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VR International 1
VR International Nummer 11 | November 2017
Ländersteckbrief Argentinien | Seite 6
Sunlife: Vitamin-Brausetabletten für Libyen und Südafrika | Seite 10
Keine eindimensionale Lösung | Seite 11
Afrika – ein Riese erwacht
Medikamente werden mit Drohnen in ein afrikanisches Dorf gebracht. Geldüberweisun-
gen in abgelegene Dörfer funktionieren per Handy und über das digitale Bezahlungs-
system M-Pesa. Dies sind zwei Beispiele für das boomende Afrika.
Die Aussage „Afrika boomt“ mag eini-
ge Leser überraschen, weil viele Unter-
nehmer unseren südlichen Nachbarn
Afrika nur aus Schlagzeilen über die vier
Ks – Katastrophen, Krankheiten, Kriege
und Korruption – wahrnehmen und
das gepaart mit fehlender Rechtsstaat-
lichkeit und schlechter Regierungs-
führung. Ja – diese Probleme gibt es.
Wahr ist aber auch, dass sich auf dem
Kontinent Afrika zunehmend Chancen
für Wohlstand und Entwicklung bieten.
Die Chancen dieses Paradigmenwech-
sels sollten von deutschen Unterneh-
men wahrgenommen und genutzt
werden.
Subsahara-Afrika mit 49 Staaten und
knapp einer Milliarde Einwohnern ist kei-
ne homogene Einheit. Seine Wachstums-
motoren sind nicht mehr nur die Staaten
Südafrika und Nigeria. Eine Gruppe von
zehn „shooting stars“ – Äthiopien, Bur-
kina Faso, Côte d‘Ivoire, Ghana, Kenia,
Mosambik, Ruanda, Senegal, Tansania
und Uganda – bilden Zukunftsmärkte.
Sie werden nach Angaben des Internati-
onalen Währungsfonds IWF bis 2020 ein
durchschnittliches Wachstum von über 6
Prozent erreichen. Diese Zahl liegt über
dem weltweiten Durchschnitt.
Boom – auch durch Internet
Nach Boomjahren in der Rohstoff-
förderung weitet sich der wirtschaftliche
Aufschwung verschiedener afrikanischer
Staaten auf die Bereiche Infrastruktur
und Dienstleistungen aus. Und die Digi-
talisierung führt zu Umbrüchen enormen
Ausmaßes. Internet und Mobilfunk sind
die wichtigsten Treiber des Wachstums
im Dienstleistungsbereich. 995 Millionen
Afrikaner – das sind 81 Prozent der Be-
völkerung – hatten 2016 ein Handy oder
Smartphone. 226 Millionen Menschen
davon nutzten dieses auch als mobiles
Bankkonto. Anstelle des langwierigen
und flächendeckenden Aufbaus von
Bankfilialen und Festnetzanschlüssen
wurde ein Mobilfunknetz mit mobilem
Zahlungsverkehr initiiert, und das Han-
Sunlife: Vitamin-Brausetabletten für Libyen und Südafrika | Seite 10
Schwerpunkt: Afrika
Nummer 11 | November 2017
2 VR International
Im Fokus
dy wurde zum Zahlungsmittel Nummer
eins.
Wir beobachten auch, dass die Urba-
nisierung mit enormem Tempo in Afrika
voranschreitet. Schon heute zählt der af-
rikanische Kontinent – ebenso wie Euro-
pa – 52 Städte mit mehr als einer Million
Einwohnern. Im Jahr 2050 wird Afrika
voraussichtlich circa 2 Milliarden Men-
schen zählen. Erwartet wird, dass dann
zwei Drittel der Einwohner in Städten
leben. Heute sind es etwa 350 Millionen
– das ist ein Drittel der Bevölkerung. Bis
2020 wird mehr als die Hälfte der afrika-
nischen Haushalte über ein Einkommen
verfügen, das höher ist als die Ausgaben
für Grundbedürfnisse. Diese neue Mit-
telschicht ist konsumhungrig und lässt
neue Absatzmärkte für die Konsumgü-
terindustrie, das Gesundheitswesen und
Bildung entstehen. Interessanterweise
liegt das Durchschnittsalter auf dem af-
rikanischen Kontinent bei 17 Jahren – in
Deutschland sind es 46 Jahre. Die Folgen
eines demografischen Wandels sind kein
Thema in diesen jungen, dynamischen
Gesellschaften.
Afrika benötigt Investitionen in der
Stromversorgung und in der Verkehrsin-
frastruktur. Das schlechte und unterent-
wickelte Straßen- und Eisenbahnnetz er-
klärt zum Teil, warum der intraregionale
Handel in Afrika nur knapp 18 Prozent
beträgt. Für Europa oder Asien liegt der
Vergleichswert bei 68,5 und 52,3 Prozent.
Ein zweiter wichtiger Grund ist die weit-
gehend fehlende Industrieproduktion in
Afrika. Hier besteht Handlungsbedarf.
Deutsche Wirtschaft zurückhaltend
In den letzten Jahren haben immer mehr
Unternehmen aus Schwellenländern den
afrikanischen Kontinent entdeckt – allen
voran die VR China, Indien, Brasilien und
die Türkei. Seit 2010 ist ein erheblich ver-
bessertes Geschäftsklima in Afrika fest-
zustellen. Der „Doing Business Index“ der
Weltbank bescheinigt acht afrikanischen
Ländern eine stetige und 27 Ländern
eine tendenzielle Verbesserung.
Das Engagement der deutschen Wirt-
schaft auf dem Kontinent Afrika ist aus-
baufähig. Nur etwa 2 Prozent des deut-
schen Außenhandels entfallen auf Afrika.
Im Jahr 2016 standen deutschen Exporten
in Höhe von 24,5 Milliarden EUR Einfuh-
ren von 16,6 Milliarden EUR gegenüber.
Maschinen, Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile,
Elektronik und chemische Erzeugnisse bil-
deten die deutschen Hauptausfuhrgüter.
Rohstoffe, landwirtschaftliche Erzeugnis-
se und andere unverarbeitete Produkte
waren deutsche Haupteinfuhrgüter. Weit
voran ist die Republik Südafrika wich-
tigster deutscher Handelspartner, dessen
Wirtschaftsstruktur am diversifiziertesten
ist. Eine Vielzahl deutscher Unternehmen
nutzt das Land am Kap auch als Gateway
für Geschäfte mit Subsahara-Afrika.
Internet und Mobilfunk sind die relevanten Treiber für den wirtschaftlichen Aufschwung.
Afrika will nicht nur mit den vier Ks wahrgenommen werden! Der Kontinent bietet Chancen für Wohlstand und Entwicklung!
Nummer 11 | November 2017
VR International 3
Im Fokus
Das Singapore Economic Development
Board (EDB), eine staatliche Behörde des
Ministeriums für Handel und Industrie,
ist verantwortlich für Strategien, die die
Position von Singapur als globales Zent-
rum für Wirtschaft, Innovation und Talent
verbessern. Als vorausschauender und
rechtssicherer Stadtstaat hat sich Singa-
pur bereits in der Vergangenheit profi-
lieren können und arbeitet mithilfe der
EDB auch heute noch fortlaufend an der
Weiterentwicklung und Zielbilddefinition
der Stadt der Zukunft #SmartCity. Durch
das Bereitstellen von Informationen, die
Verbindung zu Partnern und den Zugang
zu staatlichen Anreizen fördert das EDB
gezielt die Direktinvestitionen, sowohl
lokaler als auch internationaler Unter-
nehmen. Ausgewählte Industrien, wie
Luft- & Raumfahrttechnik, erneuerbare
Energien, Gesundheitswesen, Chemie,
Biotechnologie oder 3-D-Drucktechnik,
um nur einige zu nennen, wurden als
wichtige Stützen für die Zukunftsfähig-
keit Singapurs definiert und erfahren be-
sondere Förderung.
Um kontinuierlich fortschrittliche
Entwicklungen voranzutreiben, verfügt
Singapur darüber hinaus über ein her-
vorragendes Start-up-Ökosystem und
stellt über die National Research Founda-
tion unter dem Programm RIE2020 Plan,
Research, Innovation and Enterprise
2020 Plan – Winning the Future through
Science and Technology, ein beachtliches
Forschungs- und Entwicklungsbudget in
Höhe von rund 12 Milliarden EUR von
2016 bis 2020 zur Verfügung. Dieses soll
unter anderem zu 21 Prozent für Health
& Biomedical Science und zu 17 Prozent
im Bereich Advanced Manufactoring
and Engineering genutzt werden.
Partnering Singapore to Drive Growth
News inside: DZ BANK German Desk Singapur
Wirtschaftspartner
und Zukunftsmarkt
Etwa 2.500 deutsche Unternehmen –
von 3,4 Millionen insgesamt – sind im
Afrikageschäft aktiv. Davon haben 800
deutsche Unternehmen eigene Nieder-
lassungen vor Ort und beschäftigen etwa
200.000 Mitarbeiter. Ulrich Grillo, Vorsit-
zender des Vorstands der Grillo-Werke AG
und Vizepräsident des Bundesverbands
der Deutschen Industrie (BDI), erklärte
kürzlich auf einer Veranstaltung der Fried-
rich-Naumann-Stiftung in Bonn: „Es ist
an der Zeit, Afrika als vielversprechenden
Wirtschaftspartner und Zukunftsmarkt
statt als Empfänger von Entwicklungshilfe
wahrzunehmen. Seit vielen Jahrzehnten
sind deutsche Unternehmen in Entwick-
lungs- und Schwellenländern präsent. Die
Bereitschaft, diesen Erfahrungsschatz in
Kooperation mit der Entwicklungszusam-
menarbeit einzubringen, ist groß. Ohne
das Engagement der Wirtschaft kann die
Entwicklungspolitik ihr Ziel eines nachhal-
tigen wirtschaftlichen Wachstums nicht
verwirklichen. Wirtschaft ist der Motor
Für unsere Kunden verstehen wir das
Leistungsspektrum des EDB daher als
wichtigen Baustein und zählen das EDB
zu einem unserer elementaren Koopera-
tionspartner in Singapur. Gerne stehen
wir für die Vermittlung oder weitere
Fragen auch persönlich zur Verfügung.
einer nachhaltigen Entwicklung.“ Wichtig
ist, dass die afrikanischen Wirtschaftspart-
ner als Partner und auf gleicher Augenhö-
he wahrgenommen und behandelt wer-
den wollen. Die Beachtung dieser Maxime
ist wesentlich für den wirtschaftlichen Er-
folg in Afrika.
Das Engagement deutscher Unter-
nehmen in Subsahara-Afrika kann be-
gleitet und unterstützt werden durch
Selbsthilfeeinrichtungen der deutschen
Wirtschaft vor Ort. Das sind die Deutsche
Industrie- und Handelskammer für das
südliche Afrika mit Sitz in Johannesburg
und Regionalbüros in Durban, Kapstadt,
Lusaka, Maputo und Frankfurt sowie die
Delegiertenbüros der Deutschen Wirt-
schaft in den Ländern Angola, Ghana,
Kenia und Nigeria. Erfahrene deutsch-
sprachige Mitarbeiter beraten und un-
terstützen beim Markteinstieg.
Eine ganze Reihe von afrikanischen
Staaten hat sich aufgrund verbesserter
Regierungsführung und wettbewerbs-
fähiger Strukturen seit einigen Jahren
wirtschaftlich sehr dynamisch entwickelt.
Deutsches Know-how und hohe Stan-
Autor
Sebastian Moser
DZ BANK AG
German Desk Singapore
50 Raffles Place 43–01
Singapore Land Tower
Singapore 048623
0065 64383764
sebastian.moser@dzbank.de
dards werden auf dem Chancen- und
Wachstumskontinent sehr geschätzt. Das
sollte genutzt werden: von deutschen
Unternehmen für die Menschen in Afri-
ka.
Adressen der Delegiertenbüros siehe
www.ahk.de/ahk-standorte.
Autor
Walter Engelmann
Berater
Deutsche Industrie-
und Handelskammer
für das Südliche Afri-
ka, Büro Frankfurt
Southern African –
German Chamber of Commerce and
Industry NPC
P.O. Box 87078, Houghton 2041
47, Oxford Road, Forest Town, 2193
Johannesburg, South Africa
06198 7588
frankfurt@germanchamber.co.za
www.germanchamber.co.za
www.portalafrika.de/
Nummer 11 | November 2017
4 VR International
Märkte & Chancen
German Desk in Afrika: von DEG, I&M Bank und AHK Kenia
Die DEG hat mit ihrem lokalen Partner
I&M Bank in Kenia und der örtlichen De-
legation der deutschen Wirtschaft (AHK)
vereinbart, den ersten German Desk –
Financial Support and Solutions auf dem
afrikanischen Kontinent zu eröffnen, um
insbesondere dem deutschen Mittel-
stand aktive Serviceleistungen im Finan-
zierungsbereich und Finanzierungslösun-
gen für seine Geschäftsbeziehungen in
Entwicklungs- und Schwellenländern zu
bieten. Kenia ist die größte Volkswirt-
schaft Ostafrikas. Für die kommenden
Jahre prognostiziert die Weltbank ein
Wachstum zwischen 5 und 6 Prozent.
Der Markt bietet Potenzial, auch
für deutsche Mittelständler. Denn ihr
Know-how und ihre Produkte sind dort
besonders gefragt. Das Engagement
deutscher Unternehmen trägt zudem
dazu bei, die Privatwirtschaft in Afrika
zu stärken und somit Arbeitsplätze und
Perspektiven für die Bevölkerung vor Ort
zu schaffen.
Ostafrika: Infrastruktur ist das große Thema
Fast alle Staaten Ostafrikas entwickeln
ambitionierte Infrastrukturpläne, mit
denen sie ihre Volkswirtschaften zu-
kunftsfähig und ihre Länder in neue
ökonomische Ligen pushen wollen.
Der Nachholbedarf ist gewaltig. Gro-
ße Pläne sind allerdings das eine, die
Finanzierungsfrage das andere. Als der
große Heilsbringer wird die VR China
gefeiert, die sich bislang das Gros der
Projekte sichern konnte. Eine diesbe-
zügliche Trendwende ist aber immerhin
vorstellbar.
Der für die Zukunft Ostafrikas wich-
tigste Infrastrukturbereich ist die Strom-
versorgung, ohne die eine Industriali-
sierung und erhöhter Wohlstand nicht
gelingen kann. In der Praxis kommt es
weniger darauf an, was Regierungen pla-
nen, sondern darauf, was Investoren und
die internationale Gebergemeinschaft
bereit sind zu finanzieren. Und hier geht
der Trend seit einiger Zeit in Richtung
Geothermie, Windkraft und Off-Grid-
Lösungen. Damit sinkt der Einfluss von
staatlichen Versorgern zugunsten von
privaten – aus deutscher Sicht eine gute,
wenngleich noch viel zu langsame Ent-
wicklung.
Prestigeträchtiger als jedes Kraftwerk
sind derweil neue Eisenbahnen: Äthiopi-
en und Kenia haben neue Normalspur-
eisenbahnen in Betrieb nehmen können.
Finanziert, gebaut und betrieben wer-
den die Bahnen von chinesischen Firmen.
Schon bald sollen weitere Strecken-
abschnitte folgen. Alles entsteht in Re-
kordzeit, selbst die Streckenführung
durch einen kenianischen Tierpark ist
kein Problem, Genehmigungen und Ver-
träge werden mitunter auch nachge-
reicht. Dabei generieren die Bahnen im
besten Fall gute Einnahmen in den loka-
len Währungen, die Schulden aber müs-
sen in USD bedient werden. In Äthiopien
ist schon jetzt der Devisenmarkt leerge-
fegt, während Kenia bislang seine Devi-
senschulden mit immer höheren auslän-
dischen Kreditaufnahmen bedient.
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Deloitte hat nachgerechnet, wer die vie-
len Projekte in Ostafrika tatsächlich baut.
Das Ergebnis: 41,9 Prozent chinesische
Firmen, 25,6 Prozent lokale Unterneh-
men. Die USA, Japan, Südkorea und die
Türkei bauen jeder etwa 4,7 Prozent. Die
Staaten kommen bei der Finanzierung
über einen Eigenanteil von 12 Prozent
nicht hinaus. Quelle: gtai
Weitere Informationen:
vertrieb@gtai.de
Weitere Informationen:
I&M Bank Limited
Eva Roesler
Relationship Manager German Desk
I&M Bank Tower | Kenyatta Avenue
PO Box 30238 – 00100
Nairobi, Kenya
00254 732 100 191
eva.roesler@imbank.co.ke
Vier neue Publikationen: Afrika im Blick
Vier neue Afrika-Publikationen liefern
Hintergrundinformationen und Kontakt-
adressen zu Marktchancen und rechtli-
chen Rahmenbedingungen
➔ Subsahara-Afrika – Zukunftsmärkte
mit Herausforderungen
➔ Wirtschaftsführer Tunesien
➔ Neue Märkte – neue Chancen – Markt-
führer zu Namibia und zu Kenia
Nummer 11 | November 2017
VR International 5
MESSETIPPS
The Big 5 Construct North Africa
International Building & Construction Show

In Casablanca, Marokko, findet vom 10. bis
12. April 2018 die The Big 5 Construct North
Africa – International Building  Construc-
tion Show statt. Branchenschwerpunkte sind
Bautechnik, Baustoffe, Baumaschinen, Innen-
ausbau (Branche 09),
Angebotsschwerpunkte sind Badezimmeraus-
stattungen, Baubedarf, Bauberatung, Bauen,
Baugeräte, Baustoffe, Bauwerkzeuge, Beton-
steinindustrie, Brandschutz, Dachbau, Dämm-
systeme, Elektro-Installationstechnik, Energie-
erzeugung, Farben, Fenster, Gebäude-Automa-
tion, Gebäudemanagement, Gebäudetechnik,
Heizungstechnik, Isoliertechnik, Klimatechnik,
Küchen, Landschaftsbau, Lüftungstechnik, Na-
turstein, Sanitärtechnik, Sicherheitstechnik,
Solartechnik, Tapeten, Treppen, Türen, Was-
serinstallationstechnik und Wärmedämmung.
Deutschen Unternehmen wird eine Firmenge-
meinschaftsausstellung angeboten.
Kontakt:
Messe  Marketing Michael Pittscheidt
Alte Landstr. 29
53902 Bad Münstereifel
02253 932188
info@pittscheidt.de
www.pittscheidt.de
www.thebig5constructnorthafrica.com
	
Agritech Expo Zambia
Bei der Agritech Expo Zambia öffnen sich
in Chisamba, Sambia, vom 12. bis 14. April
2018 die Tore. Branchenschwerpunkte sind
Land- und Forstwirtschaft, Garten- und Land-
schaftsbau, Erwerbsfischerei, Nutztierhaltung
(Branche 49), Angebotsschwerpunkte sind
Bewässerungsanlagen, Consulting, Dienst-
leistungen, Erntemaschinen, Landtechnik,
Landwirtschaft, Landwirtschaftsmaschinen,
Pflanzen, Saatgut, Software, Tierhaltung, Tier-
medizin, Tierzucht und Traktoren. Als deut-
sche Beteiligung wird eine Firmengemein-
schaftsausstellung angeboten.
Kontakt:
Spintelligent (PTY) Ltd
PO Box 321
Steenberg, 7947
Südafrika
0027 21 700-3500
info@spintelligent.com
www.spintelligent.com
www.agritech-expo.com
Kenia: „strategisch wichtiger Partner“ in Afrika
Die politische Situation in Kenia ist auch
für die deutsche Wirtschaft von Interesse.
Nach Einschätzung des Deutschen Indus-
trie- und Handelskammertages (DIHK)
spielt das Land eine bedeutsame Rolle
beim Zugang zu den Nachbarstaaten.
Kenia ist für die deutsche Wirtschaft ein
strategisch wichtiger Partner auf dem af-
rikanischen Kontinent. Die im regionalen
Vergleich gut ausgebaute Infrastruktur
und der große Verbrauchermarkt mach-
ten das Land für hiesige Unternehmen
interessant. Zudem erschließen deutsche
Betriebe von der Hauptstadt Nairobi aus
auch zusehends die dynamisch wach-
senden Märkte der Nachbarländer. Un-
terstützung leistet dabei die Deutsche
Auslandshandelskammer (AHK) Kenia.
Das bilaterale Handelsvolumen 2016 be-
zifferte DIHK-Präsident Schweitzer auf
504 Millionen EUR. Aktuell beschäftigten
die 80 vor Ort engagierten deutschen
Unternehmen fast 5.000 Mitarbeiter.
Dabei kämpft die kenianische Wirtschaft
stark mit der instabilen Sicherheitslage
im Land. Zur Verbesserung der Wettbe-
werbsfähigkeit des Landes sind außer-
dem Investitionen in Bildung, die effizien-
tere Gestaltung der Verwaltung und die
Bekämpfung der Korruption unerlässlich.
Nur so können notwendige Investitionen
angeworben und das Potenzial des Lan-
des genutzt werden.
Quelle: Pressemeldungen
Weitere Informationen:
www.hannover.ihk.de ➞
International ➞ Subsahara-Afrika
Deutsche Exporte: nur 2 Prozent
nach Afrika – mit Nord-Süd-Gefälle
Im Jahr 2016 wurden deutsche Waren
im Wert von 24,5 Milliarden EUR nach
Afrika exportiert. Nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes waren das
2 Prozent der deutschen Gesamtexpor-
te. Dem standen Importe von afrikani-
schen Waren nach Deutschland im Wert
von 16,6 Milliarden EUR gegenüber. Der
Anteil Afrikas an den Importen betrug
1,7 Prozent. Damit ging die Bedeutung
Afrikas für den deutschen Außenhandel
gegenüber den 1990er-Jahren weiter zu-
rück: Im Jahr 1990 hatte der Anteil der
Datenbank für Subsahara
Die Arbeitsgruppe Afrika der IHK Han-
nover hat eine kostenlose Onlinedaten-
bank für alle deutschen Unternehmen
eingerichtet, die sich für den afrikani-
schen Kontinent interessieren. Dort kön-
nen Angebote und Gesuche für Projek-
te in der Region Subsahara eingestellt
werden. Dabei kann es ich um konkrete
Produkte oder Dienstleistungen für lau-
fende oder geplante Projekte handeln,
aber auch Expertisen für Afrikaprojekte
sind denkbar. Die Vernetzung der Unter-
nehmen steht hier im Vordergrund.
deutschen Exporte nach Afrika noch bei
2,4 und bei den Importen bei 2,9 Prozent
gelegen.
Regional dominierten 2016 die drei
Maghreb-Staaten Algerien, Marokko
und Tunesien sowie Ägypten, die zusam-
men 45 Prozent der deutschen Waren-
lieferungen nach Afrika auf sich verein-
ten. In Subsahara-Afrika dominierte wie
gewohnt Südafrika, das 36 Prozent der
deutschen Afrikaexporte abnahm, mit
großem Abstand gefolgt von Nigeria mit
3 Prozent. Quelle: Destatis
Nummer 11 | November 2017
6 VR International
Ländersteckbrief
Argentinien
Argentinien ist das zweitgrößte Land in
Südamerika und besitzt bei einer Fläche
von 2,8 Millionen km² eine Nord-Süd
Ausdehnung von 3.700 km. An der west-
lichen Grenze befinden sich die fast bis zu
7.000 m hohen Berge der Anden. Im Sü-
den ist das Land durch die trockene Hoch-
ebene Patagoniens geprägt, weiter im
Norden liegt die Pampa, die große Korn-
kammer des Landes, welche die Grund-
lage für die umfangreichen Agrarexpor-
te des Landes bildet. Das Wirtschaftszen-
trum ist die Hauptstadt Buenos Aires, in
der 3 Millionen der insgesamt 40 Millio-
nen Argentinier leben.
Politische Lage
Seit dem Ende der Militärdiktatur im Jahr
1983 hat sich in Argentinien eine relativ
stabile parlamentarische Demokratie ent-
wickelt. In den Jahren der Präsidentschaf-
ten von Nestor sowie seiner Frau Cristina
Fernández de Kirchner, von 2003 bis 2015,
von den Peronisten wurden jedoch die we-
sentlichen Institutionen des Staates poli-
tisch stark beeinflusst. Die Zentralbank half
dabei, die großzügigen Sozialprogramme
mit der Notenpresse zu finanzieren und
die nationale Statistikbehörde verschlei-
erte stets die damit verbundene hohe In-
flation und veröffentlichte unvollständige
oder unglaubwürdige Datenreihen. Darü-
ber hinaus war Argentinien nicht zuletzt
aufgrund des unkooperativen Verhaltens
der Kirchners gegenüber dem IWF und
Das recht hohe Pro-Kopf-Einkommen von 14.600 USD in Argentinien wird in der Region
nur von Uruguay übertroffen.
Banco de la Nacion Argentina	 43,8
Banco de Galicia y Buenos Aires	 14,3
Banco de la Provincia de Buenos Aires	 13,7
Banco Santander Rio	 12,6
Banco Macro	 9,2
Quelle: Orbis Bank Focus
Die fünf größten Geschäftsbanken
(Bilanzsumme per 31.12.2016 in Mrd. EUR)
2017, bei der Teile des Senats und des
Parlaments neu gewählt wurden, nahm
erwartungsgemäß die Verschleppungs-
taktik der Opposition zu. Für zunehmen-
de Unsicherheit sorgt zudem die Rückkehr
von Cristina Fernández de Kirchner auf die
politische Bühne. Sie hat eine neue Partei
gegründet und bewarb sich um einen
Sitz im Senat für die Provinz Buenos Aires
– nicht zuletzt, um wieder Immunität zu
genießen und sich der laufenden Verfah-
ren, unter anderem wegen Korruption,
gegen sie zu entziehen. Obwohl bei den
Vorwahlen im August die Kandidaten der
Regierung gut abgeschnitten haben, sind
die Aussichten auf eine zukünftige Mehr-
heit im Parlament oder Senat gering. In
Bezug auf die weitere Öffnung des Landes
wird eher von Bedeutung sein, ob das Re-
gierungsbündnis Sitze hinzugewinnt oder
verliert. In der Bevölkerung ist die Populari-
tät des Präsidenten zuletzt gesunken, weil
sich dessen makroökonomische Reformen
noch nicht hinreichend positiv auf die wirt-
den Gläubigern der argenti-
nischen Staatsschulden inter-
national weitgehend isoliert.
In der Bevölkerung herrscht
seit Langem eine starke Pola-
risierung zwischen den politi-
schen Strömungen, und das
Vertrauen in die staatlichen
Institutionen ist gering. Die
Justiz gilt auch heute noch
als wenig unabhängig. Vor
diesem Hintergrund wurde
Ende 2015 der frühere Un-
ternehmer Mauricio Macri
als neuer Präsident gewählt.
Er kündigte das Ende der
erratischen Politik der Kirch-
ner-Ära an und hat sofort
nach der Amtseinführung
mit der Wende in der Wirt-
schaftspolitik begonnen.
Dazu zählten die Freigabe
des Wechselkurses, die Ver-
ringerung von Exportsteuern, eine restrik-
tive Fiskal- und Geldpolitik sowie Subven-
tionsabbau. Die wichtigste Errungenschaft
war aber die rasche Einigung im Konflikt
mit einigen Privatgläubigern bezüglich der
noch nicht umgeschuldeten Altschulden,
die Argentinien nur fünf Monate nach
seiner Amtseinführung die Rückkehr an
den internationalen Kapitalmarkt ermög-
lichte. Da sein konservativ-liberales Bünd-
nis Cambiemos aber in keiner der beiden
Kammern über die Mehrheit verfügt, ist
Macri auf die Kooperation der moderaten
Peronisten angewiesen, welche zuletzt
überwiegend auch erfolgte. Im Vorfeld
der Zwischenwahlen am 22. Oktober
Nummer 11 | November 2017
VR International 7
Ländersteckbrief
schaftlichen Verhältnisse ausgewirkt ha-
ben. Die Leitlinien der neuen Außenpolitik
sind die Stärkung des Handels innerhalb
des Mercosur sowie die Intensivierung der
Beziehungen zu den USA, der EU und den
Staaten der Pazifikallianz.
Wirtschaftsstruktur
Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP)
von 634 Milliarden USD ist Argentinien
die zweitgrößte Volkswirtschaft Süd-
amerikas. Das recht hohe Pro-Kopf-Ein-
kommen von 14.600 USD wird in der
Region nur von Uruguay übertroffen
und auf dem Human Development In-
dex steht das Land auf Rang 40 von 188
vergleichsweise gut. Das ist zumindest
teilweise historisch bedingt, denn zu Be-
ginn des 20. Jahrhunderts galt Argentini-
en noch als eine der reichsten Nationen
der Welt. Der Agrarsektor ist ein wichti-
ges Standbein der argentinischen Wirt-
schaft und trägt 10–11 Prozent zum BIP
bei. Rund 60 Prozent der Anbaufläche
entfällt auf Soja, und das Land ist Welt-
marktführer beim Export von Sojamehl
und -öl. Der Abbau von Exportsteuern
auf Agrarprodukte hat ein großes Po-
tenzial in der Landwirtschaft freigesetzt,
was sich spürbar positiv auf die Devi-
seneinnahmen ausgewirkt hat. Von ho-
her Bedeutung sind auch Getreidekultu-
ren und die Erzeugung von Rindfleisch.
Der Industrialisierungsgrad ist mit einem
Anteil am BIP von 30 Prozent im Ver-
gleich zu anderen Schwellenländern hoch
und insbesondere die Nahrungsmittel-
und Automobil-Branche sind stark vertre-
ten. Die seit 2002 bestehenden Stromsub-
ventionen führten zu verzerrten Preisen
und geringer Investitionsbereitschaft im
Energiesektor, was wiederum Engpässe
in der Stromversorgung verursachte. In-
zwischen wurde mit der Reduzierung der
Stromsubventionen begonnen, die 2016
bereits 72 Prozent der gesamten Staats-
subventionen repräsentierten. Die künst-
lich stark verbilligten Preise sorgten auch
dafür, dass der Stromverbrauch unver-
hältnismäßig hoch war. Mit den weltweit
zweitgrößten Reserven an Schiefergas
und den viertgrößten an Schieferöl ver-
fügt das Land grundsätzlich über hohe
Energiereserven, konnte mangels Inves-
titionen diese Bodenschätze aber bisher
nicht heben. Ausländische Investoren
zeigen nun Interesse an der Erschließung
der Vorkommen. Etwa 60 Prozent des
BIP werden vom Dienstleistungssektor
erwirtschaftet. Zu dessen wichtigsten
Zweigen gehören der Tourismus sowie
die Informations- und Kommunikations-
technik. Der wichtigste Handelspartner
ist mit weitem Abstand Brasilien, dessen
zweijährige Rezession von 2015 bis 2016
ein Belastungsfaktor für Argentiniens
Exporte war. Diese werden zu etwa 60
Prozent von Agrarrohstoffen geprägt,
was ein latentes Risiko klimatisch beding-
ter Ernteausfälle mit sich bringt. Rund ein
Drittel entfällt auf Industriegüter und der
Rest auf Kraftstoffe und Energie.
Wirtschaftslage und -politik
Die konjunkturelle Entwicklung war in
den letzten sechs Jahren sehr volatil,
denn auf jeden Aufschwung folgte stets
eine Rezession. Der Rückgang des BIP
im Jahr 2016 um 2,3 Prozent war aber
Für zunehmende Unsicherheit auf der politischen Bühne sorgt die Rückkehr von Cristina
Fernández de Kirchner, der früheren Präsidentin. Hier der Kongress in Buenos Aires.
	Jahr	 Bruttoinlandsprodukt	 Inflationsrate	 Haushaltssaldo
		 (real)	 (Jahresdurchschnitt)	 (BIP)
	2014	 –2,5	 38,1	 –2,7
	 2015 	 2,6	 26,5	 –4,8
	2016	 –2,3	 42,0	 –5,9
	 2017p	 2,7	 26,0	 –6,1
	 p = Prognose
	 Quellen: Economic Intelligence Unit, eigene Berechnungen
Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
(in Prozent)
	 Jahr	 Leistungsbilanzsaldo	Direktinvestitionen	Währungsreserven
			 (netto)	 (ohne Gold)
	 2014	 –8,7	 3,1	 29,0
	 2015 	 –17,2	 10,9	 23,4
	 2016	 –14,9	 2,4	 36,3
	2017p	 –20,7	 10,8	 50,7
	 p = Prognose
	 Quellen: Economic Intelligence Unit, Internationaler Währungsfonds, eigene Berechnungen
Entwicklungen in der Außenwirtschaft
(in Mrd. USD)
Nummer 11 | November 2017
8 VR International
Ländersteckbrief
erwartet worden, nachdem die neue Re-
gierung den Wechselkurs des argentini-
schen Peso freigegeben hatte und dieser
danach stark abwertete. In Kombination
mit den Subventionskürzungen führte
dies zu einem Inflationsschub auf über
40 Prozent, mit den entsprechend nega-
tiven Auswirkungen auf den Konsum. Da
die inzwischen unabhängiger agierende
Zentralbank eine restriktive Geldpolitik
verfolgt und an ein klares Inflationsziel
gebunden ist, dürfte die Preissteigerung
2017 im Durchschnitt nur noch bei 26
Prozent und 2018 bei rund 15 Prozent
liegen. Das sollte die Reallöhne sowie
den Konsum antreiben und ein wesentli-
cher Faktor für das erwartete BIP-Wachs-
tum von 2,7 Prozent in diesem und 3,3
Prozent im nächsten Jahr sein. Die vor-
liegenden Daten für das erste Halbjahr
2017 zeigen positive Wachstumsraten in
fast allen Sektoren der Wirtschaft, sodass
der Aufschwung ein recht breites Fun-
dament erreicht zu haben scheint. Trotz
der ersten Maßnahmen zur Konsolidie-
rung des Haushalts ist das Budgetdefizit
mit etwa 6 Prozent des BIP in 2016/17
weiterhin hoch, da die von der frühe-
ren Regierung übernommenen hohen
Ausgabenverpflichtungen, zum Beispiel
für kostenlose Bildung und das Gesund-
heitswesen, nicht ohne Weiteres gekürzt
werden können. Weitere Maßnahmen
zur Reduzierung des Defizits dürften erst
nach den Kongresswahlen konkretisiert
werden. Die Staatsverschuldung ist im
Wahljahr 2015 von 41 auf 54 Prozent des
BIP stark angestiegen und seitdem stabil
geblieben. Der größte Teil der Verschul-
dung besteht gegenüber multilateralen
Instituten, der Sozialversicherung und
der Zentralbank, weshalb das Prolongati-
onsrisiko der Kredite eher gering ist. Die
Handelsbilanz schloss 2016 infolge des
Exportschubs im Agrarsektor mit einem
Überschuss von 0,8 Prozent des BIP. Auf-
grund der wirtschaftlichen Erholung und
des damit verbundenen Anstiegs der Im-
porte wird für 2017 aber wieder ein leich-
tes Defizit von 0,2 Prozent des BIP erwar-
tet. Weiterhin erhöhte Gewinntransfers
sowie Zinszahlungen ans Ausland verur-
sachen letztlich ein Leistungsbilanzdefi-
zit, das 2017 bei moderaten 3,3 Prozent
des BIP liegen dürfte. Die ausländischen
Direktinvestitionen sind 2016 stark auf
nur noch 0,4 Prozent des BIP gefallen,
aber unter der Annahme der weiteren
Verbesserung des Investitionsklimas wird
2017 mit einem erneuten Anstieg auf
1,7 Prozent des BIP gerechnet, sodass
knapp die Hälfte des Leistungsbilanzde-
fizits dadurch finanziert werden könnte.
Argentiniens Auslandsverschuldung ist
in den letzten 18 Monaten stark ange-
stiegen. Das ist auf die hohe Emissions-
tätigkeit des Staates zurückzuführen, die
im April 2016 mit der bis dahin größten
Anleihe eines Schwellenlandes mit 16,5
Milliarden USD ihren Anfang nahm. Circa
9 Milliarden USD davon wurden genutzt,
um die Altgläubiger zu befriedigen. Trotz
Argentiniens langer Historie mit einer
schwachen Zahlungsmoral stieß im Juni
2017 sogar eine 100-jährige Staatsanlei-
he auf rege Nachfrage, was auf einen
großen Vertrauensvorschuss seitens der
Investoren hindeutet. In Relation zum
BIP hat die Auslandsverschuldung in-
zwischen rund 35 Prozent erreicht, was
aber als noch moderat bewertet werden
kann. Die positive Seite des Kapitalzuflus-
ses zeigt sich in dem hohen Zuwachs der
Währungsreserven, die sich seit 2015 ver-
doppelt haben und wieder für eine gute
Importdeckungsquote von sechs Mona-
ten sorgen. Diese Entwicklung wurde
durch liberale und marktwirtschaftliche
Reformen ermöglicht, die im Gegensatz
zur protektionistischen Wirtschaftspolitik
der früheren Regierung stehen. Seit dem
Abschluss der neuen Schuldenregelung
mit öffentlichen Gläubigern im Jahr 2014
bedient Argentinien auch pünktlich die
festgelegten Mindesttilgungen an den
sogenannten Pariser Club.
Beziehungen zu Deutschland
und zur EU
Die diplomatischen Beziehungen zwischen
Argentinien und Deutschland haben sich
infolge der argentinischen Wiedereinglie-
derung in die westliche Staatengemein-
schaft spürbar verbessert. Kanzlerin Ange-
la Merkel besuchte den neuen Präsidenten
Mauricio Macri im Juni 2017, wobei beide
den großen Wert des Freihandels beton-
ten. Zuvor war Macri bereits im Juli 2016
zu Gesprächen in Berlin anwesend.
Der bilaterale Warenhandel lag zwi-
schen 2014 und 2016 recht stabil bei
etwa 4 Milliarden EUR pro Jahr, was aber
nur knapp 20 Prozent des deutschen Wa-
renaustauschs mit Brasilien entspricht.
Die gesamten Exporte Argentiniens be-
trugen zuletzt etwa 50 Milliarden EUR
jährlich. Die drei wichtigsten deutschen
Ausfuhrgüter nach Argentinien sind
Maschinen mit 28,5 Prozent, chemische
Erzeugnisse mit 24,3 Prozent sowie Kfz
und -Teile mit 14 Prozent. Deutschland
stellt insgesamt das viertwichtigste Ur-
Botschaft der Bundesrepublik
Deutschland
Embajada de la República Federal
de Alemania
Calle Villanueva 1055
C1426 BMC Buenos Aires
Argentinien
004 1147782500		
info@buenos-aires.diplo.de	
www.buenos-aires.diplo.de
Botschaft der Republik Argentinien
Kleiststraße 23–26
10787 Berlin
030 2266890
ealem@mrecic.gov.ar
http://ealem.mrecic.gov.ar
Deutsch-Argentinische
Industrie- und Handelskammer
Av. Corrientes 327, 23. Stock
C1043AAD Buenos Aires
Argentinien
0054 1152194000
ahkargentina@ahkargentina.com.ar
www.ahkargentina.com.ar
Nützliche Adressen
	 Jahr	 Deutsche Ausfuhr	 Deutsche Einfuhr	 Saldo
	 2014	 2.453	 1.595	 858
	 2015 	 2.649	 1.526	 1.123
	2016	 2.586	 1.501	 1.085
	 2017 (1. Hj.)	 1.476	 648	 828
	 Quellen: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Außenhandel, Fachserie 7
Außenhandel der Bundesrepublik Deutschland mit Argentinien
(in Mio. EUR)
Nummer 11 | November 2017
VR International 9
Ländersteckbrief
sprungsland für Importe dar. In der ent-
gegengesetzten Richtung werden über-
wiegend Nahrungsmittel und Rohstoffe
verschifft. Hinsichtlich der ausländischen
Direktinvestitionen nimmt die EU eine
führende Rolle ein und Deutschland liegt
dabei hinter Spanien und den Niederlan-
den auf Rang drei. Rund 200 deutsche
Firmen sind in Argentinien tätig. Aktuell
steht infolge der mangelhaften Energie-
infrastruktur vor allem der Ausbau der
Stromerzeugungskapazität im Fokus.
Während mit China ein Absichtsabkom-
men zum Bau von zwei neuen Kern-
kraftwerken unterzeichnet wurde, be-
absichtigt die Regierung aber auch die
Ausweitung des Anteils erneuerbarer
Energien bis 2025 von 2 auf 20 Prozent.
Durch das Programm RenovAr trafen be-
reits zwei Auktionen im Vorjahr auf ho-
hes Interesse. Bis Ende 2017 sollen noch
weitere große Bauprojekte im Bereich
Wind- und Solarenergie öffentlich ausge-
schrieben werden.
Aussichten
Die politische Lage in Argentinien ist mä-
ßig stabil und aufgrund der großen Po-
larisierung in der Gesellschaft sowie der
fehlenden eigenen Mehrheiten in Parla-
ment und Senat sind nur allmählich wei-
tere Reformschritte der zunächst erfolg-
reich gestarteten Regierung von Mauricio
Macri zu erwarten. Ein Anlass zur Sorge
für Investoren könnte der Einzug seiner
Amtsvorgängerin Cristina Fernández de
Kirchner in den Senat nach den Kon-
gresswahlen am 22. Oktober 2017 sein.
In wirtschaftlicher Hinsicht sind die Aus-
sichten seit der Überwindung der Anpas-
sungsrezession im Vorjahr wieder als gut
zu bewerten. Insbesondere die rasche
Wiedereingliederung in die internatio-
nale Gemeinschaft und die erfolgreiche
Bekämpfung der Inflation bilden positive
Aspekte in der Betrachtung der jüngeren
Vergangenheit Argentiniens. Weiterhin
bestehende Unsicherheiten bezüglich
der langfristigen Perspektive Argentini-
ens sind den insgesamt fünf staatlichen
Zahlungsausfällen während der letzten
100 Jahre geschuldet. Sofern die Unab-
hängigkeit der staatlichen Institutionen
aber weiter gefestigt wird und die po-
litischen Rahmenbedingungen sich über
mehr als eine Legislaturperiode hinweg
stabilisieren, dürften ausländische Investi-
tionen weiter steigen.
Mario Schmidt
DZ BANK AG
Bevölkerung:
43,4 Millionen
Hauptstadt:
Buenos Aires
Korrespondenzsprachen:
Spanisch, Englisch
Wichtige Feiertage:
Tag des Gedenkens an die Wahrheit
und die Gerechtigkeit: 24. März
Tag der Flagge: 20. Juni
Tag der nationalen Souveränität:
28. November
Zollflughäfen:
Bahia Blanca, Buenos Aires, Cordoba,
Mar del Plata, San Juan (Auswahl)
Zolltarif:
Harmonisiertes System
Einfuhrlizenzen:
Die Regierung hat mittels Verordnung Nr.
3823 der Steuerbehörde AFIP ein verein-
fachtes Importverfahren beschlossen, wel-
ches die bisher erforderliche „vorherige
eidesstattliche Import-Erklärung“ (Decla-
racion Jurada Anticipada de Importacion –
DJAI) durch ein „integriertes Import-Über-
wachungssystem (Systema Integral de
Monitorio de Importaciones – SIMI) er-
setzt. Die bereits genehmigten DJAI be-
halten ihre Gültigkeit. Der Importeur muss
auf der Internetseite der AFIP die Import-
lizenz im SIMI-System beantragen. Für di-
verse Zolltarifpositionen werden Einfuhrli-
zenzen nicht automatisch erteilt. Eine Liste
der betroffenen Produkte befindet sich in
den entsprechenden veröffentlichten Re-
solutionen.
Zahlungsbedingungen und Angebote:
Devisenbeschränkungen bestehen nicht.
Bei Akkreditiv- und Inkassogeschäften
sollten mind. 180 Tage als Zahlungsziel
vereinbart werden. Empfehlenswert sind
Zahlungen nur gegen ein bestätigtes Ak-
kreditiv. Angebote in Spanisch oder Eng-
lisch.
Maße und Gewichte:
Metrisches System
Währungseinheit:
1 Argentischer Peso = 100 Centavos,
Code: ARS
Euler Hermes Länder-Klassifizierung:
6
Auszug aus den „Importbestimmungen anderer
Länder“ 2014 sowie aus den „Konsulats- und
Mustervorschriften“ (42. Auflage, 2017/2018).
Eckdaten für den Export nach Argentinien
Maschinen	28,3
Transportausrüstung 	 16,1
Chemische Erzeugnisse	 15,8
Mineralische Erzeugnisse	 12,3
Quelle: Nationales Statistikamt
Hauptimportgüter Argentiniens 2015
(in Prozent der Gesamteinfuhr)
Mit den weltweit zweitgrößten Reserven an Schiefergas und den viertgrößten an Schie-
feröl verfügt Argentinien grundsätzlich über hohe Energiereserven, konnte mangels In-
vestitionen diese Bodenschätze aber bisher nicht heben.
Nummer 11 | November 2017
10 VR International
Interview des Monats
Sunlife: Vitamin-Brausetabletten
für Libyen und Südafrika
Nahrungsergänzungsmittel sind Produkte nur für reiche Industrieländer – Sunlife beweist das Gegenteil und verkauft in
70 Länder der Erde – auch nach Afrika. Über die Möglichkeiten und Schwierigkeiten sprach VR International mit Geschäfts-
führer Christof Kara.
VR International: Was vertreibt Sun-
life?
Christof Kara: Sunlife ist ein internatio-
nal agierendes mittelständisches Unter-
nehmen. Von Hövelhof aus produzieren
und vertreiben wir mit einem Team von
30 Mitarbeitern ein großes Sortiment
an Nahrungsergänzungsmitteln, Vita-
minprodukten, Mineralstoffprodukten,
freiverkäuflichen Arzneimitteln, Sport-
lernahrung, Wellness- und Diätmittel,
Kosmetik- und Pflegeprodukte für den
Marken- und Handelsmarkensektor der
Gesundheitsbranche. Seit Gründung der
SUNLIFE GmbH vor über 20 Jahren sind
wir stetig gewachsen. Diesen Wachs-
tumskurs werden wir auch in Zukunft
konsequent fortsetzen und wachsen
weiter.
VR International: Sie agieren weltweit
– in 70 Ländern? 
Christof Kara: Wir arbeiten daran, un-
sere Position als Komplettdienstleister
national und international auszubauen.
Durch unser breites Sortiment können
wir unsere Vertriebsstrategie individu-
ell auf die Kundenbedürfnisse sowie
Verkehrsfähigkeit vieler internationaler
Märkte ausrichten und anpassen. So ha-
ben unsere Kunden die Möglichkeit, ihr
Sortiment zu erweitern und können zeit-
nah auf die lokalen Nachfrageschwer-
punkte in den verschiedenen Regionen
der Welt eingehen.
In vielen Regionen setzen wir bei un-
seren Expansionsaktivitäten auf die Zu-
sammenarbeit mit lokalen Distributoren.
Mit deren Qualität steht und fällt oftmals
der Erfolg in einem Zielland. Daher inves-
tieren wir besonders viel Zeit, Kraft und
Geld in die Partnersuche.
VR International: Sind Sie auch in Afri-
ka unterwegs?
Christof Kara: Nachdem wir im Mittle-
ren Osten weitgehend flächendeckend
vertreten sind, richtet sich unser Augen-
merk auf Asien und Afrika. Aktuell rückt
Afrika in den Vordergrund: Von den
neun neuen Länderprojekten, an denen
wir arbeiten, liegt mehr als die Hälfte in
Afrika.
Sechs der zehn am schnellsten wach-
senden Volkswirtschaften befinden sich
auf dem afrikanischen Kontinent. Bereits
heute sind Produkte „made in Germa-
ny“ in Afrika sehr gefragt. Wir erwarten
daher ein starkes Wachstum in dieser
Region, dass in der Zukunft deutlich an
Dynamik zulegen wird. Man wird als
deutscher Unternehmer wohlwollend
empfangen – wir sind willkommen und
das sollten wir nutzen.
Allerdings sind wir uns auch der He-
rausforderungen bewusst, die Afrika
als Absatzmarkt mit sich bringt. Zu den
größten Marktzugangsbeschränkungen
zählen die Registrierungsverfahren. Nicht
selten dauert der Registrierungsprozess
ein Jahr und länger, bis er abgeschlossen
ist und wir die Ware exportieren dürfen.
Mut macht uns dabei der Erfolg, den wir
in einzelnen afrikanischen Ländern be-
reits erzielt haben: zwar regional, aber
nicht auf eine Region reduziert. So sind
wir bereits sehr erfolgreich in Ländern
wie Ghana, Südafrika und Libyen.
Besonders in Südafrika verzeich-
nen wir mit unserer Marke eine hohe
Marktakzeptanz. Unsere Partner ma-
chen hervorragendes Marketing und
haben bereits viele namhafte Sportler
und andere Persönlichkeiten als Mar-
kenbotschafter für die Marke „SUNLIFE“
gewonnen. Wir erweitern stetig unser
Angebot für dieses Land – was neben
Brausetabletten inzwischen auch Flüs-
sigprodukte, also Liquids, und Sticks zur
Direkteinnahme umfasst.
Den Grund dafür sehen wir in der
wirtschaftlichen Stärke des Landes und
der modernen Gesellschaft – besonders
in den großen Städten. Auch regulato-
risch stellt das Land keine übergroßen
Hürden an unsere Produkte, sodass wir
schnell mit innovativen Produkten auf
die Entwicklung der Gesellschaft und des
Marktes reagieren können.
VR International: Ist Libyen wirklich
ein Absatzmarkt für Sie?
Christof Kara: Das Geschäft gestaltet
sich ganz anders dort. Hier war die Ge-
schäftspartnersuche schon schwierig, die
Registrierung noch schwieriger und lei-
der bleibt auch die regelmäßige Abwick-
lung anspruchsvoll.
Hinzu kommt, dass der Export immer
mit Akkreditiven verbunden ist, die sehr
komplexe Anforderungen stellen und
mit viel Zeitaufwand verbunden sind. Da
ist es gut eine Bank im Hintergrund zu
haben, die uns berät und unterstützt.
Aktuell wickeln wir wieder eine grö-
ßere Bestellung über ein Akkreditiv ab.
Ist die Ware erst einmal im Land, helfen
uns die Marktzugangsbeschränkungen,
in dem sie die Konkurrenzsituation ein-
dämmen. Wir können dann die Ware vor
Ort über mehrere Monate erfolgreich
sukzessive abverkaufen.
VR International: Vielen Dank für das
Gespräch!
Interview mit …
Christof Kara
Geschäftsführer
SUNLIFE®
Produk-
tions- und Vertriebs-
gesellschaft mbH
Schierbusch 3
33161 Hövelhof
05257 9794-94
ck@sunlife-online.de
www.sunlife-vitamine.de
Nummer 11 | November 2017
VR International 11
Von Praktikern für Praktiker
Keine eindimensionale Lösung
Lutz Hartmann ist Anwalt in Frankfurt und baut mit FruitBox Africa seit zwei Jahren eine
Farm für frisches Obst und Gemüse in Äthiopien auf, ausschließlich mit privaten Mitteln
finanziert. Er engagiert sich außerdem seit vielen Jahren im Vorstand des Afrika-Vereins
der deutschen Wirtschaft.
Verfolgt man die Diskussionen über Ent-
wicklungspolitik, bekommt man regel-
mäßig den Eindruck, es würden die im-
mer gleichen Thesen der Öffentlichkeit
präsentiert. Sei es, dass Afrika nur dann
größere Schritte nach vorne machen
könne, wenn viele Mikrokredite angebo-
ten würden. Oder dass zunächst einmal
die Staaten Afrikas auf dem Weg zur
Good Governance unterstützt werden
müssten. Oder aber, dass Fortschritt nur
über die Förderung der Kleinbauern er-
reicht werden könne. Vieles davon wur-
de nun schon versucht. Doch viele teilen
meinen Eindruck, dass wir damit in Afrika
noch nicht sehr weit gekommen sind.
Gesamtwirtschaftlicher Ansatz nötig
Die Privatwirtschaft wurde in Deutsch-
land wohl erstmals intensiv von dem frü-
heren Entwicklungsminister Dirk Niebel
mit Entwicklungszusammenarbeit in Ver-
bindung gebracht. Minister Gerd Müller
ist mit seinem „Marshall-Plan“ mit Afrika
weiter gegangen, in dem die privatwirt-
schaftliche Entwicklung in den Vorder-
grund gestellt wird. Auch die Papiere des
Finanz- und des Wirtschaftsministeriums
fordern dies. Vor Ort und bei der Privat-
wirtschaft selbst ist das noch nicht ange-
kommen.
Dabei sollte doch gerade uns Deut-
schen die Einbindung der Privatwirt-
schaft besonders einleuchten. Auf Dauer
kann nur ein Netz lokaler Wirtschaftsak-
teure, von kleinen, mittleren und großen
Betrieben eine nachhaltige wirtschaftli-
che Entwicklung gewährleisten. Darauf
beruht auch der wirtschaftliche Erfolg
Deutschlands. Wie sollen denn all die
geförderten Kleinbauern ihre Waren zu
den Märkten bringen, die teilweise vie-
le Stunden vom Feld entfernt sind? Und
deren Produktion viel zu klein ist, um
einen rentablen Transport zu tragen?
Wäre hier vielleicht eine größere Farm,
die auf lokaler Ebene als Sammelstelle
dient, eine Lösung? Doch es sind auch
nicht alle Afrikaner Unternehmer, die
mit Mikrokrediten entscheidende wirt-
schaftliche Impulse setzen können. Viele
Afrikaner suchen und benötigen ganz
einfach einen Job.
Die Entwicklungszusammenarbeit
muss endlich einen gesamtheitlichen
Ansatz finden, der die Privatwirtschaft
aktiv in die Entwicklungsprozesse einbin-
det: der ihr Brücken baut, ihr zur Seite
steht und jene Probleme gemeinsam mit
ihr adressiert, welche Mittelständler in
einer fremden Umgebung, mit zusätz-
licher Komplexität, nur mit immensem
Aufwand lösen können. Ziel muss es sein,
dass sich Wirtschaftsunternehmen auf
ihre Geschäftstätigkeit und die Schaf-
fung von Arbeit konzentrieren können,
und die Organe der Entwicklungszusam-
menarbeit ein Umfeld schaffen, in dem
dies erleichtert und unterstützt wird. Das
kann auch mit finanziellen Mitteln ge-
schehen, dort, wo Investitionen sich erst
nach vielen Jahren rechnen. Der Fokus
sollte jedoch auf Unterstützung und Zu-
sammenarbeit liegen. Derzeit laufen die
Projekte oft aneinander vorbei.
Ein konkretes Beispiel dazu: Seit drei
Jahren beschäftigen wir uns – eine Grup-
pe von fünf Unternehmern aus Deutsch-
land – mit dem Aufbau einer Farm in
Äthiopien. Das Ziel war kein Sozialpro-
jekt, sondern ein auf Dauer angelegtes,
profitables Investment. Inzwischen ha-
ben wir über 200 Tonnen Gemüse pro-
duziert und lokal verkauft. Wir beschäf-
tigen zudem rund 100 Personen in einer
Region ohne jegliche Wirtschaftsstruktur.
Durch diese Farm sind weitere Arbeits-
plätze entstanden: ob beim örtlichen
Schreiner, der uns die Möbel baut, oder
beim örtlichen Schmied, der die Eisenar-
beiten anfertigt. Zudem haben acht Da-
men ein Café neben unserer Farm eröff-
net, welches die Arbeiter gerne für die
Mittagspause nutzen.
Koordiniertes Vorgehen fehlt
Wir würden gerne mit Kleinbauern der
Region zusammenarbeiten. Uns fehlt
aber die Kompetenz und die Zeit, um ein
entsprechendes Programm aufzubauen.
Wir würden in der Region auch gerne
eine strukturierte Ausbildung anbieten
und nicht nur die Fortbildung für unsere
Mitarbeiter. Auch hier fehlen Kompetenz
und die Zeit. In diesem Bereich hat die
Gesellschaft für Internationale Zusam-
menarbeit (GIZ), die die meisten deut-
schen Entwicklungsgelder verwaltet,
umfangreiche Erfahrung. Gerne würden
Nummer 11 | November 2017
12 VR International
Von Praktikern für Praktiker
IMPRESSUM
Herausgeber: 	 DZ BANK AG, Deutscher Genossenschafts-Verlag eG
Verantwortliche Redakteurin:	 Dr. Sabine Theadora Ruh, freie Wirtschaftsjournalistin,
	 Allendorfer Straße 47, 60433 Frankfurt
Objektleitung: 	 Andreas Köller, DG VERLAG, E-Mail: akoeller@dgverlag.de
Verlag:	 Deutscher Genossenschafts-Verlag eG
	 Vertreten durch den Vorstand:
	 Peter Erlebach (Vorsitzender), Franz-J. Köllner und Mark Wülfinghoff,
	 Leipziger Str. 35, 65191 Wiesbaden
Druck und Versand: 	 Görres-Druckerei und Verlag GmbH, Niederbieberer Str. 124, 56567 Neuwied
Bildnachweis: 	 AHK Südliches Afrika, DZ BANK, Sunlife, FruitBOX Africa, Fotolia.com	
Nachdruck – auch auszugsweise – nur­mit ­Genehmigung des Deutschen Genossenschafts-Verlages eG zulässig.
ISSN 2195-206X
VR International erscheint monatlich und ist bei Volksbanken und Raiffeisenbanken erhältlich.
Das Manuskript für diese Ausgabe wurde Mitte Oktober 2017 abgeschlossen.
Für die Richtigkeit und Vollständigkeit keine Gewähr.
wir hier kooperieren. Aktuell wäre dies
nur möglich, wenn wir ein sogenanntes
develoPPP.de-Programm strukturieren,
in Deutschland einreichen und mehre-
re Monate auf die Bearbeitung warten
würden. Nur um dann erneut durch eine
große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
geprüft zu werden, wofür wir auch noch
aufkommen müssten. In der Zeit könn-
ten wir das Projekt vor Ort auch selbst
strukturieren. Zumal die Förderung oh-
nehin auf 200.000 EUR limitiert ist.
Autor
Lutz Hartmann
FruitBox Africa
Neue Mainzer Str. 26
60311 Frankfurt
0 69 9710 97 100
www.fruitboxafrica.com
Ich plädiere nicht in erster Linie für
eine finanzielle Unterstützung, auch
wenn das ohne Frage auch helfen würde,
sondern für ein Miteinander, ein koordi-
niertes Vorgehen, welches sich an den
Bedürfnissen der Wirtschaft ausrichtet.
Und nicht an denen der Entwicklungs-
zusammenarbeit. Nicht das Wirtschafts-
unternehmen sollte der GIZ oder dem
Ministerium nachlaufen, sondern diese
sollten aktiv den Kontakt zur Privatwirt-
schaft suchen. Mit eindimensionalen Lö-
sungen wird Afrika nicht geholfen.

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VR international Africa

  • 1. VR International 1 VR International Nummer 11 | November 2017 Ländersteckbrief Argentinien | Seite 6 Sunlife: Vitamin-Brausetabletten für Libyen und Südafrika | Seite 10 Keine eindimensionale Lösung | Seite 11 Afrika – ein Riese erwacht Medikamente werden mit Drohnen in ein afrikanisches Dorf gebracht. Geldüberweisun- gen in abgelegene Dörfer funktionieren per Handy und über das digitale Bezahlungs- system M-Pesa. Dies sind zwei Beispiele für das boomende Afrika. Die Aussage „Afrika boomt“ mag eini- ge Leser überraschen, weil viele Unter- nehmer unseren südlichen Nachbarn Afrika nur aus Schlagzeilen über die vier Ks – Katastrophen, Krankheiten, Kriege und Korruption – wahrnehmen und das gepaart mit fehlender Rechtsstaat- lichkeit und schlechter Regierungs- führung. Ja – diese Probleme gibt es. Wahr ist aber auch, dass sich auf dem Kontinent Afrika zunehmend Chancen für Wohlstand und Entwicklung bieten. Die Chancen dieses Paradigmenwech- sels sollten von deutschen Unterneh- men wahrgenommen und genutzt werden. Subsahara-Afrika mit 49 Staaten und knapp einer Milliarde Einwohnern ist kei- ne homogene Einheit. Seine Wachstums- motoren sind nicht mehr nur die Staaten Südafrika und Nigeria. Eine Gruppe von zehn „shooting stars“ – Äthiopien, Bur- kina Faso, Côte d‘Ivoire, Ghana, Kenia, Mosambik, Ruanda, Senegal, Tansania und Uganda – bilden Zukunftsmärkte. Sie werden nach Angaben des Internati- onalen Währungsfonds IWF bis 2020 ein durchschnittliches Wachstum von über 6 Prozent erreichen. Diese Zahl liegt über dem weltweiten Durchschnitt. Boom – auch durch Internet Nach Boomjahren in der Rohstoff- förderung weitet sich der wirtschaftliche Aufschwung verschiedener afrikanischer Staaten auf die Bereiche Infrastruktur und Dienstleistungen aus. Und die Digi- talisierung führt zu Umbrüchen enormen Ausmaßes. Internet und Mobilfunk sind die wichtigsten Treiber des Wachstums im Dienstleistungsbereich. 995 Millionen Afrikaner – das sind 81 Prozent der Be- völkerung – hatten 2016 ein Handy oder Smartphone. 226 Millionen Menschen davon nutzten dieses auch als mobiles Bankkonto. Anstelle des langwierigen und flächendeckenden Aufbaus von Bankfilialen und Festnetzanschlüssen wurde ein Mobilfunknetz mit mobilem Zahlungsverkehr initiiert, und das Han- Sunlife: Vitamin-Brausetabletten für Libyen und Südafrika | Seite 10 Schwerpunkt: Afrika
  • 2. Nummer 11 | November 2017 2 VR International Im Fokus dy wurde zum Zahlungsmittel Nummer eins. Wir beobachten auch, dass die Urba- nisierung mit enormem Tempo in Afrika voranschreitet. Schon heute zählt der af- rikanische Kontinent – ebenso wie Euro- pa – 52 Städte mit mehr als einer Million Einwohnern. Im Jahr 2050 wird Afrika voraussichtlich circa 2 Milliarden Men- schen zählen. Erwartet wird, dass dann zwei Drittel der Einwohner in Städten leben. Heute sind es etwa 350 Millionen – das ist ein Drittel der Bevölkerung. Bis 2020 wird mehr als die Hälfte der afrika- nischen Haushalte über ein Einkommen verfügen, das höher ist als die Ausgaben für Grundbedürfnisse. Diese neue Mit- telschicht ist konsumhungrig und lässt neue Absatzmärkte für die Konsumgü- terindustrie, das Gesundheitswesen und Bildung entstehen. Interessanterweise liegt das Durchschnittsalter auf dem af- rikanischen Kontinent bei 17 Jahren – in Deutschland sind es 46 Jahre. Die Folgen eines demografischen Wandels sind kein Thema in diesen jungen, dynamischen Gesellschaften. Afrika benötigt Investitionen in der Stromversorgung und in der Verkehrsin- frastruktur. Das schlechte und unterent- wickelte Straßen- und Eisenbahnnetz er- klärt zum Teil, warum der intraregionale Handel in Afrika nur knapp 18 Prozent beträgt. Für Europa oder Asien liegt der Vergleichswert bei 68,5 und 52,3 Prozent. Ein zweiter wichtiger Grund ist die weit- gehend fehlende Industrieproduktion in Afrika. Hier besteht Handlungsbedarf. Deutsche Wirtschaft zurückhaltend In den letzten Jahren haben immer mehr Unternehmen aus Schwellenländern den afrikanischen Kontinent entdeckt – allen voran die VR China, Indien, Brasilien und die Türkei. Seit 2010 ist ein erheblich ver- bessertes Geschäftsklima in Afrika fest- zustellen. Der „Doing Business Index“ der Weltbank bescheinigt acht afrikanischen Ländern eine stetige und 27 Ländern eine tendenzielle Verbesserung. Das Engagement der deutschen Wirt- schaft auf dem Kontinent Afrika ist aus- baufähig. Nur etwa 2 Prozent des deut- schen Außenhandels entfallen auf Afrika. Im Jahr 2016 standen deutschen Exporten in Höhe von 24,5 Milliarden EUR Einfuh- ren von 16,6 Milliarden EUR gegenüber. Maschinen, Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile, Elektronik und chemische Erzeugnisse bil- deten die deutschen Hauptausfuhrgüter. Rohstoffe, landwirtschaftliche Erzeugnis- se und andere unverarbeitete Produkte waren deutsche Haupteinfuhrgüter. Weit voran ist die Republik Südafrika wich- tigster deutscher Handelspartner, dessen Wirtschaftsstruktur am diversifiziertesten ist. Eine Vielzahl deutscher Unternehmen nutzt das Land am Kap auch als Gateway für Geschäfte mit Subsahara-Afrika. Internet und Mobilfunk sind die relevanten Treiber für den wirtschaftlichen Aufschwung. Afrika will nicht nur mit den vier Ks wahrgenommen werden! Der Kontinent bietet Chancen für Wohlstand und Entwicklung!
  • 3. Nummer 11 | November 2017 VR International 3 Im Fokus Das Singapore Economic Development Board (EDB), eine staatliche Behörde des Ministeriums für Handel und Industrie, ist verantwortlich für Strategien, die die Position von Singapur als globales Zent- rum für Wirtschaft, Innovation und Talent verbessern. Als vorausschauender und rechtssicherer Stadtstaat hat sich Singa- pur bereits in der Vergangenheit profi- lieren können und arbeitet mithilfe der EDB auch heute noch fortlaufend an der Weiterentwicklung und Zielbilddefinition der Stadt der Zukunft #SmartCity. Durch das Bereitstellen von Informationen, die Verbindung zu Partnern und den Zugang zu staatlichen Anreizen fördert das EDB gezielt die Direktinvestitionen, sowohl lokaler als auch internationaler Unter- nehmen. Ausgewählte Industrien, wie Luft- & Raumfahrttechnik, erneuerbare Energien, Gesundheitswesen, Chemie, Biotechnologie oder 3-D-Drucktechnik, um nur einige zu nennen, wurden als wichtige Stützen für die Zukunftsfähig- keit Singapurs definiert und erfahren be- sondere Förderung. Um kontinuierlich fortschrittliche Entwicklungen voranzutreiben, verfügt Singapur darüber hinaus über ein her- vorragendes Start-up-Ökosystem und stellt über die National Research Founda- tion unter dem Programm RIE2020 Plan, Research, Innovation and Enterprise 2020 Plan – Winning the Future through Science and Technology, ein beachtliches Forschungs- und Entwicklungsbudget in Höhe von rund 12 Milliarden EUR von 2016 bis 2020 zur Verfügung. Dieses soll unter anderem zu 21 Prozent für Health & Biomedical Science und zu 17 Prozent im Bereich Advanced Manufactoring and Engineering genutzt werden. Partnering Singapore to Drive Growth News inside: DZ BANK German Desk Singapur Wirtschaftspartner und Zukunftsmarkt Etwa 2.500 deutsche Unternehmen – von 3,4 Millionen insgesamt – sind im Afrikageschäft aktiv. Davon haben 800 deutsche Unternehmen eigene Nieder- lassungen vor Ort und beschäftigen etwa 200.000 Mitarbeiter. Ulrich Grillo, Vorsit- zender des Vorstands der Grillo-Werke AG und Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), erklärte kürzlich auf einer Veranstaltung der Fried- rich-Naumann-Stiftung in Bonn: „Es ist an der Zeit, Afrika als vielversprechenden Wirtschaftspartner und Zukunftsmarkt statt als Empfänger von Entwicklungshilfe wahrzunehmen. Seit vielen Jahrzehnten sind deutsche Unternehmen in Entwick- lungs- und Schwellenländern präsent. Die Bereitschaft, diesen Erfahrungsschatz in Kooperation mit der Entwicklungszusam- menarbeit einzubringen, ist groß. Ohne das Engagement der Wirtschaft kann die Entwicklungspolitik ihr Ziel eines nachhal- tigen wirtschaftlichen Wachstums nicht verwirklichen. Wirtschaft ist der Motor Für unsere Kunden verstehen wir das Leistungsspektrum des EDB daher als wichtigen Baustein und zählen das EDB zu einem unserer elementaren Koopera- tionspartner in Singapur. Gerne stehen wir für die Vermittlung oder weitere Fragen auch persönlich zur Verfügung. einer nachhaltigen Entwicklung.“ Wichtig ist, dass die afrikanischen Wirtschaftspart- ner als Partner und auf gleicher Augenhö- he wahrgenommen und behandelt wer- den wollen. Die Beachtung dieser Maxime ist wesentlich für den wirtschaftlichen Er- folg in Afrika. Das Engagement deutscher Unter- nehmen in Subsahara-Afrika kann be- gleitet und unterstützt werden durch Selbsthilfeeinrichtungen der deutschen Wirtschaft vor Ort. Das sind die Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika mit Sitz in Johannesburg und Regionalbüros in Durban, Kapstadt, Lusaka, Maputo und Frankfurt sowie die Delegiertenbüros der Deutschen Wirt- schaft in den Ländern Angola, Ghana, Kenia und Nigeria. Erfahrene deutsch- sprachige Mitarbeiter beraten und un- terstützen beim Markteinstieg. Eine ganze Reihe von afrikanischen Staaten hat sich aufgrund verbesserter Regierungsführung und wettbewerbs- fähiger Strukturen seit einigen Jahren wirtschaftlich sehr dynamisch entwickelt. Deutsches Know-how und hohe Stan- Autor Sebastian Moser DZ BANK AG German Desk Singapore 50 Raffles Place 43–01 Singapore Land Tower Singapore 048623 0065 64383764 sebastian.moser@dzbank.de dards werden auf dem Chancen- und Wachstumskontinent sehr geschätzt. Das sollte genutzt werden: von deutschen Unternehmen für die Menschen in Afri- ka. Adressen der Delegiertenbüros siehe www.ahk.de/ahk-standorte. Autor Walter Engelmann Berater Deutsche Industrie- und Handelskammer für das Südliche Afri- ka, Büro Frankfurt Southern African – German Chamber of Commerce and Industry NPC P.O. Box 87078, Houghton 2041 47, Oxford Road, Forest Town, 2193 Johannesburg, South Africa 06198 7588 frankfurt@germanchamber.co.za www.germanchamber.co.za www.portalafrika.de/
  • 4. Nummer 11 | November 2017 4 VR International Märkte & Chancen German Desk in Afrika: von DEG, I&M Bank und AHK Kenia Die DEG hat mit ihrem lokalen Partner I&M Bank in Kenia und der örtlichen De- legation der deutschen Wirtschaft (AHK) vereinbart, den ersten German Desk – Financial Support and Solutions auf dem afrikanischen Kontinent zu eröffnen, um insbesondere dem deutschen Mittel- stand aktive Serviceleistungen im Finan- zierungsbereich und Finanzierungslösun- gen für seine Geschäftsbeziehungen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu bieten. Kenia ist die größte Volkswirt- schaft Ostafrikas. Für die kommenden Jahre prognostiziert die Weltbank ein Wachstum zwischen 5 und 6 Prozent. Der Markt bietet Potenzial, auch für deutsche Mittelständler. Denn ihr Know-how und ihre Produkte sind dort besonders gefragt. Das Engagement deutscher Unternehmen trägt zudem dazu bei, die Privatwirtschaft in Afrika zu stärken und somit Arbeitsplätze und Perspektiven für die Bevölkerung vor Ort zu schaffen. Ostafrika: Infrastruktur ist das große Thema Fast alle Staaten Ostafrikas entwickeln ambitionierte Infrastrukturpläne, mit denen sie ihre Volkswirtschaften zu- kunftsfähig und ihre Länder in neue ökonomische Ligen pushen wollen. Der Nachholbedarf ist gewaltig. Gro- ße Pläne sind allerdings das eine, die Finanzierungsfrage das andere. Als der große Heilsbringer wird die VR China gefeiert, die sich bislang das Gros der Projekte sichern konnte. Eine diesbe- zügliche Trendwende ist aber immerhin vorstellbar. Der für die Zukunft Ostafrikas wich- tigste Infrastrukturbereich ist die Strom- versorgung, ohne die eine Industriali- sierung und erhöhter Wohlstand nicht gelingen kann. In der Praxis kommt es weniger darauf an, was Regierungen pla- nen, sondern darauf, was Investoren und die internationale Gebergemeinschaft bereit sind zu finanzieren. Und hier geht der Trend seit einiger Zeit in Richtung Geothermie, Windkraft und Off-Grid- Lösungen. Damit sinkt der Einfluss von staatlichen Versorgern zugunsten von privaten – aus deutscher Sicht eine gute, wenngleich noch viel zu langsame Ent- wicklung. Prestigeträchtiger als jedes Kraftwerk sind derweil neue Eisenbahnen: Äthiopi- en und Kenia haben neue Normalspur- eisenbahnen in Betrieb nehmen können. Finanziert, gebaut und betrieben wer- den die Bahnen von chinesischen Firmen. Schon bald sollen weitere Strecken- abschnitte folgen. Alles entsteht in Re- kordzeit, selbst die Streckenführung durch einen kenianischen Tierpark ist kein Problem, Genehmigungen und Ver- träge werden mitunter auch nachge- reicht. Dabei generieren die Bahnen im besten Fall gute Einnahmen in den loka- len Währungen, die Schulden aber müs- sen in USD bedient werden. In Äthiopien ist schon jetzt der Devisenmarkt leerge- fegt, während Kenia bislang seine Devi- senschulden mit immer höheren auslän- dischen Kreditaufnahmen bedient. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hat nachgerechnet, wer die vie- len Projekte in Ostafrika tatsächlich baut. Das Ergebnis: 41,9 Prozent chinesische Firmen, 25,6 Prozent lokale Unterneh- men. Die USA, Japan, Südkorea und die Türkei bauen jeder etwa 4,7 Prozent. Die Staaten kommen bei der Finanzierung über einen Eigenanteil von 12 Prozent nicht hinaus. Quelle: gtai Weitere Informationen: vertrieb@gtai.de Weitere Informationen: I&M Bank Limited Eva Roesler Relationship Manager German Desk I&M Bank Tower | Kenyatta Avenue PO Box 30238 – 00100 Nairobi, Kenya 00254 732 100 191 eva.roesler@imbank.co.ke Vier neue Publikationen: Afrika im Blick Vier neue Afrika-Publikationen liefern Hintergrundinformationen und Kontakt- adressen zu Marktchancen und rechtli- chen Rahmenbedingungen ➔ Subsahara-Afrika – Zukunftsmärkte mit Herausforderungen ➔ Wirtschaftsführer Tunesien ➔ Neue Märkte – neue Chancen – Markt- führer zu Namibia und zu Kenia
  • 5. Nummer 11 | November 2017 VR International 5 MESSETIPPS The Big 5 Construct North Africa International Building & Construction Show In Casablanca, Marokko, findet vom 10. bis 12. April 2018 die The Big 5 Construct North Africa – International Building Construc- tion Show statt. Branchenschwerpunkte sind Bautechnik, Baustoffe, Baumaschinen, Innen- ausbau (Branche 09), Angebotsschwerpunkte sind Badezimmeraus- stattungen, Baubedarf, Bauberatung, Bauen, Baugeräte, Baustoffe, Bauwerkzeuge, Beton- steinindustrie, Brandschutz, Dachbau, Dämm- systeme, Elektro-Installationstechnik, Energie- erzeugung, Farben, Fenster, Gebäude-Automa- tion, Gebäudemanagement, Gebäudetechnik, Heizungstechnik, Isoliertechnik, Klimatechnik, Küchen, Landschaftsbau, Lüftungstechnik, Na- turstein, Sanitärtechnik, Sicherheitstechnik, Solartechnik, Tapeten, Treppen, Türen, Was- serinstallationstechnik und Wärmedämmung. Deutschen Unternehmen wird eine Firmenge- meinschaftsausstellung angeboten. Kontakt: Messe Marketing Michael Pittscheidt Alte Landstr. 29 53902 Bad Münstereifel 02253 932188 info@pittscheidt.de www.pittscheidt.de www.thebig5constructnorthafrica.com Agritech Expo Zambia Bei der Agritech Expo Zambia öffnen sich in Chisamba, Sambia, vom 12. bis 14. April 2018 die Tore. Branchenschwerpunkte sind Land- und Forstwirtschaft, Garten- und Land- schaftsbau, Erwerbsfischerei, Nutztierhaltung (Branche 49), Angebotsschwerpunkte sind Bewässerungsanlagen, Consulting, Dienst- leistungen, Erntemaschinen, Landtechnik, Landwirtschaft, Landwirtschaftsmaschinen, Pflanzen, Saatgut, Software, Tierhaltung, Tier- medizin, Tierzucht und Traktoren. Als deut- sche Beteiligung wird eine Firmengemein- schaftsausstellung angeboten. Kontakt: Spintelligent (PTY) Ltd PO Box 321 Steenberg, 7947 Südafrika 0027 21 700-3500 info@spintelligent.com www.spintelligent.com www.agritech-expo.com Kenia: „strategisch wichtiger Partner“ in Afrika Die politische Situation in Kenia ist auch für die deutsche Wirtschaft von Interesse. Nach Einschätzung des Deutschen Indus- trie- und Handelskammertages (DIHK) spielt das Land eine bedeutsame Rolle beim Zugang zu den Nachbarstaaten. Kenia ist für die deutsche Wirtschaft ein strategisch wichtiger Partner auf dem af- rikanischen Kontinent. Die im regionalen Vergleich gut ausgebaute Infrastruktur und der große Verbrauchermarkt mach- ten das Land für hiesige Unternehmen interessant. Zudem erschließen deutsche Betriebe von der Hauptstadt Nairobi aus auch zusehends die dynamisch wach- senden Märkte der Nachbarländer. Un- terstützung leistet dabei die Deutsche Auslandshandelskammer (AHK) Kenia. Das bilaterale Handelsvolumen 2016 be- zifferte DIHK-Präsident Schweitzer auf 504 Millionen EUR. Aktuell beschäftigten die 80 vor Ort engagierten deutschen Unternehmen fast 5.000 Mitarbeiter. Dabei kämpft die kenianische Wirtschaft stark mit der instabilen Sicherheitslage im Land. Zur Verbesserung der Wettbe- werbsfähigkeit des Landes sind außer- dem Investitionen in Bildung, die effizien- tere Gestaltung der Verwaltung und die Bekämpfung der Korruption unerlässlich. Nur so können notwendige Investitionen angeworben und das Potenzial des Lan- des genutzt werden. Quelle: Pressemeldungen Weitere Informationen: www.hannover.ihk.de ➞ International ➞ Subsahara-Afrika Deutsche Exporte: nur 2 Prozent nach Afrika – mit Nord-Süd-Gefälle Im Jahr 2016 wurden deutsche Waren im Wert von 24,5 Milliarden EUR nach Afrika exportiert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren das 2 Prozent der deutschen Gesamtexpor- te. Dem standen Importe von afrikani- schen Waren nach Deutschland im Wert von 16,6 Milliarden EUR gegenüber. Der Anteil Afrikas an den Importen betrug 1,7 Prozent. Damit ging die Bedeutung Afrikas für den deutschen Außenhandel gegenüber den 1990er-Jahren weiter zu- rück: Im Jahr 1990 hatte der Anteil der Datenbank für Subsahara Die Arbeitsgruppe Afrika der IHK Han- nover hat eine kostenlose Onlinedaten- bank für alle deutschen Unternehmen eingerichtet, die sich für den afrikani- schen Kontinent interessieren. Dort kön- nen Angebote und Gesuche für Projek- te in der Region Subsahara eingestellt werden. Dabei kann es ich um konkrete Produkte oder Dienstleistungen für lau- fende oder geplante Projekte handeln, aber auch Expertisen für Afrikaprojekte sind denkbar. Die Vernetzung der Unter- nehmen steht hier im Vordergrund. deutschen Exporte nach Afrika noch bei 2,4 und bei den Importen bei 2,9 Prozent gelegen. Regional dominierten 2016 die drei Maghreb-Staaten Algerien, Marokko und Tunesien sowie Ägypten, die zusam- men 45 Prozent der deutschen Waren- lieferungen nach Afrika auf sich verein- ten. In Subsahara-Afrika dominierte wie gewohnt Südafrika, das 36 Prozent der deutschen Afrikaexporte abnahm, mit großem Abstand gefolgt von Nigeria mit 3 Prozent. Quelle: Destatis
  • 6. Nummer 11 | November 2017 6 VR International Ländersteckbrief Argentinien Argentinien ist das zweitgrößte Land in Südamerika und besitzt bei einer Fläche von 2,8 Millionen km² eine Nord-Süd Ausdehnung von 3.700 km. An der west- lichen Grenze befinden sich die fast bis zu 7.000 m hohen Berge der Anden. Im Sü- den ist das Land durch die trockene Hoch- ebene Patagoniens geprägt, weiter im Norden liegt die Pampa, die große Korn- kammer des Landes, welche die Grund- lage für die umfangreichen Agrarexpor- te des Landes bildet. Das Wirtschaftszen- trum ist die Hauptstadt Buenos Aires, in der 3 Millionen der insgesamt 40 Millio- nen Argentinier leben. Politische Lage Seit dem Ende der Militärdiktatur im Jahr 1983 hat sich in Argentinien eine relativ stabile parlamentarische Demokratie ent- wickelt. In den Jahren der Präsidentschaf- ten von Nestor sowie seiner Frau Cristina Fernández de Kirchner, von 2003 bis 2015, von den Peronisten wurden jedoch die we- sentlichen Institutionen des Staates poli- tisch stark beeinflusst. Die Zentralbank half dabei, die großzügigen Sozialprogramme mit der Notenpresse zu finanzieren und die nationale Statistikbehörde verschlei- erte stets die damit verbundene hohe In- flation und veröffentlichte unvollständige oder unglaubwürdige Datenreihen. Darü- ber hinaus war Argentinien nicht zuletzt aufgrund des unkooperativen Verhaltens der Kirchners gegenüber dem IWF und Das recht hohe Pro-Kopf-Einkommen von 14.600 USD in Argentinien wird in der Region nur von Uruguay übertroffen. Banco de la Nacion Argentina 43,8 Banco de Galicia y Buenos Aires 14,3 Banco de la Provincia de Buenos Aires 13,7 Banco Santander Rio 12,6 Banco Macro 9,2 Quelle: Orbis Bank Focus Die fünf größten Geschäftsbanken (Bilanzsumme per 31.12.2016 in Mrd. EUR) 2017, bei der Teile des Senats und des Parlaments neu gewählt wurden, nahm erwartungsgemäß die Verschleppungs- taktik der Opposition zu. Für zunehmen- de Unsicherheit sorgt zudem die Rückkehr von Cristina Fernández de Kirchner auf die politische Bühne. Sie hat eine neue Partei gegründet und bewarb sich um einen Sitz im Senat für die Provinz Buenos Aires – nicht zuletzt, um wieder Immunität zu genießen und sich der laufenden Verfah- ren, unter anderem wegen Korruption, gegen sie zu entziehen. Obwohl bei den Vorwahlen im August die Kandidaten der Regierung gut abgeschnitten haben, sind die Aussichten auf eine zukünftige Mehr- heit im Parlament oder Senat gering. In Bezug auf die weitere Öffnung des Landes wird eher von Bedeutung sein, ob das Re- gierungsbündnis Sitze hinzugewinnt oder verliert. In der Bevölkerung ist die Populari- tät des Präsidenten zuletzt gesunken, weil sich dessen makroökonomische Reformen noch nicht hinreichend positiv auf die wirt- den Gläubigern der argenti- nischen Staatsschulden inter- national weitgehend isoliert. In der Bevölkerung herrscht seit Langem eine starke Pola- risierung zwischen den politi- schen Strömungen, und das Vertrauen in die staatlichen Institutionen ist gering. Die Justiz gilt auch heute noch als wenig unabhängig. Vor diesem Hintergrund wurde Ende 2015 der frühere Un- ternehmer Mauricio Macri als neuer Präsident gewählt. Er kündigte das Ende der erratischen Politik der Kirch- ner-Ära an und hat sofort nach der Amtseinführung mit der Wende in der Wirt- schaftspolitik begonnen. Dazu zählten die Freigabe des Wechselkurses, die Ver- ringerung von Exportsteuern, eine restrik- tive Fiskal- und Geldpolitik sowie Subven- tionsabbau. Die wichtigste Errungenschaft war aber die rasche Einigung im Konflikt mit einigen Privatgläubigern bezüglich der noch nicht umgeschuldeten Altschulden, die Argentinien nur fünf Monate nach seiner Amtseinführung die Rückkehr an den internationalen Kapitalmarkt ermög- lichte. Da sein konservativ-liberales Bünd- nis Cambiemos aber in keiner der beiden Kammern über die Mehrheit verfügt, ist Macri auf die Kooperation der moderaten Peronisten angewiesen, welche zuletzt überwiegend auch erfolgte. Im Vorfeld der Zwischenwahlen am 22. Oktober
  • 7. Nummer 11 | November 2017 VR International 7 Ländersteckbrief schaftlichen Verhältnisse ausgewirkt ha- ben. Die Leitlinien der neuen Außenpolitik sind die Stärkung des Handels innerhalb des Mercosur sowie die Intensivierung der Beziehungen zu den USA, der EU und den Staaten der Pazifikallianz. Wirtschaftsstruktur Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 634 Milliarden USD ist Argentinien die zweitgrößte Volkswirtschaft Süd- amerikas. Das recht hohe Pro-Kopf-Ein- kommen von 14.600 USD wird in der Region nur von Uruguay übertroffen und auf dem Human Development In- dex steht das Land auf Rang 40 von 188 vergleichsweise gut. Das ist zumindest teilweise historisch bedingt, denn zu Be- ginn des 20. Jahrhunderts galt Argentini- en noch als eine der reichsten Nationen der Welt. Der Agrarsektor ist ein wichti- ges Standbein der argentinischen Wirt- schaft und trägt 10–11 Prozent zum BIP bei. Rund 60 Prozent der Anbaufläche entfällt auf Soja, und das Land ist Welt- marktführer beim Export von Sojamehl und -öl. Der Abbau von Exportsteuern auf Agrarprodukte hat ein großes Po- tenzial in der Landwirtschaft freigesetzt, was sich spürbar positiv auf die Devi- seneinnahmen ausgewirkt hat. Von ho- her Bedeutung sind auch Getreidekultu- ren und die Erzeugung von Rindfleisch. Der Industrialisierungsgrad ist mit einem Anteil am BIP von 30 Prozent im Ver- gleich zu anderen Schwellenländern hoch und insbesondere die Nahrungsmittel- und Automobil-Branche sind stark vertre- ten. Die seit 2002 bestehenden Stromsub- ventionen führten zu verzerrten Preisen und geringer Investitionsbereitschaft im Energiesektor, was wiederum Engpässe in der Stromversorgung verursachte. In- zwischen wurde mit der Reduzierung der Stromsubventionen begonnen, die 2016 bereits 72 Prozent der gesamten Staats- subventionen repräsentierten. Die künst- lich stark verbilligten Preise sorgten auch dafür, dass der Stromverbrauch unver- hältnismäßig hoch war. Mit den weltweit zweitgrößten Reserven an Schiefergas und den viertgrößten an Schieferöl ver- fügt das Land grundsätzlich über hohe Energiereserven, konnte mangels Inves- titionen diese Bodenschätze aber bisher nicht heben. Ausländische Investoren zeigen nun Interesse an der Erschließung der Vorkommen. Etwa 60 Prozent des BIP werden vom Dienstleistungssektor erwirtschaftet. Zu dessen wichtigsten Zweigen gehören der Tourismus sowie die Informations- und Kommunikations- technik. Der wichtigste Handelspartner ist mit weitem Abstand Brasilien, dessen zweijährige Rezession von 2015 bis 2016 ein Belastungsfaktor für Argentiniens Exporte war. Diese werden zu etwa 60 Prozent von Agrarrohstoffen geprägt, was ein latentes Risiko klimatisch beding- ter Ernteausfälle mit sich bringt. Rund ein Drittel entfällt auf Industriegüter und der Rest auf Kraftstoffe und Energie. Wirtschaftslage und -politik Die konjunkturelle Entwicklung war in den letzten sechs Jahren sehr volatil, denn auf jeden Aufschwung folgte stets eine Rezession. Der Rückgang des BIP im Jahr 2016 um 2,3 Prozent war aber Für zunehmende Unsicherheit auf der politischen Bühne sorgt die Rückkehr von Cristina Fernández de Kirchner, der früheren Präsidentin. Hier der Kongress in Buenos Aires. Jahr Bruttoinlandsprodukt Inflationsrate Haushaltssaldo (real) (Jahresdurchschnitt) (BIP) 2014 –2,5 38,1 –2,7 2015 2,6 26,5 –4,8 2016 –2,3 42,0 –5,9 2017p 2,7 26,0 –6,1 p = Prognose Quellen: Economic Intelligence Unit, eigene Berechnungen Gesamtwirtschaftliche Entwicklung (in Prozent) Jahr Leistungsbilanzsaldo Direktinvestitionen Währungsreserven (netto) (ohne Gold) 2014 –8,7 3,1 29,0 2015 –17,2 10,9 23,4 2016 –14,9 2,4 36,3 2017p –20,7 10,8 50,7 p = Prognose Quellen: Economic Intelligence Unit, Internationaler Währungsfonds, eigene Berechnungen Entwicklungen in der Außenwirtschaft (in Mrd. USD)
  • 8. Nummer 11 | November 2017 8 VR International Ländersteckbrief erwartet worden, nachdem die neue Re- gierung den Wechselkurs des argentini- schen Peso freigegeben hatte und dieser danach stark abwertete. In Kombination mit den Subventionskürzungen führte dies zu einem Inflationsschub auf über 40 Prozent, mit den entsprechend nega- tiven Auswirkungen auf den Konsum. Da die inzwischen unabhängiger agierende Zentralbank eine restriktive Geldpolitik verfolgt und an ein klares Inflationsziel gebunden ist, dürfte die Preissteigerung 2017 im Durchschnitt nur noch bei 26 Prozent und 2018 bei rund 15 Prozent liegen. Das sollte die Reallöhne sowie den Konsum antreiben und ein wesentli- cher Faktor für das erwartete BIP-Wachs- tum von 2,7 Prozent in diesem und 3,3 Prozent im nächsten Jahr sein. Die vor- liegenden Daten für das erste Halbjahr 2017 zeigen positive Wachstumsraten in fast allen Sektoren der Wirtschaft, sodass der Aufschwung ein recht breites Fun- dament erreicht zu haben scheint. Trotz der ersten Maßnahmen zur Konsolidie- rung des Haushalts ist das Budgetdefizit mit etwa 6 Prozent des BIP in 2016/17 weiterhin hoch, da die von der frühe- ren Regierung übernommenen hohen Ausgabenverpflichtungen, zum Beispiel für kostenlose Bildung und das Gesund- heitswesen, nicht ohne Weiteres gekürzt werden können. Weitere Maßnahmen zur Reduzierung des Defizits dürften erst nach den Kongresswahlen konkretisiert werden. Die Staatsverschuldung ist im Wahljahr 2015 von 41 auf 54 Prozent des BIP stark angestiegen und seitdem stabil geblieben. Der größte Teil der Verschul- dung besteht gegenüber multilateralen Instituten, der Sozialversicherung und der Zentralbank, weshalb das Prolongati- onsrisiko der Kredite eher gering ist. Die Handelsbilanz schloss 2016 infolge des Exportschubs im Agrarsektor mit einem Überschuss von 0,8 Prozent des BIP. Auf- grund der wirtschaftlichen Erholung und des damit verbundenen Anstiegs der Im- porte wird für 2017 aber wieder ein leich- tes Defizit von 0,2 Prozent des BIP erwar- tet. Weiterhin erhöhte Gewinntransfers sowie Zinszahlungen ans Ausland verur- sachen letztlich ein Leistungsbilanzdefi- zit, das 2017 bei moderaten 3,3 Prozent des BIP liegen dürfte. Die ausländischen Direktinvestitionen sind 2016 stark auf nur noch 0,4 Prozent des BIP gefallen, aber unter der Annahme der weiteren Verbesserung des Investitionsklimas wird 2017 mit einem erneuten Anstieg auf 1,7 Prozent des BIP gerechnet, sodass knapp die Hälfte des Leistungsbilanzde- fizits dadurch finanziert werden könnte. Argentiniens Auslandsverschuldung ist in den letzten 18 Monaten stark ange- stiegen. Das ist auf die hohe Emissions- tätigkeit des Staates zurückzuführen, die im April 2016 mit der bis dahin größten Anleihe eines Schwellenlandes mit 16,5 Milliarden USD ihren Anfang nahm. Circa 9 Milliarden USD davon wurden genutzt, um die Altgläubiger zu befriedigen. Trotz Argentiniens langer Historie mit einer schwachen Zahlungsmoral stieß im Juni 2017 sogar eine 100-jährige Staatsanlei- he auf rege Nachfrage, was auf einen großen Vertrauensvorschuss seitens der Investoren hindeutet. In Relation zum BIP hat die Auslandsverschuldung in- zwischen rund 35 Prozent erreicht, was aber als noch moderat bewertet werden kann. Die positive Seite des Kapitalzuflus- ses zeigt sich in dem hohen Zuwachs der Währungsreserven, die sich seit 2015 ver- doppelt haben und wieder für eine gute Importdeckungsquote von sechs Mona- ten sorgen. Diese Entwicklung wurde durch liberale und marktwirtschaftliche Reformen ermöglicht, die im Gegensatz zur protektionistischen Wirtschaftspolitik der früheren Regierung stehen. Seit dem Abschluss der neuen Schuldenregelung mit öffentlichen Gläubigern im Jahr 2014 bedient Argentinien auch pünktlich die festgelegten Mindesttilgungen an den sogenannten Pariser Club. Beziehungen zu Deutschland und zur EU Die diplomatischen Beziehungen zwischen Argentinien und Deutschland haben sich infolge der argentinischen Wiedereinglie- derung in die westliche Staatengemein- schaft spürbar verbessert. Kanzlerin Ange- la Merkel besuchte den neuen Präsidenten Mauricio Macri im Juni 2017, wobei beide den großen Wert des Freihandels beton- ten. Zuvor war Macri bereits im Juli 2016 zu Gesprächen in Berlin anwesend. Der bilaterale Warenhandel lag zwi- schen 2014 und 2016 recht stabil bei etwa 4 Milliarden EUR pro Jahr, was aber nur knapp 20 Prozent des deutschen Wa- renaustauschs mit Brasilien entspricht. Die gesamten Exporte Argentiniens be- trugen zuletzt etwa 50 Milliarden EUR jährlich. Die drei wichtigsten deutschen Ausfuhrgüter nach Argentinien sind Maschinen mit 28,5 Prozent, chemische Erzeugnisse mit 24,3 Prozent sowie Kfz und -Teile mit 14 Prozent. Deutschland stellt insgesamt das viertwichtigste Ur- Botschaft der Bundesrepublik Deutschland Embajada de la República Federal de Alemania Calle Villanueva 1055 C1426 BMC Buenos Aires Argentinien 004 1147782500 info@buenos-aires.diplo.de www.buenos-aires.diplo.de Botschaft der Republik Argentinien Kleiststraße 23–26 10787 Berlin 030 2266890 ealem@mrecic.gov.ar http://ealem.mrecic.gov.ar Deutsch-Argentinische Industrie- und Handelskammer Av. Corrientes 327, 23. Stock C1043AAD Buenos Aires Argentinien 0054 1152194000 ahkargentina@ahkargentina.com.ar www.ahkargentina.com.ar Nützliche Adressen Jahr Deutsche Ausfuhr Deutsche Einfuhr Saldo 2014 2.453 1.595 858 2015 2.649 1.526 1.123 2016 2.586 1.501 1.085 2017 (1. Hj.) 1.476 648 828 Quellen: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Außenhandel, Fachserie 7 Außenhandel der Bundesrepublik Deutschland mit Argentinien (in Mio. EUR)
  • 9. Nummer 11 | November 2017 VR International 9 Ländersteckbrief sprungsland für Importe dar. In der ent- gegengesetzten Richtung werden über- wiegend Nahrungsmittel und Rohstoffe verschifft. Hinsichtlich der ausländischen Direktinvestitionen nimmt die EU eine führende Rolle ein und Deutschland liegt dabei hinter Spanien und den Niederlan- den auf Rang drei. Rund 200 deutsche Firmen sind in Argentinien tätig. Aktuell steht infolge der mangelhaften Energie- infrastruktur vor allem der Ausbau der Stromerzeugungskapazität im Fokus. Während mit China ein Absichtsabkom- men zum Bau von zwei neuen Kern- kraftwerken unterzeichnet wurde, be- absichtigt die Regierung aber auch die Ausweitung des Anteils erneuerbarer Energien bis 2025 von 2 auf 20 Prozent. Durch das Programm RenovAr trafen be- reits zwei Auktionen im Vorjahr auf ho- hes Interesse. Bis Ende 2017 sollen noch weitere große Bauprojekte im Bereich Wind- und Solarenergie öffentlich ausge- schrieben werden. Aussichten Die politische Lage in Argentinien ist mä- ßig stabil und aufgrund der großen Po- larisierung in der Gesellschaft sowie der fehlenden eigenen Mehrheiten in Parla- ment und Senat sind nur allmählich wei- tere Reformschritte der zunächst erfolg- reich gestarteten Regierung von Mauricio Macri zu erwarten. Ein Anlass zur Sorge für Investoren könnte der Einzug seiner Amtsvorgängerin Cristina Fernández de Kirchner in den Senat nach den Kon- gresswahlen am 22. Oktober 2017 sein. In wirtschaftlicher Hinsicht sind die Aus- sichten seit der Überwindung der Anpas- sungsrezession im Vorjahr wieder als gut zu bewerten. Insbesondere die rasche Wiedereingliederung in die internatio- nale Gemeinschaft und die erfolgreiche Bekämpfung der Inflation bilden positive Aspekte in der Betrachtung der jüngeren Vergangenheit Argentiniens. Weiterhin bestehende Unsicherheiten bezüglich der langfristigen Perspektive Argentini- ens sind den insgesamt fünf staatlichen Zahlungsausfällen während der letzten 100 Jahre geschuldet. Sofern die Unab- hängigkeit der staatlichen Institutionen aber weiter gefestigt wird und die po- litischen Rahmenbedingungen sich über mehr als eine Legislaturperiode hinweg stabilisieren, dürften ausländische Investi- tionen weiter steigen. Mario Schmidt DZ BANK AG Bevölkerung: 43,4 Millionen Hauptstadt: Buenos Aires Korrespondenzsprachen: Spanisch, Englisch Wichtige Feiertage: Tag des Gedenkens an die Wahrheit und die Gerechtigkeit: 24. März Tag der Flagge: 20. Juni Tag der nationalen Souveränität: 28. November Zollflughäfen: Bahia Blanca, Buenos Aires, Cordoba, Mar del Plata, San Juan (Auswahl) Zolltarif: Harmonisiertes System Einfuhrlizenzen: Die Regierung hat mittels Verordnung Nr. 3823 der Steuerbehörde AFIP ein verein- fachtes Importverfahren beschlossen, wel- ches die bisher erforderliche „vorherige eidesstattliche Import-Erklärung“ (Decla- racion Jurada Anticipada de Importacion – DJAI) durch ein „integriertes Import-Über- wachungssystem (Systema Integral de Monitorio de Importaciones – SIMI) er- setzt. Die bereits genehmigten DJAI be- halten ihre Gültigkeit. Der Importeur muss auf der Internetseite der AFIP die Import- lizenz im SIMI-System beantragen. Für di- verse Zolltarifpositionen werden Einfuhrli- zenzen nicht automatisch erteilt. Eine Liste der betroffenen Produkte befindet sich in den entsprechenden veröffentlichten Re- solutionen. Zahlungsbedingungen und Angebote: Devisenbeschränkungen bestehen nicht. Bei Akkreditiv- und Inkassogeschäften sollten mind. 180 Tage als Zahlungsziel vereinbart werden. Empfehlenswert sind Zahlungen nur gegen ein bestätigtes Ak- kreditiv. Angebote in Spanisch oder Eng- lisch. Maße und Gewichte: Metrisches System Währungseinheit: 1 Argentischer Peso = 100 Centavos, Code: ARS Euler Hermes Länder-Klassifizierung: 6 Auszug aus den „Importbestimmungen anderer Länder“ 2014 sowie aus den „Konsulats- und Mustervorschriften“ (42. Auflage, 2017/2018). Eckdaten für den Export nach Argentinien Maschinen 28,3 Transportausrüstung 16,1 Chemische Erzeugnisse 15,8 Mineralische Erzeugnisse 12,3 Quelle: Nationales Statistikamt Hauptimportgüter Argentiniens 2015 (in Prozent der Gesamteinfuhr) Mit den weltweit zweitgrößten Reserven an Schiefergas und den viertgrößten an Schie- feröl verfügt Argentinien grundsätzlich über hohe Energiereserven, konnte mangels In- vestitionen diese Bodenschätze aber bisher nicht heben.
  • 10. Nummer 11 | November 2017 10 VR International Interview des Monats Sunlife: Vitamin-Brausetabletten für Libyen und Südafrika Nahrungsergänzungsmittel sind Produkte nur für reiche Industrieländer – Sunlife beweist das Gegenteil und verkauft in 70 Länder der Erde – auch nach Afrika. Über die Möglichkeiten und Schwierigkeiten sprach VR International mit Geschäfts- führer Christof Kara. VR International: Was vertreibt Sun- life? Christof Kara: Sunlife ist ein internatio- nal agierendes mittelständisches Unter- nehmen. Von Hövelhof aus produzieren und vertreiben wir mit einem Team von 30 Mitarbeitern ein großes Sortiment an Nahrungsergänzungsmitteln, Vita- minprodukten, Mineralstoffprodukten, freiverkäuflichen Arzneimitteln, Sport- lernahrung, Wellness- und Diätmittel, Kosmetik- und Pflegeprodukte für den Marken- und Handelsmarkensektor der Gesundheitsbranche. Seit Gründung der SUNLIFE GmbH vor über 20 Jahren sind wir stetig gewachsen. Diesen Wachs- tumskurs werden wir auch in Zukunft konsequent fortsetzen und wachsen weiter. VR International: Sie agieren weltweit – in 70 Ländern?  Christof Kara: Wir arbeiten daran, un- sere Position als Komplettdienstleister national und international auszubauen. Durch unser breites Sortiment können wir unsere Vertriebsstrategie individu- ell auf die Kundenbedürfnisse sowie Verkehrsfähigkeit vieler internationaler Märkte ausrichten und anpassen. So ha- ben unsere Kunden die Möglichkeit, ihr Sortiment zu erweitern und können zeit- nah auf die lokalen Nachfrageschwer- punkte in den verschiedenen Regionen der Welt eingehen. In vielen Regionen setzen wir bei un- seren Expansionsaktivitäten auf die Zu- sammenarbeit mit lokalen Distributoren. Mit deren Qualität steht und fällt oftmals der Erfolg in einem Zielland. Daher inves- tieren wir besonders viel Zeit, Kraft und Geld in die Partnersuche. VR International: Sind Sie auch in Afri- ka unterwegs? Christof Kara: Nachdem wir im Mittle- ren Osten weitgehend flächendeckend vertreten sind, richtet sich unser Augen- merk auf Asien und Afrika. Aktuell rückt Afrika in den Vordergrund: Von den neun neuen Länderprojekten, an denen wir arbeiten, liegt mehr als die Hälfte in Afrika. Sechs der zehn am schnellsten wach- senden Volkswirtschaften befinden sich auf dem afrikanischen Kontinent. Bereits heute sind Produkte „made in Germa- ny“ in Afrika sehr gefragt. Wir erwarten daher ein starkes Wachstum in dieser Region, dass in der Zukunft deutlich an Dynamik zulegen wird. Man wird als deutscher Unternehmer wohlwollend empfangen – wir sind willkommen und das sollten wir nutzen. Allerdings sind wir uns auch der He- rausforderungen bewusst, die Afrika als Absatzmarkt mit sich bringt. Zu den größten Marktzugangsbeschränkungen zählen die Registrierungsverfahren. Nicht selten dauert der Registrierungsprozess ein Jahr und länger, bis er abgeschlossen ist und wir die Ware exportieren dürfen. Mut macht uns dabei der Erfolg, den wir in einzelnen afrikanischen Ländern be- reits erzielt haben: zwar regional, aber nicht auf eine Region reduziert. So sind wir bereits sehr erfolgreich in Ländern wie Ghana, Südafrika und Libyen. Besonders in Südafrika verzeich- nen wir mit unserer Marke eine hohe Marktakzeptanz. Unsere Partner ma- chen hervorragendes Marketing und haben bereits viele namhafte Sportler und andere Persönlichkeiten als Mar- kenbotschafter für die Marke „SUNLIFE“ gewonnen. Wir erweitern stetig unser Angebot für dieses Land – was neben Brausetabletten inzwischen auch Flüs- sigprodukte, also Liquids, und Sticks zur Direkteinnahme umfasst. Den Grund dafür sehen wir in der wirtschaftlichen Stärke des Landes und der modernen Gesellschaft – besonders in den großen Städten. Auch regulato- risch stellt das Land keine übergroßen Hürden an unsere Produkte, sodass wir schnell mit innovativen Produkten auf die Entwicklung der Gesellschaft und des Marktes reagieren können. VR International: Ist Libyen wirklich ein Absatzmarkt für Sie? Christof Kara: Das Geschäft gestaltet sich ganz anders dort. Hier war die Ge- schäftspartnersuche schon schwierig, die Registrierung noch schwieriger und lei- der bleibt auch die regelmäßige Abwick- lung anspruchsvoll. Hinzu kommt, dass der Export immer mit Akkreditiven verbunden ist, die sehr komplexe Anforderungen stellen und mit viel Zeitaufwand verbunden sind. Da ist es gut eine Bank im Hintergrund zu haben, die uns berät und unterstützt. Aktuell wickeln wir wieder eine grö- ßere Bestellung über ein Akkreditiv ab. Ist die Ware erst einmal im Land, helfen uns die Marktzugangsbeschränkungen, in dem sie die Konkurrenzsituation ein- dämmen. Wir können dann die Ware vor Ort über mehrere Monate erfolgreich sukzessive abverkaufen. VR International: Vielen Dank für das Gespräch! Interview mit … Christof Kara Geschäftsführer SUNLIFE® Produk- tions- und Vertriebs- gesellschaft mbH Schierbusch 3 33161 Hövelhof 05257 9794-94 ck@sunlife-online.de www.sunlife-vitamine.de
  • 11. Nummer 11 | November 2017 VR International 11 Von Praktikern für Praktiker Keine eindimensionale Lösung Lutz Hartmann ist Anwalt in Frankfurt und baut mit FruitBox Africa seit zwei Jahren eine Farm für frisches Obst und Gemüse in Äthiopien auf, ausschließlich mit privaten Mitteln finanziert. Er engagiert sich außerdem seit vielen Jahren im Vorstand des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft. Verfolgt man die Diskussionen über Ent- wicklungspolitik, bekommt man regel- mäßig den Eindruck, es würden die im- mer gleichen Thesen der Öffentlichkeit präsentiert. Sei es, dass Afrika nur dann größere Schritte nach vorne machen könne, wenn viele Mikrokredite angebo- ten würden. Oder dass zunächst einmal die Staaten Afrikas auf dem Weg zur Good Governance unterstützt werden müssten. Oder aber, dass Fortschritt nur über die Förderung der Kleinbauern er- reicht werden könne. Vieles davon wur- de nun schon versucht. Doch viele teilen meinen Eindruck, dass wir damit in Afrika noch nicht sehr weit gekommen sind. Gesamtwirtschaftlicher Ansatz nötig Die Privatwirtschaft wurde in Deutsch- land wohl erstmals intensiv von dem frü- heren Entwicklungsminister Dirk Niebel mit Entwicklungszusammenarbeit in Ver- bindung gebracht. Minister Gerd Müller ist mit seinem „Marshall-Plan“ mit Afrika weiter gegangen, in dem die privatwirt- schaftliche Entwicklung in den Vorder- grund gestellt wird. Auch die Papiere des Finanz- und des Wirtschaftsministeriums fordern dies. Vor Ort und bei der Privat- wirtschaft selbst ist das noch nicht ange- kommen. Dabei sollte doch gerade uns Deut- schen die Einbindung der Privatwirt- schaft besonders einleuchten. Auf Dauer kann nur ein Netz lokaler Wirtschaftsak- teure, von kleinen, mittleren und großen Betrieben eine nachhaltige wirtschaftli- che Entwicklung gewährleisten. Darauf beruht auch der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands. Wie sollen denn all die geförderten Kleinbauern ihre Waren zu den Märkten bringen, die teilweise vie- le Stunden vom Feld entfernt sind? Und deren Produktion viel zu klein ist, um einen rentablen Transport zu tragen? Wäre hier vielleicht eine größere Farm, die auf lokaler Ebene als Sammelstelle dient, eine Lösung? Doch es sind auch nicht alle Afrikaner Unternehmer, die mit Mikrokrediten entscheidende wirt- schaftliche Impulse setzen können. Viele Afrikaner suchen und benötigen ganz einfach einen Job. Die Entwicklungszusammenarbeit muss endlich einen gesamtheitlichen Ansatz finden, der die Privatwirtschaft aktiv in die Entwicklungsprozesse einbin- det: der ihr Brücken baut, ihr zur Seite steht und jene Probleme gemeinsam mit ihr adressiert, welche Mittelständler in einer fremden Umgebung, mit zusätz- licher Komplexität, nur mit immensem Aufwand lösen können. Ziel muss es sein, dass sich Wirtschaftsunternehmen auf ihre Geschäftstätigkeit und die Schaf- fung von Arbeit konzentrieren können, und die Organe der Entwicklungszusam- menarbeit ein Umfeld schaffen, in dem dies erleichtert und unterstützt wird. Das kann auch mit finanziellen Mitteln ge- schehen, dort, wo Investitionen sich erst nach vielen Jahren rechnen. Der Fokus sollte jedoch auf Unterstützung und Zu- sammenarbeit liegen. Derzeit laufen die Projekte oft aneinander vorbei. Ein konkretes Beispiel dazu: Seit drei Jahren beschäftigen wir uns – eine Grup- pe von fünf Unternehmern aus Deutsch- land – mit dem Aufbau einer Farm in Äthiopien. Das Ziel war kein Sozialpro- jekt, sondern ein auf Dauer angelegtes, profitables Investment. Inzwischen ha- ben wir über 200 Tonnen Gemüse pro- duziert und lokal verkauft. Wir beschäf- tigen zudem rund 100 Personen in einer Region ohne jegliche Wirtschaftsstruktur. Durch diese Farm sind weitere Arbeits- plätze entstanden: ob beim örtlichen Schreiner, der uns die Möbel baut, oder beim örtlichen Schmied, der die Eisenar- beiten anfertigt. Zudem haben acht Da- men ein Café neben unserer Farm eröff- net, welches die Arbeiter gerne für die Mittagspause nutzen. Koordiniertes Vorgehen fehlt Wir würden gerne mit Kleinbauern der Region zusammenarbeiten. Uns fehlt aber die Kompetenz und die Zeit, um ein entsprechendes Programm aufzubauen. Wir würden in der Region auch gerne eine strukturierte Ausbildung anbieten und nicht nur die Fortbildung für unsere Mitarbeiter. Auch hier fehlen Kompetenz und die Zeit. In diesem Bereich hat die Gesellschaft für Internationale Zusam- menarbeit (GIZ), die die meisten deut- schen Entwicklungsgelder verwaltet, umfangreiche Erfahrung. Gerne würden
  • 12. Nummer 11 | November 2017 12 VR International Von Praktikern für Praktiker IMPRESSUM Herausgeber: DZ BANK AG, Deutscher Genossenschafts-Verlag eG Verantwortliche Redakteurin: Dr. Sabine Theadora Ruh, freie Wirtschaftsjournalistin, Allendorfer Straße 47, 60433 Frankfurt Objektleitung: Andreas Köller, DG VERLAG, E-Mail: akoeller@dgverlag.de Verlag: Deutscher Genossenschafts-Verlag eG Vertreten durch den Vorstand: Peter Erlebach (Vorsitzender), Franz-J. Köllner und Mark Wülfinghoff, Leipziger Str. 35, 65191 Wiesbaden Druck und Versand: Görres-Druckerei und Verlag GmbH, Niederbieberer Str. 124, 56567 Neuwied Bildnachweis: AHK Südliches Afrika, DZ BANK, Sunlife, FruitBOX Africa, Fotolia.com Nachdruck – auch auszugsweise – nur­mit ­Genehmigung des Deutschen Genossenschafts-Verlages eG zulässig. ISSN 2195-206X VR International erscheint monatlich und ist bei Volksbanken und Raiffeisenbanken erhältlich. Das Manuskript für diese Ausgabe wurde Mitte Oktober 2017 abgeschlossen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit keine Gewähr. wir hier kooperieren. Aktuell wäre dies nur möglich, wenn wir ein sogenanntes develoPPP.de-Programm strukturieren, in Deutschland einreichen und mehre- re Monate auf die Bearbeitung warten würden. Nur um dann erneut durch eine große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft zu werden, wofür wir auch noch aufkommen müssten. In der Zeit könn- ten wir das Projekt vor Ort auch selbst strukturieren. Zumal die Förderung oh- nehin auf 200.000 EUR limitiert ist. Autor Lutz Hartmann FruitBox Africa Neue Mainzer Str. 26 60311 Frankfurt 0 69 9710 97 100 www.fruitboxafrica.com Ich plädiere nicht in erster Linie für eine finanzielle Unterstützung, auch wenn das ohne Frage auch helfen würde, sondern für ein Miteinander, ein koordi- niertes Vorgehen, welches sich an den Bedürfnissen der Wirtschaft ausrichtet. Und nicht an denen der Entwicklungs- zusammenarbeit. Nicht das Wirtschafts- unternehmen sollte der GIZ oder dem Ministerium nachlaufen, sondern diese sollten aktiv den Kontakt zur Privatwirt- schaft suchen. Mit eindimensionalen Lö- sungen wird Afrika nicht geholfen.