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Julius Raab Stiftung Working Papers 01/2015
Working Paper
Cashless Society?
Über die unverzichtbare Freiheit zum Bargeld
„Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“
Benjamin Franklin
Heute erleben wir eine Renaissance von politischen Ideen, die auf einen totalitären
Überwachungsstaat hinauslaufen. Ihr Ziel ist es, mit den Instrumenten der Digitalisierung zunehmend
die Freiheit und Autonomie der Bürgerinnen und Bürger einzuschränken und diese zu bevormunden.
Ein Vorbote dieser Bevormundungsgesellschaft ist der Trend in Richtung einer bargeldlosen
Gesellschaft. Die Idee einer „cashless society“ wird von einigen Gruppierungen in Europa – besonders
in den skandinavischen Ländern – sehr stark propagiert und verfolgt. Innovative und
benutzerfreundliche Lösungen für bargeldlose Überweisungen und kontaktlose Zahlvorgänge nehmen
zu. Vermeintliche Vorteile eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs stellen potenzielle Gefahren dabei in
den Schatten. Die Risiken und Gefahren einer „cashless society“ finden sich in der öffentlichen
Debatte kaum wieder. Der Verlust der persönlichen Freiheiten sowie der Privatsphäre ist in diesem
Kontext sehr kritisch zu bewerten.
Die derzeitige Lage in Europa
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist die Zurückdrängung von Bargeld in den
skandinavischen Ländern schon weit fortgeschritten. Beispielsweise zahlt die Bevölkerung in den
nordischen Ländern viel bereitwilliger mit Karte als die Österreicher oder die Südeuropäer. Einzelne
Gruppierungen in Skandinavien, wie Banken, Steuerbehörden, Polizei, Handelsorganisationen oder
Gewerkschaften, vertreten die Idee einer „cashless society“ vehement. Die Angst vor einem
Überwachungsstaat sowie vor einem möglichen Verlust der privaten Freiheit kennen dort die
wenigsten, da das Vertrauen in den Finanzsektor überdurchschnittlich hoch ist.
Julius Raab Stiftung Working Papers 01/2015
Auch wenn die Durchführung der Abschaffung des Bargelds im nächsten Jahrzehnt in keinem Land
Europas realistisch erscheint, wird in einigen EU-Staaten die Verwendung von Bargeld – oftmals mit
der Begründung „Kampf gegen den Terror“ – stark eingeschränkt. Beispielsweise sollen in Frankreich
ab September Barzahlungen ab 1.000 Euro verboten werden. In Griechenland und Spanien sind
Barzahlungen über 1.500 Euro beziehungsweise 2.500 Euro bereits verboten. In Belgien dürfen
Waren, die mehr als 5.000 Euro kosten, nicht mehr bar bezahlt werden. Auch die Verwendung von
Scheinen und Münzen für den täglichen Gebrauch nimmt europaweit kontinuierlich ab.
Exkurs: Vorreiter „cashless society“ Schweden
In Schweden haben die drei Banken, die zu den größten Kreditinstituten des Landes zählen, in 65 bis
75 Prozent ihrer lokalen Filialen die Bargeld-Dienstleistungen eingestellt. Die schwedische
Bevölkerung bezahlt grundsätzlich lieber per Kreditkarte, Internet oder Handy als mit Bargeld. Münzen
und Geldscheine verschwinden aus Linienbussen. Geschäfte verweigern die Annahme von Barem,
Blumen auf Märkten, Zeitungen von Obdachlosen können elektronisch bezahlt werden und sogar in
manchen Kirchen kann die Opfergabe per Karte erbracht werden. Die Banken und die Kreditinstitute
treiben die Entwicklung einer bargeldlosen Gesellschaft voran. Ebenso sind daran die Gewerkschaft
für Angestellte der Finanzberufe, die Gewerkschaft für die Einzelhändler und die Polizei interessiert.
Exkurs: Massive Abschaffung der Bargeldannahmepflicht in Dänemark
In Zukunft müssen kleine Geschäfte, Tankstellen und Restaurants in Dänemark kein Bargeld mehr
annehmen. So will es ein Vorschlag der Regierung, der aller Wahrscheinlichkeit nach vom Parlament
auch so angenommen wird. Wer also nicht will, muss kein Bargeld mehr akzeptieren. Denn Bargeld
verursacht Kosten. Geld zählen, Geld bündeln, Geld in den Safe legen und am nächsten Tag wird es
abgeholt und in der Bank nochmals gezählt. Vor diesen Kosten will Dänemark seine
Gewerbetreibenden schützen. Wie die Schweden sind auch die Dänen Fans des bargeldlosen
Einkaufens. Beispielsweise besitzt ein Drittel die Bezahl-App „Mobile Pay“, mit der man in Geschäften
ohne Bargeld einkaufen und sich untereinander problemlos und schnell Geld überweisen kann.
Exkurs: Alternative Zahlungsverkehrslösungen und Währungen
Neue innovative Lösungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr stellen klassische Banken vor große
Herausforderungen. Zahlungen werden nicht mehr exklusiv bei Banken abgewickelt. Google, Apple,
Pay Pal treten als zentrale Konkurrenten im Bereich neuer Zahlungsverkehrslösungen zu den Banken
auf und entwickeln teilweise eigene Zahlungssysteme (z. B. bitcoins). Ebenso mischen
Kreditkartenanbieter und Online-Versandhäuser wie Amazon oder Zalando kräftig mit. Auch
Dienstleistungen könnten wieder vermehrt als alternative Währungen eingesetzt werden.
Julius Raab Stiftung Working Papers 01/2015
Die derzeitige Lage in Österreich
In Österreich werden 89 Prozent aller Zahlungen in bar getätigt. Das ist über dem EU-Durchschnitt (86
Prozent) und deutlich über den Zahlen aus skandinavischen Ländern (z. B. Schweden 44 Prozent).
Während in Österreich nur 11 Prozent des Zahlungsvolumens über Karten, im wesentlichen
Bankomatkarten, erfolgen, sind es im EU-Schnitt 14 Prozent. In Finnland sind es bereits 43 Prozent
und im Spitzenland Schweden sogar 56 Prozent. 25 Prozent der österreichischen Erwachsenen
heben ihr Geld ausschließlich am Bankschalter ab und 35 Prozent zahlen nie mit Bankomatkarten.
Online-Banking wird von 49 Prozent der österreichischen Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren
benutzt (Norwegen 89 Prozent und Niederlande 83 Prozent, EU-Durchschnitt 44 Prozent).
Nichtsdestotrotz zahlen 6 von 10 Österreichern heute seltener mit Bargeld als noch vor 10 Jahren.
82 Prozent der österreichischen Bevölkerung halten eine bargeldlose Gesellschaft derzeit für
unmöglich. Und auch nur 19 Prozent der Banker halten dieses Szenario für realistisch. Um das Jahr
2033 wäre eine Gesellschaft, in der nur mehr via Bankomatkarte, Kreditkarte und Co. bezahlt wird,
aber für die Österreicher grundsätzlich vorstellbar. Die Gefahr einer Zunahme der digitalen
Kriminalität, eines Überwachungsstaates und im Verlustfall keine Bezahlmöglichkeit zu haben sowie
der Verlust von Anonymität bereiten den Österreichern beim Gedanken an eine bargeldlose Zukunft
die größten Sorgen (Quelle: marketagent.com, die bargeldlose Gesellschaft, 2013; Studie Prof. Abele
/ Prof. Schäfer, WU Wien, April 2015; Gallup; Eurostat).
Sicherheit und Convenience vs. Überwachung und gläserner Bürger
Legt man das Für und Wider einer bargeldlosen Zukunft auf die Waagschale, so stehen auf der einen
Seite der Aspekt der Sicherheit und die Annehmlichkeiten, die durch den bargeldlosen
Zahlungsverkehr entstehen. Auf der anderen Seite finden sich die Gefahr der verstärkten
Überwachung durch den Staat und der damit einhergehende Verlust der Privatsphäre. Natürlich
begründen die Bargeldgegner ihr Engagement gerne mit der (angeblich) größeren Sicherheit: weniger
Überfalle von Geldtransportern, weniger Schwarzarbeit, erschwerte Hinterziehung von Steuern,
weniger Wohnungseinbrüche und verbesserte Bekämpfung des organisierten Verbrechens.
All diesen positiv konnotierten Aspekten stehen jedoch die Gefahr eines Überwachungsstaates, die
möglichen Folgen einer lückenlosen Speicherung der persönlichen Ausgaben, die Zunahme der
digitalen Kriminalität sowie die Auslieferung an die Technik gegenüber. Aus gesellschaftspolitischer
Perspektive betrachtet, kann die derzeitige Entwicklung zusammengefasst werden als Bestrebung,
den „gläsernen Bürger“ über einen „gläsernen Staat“ zu stellen. Den Ansprüchen einer Demokratie
und eines Rechtsstaats westlicher Prägung wird ein solcher Trend nicht gerecht und ist daher kritisch
zu hinterfragen.
Julius Raab Stiftung Working Papers 01/2015
Mögliche Potenziale einer bargeldlosen Gesellschaft:
 Abnahme von Banküberfällen
 Abnahme von Geldtransporterüberfällen
 Abnahme von Wohnungseinbrüchen
 Abnahme von Korruption
 Eindämmung von Steuerhinterziehung und Geldwäsche
 Bessere Bekämpfung des organisierten Verbrechens
 Laut einer WU-Studie könnten durch die verstärkte Nutzung von Kartenzahlungen jährlich
volkswirtschaftliche Einsparungen von 150 bis 300 Millionen Euro erzielt werden. Bei Bargeld
ist der Aufwand für Produktion, Transport, Verwahren etc. weitaus höher als etwa bei
Bankomatkarten (Quelle: Studie der WU-Professoren Hanns Abele und Guido Schäfer im Auftrag des
Bankomatkartenanbieters Payment Services Austria).
Mögliche Gefahren einer bargeldlosen Gesellschaft:
 Zunahme von digitaler Kriminalität: Nach Angaben des schwedischen Justizministeriums
aus dem Jahr 2013 gab es in den letzten 10 Jahren eine Verdopplung auf 140.000
elektronische Betrugsfälle. In diesem Zusammenhang ist fraglich, ob Datenschutz überhaupt
sichergestellt werden kann.
 Digital Divide: Ältere oder nicht technik-affine Personen werden ohne Bargeld systematisch
vom gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben ausgeschlossen. Auch Menschen, die als
kreditunwürdig eingestuft werden, könnten am wirtschaftlichen Leben nicht mehr teilnehmen.
 Der Staat könnte die Kontrolle über das Zahlungssystem verlieren. Welche
Konsequenzen eine Vormachtstellung privater Akteure wie Google haben könnte, ist nicht
kalkulierbar.
 Auslieferung an die Technik: Kein System der Welt ist so sicher, dass es nicht abstürzen
oder gehackt werden könnte.
 Verlust der Anonymität beim Einkauf: Seit Juni 2014 kann beispielsweise in den
traditionsreichen roten Londoner Bussen nur noch bargeldlos gezahlt werden. Über die Chips
der kontaktlosen Karten wird die zurückgelegte Strecke mitgetrackt.
 Umgang mit Geld: Nicht umsonst referenziert der Terminus des „Begreifens“ auf ein
haptisches Erlebnis, das zu einem Lerneffekt führt. Den wahren Wert eines Gutes lernen
Kinder beim Einkaufen, Anfassen – beim physischen Zahlungsvorgang. Beim Bezahlen im
Internet fehlt diese Brücke in die analoge, haptische Welt. Wenn Geld keine physische
Größenordnung mehr ist, wird der Umgang damit vermutlich sehr viel schwerer zu begreifen
sein.
Julius Raab Stiftung Working Papers 01/2015
Zusammenfassung und Befund
Mit dem Ende der Bargeldpflicht, wie sie insbesondere von skandinavischen Staaten forciert wird, sind
ambivalente Konsequenzen verbunden. Punktuellen Sicherheitsgewinnen stehen erhebliche Freiheits-
und Autonomieverluste der Bürger gegenüber.
Vor dem Hintergrund eines Wertefundaments, in dem Freiheit und Eigenverantwortung im Mittelpunkt
stehen, ist die Wahlfreiheit, Bargeld zu nutzen, unverzichtbar. Die Nutzung von Bargeld verhindert,
dass Menschen als Konsumenten und Bürger „gläsern“ werden, während Staat und Anbieter des
bargeldlosen Zahlungsverkehrs individuelle Transaktionen im Lebensalltag lückenlos nachverfolgen,
überwachen und gegebenenfalls sanktionieren können.
Die Wahlfreiheit, entweder bargeldlos oder mit Bargeld zu zahlen, muss für alle Generationen
gesichert sein. Die boomende Cyberkriminalität mit u. a. massenweisen Diebstählen von
Kreditkartennummern macht deutlich, dass bargeldlose Zahlungsmittel nicht jenen Gewinn an
Sicherheit und Effizienz gewährleisten können, den die Vertreter der Abschaffung der Bargeldpflicht
propagieren.
Den Ansprüchen einer Demokratie und eines Rechtsstaates westlicher Prägung, der den Schutz der
Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger sicherstellen soll wird eine bargeldlose Gesellschaft daher
nicht gerecht. Ein derartiger Trend führt eher in Richtung digitaler Knechtschaft und Kontrollstaat und
ist daher extrem kritisch zu sehen. Wir wollen lieber einen gläsernen Staat als einen gläsernen Bürger,
denn der Staat soll für den Bürger da sein und nicht umgekehrt. Bürgerinnen und Bürger müssen
daher auch künftig die Wahl haben, in welcher Form sie wirtschaftliche Transaktionen abwickeln. Die
persönliche Freiheit der Bürger und ihre wirtschaftliche Freiheit, mit Bargeld zu bezahlen, bleiben auch
im Zeitalter der Digitalisierung untrennbar miteinander verbunden.
Bargeld. Wir sind dafür.
Quellen:
marketagent.com, Die bargeldlose Gesellschaft - Utopie oder baldige Realität?, 2013
Studie der WU-Professoren Hanns Abele und Guido Schäfer im Auftrag des Bankomatkartenanbieters Payment Services Austria, April 2015

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Working Paper: Cashless Society. Über die unverzichtbare Freiheit von Bargeld

  • 1. Julius Raab Stiftung Working Papers 01/2015 Working Paper Cashless Society? Über die unverzichtbare Freiheit zum Bargeld „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ Benjamin Franklin Heute erleben wir eine Renaissance von politischen Ideen, die auf einen totalitären Überwachungsstaat hinauslaufen. Ihr Ziel ist es, mit den Instrumenten der Digitalisierung zunehmend die Freiheit und Autonomie der Bürgerinnen und Bürger einzuschränken und diese zu bevormunden. Ein Vorbote dieser Bevormundungsgesellschaft ist der Trend in Richtung einer bargeldlosen Gesellschaft. Die Idee einer „cashless society“ wird von einigen Gruppierungen in Europa – besonders in den skandinavischen Ländern – sehr stark propagiert und verfolgt. Innovative und benutzerfreundliche Lösungen für bargeldlose Überweisungen und kontaktlose Zahlvorgänge nehmen zu. Vermeintliche Vorteile eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs stellen potenzielle Gefahren dabei in den Schatten. Die Risiken und Gefahren einer „cashless society“ finden sich in der öffentlichen Debatte kaum wieder. Der Verlust der persönlichen Freiheiten sowie der Privatsphäre ist in diesem Kontext sehr kritisch zu bewerten. Die derzeitige Lage in Europa Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist die Zurückdrängung von Bargeld in den skandinavischen Ländern schon weit fortgeschritten. Beispielsweise zahlt die Bevölkerung in den nordischen Ländern viel bereitwilliger mit Karte als die Österreicher oder die Südeuropäer. Einzelne Gruppierungen in Skandinavien, wie Banken, Steuerbehörden, Polizei, Handelsorganisationen oder Gewerkschaften, vertreten die Idee einer „cashless society“ vehement. Die Angst vor einem Überwachungsstaat sowie vor einem möglichen Verlust der privaten Freiheit kennen dort die wenigsten, da das Vertrauen in den Finanzsektor überdurchschnittlich hoch ist.
  • 2. Julius Raab Stiftung Working Papers 01/2015 Auch wenn die Durchführung der Abschaffung des Bargelds im nächsten Jahrzehnt in keinem Land Europas realistisch erscheint, wird in einigen EU-Staaten die Verwendung von Bargeld – oftmals mit der Begründung „Kampf gegen den Terror“ – stark eingeschränkt. Beispielsweise sollen in Frankreich ab September Barzahlungen ab 1.000 Euro verboten werden. In Griechenland und Spanien sind Barzahlungen über 1.500 Euro beziehungsweise 2.500 Euro bereits verboten. In Belgien dürfen Waren, die mehr als 5.000 Euro kosten, nicht mehr bar bezahlt werden. Auch die Verwendung von Scheinen und Münzen für den täglichen Gebrauch nimmt europaweit kontinuierlich ab. Exkurs: Vorreiter „cashless society“ Schweden In Schweden haben die drei Banken, die zu den größten Kreditinstituten des Landes zählen, in 65 bis 75 Prozent ihrer lokalen Filialen die Bargeld-Dienstleistungen eingestellt. Die schwedische Bevölkerung bezahlt grundsätzlich lieber per Kreditkarte, Internet oder Handy als mit Bargeld. Münzen und Geldscheine verschwinden aus Linienbussen. Geschäfte verweigern die Annahme von Barem, Blumen auf Märkten, Zeitungen von Obdachlosen können elektronisch bezahlt werden und sogar in manchen Kirchen kann die Opfergabe per Karte erbracht werden. Die Banken und die Kreditinstitute treiben die Entwicklung einer bargeldlosen Gesellschaft voran. Ebenso sind daran die Gewerkschaft für Angestellte der Finanzberufe, die Gewerkschaft für die Einzelhändler und die Polizei interessiert. Exkurs: Massive Abschaffung der Bargeldannahmepflicht in Dänemark In Zukunft müssen kleine Geschäfte, Tankstellen und Restaurants in Dänemark kein Bargeld mehr annehmen. So will es ein Vorschlag der Regierung, der aller Wahrscheinlichkeit nach vom Parlament auch so angenommen wird. Wer also nicht will, muss kein Bargeld mehr akzeptieren. Denn Bargeld verursacht Kosten. Geld zählen, Geld bündeln, Geld in den Safe legen und am nächsten Tag wird es abgeholt und in der Bank nochmals gezählt. Vor diesen Kosten will Dänemark seine Gewerbetreibenden schützen. Wie die Schweden sind auch die Dänen Fans des bargeldlosen Einkaufens. Beispielsweise besitzt ein Drittel die Bezahl-App „Mobile Pay“, mit der man in Geschäften ohne Bargeld einkaufen und sich untereinander problemlos und schnell Geld überweisen kann. Exkurs: Alternative Zahlungsverkehrslösungen und Währungen Neue innovative Lösungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr stellen klassische Banken vor große Herausforderungen. Zahlungen werden nicht mehr exklusiv bei Banken abgewickelt. Google, Apple, Pay Pal treten als zentrale Konkurrenten im Bereich neuer Zahlungsverkehrslösungen zu den Banken auf und entwickeln teilweise eigene Zahlungssysteme (z. B. bitcoins). Ebenso mischen Kreditkartenanbieter und Online-Versandhäuser wie Amazon oder Zalando kräftig mit. Auch Dienstleistungen könnten wieder vermehrt als alternative Währungen eingesetzt werden.
  • 3. Julius Raab Stiftung Working Papers 01/2015 Die derzeitige Lage in Österreich In Österreich werden 89 Prozent aller Zahlungen in bar getätigt. Das ist über dem EU-Durchschnitt (86 Prozent) und deutlich über den Zahlen aus skandinavischen Ländern (z. B. Schweden 44 Prozent). Während in Österreich nur 11 Prozent des Zahlungsvolumens über Karten, im wesentlichen Bankomatkarten, erfolgen, sind es im EU-Schnitt 14 Prozent. In Finnland sind es bereits 43 Prozent und im Spitzenland Schweden sogar 56 Prozent. 25 Prozent der österreichischen Erwachsenen heben ihr Geld ausschließlich am Bankschalter ab und 35 Prozent zahlen nie mit Bankomatkarten. Online-Banking wird von 49 Prozent der österreichischen Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren benutzt (Norwegen 89 Prozent und Niederlande 83 Prozent, EU-Durchschnitt 44 Prozent). Nichtsdestotrotz zahlen 6 von 10 Österreichern heute seltener mit Bargeld als noch vor 10 Jahren. 82 Prozent der österreichischen Bevölkerung halten eine bargeldlose Gesellschaft derzeit für unmöglich. Und auch nur 19 Prozent der Banker halten dieses Szenario für realistisch. Um das Jahr 2033 wäre eine Gesellschaft, in der nur mehr via Bankomatkarte, Kreditkarte und Co. bezahlt wird, aber für die Österreicher grundsätzlich vorstellbar. Die Gefahr einer Zunahme der digitalen Kriminalität, eines Überwachungsstaates und im Verlustfall keine Bezahlmöglichkeit zu haben sowie der Verlust von Anonymität bereiten den Österreichern beim Gedanken an eine bargeldlose Zukunft die größten Sorgen (Quelle: marketagent.com, die bargeldlose Gesellschaft, 2013; Studie Prof. Abele / Prof. Schäfer, WU Wien, April 2015; Gallup; Eurostat). Sicherheit und Convenience vs. Überwachung und gläserner Bürger Legt man das Für und Wider einer bargeldlosen Zukunft auf die Waagschale, so stehen auf der einen Seite der Aspekt der Sicherheit und die Annehmlichkeiten, die durch den bargeldlosen Zahlungsverkehr entstehen. Auf der anderen Seite finden sich die Gefahr der verstärkten Überwachung durch den Staat und der damit einhergehende Verlust der Privatsphäre. Natürlich begründen die Bargeldgegner ihr Engagement gerne mit der (angeblich) größeren Sicherheit: weniger Überfalle von Geldtransportern, weniger Schwarzarbeit, erschwerte Hinterziehung von Steuern, weniger Wohnungseinbrüche und verbesserte Bekämpfung des organisierten Verbrechens. All diesen positiv konnotierten Aspekten stehen jedoch die Gefahr eines Überwachungsstaates, die möglichen Folgen einer lückenlosen Speicherung der persönlichen Ausgaben, die Zunahme der digitalen Kriminalität sowie die Auslieferung an die Technik gegenüber. Aus gesellschaftspolitischer Perspektive betrachtet, kann die derzeitige Entwicklung zusammengefasst werden als Bestrebung, den „gläsernen Bürger“ über einen „gläsernen Staat“ zu stellen. Den Ansprüchen einer Demokratie und eines Rechtsstaats westlicher Prägung wird ein solcher Trend nicht gerecht und ist daher kritisch zu hinterfragen.
  • 4. Julius Raab Stiftung Working Papers 01/2015 Mögliche Potenziale einer bargeldlosen Gesellschaft:  Abnahme von Banküberfällen  Abnahme von Geldtransporterüberfällen  Abnahme von Wohnungseinbrüchen  Abnahme von Korruption  Eindämmung von Steuerhinterziehung und Geldwäsche  Bessere Bekämpfung des organisierten Verbrechens  Laut einer WU-Studie könnten durch die verstärkte Nutzung von Kartenzahlungen jährlich volkswirtschaftliche Einsparungen von 150 bis 300 Millionen Euro erzielt werden. Bei Bargeld ist der Aufwand für Produktion, Transport, Verwahren etc. weitaus höher als etwa bei Bankomatkarten (Quelle: Studie der WU-Professoren Hanns Abele und Guido Schäfer im Auftrag des Bankomatkartenanbieters Payment Services Austria). Mögliche Gefahren einer bargeldlosen Gesellschaft:  Zunahme von digitaler Kriminalität: Nach Angaben des schwedischen Justizministeriums aus dem Jahr 2013 gab es in den letzten 10 Jahren eine Verdopplung auf 140.000 elektronische Betrugsfälle. In diesem Zusammenhang ist fraglich, ob Datenschutz überhaupt sichergestellt werden kann.  Digital Divide: Ältere oder nicht technik-affine Personen werden ohne Bargeld systematisch vom gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben ausgeschlossen. Auch Menschen, die als kreditunwürdig eingestuft werden, könnten am wirtschaftlichen Leben nicht mehr teilnehmen.  Der Staat könnte die Kontrolle über das Zahlungssystem verlieren. Welche Konsequenzen eine Vormachtstellung privater Akteure wie Google haben könnte, ist nicht kalkulierbar.  Auslieferung an die Technik: Kein System der Welt ist so sicher, dass es nicht abstürzen oder gehackt werden könnte.  Verlust der Anonymität beim Einkauf: Seit Juni 2014 kann beispielsweise in den traditionsreichen roten Londoner Bussen nur noch bargeldlos gezahlt werden. Über die Chips der kontaktlosen Karten wird die zurückgelegte Strecke mitgetrackt.  Umgang mit Geld: Nicht umsonst referenziert der Terminus des „Begreifens“ auf ein haptisches Erlebnis, das zu einem Lerneffekt führt. Den wahren Wert eines Gutes lernen Kinder beim Einkaufen, Anfassen – beim physischen Zahlungsvorgang. Beim Bezahlen im Internet fehlt diese Brücke in die analoge, haptische Welt. Wenn Geld keine physische Größenordnung mehr ist, wird der Umgang damit vermutlich sehr viel schwerer zu begreifen sein.
  • 5. Julius Raab Stiftung Working Papers 01/2015 Zusammenfassung und Befund Mit dem Ende der Bargeldpflicht, wie sie insbesondere von skandinavischen Staaten forciert wird, sind ambivalente Konsequenzen verbunden. Punktuellen Sicherheitsgewinnen stehen erhebliche Freiheits- und Autonomieverluste der Bürger gegenüber. Vor dem Hintergrund eines Wertefundaments, in dem Freiheit und Eigenverantwortung im Mittelpunkt stehen, ist die Wahlfreiheit, Bargeld zu nutzen, unverzichtbar. Die Nutzung von Bargeld verhindert, dass Menschen als Konsumenten und Bürger „gläsern“ werden, während Staat und Anbieter des bargeldlosen Zahlungsverkehrs individuelle Transaktionen im Lebensalltag lückenlos nachverfolgen, überwachen und gegebenenfalls sanktionieren können. Die Wahlfreiheit, entweder bargeldlos oder mit Bargeld zu zahlen, muss für alle Generationen gesichert sein. Die boomende Cyberkriminalität mit u. a. massenweisen Diebstählen von Kreditkartennummern macht deutlich, dass bargeldlose Zahlungsmittel nicht jenen Gewinn an Sicherheit und Effizienz gewährleisten können, den die Vertreter der Abschaffung der Bargeldpflicht propagieren. Den Ansprüchen einer Demokratie und eines Rechtsstaates westlicher Prägung, der den Schutz der Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger sicherstellen soll wird eine bargeldlose Gesellschaft daher nicht gerecht. Ein derartiger Trend führt eher in Richtung digitaler Knechtschaft und Kontrollstaat und ist daher extrem kritisch zu sehen. Wir wollen lieber einen gläsernen Staat als einen gläsernen Bürger, denn der Staat soll für den Bürger da sein und nicht umgekehrt. Bürgerinnen und Bürger müssen daher auch künftig die Wahl haben, in welcher Form sie wirtschaftliche Transaktionen abwickeln. Die persönliche Freiheit der Bürger und ihre wirtschaftliche Freiheit, mit Bargeld zu bezahlen, bleiben auch im Zeitalter der Digitalisierung untrennbar miteinander verbunden. Bargeld. Wir sind dafür. Quellen: marketagent.com, Die bargeldlose Gesellschaft - Utopie oder baldige Realität?, 2013 Studie der WU-Professoren Hanns Abele und Guido Schäfer im Auftrag des Bankomatkartenanbieters Payment Services Austria, April 2015