SlideShare ist ein Scribd-Unternehmen logo
Sicherheit in Deutschland
Horrorvorstellung: Ein Einbrecher betritt das Haus. Sicherungstechnik kann davor schützen. Worauf man
achten sollte, erklärten die Experten beim RP-Forum. FOTO: THINKSTOCK/LUCKYBUSINESS
Die Angst vor Dieben
Gewalt,Raub,Diebstahl,
Einbrüche: Die aktuelle
Kriminalitätsstatistik
beunruhigt viele Men-
schen. Doch sie können
selbst etwas dazu bei-
tragen, sich sicherer zu
fühlen, zum Beispiel ihr
Hab und Gut besser si-
chern.
VON JÜRGEN GROSCHE
Die aktuelle Kriminalitätssta-
tistik, nach der die Zahl der
Wohnungseinbrüche in
Deutschland den höchsten
Stand seit der Jahrtausend-
wende erreicht hat, dürfte das
Sicherheitsgefühl der Men-
schen spiegeln. Beim RP-Wirt-
schaftsforum „Sicherheit in
Deutschland“ fächerte der
Düsseldorfer Polizeipräsident
Norbert Wesseler die Zahlen
auf: Wenn es 2015 bundesweit
gut 167.000 Einbrüche gab, wa-
ren es in Nordrhein-Westfalen
etwa 62.000, allein in Düssel-
dorf mehr als 3100.
Das Zahlenmaterial muss
man allerdings einordnen und
auswerten. Dann ergeben sich
durchaus interessante Er-
kenntnisse. Zum einen: In den
ersten Monaten dieses Jahres
sei im Vergleich zum entspre-
chenden Vorjahreszeitraum
ein Rückgang zu verzeichnen,
auch bei anderen Delikten wie
Raub, Diebstahl oder sexuelle
Gewalt. Das sei allerdings noch
keine stabile Trendwende,
räumt der Polizeipräsident in
seinem Vortrag ein.
Eine besondere Situation
findet man in Köln vor. Dort
führt eine hohe Polizeipräsenz
nach den Silvester-Vorfällen zu
einem allgemeinen Rückgang
der Kriminalitätszahlen. In
Düsseldorf sind seit einiger
Zeit an Wochenenden zusätz-
lich 40 Polizistinnen und Poli-
zisten unterwegs. Sie sprechen
auch mögliche Gefährder an.
Die Zahl der Taschendiebstäh-
le habe sich dadurch drastisch
reduziert, freut sich Wesseler.
Andere Phänomene führen zur
Besorgnis der Menschen, zum
Beispiel eine Raubserie in Düs-
seldorf. Dabei haben die Diebe
insbesondere älteren Frauen
aufgelauert und Halsketten ge-
raubt.
Wesseler bedauert zudem
die geringe Aufklärungsquote
beim Wohnungseinbruchs-
diebstahl, die in Düsseldorf bei
zehn Prozent liegt, in anderen
Städten bis zu 15 Prozent. Als
Ursachen nennt der Polizei-
präsident neben der Zunahme
bei der organisierten Krimina-
lität, hinter der internationale
Banden mit einer hoch spezia-
lisierten Vorgehensweise ste-
hen, auch ein anderes Täter-
verhalten. Man gebe nur noch
die Taten zu, die auch bewie-
sen werden können, während
sie früher eher gestanden wur-
den.
An dieser Stelle sieht Wesse-
ler auch die Justiz in der
Pflicht: „Man müsste darüber
nachdenken, wie man zu bes-
seren Abschreckungseffekten
kommt.“ Das Sanktionssystem
scheine überdenkenswert zu
sein. Warum müsse jemand
erst zwei oder drei Taten bege-
hen, bis er ins Gefängnis kom-
me, greift der Polizeipräsident
eine Frage auf, die sich auch
viele Bürger stellen.
Auch diese können etwas
dazu beitragen, die Sicherheit
zu erhöhen, zum Beispiel beim
Einbruchschutz. Die Polizei in-
formiert darüber in Beratungs-
stellen, doch viele kommen, so
Norbert Wesseler, erst, nach-
dem sie Opfer geworden sind.
Sicherungsmaßnahmen seien
sinnvoll und würden zudem
durch Kredite und Zuschüsse
gefördert, wirbt Wesseler. Im-
merhin habe der neue Ein-
bruchsradar, der regelmäßig
Fälle auflistet, die Sensibilität
erhöht und dazu geführt, dass
sich mehr Menschen fragen,
ob und wie sie ihr Haus oder
ihre Wohnung besser sichern
können.
Insgesamt sollte die Wert-
schätzung für das Thema Si-
cherheit steigen, fordert der
Polizeipräsident. Nicht akzep-
tabel sei es, wenn Helfer ange-
pöbelt, behindert und be-
schimpft werden. Die Polizei
sehe ihre Aufgabe darin, „Sor-
ge zu tragen, dass die Men-
schen ruhig schlafen können“.
Die Beamten würden sich freu-
en, wenn man ihnen auch ein-
mal einen Dank für ihre Arbeit
ausspricht.
Sicherungstechnik
hält Einbrecher fern
und bei der Polizei zum Bei-
spiel für Schulungen, sagt Be-
cker.
In der Wirkung gehe Mecha-
nik vor Überwachung betont
Ulrich Weynell (International
Security Network). „Mechani-
sche Sicherheitssysteme hal-
ten Eindringlinge außen vor
und schützen die Privatsphäre,
die in der Regel kaum wieder
herstellbar ist. Elektronische
Überwachung meldet, was ge-
schieht, und lässt die Zeit ge-
gen die Täter arbeiten. Aller-
dings müssen sogenannte
Falschalarme verhindert wer-
den, um einerseits die Polizei
und Sicherheitskräfte zu ent-
lasten und andererseits die Ak-
zeptanz sowohl bei den Ord-
nungsbehörden als vor allen
Dingen auch bei den Kunden
herbeizuführen. Darum ist
eine Aufschaltung auf eine zer-
tifizierte Sicherheitszentrale
unentbehrlich, da dort eine Vi-
deoverifikation oder auch
Bildauswertung durchgeführt
wird, die es erlaubt, danach die
Polizei ohne Zeitverzögerung
unter Ausschluss besagter
Falschalarme mit den notwen-
digen Informationen zu ver-
sorgen.“ Auch Weynell beklagt
in Teilen eine zu liberale Ge-
setzgebung, so dass gefasste
Täter oft wieder freigelassen
werden müssen.
Torsten Knopf (Gölzner) ver-
weist auf einen statistischen
Effekt, der sich in den Zahlen
steigender Einbrüche verbirgt:
Die Kriminalitätsstatistik weist
alle Eingriffe aus – gelungene
Einbrüche ebenso wie die Ver-
suche. Annähernd die Hälfte
scheitere an den technischen
Sicherungssytemen. Aller-
dings versuchen es die Täter
dann an anderer Stelle - und
damit steigen die Zahlen. „Die-
se Zusammenhänge müssen
wir noch mehr bewusst ma-
chen“, sagt Knopf, der zudem
in Smart-Home-Systemen,
etwa Apps für Einbrüche, nur
eine „Pseudo-Sicherheit“
sieht.
Der frühere Präsident des
Bundeskriminalamtes Jörg
Ziercke bestätigt den statisti-
schen Effekt: „Je mehr man für
die Sicherung tut, desto höher
die Zahlen: Wenn ein Täter
nach zehn Sekunden den tech-
nischen Widerstand nicht ge-
brochen hat, geht er zum
nächsten Haus.“ Die geschei-
terten Versuche machen deut-
lich mehr als 40 Prozent aus,
die Zahl der vollendeten Taten
gehe hingegen tatsächlich zu-
rück. Die Aufklärungsquote sei
auch deshalb niedrig, weil ge-
fassten Serientätern zwar eini-
ge Taten nachgewiesen werden
können, aber nicht alle.
Die Zahl der Einbruchsver-
suche steige, bestätigt auch der
Düsseldorfer Polizeipräsident
Norbert Wesseler – eben auch
wegen der gescheiterten Ver-
suche, die die Täter zum
nächsten Objekt führen. Wes-
seler ermutigt die Menschen,
sich an die Polizei zu wenden.
Man lasse sich allmählich
mehr beraten, aber nach wie
vor gebe es zu wenig Hinweise
aus der Bevölkerung über ver-
dächtige Beobachtungen. Vie-
le würden sich nicht trauen,
Verdächtiges zu melden. Die
Polizei würde jedem Hinweis
auch nachgehen.
Uwe Gerstenberg (consul-
ting plus Beratung) ergänzt,
das Gefahrenpotenzial in
Deutschland werde durch den
Kriminalitätstourismus weiter
ansteigen, „diese Täter haben
keine Skrupel und gehen im-
mer gleich vor: Erst kommen
die Späher und danach die Tä-
ter, die in der Nacht auch mal
eine ganzen Stadtteil heimsu-
chen. Am Ende kommt es auf
die eigene Wachsamkeit und
gute Nachbarschaft an. Jeder
Bürger ist aufgefordert selbst
etwas für seinen Schutz zu
tun.“
Neben den physischen Ein-
brüchen stellen auch die digi-
talen eine zunehmende Bedro-
hung dar, fügte Abdou Naby
Diaw (Vodafone) hinzu. „Die-
ses Thema wird uns zuneh-
mend betreffen.“ Auch hier
könne die Technik dazu beitra-
gen, Systeme sicherer zu ma-
chen.
Wenn die Statistik stei-
gende Einbruchszahlen
ausweist, verbirgt sich
dahinter ein interessan-
ter Effekt: Die Zahlen
steigen auch wegen ei-
ner Zunahme geschei-
terter Versuche. Die Tä-
ter ziehen dann weiter
zum nächsten Objekt,
erklären Sicherheitsex-
perten.
STATISTISCHE EFFEKTE
VON JÜRGEN GROSCHE
Schnell wird auf die Polizei ge-
zeigt, wenn die Kriminalitäts-
statistik beunruhigende Ent-
wicklungen offenbart. Sicher-
heitsexperten warnen beim
RP-Wirtschaftsforum „Sicher-
heit in Deutschland“ vor ein-
seitigen Schuldzuweisungen.
„Die Polizei kann nicht alles re-
geln. Die Menschen haben
auch eine Eigenverantwor-
tung“, betont zum Beispiel
Manfred Buhl (Securitas). Er
beklagt eine „Versicherungs-
mentalität“, die von eben die-
ser Eigenverantwortung ablen-
ke.
Der Vermögenspsychologe
Prof. Thomas Druyen verweist
in dem Zusammenhang auf
neuronale Ursachen für die
spontanen Schuldzuweisun-
gen nach dem Motto „immer
die anderen“, die indes das Kli-
ma verschlechtern. Druyen
macht für die Lage aber auch
eine generelle Orientierungs-
losigkeit verantwortlich, die zu
einer Konzentration auf die ei-
genen Belange führe. „Hier
sind bessere psychologische
Deutungen nötig, wenn man
die Welt verändern will.“
Zudem sei eine bessere Auf-
klärung nötig, fügt Dr. Thomas
Becker (Abus) hinzu: „Es gibt
Möglichkeiten und technische
Produkte, um sich wirksam zu
schützen und Einbrecher
draußen zu halten.“ Viele glau-
ben, so Becker, ausreichend
geschützt zu sein – bis dann
plötzlich ein Eindringling im
Raum steht. „Dann ist es zu
spät.“ Die Hersteller von Si-
cherheitsprodukten brauchen
allerdings Partner im Handel
„Am Ende kommt
es auf die eigene
Wachsamkeit
und gute
Nachbarschaft an“
Sicherheit – ein hohes Gut, das es
zu schützen gilt.
FOTO: THINKSTOCK/NAYPONG
GA-SV07
E7RHEINISCHEPOST
FREITAG, 17. JUNI 2016

Weitere ähnliche Inhalte

Empfohlen

Artificial Intelligence, Data and Competition – SCHREPEL – June 2024 OECD dis...
Artificial Intelligence, Data and Competition – SCHREPEL – June 2024 OECD dis...Artificial Intelligence, Data and Competition – SCHREPEL – June 2024 OECD dis...
Artificial Intelligence, Data and Competition – SCHREPEL – June 2024 OECD dis...
OECD Directorate for Financial and Enterprise Affairs
 
How to Leverage AI to Boost Employee Wellness - Lydia Di Francesco - SocialHR...
How to Leverage AI to Boost Employee Wellness - Lydia Di Francesco - SocialHR...How to Leverage AI to Boost Employee Wellness - Lydia Di Francesco - SocialHR...
How to Leverage AI to Boost Employee Wellness - Lydia Di Francesco - SocialHR...
SocialHRCamp
 
2024 State of Marketing Report – by Hubspot
2024 State of Marketing Report – by Hubspot2024 State of Marketing Report – by Hubspot
2024 State of Marketing Report – by Hubspot
Marius Sescu
 
Everything You Need To Know About ChatGPT
Everything You Need To Know About ChatGPTEverything You Need To Know About ChatGPT
Everything You Need To Know About ChatGPT
Expeed Software
 
Product Design Trends in 2024 | Teenage Engineerings
Product Design Trends in 2024 | Teenage EngineeringsProduct Design Trends in 2024 | Teenage Engineerings
Product Design Trends in 2024 | Teenage Engineerings
Pixeldarts
 
How Race, Age and Gender Shape Attitudes Towards Mental Health
How Race, Age and Gender Shape Attitudes Towards Mental HealthHow Race, Age and Gender Shape Attitudes Towards Mental Health
How Race, Age and Gender Shape Attitudes Towards Mental Health
ThinkNow
 
AI Trends in Creative Operations 2024 by Artwork Flow.pdf
AI Trends in Creative Operations 2024 by Artwork Flow.pdfAI Trends in Creative Operations 2024 by Artwork Flow.pdf
AI Trends in Creative Operations 2024 by Artwork Flow.pdf
marketingartwork
 
Skeleton Culture Code
Skeleton Culture CodeSkeleton Culture Code
Skeleton Culture Code
Skeleton Technologies
 
PEPSICO Presentation to CAGNY Conference Feb 2024
PEPSICO Presentation to CAGNY Conference Feb 2024PEPSICO Presentation to CAGNY Conference Feb 2024
PEPSICO Presentation to CAGNY Conference Feb 2024
Neil Kimberley
 
Content Methodology: A Best Practices Report (Webinar)
Content Methodology: A Best Practices Report (Webinar)Content Methodology: A Best Practices Report (Webinar)
Content Methodology: A Best Practices Report (Webinar)
contently
 
How to Prepare For a Successful Job Search for 2024
How to Prepare For a Successful Job Search for 2024How to Prepare For a Successful Job Search for 2024
How to Prepare For a Successful Job Search for 2024
Albert Qian
 
Social Media Marketing Trends 2024 // The Global Indie Insights
Social Media Marketing Trends 2024 // The Global Indie InsightsSocial Media Marketing Trends 2024 // The Global Indie Insights
Social Media Marketing Trends 2024 // The Global Indie Insights
Kurio // The Social Media Age(ncy)
 
Trends In Paid Search: Navigating The Digital Landscape In 2024
Trends In Paid Search: Navigating The Digital Landscape In 2024Trends In Paid Search: Navigating The Digital Landscape In 2024
Trends In Paid Search: Navigating The Digital Landscape In 2024
Search Engine Journal
 
5 Public speaking tips from TED - Visualized summary
5 Public speaking tips from TED - Visualized summary5 Public speaking tips from TED - Visualized summary
5 Public speaking tips from TED - Visualized summary
SpeakerHub
 
ChatGPT and the Future of Work - Clark Boyd
ChatGPT and the Future of Work - Clark Boyd ChatGPT and the Future of Work - Clark Boyd
ChatGPT and the Future of Work - Clark Boyd
Clark Boyd
 
Getting into the tech field. what next
Getting into the tech field. what next Getting into the tech field. what next
Getting into the tech field. what next
Tessa Mero
 
Google's Just Not That Into You: Understanding Core Updates & Search Intent
Google's Just Not That Into You: Understanding Core Updates & Search IntentGoogle's Just Not That Into You: Understanding Core Updates & Search Intent
Google's Just Not That Into You: Understanding Core Updates & Search Intent
Lily Ray
 
How to have difficult conversations
How to have difficult conversations How to have difficult conversations
How to have difficult conversations
Rajiv Jayarajah, MAppComm, ACC
 
Introduction to Data Science
Introduction to Data ScienceIntroduction to Data Science
Introduction to Data Science
Christy Abraham Joy
 
Time Management & Productivity - Best Practices
Time Management & Productivity -  Best PracticesTime Management & Productivity -  Best Practices
Time Management & Productivity - Best Practices
Vit Horky
 

Empfohlen (20)

Artificial Intelligence, Data and Competition – SCHREPEL – June 2024 OECD dis...
Artificial Intelligence, Data and Competition – SCHREPEL – June 2024 OECD dis...Artificial Intelligence, Data and Competition – SCHREPEL – June 2024 OECD dis...
Artificial Intelligence, Data and Competition – SCHREPEL – June 2024 OECD dis...
 
How to Leverage AI to Boost Employee Wellness - Lydia Di Francesco - SocialHR...
How to Leverage AI to Boost Employee Wellness - Lydia Di Francesco - SocialHR...How to Leverage AI to Boost Employee Wellness - Lydia Di Francesco - SocialHR...
How to Leverage AI to Boost Employee Wellness - Lydia Di Francesco - SocialHR...
 
2024 State of Marketing Report – by Hubspot
2024 State of Marketing Report – by Hubspot2024 State of Marketing Report – by Hubspot
2024 State of Marketing Report – by Hubspot
 
Everything You Need To Know About ChatGPT
Everything You Need To Know About ChatGPTEverything You Need To Know About ChatGPT
Everything You Need To Know About ChatGPT
 
Product Design Trends in 2024 | Teenage Engineerings
Product Design Trends in 2024 | Teenage EngineeringsProduct Design Trends in 2024 | Teenage Engineerings
Product Design Trends in 2024 | Teenage Engineerings
 
How Race, Age and Gender Shape Attitudes Towards Mental Health
How Race, Age and Gender Shape Attitudes Towards Mental HealthHow Race, Age and Gender Shape Attitudes Towards Mental Health
How Race, Age and Gender Shape Attitudes Towards Mental Health
 
AI Trends in Creative Operations 2024 by Artwork Flow.pdf
AI Trends in Creative Operations 2024 by Artwork Flow.pdfAI Trends in Creative Operations 2024 by Artwork Flow.pdf
AI Trends in Creative Operations 2024 by Artwork Flow.pdf
 
Skeleton Culture Code
Skeleton Culture CodeSkeleton Culture Code
Skeleton Culture Code
 
PEPSICO Presentation to CAGNY Conference Feb 2024
PEPSICO Presentation to CAGNY Conference Feb 2024PEPSICO Presentation to CAGNY Conference Feb 2024
PEPSICO Presentation to CAGNY Conference Feb 2024
 
Content Methodology: A Best Practices Report (Webinar)
Content Methodology: A Best Practices Report (Webinar)Content Methodology: A Best Practices Report (Webinar)
Content Methodology: A Best Practices Report (Webinar)
 
How to Prepare For a Successful Job Search for 2024
How to Prepare For a Successful Job Search for 2024How to Prepare For a Successful Job Search for 2024
How to Prepare For a Successful Job Search for 2024
 
Social Media Marketing Trends 2024 // The Global Indie Insights
Social Media Marketing Trends 2024 // The Global Indie InsightsSocial Media Marketing Trends 2024 // The Global Indie Insights
Social Media Marketing Trends 2024 // The Global Indie Insights
 
Trends In Paid Search: Navigating The Digital Landscape In 2024
Trends In Paid Search: Navigating The Digital Landscape In 2024Trends In Paid Search: Navigating The Digital Landscape In 2024
Trends In Paid Search: Navigating The Digital Landscape In 2024
 
5 Public speaking tips from TED - Visualized summary
5 Public speaking tips from TED - Visualized summary5 Public speaking tips from TED - Visualized summary
5 Public speaking tips from TED - Visualized summary
 
ChatGPT and the Future of Work - Clark Boyd
ChatGPT and the Future of Work - Clark Boyd ChatGPT and the Future of Work - Clark Boyd
ChatGPT and the Future of Work - Clark Boyd
 
Getting into the tech field. what next
Getting into the tech field. what next Getting into the tech field. what next
Getting into the tech field. what next
 
Google's Just Not That Into You: Understanding Core Updates & Search Intent
Google's Just Not That Into You: Understanding Core Updates & Search IntentGoogle's Just Not That Into You: Understanding Core Updates & Search Intent
Google's Just Not That Into You: Understanding Core Updates & Search Intent
 
How to have difficult conversations
How to have difficult conversations How to have difficult conversations
How to have difficult conversations
 
Introduction to Data Science
Introduction to Data ScienceIntroduction to Data Science
Introduction to Data Science
 
Time Management & Productivity - Best Practices
Time Management & Productivity -  Best PracticesTime Management & Productivity -  Best Practices
Time Management & Productivity - Best Practices
 

Sicherungstechnik hält Einbrecher fern

  • 1. Sicherheit in Deutschland Horrorvorstellung: Ein Einbrecher betritt das Haus. Sicherungstechnik kann davor schützen. Worauf man achten sollte, erklärten die Experten beim RP-Forum. FOTO: THINKSTOCK/LUCKYBUSINESS Die Angst vor Dieben Gewalt,Raub,Diebstahl, Einbrüche: Die aktuelle Kriminalitätsstatistik beunruhigt viele Men- schen. Doch sie können selbst etwas dazu bei- tragen, sich sicherer zu fühlen, zum Beispiel ihr Hab und Gut besser si- chern. VON JÜRGEN GROSCHE Die aktuelle Kriminalitätssta- tistik, nach der die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland den höchsten Stand seit der Jahrtausend- wende erreicht hat, dürfte das Sicherheitsgefühl der Men- schen spiegeln. Beim RP-Wirt- schaftsforum „Sicherheit in Deutschland“ fächerte der Düsseldorfer Polizeipräsident Norbert Wesseler die Zahlen auf: Wenn es 2015 bundesweit gut 167.000 Einbrüche gab, wa- ren es in Nordrhein-Westfalen etwa 62.000, allein in Düssel- dorf mehr als 3100. Das Zahlenmaterial muss man allerdings einordnen und auswerten. Dann ergeben sich durchaus interessante Er- kenntnisse. Zum einen: In den ersten Monaten dieses Jahres sei im Vergleich zum entspre- chenden Vorjahreszeitraum ein Rückgang zu verzeichnen, auch bei anderen Delikten wie Raub, Diebstahl oder sexuelle Gewalt. Das sei allerdings noch keine stabile Trendwende, räumt der Polizeipräsident in seinem Vortrag ein. Eine besondere Situation findet man in Köln vor. Dort führt eine hohe Polizeipräsenz nach den Silvester-Vorfällen zu einem allgemeinen Rückgang der Kriminalitätszahlen. In Düsseldorf sind seit einiger Zeit an Wochenenden zusätz- lich 40 Polizistinnen und Poli- zisten unterwegs. Sie sprechen auch mögliche Gefährder an. Die Zahl der Taschendiebstäh- le habe sich dadurch drastisch reduziert, freut sich Wesseler. Andere Phänomene führen zur Besorgnis der Menschen, zum Beispiel eine Raubserie in Düs- seldorf. Dabei haben die Diebe insbesondere älteren Frauen aufgelauert und Halsketten ge- raubt. Wesseler bedauert zudem die geringe Aufklärungsquote beim Wohnungseinbruchs- diebstahl, die in Düsseldorf bei zehn Prozent liegt, in anderen Städten bis zu 15 Prozent. Als Ursachen nennt der Polizei- präsident neben der Zunahme bei der organisierten Krimina- lität, hinter der internationale Banden mit einer hoch spezia- lisierten Vorgehensweise ste- hen, auch ein anderes Täter- verhalten. Man gebe nur noch die Taten zu, die auch bewie- sen werden können, während sie früher eher gestanden wur- den. An dieser Stelle sieht Wesse- ler auch die Justiz in der Pflicht: „Man müsste darüber nachdenken, wie man zu bes- seren Abschreckungseffekten kommt.“ Das Sanktionssystem scheine überdenkenswert zu sein. Warum müsse jemand erst zwei oder drei Taten bege- hen, bis er ins Gefängnis kom- me, greift der Polizeipräsident eine Frage auf, die sich auch viele Bürger stellen. Auch diese können etwas dazu beitragen, die Sicherheit zu erhöhen, zum Beispiel beim Einbruchschutz. Die Polizei in- formiert darüber in Beratungs- stellen, doch viele kommen, so Norbert Wesseler, erst, nach- dem sie Opfer geworden sind. Sicherungsmaßnahmen seien sinnvoll und würden zudem durch Kredite und Zuschüsse gefördert, wirbt Wesseler. Im- merhin habe der neue Ein- bruchsradar, der regelmäßig Fälle auflistet, die Sensibilität erhöht und dazu geführt, dass sich mehr Menschen fragen, ob und wie sie ihr Haus oder ihre Wohnung besser sichern können. Insgesamt sollte die Wert- schätzung für das Thema Si- cherheit steigen, fordert der Polizeipräsident. Nicht akzep- tabel sei es, wenn Helfer ange- pöbelt, behindert und be- schimpft werden. Die Polizei sehe ihre Aufgabe darin, „Sor- ge zu tragen, dass die Men- schen ruhig schlafen können“. Die Beamten würden sich freu- en, wenn man ihnen auch ein- mal einen Dank für ihre Arbeit ausspricht. Sicherungstechnik hält Einbrecher fern und bei der Polizei zum Bei- spiel für Schulungen, sagt Be- cker. In der Wirkung gehe Mecha- nik vor Überwachung betont Ulrich Weynell (International Security Network). „Mechani- sche Sicherheitssysteme hal- ten Eindringlinge außen vor und schützen die Privatsphäre, die in der Regel kaum wieder herstellbar ist. Elektronische Überwachung meldet, was ge- schieht, und lässt die Zeit ge- gen die Täter arbeiten. Aller- dings müssen sogenannte Falschalarme verhindert wer- den, um einerseits die Polizei und Sicherheitskräfte zu ent- lasten und andererseits die Ak- zeptanz sowohl bei den Ord- nungsbehörden als vor allen Dingen auch bei den Kunden herbeizuführen. Darum ist eine Aufschaltung auf eine zer- tifizierte Sicherheitszentrale unentbehrlich, da dort eine Vi- deoverifikation oder auch Bildauswertung durchgeführt wird, die es erlaubt, danach die Polizei ohne Zeitverzögerung unter Ausschluss besagter Falschalarme mit den notwen- digen Informationen zu ver- sorgen.“ Auch Weynell beklagt in Teilen eine zu liberale Ge- setzgebung, so dass gefasste Täter oft wieder freigelassen werden müssen. Torsten Knopf (Gölzner) ver- weist auf einen statistischen Effekt, der sich in den Zahlen steigender Einbrüche verbirgt: Die Kriminalitätsstatistik weist alle Eingriffe aus – gelungene Einbrüche ebenso wie die Ver- suche. Annähernd die Hälfte scheitere an den technischen Sicherungssytemen. Aller- dings versuchen es die Täter dann an anderer Stelle - und damit steigen die Zahlen. „Die- se Zusammenhänge müssen wir noch mehr bewusst ma- chen“, sagt Knopf, der zudem in Smart-Home-Systemen, etwa Apps für Einbrüche, nur eine „Pseudo-Sicherheit“ sieht. Der frühere Präsident des Bundeskriminalamtes Jörg Ziercke bestätigt den statisti- schen Effekt: „Je mehr man für die Sicherung tut, desto höher die Zahlen: Wenn ein Täter nach zehn Sekunden den tech- nischen Widerstand nicht ge- brochen hat, geht er zum nächsten Haus.“ Die geschei- terten Versuche machen deut- lich mehr als 40 Prozent aus, die Zahl der vollendeten Taten gehe hingegen tatsächlich zu- rück. Die Aufklärungsquote sei auch deshalb niedrig, weil ge- fassten Serientätern zwar eini- ge Taten nachgewiesen werden können, aber nicht alle. Die Zahl der Einbruchsver- suche steige, bestätigt auch der Düsseldorfer Polizeipräsident Norbert Wesseler – eben auch wegen der gescheiterten Ver- suche, die die Täter zum nächsten Objekt führen. Wes- seler ermutigt die Menschen, sich an die Polizei zu wenden. Man lasse sich allmählich mehr beraten, aber nach wie vor gebe es zu wenig Hinweise aus der Bevölkerung über ver- dächtige Beobachtungen. Vie- le würden sich nicht trauen, Verdächtiges zu melden. Die Polizei würde jedem Hinweis auch nachgehen. Uwe Gerstenberg (consul- ting plus Beratung) ergänzt, das Gefahrenpotenzial in Deutschland werde durch den Kriminalitätstourismus weiter ansteigen, „diese Täter haben keine Skrupel und gehen im- mer gleich vor: Erst kommen die Späher und danach die Tä- ter, die in der Nacht auch mal eine ganzen Stadtteil heimsu- chen. Am Ende kommt es auf die eigene Wachsamkeit und gute Nachbarschaft an. Jeder Bürger ist aufgefordert selbst etwas für seinen Schutz zu tun.“ Neben den physischen Ein- brüchen stellen auch die digi- talen eine zunehmende Bedro- hung dar, fügte Abdou Naby Diaw (Vodafone) hinzu. „Die- ses Thema wird uns zuneh- mend betreffen.“ Auch hier könne die Technik dazu beitra- gen, Systeme sicherer zu ma- chen. Wenn die Statistik stei- gende Einbruchszahlen ausweist, verbirgt sich dahinter ein interessan- ter Effekt: Die Zahlen steigen auch wegen ei- ner Zunahme geschei- terter Versuche. Die Tä- ter ziehen dann weiter zum nächsten Objekt, erklären Sicherheitsex- perten. STATISTISCHE EFFEKTE VON JÜRGEN GROSCHE Schnell wird auf die Polizei ge- zeigt, wenn die Kriminalitäts- statistik beunruhigende Ent- wicklungen offenbart. Sicher- heitsexperten warnen beim RP-Wirtschaftsforum „Sicher- heit in Deutschland“ vor ein- seitigen Schuldzuweisungen. „Die Polizei kann nicht alles re- geln. Die Menschen haben auch eine Eigenverantwor- tung“, betont zum Beispiel Manfred Buhl (Securitas). Er beklagt eine „Versicherungs- mentalität“, die von eben die- ser Eigenverantwortung ablen- ke. Der Vermögenspsychologe Prof. Thomas Druyen verweist in dem Zusammenhang auf neuronale Ursachen für die spontanen Schuldzuweisun- gen nach dem Motto „immer die anderen“, die indes das Kli- ma verschlechtern. Druyen macht für die Lage aber auch eine generelle Orientierungs- losigkeit verantwortlich, die zu einer Konzentration auf die ei- genen Belange führe. „Hier sind bessere psychologische Deutungen nötig, wenn man die Welt verändern will.“ Zudem sei eine bessere Auf- klärung nötig, fügt Dr. Thomas Becker (Abus) hinzu: „Es gibt Möglichkeiten und technische Produkte, um sich wirksam zu schützen und Einbrecher draußen zu halten.“ Viele glau- ben, so Becker, ausreichend geschützt zu sein – bis dann plötzlich ein Eindringling im Raum steht. „Dann ist es zu spät.“ Die Hersteller von Si- cherheitsprodukten brauchen allerdings Partner im Handel „Am Ende kommt es auf die eigene Wachsamkeit und gute Nachbarschaft an“ Sicherheit – ein hohes Gut, das es zu schützen gilt. FOTO: THINKSTOCK/NAYPONG GA-SV07 E7RHEINISCHEPOST FREITAG, 17. JUNI 2016