SlideShare ist ein Scribd-Unternehmen logo
Magazin ó ó ó




    Welcher Weg führt nach Ithaka?
    Oder die Irrfahrten der Euro-Krisenpolitik
    von Klaus Busch und Dierk Hirschel




                                                                                                              Foto: www.fotolia.com, ©  marinini
Berliner und Brüsseler Irrfahrt                           die  Arbeitslosigkeit  steigt  und  die  Steuer-
                                                          einnahmen  sinken.  Deswegen  ist  jetzt  das 
    Die Eurokrise spitzt sich weiter zu. Erneut           Haushaltsloch  größer  als  erwartet.  Der  340 
kreisen  die  Pleitegeier  über  der  Akropolis.          Milliarden  Euro  große  Schuldenberg  –  das 
Griechenland  bekommt  auch  nächstes  Jahr               1,5-fache  der  Wirtschaftsleistung  –  wächst 
kein Geld von den Kapitalmärkten. Ein neues               weiter.
Rettungspaket  soll  das  Schlimmste  verhin-
dern.  Frische  Notkredite  vergibt  die  Troika          Die deutschen Eliten setzen das europä-
–  Internationaler  Währungsfonds,  Europä-               ische Schiff auf Grund
ische Union und Europäische Zentralbank -, 
aber  nur,  wenn  noch  brutaler  gespart  und               Die  griechische  Tragödie  wirft  ein  Licht 
Volksvermögen  verkauft  wird.  Deswegen                  auf  den  Zustand  der  deutschen  Eliten.  Die 
schnürt  der  sozialistische  Staatschef  Pa-             herrschende Politik und die Wirtschaftselite 
pandreou gerade ein neues Sparpaket.                      des Landes sind kurz davor, den Euro-Tanker 
                                                          zu  versenken.  Damit  verstoßen  sie  para-
   Merkel, Sarkozy und die anderen EU-Staa-               doxerweise gegen eigene Interessen.
tenlenker  lernen  aber  nicht  aus  ihren  Feh-
lern. Ihre Politik ist komplett gescheitert. Die             Für  die  heimische  Exportindustrie,  die 
Medizin der Troika fesselte die europäischen              Banken  und  Versicherungen  ist  die  Euro-
Patienten  ans  Krankenbett.  Am  stärksten               Rettung  von  existenzieller  Bedeutung.  Ein 
leidet  Griechenland.  Der  unglückliche  Pa-             Zerfall des Währungsraums würde die preis-
pandreou kürzte und strich, was der Rotstift              liche  Wettbewerbsfähigkeit  der  deutschen 
hergab. In den letzten 25 Jahren sparte kein              Industrie  nachhaltig  schwächen.  Die  Auf-
Land  so  radikal  wie  Athen.  Mit  fatalen  Fol-        wertung eines Nord-Euro respektive der DM 
gen:  Die  griechische  Wirtschaft  schrumpft,            würde  deutsche  Exportgüter  empfindlich 


spw 3 | 2011
ó ó ó Magazin




verteuern. Die Folge wäre ein großer Verlust             Arbeitgeberverbände und Regierung feiern 
an  Marktanteilen.  Die  deutsche  Wirtschaft         die  deutschen  Exporterfolge.  Sie  übersehen 
exportiert  jährlich  Waren  im  Wert  von  100       aber  in  ihrer  beschränkten  einzel-  und  nati-
Mrd. Euro nach Südeuropa. Doch damit nicht            onalwirtschaftlichen  Sicht  die  gesamtwirt-
genug.  Der  heimische  Finanzsektor  müsste          schaftlichen  Folgen  ihres  Handelns  für  ganz 
durch  einen  südeuropäischen  Zahlungsaus-           Europa. Im sogenannten „Pakt für den Euro“ 
fall stark bluten.                                    gehen  sie  sogar  so  weit,  den  europäischen 
                                                      Defizitländern  zu  empfehlen,  der  deutschen 
   Warum  gelingt  es  den  Eliten  nicht  eine       Lohn- und Arbeitsmarktpolitik zu folgen. Da-
Strategie  zu  entwickeln,  die  den  eigenen         bei übersehen sie, dass diese Strategie die De-
Interessen  dient  und  die  Eurozone  rettet?        flationsgefahr  auf  dem  alten  Kontinent  nur 
Die  Antwort  ist  komplex:  Erstens  sind  die       noch verschärft.
deutschen  Eliten  Gefangene  ihres  einzel-
wirtschaftlichen  Denkens  und  Handelns                 Hinzu kommt, dass reine Kostensenkungs-
sowie  des  daraus  abgeleiteten  neoliberalen        strategien und neoliberaler Umbau die ableh-
Politikentwurfs.  Die  Eliten  halten  an  einer      nende  Haltung  der  deutschen  Bevölkerung 
einseitigen Exportorientierung fest und ver-          gegenüber  dem  Euro  verfestigt  haben.  Die 
schärfen  dadurch  die  Ungleichgewichte  im          Lebenswirklichkeit vieler verschlechterte sich 
Euroland. Zweitens verfolgt die herrschende           seitdem es den Euro gibt. Die Reallöhne sind 
Politik bei der Bekämpfung der Staatsschul-           gesunken.  Unsichere  Arbeitsverhältnisse  ha-
den  eine  bornierte  nationalstaatliche  Stra-       ben  zugenommen.  Die  Mehrheit  der  Deut-
tegie, die den Problemen nicht gerecht wird.          schen möchte die DM wieder zurück. Die Ret-
Und  drittens  bedient  die  schwarz-gelbe  Re-       tungspakete  für  Athen,  Dublin  und  Lissabon 
gierung einen Nationalpopulismus, der eine            stoßen auch deshalb auf große Ablehnung.
europäische Lösung der Krise verhindert.
                                                         Erschwerend  hinzu  kommt  eine  Renais-
    Doch  der  Reihe  nach:  Die  wirtschaftliche     sance  nationalstaatlicher  Politik.  Merkel, 
Integration  Europas  stärkte  die  Macht  der        Westerwelle    Co  verweigern  sich  einer  eu-
Unternehmen.  Im  grenzenlosen  Binnen-               ropäischen  Strategie,  um  die  Schuldenkrise 
markt konnte das Management mit dem Da-               zu  überwinden.  Im  Europäischen  Haus  ist 
moklesschwert der Standortverlagerung die             aus konservativ-liberaler Sicht jeder Nachbar 
Löhne drücken, die Arbeitszeiten verlängern           für  sich  selbst  verantwortlich.  Beim  Aufbau 
und  unsichere  Beschäftigungsverhältnisse            der  Rettungsschirme  -  EFSF  und  ESM  –  wur-
durchsetzen.  Die Währungsunion  verschärf-           den die Schulden der EU-Staaten nicht zu ge-
te  den  Konkurrenzkampf  der  Unternehmen            meinsamen Schulden erklärt. Anstelle dessen 
um Preise und Löhne. Des Weiteren drängten            wurden  individuelle  Kreditpakete  mit  spezi-
Management  und  Arbeitgeberverbände  auf             fischen Sparauflagen geschnürt. Nun können 
eine Politik der Deregulierung, Privatisierung,       die Finanzmärkte weiterhin gegen jeden ein-
des Sozialabbaus und der Umverteilung von             zelnen Staat spekulieren. Es gibt unterschied-
unten nach oben. Die so genannten Arbeits-            liche Ratings und unterschiedliche Zinssätze. 
markt-  und  Sozialreformen  schwächten  die          Ein  gemeinsames  europäisches  Vorgehen 
gewerkschaftliche  Handlungsfähigkeit.  So            hätte  hingegen  die  Zinslast  der  Schuldner-
wurden  die  deutschen  Lohnstückkosten  an           staaten  deutlich  senken  können.  Statt  über 
die  Kette  gelegt.  Die  Exportüberschüsse  ex-      eine  europäische  Wachstumsstrategie  die 
plodierten.  Im  Süden  der  Eurozone  stiegen        Schulden mittelfristig abzubauen, haben die 
hingegen die Handels- und Leistungsbilanz-            überharten  nationalen  Sparstrategien  das 
defizite.


                                                42
                                                 8                                            spw 3 | 2011
Magazin ó ó ó




Wachstum abgewürgt und die Schuldenquo-                                           gen  werden  jedoch  die  wirtschaftliche  Lage 
ten noch einmal deutlich erhöht.                                                  Athens  verschlechtern.  Die  Deflationspolitik 
                                                                                  führt in die Sackgasse. Das Wachstum ist zu 
   Darüber hinaus vergiften die bürgerlichen                                      gering, die Zinsen sind zu hoch und die not-
Parteien  und  Medien  durch  einen  populisti-                                   wendigen Primärüberschüsse – Haushaltsü-
schen Nationalismus das politische Klima. Sie                                     berschuss vor Zinszahlungen - nicht realisier-
schüren gezielt das Vorurteil vom deutschen                                       bar.  Für  Tilgung  und  Zinsen  aller  regulären 
Zahlmeister Europas – oder in den Worten der                                      Kredite  benötigt  Griechenland  im  Jahr  2013 
Kanzlern:  „Es  geht  auch  darum,  dass  man  in                                 einen Primärüberschuss von 16 Prozent. Sol-
Ländern  wie  Griechenland,  Spanien,  Portu-                                     len auch die 110 Mrd. Euro schweren Hilfskre-
gal  nicht  früher  in  Rente  gehen  kann  als  in                               dite bis 2017 getilgt werden, müsste der Pri-
Deutschland, sondern dass alle sich auch ein                                      märüberschuss  sogar  30  Prozent  erreichen2. 
wenig  gleich  anstrengen  -  das  ist  wichtig“.1                                Dafür  bräuchte  Athen  aber  ein  nominales 
Das Bild von den faulen und korrupten Grie-                                       Wirtschaftswachstum  von  durchschnittlich 
chen,  Portugiesen  und  Spaniern,  die  angeb-                                   3  Prozent.  Klar  ist,  dass  solch  hohe  Über-
lich  jahrelang  über  ihre  Verhältnisse  lebten,                                schüsse  selbst  mit  den  brutalsten  Sparpro-
hat sich in den Köpfen festgesetzt. Die Schul-                                    grammen und dem Verkauf des griechischen 
denberge sind nach dieser Lesart das zwangs-                                      „Tafelsilbers“  nicht  machbar  sind.  Was  für 
läufige Ergebnis unsolider Haushaltsführung.                                      Griechenland  gilt,  gilt  auch  für  die  anderen 
                                                                                  Schuldnerstaaten.
   Die deutschen Eliten bringen sich auf diese 
Weise  in  eine  fast  aussichtlose  Lage.  Einer-                                   Wenn  weitere  Rettungspakete  politisch 
seits  können  und  wollen  sie  den  Euro  nicht                                 nicht  mehr  durchsetzbar  sind,  könnte  der 
opfern.  Andererseits  schadet  ihr  konkretes                                    Weg  der  Umschuldung  beschritten  werden. 
Handeln den Schuldenländern. Anschließend                                         Die  Ökonomen  unterscheiden  zwischen  ei-
müssen sie Hilfspakete schnüren, die sie der                                      ner  „weichen“  und  „harten“  Variante.  Bei 
deutschen Öffentlichkeit kaum noch vermit-                                        einer  weichen  Umschuldung  könnte  die Til-
teln können. Jedes neue Rettungspaket wird                                        gung  regulärer  und  internationaler  Kredite 
mit  immer  drakonischeren  Sparauflagen                                          bis  2020  respektive  2027  gestreckt  werden. 
gespickt.  Diese  ökonomisch  schädlichen  Zu-                                    Eine solche weiche Umschuldung würde je-
taten  sind  die  beste  Garantie  für  das  Schei-                               doch  selbst  bei  einem  fünfprozentigen  no-
tern.  Die  Abstände  zwischen  den  Rettungs-                                    minalen Wachstum immer noch Primärüber-
paketen werden immer kürzer. Und mit jeder                                        schüsse zwischen 5 und 12 Prozent erfordern. 
Hilfsmaßnahme  schwindet  der  politische                                         Dies  ist  finanzpolitisch  nicht  darstellbar.  Le-
Rückhalt  hüben  wie  drüben.  Es  ist  nur  eine                                 diglich in Kombination mit einer harten Um-
Frage  der  Zeit  bis  ein  „Durchregieren“  nicht                                schuldung  –  in  Form  eines  50  prozentigen 
mehr möglich ist.                                                                 Schuldenerlasses –, ergeben sich realistische 
                                                                                  Überschussziele in Höhe von 3 bis 6 Prozent.
Vier Wege, aber nur ein einziger Weg führt
nach Ithaka                                                                           Ähnlich  verhält  es  sich  mit  Portugal  und 
                                                                                  Irland.  Auch  diese  Länder  stecken  in  der 
   Die  europäischen  Staatschefs  kaufen  mit                                    Schuldenfalle.  Ihr  Wachstum  schrumpfte  in 
dem  sich  jetzt  abzeichnenden  Rettungspa-                                      der  Krise  und  wird  in  den  nächsten  Jahren 
ket  wieder  Zeit.  Die  verschärften  Sparaufla-                                 kaum vom Fleck kommen. Die Zinshöhe liegt 

1  „Merkel attackiert urlaubsfreudige Südeuropäer“, in: Spiegel Online Po-        2  Daten nach Heinz-Dieter Smeets: Ist Griechenland noch zu retten?, in: 
litik, 7.Juni 2011-06-07                                                          Wirtschaftsdienst, Nr. 5, 2010




spw 3 | 2011
ó ó ó Magazin




deutlich  über  der  Wachstumsrate.  Durch                            Austritt  eines  einzelnen  Staates,  aber  auch 
radikales  Sparen  können  die  notwendigen                           einer  Staatengruppe.  Positiv  an  diesem 
Haushaltsüberschüsse  nicht  erzwungen                                Schritt  wäre,  dass  die  Staaten  ihre  interna-
werden.  Folglich  wird  sich  der  Schuldenan-                       tionale  Wettbewerbsfähigkeit  durch  eine 
stieg  beschleunigen.  Der  Ökonom  Hishow                            Währungsabwertung  verbessern  könnten. 
plädiert  deshalb  für   eine  EU-„Schenkung“                         Diesem Vorteil stehen aber große Risiken ge-
an  Lissabon,  Dublin  und  Athen  in  Höhe  von                      genüber. Zunächst droht eine massive Kapi-
209  Mrd.  Euro.  Nur  so  könne  die  Insolvenz                      talflucht. Zudem würden die Staatsschulden, 
dieser Staaten vermieden werden3 .                                    die in Euro notiert sind, abwertungsbedingt 
                                                                      erheblich  ansteigen.  Die  internationalen 
   Die  Berechnungen  sind  überzeugend.                              Kapitalmärkte  würden  diesen  Staaten  nur 
Wenig  befriedigend  ist  jedoch,  dass  die  Fol-                    noch  zu  Wucherzinsen  Kredite  gewähren. 
gen  der  Umschuldung  nicht  ausreichend                             Schon jetzt liegen die Zinsen für zweijährige 
diskutiert  werden.  Ein  großes  Risiko  liegt  in                   griechische  Anleihen  bei  mehr  als  20  Pro-
der  Infektionsgefahr  anderer  Schuldenstaa-                         zent - für zehnjährige Anleihen bei mehr als 
ten. Darüber hinaus drohen unkalkulierbare                            15  Prozent.  Faktisch  wäre  dann  der  Zugang 
Reaktionen  der  Finanzmärkte  auf  die  durch                        zu  den  internationalen  Kapitalmärkten  ver-
Kapitalverluste  gefährdeten  Banken.  Nach                           sperrt.  Die  kriselnden  Staaten  müssten  ihre 
neuesten  Angaben  der  Bank  für  Internati-                         Zahlungsunfähigkeit erklären und ein Schul-
onalen  Zahlungsausgleich  waren  deutsche                            denmoratorium verhängen.
Banken  Ende  2010  mit  insgesamt  34  Mrd. 
Euro in Griechenland engagiert, französische                             Denkbar  ist  jedoch,  dass  die  Schulden-
Geldhäuser gar mit 57 Mrd. Euro.                                      staaten  anschließend  andere  Kreditgeber 
                                                                      finden – beispielsweise China oder Russland. 
   Auch das Institut für Makroökonomie und                            Diese Finanziers würden aber nicht als reine 
Konjunkturforschung  (IMK)  warnt  vor  den                           Wohltäter  auftreten.  Die  neuen  Geldgeber 
unkontrollierbaren  Folgen  einer  Umschul-                           müssten  schließlich  einkalkulieren,  dass  sie 
dung.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  es  nur                         ihr  Kapital  teilweise  verlieren.  Zudem  wäre 
allzu verständlich, dass die Troika vor einem                         die  Kreditvergabe  mit  einer  politischen  Ein-
solchen  Schritt  (noch)  zurückschreckt.  Zu-                        flussnahme dieser Länder verbunden.
dem  behandelt  ein  Schuldenschnitt  nicht 
die Krisenursachen. Solange der Anleihezins                               Die  Perspektiven  eines  Austritts  aus  der 
über  der  Wachstumsrate  liegt,  stecken  die                        Eurozone  sind  für  die  Schuldenstaaten  un-
Krisenstaaten in der Schuldenfalle. Ein Schul-                        gewiss.  Kurzfristig  müssten  sich  die  Aus-
denerlass durchbricht nicht den Teufelskreis                          trittsländer  auf  eine  ökonomische  Verelen-
aus  schrumpfendem  Wachstum  und  hoher                              dung und massivste innenpolitische Kämpfe 
Zinslast.                                                             einstellen.  Für  die  restlichen  Eurostaaten 
                                                                      wäre  der  Austritt  mit  einem  Schrumpfen 
   Da die herrschende Politik die wirtschaft-                         der  Exportmärkte  und  mit  einem  Verlust 
liche  und  soziale  Lage  der  Schuldnerländer                       von  Marktanteilen  verbunden.  Das  europä-
weiter  verschlechtert,  wird  die  politische                        ische  Bankensystem  würde  in  Lebensgefahr 
Debatte  in  den  Krisenregionen  sich  zuneh-                        schweben.  Eine  Rekapitalisierung  mit  Steu-
mend  auf  einen  möglichen  Austritt  aus  der                       ergeld  wäre  unumgänglich.  Zudem  würde 
Eurozone  konzentrieren.  Vorstellbar  ist  der                       der  europäische  Integrationsprozess  um 
                                                                      Jahrzehnte  zurückgeworfen.  Alles  in  allem 
3  Ognian N. Hishow: EU-Schuldenkrise – Schuldenmanagément und die 
                                                                      sollte ein Austritt aus der Eurozone tunlichst 
Kosten, in: Wirtschaftsdienst, Nr. 3, 2011                            vermieden werden.


                                                                42
                                                                 0                                            spw 3 | 2011
Magazin ó ó ó




   Athen  und  den  anderen  Schuldenstaa-                  drei Prozent sinken. Nach Berechnungen des 
ten  hilft  jetzt  nur  noch  eine  neue  Wachs-            IMK würde eine solche Zinssenkung die grie-
tumsstrategie im Mix mit einer neuen Zins-                  chische  Schuldenquote  bis  2015  um  40  Pro-
und  Lohnpolitik.  Erforderlich  ist  zu  allererst         zentpunkte  auf  110  Prozent  reduzieren.  Die 
eine  europäische  Strategie  für  qualitatives             schnelle  Einführung  von  Eurobonds  würde 
Wachstum  und  Beschäftigung.  Wir  brau-                   die Finanzierungslasten der Schuldenstaaten 
chen ein Investitions- und Entwicklungspro-                 zusätzlich senken. Darüber hinaus brauchen 
gramm für Südeuropa.                                        wir  Reformen  zur  Entkopplung  der  Staatsfi-
                                                            nanzierung von den Kapitalmärkten.
Eine solche Strategie sollte aus folgenden
drei Elementen bestehen:                                       Schließlich  braucht  die  Lohnpolitik  der 
                                                            Mitgliedsstaaten einen Paradigmenwechsel. 
ò  Einem europäischen  New Deal zur Ver-                    Diese ist europäisch so zu koordinieren, dass 
   besserung der europäischen Infrastruk-                   die  nationalen  Lohnzuwächse  im  Durch-
   tur  und  der  Umwelt.  Die  Finanzierung                schnitt  den  verteilungsneutralen  Spielraum 
   könnte  durch  europäische  Anleihen                     ausschöpfen.  Damit  würden  lohnkostenbe-
   organisiert  werden.  Dieses  Programm                   dingte Wettbewerbsverzerrungen vermieden 
   soll dem Abbau des Entwicklungsgefäl-                    und ein Beitrag zum Ausgleich der Leistungs-
   les  in  der  EU  und  der  Bekämpfung  der              bilanzen  geleistet.  Deutschland  müsste  in 
   Arbeitslosigkeit  (vor  allem  der  Jugend-              der  Anfangszeit  eine  stark  expansive  Lohn-
   arbeitslosigkeit)  in  besonders  von  der               politik  betreiben,  um  die  Fehler  der Vergan-
   Krise betroffenen Ländern dienen (Spa-                   genheit zu korrigieren. Der Anpassungsdruck 
   nien, Griechenland, Irland, Portugal, den                läge  also  zu  Beginn  dieses  Politikwechsels 
   drei baltischen Staaten, Ungarn).                        bei  den  Überschussländern  und  nicht  bei 
                                                            den Defizitländern.
ò  Einer starken  Stimulierung der Binnen-
   nachfrage  in  den  Überschussländern.                      Mit  Wachstum,  niedrigen  Zinsen  und  ei-
   Eine  Schlüsselrolle  fällt  hier  Deutsch-              ner  verbesserten  außenwirtschaftlichen 
   land  zu.  Das  größte  Überschussland                   Leistungsfähigkeit  können  die  Schulden-
   kann  durch  eine  Änderung  seiner  wirt-               staaten  aus  der  Schuldenfalle  befreit  wer-
   schaftspolitischen  Strategie  helfen,  die              den.  Hierfür  braucht  es  einen  politischen 
   Defizite  der  Krisenländer   abzubauen.                 Kurswechsel. Die Irrfahrten der Berliner und 
   Gleichzeitig  kann  Deutschland  einen                   Brüsseler  Euro-Krisenpolitik  haben  großen 
   Beitrag  zur  Stimulierung  der  Konjunk-                Schaden  angerichtet.  Das  Spardiktat  muss 
   tur  in  der  EU  leisten.  Notwendig  sind              jetzt  fallen.  Wenn  hierzulande  aber  weiter-
   hierfür eine expansivere Lohnpolitik, ein                hin der Stammtisch regiert, dann sind Athen, 
   Abbau  der  Schieflage  auf  dem  Arbeits-               Lissabon  und  Madrid  bald  gezwungen  aus 
   markt  und  eine  Stärkung  öffentlicher                 dem  Euro  auszusteigen  und  werden  ein 
   Investitionen.                                           Schuldenmoratorium verkünden. Spätestens 
                                                            dann wird aus der griechischen eine europä-
ò  Eine  Beendigung  der  deflatorischen                    ische Tragödie.                               ó
   Austeritätspolitik  in  den  überdurch-
   schnittlich verschuldeten Ländern.
                                                            û  Prof. Dr. Klaus Busch ist europapolitischer Berater der Gewerkschaft 
   Wachstum  allein  reicht  jedoch  nicht  aus.            Ver.di.
Gleichzeitig  müssen  die  Zinsen  runter.  Der             û  Dr. Dierk Hirschel ist Bereichsleiter Wirtschaftspolitik, Europa, Inter-
Zins  für  den  EU-Dispo  sollte  von  fünf  auf            nationales der Gewerkschaft Ver.di.




spw 3 | 2011                                           1

Weitere ähnliche Inhalte

Was ist angesagt?

Herausforderung Krise. Was kann Europa?
Herausforderung Krise. Was kann Europa?Herausforderung Krise. Was kann Europa?
Herausforderung Krise. Was kann Europa?
Heinrich-Böll-Stiftung
 
Finanzgefahr
FinanzgefahrFinanzgefahr
Finanzgefahr
FESD GKr
 
BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Januar 2017
BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Januar 2017BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Januar 2017
BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Januar 2017
Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken
 
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART: Marktverzerrungen bleiben bestehen
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART: Marktverzerrungen bleiben bestehenDIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART: Marktverzerrungen bleiben bestehen
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART: Marktverzerrungen bleiben bestehen
Ellwanger & Geiger Privatbankiers
 
D Iwh Prognoseupdate 16march2009
D Iwh Prognoseupdate 16march2009D Iwh Prognoseupdate 16march2009
D Iwh Prognoseupdate 16march2009
guest4591b4d
 
Quo vadis Europa? - Vortrag von Dr. Peter Liese, MdEP auf der Kreisversammlun...
Quo vadis Europa? - Vortrag von Dr. Peter Liese, MdEP auf der Kreisversammlun...Quo vadis Europa? - Vortrag von Dr. Peter Liese, MdEP auf der Kreisversammlun...
Quo vadis Europa? - Vortrag von Dr. Peter Liese, MdEP auf der Kreisversammlun...
JU_Hochsauerland
 
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGARTDIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART
Ellwanger & Geiger Privatbankiers
 
20091125.Kotz Finanzstabilitaet
20091125.Kotz Finanzstabilitaet20091125.Kotz Finanzstabilitaet
20091125.Kotz Finanzstabilitaet
Wolfgang Wettach
 
Kapital & Märkte, Ausgabe März 2014
Kapital & Märkte, Ausgabe März 2014Kapital & Märkte, Ausgabe März 2014
Kapital & Märkte, Ausgabe März 2014
Ellwanger & Geiger Privatbankiers
 
Betrieblicher Lernauftrag Wolf - Apr 2013 HR/HU
Betrieblicher Lernauftrag Wolf - Apr 2013 HR/HUBetrieblicher Lernauftrag Wolf - Apr 2013 HR/HU
Betrieblicher Lernauftrag Wolf - Apr 2013 HR/HU
herbert1977
 
Volkswirtschaft Special Geldpolitik sollte auf niedrige Inflation gelassen ag...
Volkswirtschaft Special Geldpolitik sollte auf niedrige Inflation gelassen ag...Volkswirtschaft Special Geldpolitik sollte auf niedrige Inflation gelassen ag...
Volkswirtschaft Special Geldpolitik sollte auf niedrige Inflation gelassen ag...
Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken
 
Deutsche Bank in der Krise
Deutsche Bank in der KriseDeutsche Bank in der Krise
Deutsche Bank in der Krise
Somtypes
 

Was ist angesagt? (12)

Herausforderung Krise. Was kann Europa?
Herausforderung Krise. Was kann Europa?Herausforderung Krise. Was kann Europa?
Herausforderung Krise. Was kann Europa?
 
Finanzgefahr
FinanzgefahrFinanzgefahr
Finanzgefahr
 
BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Januar 2017
BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Januar 2017BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Januar 2017
BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Januar 2017
 
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART: Marktverzerrungen bleiben bestehen
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART: Marktverzerrungen bleiben bestehenDIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART: Marktverzerrungen bleiben bestehen
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART: Marktverzerrungen bleiben bestehen
 
D Iwh Prognoseupdate 16march2009
D Iwh Prognoseupdate 16march2009D Iwh Prognoseupdate 16march2009
D Iwh Prognoseupdate 16march2009
 
Quo vadis Europa? - Vortrag von Dr. Peter Liese, MdEP auf der Kreisversammlun...
Quo vadis Europa? - Vortrag von Dr. Peter Liese, MdEP auf der Kreisversammlun...Quo vadis Europa? - Vortrag von Dr. Peter Liese, MdEP auf der Kreisversammlun...
Quo vadis Europa? - Vortrag von Dr. Peter Liese, MdEP auf der Kreisversammlun...
 
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGARTDIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART
 
20091125.Kotz Finanzstabilitaet
20091125.Kotz Finanzstabilitaet20091125.Kotz Finanzstabilitaet
20091125.Kotz Finanzstabilitaet
 
Kapital & Märkte, Ausgabe März 2014
Kapital & Märkte, Ausgabe März 2014Kapital & Märkte, Ausgabe März 2014
Kapital & Märkte, Ausgabe März 2014
 
Betrieblicher Lernauftrag Wolf - Apr 2013 HR/HU
Betrieblicher Lernauftrag Wolf - Apr 2013 HR/HUBetrieblicher Lernauftrag Wolf - Apr 2013 HR/HU
Betrieblicher Lernauftrag Wolf - Apr 2013 HR/HU
 
Volkswirtschaft Special Geldpolitik sollte auf niedrige Inflation gelassen ag...
Volkswirtschaft Special Geldpolitik sollte auf niedrige Inflation gelassen ag...Volkswirtschaft Special Geldpolitik sollte auf niedrige Inflation gelassen ag...
Volkswirtschaft Special Geldpolitik sollte auf niedrige Inflation gelassen ag...
 
Deutsche Bank in der Krise
Deutsche Bank in der KriseDeutsche Bank in der Krise
Deutsche Bank in der Krise
 

Andere mochten auch

Probleme sind nicht das Problem
Probleme sind nicht das ProblemProbleme sind nicht das Problem
Probleme sind nicht das Problem
Boost Your Moojo
 
Lgt
LgtLgt
Anleitung für Chem2Market // Produkte einstellen
Anleitung für Chem2Market // Produkte einstellenAnleitung für Chem2Market // Produkte einstellen
Anleitung für Chem2Market // Produkte einstellen
Christiane Strasse
 
Somatische Affizierung und Involvierung in Computerspielen (2012)
Somatische Affizierung und Involvierung in Computerspielen (2012)Somatische Affizierung und Involvierung in Computerspielen (2012)
Somatische Affizierung und Involvierung in Computerspielen (2012)
Matthias Andrasch
 
Vorteile Unternehmen
Vorteile UnternehmenVorteile Unternehmen
Vorteile Unternehmen
Frank Mueller
 
Zustimmungspflichtige maßnahmen
Zustimmungspflichtige maßnahmenZustimmungspflichtige maßnahmen
Zustimmungspflichtige maßnahmen
Werner Drizhal
 
Walk through medicaltopjobs.de community
Walk through medicaltopjobs.de communityWalk through medicaltopjobs.de community
Walk through medicaltopjobs.de community
Media Consult Maier + Partner
 
DigiMediaL_musik - Creative Commons für Musiker
DigiMediaL_musik - Creative Commons für MusikerDigiMediaL_musik - Creative Commons für Musiker
DigiMediaL_musik - Creative Commons für Musiker
DigiMediaL_musik
 
Mensajeras de la vida
Mensajeras de la vidaMensajeras de la vida
Mensajeras de la vida
william zea
 
Aihk Mitteilungen 07/08 2012
Aihk Mitteilungen 07/08 2012Aihk Mitteilungen 07/08 2012
Aihk Mitteilungen 07/08 2012
aihkch
 
Encuentro nacional de Huertos y AU incluye Celebración Septuagésimo Octavo An...
Encuentro nacional de Huertos y AU incluye Celebración Septuagésimo Octavo An...Encuentro nacional de Huertos y AU incluye Celebración Septuagésimo Octavo An...
Encuentro nacional de Huertos y AU incluye Celebración Septuagésimo Octavo An...
asalinasc
 
Anexo iv
Anexo ivAnexo iv
Studentische Crossmedia-Analyse: Nitro Circus in Hamburg
Studentische Crossmedia-Analyse: Nitro Circus in HamburgStudentische Crossmedia-Analyse: Nitro Circus in Hamburg
Studentische Crossmedia-Analyse: Nitro Circus in Hamburg
C H
 
Glosario 1
Glosario 1Glosario 1
Glosario 1
lismarin
 
BIT I WiSe 2014 | Basisinformationstechnologie I - 01: Grundlagen I
BIT I WiSe 2014 | Basisinformationstechnologie I - 01: Grundlagen IBIT I WiSe 2014 | Basisinformationstechnologie I - 01: Grundlagen I
BIT I WiSe 2014 | Basisinformationstechnologie I - 01: Grundlagen I
Institute for Digital Humanities, University of Cologne
 
Agile Virtualisierung
Agile VirtualisierungAgile Virtualisierung
Agile Virtualisierung
CloudOps Summit
 

Andere mochten auch (16)

Probleme sind nicht das Problem
Probleme sind nicht das ProblemProbleme sind nicht das Problem
Probleme sind nicht das Problem
 
Lgt
LgtLgt
Lgt
 
Anleitung für Chem2Market // Produkte einstellen
Anleitung für Chem2Market // Produkte einstellenAnleitung für Chem2Market // Produkte einstellen
Anleitung für Chem2Market // Produkte einstellen
 
Somatische Affizierung und Involvierung in Computerspielen (2012)
Somatische Affizierung und Involvierung in Computerspielen (2012)Somatische Affizierung und Involvierung in Computerspielen (2012)
Somatische Affizierung und Involvierung in Computerspielen (2012)
 
Vorteile Unternehmen
Vorteile UnternehmenVorteile Unternehmen
Vorteile Unternehmen
 
Zustimmungspflichtige maßnahmen
Zustimmungspflichtige maßnahmenZustimmungspflichtige maßnahmen
Zustimmungspflichtige maßnahmen
 
Walk through medicaltopjobs.de community
Walk through medicaltopjobs.de communityWalk through medicaltopjobs.de community
Walk through medicaltopjobs.de community
 
DigiMediaL_musik - Creative Commons für Musiker
DigiMediaL_musik - Creative Commons für MusikerDigiMediaL_musik - Creative Commons für Musiker
DigiMediaL_musik - Creative Commons für Musiker
 
Mensajeras de la vida
Mensajeras de la vidaMensajeras de la vida
Mensajeras de la vida
 
Aihk Mitteilungen 07/08 2012
Aihk Mitteilungen 07/08 2012Aihk Mitteilungen 07/08 2012
Aihk Mitteilungen 07/08 2012
 
Encuentro nacional de Huertos y AU incluye Celebración Septuagésimo Octavo An...
Encuentro nacional de Huertos y AU incluye Celebración Septuagésimo Octavo An...Encuentro nacional de Huertos y AU incluye Celebración Septuagésimo Octavo An...
Encuentro nacional de Huertos y AU incluye Celebración Septuagésimo Octavo An...
 
Anexo iv
Anexo ivAnexo iv
Anexo iv
 
Studentische Crossmedia-Analyse: Nitro Circus in Hamburg
Studentische Crossmedia-Analyse: Nitro Circus in HamburgStudentische Crossmedia-Analyse: Nitro Circus in Hamburg
Studentische Crossmedia-Analyse: Nitro Circus in Hamburg
 
Glosario 1
Glosario 1Glosario 1
Glosario 1
 
BIT I WiSe 2014 | Basisinformationstechnologie I - 01: Grundlagen I
BIT I WiSe 2014 | Basisinformationstechnologie I - 01: Grundlagen IBIT I WiSe 2014 | Basisinformationstechnologie I - 01: Grundlagen I
BIT I WiSe 2014 | Basisinformationstechnologie I - 01: Grundlagen I
 
Agile Virtualisierung
Agile VirtualisierungAgile Virtualisierung
Agile Virtualisierung
 

Ähnlich wie Spw 184 buschhirschel

Kapital & Märkte Ausgabe Januar 2014
Kapital & Märkte Ausgabe Januar 2014Kapital & Märkte Ausgabe Januar 2014
Kapital & Märkte Ausgabe Januar 2014
Ellwanger & Geiger Privatbankiers
 
Kapital & Märkte: Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2013
Kapital & Märkte: Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2013Kapital & Märkte: Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2013
Kapital & Märkte: Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2013
Ellwanger & Geiger Privatbankiers
 
Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2012
Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2012Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2012
Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2012
Ellwanger & Geiger Privatbankiers
 
Verdi präsentation stuttgart
Verdi präsentation stuttgartVerdi präsentation stuttgart
Verdi präsentation stuttgart
Werner Drizhal
 
Weg mit dem Euroregime
Weg mit dem EuroregimeWeg mit dem Euroregime
Weg mit dem Euroregime
FESD GKr
 
Brief aus Berlin 13 // 2015
Brief aus Berlin 13 // 2015Brief aus Berlin 13 // 2015
Brief aus Berlin 13 // 2015
Hansjörg Durz
 
Was der Bundespräsident leider nicht gesagt hat...
Was der Bundespräsident leider nicht gesagt hat...Was der Bundespräsident leider nicht gesagt hat...
Was der Bundespräsident leider nicht gesagt hat...
Christoph Unckell
 
Presseinformation: E&G-Experte: Eurozone auf dem Weg noch tiefer in die Krise
Presseinformation: E&G-Experte: Eurozone auf dem Weg noch tiefer in die Krise Presseinformation: E&G-Experte: Eurozone auf dem Weg noch tiefer in die Krise
Presseinformation: E&G-Experte: Eurozone auf dem Weg noch tiefer in die Krise
Ellwanger & Geiger Privatbankiers
 
Sündenböcke
SündenböckeSündenböcke
Sündenböcke
Christoph Unckell
 
BVR Volkswirtschaft Special_Erholung im Euroraum bleibt
BVR Volkswirtschaft Special_Erholung im Euroraum bleibtBVR Volkswirtschaft Special_Erholung im Euroraum bleibt
BVR Volkswirtschaft Special_Erholung im Euroraum bleibt
Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken
 
Nimmt Armut In Deutschland zu?
Nimmt Armut In Deutschland zu?Nimmt Armut In Deutschland zu?
Nimmt Armut In Deutschland zu?
Christoph Unckell
 
Wachstum perspektiven
Wachstum perspektivenWachstum perspektiven
Wachstum perspektiven
FESD GKr
 
ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014
ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014
ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014
Herbert Huber
 
Wege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurz
Wege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurzWege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurz
Wege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurz
Werner Drizhal
 
Presseunterlage krisenschulden sept2010
Presseunterlage krisenschulden sept2010Presseunterlage krisenschulden sept2010
Presseunterlage krisenschulden sept2010
Werner Drizhal
 
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGARTDIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART
Ellwanger & Geiger Privatbankiers
 
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scdInfo zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
Werner Drizhal
 
Studie: Wachstumswirkungen eines Euro-Ausstiegs
Studie: Wachstumswirkungen eines Euro-AusstiegsStudie: Wachstumswirkungen eines Euro-Ausstiegs
Studie: Wachstumswirkungen eines Euro-Ausstiegs
GED Project - Global Economic Dynamics
 
Becker: Nachhaltige Finanzmarkt Stabilitaet
Becker: Nachhaltige Finanzmarkt StabilitaetBecker: Nachhaltige Finanzmarkt Stabilitaet
Becker: Nachhaltige Finanzmarkt Stabilitaet
neuesgeld
 

Ähnlich wie Spw 184 buschhirschel (20)

Kapital & Märkte Ausgabe Januar 2014
Kapital & Märkte Ausgabe Januar 2014Kapital & Märkte Ausgabe Januar 2014
Kapital & Märkte Ausgabe Januar 2014
 
Kapital & Märkte: Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2013
Kapital & Märkte: Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2013Kapital & Märkte: Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2013
Kapital & Märkte: Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2013
 
Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2012
Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2012Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2012
Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2012
 
Verdi präsentation stuttgart
Verdi präsentation stuttgartVerdi präsentation stuttgart
Verdi präsentation stuttgart
 
Weg mit dem Euroregime
Weg mit dem EuroregimeWeg mit dem Euroregime
Weg mit dem Euroregime
 
Brief aus Berlin 13 // 2015
Brief aus Berlin 13 // 2015Brief aus Berlin 13 // 2015
Brief aus Berlin 13 // 2015
 
Mopinio 03 12
Mopinio 03 12Mopinio 03 12
Mopinio 03 12
 
Was der Bundespräsident leider nicht gesagt hat...
Was der Bundespräsident leider nicht gesagt hat...Was der Bundespräsident leider nicht gesagt hat...
Was der Bundespräsident leider nicht gesagt hat...
 
Presseinformation: E&G-Experte: Eurozone auf dem Weg noch tiefer in die Krise
Presseinformation: E&G-Experte: Eurozone auf dem Weg noch tiefer in die Krise Presseinformation: E&G-Experte: Eurozone auf dem Weg noch tiefer in die Krise
Presseinformation: E&G-Experte: Eurozone auf dem Weg noch tiefer in die Krise
 
Sündenböcke
SündenböckeSündenböcke
Sündenböcke
 
BVR Volkswirtschaft Special_Erholung im Euroraum bleibt
BVR Volkswirtschaft Special_Erholung im Euroraum bleibtBVR Volkswirtschaft Special_Erholung im Euroraum bleibt
BVR Volkswirtschaft Special_Erholung im Euroraum bleibt
 
Nimmt Armut In Deutschland zu?
Nimmt Armut In Deutschland zu?Nimmt Armut In Deutschland zu?
Nimmt Armut In Deutschland zu?
 
Wachstum perspektiven
Wachstum perspektivenWachstum perspektiven
Wachstum perspektiven
 
ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014
ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014
ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014
 
Wege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurz
Wege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurzWege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurz
Wege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurz
 
Presseunterlage krisenschulden sept2010
Presseunterlage krisenschulden sept2010Presseunterlage krisenschulden sept2010
Presseunterlage krisenschulden sept2010
 
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGARTDIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART
DIE MARKTMEINUNG AUS STUTTGART
 
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scdInfo zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
 
Studie: Wachstumswirkungen eines Euro-Ausstiegs
Studie: Wachstumswirkungen eines Euro-AusstiegsStudie: Wachstumswirkungen eines Euro-Ausstiegs
Studie: Wachstumswirkungen eines Euro-Ausstiegs
 
Becker: Nachhaltige Finanzmarkt Stabilitaet
Becker: Nachhaltige Finanzmarkt StabilitaetBecker: Nachhaltige Finanzmarkt Stabilitaet
Becker: Nachhaltige Finanzmarkt Stabilitaet
 

Mehr von Werner Drizhal

Unfallvers. dt kurzpräs
Unfallvers. dt kurzpräsUnfallvers. dt kurzpräs
Unfallvers. dt kurzpräs
Werner Drizhal
 
Ebr seminar april 2014 in weitra - protokoll
Ebr seminar april 2014 in weitra - protokollEbr seminar april 2014 in weitra - protokoll
Ebr seminar april 2014 in weitra - protokoll
Werner Drizhal
 
Sozialplan foliensatz
Sozialplan foliensatzSozialplan foliensatz
Sozialplan foliensatz
Werner Drizhal
 
Uebersicht bv
Uebersicht bvUebersicht bv
Uebersicht bv
Werner Drizhal
 
Mitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheiten
Mitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheitenMitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheiten
Mitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheiten
Werner Drizhal
 
Checkliste
ChecklisteCheckliste
Checkliste
Werner Drizhal
 
Befugnisse
BefugnisseBefugnisse
Befugnisse
Werner Drizhal
 
Gpa bgf überblick und leitfaden
Gpa bgf überblick und leitfadenGpa bgf überblick und leitfaden
Gpa bgf überblick und leitfaden
Werner Drizhal
 
Vortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwald
Vortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwaldVortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwald
Vortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwald
Werner Drizhal
 
Erfahrungen der tn innen
Erfahrungen der tn innenErfahrungen der tn innen
Erfahrungen der tn innen
Werner Drizhal
 
Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)
Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)
Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)
Werner Drizhal
 
Fotoprotokoll dezember 2012
Fotoprotokoll dezember 2012Fotoprotokoll dezember 2012
Fotoprotokoll dezember 2012
Werner Drizhal
 
20019042 verteilungsgerechtigkeit präs 5-11-12
20019042 verteilungsgerechtigkeit  präs 5-11-1220019042 verteilungsgerechtigkeit  präs 5-11-12
20019042 verteilungsgerechtigkeit präs 5-11-12
Werner Drizhal
 
Folien aktionswoche fsg
Folien aktionswoche fsgFolien aktionswoche fsg
Folien aktionswoche fsg
Werner Drizhal
 
Georg clementi zeitlieder
Georg clementi zeitliederGeorg clementi zeitlieder
Georg clementi zeitlieder
Werner Drizhal
 
Griechenland fsg gpa djp (oktober 2012)
Griechenland fsg gpa djp (oktober 2012)Griechenland fsg gpa djp (oktober 2012)
Griechenland fsg gpa djp (oktober 2012)
Werner Drizhal
 

Mehr von Werner Drizhal (20)

Unfallvers. dt kurzpräs
Unfallvers. dt kurzpräsUnfallvers. dt kurzpräs
Unfallvers. dt kurzpräs
 
Ebr seminar april 2014 in weitra - protokoll
Ebr seminar april 2014 in weitra - protokollEbr seminar april 2014 in weitra - protokoll
Ebr seminar april 2014 in weitra - protokoll
 
Sozialplan foliensatz
Sozialplan foliensatzSozialplan foliensatz
Sozialplan foliensatz
 
Uebersicht bv
Uebersicht bvUebersicht bv
Uebersicht bv
 
Mitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheiten
Mitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheitenMitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheiten
Mitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheiten
 
Checkliste
ChecklisteCheckliste
Checkliste
 
Bv
BvBv
Bv
 
Betriebsübergang
BetriebsübergangBetriebsübergang
Betriebsübergang
 
Befugnisse
BefugnisseBefugnisse
Befugnisse
 
Gpa bgf überblick und leitfaden
Gpa bgf überblick und leitfadenGpa bgf überblick und leitfaden
Gpa bgf überblick und leitfaden
 
Vortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwald
Vortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwaldVortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwald
Vortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwald
 
Erfahrungen der tn innen
Erfahrungen der tn innenErfahrungen der tn innen
Erfahrungen der tn innen
 
Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)
Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)
Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)
 
Bmask soz jahr
Bmask soz jahrBmask soz jahr
Bmask soz jahr
 
Fotoprotokoll dezember 2012
Fotoprotokoll dezember 2012Fotoprotokoll dezember 2012
Fotoprotokoll dezember 2012
 
20019042 verteilungsgerechtigkeit präs 5-11-12
20019042 verteilungsgerechtigkeit  präs 5-11-1220019042 verteilungsgerechtigkeit  präs 5-11-12
20019042 verteilungsgerechtigkeit präs 5-11-12
 
Folien aktionswoche fsg
Folien aktionswoche fsgFolien aktionswoche fsg
Folien aktionswoche fsg
 
Ifam übersicht
Ifam übersichtIfam übersicht
Ifam übersicht
 
Georg clementi zeitlieder
Georg clementi zeitliederGeorg clementi zeitlieder
Georg clementi zeitlieder
 
Griechenland fsg gpa djp (oktober 2012)
Griechenland fsg gpa djp (oktober 2012)Griechenland fsg gpa djp (oktober 2012)
Griechenland fsg gpa djp (oktober 2012)
 

Spw 184 buschhirschel

  • 1. Magazin ó ó ó Welcher Weg führt nach Ithaka? Oder die Irrfahrten der Euro-Krisenpolitik von Klaus Busch und Dierk Hirschel Foto: www.fotolia.com, ©  marinini Berliner und Brüsseler Irrfahrt die  Arbeitslosigkeit  steigt  und  die  Steuer- einnahmen  sinken.  Deswegen  ist  jetzt  das  Die Eurokrise spitzt sich weiter zu. Erneut  Haushaltsloch  größer  als  erwartet.  Der  340  kreisen  die  Pleitegeier  über  der  Akropolis.  Milliarden  Euro  große  Schuldenberg  –  das  Griechenland  bekommt  auch  nächstes  Jahr  1,5-fache  der  Wirtschaftsleistung  –  wächst  kein Geld von den Kapitalmärkten. Ein neues  weiter. Rettungspaket  soll  das  Schlimmste  verhin- dern.  Frische  Notkredite  vergibt  die  Troika  Die deutschen Eliten setzen das europä- –  Internationaler  Währungsfonds,  Europä- ische Schiff auf Grund ische Union und Europäische Zentralbank -,  aber  nur,  wenn  noch  brutaler  gespart  und  Die  griechische  Tragödie  wirft  ein  Licht  Volksvermögen  verkauft  wird.  Deswegen  auf  den  Zustand  der  deutschen  Eliten.  Die  schnürt  der  sozialistische  Staatschef  Pa- herrschende Politik und die Wirtschaftselite  pandreou gerade ein neues Sparpaket. des Landes sind kurz davor, den Euro-Tanker  zu  versenken.  Damit  verstoßen  sie  para- Merkel, Sarkozy und die anderen EU-Staa- doxerweise gegen eigene Interessen. tenlenker  lernen  aber  nicht  aus  ihren  Feh- lern. Ihre Politik ist komplett gescheitert. Die  Für  die  heimische  Exportindustrie,  die  Medizin der Troika fesselte die europäischen  Banken  und  Versicherungen  ist  die  Euro- Patienten  ans  Krankenbett.  Am  stärksten  Rettung  von  existenzieller  Bedeutung.  Ein  leidet  Griechenland.  Der  unglückliche  Pa- Zerfall des Währungsraums würde die preis- pandreou kürzte und strich, was der Rotstift  liche  Wettbewerbsfähigkeit  der  deutschen  hergab. In den letzten 25 Jahren sparte kein  Industrie  nachhaltig  schwächen.  Die  Auf- Land  so  radikal  wie  Athen.  Mit  fatalen  Fol- wertung eines Nord-Euro respektive der DM  gen:  Die  griechische  Wirtschaft  schrumpft,  würde  deutsche  Exportgüter  empfindlich  spw 3 | 2011
  • 2. ó ó ó Magazin verteuern. Die Folge wäre ein großer Verlust  Arbeitgeberverbände und Regierung feiern  an  Marktanteilen.  Die  deutsche  Wirtschaft  die  deutschen  Exporterfolge.  Sie  übersehen  exportiert  jährlich  Waren  im  Wert  von  100  aber  in  ihrer  beschränkten  einzel-  und  nati- Mrd. Euro nach Südeuropa. Doch damit nicht  onalwirtschaftlichen  Sicht  die  gesamtwirt- genug.  Der  heimische  Finanzsektor  müsste  schaftlichen  Folgen  ihres  Handelns  für  ganz  durch  einen  südeuropäischen  Zahlungsaus- Europa. Im sogenannten „Pakt für den Euro“  fall stark bluten. gehen  sie  sogar  so  weit,  den  europäischen  Defizitländern  zu  empfehlen,  der  deutschen  Warum  gelingt  es  den  Eliten  nicht  eine  Lohn- und Arbeitsmarktpolitik zu folgen. Da- Strategie  zu  entwickeln,  die  den  eigenen  bei übersehen sie, dass diese Strategie die De- Interessen  dient  und  die  Eurozone  rettet?  flationsgefahr  auf  dem  alten  Kontinent  nur  Die  Antwort  ist  komplex:  Erstens  sind  die  noch verschärft. deutschen  Eliten  Gefangene  ihres  einzel- wirtschaftlichen  Denkens  und  Handelns  Hinzu kommt, dass reine Kostensenkungs- sowie  des  daraus  abgeleiteten  neoliberalen  strategien und neoliberaler Umbau die ableh- Politikentwurfs.  Die  Eliten  halten  an  einer  nende  Haltung  der  deutschen  Bevölkerung  einseitigen Exportorientierung fest und ver- gegenüber  dem  Euro  verfestigt  haben.  Die  schärfen  dadurch  die  Ungleichgewichte  im  Lebenswirklichkeit vieler verschlechterte sich  Euroland. Zweitens verfolgt die herrschende  seitdem es den Euro gibt. Die Reallöhne sind  Politik bei der Bekämpfung der Staatsschul- gesunken.  Unsichere  Arbeitsverhältnisse  ha- den  eine  bornierte  nationalstaatliche  Stra- ben  zugenommen.  Die  Mehrheit  der  Deut- tegie, die den Problemen nicht gerecht wird.  schen möchte die DM wieder zurück. Die Ret- Und  drittens  bedient  die  schwarz-gelbe  Re- tungspakete  für  Athen,  Dublin  und  Lissabon  gierung einen Nationalpopulismus, der eine  stoßen auch deshalb auf große Ablehnung. europäische Lösung der Krise verhindert. Erschwerend  hinzu  kommt  eine  Renais- Doch  der  Reihe  nach:  Die  wirtschaftliche  sance  nationalstaatlicher  Politik.  Merkel,  Integration  Europas  stärkte  die  Macht  der  Westerwelle    Co  verweigern  sich  einer  eu- Unternehmen.  Im  grenzenlosen  Binnen- ropäischen  Strategie,  um  die  Schuldenkrise  markt konnte das Management mit dem Da- zu  überwinden.  Im  Europäischen  Haus  ist  moklesschwert der Standortverlagerung die  aus konservativ-liberaler Sicht jeder Nachbar  Löhne drücken, die Arbeitszeiten verlängern  für  sich  selbst  verantwortlich.  Beim  Aufbau  und  unsichere  Beschäftigungsverhältnisse  der  Rettungsschirme  -  EFSF  und  ESM  –  wur- durchsetzen.  Die Währungsunion  verschärf- den die Schulden der EU-Staaten nicht zu ge- te  den  Konkurrenzkampf  der  Unternehmen  meinsamen Schulden erklärt. Anstelle dessen  um Preise und Löhne. Des Weiteren drängten  wurden  individuelle  Kreditpakete  mit  spezi- Management  und  Arbeitgeberverbände  auf  fischen Sparauflagen geschnürt. Nun können  eine Politik der Deregulierung, Privatisierung,  die Finanzmärkte weiterhin gegen jeden ein- des Sozialabbaus und der Umverteilung von  zelnen Staat spekulieren. Es gibt unterschied- unten nach oben. Die so genannten Arbeits- liche Ratings und unterschiedliche Zinssätze.  markt-  und  Sozialreformen  schwächten  die  Ein  gemeinsames  europäisches  Vorgehen  gewerkschaftliche  Handlungsfähigkeit.  So  hätte  hingegen  die  Zinslast  der  Schuldner- wurden  die  deutschen  Lohnstückkosten  an  staaten  deutlich  senken  können.  Statt  über  die  Kette  gelegt.  Die  Exportüberschüsse  ex- eine  europäische  Wachstumsstrategie  die  plodierten.  Im  Süden  der  Eurozone  stiegen  Schulden mittelfristig abzubauen, haben die  hingegen die Handels- und Leistungsbilanz- überharten  nationalen  Sparstrategien  das  defizite. 42 8 spw 3 | 2011
  • 3. Magazin ó ó ó Wachstum abgewürgt und die Schuldenquo- gen  werden  jedoch  die  wirtschaftliche  Lage  ten noch einmal deutlich erhöht. Athens  verschlechtern.  Die  Deflationspolitik  führt in die Sackgasse. Das Wachstum ist zu  Darüber hinaus vergiften die bürgerlichen  gering, die Zinsen sind zu hoch und die not- Parteien  und  Medien  durch  einen  populisti- wendigen Primärüberschüsse – Haushaltsü- schen Nationalismus das politische Klima. Sie  berschuss vor Zinszahlungen - nicht realisier- schüren gezielt das Vorurteil vom deutschen  bar.  Für  Tilgung  und  Zinsen  aller  regulären  Zahlmeister Europas – oder in den Worten der  Kredite  benötigt  Griechenland  im  Jahr  2013  Kanzlern:  „Es  geht  auch  darum,  dass  man  in  einen Primärüberschuss von 16 Prozent. Sol- Ländern  wie  Griechenland,  Spanien,  Portu- len auch die 110 Mrd. Euro schweren Hilfskre- gal  nicht  früher  in  Rente  gehen  kann  als  in  dite bis 2017 getilgt werden, müsste der Pri- Deutschland, sondern dass alle sich auch ein  märüberschuss  sogar  30  Prozent  erreichen2.  wenig  gleich  anstrengen  -  das  ist  wichtig“.1  Dafür  bräuchte  Athen  aber  ein  nominales  Das Bild von den faulen und korrupten Grie- Wirtschaftswachstum  von  durchschnittlich  chen,  Portugiesen  und  Spaniern,  die  angeb- 3  Prozent.  Klar  ist,  dass  solch  hohe  Über- lich  jahrelang  über  ihre  Verhältnisse  lebten,  schüsse  selbst  mit  den  brutalsten  Sparpro- hat sich in den Köpfen festgesetzt. Die Schul- grammen und dem Verkauf des griechischen  denberge sind nach dieser Lesart das zwangs- „Tafelsilbers“  nicht  machbar  sind.  Was  für  läufige Ergebnis unsolider Haushaltsführung. Griechenland  gilt,  gilt  auch  für  die  anderen  Schuldnerstaaten. Die deutschen Eliten bringen sich auf diese  Weise  in  eine  fast  aussichtlose  Lage.  Einer- Wenn  weitere  Rettungspakete  politisch  seits  können  und  wollen  sie  den  Euro  nicht  nicht  mehr  durchsetzbar  sind,  könnte  der  opfern.  Andererseits  schadet  ihr  konkretes  Weg  der  Umschuldung  beschritten  werden.  Handeln den Schuldenländern. Anschließend  Die  Ökonomen  unterscheiden  zwischen  ei- müssen sie Hilfspakete schnüren, die sie der  ner  „weichen“  und  „harten“  Variante.  Bei  deutschen Öffentlichkeit kaum noch vermit- einer  weichen  Umschuldung  könnte  die Til- teln können. Jedes neue Rettungspaket wird  gung  regulärer  und  internationaler  Kredite  mit  immer  drakonischeren  Sparauflagen  bis  2020  respektive  2027  gestreckt  werden.  gespickt.  Diese  ökonomisch  schädlichen  Zu- Eine solche weiche Umschuldung würde je- taten  sind  die  beste  Garantie  für  das  Schei- doch  selbst  bei  einem  fünfprozentigen  no- tern.  Die  Abstände  zwischen  den  Rettungs- minalen Wachstum immer noch Primärüber- paketen werden immer kürzer. Und mit jeder  schüsse zwischen 5 und 12 Prozent erfordern.  Hilfsmaßnahme  schwindet  der  politische  Dies  ist  finanzpolitisch  nicht  darstellbar.  Le- Rückhalt  hüben  wie  drüben.  Es  ist  nur  eine  diglich in Kombination mit einer harten Um- Frage  der  Zeit  bis  ein  „Durchregieren“  nicht  schuldung  –  in  Form  eines  50  prozentigen  mehr möglich ist. Schuldenerlasses –, ergeben sich realistische  Überschussziele in Höhe von 3 bis 6 Prozent. Vier Wege, aber nur ein einziger Weg führt nach Ithaka Ähnlich  verhält  es  sich  mit  Portugal  und  Irland.  Auch  diese  Länder  stecken  in  der  Die  europäischen  Staatschefs  kaufen  mit  Schuldenfalle.  Ihr  Wachstum  schrumpfte  in  dem  sich  jetzt  abzeichnenden  Rettungspa- der  Krise  und  wird  in  den  nächsten  Jahren  ket  wieder  Zeit.  Die  verschärften  Sparaufla- kaum vom Fleck kommen. Die Zinshöhe liegt  1  „Merkel attackiert urlaubsfreudige Südeuropäer“, in: Spiegel Online Po- 2  Daten nach Heinz-Dieter Smeets: Ist Griechenland noch zu retten?, in:  litik, 7.Juni 2011-06-07 Wirtschaftsdienst, Nr. 5, 2010 spw 3 | 2011
  • 4. ó ó ó Magazin deutlich  über  der  Wachstumsrate.  Durch  Austritt  eines  einzelnen  Staates,  aber  auch  radikales  Sparen  können  die  notwendigen  einer  Staatengruppe.  Positiv  an  diesem  Haushaltsüberschüsse  nicht  erzwungen  Schritt  wäre,  dass  die  Staaten  ihre  interna- werden.  Folglich  wird  sich  der  Schuldenan- tionale  Wettbewerbsfähigkeit  durch  eine  stieg  beschleunigen.  Der  Ökonom  Hishow  Währungsabwertung  verbessern  könnten.  plädiert  deshalb  für   eine  EU-„Schenkung“  Diesem Vorteil stehen aber große Risiken ge- an  Lissabon,  Dublin  und  Athen  in  Höhe  von  genüber. Zunächst droht eine massive Kapi- 209  Mrd.  Euro.  Nur  so  könne  die  Insolvenz  talflucht. Zudem würden die Staatsschulden,  dieser Staaten vermieden werden3 . die in Euro notiert sind, abwertungsbedingt  erheblich  ansteigen.  Die  internationalen  Die  Berechnungen  sind  überzeugend.  Kapitalmärkte  würden  diesen  Staaten  nur  Wenig  befriedigend  ist  jedoch,  dass  die  Fol- noch  zu  Wucherzinsen  Kredite  gewähren.  gen  der  Umschuldung  nicht  ausreichend  Schon jetzt liegen die Zinsen für zweijährige  diskutiert  werden.  Ein  großes  Risiko  liegt  in  griechische  Anleihen  bei  mehr  als  20  Pro- der  Infektionsgefahr  anderer  Schuldenstaa- zent - für zehnjährige Anleihen bei mehr als  ten. Darüber hinaus drohen unkalkulierbare  15  Prozent.  Faktisch  wäre  dann  der  Zugang  Reaktionen  der  Finanzmärkte  auf  die  durch  zu  den  internationalen  Kapitalmärkten  ver- Kapitalverluste  gefährdeten  Banken.  Nach  sperrt.  Die  kriselnden  Staaten  müssten  ihre  neuesten  Angaben  der  Bank  für  Internati- Zahlungsunfähigkeit erklären und ein Schul- onalen  Zahlungsausgleich  waren  deutsche  denmoratorium verhängen. Banken  Ende  2010  mit  insgesamt  34  Mrd.  Euro in Griechenland engagiert, französische  Denkbar  ist  jedoch,  dass  die  Schulden- Geldhäuser gar mit 57 Mrd. Euro. staaten  anschließend  andere  Kreditgeber  finden – beispielsweise China oder Russland.  Auch das Institut für Makroökonomie und  Diese Finanziers würden aber nicht als reine  Konjunkturforschung  (IMK)  warnt  vor  den  Wohltäter  auftreten.  Die  neuen  Geldgeber  unkontrollierbaren  Folgen  einer  Umschul- müssten  schließlich  einkalkulieren,  dass  sie  dung.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  es  nur  ihr  Kapital  teilweise  verlieren.  Zudem  wäre  allzu verständlich, dass die Troika vor einem  die  Kreditvergabe  mit  einer  politischen  Ein- solchen  Schritt  (noch)  zurückschreckt.  Zu- flussnahme dieser Länder verbunden. dem  behandelt  ein  Schuldenschnitt  nicht  die Krisenursachen. Solange der Anleihezins  Die  Perspektiven  eines  Austritts  aus  der  über  der  Wachstumsrate  liegt,  stecken  die  Eurozone  sind  für  die  Schuldenstaaten  un- Krisenstaaten in der Schuldenfalle. Ein Schul- gewiss.  Kurzfristig  müssten  sich  die  Aus- denerlass durchbricht nicht den Teufelskreis  trittsländer  auf  eine  ökonomische  Verelen- aus  schrumpfendem  Wachstum  und  hoher  dung und massivste innenpolitische Kämpfe  Zinslast. einstellen.  Für  die  restlichen  Eurostaaten  wäre  der  Austritt  mit  einem  Schrumpfen  Da die herrschende Politik die wirtschaft- der  Exportmärkte  und  mit  einem  Verlust  liche  und  soziale  Lage  der  Schuldnerländer  von  Marktanteilen  verbunden.  Das  europä- weiter  verschlechtert,  wird  die  politische  ische  Bankensystem  würde  in  Lebensgefahr  Debatte  in  den  Krisenregionen  sich  zuneh- schweben.  Eine  Rekapitalisierung  mit  Steu- mend  auf  einen  möglichen  Austritt  aus  der  ergeld  wäre  unumgänglich.  Zudem  würde  Eurozone  konzentrieren.  Vorstellbar  ist  der  der  europäische  Integrationsprozess  um  Jahrzehnte  zurückgeworfen.  Alles  in  allem  3  Ognian N. Hishow: EU-Schuldenkrise – Schuldenmanagément und die  sollte ein Austritt aus der Eurozone tunlichst  Kosten, in: Wirtschaftsdienst, Nr. 3, 2011 vermieden werden. 42 0 spw 3 | 2011
  • 5. Magazin ó ó ó Athen  und  den  anderen  Schuldenstaa- drei Prozent sinken. Nach Berechnungen des  ten  hilft  jetzt  nur  noch  eine  neue  Wachs- IMK würde eine solche Zinssenkung die grie- tumsstrategie im Mix mit einer neuen Zins-  chische  Schuldenquote  bis  2015  um  40  Pro- und  Lohnpolitik.  Erforderlich  ist  zu  allererst  zentpunkte  auf  110  Prozent  reduzieren.  Die  eine  europäische  Strategie  für  qualitatives  schnelle  Einführung  von  Eurobonds  würde  Wachstum  und  Beschäftigung.  Wir  brau- die Finanzierungslasten der Schuldenstaaten  chen ein Investitions- und Entwicklungspro- zusätzlich senken. Darüber hinaus brauchen  gramm für Südeuropa. wir  Reformen  zur  Entkopplung  der  Staatsfi- nanzierung von den Kapitalmärkten. Eine solche Strategie sollte aus folgenden drei Elementen bestehen: Schließlich  braucht  die  Lohnpolitik  der  Mitgliedsstaaten einen Paradigmenwechsel.  ò  Einem europäischen  New Deal zur Ver- Diese ist europäisch so zu koordinieren, dass  besserung der europäischen Infrastruk- die  nationalen  Lohnzuwächse  im  Durch- tur  und  der  Umwelt.  Die  Finanzierung  schnitt  den  verteilungsneutralen  Spielraum  könnte  durch  europäische  Anleihen  ausschöpfen.  Damit  würden  lohnkostenbe- organisiert  werden.  Dieses  Programm  dingte Wettbewerbsverzerrungen vermieden  soll dem Abbau des Entwicklungsgefäl- und ein Beitrag zum Ausgleich der Leistungs- les  in  der  EU  und  der  Bekämpfung  der  bilanzen  geleistet.  Deutschland  müsste  in  Arbeitslosigkeit  (vor  allem  der  Jugend- der  Anfangszeit  eine  stark  expansive  Lohn- arbeitslosigkeit)  in  besonders  von  der  politik  betreiben,  um  die  Fehler  der Vergan- Krise betroffenen Ländern dienen (Spa- genheit zu korrigieren. Der Anpassungsdruck  nien, Griechenland, Irland, Portugal, den  läge  also  zu  Beginn  dieses  Politikwechsels  drei baltischen Staaten, Ungarn). bei  den  Überschussländern  und  nicht  bei  den Defizitländern. ò  Einer starken  Stimulierung der Binnen- nachfrage  in  den  Überschussländern.  Mit  Wachstum,  niedrigen  Zinsen  und  ei- Eine  Schlüsselrolle  fällt  hier  Deutsch- ner  verbesserten  außenwirtschaftlichen  land  zu.  Das  größte  Überschussland  Leistungsfähigkeit  können  die  Schulden- kann  durch  eine  Änderung  seiner  wirt- staaten  aus  der  Schuldenfalle  befreit  wer- schaftspolitischen  Strategie  helfen,  die  den.  Hierfür  braucht  es  einen  politischen  Defizite  der  Krisenländer   abzubauen.  Kurswechsel. Die Irrfahrten der Berliner und  Gleichzeitig  kann  Deutschland  einen  Brüsseler  Euro-Krisenpolitik  haben  großen  Beitrag  zur  Stimulierung  der  Konjunk- Schaden  angerichtet.  Das  Spardiktat  muss  tur  in  der  EU  leisten.  Notwendig  sind  jetzt  fallen.  Wenn  hierzulande  aber  weiter- hierfür eine expansivere Lohnpolitik, ein  hin der Stammtisch regiert, dann sind Athen,  Abbau  der  Schieflage  auf  dem  Arbeits- Lissabon  und  Madrid  bald  gezwungen  aus  markt  und  eine  Stärkung  öffentlicher  dem  Euro  auszusteigen  und  werden  ein  Investitionen. Schuldenmoratorium verkünden. Spätestens  dann wird aus der griechischen eine europä- ò  Eine  Beendigung  der  deflatorischen  ische Tragödie.  ó Austeritätspolitik  in  den  überdurch- schnittlich verschuldeten Ländern. û  Prof. Dr. Klaus Busch ist europapolitischer Berater der Gewerkschaft  Wachstum  allein  reicht  jedoch  nicht  aus.  Ver.di. Gleichzeitig  müssen  die  Zinsen  runter.  Der  û  Dr. Dierk Hirschel ist Bereichsleiter Wirtschaftspolitik, Europa, Inter- Zins  für  den  EU-Dispo  sollte  von  fünf  auf  nationales der Gewerkschaft Ver.di. spw 3 | 2011 1