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Social Media topsoft-Magazin 3-13
The naked CIO: Vom Kontrollverlust und
der veränderten Rolle der IT
Social Media haben die Kommunikation im Privatleben längst verändert und drängen nun
vermehrt auch in die Unternehmens-IT. Schliesslich wollen die User die selben Tools auch
im Büro nutzen, deren Vorteile sie im Privaten längst schätzengelernt haben. Diese fort-
schreitende Consumerization der Unternehmens-IT bewirkt, dass die historisch gewachsenen
IT-Abteilungen neu aufgestellt werden müssen. Die mehr oder weniger unkontrollierte Kom-
munikation via Social Media und die massive Zunahme nicht mehr durch die IT kontrollierter
Hardware verändern die Organisation von Unternehmen. CIOs müssen also entsprechend
umdenken.
>> Michael Gisiger, Wortgefecht | Social Business Beratung und Training
Künftig wird es immer mehr Mitarbeiter in
Unternehmen geben, die mobil arbeiten und
höchst unterschiedliche Endgeräte einsetzen.
Ein CIO wird sich also in Zukunft keinen Ge-
fallen tun, wenn er weiterhin versucht, sich auf
wenige Standard-Endgeräte zu konzentrieren.
Das wird er gegen den Anwenderdruck nicht
durchhalten können. Es rücken viele junge
Mitarbeiter nach, die technologisch das nach-
fragen, was sie auch privat schon lange nutzen.
Die Zahlen sprechen bereits eine klare Spra-
che: Laut der aktuellen CIO-Studie von Har-
vey Nash [1] stieg der Anteil der von Mitar-
beitern genutzten IT, der von der IT-Abteilung
nicht mehr beeinflussbar ist, in den vergange-
nen drei Jahren von zehn auf 40 Prozent. Was
in den sozialen Medien unter dem Stichwort
«Kontrollverlust» diskutiert wird, breitet sich
auch in Unternehmen aus. Die geschäftli-
che und private Nutzung von Geräten ver-
schwimmt, Tablets, Smartphones und der Ein-
satz von Apps werden auch im Arbeitsalltag
immer populärer, entsprechend sinkt die Re-
levanz von abgeschirmten IT-Systemen. Folge-
richtig ist jeder zweite der befragten CIOs der
Meinung, dass der Anteil von privaten Gerä-
ten, die Mitarbeiter am Arbeitsplatz einsetzen,
weiter steigen wird. Viele CIOs fühlen sich von
diesen Entwicklungen auch überfordert, wie
die Studie festhält. Sie sind oftmals gar nicht
mehr in der Lage, die Wünsche der anderen
Abteilungen und der Nutzer innert nützlicher
Frist umzusetzen.
Die IT hinkt der Entwicklung
hinterher
Mittlerweile ist es vielerorts sogar so, dass
zwischen der Unternehmens-IT und der Ge-
schäftsführung ein tiefer Graben liegt, der
gerade im Bereich des Enterprise 2.0 und der
mobilen IT auf unterschiedlicher Zielsetzung
beruht. Der klassische CIO pocht meist auf
Kostenreduktion und auf den Betrieb im Un-
ternehmen. Impulse für mobile Applikationen
kommen jedoch selten aus den IT-Abteilun-
gen. Da dominieren eher Marketing, Vertrieb
und Sales. Vielfach kommt es auch zu einem
Wildwuchs («Schatten-IT»).
Das Problem ist dabei oftmals die Komplexität
der bestehenden IT-Landschaften, die kaum
mehr Spielraum lassen für neue Technologien:
Wer «Dinosaurier» am Leben erhalten muss,
kann sich nicht um Mobile, Social Media und
lokale Kundenservice-Lösungen kümmern.
Die Mitarbeiter bestimmen
vermehrt, wo es lang geht
Der Nutzer, also der Mitarbeiter, diktiert im-
mer mehr, wo es in der IT-Welt langgeht. Die
elitäre Ingenieursdenke, die man vielerorts
noch in der IT vorfindet, hat sich überlebt.
Spezialistengehabe in Kombination mit unver-
ständlichem Fachjargon täuscht niemanden
mehr. Zum Vergleich: Früher dominierten
Lasten- und Pflichtenhefte beim Bau von neu-
en IT-Systemen den Arbeitsalltag. Der Nutzer
war in diesem Szenario nur ein Störfaktor. Das
alles hat sich inzwischen massiv verändert.
Dank agilen Programmiermethoden können
den Nutzern möglichst früh bereits umgesetz-
te Funktionen nutzen. Vereinfacht kann man
das mit einem App Store vergleichen, dessen
Angebot ständig wächst. Damit sinkt auch die
Gefahr, nach einer langen Planung am Reiss-
brett ein völlig veraltetes System in Betrieb zu
nehmen. Zudem kann man so ausreichend
früh auf veränderte Bedingungen reagieren.
Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich,
sämtliche nachgefragte Dienste und Hardware
Michael Gisiger ist Blogger, Berater
und Trainer für Enterprise 2.0, Social
Media und Online-Marketing. Seit
2006 publiziert er regelmässig Fach-
beiträge in Online- und Printmedien,
berät kleine und grosse Unternehmen
und tritt als Redner und Dozent auf.
Zu seinen Schwerpunkten gehören
u.a. Collaboration und Social CRM,
aber auch Social Media und Social
Business allgemein. Auf wortgefecht.
net bloggt er zu diesen Themen. Nach
dem Studium in St. Gallen und Bern
war er u.a. in der Versicherungs- und
in der IT-Branche als Marketer tätig.
37
Social Media
in die Infrastruktur einzubauen. So kann man
den Mitarbeitern z.B. entgegenkommen und
eines der Enterprise-Angebote von Dropbox,
Box oder die Open-Source-Lösung Own-
Cloud, die man sogar selber betreiben und da-
mit kontrollieren kann, zur Verfügung stellen,
statt sich über den Wildwuchs zu beklagen.
Die Veränderung des IT-Managements macht
sich jedoch an einem weiteren Ergebnis der
CIO-Umfrage fest, an der sich mehr als 2000
IT-Führungskräfte und Technologie-Manager
in 20 Ländern beteiligt haben. Ein Drittel der
digitalen Projekte kommen mittlerweile aus
den Vertriebs- und Marketing-Abteilungen
– ohne Beteiligung der IT-Abteilung. In eine
ähnliche Richtung geht die in der letzten Aus-
gabe erwähnte Tatsache, dass laut Gartner die
Marketingbudgets in den nächsten Jahren jene
der IT überflügeln werden [2].
Vertrieb und Marketing sind die
eigentlichen Treiber der IT
Aus der CIO-Studie geht hervor, dass bereits
42 Prozent der digitalen Projekte in Koope-
ration zwischen IT, Marketing und Vertrieb
laufen. Daraus lassen sich meiner Meinung
nach zwei Schlüsse ziehen. Um sich als Part-
ner für neue Projekte zu profilieren, reicht es
für IT-Führungskräfte nicht mehr aus, nur
Fachkenntnisse der Informatik vorzutragen.
Ein tiefes Verständnis für die Geschäftsfelder
des eigenen Unternehmens ist unverzichtbar,
um in der betrieblichen Organisation ein be-
gehrter Ansprechpartner zu bleiben. Weiter
stellt sich die Frage, ob die IT als Querschnitts-
funktion so überhaupt noch aufrecht erhalten
werden soll bzw. kann. Gerade die Kompe-
tenzkonflikte nehmen innerhalb einer schwa-
chen (in Teilen auch innerhalb einer starken)
Matrixorganisation, wie auch die in der Studie
dargelegten Trends zeigen, nicht ab sondern
vielmehr zu. Es ist darum nicht von der Hand
zu weisen, dass die Zusammenarbeit zwischen
Marketing und IT auf einer neuen Basis inten-
siviert werden muss.
Konsequenterweise werden einzelne Orga-
nisationseinheiten zukünftig sogar darüber
nachdenken, eigene, fachbezogene IT-Kom-
petenzen aufzubauen. Solange sich die IT-
Abteilungen nicht als Enabler für neue Busi-
ness-Modelle sehen, müssen Unternehmen
neue Wege beschreiten, um die Technologie
im Unternehmen losgelöst von der IT voran-
zutreiben. <<
Quellen
[1] http://harveynash.com/ciosurvey/
[2] http://www.forbes.com/sites/lisaar-
thur/2012/02/08/five-years-from-now-cmos-will-
spend-more-on-it-than-cios-do/
Kursangebot: Google Apps for Business
In Zusammenarbeit mit dem Bildungspartner Digicomp hat Michael Gisiger
zwei Tageskurse für Anwender bzw. Administratoren von Google Apps for Business
entwickelt. Die beiden Kurse finden regelmässig in Zürich und Bern statt.
Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten unter www.digicomp.ch
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The naked CIO: Vom Kontrollverlust und der veränderten Rolle der IT

  • 1. 36 Social Media topsoft-Magazin 3-13 The naked CIO: Vom Kontrollverlust und der veränderten Rolle der IT Social Media haben die Kommunikation im Privatleben längst verändert und drängen nun vermehrt auch in die Unternehmens-IT. Schliesslich wollen die User die selben Tools auch im Büro nutzen, deren Vorteile sie im Privaten längst schätzengelernt haben. Diese fort- schreitende Consumerization der Unternehmens-IT bewirkt, dass die historisch gewachsenen IT-Abteilungen neu aufgestellt werden müssen. Die mehr oder weniger unkontrollierte Kom- munikation via Social Media und die massive Zunahme nicht mehr durch die IT kontrollierter Hardware verändern die Organisation von Unternehmen. CIOs müssen also entsprechend umdenken. >> Michael Gisiger, Wortgefecht | Social Business Beratung und Training Künftig wird es immer mehr Mitarbeiter in Unternehmen geben, die mobil arbeiten und höchst unterschiedliche Endgeräte einsetzen. Ein CIO wird sich also in Zukunft keinen Ge- fallen tun, wenn er weiterhin versucht, sich auf wenige Standard-Endgeräte zu konzentrieren. Das wird er gegen den Anwenderdruck nicht durchhalten können. Es rücken viele junge Mitarbeiter nach, die technologisch das nach- fragen, was sie auch privat schon lange nutzen. Die Zahlen sprechen bereits eine klare Spra- che: Laut der aktuellen CIO-Studie von Har- vey Nash [1] stieg der Anteil der von Mitar- beitern genutzten IT, der von der IT-Abteilung nicht mehr beeinflussbar ist, in den vergange- nen drei Jahren von zehn auf 40 Prozent. Was in den sozialen Medien unter dem Stichwort «Kontrollverlust» diskutiert wird, breitet sich auch in Unternehmen aus. Die geschäftli- che und private Nutzung von Geräten ver- schwimmt, Tablets, Smartphones und der Ein- satz von Apps werden auch im Arbeitsalltag immer populärer, entsprechend sinkt die Re- levanz von abgeschirmten IT-Systemen. Folge- richtig ist jeder zweite der befragten CIOs der Meinung, dass der Anteil von privaten Gerä- ten, die Mitarbeiter am Arbeitsplatz einsetzen, weiter steigen wird. Viele CIOs fühlen sich von diesen Entwicklungen auch überfordert, wie die Studie festhält. Sie sind oftmals gar nicht mehr in der Lage, die Wünsche der anderen Abteilungen und der Nutzer innert nützlicher Frist umzusetzen. Die IT hinkt der Entwicklung hinterher Mittlerweile ist es vielerorts sogar so, dass zwischen der Unternehmens-IT und der Ge- schäftsführung ein tiefer Graben liegt, der gerade im Bereich des Enterprise 2.0 und der mobilen IT auf unterschiedlicher Zielsetzung beruht. Der klassische CIO pocht meist auf Kostenreduktion und auf den Betrieb im Un- ternehmen. Impulse für mobile Applikationen kommen jedoch selten aus den IT-Abteilun- gen. Da dominieren eher Marketing, Vertrieb und Sales. Vielfach kommt es auch zu einem Wildwuchs («Schatten-IT»). Das Problem ist dabei oftmals die Komplexität der bestehenden IT-Landschaften, die kaum mehr Spielraum lassen für neue Technologien: Wer «Dinosaurier» am Leben erhalten muss, kann sich nicht um Mobile, Social Media und lokale Kundenservice-Lösungen kümmern. Die Mitarbeiter bestimmen vermehrt, wo es lang geht Der Nutzer, also der Mitarbeiter, diktiert im- mer mehr, wo es in der IT-Welt langgeht. Die elitäre Ingenieursdenke, die man vielerorts noch in der IT vorfindet, hat sich überlebt. Spezialistengehabe in Kombination mit unver- ständlichem Fachjargon täuscht niemanden mehr. Zum Vergleich: Früher dominierten Lasten- und Pflichtenhefte beim Bau von neu- en IT-Systemen den Arbeitsalltag. Der Nutzer war in diesem Szenario nur ein Störfaktor. Das alles hat sich inzwischen massiv verändert. Dank agilen Programmiermethoden können den Nutzern möglichst früh bereits umgesetz- te Funktionen nutzen. Vereinfacht kann man das mit einem App Store vergleichen, dessen Angebot ständig wächst. Damit sinkt auch die Gefahr, nach einer langen Planung am Reiss- brett ein völlig veraltetes System in Betrieb zu nehmen. Zudem kann man so ausreichend früh auf veränderte Bedingungen reagieren. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich, sämtliche nachgefragte Dienste und Hardware Michael Gisiger ist Blogger, Berater und Trainer für Enterprise 2.0, Social Media und Online-Marketing. Seit 2006 publiziert er regelmässig Fach- beiträge in Online- und Printmedien, berät kleine und grosse Unternehmen und tritt als Redner und Dozent auf. Zu seinen Schwerpunkten gehören u.a. Collaboration und Social CRM, aber auch Social Media und Social Business allgemein. Auf wortgefecht. net bloggt er zu diesen Themen. Nach dem Studium in St. Gallen und Bern war er u.a. in der Versicherungs- und in der IT-Branche als Marketer tätig.
  • 2. 37 Social Media in die Infrastruktur einzubauen. So kann man den Mitarbeitern z.B. entgegenkommen und eines der Enterprise-Angebote von Dropbox, Box oder die Open-Source-Lösung Own- Cloud, die man sogar selber betreiben und da- mit kontrollieren kann, zur Verfügung stellen, statt sich über den Wildwuchs zu beklagen. Die Veränderung des IT-Managements macht sich jedoch an einem weiteren Ergebnis der CIO-Umfrage fest, an der sich mehr als 2000 IT-Führungskräfte und Technologie-Manager in 20 Ländern beteiligt haben. Ein Drittel der digitalen Projekte kommen mittlerweile aus den Vertriebs- und Marketing-Abteilungen – ohne Beteiligung der IT-Abteilung. In eine ähnliche Richtung geht die in der letzten Aus- gabe erwähnte Tatsache, dass laut Gartner die Marketingbudgets in den nächsten Jahren jene der IT überflügeln werden [2]. Vertrieb und Marketing sind die eigentlichen Treiber der IT Aus der CIO-Studie geht hervor, dass bereits 42 Prozent der digitalen Projekte in Koope- ration zwischen IT, Marketing und Vertrieb laufen. Daraus lassen sich meiner Meinung nach zwei Schlüsse ziehen. Um sich als Part- ner für neue Projekte zu profilieren, reicht es für IT-Führungskräfte nicht mehr aus, nur Fachkenntnisse der Informatik vorzutragen. Ein tiefes Verständnis für die Geschäftsfelder des eigenen Unternehmens ist unverzichtbar, um in der betrieblichen Organisation ein be- gehrter Ansprechpartner zu bleiben. Weiter stellt sich die Frage, ob die IT als Querschnitts- funktion so überhaupt noch aufrecht erhalten werden soll bzw. kann. Gerade die Kompe- tenzkonflikte nehmen innerhalb einer schwa- chen (in Teilen auch innerhalb einer starken) Matrixorganisation, wie auch die in der Studie dargelegten Trends zeigen, nicht ab sondern vielmehr zu. Es ist darum nicht von der Hand zu weisen, dass die Zusammenarbeit zwischen Marketing und IT auf einer neuen Basis inten- siviert werden muss. Konsequenterweise werden einzelne Orga- nisationseinheiten zukünftig sogar darüber nachdenken, eigene, fachbezogene IT-Kom- petenzen aufzubauen. Solange sich die IT- Abteilungen nicht als Enabler für neue Busi- ness-Modelle sehen, müssen Unternehmen neue Wege beschreiten, um die Technologie im Unternehmen losgelöst von der IT voran- zutreiben. << Quellen [1] http://harveynash.com/ciosurvey/ [2] http://www.forbes.com/sites/lisaar- thur/2012/02/08/five-years-from-now-cmos-will- spend-more-on-it-than-cios-do/ Kursangebot: Google Apps for Business In Zusammenarbeit mit dem Bildungspartner Digicomp hat Michael Gisiger zwei Tageskurse für Anwender bzw. Administratoren von Google Apps for Business entwickelt. Die beiden Kurse finden regelmässig in Zürich und Bern statt. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten unter www.digicomp.ch Anzeige Wir kühlen Ihren Serverraum Ihr zuverlässiger Partner für Serverräume, Einzel- und Grossraumbüros Alles aus einer Hand: - Beratung - Montage - Service www.roth-kippe.ch 8953 Dietikon Vogelaustrasse 40 044 744 71 71 Inserat_roth_kippe_184x58mm.indd 2 08.03.13 08:18