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ZukunftsRaum
www.tirol.gv.at/zukunftsraum


                                                                         Tirol
                                             Strategien zur Landesentwicklung




                                                                           Endbericht
                                                                                  des
                                             Ausarbeitungs- und Beteiligungsprozesses




                               Unser Land.
T_zukunfts raum_tirol_2007
ZukunftsRaum Tirol
               Strategien zur Landesentwicklung


                                  Endbericht
des Ausarbeitungs- und Beteiligungsprozesses


                                   Innsbruck, Jänner 2007




                           Projektleitung und Endredaktion
   Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik
Impressum:
Medieninhaber (Verleger): Amt der Tiroler Landesregierung
Für den Inhalt verantwortlich: Mag. Franz Rauter, Raumordnung-Statistik, Heiliggeiststraße 7-9,
A-6020 Innsbruck
Fotos: Stadt Innsbruck; Photodisc
Druck: Eigenvervielfältigung




ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses                            Stand: 29.1.2007
Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik                                          Seite 2
Inhalt




Vorbemerkung .............................................................................................................................5


1. Teil       Aufgabenstellung und Analyse ..................................................................................7
1.1           Aufgabenstellung ...........................................................................................................8
1.2           Ausgangssituation..........................................................................................................9
      1.2.1       Trends.......................................................................................................................9
      1.2.2       SWOT-Analyse .......................................................................................................13


2. Teil       Die zukünftige Entwicklung des Landes .................................................................23
2.1           Grundprinzipien der Landesentwicklung .....................................................................24
2.2           ZukunftsRaum Tirol und interessensspezifische Ansprüche.......................................31
      2.2.1       Gesellschaft ............................................................................................................31
                  gesellschaftliche Gruppen, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Kultur
      2.2.2       Wirtschaft und Arbeit ..............................................................................................36
                  Wirtschaftsentwicklung, Wirtschaftsstruktur, Arbeitswelt, Arbeitsmarkt
      2.2.3       Umwelt – Lebensgrundlagen ..................................................................................40
      2.2.4       Mobilität und Energie ..............................................................................................42
                  Verkehrssysteme, Verkehrsorganisation, Energiegewinnung,
                  Energiebereitstellung, Energienutzung, Versorgungssicherheit
      2.2.5       Kommunikation und Interessensausgleich .............................................................45
                  Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung, Vernetzung,
                  Entscheidungsfindung
2.3           ZukunftsRaum Tirol und die räumliche Vernetzung ....................................................46
      2.3.1       Tirol im weiteren Umfeld .........................................................................................46
                  Verknüpfungen mit Bund, EU und Nachbarregionen
      2.3.2       Räumliche Differenzierung Tirols ...........................................................................48
                  Innsbruck, Verdichtungsräume, Stadt-Umland-Bereiche, touristische
                  Intensivräume, ländliche Räume, Regionalpolitik
      2.3.3       Regionalentwicklung und Regionalpolitik ...............................................................53




ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses                                                           Stand: 29.1.2007
Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik                                                                         Seite 3
3. Teil       Sektorale thematische Schwerpunkte.....................................................................57
3.1           Siedlungsentwicklung ..................................................................................................59
              Strukturwandel und Siedlungsentwicklung, innere Siedlungsentwicklung
              und Baukultur, Bodenmarkt
3.2           Wirtschaftsstandort ......................................................................................................69
              Gewerbe, Industrie, Dienstleistungen, Tourismus
3.3           Verkehr.........................................................................................................................78
              Verkehrsinfrastruktur, Erreichbarkeit
3.4           Soziale Infrastruktur und Versorgung ..........................................................................83
              Gesundheit, Soziales, Rettungswesen, Kultur, Bildung, Sport, Handel
3.5           Technische Infrastruktur ..............................................................................................93
              Abfallwirtschaft, Energieversorgung, Siedlungswasserbau, Telekommunikation,
              Sport- und Tourismusinfrastruktur
3.6           Sicherung des Lebensraumes .....................................................................................99
              Luft, Wasser, Boden, Belastungen, Naturgefahren, Katastrophenschutz
3.7           Freiraum und Erholung ..............................................................................................103
3.8           Land- und Forstwirtschaft ..........................................................................................108
3.9           Natur- und Landschaftsschutz ...................................................................................114
3.10          Planungsverbände und Regionalmanagement .........................................................119

4. Teil       ZukunftsRaum Tirol – ein dynamischer Prozess .................................................131
4.1           Umsetzungsprozess ..................................................................................................132
              Grundlegende Anforderungen an die Umsetzung, Verbindlichkeit,
              Zuständigkeit und Verantwortlichkeit, Organisation und Durchführung
              des Umsetzungsprozesses, Kommunikation
4.2           Erstellungsprozess.....................................................................................................135
      4.2.1       Prozessablauf .......................................................................................................135
                  Überblick, bisherige Projektschritte, Vorschau
      4.2.2       Beteiligte am Prozess ...........................................................................................138
                  Politische Projektleitung, Steuerungsgruppe, fachliche Projektleitung,
                  Redaktionsteam, Arbeitsgruppen, Reflexions- und Koordinationsgremien,
                  weitere Kommunikationsschienen


Anhang Ergebnisse der Konferenz ZukunftsRaum Tirol ...................................................151
A.1           Forum SiedlungsRaum ..............................................................................................153
A.2           Forum WirtschaftsRaum ............................................................................................154
A.3           Forum AlltagsRaum ...................................................................................................155
A.4           Forum FreiRaum........................................................................................................157




ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses                                                           Stand: 29.1.2007
Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik                                                                         Seite 4
Vorbemerkung
Mit der Vorlage dieses Endberichtes erreicht das Projekt ZukunftsRaum Tirol nunmehr die
Schlussphase des auf breiter Beteiligung beruhenden Ausarbeitungsprozesses.


Seit der Vorlage des 2. Zwischenberichtes im April 2006
• wurde der Gesamtaufbau des Dokumentes weiter entwickelt;
• erfolgte eine Überprüfung, Straffung und Bereinigung der Texte;
• wurden den Kapiteln mit den thematischen Schwerpunkten Vorschläge für kurzfristig in
    Gang zu setzende Maßnahmen vorangestellt, die für eine vorrangige Umsetzung in Frage
    kommen
• und wurden Vorschläge für den gesamten Umsetzungsprozess erarbeitet.
Grundlage dafür bildeten insbesondere die zwischenzeitig eingelangten Stellungnahmen. Au-
ßerdem wurden die Ergebnisse zahlreicher Abstimmungsgespräche, der Diskussionsveranstal-
tungen in den Bezirken und von Gesprächen mit Vertretern verschiedener Anspruchsgruppen
eingearbeitet.


Notwendiger Weise rücken nunmehr Fragen der Umsetzung in den Vordergrund. Entsprechend
dem Koordinationsauftrag, den die Raumordnung gemäß § 16 TROG 2006 zu erfüllen hat, be-
fasst sich der ZukunftsRaum Tirol mit einer ganzen Reihe von Themen, die für die räumliche
Entwicklung des Landes wichtig sind. Die Umsetzung der formulierten Ziele, Strategien und
Prioritäten fällt daher in verschiedene Zuständigkeitsbereiche. Der Anspruch des Zukunfts-
Raums ist es, den Raumbezug der verschiedenen Politik- und Verwaltungsbereiche zu verdeut-
lichen und zu deren zielorientierten Abstimmung beizutragen. Neue Zuständigkeiten werden
durch den ZukunftsRaum nicht begründet.
Der notwendige Blick auf aktuelle Prioritäten darf jedoch nicht dazu führen, Gesamtzusammen-
hänge und längerfristige Perspektiven beiseite zu lassen. Sehr bewusst stellt daher dieser Be-
richt die Vorschläge für kurzfristig in Gang zu setzende Maßnahmen in den unmittelbaren Zu-
sammenhang der längerfristigen Gesamtschau. Dies im Wissen, dass es im Konkretisierungs-
grad eine klare Differenzierung zwischen unmittelbaren Umsetzungsaktivitäten und der länger-
fristigen strategischen Orientierung geben muss.


Ende Jänner 2007 findet im Innsbrucker Congress die Konferenz „ZukunftsRaum Tirol“ statt.
Zur Teilnahme sind alle bisher an der Ausarbeitung Beteiligten eingeladen. Wesentliche Kern-
themen der Landesentwicklung werden dabei nochmals zusammenfassend diskutiert.
Mit Einarbeitung der Konferenzergebnisse ist der Beteiligungsprozess ZukunftsRaum Tirol ab-
geschlossen und wird das gemeinsam erarbeitete Ergebnis der Landesregierung vorgelegt.
Auf dieser Grundlage soll sodann ein Umsetzungsdokument erstellt und von der Landesregie-
rung beschlossen werden.
Den erwarteten Nutzen wird der ZukunftsRaum Tirol nur stiften können, wenn der Ausarbei-
tungsprozess nach der Beschlussfassung in einen Umsetzungsprozess übergeführt wird. Des-
sen „Kunst“ wird darin liegen, die der Nachhaltigkeit verpflichtete Gesamtsicht mit jener Flexibili-
tät zu verbinden, die den laufenden gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Verän-
derungen gerecht wird.


                                                                                Mag. Franz Rauter
                                                                    Innsbruck, im Dezember 2006




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1. Teil Aufgabenstellung und Analyse




ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses   Stand: 29.1.2007
Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik                 Seite 7
1.1 Aufgabenstellung


Der ZukunftsRaum Tirol ist ein strategisches Leitbild für Landesentwicklung, wobei Fragen der
räumlichen Entwicklung im Vordergrund stehen. Er findet seine gesetzliche Basis in den Zielen
und Grundsätzen sowie in der Koordinierungsfunktion der überörtlichen Raumordnung (§§ 1, 2
und 16 TROG 2006).
Der ZukunftsRaum Tirol leistet einen Beitrag, dass Tirol weiterhin ein attraktiver Lebens- und
erfolgreicher Wirtschaftsraum sein kann. Längerfristig betrachtet ist dies nur mit einem Ansatz
der nachhaltigen Entwicklung möglich. Das beinhaltet gleichermaßen das Aufzeigen von Ent-
wicklungsperspektiven wie auch von notwendigen Rahmensetzungen.
Der ZukunftsRaum Tirol unterstützt eine nachhaltige Landesentwicklung durch
• Vorschläge zur Vernetzung entwicklungsrelevanter Politikbereiche auf Ebene von Zielen
    und Strategien;
• Aufzeigen aktueller oder zu erwartender Probleme bzw. Fragestellungen, die eine vertiefte
    Behandlung erfordern;
• konkrete Lösungsvorschläge für ausgewählte Themenschwerpunkte; im Vordergrund ste-
    hen dabei Fragen der Siedlungsentwicklung, der Wirtschaftsstandorte, des Verkehrs, der
    Infrastruktur und der Versorgung, der Freiraumentwicklung, der Sicherung des Lebensrau-
    mes und der Stärkung der regionalen Zusammenarbeit.
Mit Beschluss des noch zu erstellenden Dokumentes durch die Landesregierung soll der Zu-
kunftsRaum Tirol politische Verbindlichkeit als Raumordnungsplan erhalten und konsequent
umgesetzt werden.
Auch wenn die Umsetzungsverantwortung primär bei der Tiroler Landesregierung liegt, richtet
sich der ZukunftsRaum Tirol doch an alle, die für die Landesentwicklung auf institutioneller
Ebene Mitverantwortung tragen, sowie an die Bürgerinnen und Bürger des Landes.
In diesem Sinne ist die Erstellung des ZukunftsRaums Tirol als offener Prozess angelegt, und
auch die Umsetzung wird entsprechende Beteiligungsmöglichkeiten bieten.
Die Nutzendimensionen des ZukunftsRaums Tirol liegen somit
• in der Formulierung von Leitlinien als gesellschaftspolitischer Grundkonsens;
• in der Schaffung von Akzeptanz durch Beteiligung und Zusammenarbeit;
• in der Erzeugung von Synergien durch abgestimmtes Vorgehen;
• in der strategischen Fundierung und Abstimmung von Entscheidungen;
• in einem Beitrag zum effektiven und effizienten Einsatz von öffentlichen Finanzmitteln und
    sonstigen Ressourcen.
Der ZukunftsRaum Tirol dient darüber hinaus auch der Verdeutlichung der Position und der
Anliegen des Landes Tirol im regionalen, nationalen und internationalen Bezugsrahmen.
Die aktuelle Ausarbeitung hat einen Zeithorizont von rund 10 Jahren, jedoch wird der Zu-
kunftsRaum Tirol dynamisch weiterentwickelt und wird so flexibel auf sich ändernde Rahmen-
bedingungen und neue Trends eingehen.
Die Ausarbeitung des ZukunftsRaums Tirol erfolgt im Rahmen des Arbeitsprogramms der
Tiroler Landesregierung gemäß Regierungserklärung von Landeshauptmann DDr. Herwig van
Staa vom 21.10.2003. Der konkrete Arbeitsauftrag beruht auf dem Beschluss der Landesregie-
rung vom 25.11.2004.




ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses                    Stand: 29.1.2007
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1.2 Ausgangssituation

1.2.1    Trends

In der Entwicklung von Gesellschaft, Wirtschaft, Technik und Umwelt lässt sich eine Reihe von
grundlegenden Trends erkennen. Teils sind diese weltweit, teils vor allem in den hoch entwi-
ckelten Gebieten festzustellen.
Auch Tirol ist solchen Trends ausgesetzt. Diese sind kurz- und mittelfristig kaum beeinflussbar
und müssen daher als Rahmenbedingungen erkannt und berücksichtigt werden
Für den ZukunftsRaum Tirol stellt sich die Herausforderung, die konkrete Wirkung dieser
Trends auf unser Land sichtbar zu machen und sie im Hinblick auf die Landesentwicklung als
Herausforderung zu begreifen, für die es Antworten zu finden gilt.


Die wichtigsten dieser Trends mit Auswirkungen auf Tirol sind folgende:
•   der demografische Wandel
•   die Individualisierung
•   Globalisierung und Liberalisierung
•   die weitere Entwicklung der wissensbasierten Gesellschaft und Technologie
•   die weiter zunehmende Mobilität
•   Umweltveränderungen und Ressourcenverfügbarkeit
•   ein sich wandelndes Verständnis der Nachhaltigkeit
•   die Zwiespältigkeit im Gesundheitsbewusstsein der Menschen




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Demografischer Wandel – Alterung
Die Geburtenraten sind weiter rückläufig und das bei gleichzeitigem Anstieg der Lebenserwar-
tung. Der Fortschritt der Medizin, weniger körperliche Schwerstarbeit sowie gezielte Familien-
planung und z.T. durch längere Ausbildungszeiten nach hinten verschobene Familiengründung
tragen immer mehr zur Umkehr der Alterspyramide bei. Junge Menschen stehen einer Mehr-
zahl an Alten gegenüber.
Diese Verschiebungen der Altersklassen in Verbindung mit der zunehmenden Rüstigkeit der
älteren Menschen werden in absehbarer Zeit zu vielfältigen Veränderungen der Nachfrage füh-
ren. Diese werden im Arbeitsmarkt, im Wohnungsmarkt, im Freizeit-, Urlaubs- und Konsumver-
halten ihren Niederschlag finden. Außerdem werden die soziale Infrastruktur und Bildungsein-
richtungen an den geänderten Bedarf anzupassen sein.


Individualisierung
Das Ausleben persönlicher Freiheiten - auch in überschaubaren und flexiblen Gruppen - bei
gleichzeitig möglichst geringen Abhängigkeiten bzw. formalen Bindungen steht bei diesem
Trend im Vordergrund. Die „traditionelle“ Lebensplanung verändert sich, die Selbstverständlich-
keit, eine Familie zu gründen, sinkt. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung spielt eine große
Rolle.
Lebenslanges Lernen wird zum Prinzip und löst bisherige starre Bildungsmuster ab. Gelerntes
will dann im Berufsleben umgesetzt werden, was besonders Frauen mit Kinderwunsch vor eine
große Herausforderung stellt. In der Berufswelt führt die Individualisierung vermehrt zu kurzfris-
tigen und eigenverantwortlichen Arbeitsverhältnissen. Dadurch ändern sich die Arbeitsstruktu-
ren als auch das „Familienmanagement“ (z.B. Kinderbetreuung) – größte Flexibilität wird abver-
langt und gewünscht.
Auch bei Produkten und Dienstleistungen wird immer mehr erwartet, dass diese maßgeschnei-
dert auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind, was eine breite Angebotspalette und
individuelle Betreuung erfordert.


Globalisierung und Liberalisierung
Wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Verknüpfungen gehen immer mehr über Gren-
zen hinaus, die staatlichen Steuerungsmöglichkeiten sinken. Durch zunehmenden Wettbe-
werbsdruck wird der Spielraum für die soziale Verantwortung der Unternehmerinnen und Un-
ternehmer eingeengt.
In der Wirtschaft findet das in Form globaler Arbeitsteilung, weitgehend liberalisierten Waren-
und Kapitalverkehrs sowie weltumspannender Kommunikation ihren Ausdruck. Sie stellen die
heimischen Unternehmen unter hohen Wettbewerbsdruck, bieten aber gleichzeitig auch neue
Chancen. Diese Möglichkeiten zu nutzen erfordert permanente Innovation und Bereitschaft zur
Kooperation.
Die Gewichtung der Standortfaktoren wandelt sich, vor allem durch geringe Transportkosten
und stark unterschiedliches Lohnniveau. Mit gleichzeitigen Liberalisierungstendenzen führt dies
zu einer sinkenden Standortbindung.
Auch in Zukunft wird der Trend zu Fusionierungen und somit zu größeren Unternehmen anhal-
ten. Der Einfluss der Konzerne wird weiter zunehmen, was die Gestaltungsmöglichkeiten der
Politik verringert. Außerdem orientieren sich die Konzerne zunehmend an der Gewinnmaximie-
rung.
Öffentliche Dienstleistungen geraten unter starken Druck der Privatisierung, wodurch Kosten-
aspekte verstärkt berücksichtigt werden. Dies führt dazu, dass abgelegene, dünn besiedelte
Regionen die bisherige Unterstützung verlieren.
Als Gegenbewegung entwickelt sich eine neue Form des Regionalismus, durch den die regio-
nale Bevölkerung neue Identifikationsmöglichkeiten finden kann.



ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses                     Stand: 29.1.2007
Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik                                 Seite 10
Wissensbasierte Gesellschaft und technologische Innovationen
Der technische Fortschritt verläuft in immer kürzer werdenden Zyklen und ist beherrscht von
einer ungeheuren Dynamik. Immer kleinere und immer vielfältiger nutzbare Geräte entstehen,
nicht nur im Bereich der Konsumelektronik, sondern z.B. auch in der Medizintechnik.
Unerwartete Technologiesprünge wie Internet oder Mobiltelefonie haben bereits in der Vergan-
genheit zu nicht vorhersehbaren Veränderungen in vielen Lebens- und Wirtschaftsbereichen
geführt. Derartige Unwägbarkeiten werden auch in Zukunft immer wieder zu Überraschungen
führen.
Die bisherigen Industrieländer setzen verstärkt auf Forschung, Entwicklung und Innovation so-
wohl im Produktions- als auch Dienstleistungsbereich. Das Hauptkapital der Hochtechnologie-
länder ist das Know-how der Forscherinnen und Forscher, Unternehmerinnen und Unternehmer
sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dieses hohe Niveau muss langfristig gehalten und
das Bildungsangebot entsprechend den Erfordernissen aktualisiert werden.
Dennoch ist dies keine Garantie, dass die soziale Kluft nicht weiter aufgeht, die auf unterschied-
lichen Fähigkeiten und einem – in der Regel sozial bedingten – unterschiedlichen Zugang zu
Bildung und Wissen basiert.


Verkehr und Mobilität
Die Flexibilisierung der Gesellschaft und die Globalisierung der Wirtschaft geht mit einem ge-
steigerten Motorisierungsgrad und einer erhöhten Verkehrsdichte einher. Die zunehmende
Arbeitsteilung der Wirtschaft lässt den Güterverkehr weiterhin stark ansteigen. Der Modal Split
verschiebt sich weiterhin in Richtung Straße – mit entsprechenden Auswirkungen auf Umwelt
und Landschaft. Der Öffentliche Verkehr hat vor allem außerhalb von Ballungsräumen zuneh-
mend wirtschaftliche und strukturelle Probleme.
Für Arbeit, Bildung, Versorgung und Freizeit werden immer längere Wege in Kauf genommen.
Verkehrsgünstige Standorte boomen. Mobilitätsverlierer sind vor allem alte Menschen, Kinder
und Jugendliche, Hausfrauen, sozial Schwache und Behinderte, insbesondere außerhalb von
Verdichtungsräumen.


Umweltveränderungen und Ressourcenverfügbarkeit
Die Tendenzen einer längerfristigen globalen Erwärmung sind mittlerweile weitestgehend un-
bestritten. Extreme witterungsbedingte Naturereignisse nehmen zu. Trotz unbestreitbarer Erfol-
ge in Teilbereichen des Umweltschutzes gibt es noch immer Problemfelder.
Auch der Nutzungswandel in der Land- und Forstwirtschaft verändert Naturräume bzw. die
Kulturlandschaft. Durch die damit verbundene Einschränkung und Veränderung der spezifi-
schen Lebensräume nimmt die Artenvielfalt ab.
Speziell in einem Gebirgsland wie Tirol ist Grund und Boden für Siedlungs- und Wirtschafts-
zwecke knapp und sind daher weiterhin Interessenskonflikte gegeben. Vor allem in intensiv
genutzten Bereichen besteht die anhaltende Tendenz zur Bodenversiegelung.
Die Energiekosten werden weiter ansteigen, da der wirtschaftliche Aufschwung in Ländern wie
China oder Indien einen wachsenden Verbrauch hervorruft, der laufend abnehmenden Erdölre-
serven gegenüber steht. Der Bedeutung von Alternativen im Bereich der erneuerbaren Energie
wird in Zukunft größer.
Konflikte zur Luftqualität werden zunehmen, da einerseits erhöhte Ansprüche an die Luftqualität
durch gesetzliche Vorgaben für die nächsten Jahre festgeschrieben sind und andererseits die-
se Ansprüche durch die zunehmende Mobilität und Wirtschaftsentwicklung in den Tiroler Tal-
räumen schwieriger erfüllbar werden.




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Nachhaltigkeit
Eine steigende Zahl von Menschen befasst sich mit Fragen der nachhaltigen Entwicklung im
Sinne einer Ausgewogenheit zwischen ökonomischen, sozialen und ökologischen Belangen.
Für viele ist damit eine bewusst eingenommene Werthaltung verbunden. Für andere ergibt sich
der Bezug zu diesem Thema unbewusst aus der Vielschichtigkeit der Ansprüche an die eigene
Lebensqualität.
Wer für Nachhaltigkeit eintritt, hat nicht länger den Ruf, für eine öko-fundamentalen Ideologie zu
stehen. Nachhaltigkeitsorientierung wird zunehmend zu einer gesellschaftlich anerkannten
Grundhaltung. Diese findet im Wirtschaftsgeschehen, im gesellschaftlich-sozialen Bereich und
im Natur- und Umweltschutz vermehrten Niederschlag und trägt zum Interessensausgleich und
zur Ermöglichung zukunftsfähiger Lösungen bei.


Gesundheitsbewusstsein
Dieser Trend vereint zwei gegenläufige Extreme: einerseits bewusste, gesunde Ernährung mit
ausreichend sportlicher Betätigung, andererseits das Phänomen Übergewicht, verursacht durch
Bewegungsarmut und falsche Ernährung.
Beim ersten Extrem werden Investitionen in die eigene Gesundheit zur Selbstverständlichkeit.
Die Nachfrage verknüpft dabei sämtliche Lebensbereiche – von gesunder Ernährung (Bio, Voll-
wert) über gesundes Wohnen, sportliche Betätigungen, Wellness für Körper und Geist, natur-
nahen Urlaub, zu Anti-Aging-Produkten und Lifestyle-Medizin. Dieser ganzheitliche Lebensstil
und der bewusste Umgang mit dem eigenen Ich schaffen somit auf einer breiten Ebene neue
Märkte. Tourismus, Industrie, Medizin, Handel und Landwirtschaft haben ein neues Potential.
Der Gegensatz dazu steht das Phänomen Übergewicht, welches nicht nur Erwachsene son-
dern vermehrt Jugendliche betrifft. So hat sich in Europa die Zahl der übergewichtigen Jungen
und Mädchen in den letzten 10 – 15 Jahren mindestens verdoppelt. Verantwortlich dafür ist
neben falscher Ernährung vor allem der Bewegungsmangel. Studien belegen, dass der Körper-
umfang eines Kindes mit den Stunden vor dem Computerbildschirm bzw. Fernseher steigt.




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1.2.2    SWOT-Analyse


Neben den zuvor dargestellten Trends bilden die Stärken und Schwächen den zweiten analyti-
schen Zugang zum Zukunftsraum Tirol. Nur wer Stärken und Schwächen kennt, kann Chancen
und Risken definieren, die bei der weiteren Entwicklung besonders zu berücksichtigen sind.
Die SWOT-Analyse ist eine gängige Art der Stärken-Schwächen-Analyse, in der die Facetten
eines Problems erarbeitet und dargestellt werden. Das auf dem Englischen basierende Vier-
Buchstaben-Wort „SWOT“ steht dabei für Stärken (Strengths), Schwächen (Weaknesses),
Chancen (Opportunities) und Risken (Threads)
Auf einem aus vier Feldern bestehenden Raster werden zuerst – üblicherweise in einer Ar-
beitsgruppe – in den beiden oberen Feldern die Stärken und Schwächen aufgelistet. In einem
zweiten Durchgang werden in den beiden unteren Feldern die Chancen angeführt, welche sich
aus den Stärken ergeben und die Risken bzw. Gefahren erarbeitet, die in den Schwächen
schlummern.
Die folgende Darstellung ist sehr komprimiert und ergibt ein sehr kontrastreiches Bild. Es wird
der weiteren Bearbeitung obliegen, hier auch noch die feineren Nuancen darzustellen und allfäl-
lige Ergänzungen vorzunehmen.
Maßgeblich ist in jedem Fall die Offenheit dieser Darstellung, die positiven und kritischen As-
pekten gleichermaßen Raum gibt.


Dabei erfolgte eine Fokussierung auf folgende relevante Themenbereiche:
•   Arbeit
•   Bildung, Forschung und Entwicklung
•   Freizeit und Erholung, Kultur
•   Gesellschaft, Politik und Verwaltung
•   Naturraum und Kulturlandschaft
•   Gesellschaft, Politik und Verwaltung
•   Verkehr und Kommunikation
•   Versorgung und Infrastruktur
•   Wirtschaft
•   Wohnen




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Themenbereich Naturraum und Kulturlandschaft
Stärken                                           Schwächen
hohes Naturraumpotential in qualitativer und      aufgrund der Topografie beschränkter Sied-
quantitativer Hinsicht (Landschaft, Naturwerte,   lungs- und Wirtschaftsraum, mit teilw. ungüns-
natürliche Ressourcen, Rohstoffe, Wasser)         tigen Standortbedingungen
hoher Flächenanteil an Schutzgebieten             ungünstige Produktionsbedingungen für die
nahezu flächendeckende Bewirtschaftung der        Land- und Forstwirtschaft
Kulturlandschaft                                  spezifische Naturgefahren, Notwendigkeit von
ökologische Vielfalt                              Verbauungen
                                                  Schutz und Erhaltung abhängig von der ge-
                                                  sellschaftlichen Akzeptanz
                                                  Belastung durch Emissionen aus Verkehr,
                                                  Industrie und Hausbrand, verstärkt durch un-
                                                  günstige Ausbreitungsbedingungen in den Tal-
                                                  und Beckenlagen
Chancen                                           Risiken
Standortattraktivität mit hoher Lebensqualität    Übererschließung in Bergregionen
argumentieren                                     Flächenverbrauch und Lebensraumzerschnei-
Modellregion für hohe Lebensqualität im Al-       dung in Tälern
penraum schaffen                               „Reservatebildung“ – Siedlungs- und Verkehrs-
hohe Lebensqualität für künftige Generationen raum versus Rückzugs- und Erholungsflächen
erhalten                                       Verkehrszunahme
Kulturlandschaft und damit Biodiversität und   Rückzug der Landwirtschaft
Vielfalt des Landschaftsbilds kann langfristig
erhalten werden                                Bedrohung durch Naturgefahren
Premiummarke für naturnahen Tourismus          Bewirtschaftung von Almen und Steilflächen,
                                               Schutz- und Bannwäldern nimmt ab
konsequente Schutzstrategien in Bezug auf
Naturgefahren
Land- und Forstwirtschaftliches Potential nut-
zen




ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses                    Stand: 29.1.2007
Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik                                Seite 14
Themenbereich Gesellschaft, Politik und Verwaltung
Stärken                                          Schwächen
stabile politische Verhältnisse                  mangelndes regionales Bewusstsein - Kirch-
vergleichsweise hohe objektive Sicherheit –      turmdenken
niedrige Kriminalitätsrate                       tlw. abkapselnde Tendenzen – Tirol als „Insel“;
hohe Identifikation der Bevölkerung mit dem      teilweise wenig Offenheit für Neues; wenig
eigenen Land bei gleichzeitig steigender Kri-    Diskussionsbereitschaft
tikbereitschaft                                nicht alle Leistungen im öffentlichen Sektor
hohes gesellschaftliches Engagement auf örtli- sind in ihrer Notwendigkeit für die Öffentlichkeit
cher Ebene                                     nachvollziehbar
moderner öffentlicher Sektor mit hoher Dienst-   Standortmuster und Strukturen der Verwaltung
leistungsorientierung                            teilweise zu optimieren
                                                 lückenhafte soziale Infrastruktur am Land
Chancen                                          Risiken
politische Entscheidungen nahe am Bürger         größer werdende Diskrepanz zwischen Arm
Lebensqualität durch ehrenamtliche Gestal-       und Reich
tung gesellschaftlicher Strukturen               Schere zwischen Einkommen und Lebenshal-
positives Bewusstsein für Naturressourcen        tungskosten
wecken                                           Kirchturmpolitik
                                                 Versäumen von Entwicklungen




ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses                    Stand: 29.1.2007
Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik                                Seite 15
Themenbereich Bildung, Forschung und Entwicklung
Stärken                                         Schwächen
breites Angebot an Grundschulen und im mitt- unzureichende Koordination der Bildungsan-
leren und höheren Schulbereich mit tlw. zielge- gebote vor allem im Bereich der Weiterbildung
richteter Spezialisierung                       und der generellen Angebote
dynamische Entwicklung im Fachhochschulbe- zu langsames Reagieren des Bildungssektors
reich und in Teilbereichen der Universität auf den Bedarf der Wirtschaft
einige universitäre und industrielle For-    keine internationale Schule
schungseinrichtungen auf hohem bzw. interna- keine Berufsschulen für innovative Branchen
tionalem Niveau                              bzw. Berufsschulen teilweise nicht am Stand
starke Dynamisierung im Bereich Technolo-    der Technik hinsichtlich Entwicklungsstand
gieentwicklung und Technologietransfer       und Ausrüstung
gutes Musikschulwesen                            z. T. mangelnde Grundfähigkeiten der Pflicht-
Grundlagenforschung                              schulabgänger (z.B. sprachliche Ausdrucksfä-
                                                 higkeit)
                                                 zu wenig technische Ausbildung auf universitä-
                                                 rem Niveau (z.B. FH Mechatronik)
                                                 keine umfassenden Strategien für Forschung
                                                 und Entwicklung
                                                 großes Potential für Energieforschung wird zu
                                                 wenig ausgenützt
                                                 experimentelle Entwicklungen
                                                 unzureichende Finanzierung der Forschung
                                                 über neue Kapitalquellen und Risikokapital
Chancen                                         Risiken
Teilnahme an internationalen Innovationen        Auflassen von Schulen aufgrund demografi-
Innovationsführerschaft ausbauen und Syner-      scher Entwicklung
gien nutzen                                      Wahrnehmung von Bildungschancen vom
Spezialisierungen v.a. in der Forschung          ÖPNRV abhängig
attraktiver Standort für F & E (Forschung und   Bildungswildwuchs
Entwicklung) mit hoher Outdoor-Freizeitqualität verlangsamtes Reagieren des Bildungssektors
und Lebensqualität                              auf den Bedarf der Wirtschaft
hoch qualifizierte Arbeitsplätze in F & E und    Bildungsangebot zunehmend von der Wirt-
damit kein „brain drain“                         schaft abhängig
Aufbau / Intensivierung von Kooperations-        Abwanderung gut ausgebildeter Forscherinnen
netzwerken                                       und Forscher aufgrund des Arbeitsmarkts
Internationalisierung des Bildungswesens         drohende Zugangsbeschränkungen zur Bil-
Gender-Budgeting bei Förderprogrammen            dung
Entwicklung von Kompetenzen bei „soft-
Innovationen“
Dynamisierung durch breites Verständnis von
Innovation (z.B. Tourismus)
Forschungsergebnisse besser kommunizieren
und daraus Multiplikatoreffekte generieren




ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses                   Stand: 29.1.2007
Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik                               Seite 16
Themenbereich Wohnen
Stärken                                           Schwächen
weithin hohe Wohnqualität                         teilw. beträchtliche Zersiedelung
hohe Wohnstandards                                hohe Grundstückspreise in guten Lagen
gute Wohnbauförderung in Tirol                    hohe Wohnungskosten in zentralen Lagen
guter Schutz vor Naturgefahren (Planung,          große Baulandreserven, unzureichende Bau-
Verbauungen)                                      landmobilität
                                                  teilw. Umweltbelastungen in Wohngebieten
                                                  (v.a. Inntalfurche)
                                                  Baukultur – kein breites Thema
                                                  Funktionsentleerung von Orts- und Stadtzent-
                                                  ren
Chancen                                           Risiken
Entwicklung von hochwertigen Wohnformen           frei stehendes Einfamilienhaus weiterhin als
mit geringem Flächenbedarf                        Wohnideal – damit weitere Ausdehnung der
„Ökologisierung“ des Wohnens (Solarenergie,       Siedlungen trotz stagnierender bzw. rückläufi-
Biomasse)                                         ger Einwohnerzahl
Baulandmobilisierung bei gleichzeitigem Wid-      hohe Erschließungskosten durch neue peri-
mungsstop                                         phere Sieldungs- und Wirtschaftsräume
Erhalt der ländlichen Identität und Kulturland-   Abwanderung / Fernbleiben bestimmter Bevöl-
schaft                                            kerungsgruppen aufgrund hoher Grundpreise
Revitalisierung der Ortskerne                     zunehmende Diskrepanz hinsichtlich der
                                                  Wohnqualität - Gunstlagen im Mittelgebirge
qualitätsvolle Architektur                        und „Sanierungsgebiet“ Inntal
                                                  Horten von Baulandreserven --> Bauland nicht
                                                  verfügbar
                                                  Verlust der identitätsstiftenden Strukturen in
                                                  den Ortskernen




ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses                      Stand: 29.1.2007
Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik                                  Seite 17
Themenbereich Versorgung und Infrastruktur
Stärken                                          Schwächen
nahezu flächendeckende Ausstattung mit Inf-      Problem Finanzierung ÖV und Infrastrukturen
rastrukturen und Basisdiensten                   vor allem in Zusammenhang mit Privatisierun-
hoher Standard der Grundversorgung in zent-      gen
ralen Räumen                                 Ausdünnungstendenzen und Nahversor-
soziale Dienste – gute Kombination Heime und gungsproblem in manchen Regionen
soziale Dienste                              Auflassung / Konzentration bestimmter Infra-
flächendeckende Gesundheitsversorgung        strukturen ist Tabuthema (z.B. Kleinstschulen,
samt allen Rettungsdiensten sichergestellt   Bezirksgerichte)
hohes Potential an heimischen regenerierba-      unzureichende Kinderbetreuung für berufstäti-
ren Energiequellen (Wasser und Biomasse)         ge Eltern
gute technische Infrastruktur bzw. Baulander-    Abhängigkeit von importierten fossilen Ener-
schließung                                       gieträgern
                                                 Potenzial an Biomasse, Solarenergie und
                                                 Wärmedämmung noch nicht ausgeschöpft
Chancen                                          Risiken
Entwicklung und Erprobung neuer, mobiler         Rückbau sozialer Infrastruktureinrichtungen in
Versorgungsangebote                              schwach besiedelten, peripheren Regionen mit
Stärkung der örtlichen Identität durch dichtes   rückläufigen Bevölkerungszahlen
Netz von Alten- und Pflegeheimen            flächendeckende Versorgung und infrastruktu-
bedarfsgerechte flächendeckende Ausstattung relle Ausstattung vor allem in peripheren Regi-
mit Kinderbetreuungseinrichtungen           onen aus Kostengründen gefährdet
Unabhängigkeit von Energieimporten
Nutzung eigener Energieressourcen
verstärkter Zugang zu Informations-
Kommunikations-Technologien
Integration in größeren Wirtschaftsraum
Entwicklung multimodaler Standorte und An-
gebote innerhalb von Regionen
Versorgung der Bevölkerung mit heimischen
Grundnahrungsmitteln




ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses                   Stand: 29.1.2007
Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik                               Seite 18
Themenbereich Wirtschaft
Stärken                                         Schwächen
einzelne Schlüsselbetriebe mit weltweiter Be-    teilw. unzureichendes Innovationsniveau
deutung                                          wenig technologieorientierte Branchen
breite Basis an leistungsfähigen KMU             saisonale Abhängigkeit
Bedeutung des Tourismus insbesondere für         noch zu geringe Bereitschaft zur betriebsüber-
Bergregionen                                     greifenden Zusammenarbeit
Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft auch Probleme mit Vereinbarkeit von Kindererzie-
für andere Bereiche (Tourismus, Erholung,    hung und Beruf
Kulturlandschaft, ...)
                                             unzureichende Kinderbetreuungseinrichtungen
seit einigen Jahre bewusste Entwicklung von  für berufstätige Eltern außerhalb von Ballungs-
Stärkefeldern / Clustern                     zentren (Innsbruck)
gute Ansätze der eigenständigen Regional-    regional teilw. unausgewogene Branchenstruk-
entwicklung                                  tur mit stark einseitiger Abhängigkeit vom Tou-
Qualitätsorientierung (v.a. im Tourismus)        rismus
teilweise hoch entwickelter Hotellerie- und      Gewerbegebiete z.T. zu klein, schlecht aus-
Gastronomiebereich                               gestattet oder in ungünstiger Lage
politische und wirtschaftliche Stabilität als    hohe Sozialkosten durch saisonale Arbeitslo-
Standortqualität für Betriebsansiedelungen       sigkeit
Chancen                                         Risiken
Differenzierungs- und Anpassungsfähigkeit der einseitige Ausrichtung auf den Tourismus
KMUs                                          unzureichendes Innovationsniveau verlagert
Kompensation geringer Betriebsgröße durch     den Schwerpunkt auf stark preisgetriebene
Kooperationen                                 Produkte und Dienstleistungen
Bündelung von Innovation und Ressourcen          Abwanderung von Unternehmenszentralen
durch Regionalentwicklung - Verkürzung von       zu starke Abhängigkeit von Leitbetrieben kann
Verkehrswegen durch heimischen Branchen-         zu Problemen führen
mix
                                             Standortkonkurrenz zwischen den Gemeinden
Absicherung der bergbäuerlichen Landwirt-    --> schlecht ausgestattete Gewerbegebiete
schaft durch den Tourismus, Synergien nutzen
                                             Massentourismus
Optimierung des touristischen Angebots
                                             internationale Standortkonkurrenz aufgrund
Weiterentwicklung endogener Potentiale –     unterschiedlicher Kostenstrukturen; Wettbe-
bottom up                                    werbsverzerrungen aufgrund unterschiedlicher
sektorale Qualitätsführerschaft im Gastrono- Fördersysteme
mie-, Hotelleriebereich                      zu geringe Wertschöpfung der KMUs aus der
Standortvorteile aufgrund der voranschreiten-    Bevölkerung
den Integration                                  Wettbewerbsnachteil durch vergleichsweise zu
Spezialisierungspotentiale und Nutzung neuer     hohe Umweltschutzauflagen
Märkte vorantreiben
weiche Standortfaktoren nützen
weitere Erhöhung der Gründungsintensität und
–quote
bewusstes Konzentrieren auf Wachstumsfel-
der




ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses                   Stand: 29.1.2007
Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik                               Seite 19
Themenbereich Beschäftigung – Arbeit
Stärken                                           Schwächen
motivierte und bildungswillige Mitarbeiterinnen   saisonale Arbeitslosigkeit
und Mitarbeiter                                   einheimischer Arbeitskräftemangel in bestimm-
günstige institutionelle Infrastruktur für Be-    ten Branchen
schäftigte (Rechtssicherheit, etc.)               unzureichende Bereitschaft der Einheimischen
in vielen Fällen gegebene Möglichkeit für Er-     im Tourismus zu arbeiten
werbskombinationen in der Land- und Forst-        eingeschränktes Arbeitsangebot und Abwan-
wirtschaft                                        derung der Bevölkerung aus peripheren Ge-
relativ niedrige Arbeitslosenquote im österrei-   bieten
chischen Vergleich                                Überalterungstendenzen
hohe Erwerbsquote                                 viele Arbeitsplätze im Niedriglohnsegment
Bevölkerungszuwachs durch Zuwanderung             Auseinanderklaffen von nachgefragten und
und Geburten                                      angebotenen Tätigkeiten bzw. Qualifikationen,
günstige institutionelle Infrastruktur für Be-    Brain drain
schäftigte (Rechtssicherheit, etc.)               unzureichende Kinderbetreuung für berufstäti-
                                                  ge Eltern
Chancen                                           Risiken
hoch qualifizierte Arbeitsplätze und damit kein   Abwanderung von Spitzenkräften durch nicht
„brain drain“                                     adäquate Arbeitsplatzangebote
Verringerung der saisonalen Arbeitslosigkeit      Negative Folgen aus der Flexibilisierung des
durch Ganzjahresangebote im Tourismus             Arbeitsmarktes vor allem für ohnehin benach-
Zuwanderung                                       teiligte Gruppen
steigende Bildungsbeteiligung                     Einkommensunterschiede (v.a. in Grenzregio-
                                                  nen)
voranschreitende Internationalisierung des
Arbeitsmarktes                                    Bevölkerungsstagnation und steigende Anteile
                                                  älterer Personen
Aufbrechen geschlechtsspezifischer Barrieren
                                                  fehlende Umsetzung von Projekten und Maß-
Modernisierung des Berufsausbildungssys-          nahmen
tems
                                                  Abwanderung von Betrieben in Niedriglohn-
Kreativität stärken und projektbezogenes Ar-      länder
beiten fördern
                                                  Entstehung von „Ghettoregionen“ mit weiterer
Wissen als Standortfaktor stärker heranziehen     Verschärfung der einseitigen Ausrichtung auf
und etablieren                                    den Tourismus




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Themenbereich Freizeit und Erholung, Kultur
Stärken                                         Schwächen
insgesamt großer Freizeit- und Erholungsraum Tendenzen zur Übererschließung und Kon-
– sowohl technisch als auch naturnah         zentration
breites Spektrum an unentgeltlichen Freizeit-    überschießende Projektvorstellungen (in Be-
möglichkeiten                                    zug auf Finanzierbarkeit, Standorteignung) und
breites Spektrum an Freizeit- und Erholungs-     hohe Ansprüche auf der Nachfrageseite
möglichkeiten                                    manche Sportarten, Freizeit- und Kulturange-
internationales Kulturangebot (z.B. Festwo-      bote zu teuer und v.a. für Familien unattraktiv
chen der alten Musik, Klangspuren, Tanz-         Abhängigkeit von klimatischen Verhältnissen;
sommer)                                          Schlechtwetterangebot im Sommer
Kulturerbe --> Tourismus                         unzureichendes Profil im Sommer (touristische
insgesamt gute kulturelle Versorgung bzw.        Kernkompetenz)
Infrastruktur v.a. in Verdichtungsräumen         hoher Umnutzungsdruck auf naturnahe Nah-
                                                 erholungsräume
                                                 Fehlen einer künstlerischen Ausbildung auf
                                                 universitärer Ebene
Chancen                                         Risiken
Optimierung des Freizeit-, Erholungs- und        Überreglementierung der Freizeit („Wander-
Kulturangebotes                                  schilling“, Skitouren-, Mountainbikeabgabe)
nachhaltig nutzbarer Erholungsraum in guter      Übererschließung von Berggebieten
Erreichbarkeit europäischer Ballungsräume        mangelnde Alternativen bei spürbarer Anhe-
Stärkung der Lebens- und Standortqualität        bung der Schneegrenze
sowie der Gesundheit                         kapital- und betriebskostenintensive Investitio-
hoher Nutzen von Freizeiteinrichtungen für   nen zum Ausgleich klimatischer Schwankun-
Einheimische und Verstärkung durch regionale gen
Vernetzung                                   Investitionen mit zu geringer Innovation und
                                             Ambition aufgrund kurzlebiger Trends




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Themenbereich Verkehr und Kommunikation
Stärken                                   Schwächen
Lage an europäischer Hauptver-            Verkehrsprobleme in verschiedenen Dimensionen
kehrsachse                                (Transit, Ziel-Quellverkehr und hausgemachter Ver-
fortgesetzter Infrastrukturausbau (z.B.   kehr)
Unterinntal, Brennerbasistunnel)          zunehmende Überlastung der Verkehrsinfrastruktur
Initiativen zum Ausbau des öffentli-      teilw. geringe Taktfrequenzen und Versorgungslücken
chen Verkehrs durch VVT und Regio-        im ÖV
nalbahn; Ergänzung des ÖV durch           Flughafen mit limitierter Kapazität, unzureichende An-
Tourismus (Skibusse)                      bindung an das int. Verkehrsnetz (z.B. Zürich, Amster-
nahezu flächendeckende Versorgung         dam)
mit Telekommunikationsinfrastruktur       teilw. schlechte Erreichbarkeit von zentralen Einrich-
für ÖPNRV grundsätzlich günstige          tungen aus den peripheren Regionen (v.a. Außerfern
Siedlungsstruktur (Verkehrsbündelung      und Osttirol)
möglich, Achsen von der Natur vorge-      verkehrsbedingte Umweltbelastungen an Transitrouten
geben)                                    und in Ballungsgebieten
                                          starke temporäre Verkehrsbelastungen (Tourismus,
                                          Pendeln)
                                          zum Teil geringe Intensität der Nutzung moderner
                                          Kommunikationsmedien
                                          hohe Sensibilität der Talräume gegenüber Emissionen
                                          aus dem Verkehr (Lärm und Schadstoffe)
                                          Straßen- und Bahnbau wegen Topografie und hoher
                                          Grundpreise verhältnismäßig teuer
                                          Lage des Flughafens inmitten des Siedlungsgebietes
Chancen                                   Risiken
Stärkung der Standortqualität durch       Reduktion der Standortchancen für verkehrstechnisch
gute überregionale und regionale Ver-     benachteiligte Gebiete
kehrsanbindungen                          Mobilitätsverlust einzelner Bevölkerungsanteile in dünn
temporäre Verkehrsspitzen durch           besiedelten Räumen
Steuerungsmaßnahmen glätten               Negativspirale im ÖV – weitere Senkung der Taktfre-
teilweise Verlagerung des Incoming-       quenz aufgrund zu geringer Auslastung und Akzeptanz
Tourismus vom Individual- auf den         Rückzug des ÖV aus der Fläche; Zugrunderichten des
öffentlichen Verkehr                      ÖV durch Tarifpolitik; negative Folgen aus der Liberali-
Intensität der Nutzung moderner           sierung des ÖV
Kommunikationsmedien durch Attrak- Schwächung des Tourismusimage wegen Verkehrsbe-
tivierung des Zuganges (durch flä-      lastungen
chendeckenden Ausbau) und der Kos-
ten erhöhen                             Ausschluss großer Zielgruppen an Flugpassagieren für
                                        Tirol aufgrund mangelhafter bzw. fehlender Flugver-
weiterführende Schritte der EU zur      bindungen
Kostenwahrheit in der Straßenerhal-
tung                                    weiter steigendes Straßenverkehrsaufkommen
Logistikkonzepte als Schnittstelle zwi- Emissionen und Staukosten
schen Schiene und Straße                  ungünstige Entwicklung des Modal Split (= Verteilung
                                          auf verschiedene Verkehrsmittel)
                                          Mobilitätsbeschränkungen von verschiedenen Nutzern




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2. Teil Die zukünftige Entwicklung des Landes




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2.1 Grundprinzipien der Landesentwicklung


Die Entwicklung unseres Landes geht alle an: Alle Menschen, die hier leben, die Wirtschafts-
treibenden und auch unsere Gäste. Sie alle sollen die folgenden Grundprinzipien mit tragen und
in ihrem Handeln berücksichtigen. Ganz besonders richten sich diese Grundprinzipen aber an
jene, die in Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben Entscheidungen treffen, die die Entwicklung
des Landes Tirol sowie seiner Regionen und Gemeinden maßgeblich beeinflussen.


Allgemeine Grundprinzipien der Landesentwicklung
•   Wir sind primär den Menschen in unserem Land verantwortlich – und zwar der gegenwär-
    tigen und den zukünftigen Generationen.
•   Wir schaffen Lebensbedingungen, welche die Entwicklung des Einzelnen unterstützen,
    Anreize für Leistung schaffen und den Zusammenhalt in der Gesellschaft fördern.
•   Wir unterstützen eine kulturelle Weiterentwicklung, welche Lebenssinn und Lebensfreude
    vermittelt, die Kommunikation stärkt und offen gegenüber Neuem ist.
•   Wir stärken gezielt die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Tirol.
•   Wir gehen mit den natürlichen Ressourcen unseres Landes sorgsam um und schützen die
    Schönheit und Vielfalt der Natur.
•   Wir bekennen uns zu einer Entwicklung, die auf Dauer ökonomisch sinnvoll, sozial verträg-
    lich und ökologisch tragfähig ist.


Raumbezogene Grundprinzipien
•   Wir berücksichtigen und unterstützen die Entwicklung der unterschiedlichen Potenziale in
    den verschiedenen Landesteilen im Rahmen einer aktiven Regionalpolitik.
•   Wir sind ein aktives Mitglied im Europa der Regionen, nützen die damit verbundenen
    Chancen und stellen uns den daraus erwachsenden Verpflichtungen.
•   Wir entwickeln unsere Siedlungen abgestimmt auf die Bedürfnisse der Bevölkerung und
    der Wirtschaft, berücksichtigen dabei die funktionellen Zusammenhänge und achten auf
    eine zweckmäßige und sparsame Nutzung der verfügbaren Flächen.
•   Wir gewährleisten und entwickeln qualitätsvolle und bedarfsorientierte Angebote der Da-
    seinsvorsorge und sichern den Zugang zu diesen Leistungen.
•   Wir schaffen Bedingungen zur Erhaltung und Entwicklung einer vielfältigen Kulturland-
    schaft, anerkennen dabei die Rolle der Land- und Forstwirtschaft und nehmen Bedacht auf
    zukünftige Nutzungsanforderungen.
•   Wir stärken die Gemeinden sowie deren Zusammenarbeit auf regionaler Ebene, wir för-
    dern Stadt-Umland-Kooperationen und berücksichtigen die besondere Rolle der Landes-
    hauptstadt Innsbruck für die Landesentwicklung.




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Grundprinzipien für die Umsetzung des ZukunftsRaum Tirol
•   Das Land Tirol unterstützt in Fragen der Landesentwicklung eine Grundhaltung, die durch
    Optimismus und Offenheit für Neues, aber auch durch Augenmaß und Glaubwürdigkeit
    geprägt ist.
•   Das Land Tirol handelt in Fragen der Landesentwicklung strategieorientiert, transparent
    und nachvollziehbar; es berücksichtigt inhaltliche Vernetzungen.
•   Das Land Tirol setzt den ZukunftsRaum Tirol aktiv um und ruft alle Verantwortlichen zur
    Mitarbeit auf. Die Umsetzung wird laufend dokumentiert und regelmäßig evaluiert.


Grundprinzipien mit Erläuterungen


Wir sind primär den Menschen in unserem Land verantwortlich – und zwar der gegen-
wärtigen und der zukünftigen Generationen.
Primäres Ziel der Landesentwicklung ist es, eine hohe Lebensqualität der hier lebenden und
arbeitenden Menschen zu ermöglichen und zu gewährleisten. Dies gilt für die Gegenwart, aber
auch für künftige Generationen im Sinne eines Offenhaltens von Entwicklungsmöglichkeiten.
Alle weiteren Ziele sind darauf auszurichten und in diesem Sinne miteinander abzustimmen.
Da „hohe Lebensqualität“ für jeden Menschen etwas anderes bedeutet, müssen Entwicklungs-
voraussetzungen geschaffen werden, die Platz für möglichst viele persönliche Optionen bieten.
Da es mannigfache Interessengegensätze und –konflikte geben kann, ist es eine wesentliche
Aufgabe der Landesentwicklungspolitik, Anliegen von gemeinsamem, öffentlichem Interesse zu
definieren und diesen bei Interessenabwägungen den Vorrang einzuräumen. Ebenso ist es ihre
Aufgabe dafür zu sorgen, dass möglichst viele Interessenskonflikte – insbesondere auch mit
Mitteln der Raumordnung – vorausschauend vermieden werden.


Wir schaffen Lebensbedingungen, welche die Entwicklung des Einzelnen unterstützen,
Anreize für Leistung schaffen und den Zusammenhalt in der Gesellschaft fördern.
Das Land schafft Rahmenbedingungen, innerhalb derer sich die Menschen des Landes die
angestrebten Lebensbedingungen eigenverantwortlich sichern können. Es forciert zugleich die
Entwicklung räumlicher Strukturen, die gemeinschaftsfördernd sowie sozial und gesellschaftlich
integrierend wirken.
Für die Entwicklung der Gesellschaft werden zwei Punkte als besonders wichtig erachtet: die
Offenheit gegenüber Neuerungen und Impulsen von außen sowie die Unterstützung von priva-
ten Initiativen, ohne die der gesellschaftliche Zusammenhalt praktisch unmöglich ist.
Eine wichtige Basis für eine erfolgreiche persönliche Entwicklung sind Angebote für die Aus-
und Weiterbildung, die eine breite Allgemeinbildung und berufsbezogenes Wissen gleicher
Maßen vermitteln.
Die Aspekte der Gleichbehandlung der Menschen - unabhängig von Geschlecht, Herkunft,
kulturellem und religiösem Hintergrund - sowie der Vereinbarkeit von Kindererziehung und Be-
ruf erfahren ein besonderes Augenmerk, ebenso auch der Wandel der persönlichen Lebens-
formen und der Arbeitswelt. Der bedarfsorientierten Betreuung von Kindern kommt in diesem
Zusammenhang eine besondere Rolle zu.
Jenen Bevölkerungsgruppen, die in den Möglichkeiten der eigenverantwortlichen Lebensgestal-
tung eingeschränkt sind, bietet das Land im Rahmen seiner Zuständigkeit wirksame Unterstüt-
zung. Dies gilt insbesondere für die Betreuung behinderter, älterer und pflegebedürftiger Mit-
bürgerinnen und Mitbürger.




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Wir unterstützen eine kulturelle Weiterentwicklung, welche Lebenssinn und Lebensfreu-
de vermittelt, die Kommunikation stärkt und offen gegenüber Neuem ist.
Im Umgang mit der Tiroler Kultur muss einerseits versucht werden, landesspezifische Traditio-
nen und Volkskultur zu pflegen, andererseits muss bei der geistig-kulturellen Weiterentwicklung
eine Offenheit gegenüber neuen Strömungen gewährleistet sein.
Die geistig-kulturellen Lebensgrundlagen sind zu sichern und die bestehende kulturelle Infra-
struktur ist gezielt auszubauen.



Wir stärken gezielt die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Tirol.
Der wirtschaftliche Erfolg bildet die materielle Lebensgrundlage der Menschen, der Gesellschaft
und somit einer allgemeinen Wohlfahrt. Die Sicherung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
der Tiroler Wirtschaft bzw. des Wirtschaftsstandortes Tirol stellt daher – insbesondere auch zur
Gewährleistung eines hohen Beschäftigungsniveaus – einen unverzichtbaren Grundpfeiler der
Landesentwicklung dar.
Im internationalen Wettbewerb setzt Tirol auf das hohe Ausbildungsniveau und die Leistungs-
bereitschaft der Betriebe und der Beschäftigten, die weitere Entwicklung von geeigneten Stär-
kefeldern, die hohe Attraktivität der Natur- und Kulturlandschaft, den sozialen Frieden und eine
effiziente öffentliche Verwaltung.
In diesem Rahmen gilt es, Standortvoraussetzungen zu schaffen, die sowohl für die weltweit
agierenden Tiroler Unternehmen wie auch für die nahbereichsorientierten Betriebe bestmögli-
che Bedingungen bieten. Besonderes Augenmerk gilt hier den Bereichen Bildung und For-
schung. Gleichermaßen müssen die Bedürfnisse der arbeitenden Menschen bei der wirtschaft-
lichen Weiterentwicklung berücksichtigt werden.
Im Gesamtzusammenhang der Landesentwicklung wird eine wirtschaftliche Entwicklung nach
dem Grundprinzip der ökosozialen Marktwirtschaft angestrebt. Die Grenzen der wirtschaftlichen
Entwicklung sind dort zu setzen, wo die sozialen und gesundheitlichen Belange der Bevölke-
rung nicht ausreichend berücksichtigt werden und die dauerhafte Funktionsfähigkeit des Öko-
systems nicht gesichert ist.



Wir gehen mit den natürlichen Ressourcen unseres Landes sorgsam um und schützen
die Schönheit und Vielfalt der Natur.
Natur ist nicht nur nach ökonomischen Kriterien zu messen. Die Landesregierung bekennt sich
daher zur Erhaltung und Pflege von Arten, Lebens- und Landschaftsräumen, insbesondere
wenn sie standorttypisch und selten sind oder besondere Bedeutung für die naturnahe Erho-
lung haben.
Maßnahmen zur Erhöhung der Akzeptanz von Schutzmaßnahmen und zur Vermittlung ökologi-
scher Zusammenhänge kommt besondere Bedeutung zu. Wo es möglich ist, werden Schutz-
strategien im obigen Sinne mit Impulsen zur sanften wirtschaftlichen Nutzung verknüpft.
Tirol ist als Gebirgsland reich an Naturwerten und -schätzen, welche spezifische Ressourcen
bieten, aber auch vor Übernutzung geschützt werden müssen. Daher unterliegen die natürli-
chen Ressourcen des Landes einer nachhaltigen Nutzung, wobei die Disposition im eigenen
Land verbleiben muss.
Der Schutz der Lebensgrundlagen und die Reduktion von gesundheits- und umweltschädlichen
Emissionen bleibt ein wichtiges Ziel. Die Raumordnung sorgt vor, dass die Auswirkungen un-
vermeidlicher Immissionen so gering wie möglich sind.




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Wir bekennen uns zu einer Entwicklung, die auf Dauer ökonomisch sinnvoll, sozial ver-
träglich und ökologisch tragfähig ist.
Die Landesentwicklung orientiert sich verstärkt am Grundsatz der Nachhaltigkeit im Sinne der
Vermeidung langfristig negativer Wirkungen und der langfristigen Sicherung von Nutzungsmög-
lichkeiten. Die drei Säulen der Nachhaltigkeit – Gesellschaft, Wirtschaft und Ökologie – müssen
zueinander in Balance stehen und dürfen nicht einseitig betont werden. In diesem Sinn bekennt
sich die Landesregierung zum steuernden Ausgleich.
Ziel ist eine in sich schlüssige räumliche und wirtschaftliche Entwicklung. Diese nützt die Stär-
ken und Ressourcen Tirols und bietet Entfaltungsräume für neue Ideen und Initiativen. Sie res-
pektiert aber auch die Begrenztheit des nutzbaren Raumes und die sich daraus ergebenden
Restriktionen – insbesondere bei Nutzungsansprüchen mit hohem Flächenbedarf oder hohen
Emissionen.
Um dieses Gleichgewicht wahren zu können ist es nötig, die globalen Trends mit Einfluss auf
unser Land als Herausforderungen zu begreifen, die darin liegenden Chancen für die Landes-
entwicklung gezielt zu nutzen und die damit verbundenen Probleme kompetent zu lösen.



Wir berücksichtigen und unterstützen die Entwicklung der unterschiedlichen Potenziale
in den verschiedenen Landesteilen im Rahmen einer aktiven Regionalpolitik.
Tirol weist in seiner inneren Strukturierung eine große Vielfalt auf. Es macht weder ökonomisch
noch im Hinblick auf öffentliche Interessen und öffentliche Finanzen Sinn, in unterschiedlichen
Raumtypen gleiche Entwicklungsmuster anzustreben.
Verdichtungsräume im Bereich der Haupttäler, touristische Intensivräume, ländliche Räume
ohne ausgeprägte wirtschaftliche Schwerpunkte und naturnahe Räume verfügen über unter-
schiedliche Entwicklungspotenziale und benötigen daher unterschiedliche Entwicklungsstrate-
gien.
Die Landesentwicklung ist folglich so zu lenken, dass in allen Landesteilen die Stärken und
Chancen der jeweiligen Regionen gefördert und gleichzeitig Nachteile und Schwächen mög-
lichst kompensiert werden. Die unterschiedlichen räumlichen Standortvoraussetzungen in Tirol
werden nicht als Nachteil, sondern als Chance verstanden, für Menschen mit unterschiedlichen
Präferenzen attraktive Lebensmöglichkeiten zu bieten.
Die Regionalpolitik muss daher weiterhin einen hohen Stellenwert beibehalten, um der inneren
Vielfalt Tirols und den unterschiedlichen Entwicklungsvoraussetzungen gerecht zu werden.
Gerade die Entwicklung einer Region primär aus eigenen Kräften ist der beste Garant für Au-
thentizität und Glaubwürdigkeit und in der Folge für den Erfolg.
Es bedarf jedoch auch einer Solidarität der Regionen untereinander, damit raumbezogene
Nachteile verringert werden können und eine bessere Chancengleichheit der Regionen zu er-
zielen ist.



Wir sind ein aktives Mitglied im Europa der Regionen, nützen die damit verbundenen
Chancen und stellen uns den daraus erwachsenden Verpflichtungen.
Globale Zusammenhänge in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt beeinflussen auch die Ent-
wicklung Tirols in zunehmendem Maße. Globale Trends zu erkennen und daraus Konsequen-
zen zu ziehen ist daher eine grundlegende Notwendigkeit.
Insbesondere sieht sich Tirol als aktives Mitglied in einem Europa der Regionen und nimmt die
daraus resultierenden Chancen und Pflichten wahr.
Die Zusammenarbeit, insbesondere mit benachbarten Regionen, im Alpenraum und mit ande-
ren Bergregionen wird weiter intensiviert. Die Landesentwicklung wird mit den Planungen und
Entwicklungen benachbarter Länder abgestimmt.




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Auch in Zeiten rascher Entwicklung, der Auflösung der Grenzen und der Weitung der Horizonte
muss es dennoch möglich sein, die kulturelle Identität Tirols auch im globalisierten Umfeld zu
bewahren und zu pflegen.
Als Bundesland der Republik Österreich und als Teil der Europäischen Union werden wesentli-
che Rahmenbedingungen für die Landesentwicklung von der nationalen und europäischen
Ebene bestimmt. Tirol nimmt für sich in Anspruch, seine vitalen Interessen gegenüber diesen
politischen Einheiten mit Nachdruck zu vertreten. Besonders wird dabei die Berücksichtigung
jener spezifischen Anliegen gefordert, die aufs Engste mit dem Gebirgscharakter des Landes
und der verkehrsgeografischen Lage zu tun haben.
Tirol sieht in der Alpenkonvention ein nützliches Instrument einer nachhaltigen Entwicklung
alpiner Regionen. Das Land setzt aber voraus, dass die Anwendung entwicklungsbeschrän-
kender Bestimmungen im gesamten Geltungsbereich einheitlich erfolgt, damit es zu keinen
Wettbewerbsverzerrungen kommt.
Als Ausdruck weltweiter Solidarität unterstützt Tirol den „Global Marshall Plan“, welcher eine
nachhaltige und gerechte Sicherung der Lebensgrundlagen für die gesamte Weltbevölkerung
zum Ziel hat.



Wir entwickeln unsere Siedlungen abgestimmt auf die Bedürfnisse der Bevölkerung und
der Wirtschaft, berücksichtigen dabei die funktionellen Zusammenhänge und achten auf
eine zweckmäßige und sparsame Nutzung der verfügbaren Flächen.
Für den Flächenbedarf der Bevölkerung für Wohnen, Wirtschaft und Versorgung sind die erfor-
derlichen Flächen in geeigneter Lage bereit zu stellen, wobei
- eine weitere Zersiedelung zu vermeiden ist,
- eine auf das jeweilige Siedlungsumfeld abgestimmte Flächen sparende Nutzung angestrebt
   wird, wobei zugleich eine optimale Qualität für die jeweilige Nutzung zu sichern ist,
- auf eine geeignete infrastrukturelle Ausstattung und Erschließung zu achten ist und
- für die Kosten der Erschließung und Versorgung der Standorte von den Nutzern in geeigne-
   ter Form Beiträge zu leisten sind.
Die Standorteignung ist nicht nur im örtlichen Zusammenhang zu beurteilen, sondern wird auch
im überörtlichen Kontext gesehen.
Besonderes Augenmerk wird auf die Eindämmung des Flächenverbrauches, die Berücksichti-
gung der funktionellen Zusammenhänge und die möglichst weitgehende Erhaltung der Frei-
räume gelegt. Die Siedlungsentwicklung hat im Einklang mit der Tragfähigkeit der ökologischen
Systeme zu erfolgen, aber auch die Naturgefahren und Gefährdungen durch Immissionen zu
berücksichtigen.
Außerdem ist der Siedlungsraum so zu gestalten, dass unnötiger Verkehr vermieden wird und
durch seine Erschließung keine unangemessenen volkswirtschaftlichen Kosten entstehen.


Wir gewährleisten und entwickeln qualitätsvolle und bedarfsgerechte Angebote der Da-
seinsvorsorge und sichern den Zugang zu diesen Leistungen.
Zur Abdeckung wichtiger Grundbedürfnisse wie Gesundheit, Pflege, Erholung, Arbeit, Bildung,
Versorgung, Mobilität und Sicherheit werden effiziente Infrastrukturen für alle Bevölkerungs-
schichten bereit gestellt. Damit kann der soziale und regionale Zusammenhalt der Gesellschaft
gesichert werden.
Die Landesentwicklung zielt darauf ab, regional ein breit gefächertes und auch mit Rücksicht
auf die öffentlichen Haushalte gut abgestimmtes Angebot an Leistungen der Daseinsvorsorge
bereit zu stellen und die Zugänglichkeit dieser Angebote in allen Teilen des Landes unter Be-
rücksichtigung möglicher Eigeninitiativen zu gewährleisten.
Bei der Erbringung von Leistungen der Daseinsvorsorge sind – gleicher Maßen für öffentliche
Dienstleistungen und privatwirtschaftlich geführte Unternehmen – klare Anforderungsprofile und



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Leistungsstandards zu definieren und deren Einhaltung laufend zu überprüfen. Die Koordination
öffentlicher und privater Angebote ist sicherzustellen.
Damit der Zugang zu den Leistungen der Daseinsvorsorge auch für Menschen mit einer einge-
schränkten Mobilität sichergestellt werden kann, ist auf ein ausreichendes Angebot des öffentli-
chen Verkehrs zu achten.
Bei der Entwicklung der Verkehrssysteme ist den umweltschonenden Verkehrsmitteln erhöhte
Bedeutung beizumessen. Die Erreichbarkeit von Schulen, Arbeitsplätzen, Versorgungseinrich-
tungen und Freizeit- bzw. Erholungseinrichtungen im ÖPNV wird optimiert bzw. bei der Stand-
ortplanung berücksichtigt. Die Attraktivität und Akzeptanz der Schiene insbesondere für den
Gütertransit muss gesteigert werden, die Belastungen Tirols durch den Transit sind zu reduzie-
ren.


Wir schaffen Bedingungen zur Erhaltung und Entwicklung einer vielfältigen Kulturland-
schaft, anerkennen dabei die Rolle der Land- und Forstwirtschaft und nehmen Bedacht
auf zukünftige Nutzungsanforderungen.
Tirol besitzt eine über Jahrhunderte entwickelte und gepflegte Kulturlandschaft, die – in Ein-
klang mit der historischen Gebäudesubstanz – wesentlich zum Selbstverständnis des Landes
und zum Tirolbild außerhalb des Landes beiträgt.
Die Kulturlandschaft hat eine große Bedeutung für die ökologische Vielfalt und den Erholungs-
wert Tirols. Sie stellt einen Schlüsselfaktor des Lebens- und Wirtschaftsraumes dar, für deren
Erhaltung die Land- und Forstwirtschaft unverzichtbar ist. Daher sind auch die Rahmenbedin-
gungen für die Land- und Forstwirtschaft so zu gestalten, dass sie ihre Funktion weiterhin erfül-
len kann.
Die traditionelle Volkskultur mit ihrer regionalen und lokalen Vielfalt hat ihre Wurzeln primär in
der ländlichen bzw. bäuerlichen Bevölkerung.
Notwendige Neuerungen und Anpassungen der Landschaftsnutzungen an die aktuellen und
zukünftigen Bedürfnisse müssen vorgenommen werden. Jedoch sind die Rahmenbedingungen
zu schaffen innerhalb derer das Landschaftsbild in den wesentlichen Grundzügen erhalten und
maßvoll weiterentwickelt werden kann.



Wir stärken die Gemeinden sowie deren Zusammenarbeit auf regionaler Ebene, wir för-
dern Stadt-Umland-Kooperationen und berücksichtigen die besondere Rolle der Landes-
hauptstadt Innsbruck für die Landesentwicklung.
Die Gemeinden als die den Bürgern am nächsten stehende Gebietskörperschaft haben weiter-
hin die zentralen Aufgaben in der Entwicklung und Gestaltung des engeren Lebens- und Wirt-
schaftsraumes zu erfüllen.
Die Zusammenarbeit auf regionaler Ebene wird jedoch massiv gestärkt, um ein zu gemeinde-
bezogenes Denken zu überwinden, wo dieses eine sinnvolle Erfüllung der öffentlichen Aufga-
ben behindert.
Die Bemühungen zur Stärkung ländlicher Regionen dürfen keinesfalls zu einer Abschottung von
den Städten führen. Gerade unter künftigen Bedingungen sind die Chancen der ländlichen Ent-
wicklung mehr denn je von der Stadt-Land-Zusammenarbeit abhängig. Speziell betrifft dies die
Landeshauptstadt Innsbruck, die aufgrund ihrer Größe und ihrer zentralen Einrichtungen für die
Landesentwicklung eine besondere Bedeutung hat.




ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses                       Stand: 29.1.2007
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Das Land Tirol unterstützt in Fragen der Landesentwicklung eine Grundhaltung, die
durch Optimismus und Offenheit für Neues, aber auch durch Augenmaß und Glaubwür-
digkeit geprägt ist.
Eine erfolgreiche Landesentwicklung braucht als emotionale Basis Optimismus, Zuversicht,
Begeisterungsfähigkeit und Visionen. Sie braucht andererseits Realismus, Wissen und Können,
Glaubwürdigkeit und Augenmaß.
Durch die direkte Beteiligung verschiedenster gesellschaftlicher Gruppierungen an der Erstel-
lung des ZukunftsRaum Tirol und durch eine aktive Kommunikation des Prozesses wird eine
positive Grundstimmung aufgebaut.
Die sachliche Darlegung von wichtigen generellen Trends, Stärken und Schwächen, Chancen
und Risiken ist Grundlage für den Realitätsbezug. Es gilt, die Stärken unseres Landes zu er-
kennen und zu forcieren. Es gilt aber auch, zu Schwächen und Problemen zu stehen und kon-
sequent an ihrer Lösung zu arbeiten.


Das Land Tirol handelt in Fragen der Landesentwicklung strategieorientiert, transparent
und nachvollziehbar; es berücksichtigt inhaltliche Vernetzungen.
Die Rahmensetzungen und aktiven Impulse für die Landesentwicklung folgen einem strategi-
schen Gesamtkonzept. Dieses zeichnet sich durch Transparenz und Verbindlichkeit aus. An
relevante Änderungen der äußeren Rahmenbedingungen wird es – unter Wahrung der maß-
geblichen Grundprinzipien – dynamisch angepasst.
Der ZukunftsRaum Tirol stellt wesentliche Aspekte der Landesentwicklung in ihren Zusammen-
hang und verfolgt einen Ansatz, der Vernetzungen innerhalb des Landes aber auch über Tirol
hinaus berücksichtigt.
Angesichts der Vielschichtigkeit der Ansprüche an den Raum sind nicht alle Probleme im Kon-
sens zu lösen. In Kenntnis und Respektierung unterschiedlicher Werthaltungen und Interessen
werden daher von der Politik Entscheidungen herbeigeführt, die sich verantwortungsvoll und
klar an langfristigen öffentlichen Interessen des Landes orientieren. Der ZukunftsRaum trägt in
diesem Sinne zu einer nachvollziehbaren Werteorientierung und -abwägung bei.


Das Land Tirol setzt den ZukunftsRaum Tirol aktiv um und ruft alle Verantwortlichen zur
Mitarbeit auf. Die Umsetzung wird laufend dokumentiert und regelmäßig evaluiert.
Landesregierung und Landesverwaltung orientieren sich bei ihren raumbezogenen Tätigkeiten
am Raumordnungsplan ZukunftsRaum Tirol.
Die Umsetzung des ZukunftsRaums erfolgt mit allen dem Land zur Verfügung stehenden In-
strumenten. Deren Optimierung ist ein Bestandteil des ZukunftsRaums.
Der ZukunftsRaum erleichtert sachgerechte Einzelentscheidungen und unterstützt den effizien-
ten Einsatz knapper werdender öffentlicher Mittel.
Die Umsetzung des ZukunftsRaums wird durch ein entsprechendes Monitoring, darauf gestütz-
te Berichte und Evaluierungen dokumentiert.
Änderungen und Weiterentwicklungen des ZukunftsRaums Tirol basieren auf strategischen
Überlegungen.




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2.2 ZukunftsRaum Tirol und interessensspezifische Ansprüche

Über die Bearbeitung der sektoralen Themenschwerpunkte (siehe 3. Teil) hinaus werden in
diesem Kapitel für die räumliche Entwicklung wichtige Querschnittsthemen und maßgebliche
Ansprüche von Gesellschaft und Wirtschaft behandelt.
•   Dieses Kapitel stellt in knapper Form dar, welche Ansprüche an den ZukunftsRaum aus der
    Sicht bestimmter Interessengruppen gestellt werden;
•   es zeigt auf, wie diese spezifischen Ansprüche in die Gesamtsicht des ZukunftsRaums
    eingebettet sind;
•   es beschreibt die Schnittstellen zu spezifischen Aktivitäten in den jeweiligen Zuständig-
    keitsbereichen und verdeutlicht den Koordinierungsbedarf;
•   im Sinne eines „internen Wegweisers“ stellt es schließlich Verknüpfungen zu den sektora-
    len Themen des ZukunftsRaums her.




2.2.1    Gesellschaft


Gesellschaftliche Gruppen


Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen haben aufgrund ihrer persönli-
chen Lebenssituation besondere Ansprüche an die zukünftige Entwicklung des Landes:
•   Für Kinder und Jugendliche sind vor allem ein sicheres soziales Umfeld, interessante und
    sichere Spiel- und Freizeitangebote (Spielplätze, Jugendtreffs, Vereine u.ä.) sowie eine
    positive Zukunftsperspektive mit motivierenden Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten in einer
    gesunden Umwelt wichtig.
•   Bei Familien, Partnerschaften oder Elternteilen mit Kindern stehen nach der Grundvoraus-
    setzung einer gesicherten materiellen Existenz eine leistbare Wohngelegenheit in einem
    gesunden Wohnumfeld mit sicheren Verkehrswegen meist an erster Stelle der Prioritäten.
    Dazu kommen flexible Möglichkeiten der Kinderbetreuung, gut erreichbare Schulen und
    vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten für die Kinder. Eine leicht erreichbare Grundversor-
    gung, öffentliche Verkehrsmittel für die Familienmitglieder ohne PKW und leistbare Frei-
    zeitangebote für Eltern und Kinder runden das Spektrum der wichtigsten Bedürfnisse ab.
•   Die Gleichbehandlung von Männern und Frauen erfordert die aktive Berücksichtigung der
    Ansprüche und Anliegen von Frauen in der Planung und Umsetzung von öffentlichen Maß-
    nahmen. Frauen stellen insbesondere wegen ihrer vielfältigen sozialen Beziehungen spe-
    zifische Anforderungen an Mobilität (bedarfsgerechte öffentliche Verkehrsmittel), Arbeits-
    markt (nahe gelegene Arbeitsstandorte, flexible Teilzeit- aber auch Vollzeitmodelle, berufli-
    cher Wiedereinstieg, Gleichstellung der Entlohnung) und soziale Infrastruktur (flexible Kin-
    derbetreuung, Unterstützung bei der Hauspflege).
•   Seniorinnen und Senioren übernehmen eine zunehmend aktive Rolle in der Gesellschaft.
    Die älteren Menschen verlangen immer mehr spezielle altersgerechte Angebote wie z. B.
    Freizeitmöglichkeiten, bieten aber auch zusätzliche Potenziale für die Gemeinwesenarbeit.
    Mit zunehmendem Alter und im Falle von Krankheit, Gebrechlichkeit oder Demenz steigt
    das Bedürfnis nach Pflege und Betreuung – bevorzugt im vertrauten Umfeld, was den
    Wohnort und das soziale Umfeld betrifft. Die Zukunft soll für die älteren Menschen planbar
    sein, Armut und Vereinsamung sind von ihnen abzuwenden. Eine gut erreichbare Grund-
    versorgung und ebensolche öffentliche Verkehrsmittel sind weitere wichtige Bedürfnisse.




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•   Menschen mit Behinderungen wollen in der Regel ein möglichst eigenständiges Leben mit
    einer adäquaten Wohnung und einem geeigneten Arbeitsplatz führen. Dennoch braucht es
    oft auch Betreuung und Hilfestellungen, damit alle Lebenssituationen gemeistert werden
    können. Barrierefreie Zugänge, eine erreichbare Grundversorgung und behindertenge-
    rechte öffentliche Verkehrsmittel erleichtern oft das Leben.
•   Migrantinnen und Migranten wollen akzeptierte Mitglieder der Tiroler Gesellschaft sein mit
    dem gleichzeitigen Anspruch, dass ihr kultureller und religiöser Hintergrund respektiert
    wird.
•   Urlaubsgäste Tirols erwarten sich Freundlichkeit, professionelle Dienstleistungen und ein
    Umfeld, das ihnen die Erfüllung ihrer Erwartungen ermöglicht. Die einheimische Bevölke-
    rung erwartet sich aber auch die Rücksichtnahme auf Natur und Kultur des Landes.


Der ZukunftsRaum kommt mit seinen Strategien diesen Bedürfnissen weitgehend entgegen:
•   Durch die Orientierung an den Prinzipien der Nachhaltigkeit wird gewährleistet, dass die
    hohe Lebens- und Umweltqualität Tirols auch in Zukunft erhalten bleibt.
•   Der ZukunftsRaum zielt auf flächendeckende und qualitätsvolle Angebote der Daseinsvor-
    sorge sowie effiziente Nutzungen der bestehenden Infrastrukturen ab. Wegen der be-
    grenzten öffentlichen Haushalte sind aber Schwerpunktsetzungen nötig.
Innerhalb der Landesverwaltung ist die Koordination mit jenen Dienststellen wahrzunehmen, die
sich mit den Bedürfnissen und Problemen bestimmter gesellschaftlichen Gruppen beschäftigen.
Das „Projekt 2010“ fördert Maßnahmen zur Entwicklung einer nachhaltigen Jugendbeteili-
gungskultur in Tirol.
Aktuell stehen Entwicklungen zur Ausweitung und Flexibilisierung der Kinderbetreuung in Um-
setzung (Nachmittagsbetreuung in Pflichtschulen) oder Diskussion (Kinderbetreuungskonzept).
Das Leitbild „Integration MIT Zugewanderten in Tirol“ orientiert sich an Respekt und Wertschät-
zung für soziale und kulturelle Vielfalt, der Chancengleichheit aller hier lebenden Menschen und
der gemeinsamen Verantwortung für einen laufenden Prozess der Integration.


Der ZukunftsRaum Tirol enthält vertiefende Inhalte vor allem in den Kapiteln 3.3 bis 3.7.




Gesellschaftliche Ansprüche


Der Zusammenhalt der Gesellschaft ist eine hochrangige Zielsetzung auf europäischer Ebene,
soll aber im Zeitalter der Globalisierung auch eine weltweite Dimension erzielen. Die Verschie-
denheit von Menschen und Kulturen ist in einem offenen und demokratischen Vorgehen auf
ihre motivierende und bereichernde Wirkung für das persönliche und gesellschaftliche Leben
auszurichten. Die sozialen und kulturellen Unterschiede müssen in ihren Auswirkungen aber
auch eingeschränkt und gemildert werden, um Chancengleichheit zu ermöglichen, soziale Be-
nachteiligung und gesellschaftliche Polarisierung zu verhindern.




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Gesundheit als Zustand des völligen körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Wohlbe-
findens (WHO 1994) hat sich zu einem umfassenden gesellschaftlichen Anspruch entwickelt,
welchen die Menschen in allen Lebenslagen anstreben. Dadurch ergeben sich mannigfache
Wechselwirkungen des Gesundheitswesen zu anderen Lebens- und Politikbereichen wie Bil-
dung, Ernährung, Arbeit und Wirtschaft, Umwelt, Freizeit u.ä. Das Gesundheitssystem mit sei-
nen vielfältigen Einrichtungen und Abläufen sieht sich – nicht zuletzt auch wegen des demogra-
phischen Wandels - hohen Ansprüchen aber auch der Herausforderung deren Finanzierung
ausgesetzt.
Tirol kann seinen Einwohnern und Gästen in vielen Lebensbereichen vorzügliche gesundheitli-
che Umgebungsqualitäten und qualitativ hoch stehende Einrichtungen des Gesundheitswesen
und attraktive Wellnessangebote bieten. Besondere Herausforderungen bestehen durch den
demographischen Wandel, die hohen qualitativen Ansprüche der Menschen an ein einheitliches
Versorgungssystem und dessen Finanzierbarkeit.
Aus der Gesamtsicht des ZukunftsRaums stehen in Bezug auf das Gesundheitswesen folgende
Zielsetzungen im Vordergrund:
•    des zunehmenden Pflegebedarfs für ältere Menschen insbesondere auch im privaten Um-
     feld,
•    der Einrichtungen einer am Patienten orientierten Behandlungskette im Gesundheitswe-
     sen,
•    der Steigerung der Effizienz des Gesundheitssystems,
•    der Verbesserung der Umweltqualität, vor allem in den Verdichtungsräumen.
Die Umsetzung der genannten Zielsetzungen bedingt eine enge Abstimmung des Zukunfts-
Raums mit dem Österreichischen Strukturplan 2006 für Gesundheitsleistungen.
Der ZukunftsRaum enthält vertiefende Inhalte im Kapitel 3.4.


Bildung ist die Kernkompetenz einer auf Entwicklung und Fortschritt ausgerichteten Gesell-
schaft. Bildung steht heute für einen lebensbegleitenden Entwicklungsprozess des Menschen,
bei dem er seine Fähigkeiten und Kompetenzen erweitert. Der freie Zugang zu Information und
Wissen ist eine öffentlich wahrzunehmende Voraussetzung für die persönliche Entfaltung des
Menschen.
Tirol bietet ein überaus breites und überregional bedeutsames Angebot an Bildungseinrichtun-
gen an. Die abnehmende Anzahl der Kinder und Jugendlichen sowie die zunehmend Anspruch
insbesondere auf berufliche Weiterbildung und Qualifizierung stellen besondere Herausforde-
rungen dar.
Aus der Gesamtsicht des ZukunftsRaums stehen in Bezug auf das Bildungswesen folgende
Zielsetzungen im Vordergrund:
•    Chancengleichheit im Zugang und Durchlässigkeit im Bildungssystem
•    verstärkte Ausrichtung der Bildungsangebote auf Wirkung und Qualität,
•    spezifische Ergänzung von mittleren und hohen Bildungsangeboten (Kunst, Technik) und
     deren Erreichbarkeit,
•    der organisatorischen Verbesserung des Bildungsangebotes im Bereich der lokalen Er-
     wachsenenbildung.
Die Umsetzung der genannten Zielsetzungen bedingt auf Landesebene eine enge Abstimmung
des ZukunftsRaums mit dem Tiroler Bildungskonzept und dem Tiroler Kinderbetreuungskon-
zept.
Der ZukunftsRaum enthält vertiefende Inhalte im Kapitel 3.4.




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Daseinsvorsorge ist die staatliche Aufgabe zur Bereitstellung von Leistungen und Gütern von
allgemeinem Interesse. Diese öffentlichen Leistungsangebote stehen unter dem Einfluss von
Liberalisierung und demographischer Entwicklung.
Die öffentlichen Stellen in Tirol erbringen vielfältige Leistungen der Daseinsvorsorge, welche
den Bürgern und der Wirtschaft ein hohes Versorgungsniveau gewährleisten. Die Besonderhei-
ten eines Berggebietes mit überwiegend klein strukturierten Versorgungseinrichtungen und
aufwändigeren Infrastrukturen weisen auf zukünftige Herausforderungen hin: Aufrechterhaltung
einer flächendeckenden und qualitätsvollen Versorgung als öffentliche Aufgabe, Steigerung der
Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Leistungsangebote.
Aus der Gesamtsicht des ZukunftsRaums stehen in Bezug auf die Daseinsvorsorge folgende
Zielsetzungen im Vordergrund:
•    der Aufrechterhaltung der öffentlichen Kontrolle über alle wesentlichen Bereiche der Da-
     seinsvorsorge und deren Leistbarkeit für die Nutzerinnen und Nutzer,
•    der integrativen Planung und kommunikativen Abstimmung von großen Infrastrukturvorha-
     ben,
•    der stärkeren Orientierung auf Kooperationen der Betreiber und der effizienten Steuerung
     des Betriebes,
•    der Erfüllung geeigneter Aufgabenstellungen durch PPP-Modelle oder marktwirtschaftliche
     Einrichtungen.
Der ZukunftsRaum enthält vertiefende Inhalte in den Kapiteln 3.4 und 3.5.


Grund und Boden ist einer der Produktionsfaktoren der Volkswirtschaft. Das Eigentumsrecht
ordnet die Verfügbarkeit über Sachen und insbesondere Grundstücke und Gebäude eigenver-
antwortlichen Personen und Institutionen zu. Der Umgang mit Grund und Boden, seine Nutzun-
gen und Nutzungsabsichten sind aber auch Kerninhalte des öffentlichen Verwaltungsrechtes
wie insbesondere der Bau- und Raumordnung, des Agrar- und Forstrechts, von diversen
Rechtsmaterien über öffentliche Infrastruktureinrichtungen usw.
Tirol verfügt als Gebirgsland über wenig dauerhaft und intensiv nutzbaren Raum. In den Haupt-
tälern und auf den begleitenden Terrassen bündeln sich vielfältige Infrastrukturen neben dich-
ten Siedlungen, Landwirtschaft und Tourismus konzentrieren sich zunehmend in Gunstlagen.
Angesichts abnehmender staatlicher Autoritäten und zunehmender Differenzierungen von
Werthaltungen wird die Verfügbarkeit von Grund und Boden für öffentliche oder gemeinnützige
Zwecke immer geringer und teurer.


Aus der Gesamtsicht des ZukunftsRaums stehen in Bezug auf den Umgang mit Grund und
Boden folgende Zielsetzungen im Vordergrund:
•   die Durchsetzung eines sparsamen Bodenverbrauchs,
•   die Baulandmobilisierung,
•   die Bewusstseinsbildung für die Durchsetzbarkeit öffentlicher oder gemeinnütziger Inan-
    spruchnahme von Grund und Boden,
•   eine strukturelle Verbesserung von land- und forstwirtschaftlichen Besitz- und Nutzungs-
    verhältnissen.
Der ZukunftsRaum enthält vertiefende Inhalte in den Kapiteln 3.1, 3.2 sowie 3.5 bis 3.9.




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Kultur umfasst – in einer weit ausholenden Definition - alles von Menschen Geschaffene und
ihre Lebensweisen. Eine Kulturgemeinschaft orientiert sich am gemeinsamen „Wissen“, an
erwartbaren Verhaltensweisen und ähnlichen Werthaltungen. Kultur darf trotz aller Kontinuität
nicht als statisch und geschlossen angesehen werden, sie ändert sich dynamisch durch innere
Erkenntnisse und äußere Einflüsse.
Die Tiroler Bevölkerung zeichnet sich durch ein hohes Maß an kultureller Identität aus. Das
äußere Bild eines sowohl auf Traditionen als auch auf moderne Entwicklungen ausgerichteten
Tirols, erfährt in seiner Innensicht eine nähere Differenzierung: Stadt- und Landbevölkerung,
Bewohner verschiedener Regionen, Gruppen von Zuwanderern unterscheiden sich in ihren
spezifischen Werthaltungen und Lebensweisen. Die Herausforderungen der kulturellen Ent-
wicklung Tirols liegen darin, dass die äußeren und inneren Einflüsse die Weiterentwicklung
einer multikulturell gegliederten Gesellschaft ermöglichen, welche sich durch eine gemeinsame
Tiroler Identität auszeichnet.
Aus der Gesamtsicht des ZukunftsRaums stehen in Bezug auf die kulturelle Entwicklung fol-
gende Zielsetzungen im Vordergrund:
•   der öffentlichen Unterstützung der persönlichen Eigenständigkeit und von ehrenamtlichen
    Tätigleiten bzw. freiwilliger Gemeinwesenarbeit,
•   der fortdauernden Entwicklung gemeinsamer sozialer Werthaltungen und Unterstützung
    von benachteiligten Gruppen,
•   der Wahrung und Unterstützung traditioneller Kulturwerte der Volkskultur,
•   der engagierten Unterstützung innovativer zeitgenössischer Kulturformen.
Der ZukunftsRaum enthält vertiefende Inhalte
- zum Großteil der angesprochenen Themen im Kapitel 3.4
- zu Denkmalschutz und Architektur im Kapitel 3.1
- zur Kulturlandschaft in den Kapiteln 3.8 und 3.9.


Der ehrenamtlichen Tätigkeit und freiwilligen Gemeinwesenarbeit kommt in verschiedenen
Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ein besonderer Stellenwert zu. Freiwilliges Engage-
ment ist nicht nur Hilfe für andere, sondern bedeutet auch persönliche Weiterentwicklung.
Aus der Gesamtsicht des ZukunftsRaums stehen in Bezug auf ehrenamtliche Tätigkeiten fol-
gende Zielsetzungen im Vordergrund:
•   Selbstorganisation der Gesellschaft mit wesentlichen Beiträgen zum kulturellen und sozia-
    len Zusammenleben;
•   Unterstützung der Professionalisierung und Qualitätssicherung von freiwillig erbrachten
    gemeinnützigen Leistungen.

Zur Verbesserung der weltweiten gesellschaftlichen Solidarität unterstützt das Land Tirol die
Initiative „Global Marshall Plan“.
So wird zur Stärkung der regionalen Wertschöpfung, zur Sicherung dezentraler Arbeitsplätze,
sowie zur Vermeidung von Verkehr und als Beitrag zum Klimaschutz heimischen Lebensmit-
teln, Bioprodukten aus der Region sowie fair gehandelten Erzeugnissen in Einrichtungen des
Landes und der Gemeinden ein besonderer Stellenwert eingeräumt. Ebenso werden Bevölke-
rung und Tourismusbetriebe über diese Zielsetzung informiert und zur Unterstützung derartiger
Initiativen angeregt.
Alle Tiroler LA 21-Gemeinden sollen als "lokale Landeplätze für Nachhaltigkeit" künftig eine
starke Rolle als Promotoren der Idee des Global Marshall Plans spielen und konkrete Projekte
und Aktivitäten an der Basis setzen.




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Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik                                Seite 35
2.2.2    Wirtschaft und Arbeit


Wirtschaft
Die gezielte Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Tirol ist eines der
Grundprinzipien des ZukunftsRaums (Kap. 2.1)
Aus der Perspektive der Wirtschaft erfordert dies
•   eine positive Wirtschaftsgesinnung der Bevölkerung, die die Bedeutung der Wirtschaft als
    wesentliche Grundlage der Lebensqualität sowie die Notwendigkeit wirtschaftlicher Ent-
    wicklungsdynamik anerkennt;
•   Freiräume für neue Ideen und für unternehmerisches Handeln;
•   klare Entwicklungsperspektiven für die KMUs, die die breite Basis der Tiroler Wirtschafts-
    struktur bilden, ebenso wie für die „Global Player“ in der Tiroler Wirtschaft;
•   die Vorsorge für bestmögliche infrastrukturelle und technische Standortbedingungen und
    die Bereitstellung optimaler Standorträume zu vertretbaren Kosten;
•   eine Standortabstimmung durch die Raumordnung, die ein gutes Nebeneinander verschie-
    dener Wirtschaftszweige und Synergien zwischen diesen ermöglicht;
•   eine langfristig ausgerichtete Entwicklungspolitik mit klugen Rahmensetzungen, die die
    Kernkompetenzen des Standortes Tirol bewahrt und wo möglich stärkt.


Aus der Gesamtsicht des ZukunftsRaums stehen in Bezug auf die weitere wirtschaftliche Ent-
wicklung folgende Zielsetzungen im Vordergrund:
•   Tirol setzt auf eine wissensbasierte, innovative Wirtschaft mit hohem Vernetzungsgrad.
•   Angesichts der vorherrschenden kleinen Betriebsstrukturen kommt der Stärkung von Ko-
    operationen besondere Bedeutung zu – sowohl innerhalb bestimmter Wirtschaftszweige als
    auch branchenübergreifend.
•   Die Entwicklungsschwerpunkte liegen
    - in der weiteren Forcierung von Bildung und Forschung,
    - in der Erzeugung hochwertiger Güter und der Erbringung qualitätsvoller Dienstleistun-
        gen, die die Stärken des Standortes Tirol abbilden.
    - im qualitätsorientierten Tourismus.
•   Diese vorrangigen Profilierungsfelder werden vernetzt mit der Entwicklung der alpinen
    Land- und Forstwirtschaft, der Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und den Sport-,
    Kultur- und Gesundheitsangeboten.
•   In diesem Sinne forciert Tirol weiterhin eine regional gemischte Wirtschaftsstruktur. Um die
    Verträglichkeit verschiedener wirtschaftlicher Aktivitäten untereinander zu gewährleisten, ist
    dabei eine sorgsame Standortabstimmung erforderlich.
•   Die Erzielung von Synergien zwischen verschiedenen Wirtschaftssektoren und Branchen
    sowie auch die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe sind ein wesentliches wirtschafts-
    und regionalpolitisches Anliegen.
•   Diese Schwerpunktsetzung bzw. Abstimmung erfordert eine klare strategische Positionie-
    rung der einzelnen Regionen, die sich an den jeweiligen Stärkepotenzialen orientiert.
•   In Regionen mit hohem touristischen Entwicklungspotenzial hat dieses Priorität und wird bei
    anderen wirtschaftlichen Aktivitäten auf entsprechende Verträglichkeit geachtet. Wirtschaft-
    liche Entwicklungen, die dieses Potenzial gefährden, werden dort vermieden.
•   In Regionen mit hohem industriellen Entwicklungspotenzial wird diesem Priorität einge-
    räumt. Die bestgeeigneten Standorte werden überörtlich abgestimmt und bereitgestellt. Da-


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T_zukunfts raum_tirol_2007

  • 1. ZukunftsRaum www.tirol.gv.at/zukunftsraum Tirol Strategien zur Landesentwicklung Endbericht des Ausarbeitungs- und Beteiligungsprozesses Unser Land.
  • 3. ZukunftsRaum Tirol Strategien zur Landesentwicklung Endbericht des Ausarbeitungs- und Beteiligungsprozesses Innsbruck, Jänner 2007 Projektleitung und Endredaktion Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik
  • 4. Impressum: Medieninhaber (Verleger): Amt der Tiroler Landesregierung Für den Inhalt verantwortlich: Mag. Franz Rauter, Raumordnung-Statistik, Heiliggeiststraße 7-9, A-6020 Innsbruck Fotos: Stadt Innsbruck; Photodisc Druck: Eigenvervielfältigung ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 2
  • 5. Inhalt Vorbemerkung .............................................................................................................................5 1. Teil Aufgabenstellung und Analyse ..................................................................................7 1.1 Aufgabenstellung ...........................................................................................................8 1.2 Ausgangssituation..........................................................................................................9 1.2.1 Trends.......................................................................................................................9 1.2.2 SWOT-Analyse .......................................................................................................13 2. Teil Die zukünftige Entwicklung des Landes .................................................................23 2.1 Grundprinzipien der Landesentwicklung .....................................................................24 2.2 ZukunftsRaum Tirol und interessensspezifische Ansprüche.......................................31 2.2.1 Gesellschaft ............................................................................................................31 gesellschaftliche Gruppen, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Kultur 2.2.2 Wirtschaft und Arbeit ..............................................................................................36 Wirtschaftsentwicklung, Wirtschaftsstruktur, Arbeitswelt, Arbeitsmarkt 2.2.3 Umwelt – Lebensgrundlagen ..................................................................................40 2.2.4 Mobilität und Energie ..............................................................................................42 Verkehrssysteme, Verkehrsorganisation, Energiegewinnung, Energiebereitstellung, Energienutzung, Versorgungssicherheit 2.2.5 Kommunikation und Interessensausgleich .............................................................45 Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung, Vernetzung, Entscheidungsfindung 2.3 ZukunftsRaum Tirol und die räumliche Vernetzung ....................................................46 2.3.1 Tirol im weiteren Umfeld .........................................................................................46 Verknüpfungen mit Bund, EU und Nachbarregionen 2.3.2 Räumliche Differenzierung Tirols ...........................................................................48 Innsbruck, Verdichtungsräume, Stadt-Umland-Bereiche, touristische Intensivräume, ländliche Räume, Regionalpolitik 2.3.3 Regionalentwicklung und Regionalpolitik ...............................................................53 ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 3
  • 6. 3. Teil Sektorale thematische Schwerpunkte.....................................................................57 3.1 Siedlungsentwicklung ..................................................................................................59 Strukturwandel und Siedlungsentwicklung, innere Siedlungsentwicklung und Baukultur, Bodenmarkt 3.2 Wirtschaftsstandort ......................................................................................................69 Gewerbe, Industrie, Dienstleistungen, Tourismus 3.3 Verkehr.........................................................................................................................78 Verkehrsinfrastruktur, Erreichbarkeit 3.4 Soziale Infrastruktur und Versorgung ..........................................................................83 Gesundheit, Soziales, Rettungswesen, Kultur, Bildung, Sport, Handel 3.5 Technische Infrastruktur ..............................................................................................93 Abfallwirtschaft, Energieversorgung, Siedlungswasserbau, Telekommunikation, Sport- und Tourismusinfrastruktur 3.6 Sicherung des Lebensraumes .....................................................................................99 Luft, Wasser, Boden, Belastungen, Naturgefahren, Katastrophenschutz 3.7 Freiraum und Erholung ..............................................................................................103 3.8 Land- und Forstwirtschaft ..........................................................................................108 3.9 Natur- und Landschaftsschutz ...................................................................................114 3.10 Planungsverbände und Regionalmanagement .........................................................119 4. Teil ZukunftsRaum Tirol – ein dynamischer Prozess .................................................131 4.1 Umsetzungsprozess ..................................................................................................132 Grundlegende Anforderungen an die Umsetzung, Verbindlichkeit, Zuständigkeit und Verantwortlichkeit, Organisation und Durchführung des Umsetzungsprozesses, Kommunikation 4.2 Erstellungsprozess.....................................................................................................135 4.2.1 Prozessablauf .......................................................................................................135 Überblick, bisherige Projektschritte, Vorschau 4.2.2 Beteiligte am Prozess ...........................................................................................138 Politische Projektleitung, Steuerungsgruppe, fachliche Projektleitung, Redaktionsteam, Arbeitsgruppen, Reflexions- und Koordinationsgremien, weitere Kommunikationsschienen Anhang Ergebnisse der Konferenz ZukunftsRaum Tirol ...................................................151 A.1 Forum SiedlungsRaum ..............................................................................................153 A.2 Forum WirtschaftsRaum ............................................................................................154 A.3 Forum AlltagsRaum ...................................................................................................155 A.4 Forum FreiRaum........................................................................................................157 ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 4
  • 7. Vorbemerkung Mit der Vorlage dieses Endberichtes erreicht das Projekt ZukunftsRaum Tirol nunmehr die Schlussphase des auf breiter Beteiligung beruhenden Ausarbeitungsprozesses. Seit der Vorlage des 2. Zwischenberichtes im April 2006 • wurde der Gesamtaufbau des Dokumentes weiter entwickelt; • erfolgte eine Überprüfung, Straffung und Bereinigung der Texte; • wurden den Kapiteln mit den thematischen Schwerpunkten Vorschläge für kurzfristig in Gang zu setzende Maßnahmen vorangestellt, die für eine vorrangige Umsetzung in Frage kommen • und wurden Vorschläge für den gesamten Umsetzungsprozess erarbeitet. Grundlage dafür bildeten insbesondere die zwischenzeitig eingelangten Stellungnahmen. Au- ßerdem wurden die Ergebnisse zahlreicher Abstimmungsgespräche, der Diskussionsveranstal- tungen in den Bezirken und von Gesprächen mit Vertretern verschiedener Anspruchsgruppen eingearbeitet. Notwendiger Weise rücken nunmehr Fragen der Umsetzung in den Vordergrund. Entsprechend dem Koordinationsauftrag, den die Raumordnung gemäß § 16 TROG 2006 zu erfüllen hat, be- fasst sich der ZukunftsRaum Tirol mit einer ganzen Reihe von Themen, die für die räumliche Entwicklung des Landes wichtig sind. Die Umsetzung der formulierten Ziele, Strategien und Prioritäten fällt daher in verschiedene Zuständigkeitsbereiche. Der Anspruch des Zukunfts- Raums ist es, den Raumbezug der verschiedenen Politik- und Verwaltungsbereiche zu verdeut- lichen und zu deren zielorientierten Abstimmung beizutragen. Neue Zuständigkeiten werden durch den ZukunftsRaum nicht begründet. Der notwendige Blick auf aktuelle Prioritäten darf jedoch nicht dazu führen, Gesamtzusammen- hänge und längerfristige Perspektiven beiseite zu lassen. Sehr bewusst stellt daher dieser Be- richt die Vorschläge für kurzfristig in Gang zu setzende Maßnahmen in den unmittelbaren Zu- sammenhang der längerfristigen Gesamtschau. Dies im Wissen, dass es im Konkretisierungs- grad eine klare Differenzierung zwischen unmittelbaren Umsetzungsaktivitäten und der länger- fristigen strategischen Orientierung geben muss. Ende Jänner 2007 findet im Innsbrucker Congress die Konferenz „ZukunftsRaum Tirol“ statt. Zur Teilnahme sind alle bisher an der Ausarbeitung Beteiligten eingeladen. Wesentliche Kern- themen der Landesentwicklung werden dabei nochmals zusammenfassend diskutiert. Mit Einarbeitung der Konferenzergebnisse ist der Beteiligungsprozess ZukunftsRaum Tirol ab- geschlossen und wird das gemeinsam erarbeitete Ergebnis der Landesregierung vorgelegt. Auf dieser Grundlage soll sodann ein Umsetzungsdokument erstellt und von der Landesregie- rung beschlossen werden. Den erwarteten Nutzen wird der ZukunftsRaum Tirol nur stiften können, wenn der Ausarbei- tungsprozess nach der Beschlussfassung in einen Umsetzungsprozess übergeführt wird. Des- sen „Kunst“ wird darin liegen, die der Nachhaltigkeit verpflichtete Gesamtsicht mit jener Flexibili- tät zu verbinden, die den laufenden gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Verän- derungen gerecht wird. Mag. Franz Rauter Innsbruck, im Dezember 2006 ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 5
  • 8. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 6
  • 9. 1. Teil Aufgabenstellung und Analyse ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 7
  • 10. 1.1 Aufgabenstellung Der ZukunftsRaum Tirol ist ein strategisches Leitbild für Landesentwicklung, wobei Fragen der räumlichen Entwicklung im Vordergrund stehen. Er findet seine gesetzliche Basis in den Zielen und Grundsätzen sowie in der Koordinierungsfunktion der überörtlichen Raumordnung (§§ 1, 2 und 16 TROG 2006). Der ZukunftsRaum Tirol leistet einen Beitrag, dass Tirol weiterhin ein attraktiver Lebens- und erfolgreicher Wirtschaftsraum sein kann. Längerfristig betrachtet ist dies nur mit einem Ansatz der nachhaltigen Entwicklung möglich. Das beinhaltet gleichermaßen das Aufzeigen von Ent- wicklungsperspektiven wie auch von notwendigen Rahmensetzungen. Der ZukunftsRaum Tirol unterstützt eine nachhaltige Landesentwicklung durch • Vorschläge zur Vernetzung entwicklungsrelevanter Politikbereiche auf Ebene von Zielen und Strategien; • Aufzeigen aktueller oder zu erwartender Probleme bzw. Fragestellungen, die eine vertiefte Behandlung erfordern; • konkrete Lösungsvorschläge für ausgewählte Themenschwerpunkte; im Vordergrund ste- hen dabei Fragen der Siedlungsentwicklung, der Wirtschaftsstandorte, des Verkehrs, der Infrastruktur und der Versorgung, der Freiraumentwicklung, der Sicherung des Lebensrau- mes und der Stärkung der regionalen Zusammenarbeit. Mit Beschluss des noch zu erstellenden Dokumentes durch die Landesregierung soll der Zu- kunftsRaum Tirol politische Verbindlichkeit als Raumordnungsplan erhalten und konsequent umgesetzt werden. Auch wenn die Umsetzungsverantwortung primär bei der Tiroler Landesregierung liegt, richtet sich der ZukunftsRaum Tirol doch an alle, die für die Landesentwicklung auf institutioneller Ebene Mitverantwortung tragen, sowie an die Bürgerinnen und Bürger des Landes. In diesem Sinne ist die Erstellung des ZukunftsRaums Tirol als offener Prozess angelegt, und auch die Umsetzung wird entsprechende Beteiligungsmöglichkeiten bieten. Die Nutzendimensionen des ZukunftsRaums Tirol liegen somit • in der Formulierung von Leitlinien als gesellschaftspolitischer Grundkonsens; • in der Schaffung von Akzeptanz durch Beteiligung und Zusammenarbeit; • in der Erzeugung von Synergien durch abgestimmtes Vorgehen; • in der strategischen Fundierung und Abstimmung von Entscheidungen; • in einem Beitrag zum effektiven und effizienten Einsatz von öffentlichen Finanzmitteln und sonstigen Ressourcen. Der ZukunftsRaum Tirol dient darüber hinaus auch der Verdeutlichung der Position und der Anliegen des Landes Tirol im regionalen, nationalen und internationalen Bezugsrahmen. Die aktuelle Ausarbeitung hat einen Zeithorizont von rund 10 Jahren, jedoch wird der Zu- kunftsRaum Tirol dynamisch weiterentwickelt und wird so flexibel auf sich ändernde Rahmen- bedingungen und neue Trends eingehen. Die Ausarbeitung des ZukunftsRaums Tirol erfolgt im Rahmen des Arbeitsprogramms der Tiroler Landesregierung gemäß Regierungserklärung von Landeshauptmann DDr. Herwig van Staa vom 21.10.2003. Der konkrete Arbeitsauftrag beruht auf dem Beschluss der Landesregie- rung vom 25.11.2004. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 8
  • 11. 1.2 Ausgangssituation 1.2.1 Trends In der Entwicklung von Gesellschaft, Wirtschaft, Technik und Umwelt lässt sich eine Reihe von grundlegenden Trends erkennen. Teils sind diese weltweit, teils vor allem in den hoch entwi- ckelten Gebieten festzustellen. Auch Tirol ist solchen Trends ausgesetzt. Diese sind kurz- und mittelfristig kaum beeinflussbar und müssen daher als Rahmenbedingungen erkannt und berücksichtigt werden Für den ZukunftsRaum Tirol stellt sich die Herausforderung, die konkrete Wirkung dieser Trends auf unser Land sichtbar zu machen und sie im Hinblick auf die Landesentwicklung als Herausforderung zu begreifen, für die es Antworten zu finden gilt. Die wichtigsten dieser Trends mit Auswirkungen auf Tirol sind folgende: • der demografische Wandel • die Individualisierung • Globalisierung und Liberalisierung • die weitere Entwicklung der wissensbasierten Gesellschaft und Technologie • die weiter zunehmende Mobilität • Umweltveränderungen und Ressourcenverfügbarkeit • ein sich wandelndes Verständnis der Nachhaltigkeit • die Zwiespältigkeit im Gesundheitsbewusstsein der Menschen ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 9
  • 12. Demografischer Wandel – Alterung Die Geburtenraten sind weiter rückläufig und das bei gleichzeitigem Anstieg der Lebenserwar- tung. Der Fortschritt der Medizin, weniger körperliche Schwerstarbeit sowie gezielte Familien- planung und z.T. durch längere Ausbildungszeiten nach hinten verschobene Familiengründung tragen immer mehr zur Umkehr der Alterspyramide bei. Junge Menschen stehen einer Mehr- zahl an Alten gegenüber. Diese Verschiebungen der Altersklassen in Verbindung mit der zunehmenden Rüstigkeit der älteren Menschen werden in absehbarer Zeit zu vielfältigen Veränderungen der Nachfrage füh- ren. Diese werden im Arbeitsmarkt, im Wohnungsmarkt, im Freizeit-, Urlaubs- und Konsumver- halten ihren Niederschlag finden. Außerdem werden die soziale Infrastruktur und Bildungsein- richtungen an den geänderten Bedarf anzupassen sein. Individualisierung Das Ausleben persönlicher Freiheiten - auch in überschaubaren und flexiblen Gruppen - bei gleichzeitig möglichst geringen Abhängigkeiten bzw. formalen Bindungen steht bei diesem Trend im Vordergrund. Die „traditionelle“ Lebensplanung verändert sich, die Selbstverständlich- keit, eine Familie zu gründen, sinkt. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung spielt eine große Rolle. Lebenslanges Lernen wird zum Prinzip und löst bisherige starre Bildungsmuster ab. Gelerntes will dann im Berufsleben umgesetzt werden, was besonders Frauen mit Kinderwunsch vor eine große Herausforderung stellt. In der Berufswelt führt die Individualisierung vermehrt zu kurzfris- tigen und eigenverantwortlichen Arbeitsverhältnissen. Dadurch ändern sich die Arbeitsstruktu- ren als auch das „Familienmanagement“ (z.B. Kinderbetreuung) – größte Flexibilität wird abver- langt und gewünscht. Auch bei Produkten und Dienstleistungen wird immer mehr erwartet, dass diese maßgeschnei- dert auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind, was eine breite Angebotspalette und individuelle Betreuung erfordert. Globalisierung und Liberalisierung Wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Verknüpfungen gehen immer mehr über Gren- zen hinaus, die staatlichen Steuerungsmöglichkeiten sinken. Durch zunehmenden Wettbe- werbsdruck wird der Spielraum für die soziale Verantwortung der Unternehmerinnen und Un- ternehmer eingeengt. In der Wirtschaft findet das in Form globaler Arbeitsteilung, weitgehend liberalisierten Waren- und Kapitalverkehrs sowie weltumspannender Kommunikation ihren Ausdruck. Sie stellen die heimischen Unternehmen unter hohen Wettbewerbsdruck, bieten aber gleichzeitig auch neue Chancen. Diese Möglichkeiten zu nutzen erfordert permanente Innovation und Bereitschaft zur Kooperation. Die Gewichtung der Standortfaktoren wandelt sich, vor allem durch geringe Transportkosten und stark unterschiedliches Lohnniveau. Mit gleichzeitigen Liberalisierungstendenzen führt dies zu einer sinkenden Standortbindung. Auch in Zukunft wird der Trend zu Fusionierungen und somit zu größeren Unternehmen anhal- ten. Der Einfluss der Konzerne wird weiter zunehmen, was die Gestaltungsmöglichkeiten der Politik verringert. Außerdem orientieren sich die Konzerne zunehmend an der Gewinnmaximie- rung. Öffentliche Dienstleistungen geraten unter starken Druck der Privatisierung, wodurch Kosten- aspekte verstärkt berücksichtigt werden. Dies führt dazu, dass abgelegene, dünn besiedelte Regionen die bisherige Unterstützung verlieren. Als Gegenbewegung entwickelt sich eine neue Form des Regionalismus, durch den die regio- nale Bevölkerung neue Identifikationsmöglichkeiten finden kann. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 10
  • 13. Wissensbasierte Gesellschaft und technologische Innovationen Der technische Fortschritt verläuft in immer kürzer werdenden Zyklen und ist beherrscht von einer ungeheuren Dynamik. Immer kleinere und immer vielfältiger nutzbare Geräte entstehen, nicht nur im Bereich der Konsumelektronik, sondern z.B. auch in der Medizintechnik. Unerwartete Technologiesprünge wie Internet oder Mobiltelefonie haben bereits in der Vergan- genheit zu nicht vorhersehbaren Veränderungen in vielen Lebens- und Wirtschaftsbereichen geführt. Derartige Unwägbarkeiten werden auch in Zukunft immer wieder zu Überraschungen führen. Die bisherigen Industrieländer setzen verstärkt auf Forschung, Entwicklung und Innovation so- wohl im Produktions- als auch Dienstleistungsbereich. Das Hauptkapital der Hochtechnologie- länder ist das Know-how der Forscherinnen und Forscher, Unternehmerinnen und Unternehmer sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dieses hohe Niveau muss langfristig gehalten und das Bildungsangebot entsprechend den Erfordernissen aktualisiert werden. Dennoch ist dies keine Garantie, dass die soziale Kluft nicht weiter aufgeht, die auf unterschied- lichen Fähigkeiten und einem – in der Regel sozial bedingten – unterschiedlichen Zugang zu Bildung und Wissen basiert. Verkehr und Mobilität Die Flexibilisierung der Gesellschaft und die Globalisierung der Wirtschaft geht mit einem ge- steigerten Motorisierungsgrad und einer erhöhten Verkehrsdichte einher. Die zunehmende Arbeitsteilung der Wirtschaft lässt den Güterverkehr weiterhin stark ansteigen. Der Modal Split verschiebt sich weiterhin in Richtung Straße – mit entsprechenden Auswirkungen auf Umwelt und Landschaft. Der Öffentliche Verkehr hat vor allem außerhalb von Ballungsräumen zuneh- mend wirtschaftliche und strukturelle Probleme. Für Arbeit, Bildung, Versorgung und Freizeit werden immer längere Wege in Kauf genommen. Verkehrsgünstige Standorte boomen. Mobilitätsverlierer sind vor allem alte Menschen, Kinder und Jugendliche, Hausfrauen, sozial Schwache und Behinderte, insbesondere außerhalb von Verdichtungsräumen. Umweltveränderungen und Ressourcenverfügbarkeit Die Tendenzen einer längerfristigen globalen Erwärmung sind mittlerweile weitestgehend un- bestritten. Extreme witterungsbedingte Naturereignisse nehmen zu. Trotz unbestreitbarer Erfol- ge in Teilbereichen des Umweltschutzes gibt es noch immer Problemfelder. Auch der Nutzungswandel in der Land- und Forstwirtschaft verändert Naturräume bzw. die Kulturlandschaft. Durch die damit verbundene Einschränkung und Veränderung der spezifi- schen Lebensräume nimmt die Artenvielfalt ab. Speziell in einem Gebirgsland wie Tirol ist Grund und Boden für Siedlungs- und Wirtschafts- zwecke knapp und sind daher weiterhin Interessenskonflikte gegeben. Vor allem in intensiv genutzten Bereichen besteht die anhaltende Tendenz zur Bodenversiegelung. Die Energiekosten werden weiter ansteigen, da der wirtschaftliche Aufschwung in Ländern wie China oder Indien einen wachsenden Verbrauch hervorruft, der laufend abnehmenden Erdölre- serven gegenüber steht. Der Bedeutung von Alternativen im Bereich der erneuerbaren Energie wird in Zukunft größer. Konflikte zur Luftqualität werden zunehmen, da einerseits erhöhte Ansprüche an die Luftqualität durch gesetzliche Vorgaben für die nächsten Jahre festgeschrieben sind und andererseits die- se Ansprüche durch die zunehmende Mobilität und Wirtschaftsentwicklung in den Tiroler Tal- räumen schwieriger erfüllbar werden. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 11
  • 14. Nachhaltigkeit Eine steigende Zahl von Menschen befasst sich mit Fragen der nachhaltigen Entwicklung im Sinne einer Ausgewogenheit zwischen ökonomischen, sozialen und ökologischen Belangen. Für viele ist damit eine bewusst eingenommene Werthaltung verbunden. Für andere ergibt sich der Bezug zu diesem Thema unbewusst aus der Vielschichtigkeit der Ansprüche an die eigene Lebensqualität. Wer für Nachhaltigkeit eintritt, hat nicht länger den Ruf, für eine öko-fundamentalen Ideologie zu stehen. Nachhaltigkeitsorientierung wird zunehmend zu einer gesellschaftlich anerkannten Grundhaltung. Diese findet im Wirtschaftsgeschehen, im gesellschaftlich-sozialen Bereich und im Natur- und Umweltschutz vermehrten Niederschlag und trägt zum Interessensausgleich und zur Ermöglichung zukunftsfähiger Lösungen bei. Gesundheitsbewusstsein Dieser Trend vereint zwei gegenläufige Extreme: einerseits bewusste, gesunde Ernährung mit ausreichend sportlicher Betätigung, andererseits das Phänomen Übergewicht, verursacht durch Bewegungsarmut und falsche Ernährung. Beim ersten Extrem werden Investitionen in die eigene Gesundheit zur Selbstverständlichkeit. Die Nachfrage verknüpft dabei sämtliche Lebensbereiche – von gesunder Ernährung (Bio, Voll- wert) über gesundes Wohnen, sportliche Betätigungen, Wellness für Körper und Geist, natur- nahen Urlaub, zu Anti-Aging-Produkten und Lifestyle-Medizin. Dieser ganzheitliche Lebensstil und der bewusste Umgang mit dem eigenen Ich schaffen somit auf einer breiten Ebene neue Märkte. Tourismus, Industrie, Medizin, Handel und Landwirtschaft haben ein neues Potential. Der Gegensatz dazu steht das Phänomen Übergewicht, welches nicht nur Erwachsene son- dern vermehrt Jugendliche betrifft. So hat sich in Europa die Zahl der übergewichtigen Jungen und Mädchen in den letzten 10 – 15 Jahren mindestens verdoppelt. Verantwortlich dafür ist neben falscher Ernährung vor allem der Bewegungsmangel. Studien belegen, dass der Körper- umfang eines Kindes mit den Stunden vor dem Computerbildschirm bzw. Fernseher steigt. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 12
  • 15. 1.2.2 SWOT-Analyse Neben den zuvor dargestellten Trends bilden die Stärken und Schwächen den zweiten analyti- schen Zugang zum Zukunftsraum Tirol. Nur wer Stärken und Schwächen kennt, kann Chancen und Risken definieren, die bei der weiteren Entwicklung besonders zu berücksichtigen sind. Die SWOT-Analyse ist eine gängige Art der Stärken-Schwächen-Analyse, in der die Facetten eines Problems erarbeitet und dargestellt werden. Das auf dem Englischen basierende Vier- Buchstaben-Wort „SWOT“ steht dabei für Stärken (Strengths), Schwächen (Weaknesses), Chancen (Opportunities) und Risken (Threads) Auf einem aus vier Feldern bestehenden Raster werden zuerst – üblicherweise in einer Ar- beitsgruppe – in den beiden oberen Feldern die Stärken und Schwächen aufgelistet. In einem zweiten Durchgang werden in den beiden unteren Feldern die Chancen angeführt, welche sich aus den Stärken ergeben und die Risken bzw. Gefahren erarbeitet, die in den Schwächen schlummern. Die folgende Darstellung ist sehr komprimiert und ergibt ein sehr kontrastreiches Bild. Es wird der weiteren Bearbeitung obliegen, hier auch noch die feineren Nuancen darzustellen und allfäl- lige Ergänzungen vorzunehmen. Maßgeblich ist in jedem Fall die Offenheit dieser Darstellung, die positiven und kritischen As- pekten gleichermaßen Raum gibt. Dabei erfolgte eine Fokussierung auf folgende relevante Themenbereiche: • Arbeit • Bildung, Forschung und Entwicklung • Freizeit und Erholung, Kultur • Gesellschaft, Politik und Verwaltung • Naturraum und Kulturlandschaft • Gesellschaft, Politik und Verwaltung • Verkehr und Kommunikation • Versorgung und Infrastruktur • Wirtschaft • Wohnen ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 13
  • 16. Themenbereich Naturraum und Kulturlandschaft Stärken Schwächen hohes Naturraumpotential in qualitativer und aufgrund der Topografie beschränkter Sied- quantitativer Hinsicht (Landschaft, Naturwerte, lungs- und Wirtschaftsraum, mit teilw. ungüns- natürliche Ressourcen, Rohstoffe, Wasser) tigen Standortbedingungen hoher Flächenanteil an Schutzgebieten ungünstige Produktionsbedingungen für die nahezu flächendeckende Bewirtschaftung der Land- und Forstwirtschaft Kulturlandschaft spezifische Naturgefahren, Notwendigkeit von ökologische Vielfalt Verbauungen Schutz und Erhaltung abhängig von der ge- sellschaftlichen Akzeptanz Belastung durch Emissionen aus Verkehr, Industrie und Hausbrand, verstärkt durch un- günstige Ausbreitungsbedingungen in den Tal- und Beckenlagen Chancen Risiken Standortattraktivität mit hoher Lebensqualität Übererschließung in Bergregionen argumentieren Flächenverbrauch und Lebensraumzerschnei- Modellregion für hohe Lebensqualität im Al- dung in Tälern penraum schaffen „Reservatebildung“ – Siedlungs- und Verkehrs- hohe Lebensqualität für künftige Generationen raum versus Rückzugs- und Erholungsflächen erhalten Verkehrszunahme Kulturlandschaft und damit Biodiversität und Rückzug der Landwirtschaft Vielfalt des Landschaftsbilds kann langfristig erhalten werden Bedrohung durch Naturgefahren Premiummarke für naturnahen Tourismus Bewirtschaftung von Almen und Steilflächen, Schutz- und Bannwäldern nimmt ab konsequente Schutzstrategien in Bezug auf Naturgefahren Land- und Forstwirtschaftliches Potential nut- zen ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 14
  • 17. Themenbereich Gesellschaft, Politik und Verwaltung Stärken Schwächen stabile politische Verhältnisse mangelndes regionales Bewusstsein - Kirch- vergleichsweise hohe objektive Sicherheit – turmdenken niedrige Kriminalitätsrate tlw. abkapselnde Tendenzen – Tirol als „Insel“; hohe Identifikation der Bevölkerung mit dem teilweise wenig Offenheit für Neues; wenig eigenen Land bei gleichzeitig steigender Kri- Diskussionsbereitschaft tikbereitschaft nicht alle Leistungen im öffentlichen Sektor hohes gesellschaftliches Engagement auf örtli- sind in ihrer Notwendigkeit für die Öffentlichkeit cher Ebene nachvollziehbar moderner öffentlicher Sektor mit hoher Dienst- Standortmuster und Strukturen der Verwaltung leistungsorientierung teilweise zu optimieren lückenhafte soziale Infrastruktur am Land Chancen Risiken politische Entscheidungen nahe am Bürger größer werdende Diskrepanz zwischen Arm Lebensqualität durch ehrenamtliche Gestal- und Reich tung gesellschaftlicher Strukturen Schere zwischen Einkommen und Lebenshal- positives Bewusstsein für Naturressourcen tungskosten wecken Kirchturmpolitik Versäumen von Entwicklungen ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 15
  • 18. Themenbereich Bildung, Forschung und Entwicklung Stärken Schwächen breites Angebot an Grundschulen und im mitt- unzureichende Koordination der Bildungsan- leren und höheren Schulbereich mit tlw. zielge- gebote vor allem im Bereich der Weiterbildung richteter Spezialisierung und der generellen Angebote dynamische Entwicklung im Fachhochschulbe- zu langsames Reagieren des Bildungssektors reich und in Teilbereichen der Universität auf den Bedarf der Wirtschaft einige universitäre und industrielle For- keine internationale Schule schungseinrichtungen auf hohem bzw. interna- keine Berufsschulen für innovative Branchen tionalem Niveau bzw. Berufsschulen teilweise nicht am Stand starke Dynamisierung im Bereich Technolo- der Technik hinsichtlich Entwicklungsstand gieentwicklung und Technologietransfer und Ausrüstung gutes Musikschulwesen z. T. mangelnde Grundfähigkeiten der Pflicht- Grundlagenforschung schulabgänger (z.B. sprachliche Ausdrucksfä- higkeit) zu wenig technische Ausbildung auf universitä- rem Niveau (z.B. FH Mechatronik) keine umfassenden Strategien für Forschung und Entwicklung großes Potential für Energieforschung wird zu wenig ausgenützt experimentelle Entwicklungen unzureichende Finanzierung der Forschung über neue Kapitalquellen und Risikokapital Chancen Risiken Teilnahme an internationalen Innovationen Auflassen von Schulen aufgrund demografi- Innovationsführerschaft ausbauen und Syner- scher Entwicklung gien nutzen Wahrnehmung von Bildungschancen vom Spezialisierungen v.a. in der Forschung ÖPNRV abhängig attraktiver Standort für F & E (Forschung und Bildungswildwuchs Entwicklung) mit hoher Outdoor-Freizeitqualität verlangsamtes Reagieren des Bildungssektors und Lebensqualität auf den Bedarf der Wirtschaft hoch qualifizierte Arbeitsplätze in F & E und Bildungsangebot zunehmend von der Wirt- damit kein „brain drain“ schaft abhängig Aufbau / Intensivierung von Kooperations- Abwanderung gut ausgebildeter Forscherinnen netzwerken und Forscher aufgrund des Arbeitsmarkts Internationalisierung des Bildungswesens drohende Zugangsbeschränkungen zur Bil- Gender-Budgeting bei Förderprogrammen dung Entwicklung von Kompetenzen bei „soft- Innovationen“ Dynamisierung durch breites Verständnis von Innovation (z.B. Tourismus) Forschungsergebnisse besser kommunizieren und daraus Multiplikatoreffekte generieren ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 16
  • 19. Themenbereich Wohnen Stärken Schwächen weithin hohe Wohnqualität teilw. beträchtliche Zersiedelung hohe Wohnstandards hohe Grundstückspreise in guten Lagen gute Wohnbauförderung in Tirol hohe Wohnungskosten in zentralen Lagen guter Schutz vor Naturgefahren (Planung, große Baulandreserven, unzureichende Bau- Verbauungen) landmobilität teilw. Umweltbelastungen in Wohngebieten (v.a. Inntalfurche) Baukultur – kein breites Thema Funktionsentleerung von Orts- und Stadtzent- ren Chancen Risiken Entwicklung von hochwertigen Wohnformen frei stehendes Einfamilienhaus weiterhin als mit geringem Flächenbedarf Wohnideal – damit weitere Ausdehnung der „Ökologisierung“ des Wohnens (Solarenergie, Siedlungen trotz stagnierender bzw. rückläufi- Biomasse) ger Einwohnerzahl Baulandmobilisierung bei gleichzeitigem Wid- hohe Erschließungskosten durch neue peri- mungsstop phere Sieldungs- und Wirtschaftsräume Erhalt der ländlichen Identität und Kulturland- Abwanderung / Fernbleiben bestimmter Bevöl- schaft kerungsgruppen aufgrund hoher Grundpreise Revitalisierung der Ortskerne zunehmende Diskrepanz hinsichtlich der Wohnqualität - Gunstlagen im Mittelgebirge qualitätsvolle Architektur und „Sanierungsgebiet“ Inntal Horten von Baulandreserven --> Bauland nicht verfügbar Verlust der identitätsstiftenden Strukturen in den Ortskernen ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 17
  • 20. Themenbereich Versorgung und Infrastruktur Stärken Schwächen nahezu flächendeckende Ausstattung mit Inf- Problem Finanzierung ÖV und Infrastrukturen rastrukturen und Basisdiensten vor allem in Zusammenhang mit Privatisierun- hoher Standard der Grundversorgung in zent- gen ralen Räumen Ausdünnungstendenzen und Nahversor- soziale Dienste – gute Kombination Heime und gungsproblem in manchen Regionen soziale Dienste Auflassung / Konzentration bestimmter Infra- flächendeckende Gesundheitsversorgung strukturen ist Tabuthema (z.B. Kleinstschulen, samt allen Rettungsdiensten sichergestellt Bezirksgerichte) hohes Potential an heimischen regenerierba- unzureichende Kinderbetreuung für berufstäti- ren Energiequellen (Wasser und Biomasse) ge Eltern gute technische Infrastruktur bzw. Baulander- Abhängigkeit von importierten fossilen Ener- schließung gieträgern Potenzial an Biomasse, Solarenergie und Wärmedämmung noch nicht ausgeschöpft Chancen Risiken Entwicklung und Erprobung neuer, mobiler Rückbau sozialer Infrastruktureinrichtungen in Versorgungsangebote schwach besiedelten, peripheren Regionen mit Stärkung der örtlichen Identität durch dichtes rückläufigen Bevölkerungszahlen Netz von Alten- und Pflegeheimen flächendeckende Versorgung und infrastruktu- bedarfsgerechte flächendeckende Ausstattung relle Ausstattung vor allem in peripheren Regi- mit Kinderbetreuungseinrichtungen onen aus Kostengründen gefährdet Unabhängigkeit von Energieimporten Nutzung eigener Energieressourcen verstärkter Zugang zu Informations- Kommunikations-Technologien Integration in größeren Wirtschaftsraum Entwicklung multimodaler Standorte und An- gebote innerhalb von Regionen Versorgung der Bevölkerung mit heimischen Grundnahrungsmitteln ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 18
  • 21. Themenbereich Wirtschaft Stärken Schwächen einzelne Schlüsselbetriebe mit weltweiter Be- teilw. unzureichendes Innovationsniveau deutung wenig technologieorientierte Branchen breite Basis an leistungsfähigen KMU saisonale Abhängigkeit Bedeutung des Tourismus insbesondere für noch zu geringe Bereitschaft zur betriebsüber- Bergregionen greifenden Zusammenarbeit Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft auch Probleme mit Vereinbarkeit von Kindererzie- für andere Bereiche (Tourismus, Erholung, hung und Beruf Kulturlandschaft, ...) unzureichende Kinderbetreuungseinrichtungen seit einigen Jahre bewusste Entwicklung von für berufstätige Eltern außerhalb von Ballungs- Stärkefeldern / Clustern zentren (Innsbruck) gute Ansätze der eigenständigen Regional- regional teilw. unausgewogene Branchenstruk- entwicklung tur mit stark einseitiger Abhängigkeit vom Tou- Qualitätsorientierung (v.a. im Tourismus) rismus teilweise hoch entwickelter Hotellerie- und Gewerbegebiete z.T. zu klein, schlecht aus- Gastronomiebereich gestattet oder in ungünstiger Lage politische und wirtschaftliche Stabilität als hohe Sozialkosten durch saisonale Arbeitslo- Standortqualität für Betriebsansiedelungen sigkeit Chancen Risiken Differenzierungs- und Anpassungsfähigkeit der einseitige Ausrichtung auf den Tourismus KMUs unzureichendes Innovationsniveau verlagert Kompensation geringer Betriebsgröße durch den Schwerpunkt auf stark preisgetriebene Kooperationen Produkte und Dienstleistungen Bündelung von Innovation und Ressourcen Abwanderung von Unternehmenszentralen durch Regionalentwicklung - Verkürzung von zu starke Abhängigkeit von Leitbetrieben kann Verkehrswegen durch heimischen Branchen- zu Problemen führen mix Standortkonkurrenz zwischen den Gemeinden Absicherung der bergbäuerlichen Landwirt- --> schlecht ausgestattete Gewerbegebiete schaft durch den Tourismus, Synergien nutzen Massentourismus Optimierung des touristischen Angebots internationale Standortkonkurrenz aufgrund Weiterentwicklung endogener Potentiale – unterschiedlicher Kostenstrukturen; Wettbe- bottom up werbsverzerrungen aufgrund unterschiedlicher sektorale Qualitätsführerschaft im Gastrono- Fördersysteme mie-, Hotelleriebereich zu geringe Wertschöpfung der KMUs aus der Standortvorteile aufgrund der voranschreiten- Bevölkerung den Integration Wettbewerbsnachteil durch vergleichsweise zu Spezialisierungspotentiale und Nutzung neuer hohe Umweltschutzauflagen Märkte vorantreiben weiche Standortfaktoren nützen weitere Erhöhung der Gründungsintensität und –quote bewusstes Konzentrieren auf Wachstumsfel- der ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 19
  • 22. Themenbereich Beschäftigung – Arbeit Stärken Schwächen motivierte und bildungswillige Mitarbeiterinnen saisonale Arbeitslosigkeit und Mitarbeiter einheimischer Arbeitskräftemangel in bestimm- günstige institutionelle Infrastruktur für Be- ten Branchen schäftigte (Rechtssicherheit, etc.) unzureichende Bereitschaft der Einheimischen in vielen Fällen gegebene Möglichkeit für Er- im Tourismus zu arbeiten werbskombinationen in der Land- und Forst- eingeschränktes Arbeitsangebot und Abwan- wirtschaft derung der Bevölkerung aus peripheren Ge- relativ niedrige Arbeitslosenquote im österrei- bieten chischen Vergleich Überalterungstendenzen hohe Erwerbsquote viele Arbeitsplätze im Niedriglohnsegment Bevölkerungszuwachs durch Zuwanderung Auseinanderklaffen von nachgefragten und und Geburten angebotenen Tätigkeiten bzw. Qualifikationen, günstige institutionelle Infrastruktur für Be- Brain drain schäftigte (Rechtssicherheit, etc.) unzureichende Kinderbetreuung für berufstäti- ge Eltern Chancen Risiken hoch qualifizierte Arbeitsplätze und damit kein Abwanderung von Spitzenkräften durch nicht „brain drain“ adäquate Arbeitsplatzangebote Verringerung der saisonalen Arbeitslosigkeit Negative Folgen aus der Flexibilisierung des durch Ganzjahresangebote im Tourismus Arbeitsmarktes vor allem für ohnehin benach- Zuwanderung teiligte Gruppen steigende Bildungsbeteiligung Einkommensunterschiede (v.a. in Grenzregio- nen) voranschreitende Internationalisierung des Arbeitsmarktes Bevölkerungsstagnation und steigende Anteile älterer Personen Aufbrechen geschlechtsspezifischer Barrieren fehlende Umsetzung von Projekten und Maß- Modernisierung des Berufsausbildungssys- nahmen tems Abwanderung von Betrieben in Niedriglohn- Kreativität stärken und projektbezogenes Ar- länder beiten fördern Entstehung von „Ghettoregionen“ mit weiterer Wissen als Standortfaktor stärker heranziehen Verschärfung der einseitigen Ausrichtung auf und etablieren den Tourismus ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 20
  • 23. Themenbereich Freizeit und Erholung, Kultur Stärken Schwächen insgesamt großer Freizeit- und Erholungsraum Tendenzen zur Übererschließung und Kon- – sowohl technisch als auch naturnah zentration breites Spektrum an unentgeltlichen Freizeit- überschießende Projektvorstellungen (in Be- möglichkeiten zug auf Finanzierbarkeit, Standorteignung) und breites Spektrum an Freizeit- und Erholungs- hohe Ansprüche auf der Nachfrageseite möglichkeiten manche Sportarten, Freizeit- und Kulturange- internationales Kulturangebot (z.B. Festwo- bote zu teuer und v.a. für Familien unattraktiv chen der alten Musik, Klangspuren, Tanz- Abhängigkeit von klimatischen Verhältnissen; sommer) Schlechtwetterangebot im Sommer Kulturerbe --> Tourismus unzureichendes Profil im Sommer (touristische insgesamt gute kulturelle Versorgung bzw. Kernkompetenz) Infrastruktur v.a. in Verdichtungsräumen hoher Umnutzungsdruck auf naturnahe Nah- erholungsräume Fehlen einer künstlerischen Ausbildung auf universitärer Ebene Chancen Risiken Optimierung des Freizeit-, Erholungs- und Überreglementierung der Freizeit („Wander- Kulturangebotes schilling“, Skitouren-, Mountainbikeabgabe) nachhaltig nutzbarer Erholungsraum in guter Übererschließung von Berggebieten Erreichbarkeit europäischer Ballungsräume mangelnde Alternativen bei spürbarer Anhe- Stärkung der Lebens- und Standortqualität bung der Schneegrenze sowie der Gesundheit kapital- und betriebskostenintensive Investitio- hoher Nutzen von Freizeiteinrichtungen für nen zum Ausgleich klimatischer Schwankun- Einheimische und Verstärkung durch regionale gen Vernetzung Investitionen mit zu geringer Innovation und Ambition aufgrund kurzlebiger Trends ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 21
  • 24. Themenbereich Verkehr und Kommunikation Stärken Schwächen Lage an europäischer Hauptver- Verkehrsprobleme in verschiedenen Dimensionen kehrsachse (Transit, Ziel-Quellverkehr und hausgemachter Ver- fortgesetzter Infrastrukturausbau (z.B. kehr) Unterinntal, Brennerbasistunnel) zunehmende Überlastung der Verkehrsinfrastruktur Initiativen zum Ausbau des öffentli- teilw. geringe Taktfrequenzen und Versorgungslücken chen Verkehrs durch VVT und Regio- im ÖV nalbahn; Ergänzung des ÖV durch Flughafen mit limitierter Kapazität, unzureichende An- Tourismus (Skibusse) bindung an das int. Verkehrsnetz (z.B. Zürich, Amster- nahezu flächendeckende Versorgung dam) mit Telekommunikationsinfrastruktur teilw. schlechte Erreichbarkeit von zentralen Einrich- für ÖPNRV grundsätzlich günstige tungen aus den peripheren Regionen (v.a. Außerfern Siedlungsstruktur (Verkehrsbündelung und Osttirol) möglich, Achsen von der Natur vorge- verkehrsbedingte Umweltbelastungen an Transitrouten geben) und in Ballungsgebieten starke temporäre Verkehrsbelastungen (Tourismus, Pendeln) zum Teil geringe Intensität der Nutzung moderner Kommunikationsmedien hohe Sensibilität der Talräume gegenüber Emissionen aus dem Verkehr (Lärm und Schadstoffe) Straßen- und Bahnbau wegen Topografie und hoher Grundpreise verhältnismäßig teuer Lage des Flughafens inmitten des Siedlungsgebietes Chancen Risiken Stärkung der Standortqualität durch Reduktion der Standortchancen für verkehrstechnisch gute überregionale und regionale Ver- benachteiligte Gebiete kehrsanbindungen Mobilitätsverlust einzelner Bevölkerungsanteile in dünn temporäre Verkehrsspitzen durch besiedelten Räumen Steuerungsmaßnahmen glätten Negativspirale im ÖV – weitere Senkung der Taktfre- teilweise Verlagerung des Incoming- quenz aufgrund zu geringer Auslastung und Akzeptanz Tourismus vom Individual- auf den Rückzug des ÖV aus der Fläche; Zugrunderichten des öffentlichen Verkehr ÖV durch Tarifpolitik; negative Folgen aus der Liberali- Intensität der Nutzung moderner sierung des ÖV Kommunikationsmedien durch Attrak- Schwächung des Tourismusimage wegen Verkehrsbe- tivierung des Zuganges (durch flä- lastungen chendeckenden Ausbau) und der Kos- ten erhöhen Ausschluss großer Zielgruppen an Flugpassagieren für Tirol aufgrund mangelhafter bzw. fehlender Flugver- weiterführende Schritte der EU zur bindungen Kostenwahrheit in der Straßenerhal- tung weiter steigendes Straßenverkehrsaufkommen Logistikkonzepte als Schnittstelle zwi- Emissionen und Staukosten schen Schiene und Straße ungünstige Entwicklung des Modal Split (= Verteilung auf verschiedene Verkehrsmittel) Mobilitätsbeschränkungen von verschiedenen Nutzern ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 22
  • 25. 2. Teil Die zukünftige Entwicklung des Landes ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 23
  • 26. 2.1 Grundprinzipien der Landesentwicklung Die Entwicklung unseres Landes geht alle an: Alle Menschen, die hier leben, die Wirtschafts- treibenden und auch unsere Gäste. Sie alle sollen die folgenden Grundprinzipien mit tragen und in ihrem Handeln berücksichtigen. Ganz besonders richten sich diese Grundprinzipen aber an jene, die in Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben Entscheidungen treffen, die die Entwicklung des Landes Tirol sowie seiner Regionen und Gemeinden maßgeblich beeinflussen. Allgemeine Grundprinzipien der Landesentwicklung • Wir sind primär den Menschen in unserem Land verantwortlich – und zwar der gegenwär- tigen und den zukünftigen Generationen. • Wir schaffen Lebensbedingungen, welche die Entwicklung des Einzelnen unterstützen, Anreize für Leistung schaffen und den Zusammenhalt in der Gesellschaft fördern. • Wir unterstützen eine kulturelle Weiterentwicklung, welche Lebenssinn und Lebensfreude vermittelt, die Kommunikation stärkt und offen gegenüber Neuem ist. • Wir stärken gezielt die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Tirol. • Wir gehen mit den natürlichen Ressourcen unseres Landes sorgsam um und schützen die Schönheit und Vielfalt der Natur. • Wir bekennen uns zu einer Entwicklung, die auf Dauer ökonomisch sinnvoll, sozial verträg- lich und ökologisch tragfähig ist. Raumbezogene Grundprinzipien • Wir berücksichtigen und unterstützen die Entwicklung der unterschiedlichen Potenziale in den verschiedenen Landesteilen im Rahmen einer aktiven Regionalpolitik. • Wir sind ein aktives Mitglied im Europa der Regionen, nützen die damit verbundenen Chancen und stellen uns den daraus erwachsenden Verpflichtungen. • Wir entwickeln unsere Siedlungen abgestimmt auf die Bedürfnisse der Bevölkerung und der Wirtschaft, berücksichtigen dabei die funktionellen Zusammenhänge und achten auf eine zweckmäßige und sparsame Nutzung der verfügbaren Flächen. • Wir gewährleisten und entwickeln qualitätsvolle und bedarfsorientierte Angebote der Da- seinsvorsorge und sichern den Zugang zu diesen Leistungen. • Wir schaffen Bedingungen zur Erhaltung und Entwicklung einer vielfältigen Kulturland- schaft, anerkennen dabei die Rolle der Land- und Forstwirtschaft und nehmen Bedacht auf zukünftige Nutzungsanforderungen. • Wir stärken die Gemeinden sowie deren Zusammenarbeit auf regionaler Ebene, wir för- dern Stadt-Umland-Kooperationen und berücksichtigen die besondere Rolle der Landes- hauptstadt Innsbruck für die Landesentwicklung. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 24
  • 27. Grundprinzipien für die Umsetzung des ZukunftsRaum Tirol • Das Land Tirol unterstützt in Fragen der Landesentwicklung eine Grundhaltung, die durch Optimismus und Offenheit für Neues, aber auch durch Augenmaß und Glaubwürdigkeit geprägt ist. • Das Land Tirol handelt in Fragen der Landesentwicklung strategieorientiert, transparent und nachvollziehbar; es berücksichtigt inhaltliche Vernetzungen. • Das Land Tirol setzt den ZukunftsRaum Tirol aktiv um und ruft alle Verantwortlichen zur Mitarbeit auf. Die Umsetzung wird laufend dokumentiert und regelmäßig evaluiert. Grundprinzipien mit Erläuterungen Wir sind primär den Menschen in unserem Land verantwortlich – und zwar der gegen- wärtigen und der zukünftigen Generationen. Primäres Ziel der Landesentwicklung ist es, eine hohe Lebensqualität der hier lebenden und arbeitenden Menschen zu ermöglichen und zu gewährleisten. Dies gilt für die Gegenwart, aber auch für künftige Generationen im Sinne eines Offenhaltens von Entwicklungsmöglichkeiten. Alle weiteren Ziele sind darauf auszurichten und in diesem Sinne miteinander abzustimmen. Da „hohe Lebensqualität“ für jeden Menschen etwas anderes bedeutet, müssen Entwicklungs- voraussetzungen geschaffen werden, die Platz für möglichst viele persönliche Optionen bieten. Da es mannigfache Interessengegensätze und –konflikte geben kann, ist es eine wesentliche Aufgabe der Landesentwicklungspolitik, Anliegen von gemeinsamem, öffentlichem Interesse zu definieren und diesen bei Interessenabwägungen den Vorrang einzuräumen. Ebenso ist es ihre Aufgabe dafür zu sorgen, dass möglichst viele Interessenskonflikte – insbesondere auch mit Mitteln der Raumordnung – vorausschauend vermieden werden. Wir schaffen Lebensbedingungen, welche die Entwicklung des Einzelnen unterstützen, Anreize für Leistung schaffen und den Zusammenhalt in der Gesellschaft fördern. Das Land schafft Rahmenbedingungen, innerhalb derer sich die Menschen des Landes die angestrebten Lebensbedingungen eigenverantwortlich sichern können. Es forciert zugleich die Entwicklung räumlicher Strukturen, die gemeinschaftsfördernd sowie sozial und gesellschaftlich integrierend wirken. Für die Entwicklung der Gesellschaft werden zwei Punkte als besonders wichtig erachtet: die Offenheit gegenüber Neuerungen und Impulsen von außen sowie die Unterstützung von priva- ten Initiativen, ohne die der gesellschaftliche Zusammenhalt praktisch unmöglich ist. Eine wichtige Basis für eine erfolgreiche persönliche Entwicklung sind Angebote für die Aus- und Weiterbildung, die eine breite Allgemeinbildung und berufsbezogenes Wissen gleicher Maßen vermitteln. Die Aspekte der Gleichbehandlung der Menschen - unabhängig von Geschlecht, Herkunft, kulturellem und religiösem Hintergrund - sowie der Vereinbarkeit von Kindererziehung und Be- ruf erfahren ein besonderes Augenmerk, ebenso auch der Wandel der persönlichen Lebens- formen und der Arbeitswelt. Der bedarfsorientierten Betreuung von Kindern kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle zu. Jenen Bevölkerungsgruppen, die in den Möglichkeiten der eigenverantwortlichen Lebensgestal- tung eingeschränkt sind, bietet das Land im Rahmen seiner Zuständigkeit wirksame Unterstüt- zung. Dies gilt insbesondere für die Betreuung behinderter, älterer und pflegebedürftiger Mit- bürgerinnen und Mitbürger. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 25
  • 28. Wir unterstützen eine kulturelle Weiterentwicklung, welche Lebenssinn und Lebensfreu- de vermittelt, die Kommunikation stärkt und offen gegenüber Neuem ist. Im Umgang mit der Tiroler Kultur muss einerseits versucht werden, landesspezifische Traditio- nen und Volkskultur zu pflegen, andererseits muss bei der geistig-kulturellen Weiterentwicklung eine Offenheit gegenüber neuen Strömungen gewährleistet sein. Die geistig-kulturellen Lebensgrundlagen sind zu sichern und die bestehende kulturelle Infra- struktur ist gezielt auszubauen. Wir stärken gezielt die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Tirol. Der wirtschaftliche Erfolg bildet die materielle Lebensgrundlage der Menschen, der Gesellschaft und somit einer allgemeinen Wohlfahrt. Die Sicherung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Tiroler Wirtschaft bzw. des Wirtschaftsstandortes Tirol stellt daher – insbesondere auch zur Gewährleistung eines hohen Beschäftigungsniveaus – einen unverzichtbaren Grundpfeiler der Landesentwicklung dar. Im internationalen Wettbewerb setzt Tirol auf das hohe Ausbildungsniveau und die Leistungs- bereitschaft der Betriebe und der Beschäftigten, die weitere Entwicklung von geeigneten Stär- kefeldern, die hohe Attraktivität der Natur- und Kulturlandschaft, den sozialen Frieden und eine effiziente öffentliche Verwaltung. In diesem Rahmen gilt es, Standortvoraussetzungen zu schaffen, die sowohl für die weltweit agierenden Tiroler Unternehmen wie auch für die nahbereichsorientierten Betriebe bestmögli- che Bedingungen bieten. Besonderes Augenmerk gilt hier den Bereichen Bildung und For- schung. Gleichermaßen müssen die Bedürfnisse der arbeitenden Menschen bei der wirtschaft- lichen Weiterentwicklung berücksichtigt werden. Im Gesamtzusammenhang der Landesentwicklung wird eine wirtschaftliche Entwicklung nach dem Grundprinzip der ökosozialen Marktwirtschaft angestrebt. Die Grenzen der wirtschaftlichen Entwicklung sind dort zu setzen, wo die sozialen und gesundheitlichen Belange der Bevölke- rung nicht ausreichend berücksichtigt werden und die dauerhafte Funktionsfähigkeit des Öko- systems nicht gesichert ist. Wir gehen mit den natürlichen Ressourcen unseres Landes sorgsam um und schützen die Schönheit und Vielfalt der Natur. Natur ist nicht nur nach ökonomischen Kriterien zu messen. Die Landesregierung bekennt sich daher zur Erhaltung und Pflege von Arten, Lebens- und Landschaftsräumen, insbesondere wenn sie standorttypisch und selten sind oder besondere Bedeutung für die naturnahe Erho- lung haben. Maßnahmen zur Erhöhung der Akzeptanz von Schutzmaßnahmen und zur Vermittlung ökologi- scher Zusammenhänge kommt besondere Bedeutung zu. Wo es möglich ist, werden Schutz- strategien im obigen Sinne mit Impulsen zur sanften wirtschaftlichen Nutzung verknüpft. Tirol ist als Gebirgsland reich an Naturwerten und -schätzen, welche spezifische Ressourcen bieten, aber auch vor Übernutzung geschützt werden müssen. Daher unterliegen die natürli- chen Ressourcen des Landes einer nachhaltigen Nutzung, wobei die Disposition im eigenen Land verbleiben muss. Der Schutz der Lebensgrundlagen und die Reduktion von gesundheits- und umweltschädlichen Emissionen bleibt ein wichtiges Ziel. Die Raumordnung sorgt vor, dass die Auswirkungen un- vermeidlicher Immissionen so gering wie möglich sind. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 26
  • 29. Wir bekennen uns zu einer Entwicklung, die auf Dauer ökonomisch sinnvoll, sozial ver- träglich und ökologisch tragfähig ist. Die Landesentwicklung orientiert sich verstärkt am Grundsatz der Nachhaltigkeit im Sinne der Vermeidung langfristig negativer Wirkungen und der langfristigen Sicherung von Nutzungsmög- lichkeiten. Die drei Säulen der Nachhaltigkeit – Gesellschaft, Wirtschaft und Ökologie – müssen zueinander in Balance stehen und dürfen nicht einseitig betont werden. In diesem Sinn bekennt sich die Landesregierung zum steuernden Ausgleich. Ziel ist eine in sich schlüssige räumliche und wirtschaftliche Entwicklung. Diese nützt die Stär- ken und Ressourcen Tirols und bietet Entfaltungsräume für neue Ideen und Initiativen. Sie res- pektiert aber auch die Begrenztheit des nutzbaren Raumes und die sich daraus ergebenden Restriktionen – insbesondere bei Nutzungsansprüchen mit hohem Flächenbedarf oder hohen Emissionen. Um dieses Gleichgewicht wahren zu können ist es nötig, die globalen Trends mit Einfluss auf unser Land als Herausforderungen zu begreifen, die darin liegenden Chancen für die Landes- entwicklung gezielt zu nutzen und die damit verbundenen Probleme kompetent zu lösen. Wir berücksichtigen und unterstützen die Entwicklung der unterschiedlichen Potenziale in den verschiedenen Landesteilen im Rahmen einer aktiven Regionalpolitik. Tirol weist in seiner inneren Strukturierung eine große Vielfalt auf. Es macht weder ökonomisch noch im Hinblick auf öffentliche Interessen und öffentliche Finanzen Sinn, in unterschiedlichen Raumtypen gleiche Entwicklungsmuster anzustreben. Verdichtungsräume im Bereich der Haupttäler, touristische Intensivräume, ländliche Räume ohne ausgeprägte wirtschaftliche Schwerpunkte und naturnahe Räume verfügen über unter- schiedliche Entwicklungspotenziale und benötigen daher unterschiedliche Entwicklungsstrate- gien. Die Landesentwicklung ist folglich so zu lenken, dass in allen Landesteilen die Stärken und Chancen der jeweiligen Regionen gefördert und gleichzeitig Nachteile und Schwächen mög- lichst kompensiert werden. Die unterschiedlichen räumlichen Standortvoraussetzungen in Tirol werden nicht als Nachteil, sondern als Chance verstanden, für Menschen mit unterschiedlichen Präferenzen attraktive Lebensmöglichkeiten zu bieten. Die Regionalpolitik muss daher weiterhin einen hohen Stellenwert beibehalten, um der inneren Vielfalt Tirols und den unterschiedlichen Entwicklungsvoraussetzungen gerecht zu werden. Gerade die Entwicklung einer Region primär aus eigenen Kräften ist der beste Garant für Au- thentizität und Glaubwürdigkeit und in der Folge für den Erfolg. Es bedarf jedoch auch einer Solidarität der Regionen untereinander, damit raumbezogene Nachteile verringert werden können und eine bessere Chancengleichheit der Regionen zu er- zielen ist. Wir sind ein aktives Mitglied im Europa der Regionen, nützen die damit verbundenen Chancen und stellen uns den daraus erwachsenden Verpflichtungen. Globale Zusammenhänge in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt beeinflussen auch die Ent- wicklung Tirols in zunehmendem Maße. Globale Trends zu erkennen und daraus Konsequen- zen zu ziehen ist daher eine grundlegende Notwendigkeit. Insbesondere sieht sich Tirol als aktives Mitglied in einem Europa der Regionen und nimmt die daraus resultierenden Chancen und Pflichten wahr. Die Zusammenarbeit, insbesondere mit benachbarten Regionen, im Alpenraum und mit ande- ren Bergregionen wird weiter intensiviert. Die Landesentwicklung wird mit den Planungen und Entwicklungen benachbarter Länder abgestimmt. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 27
  • 30. Auch in Zeiten rascher Entwicklung, der Auflösung der Grenzen und der Weitung der Horizonte muss es dennoch möglich sein, die kulturelle Identität Tirols auch im globalisierten Umfeld zu bewahren und zu pflegen. Als Bundesland der Republik Österreich und als Teil der Europäischen Union werden wesentli- che Rahmenbedingungen für die Landesentwicklung von der nationalen und europäischen Ebene bestimmt. Tirol nimmt für sich in Anspruch, seine vitalen Interessen gegenüber diesen politischen Einheiten mit Nachdruck zu vertreten. Besonders wird dabei die Berücksichtigung jener spezifischen Anliegen gefordert, die aufs Engste mit dem Gebirgscharakter des Landes und der verkehrsgeografischen Lage zu tun haben. Tirol sieht in der Alpenkonvention ein nützliches Instrument einer nachhaltigen Entwicklung alpiner Regionen. Das Land setzt aber voraus, dass die Anwendung entwicklungsbeschrän- kender Bestimmungen im gesamten Geltungsbereich einheitlich erfolgt, damit es zu keinen Wettbewerbsverzerrungen kommt. Als Ausdruck weltweiter Solidarität unterstützt Tirol den „Global Marshall Plan“, welcher eine nachhaltige und gerechte Sicherung der Lebensgrundlagen für die gesamte Weltbevölkerung zum Ziel hat. Wir entwickeln unsere Siedlungen abgestimmt auf die Bedürfnisse der Bevölkerung und der Wirtschaft, berücksichtigen dabei die funktionellen Zusammenhänge und achten auf eine zweckmäßige und sparsame Nutzung der verfügbaren Flächen. Für den Flächenbedarf der Bevölkerung für Wohnen, Wirtschaft und Versorgung sind die erfor- derlichen Flächen in geeigneter Lage bereit zu stellen, wobei - eine weitere Zersiedelung zu vermeiden ist, - eine auf das jeweilige Siedlungsumfeld abgestimmte Flächen sparende Nutzung angestrebt wird, wobei zugleich eine optimale Qualität für die jeweilige Nutzung zu sichern ist, - auf eine geeignete infrastrukturelle Ausstattung und Erschließung zu achten ist und - für die Kosten der Erschließung und Versorgung der Standorte von den Nutzern in geeigne- ter Form Beiträge zu leisten sind. Die Standorteignung ist nicht nur im örtlichen Zusammenhang zu beurteilen, sondern wird auch im überörtlichen Kontext gesehen. Besonderes Augenmerk wird auf die Eindämmung des Flächenverbrauches, die Berücksichti- gung der funktionellen Zusammenhänge und die möglichst weitgehende Erhaltung der Frei- räume gelegt. Die Siedlungsentwicklung hat im Einklang mit der Tragfähigkeit der ökologischen Systeme zu erfolgen, aber auch die Naturgefahren und Gefährdungen durch Immissionen zu berücksichtigen. Außerdem ist der Siedlungsraum so zu gestalten, dass unnötiger Verkehr vermieden wird und durch seine Erschließung keine unangemessenen volkswirtschaftlichen Kosten entstehen. Wir gewährleisten und entwickeln qualitätsvolle und bedarfsgerechte Angebote der Da- seinsvorsorge und sichern den Zugang zu diesen Leistungen. Zur Abdeckung wichtiger Grundbedürfnisse wie Gesundheit, Pflege, Erholung, Arbeit, Bildung, Versorgung, Mobilität und Sicherheit werden effiziente Infrastrukturen für alle Bevölkerungs- schichten bereit gestellt. Damit kann der soziale und regionale Zusammenhalt der Gesellschaft gesichert werden. Die Landesentwicklung zielt darauf ab, regional ein breit gefächertes und auch mit Rücksicht auf die öffentlichen Haushalte gut abgestimmtes Angebot an Leistungen der Daseinsvorsorge bereit zu stellen und die Zugänglichkeit dieser Angebote in allen Teilen des Landes unter Be- rücksichtigung möglicher Eigeninitiativen zu gewährleisten. Bei der Erbringung von Leistungen der Daseinsvorsorge sind – gleicher Maßen für öffentliche Dienstleistungen und privatwirtschaftlich geführte Unternehmen – klare Anforderungsprofile und ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 28
  • 31. Leistungsstandards zu definieren und deren Einhaltung laufend zu überprüfen. Die Koordination öffentlicher und privater Angebote ist sicherzustellen. Damit der Zugang zu den Leistungen der Daseinsvorsorge auch für Menschen mit einer einge- schränkten Mobilität sichergestellt werden kann, ist auf ein ausreichendes Angebot des öffentli- chen Verkehrs zu achten. Bei der Entwicklung der Verkehrssysteme ist den umweltschonenden Verkehrsmitteln erhöhte Bedeutung beizumessen. Die Erreichbarkeit von Schulen, Arbeitsplätzen, Versorgungseinrich- tungen und Freizeit- bzw. Erholungseinrichtungen im ÖPNV wird optimiert bzw. bei der Stand- ortplanung berücksichtigt. Die Attraktivität und Akzeptanz der Schiene insbesondere für den Gütertransit muss gesteigert werden, die Belastungen Tirols durch den Transit sind zu reduzie- ren. Wir schaffen Bedingungen zur Erhaltung und Entwicklung einer vielfältigen Kulturland- schaft, anerkennen dabei die Rolle der Land- und Forstwirtschaft und nehmen Bedacht auf zukünftige Nutzungsanforderungen. Tirol besitzt eine über Jahrhunderte entwickelte und gepflegte Kulturlandschaft, die – in Ein- klang mit der historischen Gebäudesubstanz – wesentlich zum Selbstverständnis des Landes und zum Tirolbild außerhalb des Landes beiträgt. Die Kulturlandschaft hat eine große Bedeutung für die ökologische Vielfalt und den Erholungs- wert Tirols. Sie stellt einen Schlüsselfaktor des Lebens- und Wirtschaftsraumes dar, für deren Erhaltung die Land- und Forstwirtschaft unverzichtbar ist. Daher sind auch die Rahmenbedin- gungen für die Land- und Forstwirtschaft so zu gestalten, dass sie ihre Funktion weiterhin erfül- len kann. Die traditionelle Volkskultur mit ihrer regionalen und lokalen Vielfalt hat ihre Wurzeln primär in der ländlichen bzw. bäuerlichen Bevölkerung. Notwendige Neuerungen und Anpassungen der Landschaftsnutzungen an die aktuellen und zukünftigen Bedürfnisse müssen vorgenommen werden. Jedoch sind die Rahmenbedingungen zu schaffen innerhalb derer das Landschaftsbild in den wesentlichen Grundzügen erhalten und maßvoll weiterentwickelt werden kann. Wir stärken die Gemeinden sowie deren Zusammenarbeit auf regionaler Ebene, wir för- dern Stadt-Umland-Kooperationen und berücksichtigen die besondere Rolle der Landes- hauptstadt Innsbruck für die Landesentwicklung. Die Gemeinden als die den Bürgern am nächsten stehende Gebietskörperschaft haben weiter- hin die zentralen Aufgaben in der Entwicklung und Gestaltung des engeren Lebens- und Wirt- schaftsraumes zu erfüllen. Die Zusammenarbeit auf regionaler Ebene wird jedoch massiv gestärkt, um ein zu gemeinde- bezogenes Denken zu überwinden, wo dieses eine sinnvolle Erfüllung der öffentlichen Aufga- ben behindert. Die Bemühungen zur Stärkung ländlicher Regionen dürfen keinesfalls zu einer Abschottung von den Städten führen. Gerade unter künftigen Bedingungen sind die Chancen der ländlichen Ent- wicklung mehr denn je von der Stadt-Land-Zusammenarbeit abhängig. Speziell betrifft dies die Landeshauptstadt Innsbruck, die aufgrund ihrer Größe und ihrer zentralen Einrichtungen für die Landesentwicklung eine besondere Bedeutung hat. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 29
  • 32. Das Land Tirol unterstützt in Fragen der Landesentwicklung eine Grundhaltung, die durch Optimismus und Offenheit für Neues, aber auch durch Augenmaß und Glaubwür- digkeit geprägt ist. Eine erfolgreiche Landesentwicklung braucht als emotionale Basis Optimismus, Zuversicht, Begeisterungsfähigkeit und Visionen. Sie braucht andererseits Realismus, Wissen und Können, Glaubwürdigkeit und Augenmaß. Durch die direkte Beteiligung verschiedenster gesellschaftlicher Gruppierungen an der Erstel- lung des ZukunftsRaum Tirol und durch eine aktive Kommunikation des Prozesses wird eine positive Grundstimmung aufgebaut. Die sachliche Darlegung von wichtigen generellen Trends, Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken ist Grundlage für den Realitätsbezug. Es gilt, die Stärken unseres Landes zu er- kennen und zu forcieren. Es gilt aber auch, zu Schwächen und Problemen zu stehen und kon- sequent an ihrer Lösung zu arbeiten. Das Land Tirol handelt in Fragen der Landesentwicklung strategieorientiert, transparent und nachvollziehbar; es berücksichtigt inhaltliche Vernetzungen. Die Rahmensetzungen und aktiven Impulse für die Landesentwicklung folgen einem strategi- schen Gesamtkonzept. Dieses zeichnet sich durch Transparenz und Verbindlichkeit aus. An relevante Änderungen der äußeren Rahmenbedingungen wird es – unter Wahrung der maß- geblichen Grundprinzipien – dynamisch angepasst. Der ZukunftsRaum Tirol stellt wesentliche Aspekte der Landesentwicklung in ihren Zusammen- hang und verfolgt einen Ansatz, der Vernetzungen innerhalb des Landes aber auch über Tirol hinaus berücksichtigt. Angesichts der Vielschichtigkeit der Ansprüche an den Raum sind nicht alle Probleme im Kon- sens zu lösen. In Kenntnis und Respektierung unterschiedlicher Werthaltungen und Interessen werden daher von der Politik Entscheidungen herbeigeführt, die sich verantwortungsvoll und klar an langfristigen öffentlichen Interessen des Landes orientieren. Der ZukunftsRaum trägt in diesem Sinne zu einer nachvollziehbaren Werteorientierung und -abwägung bei. Das Land Tirol setzt den ZukunftsRaum Tirol aktiv um und ruft alle Verantwortlichen zur Mitarbeit auf. Die Umsetzung wird laufend dokumentiert und regelmäßig evaluiert. Landesregierung und Landesverwaltung orientieren sich bei ihren raumbezogenen Tätigkeiten am Raumordnungsplan ZukunftsRaum Tirol. Die Umsetzung des ZukunftsRaums erfolgt mit allen dem Land zur Verfügung stehenden In- strumenten. Deren Optimierung ist ein Bestandteil des ZukunftsRaums. Der ZukunftsRaum erleichtert sachgerechte Einzelentscheidungen und unterstützt den effizien- ten Einsatz knapper werdender öffentlicher Mittel. Die Umsetzung des ZukunftsRaums wird durch ein entsprechendes Monitoring, darauf gestütz- te Berichte und Evaluierungen dokumentiert. Änderungen und Weiterentwicklungen des ZukunftsRaums Tirol basieren auf strategischen Überlegungen. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 30
  • 33. 2.2 ZukunftsRaum Tirol und interessensspezifische Ansprüche Über die Bearbeitung der sektoralen Themenschwerpunkte (siehe 3. Teil) hinaus werden in diesem Kapitel für die räumliche Entwicklung wichtige Querschnittsthemen und maßgebliche Ansprüche von Gesellschaft und Wirtschaft behandelt. • Dieses Kapitel stellt in knapper Form dar, welche Ansprüche an den ZukunftsRaum aus der Sicht bestimmter Interessengruppen gestellt werden; • es zeigt auf, wie diese spezifischen Ansprüche in die Gesamtsicht des ZukunftsRaums eingebettet sind; • es beschreibt die Schnittstellen zu spezifischen Aktivitäten in den jeweiligen Zuständig- keitsbereichen und verdeutlicht den Koordinierungsbedarf; • im Sinne eines „internen Wegweisers“ stellt es schließlich Verknüpfungen zu den sektora- len Themen des ZukunftsRaums her. 2.2.1 Gesellschaft Gesellschaftliche Gruppen Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen haben aufgrund ihrer persönli- chen Lebenssituation besondere Ansprüche an die zukünftige Entwicklung des Landes: • Für Kinder und Jugendliche sind vor allem ein sicheres soziales Umfeld, interessante und sichere Spiel- und Freizeitangebote (Spielplätze, Jugendtreffs, Vereine u.ä.) sowie eine positive Zukunftsperspektive mit motivierenden Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten in einer gesunden Umwelt wichtig. • Bei Familien, Partnerschaften oder Elternteilen mit Kindern stehen nach der Grundvoraus- setzung einer gesicherten materiellen Existenz eine leistbare Wohngelegenheit in einem gesunden Wohnumfeld mit sicheren Verkehrswegen meist an erster Stelle der Prioritäten. Dazu kommen flexible Möglichkeiten der Kinderbetreuung, gut erreichbare Schulen und vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten für die Kinder. Eine leicht erreichbare Grundversor- gung, öffentliche Verkehrsmittel für die Familienmitglieder ohne PKW und leistbare Frei- zeitangebote für Eltern und Kinder runden das Spektrum der wichtigsten Bedürfnisse ab. • Die Gleichbehandlung von Männern und Frauen erfordert die aktive Berücksichtigung der Ansprüche und Anliegen von Frauen in der Planung und Umsetzung von öffentlichen Maß- nahmen. Frauen stellen insbesondere wegen ihrer vielfältigen sozialen Beziehungen spe- zifische Anforderungen an Mobilität (bedarfsgerechte öffentliche Verkehrsmittel), Arbeits- markt (nahe gelegene Arbeitsstandorte, flexible Teilzeit- aber auch Vollzeitmodelle, berufli- cher Wiedereinstieg, Gleichstellung der Entlohnung) und soziale Infrastruktur (flexible Kin- derbetreuung, Unterstützung bei der Hauspflege). • Seniorinnen und Senioren übernehmen eine zunehmend aktive Rolle in der Gesellschaft. Die älteren Menschen verlangen immer mehr spezielle altersgerechte Angebote wie z. B. Freizeitmöglichkeiten, bieten aber auch zusätzliche Potenziale für die Gemeinwesenarbeit. Mit zunehmendem Alter und im Falle von Krankheit, Gebrechlichkeit oder Demenz steigt das Bedürfnis nach Pflege und Betreuung – bevorzugt im vertrauten Umfeld, was den Wohnort und das soziale Umfeld betrifft. Die Zukunft soll für die älteren Menschen planbar sein, Armut und Vereinsamung sind von ihnen abzuwenden. Eine gut erreichbare Grund- versorgung und ebensolche öffentliche Verkehrsmittel sind weitere wichtige Bedürfnisse. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 31
  • 34. Menschen mit Behinderungen wollen in der Regel ein möglichst eigenständiges Leben mit einer adäquaten Wohnung und einem geeigneten Arbeitsplatz führen. Dennoch braucht es oft auch Betreuung und Hilfestellungen, damit alle Lebenssituationen gemeistert werden können. Barrierefreie Zugänge, eine erreichbare Grundversorgung und behindertenge- rechte öffentliche Verkehrsmittel erleichtern oft das Leben. • Migrantinnen und Migranten wollen akzeptierte Mitglieder der Tiroler Gesellschaft sein mit dem gleichzeitigen Anspruch, dass ihr kultureller und religiöser Hintergrund respektiert wird. • Urlaubsgäste Tirols erwarten sich Freundlichkeit, professionelle Dienstleistungen und ein Umfeld, das ihnen die Erfüllung ihrer Erwartungen ermöglicht. Die einheimische Bevölke- rung erwartet sich aber auch die Rücksichtnahme auf Natur und Kultur des Landes. Der ZukunftsRaum kommt mit seinen Strategien diesen Bedürfnissen weitgehend entgegen: • Durch die Orientierung an den Prinzipien der Nachhaltigkeit wird gewährleistet, dass die hohe Lebens- und Umweltqualität Tirols auch in Zukunft erhalten bleibt. • Der ZukunftsRaum zielt auf flächendeckende und qualitätsvolle Angebote der Daseinsvor- sorge sowie effiziente Nutzungen der bestehenden Infrastrukturen ab. Wegen der be- grenzten öffentlichen Haushalte sind aber Schwerpunktsetzungen nötig. Innerhalb der Landesverwaltung ist die Koordination mit jenen Dienststellen wahrzunehmen, die sich mit den Bedürfnissen und Problemen bestimmter gesellschaftlichen Gruppen beschäftigen. Das „Projekt 2010“ fördert Maßnahmen zur Entwicklung einer nachhaltigen Jugendbeteili- gungskultur in Tirol. Aktuell stehen Entwicklungen zur Ausweitung und Flexibilisierung der Kinderbetreuung in Um- setzung (Nachmittagsbetreuung in Pflichtschulen) oder Diskussion (Kinderbetreuungskonzept). Das Leitbild „Integration MIT Zugewanderten in Tirol“ orientiert sich an Respekt und Wertschät- zung für soziale und kulturelle Vielfalt, der Chancengleichheit aller hier lebenden Menschen und der gemeinsamen Verantwortung für einen laufenden Prozess der Integration. Der ZukunftsRaum Tirol enthält vertiefende Inhalte vor allem in den Kapiteln 3.3 bis 3.7. Gesellschaftliche Ansprüche Der Zusammenhalt der Gesellschaft ist eine hochrangige Zielsetzung auf europäischer Ebene, soll aber im Zeitalter der Globalisierung auch eine weltweite Dimension erzielen. Die Verschie- denheit von Menschen und Kulturen ist in einem offenen und demokratischen Vorgehen auf ihre motivierende und bereichernde Wirkung für das persönliche und gesellschaftliche Leben auszurichten. Die sozialen und kulturellen Unterschiede müssen in ihren Auswirkungen aber auch eingeschränkt und gemildert werden, um Chancengleichheit zu ermöglichen, soziale Be- nachteiligung und gesellschaftliche Polarisierung zu verhindern. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 32
  • 35. Gesundheit als Zustand des völligen körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Wohlbe- findens (WHO 1994) hat sich zu einem umfassenden gesellschaftlichen Anspruch entwickelt, welchen die Menschen in allen Lebenslagen anstreben. Dadurch ergeben sich mannigfache Wechselwirkungen des Gesundheitswesen zu anderen Lebens- und Politikbereichen wie Bil- dung, Ernährung, Arbeit und Wirtschaft, Umwelt, Freizeit u.ä. Das Gesundheitssystem mit sei- nen vielfältigen Einrichtungen und Abläufen sieht sich – nicht zuletzt auch wegen des demogra- phischen Wandels - hohen Ansprüchen aber auch der Herausforderung deren Finanzierung ausgesetzt. Tirol kann seinen Einwohnern und Gästen in vielen Lebensbereichen vorzügliche gesundheitli- che Umgebungsqualitäten und qualitativ hoch stehende Einrichtungen des Gesundheitswesen und attraktive Wellnessangebote bieten. Besondere Herausforderungen bestehen durch den demographischen Wandel, die hohen qualitativen Ansprüche der Menschen an ein einheitliches Versorgungssystem und dessen Finanzierbarkeit. Aus der Gesamtsicht des ZukunftsRaums stehen in Bezug auf das Gesundheitswesen folgende Zielsetzungen im Vordergrund: • des zunehmenden Pflegebedarfs für ältere Menschen insbesondere auch im privaten Um- feld, • der Einrichtungen einer am Patienten orientierten Behandlungskette im Gesundheitswe- sen, • der Steigerung der Effizienz des Gesundheitssystems, • der Verbesserung der Umweltqualität, vor allem in den Verdichtungsräumen. Die Umsetzung der genannten Zielsetzungen bedingt eine enge Abstimmung des Zukunfts- Raums mit dem Österreichischen Strukturplan 2006 für Gesundheitsleistungen. Der ZukunftsRaum enthält vertiefende Inhalte im Kapitel 3.4. Bildung ist die Kernkompetenz einer auf Entwicklung und Fortschritt ausgerichteten Gesell- schaft. Bildung steht heute für einen lebensbegleitenden Entwicklungsprozess des Menschen, bei dem er seine Fähigkeiten und Kompetenzen erweitert. Der freie Zugang zu Information und Wissen ist eine öffentlich wahrzunehmende Voraussetzung für die persönliche Entfaltung des Menschen. Tirol bietet ein überaus breites und überregional bedeutsames Angebot an Bildungseinrichtun- gen an. Die abnehmende Anzahl der Kinder und Jugendlichen sowie die zunehmend Anspruch insbesondere auf berufliche Weiterbildung und Qualifizierung stellen besondere Herausforde- rungen dar. Aus der Gesamtsicht des ZukunftsRaums stehen in Bezug auf das Bildungswesen folgende Zielsetzungen im Vordergrund: • Chancengleichheit im Zugang und Durchlässigkeit im Bildungssystem • verstärkte Ausrichtung der Bildungsangebote auf Wirkung und Qualität, • spezifische Ergänzung von mittleren und hohen Bildungsangeboten (Kunst, Technik) und deren Erreichbarkeit, • der organisatorischen Verbesserung des Bildungsangebotes im Bereich der lokalen Er- wachsenenbildung. Die Umsetzung der genannten Zielsetzungen bedingt auf Landesebene eine enge Abstimmung des ZukunftsRaums mit dem Tiroler Bildungskonzept und dem Tiroler Kinderbetreuungskon- zept. Der ZukunftsRaum enthält vertiefende Inhalte im Kapitel 3.4. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 33
  • 36. Daseinsvorsorge ist die staatliche Aufgabe zur Bereitstellung von Leistungen und Gütern von allgemeinem Interesse. Diese öffentlichen Leistungsangebote stehen unter dem Einfluss von Liberalisierung und demographischer Entwicklung. Die öffentlichen Stellen in Tirol erbringen vielfältige Leistungen der Daseinsvorsorge, welche den Bürgern und der Wirtschaft ein hohes Versorgungsniveau gewährleisten. Die Besonderhei- ten eines Berggebietes mit überwiegend klein strukturierten Versorgungseinrichtungen und aufwändigeren Infrastrukturen weisen auf zukünftige Herausforderungen hin: Aufrechterhaltung einer flächendeckenden und qualitätsvollen Versorgung als öffentliche Aufgabe, Steigerung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Leistungsangebote. Aus der Gesamtsicht des ZukunftsRaums stehen in Bezug auf die Daseinsvorsorge folgende Zielsetzungen im Vordergrund: • der Aufrechterhaltung der öffentlichen Kontrolle über alle wesentlichen Bereiche der Da- seinsvorsorge und deren Leistbarkeit für die Nutzerinnen und Nutzer, • der integrativen Planung und kommunikativen Abstimmung von großen Infrastrukturvorha- ben, • der stärkeren Orientierung auf Kooperationen der Betreiber und der effizienten Steuerung des Betriebes, • der Erfüllung geeigneter Aufgabenstellungen durch PPP-Modelle oder marktwirtschaftliche Einrichtungen. Der ZukunftsRaum enthält vertiefende Inhalte in den Kapiteln 3.4 und 3.5. Grund und Boden ist einer der Produktionsfaktoren der Volkswirtschaft. Das Eigentumsrecht ordnet die Verfügbarkeit über Sachen und insbesondere Grundstücke und Gebäude eigenver- antwortlichen Personen und Institutionen zu. Der Umgang mit Grund und Boden, seine Nutzun- gen und Nutzungsabsichten sind aber auch Kerninhalte des öffentlichen Verwaltungsrechtes wie insbesondere der Bau- und Raumordnung, des Agrar- und Forstrechts, von diversen Rechtsmaterien über öffentliche Infrastruktureinrichtungen usw. Tirol verfügt als Gebirgsland über wenig dauerhaft und intensiv nutzbaren Raum. In den Haupt- tälern und auf den begleitenden Terrassen bündeln sich vielfältige Infrastrukturen neben dich- ten Siedlungen, Landwirtschaft und Tourismus konzentrieren sich zunehmend in Gunstlagen. Angesichts abnehmender staatlicher Autoritäten und zunehmender Differenzierungen von Werthaltungen wird die Verfügbarkeit von Grund und Boden für öffentliche oder gemeinnützige Zwecke immer geringer und teurer. Aus der Gesamtsicht des ZukunftsRaums stehen in Bezug auf den Umgang mit Grund und Boden folgende Zielsetzungen im Vordergrund: • die Durchsetzung eines sparsamen Bodenverbrauchs, • die Baulandmobilisierung, • die Bewusstseinsbildung für die Durchsetzbarkeit öffentlicher oder gemeinnütziger Inan- spruchnahme von Grund und Boden, • eine strukturelle Verbesserung von land- und forstwirtschaftlichen Besitz- und Nutzungs- verhältnissen. Der ZukunftsRaum enthält vertiefende Inhalte in den Kapiteln 3.1, 3.2 sowie 3.5 bis 3.9. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 34
  • 37. Kultur umfasst – in einer weit ausholenden Definition - alles von Menschen Geschaffene und ihre Lebensweisen. Eine Kulturgemeinschaft orientiert sich am gemeinsamen „Wissen“, an erwartbaren Verhaltensweisen und ähnlichen Werthaltungen. Kultur darf trotz aller Kontinuität nicht als statisch und geschlossen angesehen werden, sie ändert sich dynamisch durch innere Erkenntnisse und äußere Einflüsse. Die Tiroler Bevölkerung zeichnet sich durch ein hohes Maß an kultureller Identität aus. Das äußere Bild eines sowohl auf Traditionen als auch auf moderne Entwicklungen ausgerichteten Tirols, erfährt in seiner Innensicht eine nähere Differenzierung: Stadt- und Landbevölkerung, Bewohner verschiedener Regionen, Gruppen von Zuwanderern unterscheiden sich in ihren spezifischen Werthaltungen und Lebensweisen. Die Herausforderungen der kulturellen Ent- wicklung Tirols liegen darin, dass die äußeren und inneren Einflüsse die Weiterentwicklung einer multikulturell gegliederten Gesellschaft ermöglichen, welche sich durch eine gemeinsame Tiroler Identität auszeichnet. Aus der Gesamtsicht des ZukunftsRaums stehen in Bezug auf die kulturelle Entwicklung fol- gende Zielsetzungen im Vordergrund: • der öffentlichen Unterstützung der persönlichen Eigenständigkeit und von ehrenamtlichen Tätigleiten bzw. freiwilliger Gemeinwesenarbeit, • der fortdauernden Entwicklung gemeinsamer sozialer Werthaltungen und Unterstützung von benachteiligten Gruppen, • der Wahrung und Unterstützung traditioneller Kulturwerte der Volkskultur, • der engagierten Unterstützung innovativer zeitgenössischer Kulturformen. Der ZukunftsRaum enthält vertiefende Inhalte - zum Großteil der angesprochenen Themen im Kapitel 3.4 - zu Denkmalschutz und Architektur im Kapitel 3.1 - zur Kulturlandschaft in den Kapiteln 3.8 und 3.9. Der ehrenamtlichen Tätigkeit und freiwilligen Gemeinwesenarbeit kommt in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ein besonderer Stellenwert zu. Freiwilliges Engage- ment ist nicht nur Hilfe für andere, sondern bedeutet auch persönliche Weiterentwicklung. Aus der Gesamtsicht des ZukunftsRaums stehen in Bezug auf ehrenamtliche Tätigkeiten fol- gende Zielsetzungen im Vordergrund: • Selbstorganisation der Gesellschaft mit wesentlichen Beiträgen zum kulturellen und sozia- len Zusammenleben; • Unterstützung der Professionalisierung und Qualitätssicherung von freiwillig erbrachten gemeinnützigen Leistungen. Zur Verbesserung der weltweiten gesellschaftlichen Solidarität unterstützt das Land Tirol die Initiative „Global Marshall Plan“. So wird zur Stärkung der regionalen Wertschöpfung, zur Sicherung dezentraler Arbeitsplätze, sowie zur Vermeidung von Verkehr und als Beitrag zum Klimaschutz heimischen Lebensmit- teln, Bioprodukten aus der Region sowie fair gehandelten Erzeugnissen in Einrichtungen des Landes und der Gemeinden ein besonderer Stellenwert eingeräumt. Ebenso werden Bevölke- rung und Tourismusbetriebe über diese Zielsetzung informiert und zur Unterstützung derartiger Initiativen angeregt. Alle Tiroler LA 21-Gemeinden sollen als "lokale Landeplätze für Nachhaltigkeit" künftig eine starke Rolle als Promotoren der Idee des Global Marshall Plans spielen und konkrete Projekte und Aktivitäten an der Basis setzen. ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 35
  • 38. 2.2.2 Wirtschaft und Arbeit Wirtschaft Die gezielte Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Tirol ist eines der Grundprinzipien des ZukunftsRaums (Kap. 2.1) Aus der Perspektive der Wirtschaft erfordert dies • eine positive Wirtschaftsgesinnung der Bevölkerung, die die Bedeutung der Wirtschaft als wesentliche Grundlage der Lebensqualität sowie die Notwendigkeit wirtschaftlicher Ent- wicklungsdynamik anerkennt; • Freiräume für neue Ideen und für unternehmerisches Handeln; • klare Entwicklungsperspektiven für die KMUs, die die breite Basis der Tiroler Wirtschafts- struktur bilden, ebenso wie für die „Global Player“ in der Tiroler Wirtschaft; • die Vorsorge für bestmögliche infrastrukturelle und technische Standortbedingungen und die Bereitstellung optimaler Standorträume zu vertretbaren Kosten; • eine Standortabstimmung durch die Raumordnung, die ein gutes Nebeneinander verschie- dener Wirtschaftszweige und Synergien zwischen diesen ermöglicht; • eine langfristig ausgerichtete Entwicklungspolitik mit klugen Rahmensetzungen, die die Kernkompetenzen des Standortes Tirol bewahrt und wo möglich stärkt. Aus der Gesamtsicht des ZukunftsRaums stehen in Bezug auf die weitere wirtschaftliche Ent- wicklung folgende Zielsetzungen im Vordergrund: • Tirol setzt auf eine wissensbasierte, innovative Wirtschaft mit hohem Vernetzungsgrad. • Angesichts der vorherrschenden kleinen Betriebsstrukturen kommt der Stärkung von Ko- operationen besondere Bedeutung zu – sowohl innerhalb bestimmter Wirtschaftszweige als auch branchenübergreifend. • Die Entwicklungsschwerpunkte liegen - in der weiteren Forcierung von Bildung und Forschung, - in der Erzeugung hochwertiger Güter und der Erbringung qualitätsvoller Dienstleistun- gen, die die Stärken des Standortes Tirol abbilden. - im qualitätsorientierten Tourismus. • Diese vorrangigen Profilierungsfelder werden vernetzt mit der Entwicklung der alpinen Land- und Forstwirtschaft, der Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und den Sport-, Kultur- und Gesundheitsangeboten. • In diesem Sinne forciert Tirol weiterhin eine regional gemischte Wirtschaftsstruktur. Um die Verträglichkeit verschiedener wirtschaftlicher Aktivitäten untereinander zu gewährleisten, ist dabei eine sorgsame Standortabstimmung erforderlich. • Die Erzielung von Synergien zwischen verschiedenen Wirtschaftssektoren und Branchen sowie auch die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe sind ein wesentliches wirtschafts- und regionalpolitisches Anliegen. • Diese Schwerpunktsetzung bzw. Abstimmung erfordert eine klare strategische Positionie- rung der einzelnen Regionen, die sich an den jeweiligen Stärkepotenzialen orientiert. • In Regionen mit hohem touristischen Entwicklungspotenzial hat dieses Priorität und wird bei anderen wirtschaftlichen Aktivitäten auf entsprechende Verträglichkeit geachtet. Wirtschaft- liche Entwicklungen, die dieses Potenzial gefährden, werden dort vermieden. • In Regionen mit hohem industriellen Entwicklungspotenzial wird diesem Priorität einge- räumt. Die bestgeeigneten Standorte werden überörtlich abgestimmt und bereitgestellt. Da- ZukunftsRaum Tirol – Endbericht des Ausarbeitungsprozesses Stand: 29.1.2007 Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik Seite 36