärkten als eine Möglichkeit zu betrachten, Aufschlüsse über zukünftige Entwicklungen zu erhalten, hat eine erstaunlich lange Tradition. Mangels entsprechender Umfrage­ ergebnisse wurden entsprechende Analysen der Quoten und des Wettverhaltens bei Wettbüros so in den USA schon nach dem Ende des Bürgerkrieges in der Wahlprognose angewendet, wo sie erfolgreich zur Vorhersage des Ausgangs von 13
  • 14. Unser Vorgehen Präsidentschaftswahlen eingesetzt wurde (vgl. Wolfers & Zitzewitz 2004, S. 1­2; Armstrong & Green 2006, S. 3; Zhao et al. 2008). Das im Folgenden vorgestellte Verfahren wurde für die Veranstaltung „L3T’s work8 “, einem Expertentreffen zur Zukunft von Lern­ und Lehrmaterialien, entwi­ ckelt. Das Verfahren „L3T's BET“ (Schön & Ebner 2012, Ebner & Schön 2012) wurde dabei für das Vorgehen beim SNML angepasst. Da es nicht möglich war, im Untersuchungszeitraum alle SNML­Expertinnen und ­Experten an einen Ort zu versammeln, wurde es um eine Online­Wette erweitert. Ablauf im Überblick Im Folgenden stellen wir das Vorgehen vor. Eine Übersicht über die zeitlichen Ablauf gibt die folgende Abbildung: Abbildung 3: Ablauf der Wetten Am 30. Oktober 2012 wurden im Rahmen des SNML­Management­Board­Treffens auf Wettaussagen gesetzt. Aus dem Wettverhalten lassen sich Aussagen über die Eintreffenswahrscheinlichkeiten ableiten. Nach jeweils 6, 12 und 18 Monaten wird überprüft, ob die Wettaussagen einge­ troffen sind oder nicht und entsprechend Punkte ausgeschüttet. Ob eine Wettaus­ sage eingetroffen ist, bestimmt dabei eine unabhängige Jury. Vorbereitung: Formulierung von Wettaussagen In einem Workshop beim SNML Mitte Oktober 2012 wurden Aussagen formuliert, zu denen später die Wetten abgegeben werden konnten. Zwölf Aussagen wurden so gesammelt. Es mussten Aussagen sein, bei denen zukünftig möglichst eindeutig eine Aussage zu tätigen ist, ob sie eingetreten ist oder nicht. Auch sollten es 8 http://l3t.eu/zukunft/?page_id=519 (2012-10-19) 14
  • 15. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen Aussagen zu Entwicklungen sein, von denen (eher) anzunehmen ist, dass sie in den nächsten 18 Monaten eintreffen könnten. Bei den 12 Wettaussagen werden möglichst unterschiedliche Aspekte im Themen­ feld angesprochen. Keine der Aussagen durfte bereits eingetroffen sein. Teils wurde in Anmerkungen ergänzt, wie das Eintreffen einer Aussage geprüft werden soll bzw. welche Kriterien dazu genau erfüllt sein müssen. Spielregeln: Spielplan, Jetons, Ausschüttung und Gewinne Am 30. Oktober 2012 wurden die 12 Aussagen vorgestellt und alle anwesenden SNML­Beteiligten wurden gebeten, ihre Jetons auf das Eintreffen der Ereignisse (in den nächsten 6 Monaten, 6 bis 12 Monaten, 13 bis 18 Monaten bzw. später oder nie) zu wetten. Der Spielplan ist aus einem 2 mal 3 Meter großen grünen Filz. Abbildung 4: Eindrücke vom Setzen (aufgenommen bei L3T’s bet!, http://l3t.eu/zukunft) Dabei werden auch die Gewinnregeln vorgestellt: Die Expertinnen und Experten erhalten jeweils 20 Jetons. Sie dürfen folgendermaßen setzen: • Bei jeder Aussage muss min. einmal gesetzt werden. • Bei jeder Aussage dürfen bis zu drei Jetons gesetzt werden. Auch auf unter­ schiedliche Felder, z.B. zur „Risikostreuung“. Die Teilnehmer/innen können ihre Jetons platzieren und auch immer wieder neu arrangieren. Dabei ist es gewünscht, dass sie sich vom Verhalten der anderen beeinflussen lassen und sich über die Wetten auszutauschen. Bestimmung einer Jury Zum Prinzip von Prognosemärkten gehört es, dass immer klar ist, wie festgelegt wird, dass ein Ereignis eingetreten ist oder nicht, vor allem wenn keine (100%) objektiven Aussagen möglich sind, beispielsweise wie zu Aussagen „im Irak werden bis zum 30.8. Massenvernichtungswaffen gefunden“. Gaspoz und Pigneur (2008) schlagen daher den Einsatz einer Jury und eine exakte Beschreibung des Verfahrens vor, auf welcher Grundlage später festgelegt wird, ob das Ereignis eingetreten ist oder nicht (u.a. Datengrundlage, Expertenjury, Fehlergenauigkeit, was passiert wenn Daten nicht veröffentlicht werden). 15
  • 16. Unser Vorgehen Mitglieder der Jury dürfen natürlich selbst nicht an den Wetten beteiligt sein. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an unsere Jury­Mitglieder: • Mag. Wernher Behrendt (Salzburg Research) • Privat­Dozent Dr. Mario Döller (FH Kufstein) • Prof. Dr. Harald Kosch (Universität Passau) • Prof. (FH) Dr. Tassilo Pelligrini (FH St. Pölten) • Dr. Lyndon Nixon (STI International) Ausschüttung und Gewinnermittlung Nach 6, 12 und 18 Monaten bespricht sich die Jury um festzulegen, ob die Ereig­ nisse eingetreten sind oder nicht. Im Vorfeld kann die Öffentlichkeit aufgerufen werden, Hinweise zu sammeln. Darüberhinaus werden durch die Jury zu jede/r der Aussagen Recherchen (z. B. mit Google) vorgenommen, sofern keine Eviden­ zen vorliegen, dass sie bereits eingetroffen sind. Findet kein Mitglied der Jury ausreichende Evidenz, gilt die Aussage für diesen Zeitraum als nicht erfüllt. Die Auswertung ist denkbar einfach: Für jeden richtig gesetzten Jeton gibt es fünf Punkte für den Teilnehmer. Bei Setzfehlern kommt es zu folgenden Abzügen: • Wurde auf eine Aussage gar nicht gesetzt, gibt es fünf Punkte Abzug. • Wurden auf eine Aussage mehr als drei Jetons gesetzt gibt es für jedes darüber fünf, Punkte Abzug. Wer die meisten Punkte erhält, hat gewonnen. Die Gewinner mit den meisten Punkten. Die ersten drei Plätze werden für jeden Zeitabschnitt jeweils bekanntge­ geben, für sie gibt es jeweils einen Pokal zu gewinnen. Erweiterung: Online-Wette Als absehbar wurde, dass nur ein Teil der möglichen und interessierten SNML­ Mitarbeiter/innen zum gewünschten Termin für die Live­Wette verfügbar sind und auch Interesse von außen an den Wetten signalisiert wurde, wurde ergän­ zend eine Online­Wette durchgeführt. Dabei ergaben sich als Herausforderungen: • Während bei der Live­Wette ein Austausch und Kommunikation der Expertinnen und Experten stattfindet und auch deren Wettverhalten sichtbar ist (und man selbst noch mal umlegen kann) ist dies in einem Online­Setting nicht realisierbar. • Zudem ist der spezifische Setzmodus (bis zu drei Jetons je Aussage) nicht mit den Standardbefragungstools realisierbar. Wir haben die Online­Wette folglich folgendermaßen modifiziert: 16
  • 17. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen • Die Teilnehmer/innen sehen das Ergebnis der Live­Wette und können sich parallel im Web (oder woanders) informieren. • Man kann sich nur für ein Feld pro Aussage entscheiden. • Der Wettzeitraum wurde angepasst. Die Ergebnisse werden entsprechend getrennt ausgewertet, auch werden getrennt von der Live­Wette Wettkönige gekürt. Ableitungen von Vorhersagen aus dem Wettverhalten Aus dem Wettverhalten und der Verteilung der Jetons lassen sich Wahrscheinlich­ keiten für das Eintreffen der Aussagen ableiten. Darüberhinaus ist es auch möglich, (Un­) Sicherheiten der Beteiligten bei den einzelnen Aussagen festzu­ stellen. Mittelfristige Vorhersagen: Adaptiertes Delphi-Verfahren „L3T's SEE“ Neben den kurzfristigen Vorhersagen wollten wir auch mittelfristige Vorhersagen für den Zeitraum von fünf Jahren wagen. Dazu haben wir uns an der Methode der „Delphi­Studie“ orientiert. Delphi-Studien Die Delphi­Methode ist ein mehrstufiges Verfahren, bei dem Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen in moderierten Gruppendiskussionen zukünftige Trends und Entwicklungen identifizieren (Schön & Markus 2011). Durch den Austausch der Experten und Zusammenfassung der ersten Runde wird erwartet, dass sich die Einschätzungen in den weiteren Runden konsolidieren. Die Delphi­Methode kann auch schriftlich erfolgen, wie es beispielsweise bei einer Befragung zur Einschätzung der zukünftigen Entwicklungen von Online­Prü­ fungen eingesetzt wurde: Schaffert (2004) hat dazu 48 Expertinnen und Experten in einer zweistufigen schriftlichen Befragung Aussagen bewerten lassen. Während es beim ersten Durchgang noch ein weites Spektrum an Aussagen und zukünf­ tigen Entwicklungen gab, ergab sich in der zweiten Runde ein moderateres Bild: Die Befragten kamen beispielsweise zu dem Ergebnis, dass Online­Prüfungen vor allem in Branchen in denen Computer als Arbeitsgerät zum Alltag gehören, zukünftig häufiger eingesetzt werden wird. Unsere Variante Auch wenn Delphi­Studien häufig schriftlich oder online durchgeführt werden, ist es eben auch möglich, das Verfahren in moderierten Gruppendiskussionen und ­arbeiten durchzuführen. Eine Variante wurde bei dem Expertentreffen zur 17
  • 18. Unser Vorgehen Zukunft von Lern und Lehrmaterialien erprobt9 und dort als „L3T's SEE“ bezeichnet (Ebner & Schön 2012): Am zweiten Tag der Veranstaltung ging es darum, mittelfristige Trends zu benennen, die die Zukunft von Lern­ und Lehrma­ terialien beeinflussen werden. Im Austausch und Diskussion mit anderen Exper­ tinnen sollte daher Konsens erzielt werden. Da die Teilnehmer/innen mit dem Ablauf und den Ergebnissen zufrieden waren, haben wir es auch beim SNML verwendet. Methodisch wird dabei kein „allgemeiner Blick“ gewählt, sondern die Perspek­ tiven der beteiligten Akteure – und damit auch Expertinnen und Experten gewählt. Wir gehen so davon aus (die teils deutlich unterschiedlichen Ergebnisse aus Sicht der unterschiedlichen Akteure bestätigen das), dass aus Sicht der unter­ schiedlichen Akteure unterschiedliche Trends maßgeblich und wichtig sind. Diese „Trends“ wurden mit Hilfe unterschiedlicher Poster von allen, die dazu beitragen wollten, bearbeitet. Ein Wechsel und Diskussionen sind dabei erwünscht: Jede/r soll sich dort einbringen können, wo sie/er Expertise einbringen konnte. Präsen­ tationen und Diskussionen der Zwischenergebnisse führen zu einem Wissensaus­ tausch und Überarbeitungen der Trends. Neben den „Trends“ sollten auch Entwicklungen beschrieben werden, die sich daraus ergeben. Im Anschluss sollte es dann möglichst konkret werden. Die Teilnehmer wurden daher aufgefordert Thesen zu formulieren, die möglichst eindeutig, konkret und überprüfbar sind. Angesichts der Vorarbeit fällt das gar nicht schwer. Im Anschluss wurde mit einem simplen Auswahlverfahren – jeder Teilnehmer bekam eine gewisse Zahl von Klebepunkten – die wichtigsten Thesen bestimmt, indem man überall abstimmen konnte, wo man wollte. Abbildung 5: Plakate beim Delphi­Workshop 9 Siehe http://l3t.eu/zukunft [2012-10-19] 18
  • 19. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen Besonderheiten dieses Verfahrens im Vergleich zum herkömmlichen Delphi­Ve­ fahren sind, dass es eine Open­Space­Methode ist (jede/r kann wählen, wo er seine Expertise einbringt und auch wechseln), dass gezielt unterschiedliche Perspektiven eingenommen werden und dass man dort mitspricht und abstimmt, wo man auch selbst Expertise hat. Um neben den vier beteiligten Experten eine breitere Basis von Meinungen, Ideen und Ansichten zu integrieren wurden deren Einschätzungen und Argumenta­ tionen zur Diskussion vorgestellt. Die ersten Ergebnisse waren nicht „in Stein gemeißelt“ sondern wurden wiederum einer erweiterten Runde zur Diskussion gestellt. Ausarbeitung von Visionen Schließlich wollen wir uns im Rahmen unserer Arbeit zur Zukunft auch ein wenig „ausspinnen“: Uns ist klar, dass Prognosen für längere Zeiträume, also ab ca. drei Jahren, nur noch mit großer Vorsicht anzugehen sind. Trotzdem wollen wir uns im Detail mit zwei ausgewählten Ideen beschäftigen. Wir formulieren „Visionen“ konkret und machen uns Gedanken, wie es zu ihnen kam. Zunächst wurden dazu bereits vor dem Workshop zwei Visionen formuliert. Ansatz: Think Tank und Roadmapping Im Workshop mit sechs SNML­Experten wurden dann Mitte Februar 2013 in einem ersten Schritt Anleihen aus dem Verfahren der „Think Tanks“ genommen: Mit Hilfe eines Plakats sollte genau beschrieben werden was passiert, wenn die Vision eingetreten ist: Wie reagieren unterschiedliche Personengruppen darauf? Was ändert sich? Im zweiten Schritt haben wir das Vorgehen des „Road Mapping“ verwendet: Beim „Road Mapping“ werden Landkarten beziehungsweise Fahrpläne zukünftiger Entwicklungen beschrieben und aufgezeichnet. Typischerweise werden dazu systematisch zentrale Herausforderungen und Möglichkeiten für Aktivitäten beschrieben und mit Entwicklungszielen und Meilensteinen auf einer Zeitachse illustriert (Kosow & Gaßner 2008, 65). Dabei wird auch der Rückwärtsblick ein­ gesetzt: Ausgehend von einer in der Zukunft (erwünschten) Entwicklung werden Meilensteine und das Vorgehen beschrieben, wie man diese erreicht hat und welche Faktoren dabei entscheidend waren. Mit Hilfe eines Plakats wurde so im Workshop erarbeitet, welche Hürden und Enabler es auf dem Weg zur Vision gab: Wir haben also so getan, als ob die Vision bereits eingetroffen ist und einen Blick zurück gewagt: Wie kam es zur Vision? Was hat die Entwicklung unterstützt, wo gab es Probleme? 19
  • 20. Unser Vorgehen Dokumentation Die Dokumentation der Ergebnisse erfolgte zum einen durch die ausgearbeiteten Plakate, zum anderen wurden nach jedem Schritt die Zwischenergebnisse der Gruppenarbeiten präsentiert. Diese Präsentation wurden aufgenommen und sind die Grundlage für die spätere erste schriftliche Fassung. Abbildung 6: Workshop­Doku : Arbeit an den Visionen, Februar 2013 Überarbeitung und Diskussion Da es sich beim SNML­Kernteam um eine vergleichsweise homogene Experten­ gruppe handelt, wurden die Ergebnisse uns Ausarbeitungen der Visionen schließ­ lich – ebenso wie die Thesen – weiteren Experten vorgelegt und um Kritik, Kommentare und Widerspruch gebeten. 20
  • 21. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen KURZFRISTIGE ENTWICKLUNG: DIE NÄCHSTEN 6, 12 UND 18 MONATE Die zwölf Thesen und ihre Bewertung Im Rahmen eines Workshops wurden zwölf Aussagen gewählt und formuliert, die einzelne Aspekte der zukünftigen Entwicklung von Linked Media aufgreifen. Dabei wurde beachtet, dass es sich dabei um Aussagen zur Medienbranche, zu Unternehmen, zu technologischen Entwicklungen, zur Nutzersicht, zur Forscher­ sicht und auch zum Thema „Open Government“ handelt. Eine Schwierigkeit lag darin, die Aussagen so zu formulieren, dass sie möglichst überprüfbar sind. Entsprechende zusätzliche Angaben wurden so gewählt, dass sie die Bewertbar­ keit der einzelnen Aussagen und damit die Arbeit der Jury unterstützen. Beispiels­ weise wurde schon im Vorfeld festgehalten, wo die je zehn größten Unternehmen in D­A­CH gelistet sind. Die einzelnen Aussagen und ihre Bewertungen bei dem gewählten Verfahren, einer Online­ und einer Live­Wette, werden nun im folgenden vorgestellt. 1. API oder Webservices auf Inhalte und/oder Metadaten von Rundfunkunternehmen Die erste Wette bezieht sich auf die Verfügbarkeit von so genannten Application Programming Interfaces (APIs), also Programmier­Schnittstellen oder Webser­ vices. Den Expertinnen und Experten zufolge ist es absehbar, dass innerhalb der nächsten 18 Monate Rundfunkunternehmen APIs oder Webservices für den Zugriff auf ihre Inhalte und Metadaten anbieten. Drei Rundfunkunternehmen im deutschsprachigen Raum bieten eine API oder ein Webservice zum Zugriff auf Inhalte und/oder Metadaten an. Einschätzung bei der Live-Wette Einschätzung bei der Online-Wette n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014, o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10 2. Second-Screen-Format im Fernsehen Immer häufiger sitzen Fernsehzuschauer mit ihren elektronischen Geräten, zum Beispiel dem Smartphone oder einem Tablet­Computer vor dem Fernseher. Es wird bereits damit experimentiert, die Nutzung dieser Geräte, z. B. in Form von Tweets, also Kurznachrichten bei Twitter, in Fernsehsendungen einzubauen. Den 21
  • 22. Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 Monate Experten zufolge ist es wahrscheinlich (70%), dass ein oder mehrere Fernseh­ sender in den nächsten 18 Monaten eigene dezidierte Second­Screen­Formate entwickeln und anbieten. Ein Rundfunkunternehmen im deutschsprachigen Raum bietet ein spezielles Format an, das die Verwendung eines Second Screen integral beinhaltet, d.h. das Format ist ohne Second Screen nur sehr eingeschränkt nutzbar. Einschätzung bei der Live-Wette Einschätzung bei der Online-Wette n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014, o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10 3. Archivdaten von Medienunternehmen als Linked Data Ob Medienunternehmen im deutschsprachigen Raum absehbar Archivdaten als Linked Data veröffentlichen, diese also in einer Form verfügbar machen, die das Verknüpfen mit anderen Daten vereinfacht, ist Gegenstand der dritten Aussage. Hier gehen die Experten davon aus, dass sich in den nächsten 18 Monaten wahr­ scheinlich drei Medienunternehmen finden werden, die diesen Service anbieten (60%). Die Teilnehmer der Online­Wette sind hier skeptischer (50%). Drei Medienunternehmen im deutschsprachigen Raum publizieren Archivdaten als Linked Data. Einschätzung bei der Live-Wette Einschätzung bei der Online-Wette n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014, o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10 4. Linked-Data-Prinzipien in großen Unternehmen Linked­Data­Prinzipien können auch innerhalb eines Unternehmens eingesetzt werden, um Informationsbestände miteinander zu verknüpfen, also um die Inte­ gration von Unternehmensdaten zu ermöglichen, denn sehr oft ist die Information in Unternehmen in unterschiedlichen Systemen eingeschlossen („Daten­Silos“). Die Experten gehen davon aus, dass in den nächsten 18 Monaten wahrscheinlich mehr als die Hälfte der Unternehmen solche Linked­Data­Prinzipien einsetzt. 22
  • 23. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen Linked-Data-Prinzipien sind als Technologie für Enterprise Information Integration in min. 50% der jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum (DE, AT, CH, siehe Anm.) etabliert, d.h. es gibt mindestens eine Applikation, die Informationen aus zwei oder mehreren Informationssystemen mit Hilfe der Linked-Data-Prinzipien integriert. Einschätzung bei der Live-Wette Einschätzung bei der Online-Wette n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014, o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10 5. Unternehmensterminologien Bei der Erschließung von unternehmensinternen Informationen und Dokumenten ist die Erstellung einer unternehmenseigenen Terminologie, also eine Sammlung und Ordnung der unternehmensrelevanten oder auch ­eigenen Fachbegriffe, hilf­ reich. Dass mehr als die Hälfte der größten Unternehmen im deutschsprachigen Europa innerhalb der nächsten 18 Monate eine solche Terminologie und darauf basierende Prozesse definiert haben, erscheint den Experten sehr wahrscheinlich (100%). In mindestens 50% der jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum (DE, AT, CH, siehe Anm.) ist eine dokumentierte Unternehmensterminologie und darauf basierende Prozesse definiert. Einschätzung bei der Live-Wette Einschätzung bei der Online-Wett n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014, o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10 6. Personalisierte Leseempfehlungen bei Tageszeitungen Die Online­Ausgabe der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ bot schon vor einigen Jahren Abonnenten und Online­Leser/innen Formen der Personalisierung an. So war es möglich, Farbe und Schriftgröße der Darstellung zu ändern und zu speichern (vgl. Wieden­Bischof & Schaffert 2008). Denkbar ist aber heute auch, dass Abonnenten inhaltliche Leseempfehlungen gegeben werden. Mit großer 23
  • 24. Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 Monate Wahrscheinlichkeit (97%) wird dies in den nächsten zwölf Monaten für drei deutschsprachige Tageszeitungen der Fall sein. Drei deutschsprachige Tageszeitungen geben personalisierte Leseempfehlungen für Abonnenten. Einschätzung bei der Live-Wette Einschätzung bei der Online-Wette n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014, o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10 7. Interaktivierte Kundenzeitschriften Die starke Verbreitung von Smartphones und Tablet­Computern ist von einem Ausbau entsprechender Services begleitet. Beispielsweise können Barcodes von Produkten, Adressangaben von Visitenkarten oder auch QR­Codes heute von Smartphones ausgelesen und weiterverarbeitet werden. Eine Interaktivierung von Kundenzeitschriften ist dabei ein folgerichtiger Schritt. Den Experten zufolge ist es relativ wahrscheinlich (80%), dass mindestens 50 Prozent aller gedruckten Kundenzeitschriften in 18 Monaten in dieser Form vorliegen werden. Mindestens 50 Prozent der gedruckten Kundenzeitschriften im deutschsprachigen Raum liegen auch in interaktivierter digitaler Form vor. Einschätzung bei der Live-Wette Einschätzung bei der Online-Wette n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014, o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10 8. Publikationen zu „Web Science“ Die Entwicklung von Linked Media interessiert uns auch aus Sicht der Forschung. Hier scheint „Web Science“ eines der großen verwandten Fachbegriffe, evt. auch ein Modewort (engl. Buzz word), zu sein. Auch die Experten gehen davon aus, dass sich die Zahl der Treffer bei Google Scholar zu diesem Suchbegriff relativ schnell von derzeit knapp 6.000 verdoppeln wird: In spätestens 18 Monaten sollte dies sicher (100%) der Fall sein. 24
  • 25. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen Die Zahl der Publikationen zum Thema „Web Science“ (oder anerkannten Synonymen dafür), die bei Google Scholar registriert sind (Oktober 2012: 5.980 Treffer), verdoppelt sich. Einschätzung bei der Live-Wette Einschätzung bei der Online-Wette n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014, o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10 9. Open Semantic Enterprises Michael K. Bergmann hat in einem Weblog­Artikel sieben Grundprinzipien für ein sogenannten „Open Semantic Enterprise“ aufgestellt und beschrieben. Werden sich solche Prinzipien durchsetzen? Und in welchem Zeitraum? Etwas kompliziert wurde die Wettaussage so formuliert, dass mindestens jedes zweite der größten Unternehmen in D­A­CH mindesten drei der Prinzipien, z. B. Nutzung von Linked­ Data­Technologie oder Open World Mindset umgesetzt hat. Tatsächlich scheint dies den Experten in den nächsten 18 Monaten relativ wahrscheinlich (79%). In mindestens 50% jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum (DE, AT, CH) sind 3 der 7 Grundprinzipen des „Open Semantic Enterprise“ (Graphen-basiertes Datenmodell, (Open) Linked-Data-Technologien, Adaptive Ontologien, Ontologie-ba- sierte Anwendungen, Web-orientierte Architektur, Schichtartiger Ansatz, Open World Mindset – vgl. „Open Semantic Enterprise“, Michael K. Bergman) umgesetzt. Einschätzung bei der Live-Wette Einschätzung bei der Online-Wette n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014, o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10 10. Open-Government-Daten Immer mehr Behörden veröffentlichen ihre Daten frei („Open Data“ bzw. „Open Government Data“). Es gibt bereits einige Applikationen, z. B. von politischen Verbänden, die darauf aufbauend Informationen generieren oder darstellen. Uns interessierte nun, ob und wann es auch zu einer Nutzung der Open Government Daten von industrieller Seite kommt. Hier scheint es den Experten sicher (100%) dass in den nächsten 18 Monaten mindestens drei industrielle Applikationen 25
  • 26. Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 Monate bekannt werden, die maßgeblich auf Open­Government­Daten beruhen. Es könnte auch sein, dass dies schon früher, nämlich in den nächsten 6 Monaten (52%) oder zwölf Monaten (67%) eintritt Es liegen Pressemeldungen und Artikel von mindestens fünf industriellen Applikationen im deutschsprachigen Raum vor, die Open-Government-Daten als integrale Datenquelle verwenden. Einschätzung bei der Live-Wette Einschätzung bei der Online-Wette n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014, o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10 11. Kommerzielle Lösung für Linked-Media-Technologie Nicht zuletzt aus eigenem Interesse ist für das Salzburg NewMediaLab die Frage der Kommerzialisierung der Linked­Media­Technologie interessant. Demnach erscheint es den Experten sehr wahrscheinlich, dass ein europäisches Unter­ nehmen in den nächsten zwölf Monaten eine kommerzielle Lösung, Beratung und Support für die Linked­Media­Technologie anbietet (78%). Ein europäisches Unternehmen bietet kommerzielle Lösungen, Beratung und Support für die Linked-Media-Technologie und darauf basierende Lösungen an. Einschätzung bei der Live-Wette Einschätzung bei der Online-Wette n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014, o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10 12. Mitarbeiter mit Expertise zu Linked Data Schließlich interessierte uns auch Auswirkungen auf den Fachkräftemarkt und Nachfrage von entsprechend qualifizierten Fachpersonal. Wir wollten daher wissen, wann das erste Mal ein großes deutschsprachiges Unternehmen eine/n Mitarbeiter/in mit Expertise zu Linked Data sucht. Die Experten sind sich relativ sicher, dass ein entsprechender Eintrag bei einem Jobportal in den nächsten zwölf Monaten zu finden ist (76%). 26
  • 27. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen Ein großes Wirtschaftsunternehmen im deutschsprachigen Europa sucht erstmals eine/n Mitarbeiter/in mit explizit genannter Expertise zum Thema „Linked Data“. Einschätzung bei der Live-Wette Einschätzung bei der Online-Wette n bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014, o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10 Unterschiede zwischen Live- und Online-Wette Auffallend sind teils deutliche Unterschiede im Wettverhalten der Teil­ nehmer/innen bei der Live­ bzw. der Online­Wette. Dabei ist zu beachten, dass die Online­Wetten später stattfanden und den Teilnehmer/innen dabei die Ergeb­ nisse der Live­Wette vorlagen: Es sind also keine „unabhängigen Stichproben“, vielmehr haben die Online­Wettteilnehmer/innen bestimmt auch bewusst „Gegentrends“ gesetzt, um Aussagen „in die richtige Richtung zu biegen“. Solche Annahmen und auch weitere Auswertungen zum Wettverhalten müssen jedoch spätere Auswertungen genauer untersuchen. Was passiert (wahrscheinlich) wann? Wenn man davon ausgeht, dass mehr als 50 Prozent bedeutet, dass eine Entwick­ lung eher wahrscheinlich ist, ergibt sich folgende Darstellung. Herangezogen wurden hierbei die Ergebnisse der Live­Wette. In den nächsten sechs Monaten (bis 30.4.13) treffen wahrscheinlich keine Aussagen zu, weil keine der Aussagen mit mehr als 50% Zustimmung bereits in den nächsten sechs Monaten eintreffen wird. In den nächsten zwölf Monaten (bis 30.10.13) treffen wahrscheinlich folgende Aussage zu: Drei deutschsprachige Tageszeitungen geben personalisierte Leseempfehlungen für Abonnenten. (97% Wahrscheinlichkeit) Ein großes Wirtschaftsunternehmen im deutschsprachigen Europa sucht erstmals eine/n Mitarbeiter/in mit explizit genannter Expertise zum Thema „Linked Data“. (76% Wahrscheinlichkeit) Es liegen Pressemeldungen und Artikel von mindestens fünf industriellen Applika- tionen im deutschsprachigen Raum vor, die Open-Government-Daten als integrale Datenquelle verwenden. (67% Wahrscheinlichkeit) 27
  • 28. Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 Monate Ein europäisches Unternehmen bietet kommerzielle Lösungen, Beratung und Support für die Linked-Media-Technologie und darauf basierende Lösungen an. (61% Wahr- scheinlichkeit) In mindestens 50% der jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum (DE, AT, CH, siehe Anm.) ist eine dokumentierte Unternehmensterminologie und darauf basierende Prozesse defniert. (54% Wahrscheinlichkeit) In den nächsten 18 Monaten (bis 30.4.14) treffen wahrscheinlich folgende Aussagen zu: Die Zahl der Publikationen zum Thema „Web Science“ (oder anerkannten Synonymen dafür), die bei Google Scholar registriert sind (Oktober 2012: 5.980 Treffer), verdop- pelt sich. (100% Wahrscheinlichkeit) In mindestens 50% jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum (DE, AT, CH) sind 3 der 7 Grundprinzipen des „Open Semantic Enterprise“ (Graphen- basiertes Datenmodell, (Open) Linked-Data-Technologien, Adaptive Ontologien, Onto- logie-basierte Anwendungen, Web-orientierte Architektur, Schichtartiger Ansatz, Open World Mindset - vgl. „Open Semantic Enterprise“, Michael K. Bergman) umge- setzt. (81% Wahrscheinlichkeit) Mindestens 50 Prozent der gedruckten Kundenzeitschriften im deutschsprachigen Raum liegen auch in interaktivierter digitaler Form vor. (80% Wahrscheinlichkeit) Ein Rundfunkunternehmen im deutschsprachigen Raum bietet ein spezielles Format an, das die Verwendung eines Second Screen integral beinhaltet, d.h. das Format ist ohne Second Screen nur sehr eingeschränkt nutzbar. (70% Wahrscheinlichkeit) Drei Rundfunkunternehmen im deutschsprachigen Raum bieten eine API oder ein Webservice zum Zugriff auf Inhalte und/oder Metadaten an. (67% Wahrscheinlichkeit) Linked-Data-Prinzipien sind als Technologie für Enterprise Information Integration in min. 50% der jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum (DE, AT, CH, siehe Anm.) etabliert, d.h. es gibt mindestens eine Applikation, die Informationen aus zwei oder mehreren Informationssystemen mit Hilfe der Linked-Data-Prinzipien integriert. (68% Wahrscheinlichkeit) Drei Medienunternehmen im deutschsprachigen Raum publizieren Archivdaten als Linked Data. (60% Wahrscheinlichkeit) Später oder nie treffen wahrscheinlich keine Aussagen zu: Alle Aussagen werden mit mehr als 50% Wahrscheinlichkeit in den nächsten 18 Monaten eintreffen. 28
  • 29. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen MITTELFRISTIGE ENTWICKLUNG: DIE NÄCHSTEN FÜNF JAHRE In einem Workshop mit Experten wurden die folgenden Ausführungen über die mittelfristige Entwicklung in den nächsten fünf Jahren erarbeitet. Die Aussagen beziehen sich dabei auf jenen geografischen Bereich, den die Experten (gut) kennen, nämlich das deutschsprachige Europa Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Industrie- und Technolo- gie-Unternehmen Als Trends für Industrie­ und Technologie­Unternehmen werden für die nächsten fünf Jahre folgende als bedeutsam eingeschätzt: Big Data Business Intelligence Open Semantic Enterprise Vierte industrielle Revolution Ein Trend für der Industrie­ und Technologie­Unternehmen interessant wird, ist Big Data. Wie gehen Unternehmen mit dem ständig steigenden Datenvolumen um? Die wichtigsten Aspekte sind hierbei Data Warehousing und Enterprise Infor­ mation Integration. Ein zweiter wichtiger Trend ist die zunehmende Bedeutung von Business Intelli- gence, bei der es auch um Datenintegration geht. Enterprise Dashboards ermögli­ chen zukünftig einen schnellen Blick auf Daten und Informationen im Unter­ nehmen aus dem jeweiligen Handlungskontext heraus. Der Trend zu „Open Semantic Enterprises“ wird ebenso in fünf Jahren wichtig sein. Sieben Säulen, werden in diesem Zusammenhang in einem Weblog von Mike Bergman genannt10 : Das RDF­Daten­Modell, Linked­Data­Technologien, Adaptive Ontologien, Ontologie­getriebene Anwendungen, eine Web­orientierte Archi­ tektur, ein inkrementelles Schichtenmodell sowie das passende Mindset „Open World“. Schließlich ist die vierte industrielle Revolution eine zu erwartende Konse­ quenz aus der Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre (z. B. SPIEGEL ONLINE, 5.10.2012): Die industriellen Unternehmen sollen von Seiten der Regierungen wieder gestärkt werden. Aus Sicht der Informationstechnologie ist hier z. B. das „Internet der Dinge“ ein wichtiges zukünftiges Thema. 10 http://www.mkbergman.com/859/seven-pillars-of-the-open-semantic-enterprise/ [2012-10-19] 29
  • 30. Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf Jahre Erwartete Entwicklungen für die nächsten fünf Jahren Technologieunternehmen erlauben durch Enterprise Dashboards eine integrierte Sicht auf Unternehmensdaten. Integrierte Unternehmensdaten und -inhalte liegen in einheitlichen Strukturen vor. Technologieunternehmen bieten semantische Data-Warehouse-Funktionalitäten auf integrierte Unternehmensdaten an. Technologieunternehmen folgen den sieben Grundprinzipien von Open Semantic Enterprises bei der Erstellung ihrer Informationssysteme und als Grundlage ihrer Infor- mationsmanagementpolitik. Technologieunternehmen nutzen Sensordaten und Wissensmodelle zur automati- sierten Prozessoptimierung. Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Medienunternehmen Als Trends für Medienunternehmen werden für die nächsten fünf Jahre folgende als bedeutsam eingeschätzt: Open Access Nutzergenerierte Inhalte Neue Monetarisierungsstrategien Der Trend „Open Access“ führt zu einem Öffnen der Archive nach außen. Hierbei unterscheiden die Experten auf der einen Seite die öffentlich­rechtliche Medien­ unternehmen, von denen dies verstärkt verlangt wird, weil sie eben als öffentlich­ rechtliche Einrichtungen einen offenen Zugang erlauben sollen. Auf der anderen Seite wird auch von privatrechtlichen Medienunternehmen eine Öffnung des Zugangs erwartet, weil darin Marketingpotentiale gesehen werden (z. B. über soziale Netzwerke). Bei öffentlich­rechtlichen Einrichtungen ist dieser Prozess schon weiter fortgeschritten. Trotzdem sind gerade diese Einrichtungen von einem Perspektivenwechsel betroffen: Heute und noch verstärkt in den nächsten Jahren sollen die Materialien auch als „kulturelles Erbe“ zur Verfügung gestellt werden, z.B. auch für Forscher/innen. Vorreiter ist hier das Projekt „Europea­ na.org“11 . Dies stellt jedoch aktuelle Ordnungsprinzipien der Archive in Frage. Auch die Frage nach den nutzergenerierten Inhalten („user generated content“) wird an Bedeutung gewinnen: Wie gehen Medienunternehmen damit um, lassen sie zum Beispiel Medienannotationen durch Nutzer/innen zu? Sind sie dazu bereit, das Laden von Bildern oder Videos in ihre Plattformen durch externe Nutzer/innen zuzulassen? Auch die Integration von sozialen Interaktionsmöglich­ 11 http://europeana.org (2012-10-19) 30
  • 31. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen keiten wie Kommentare, Bewertungen und Diskussionen gehört zu diesem zukünftig wichtigen Thema. Klassische Printmedienunternehmen haben derzeit und werden auch weiterhin ein Monetarisierungsproblem haben, zu dessen Überwindung sie neue Geschäfts­ modelle entwickeln und erproben müssen. Die neuen Monetarisierungsstrate- gien führen unter anderem dazu, dass es für Medienunternehmen wichtig wird, dass sie lange oder längere Verweilzeiten auf den Web­Plattformen verzeichnen können (z. B. für Anzeigenkunden). Cross­Media­Publishing und „Connecting Media“ (d.h. Ansätze zur Verbindung und Verlinkung unterschiedlicher Medienin­ halte) sind weitere Entwicklungen, die zur Bildung von neuen Monetarisierungs­ strategien und Geschäftsmodellen führen werden. Second­Screen­Szenarien, bei denen Nutzer/innen neben dem Fernsehen mit Mobilgeräten mit dem Fernsehan­ gebot interagieren, sind ein weiterer Teil solcher Szenarien. Erwartete Entwicklungen für die nächsten fünf Jahren Medienunternehmen interaktivieren ihre Angebote, z.B. mit Second-Screen-Anwen- dungen. Medienunternehmen bieten zusätzliche Services über ihre Inhalte und Archive an, z.B. für Crossmedia Publishing, Mashups, usw. Medienunternehmen entwickeln Geschäftsmodelle für ihre Archive. Nutzergenerierte Inhalte werden neben Premium- bzw. redaktionellen Content zu einer weiteren Säule des Angebots. Medienunternehmen erlauben Annotationen durch die Benutzer. Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Forschung Als Trends für die Forschung werden für die nächsten fünf Jahre folgende als bedeutsam eingeschätzt: Web Science Big Data (Datenanalyse) Cross-Media-Analysen Social-Media-Analysen und Soziale-Netzwerk-Analysen In der Forschung gibt es vier wesentliche Trends. Im Bezug auf Big Data spielen v.a. die technologischen Grundlagen eine Rolle, etwa Cloud­Infrastrukturen (Wie kann ich mir als Unternehmen solche Strukturen aufbauen?) und skalierbare Architekturen (Wie kann ich meine Software auf solchen Cloud­Infrastrukturen laufen lassen?). Ein drittes zukünftig wichtiges Thema werden in diesem Bereich 31
  • 32. Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf Jahre die Echzeitdaten sein: Viele Daten werden als kontinuierlicher Datenstrom an die Unternehmen geliefert. Die Analyse muss daher in (nahezu) Echtzeit erfolgen. Viele Daten werden selbst gar nicht mehr gespeichert, sondern es werden nur die daraus gewonnenen Analyseergebnisse verwaltet und visualisiert. Der zweite Trend in der Forschung ist die Cross-Media-Analyse: Viele Medien sind miteinander verknüpft, aber die bisherigen Analyseverfahren unterliegen strikt den Mediengrenzen, sind also entweder Audio­ oder Bildanalysen. Zukünf­ tige Verfahren werden unterschiedliche Analyseverfahren kombinieren, um dadurch eine höhere Genauigkeit und Trefferquote („precision“ und „recall“) der Verfahren zu erreichen. Halbautomatische Verfahren werden die Menschen optimal unterstützen, in dem sie die aus kombinierten Analyseansätzen gewon­ nenen Informationen in den menschlichen Handlungskontext einfließen lassen. Der dritte Trend der Forschung ist „Web Science“: Dieser Begriff umfasst eine noch junge Wissenschaft, die sich mit den sozialen und technologischen Aspekten, v.a. auch mit den Abhängigkeiten zwischen den technologischen und nicht­tech­ nologischen Aspekten, des World Wide Webs befasst. Wenn etwa das Ubiquitous Web, in dem Menschen das Web überall und zu jederzeit verwenden in naher Zukunft kommt, dann hat dies große Auswirkungen auf die Gesellschaft, die Wirt­ schaft, das allgemeine Leben und die Politik. Damit zusammenhängend ist die Frage nach den Rechten („Intellectual Property Rights“), sowie Fragen des Vertrauens und der Kennzeichnung der Herkunft, etwa von offen zugänglichen Daten („Open Data“). Gegenwärtige Lizensierungsmodelle, z.B. die häufig genutzen Creative­Commons­Lizenzen schränken die Nutzung für Unternehmen stark ein bzw. es ist unklar, ob sie möglich ist. Ein weiteres Thema ist hierbei auch das erwähnte Vertrauen in die Datenquellen („Trust“) und die Kennzeichnung der Herkunft („Provenance“): Wie kann ich mich auf die Daten verlassen, welchen Daten kann ich vertrauen, wenn ich sie „irgendwo“ aus dem Netz habe? Social-Media- und Social-Network-Analysen sind zwar streng betrachtet zwei verschiedene Dinge, werden aber hier als ein Trend genannt, da sie beide darauf hinweisen, dass mit den neuen Daten auch andere Analyseverfahren notwendig sind und (weiter­)entwickelt werden müssen. Social­Media­Analysen versuchen aus den Inhalten von Social­Media­Plattformen neue Einsichten zu generieren, bei Social­Network­Analysen ist das soziale Netzwerk Gegenstand der Analysen. Erwartete Entwicklungen für die nächsten fünf Jahre Es ist möglich, Daten zu zertifzieren und ein Web of Trust für Daten herzustellen. Im Bereich der Informationssysteme sind skalierbare Architekturen State-of-the-Art. Web Science ist ein etabliertes Forschungsthema. Es gibt verschiedene neue Modelle für Urheberrecht im Web. 32
  • 33. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen Trends und Entwicklungen aus Perspektive von Behörden Als Trends für Behörden und Regierungsorganisationen (engl. „government“) werden für die nächsten fünf Jahre folgende als bedeutsam eingeschätzt: Open Data Digitale Behörden („digital government“) Digitale Partizipation Zunächst werden immer mehr Behörden ihre Daten als „Open Data“ veröffentli­ chen. Daraus entstehen steigende Anforderungen an die Entwicklungen von Sche­ mata und von Mashup­Applikationen, die mit diesen Daten arbeiten. Vor allem Regierungsorganisationen werden dabei, so wird erwartet, ihre Daten – auch aus Transparenzgründen – in großem Umfang zur Verfügung stellen. Dies wird in allen Bereichen der Fall sein, wo nicht die Privatsphäre von Personen betroffen ist. Der Trend „Digitale Behörde“ wird dazu führen, dass der größte Teil der Kon­ taktaufnahme, Information und Kommunikation mit Behörden über das Web stattfinden wird. Die digitale Partizipation ist ein wichtiges zukünftiges Demokratiethema: In fünf Jahren wird sie noch mehr gefordert und auch unterstützt werden. Communi­ ty­Aspekte und ­Themen werden zukünftig eine größere Rolle für die Behörden spielen: Wie können Bürgerinnen und Bürger sinnvoll mit Hilfe des Web an den Prozessen mitwirken, welche neuen Verfahren sind sinnvoll? Erwartete konkrete Entwicklungen für die nächsten fünf Jahren Interaktionen mit Behörden über das Web sind selbstverständlich. Die Bevölkerung verwendet öffentliche Daten als Wirtschaftsgut. Die Unternehmen übernehmen öffentliche Daten und verwenden sie für ihre Geschäfts- und Entscheidungsprozesse. Immer mehr große Städte in Österreich stellen immer mehr Daten öffentlich zur Verfügung. 33
  • 34. Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf Jahre Trends und Entwicklungen aus Perspektive der (End)-Nutzer/innen Als Trends für (End­)Nutzer/innen werden für die nächsten fünf Jahre folgende als bedeutsam eingeschätzt: Nutzung mobiler Endgeräte (privat und geschäftlich) Trust Post Privacy Aus Sicht der Nutzer/innen ist der wichtigste Trend, dass alles mobil wird: Die mobilen Geräte werden bei der privaten, als auch in der geschäftlichen Nutzung dominieren und stets präsent sein. Es ist also zunächst notwendig, Inhalte und Daten auch für mobile Endgeräte nutzbar zu machen. Klassische nicht­interaktive Medien, z. B. Fernsehen oder Zeitungen, werden daher auch zunehmend interakti­ viert, d.h. mit interaktiven Elementen versehen, welche auf den Mobilgeräten zum Einsatz kommen. Mit zunehmender Verwendung von Tablet­Computern kann schnell vom bedruckten Blatt auf Webinhalte, z.B. auf die Produktdatenblätter von den beschriebenen Autos, gewechselt werden. Interaktive Fernsehsendungen oder auch Multi­Plattform­Nutzungsszenarien, wie z.B. Second­Screen­Szenarien, sind denkbar. Ein zweiter wichtiger Trend ist „Trust“ die Vertrauenswürdigkeit von Inhalten und Daten: Mit dem Anstieg von nutzergenerierten Inhalten und Daten wird es gerade im Medienbereich immer wichtiger sein, die Herkunft der Inhalte und Fakten zu kennen („Provenance“). Zukünftige Benutzerschnittstellen müssen verständlich machen, woher die Inhalte und zugrundeliegende Daten kommen. Eine wichtige Rolle spielen zukünftig auch Empfehlungen für Inhalte und Daten, denen ich besonders gerne vertraue, zum Beispiel Kinoempfehlungen von meinen Freunden. Eng damit verbunden ist auch der Aspekt des Datenschutzes und des Schutzes der Privatsphäre: Die Experten erwarten, dass sogenannte „Post-Pri- vacy“­Tendenzen zunehmen werden. Darunter werden – ohne Bewertung – Tendenzen verstanden, die auf eine zunehmende Auflösung von Privatem und Privatsphäre zielen: Wenn Geburtsdaten und ­Gewichte von Neugeborenen in Facebook oder per Tweet veröffentlicht werden, ist es zukünftig schwer, hier noch sinnvoll begründbaren schützenswerten Datenbestand einzuklagen oder Schutz­ rechte zu definieren. 34
  • 35. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen Erwartete Entwicklungen für die nächsten fünf Jahre Nutzer/innen verwenden zunehmend Daten auf mobilen Endgeräten, mit unterschied- lichen Zielen in unterschiedlichen Handlungskontext. Nutzer/innen wollen Empfehlungen bei der Nutzung und Konsumierung von Inhalten (und Daten). Nutzer/innen wollen über die Verwendung ihrer Daten entscheiden. Nutzer/innen wollen wissen, woher Inhalte aus verschiedenen Quellen kommen („provenance“). Nutzer/innen setzen interaktive Zeitschriften ein. 35
  • 36. Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf Jahre 36
  • 37. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen ZWEI VISIONEN UNTER DER LUPE Als letzten Schritt bei unseren Überlegungen zur Zukunft des Linked Media Ansatzes beschäftigten wir uns nicht mit „sehr wahrscheinlichen“ sondern im Folgenden mit zwei von uns gewünschten und mit angetriebenen Entwicklungen. Wir formulierten dazu zunächst zwei Visionen. Die erste Vision sieht im Jahr 2016 erste Dienstleistungen rund um eine Open Source Implementierung für eine Linked Data Plattform, genannt „Apache Marmotta“. Die zweite Vision sieht für das Jahr 2020, dass Linked Data Technologien zur Integration von Enterprise­ Daten mit Webdaten etabliert sind. In einem Workshop mit sechs Experten des Salzburg NewMediaLab arbeiteten wir Mitte Februar 2013 intensiv zu diesen Visionen (vgl. S. 13ff). Im Folgenden werden die beiden Visionen und ihre Konsequenzen (unter der Annahme, dass sie eintreffen) dargestellt. Zudem wird gezeigt, wie es zum Eintreten der Vision kommen kann, welche Hindernisse gesehen werden und welche Ermöglicher. Das Jahr 2016: Dienstleistungen rund um Apache Marmotta werden ange- boten Die erste Vision beschäftigt sich mit einer im Januar 2013 als Inkubationsprojekt bei der Apache Software Foundation (ASF) gestarteten Referenzimplementierung für eine Linked­Data­Plattform, die die Bezeichnung „Apache Marmotta“ trägt. Die Vision lautet: Im Jahr 2016 ist Apache Marmotta zum Top-Level-Projekt der Apache Software Foun- dation (ASF) graduiert und stellt eine Referenzimplementierung der W3CLinked-Data- Platorm bereit. Eine Schar von Early Adopters (StartUps) bietet Tools, Beratungs- und Entwicklungsdienstleistungen für Apache Marmotta an. Apache Marmotta haben wir in der Einführung (s. S. 10f) bereits vorgestellt. Nun wollen wir uns im Sinne einer Roadmap ansehen, was auf dem Weg zur erfolgrei­ chen Adaption passieren könnte. Eine Situationsbeschreibung Die meisten von den Experten identifizierten Interessengruppen, die die Entwick­ lung rund um Apache Marmotta verfolgen und mit ihr in Berührung kommen, reagieren positiv, einige reagieren jedoch mit gemischten Gefühlen oder auch negativ auf die Etablierung von Apache Marmotta im Jahr 2016. Zunächst zu den Gruppen, die positiv auf die Entwicklung reagieren: 37
  • 38. Zwei Visionen unter der Lupe Die Apache Software Foundation hat wieder ein Produkt entwickelt, das den Markt in einem gewissen Sektor nachhaltig beeinflusst. Berater und ähnliche Dienstleiter reagieren ebenso positiv auf das neue Produkt. Auch die CMS­Anbieter freuen sich über die smarten Alternativen für die Back­ end­Infrastruktur, die die Methoden aus dem Bereich des Semantic Web zur Verfügung stellt. In den Unternehmen, in denen Apache Marmotta im Jahr 2016 bereits integriert wurde, reagieren auch die zuständigen Mitarbeiter positiv, da es ihnen mit der Apache­Software gelingt, unternehmensübergreifend auf Daten zuzugreifen. Das Management der Unternehmen, die Apache Marmotta einsetzen, hat so erstmals einen Überblick über alle Daten in seinem Unternehmen und kann sich auf der Basis neuer Perspektiven rasch Entscheidungsgrundlagen verschaffen. Auch die Doktoranden im Unternehmen sind erfreut darüber, wie einfach es nun ist, anderen ihre Daten zur Verfügung zu stellen bzw. auf andere Daten zuzugreifen. Eine andere Gruppe im Unternehmen reagiert eher negativ: Der Betriebsrat ist mit der Entwicklung weniger erfreut, er fragt kritisch nach, wie es mit dem Daten­ schutz und dem Schutz der Privatsphäre aussieht. Systemintegratoren und -Architekten, die Web­ und Unternehmensdaten auf herkömmlichen Wege integrieren, reagieren (natürlich) negativ auf die Entwick­ lung und Adaption von Apache Marmotta, weil sie den Markt für Lösungen auf Basis ihrer proprietären Plattformen durch die neue Open­Source­Plattform gefährdet sehen. Der Weg dorthin: Hürden und begünstigende Faktoren Auf der Seite der begünstigenden Faktoren zeigt sich, dass Marmotta stark von einer Open­Source­Community getragen wird, in der großer Enthusiasmus herrscht. Bereits heute gibt es „Early Adopters“, die die Linked Data Plattform verwenden, (z. B. Message S.R.L. für Enel12 ). Wir erwarten, dass Apache Marmotta im Laufe des Jahres 2014 zum Top­Level­Projekt graduiert und damit die volle Sichtbarkeit und auch Aufmerksamkeit in der Open­Source­Community hat. Ein weiterer begünstigender Faktor ist der Open­Data­Trend, der im Bereich der offenen Daten das vorlebt, was im Bereich der Unternehmensdaten passieren kann. Ob der „Big­Data­Hype“ eher eine Hürde oder einen begünstigenden Faktor darstellt, ist nach Einschätzung der Experten nicht ganz eindeutig zu sagen. Der Hype wird als vorübergehend angenommen und wird sich spätestens ab 2015 wieder legen. Zu Verzögerungen, im Sinne einer Hürde, könnte es auch bei der Linked Data Working Group am W3C13 kommen. Aufgrund der finanziellen und personellen Engpässen in Stiftungen solcher Art, ist hier grundsätzlich von einem Risiko für 12 http://data.enel.com/ (2013-04-30) 13 http://www.w3.org/2012/ldp/charter (2013-04-30) 38
  • 39. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen mögliche Verzögerungen auszugehen. Ähnliche Probleme könnten auch die Apache Software Foundation oder Wikimedia betreffen: Open­Source­Projekte sind in gewissem Umfang immer von der aktuellen Situation und der vergleichs­ weise unstetigen Arbeitslage in den Stiftungen abhängig. Auch sind die mangelnden Kenntnisse über das Resource Description Framework (RDF bildet eine technologisch­konzeptionelle Grundlage für Linked Data Platt­ formen) in den IT­Abteilungen eine Hürde für die Verbreitung von Apache Marmotta. Die Europäische Union hat beispielsweise ein Projekt gestartet, das dem Informationsmanko in diesem Bereich entgegenwirken soll14 . Eine Hürde stellt zudem der Widerstand der Anbieter für Lösungen im Bereich Informations­ integration, etwa Anbieter von Enterprise­Bus­Systemen oder die Vertreter der Common­Object­Request­Broker­Architektur (CORBA), dar, um nur zwei der konkurrierenden Ansätze für die Integration von Daten und Services zu nennen. Diese möchten die von ihnen propagierten und in ihrem Bereich etablierten Ansätze weiterverfolgen. Eine weitere Hürde wird in den „akademischen Linked­ Data­Evangelisten“ gesehen, die sehr stark auf eine formale logische Repräsenta­ tion von Wissensstrukturen in der Linked Data Cloud wert legen, dadurch aber ihre pragmatische Verbreitung in der Praxis möglicherweise behindern. Schließ­ lich werden auch Datenschützer auf die Barrikaden klettern und darauf hinweisen, dass nicht alles durchdringbar und durchsuchbar sein darf. Daher ist es zwingend notwendig, sich auch mit regulativen Prozessen für Datenpools zu beschäftigen, um hier adäquate Antworten und Lösungen präsentieren zu können. Allerdings sind derartige Gesetzgebungsprozesse sehr langfristig zu sehen. Was bringt Apache Marmotta jedoch voran, so dass es bis zum Jahr 2016 so erfolgreich wird? Als begünstigender Faktor wird der Leidensdruck der vertikalen Abteilungen in Unternehmen gesehen, der die Entwicklung und Adaption von Apache Marmotta voranbringt. „Neueinsteigern“ ist es egal, welcher konzeptionelle Ansatz verwendet wird, damit sie zu ihren Antworten und Services kommen: Sie wollen, dass sie auf einfache und nachhaltige Weise auf vernetzte Unternehmensdaten zugreifen können. Ein weiterer begünstigender Faktor wird in einer öffentlich­ keitswirksamen Nutzung der Linked­Data­Technologien von Unternehmen wie Google, Facebook, Oracle und Microsoft gesehen. Wenn diese beispielsweise im Jahr 2015 Start­Ups mit entsprechendem Know­How kaufen, um dies für ihre Suchmaschine, Datenbanktechnologie oder Betriebssystem­Dienste zu nutzen, könnte dies Linked­Data­Plattformen und Apache Marmotta wesentlich voran­ bringen. Das Integrationsbudget macht derzeit etwa 60 Prozent der IT­Budgets aus. Wenn erste Nachweise verfügbar sind, dass die Nutzung von Apache Marmotta (und ähnlicher Linked Data Plattformen) diese Ausgaben auf – beispielsweise – 55 Prozent senken, wäre der finanzielle Aspekt und das Einspa­ 14 vgl. EUCLID-Projekt: Educational curriculum for the usage of Linked Data – http://euclid- project.eu/ (2013-04-30) 39
  • 40. Zwei Visionen unter der Lupe rungspotenzial ein weiterer wichtiger begünstigender Faktor, um Apache Marmotta nachhaltig in Unternehmen zu integrieren und zu nutzen. Das Jahr 2020: Linked-Data-Technologien zur Integration von Enterprise- Daten mit Webdaten sind etabliert Die zweite Vision, der wir uns intensiver gewidmet haben, lautet: Es ist das Jahr 2020: Linked-Data-Technologien haben sich als elementarer Baustein der Integration von Enterprise-Daten mit Web-Daten etabliert. Führende Datenbank- hersteller (Oracle, Microsoft, Progress) bieten SPARQL Endpoints zum Zugriff auf ihre relationalen Daten an. Quer über alle Branchen entwickeln sich zahlreiche Enterprise- Daten-Pools und Datenservices auf Basis der Linked-Data-Prinzipien. Eine Situationsbeschreibung Für 2020 werden unterschiedliche „Datenmärkte“ gesehen. So lassen sich zunächst solche unterscheiden, die Branchenwissen einschließen, die also die beispielsweise wissen, welche Autohersteller und Fahrzeugtypen es gibt und welche Ausstattungen diese haben, sowie solche mit Instanzdaten, also mit Daten von aktuellen Verkäufern, z.B. auto.de, die dort einen Fahrzeug des Herstellers Ford des Typs Transit mit dem Baujahr 1985 in einem definierten aktuellen Zustand um 2.000 Euro verkaufen. Im Bezug auf solche branchenspezifi­ sche Datenpools (Datenservices, Datenmärkte) könnte zukünftig ein Anbieter auf die Idee kommen, alle Daten über Politiker zu sammeln, also auch Events, die sie besuchen um dieses Branchenwissen an einen zweiten Anbieter zu verkaufen, der diese Daten mit den Presseberichten verknüpft und weitergehende Analysen macht. Aus der Sicht der Verwendung und Nutzung der Daten unterscheiden wir Anbieter und Nachfrager: Im Jahr 2020 wird es zum einen Unternehmen und Organisationen geben, die „Data Outlets“ bereitstellen. Wie das Content Publis­ hing heute, wird es zukünftig einen Markt für „Data Publishing“ geben. Unter­ nehmen stellen Partnern oder auch der Öffentlichkeit ihre Daten zur Verfügung, beispielsweise Produktkataloge und branchenspezifische Terminologien. Umge­ kehrt nutzen Unternehmen „Data Inlets“, indem sie Daten von außen in ihre Firma hineinnehmen, beispielsweise von Providern, die Branchenwissen anbieten. Ein Enterprise Knowledge Graph wird zukünftig die herkömmlichen Ansätze für Informationsintegration ersetzen. Bei der Informationsintegration legt man zum Zeitpunkt ihrer Erstellung genau fest, was man mit der Datenintegration errei­ chen will, also welche Datensätze man zu welchem Zweck und mit welchem 40
  • 41. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen Ergebnis verknüpfen möchte. Beim Enterprise Knowledge Graph werden die Daten anwendungsneutral (und damit schemenfrei) miteinander verknüpft und man kann auch später weitere darauf basierende Services bzw. Analysen aufsetzen. Man kann also zu jedem späteren Zeitpunkt entscheiden, z.B. wenn sich neue Probleme oder Fragen ergeben, die vorhandenen Daten auf eine andere Weise zu nutzen. Der Ansatz gibt also eine größere Flexibilität, auch für damit verbundene Beratungstätigkeiten. Welche Gruppen arbeiten nun mit den neuen Entwicklungen? Zum einen sind das Serviceanbieter, denen es nun auf Basis der Graph­Daten möglich ist, neue Sichten zu generieren. Wenn beispielsweise das Branchenwissen über Autos mit den Instanzdaten der Märkte integrierbar wird, lassen sich z.B. individuelle Empfehlungen für die verfügbaren Fahrzeuge für eine Familie mit vier Kindern und einem Hund erstellen. Für die Akzeptanz solcher Empfehlungen ist es wiederum wichtig, dass nachvollziehbar begründet werden kann, warum dieser Familie z.B. ein Auto mit einem großen Kofferraum empfohlen wird. Die Gruppe der Datenschützer wird im Jahr 2020 jammern. Die vorgestellte Vision ist eine volle Etablierung des sogenannten „Web of Data“, erweitert auf das „Web of Corporate Data“. Das heißt, Unternehmen bieten dort nicht nur Produkte, sondern auch Daten über Produkte, Mitarbeiter, Services an. Das sind qualitativ ganz andere Daten, als sie heute in der Open Data Cloud erfasst werden: Dort ist derzeit v. a. öffentlich zugängliches Wissen verfügbar, z.B. Daten über Orte, kultu­ relle Güter, Denkmäler oder Personen des öffentlichen Interesses. Im Jahr 2020 geht es aber immer mehr um interne (Unternehmens­) Daten, bei denen eine De­ Anonymisierung vergleichsweise einfach möglich ist. Selbst wenn man vorder­ gründig dafür sorgt, dass Wissen über die Personen und ihre Privatsphäre nicht bekannt wird, besteht oft durch die Verknüpfung der Daten (die „Traversierung der Enterprise Knowledge Graphs“) die Möglichkeit, dass Einsichten möglich sind, die von Datenschützern nicht unterstützt werden können. Ein Beispiel dafür ist etwa die heute schon praktizierte Auswertung des Kaufverhaltens. Die Kosument/innen, also Kund/innen, nutzen die neuen Services natürlich. Sie erhalten mehr und maßgeschneiderte Services. Vordergründig profitieren sie natürlich davon, aber man muss sich auch die Frage stellen, ob sie in diesen Datenmärkten noch eine Privatsphäre haben. Die Betreiber von Datenmärkten wollen ihre Datenpools monetarisieren: Sie verdienen unmittelbar am Branchenwissen und/ oder am faktischen Wissen über die Datenmärkte. Das Unternehmen Diagnosia Internetservices GmbH etwa stellt heute schon ein Datenservice für Medikamente und Inhaltsstoffe zur Verfügung. Die Vision ist also, dass das „Web of Data“ realisiert ist und um ein „Web of Corpo­ rate Data“ erweitert wird. 41
  • 42. Zwei Visionen unter der Lupe Der Weg dorthin: Hürden und begünstigende Faktoren Zum einen gibt es eine Reihe von begünstigenden Faktoren auf dem Weg zur Vision: Es gibt bereits Bestrebungen, solche geänderten Dienstleistungen anzubieten, die nicht so sehr auf den traditionellen Services, sondern auf offenen Daten beruhen. Wir rechnen damit, dass sich über Ansätze wie schema.org und die Linked­Data­ Prinzipien mächtige graphenbasierte Wissensstrukturen im World Wide Web entwickeln. Auf dem Weg dorthin sind Technologien wie das Resource Descrip­ tion Framework (RDF), oder Apache Hadoop (verteilte skalierbare Rechner­Archi­ tektur) als Basis für eine weltumspannende Graphendatenbank wichtig und bringen die Entwicklung voran. Natürlich treibt der Markt für branchenspezifi­ sches Wissen, der unserer Vision zugrunde liegt, bzw. die Nachfrage für entspre­ chende Integrations­ und Auswertungsmöglichkeiten die Entwicklung und den Einsatz der Linked­Data­Technologien in den nächsten Jahren voran. Im Jahr 2016/17 werden schließlich Daten­Outlets oder auch Daten­Inlets bis hin zu den wirklichen Anwendungen und Services angeboten werden. Doch es gibt auch einige Hürden, die bis dahin überwunden werden: Da sind zum einen jener Teil der Semantic Web Community, der sich auf die Defi­ nition und Entwicklung komplexer Wissensmodelle (Ontologien) spezialisiert hat. Die bisherigen Arbeiten und Arbeitsweisen dieser Gruppen und Einrichtungen werden von diesem neuen Ansatz zumindest in Frage gestellt. Zum anderen sind da auch die handelnden Personen im Unternehmen, also IT­Verantwortliche, die auch die aktuelle (traditionelle) Sichtweise teilen und ihre Systeme entsprechend aufgesetzt haben. IT­Verantwortliche denken stark in den organisatorischen Einheiten des Unternehmens, also: „hier die Buchhaltung, dort das Personalmana­ gement, und da drüben die Abteilung XY“. Die Ermöglichung und Entwicklung einer Datenintegration und verbindender Services, ist bei vertikaler Denkweise schwer voranzutreiben. Effektvolle Mechanismen zum Datenschutz in Form von Zugriffsbeschränkungen (Was darf veröffentlicht werden? Wer hat Zugriff auf welche Daten?) ist eine weitere Hürde in der Umsetzung: Genau genommen darf ja niemand in der Firma beispielsweise Zugriff auf alle Daten haben. Auch der Manager darf aufgrund der geltenden Gesetze viele Daten nicht personenbezogen auswerten. Eine weitere Hürde ist die Angst vor einer „gläsernen Firma“: Wer zu viele Daten nach außen abgibt, kann u.U. durch entsprechende Analysen, und auch Kombinationen mit anderen Daten Einblicke in Firma gewähren, die man gar nicht geben möchte oder eventuell als Manager sogar selber gar nicht hat. Steve Jobs soll so beispielsweise schockiert reagiert haben, als Auswertungen der Fehlermeldungen über eine neuartige Applikation Einblicke in die Applikation erlaubten, die die Entwickler selbst vorher nicht hatten15 . 15 vgl. http://donmelton.com/2013/01/03/keeping-safari-a-secret/ (2013-04-30) 42
  • 43. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen DISKUSSION Wir haben nun mit Hilfe unterschiedlicher Verfahren kurz­ und mittelfristige Entwicklungen beschrieben und auch versucht, Wege zum Eintreffen von zwei von uns gewünschten Visionen darzulegen. Doch was bedeutet dies nun für die tatsächlichen Entwicklungen? Werden sie tatsächlich so eintreffen? Umgekehrt stellt sich die Frage: Was passiert, wenn sie nicht eintreffen? War dann unsere Arbeit wertlos? Dazu ein paar allgemeine Hinweise zur Debatte um die Qualität der Zukunftsfor­ schung (vgl. Schön & Markus 2011). Zukunftsforschung gehört prinzipiell in eine Grauzone wissenschaftlicher Verfahren. Ihre Güte zu bewerten und sie kritisch zu betrachten, ist natürlich notwendig. Gütekriterien wissenschaftlichen Arbeitens sind unter anderem die Gültigkeit von Aussagen und ihre Korrektheit. Auf den ersten Blick sind das auch Erwartungen, die man an die Forschung über zukünf­ tige Entwicklungen heranträgt: Man will schließlich verlässlich erfahren, was zukünftig passiert. Gute Vorhersagen sollten demnach zukünftig auch zutreffen. Auf dem zweiten Blick wird jedoch deutlich, dass Zukunftsforschung häufig betrieben wird, um Planungen und Strategien zu beeinflussen, also auch um die Zukunft aktiv zu beeinflussen und mitzugestalten. In diesem Sinne kann Zukunfts­ forschung auch davor bewahren, falsche Entscheidungen zu treffen. Die Vorher­ sagen treffen dann gerade eben wegen der guten Forschung nicht ein (Grunwald, 2002). Ein Beispiel ist die Forschung zum Klimawandel und den damit verbun­ denen Katastrophenszenarien: Sie sollen eben auf Gefahren hinweisen und präventive Maßnahmen hervorrufen. In diesem Sinne könnte diese Arbeit bei einem – wohl übersichtlichen, aber dennoch einflussreichen – Personenkreis zu Überlegungen oder Entwicklungen führen, die gerade wegen unserer Diskussionen in den Workshops oder der Ergebnisdarstellung hier im Band erfolgt. Wollen wir wirklich alles so? Wenn das eh bald kommt – warum soll ich da mitmachen? Wie können wir vorhersehbaren Problemen aus den Weg gehen? Wie müssen wir agieren, dass unsere Ideen Verbreitung finden? An welche Partner müssen wir denken? So wurde beispielsweise konkret für die Entwicklung der Linked­Media­Techno­ logien die Aussage getroffen: „(...) Daher ist es zwingend notwendig, sich auch mit regulativen Prozessen für Datenpools zu beschäftigen, um hier adäquate Antworten und Lösungen präsen­ tieren zu können.“ (s. S. 39). Zwar war der Aspekt der Notwendigkeit für regulative Prozesse aufgrund der Datenschutzproblematik in Betrieben allen bekannt, erst im Workshop wurde jedoch eine klare Handlungsanweisung formuliert und auch die Brisanz einer solchen Entwicklung für den Erfolg der gewünschten Ziele klar formuliert. 43
  • 44. Diskussion Das ist also nur ein Beispiel für weiterführende Überlegungen und Konsequenzen, die durch die intensiven Beschäftigung im Workshop oder auch mit der Lektüre der Ergebnisse in Gang gesetzt werden konnten. „Eigentlich“ waren sie auch viel­ leicht allen – oder ein paar – der Beteiligten bekannt, nur wurden sie vorher eben nicht oder nicht so präzise formuliert. Übrigens kam es im Workshop zu den Visionen bei der Diskussion darüber, wie die Märkte zu künftig aussehen, auch zu einer Wortneuschöpfung: Neben Daten­Outlets werden auch „Daten­Inlets“ vorhergesehen. Wenn wir mit diesem Beitrag und der Arbeit daran entsprechende weitergehende Überlegungen und Entwicklungen sowie auch Wortneuschöp­ fungen für das, was da auf uns zukommt, angeregt haben, ist das auch ein zufrie­ denstellendes Ergebnis. Nichtdestotrotz ist natürlich das Vorgehen selbst nicht von vorneherein als unan­ tastbar zu betrachten im Sinne von „egal wie und was wir gemacht haben oder was dabei herauskam, Hauptsache, es ist etwas passiert“. Auch sollte das Ergebnis selbst durchaus einer Überprüfung durch die realen Entwicklung standhalten bzw. nicht vollständig davon abweichen. Wir haben und werden also auch zukünftig, insbesondere bei den Wetten ist dies quasi schon im Konzept einge­ baut, überprüfen, inwieweit unsere Vorhersagen und Einschätzungen zur Zukunft zutreffend sind. Inwieweit die Qualität durch das Verfahren und den beteiligten Personen abhängt, wird ebenso in der Rückschau eine Rolle spielen. Allgemein gibt es Bedenken gegenüber dem typischen methodischen Vorgehen der Zukunftsforschung, dem Einbinden von Expertinnen und Experten bei der Forschung zur Zukunft. So haben diese eine persönliche Geschichte, spezifisches Vorwissen, persönliche Haltungen und auch persönliche Eigenschaften wie beispielsweise einen ausgeprägten Optimismus oder eben Pessimismus. Damit beeinflussen sie das Verfahren (z.B. Dominanz im Gespräch) und auch das Ergebnis (z.B. Kreativität der Ergebnisse). Diesen Argumenten haben wir wenig entgegenzusetzen. Vielmehr ist uns klar, dass der Auswahl unserer Experten ein „Bias“ hinterliegt: Wir haben – mit Ausnahme der Online­Wette – ausschließlich mit Experten aus dem SNML TNG gearbeitet, die Visionen sogar ausschließlich mit dem Salzburger Entwickler­Kernteam entwickelt. Zwar wurde versucht, korrigie­ rend Stellungnahmen und Kritik einzuholen und zu ergänzen. Es ist zu vermuten – allerdings müsste das überprüft werden – dass die Einschätzungen anders ausfallen, bzw. ausgefallen wären, wenn von vorneherein andere mit eingebunden worden wären – beispielsweise IT­Fachleute aus Medienunternehmen. Es ist aber auch nicht notwendigerweise so, dass sie dann „exakter“ im Hinblick auf die Vorhersage sein müssen. Neben der Diskussion des Vorgehens möchten wir abschließend auch einen Ausblick auf weitere Unternehmungen geben. So haben wir das Repertoire und Spielfeld der Zukunftsforschung noch nicht ausgereizt, auch gibt es – insbeson­ dere im Bereich der kurzfristigen Entwicklung von Apache Marmotta – ein verwandtes Arbeitsfeld, in dem hilfreiche Maßnahmen und Erklärungen genutzt werden können, nämlich das Feld der Innovationsentwicklung sowie der Theorie 44
  • 45. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen zur Marktaufnahme von Innovationen. So gibt es eine Reihe von Vorschlägen, die beschreiben, wie Innovationen und Technologien am Markt aufgenommen werden. Diese Konzepte helfen z.B. dabei, den aktuellen Stand von Technologien und Innovationen am Markt einzuschätzen (Rogers, 2003; Moore, 1999). Nun ist Apache Marmotta oder das Linked Media Framework keine Technologie für Endkunden, dennoch sind – beispielsweise – aus Rogers' und Moore's Erklä­ rungen Ableitungen möglich, die bei der Weiterentwicklung und Etablierung der Technologien eben auch hilfreich sein können. Wir freuen uns auf alle Fälle darauf, in den nächsten Jahren an dieser erfolgsver­ sprechenden Entwicklung mitzuwirken. Vielleicht auch Sie? 45
  • 47. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen LITERATUR UND QUELLEN • Armstrong, J. Scott & Green, Kesten C. (2006). Demand Forecasting: Evidence-based Methods. A chapter for the forthcoming book Strategic Marketing Management: A Business Process Approach, edited by Luit Moutinho and Geoff Southern. URL: http://marketing.wharton.upenn.edu/ideas/pdf/Armstrong/DemandForcasting.pdf [2011-08-30] • Bauer, Christoph; Blumauer, Andreas; Bürger, Tobias; Fernandez, Manuel; Gewald, Wolfgang; Glachs, Dietmar; Güntner, Georg; Haberl, Gerhard; Kurz, Thomas; Reich, Siegfried; Schaffert, Sebastian; Schebella, Marius; Schön, Sandra; Siorpaes, Katharina; Westenthaler, Rupert; Winkler, Markus und Zwischenbrugger &Edgar (Leitung: Sandra Schön und Georg Güntner) (2011). Linked Media. Ein White-Paper zu den Potentialen von Linked People, Linked Content und Linked Data in Unternehmen.Band 1 der Reihe „Linked Media Lab Reports“, herausgegeben von Christoph Bauer, Georg Güntner und Sebastian Schaffert. Salzburg: Salzburg Research. • Bergman, Mike (2012). Seven Pillars of the Open Semantic Enterprise. URL: http://www.mkbergman.com/859/seven-pillars-of-the-open-semantic-enterprise/ [2012-10-19] • Ebner, Martin & Schön, Sandra (2012). Die Zukunft von Lern- und Lehrmaterialien: Entwicklungen, Initiativen, Vorhersagen. Band 4 der Reihe “Beiträge zu offenen Bildungsressourcen”, herausgegeben von Ebner, Martin & Schön, Sandra (Hrsg.) Book on Demand, Norderstedt bzw. frei zugänglich unter http://o3r.eu • Gaspoz, Cédric & Pigneur, Yves (2008). A design science approach for developping prediction markets in a research and development community. Proc. 41th Annual Hawaii International Conference on System Sciences (HICSS), volume 41. IEEE Computer Society, January. • Grunwald, A. (2002). Technikfolgenabschätzung. Eine Ein- führung. Berlin: Edition Sigma. • Kosow, H. & Gaßner, R. (2008). Methoden der Zukunfts-und Szenarioanalyse Überblick, Bewertung und Auswahlkriterien. In: WerkstattBericht Nr. 103, Berlin: Institute for Futures Studies and Technology Assessment, URL: http://www.izt.de/fleadmin/down- loads/pdf/IZT_WB103.pd f [2010-12-29]. • Moore, G. A. (2002). Crossing the Chasm: marketing and selling high-tech products to mainstream customers. New York: Harper Business Essential. • Rogers, E. M. (2003). Diffusion of Innovations. New York: Free Press. • Schaffert, Sandra (2004). Einsatz von Online-Prüfungen in der beruflichen Weiterbil- dung: Gegenwart und Zukunft. Deutsches Institut für Erwachsenenbildung. URL:http://www.die-bonn.de/esprid/dokumente/doc-2000/schaffert00_01.pdf 47
  • 48. Diskussion • Schön, Sandra & Ebner, Martin (2012). Die Zukunft von Lern- und Lehrmaterialien: Wettergebnisse bei zwölf ausgewählte Thesen zur Entwicklung in den nächsten 18 Monaten. In: bildungsforschung, Jahrgang 9, Ausgabe 1, September 2012, URL: http://bildungsforschung.org [2013-02-15] • Schön, Sandra & Markus, Mark (2011). Zukunftsforschung und Innovation – … wissen was kommt. In: Martin Ebner & Sandra Schön (Hrsg.), Lehrbuch zum Lernen und Lehren mit Technologien. URL: http://l3t.tugraz.at/index.php/LehrbuchEbner10/article/view/85 [2013-02-15] • SPIEGEL ONLINE (2012). Europa plant dritte industrielle Revolution. Beitrag vom 5.10.2012. URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-kommission-will-dritte- industrielle-revolution-a-859794.html [2012-10-19] • Wieden-Bischof, Diana & Schaffert, Sandra (2008). Nachrichten 2.0: Eine Analyse inter- nationaler Nachrichtenangebote im Internet. Norderstedt: Book on Demand GmbH. • Wolfers, Justin & Zitzewitz, Eric (2004). Prediction Markets. In: Journal of Economic Perspectives. Stanford Graduate School of Business, 18 2, 107-126. • Zhao, Sesia J.; Wagner, Christian & Chen, Huaping (2008). Review of prediction market research: Guidelines for information system research. Pacis 2008 Proceedings, Paper 193. URL: http://aisel.aisnet.org/pacis2008/193/ [2011-09-16] 48
  • 49. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen LINKED MEDIA LAB REPORTS – DIE NEUE REIHE DES SNML-TNG Dies ist das sechste Band in der neuen Reihe „Linked Media Lab Reports“ des Salz­ burg NewMediaLab – The Next Generation (herausgegeben von Christoph Bauer, Georg Güntner und Sebastian Schaffert). In dieser Reihe werden in Deutsch oder in Englisch Werkstattberichte veröffentlicht, also Beiträge mit eher konzeptio­ nellen Charakter und Anleitungen. Band 1 Linked Media. Ein White-Paper zu den Potentialen von Linked People, Linked Content und Linked Data in Unternehmen. (Salzburg NewMediaLab – The Next Generation) ISBN 978-3-902448-27-9 Issue 2 (auf Englisch) Linked Media Interfaces Graphical User Interfaces for Search and Annotation (Marius Schebella, Thomas Kurz and Georg Güntner) ISBN 978-3-902448-29-3 Issue 3 (auf Englisch) Media Objects in the Web of Linked Data Publishing Multimedia as Linked Data (Thomas Kurz) ISBN 978-3-902448-30-9 Band 4 Smarte Annotationen. Ein Beitrag zur Evaluation von Empfehlungen für Annotationen. (Sandra Schön, Thomas Kurz und andere) ISBN 978-3-902448-31-6 Band 5 Qualitätssicherung bei Annotationen Soziale und technologische Verfahren in der Medienbranche (Sandra Schön, Georg Güntner und andere) ISBN 978-3-902448-32-3 49
  • 50. Diskussion SOCIAL MEDIA – DIE PUBLIKATIONSREIHE DES SNML-TNG In der Reihe „Social Media“ des Salzburg NewMediaLab (herausgegeben von Georg Güntner und Sebastian Schaffert) sind bisher folgende Bände erschienen: Band 1 Erfolgreicher Aufbau von Online-Communitys. Konzepte, Szenarien und Handlungsempfehlungen. (Sandra Schaffert und Diana Wieden-Bischof) ISBN 978-3-902448-13-2 Band 2 (Meta-) Informationen von Communitys und Netzwerken. Entstehung und Nutzungsmöglichkeiten. (Sandra Schaffert, Julia Eder, Wolf Hilzensauer, Thomas Kurz, Mark Markus, Sebastian Schaffert, Rupert Westenthaler, Rupert und Diana Wieden-Bischof) ISBN 978-3-902448-15-6 Band 3 Empfehlungen im Web. Konzepte und Realisierungen. (Sandra Schaffert, Tobias Bürger, Cornelia Schneider und Diana Wieden-Bischof) ISBN 978-3-902448-16-3 Band 4 Reputation und Feedback im Web. Einsatzgebiete und Beispiele. (Sandra Schaffert, Georg Güntner, Markus Lassnig und Diana Wieden-Bischof) ISBN 978-3-902448-17-0 Band 5 – in Kooperation mit evolaris und Salzburg Research Mobile Gemeinschaften. Erfolgreiche Beispiele aus den Bereichen Spielen, Lernen und Gesundheit. (Sandra Schön, Diana Wieden-Bischof, Cornelia Schneider und Martin Schumann) ISBN 978-3-902448-25-5 50
  • 51. ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen 51