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Burgen, Herren, Könige
Stauferzeit im Siebengebirge
Angevinisches Reich
Heinrich II. von England
Eleonore von Aquitanien
Normannisches
Königreich Sizilien
Araber
Araber
Der größte Teil Mitteleuropas
und Oberitalien gehörten zum
Heiligen Römischen Reich.
England und große Teile
Westfrankreichs waren im
Besitz der anglonormannischen
Plantagenets, Heinrichs II. von
England und seiner Ehefrau
Eleonore von Aquitanien.
König Ludwig in Paris herrschte
nur über die Ile de France und
die angrenzenden Gebiete.
In Süditalien und Sizilien hatten
die Normannen ihr Königreich
errichtet – mit dem Segen des
Papstes in Rom.
Im Reich regierte Kaiser
Friedrich I. Barbarossa aus der
Familie der Staufer.
Europa zur Mitte des 12. Jahrhunderts
Byzanz
Barbarossa
Friedrich Barbarossa
und die
Kölner Erzbischöfe
Neben den Staufern gehörten
die Welfen zu den ersten
Familien des Reiches; lange
schwelte ein Konflikt zwischen
den Familien.
Barbarossas Vetter war der
Welfe Heinrich der Löwe. Der
Kaiser versöhnte sich mit ihm,
gab ihm viel Macht, begrüßte
sogar dessen Ehe ins englische
Königshaus. Dafür hielt der
Löwe dem Kaiser den Rücken
frei.
Staufer und Welfen
Barbarossa
Dankwarderode, Braunschweig
Heinrich der Löwe,
Mathilde
Nürnberg
Angevinisches
Reich
Königreich Sizilien
Araber
Araber
Barbarossa wollte dem Kaiser-
tum neuen Glanz verleihen. 80
Jahre zuvor hatte der Salier
Heinrich IV. den „Gang nach
Canossa“ antreten müssen.
Seither hatte es Ansehen und
Einfluss verloren.
Die streitbaren Päpste des
Hochmittelalters sahen das
anders. Für sie war der Kaiser
der Mond, der seinen Glanz von
der Sonne, dem Papsttum
erhielt.
Mehrfach brachte Papst
Hadrian Barbarossa zu
Weißglut. Schließlich langte es
dem. „Das Reich ist heilig“
donnerte er.
Das Reich ist heilig! Kaiser und Papst
Barbarossas mächtiger Kanzler
war Rainald von Dassel, der
Erzbischof von Köln (1159-67).
Auch in unserer Region hatten
die Erzbischöfe das Sagen. Auf der
Wolkenburg stand seit 1118 ihre
Burg, die erste im Siebengebirge.
Doch die Grafen von Sayn und die
Grafen von Berg machten ihnen
die Vorherrschaft streitig.
Um 1140 begann Erzbischof
Arnold I. von Merxheim mit dem
Bau einer Burg auf dem
Drachenfels; übertrug sie dann
nicht ganz freiwillig dem Bonner
St. Cassius Stift unter Propst
Gerhard von Are.
Erzbischöfliche Burgen
Burg Wolkenburg, Skizze
Drachenfels und Wolkenburg
Während am Drachenfels
gebaut wurde, zog Barbarossa
mehrfach gegen die ober-
italienischen Städte. 1162
wurde Mailand zerstört.
Erzbischof Rainald von Dassel
brachte die Gebeine der Heili-
gen Drei Könige als Kriegsbeute
nach Köln.
1167 stand Burg Drachenfels.
Eine Gipfelburg, gut geschützt
durch ihre Lage. Angreifer
konnten kaum schweres Gerät
heraufbringen, zudem waren sie
Brandpfeilen, Steinen und
Pechnasen ausgesetzt.
Burg Drachenfels
Burg Drachenfels
Burg Drachenfels, Schießscharte
Über die Jahre war Heinrich der
Löwe zum Staat im Staat
geworden.
Beim letzten Italienzug
versagte er Barbarossa seine
Unterstützung; der Kaiser erlitt
eine schlimme Niederlage.
Doch der Löwe hatte den
Bogen überspannt. Der Kaiser
sprach die Acht aus, die
Reichsfürsten zogen gegen ihn.
Er verlor fast all seinen Besitz
und musste ins Exil.
Am meisten profitierte der
Kölner Erzbischof Philipp von
Heinsberg (1167-91) vom Sturz
Heinrichs des Löwen. Er
befestigte Köln und riskierte
1187 sogar eine Machtprobe
mit dem Kaiser.
Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg
1189 rief Erzbischof Philipp
Zisterzienser auf den Stromberg
ins Siebengebirge.
Vor Jahren hatten Augustiner -
mönche dort gelebt und ein
Kirchlein errichtet, waren dann
aber fortgezogen. Der Erz-
bischof hatte sich die Rechte an
dem Berg gesichert.
Die Zisterzienser bauten die
Kirche aus und widmeten sie
dem Heiligen Petrus, seither
hieß der Berg Petersberg.
Auch das war Politik – denn wo
des Erzbischofs Mönche ihr
Kloster hatten, konnte kein
anderer Regionalfürst seine
Burg bauen.
Zisterzienser auf dem Stromberg
Petersberg
Richard Löwenherz
Nach vielen Jahren Krieg in
Italien hatte Barbarossa Frieden
geschlossen. Sein Sohn Heinrich
VI. heiratete Konstanze von
Hauteville, die mögliche Erbin
des Königreiches Sizilien.
Doch aus dem Nahen Osten
kamen bedrohliche Nach-
richten: Im Oktober 1187 war
Jerusalem gefallen.
Der hochbetagte Kaiser nahm
das Kreuz und brach ins Heilige
Land auf. Auch Philipp II. von
Frankreich und Richard Löwen-
herz nahmen das Kreuz.
Für die deutschen Ritter endete
der Kreuzzug tragisch: der
Kaiser starb in Anatolien, und
nur wenige seiner Ritter kehren
heim.
Beim Aufenthalt in
Sizilien unterstützte Richard
den Usurpator Tancred. Für die
Staufer wurde er dadurch zum Staatsfeind.
Dritter Kreuzzug
Barbarossa Heinrich VI.
Konstanze
Byzanz
Herrscher,
Minnesänger und
Zisterzienser
Diese Zeilen stammen aus
einem Minnelied Heinrichs VI.
Nach dem Tod Barbarossas war
er König.
Von ihm sind sehr schöne
Minnelieder überliefert, mit
seinem Bild beginnt der Codex
Manesse.
„Ich grüeze mit gesange die süezen,
die ich vermiden niht wil noch enmac
deich si réhte von munde mohte grüezen,
ach leides, des ist manic tac.“
"Ich grüße mit Gesang die Süße,
die ich nicht meiden will noch mag,
dass ich von Mund zu Mund sie grüße,
darüber hin ging mancher Tag.“
Heinrich VI., der Minnesänger
Doch Heinrich war nicht nur
Minnesänger – er war auch ein
Herrscher und Machtpolitiker.
In Sizilien, dem Erbe seiner Frau
Konstanze, war der Erbfall ein-
getreten, doch die normanni-
schen Barone hatten einen der
ihren auf den Thron gehoben.
Heinrichs Sein erster Zug nach
Italien, um Sizilien zu erobern,
war fehlgeschlagen.
Dann fiel ihm 1192/93 Richard
Löwenherz in die Hände. Erst
gegen ein gewaltiges Lösegeld
und den Lehnseid für England
kam Richard Anfang Februar
1194 frei.
Mit dem Lösegeld in der Kriegs-
kasse konnte Heinrich Sizilien
erobern.
Heinrich VI. und Richard Löwenherz
Die Zisterzienser
Zur Zeit Heinrichs VI. waren die
Zisterzienser längst eine euro-
päische Größe.
‚‘„Der Konzern der weißen
Mönche‘ war der Titel der
Zisterzienser-Ausstellung im
Bonner Landesmuseum. Das
trifft es gut, denn bei den
Zisterziensern kamen Frömmig-
keit, vielfältige Fertigkeiten und
Geschäftssinn zusammen.
Zudem wurden sie reich
beschenkt und genossen Zoll-
freiheit auf dem Rhein. Vielen
schienen sie eine übermächtige
Konkurrenz.
Bernhard von Clairvaux mit Ordensbrüdern
Vom Petersberg ins Heisterbacher Tal
Auf dem Petersberg fanden die
Zisterzienser die gesuchte
Abgeschiedenheit, nicht aber
die Voraussetzungen, nach
ihrem Ideal zu wirtschaften und
ihren Lebensunterhalt selbst zu
erarbeiten. Vor allem fehlte
ihnen fließendes Wasser.
1192 zogen sie hinab ins
Heisterbacher Tal. Viele
Menschen waren besorgt –
Bauern und Winzer ebenso wie
der Graf von Sayn.
Der Ortsname Heisterbacher-
rott deutet darauf hin, das Land
um Heisterbach gerodet und
Menschen umgesiedelt wurden.
Ruine der Kirche auf dem Petersberg
Vieles von dem, was wir über
diese Zeit wissen, verdanken
wir Caesarius von Heisterbach,
der von 1199 bis 1240 im
Kloster lebte. Zunächst war er
Novizenmeister und verfasste
Lehrschriften, die immer wieder
abgeschrieben und in vielen
Klöstern genutzt wurden.
In seinem bekanntesten Werk,
dem "Dialogus miraculorum"
beschrieb er den Alltag des
Klosterlebens in Wunder-
erzählungen.
Caesarius schrieb auch über
die politischen Ereignisse seiner
Zeit, sorgfältig und wahrheits-
liebend, und ist deshalb einer
unserer wichtigsten Zeitzeugen
über die Jahre 1180-1240.
Caesarius von Heisterbach
Heinrich VI. war so mächtig wie
kein Kaiser vor ihm. Einen Tag
nach seiner Krönung in Palermo
wurde sein Sohn Friedrich
geboren.
Doch der Kaiser scheiterte mit
seinem Plan, die Krone für die
Staufer vererbbar machen.
Im September 1197 verstarb er
in Sizilien, auf dem Weg nach
Palästina.
Sein plötzlicher Tod stürzt das
Reich ins Chaos, die Staufer-
herrschaft in Sizilien brach
zusammen. Seine Witwe
Konstanze holte eiligst ihren
kleinen Sohn Friedrich nach
Palermo, bestellte den Papst zu
seinem Vormund und brach mit
Deutschland.
Das kurze Weltreich
Königreich
Sizilien
Otto IV. und die
Grafen von Sayn
In Deutschland wählten die
Anhänger der Staufer Heinrichs
jüngeren Bruder Philipp von
Schwaben zum König.
Das rief den Kölner Erzbischof
Adolf von Altena (1193-1205)
auf den Plan, der von einer
Erbmonarchie der Staufer gar
nichts hielt. Er sucht nach
einem Gegenkandidaten.
Man einigte sich schließlich auf
Otto, den dritten Sohn
Heinrichs des Löwen. Sein Onkel
Richard Löwenherz hatte ihn ins
Spiel gebracht. Die beiden
standen sich sehr nahe, Otto
war bei Richard aufgewachsen.
Die Doppelwahl
Philipp von SchwabenWappen Ottos IV.
Byzanz
Hinter Ottos Wahl standen die
Kölner Händler, denen an guten
Beziehungen zu England lag.
Zudem hatte Otto in Deutsch-
land kaum Rückhalt und schien
nicht mächtig genug, als dass er
die Kreise des machtbewussten
Erzbischofs und andere Fürsten
hätte stören können.
Papst Innozenz III., überzeugt
das ihm allein die Entscheidung
zustand, verhandelte mit
beiden Seiten.
Schließlich erklärte er Otto zum
rechtmäßigen Herrscher und
bannte Philipp und seine
Anhänger. Ein Krieg um den
Thron brach aus.
Machtspiele
Diese Zeilen aus Walther von
der Vogelweides "Reichston"
gehören sicher zu seinen
bekanntesten.
In drei Sprüchen beklagt er die
Rechtsunsicherheit jener Jahre,
den verheerenden Thronstreit
und die Anmaßung des Papstes.
Neben Minneliedern ist uns
von Walther auch politische
Dichtung überliefert. Er war
Berufssänger und lebte davon,
dass die Fürsten ihm Aufträge
gaben und ihn gut entlohnten.
Zunächst stand er im Dienst
Philipps, dann Ottos IV., im
„Ottenton“, noch später sang er
für Friedrich II. Wie er wirklich
empfand, können wir heute
nicht mehr sagen.
Walters Spruchdichtung
„Ich saz ûf eime steine,
und dahte bein mit beine,
dar ûf satzt ich den ellenbogen;
ich hete in mîne hant gesmogen
daz kinne und ein mîn wange.“
Burg Drachenfels
Die Grafen von Sayn standen
fest auf der Seite Ottos.
Eine erbittertere Fehde tobte
zwischen ihnen und Dietrich
von Landsberg, einem Anhänger
der Staufer. In jenen Jahren
entstand die Burg auf der
Löwenburg.
Graf Heinrich II. und sein
Bruder Eberhard II. gerieten in
die Gefangenschaft Dietrichs
und starben an den erlittenen
Drangsalen. Der junge Graf
Heinrich III. wuchs in den
Kriegsjahren heran.
Burg Löwenburg
Burg Löwenburg
Der Thronkrieg (1198-1208)
verwüstete das Land; auch das
Rheinland wurde schwer heim-
gesucht. Bündnisse wurden
geschlossen und gebrochen.
Um 1205 wendete sich das
Blatt gegen Otto. Auch
Erzbischof Adolf von Köln
wechselte die Seiten.
Papst Innozenz III. setzte ihn ab
und erhob Bruno von Sayn.
Adolf fügte sich nicht; Brunos
Amtszeit war von andauernden
schweren Kämpfen geprägt. Er
wurde lange gefangen gehalten
und verstarb 1207 auf Burg
Blankenberg.
Erst der Mord an Phlipp von
Schwaben 1208 beendete den
Thronkrieg.
Thronkrieg
1205 kaperte Graf Heinrich
die Proviantflotte Philipps.
Burg Blankenberg
Im Oktober 1209 wurde Otto IV.
in Rom zum Kaiser gekrönt.
Sein neues Siegel zeigte ihn als
thronenden Herrscher, Sonne
und Mond neben seinem Kopf.
Sein Kaisertum verdankte er der
Gnade Gottes, nicht der des
Papstes.
Ottos bewegtes Leben wird
ihm nicht viel Muße gelassen
haben. Und doch war er Bau-
herr, Stifter und vielleicht auch
Dichter und Vortragender.
Vielleicht kannte man an Ottos
Hof schon das zwischen 1190
und 1210 entstandene Nibe-
lungenlied. Wolfram von
Eschenbach schrieb am Parzival.
Vor allem aber war Otto ein
Ritter.
Kaiser Otto IV.
Ottos Siegel und Mantel
Wolfram | Löwenburg
Doch Otto war nur eine kurze
Zeit des Friedens vergönnt.
Als er von Rom weiter zog, um
Süditalien für das Reich zurück
zu erobern, brach der Papst mit
ihm. Otto wurde gebannt und
exkommuniziert, der Papst legte
den Reichsfürsten die Wahl
Friedrichs von Sizilien nahe.
Der hatte ihm viel verspro-
chen. Sizilien war päpstliches
Lehen, und nie mehr sollten die
Kronen des Heiligen Römischen
Reiches und des Königreiches in
der Hand der Staufer vereinigt
sein.
Bruch über Süditalien
Königreich
Sizilien
Byzanz
Für Otto hatte das verheeren-
de Folgen. Er eilte zurück und
konnte seine Herrschaft einiger-
maßen sichern.
Beim Hoftag im März 1212 in
Frankfurt war Graf Heinrich III.
von Sayn dabei. „Herr Kaiser
seid Ihr willkommen“ sang
Walther von der Vogelweide.
Doch waren schon süddeutsche
Adlige in Palermo, um Friedrich
nach Deutschland zu holen.
Ist ‚‘Herr Kaiser‘ noch willkommen?
Europa im Umbruch
Die Stauferzeit war von großen
Gegensätzen geprägt. Höfischer
Glanz und reiche Patrizier in
den aufstrebenden Städten auf
der einen, bittere Armut und
Seuchen auf der anderen Seite.
Da war die Selbstsucht und die
Machtgier der hohen Geistlich-
keit, die im krassen Gegensatz
zum Elend vieler Menschen
stand.
So mächtig Papst Innozenz in
Rom auch sein mochte – viele
Menschen zweifelten an seiner
Kirche.
Eine Zeit großer Gegensätze
In Okzitanien, dem romanisch
geprägten Süden Frankreichs,
tobte ein erbitterter Krieg
gegen die alternative Kirche der
Katharer. Sie hatte sich von Rom
losgesagt. Der okzitanische Adel
duldete sie – an den Höfen von
Carcassonne und Toulouse war
man gesprächsbereit.
Doch dieser Adel war reich und
de facto unabhängig – ein Dorn
im Auge des französischen
Königs in Paris.
Nach dem Mord an einem
päpstlichen Legaten rief Papst
Innozenz III. zum Kreuzzug
gegen die Katharer und den
okzitanischen Adel auf. Die
Kreuzheere setzen den Süden
Frankreichs in Flammen.
Krieg gegen die Katharer
Byzanz
Nicht nur die Katharer zweifel-
ten an der römischen Kirche.
Jerusalem und das wahre Kreuz
waren in den Händen der
Muslime, die Ritter des Vierten
Kreuzzugs hatten um der Gier
Venedigs wegen Byzanz blutig
erobert und geplündert, in
Okzitanien ging es vor allem um
die Unterwerfung des Adels und
das Aneignen seiner Gebiete.
Aber vielleicht wollte Gott das
nicht. Im Frühsommer 1212
brachen beinahe gleichzeitig in
Frankreich und in Köln
zehntausende Halbwüchsige
auf, um das Heilige Land zu
befreien. Die "Kinderkreuzzüge“
endeten tragisch, die wenigsten
kehrten heim.
Zweifel an der römischen Kirche
Byzanz
Franziskus von Assisi
In jenen Jahren entstanden die
Bettelorden der Franziskaner
und Dominikaner. Ihr Armuts-
ideal bedeutete ein radikal
anderes Leben als das der
hohen Geistlichkeit.
Doch sie stellten nie die
Autorität des Papstes in Frage.
Papst Innozenz III. sah, dass sie
der Kirche neue Glaubwürdig-
keit schenken konnten, und
erkannte ihre Regeln an.
Die Bettelorden entstehen
Byzanz
Friedrich II. hatte seinen Sohn
zum König von Sizilien krönen
lassen und war im September
1212 in Deutschland.
Nach seiner Krönung 1212
setzte sich im Süden durch, Otto
hielt den Norden.
Doch es war längst nicht mehr
ein reichsinterner Streit. Die
Staufer waren mit dem franzö-
sischen König Philipp II. August
verbündet. Otto hatte schon
Jahre zuvor an Richard Löwen-
herz' Seite gegen ihn gekämpft.
Inzwischen hatte König Johann
Ohneland fast den gesamten
Besitz der Plantagenets in
Frankreich an Philipp verloren.
In England selbst gärte es gegen
ihn.
Königreich
Sizilien
England
Frankreich
Der Weg nach Bouvines
Byzanz
In dieser desolaten Lage suchte
er den Schulterschluss mit
seinem Neffen Otto. Nicht, dass
sie sich nahe gestanden hätten,
aber der immer mächtigere
französische König bedrohte sie
beide. Auch Otto stand mit dem
Rücken zur Wand. Eine Allianz
gegen Philipp II. von Frankreich
kam zustande.
Doch der Plan scheiterte. Am
27. Juli 1214, bei Bouvines im
Nordosten Frankreichs, traf das
kaiserliche Heer auf die
Streitmacht Philipps – und erlitt
eine verheerende Niederlage.
Otto entkam mit knapper Not
Tod oder Gefangenschaft.
Schlacht von Bouvines 1214
Byzanz
Im Reich war der Weg nun frei
für Friedrich, sein Heer zog den
Rhein hinab Richtung Köln.
Für die Grafen von Sayn, die bis
zuletzt auf Ottos Seite
gestanden hatten, bedeutete
das eine große Gefahr, zumal
mit Adolf von Altena ihr alter
Widersacher Kölner Erzbischof
war und auch Graf Adolf III. von
Berg auf Friedrichs Seite stand.
Im Mai 1215 beugte sich Graf
Heinrich III. den Fakten und
suchte den Ausgleich.
Bei Friedrichs Krönung am 25.
Juli 1215 in Aachen war auch er
unten den rheinischen Granden,
alles andere hätte wohl
unabsehbare Folgen gehabt.
Eine neue Situation
Blick von der Löwenburg
Papst Innozenz III. verfolgte
Ketzer mit aller Entschiedenheit
und Erbitterung. Auf dem IV.
Laterankonzils von 1215 wurde
die Inquisition eingesetzt.
Zugleich war er ein heraus-
ragender Jurist und ordnete das
Verfahren neu. Dabei ließ er
sich von dem Grundgedanken
leiten, Gott der Herr wollte die
Bekehrung des Ketzers, nicht
dessen Tod. Dreimal musste
versucht werden, den Beschul-
digten durch Belehrungen zur
Umkehr zu bewegen.
Papst Innozenz ging es um die
Wahrheit, Verleumdung und
falsches Zeugnis durften nicht
über das Leben eines Menschen
entscheiden.
Papst Innozenz III. und die Inquisition
Papst Innozenz III.
Friedrich II. und die
Herren vom Siebengebirge
Graf Heinrich III. hatte seinen
Vater und die Onkel Eberhard
und Bruno in den Kriegsjahren
verloren.
Um 1215 heiratete er, ver-
mittelt durch die Abtei Heister-
bach und Papst Innozenz III.,
Mechthild von Landsberg, die
Tochter Dietrichs von Landsberg
und der Landgräfin Jutta von
Thüringen. Mechthild brachte
den umfangreichen Besitz der
Thüringer Landgrafen am
Mittelrhein in die Ehe ein. Diese
Ehe brachte – hoffentlich –
etwas Frieden in das Leben des
Grafen, und den Aufstieg in den
Hochadel.
Endlich Frieden für die Grafen von Sayn
Löwenburg
Byzanz
1217/18 kam ein Kreuzzug
zustande, mit dabei waren Graf
Heinrich III. von Sayn und Graf
Adolf IV. von Berg.
Die Kreuzfahrer griffen Ägypten
an und stießen auf erbitterten
Widerstand. Eine Seuche brach
aus, Graf Adolf starb daran.
Nach langer Belagerung wurde
Damiette im November 1219
eingenommen. Der Sultan in
Kairo wollte verhandeln, der
Befehlshaber der Kreuzfahrer,
Kardinal Pelagius, lehnte rund-
weg ab. Bald gab es nur noch
Streit, viele Kreuzfahrer reisten
ab. Graf Heinrich III. war um
1220 wieder im Rheinland.
Ein Jahr später unterlagen die
Kreuzfahrer.
Kreuzzug nach Damiette
Königreich
Sizilien
Araber
Araber
Friedrich II. blieb zunächst in
Deutschland und holte seine
Frau Konstanze und sein Söhn-
chen Heinrich aus Sizilien nach.
Ernst gemeint hat er seine
Versprechen an Papst Innozenz
wohl nicht. 1220 wurde
Heinrich zum König gewählt –
die Kronen Siziliens und des
Reiches waren in der Hand der
Staufer vereint! Dafür hatte
Friedrich besonders den
geistlichen Fürsten zahlreiche
Zugeständnisse gemacht.
Dann verstarb Innozenz III.
überraschend. Sein Nachfolger
Honorius III. war ein älterer
Herr, mit dem Friedrich leichtes
Spiel zu haben glaubte, zumal
ihm viel an einem Kreuzzug lag.
Friedrich II. in Deutschland
Byzanz
Confoederatio cum
principibus ecclesiasticis
Araber
Araber
Friedrichs Politik ging auf. Der
Kölner Erzbischof Engelbert von
Berg war ein enger Vertrauter.
Im November 1220 wurde
Friedrich in Rom zum Kaiser
gekrönt.
Nun zog es ihn in seine Heimat
Sizilien, und sein Königreich
konnte er nach seinen Vorstel-
lungen formen. In Deutschland
hätte er sich wohl in einem
andauernden Kleinkrieg mit den
Fürsten aufgerieben.
Das Zentrum des Reiches war
nun Süditalien, inmitten der von
Italienern, Byzantinern, Arabern
und Normannen geprägten
Mittelmeerwelt. Das nord-
alpine Reich seines Großvaters
Friedrich Barbarossa kam an
zweiter Stelle.
Der Kaiser in Süditalien
Königreich
Sizilien
Trani, Apulien
Byzanz
Um 1225 ist als erster Burggraf
Heinrich vom Drachenfels
verzeichnet. Zunächst hatte das
Bonner St. Cassius-Stift Dienst-
leute mit der Verwaltung der
Burg beauftragt, doch das
wurde zu teuer. So übertrugen
sie die Burg ihren Dienstleuten
zu Lehen, gegen einen Anteil
der Einkünfte.
Die Burg auf der Wolkenburg
war eine der mächtigsten in
unserer Region, und ihre Burg-
grafen waren sicher eine
Autorität. Sie tauchen in vielen
Urkunden aus, aber über ihr
Leben wissen wir kaum etwas.
Die Burggrafen vom Drachenfels
Burg Drachenfels
Unterhalb des Ölbergs, auf dem
Hügel Rosenau, stand für kurze
Zeit eine kleine Burg, doch von
ihr wissen wir heute nur sehr
wenig.
Im Siebengebirge war Dietrich
von Dorndorf aufgetaucht, ein
niederer Adliger. Seit 1227
nannte er sich Dietrich von
Rosenau, also Herr der Burg
Rosenau.
Nach seinem Tod 1243 ver-
kaufte seine Familie noch im
gleichen Jahr die Burg Rosenau
an das nahegelegene Kloster
Heisterbach, und um 1250
wurde sie abgerissen. Die
Motive blieben bis heute unklar.
Burg Rosenau
Burg Rosenau
Kloster Heisterbach war religiö-
ser Mittelpunkt unserer Region.
In den Jahren von 1203-1237
entstand die Abteikirche - eine
turmlose Basilika mit Chorum-
gang und Kapellenkranz, wie sie
die Zisterzienser in Frankreich
bauten. Im Januar 1227 wurden
die ersten Altäre geweiht.
Erzbischof Engelbert I. von Berg
war Heisterbach eng verbun-
den. Als er 1225 ermordet
wurde, zog Abt Heinrich I.
mit dem Leichenzug zum
Hoftag nach Frankfurt und
erhob Anklage gegen die
Mörder.
Caesarius verfasste eine
Biographie damit Engelbert
möglichst schnell heilig
gesprochen wurde.
Kloster Heisterbach und Erzbischof Engelbert I.
Königreich
Sizilien
Araber
Araber
Im Sommer 1228 war Friedrich
II. auf dem Weg nach Palästina.
Da segelte ein Gebannter ins
Heilige Land, Jerusalem für die
Christen zurückzugewinnen.
Hass schlug ihm entgegen;
seine Gegner schreckten auch
vor Verrat und Attentaten nicht
zurück. Herzog Heinrich IV. von
Limburg, Graf von Berg, befeh-
ligte das Heer.
Durch Verhandlungen mit dem
Sultan Al-Kamil gewann
Friedrich Jerusalem ohne Kampf
und setzte sich am 18. März
1229 in der Grabeskirche selbst
die Krone auf.
Beiden Herrschern wurde von
ihren Untertanen Verrat an der
eigenen Sache vorgeworfen.
Friedrichs Kreuzzug
Byzanz
Der Tannhäuser
Auch im Reich ging die Kirche
mit aller Entschiedenheit gegen
"Ketzer" vor. Nun griff auch die
Staatsmacht durch. Friedrich II.
sah die – gottgewollte – Autori-
tät seiner Staatsregierung durch
die Ketzer gefährdet.
Im Kapitel 1 der Konstitutionen
von Melfi von 1231 erklärte er
Häresie zum Majestätsverbre-
chen, das mit dem Tod bestraft
wurde. Das Untersuchungs- und
Bekehrungsverfahren wurde
aufgehoben, nun konnten die
Inquisitoren nach eigenem
Ermessen und mit aller Voll-
macht handeln.
Die Konstitutionen des Kaisers
brachten eine schlimme Wende.
Kaiser und Ketzer
Araber
Byzanz
Königreich
Sizilien
1220 Gesetz gegen die Irrlehrer
1224 Gesetz für die Lombardei
1231 Konstitutionen von Melfi
1232 Gesetz für Deutschland
1231 wurde Friedrichs
Gesetzgebung ins Kirchenrecht
übernommen. Papst Gregor IX.
übertrug die Ketzerbekämpfung
einem Mann, der viel Leid über
Deutschland bringen sollte:
Magister Konrad von Marburg,
dem ehemaligen, unerbittliche,
Beichtvater der Landgräfin
Elisabeth von Thüringen.
Von Köln aus organisierte
Konrad ein Netz von Spitzeln,
die ihm Namen und Vergehen
vermeintlicher Ketzer zutrugen.
Er ging davon aus, dass jeder
Verdächtigte auch schuldig war,
und machte kurzen Prozess:
keine weiteren Zeugenverhöre,
keine Bekehrungsversuche
mehr. Bald loderten überall
Scheiterhaufen.
Der Inquisitor: Konrad von Marburg
Auch Graf Heinrich III. von Sayn
wurde 1233 angeklagt. Das kam
einem Todesurteil gleich.
Zudem gab es einen privaten
Grund für die Feindschaft: die
engen Beziehungen des Sayner
Grafenpars zur verstorbenen
Landgräfin Elisabeth von
Thüringen.
Der Inquisitor, Ankläger und
Richter zugleich, sprach den
Grafen schuldig. Doch der
schaffte es, seinen Fall der
außerordentlichen Gerichts-
barkeit Konrads zu entziehen
und vor ein weltliches Gericht
zu bringen, das ihn freisprach.
Doch Konrad hetzte weiter;
kurz darauf wurde er auf
saynischem Gebiet ermordet.
Ketzerprozess gegen Graf Heinrich III. von Sayn
Die 1230/40er waren bewegte
Jahre für Friedrich. Die ober-
italienischen Städte kriegte er
nicht unter Kontrolle.
In Deutschland regierte König
Heinrich (VII.), doch nie auf
Augenhöhe mit seinem Vater.
Die Fürsten pressten ihm weit-
reichende Zugeständnisse ab.
Friedrich II. bestätigte sie 1232
im "Statutum in favorem princi-
pum“. Nun konnten mächtigen
Fürstentümer entstehen.
1235 kam es zum Bruch
zwischen Vater und Sohn. Noch
einmal kam der Kaiser nach
Deutschland, um seinen Sohn
zu strafen. Im selben Jahre hei-
ratete er in dritter Ehe Isabella
von England.
Bewegte Jahre
Statutum in favorem principum
Byzanz
Araber
In diesen Monaten war Graf
Heinrich III. von Sayn oft am Hof
des Kaisers. Ob er auch an der
feierlichen Erhebung der
Gebeine der Heiligen Elisabeth
in Marburg teilgenommen hat?
Am 1. Mai 1236 hatte Kaiser
Friedrich II., barfuß und im
Büßergewand, der Zeremonie
beigewohnt. Wir haben keine
Nachricht davon, doch es ist gut
denkbar.
Cäsarius von Heisterbach hatte
1236/37 Elisabeths Lebens-
geschichte verfasst.
In Heisterbach war die
Abteikirche fertig gebaut und
am 18. Oktober 1237
konsekriert.
Heisterbach und Elisabeth
Vita
Elisabethi
Elisabeths Grab in Marburg
In den 1240er Jahren war
Friedrich zumeist in Apulien, er
liebte dieses Land.
Foggia war sein Regierungssitz,
in Gioia del Colle lebte Bianca
Lancia, seine große Liebe, die er
kurz vor ihrem Tod noch
geheiratet hat.
Mit ihr hatte er zwei Töchter
und den Sohn Manfred, mit
dem er sein berühmtes
Falkenbuch schrieb.
Castel del Monte entstand.
Frieden war ihm nicht vergönnt,
im Gegenteil: Der Kaiser führte
einen erbitterten Kampf gegen
das Papsttum.
Der ferne Kaiser
Castel del Monte
Byzanz
Araber
Der Papst verfolgte den Kaiser
mit fanatischem Hass,
brandmarkte ihn als Antichrist
und ließ ihn absetzen.
Mit viel Geld warb er einen
Gegenkönig an und scheute
sogar vor Mordanschlägen nicht
zurück. Der Kaiser nahm
unerbittlich Rache.
Kaiser oder Papst – alles
andere verschwand hinter
diesem Endkampf. Keiner
bedachte die tödliche Gefahr im
Osten – die Mongolen, die
gerade ein christliches Heer
vernichtend geschlagen hatte.
Nur wegen ihre eigenen hohen
Verluste und des Tods ihres
Khans ließen die Mongolen von
Europa ab.
Kampf gegen das Papsttum
In Köln war inzwischen Konrad
von Hochstaden (1238-1261)
Erzbischof geworden. Für ihn
heiligte der Zweck die Mittel,
auch vor Gewalt schreckte er
nicht zurück. Der Erzbischof
stellte sich gegen den Kaiser.
Für Graf Heinrich III. von Sayn
war das eine schwierige
Situation. In seinen letzten
Lebensjahren brachte er sich
immer wieder ein, um den
Frieden zu wahren.
An Graf Heinrich III. und Gräfin
Mechthild erinnert ihre 1245
gegründete Stadt Blankenberg.
Wenig später verstarb der Graf
auf Burg Blankenberg.
1250 später verstarb Kaiser
Friedrich II.
Das Sayner Grafenpaar und Blankenberg
Blankenberg
Der Hass des Papstes verfolgte die Staufer über seinen Tod hinaus.
Karl von Anjou, Bruder Ludwigs IX. von Frankreich, eroberte Süditalien und Sizilien für
den Papst – und für sich selbst.
Friedrichs Söhne und sein Enkel Konradin kamen beim Kampf um ihr Erbe um;
Süditalien ging dem Reich für immer verloren.
Doch Frankreich, der Verbündete der Päpste im Kampf gegen die Staufer,
sollte sich bald gegen sie wenden.
Bildnachweis
Reichsburg Trifels
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Stauferzeit

  • 2. Angevinisches Reich Heinrich II. von England Eleonore von Aquitanien Normannisches Königreich Sizilien Araber Araber Der größte Teil Mitteleuropas und Oberitalien gehörten zum Heiligen Römischen Reich. England und große Teile Westfrankreichs waren im Besitz der anglonormannischen Plantagenets, Heinrichs II. von England und seiner Ehefrau Eleonore von Aquitanien. König Ludwig in Paris herrschte nur über die Ile de France und die angrenzenden Gebiete. In Süditalien und Sizilien hatten die Normannen ihr Königreich errichtet – mit dem Segen des Papstes in Rom. Im Reich regierte Kaiser Friedrich I. Barbarossa aus der Familie der Staufer. Europa zur Mitte des 12. Jahrhunderts Byzanz Barbarossa
  • 4. Neben den Staufern gehörten die Welfen zu den ersten Familien des Reiches; lange schwelte ein Konflikt zwischen den Familien. Barbarossas Vetter war der Welfe Heinrich der Löwe. Der Kaiser versöhnte sich mit ihm, gab ihm viel Macht, begrüßte sogar dessen Ehe ins englische Königshaus. Dafür hielt der Löwe dem Kaiser den Rücken frei. Staufer und Welfen Barbarossa Dankwarderode, Braunschweig Heinrich der Löwe, Mathilde Nürnberg
  • 5. Angevinisches Reich Königreich Sizilien Araber Araber Barbarossa wollte dem Kaiser- tum neuen Glanz verleihen. 80 Jahre zuvor hatte der Salier Heinrich IV. den „Gang nach Canossa“ antreten müssen. Seither hatte es Ansehen und Einfluss verloren. Die streitbaren Päpste des Hochmittelalters sahen das anders. Für sie war der Kaiser der Mond, der seinen Glanz von der Sonne, dem Papsttum erhielt. Mehrfach brachte Papst Hadrian Barbarossa zu Weißglut. Schließlich langte es dem. „Das Reich ist heilig“ donnerte er. Das Reich ist heilig! Kaiser und Papst
  • 6. Barbarossas mächtiger Kanzler war Rainald von Dassel, der Erzbischof von Köln (1159-67). Auch in unserer Region hatten die Erzbischöfe das Sagen. Auf der Wolkenburg stand seit 1118 ihre Burg, die erste im Siebengebirge. Doch die Grafen von Sayn und die Grafen von Berg machten ihnen die Vorherrschaft streitig. Um 1140 begann Erzbischof Arnold I. von Merxheim mit dem Bau einer Burg auf dem Drachenfels; übertrug sie dann nicht ganz freiwillig dem Bonner St. Cassius Stift unter Propst Gerhard von Are. Erzbischöfliche Burgen Burg Wolkenburg, Skizze Drachenfels und Wolkenburg
  • 7. Während am Drachenfels gebaut wurde, zog Barbarossa mehrfach gegen die ober- italienischen Städte. 1162 wurde Mailand zerstört. Erzbischof Rainald von Dassel brachte die Gebeine der Heili- gen Drei Könige als Kriegsbeute nach Köln. 1167 stand Burg Drachenfels. Eine Gipfelburg, gut geschützt durch ihre Lage. Angreifer konnten kaum schweres Gerät heraufbringen, zudem waren sie Brandpfeilen, Steinen und Pechnasen ausgesetzt. Burg Drachenfels Burg Drachenfels Burg Drachenfels, Schießscharte
  • 8. Über die Jahre war Heinrich der Löwe zum Staat im Staat geworden. Beim letzten Italienzug versagte er Barbarossa seine Unterstützung; der Kaiser erlitt eine schlimme Niederlage. Doch der Löwe hatte den Bogen überspannt. Der Kaiser sprach die Acht aus, die Reichsfürsten zogen gegen ihn. Er verlor fast all seinen Besitz und musste ins Exil. Am meisten profitierte der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg (1167-91) vom Sturz Heinrichs des Löwen. Er befestigte Köln und riskierte 1187 sogar eine Machtprobe mit dem Kaiser. Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg
  • 9. 1189 rief Erzbischof Philipp Zisterzienser auf den Stromberg ins Siebengebirge. Vor Jahren hatten Augustiner - mönche dort gelebt und ein Kirchlein errichtet, waren dann aber fortgezogen. Der Erz- bischof hatte sich die Rechte an dem Berg gesichert. Die Zisterzienser bauten die Kirche aus und widmeten sie dem Heiligen Petrus, seither hieß der Berg Petersberg. Auch das war Politik – denn wo des Erzbischofs Mönche ihr Kloster hatten, konnte kein anderer Regionalfürst seine Burg bauen. Zisterzienser auf dem Stromberg Petersberg
  • 10. Richard Löwenherz Nach vielen Jahren Krieg in Italien hatte Barbarossa Frieden geschlossen. Sein Sohn Heinrich VI. heiratete Konstanze von Hauteville, die mögliche Erbin des Königreiches Sizilien. Doch aus dem Nahen Osten kamen bedrohliche Nach- richten: Im Oktober 1187 war Jerusalem gefallen. Der hochbetagte Kaiser nahm das Kreuz und brach ins Heilige Land auf. Auch Philipp II. von Frankreich und Richard Löwen- herz nahmen das Kreuz. Für die deutschen Ritter endete der Kreuzzug tragisch: der Kaiser starb in Anatolien, und nur wenige seiner Ritter kehren heim. Beim Aufenthalt in Sizilien unterstützte Richard den Usurpator Tancred. Für die Staufer wurde er dadurch zum Staatsfeind. Dritter Kreuzzug Barbarossa Heinrich VI. Konstanze Byzanz
  • 12. Diese Zeilen stammen aus einem Minnelied Heinrichs VI. Nach dem Tod Barbarossas war er König. Von ihm sind sehr schöne Minnelieder überliefert, mit seinem Bild beginnt der Codex Manesse. „Ich grüeze mit gesange die süezen, die ich vermiden niht wil noch enmac deich si réhte von munde mohte grüezen, ach leides, des ist manic tac.“ "Ich grüße mit Gesang die Süße, die ich nicht meiden will noch mag, dass ich von Mund zu Mund sie grüße, darüber hin ging mancher Tag.“ Heinrich VI., der Minnesänger
  • 13. Doch Heinrich war nicht nur Minnesänger – er war auch ein Herrscher und Machtpolitiker. In Sizilien, dem Erbe seiner Frau Konstanze, war der Erbfall ein- getreten, doch die normanni- schen Barone hatten einen der ihren auf den Thron gehoben. Heinrichs Sein erster Zug nach Italien, um Sizilien zu erobern, war fehlgeschlagen. Dann fiel ihm 1192/93 Richard Löwenherz in die Hände. Erst gegen ein gewaltiges Lösegeld und den Lehnseid für England kam Richard Anfang Februar 1194 frei. Mit dem Lösegeld in der Kriegs- kasse konnte Heinrich Sizilien erobern. Heinrich VI. und Richard Löwenherz
  • 14. Die Zisterzienser Zur Zeit Heinrichs VI. waren die Zisterzienser längst eine euro- päische Größe. ‚‘„Der Konzern der weißen Mönche‘ war der Titel der Zisterzienser-Ausstellung im Bonner Landesmuseum. Das trifft es gut, denn bei den Zisterziensern kamen Frömmig- keit, vielfältige Fertigkeiten und Geschäftssinn zusammen. Zudem wurden sie reich beschenkt und genossen Zoll- freiheit auf dem Rhein. Vielen schienen sie eine übermächtige Konkurrenz. Bernhard von Clairvaux mit Ordensbrüdern
  • 15. Vom Petersberg ins Heisterbacher Tal Auf dem Petersberg fanden die Zisterzienser die gesuchte Abgeschiedenheit, nicht aber die Voraussetzungen, nach ihrem Ideal zu wirtschaften und ihren Lebensunterhalt selbst zu erarbeiten. Vor allem fehlte ihnen fließendes Wasser. 1192 zogen sie hinab ins Heisterbacher Tal. Viele Menschen waren besorgt – Bauern und Winzer ebenso wie der Graf von Sayn. Der Ortsname Heisterbacher- rott deutet darauf hin, das Land um Heisterbach gerodet und Menschen umgesiedelt wurden. Ruine der Kirche auf dem Petersberg
  • 16. Vieles von dem, was wir über diese Zeit wissen, verdanken wir Caesarius von Heisterbach, der von 1199 bis 1240 im Kloster lebte. Zunächst war er Novizenmeister und verfasste Lehrschriften, die immer wieder abgeschrieben und in vielen Klöstern genutzt wurden. In seinem bekanntesten Werk, dem "Dialogus miraculorum" beschrieb er den Alltag des Klosterlebens in Wunder- erzählungen. Caesarius schrieb auch über die politischen Ereignisse seiner Zeit, sorgfältig und wahrheits- liebend, und ist deshalb einer unserer wichtigsten Zeitzeugen über die Jahre 1180-1240. Caesarius von Heisterbach
  • 17. Heinrich VI. war so mächtig wie kein Kaiser vor ihm. Einen Tag nach seiner Krönung in Palermo wurde sein Sohn Friedrich geboren. Doch der Kaiser scheiterte mit seinem Plan, die Krone für die Staufer vererbbar machen. Im September 1197 verstarb er in Sizilien, auf dem Weg nach Palästina. Sein plötzlicher Tod stürzt das Reich ins Chaos, die Staufer- herrschaft in Sizilien brach zusammen. Seine Witwe Konstanze holte eiligst ihren kleinen Sohn Friedrich nach Palermo, bestellte den Papst zu seinem Vormund und brach mit Deutschland. Das kurze Weltreich Königreich Sizilien
  • 18. Otto IV. und die Grafen von Sayn
  • 19. In Deutschland wählten die Anhänger der Staufer Heinrichs jüngeren Bruder Philipp von Schwaben zum König. Das rief den Kölner Erzbischof Adolf von Altena (1193-1205) auf den Plan, der von einer Erbmonarchie der Staufer gar nichts hielt. Er sucht nach einem Gegenkandidaten. Man einigte sich schließlich auf Otto, den dritten Sohn Heinrichs des Löwen. Sein Onkel Richard Löwenherz hatte ihn ins Spiel gebracht. Die beiden standen sich sehr nahe, Otto war bei Richard aufgewachsen. Die Doppelwahl Philipp von SchwabenWappen Ottos IV. Byzanz
  • 20. Hinter Ottos Wahl standen die Kölner Händler, denen an guten Beziehungen zu England lag. Zudem hatte Otto in Deutsch- land kaum Rückhalt und schien nicht mächtig genug, als dass er die Kreise des machtbewussten Erzbischofs und andere Fürsten hätte stören können. Papst Innozenz III., überzeugt das ihm allein die Entscheidung zustand, verhandelte mit beiden Seiten. Schließlich erklärte er Otto zum rechtmäßigen Herrscher und bannte Philipp und seine Anhänger. Ein Krieg um den Thron brach aus. Machtspiele
  • 21. Diese Zeilen aus Walther von der Vogelweides "Reichston" gehören sicher zu seinen bekanntesten. In drei Sprüchen beklagt er die Rechtsunsicherheit jener Jahre, den verheerenden Thronstreit und die Anmaßung des Papstes. Neben Minneliedern ist uns von Walther auch politische Dichtung überliefert. Er war Berufssänger und lebte davon, dass die Fürsten ihm Aufträge gaben und ihn gut entlohnten. Zunächst stand er im Dienst Philipps, dann Ottos IV., im „Ottenton“, noch später sang er für Friedrich II. Wie er wirklich empfand, können wir heute nicht mehr sagen. Walters Spruchdichtung „Ich saz ûf eime steine, und dahte bein mit beine, dar ûf satzt ich den ellenbogen; ich hete in mîne hant gesmogen daz kinne und ein mîn wange.“ Burg Drachenfels
  • 22. Die Grafen von Sayn standen fest auf der Seite Ottos. Eine erbittertere Fehde tobte zwischen ihnen und Dietrich von Landsberg, einem Anhänger der Staufer. In jenen Jahren entstand die Burg auf der Löwenburg. Graf Heinrich II. und sein Bruder Eberhard II. gerieten in die Gefangenschaft Dietrichs und starben an den erlittenen Drangsalen. Der junge Graf Heinrich III. wuchs in den Kriegsjahren heran. Burg Löwenburg Burg Löwenburg
  • 23. Der Thronkrieg (1198-1208) verwüstete das Land; auch das Rheinland wurde schwer heim- gesucht. Bündnisse wurden geschlossen und gebrochen. Um 1205 wendete sich das Blatt gegen Otto. Auch Erzbischof Adolf von Köln wechselte die Seiten. Papst Innozenz III. setzte ihn ab und erhob Bruno von Sayn. Adolf fügte sich nicht; Brunos Amtszeit war von andauernden schweren Kämpfen geprägt. Er wurde lange gefangen gehalten und verstarb 1207 auf Burg Blankenberg. Erst der Mord an Phlipp von Schwaben 1208 beendete den Thronkrieg. Thronkrieg 1205 kaperte Graf Heinrich die Proviantflotte Philipps. Burg Blankenberg
  • 24. Im Oktober 1209 wurde Otto IV. in Rom zum Kaiser gekrönt. Sein neues Siegel zeigte ihn als thronenden Herrscher, Sonne und Mond neben seinem Kopf. Sein Kaisertum verdankte er der Gnade Gottes, nicht der des Papstes. Ottos bewegtes Leben wird ihm nicht viel Muße gelassen haben. Und doch war er Bau- herr, Stifter und vielleicht auch Dichter und Vortragender. Vielleicht kannte man an Ottos Hof schon das zwischen 1190 und 1210 entstandene Nibe- lungenlied. Wolfram von Eschenbach schrieb am Parzival. Vor allem aber war Otto ein Ritter. Kaiser Otto IV. Ottos Siegel und Mantel Wolfram | Löwenburg
  • 25. Doch Otto war nur eine kurze Zeit des Friedens vergönnt. Als er von Rom weiter zog, um Süditalien für das Reich zurück zu erobern, brach der Papst mit ihm. Otto wurde gebannt und exkommuniziert, der Papst legte den Reichsfürsten die Wahl Friedrichs von Sizilien nahe. Der hatte ihm viel verspro- chen. Sizilien war päpstliches Lehen, und nie mehr sollten die Kronen des Heiligen Römischen Reiches und des Königreiches in der Hand der Staufer vereinigt sein. Bruch über Süditalien Königreich Sizilien Byzanz
  • 26. Für Otto hatte das verheeren- de Folgen. Er eilte zurück und konnte seine Herrschaft einiger- maßen sichern. Beim Hoftag im März 1212 in Frankfurt war Graf Heinrich III. von Sayn dabei. „Herr Kaiser seid Ihr willkommen“ sang Walther von der Vogelweide. Doch waren schon süddeutsche Adlige in Palermo, um Friedrich nach Deutschland zu holen. Ist ‚‘Herr Kaiser‘ noch willkommen?
  • 28. Die Stauferzeit war von großen Gegensätzen geprägt. Höfischer Glanz und reiche Patrizier in den aufstrebenden Städten auf der einen, bittere Armut und Seuchen auf der anderen Seite. Da war die Selbstsucht und die Machtgier der hohen Geistlich- keit, die im krassen Gegensatz zum Elend vieler Menschen stand. So mächtig Papst Innozenz in Rom auch sein mochte – viele Menschen zweifelten an seiner Kirche. Eine Zeit großer Gegensätze
  • 29. In Okzitanien, dem romanisch geprägten Süden Frankreichs, tobte ein erbitterter Krieg gegen die alternative Kirche der Katharer. Sie hatte sich von Rom losgesagt. Der okzitanische Adel duldete sie – an den Höfen von Carcassonne und Toulouse war man gesprächsbereit. Doch dieser Adel war reich und de facto unabhängig – ein Dorn im Auge des französischen Königs in Paris. Nach dem Mord an einem päpstlichen Legaten rief Papst Innozenz III. zum Kreuzzug gegen die Katharer und den okzitanischen Adel auf. Die Kreuzheere setzen den Süden Frankreichs in Flammen. Krieg gegen die Katharer Byzanz
  • 30. Nicht nur die Katharer zweifel- ten an der römischen Kirche. Jerusalem und das wahre Kreuz waren in den Händen der Muslime, die Ritter des Vierten Kreuzzugs hatten um der Gier Venedigs wegen Byzanz blutig erobert und geplündert, in Okzitanien ging es vor allem um die Unterwerfung des Adels und das Aneignen seiner Gebiete. Aber vielleicht wollte Gott das nicht. Im Frühsommer 1212 brachen beinahe gleichzeitig in Frankreich und in Köln zehntausende Halbwüchsige auf, um das Heilige Land zu befreien. Die "Kinderkreuzzüge“ endeten tragisch, die wenigsten kehrten heim. Zweifel an der römischen Kirche Byzanz
  • 31. Franziskus von Assisi In jenen Jahren entstanden die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner. Ihr Armuts- ideal bedeutete ein radikal anderes Leben als das der hohen Geistlichkeit. Doch sie stellten nie die Autorität des Papstes in Frage. Papst Innozenz III. sah, dass sie der Kirche neue Glaubwürdig- keit schenken konnten, und erkannte ihre Regeln an. Die Bettelorden entstehen Byzanz
  • 32. Friedrich II. hatte seinen Sohn zum König von Sizilien krönen lassen und war im September 1212 in Deutschland. Nach seiner Krönung 1212 setzte sich im Süden durch, Otto hielt den Norden. Doch es war längst nicht mehr ein reichsinterner Streit. Die Staufer waren mit dem franzö- sischen König Philipp II. August verbündet. Otto hatte schon Jahre zuvor an Richard Löwen- herz' Seite gegen ihn gekämpft. Inzwischen hatte König Johann Ohneland fast den gesamten Besitz der Plantagenets in Frankreich an Philipp verloren. In England selbst gärte es gegen ihn. Königreich Sizilien England Frankreich Der Weg nach Bouvines Byzanz
  • 33. In dieser desolaten Lage suchte er den Schulterschluss mit seinem Neffen Otto. Nicht, dass sie sich nahe gestanden hätten, aber der immer mächtigere französische König bedrohte sie beide. Auch Otto stand mit dem Rücken zur Wand. Eine Allianz gegen Philipp II. von Frankreich kam zustande. Doch der Plan scheiterte. Am 27. Juli 1214, bei Bouvines im Nordosten Frankreichs, traf das kaiserliche Heer auf die Streitmacht Philipps – und erlitt eine verheerende Niederlage. Otto entkam mit knapper Not Tod oder Gefangenschaft. Schlacht von Bouvines 1214 Byzanz
  • 34. Im Reich war der Weg nun frei für Friedrich, sein Heer zog den Rhein hinab Richtung Köln. Für die Grafen von Sayn, die bis zuletzt auf Ottos Seite gestanden hatten, bedeutete das eine große Gefahr, zumal mit Adolf von Altena ihr alter Widersacher Kölner Erzbischof war und auch Graf Adolf III. von Berg auf Friedrichs Seite stand. Im Mai 1215 beugte sich Graf Heinrich III. den Fakten und suchte den Ausgleich. Bei Friedrichs Krönung am 25. Juli 1215 in Aachen war auch er unten den rheinischen Granden, alles andere hätte wohl unabsehbare Folgen gehabt. Eine neue Situation Blick von der Löwenburg
  • 35. Papst Innozenz III. verfolgte Ketzer mit aller Entschiedenheit und Erbitterung. Auf dem IV. Laterankonzils von 1215 wurde die Inquisition eingesetzt. Zugleich war er ein heraus- ragender Jurist und ordnete das Verfahren neu. Dabei ließ er sich von dem Grundgedanken leiten, Gott der Herr wollte die Bekehrung des Ketzers, nicht dessen Tod. Dreimal musste versucht werden, den Beschul- digten durch Belehrungen zur Umkehr zu bewegen. Papst Innozenz ging es um die Wahrheit, Verleumdung und falsches Zeugnis durften nicht über das Leben eines Menschen entscheiden. Papst Innozenz III. und die Inquisition Papst Innozenz III.
  • 36. Friedrich II. und die Herren vom Siebengebirge
  • 37. Graf Heinrich III. hatte seinen Vater und die Onkel Eberhard und Bruno in den Kriegsjahren verloren. Um 1215 heiratete er, ver- mittelt durch die Abtei Heister- bach und Papst Innozenz III., Mechthild von Landsberg, die Tochter Dietrichs von Landsberg und der Landgräfin Jutta von Thüringen. Mechthild brachte den umfangreichen Besitz der Thüringer Landgrafen am Mittelrhein in die Ehe ein. Diese Ehe brachte – hoffentlich – etwas Frieden in das Leben des Grafen, und den Aufstieg in den Hochadel. Endlich Frieden für die Grafen von Sayn Löwenburg
  • 38. Byzanz 1217/18 kam ein Kreuzzug zustande, mit dabei waren Graf Heinrich III. von Sayn und Graf Adolf IV. von Berg. Die Kreuzfahrer griffen Ägypten an und stießen auf erbitterten Widerstand. Eine Seuche brach aus, Graf Adolf starb daran. Nach langer Belagerung wurde Damiette im November 1219 eingenommen. Der Sultan in Kairo wollte verhandeln, der Befehlshaber der Kreuzfahrer, Kardinal Pelagius, lehnte rund- weg ab. Bald gab es nur noch Streit, viele Kreuzfahrer reisten ab. Graf Heinrich III. war um 1220 wieder im Rheinland. Ein Jahr später unterlagen die Kreuzfahrer. Kreuzzug nach Damiette
  • 39. Königreich Sizilien Araber Araber Friedrich II. blieb zunächst in Deutschland und holte seine Frau Konstanze und sein Söhn- chen Heinrich aus Sizilien nach. Ernst gemeint hat er seine Versprechen an Papst Innozenz wohl nicht. 1220 wurde Heinrich zum König gewählt – die Kronen Siziliens und des Reiches waren in der Hand der Staufer vereint! Dafür hatte Friedrich besonders den geistlichen Fürsten zahlreiche Zugeständnisse gemacht. Dann verstarb Innozenz III. überraschend. Sein Nachfolger Honorius III. war ein älterer Herr, mit dem Friedrich leichtes Spiel zu haben glaubte, zumal ihm viel an einem Kreuzzug lag. Friedrich II. in Deutschland Byzanz Confoederatio cum principibus ecclesiasticis
  • 40. Araber Araber Friedrichs Politik ging auf. Der Kölner Erzbischof Engelbert von Berg war ein enger Vertrauter. Im November 1220 wurde Friedrich in Rom zum Kaiser gekrönt. Nun zog es ihn in seine Heimat Sizilien, und sein Königreich konnte er nach seinen Vorstel- lungen formen. In Deutschland hätte er sich wohl in einem andauernden Kleinkrieg mit den Fürsten aufgerieben. Das Zentrum des Reiches war nun Süditalien, inmitten der von Italienern, Byzantinern, Arabern und Normannen geprägten Mittelmeerwelt. Das nord- alpine Reich seines Großvaters Friedrich Barbarossa kam an zweiter Stelle. Der Kaiser in Süditalien Königreich Sizilien Trani, Apulien Byzanz
  • 41. Um 1225 ist als erster Burggraf Heinrich vom Drachenfels verzeichnet. Zunächst hatte das Bonner St. Cassius-Stift Dienst- leute mit der Verwaltung der Burg beauftragt, doch das wurde zu teuer. So übertrugen sie die Burg ihren Dienstleuten zu Lehen, gegen einen Anteil der Einkünfte. Die Burg auf der Wolkenburg war eine der mächtigsten in unserer Region, und ihre Burg- grafen waren sicher eine Autorität. Sie tauchen in vielen Urkunden aus, aber über ihr Leben wissen wir kaum etwas. Die Burggrafen vom Drachenfels Burg Drachenfels
  • 42. Unterhalb des Ölbergs, auf dem Hügel Rosenau, stand für kurze Zeit eine kleine Burg, doch von ihr wissen wir heute nur sehr wenig. Im Siebengebirge war Dietrich von Dorndorf aufgetaucht, ein niederer Adliger. Seit 1227 nannte er sich Dietrich von Rosenau, also Herr der Burg Rosenau. Nach seinem Tod 1243 ver- kaufte seine Familie noch im gleichen Jahr die Burg Rosenau an das nahegelegene Kloster Heisterbach, und um 1250 wurde sie abgerissen. Die Motive blieben bis heute unklar. Burg Rosenau Burg Rosenau
  • 43. Kloster Heisterbach war religiö- ser Mittelpunkt unserer Region. In den Jahren von 1203-1237 entstand die Abteikirche - eine turmlose Basilika mit Chorum- gang und Kapellenkranz, wie sie die Zisterzienser in Frankreich bauten. Im Januar 1227 wurden die ersten Altäre geweiht. Erzbischof Engelbert I. von Berg war Heisterbach eng verbun- den. Als er 1225 ermordet wurde, zog Abt Heinrich I. mit dem Leichenzug zum Hoftag nach Frankfurt und erhob Anklage gegen die Mörder. Caesarius verfasste eine Biographie damit Engelbert möglichst schnell heilig gesprochen wurde. Kloster Heisterbach und Erzbischof Engelbert I.
  • 44. Königreich Sizilien Araber Araber Im Sommer 1228 war Friedrich II. auf dem Weg nach Palästina. Da segelte ein Gebannter ins Heilige Land, Jerusalem für die Christen zurückzugewinnen. Hass schlug ihm entgegen; seine Gegner schreckten auch vor Verrat und Attentaten nicht zurück. Herzog Heinrich IV. von Limburg, Graf von Berg, befeh- ligte das Heer. Durch Verhandlungen mit dem Sultan Al-Kamil gewann Friedrich Jerusalem ohne Kampf und setzte sich am 18. März 1229 in der Grabeskirche selbst die Krone auf. Beiden Herrschern wurde von ihren Untertanen Verrat an der eigenen Sache vorgeworfen. Friedrichs Kreuzzug Byzanz Der Tannhäuser
  • 45. Auch im Reich ging die Kirche mit aller Entschiedenheit gegen "Ketzer" vor. Nun griff auch die Staatsmacht durch. Friedrich II. sah die – gottgewollte – Autori- tät seiner Staatsregierung durch die Ketzer gefährdet. Im Kapitel 1 der Konstitutionen von Melfi von 1231 erklärte er Häresie zum Majestätsverbre- chen, das mit dem Tod bestraft wurde. Das Untersuchungs- und Bekehrungsverfahren wurde aufgehoben, nun konnten die Inquisitoren nach eigenem Ermessen und mit aller Voll- macht handeln. Die Konstitutionen des Kaisers brachten eine schlimme Wende. Kaiser und Ketzer Araber Byzanz Königreich Sizilien 1220 Gesetz gegen die Irrlehrer 1224 Gesetz für die Lombardei 1231 Konstitutionen von Melfi 1232 Gesetz für Deutschland
  • 46. 1231 wurde Friedrichs Gesetzgebung ins Kirchenrecht übernommen. Papst Gregor IX. übertrug die Ketzerbekämpfung einem Mann, der viel Leid über Deutschland bringen sollte: Magister Konrad von Marburg, dem ehemaligen, unerbittliche, Beichtvater der Landgräfin Elisabeth von Thüringen. Von Köln aus organisierte Konrad ein Netz von Spitzeln, die ihm Namen und Vergehen vermeintlicher Ketzer zutrugen. Er ging davon aus, dass jeder Verdächtigte auch schuldig war, und machte kurzen Prozess: keine weiteren Zeugenverhöre, keine Bekehrungsversuche mehr. Bald loderten überall Scheiterhaufen. Der Inquisitor: Konrad von Marburg
  • 47. Auch Graf Heinrich III. von Sayn wurde 1233 angeklagt. Das kam einem Todesurteil gleich. Zudem gab es einen privaten Grund für die Feindschaft: die engen Beziehungen des Sayner Grafenpars zur verstorbenen Landgräfin Elisabeth von Thüringen. Der Inquisitor, Ankläger und Richter zugleich, sprach den Grafen schuldig. Doch der schaffte es, seinen Fall der außerordentlichen Gerichts- barkeit Konrads zu entziehen und vor ein weltliches Gericht zu bringen, das ihn freisprach. Doch Konrad hetzte weiter; kurz darauf wurde er auf saynischem Gebiet ermordet. Ketzerprozess gegen Graf Heinrich III. von Sayn
  • 48. Die 1230/40er waren bewegte Jahre für Friedrich. Die ober- italienischen Städte kriegte er nicht unter Kontrolle. In Deutschland regierte König Heinrich (VII.), doch nie auf Augenhöhe mit seinem Vater. Die Fürsten pressten ihm weit- reichende Zugeständnisse ab. Friedrich II. bestätigte sie 1232 im "Statutum in favorem princi- pum“. Nun konnten mächtigen Fürstentümer entstehen. 1235 kam es zum Bruch zwischen Vater und Sohn. Noch einmal kam der Kaiser nach Deutschland, um seinen Sohn zu strafen. Im selben Jahre hei- ratete er in dritter Ehe Isabella von England. Bewegte Jahre Statutum in favorem principum Byzanz Araber
  • 49. In diesen Monaten war Graf Heinrich III. von Sayn oft am Hof des Kaisers. Ob er auch an der feierlichen Erhebung der Gebeine der Heiligen Elisabeth in Marburg teilgenommen hat? Am 1. Mai 1236 hatte Kaiser Friedrich II., barfuß und im Büßergewand, der Zeremonie beigewohnt. Wir haben keine Nachricht davon, doch es ist gut denkbar. Cäsarius von Heisterbach hatte 1236/37 Elisabeths Lebens- geschichte verfasst. In Heisterbach war die Abteikirche fertig gebaut und am 18. Oktober 1237 konsekriert. Heisterbach und Elisabeth Vita Elisabethi Elisabeths Grab in Marburg
  • 50. In den 1240er Jahren war Friedrich zumeist in Apulien, er liebte dieses Land. Foggia war sein Regierungssitz, in Gioia del Colle lebte Bianca Lancia, seine große Liebe, die er kurz vor ihrem Tod noch geheiratet hat. Mit ihr hatte er zwei Töchter und den Sohn Manfred, mit dem er sein berühmtes Falkenbuch schrieb. Castel del Monte entstand. Frieden war ihm nicht vergönnt, im Gegenteil: Der Kaiser führte einen erbitterten Kampf gegen das Papsttum. Der ferne Kaiser Castel del Monte
  • 51. Byzanz Araber Der Papst verfolgte den Kaiser mit fanatischem Hass, brandmarkte ihn als Antichrist und ließ ihn absetzen. Mit viel Geld warb er einen Gegenkönig an und scheute sogar vor Mordanschlägen nicht zurück. Der Kaiser nahm unerbittlich Rache. Kaiser oder Papst – alles andere verschwand hinter diesem Endkampf. Keiner bedachte die tödliche Gefahr im Osten – die Mongolen, die gerade ein christliches Heer vernichtend geschlagen hatte. Nur wegen ihre eigenen hohen Verluste und des Tods ihres Khans ließen die Mongolen von Europa ab. Kampf gegen das Papsttum
  • 52. In Köln war inzwischen Konrad von Hochstaden (1238-1261) Erzbischof geworden. Für ihn heiligte der Zweck die Mittel, auch vor Gewalt schreckte er nicht zurück. Der Erzbischof stellte sich gegen den Kaiser. Für Graf Heinrich III. von Sayn war das eine schwierige Situation. In seinen letzten Lebensjahren brachte er sich immer wieder ein, um den Frieden zu wahren. An Graf Heinrich III. und Gräfin Mechthild erinnert ihre 1245 gegründete Stadt Blankenberg. Wenig später verstarb der Graf auf Burg Blankenberg. 1250 später verstarb Kaiser Friedrich II. Das Sayner Grafenpaar und Blankenberg Blankenberg
  • 53. Der Hass des Papstes verfolgte die Staufer über seinen Tod hinaus. Karl von Anjou, Bruder Ludwigs IX. von Frankreich, eroberte Süditalien und Sizilien für den Papst – und für sich selbst. Friedrichs Söhne und sein Enkel Konradin kamen beim Kampf um ihr Erbe um; Süditalien ging dem Reich für immer verloren. Doch Frankreich, der Verbündete der Päpste im Kampf gegen die Staufer, sollte sich bald gegen sie wenden.
  • 54. Bildnachweis Reichsburg Trifels Der Urheber ist DKrieger. Das Bild stammt aus der freie Enzyklopedie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation. Der vollständige Text der Lizenz ist im Kapitel GNU-Lizenz für freie Dokumentation der Wikipedia verfügbar. Die historischen Bilder stammen aus der Public Domain Division der Wikipedia, die Bilder von den Burgen im Siebengebirge sind eigene Fotos. Cliparts www.openclipart.org und eigene Clipart-CDs