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Pressemitteilung zur Spielplanpräsentation am 16. April 2010



Eine gute Zeit für die Kunst
Theater Heilbronn begibt sich 2010/2011 mit seinen Inszenierungen
ins gesellschaftliche Spannungsfeld zwischen Krise und Aufbruch


Das Theater Heilbronn begibt sich in der Spielzeit 2010/2011 mitten hinein in das
Spannungsfeld aus Krise und Umbruch, in dem sich unsere Gesellschaft gegenwärtig
befindet. Die Zeit ist reif für Veränderungen. Ein guter Moment für die Kunst!

26 Inszenierungen, darunter eine Uraufführung, vier ungewöhnliche Theaterprojekte und
die dritte Auflage des Festivals „Tanz! Heilbronn“ sind geplant. Das Spielzeitmotto
„Existenzen und Projektionen“ steht dabei für die Kluft zwischen Wirklichkeit und Wunsch,
realen gesellschaftlichen Verhältnissen und Utopien. Das Theater befragt auf seine ganz
besondere, sinnliche Weise sehr unterschiedliche Lebensentwürfe zwischen den Extremen.
Und während die großen Tragödien eher ein pessimistisches Bild entwerfen, in dem
höchstens kleine Hoffnungsschimmer aufglimmen, sind es die Komödien und Grotesken,
die mit fröhlichen Alternativen aufwarten und augenzwinkernd Auswege aufzeigen.

Eröffnungswochenende am 24. und 25. September 2010

Eröffnet wird die Spielzeit am 24. September 2010 mit Henrik Ibsens reifem Werk „John
Gabriel Borkman“, der Tragödie einer Bankiersfamilie. Borkman hatte Gelder seiner Anleger
veruntreut, eine Riesenpleite verursacht und damit das Leben der Bankkunden und das
seiner Familie ruiniert. Jahrelang war eine dicke, eisige Schicht des Schweigens darüber
gewachsen, die eines Tages brachial wieder aufbricht.
Am 25. September heißt es im Komödienhaus mit Dario Fo „Bezahlt wird nicht!“. Weil die
Frauen die ständigen Preistreibereien satt haben, plündern sie den Supermarkt ohne zu
bezahlen. Das müssen sie sowohl vor der Polizei, als auch vor ihren rechtschaffenden
Ehemännern verbergen und starten die absurdesten Unternehmungen, um das Diebesgut zu
verstecken. Der Nobelpreisträger Dario Fo hat seinen Klassiker aus dem Jahr 1974
angesichts der Finanzkrise 2009 neu überarbeitet.

Großes Haus

Auch in der nächsten Produktion im Großen Haus schlägt die Ohnmacht der „kleinen“
Leute um in produktive Wut und Tatendrang: „Ladies Night“ von Stephen Sinclair und
Anthony McCarten stellt ein paar Männer unterschiedlichen Alters vor, deren Firmen dicht
gemacht und sie auf die Straße gesetzt haben. Das Selbstbewusstsein ist im Keller, ihre
Frauen verdienen jetzt das Geld und amüsieren sich außerdem noch bei Auftritten der
Chippendales. Doch dann beschließen die Männer, was die aalglatten Muskelprotze
können, das können sie schon lange. Mit Tanztraining und ihrer ganz speziellen
Problemzonengymnastik bereiten sie sich auf ihren ganz großen Auftritt vor.
Im Kinderstück zur Weihnachtszeit Michael Endes „Der satanarchäolügenialkohöllische
Wunschpunsch“ sind es auch die Kleinen und Schwachen, nämlich Kater und Rabe, die den
scheinbar Großen, Zauberer und Hexe, Einhalt bei ihren bösen Taten gebieten.
Außerdem stehen zwei große Klassiker auf dem Programm. Die Inszenierungen von Schillers
„Maria Stuart“ und Shakespeares „Hamlet“ bieten mit den Tragödien gekrönter Häupter
reichlich Stoff für die Auseinandersetzung um Macht und Gesellschaft.
 Rebekka Kricheldorfs „Villa Dolorosa“, ein Stück von 2009, das mit den Motiven von
Anton Tschechows „Drei Schwestern“ spielt, fragt nach dem Platz der jungen Generation in
unserer Zeit. Deren Vertreterinnen stehen zumindest in diesem Stück alle Wege offen. Doch
vor lauter Flucht in die Vorstellungen darüber, wie das eigene Leben sein müsste und wie es
auf keinen Fall sein darf, kommen sie keinen Schritt vorwärts. Im Februar 2010 erhielt
Kricheldorf dafür den „Kasseler Förderpreis für Komische Literatur“.

2010/2011 stehen darüber hinaus zwei ganz besondere Inszenierungen im Großen Haus auf
dem Programm, die übliche Theaterformate sprengen. „White“ führt ins Umbruchsjahr
1968 und fragt, was die Beatles dazu zu sagen hatten. Grundlage dieses Abends ist deren
legendäres „Weißes Album“, das popmusikalische Dokument jenes Jahres, das in seiner
Vielgestaltigkeit den antagonistischen Zeitgeist widerspiegelt.
Mit „Exit Europa – Requiem für einen Kontinent“ kommt eine große musikalisch-literarische
Collage auf die Bühne des Großen Hauses, die in Texten und Musik der abendländischen
Kultur nach den Perspektiven für das westliche Europa sucht.


Komödienhaus

Aberwitziges Grauen, das sich hinter einer scheinbar friedlichen kleinbürgerlichen Fassade
verbirgt, wird das Publikum im Komödienhaus bestens unterhalten. In „Arsen und
Spitzenhäubchen“ von Joseph Kesselring sind es zwei liebenswürdige Damen, die im
wahrsten Sinne des Wortes Leichen im Keller haben. In „Gatte gegrillt“ von Debbie Isitt
beschließt eine betrogene Ehefrau, die Untreue ihres Mannes auf besonders bizarre Weise
zu rächen. Und im Musical „King Kong“ nach dem gleichnamigen berühmten Kinofilm lässt
einem ein monströser Riesenaffe die Nackenhaare zu Berge stehen.


Kammerspiele

Grundsätzlichere, philosophische Töne schlagen die Inszenierungen in den Kammerspielen
an. Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ führt direkt in die Hölle, in der drei Menschen
wegen ihrer irdischen Vergehen auf ewig schmoren müssen.
In Dürrenmatts „Play Strindberg“, einer Komödie nach Strindbergs Ehe-Tragödie
„Totentanz“, machen sich Edgar und Alice gegenseitig das Leben schwer.
In Ingrid Lausunds Komödie „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ veranstalten fünf
selbsterklärte, aber durchaus eitle und politisch nur halbgebildete Gutmenschen eine
Spendengala für ein Schulprojekt in Afrika.
Mit der neuen Gattung des Live-Hörspiels begibt sich das Theater Heilbronn in die
schaurig-faszinierende Welt der Vampire: „Dracula“, heißt das Kino für Ohren und Augen,
das von Eike Hannemann und Birte Werner entwickelt wird.

Von leisem, nicht minder intelligenten Humor sind die beiden Kammerspielinszenierungen,
die sich mit der Suche junger Menschen nach einer eigenen Identität befassen: „Titus“ von
Jan Sobrie, stellt Titus, den Sohn des Fleischermeisters vor, der nach dem Lieblingsschwein
seines Vaters benannt ist, selbst aber kein Fleisch mag und bis über beide Ohren verliebt ist.
Um den Zauber der ersten Liebe und die Coolness der ersten Zigarette geht es in dem
flirrend leichten Stück von Andri Beyeler: „The killer in me is the killer in you my love“. Auch
das Unwohlsein im eigenen Körper, das bis zur Magersucht führt, wird in diesem Stück
thematisiert, in dem 5 Mädchen und Jungen einander mit Neugier und Scheu entdecken.

Außerdem konnte das Theater Heilbronn erneut den gefragten Autor Holger Schober für ein
Auftragswerk gewinnen: „Superman ist tot“, das im November uraufgeführt wird, erzählt
von zwei jungen Leuten, die nicht so recht klarkommen im Leben, und sich mit Hilfe von
Drogen in eine Scheinrealität katapultieren.


Besondere Projekte

An einen anderen Spielort mitten im Zentrum der Stadt zieht das Theater Heilbronn mit
einem Stadtprojekt, das ebenfalls mit Existenzen und Projektionen spielt. „Wohnzeit“ – so
lautet der Arbeitstitel dieses mehrteiligen und mehrmonatigen Projektes, das sich einerseits
mit den konkreten Lebensbedingungen der Heilbronnerinnen und Heilbronner
unterschiedlichster Herkünfte in den verschiedenen Stadtteilen und andererseits mit ihren
diesbezüglichen Wünschen befasst. In einer einwöchigen Wohnzeit soll unter
Laborbedingungen mit künstlerisch-spielerischen Mitteln ausprobiert werden, inwieweit
sich die gewünschte Wohn- und Lebenssituation realisieren lässt. Heilbronn entsteht in all
seiner Vielschichtigkeit im Kleinen und so flexibel, dass man auf alle neuen Erkenntnisse und
Bedürfnisse sofort reagieren kann, um eine Utopie von dieser Stadt zu entwerfen. Dem
gehen intensive Recherchen voraus, die bereits begonnen haben.


Musiktheater

Auch im Bereich des Musiktheaters werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus. So wird es
2010/2011 wieder eine gemeinsame Arbeit von Theater und Württembergischen
Kammerorchester geben. Grundlage sind die 14. Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch und
die „Lieder und Tänze des Todes“ von Modest Mussorgsky.

Der erste Teil von Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ wird 2011 im
Heilbronner Theater zu sehen sein: „Rheingold“ wird in Kooperation mit der Oper Halle
und dem Theater im Pfalzbau Ludwigshafen gezeigt.

Wiederum ist eine Opernproduktion aus dem Staatstheater Oldenburg zu Gast: Charles
Gounods Oper „Faust – Margarete“ in der Inszenierung von Elisabeth Stoeppler.

Die Operette kommt erneut aus dem Staatstheater Karlsruhe: Franz Lehàrs „Das Land des
Lächelns“ in der Inszenierung von Achim Thorwald.
Ballett

Die 2009/10 erfolgreich begonnene Zusammenarbeit mit dem Ballett des Hessischen
Staatstheaters wird in der kommenden Spielzeit fortgesetzt. Wieder ist das Wiesbadener
Ensemble mit zwei Programmen zu Gast: einem Ballettabend mit drei Stücken von
Ballettdirektor Stephan Thoss sowie eine Neudeutung von Tschaikowskys Dornröschen, die
soeben, am 11. April 2010, in Wiesbaden Premiere feierte.


Tanz! Heilbronn 2011

In seinem dritten Jahr verlässt „Tanz! Heilbronn“ die heimischen Gefilde in mehrfacher
Hinsicht. Erstmals wird eine Produktion „umsonst und draußen“ gezeigt, nämlich in der
Heilbronner Innenstadt: der Wiener Choreograf Willi Dorner erarbeitet mit Tänzern und
Sportlern einen Parcours aus Körper-Skulpturen, der auf die architektonischen
Gegebenheiten der Stadtmitte abgestimmt ist.

Auf den drei Bühnen des Theaters werden vornehmlich außereuropäische Produktionen zu
sehen sein, insbesondere aus Asien und Afrika. Die Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes aus
diesen Teilen der Welt soll gezeigt werden. Darüber hinaus ist auf diesen beiden
Kontinenten ein jeweils anderes Verhältnis von Individuum und Gesellschaft zu finden, also
andere Ausgangssituationen und Strategien, um den Herausforderungen der Globalisierung
und weiteren existenziellen Fragen zu begegnen. Dies spiegelt sich auch in der Kunst, den
Körpern und der Bewegung wider. Internationale Highlights des Festivals werden unter
anderem Sankai Juku (Tokio) und Germaine Acogny (Senegal) sein.

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Pressemitteilung SZ 1011 Existenzen und Projektionen.pdf

  • 1. Pressemitteilung zur Spielplanpräsentation am 16. April 2010 Eine gute Zeit für die Kunst Theater Heilbronn begibt sich 2010/2011 mit seinen Inszenierungen ins gesellschaftliche Spannungsfeld zwischen Krise und Aufbruch Das Theater Heilbronn begibt sich in der Spielzeit 2010/2011 mitten hinein in das Spannungsfeld aus Krise und Umbruch, in dem sich unsere Gesellschaft gegenwärtig befindet. Die Zeit ist reif für Veränderungen. Ein guter Moment für die Kunst! 26 Inszenierungen, darunter eine Uraufführung, vier ungewöhnliche Theaterprojekte und die dritte Auflage des Festivals „Tanz! Heilbronn“ sind geplant. Das Spielzeitmotto „Existenzen und Projektionen“ steht dabei für die Kluft zwischen Wirklichkeit und Wunsch, realen gesellschaftlichen Verhältnissen und Utopien. Das Theater befragt auf seine ganz besondere, sinnliche Weise sehr unterschiedliche Lebensentwürfe zwischen den Extremen. Und während die großen Tragödien eher ein pessimistisches Bild entwerfen, in dem höchstens kleine Hoffnungsschimmer aufglimmen, sind es die Komödien und Grotesken, die mit fröhlichen Alternativen aufwarten und augenzwinkernd Auswege aufzeigen. Eröffnungswochenende am 24. und 25. September 2010 Eröffnet wird die Spielzeit am 24. September 2010 mit Henrik Ibsens reifem Werk „John Gabriel Borkman“, der Tragödie einer Bankiersfamilie. Borkman hatte Gelder seiner Anleger veruntreut, eine Riesenpleite verursacht und damit das Leben der Bankkunden und das seiner Familie ruiniert. Jahrelang war eine dicke, eisige Schicht des Schweigens darüber gewachsen, die eines Tages brachial wieder aufbricht. Am 25. September heißt es im Komödienhaus mit Dario Fo „Bezahlt wird nicht!“. Weil die Frauen die ständigen Preistreibereien satt haben, plündern sie den Supermarkt ohne zu bezahlen. Das müssen sie sowohl vor der Polizei, als auch vor ihren rechtschaffenden Ehemännern verbergen und starten die absurdesten Unternehmungen, um das Diebesgut zu verstecken. Der Nobelpreisträger Dario Fo hat seinen Klassiker aus dem Jahr 1974 angesichts der Finanzkrise 2009 neu überarbeitet. Großes Haus Auch in der nächsten Produktion im Großen Haus schlägt die Ohnmacht der „kleinen“ Leute um in produktive Wut und Tatendrang: „Ladies Night“ von Stephen Sinclair und Anthony McCarten stellt ein paar Männer unterschiedlichen Alters vor, deren Firmen dicht gemacht und sie auf die Straße gesetzt haben. Das Selbstbewusstsein ist im Keller, ihre
  • 2. Frauen verdienen jetzt das Geld und amüsieren sich außerdem noch bei Auftritten der Chippendales. Doch dann beschließen die Männer, was die aalglatten Muskelprotze können, das können sie schon lange. Mit Tanztraining und ihrer ganz speziellen Problemzonengymnastik bereiten sie sich auf ihren ganz großen Auftritt vor. Im Kinderstück zur Weihnachtszeit Michael Endes „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ sind es auch die Kleinen und Schwachen, nämlich Kater und Rabe, die den scheinbar Großen, Zauberer und Hexe, Einhalt bei ihren bösen Taten gebieten. Außerdem stehen zwei große Klassiker auf dem Programm. Die Inszenierungen von Schillers „Maria Stuart“ und Shakespeares „Hamlet“ bieten mit den Tragödien gekrönter Häupter reichlich Stoff für die Auseinandersetzung um Macht und Gesellschaft. Rebekka Kricheldorfs „Villa Dolorosa“, ein Stück von 2009, das mit den Motiven von Anton Tschechows „Drei Schwestern“ spielt, fragt nach dem Platz der jungen Generation in unserer Zeit. Deren Vertreterinnen stehen zumindest in diesem Stück alle Wege offen. Doch vor lauter Flucht in die Vorstellungen darüber, wie das eigene Leben sein müsste und wie es auf keinen Fall sein darf, kommen sie keinen Schritt vorwärts. Im Februar 2010 erhielt Kricheldorf dafür den „Kasseler Förderpreis für Komische Literatur“. 2010/2011 stehen darüber hinaus zwei ganz besondere Inszenierungen im Großen Haus auf dem Programm, die übliche Theaterformate sprengen. „White“ führt ins Umbruchsjahr 1968 und fragt, was die Beatles dazu zu sagen hatten. Grundlage dieses Abends ist deren legendäres „Weißes Album“, das popmusikalische Dokument jenes Jahres, das in seiner Vielgestaltigkeit den antagonistischen Zeitgeist widerspiegelt. Mit „Exit Europa – Requiem für einen Kontinent“ kommt eine große musikalisch-literarische Collage auf die Bühne des Großen Hauses, die in Texten und Musik der abendländischen Kultur nach den Perspektiven für das westliche Europa sucht. Komödienhaus Aberwitziges Grauen, das sich hinter einer scheinbar friedlichen kleinbürgerlichen Fassade verbirgt, wird das Publikum im Komödienhaus bestens unterhalten. In „Arsen und Spitzenhäubchen“ von Joseph Kesselring sind es zwei liebenswürdige Damen, die im wahrsten Sinne des Wortes Leichen im Keller haben. In „Gatte gegrillt“ von Debbie Isitt beschließt eine betrogene Ehefrau, die Untreue ihres Mannes auf besonders bizarre Weise zu rächen. Und im Musical „King Kong“ nach dem gleichnamigen berühmten Kinofilm lässt einem ein monströser Riesenaffe die Nackenhaare zu Berge stehen. Kammerspiele Grundsätzlichere, philosophische Töne schlagen die Inszenierungen in den Kammerspielen an. Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ führt direkt in die Hölle, in der drei Menschen wegen ihrer irdischen Vergehen auf ewig schmoren müssen. In Dürrenmatts „Play Strindberg“, einer Komödie nach Strindbergs Ehe-Tragödie „Totentanz“, machen sich Edgar und Alice gegenseitig das Leben schwer. In Ingrid Lausunds Komödie „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ veranstalten fünf selbsterklärte, aber durchaus eitle und politisch nur halbgebildete Gutmenschen eine Spendengala für ein Schulprojekt in Afrika.
  • 3. Mit der neuen Gattung des Live-Hörspiels begibt sich das Theater Heilbronn in die schaurig-faszinierende Welt der Vampire: „Dracula“, heißt das Kino für Ohren und Augen, das von Eike Hannemann und Birte Werner entwickelt wird. Von leisem, nicht minder intelligenten Humor sind die beiden Kammerspielinszenierungen, die sich mit der Suche junger Menschen nach einer eigenen Identität befassen: „Titus“ von Jan Sobrie, stellt Titus, den Sohn des Fleischermeisters vor, der nach dem Lieblingsschwein seines Vaters benannt ist, selbst aber kein Fleisch mag und bis über beide Ohren verliebt ist. Um den Zauber der ersten Liebe und die Coolness der ersten Zigarette geht es in dem flirrend leichten Stück von Andri Beyeler: „The killer in me is the killer in you my love“. Auch das Unwohlsein im eigenen Körper, das bis zur Magersucht führt, wird in diesem Stück thematisiert, in dem 5 Mädchen und Jungen einander mit Neugier und Scheu entdecken. Außerdem konnte das Theater Heilbronn erneut den gefragten Autor Holger Schober für ein Auftragswerk gewinnen: „Superman ist tot“, das im November uraufgeführt wird, erzählt von zwei jungen Leuten, die nicht so recht klarkommen im Leben, und sich mit Hilfe von Drogen in eine Scheinrealität katapultieren. Besondere Projekte An einen anderen Spielort mitten im Zentrum der Stadt zieht das Theater Heilbronn mit einem Stadtprojekt, das ebenfalls mit Existenzen und Projektionen spielt. „Wohnzeit“ – so lautet der Arbeitstitel dieses mehrteiligen und mehrmonatigen Projektes, das sich einerseits mit den konkreten Lebensbedingungen der Heilbronnerinnen und Heilbronner unterschiedlichster Herkünfte in den verschiedenen Stadtteilen und andererseits mit ihren diesbezüglichen Wünschen befasst. In einer einwöchigen Wohnzeit soll unter Laborbedingungen mit künstlerisch-spielerischen Mitteln ausprobiert werden, inwieweit sich die gewünschte Wohn- und Lebenssituation realisieren lässt. Heilbronn entsteht in all seiner Vielschichtigkeit im Kleinen und so flexibel, dass man auf alle neuen Erkenntnisse und Bedürfnisse sofort reagieren kann, um eine Utopie von dieser Stadt zu entwerfen. Dem gehen intensive Recherchen voraus, die bereits begonnen haben. Musiktheater Auch im Bereich des Musiktheaters werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus. So wird es 2010/2011 wieder eine gemeinsame Arbeit von Theater und Württembergischen Kammerorchester geben. Grundlage sind die 14. Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch und die „Lieder und Tänze des Todes“ von Modest Mussorgsky. Der erste Teil von Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ wird 2011 im Heilbronner Theater zu sehen sein: „Rheingold“ wird in Kooperation mit der Oper Halle und dem Theater im Pfalzbau Ludwigshafen gezeigt. Wiederum ist eine Opernproduktion aus dem Staatstheater Oldenburg zu Gast: Charles Gounods Oper „Faust – Margarete“ in der Inszenierung von Elisabeth Stoeppler. Die Operette kommt erneut aus dem Staatstheater Karlsruhe: Franz Lehàrs „Das Land des Lächelns“ in der Inszenierung von Achim Thorwald.
  • 4. Ballett Die 2009/10 erfolgreich begonnene Zusammenarbeit mit dem Ballett des Hessischen Staatstheaters wird in der kommenden Spielzeit fortgesetzt. Wieder ist das Wiesbadener Ensemble mit zwei Programmen zu Gast: einem Ballettabend mit drei Stücken von Ballettdirektor Stephan Thoss sowie eine Neudeutung von Tschaikowskys Dornröschen, die soeben, am 11. April 2010, in Wiesbaden Premiere feierte. Tanz! Heilbronn 2011 In seinem dritten Jahr verlässt „Tanz! Heilbronn“ die heimischen Gefilde in mehrfacher Hinsicht. Erstmals wird eine Produktion „umsonst und draußen“ gezeigt, nämlich in der Heilbronner Innenstadt: der Wiener Choreograf Willi Dorner erarbeitet mit Tänzern und Sportlern einen Parcours aus Körper-Skulpturen, der auf die architektonischen Gegebenheiten der Stadtmitte abgestimmt ist. Auf den drei Bühnen des Theaters werden vornehmlich außereuropäische Produktionen zu sehen sein, insbesondere aus Asien und Afrika. Die Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes aus diesen Teilen der Welt soll gezeigt werden. Darüber hinaus ist auf diesen beiden Kontinenten ein jeweils anderes Verhältnis von Individuum und Gesellschaft zu finden, also andere Ausgangssituationen und Strategien, um den Herausforderungen der Globalisierung und weiteren existenziellen Fragen zu begegnen. Dies spiegelt sich auch in der Kunst, den Körpern und der Bewegung wider. Internationale Highlights des Festivals werden unter anderem Sankai Juku (Tokio) und Germaine Acogny (Senegal) sein.